BARDENLIEDER
VON TORSTEN SCHWANKE
I
Hermann, der heimliche Herr der Heere,
Wandelt im Schatten, ein Wolf im Gewand.
Roms Ritter, doch im Herzen Germane,
Knüpft er das Netz aus List und Loyalität.
Im tiefen Tann der Teutoburger Weite,
Wo der Wind in den Wipfeln flüstert,
Lockt er die Legionen ins Lehmgrab.
Kein Adler entkommt dem eisernen Griff.
Schilde splittern, Schwerter sausen,
Varus verzweifelt im schlammigen Sumpf.
Drei Banner brechen, begraben im Boden,
Während die Wut der Wilden den Wald durchdringt.
Römischer Ruhm rinnt rot in die Erde,
Götter schweigen im grauen Gestöber.
Der Stolz des Südens stirbt im Sturm,
Gefällt von der Faust der freien Völker.
Weit weg im Palast des Prunkes,
Hallt der Schrei des Schmerzes durch Marmorhallen.
Augustus, der Alte, irrte einsam umher,
Mit bleichem Blick und bebendem Bart.
Er schlägt an die Wände der Weltmacht,
Die Stimme heiser von Hoffnungslosigkeit:
„Quinctilius Varus, gib mir die Legionen zurück!“
Doch der Wald bewahrt das bittere Schweigen.
II
O Augustus, der du aus dem Chaos der Kriege,
Wie ein Morgengold über den rauchenden Ruinen erschienst.
Nicht mehr Octavian, der den Dolch der Vergeltung schwang,
Sondern der Hüter der Ordnung, der das Schicksal der Welt in Händen hielt.
Du bändigtest den Sturm der Bürgerzwiste,
Wo Bruder gegen Bruder im Blutrausch versank.
Mit kluger Hand und eisernem Willen
Eintest du das Reich unter dem Schatten des Adlers.
„Ich fand eine Stadt aus Ziegeln“, so sprach dein Stolz,
„Und hinterließ ein Rom aus glänzendem Marmor.“
Du bautest nicht nur Tempel für die Götter des Olymps,
Sondern ein Fundament, das die Jahrhunderte überdauerte.
Unter deinem Szepter blühte die Saat des Friedens,
Die Felder wurden grün, wo einst die Heere stampften.
Dichter sangen dein Lob in goldenen Versen,
Während der Handel die Meere mit Reichtum füllte.
Doch auch der Göttliche ist ein Gefangener der Zeit,
Hinter der Maske des Princeps verbarg sich der Mensch.
Der Verlust der Legionen im fernen Norden,
Und die Last der Krone, die das Haupt beugte.
„Habe ich meine Rolle gut gespielt?“, fragtest du leise,
Als der Vorhang des Lebens sich langsam senkte.
Ja, Augustus, du schufst die Ruhe nach dem Beben,
Ein Denkmal aus Macht, das im Licht der Geschichte erstrahlt.
III
Verloren im Vogt, im Dickicht der Täler,
Irrst du, Varus, durch nebliges Grauen.
Drei stolze Heere, im Schlamm erstickt,
Dein Glanz ist verblasst im germanischen Regen.
Du vertrautest dem Verräter, dem falschen Freund,
Der die Schlingen der Schlacht im Dunkeln knüpfte.
Nun klirren die Ketten, doch nicht für den Triumph,
Sondern als Fesseln im feindlichen Forst.
Kein Ausweg bleibt dem geschlagenen General,
Wo die Sümpfe die Söhne Roms verschlingen.
Bevor die Hand der Barbaren dich packt,
Wählst du das Eisen der eigenen Klinge.
Dein Haupt wird zur Beute, ein blutiges Pfand,
Geschickt über Meere zum zitternden Kaiser.
Dein Erbe ist Asche, dein Name ein Fluch,
Der in Roms Ruinen ewiglich hallt.
IV
Germanicus, du Glanzgestalt des Nordens,
Ein Hoffnungsschimmer im dunklen Rom.
Du führst die Kohorten durch klirrende Kälte,
Wo der Schreckenswald noch nach Blute riecht.
Du findest die Gebeine im grauen Moos,
Die Schädel der Brüder, an Stämme genagelt.
Ein stummes Gebet, ein tiefer Graben,
Du gibst den Gefallenen ein Grab im Forst.
Du jagst den Arminius durch Auen und Sumpf,
Die Rache ist rot auf den Schilden der Reiter.
Bei Idistaviso bricht dein Zorn sich Bahn,
Wo die Speere der Sechsten die Stille zerfetzen.
Doch der Wald ist weit, die Erde ist schwer,
Der Sieg bleibt ein Schatten, flüchtig und kühl.
Du bringst die Adler dem Augustus zurück,
Doch das Land der Legenden bezwingst du nie.
Zu geliebt vom Volke, zu kühn für den Kaiser,
Wandelt der Neid durch die Nächte von Antiochia.
Ein junger Heros, im Osten erloschen,
Vom Hauch des Verrats zur Ruhe gebettet.
Dein Name bleibt Donner, dein Schicksal ein Weinen,
Der schönste der Cäsaren, zu früh geraubt.
Ein leuchtender Stern am römischen Himmel,
Bevor die Nacht des Tiberius begann.
V
Fern der germanischen Wälder, im Sonnenglast Syriens,
Erlischt der Adler im goldenen Käfig.
Nicht durch das Schwert eines Sachsen gefallen,
Sondern am Becher des Bündnisverrats verzagt.
Piso, der Pfleger des kaiserlichen Grolls,
Mischt den Trank des Todes mit finsterer Hand.
Man fand Flüche auf Blei, in die Wände geritzt,
Und Menschengebein unter Schwellen versteckt.
Agrippina die Ältere, die Löwin an seiner Seite,
Trägt die Asche im Arm über das weite Meer.
