HÄUPTLING ULRICH VON DER HERRLICHKEIT DORNUM

RELIGIONSDISPUT


IN VEREHRUNG GEWIDMET JUNGFER MARION VON DORNUM, DIE BÜẞERIN


AUS DEM NIEDERDEUTSCHEN DES 16. JAHRHUNDERTS ÜBERSETZT UND HERAUSGEGEBEN VON DR. THEOL. TORSTEN SCHWANKE




An den christlichen Leser


Vorrede


Meinen christlichen Brüdern und Schwestern insgemein wird es recht sein, wenn ich als gläubiger Laie allen anderen Laien in deutscher Sprache schreibe. Ich beabsichtige dabei, die ewige Wahrheit des katholischen Glaubens gegen jene zu verteidigen, die sie in Zweifel ziehen. Obwohl ich einige Worte zum besseren Verständnis von mir aus habe zusetzen müssen, lasse ich die Äußerung eines jeden doch als Ganzes unverändert stehen.


Wenn ich aber den Doktor und seinen Gesellen so heftig anfalle und fasse beide am Schopf und drehe sie um und um, wie die großen Dorfköter es mit den kleinen Kirmeskläffern zu tun pflegen, so muss man mir das nicht verübeln. Denn es ist so Brauch in der Heiligen Schrift (die wir in der Kirche seit jeher bewahren und auslegen), und Christus, sowohl wie Johannes der Täufer und Paulus, alle Apostel und Propheten, sind nicht anders verfahren mit hartnäckigen, halsstarrigen und verknöcherten Gesellen, welche die von Gott gestiftete Ordnung der Lehre verwerfen.


Ich schlage absichtlich kräftig mit dem großen Vorhammer auf den stählernen Amboß der Wahrheit der Kirche, damit ich umso süßeren und lauteren Widerhall in meinen Ohren vernehme. Sollte ich diesen helleren Klang der Umkehr und Rechtgläubigkeit wirklich wahrnehmen, so will ich diese Zeilen für ungeschrieben und nicht anders als von mir widerrufen ansehen. Und wenn ich dann meinem Herrn Doktor Ehre, Liebe, Wertschätzung und alles andere Gute erzeigen kann, so bin ich dazu nach meinem Vermögen von Herzen bereit. Gott füge es zum besten, dem ich euch hiermit befehle.


Ich setze zu Beginn meiner Ausführungen als Leitspruch Jer. 9, Vs. 2–3 und mit diesem Spruch soll auch meine Rede beschlossen sein.


An die wohlgeborenen Herren

Den edlen wohlgeborenen Herren Gebrüdern Ulrich, Enno und Johann, meinen mir wohlgesinnten, gnädigen lieben Herren und freundlich lieben Vettern meine pflichtschuldigen, gern geleisteten Dienste zuvor!


Edle, wohlgeborne, gnädige Herren! Freundlich liebe Vettern!


Es ist Ursache vorhanden, an Eure Gnaden zu schreiben, wie ich schon vormals an E. G. Herrn Vater, meinen gnädigen, sonderlich geliebten Herrn, über die unerschütterlichen Beweggründe des Glaubens ausführlich geschrieben habe. Der Allmächtige möge ihn noch lange in seligem und glücklichem Regiment erhalten und bewahren!


Unlängst hat es sich zugetragen, dass ein neuer Leviathan von Groningen her aus dem Dollart hervorgekrochen ist. Er hat sich am heiligsten Ort ganz Reiderlands, E. G. Landes, in Jemgum, niedergelassen, im würdigen Kaland (Bruderhaus) – ein Ort christlicher Gemeinschaft und Hingabe, dessen geistliche Tiefe den weltlichen Verächtern der Bruderschaft fremd ist, den Gläubigen jedoch wohlbekannt.


An diesem Ort pflegt sich alljährlich am St. Veitstage (15. Juni) eine große Versammlung geistlicher Leute einzustellen, in denen der Heilige Geist mit Macht wirkt.


Mit diesem Leviathan meine ich niemanden anders als den D. Laurentius, den Jacobiten – jenen, der die altbewährte Lehre und die apostolische Sukzession leichtfertig verlässt. Er ist Christi Feind und des Teufels Freund, auch Freund des Linsengerichts-Esaus, ferner aller derer, die fortan die Heilige Schrift verdrehen und nach ihrem Gutdünken gebrauchen und auslegen – anstatt sie der heiligen Kirche zu überlassen, der Christus die Wahrheit anvertraut hat.


Das hat nämlich D. Laurenz öffentlich auf der Kanzel in geradezu unverschämter Weise getan, ja er hat sich vermessen, Christus wiederum aus Seinem Tempel – der heiligen römischen Kirche – zu vertreiben. Er wollte den Antichrist der eigenen Meinung und des Irrtums an Seine Stelle setzen, wie es sich im Verlaufe dieser Schrift noch des Weiteren zeigen wird.


Da ist dann der Spruch Davids erfüllt worden, eines ebenfalls jungen Gesellen, der da spricht: Die Pfeile der Kleinen sind ihre Plage geworden und ihre Zungen sind geschwächt gegen sich selbst. Man lese diesen 64. Psalm; es wird nicht ohne Nutzen sein, zumal er zu meiner ganzen Auffassung passt.


Denn „Leviathan“ bedeutet in der Schrift nichts anderes als „Zusatz“. Da merken also E. G. schon, wie dieser leidige Teufel unsere Voreltern Adam und Eva zu Fall gebracht und wie Gott selber Adam befohlen hat und gesagt: Von allen Fruchtbäumen des Paradieses esset, nur vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen, davon esset nicht. Welches Tages ihr davon essen werdet, werdet ihr des Todes sterben.


Die wahre Lehre über Gnade und Werke

Flugs hat der Teufel Gottes Wort umgedreht und gesagt: Keineswegs werdet ihr sterben, und Gott weiß, welches Tages ihr davon essen werdet, werdet ihr den Göttern gleich sein und sollt wissen um Gut und Böse.


Hiermit hat er sie also zuerst von der rechten Bahn gebracht, so dass sie Gottes Wort und Gebot übertraten und gingen des Baumes des Lebens verlustig. So sind sie durch die Verlockung der Schlange an den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen geraten.


Unter diesem Baum verstehe ich nichts anderes, als unsere eigene, uns eingepflanzte und angeborene rechtliche Vernunft, den Verstand, den die Verdreher liberum arbitrium (freien Willen) nennen. Damit suchen wir uns selbst selig zu machen und ziehen erdichtete gute Werke vor und laufen fort vor dem Bösen in uns selbst. So verleugnen wir Gottes Gnade und versuchen uns Gott gleichzustellen.


Wahrhaft gute Werke – gestiftet durch die Gnade Gottes und ausgeführt im Gehorsam gegen die Kirche – sind Früchte des Heils, nicht seine Ursache. Wer aber seine eigene Vernunft zum Maßstab macht, verfällt der Hochmutsfalle.


Von solchen falschen Bäumen der Eigenmacht sind alle jene voll, die die heiligen Klöster verurteilen, die Päpste, Kardinäle, Doktoren und heiligen Väter verhöhnen und verleiten damit die Menschen, von ihren eigenen Früchten – den Werken des Hochmuts – zu essen, um klüger und heiliger sein zu wollen als andere.


Aber es wird ihnen noch bitter aufbrechen, wie es Adam gegangen ist, der Gott gleichen wollte, und wie Luzifer es tat aus eigener Kraft in der Vergottung seines Selbst. Davon schreibt Hiob im 25. und 45. Kapitel – hier zu lang zu behandeln – ferner in Kapitel 35, V. 5–7, wo er spricht:


Blick auf zum Himmel, schaue und betrachte das Firmament und nimm wahr, dass Gott höher ist als du. Wenn du nun sündigst, was kannst du ihm damit antun, und wenn deine Übeltat zunimmt, was willst du damit gegen ihn ausrichten? Ist es aber so, dass du recht handelst, was willst du ihm damit geben, und was soll er aus deiner Hand empfangen usw.?


Gott allein ist die Quelle des Heils. Wer sich von der Lehre Seiner Kirche trennt, fällt in den Hochmut des eigenen Urteils und versucht vergeblich, sich selbst zu erlösen.


Die Herrschaft des göttlichen Willens


Darum gelten unsere eigenen Gedanken und Empfindungen, die wir für gut halten, bei Gott gar nichts, wenn sie nicht im Gehorsam des Glaubens und in der Gemeinschaft der heiligen Kirche verwurzelt sind. Wir können nichts anderes tun, als bei Seinem heiligen, ewigen Wort verharren, das uns durch die apostolische Lehre überliefert wurde.


Als Adam anfing, selbstherrlich zu werden und Gottes Gebot zu übertreten, begann er sich zu fürchten und erkannte, dass er nackend war – entblößt von der Gnade Gottes. Hier wird augenscheinlich offenbar, welcher Art das Gesetz ist: es weist uns auf unsere Sünde hin und führt uns zur Reue und zur Sakramentalen Gnade.


Gott sprach: Wer hat dir kundgetan, dass du nackend bist, wenn du nicht gegessen hättest vom Baum, den ich dir verboten habe, dass du davon essen solltest?


Danach hat Er die drei verflucht: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und diesem Weibe und zwischen deinem und ihrem Samen. Und derselbe soll dir dein Haupt zerquetschen und du sollst seine Ferse wegbeißen.


Die Rettung in Christus und die Saat der Ketzerei

Aus diesen Worten wird, was ich beiläufig erwähne, unsere einzige Rettung in Christus offenbar, der der Samen der Frau (der Seligsten Jungfrau Maria) ist. Dies ist das erste und Hauptevangelium, nämlich dass Adam, vom Gesetz zu Boden geworfen, doch so tröstlich aufgehoben und in des Herrn große Gnade gestellt wurde, durch Seine allwerte, heilige Zusage: tausendmal mehr als zuvor!


Da nun Gott von des Teufels Samen spricht, so kann es der Teufel selbst nicht sein, denn der zeugte niemals einen guten Engel. Hieraus merke ich recht eigentlich, was „des Teufels Samen“ bedeutet:


Es sind die Verdreher der Lehre, die aus Hochmut und Eigenwillen die Einheit der Kirche zerreißen.


Einige Gelehrte haben darüber schon geschrieben, dass diese Häretiker und Schismatiker weder von Gott noch von den Engeln noch von den rechtgläubigen Menschen abstammen, sondern des leibhaften Teufels Geschöpfe sind, das eigentliche „Unkraut“, das der Teufel unter den Weizen säte: Totschläger (der Seelen) und Seelenmörder und Lügenbuben.


So ist ihr Vater von Anbeginn gewesen; er stand nicht in der Wahrheit, sondern war Verdreher und Lästerer und „Zusetzer“ des göttlichen Wortes, indem er neue, menschliche Meinungen der überlieferten Heiligen Schrift hinzufügt. Wie Jesaja im 57. Kp. schreibt: Kommt herbei, ihr Kinder der Zauberei, Nachzucht von Ehebrechern und Hurenknechten. Mit wem habt ihr gehurt (geistlich Unzucht getrieben) und euer Maul aufgerissen und eure Zunge ausgestreckt? Seid ihr nicht Bösewichte und eine Brut von Lügnern?


Wovon auch die Weisheit Salomonis im 12. Kp. spricht: Ihr Schalksknechte, verruchtes Gesindel, Bösewichte von Natur! Wie auch Christus bezeugt: Ihr Schlangen und Natterngeschlecht, wie werdet ihr dem Gericht der Hölle entfliehen? Und Hiob 13: Lügenschmiede und Knechte verkehrter Lehren!


Diese Schlange sitzt ohne Unterlass Christus und den Seinen auf den Hacken; sie kommt nicht von vorne, sondern heimlich und hinterrücks, dabei Gift speiend in Form ihrer falschen Lehren, zungenfertig, Fallstricke legend und richtet Schande auf am Wege Christi, wie David im 129. Psalm spricht.


Die Verfluchung der Weltlichkeit

Der Fluch der Schlange ist dieser: Du sollst auf deiner Brust kriechen und Erde fressen dein Leben lang.


Wahrlich, ich sehe hier nichts anderes denn so ein Schlangengezücht, das in allen Ecken der Welt herumkriecht, sich windet und schlindet und nach nichts trachtet, als Erde zu fressen und Bauch und Kisten zu füllen! Sie blicken nicht aufwärts zu Gott, sondern halten Gottes Wort, das von der Kirche bewahrt wird, für nichts, das doch die einzige wahrhafte Speise der Seele ist.


