KALEVALA

Das finnische National-Epos


Auswahl


Deutsch von Torsten Schwanke





ERSTER TEIL

LEMMINKAINEN



PROLOG


In Urzeiten erging sich eine Jungfrau 

Die wunderschöne Tochter des Äthers

Für Ewigkeiten in ihrer Existenz

In der Weite des Himmels 

Über den Prärien die noch umhüllt waren

Müde wurde die Jungfrau 

Ihre Existenz traurig und hoffnungslos

So allein für Ewigkeiten zu leben

In den unendlichen Weiten

Der Luft über dem Meerschaum

In den weit ausgestreckten Räumen

In der Einsamkeit des Äthers

So stieg sie zum Ozean hinab

Winkte dem Trainer und winkte dem Kissen

Daraufhin fliegt der aufsteigende Sturmwind 

Heftig aus dem Osten

Peitscht den Ozean in Wellen

Schlägt die Sterne mit Schaum des Ozeans

Bis die Wellen weiß vor Inbrunst sind

Hin und her werfen sie das Mädchen 

Das von einem Sturm umgebene 

Unglückliche Mädchen

Mit ihrem Sport die rollenden Wogen

Mit ihrem Spiel die Sturmwindkräfte

Auf dem blauen Rücken des Wassers 

Spielen auf den weiß bekränzten 

Wellen des Ozeans

Die Kräfte des Salzmeeres

Mit der einsamen hilflosen Jungfrau

Bis endlich in voller Konzeption

In Union jetzt von Kraft und Schönheit

Versinken die Sturmwinde in Schlaf

Überlastet jetzt kann das Mädchen

Nicht über die Oberfläche steigen

Siebenhundert Jahre lang wanderte sie

Neun Jahre alt 

Schwamm den Ozean hierher dorthin

Konnte sich nicht über das Wasser erheben

Nur ihrer Not bewusst

Siebenhundert Jahre lang arbeitete sie

Bevor ihr Erstgeborener geboren wurde

So schwamm sie als Wassermutter 

Nach Osten und auch nach Süden 

Nach Westen und auch nach Norden

Schwamm das Meer in alle Richtungen

Erschrocken über den Sturmwind

Schwamm in Not schwamm unaufhörlich

Bevor ihr Erstgeborener befreit wurde


Dann begann sie sanft zu weinen

Sprach diese Verse mit schwerem Herzen

Wehe mir mein Leben ist hart

Wehe mir in dieser meine Not

In was bin ich jetzt gefallen

Wehe mir dass ich unglücklich bin

Mein Zuhause war in subtilem Äther

Ich kam um inmitten des Meeresschaums zu wohnen

Um von rollenden Wogen geworfen zu werden

Um von Winden und Wasser geschaukelt zu werden

Auf den weit ausgestreckten Gewässern

In den fernen Weiten des Salzmeeres

Nur Schmerz und Ärger zu kennen

Besser weit für mich o Ukko

Wäre ich Jungfrau im Äther

Als in diesen Ozeanräumen

Um eine Wassermutter zu werden

Dieses ganze Leben ist kalt und trostlos

Schmerzhaft ist hier jede Bewegung

Wie ich im Wasser verweile

Wie ich durch den Ozean wandere

Ukko du o Gottheit da oben

Du die Herrscherin der Himmel

Komm her du wirst gebraucht

Komm her ich flehe dich an

Um mich aus Schwierigkeiten

Zu befreien um mich aus Not zu retten

Komm ich bitte dich beeile dich beeile dich

Mehr als du brauchst beeile dich

Und hilf dieser hilflosen Jungfrau


Als sie mit ihrem Flehen aufhörte

Vergeht kaum ein Moment 

Bevor eine schöne Ente herabsteigt

Hastig auf die Wassermutter zukommt

Hierher fliegt dorthin fliegt

Sich einen Platz zum Nisten sucht

Fliegt sie nach Osten fliegt sie nach Westen

Kreisend nach Norden kreisend nach Süden

Kann keinen grasbewachsenen Hügel finden

Nicht das kleinste Stück Grün

Kann keinen geschützten Ort finden

Kann keinen geeigneten Ort finden

Wo sie ihr Nest in Sicherheit bringen kann

Sie fliegt langsam und schaut sich um

Sie erkennt keinen Platz zum Ausruhen 

Sie denkt laut und lange debattierend

Und ihre Worte lauten wie folgt