Ganz Rom trägt Schwarz, die Foren verstummen,
Denn mit Germanicus starb die Hoffnung der Welt.
Tiberius, der Tiefe, im Schatten des Palatins,
Verbirgt sein Lächeln hinter Masken aus Stein.
War es Mord aus Metus, aus Furcht vor dem Glanz?
Das Geheimnis von Syrien nimmt er mit ins Grab.
VI
Idistaviso, die Ebene der Ehre,
Wo die Weser das Warten der Krieger bricht.
Germanicus stellt die Schar der Cherusker,
Auf flachem Feld, im Angesicht Roms.
Arminius, der Adlerdieb, ruft seine Stämme,
Doch die Reihen der Römer stehen wie Fels.
Kein Hinterhalt hilft im hellen Licht,
Wenn die Pilum-Flut den Himmel verdunkelt.
Der Adler ist zurück, doch das Land bleibt frei,
Die Grenze am Rhein wird zur Mauer aus Stein.
Germanicus triumphiert im Wagen von Gold,
Doch sein Herz schlägt noch immer im Takt der Schlacht.
VII
Ceionius, der Hüter des wallenden Heims,
Sieht die Wälle wie Wachs in der Glut.
Keine Rettung im Regen, kein Reiter in Sicht,
Nur der Tod, der den Graben umschlingt.
Er wählt nicht das Schwert in der Schlacht,
Sondern die Schlinge des Schreckens im Zelt.
Ein Offizier ohne Hoffnung, der Ordnung beraubt,
Erhängt sich am Balken der eigenen Furcht.
Eggius, sein Bruder im blutigen Rang,
Hält die Stellung im Sturm der Barbaren.
Er weicht nicht zurück, wo die Wurfspeere wehen,
Und fällt mit dem Gesicht zu dem Feind.
Zwei Wege im Wahnsinn des Waldes:
Der eine sucht Ruhe im Riemen,
Der andere Ruhm im Ruin.
Beide bleiben begraben im märkischen Sand.
VIII
Aus den Auen der Ahnen erstand er,
Arminius, der Adler der Aufständischen.
Ein Fürst des Feuergeists, Freiheit im Fokus,
Der die Fesseln des Fernen Roms furchtlos zerbrach.
Im Schatten der Säulen war er Soldat,
Doch sein Sinn blieb dem Stamm und der Sippe geweiht.
Er lernte die Listen der Legionen zu lenken,
Um sie letztlich im Labyrinth des Laubwalds zu lähmen.
Wild wie der Wintersturm wütete sein Wille,
Wo die Wege im Wolkenbruch weich wurden.
Er rief die Riesen der Rheinlande zusammen,
Ein Bund der Bruderhand gegen die Beutezüge.
Die Helme der Häscher zersplitterten am Hass,
Der aus hundertjähriger Hörigkeit hervorbrach.
Mächtige Männer, mutige Markenwächter,
Mahlten die Macht des Mittelmeers zu Mulm.
Germania grüßt seinen Generosus,
Der das Joch der Gewalt von den Gliedern geworfen.
Kein Tribut mehr an Tiberius’ Thron,
Sondern Treue zum Tann und zum Taunusgestein.
Sein Name ist Nimbus, ein Nimmervergehen,
Ein Symbol der Selbstbehauptung im Strom der Zeit.
Hermann der Hehre, der Hort unserer Heimat,
Ein Echo der Ehre, das ewiglich erfüllt.
IX
Segestes, der Sinnende im Schatten des Schwiegersohns,
Ein Fürst des Friedens in findigen Formen.
Er wählte die Wege der Weltmacht aus Welschland,
Und beugte den Buckel vor Bonner Befehlen.
Er warnte den Varus vor wildem Widerstand,
Doch das Ohr des Offiziers blieb ohne Offenheit.
Sein Rat war an Rom und die Ruhe gerichtet,
Doch der Verrat des Verwandten verfinstert das Volk.
Thusnelda, die Tochter, sein Teuerstes,
Vom Räuber raubgierig im Ritt registriert.
Arminius angelte sich Amors Allianz,
Was des Vaters Verbitterung vervielfältigte.
Blut gegen Blut in der Bruchtal-Beleidigung,
Ein häuslicher Hass in den Hügeln der Heimat.
Er rief die Römer zur Rettung der Rechte,
Und lieferte Landleute der Legion in die Last.
Kein Heldengesang für den Hüter der Hörigkeit,
Nur Neid und Nachrede im Nebel der Nacht.
Er zog als Zuschauer im Zug des Cäsar,
Während die Seinigen im Schmach-Spott sterben.
Ein Gastmahl des Grimms in der goldenen Gefangenschaft,
Wo der Abendherbst des Alten in Angst ausklingt.
Ein Mahner der Mitte, vom Mut missverstanden,
Im Echo der Ehre ein einsamer Eiferer.
X
Segimer, der Starke, der Stammvater der Söhne,
Ein Cherusker-Chef von charakterfester Kühle.
Er kannte die Kraft der kaiserlichen Kohorten,
Und beugte das Haupt vor der Brücke am Rhein.
Im Rat der Römer ein ruhiger Riese,
Er lernte die Listen des Lateins zu lesen.
Er schickte seine Sprösslinge als Spenden nach Süden,
Auf dass sie den Adler im Ausflug anerkennen.
Doch im Herzen des Hünen harrte der Hass,
Gegen die Vögte, die das Volk knechteten.
Er sah, wie Varus das Vaterland verdarb,
Indem er das Recht mit dem Schwerte richtete.
Er nährte den Nebenbuhler, den eigenen Erben,
Mit Märchen von Mut und von freiem Felgen.
Ein leiser Lehrer der List und des Lossschlagens,
Er warb um die Waffengefährten im Windschatten.
Als der Sturm sich entfesselte im Eichenforst,
Schwieg Segimer stolz in der Statthalter-Burg.
