DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE
Dies sind die heimlichen Worte, die der lebendige Jesus redete und Didymus Judas Thomas aufschrieb.
Und er sprach: Wer die Auslegung dieser Reden findet, der wird den Tod nicht schmecken.
Jesus sprach: Wer da suchet, der höre nicht auf zu suchen, bis dass er finde. Und wenn er findet, wird er erschrecken; und wenn er erschrickt, wird er sich verwundern und wird herrschen über das All. [Und wenn er herrscht, wird er Ruhe haben.]
Jesus sprach: So euch eure Lehrer sagen: Siehe, das Reich des Vaters ist im Himmel, so werden euch die Vögel des Himmels zuvorkommen. Sagen sie euch: Es ist im Meer, so werden euch die Fische zuvorkommen. Sondern das Reich ist in eurem Inwendigen, und es ist außerhalb eurer.
Wenn ihr euch selbst erkennet, alsdann werdet ihr erkannt werden und erfahren, dass ihr die Kinder des lebendigen Vaters seid. Werdet ihr euch aber nicht erkennen, so lebet ihr in Armut, und ihr selbst seid die Armut.
Jesus sprach: Ein alter Mann wird nicht anstehen, ein kleines Kind von sieben Tagen zu fragen nach dem Ort des Lebens, und er wird leben. Denn viele Erste werden die Letzten sein, und sie werden ein Eines werden.
Jesus sprach: Erkenne, was vor deinem Angesicht ist, so wird dir offenbart werden, was vor dir verborgen ist. Denn es ist nichts Verborgenes, das nicht offenbar werde [und nichts Begrabenes, das nicht auferstehe].
Seine Jünger fragten ihn und sprachen zu ihm: Willst du, dass wir fasten? Und wie sollen wir beten? Sollen wir Almosen geben, und was für Speise sollen wir halten?
Jesus sprach: Lütget nicht und tut nicht, was euch ein Greuel ist; denn alle Dinge sind offenbart vor dem Himmel. Es ist nichts Verborgenes, das nicht offenbar werde, und nichts Verdecktes, das ungeöffnet bleibe.
Jesus sprach: Selig ist der Löwe, den der Mensch isst, auf dass der Löwe Mensch werde. Und verflucht ist der Mensch, den der Löwe frisst, und der Löwe wird dennoch Mensch werden.
Und er sprach: Der Mensch ist gleich einem klugen Fischer, der warf sein Netz ins Meer und zog es heraus aus dem Meer voll kleiner Fische. Unter ihnen fand der kluge Fischer einen schönen, großen Fisch. Da warf er alle kleinen Fische wieder ins Meer und erwählte ohne Mühe den großen Fisch. Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Jesus sprach: Siehe, der Sämann ging aus, nahm seine Hand voll Samen und streute sie aus. Etliche fielen auf den Weg; da kamen die Vögel und lasen sie auf. Etliche fielen auf den Felsen; die schlugen keine Wurzeln in die Erde und trugen keine Ären. Etliche fielen unter die Dornen; die erstickten den Samen, und die Würmer fraßen sie. Und etliche fielen auf gutes Land; das trug gute Frucht und gab sechzigfältig und hundertundzwanzigfältig.
Jesus sprach: Ich habe ein Feuer geworfen auf die Welt, und siehe, ich behüte es, bis dass es brennt.
Jesus sprach: Dieser Himmel wird vergehen, und der da droben ist, wird vergehen. Die Toten leben nicht, und die Lebendigen werden nicht sterben. In den Tagen, da ihr das Tote aßet, machtet ihr es lebendig. Wenn ihr im Licht seid, was werdet ihr tun? Am Tage, da ihr eins wart, wurdet ihr zwei. Wenn ihr aber zwei geworden seid, was werdet ihr tun?
Die Jünger sprachen zu Jesus: Wir wissen, dass du von uns gehen wirst. Wer soll unser Meister sein?
Jesus sprach zu ihnen: An welchem Ort ihr auch seid, da sollt ihr hingehen zu Jakobus dem Gerechten, um dessentwillen Himmel und Erde geworden sind.
Jesus sprach zu seinen Jüngern: Vergleicht mich und sagt mir, wem ich gleich bin.