Baue ich in den Winden meine Wohnung

Auf den Fluten meinen Nistplatz

Sicher würden die Winde es zerstören 

In der Ferne würden die Wellen es waschen


Dann hob die Tochter des Äthers

Jetzt die unglückliche Wassermutter

Ihre Schultern aus dem Wasser

Hob ihre Knie über den Ozean 

Damit die Ente ihre Wohnung bauen könnte 

Ihren Nistplatz in Sicherheit bauen könnte

Daraufhin fliegt die Ente in Schönheit 

Fliegt langsam schaut sich um

Späht die Schultern der Jungfrau aus

Sieht die Knie von des Äthers Tochter

Jetzt die unglückliche Wassermutter

Denkt sie seien grasbewachsene Hügel

Auf dem blauen Rücken des Ozeans

Von dort fliegt sie und schwebt langsam

Leicht auf dem Knie setzt sie sich

Findet einen geeigneten Nistplatz

Wo kann sie ihre Eier in Sicherheit legen

Hier baut sie ihre bescheidene Wohnung

Legt ihre Eier nach Belieben 

Sechs die goldenen Eier die sie dort legt

Dann ein Siebtes ein Ei aus Eisen

Setzt sich auf ihre Eier um sie auszubrüten

Und wärmt sie schnell auf der Kniescheibe

Der unglücklichen Wassermutter

Brütet einen Tag dann einen zweiten

Dann einen dritten Tag schlüpft es aus

Wärmer wird das Wasser um sie herum 

Wärmer ist ihr Bett im Ozean

Während ihr Knie mit Feuer entzündet wird

Und auch ihre Schultern brennen

Feuer in jeder Ader fließt

Schnell bewegt die Jungfrau ihre Schultern

Schüttelt ihre Glieder nacheinander

Schüttelt das Nest von seinem Fundament

Und die Eier fallen in den Ozean 

Stürzen in Stücke auf dem Boden

Von den tiefen und grenzenlosen Gewässern

Im Sand sterben sie nicht

Nicht die Stücke im Ozean

Aber verwandelt in wundersamer Schönheit

Alle Fragmente kommen zusammen 

Und bilden zwei Teile

Eines oben eines unten

Gleich dem einen gleich dem anderen

Aus einer Hälfte des Eies der unteren

Wächst das Untergewölbe der Erde

Aus der verbleibenden Hälfte

Wächst das obere Gewölbe des Himmels

Aus dem weißen Teil kommen die Mondstrahlen

Aus dem gelben Teil der Sonnenschein

Aus dem bunten Teil das Sternenlicht

Aus dem dunklen Teil wächst die Trübung

Und die Tage rasen schnell voran

Schnell fliegen die Jahre vorbei

Vom Schein der neuen Sonne

Vom Licht des Vollmonds


Noch immer die Tochter des Äthers

Schwimmt durch das Meer als Wassermutter

Mit den Fluten vor ihr

Und hinter ihr Himmel und Ozean

Schließlich etwa im neunten Jahr

Im Sommer des zehnten Jahres

Hebt sie ihren Kopf über die Oberfläche

Hebt ihre Stirn aus dem Wasser

Und beginnt endlich ihre Arbeit

Jetzt beginnt ihre Kreation

Auf den azurblauen Wasserrippen

Auf der mächtigen Verschwendung vor ihr

Wo ihre Hand sie im Wasser drehte

Entstand ein fruchtbarer Hügel

Wo sie ihren Fuß hatte 

Ruhte sie sich aus 

Dort machte sie ein Loch für Fische

Wo sie unter Wasser tauchte 

Fielen die vielen Tiefen des Ozeans

Wo sie sich auf ihre Seite drehte

Dort sind die ebenen Ufer gestiegen

Wo ihr Kopf nach dem Land gerichtet war

Erschienen weite Buchten und Fjorde

Als sie vom Ufer aus eine Strecke schwamm

Und sich auf ihrem Rücken ausruhte

Dort die Felsen die sie gemacht und geformt hatte

Und die verborgenen Riffe die geschaffen wurden

Wo die Schiffe so oft zerstört wurden

Wo so viele Leben umgekommen sind


So entstanden die Inseln

Felsen wurden im Ozean befestigt

Säulen des Himmels wurden gepflanzt

Felder und Wälder wurden geschaffen

Karierte Steine in vielen Farben

Im silbernen Sonnenlicht glänzend

Alle Felsen standen gut etabliert