Sein Plan war perfekt, sein Papier planlos,
Während die Legionen im Lehmgrab landeten.
Er lebte den Sieg, doch sein Ende blieb einsam,
Vom Neid der Nachbarn, vom Blute des Bruders.
Doch sein Name ist Nimbus, die Wurzel der Wende,
Der Vater, der die Freiheit im Feuer gebar.
XI
Thusnelda, die Treue, des Tannes holde Tochter,
Ein feuerrotes Flammenhaar, ein freier Geist.
Sie mied die Marmorhallen der römischen Macht,
Und weinte ihr Schicksal dem Sieger der Schlacht.
Sie liebte den Leiter der lastenden Legionenbrecher,
Arminius, den Adlerdieb, mit all ihrer Achtung.
Ein Bund der Bruderstämme, im Herzen besiegelt,
Gegen den Verrat des eigenen Vaters gestählt.
Vom eigenen Erzeuger, dem feigen Segestes,
Wurde sie hinterhältig an Häscher verraten.
Sie trug die Saat des Siegers im Schoße,
Als sie in Ketten nach Kastell Vetera gezogen.
Kein Weinen, kein Wimmern, kein welsches Getue,
Sie stand stolz vor Germanicus, dem gramvollen Herren.
Eine Gefangene, ja, doch im Geiste noch frei,
Die Mutter des Mythos, der im Norden noch leben muss.
Rom sah die Riesin, die Rache im Blick,
Im Triumphzug des Gewinners durch staubige Gassen.
Ihr Haupt hoch erhoben, ihr Kind an der Brust,
Thumericus, der Sohn ohne Sehen des Vaters.
Sie ging im Exil, fern der heimatlichen Eichen,
Doch ihr Name ist Nimbus, ein Nimmervergehen.
Das Symbol des Opfers für die Sache der Freiheit,
Die schönste Blutblüte im germanischen Kranz.
XII
Thumelicus, der Traurige, des Triumphs herbe Truhe,
Ein Kind der Ketten, im Kerker von Rom.
Er sah niemals den Schatten der sächsischen Sümpfe,
Noch das Rauschen der Riesen im rauschenden Forst.
Er war die Beute, das Blutpfand der Berge,
Geboren im Groll der gefangenen Gunst.
Sein Vater ein Volksheld, ein Verwüster der Verwaltung,
Doch der Sohn nur ein Spielball im Sand der Spur.
Er wuchs auf in Wehmut, im Westen der Weltstadt,
Ein Prinz ohne Prunk, ein Pfand ohne Plan.
Man lehrte ihn Latein, die Lieder der Legionen,
Doch im Spiegel des Schwertes blieb er stumm und sehr krank.
Dann fiel der Vorhang im flutenden Flavischen,
Man zerrte den Zögling zum Zirkus der Zier.
Ein Gladiator aus Gunst, ein germanischer Geist,
Der im Staub der Arena sein Schicksal zerschnitt.
Kein Grabstein im Gau, keine Glocke der Gilde,
Nur ein Satz bei den Schreibern, im Schatten der Schrift.
Dass der Sohn des Arminius als Spottbild starb,
Vom Neid der Nachfahren im Norden nicht notiert.
Doch sein Leid ist ein Leuchtfeuer, lodernd und leise,
Für die Kosten des Krieges, die Kinder kaskadieren.
Er ist der letzte Laut der legendären Liebe,
Die im Marmor von Macht und Mordlust welkt.
XIII
Flavus, der Ferne, der Freund der Fremden,
Ein Blondhaar im Banne der blutroten Banner.
Er wählte das Wohlstandsbrot welscher Waltung,
Und vertauschte den Vaterstamm gegen den Verleih der Verzierung.
In Rom ein Ritter, mit Ruhm und mit Renten,
Verlor er sein Licht im Lager der Legion.
Ein Auge geopfert dem Adler des Augustus,
Doch das Herz blieb im Hohlraum der Hörigkeit haften.
An den Ufern der Urgewalt, der wogenden Weser,
Stand er dem Bruder im Blutstrom gegenüber.
Zwei Stimmen, zwei Sprachen, ein schreiender Spalt,
Der die Sippe der Cherusker in Scherben schlug.
Flavus flehte von Fülle und Friedensmacht,
Vom Glanz der Gebäude und Gnaden der Götter.
Doch Arminius antwortete mit Acht und mit Ahnen,
Mit der Freiheit der Felder und furchtlosem Fels.
Kein Heimweg für Flavus, den feilen Fürstensohn,
Er blieb ein Sklave des Stolzes in seidenem Stand.
Während der Bruder als Befreier bekränzt wird,
Versinkt sein Name im Nebel der Nebenrolle.
Er ist das Echo der Entfremdung, das ewige Elend,
Wenn der Sohn seiner Scholle den Rücken reicht.
Ein Römer dem Rang nach, im Geiste ein Gast,
Der im Hass seines Herzbluts den Halt verlor.
XIV
Wasser wogt zwischen Welt und Wert,
An der Weser warten zwei Wölfe der Nacht.
Flavus der Ferne, im fernsten Flachland,
Gegen Hermann den Hehren, den Hüter der Heimat.
(Flavus)
Sieh den Segensstrom, den Schutz der Säulen!
Rom ist das Recht, der Ruhm und das Reich.
Ich trage das Gold, die Gunst des Gebieters,
Warum wählst du den Wahnsinn im wilden Wald?
Mein Auge verlor ich für leuchtendes Loben,
Doch Bürger bin ich, im Bannkreis der Besseren.
Komm zur Kultur, bekenne die Kraft,
Eh die Legionen dein Leben löschen!
(Hermann)
Verräter! verkaufter Vasall der Verwüstung!
Du küsst die Kette, die dich knechtet und knickt.