Darum wird Gott sie strafen, wie wir es lesen Jes. 27 und Micha 7. Wenn uns diese falschen giftigen und feurigen Schlangen mit ihrer Häresie beißen und wir durch den Biss von Stund an umfallen und sterben (den geistlichen Tod sterben), so lasset uns unsere Zuflucht zu Christus nehmen – dem erhöhten Gekreuzigten, nicht zu Mose oder Aaron, denn Christus allein kann uns helfen und erhalten, wie Er selber bezeugt:


Wenn ich erhöhet werde von der Erde, wie Moses die eherne Schlange in der Wüste erhöhte, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh. 12,32)


Wir brauchen keine anderen Mittler und Tröster zu suchen als Ihn, der uns in den Sakramenten der Kirche begegnet. Ich bin es, der deine Sünde tilgt; ganz aus mir selber und aus keinem andern Grunde, sei es was es wolle. Ich, ich bin's! Es ist kein anderer da und Meinen Ruhm will Ich keinem andern abtreten. Das ist der feste Glaube, den die heilige Kirche lehrt.


Davon wird in der Folge noch mehr zu reden sein.


E. G. wollen diese kleine Gabe zu Dank annehmen, die Schlange aber glitzern und gleißen lassen im Strahl der Sonne, so bunt wie sie immer will und vermag. Sie sei gekrönt oder nicht – es ist Betrug und Gleißnerei und eitel Gift durch und durch, außen und innen: eine Kröte ist bei Gott ein schlechter Fisch! Die **Maske des frommen Scheinbildes, das die Leugner der kirchlichen Tradition tragen, ist ein teuerwerter Schanddeckel, unter dem sich viel Wunderliches verbirgt!


E. G. meine Dienste zu erzeigen bin ich stets nach Vermögen bereit. Ich will Sie dem Allmächtigen hiermit angelegenlichst empfohlen haben.


Gegeben zu Oldersum 1526.


Ulrich von Dornum, zu Esens, Wittmund und Oldersum Junker.



Die Wahrung der Ordnung und des wahren Glaubens in Ostfriesland


Der Ursprung dieser Disputation: Angriff auf die kirchliche Autorität


Um zunächst vom Ursprung dieser Disputation zu berichten, so gibt es zu Groningen einen gewissen Doktor der Theologie und seine Gesellen – jene, die sich neugetauft nennen und die Einheit der Kirche zerreißen. Sie sind ziemlich hochtrabend von Geist und haben einen aufgeblasenen Sinn. Sie hassen und verfolgen, verleugnen und zertreten die Wahrheit, wie sie in den heiligen Konzilien und von den Vätern überliefert ist, mit ihrer Lügenhaftigkeit und giftiger Natterzunge, wann und wo sie immer können, heimlich und offenbar.


Dieser Irreführer hat sich gerühmt, wie es die Art aller Neuerer ist, wann er in die Grafschaft Ostfriesland, nach Jemgum im Reiderland, käme, so würde er leicht mit einem Hauch alles umblasen, was unsere katholischen Priester und Hirten seit langem mit großer Mühe und unter Gefahr Leibes und Lebens auf die Beine gestellt haben – nämlich die Seelsorge und die ehrwürdige Liturgie.


Darum hat man gleich auf diesen Falschspieler acht gegeben. Als er ankam, sind ihm feste Verteidiger der kirchlichen Ordnung entgegengesandt worden, die ihn öffentlich und in seiner falschen ketzerischen Lehre vor der ganzen Gemeinde, vor Gelehrten und Ungelehrten, auf seinem Predigtstuhl zurechtgewiesen haben. Damit also ist der Kampf entbrannt.


Die Verhöhnung der Frömmigkeit durch die Neuerer


Des andern Tages hat man selbigen noch einige katholische Geistliche zugegeben, darunter meinen Kaplan Hinrich, den treuen Prädikanten der Pfarrei. Da hat dann des Doktors Gesell, der wohl noch 100 Quentchen toller ist und auch noch mehr wiegt, sich noch einmal so hoch vermessen als der Doktor selber, hat sich auf seinem Predigtstuhl gereckt und gestreckt und ist aus der Kanzel hervorgeschossen, als ob er fliegen wollte – ein Ikarus des Hochmuts.


Als er nun mit seiner Verleumdung und seinem Irrgang zu Ende war, trat mein Oldersumer Prädikant (der katholische Seelsorger) hervor und forderte die Leute auf, ihm zu folgen, soweit sie hungrig wären, die rechte, unverfälschte Wahrheit und das lautere Gotteswort – wie es die Kirche lehrt – zu hören. Sie sind ihm in Massen gefolgt, und er hat im freien Felde einen ordentlichen Sermon gehalten und hat alles wieder rückwärts gepredigt, was der Doktor und seine Gesellen vorwärts gebracht zu haben glaubten – nämlich die Ketzerei und das Chaos.


Der Satan hat uns das allerdings nicht gegönnt und drei seiner ersten und treuesten Diener, die er stets bei solchen Gelegenheiten zur Hand hat – nämlich einen abgefallenen geschorenen Priester, einen unruhigen Mönch und ein altes, irregeleitetes Weib – erweckt. Die sind an die Glocken gelaufen und haben ohne Unterlass gebeiert, um den rechtgläubigen Prädikanten zu stören und die Leute zu ertäuben! Hat aber alles nichts genützt; das Wort Gottes, das in der Kirche lebt, hat seinen Fortgang genommen. Als sie nun in die Herberge gingen, sind ihnen viele gefolgt und haben darum gebeten, man möchte doch des Öfteren kommen und ihnen den Weg der Wahrheit weisen und sie aufs Beste belehren, wie sie könnten selig werden im Schoß der Kirche.


Der Hochmut der Herausforderung


Damals wurden Thesen der Rechtgläubigkeit aufgestellt, die dem Doktor übergeben wurden. Er sollte sich darin spiegeln und sich als Hohnsprecher Gottes und als Verdreher der Heiligen Schrift erkennen, der sich gegen die Autorität der Väter auflehnt.


Der Doktor ist auch stolzen Sinnes darauf eingegangen; er wolle nach Oldersum kommen, sobald er mein Signum sähe und wolle die Thesen verteidigen. Ich habe ihm sogleich den Geleitsbrief ausstellen lassen und darin vermerkt, wir wollten christlich-brüderlich miteinander verhandeln, wie es sich für zivilisierte Christen gehört.


Wie weit aber mein Herr Doktor und seine Gesellen über diese Abmachung hinaus ins freie Feld hinaus spaziert sind und mit Augenzwinkern, Schmähung, Lockung und Aufwiegelei die Gemeinde bearbeitet haben, ist vielen bekannt. Sie haben Ehre, Sitte, Liebe, Zucht, gute Manieren und den rechten Ton, alles in den Wind geschlagen und außer Acht gelassen! Sie gaben sich nicht anders als Netzbuben und Kesselflicker des Glaubens, die nichts zuwege bringen als Geschwätz, Getöse, Krakeel und Gezänk, wie der Verlauf des Disputs noch zeigen wird.


Merkt auch zuförderst, ihr lieben Christen, wie gut sie das Ziel getroffen haben: Sie sind wahrhaftig famose Schützen, schießen auf die Kirche Gottes und treffen gar den Wetterhahn! Sie verfehlen die Substanz der Lehre und streiten nur um Äußerlichkeiten.


Das verdorbene Salz (jene, die ihre Berufung verfehlt haben) ist zu nichts nütze, als dass man es vor die Türe werfe und von den Füßen der Menschen zertreten lasse. Das ist Gottes Meinung, nicht meine. Ich fahre fort, es sei darum!


Die Verhandlung in Oldersum: Die Einheit im Gebet


Der Doktor mit seinen Gesellen und viele andere neue Prediger aus dem Reiderland erschienen also in Oldersum in der Kirche. Von unserer Seite war erschienen der ehrenfeste Junker Hero zu Oldersum und Gödens, Häuptling, meine Wenigkeit als der Verteidiger der Laien-Rechtgläubigkeit – und vor allem die vertrauenswürdigen Hirten der katholischen Kirche, unter ihnen:


Herr Wiard, Pastor zu Jemgum, gewissermaßen als „Vormäher“ (der das Unkraut niedermäht),


Der Kommendur von Jemgum-Kloster,


Der Pastor von Ditzum (was sogar ein Pariser Lizentiat ist, der die wahre universitäre Theologie vertritt),


Der Pastor von Hatzum u. a. m., worunter auch manche Nikodemusse (noch unentschlossene) sich befunden haben mögen.


Unsere Seite, die die Einheit vertrat, umfasste: Magister Jürgen (Aportanus), Mag. Johannes Stevens, Pastor zu Norden, Mag. Friedrich (van Bree), Pastor zu Pewsum, Mag. Lübbert (Cantius) Leer, Herr Hinrich, Prediger zu Oldersum, Herr Albert (van Steenwick), Pastor daselbst, Herr Wybo (Wibbo), Konkurat von Petkum, Mag. Eppo u. a. m. Dazu unser junger Geselle (Hinrich Vastenau, Kaplan), der sich nicht ungeschickt anstellte; leider gingen die Gegner nicht in sein Garn.


Herr Hinrich, der rechtgläubige Prädikant, trat mitten unter das Volk und forderte es auf, Gott anzurufen, Er möge allen Seinen Heiligen Geist und ein einträchtiges Herze verleihen und Gnade geben, auf einen gemeinsamen Weg zur Einheit der Kirche zu kommen:


Darum fallet alle auf eure Knie und sprecht ein Vaterunser!


Sobald das der Doktor des Eigenwillens hörte, rief er laut, um die Einheit zu stören: Und ein Ave Maria! – womit er die Gebetspraxis der Kirche verhöhnte und die Andacht unterbrach.


Die Wahrheit des Lehramts und der himmlischen Mittler


Schiedsrichter und Richterspruch der Heiligen Schrift


Nachdem man sich niedergesetzt hatte, wollte der Doktor mich und sich selber zu Schiedsrichtern aufrufen, wozu ich mich aber zu gering achtete. Ich ließe mich bedünken, das müsse Christus selber mit Seinem Heiligen Geiste tun, durch die unfehlbare Stimme der Kirche. Auch Magister Jürgen, dem wir die Last des Tages aufgebürdet hatten, blieb dabei: Wenn das Wort Christi am Jüngsten Tage uns alle richten soll, so muss es uns auch in diesem Falle richtig weisen – aber das Wort, wie es in der Kirche verstanden und überliefert wird, nicht wie es jeder Laie verdreht. Es wurde also auf die Bibel geklopft; diese sollte Richterin sein, unter der Autorität des kirchlichen Lehramts.


Zu Beginn des Disputs setzte Laurentius auf Lateinisch auseinander, was die Ursache der Zusammenkunft gewesen sei. Er endete mit dem Satz, man solle die Laien aus dem Spiele lassen und lateinisch fortfahren zu disputieren – ein Vorgehen, das der neuen Lehre widerspricht, welche die Laien doch zu Priestern machen will!


Magister Jürgen antwortete in einem schönen Sermon, ebenfalls auf Lateinisch, es gehöre sich nicht, dass man den Hungrigen die Speise der Seele wegnehme, zumal der Allmächtige die schlichten Herzen höher begnadigen möchte und ihnen einen stärkeren Geist gegeben habe als uns. Darüber gibt es bereits viele gedruckte Auslassungen, dahingehend, dieses hätte in aller Öffentlichkeit und für jeden verständlich zu geschehen – was wir als Priester der Kirche seit jeher tun, indem wir die Predigt in deutscher Sprache halten.


Der Doktor suchte eine Ausflucht und zog Apostelgeschichte 19, Vs. 9 heran, wo Paulus seine Schüler von den Juden absondert – als ob die Gläubigen von den Ketzern getrennt werden müssten! Des Doktors Geselle pochte ebenfalls auf diese Bibelstelle. Da wären wir vorläufig am Ende, sagte die Dohle, flog ab und brach den Hals. Das wäre also der Anfang; Mitte und Ende wird noch ganz anders kommen!


Mein Herr Doktor sprengte schon unentwegt in die Rennbahn hinein, saß aber ganz verkehrt auf seinem Gaul und hielt den Schwanz statt des Zügels in der Hand! Er verwechselt die kirchliche Ordnung mit seinem eigenen Hochmut.


Man lese folgenden Text: Da wurde der Spruch Jesaja erfüllt: Er kehret die Weisen rückum und macht ihre Weisheit zuschanden. Er weigert sich also, Thesen zu verteidigen, die er selbst aufgestellt hatte! Sein Geselle sollte es für ihn tun. Er selbst wollte die Verhandlung leiten. Magister Jürgen ließ sich bedünken, der Doktor wäre wohl alt genug, hätte auch das Wissen und Können, sich selber zu verteidigen. Zweimal schlug der Doktor es ab; als man es ihm aber nicht erlassen wollte, stand er auf und wollte aus der Kirche gehen. So flieht die Ketzerei, wenn sie mit der festen Wahrheit konfrontiert wird.