Simon Petrus sprach zu ihm: Du bist gleich einem gerechten Engel.
Matthäus sprach zu ihm: Du bist gleich einem weisen Schriftgelehrten.
Thomas sprach zu ihm: Meister, mein Mund vermag es gänzlich nicht auszusprechen, wem du gleich bist.
Jesus sprach: Ich bin nicht dein Meister; denn du hast getrunken und bist trunken geworden von der wallenden Quelle, die ich gepflegt habe.
Und er nahm ihn, zog sich zurück und sagte ihm drei Worte. Als aber Thomas wieder zu seinen Gesellen kam, fragten sie ihn: Was hat dir Jesus gesagt?
Thomas sprach zu ihnen: Wenn ich euch eines von den Worten sage, die er mir gesagt hat, so werdet ihr Steine aufheben und mich steinigen; und es wird Feuer aus den Steinen fahren und euch verzehren.
Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr fastet, so werdet ihr euch Sünde gebären; und wenn ihr betet, werdet ihr verdammt werden; und wenn ihr Almosen gebet, werdet ihr eurem Geist Schaden tun.
Wenn ihr in ein jegliches Land ziehet und wandelt auf dem Lande, und sie nehmen euch auf, so esset, was man euch vorsetzt, und heilt die Kranken unter ihnen. Denn was zu eurem Munde eingeht, das verunreinigt euch nicht; sondern was aus eurem Munde geht, das verunreinigt euch.
Jesus sprach: Wenn ihr den sehet, der nicht von einer Frau geboren ist, so fallt nieder auf euer Angesicht und betet ihn an; der ist euer Vater.
Jesus sprach: Die Menschen meinen vielleicht, dass ich kommen sei, Frieden zu bringen auf die Welt. Sie wissen nicht, dass ich kommen bin, Zwietracht zu werfen auf die Erde: Feuer, Schwert und Krieg. Denn es werden fünf sein in einem Hause: drei werden wider zwei sein und zwei wider drei, der Vater wider den Sohn und der Sohn wider den Vater; und sie werden als Einzelne stehen.
Jesus sprach: Ich will euch geben, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und keine Hand angerührt hat und in keines Menschen Herz gestiegen ist.
Die Jünger sprachen zu Jesus: Sage uns, wie wird unser Ende werden?
Jesus sprach: Habt ihr denn den Anfang gefunden, dass ihr nach dem Ende fraget? Denn wo der Anfang ist, da wird auch das Ende sein. Selig ist, wer im Anfang steht: der wird das Ende erkennen und den Tod nicht schmecken.
Jesus sprach: Selig ist, der da war, ehe er ward. Werdet ihr meine Jünger und höret auf meine Reden, so werden euch diese Steine dienen. Denn ihr habt fünf Bäume im Paradies, die wandeln sich nicht im Sommer noch im Winter, und ihre Blätter fallen nicht. Wer die erkennt, der wird den Tod nicht schmecken.
Die Jünger sprachen zu Jesus: Sage uns, wem ist das Himmelreich gleich?
Er sprach zu ihnen: Es ist gleich einem Senfkorn, das ist das kleinste unter allen Samen; wenn es aber fällt auf das bereitete Land, bringt es einen großen Strauch hervor und wird den Vögeln unter dem Himmel zur Herberge.
Maria sprach zu Jesus: Wem sind deine Jünger gleich?
Er sprach: Sie sind gleich kleinen Kindern, die wohnen auf einem Acker, der nicht ihr eigener ist. Wenn die Herren des Ackers kommen, werden sie sagen: Gebet uns unseren Acker wieder! Da ziehen sie ihre Kleider aus vor ihnen, dass sie ihnen den Acker lassen, und geben ihnen ihren Acker wieder.
Darum sage ich euch: Wenn der Hausherr weiß, dass der Dieb kommt, so wird er wachen, ehe er kommt, und wird ihn nicht einbrechen lassen in sein Haus, dass er sein Gut raube. Ihr aber, hütet euch vor der Welt! Gürtet eure Lenden mit großer Kraft, dass die Räuber keinen Weg finden, zu euch zu kommen; denn die Trübsal, die ihr wartet, wird kommen.