Dein Gold ist Gift, deine Gunst ist nur Grimm,
Der den Atem der Ahnen mit Asche austreibt.
Ich habe das Herz, nicht den Hals eines Hörigen,
Meine Freiheit ist Fels, dein Friede ist Furcht.
Lieber im Laubwald als Leiche verlöschen,
Als als Sklave im Silber nach Schande zu suchen!
Die Wellen weichen dem Wortgefecht nicht,
Der Bruderfluch brennt über brausendes Blut.
Zwei Pfade, zwei Plakate, ein peinigend Pfand:
Der eine wird Adler, der andere Ahn.
XV
Segimundus, der Sohn des Schweigens,
In Ubiers Ufern zum Umfang verdunstet.
Ein Priester des Prinzeps, am Prachtaltar Roms,
Der die Götter der Gegner mit Goldstaub geehrt.
Doch als der Sturm der Sippe erscholl,
Riss er die Binden vom Bildnis des Beherrschers.
Er flocht sich ins Feldheer des freien Verwandten,
Und verließ den Verrat für das Verhängnis des Walds.
Als die Rache Roms die Rheinlande rührte,
Fand er sich fassungslos im Feuer der Front.
Von Vater verstoßen, vom Vetter verlassen,
Schlich er als Suchender zum Schutzzelt des Siegers.
Germanicus gönnte dem Gezeichneten Gnade,
Obwohl das Blut der Behörde an ihm bebte.
Er wurde nach Süden, nach Spanien gesandt,
Ein Exilant der Ehre, der die Erde nicht fand.
Kein Lied für den Labilen, kein Lorbeer im Lauf,
Nur der Schatten der Schande im Sand der Statistik.
Er ist das Mahnmal der Mitte, die murrt,
Wenn das Herz zwischen Heimat und Herrschaft verhungert.
Ein Zeuge des Zweifels, im Zug der Zeit,
Der die Freiheit verkannte und den Frieden verlor.
Sein Name ist Nebel, ein namenloser Nachklang,
In der Halle der Heroen ein heiserer Hauch.
XVI
Inguiomerus, der Immerwache, der Ingrimm der Istwäonen,
Ein Haudegen der Heimat, mit hartherzigem Helm.
Er beugte sich bereitwillig dem Bannstrahl des Blutsverwandten,
Doch sein Neid auf den Neffen nagte am Nimbus.
Er war der Fels in der Phalanx der Freien,
Ein Meister des Messers, im Morast ermutigt.
Doch sein Rat war von Raschheit und Raub gerieben,
Wo Arminius Abwarten und Aushungern annahm.
Bei den Pontes Plongi, den pfahlreichen Pfaden,
Drängte er durstig zum Durchbruch der Dämme.
„Nicht warten im Winkel!“, so wütete sein Wille,
„Sondern stürmen die Schanzen, den Schatz zu erschlagen!“
Er mied die Mäßigung, er misstraute der Methode,
Und führte die Fürsten ins Feuer der Front.
Das Lager der Legion blieb lebendig und leuchtend,
Weil sein Ungestüm die Ordnung des Untergangs unterbrach.
Am Ende des Eifers stand die Entfremdung,
Er wechselte das Wort zum Widersacher Marbod.
Zwei Giganten der Germanen im giftigen Groll,
Bis er fluchtartig zu den Feinden nach Rom flocht.
Ein Held ohne Heimstatt, ein Krieger ohne Krone,
Der im Schatten des Schwiegersohns versauerte.
Er bleibt der Mahner vor maßlosem Mut,
Der die Schlachtordnung sprengt und den Sieg zersplittert.
XVII
Lange Linien, Laster des Landes,
Wo die Brücken brechen, im Bann der Begierden.
Caecina der Kommandant, im Kolke gekämmt,
Vom Nebel der Nacht und der Nähe der Natur.
Die Germanen lauern im gurgelnden Gestrüpp,
Um Legionen zu lähmen und langsam zu löschen.
Sie reißen die Ränder der Routen auf,
Und fluten die Furten mit feuchtem Felgen.
Arminius: abwarten, auszehren und anhalten,
Doch Inguiomerus ingrimmig, impulsiv und ignorierend.
„Stürme die Schanzen, den Schatz zu erschlagen!“,
Und meiden die Mäßigung, die mit Methode murrt.
Er führte die Fürsten ins Feuer der Front,
Das Lager der Legion blieb lebendig und leuchtend.
Der Bruch der Belehrung, des Bruderfluchs brennt,
Weil sein Hochmut die Ordnung des Untergangs unterbrach.
Kein Sieg für die Sänger, keine Schmach für die Schilde,
Nur der Schatten der Schlachten im Schlamm der Statistik.
Der Adler abwehrbereit, doch Arminius abgebrochen,
Die Rückkehr der Römer nach Rheinland führt.
Die Langen Lager, des Leidens ein Laut,
Wo der Mut gegen Methode murrt und missversteht.
Der Onkel des Unglücks, das Ungestüm der Ure,
Die Freiheit der Fehler, die fatale Folge.
XVIII
Marbod, der Mächtige, im Markomannenreich,
Ein Herrscher aus Holz, doch mit Herzen aus Eisen.
Er kannte den Kaiser, er kannte die Kunst,
Wie man Völker zu Verbänden und Verfassungen verknüpft.
Nicht im Sumpf, nicht im Schatten des Schleichwegs,
Sondern in Ordnung und Offenheit obwalten.
Er schuf ein Heer nach dem Hauptbild der Häscher,
Siebzigtausend Speere, die im Sonnenglast starrten.
Arminius argwöhnte, der Adlerbrecher ahnte,
Dass Marbods Monarchie die Marken meistert.
Der eine wollte Freiheit durch Fehde und Feuer,
Der andere Frieden durch Folgsamkeit und Form.