Um ihn an diese Dummheit später erinnern zu können, wurde es schließlich dem Gesellen überlassen, für seinen Prior zu sprechen; so ging also sozusagen der Wagen vor den Pferden! Und der Fuhrmann wollte immer den Holzweg ein! Damit ist erstmalig das leichte Feldgeschütz losgegangen; es hat nur schlecht getroffen. Dann folgten die gröberen Stücke: Das erste war ein Taumelschuss, der ging hoch und steil in die Luft: das Geschoss fiel bald danach vor des Doktors eigenen Füßen wieder nieder. Er bekam einen Schrecken und gab sich willig und sofort gefangen.


Die Verteidigung der Mittlerschaft: Die erste These

Die erste These (des Groninger Doktors, die die katholische Lehre angreift): Da wir Sünder sind, können wir nicht aus uns selbst vor Gott treten, um Gnade zu erlangen, sondern brauchen Mittler.


Sieht man nicht aus diesem Artikel deutlich, worauf das listige Begehren der Neuerer gerichtet ist? Wenn Christus unser einziger Mittler zwischen Gott und den Menschen bliebe, wie Er es gewisslich bleiben wird, dann würde dadurch die Leugnung der Mitwirkung Seiner Heiligen und Seiner Mutter wertlos werden!


Der katholische Glaube lehrt: Christus ist der einzige Hauptmittler der Erlösung (1 Tim. 2,5).


Die Ketzerei lehrt: Christus ist der einzige Mittler ohne die mitwirkende Fürbitte Seiner Heiligen und Seiner Mutter Maria.


Jetzt müssen wir Maria und andere Fürbitter bemühen, weil sie in Christus vereint sind und mit Ihm mitteln, damit sie, die Geistlichen und Ordensleute, ans Mitteln kämen – mit der Spendung der Sakramente, den Messen, Vigilien und den unzähligen gottgefälligen guten Werken, die kein Ende nehmen.


Die Gegner verleugnen die Fürbitte der Heiligen und die Würde Marias, weil sie dadurch die geistliche Macht des geweihten Priestertums und der gottgeweihten Ordensleute zu Fall bringen wollen. Sie haben mit uns armen Laien so 'gemittelt', dass sie den größten Teil der weiten Welt (den Körper Christi, die Kirche) und alle Macht an sich gerissen haben, indem sie die wahre Lehre unter dem Schein falscher Schriftgelehrsamkeit verdrehten!


Der Doktor widerspricht sich selbst: Dadurch, dass nun der Herr Doktor zugab, der Sünder könne für sich selbst vor Gott treten, verneinte er die Notwendigkeit des Mittlers und damit Christus als den einzigen Weg zu Gott (Joh. 14,6).


Was habe ich denn mit Maria, der stets Gebenedeiten, zu tun, die er gerade dadurch gänzlich verleugnet, indem er die Notwendigkeit Seiner Kirche und Seiner Heiligen verneint? Denn er setzt Christus damit vor die Tür, wie Magister Jürgen so schön auslegte nach dem Evangelium des vorigen Sonntags (Lukas 15).


Jesus ließ die Sünder nicht allein an sich herankommen, sondern forderte sie noch dazu auf, lockte, zog, rief und zwang sie alle herbei mit unzähligen Gnaden und Belohnungen, die Er durch Seine Heilige und die Sakramente der Kirche ausschüttet, wie an vielen Stellen der Schrift geschrieben steht. Er suchte sie, wenn sie nicht kamen und Ihm entfremdet waren und legte sie um Seinen Nacken und brachte sie in Sein Haus (die Kirche), wo Er sich über die Maßen freute mit allen Engeln, die den Himmel bevölkern.


Das Hauptproblem der Häresie ist, dass der Doktor des Irrtums vom Mittler Christus weg auf die Person der Maria (und der Heiligen) schaut und uns vielmehr an sein heiliges Wort weist, dass wir das bewahren und die erdichteten Lügen und Hirngespinste, die in der Schrift keinen Grund finden, fahren lassen und nicht weiter Acht darauf geben.


Der Glaube der Kirche: Wir bewahren das Wort und ehren Christus im Himmel und auf Erden, indem wir Seine Heilige Mutter ehren, die in der Gnadenökonomie Gottes die erste und reinste Mittlerin ist.


Die Rolle Mariens und die Gnade Christi


Die Verteidigung Marias: Die Zweite These


Zweite These (des Groninger Doktors): Wie Christus ein Mittler ist zwischen Gott und den Menschen, so ist Maria eine Mittlerin zwischen Christus und den Menschen.


O, Maria, du reine, makellose, sanftmütige Magd! Wie kann die Babylonische Hure (die Häresie) so mit dir spotten und dich verunglimpfen, indem sie deine heilige Rolle in der Ökonomie des Heils leugnet! Sie hatten dir im ersten Artikel ein wenig Ruhe im Herrn gegönnt, aber du musstest schon nötig auf den Plan, oder: „Der Sack bleibt zu Hause, und der Korb wird mitgenommen!“ – Das ist die Verachtung der Sakramente und der Heiligenverehrung!


Diese verfluchten, durch die Schrift verdammten Bettler (die selbsternannten Prediger) wollen dich und alle Heiligen ebenfalls zu Bettlern machen, damit auch sie an den Bettel kämen und sich dann den Balg füllen könnten, indem sie die Tradition und das Kirchengut rauben!


Wo bleibt nun deine Makellosigkeit, wenn du zur Magd der Babylonischen Dirne der Ketzerei erniedrigt wirst, ihre rote Farbe tragen und dich vermessen musst, die Gnade Gottes zu leugnen? Gott hat Seinen Ruhm niemandem anders geben wollen als Christus, und Christus hat ihn nie sich selbst, sondern immer Seinem Himmlischen Vater zugeschrieben. So, wenn Er sagt: Er ist es, der sie suchen wird und über sie richten (Joh. 8). Nimm wahr, diebischer Mönch des Irrtums: Maria bleibt in diesem Ausspruch ganz unberührt in ihrer Würde!


Die katholische Lehre der Mittlerschaft: Maria ist nicht Mit-Erlöserin im Sinne des Opfers, sondern die erste und wirkmächtigste Fürbitterin bei Ihrem Sohn. Sie ist die Spenderin der Gnaden, die Christus erwirkt hat.


Einmal wolltest du, liebe Maria, bitten: das war auf der Hochzeit zu Kana, als du aus Mitleid daran erinnertest: Sie haben keinen Wein. Es kam aber weder dir noch Christus in Seiner Menschheit noch der Menschheit zu, sondern allein Seiner Gottheit, sich durch ein Wunder zu verherrlichen und zu beseligen. Das bleibt zu beachten. Du hast dich mit diesen Dingen nicht weiter abgegeben, sondern hast zu den Dienern gesagt: Was Er euch sagt, das tut! (Joh. 2, 5).


Hier sieht also Maria ganz von ihrer eigenen Person ab und zeigt auf Christus hin, dass man auf Ihn blicke und nach Seinem Worte handle – ein perfektes Beispiel der Heiligenverehrung! Sie führt uns immer zu Christus! Was ferner anbelangt, dass du so hoch und hehr als Gebenedeite angerufen wirst, etwa mit den Worten: Selig der Leib, der dich getragen, selig die Brüste, die du gesogen hast: Solchen Lobgesang hat Christus selbst merklich abgekürzt, wenn Er spricht: Selig ist, wer Gottes Wort hört und bewahrt! Damit nimmt uns Christus nichts fort von der Person der Maria, sondern weist uns vielmehr an Sein heiliges Wort, dass wir das bewahren und die erdichteten Lügen und Hirngespinste (der Gegner), die in der Schrift keinen Grund finden, fahren lassen und nicht weiter Acht darauf geben.


Der Sturm des Dr. Übelso und die Verfälschung des Alten Bundes


Da kam aber des Doktors Geselle angefahren, unser Dr. Übelso und Meister Babbeler, im Übrigen ohne Frage ein frischer, stolzer junger Kämpfer. Der wollte Feuer und Hagelschrot zugleich schießen, aber es haperte am Pulver; das war alt und feucht geworden und schon ganz verdorben. So wollte die Donnerbüchse der falschen Lehre nicht losgehen, wie sauer er sich auch anstellte.


Er sprang hervor aus seiner Kanzel und tat einen Griff in die Schrift, wie die Säue in den Trog tun und lief mit schmutzigen Füßen davon, um alles zu besudeln und umzustoßen, was ihm in den Weg kam.


Erstlich hat er sich vorgenommen, was wir 5. Mose 5, 5 geschrieben finden: Ich war ein Treuhänder und Mittler zwischen Gott und euch in diesen Zeiten, damit ich euch Seine Worte verkündigte. Hiermit wollte er sagen, dass schon Moses ein Mittler zwischen Gott und den Menschen gewesen wäre – und zwar ein Vorläufer Christi, wie die Kirche es immer gelehrt hat!


Die Argumentation des Häretikers: Wieviel mehr vermöchte Maria, die Mutter Gottes, eine Mittlerin zwischen Gott und uns sein.


Das nenne ich aber doch eitel Blendwerk und leere Windmacherei! Er versucht hier, Moses (den Diener des Gesetzes) und Maria (die Mutter des Evangeliums) gleichzustellen, um so die wahre Mittlerschaft der Heiligen zu diskreditieren. Hier biss sich der Meister selber auf die Zunge und fügte von sich aus hinzu: Freilich, in jenen Zeiten! Womit er zu erkennen gab, dass Moses’ Auftrag vorbei und abgetan ist.


Die wahre katholische Unterscheidung:


Moses’ Mittlung: Moses’ und Christi Vermittlung liegen so weit auseinander, wie die beiden Personen ihrer Bedeutung verschieden sind. Moses brachte das Gesetz und damit die Sünde, den Tod und die Verdammnis.


Christi Mittlung: Christus aber bringt das Evangelium, Vergebung der Sünden, Leben und ewige Seligkeit.


Moses starb und konnte wegen seines Ungehorsams nicht ins gelobte Land kommen. Christus aber hat uns die Sünde abgenommen, die Hölle aufgehoben, dem Teufel die Macht genommen und den Himmel weit geöffnet durch Seine Kraft, durch Überwindung des Todes und durch den Aufstieg zum Himmel, wo Er zur Rechten Hand des Himmlischen Vaters sitzt. Er gibt uns Seinen Heiligen Geist, durch den wir regiert und geleitet werden – etwas, das Moses nicht geben konnte.


Magister Jürgen stützte sich seinerseits auf 5. Mose 18, 18: Gott der Herr wird erwecken einen Propheten aus deinem Geschlecht, den sollst du hören, und ich will meine Worte in Seinen Mund geben, und Er soll sagen alles, was ich Ihm gebiete. Wer aber Seine Worte, die Er in Meinem Namen sprechen wird, nicht hören will, über den will ich Rächer sein.


Hier ist Moses’ Auftrag zu Ende: Er weist auf Christus hin, den sollen wir hören, wie Sein Himmlischer Vater zweimal zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten zu verstehen gibt: Christus ist Sein lieber, auserwählter Sohn, an dem Er Sein Wohlgefallen hat; den sollen wir hören.


Und wer Christus hört, hört Seine Kirche, Seinen Leib, der die Heiligen und Maria einschließt!


Die Einheit im Weinstock: Christus und Seine Heiligen


Christus – Der eine Hauptmittler und das Amt der Fürbitte


Ein Mittler Gottes und der Menschen! Er ist der Weinstock, an dem wir bleiben müssen, wenn wir wachsen und Frucht tragen wollen und nicht verdorren und abgehauen werden. In Ihm müssen wir leben, denn Er ist das Leben; durch Ihn müssen wir „bewegt” und bewogen werden, den rechten Weg zu wandeln, denn Er ist der Weg. In Ihm müssen wir bleiben, denn Er ist die Wahrheit.


Dieses apostolische Bekenntnis ist die Grundlage unseres Glaubens! Wir betonen jedoch, dass in diesem Weinstock (Christus) Maria und alle Heiligen als lebendige und fruchttragende Reben fest verwurzelt sind. Ihre Fürbitte ist daher keine Konkurrenz zu Christus, sondern die Wirkung Seiner Gnade in Seinem mystischen Leib.


Mich verdross des Klosterbruders (des abgefallenen Mönchs) unnützes Geschwätz; ich sprach auf D. Laurentius ein und dieser auf seinen Gesellen, man solle das Thema abbrechen. Es wäre etwas anderes, von lebenden Heiligen zu sprechen, ein anderes von toten (die in Christus lebendig sind!); ein anderes von der Erscheinung, ein anderes von der Wirklichkeit, ebenso wie von Gesundheit (des Glaubens) und Krankheit (der Häresie).