Aber der Sänger Wainamoinen

Hatte den Sonnenschein noch nicht gesehen 

Hatte das goldene Mondlicht nicht gesehen 

Und blieb immer noch unbefriedigt

Wainamoinen alt und vertrauenswürdig

Verweilt in seinem Verlies 

Insgesamt dreißig Sommer

Und von Wintern auch dreißig

Friedlich auf der Verschwendung von Wasser

Auf dem nachgebenden Busen des Meeres

Gut reflektierend lange überlegend

Wie ungeboren zu leben und zu gedeihen

In den in Dunkelheit gehüllten Räumen

in unangenehmen Grenzen

Wo er das Mondlicht nicht gesehen hatte

Hatte den silbernen Sonnenschein nicht gesehen

Daraufhin werden diese Worte ausgesprochen

Ließ sich auf diese Weise hören

Nimm o Mond ich bitte dich nimm mich

Nimm mich du Sonne über mir

Nimm mich du Bärin des Himmels

Aus dieser Dunkelheit und trostlosem Gefängnis

Von diesen unpassenden Portalen

Von diesem engen Ort der Ruhe

Von dieser dunklen und düsteren Wohnung

Lass mich auf dem Ozean wandern

Auf den Inseln wandeln

Auf dem trockenen Land wandeln und wandern

Wie ein alter Held wandern

Gehen an die frische Luft und atmen

So um den Mond am Abend zu sehen

So um das silberne Sonnenlicht zu sehen

So um die Bärin im Himmel zu sehen 

Damit ich die Sterne betrachten kann


Da der Mond sich weigerte ihn zu befreien

Und die Sonne ihn nicht retten wollte

Noch die Große Bärin Hilfe leistete

Er seiner Existenz müde wurde

Und sein Leben nur ein Ärger war

Brach er dann die äußeren Portale

Seiner dunklen und düsteren Festung

Mit seinem starken aber unbenannten Finger

Öffnet er das Schloss das Widerstand leistet

Mit den Zehen am linken Fuß

Mit den Fingern seiner rechten Hand

Kriecht er durch die nachgebenden Portale

Bis zur Schwelle seiner Wohnung

Auf den Knien über die Schwelle

Wirft er sich mit dem Kopf nach vorne 

Stürzt vorwärts in die Tiefen des Ozeans

Stürzt hierher stürzt dorthin 

Dreht mit seinen Händen das Wasser

Schwimmt er nach Norden schwimmt er nach Süden

Schwimmt er nach Osten schwimmt er nach Westen

Studiert seine neue Umgebung


So erreichte unser Held das Wasser

Ruhte fünf Jahre im Ozean

Sechs lange Jahre und sogar sieben Jahre

Bis zum Herbst des achten Jahres

Als er endlich das Wasser verlässt

Stoppt auf einem Vorgebirge

An einer Küste ohne Grün 

Auf seinen Knien verlässt er den Ozean

Auf dem Land pflanzt er seinen rechten Fuß

Auf dem festen Boden seinen linken Fuß

dreht schnell seine Hände um sich

Steht aufrecht um den Sonnenschein zu sehen

Steht um das goldene Mondlicht zu sehen 

Damit er sehen kann die Große Bärin 

Damit er die Sterne betrachten kann

So wurde unser Held Wainamoinen

So wurde der wunderbare Zauberer

Von seiner Mutter erlöst

Ilmatar Tochter des Äthers



ERSTER GESANG


Dies ist die Zeit um von Ahti 

Dem Sohn von Lempo von Kaukomieli

Auch bekannt als Lemminkainen zu singen 

Ahti war der König der Inseln

Wuchs inmitten der Inselwohnungen

An der Stelle seiner lieben Mutter

An den Grenzen des Ozeans

An den Spitzen der Vorgebirge

Ahti ernährte sich vom Lachs 

Ernährte sich vom Wittling des Ozeans

So wurde er ein mächtiger Held

In seinen Adern floss das Blut der Jahrhunderte 

Aufrecht und formte ihn gebieterisch 

Das Wachstum von Geist und Körper war perfekt

Aber leider er hatte seine Fehler 

In der Tat war schlecht sein Herz und seine Moral

An unwürdigen Orten herumlaufend 

Tage und Nächte in Sequenzen bleibend

In den Häusern fröhlicher FreudenMädchen