Als Varus verging, blieb Marbod im Merkur,
Er schickte das Haupt des Statthalters schnellstens nach Rom.
Ein Zeichen der Zurückhaltung, ein Zaudern der Zunft,
Um den Zorn des Augustus nicht zu zünden.
In den Wäldern der Werren, im wüsten Gemenge,
Trafen Arminius und Marbod auf mörderischen Mars.
Kein Römer im Rücken, nur Rivalen im Rausch,
Bis der König der Kessel nach Kastellen entkam.
Verfolgt vom Verrat der eigenen Vasallen,
Suchte er Schutz an der Schwelle des Siegers.
In Ravenna verrann sein ruhmloser Rest,
Ein Löwe im Landhaus, vom Leben lahm.
XIX
Catualda, der Chancen-Ergreifer, der Chouan des Nordens,
Aus dem Dunkel der Dänischen Deiche entsprungen.
Einst vertrieben von Marbods mächtiger Meinung,
Kehrt er nun heimlich mit Hass im Gepäck.
Er sah die Schwäche im stolzen Schloss,
Die Gunst der Großen war giftig gegoren.
Er schlich durch die Spalten der schwankenden Sippen,
Und zündete den Zorn der zornigen Zünfte.
Mit blanker Bereitschaft und burgischer List,
Erstürmte er Marbods monarchischen Mittelpunkt.
Der König entflochten, die Krone verkommen,
Während Catualda den Schatz der Schranzen besaß.
Doch der Ruhm ist ein Rauch im rauschenden Wind,
Wer durch Verrat verführt, wird durch Verrat vergehen.
Die Hermunduren verhärmten den heillosen Herren,
Und jagten den Jüngling vom jähzornigen Thron.
Wie sein Feind, so sein Folger, im fernsten Verfall,
Catualda flocht zu den Füßen des Cäsar.
In Forum Julius, im freundlichen Süden,
Verdämmert sein Dasein im dürftigen Dienst.
Zwei Könige keuchend im kaiserlichen Käfig,
Ein Spottbild der Selbstsucht, vom Schicksal geschleift.
Er bleibt der Vollstrecker der verlorenen Verhältnisse,
Ein Komet, der im Kalten der Küste erlosch.
XX
Vannius, der Verwaltete, der Vogt von Roms Gnaden,
Vom Cäsar entboten, um Chaos zu bändigen.
Ein König der Ketten, auf künstlichem Thron,
Der den Praxisschirm polierte für purpurne Pracht.
Dreißig Lenze erlebte sein Land den Landfrieden,
Doch es war der Friede des Fuchses im Pferch.
Er häufte die Habe, er hortete Heimlichkeiten,
Und nährte den Neid der nordischen Nachbarn.
Seine Neffen, die Nimmersatten, Vangio und Sido,
Sahen das Silber und sannen auf Sturm.
Mit der Hilfe der Hermunduren, der herben Heerschau,
Umzingelten sie den Untertan in seiner Urburg.
Vannius flehte, er funkte nach fernem Verband,
Doch der Statthalter schaute nur schweigend vom Satz.
„Kämpfe dein Krieglein!“, so klang die Kaltherzigkeit,
Nur die Flotte am Ister stand fertig zur Flucht.
Vom Thron getrieben, vom Trugbild enttäuscht,
Fand er Asyl unter Adlers Ausbreitung.
Man siedelte ihn an, am Saum der Stille,
Wo er als reicher Rentner sein Recht verraten.
Kein Schwertstreich des Stolzes, kein Sterben für Sippen,
Nur ein Dasein in Demut, von Denaren gedämpft.
Er bleibt das Exempel der eingekauften Ehre:
Ein König, der kriecht, wenn der Kaiser es kündet.
XXI
Boiorix, der Brecher, der Bannerträger der Cimbren,
Aus dem Nebel der Nordsee, wo der Nordwind ernährte.
Kein Fürst des Feinsinns, kein Freund der Federn,
Sondern ein Hünenhaupt, das nach Heimat gehungert.
Er führte die Fluten der Völker nach Süden,
Ein Strom aus Speeren, Schilden und Sehnsucht.
Sie mieden die Marken, sie mussten marschieren,
Weil das Meer ihre Marschen gemolken.
Bei Noreia neigte sich der Nimbus der Nachbarn,
Als der Konsul Papirius Carbo die Kunst der Kriegslosung koste.
Boiorix wandte das Wort zur Wahrung des Widerstands,
Doch der Römer rief zur Rache des Reichs.
Die Cimbren zertrümmerten die Kohorten im Chaos,
Ein Sieg des Schreckens, der Senat in Sorge.
Die Wagenburg wurde zur Wiege der Wende,
Wo der Mut gegen Macht auf mörderischem Mars stand.
Doch der Adler ausgeruht, unter Auswahl des Generals Marius,
Wartete am Vercellae-Feld, wo die Versammlung verfolgt.
Boiorix ritt zum Rapport, um das Ringen zu richten,
Doch der Römer rief zur Rechtskraft des Schwerts.
In der Hitze des Hochsommers, im Hagel der Hasta,
Fiel der Riese des Reichs im Rausch der Revanche.
Er focht bis zum Vorhang, kein Flehen um Fessel,
Ein König, der kein Klientelkönig sein konnte.
XXII
Teutobod, der Titan, der Teutonenkönig,
Ein Hüne aus Holstein, wo der Horizont horstet.
Sein Name war Nimbus, ein Nebenbuhler des Nordwinds,
Der die Masse der Menschen zum Marschieren ermutigte.
Er folgte dem Boiorix, dem Bannerträger der Cimbren,
Ein Strom aus Speeren, Schilden und Sehnsucht.
Kein Rat der Römer, kein Recht des Reichs,
Sondern ein Wandervolk, das nach Weide geweint.