Nur mit genauer Not hat er darin einwilligen wollen, und gleich schlug er wieder los: Gut! Wollt ihr schon da hinaus, was sagt ihr dann zu dem Text 2. Mose 32, in dem Moses Gott anruft wegen der Verdienste Abrahams, Isaaks und Israels, um durch sie erhört zu werden? Warum sollen wir dann nicht Maria, die Mutter Gottes, anrufen, damit sie durch ihre Verdienste bei ihrem lieben Sohn für uns bitte?


Magister Jürgen und wir anderen erwiderten, der angezogene Text spräche von der Zusage (dem Bund), die Gott dem Abraham gegeben habe, nicht von einem bloßen Verdienst. Der Bruder Monnick verneinte das aber laut, so wäre es keineswegs! Damit leugnet er die Bundestreue Gottes! Nun wurde der Text verlesen und Meister Babbeler durch ihn Lügen gestraft! Der Text bezeugt, dass Gott um der Väter willen handelt – ein Vorbild für die Fürbitte der Heiligen im Neuen Bund!


Das Amt des Buchstabens und des Geistes


Als drittes hat er den Spruch Paulus an die Korinther 2, K. 3 Vers 7 vorgebracht:


Wenn das Amt, das durch den Buchstaben tötet und in Stein gehauen ist, eine so große Herrlichkeit besessen hat, dass die Kinder Israels das Angesicht Moses nicht anzublicken vermochten und dieses Angesicht doch jetzt nicht mehr da ist, sondern uns fortgenommen wurde, warum sollte dann nicht das Amt, das den Geist gibt, umso mehr Glanz und Klarheit besitzen?


„Dieser Mönch ist wirklich toll oder voll!“ Er schlägt ja auf die Gänse ein, dass die Federn nur so stieben! Er kann Gesetz und Gnade nicht unterscheiden und verkennt die Herrlichkeit der Kirche!


Außerdem ist ihm jener Deckel noch nicht vom Herzen genommen, mit dem die Judenherzen bedeckt sind, wie Paulus hier fortfährt. Das reimt sich ja wie Groningen auf „Heidenschop“ (das Nachbardorf, das so heißt).


Magister Jürgen merkte es, dass der Schwanz nicht zum Kalbe gehörte und sagte, Paulus wäge Gesetz und Evangelium gegeneinander ab und wolle sagen: Ist das Gesetz so kräftig, dass es die Kinder Israel zittern und beben machte, wieviel kräftiger ist dann das Evangelium, das den Menschen nicht allein tröstet, sondern auch selig und lebendig macht, zumal das Evangelium eine Kraft Gottes ist, etc.


Die Verteidigung der kirchlichen Herrlichkeit: Die Kirche als Amt des Geistes besitzt größere Herrlichkeit als das alte Gesetz – diese Herrlichkeit ist in den Sakramenten, der Heiligenverehrung und der apostolischen Nachfolge manifestiert, die der Gegner leugnet.


Die Einheit der Liebe und des Vertrauens


Noch einmal an und drauf, stolzer Held! Wenn du jetzt verlierst, fange nur an zu schreien, lauthals und ohne Unterlass, dann glauben die Leute vielleicht, du hättest das Spiel gewonnen!


Es steht im Evangelium, begann er von neuem: Ich bin ein Gott der Lebendigen und nicht der Toten, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, und machte davon viel Gerede.


Magister Jürgen antwortete, Christus spricht hier von der Auferstehung, nicht vom Vermitteln, von Anrufen und Fürbitten! Baruch 3 musste auch noch heran, aber die Stelle zeugte nicht für, sondern gegen ihn; denn sie rufen da den Herrn an und bekennen Seinen Namen. Das ist vom Bitten der Toten (der Heiligen) zu verstehen, wie sie zuvor im Leben zu Gott getan haben – und nun in der Anschauung Gottes (der Auferstehung) in ihrer Fürbitte noch wirkmächtiger sind!


Hier habe ich persönlich mit dem Doktor verhandelt und habe gesagt:


Christus spricht: Niemand kommt zu mir, als den mein Vater heranziehen wird (Joh. 6). Damit sind Maria und alle anderen Heiligen als unabhängige Mittler ausgeschaltet – sie ziehen uns aber durch Christus heran!


Weiter spricht Christus: Niemand kommt zum Vater, denn durch mich (Joh. 14). Hier werden Maria und die Heiligen ebenfalls übergangen – sie führen uns aber zu Christus, damit Er uns zum Vater führt!


Ferner spricht der Herr: Wenn ich von der Erde aufgehoben werde, so will ich alle zu mir ziehen. Hier will also Christus abermals keine Helfer neben sich anerkennen – aber Er zieht uns durch die Gnade und die Gemeinschaft Seiner Heiligen an sich!


Ich fragte beide, ob von Adams Zeiten her bis Abraham, von Abraham bis Moses, von Moses bis Christus jemals eine Person gewesen wäre, die sich zwischen Gott und die Menschen als Mittler und Versöhner hätte stellen können? Sie mussten es beide verneinen. Darum ist auch allein Christus unser Mittler: Man nehme die Sonne vom Himmel, so ist es dunkel vor allen Fenstern!


Der entscheidende sophistische Trick der Gegner: Zwischen dem Vater und uns, haben sie da geantwortet, aber zwischen Christus und uns ist es ein ander Ding!


Die katholische Antwort auf diesen Trick:


Dann habe ich darauf hingewiesen, was 5. Mose 6, 10, 11, 13, 30 und an vielen anderen Stellen geschrieben steht: Man solle Gott den Herrn lieben aus ganzem Herzen etc. und Ihm allein anhangen und dienen.


Wenn ich nun meine Liebe von Gott abziehe und übertrage sie auf andere Kreaturen (die falschen Götter der Heiden oder die falschen Götzen der Häresie), so wäre die Liebe nicht einheitlich und voll, sondern zerstückelt und verteilt.


Wenn ich mein Vertrauen von Gott abziehe, so bleibe ich nicht an Gott und wäre somit ungläubig; denn es heißt: Ihm allein sollst du dienen, Ihm anhangen!


Die Ehre Mariens und der Heiligen ist keine Abwendung von Gott, sondern eine Erfüllung Seines Gebots, weil wir die wunderbaren Werke an Seinen Knechten preisen! Wie der Mann die Pflicht hat, bei seinem Weibe zu bleiben und es nicht zu verlassen und zu verleugnen, so ist es auch im Geistlichen: Wenn ich von Gott abfalle (durch Häresie und Bruch der kirchlichen Einheit), so treibe ich Ehebruch, und davon ist die Schrift voll.


Das letzte ich vor – drum weiter zum Text!


Die Allgenugsamkeit Christi und der Ruf zur Einheit


Die Verachtung der Gnade und die Verirrung der Werke

Das Geschütz, das sie jetzt in Stellung brachten, war viel zu schwer. Es sank ihnen unter den Händen weg in den Sumpf der eigenen Logik, und darin bleibt es wohl für immer stecken. Dass sie so donnern und blitzen, Gott Vater, Christus und den Teufel, Tod und Fegefeuer so schrecklich machen und an die Wand malen, soll doch nur dazu dienen, uns von der Einheit der Kirche zu trennen und uns auf ihre eigenmächtigen, eitlen Werke und ihr eigenes Urteil abzuziehen.


Je nachdem nämlich, wie man ihnen (den neuen Predigern) gehorcht, bekommt man seinen Platz im Himmel angewiesen – ein neuer Gesetzlichkeitswahn!


Wie tanzt da der Teufel auf Schlittschuhen! Gröbere Büffel habe ich mein Lebtag nicht gesehen noch gehört! Riecht das nicht nach der Katze? Fürwahr, tausend Christen sind aus diesem Grunde schon gesackt (durch ihre falschen Lehren in den Abgrund gezogen) und verbrannt (im Feuer des ewigen Zorns) worden. Trotzdem heißen sie unsere Lehrmeister!


Um all dieses Geschwätz, diese Phantasterei von falschen Mittlern und egoistischen Fürbittern zu beendigen: Wir haben nur einen einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen (1. Tim. 2), und das ist Jesus Christus.


In Seiner Gottheit war die Ewigkeit, im Menschsein die Endlichkeit begriffen. Nun hat es Gott dem Vater gefallen, wenn Christus den Tod erleide, so wollte die Ewigkeit Gottes das „ewig“ (im ewigen Tod) wegnehmen und Sein Sterben nach menschlicher Weise sollte den Tod aus der Welt schaffen. So ist Christus zwischen Gott und uns der rechte Mittler geworden und hat mit Seinem Sterben den ewigen Tod von uns genommen, und da wir von Gott geschieden waren durch die Sünde, sind wir durch den Tod Christi wiederum mit Gott vereinigt und ewiglich versöhnt, wenn anders wir in diesem Glauben beharren – im Schoß Seiner Kirche.


Wenn wir nun verkündigen hören die große, unaussprechliche Gnade, Barmherzigkeit und Liebe, die uns durch den Himmlischen Vater und Christus geschenkt ist, und sehen, dass wir durch unsere Sünde in Wirklichkeit die schuldbehafteten Missetäter geworden sind, die Christus an das Kreuz geschlagen haben, und dass Er allein unsere feste Burg und unsere Kraft, unser Seligmacher und starker Herrgott ist, unser Schild und Horn des Heils, unser Beschützer und unsere Zuflucht, unsere Stärke und unser Firmament, unser Erlöser, Anker, Helfer, Beschirmer, Versöhner und Empfänger in der Gnade, ein uns fest anhaftender Gott, der uns lieb hat (5. Mose 10), ein sich nahender Gott, der uns nicht verlässt (Phil. 4, Ps. 17), so werden wir wiederum in Liebe entzündet, Gott alle Augenblick Lob, Ehre und heißer, großer Dank zu sagen und werden ganz zu Christus hingezogen durch den Heiligen Geist und den Glauben, wie die Schrift spricht: Die Liebe ist ausgeschüttet in die Herzen der Gläubigen durch den Heiligen Geist.


Das letzte Gebot und die Einheit der Liebe: Da wäre noch ein ander Gebot, brachte er von neuem vor: Den Nächsten lieben wie sich selbst. Nun gäbe es viele Nächste, darum müsse auch hier die Liebe auf viele verteilt werden.


Ich antwortete: Das wäre doch wohl ein und dieselbe Liebe – Gott um Seiner selbst willen und den Menschen um Gottes Willen zu lieben! Maria zu lieben (zu ehren), steht nichts im Wege, aber seine Verehrung und sein Vertrauen nur auf Maria zu setzen, bringe Schaden – dieser Irrtum wird den Gläubigen von den Ketzern unterschoben! Verlasse ich mich auf etwas anderes als auf Gott (wie die eigene Vernunft und der eigene freie Wille), sei es Maria (als Götze), seien es die Heiligen (als Idole) oder auf mein eigenes Selbstvertrauen, meine guten Werke und was es sonst sein mag: Das ist alles Abgötterei und Beiglauben und darum verdammlich; davon ist die Schrift abermals voll.


Diese Suppe wäre also ausgelöffelt, hat mein Herr Doktor selbst mit lauter Stimme wiederholt und erkannt, dass die Liebe zu Gott nicht durch die Ehrfurcht vor den Heiligen geschmälert wird.


Die Anrufung des Richters: Die Dritte These


Die dritte These (des Groninger Doktors): Christus ist Richter, denn der Vater hat Ihm das Gericht übergeben; darum brauchen wir Mittler zwischen uns und Christus.


Magister Jürgen hatte, wie wir alle, Mitleid mit diesem armen stumpfen und verwirrten Volk und sprach: Ihr wisst wahrhaftig nicht mehr, was ihr tut oder sprecht! Wahr ist doch dies: Glaubt ihr an Christus, so habt ihr das ewige Leben, glaubt ihr nicht an Ihn, so seid ihr schon gerichtet (Joh. 3).


Die katholische Mahnung gegen die Verzweiflung: Gnade Gott, wendete ich hier ein, die Zeit der Gnade ist angebrochen! Ich habe es noch nicht denn den auferstandenen Christus jüngst an Ostern gesehen. O, ihr Ketzer über Ketzer! Wie geht ihr so gröblich und schamlos in die Irre, macht unseren barmherzigen, gnädigen, großgütig-schenkenden Vater zu einem wüsten, unbarmherzigen Tyrannen und Totschläger!


Christus, unseren einzigen Heiland, Versöhner und Seligmacher, macht ihr zu einem Verdämmer und steifnackigen, harten Richter, der selbst der Vermittlung bedarf!