Bei den Tänzen der Jungfrauen

Bei den Mädchen der geflochtenen blonden Locken


Oben in Sahri lebte eine Jungfrau

Lebte die schöne und siegreiche Kulli 

Schön wie eine Sommerblume

Von einem königlichen Haus hergekommen

Zu perfekter Form und Schönheit gewachsen 

Lebte in der Hütte ihres Vaters

Der Heimat vieler alter Helden

Schön war sie und Königin

In ganz Estland gelobt

Von weitem kamen Männer um sie zu umwerben

Zum Geburtsort der Jungfrau

Zum Haushalt ihrer Mutter


Für seinen Sohn umwirbt der Tagesstern sie

Aber sie wird nicht ins Sonnenland gehen

Wird nicht neben dem Tagesstern leuchten

In seiner Eile den Sommer zu bringen

Für ihren Sohn umwirbt der helle Mond sie

Aber sie wird nicht ins Mondland gehen

Durch den hellen Mond wird sie nicht schimmern

Wird nicht durch den grenzenlosen Äther laufen


Für seinen Sohn umwirbt der Nachtstern sie

Aber sie wird nicht ins Sternenland gehen 

Wird nicht im Sternenlicht funkeln

Durch die trostlosen Nächte im Winter


Liebhaber kommen aus dem fernen Estland

Andere kommen aus dem fernen Ingern

Aber sie können das Mädchen nicht gewinnen

Dies ist die Antwort die sie ihnen gibt

Vergeblich sind eure Lobpreisungen

Vergeblich ist euer angebotenes Silber

Reichtum und Lob sind keine Versuchung

Niemals werde ich gehen nach Estland

Niemals werde ich rudern

Auf den Gewässern des Ingern 

Werde nicht die SahriGewässer überqueren

Niemals den Fisch von Estland essen

Niemals das EstlandFleisch schmecken

IngerLand wird mich niemals sehen

Werde nicht auf ihren Flüssen rudern

Werden nicht in ihre Grenzen treten 

Dort sind Armut und Hunger

Holz fehlt Treibstoff fehlt

Weder Wasser Weizen noch Gerste

Auch Roggen ist nicht reichlich vorhanden


Lemminkainen von den Inseln

Der kriegerische Held Kaukomieli 

Verpflichtet sich die Jungfrau zu gewinnen

Zu werben und die SahriBlume zu gewinnen 

Eine Braut zu gewinnen die so hoch geehrt ist

Das Mädchen mit goldenen Locken zu gewinnen 

Die SahriMaid der Schönheit zu gewinnen

Aber seine Mutter warnt ihn

Nein antwortet seine grauhaarige Mutter

Umwerbe nicht mein geliebter Sohn

Eine Jungfrau eines höheren Standes

Sie wird dich niemals mit ihrer Abstammung 

Von Sahri glücklich machen


Sprach der Held Lemminkainen

Dies sind die Worte von Kaukomieli

Sollte ich von einem niedrigen Stand kommen

Obwohl mein Stamm nicht der höchste ist 

Werde ich um meine Phantasiefrau werben

Werben die Jungfrau schön und lieblich

Wählen eine Frau von Wert und Schönheit 

Dies ist die Antwort der besorgten Mutter

Lemminkainen geliebter Sohn

Höre auf mütterlichen Rat

Geh nicht in die Ferne nach Sahri

Zu ihrem Stamm vieler Zweige

Alle Mädchen dort werden dich verspotten

Alle Frauen werden dich verspotten


Lemminkainen wenig hörend antwortet 

Auf das Plädoyer seiner Mutter

Ich werde immer noch den Spott der Frauen verspotten 

Alle Verspottungen der Mädchen zum Schweigen bringen

Ich werde ihre hochmütigen Brüste zerquetschen

Die Hände und Wangen von Säuglingen schlagen

Dies wird sicherlich ihre Beleidigungen überprüfen

Passend ist das ein Ende der Verspottung

Dies ist die Antwort der Mutter

Wehe mir mein geliebter Sohn

Wehe mir mein Leben ist schwer

Solltest du die SahriTöchter verspotten

Oder die Mägde der Tugend beleidigen

Solltest du sie zum Spott auslachen

Wird sich erheben eine große Auseinandersetzung

Heftig die Schlacht die folgen wird

Alle Heerscharen von SahriFreiern 