Es sei unter euch ein verständiger Mensch! Als die Frucht reif war, kam er eilig mit der Sichel in der Hand und schnitt sie um. Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Jesus sah Säuglinge an der Brust liegen. Er sprach zu seinen Jüngern: Diese Säuglinge sind gleich denen, die ins Reich eingehen.
Sie sprachen zu ihm: Sollen wir denn als Kinder ins Reich eingehen?
Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr das Zweifache zu Einem macht, und wenn ihr das Inwendige macht wie das Auswendige und das Auswendige wie das Inwendige und das Oben wie das Unten; und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu Einem macht, dass das Männliche nicht männlich und das Weibliche nicht weiblich sei; wenn ihr Augen macht anstatt eines Auges und eine Hand anstatt einer Hand und einen Fuß anstatt eines Fußes und ein Bild anstatt eines Bildes – alsdann werdet ihr eingehen [in das Reich].
Jesus sprach: Ich will euch erwählen, einen aus tausend und zwei aus zehntausend; und sie werden stehen als ein Eines.
Seine Jünger sprachen: Zeige uns den Ort, da du bist, denn wir müssen ihn suchen.
Er sprach zu ihnen: Wer Ohren hat, der höre! Es ist Licht im Innern eines Lichtmenschen, und er erleuchtet die ganze Welt. Wo er nicht leuchtet, da ist Finsternis.
Jesus sprach: Liebe deinen Bruder wie deine Seele; behüte ihn wie den Augapfel deines Auges.
Jesus sprach: Du siehst den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken in deinem Auge siehst du nicht. Wenn du den Balken aus deinem Auge ziehest, alsdann wirst du sehen, dass du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.
Wenn ihr nicht fastet von der Welt, so werdet ihr das Reich Gottes nicht finden. Wenn ihr den Sabbat nicht haltet als Sabbat, so werdet ihr den Vater nicht sehen.
Jesus sprach: Ich trat mitten in die Welt und erschien ihnen im Fleisch; und ich fand sie alle trunken, und fand keinen unter ihnen, den da dürstete. Und meine Seele hatte Jammer über die Kinder der Menschen, denn sie sind blind in ihrem Herzen und sehen nicht; denn leer sind sie in die Welt kommen und suchen auch wieder leer aus der Welt zu gehen. Nun aber sind sie trunken. Wenn sie ihren Wein abgeschüttelt haben, alsdann werden sie Buße tun.
Jesus sprach: Wenn das Fleisch worden ist um des Geistes willen, so ist es ein Wunder; wenn aber der Geist um des Leibes willen worden ist, so ist es ein Wunder der Wunder. Ich aber verwundere mich darüber, wie dieser große Reichtum in dieser Armut Wohnung genommen hat.
Jesus sprach: Wo drei Götter sind, die sind göttlich. Wo zwei oder einer ist, mit dem bin ich.
Jesus sprach: Kein Prophet ist angenehm in seinem Vaterlande, und kein Arzt heilt die, so ihn kennen.
Eine Stadt, die auf einem hohen Berge gebaut ist und befestigt, kann nicht fallen noch verborgen sein.
Jesus sprach: Was du hören wirst in dein Ohr, das verkündige auf deinen Dächern. Denn niemand zündet ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, noch setzt er es an einen verborgenen Ort; sondern er setzt es auf einen Leuchter, auf dass alle, die ein- und ausgehen, sein Licht sehen.
Jesus sprach: Wenn ein Blinder einen Blinden führt, so fallen sie beide in die Grube.
Jesus sprach: Niemand kann eingehen in das Haus eines Starken und seinen Hausrat rauben, er binde denn zuvor den Starken; alsdann wird er sein Haus berauben.
Jesus sprach: Sorget nicht von Morgen bis zum Abend und vom Abend bis zum Morgen, was ihr essen werdet oder was ihr anziehen werdet. Ihr seid viel besser als die Lilien, die nicht spinnen noch weben. Wenn ihr nun kein Kleid habt, was wollt ihr anziehen? Wer kann zu eurer Größe zusetzen? Ebenderselbe wird euch euer Kleid geben.
Seine Jünger sprachen: Wann wirst du uns erscheinen, und wann werden wir dich sehen?