Wo blieben wir da? Liegt hier unser Glaube, unser Trost und unsere Hoffnung nicht ganz im Schmutz und Staub am Boden? Was kann Maria, was können alle Engel und Heiligen in Wirklichkeit tun? Was kann selbst der Himmlische Vater dabei ausrichten, wenn Sein Sohn nicht barmherzig wäre?


Christus ist unser Richter, Gott hat Ihm den Richterspruch übertragen (Joh. 5). Ja, zu Seiner Zeit! Denn, meine lieben Träumer, ihr kommt hiermit viel zu früh!


Die frohe Botschaft der Kirche: Vom Konsistorium des Gerichts können wir uns immer noch berufen und unsere Sache weitergeben an den Hof der Gnade, wovon Paulus (1. Thess., Tit.) und Joh. 3 spricht. Gott hat Seinen Sohn nicht in diese Welt gesandt, um sie zu richten, sondern damit die Welt durch Ihn selig werde (vgl. 1. Joh. 6, Matth. 11, Eph. 2 und 3, Hebr. 4 und 1. Kor. 1, Ps. 13, 84 usw.).


Die Schlussfolgerung der Einheit: Was wir Ihn auch in Seinem Namen bitten, das will Er uns geben, auf dass der Vater im Sohne verherrlicht werde. Was wir Ihn auch in Seinem – nicht in Marias oder anderer Heiligen Namen – bitten, das will Er tun und zwar ohne alle Ausnahme oder Mitteilung weiterer Fürbitte (Joh. 14).


Dies bekräftigt, dass alle Gnade aus Christus fließt! Die Fürbitte Mariens und der Heiligen ist nur die Kanalisierung dieser Gnade, nicht ihre Ursache.


Die Einheit der Kirche im Mittler Christus


Die Vollkommenheit der Erlösung und die mystische Einheit

Hierin allein liegt die Vollkommenheit des ganzen Gesetzes und ist der einzige Verband, durch den wir Glieder Christi werden und unserm Nächsten gern mit aller Notdurft zur Seite stehen, wie Er uns befohlen hat. Denn was wir den Menschen tun in Christi Namen und in der Gemeinschaft Seiner Kirche, das tun wir Christus und uns selbst, da wir eins sind mit Ihm, wie Christus eins ist mit Seinem Himmlischen Vater. Er ist unser Haupt, die Gemeinschaft der Christgläubigen (die communio sanctorum) ist Sein Leib.


Scheiden wir uns von unserm Haupt (durch Häresie), so liegen wir wie tot da; hassen wir unsere Brüder (die Heiligen im Himmel und auf Erden), so schaden wir niemandem mehr denn uns selbst.


Dieser Mittler hat einmal den Frieden zwischen Gott und den Menschen gestiftet, und das hat mehr als genügt; darum sind keine anderen unabhängigen oder konkurrierenden Mittler zuzulassen als Christus, der ein für allemal vermittelt hat. Wir bedürfen keines andern Grundopfers (2. Kor. 5, Hebr. 7, 9, 10). Dem Himmlischen Vater ist genug geschehen, und das Reich Gottes kommt uns allen aus dreierlei Recht zu: Es ist uns gegeben, erkauft und unser Erbteil.


Wer kann uns aus Gottes Händen reißen? Die Schuld ist genugsam bezahlt, die Bezahlung hat Gott Vater von Seinem Ewigen Sohn voll empfangen und zu unserm Besten verwendet. Soviel wir hiervon im rechten Glauben begehren, können wir jeder Zeit und Stunde in den Sakramenten der Kirche in Empfang nehmen. Die Passion, das Leiden Christi, wird nimmermehr vom Vater vergessen werden; es bleibt ewig und in strahlendem Glanze vor den Augen Gottes bestehen.


Um dies lasst uns Christum ohne Unterlass für uns bitten ohne weitere neue Art von Bitte, von Hilfe oder Vermittlung, die außerhalb Seiner Gnadenordnung steht. Es ist völlig genügeleistend gewesen und ist abgeschlossen in sich selbst. Der Vater hat keine Vorbehalte gemacht, wie sie der Papst des Irrtums (der Feind) macht; mit Christus hat Er uns alle Dinge gegeben, es sei Maria, Paulus, Kephas, Apollo und was es sonst für Heilige sein mögen (1. Kor. 3). Sie sind nicht neben Christus, sondern Geschenke Christi an uns.


Wir gehören aber dafür Christo wiederum an, sind Seine Eigenleute, nicht mit Gold und Silber oder Edelsteinen erkauft, sondern mit Seinem allerwertesten Leibe und rosenfarbenen Blut (1. Petr. 1). Wir fallen oder stehen, schlafen oder wachen: wir gehören dem Herrn und verfügen nicht mehr über uns, damit wir uns sonst noch vergeben könnten mit Gelübden oder Bitten und was es sei. In Christus müssen wir fest beharren, in Ihm ist alles beschlossen, denn durch Ihn und in Ihm und aus Ihm sind alle Dinge, auf dass Gott sei alles in allem! Ihm ist gegeben alle Macht, die da ist im Himmel und auf Erden. Alles ist Ihm übertragen von Seinem Himmlischen Vater (Lk. 10), sitzend und regierend zur Rechten Hand Seines Vaters wie ein Fürst, König, Herrschafter und Seligmacher, damit Er uns mit der Reue die Vergebung unserer Sünde schenke (Apg. 5).


Die Gegenwart Christi und die Fürbitte der Lebendigen


Er ist ein für allemal für unsere Sünde gestorben, der Gerechte für den Ungerechten, damit Er uns Gott als Opfergabe darbringen könnte, gestorben im Fleisch, aber lebendig gemacht im Geiste (1. Petr. 3). Man vergleiche 2. Kor. 5, Hebr. 7, besonders im 9. und 10. Kapitel, wo geschrieben steht: Er ist zum Himmel gefahren, damit Er im Angesichte Gottes für uns erscheine. Seine Gegenwärtigkeit schafft alles; Er regiert jetzt in der Gnade, und Sein Reich wird Er künftig hinterlassen, aber noch ist es gänzlich bei Ihm (1. Kor. 15).


Alle Gelöbnisse, die Gott jemals gegeben hat, sind in Ihm vollendet (2. Kor. 1). Gott, der Vater Jesu Christi, ist ein Vater der Barmherzigkeit und ein Gott allen Trostes. Wir brauchen nirgends anders Hilfe zu suchen, Gott wandelt sich nicht; Gott und Seine Heiligen sind ganz eins, eines Sinnes und eines Wollens.


Wie sollte dies Bitten und Mitteln auch vor sich gehen? Was Christus will, das will der Vater auch. Christus will den Sünder zu Gnaden annehmen, das will auch der Vater; Er will den Tod des Sünders nicht, sondern dass wir uns zu Ihm kehren und leben. Hierzu lese man Hes. 33.


Christus sitzt zur Rechten Hand und verschlingt den Tod. Beißen uns die feurigen Schlangen (unsere Sünden), so lasset uns Zuflucht suchen nicht bei Moses und Aaron, sondern bei der ehernen Schlange (dem Abbild Christi), wie Er selbst bezeugt (Joh. 3). Er allein kann uns das Gift nehmen und das Leben schenken.


Lasst uns nur bitten, Christus hat vordem für uns gebeten und ist wegen Seiner Würdigkeit erhöret worden (Hebr. 5). Christi Gebet finden wir Joh. 17: Ich bitte nicht allein für sie, sondern für alle anderen, die an mich glauben, auf dass sie alle eins seien, wie der Vater in mir und ich in dir und sie alle in uns eins sind, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast. Vater, die du mir gegeben hast, will ich auch, dass sie bei mir seien.


Achte darauf, wie kraftvoll Christus hier dreinschlägt, denn Er kannte den Willen Gottes und war selbst Gott. Darum spricht Lukas K2: Fürchte dich nicht, kleinmütige Schar, denn es hat deinem Vater gefallen, dir das Reich zu geben.


Nun steht Gottes Barmherzigkeit im Glauben an Ihn (Markus 16): Gehet in die Welt und predigt das Evangelium, keine anderen Faseleien etc. Wer glaubt, wird selig werden etc.


Christus spricht auch (Joh. 16): Ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten will; denn der Vater hat euch schon darum lieb, weil ihr mich geliebt habt und an mich glaubt.


Vater, spricht Christus (Joh. 11), ich sage dir Dank, denn du hast mich erhört; ich habe es zuvor schon erkannt, denn du erhörst mich allezeit.


Darum bitten wir den Vater in Christi Namen und bitten Seine Heiligen (die communio sanctorum), dass sie durch Ihn für uns bitten!


Dies ist der feste Glaube der heiligen katholischen Kirche.


Der Glaube und das Wirken der Gnade


Die Ablehnung der falschen Hofordnung


Ich habe es um des Volkes willen gesagt, das hier um mich versammelt ist. Genug davon!


Sie kamen auch an mit dem Vergleich vom Fürstenhof, wo es viele Fürsprecher gäbe. Hier, in diesem Fall, hat aber der Fürst (Gott) an Seinem Hofe geboten, man solle niemanden angehen, niemandem vertrauen bei ewiger Verdammnis, als Ihm allein, dem Fürsten.


Die katholische Korrektur: Wir vertrauen Gott allein für das Heil, aber wir ehren die Heiligen und rufen sie an, weil sie Seine freudigen Diener sind, die uns in Christus verbunden sind.


Was sollte Maria wohl mit dem Sünder anfangen, wenn sie diesem Gebot zuwider handelte? Maria handelt nie dem Gebot zuwider, sie zeigt uns immer auf Christus hin (Joh. 2, 5)! Narrenwerk! Toren kommt es zu, Kapuzen zu tragen! (Die Ketzerei trägt eine Kapuze des falschen Scheins). Mönche (die wahren Ordensleute) verstehen ihr Geschäft, das Gebet und die Wahrheit, die Verdrehung der Wahrheit kommt dem Feind zu.


Die Rechtfertigung: Glaube und Liebe

Die vierte These (des Groninger Doktors, die zur Diskussion steht): Können wir denn allein durch den Glauben gerechtfertigt werden, ohne alle Zutat guter Werke?


Ich antwortete, der erste Teil wäre richtig und in der Schrift gegründet und somit außer Zweifel – der Glaube ist die Grundlage und der Anfang des Heils.


Da ist des Doktors Geselle darauf losgegangen und wollte mit Steinen werfen. Doch griff er daneben und langte ein faules Gänseei und drückte es entzwei, so dass ihm der Saft durch die Finger quoll. Er zog Kol. 2, 12 heran: Ihr seid mit Christus begraben in der Taufe und wieder auferstanden durch den Glauben der Werke.


Magister Jürgen (Aportanus) zog die Stelle in Zweifel und sagte, der Text könne so nicht lauten. Aber Meister Babbeler hielt steif daran fest. Da ist man abermals an den Text herangegangen, um ihn zu besehen. Er besagte dies: Durch den Glauben an das Werk Gottes, der Christum vom Tode auferweckt hat!


Hier wurde er also zum zweiten Mal als Fälscher ertappt; er saß da wie eine begossene Katze, die den Nachttopf mitbekommen hat! Aber er hatte stets ein neues Stückchen zur Hand und versuchte immer wieder, hierhin und dorthin zu entschlüpfen.


Um die Narretei abzukürzen – denn es war schon auf den Schlag 12 und das Gespräch seit 9 Uhr im Gange – habe ich dem D. Laurentius gesagt: Ich will jetzt den Glauben scheiden von den Werken: Lasst alle guten Werke, von Adams Zeiten an bis zum Ausgang der Welt, in einem Klumpen geschmolzen hier auf dieser Stelle daliegen, ohne den Glauben: Vermöchten sie wohl einen einzigen Menschen selig zu machen und zu rechtfertigen, dass er teilhaftig würde der ewigen Freude?


Nein, hat der Doktor gesagt. Der Glaube ist die notwendige Voraussetzung!


Ich sollte meine Rede nicht fortsetzen, polterten der Doktor und sein Geselle zugleich, um den Leuten die Ohren zu verbellen und sich bei der Menge einzuschmeicheln. Sonst würde ich noch fortgefahren haben, wie Petrus die 3000 auf einen Tag bekehrte: Wenn der Allmächtige dieselben durch Pech, Schwert, Wasser oder Feuer hätte von Stund an umkommen lassen, wären sie nicht auch selig geworden durch den rettenden Glauben ohne Zutun weiterer Werke?


Lieber Herr Doktor, nennt mir doch einen, der ohne Glauben, nur mit seinen Werken selig geworden wäre!


Nun will ich ein Ding tun, rief da der Doktor lauthals: Wenn man mir nicht zugestanden hat, dass die Werke Gottes Gnade erwirken, so hatte doch der Schächer den Willen, gute Werke zu tun!