Die zu Tausenden bewaffnet sind 

Werden dich angreifen

Und werden dich für deine Torheit töten


Nicht hörend Lemminkainen 

Die Warnung seiner Mutter nicht beachtend

Führte sein Kriegspferd aus den Ställen

Hängte schnell die feurige Waffe an

Fuhr flott auf seiner Reise

Zum fernen SahriDorf

Dort die SahriBlume zu umwerben

Dort zu gewinnen die Braut der Schönheit


Alle alten SahriFrauen

Alle jungen und liebenswerten Mädchen 

Die lachten den kommenden Fremden verachtend

Unvorsichtig durch die Gassen fahrend

Wild durch den Hof fahrend

Jetzt im Tor störend

Einen Schacht brechend und Schande den Läufern


Dann schüttelte der furchtlose Lemminkainen 

Mit schiefem Mund und faltigem Gesicht

Seine Zobellocken und antwortete

Niemals in meiner Erinnerung

Habe ich eine solche Behandlung gehört oder gesehen

Niemals wurde ich so verspottet

Ich habe niemals solchen Spott von Frauen erlitten 

Ich habe niemals solche Verachtung von Jungfrauen erlitten

Nicht in meiner unsterblichen Lebenszeit

Gibt es einen angemessenen Ort 

Auf den SahriEbenen und Weiden

Wo man Lieder und Tänze mitmachen kann

Gibt es hier einen Saal zum Vergnügen

Wo die SahriMädchen verweilen

Fröhliche Mädchen mit geflochtenen blonden Locken


Daraufhin antworteten die SahriMädchen 

Von ihrem Vorgebirge aus

In Sahri ist genug Platz

Raum auf den SahriWeiden

Raum für Vergnügungshallen und Tänze

Singe und tanze auf unseren Wiesen

Sei ein Hirte auf den Bergen

HirtenJungen haben Platz zum Tanzen

Träge sind die SahriKinder

Aber die Hengste sind fett und munter


Wenig fürsorglich Lemminkainen

Trat dort als Hirte in den Dienst 

Tagsüber auf den Weiden

Abends fröhlich

Bei den Spielen lebhafter Mädchen

Bei den Tänzen mit den Jungfrauen

Bei den Mädchen mit geflochtenen blonden Locken

So war es dass Lemminkainen

So der Hirte Kaukomieli

Das Lachen der Frauen schnell unterdrückte

Die Verspottungen der Mädchen schnell löschte 

Ihre Verspottung schnell zum Schweigen brachte

Alle Damen und SahriTöchter feierten

Bald Lemminkainen

An seiner Seite tanzten und verweilten sie

Es gab nur eine unter ihnen

Eine unter den SahriJungfrauen 

Die weder Liebe noch Werber beherbergte

Begünstigte weder Götter noch Helden

Dies ist die schöne Magd Kyllikki

Dies ist die schönste Blume der Sahri

Lemminkainen voller Vergnügen

Der hübsche Held Kaukomieli

Ruderte hundert Boote in Stücke

Brach tausend Ruder in Fragmente

Während er die Magd der Schönheit umwarb 

Versuchte die schöne Kyllikki zu gewinnen


Schließlich spricht die schöne Jungfrau

Die schönste Tochter des Nordlandes

Lemminkainen an

Warum bleibst du hier du Schwacher

Warum murmelst du an diesen Grenzen

Warum kommst du mich an meinem Kamin zu umwerben

Umwirbst mich im Kupfergürtel

Habe keine Zeit dazu verziehe dich

Gib diesem Stein lieber seine Politur

Eher würde ich den Stößel

In dem Sandsteinmörser drehen 

Setze dich lieber neben meine Mutter

In die Wohnungen meines Vaters

Niemals werde ich deine Werbung beachten

Weder Wichte noch Schneemänner mir wichtig sind

Eher habe ich einen schlanken Ehemann

Da ich einen schlanken Körper habe

Möchte dass er eine gute Figur hat

Da ich sehr gut geformt bin

Ich möchte ihn groß und stattlich haben

Denn meine Form ist wahrhaft königlich

Verschwende niemals deine Zeit damit

Um Sahris Magd und bevorzugte Blume zu werben


Die Zeit war nur wenig vergangen 