Jesus sprach: Wenn ihr euch auszieht ohne Scham und eure Kleider nehmt und sie unter eure Füße tretet wie die kleinen Kinder und sie zertretet, alsdann werdet ihr sehen den Sohn des Lebendigen, und ihr werdet euch nicht fürchten.
Jesus sprach: Oftmals habt ihr begehrt, diese Worte zu hören, die ich zu euch rede, und ihr habt keinen anderen, von dem ihr sie hören mögt. Es werden Tage kommen, da werdet ihr mich suchen und nicht finden.
Jesus sprach: Die Pharisäer und die Schriftgelehrten haben die Schlüssel der Erkenntnis genommen und sie verborgen. Sie sind nicht hineingegangen und haben die nicht hineingelassen, die hineingehen wollten. Ihr aber seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.
Jesus sprach: Ein Weinstock ist gepflanzt worden ohne den Vater. Und weil er nicht stark ist, wird er ausgerottet werden mit der Wurzel und verderben.
Jesus sprach: Wer da hat, dem wird gegeben werden; und wer nicht hat, dem wird auch das genommen werden, was er hat.
Jesus sprach: Werdet Vorübergehende.
Seine Jünger sprachen zu ihm: Wer bist du, dass du solches zu uns sagst?
Er sprach zu ihnen: Aus dem, was ich zu euch rede, erkennt ihr nicht, wer ich bin. Sondern ihr seid geworden wie die Juden; denn sie lieben den Baum und hassen seine Frucht, oder sie lieben die Frucht und hassen den Baum.
Jesus sprach: Wer da lästert wider den Vater, dem wird es vergeben werden; und wer da lästert wider den Sohn, dem wird es vergeben werden; wer aber lästert wider den Heiligen Geist, dem wird es nicht vergeben werden, weder auf Erden noch im Himmel.
Jesus sprach: Man liest nicht Trauben von den Dornen, noch liest man Feigen von den Disteln; denn sie bringen keine Frucht. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem Schatz; ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz, den er in seinem Herzen hat, und redet Böses. Denn aus dem Überfluss des Herzens redet sein Mund Böses.
Jesus sprach: Von Adam an bis auf Johannes den Täufer ist unter den Muttergeborenen keiner so viel größer als Johannes der Täufer, dass seine Augen vor ihm niedergeschlagen werden müssten. Ich habe aber gesagt: Wer unter euch ein Kind wird, der wird das Reich erkennen und wird größer werden als Johannes.
Jesus sprach: Ein Mensch kann nicht auf zwei Pferden reiten noch zwei Bogen spannen. Und ein Knecht kann nicht zwei Herren dienen; sonst wird er den einen ehren und den anderen beleidigen. Niemand trinkt alten Wein und begehrt stracks jungen Wein zu trinken. Auch gießt man nicht jungen Wein in alte Schläuche, auf dass sie nicht zerreißen; und man gießt keinen alten Wein in neue Schläuche, auf dass er nicht verdirbt. Man näht auch keinen alten Lappen auf ein neues Kleid, sonst entsteht ein Riss.
Jesus sprach: Wenn zwei miteinander Frieden machen in einem Hause, so werden sie zum Berge sagen: Hebe dich von hinnen!, und er wird sich heben.
Jesus sprach: Selig sind die Einsamen und Auserwählten; denn ihr werdet das Reich finden. Denn ihr seid von ihm kommen und werdet wieder dahin gelangen.
Jesus sprach: So sie zu euch sagen: Woher seid ihr kommen?, so sprecht zu ihnen: Wir sind kommen aus dem Licht, von dem Ort, da das Licht durch sich selbst worden ist; es bestand und erschien in ihrem Bilde. So sie zu euch sagen: Seid ihr es?, so sprecht: Wir sind seine Kinder, und wir sind die Auserwählten des lebendigen Vaters. So sie euch fragen: Was ist das Zeichen eures Vaters in euch?, so sprecht zu ihnen: Es ist Bewegung und Ruhe.
Seine Jünger sprachen zu ihm: Wann wird die Ruhe der Toten geschehen, und wann wird die neue Welt kommen?