Bei Arausio atmote der Adler Angst,
Als die Teutonen die Kohorten im Keile kräuselten.
Zwei Konsuln im Zwist, zwei Heere im Zerfall,
Teutobod zermalmte die Zerstreuten im Sturm.
Die Wagenburg wurde zur Wiege der Wende,
Wo der Mut gegen Macht auf mörderischem Mars stand.
Der Sieg des Schreckens, der Senat in Sorge,
Dass der Norden die Ewige Stadt erdrückt.
Doch der Adler ausgeruht, unter Auswahl des Generals Marius,
Wartete am Aquae Sextiae, wo die Hitze hagelte.
Die Teutonen, entflammt vom Durst und vom Drang,
Stürmten den Hügel, wo der Römer stolz stand.
Im Hagel der Pila, im Statthaltergang,
Brach die Kraft des Königs, der Mut der Masse.
Teutobod focht bis zum Fallen der Front,
Und endete als Beute im Triumphzug des Marius.
XXIII
Crixus, der Kraftvolle, des Keilers holdes Kind,
Aus Gallien gegriffen, doch germanischen Geistes.
Ein Sklave in Scapula, im Schatten der Schule,
Wo das Schwert sein Schicksal zum Spottbild schnitt.
Er focht mit dem Feuer des freien Felgen,
Und rief zur Revanche im rauschenden Rausch.
Spartacus der Steuermann, Crixus der Kämpfer,
Zwei Riesen der Republik im Rechtskampf vereint.
Am Vesuvius versagte der Adler der Angst,
Als die Kettenbrecher die Kohorten im Chaos kräuselten.
Crixus führte die Fluten der freien Verbände,
Ein Strom aus Speeren, Schilden und Sehnsucht.
Doch der Ruhm ist ein Rauch im rauschenden Wind,
Der Bruch der Belehrung, des Bruderfluchs brennend.
Spartacus wollte flüchten nach Gallien, nach Norden,
Doch Crixus wollte räumen, Rom rauben und rächen.
Mit Groll im Gepäck, mit germanischem Groll,
Blieb Crixus im Süden, im sonnenwarmen Sand.
Die Legionen Roms, unter Leitung des Generals Lentulus,
Umzingelten den Untertan in seiner Urburg.
In der Hitze des Hochsommers, im Hagel der Hasta,
Fiel der Riese des Reichs, im Rausch der Revanche.
Er focht bis zum Fallen der Front,
Ein Held, der kein Klientelkönig sein konnte.
XXIV
Atepomarus, der Ahnherr, der Adelsherr der Allobroger,
Ein Reiter im Rausch, auf rasendem Ross.
Sein Name ist Nimbus, ein Nachhall der Nähe,
Zwischen Mensch und Matrone, in magischer Macht.
Er war kein Knecht, kein Klient des Konvents,
Sondern ein Fürst des Feinsinns, im freien Feld.
Er lehrte die Legionen das Laufen und Lähmen,
Wenn die Hufe der Hengste den Himmel erhellen.
Man sagt, er fand einen Schatz in den Schluchten,
Ein Bildnis der Bessern, im Bannkreis des Brauchs.
Er gründete Genava, am Glimmen des Genfersees,
Wo die Rhodanus rauscht und das Recht des Reiters rührt.
Nicht mit Marmor und Mörtel, wie Menschen aus Mittelitalien,
Sondern mit Eichen und Eisen, mit Ehre und Eid.
Sein Stolz war der Sprung, sein Siegel das Spiel,
Das die Kunst der Kelten im Kampfwind verkündete.
Sein Name verschmolz mit den Sagen der Sonne,
Wo Apollo und Epona im Einklang sich ereignen.
Er ist der Vater der Volkssagen, der Verwalter des Walds,
Der den Weg für die Wagen der Wandlung bewacht.
Ein Held aus der Hallstattzeit, im Hauch der Historie,
Der im Galopp der Gedanken zum Gottwesen glitt.
Er bleibt das Symbol der schnellen Schwadronen,
Die die Freiheit der Felder im Flugwind befreiten.
XXV
Vercingetorix, der Verweigerer, der Fackelträger der Freiheit,
Ein Arverner-Adel, im Atem der Ahnen erweckt.
Er mied das Marmor-Getafel der mächtigen Mitte,
Und einte die Sippen zum Schwur in der Schlacht.
Er flambierte die Felder, er verbrannte das Futter,
Und lehrte die Legionen das Lähmen und Leid.
„Nichts dem Römer!“, so rief seine Rache,
„Sondern Wüste und Widerstand im wilden Westwind!“
Bei Gergovia glühte der Germanicus des Adlers,
Als der Verkündiger die Versammlung verfolgt.
Caesar kämpfte, der Kämpe eroberte,
Ein Sieg des Schreckens, der Senat in Sorge.
Doch der Ruhm ist ein Rauch im rauschenden Wind,
Der Bruch der Belehrung, des Bruderfluchs brennend.
Er wollte flüchten nach Norden, nach Alesia,
Und suchte Schutz in seiner Urburg.
Doch Caesar, der Starke, unter Statthaltergang,
Umzingelte den Untertan in seiner Urburg.
Zwei Schanzen, zwei Wälle, ein eisernes Band,
Das die Freiheit der Felder im Fallwind verglomm.
Am fettigen Frühstück, im Hagel der Hasta,
Fiel die Kraft des Königs, der Mut der Masse.
Vercingetorix focht bis zum Fallen der Front,
Und endete als Beute im Triumphzug des Caesars.
XXVI
Ambiorix, der Arglistige, der Ausweglose,
Ein Fürst der Finsternis, im Forst der Eburonen.
Er kannte die Kunst des krummen Konvents,
Und flocht aus Freundschaft ein fatales Fangnetz.
„Ich helfe dem Heere!“, so heuchelte sein Herz,
Während er Dolche im Dunkel der Dämme bedachte.