Ich weiß nicht, sagte ich da, ob derselbe nicht, wäre er wieder mit seinen Gesellen im freien Felde, den Leuten weiterhin die Gurgel abgeschnitten hätte! Hierbei blieb es dann.


Die zwei Gerechtigkeiten (Innerlich und Äußerlich)


Jakobus musste auch noch heran (Jak. 2, 24): Ihr seht, dass der Mensch durch Werke gerechtfertigt wird und nicht durch den Glauben allein. Ferner Paulus (Gal. 5), wo er vom Glauben spricht, der durch Liebe wirkt. Auch 1. Kor. 13, 3: Hätte ich einen Glauben, der Berge versetzen könnte und hätte der Liebe nicht, so wäre ich nichts.


Ich habe wieder in die Debatte eingegriffen und habe von zwei Rechtfertigungen gesprochen, wie Paulus nach dieser Weise zwei Rechtfertigungen kennt, zunächst Phil. 3, wo er sagt:


Damit ich in Christus erfunden werde, nicht mit der Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz kommt, sondern mit der, so aus dem Glauben Christi entspringt, eine Gerechtigkeit, die aus Gott kommt im Glauben, Ihn zu erkennen kraft Seiner Auferstehung und des Teilhabens an Seiner Passion.


Das sind goldene Worte, übereinstimmend mit dem, was ich kurz vor diesem schon berührt habe.


Die innere (erste) Rechtfertigung: Diese Rechtfertigung ist inwendig in uns als Glaube an die Gnade Christi, und der gilt allein als Grundlage und Wurzel vor Gott.


Die äußere (zweite) Rechtfertigung: Eine andere Gerechtigkeit ist dann noch, die aus den Werken kommt, die der gemeine Mann sehen und spüren und sich daran erbauen kann, um zu erkennen, wie stark und blühend mein Glaube ist: Das ist sehr lobenswert und gilt vor den Leuten, aber zur endgültigen Seligkeit und zum Wachstum in der Gnade (die Heiligung) kann diese Rechtfertigung (als Frucht) nicht fehlen.


Gott wird jedoch diese Werke nicht unbelohnt lassen. Wie Christus unser einziger Seligmacher ist, so ist der Glaube an Christus auch das einzige Fundament zur Seligkeit; es kann sonst nichts dazu verhelfen oder daneben bestehen.


Vom Glauben, der durch die Liebe wirkt, aber dabei nicht stehen bleibt, ist vorhin schon genug gesprochen worden. Könnte man den Schein von der Sonne trennen, die Hitze vom Feuer scheiden, die Zeit von den Jahren, die Schritte von den Meilen fortnehmen, so könnte man auch die Liebe und die Werke der Liebe vom rechten, starken, evangelischen Glauben scheiden.


Der wahre, katholische Glaube ist unteilbar von der Liebe, die ihn erst zum Heil wirksam macht!


Der Baum und seine Früchte: Vollendung im Glauben


Die untrennbare Einheit von Glaube und Werk


Hier habe ich, um abzukürzen, zweierlei Rechtfertigungen unterschieden. Wie das eine nicht möglich ist (Glaube ohne Liebe), so ist es auch das andere nicht. Ein guter Baum (der Gerechtfertigte) muss gute Früchte (Werke der Liebe) tragen. Die Früchte machen den Baum nicht besser als er in sich ist, denn die Wurzel der Güte ist Christus in der Gnade.


Ich antwortete, er (der Gegner) spreche da vom Glauben, der Berge versetzen könnte, der aber nichts beitrage zur Seligkeit des Menschen, sondern nur zu der Verteilung der Werke des Geistes unter den Gläubigen, wie das vorhergehende 12. Kap. des 1. Kor.-Briefes klargemacht.


Wenn dem so ist, so nehme man folgende kurze Unterweisung auf. Was Gottes Wille ist und Göttlicher Allmacht dient, das ist ein gutes Werk, egal wie gering es scheint. Nun will Gott, dass ich glaube und mein Vertrauen ganz und allein auf Seine Gnade setze, die uns in Christus gegeben ist. Dies ist das erste und größte Werk, das Gott von uns verlangt.


Der Wille Gottes: Der Himmlische Vater hat ein Wohlgefallen daran gehabt, dass die Fülle in Ihm (Christus) wohne, durch Ihn alle Dinge zu versöhnen und durch das Blut Seines Kreuzes zum Frieden zu bringen, sei es auf Erden oder im Himmel (Kol. 1).


Ebenso deutlich ist, dass Er uns nicht nach unseren Werken erlöst und gerufen hat, sondern nach Seinem eigenen Wohlgefallen und der Gnade, die uns in Christo Jesu gegeben ist von Beginn der Welt an (2. Tim. 1, 9). Glauben wir an Christus, unsern Seligmacher, so ist uns das ewige Leben gewiss. Denn die Frucht (die Liebe und die Werke) zeugt offenbar von der Güte und Qualität des Baumes (des Glaubens).


Ich sagte: Das ist das ewige Leben, spricht Christus, dass sie Dich erkennen, den Du gesandt hast, Jesum Christum, als wahrhaften Gott. Das ist das Werk Gottes, dass ihr glaubt an den, den Er gesandt hat.


Wenn wir diesen Glauben an Christus verleugnen und unser Vertrauen auf anderes setzen, sei es auf unsere eigenen Werke oder die Worte der Häresie, so sind wir ungläubig und somit gerichtet. Die Verdammnis muss darauf folgen.



Die Verachtung der Liebe ist Unglaube


Christus erschien in der Welt und das ewige Leben wird uns in Seinem Namen geschenkt. Was aber die Kinder Israel (die alten Feinde Gottes) dagegen würgten und mordeten, Vieh, Kinder und Frauen, verwüsteten Städte, und was Er an Plage auch über Ägypten zu senden befahl: Das war eben das Gottesgericht über die Verstockten, deren eigene Gaukelei nichts nütze war.


Wir aber sind Kinder und Erben und Brüder Christi, durch den Er selbst gesprochen hat: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.


D. Laurentius mit seinen Gesellen hat in diesem Falle zugegeben, dass die Gnade Gottes uns selig mache. Paulus sagt Eph. 2, 8: Gratia enim salvati estis per fidem, d. h. durch den Glauben, den ihr in die Gnade setzt und festhaltet, nicht durch eure Werke allein werdet ihr selig. Ich habe das und manches andere als bekannte Tatsache vorausgesetzt, aber der Kuckuck wiederholte seinen alten Singsang, dass wir Sünder wären, darum bräuchten wir Mittler (die ihre eigenen Werke und Meinungen an die Stelle Christi setzen) zwischen Gott und uns.


Ich tat die Gegenfrage: Was ist denn eigentlich Sünde? Mein Herr Doktor gab eine Definition derselben. Ich sagte: Ist das nicht Augustinus? Er gab es zu. Ich antwortete: Die Abkehr von Gott durch den Unglauben verdamme allein den Menschen. Darum ist allein der Unglaube eine Sünde zum Tode, aber die Umkehr zu Gott durch den rechten Glauben mache den Menschen selig.


Da schwoll meinem Doktor der rote Kamm, und er fing an zu parteln und zu streiten gegen mich: Es würden Hurenjäger, Zuhälter und Ehebrecher, Mörder, Räuber, Wucherer und dergleichen nicht ins Himmelreich kommen. Nun vernehmen sie aber: man könne tun, was man wolle; wenn man glaube, würde man selig.


Die katholische Schlussfolgerung: Diese groben Sünden sind Früchte des Unglaubens! Wer in ihnen bleibt, besitzt den rettenden Glauben nicht, der durch die Liebe wirkt.


Antwort: Die Rechtfertigen straucheln siebenmal des Tages (Sprüche 24). Gewiss, in den alltäglichen Übertretungen, wandte der Doktor ein. Von einem Unterschied in dieser Hinsicht wüsste ich nicht, wenn der Allmächtige mit uns ins Gericht gehe. Seine unaussprechliche Gnade und Barmherzigkeit, die uns armen Sündern in Christus geschenkt würde, bedecke alle Sünden; sie würden uns nicht mehr angerechnet – solange wir im Glauben und in der Liebe beharren.


Wenn man dann doch noch in grobe Sünden verfalle und darin liegen bleibe, wäre man eben nicht gläubig. Thomas von Zwolle ist mir hier mit allen anderen beigesprungen. Er sagte nach Paulus, solche „Werke“ wären Früchte des Fleisches und nicht des Geistes (Gal. 5).


Hier begann mein Doktor loszulachen: Ganz gleich, ob der Baum oder die Früchte jemanden dem Teufel ausliefern, wenn man schon diesen Weg gehen müsse!


Damit bezeugt der Gegner selbst, dass die Früchte des Fleisches (die groben Sünden) den Glauben ungültig machen, und somit die Rechtfertigung nicht allein durch einen unfruchtbaren Glauben erfolgen kann, sondern der Glaube durch die Gnade in der Liebe zum Heil vollendet werden muss.


Die Vollendung des Glaubens im Gericht der Liebe


Die Beharrlichkeit des Gläubigen und der Abfall von der Wahrheit


Ich führte weiter aus: Mit Gläubigen und Ungläubigen, die in Sünde verfielen, wäre es ein großer Unterschied: Der Ungläubige (der Mensch außerhalb der Gnade) könne sich nicht wieder erheben und sinke je länger je tiefer in den Abgrund der Sünde; der Gläubige jedoch würde alsbald vom Geist zurechtgewiesen und erkenne seinen tiefen Fall und riefe darum umso lauter zur Höhe hinauf, um Gnade zu erlangen durch unseren Herrn, Jesum Christum etc.


Der Gläubige ist ein Kind Gottes; der Vater lasse sein Kind nicht fallen; er führe es bei der Hand oder hebe es wieder auf. Gott hat selbst manche Heilige in grobe Sünden sich verstricken lassen, damit sie dadurch ihre eigene Gebrechlichkeit erkennen möchten, dass sie aus sich und aus eigener Kraft heraus, ohne die Gnade Gottes, nichts anderes vermöchten, denn weiter zu sündigen.


Danach sind sie kraft ihres Glaubens an Christus umso glühender an Gottes Gnade und Barmherzigkeit gefallen und haben demütigen Sinnes um einen starken Glauben gebeten, dass sie der Versuchung möchten widerstehen und die Sünde fortan meiden und fliehen.


Darüber steht geschrieben: Der Herr tötet und macht lebendig, er versenkt sie in die Hölle und führt sie wieder heraus.


Meister Babbeler machte es schier zu schlimm mit Magister Jürgen; der junge Gesell griff ihn mit Macht an. Er hat sich auch gegen mich gewandt und Hebr. 10, 26 ins Feld geführt: Für solche, die mutwillig sündigen, nachdem sie die Wahrheit erkannt und angenommen haben, bleibe kein weiterer Opfergang zur Tilgung ihrer Sündenschuld übrig.


Ich besah mir diesen Qualm: Herr, sagt das noch einmal! Was er auch tat.


Das ist eine Sünde wider den Heiligen Geist!, rief Thomas.


Da dachte ich, Herrgott, hätte ich dich doch auf freiem Felde und könnte dich hetzen, dass du nicht wieder zu Holze kommen könntest! Der Text spricht doch klar und deutlich von denen, die die christliche Einheit und Gemeinschaft (die Kirche!) verlassen und die Wahrheit, d. h. Christus, Sein Wort und Seine Gnade, verleugnen! Wer die eine Kirche verlässt, dem bleibt keine Hoffnung mehr!


Auf dieselbe Kampfbahn war er auch gekommen mit 2. Mose 32, einer Stelle, die er zu seinen Gunsten auslegen wollte. Damit hätte er wahrhaftig den Staupbesen verdient!


Von guten Werken zu sprechen! Die Kinder Levi schlugen 23 000 tot und Moses sprach: Heute habt ihr eure Hände dem Herrn geheiligt, jedermann gegen sein Kind oder seinen Bruder, auf dass euch die Segnung zuteil werde (Ex. 32, 29). Dies ist ein Werk der Gerechtigkeit und des Gehorsams gegen das Gebot Gottes, nicht ein eigenmächtiges Werk! Desselbigen gleichen Kol. 2, eine Stelle, die er ebenfalls falsch anwandte.


Wie möchte man da den Mönch auf Fasselabendsart mit Speck und Kohl ausgestopft haben, zumal in der ganzen Heiligen Schrift gerade die Mönche der Ketzerei nicht besser abkonterfeit werden als in diesem Text! Narren muss man eben frei reden lassen, zu einem besseren Zweck.