Er sprach zu ihnen: Was ihr erwartets, das ist schon kommen, aber ihr erkennt es nicht.
Seine Jünger sprachen zu ihm: Vierundzwanzig Propheten haben geredet in Israel, und sie alle haben von dir geredet.
Er sprach zu ihnen: Ihr habt den Lebendigen gelassen, der vor euch ist, und habt geredet von den Toten.
Seine Jünger sprachen zu ihm: Ist die Beschneidung nütze oder nicht?
Er sprach zu ihnen: Wenn sie nütze wäre, so würde ihr Vater sie aus ihrer Mutter beschnitten zeugen. Aber die wahrhaftige Beschneidung im Geist ist nütze worden an allen Orten.
Jesus sprach: Selig sind die Armen; denn das Himmelreich ist euer.
Jesus sprach: Wer nicht hasst seinen Vater und seine Mutter, der kann nicht mein Jünger sein; und wer nicht hasst seine Brüder und seine Schwestern und trägt sein Kreuz wie ich, der ist mein nicht wert.
Jesus sprach: Wer die Welt erkannt hat, der hat einen Leichnam gefunden; und wer einen Leichnam gefunden hat, dessen ist die Welt nicht wert.
Jesus sprach: Das Reich des Vaters ist gleich einem Menschen, der guten Samen hatte. Sein Feind kam bei Nacht und säete Unkraut unter den guten Samen. Der Mensch aber ließ die Knechte das Unkraut nicht ausjäten, sondern sprach zu ihnen: Nein, auf dass ihr nicht etwa beim Ausjäten des Unkrauts zugleich auch den Weizen ausrauft. Denn am Tage der Ernte wird das Unkraut offenbar werden; da wird man es ausjäten und verbrennen.
Jesus sprach: Selig ist der Mensch, der da gearbeitet hat; er hat das Leben gefunden.
Jesus sprach: Sehet auf den Lebendigen, dieweil ihr lebet, auf dass ihr nicht sterbet und danach suchet, den Lebendigen zu sehen, und werdet ihn nicht sehen können.
Er sah einen Samariter, der trug ein Lamm und ging nach Judäa. Er sprach zu seinen Jüngern: Was tut er mit dem Lamm? Sie sprachen zu ihm: Er will es schlachten und essen. Er sprach zu ihnen: Er wird es nicht essen, dieweil es lebt, sondern erst, wenn er es geschlachtet hat und es ein Leichnam worden ist. Sie sprachen: Anders kann er es nicht tun. Er sprach zu ihnen: Also auch ihr, suchet euch einen Ort zur Ruhe, dass ihr nicht zum Leichnam werdet und gefressen werdet.
Jesus sprach: Zwei werden ruhen auf einem Lager; einer wird sterben, einer wird leben.
Salome sprach: Wer bist du, Mensch? Du bist auf mein Lager gestiegen und hast gegessen von meinem Tisch, als wärest du von jemandem.
Jesus sprach zu ihr: Ich bin der, so gekommen ist aus dem, was ganz ist. Mir ist gegeben worden von dem, was meines Vaters ist.
[Salome sprach:] Ich bin deine Jüngerin.
[Jesus sprach:] Darum sage ich: Ist einer ganz, so wird er voll Licht werden; ist er aber getrennt, so wird er voll Finsternis werden.
Jesus sprach: Ich sage meine Geheimnisse denen, die meiner Geheimnisse würdig sind.
Jesus sprach: Es war ein reicher Mensch, der hatte viel Gut. Er sprach: Ich will mein Gut gebrauchen, dass ich säe, erntete, pflanzte und meine Scheunen füllte mit Frucht, auf dass mir nichts mangle. Das gedachte er in seinem Herzen; aber in derselbigen Nacht starb er. Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Jesus sprach: Ein Mensch richtete ein Abendmahl zu und sandte seinen Knecht aus, die Gäste zu laden.
Der Knecht ging hin zum ersten und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich. Er sprach: Etliche Kaufleute schulden mir Geld; die kommen heute Nacht zu mir. Ich muss hin gehen und ihnen Anweisung geben. Ich bitte dich, entschuldige mich von dem Abendmahl.