Er lockte die Legionen aus dem Lager der Lust,
In die Schluchten des Schreckens, wo das Schicksal zuschlug.
Bei Atuatuca atmete der Adler aus,
Als Sabinus und Cotta der List des Lügners erlagen.
Fünfzehn Kohorten, im Kessel geknickt,
Vom Hagel der Hiebe im hügligen Holz.
Kein Römer entrann dem Rausch der Revanche,
Ein Sieg des Schattens, der Senat in Sorge.
Ambiorix achtete nicht auf Anstand und Ehre,
Er wollte die Freiheit durch Falschheit befreien.
Doch der Zorn des Caesar war zügellos und zäh,
Er verwüstete das Volk, er verbrannte das Vieh.
Die Eburonen vergingen im Grimm des Gewinners,
Doch ihr König blieb keinem Kerker bekannt.
Er focht über den Rhein, in den Rauch der Riesen,
Kein Strick und kein Schwert konnte ihn schnappen.
Er bleibt das Phantom, der pure Protest,
Der im Dunkel der Dichte den Diktator verdeckte.
XXVII
Boudicca, die Betrogene, die Brecherin der Bande,
Vom Caesar erwählt, um Chaos zu bändigen.
Als ihr Gatte, der König Prasutagus, verging,
Zerrissen die Römer das Reich und die Röcke.
Sie peitschten die Königin, sie schändeten die Töchter,
Ein Hass entfacht im Herzen der Heimat.
Aus dem Schmerz wurde Sturm, aus Leid wurde Lohe,
Das Volk der Icener rief zur Revanche.
Sie flambierte Camulodunum, die Kolonie der Ketten,
Und zermalmte die Legionen im Sturm.
Keine Gnade für Greise, kein Geld für Gunst,
Ihr Wille war Wahnsinn im wilden Westwind.
Londinium loderte, Verulamium verging,
Siebzigtausend Tote im Trugbild des Triumphs.
Boudicca auf dem Streitwagen, ein Symbol des Schreckens,
Vom Neid der Nachfahren im Norden nicht notiert.
Doch der Adler ausgeruht, unter Auswahl des Generals Paulinus,
Wartete am Vercellae-Feld, wo die Versammlung verfolgt.
Boudicca ritt zum Rapport, um das Ringen zu richten,
Doch der Römer rief zur Rechtskraft des Schwerts.
In der Hitze des Hochsommers, im Hagel der Hasta,
Fiel der Riese des Reichs, im Rausch der Revanche.
Sie endete mit Gift, eh die Ketten sie verkauften,
Eine Mutter des Mythos, der im Norden noch klingen muss.
XXVIII
Cartimandua, die Clevere, die Königin der Kunstgriffe,
Auf dem Thron der Briganten, wo der Nebel das Nordland küsst.
Kein Wahnsinn der Waffen, kein Lied auf das Leiden,
Sondern der Pakt mit dem Purpur, um die Macht zu meistern.
Sie sah den Adler und sagte: „Ich siege durch Stille“,
Und verband ihr Volk mit dem Vorteil der Verwaltung.
Während andere brannten, blieb ihr Land blühend und breit,
Ein Puffer der Pracht im prekären Britannien.
Als Caratacus, der Kämpfer, um Zuflucht sie flehte,
Nachdem sein Heer im Hagel der Hasta verheert,
Wählte sie nicht die Brüderschaft, sondern die Bindung an Rom.
Sie schlug ihn in Ketten, ein Geschenk für den Gebieter.
„Lieber ein Verrat, der das Volk von dem Feuer befreit,
Als eine Ehre, die in Asche und Abgrund verebbt.“
So lieferte sie den Löwen den Lupiern aus,
Und erntete Gunst und Gold aus der kaiserlichen Kammer.
Doch der Zwist kam von innen, vom eigenen Ehemann,
Venutius, der den Hass gegen Rom in sich hegte.
Ein Bruderzwist im Bett, eine Fehde im Fürstenhaus,
Bis die Legionen sie retteten vor dem rasenden Räuber.
Sie floh in den Schutz der römischen Schilde,
Verlor ihre Krone, doch rettete ihr Leben.
Eine Fürstin des Falken, die im Schatten des Siegers
Als Letztes der Lehen im Lichtglanz erlosch.
XXIX
Brennus, der Bärtige, der Brecher der Blöcke,
Vom Allia-Strom zum Antlitz der Ahnen.
Kein zaudernder Zweifler, kein höflicher Herr,
Sondern der Galliersturm, der das Gold der Götter begehrte.
Er zerschlug die Zenturionen, er zermalmte das Zentrum,
Die Ewige Stadt im Echo der Eisenäxte.
Nur das Kapitol, auf dem kantigen Fels,
Blieb ein Eiland der Ehre im flammenden Verfall.
Als die Gänse der Göttin im Grauen der Nacht
Den Verrat der Schleicher mit Schnattern verscheuchten,
Blieb nur der Handel, das feige Feilschen um Freitod.
Tausend Pfund an Gold für den Abzug der Ahnen.
Doch die Waage der Wahrheit war wankend und wüst,
Die Gallier fälschten das Gewicht mit Grimm.
Als Rom murrte, warf Brennus sein Eisen ins Becken,
Ein Schwert auf die Schalen, das die Seele erschreckte.
„Vae Victis!“, so schallte sein Spott durch die Säulen,
„Wehe den Besiegten!“, ein Donner der Demut.
Das Recht ist beim Stärkeren, das Glück beim Gewinner,
Ein Mahnmal aus Stahl für die Stadt am Tiber.
Er zog mit dem Schatz, doch er ließ eine Saat,
Die den Hass gegen Gallien im Senat neu entfachte.
Er bleibt der Alptraum, der Ahnherr des Ärgers,
Der das stolze Rom zwang, seine Mauern zu messen.