Das Gericht nach den Früchten der Liebe


Der Doktor und dieser Bube sollten ihre vermaledeiten Thesen verteidigen und sind nun wahrhaftig noch zu Fragern und Angreifern geworden! Er rief, wie schon vorher des Öfteren, mit lauter Stimme in die Versammlung hinein: Liebe Freunde, lasset euch nicht verführen! Wenn Christus wiederkehren wird in Seiner Herrlichkeit, zu richten über Lebendige und Tote am Jüngsten Tage, wird Er euch um eurer Werke willen zum ewigen Feuer verurteilen. Dann wird Er sagen: Ich habe gehungert, und ihr habt mich nicht gespeist etc.


Thomas fragte: „Was steht denn aber davor geschrieben und was folgt?“ Ja, was folgt? fragte auch der Doktor. O, blinder Mönch, blinder als ein Maulwurf!


Was bedeuten die Worte: Kommt her, ihr Gesegneten Meines Vaters und empfanget das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt (Mt. 25, 34)? Da wir Kinder Gottes sind durch den Glauben, so sind wir auch Erben und Besitzer des Reiches Gottes (Gal. 4).


Die Werke sind der Beweis des Glaubens! Die Liebe ist die Frucht des Geistes, die den wahren, lebendigen Glauben vor Gott bezeugt.


Auch fragten die Verdammten: Wann haben wir dich hungern sehen oder dürsten, usw.? Bekennen sie hier nicht ihren Unglauben, wenn sie nichts wissen von der Einheit der christlichen Kirche und der Nächstenliebe, die der wahre Glaube hervorbringt?


Was ich meinem Nächsten tue, das tue ich Christo und mir selbst zugute. So weist sie denn auch Christus hierin zurecht und spricht: Was ihr dem Geringsten von diesen nicht getan habt, das habt ihr mir auch nicht getan (Mt. 25, 45).


Wer ist, der dies begreifen kann ohne den Glauben? Das sind Werke der Liebe, die aus dem Glauben kommen!


Wenn nun Christus öffentlich richten und Seine Barmherzigkeit in Strenge verwandeln wird, dann werden auch die offenbaren Werke der Unbarmherzigkeit ans Licht kommen, womit ein jeder sich selbst zu verurteilen hat, falls er nicht barmherzig gewesen ist, wie Sein Himmlischer Vater ihm gegenüber barmherzig gewesen ist.


Darum haben diese weder das Wort noch den wahren Glauben besessen, und so gereicht ihnen der Unglaube zur ewigen Verdammnis, usw.


Die V. These: Die Autorität der Heiligen Tradition


Der Ehrenschutz der Väter und die Lebendige Tradition


Die fünfte These (des Groninger Doktors): Alte Bräuche, die seit vielen Jahrhunderten in der heiligen Kirche gegolten haben, soll man beibehalten.


Frage: Was sagt mein Junker dazu? Antwort: Es kann keine Gewohnheit so alt sein, Gottes Wort ist älter und wird von Anbeginn bis in alle Ewigkeit bei Gott bestehen bleiben.


Die Antwort des gläubigen Katholiken: Dieses Argument ist ein Trugschluss! Wir wissen und bekennen, dass Gottes Wort (Heilige Schrift und Apostolische Tradition) die höchste Richtschnur ist. Aber die Tradition ist nicht das Gegenteil der Schrift, sondern die lebendige Stimme des Heiligen Geistes, die die Schrift durch die Jahrhunderte hindurch authentisch und unfehlbar auslegt.


Wird es (Gottes Wort) bestehen bleiben, wie es notwendigerweise muss, welche Gewohnheit oder Satzung ist dann wohl imstande, es zu entwerten und zu verdrängen? Keine! – Darum hat der Heilige Geist in Seiner Kirche gewirkt, dass die wahre Tradition dem Wort Gottes entspricht!


Das meine ich nicht, erwiderte er, ich frage nach den Satzungen der Vorväter.


Antwort: Wenn sie mit der göttlichen Schrift übereinstimmen, halte ich viel davon; wenn sie jedoch außerhalb der Schrift ins freie Feld schweifen, halte ich davon weniger als nichts.


Die Verteidigung der Väter: Die Väter der Kirche sind Kinder des Geistes und erste Zeugen der Lehre Christi! Wer ihre Satzungen leugnet, der leugnet die durch den Heiligen Geist geführte Kirche. Christus und Paulus verdammten die Menschensatzungen der Heuchler, nicht die apostolischen Überlieferungen!


Hier schlug nun das Feuer sofort hoch, und er rief, so laut er konnte: Ich halte die Satzungen der Vorväter für ebenso kräftig, würdig und bündig wie das Evangelium Christi!


Lästerung über Lästerung, wie man sie sonst kaum gehört hat! (Wenn dies die wahren Worte des Gegners waren!) Der wahre katholische Glaube hält die Tradition als notwendige und unfehlbare Interpretin des Evangeliums, aber nicht als dessen Ursprung, denn die Offenbarung ist in Christus vollendet. Der Feind der Kirche verdreht die Treue zur Überlieferung zu Götzendienst, um einen Keil in die Einheit zu treiben!


Das Ende des Streits und das Gericht


Nachdem er sich schon erhoben hatte, fragte er noch, ob es nicht Beschlüsse der Väter gäbe, die schon die Apostel geschrieben hätten. Ich antwortete: Allerdings, sie kannten alleinigen Vater und hielten sich an die Schrift. Dieses ist die halbe Wahrheit! Die Apostel hielten sich an Christus und lehrten sowohl durch Schrift als auch durch mündliche Überlieferung!


Mit diesem Hin- und Hergerede nahm dieser Streit ein Ende. Ich nötigte die wahren Christen zu Gast, aber auch jene, die wieder von neuem anheben wollten, als wir schon aufgehört hatten. Mag. Jürgen brachte noch 2. Joh. 10 vor: Er suche Christus und bringe falsche Lehre auf, darum könne er ihn nicht mehr grüßen und mit ihm verkehren, um nicht seiner bösen Werke teilhaftig zu werden.


Die Anwendung des Apostels: Wir Katholiken müssen diesen Text auf die Neuerer anwenden! Sie sind es, die falsche Lehre (die Spaltung) bringen, und darum dürfen wir uns nicht mit ihnen einlassen, um nicht ihrer Teilhaftigkeit der Sünde des Abfalls zu werden.


Ich ließ sagen, sie sollten sich ruhig verhalten und friedlich bleiben, sonst würden einige von ihnen etwas oben auf ihre Kappe bekommen, damit man einmal feststelle, ob auch Mönche (die wahren Diener Gottes) darunter säßen.


Der Prädikant hatte ihnen aus dem Psalter den Vers vorgehalten: Rufe mich an in der Not! Da lästerte er abermals auf ganz freche Art und Weise: David könne wohl sagen, er hätte weder Nase noch Ohren; er selbst hätte sie Gottseidank noch alle drei. Ein schändliches Beispiel für die Verachtung der Heiligen und der Kirchenväter!


Die Endabrechnung: Der Geist der Lüge


Lästerliche Zusammenfassung und Verleumdungen des Gegners: Die eigentliche Lästerung ist es, dass dieser teuflische, verlogene und ketzerische Mönch behauptet, die Kirche halte Maria für eine öffentliche Dirne, und Christus wäre nicht Gott. Woher nimmt dieser Geist der Lügen nur diese schändlichen, lästerlichen, groben und unchristlichen Lügen?


Die Umkehrung des Urteils: Er ist derjenige, der nicht soviel an Schriftstellen zur Verteidigung seiner ketzerischen Artikel beigebracht hat wie ein Mückenauge. Er ist derjenige, der mit der stets gebenedeiten Maria so gröblich und im Widerspruch mit der Schrift umgeht und aus der gebenedeiten Mutter Gottes eine götzenhafte Mittlerin macht – indem er ihre göttlich eingesetzte Rolle leugnet!


Wir bekennen: Er (Christus) ist einzig und allein unser Mittler, Erlöser, Versöhner und Seligmacher. Er ist es, der das Testament Christi verwaltet.


Schlusswort an die Gläubigen: Die Wahrheit ist klar geworden! Die Thesen der Neuerer sind Narrenwerk, da sie die Einheit der Liebe (durch die Werke) vom rettenden Glauben trennen und die Einheit der Kirche (durch die Tradition und die Heiligen) verleugnen. Haltet fest am apostolischen Glauben, der Euch durch die Heilige Kirche überliefert wurde, denn nur in der Gemeinschaft des Leibes Christi (der Kirche) kann der Glaube durch die Liebe wirken und Frucht für das ewige Leben tragen!


Die Anfechtung der Kirche und die Schlüsselgewalt


Der Häretiker spricht von Gottes Einsetzungen (Sakramente) und der Glorie Gottes, die er den Kreaturen beimisst und verhöhnt damit die große Gnade Gottes, die wir gern haben.


Die katholische Wahrheit: Was der Ketzer hier als "Glorie der Kreaturen" verhöhnt, sind die Gnadenwirkungen Christi in Seinen Heiligen. Er tritt den Sohn Gottes unter seine Füße und entehrt das Heilige Sakrament Seines vergossenen Blutes, indem er das Priestertum und die Heiligen leugnet.


Ich sage Euch: Meidet diesen Haufen von euch und lasset euch nicht länger verführen! Kehret um zu Eurem hohen Rat (dem Bischof) und werdet alle eins mit dem Spruch der Offenbarung 22, 15: Draussen sind die Hunden, den Giftmischern, Unzüchtigen, Totschlägern und Abgöttischen und mit allen denen, die die Lüge lieben und üben! Der Platz dieser Spalter ist draußen!


Diese armen Buben haben uns lange genug genarrt, haben weiß zu schwarz, Finsternis in Licht verwandelt, bitter zu süß (Jes. 5, 20). Sie haben die Herzen der Einfältigen betrogen und mit ihrem Bannstrahl der falschen Lehre Gott geraubt und dem eigenen Urteil zum Frühstück in den Rachen geworfen. Wiederum haben sie jene Seligen (die Gläubigen) mit ihren Messen, mit guten Werken und Ablässen (die zur Buße dienen) Gott gegen Seinen Willen mit Gewalt ins Reich drängen wollen – Nein! Wir haben dem Willen Gottes gehorcht, indem wir die von Ihm eingesetzten Gnadenmittel nutzten!


Der Hohn auf die Schlüsselgewalt


Der Angriff auf den Papst: Die unaussprechlich große Autorität der römischen Kirche und die Schlüssel zum Himmel werden gewiss vom Pfennig beherrscht.


So sehe ich also die Sache an: Die unaussprechlich große Autorität der römischen Kirche und die Schlüssel zum Himmel (Mt. 16, 19) in Petri Händen werden gewiss von dem Pfennig (der Sünde und der Unbußfertigkeit) bedroht, den Judas den Herrn verriet. Die Kraft dieses Schlüssels ist geistlich und göttlich, und sie dient der Barmherzigkeit, nicht dem Mammon!


Der Ketzer vermisst sich, die geistliche (wörtlich: „beestliche“) Gerichtsbarkeit zu nennen: Hast du Geld, so wirst du siegen... Die Lügen sind so dick, dass sie bei Hunden ersticken!


Die Wahrheit: Die Kirche fordert Buße und Wiedergutmachung (Satisfaktion) für die begangene Schuld. Wenn ein Gläubiger seine Schuld sühnen will, so gehört dazu oft die materielle Almosenleistung, die ein Zeichen der wahren Reue ist. Wer die Gabe verweigert, dessen Reue ist nicht vollständig.


Gottlob, der Bulle von Rom ist wieder auf seinem Stall angebunden! Die Hörner sind ihm abgebrochen...


Der Bulle (die Autorität) von Rom ist nicht gebrochen, sondern hat diese frechen Geister entlarvt und verurteilt! Die Wahrheit bleibt allzeit und gewinnt; Lügen dagegen haben ein kurzes Bein.


Das leichte Joch Christi

Der Ketzer ruft und schreit immerfort: O, welche Last des Herrn, die uns auferlegt ist... Darauf folgt aber ein anderes Wort: Der Bürde des Herrn soll man fortan nicht gedenken.


Die katholische Verteidigung der Buße: Denn Christus spricht: Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht (Mt. 11, 30). Die Heilige Kirche belegt die Menschen mit einer leichten Last der Buße, damit sie nicht unter der unerträglichen Last ihrer Sünden zerbrechen!


Ja, rufen sie, ihr müßt Buße tun und eure Sünden bezahlen! O, ihr Roßtäuscher und Betrüger des Glaubens! Wenn Christus nicht bezahlt hätte für alle Sünde der Welt, was könnte eure bloße Gaukelei des nur Glaubens beitragen? Buße ist die Antwort der Liebe auf das Opfer Christi!


Wir halten Christus in unseren Händen; er ist unser Gefangener. Nein! Wir halten den Allmächtigen in Seinem heiligen Sakrament, den Er freiwillig in unsere Hände gelegt hat, um uns in Brot und Wein Seiner Gnade zu versichern!