Der Knecht ging hin zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr hat dich geladen. Er sprach zum Knechte: Ich habe ein Haus gekauft und werde gefordert auf einen Tag; ich habe keine Zeit.
Der Knecht ging hin zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich. Er sprach zum Knechte: Mein Freund soll Hochzeit halten, und ich soll das Mahl ausrichten; ich kann nicht kommen. Ich bitte dich, entschuldige mich.
Der Knecht ging hin zu einem anderen und sprach zu ihm: Mein Herr lädt dich. Er sprach zum Knechte: Ich habe ein Dorf gekauft und gehe hin, den Zins einzunehmen; ich kann nicht kommen. Ich bitte dich, entschuldige mich.
Der Knecht kam wieder und sprach zu seinem Herrn: Die du geladen hast zum Abendmahl, haben sich entschuldigt. Da sprach der Herr zu seinem Knechte: Gehe hinaus auf die Gassen und bringe herein, wen du findest, dass sie das Abendmahl essen.
Die Käufer und Kaufleute werden nicht eingehen in die Stätten meines Vaters.
Er sprach: Ein Mann hatte einen Weinberg und tat ihn Ausländersleuten aus, dass sie darin arbeiteten und er die Frucht von ihnen empfinge. Er sandte seinen Knecht, dass die Weingärtner ihm die Frucht des Weinbergs gäben. Sie aber griffen ihn, schlugen ihn und brachten ihn nahe an den Tod. Der Knecht kam wieder und sagte es seinem Herrn. Da sprach sein Herr: Vielleicht haben sie ihn nicht erkannt. Er sandte einen anderen Knecht; aber die Weingärtner schlugen auch den. Da sandte der Herr seinen Sohn und sprach: Sie werden sich doch vor meinem Sohn scheuen. Die Weingärtner aber, da sie wussten, dass er der Erbe des Weinbergs war, griffen sie ihn und töteten ihn. Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Jesus sprach: Weiset mir den Stein, den die Bauleute verworfen haben; der ist zum Eckstein worden.
Jesus sprach: Wer das All erkennt, mangelt aber an sich selbst, der mangelt am ganzen Ort.
Jesus sprach: Selig seid ihr, wenn man euch hasset und verfolget; und man wird keinen Ort finden da, wo ihr verfolgt worden seid.
Jesus sprach: Selig sind, die verfolgt worden sind in ihrem Herzen; das sind die, so den Vater wahrhaftig erkannt haben. Selig sind die Hungrigen, auf dass der Leib des Dürftigen gefüllt werde.
Jesus sprach: Wenn ihr das hervorbringt, was in euch ist, so wird euch das retten, was ihr habt. Wenn ihr das nicht habt in euch, so wird das, was ihr nicht habt in euch, euch töten.
Jesus sprach: Ich werde dieses Haus abgebrechen, und niemand wird vermögen, es wieder aufzubauen.
Es sprach ein Mensch zu ihm: Sage meinen Brüdern, dass sie das Erbe meines Vaters mit mir teilen.
Er sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich zum Erbteiler gemacht?
Er wandte sich zu seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Ich bin doch kein Erbteiler?
Jesus sprach: Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Darum bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter sende in seine Ernte.
Er sprach: Herr, es sind viele um die Tränke, aber es ist nichts im Brunnen.
Jesus sprach: Es stehen viele vor der Tür, aber die Einsamen werden eingehen in die Brautkammer.
Jesus sprach: Das Reich des Vaters ist gleich einem Kaufmann, der hatte eine Ladung Ware und fand eine Perle. Der Kaufmann war klug; er verkaufte die Ware und kaufte die Perle allein für sich. Also auch ihr, suchet seinen Schatz, der nicht aufhört, der da bleibet, da keine Motte hin kommt zu fressen und kein Wurm verdirbt.
Jesus sprach: Ich bin das Licht, das über ihnen allen ist. Ich bin das All; aus mir ist das All hervorgangen, und zu mir ist das All gelangt. Spaltet ein Holz, ich bin da. Hebet den Stein auf, und ihr werdet mich da finden.