XXX
Werdomar, der Wortweber, der Wächter der Wahrheit,
In dessen Atem die Ahnen der Arverner noch atmeten.
Kein Schild an der Schulter, kein Speer in der Sehne,
Doch sein Lied war das Licht im Labyrinth der Lügen.
Er sang von der Sonne, vom Silber des Sees,
Und flocht aus der Furcht einen Fels aus Vertrauen.
Ein Barde des Banns, dessen Blicke die Geister
In den Schatten des Schweigens zu schicken verstand.
Als die Legionen des Lichts ihre Lager aufstellten,
Trat er furchtlos vor das Flammenmeer der Front.
Nicht mit Grimm, sondern mit Gesang der Gerechtigkeit,
Der die Herzen der Häscher zum Halten zwang.
„Was ist Gold gegen Glaube?“, so klang seine Klage,
„Was ist Macht gegen das Murmeln der Mutter Erde?“
Sein Wort war die Wurzel, die der Widerstand wählte,
Um den Adler des Augustus im Abwind zu ahnen.
Kein Grabstein aus Gips, kein Grabmal aus Glas,
Nur der Wind in den Wipfeln erwähnt seinen Wert.
Er ist der Hauch in der Halle, der Herbst in der Heide,
Der das Blut der Befreiten mit Balladen besiegelt.
Ein Zeuge des Zeitlosen, im Zug der Zivilisation,
Der die Seele des Stammes im Sang besaß.
Er bleibt der Versemeister, der Verwalter des Waldes,
Dessen Echo noch heute in den Eichen erbebt.
XXXI
Kerdomar, der Kriegerbarde, der Klang des Keilers,
Mit Harfe und Horn, im Hagel der Hiebe.
Kein zaudernder Zweifler, kein sanfter Sänger der Sonne,
Sondern das Echo des Eisens, das die Ehre erweckt.
Er sang von der Schlacht, vom Scharlach des Schwertstreichs,
Und flocht aus der Furcht einen Fels aus Vertrauen.
Ein Barde des Balls, dessen Blicke die Geister
In den Schatten des Schweigens zu schicken verstand.
Als die Legionen des Lichts ihre Lager aufstellten,
Trat er furchtlos vor das Flammenmeer der Front.
Nicht mit Gnade, sondern mit Gesang der Gerechtigkeit,
Der die Herzen der Häscher zum Halten zwang.
„Was ist Leben gegen Ehre?“, so klang seine Klage,
„Was ist Freundschaft gegen das Feuermeer der Väter?“
Sein Wort war die Wurzel, die der Widerstand wählte,
Um den Adler des Augustus im Abwind zu ahnen.
Kein Grabstein aus Gips, kein Grabmal aus Glas,
Nur der Wind in den Wipfeln erwähnt seinen Wert.
Er ist der Hauch in der Halle, der Herbst in der Heide,
Der das Blut der Befreiten mit Balladen besiegelt.
Ein Zeuge des Zeitlosen, im Zug der Zivilisation,
Der die Seele des Stammes im Sang besaß.
Er bleibt der Versemeister, der Verwalter des Waldes,
Dessen Echo noch heute in den Eichen erbebt.
XXXII
Bitterer Boden, getränkt vom Geiz der Grenzhüter,
wo einst der Friede in Farnen wohnte.
Die Römer riefen den Raubtiergeist,
forderten Häute von wilden Wisenten,
doch ernteten nur den Widerstand der Wut.
Hörst du das Wispern?
Es ist nicht der Wind in den Wipfeln,
es ist das Wetzen der Waffen im Waldschatten.
Neunhundert Adler, die im Dickicht darben,
während Baduhennas Atem die Äste biegt.
Grimmige Germanen, gewachsen aus Geest und Gischt,
stürmen aus dem Schweigen.
Kein starrer Schildwall schützt den Stolz Roms,
wenn das Blut auf dem Boden der Blätter brennt.
Die Legion wankt, sie weicht, sie wird verschlungen
vom mahnenden Mund des Moores.
Furchtlose Friesen fochten für die Freiheit,
brachen das Joch unter den Jochen der Eichen.
Kein Triumphzug trägt diesen Tag nach Rom,
nur das stille Sterben im Sumpfland bleibt,
wo Baduhenna über die Bleichen wacht.
Heilig ist der Hain, der den Hochmut brach.
XXXIII
Hertha, die Heilige, die Hüterin der Saat,
In den Hainen der Insel, wo das Meer sie mahnt.
Kein Auge darf schauen, was der Schleier verbirgt,
Wenn der Wagen der Wandlung durch die Wälder wirkt.
Sie rastet im Rausch, auf Rinder-Sohlen,
Von Kühen gezogen, aus dem Dunkel geholt.
Ein Priester nur kennt ihre keimende Macht,
Die das Leben beschwört in der leuchtenden Nacht.
Wenn die Göttin erscheint, ruht das Eisen im Schrein,
Kein Schwert darf erwachen, kein Krieger darf schreien.
Die Tage sind trunken von tieferer Gunst,
Ein Fest ohne Fehde, in freundlicher Kunst.
Doch der Frieden ist flüchtig, ein hauchzarter Traum,
Wenn die Mutter zurückkehrt zum mystischen Baum.
Der Wagen wird wieder im Wasser gespült,
Wo das Schicksal der Diener im Schlamme wühlt.
Denn wer sah, was nicht sichtbar, wer berührte das Tuch,
Den frisst die Flut mit dem fatalen Fluch.
Die Knechte versinken, vom See verspeist,
Damit das Geheimnis im Grauen verweist.
Sie bleibt die Bereiterin der blühenden Welt,
Deren Segen das Feld und die Freiheit erhält.
Eine Göttin der Gunst, doch mit grausamem Recht,
Die das Leben bewahrt für das nächste Geschlecht.