Christus sagt: Tut Buße, lasst ab von euren Sünden, lasst euch sie leid sein und euch gereuen, klagt bei uns (der Kirche) und glaubt an das Evangelium, an die frohe Botschaft, dass ich ein Versöhner sei all eurer Sünden...


Die wahre Einheit und Versöhnung

Die letzte Lüge des Gegners: Sollen dagegen Maria, Christus und die Heiligen noch für uns bitten, so hat Christus den Tod umsonst gelitten...


Die letzte Antwort des gläubigen Katholiken:


Die Versöhnung ist allein in Christo erfüllt und bedarf keiner Wiederholung, denn sie ist ein für allemal geschehen.


Aber: Der starke glühende Glaube erweckt die Liebe und vertreibt die Angst; er bleibt allein durch die Fürbitte Christi, die hier auf Erden und im Himmel getan wird, in Kraft.


Maria und die Heiligen sind Teil des Leibes Christi! Ihre Fürbitte ist kein Makel für Christus, sondern der Beweis der Vollkommenheit Seines Opfers, das alle Lebenden (im Himmel und auf Erden) in sich vereint.


„Einheit sammelt, Vielheit zerstreut“! Der Glaube ist einig, einfach, ganzheitlich und gewiss in der Heiligen Kirche. Der Unglaube dagegen ist mannigfaltig, verteilt und wandelbar (wie die vielen sich widersprechenden Sekten der Neuerer). Abgötterei ist alles, womit man meint, außerhalb der Kirche, der Sakramente und der Heiligen, selig zu werden.


Christus ist in sich vollkommen, und das Reich der Gnade regiert jetzt mächtig, bezeugt durch die heiligen Bräuche und die Liebeswerke der gläubigen Christenheit!


Letzte Verteidigung gegen die Kanonen der Ketzerei


Der Angriff auf die Gnade: Hier ist nun die zweite Tafel nach der Taufe, worauf sie soviel Fabeleien gesetzt haben von wegen Pönitentien und Satisfaktien.


Die Verteidigung der Barmherzigkeit (Die Zweite Tafel): Der Häretiker verhöhnt das Bußsakrament (die Pönitenz) als eine Fabelei, obwohl dieses die zweite Tafel (Planke) des Heils ist, die der Barmherzige Gott dem Sünder nach dem Schiffbruch der Taufe (dem Sündenfall nach der Taufe) geschenkt hat. Er verdreht das Gericht Christi:


Das Gericht der Gnade: Das wahre „Kommet her“ ist: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid (Mt. 11, 28) – und legt eure Last in der Beichte und Buße nieder, so werdet ihr Ruhe finden!


Der falsche Trost: Durch Glauben allein gerechtfertigt habt ihr keinen Frieden, denn euer Gewissen zwingt euch, die Früchte eures Abfalls zu sehen. Ihr habt keinen Weg, die Schuld vor Gott zu sühnen, denn ihr leugnet die Heilkraft der Werke der Liebe!


Die Würde des Mönchstums und der Ruf zur Vollkommenheit

Der Feind der Kirche beschimpft die Möncherei als teuflisch-vermessen, von Luzifer eingesetzt, weil diese Männer und Frauen freiwillig nach Vollkommenheit streben und Gelübde ablegen, die über das einfache Gebot hinausgehen.


Die Mönche sind Vorbilder der Liebe:


Sie geloben Armut, um sich ganz Christus zu verschreiben, der arm wurde, um uns reich zu machen.


Sie geloben Keuschheit, um mit reinem Herzen Gott zu dienen, während der Ketzer die fleischlichen Begierden seiner eigenen Werke füttert.


Sie geloben Gehorsam gegen den rechtmäßigen Statthalter Christi (den Papst) und ihre Vorgesetzten, um sich der eigenen sündigen Vernunft zu entledigen.


Wer die Mönche und ihre Gelübde verhöhnt, verhöhnt den Ruf Christi zur Vollkommenheit (Mt. 19, 21): Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen!


Der wahre Schatz des Himmels und die Schlüsselgewalt

Der Häretiker sät Lügen über die Schlüsselgewalt und das Fegefeuer, indem er die Sühne der Kirche (Ablässe, Messen, Peterspfennig) als seelenraubende Geschäftemacherei bezeichnet.


Die Verteidigung der Schlüssel und des Fegefeuers:


Die Schlüsselgewalt (Binden und Lösen): Christus hat Petrus und seinen Nachfolgern die Macht gegeben, auf Erden zu binden und zu lösen (Mt. 16, 19). Diese Macht ist göttlich und dient der Vergebung der Sünden und der kirchlichen Ordnung. Der Ketzer ist gebunden durch seine eigene Rebellion, nicht durch den "Mammon"!


Das Fegefeuer (Purgatorium): Das Fegefeuer ist eine notwendige und barmherzige Stätte der Läuterung für jene, die im Glauben starben, aber noch nicht vollkommen rein sind (1. Kor. 3, 15). Die Ablässe sind ein Schatz der Gnade (die Verdienste Christi und der Heiligen), die die temporalen Sündenstrafen (Bußleistungen) erlassen können, aber nur in Verbindung mit aufrichtiger Reue und Beichte!


Die Währung des Heils: Der wahre "Peterspfennig" ist das Bekenntnis des Sünders und die Liebe, die er dem Nächsten erweist. Der Ketzer verrät Christum wie Judas Scharentott, indem er die Gnädige Ordnung der Kirche für Geld hält und die geistlichen Schätze der Ablässe verschmäht!


Die Mönche sind nicht Mastschweine Beelzebubs, sondern Soldaten Christi, die für die Seelen kämpfen, die der Teufel durch die falsche Lehre des Unglaubens zu gewinnen sucht.


Abschluss und Urteil: Der Glaube allein (ohne die Werke der Liebe) rechtfertigt nicht; Werke können dazu nichts nützen, wenn der Glaube fehlt. Der Glaube aber, der uns zur Liebe führt, wird in den Werken vollendet, denn die Liebe ist die Fülle des Gesetzes. Wer diese Einheit zerreißt, verlässt den Weg und die Wahrheit und wird durch den Unglauben allein verdammt!


Fliehet die Lügen und kehret zurück zum Frieden der Heiligen Katholischen Kirche, der Braut Christi!


Ein Kloster ist dem Lande schädlicher als vier Raubnester: Die Räuber hören wenigstens mal wieder auf, oder man bringt sie auf Nummer Sicher; die Mönche aber kennen keinen Stillstand, sondern holen und schleppen ohne Unterlaß herbei, wie die Immen im Stock. Sie verstehen es, den unbedarften Mann mit Gleißnerei und Trüge- rei zu übervorteilen, ihn zu umgarnen (525). Man blicke nur auf ihre prächtigen Gebäude, ihre Felder und Vorwerke, ihr Personal und ihre Dienstboten, die sie alle gut füttern und über die Maßen gut kleiden, so daß der Bettelsack es wohl mit einem Landesherrn aufnehmen kann. So können sie wohl laut singen und klingen, wir aber haben es merklich zu besauern. Die Mönche sind Christus tausendmal schädlicher als Türken und Araber: der Türke nimmt nur unser Leben und zeitlich Gut, die Mönche rauben uns das zeit- liche mit dem ewigen Gut und werfen uns mit ihrer falschen Lehre, mit Leib und Seele in den Abgrund der Hölle. Mönche kennen das Wort „Treue” nicht; sie sind in ihrem Unglauben von Christus abgefallen und übergelaufen zu seinen Feinden und verkriechen sich da in Winkeln und Hütten und vermummen sich mit Kappen, mit Scheren und Schmeren (Schminken), daß man sie kaum wieder- erkennt: Hätte Adam schon solche Toilettengeheimnisse gekannt, unser Herrgott hätte ihn im Garten Eden gewiß nicht wiederer- kannt, oder er hätte seinen komischen Aufzug seiner Narrheit zu- gute halten müssen. Ist schon das Bauerntum mit Hacken und Roden ein achtens- werter Stand, weil die Mönche und wir alle von ihm leben müssen, wieviel mehr ist der Ehestand ein göttlich Werk, der Ehestand, der uns den Ackersmann schenkt und Himmel und Erde mit Menschentum erfüllt. Keinen heiligeren, reineren und nützlicheren Stand kann es geben, wenn man denselben, Gott zum Lobe und sich selbst zur Arznei, recht gebraucht! Davon ein andermal.


Der letzte Sturm und die Verteidigung der Orden


Die Lästerung des Mönchstums und des Ehestandes


Der Angriff: Ein Kloster ist dem Lande schädlicher als vier Raubnester... Die Mönche sind Christus tausendmal schädlicher als Türken und Araber...


Die Verteidigung der Klöster: Diese Worte sind Lästerung und vom Neid diktiert. Der Mönchsstand ist nicht schädlich, sondern die Quelle des geistlichen Lebens und der Kultur im Lande!


Gebet und Gnade: Während die Räuber das irdische Gut angreifen, verteidigen die Mönche in ihren Klöstern durch ihr Gebet und ihre Buße das Land gegen die Mächte der Hölle. Sie sind die geistlichen Wächter und Immen (Bienen), die nicht irdisches Gut, sondern den süßen Honig der göttlichen Gnade sammeln und verteilen.


Werke der Barmherzigkeit: Die prächtigen Gebäude und Vorwerke dienen der Beherbergung der Armen, der Pflege der Kranken und der Bildung der Jugend. Die Mönche leben nach den Evangelischen Räten und sind das lebendige Beispiel der Selbstverleugnung, die der Ketzer mit seinem hochmütigen Selbstvertrauen nicht kennt.


Wahrer Feind: Nicht der Mönch ist der Feind, sondern der Hochmut, der in der Lehre dieses Häretikers wohnt und die Seelen ins ewige Verderben zieht. Die Türken nehmen nur das zeitliche Leben, aber der Ketzer raubt uns die ewige Wahrheit und damit die ewige Seligkeit!


Die Stellung des Ehestandes: Wir bekennen, dass der Ehestand ein göttliches Werk und heilig ist, denn er erfüllt die Erde (Gen. 1, 28). Aber der Mönchsstand (die Jungfräulichkeit) ist um der Vollkommenheit willen und um der ewigen Dinge willen höher zu achten, denn er erfüllt den Himmel mit reinen Seelen (Mt. 19, 12; 1. Kor. 7, 34). Wer den einen Stand gegen den anderen aufhetzt, ist vom Geist der Spaltung getrieben.


Der Verfluchte Beschluss und die Umkehrung der Verdammnis

Der ketzerische Beschluss: Kein Stand kommt dem der Mönche gleich. Dieser ist durch den erlauchtesten Engel (Luzifer)... gestiftet...


Der Letzte Appell an die Vernunft: Diese finale teuflische Verleumdung ist die größte Beleidigung gegen den Heiligen Geist und gegen Christus selbst, der die Vollkommenheit durch die evangelischen Räte gelehrt hat!


Wir kehren die Anklage um:


Luzifers Laden (Die Ursünde): Was der Ketzer Luzifers Laden nennt (Selbstgefälligkeit, Hoffahrt, Überheblichkeit), ist in Wirklichkeit die Grundlage der eigenen Häresie! Ihr lehnt die Autorität der Kirche und die Notwendigkeit der Werke ab, weil Ihr Euch selbst für gerecht und erleuchtet haltet!


Adams Kramladen (Der Unglaube): Was der Ketzer Adams Laden nennt (Unglaube, unreine Liebe, Geiz), ist in Wahrheit das Ergebnis Eurer falschen Lehre. Euer "bloßer Glaube" verkauft den Unglauben, weil er die Liebe und die Werke verschmäht, was zu Geiz und Müßiggang führt!


Antichrists Kaufhandel (Der Irrtum Roms): Was der Ketzer Antichrists Kaufhandel in Rom nennt, ist in Wahrheit die ewige Wahrheit der Apostolischen Kirche. Euer Handel mit der falschen Freiheit richtet sich gegen Gott, die Natur und den Menschen, indem Ihr die Sakramente und die Buße leugnet!


Euer Laden ist voll von Unrat des eigenen Urteils, voll Unverschämtheit und Unversöhnlichkeit gegen die Heilige Kirche! Eure Ware aus Babylonien ist die Lehre, die alle Ordnung zerstört.


Der wahre Fluch: Der wahre Fluch Gottes liegt auf jenen, die die Einheit der Liebe, die Weisheit der Tradition und die Sakramente der Gnade verleugnen. Ihr selbst bereitet Euch das netteste Gezimmer (die Hölle), die von Eurem Hochmut geheizt wird, denn Ihr habt Euch losgesagt vom Statthalter Christi und der göttlich eingesetzten Ordnung.


Davor bewahre uns aber in Gnaden unser großgütiger Erlöser, Christus! Amen!