Jesus sprach: Warum seid ihr hinausgegangen auf das Land? Einen Rohrhalm zu sehen, der vom Winde bewegt wird? Und einen Menschen zu sehen, getan in weiche Kleider, wie eure Könige und eure Gewaltigen? Die sind getan in weiche Kleider und vermögen die Wahrheit nicht zu erkennen.
Es sprach eine Frau aus dem Volk zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die dich gesäugt haben!
Er sprach zu ihr: Selig sind, die das Wort des Vaters gehört und es wahrhaftig bewahrt haben. Denn es werden Tage kommen, da werdet ihr sagen: Selig ist der Leib, der nicht empfangen hat, und die Brüste, die nicht gesäugt haben.
Jesus sprach: Wer die Welt erkannt hat, der hat den Leib gefunden; und wer den Leib gefunden hat, dessen ist die Welt nicht wert.
Jesus sprach: Wer reich worden ist, der herrsche; und wer Macht hat, der entsage.
Jesus sprach: Wer mir nahe ist, der ist dem Feuer nahe; und wer fern von mir ist, der ist fern vom Reich.
Jesus sprach: Die Bilder sind offenbar dem Menschen, aber das Licht in ihnen ist verborgen im Bilde des Lichts des Vaters. Er wird offenbar werden, aber sein Bild bleibt verborgen durch sein Licht.
Jesus sprach: Wenn ihr euer Ebenbild sehet, freuet ihr euch. Wenn ihr aber eure Bilder sehet, die vor euch worden sind, die weder sterben noch offenbar werden – wie viel werdet ihr zu tragen haben!
Jesus sprach: Adam ist kommen aus einer großen Macht und einem großen Reichtum, und er war eurer nicht wert. Denn wäre er sein wert gewesen, so wäre er dem Tode nicht anheimgefallen.
Jesus sprach: Die Füchse haben Gruben und die Vögel des Himmels haben Nester; aber des Menschen Sohn hat keinen Ort, da er sein Haupt hinlege und ruhe.
Jesus sprach: Elend ist der Leib, der an einem Leibe hängt; und elend ist die Seele, die an diesen beiden hängt.
Jesus sprach: Die Engel und die Propheten werden zu euch kommen und euch geben, was euer ist. Und ihr sollt ihnen geben, was ihr habt, und zu euch selbst sagen: Wann werden sie kommen und nehmen, was ihr ist?
Jesus sprach: Warum waschet ihr das Äußere des Bechers? Verstehet ihr nicht, dass der, so das Innere gemacht hat, auch der ist, der das Äußere gemacht hat?
Jesus sprach: Kommet her zu mir, denn mein Joch ist sanft und meine Herrschaft ist leicht, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.
Sie sprachen zu ihm: Sage uns, wer du bist, auf dass wir an dich glauben.
Er sprach zu ihnen: Ihr prüfet das Angesicht des Himmels und der Erde; und den, der vor eurem Angesicht ist, habt ihr nicht erkannt, und diese Zeit wisset ihr nicht zu prüfen.
Jesus sprach: Suchet, so werdet ihr finden. Aber die Dinge, nach denen ihr mich in jenen Tagen fragtet, habe ich euch damals nicht gesagt; nun will ich sie sagen, aber ihr fraget nicht danach.
Gebet das Heilige nicht den Hunden, dass sie es nicht auf den Mist werfen. Werfet eure Perlen nicht vor die Säue, auf dass sie sie nicht zertreten.
Jesus sprach: Wer da suchet, der wird finden; und wer da anklopfet, dem wird aufgetan werden.
Jesus sprach: Wenn ihr Geld habt, so leihet es nicht auf Wucher; sondern gebet es dem, von dem ihr es nicht wiederbekommt.
Jesus sprach: Das Reich des Vaters ist gleich einer Frau. Sie nahm ein wenig Sauerteig, verbarg ihn im Mehl und machte daraus große Brote. Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Jesus sprach: Das Reich des Vaters ist gleich einer Frau, die trug einen Krug voll Mehl. Da sie ging auf ferner Straße, brach das Ohr des Kruges, und das Mehl floss heraus hinter ihr auf den Weg. Sie wusste es nicht und gewahrte keines Unglücks. Da sie daheim in ihr Haus kam, setzte sie den Krug nieder und fand ihn leer.
Jesus sprach: Das Reich des Vaters ist gleich einem Menschen, der wollte einen Gewaltigen töten. Er zog daheim sein Schwert und stieß es in die Wand, zu versuchen, ob seine Hand stark genug wäre. Danach tötete er den Gewaltigen.
Die Jünger sprachen zu ihm: Siehe, deine Brüder und deine Mutter stehen draußen. Er sprach zu ihnen: Die hier tun, was meines Vaters Wille ist, das sind meine Brüder und meine Mutter; die werden eingehen in das Reich meines Vaters.
Sie zeigten Jesus einen Groschen und sprachen zu ihm: Die Leute des Kaisers fordern Zins von uns. Er sprach zu ihnen: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und gebet Gott, was Gottes ist, und gebet mir, was mein ist.
Wer nicht hasst seinen Vater und seine Mutter wie ich, der kann nicht mein Jünger sein; und wer nicht liebt seinen Vater und seine Mutter wie ich, der kann nicht mein Jünger sein. Denn meine Mutter hat mich geboren, aber meine wahrhaftige Mutter hat mir das Leben gegeben.
Jesus sprach: Wehe den Pharisäern! Denn sie sind gleich einem Hunde, der da liegt in der Rinder Krippe; er frisst selbst nicht und lässt die Rinder auch nicht fressen.
Jesus sprach: Selig ist der Mensch, der da weiß, an welchem Ort die Räuber einbrechen. Er mag sich aufmachen, seine Habe zusammenraffen und sich rüsten, ehe die Räuber kommen.
Sie sprachen zu Jesus: Komm, lass uns heute beten und fasten! Jesus sprach: Welche Sünde habe ich denn getan, oder worin bin ich gefällt worden? Sondern wenn der Bräutigam aus der Brautkammer gegangen ist, alsdann sollen sie fasten und beten.
Jesus sprach: Wer Vater und Mutter erkennt, der wird ein Hurenkind heißen.
Jesus sprach: Wenn ihr das Zweifache zu Einem macht, werdet ihr Menschenkinder werden; und wenn ihr sprecht: Berg, hebe dich von hinnen!, so wird er sich heben.
Jesus sprach: Das Reich ist gleich einem Hirten, der hatte hundert Schafe. Eines davon, das größte, verirrte sich. Da ließ er die neunundneunzig und suchte das eine, bis dass er es fand. Nachdem er sich gemüht hatte, sprach er zu dem Schaf: Ich habe dich lieber als die neunundneunzig.
Jesus sprach: Wer trinken wird aus meinem Munde, der wird werden wie ich; und ich selbst werde er werden, und was verborgen ist, wird ihm offenbart werden.
Jesus sprach: Das Reich ist gleich einem Menschen, der hatte einen Schatz verborgen in seinem Acker und wusste es nicht. Und da er starb, hinterließ er ihn seinem Sohn. Der Sohn wusste auch nichts davon, übernahm den Acker und verkaufte ihn. Der Käufer aber ging hin, pflügte, fand den Schatz und hob an, Geld auf Wucher zu leihen, wem er wollte.
Jesus sprach: Wer die Welt gefunden hat und reich worden ist, der entsage der Welt.
Jesus sprach: Die Himmel und die Erde werden sich zusammenwickeln vor euren Augen; und wer da lebt aus dem Lebendigen, der wird den Tod nicht sehen. Spricht nicht Jesus: Wer sich selbst gefunden hat, dessen ist die Welt nicht wert?
Jesus sprach: Wehe dem Fleisch, das da hängt an der Seele! Wehe der Seele, die da hängt am Fleisch!
Seine Jünger sprachen zu ihm: Wann wird das Reich kommen? Er sprach: Es kommt nicht mit Gebärden. Man wird nicht sagen: Siehe hier!, oder: Siehe da! Sondern das Reich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.
Simon Petrus sprach zu ihnen: Maria soll von uns gehen, denn die Frauen sind des Lebens nicht würdig. Jesus sprach: Siehe, ich werde sie ziehen, auf dass ich sie männlich mache, dass auch sie ein lebendiger Geist werde, gleich euch Männern. Denn eine jegliche Frau, die sich selbst männlich macht, wird eingehen in das Himmelreich.