Kaum ein Monat war vergangen

Als an einem fröhlichen Abend

Wo sich die Mädchen zum Tanzen trafen

Im Tal hinter der Wiese

Auf einem ebenen Stück Grün

Zu früh die Magd Kyllikki kam

Sahris Stolz die Magd der Schönheit

Schnell folgte Lemminkainen

Mit seinem Hengst stolz tänzelnd

Schnellster Renner des Nordlandes

Flott jagt über die Wiese hinaus

Wo sich die Jungfrauen zum Tanzen treffen

Schnappt sich schnell die Magd Kyllikki

Auf den Sitz setzt er die Jungfrau 

Zieht schnell die Lederhülle über sie

Und passt sie an die Querstange

Peitscht seinen Renner zum Galopp

Mit einem Ansturm und Brüllen und Rasseln

Beschleunigt er nach Hause wie der Sturmwind

Spricht diese Worte zu denen die zuhören

Niemals niemals ängstliche Mädchen

Müsst ihr die Information geben

Dass ich Kyllikki zu meinem entfernten Zuhause 

Verschleppt habe und genommen

Wenn ihr diesen Befehl nicht beachtet

Werdet ihr als Jungfrauen schlecht abschneiden

Ich werde singen um eure Freier zu kriegen

Sie unter Speer und Breitschwert singen 

Dass ihr für Monate Jahre und Ewigkeiten

Niemals ihre Gesichter sehen werdet

Hören niemals ihre fröhlichen Stimmen

Niemals werden sie diese Hochländer betreten

Niemals werden sie sich diesen Tänzen anschließen

Niemals werden sie diese Hochstraßen fahren


Traurig das Wehklagen von Kyllikki

Traurig die weinende Blume von Sahri

Höre auf ihr tränenreiches Flehen

Gib o gib mir meine Freiheit zurück

Befreie mich von den Folgen der Frechheit

Lass diese Jungfrau nach Hause wandern

Lass mich auf einem Fußweg

Zu meinem Vater wandern der trauert

Zu meiner Mutter die weint

Lass mich gehen oder ich werde dich verfluchen

Wenn du mir keine Freiheit geben willst 

Willst du mich nicht nach Hause wandern lassen

Wo meine Lieben auf mein Kommen warten 

Habe ich sieben tapfere Brüder

Sieben Söhne des Bruders des Vaters

Sieben Söhne der MutterSchwester

Die den Spuren von Rotwild nachjagen

Jagen den Hasen auf dem Heidekraut

Sie werden dir folgen und dich töten

So werde ich meine gewünschte Freiheit erlangen


Lemminkainen sie wenig beachtet

Würde die Wünsche der Jungfrau nicht erfüllen

Würde ihre Bitte um Gnade nicht beachten

Sprach noch einmal die wartende Jungfrau an

Der Stolz und die Schönheit des Nordlandes

Freudig war ich mit meiner Verwandtschaft

Freudig geboren und sanft gepflegt

Lustig verbrachte ich meine Kindheit

Glücklich ich in Jungfrauenfreiheit

In der Wohnung meines Vaters

Am Bett meiner Mutter

Mit meiner Abstammung in Sahri

Aber leider ist alle Freude verschwunden

Alle mein Glück ist verschwunden 

Alle meine jungfräuliche Schönheit schwindet

Seit ich deinem bösen Geist begegnet bin

Schamloser Held der Schande

Grausamer Kämpfer der Inseln

Gnadenlos im Bürgerkrieg 


Sprach der Held Lemminkainen

Dies sind die Worte von Kaukomieli

Liebste Jungfrau schöne Kyllikki

Meine süße Erdbeere von Pohya

Immer noch deine Qual hör auf zu weinen

Sei frei von Sorge und Trauer

Niemals werde ich dir Böses tun

Niemals werde meine Hände dich misshandeln 

Niemals werden dich meine Arme missbrauchen

Niemals wird meine Zunge dich beschimpfen

Niemals wird mein Herz dich täuschen


Sag mir warum du diese Qual hast

Warum du diese bittere Trauer hast

Warum dieses Seufzen und Wehklagen

Warum dieses Wehklagen der Traurigkeit

Verbanne alle deine Sorgen und Kümmernisse

Trockne deine Tränen und lindere deine Qual

Ich habe Vieh Essen und Schutz

Ich habe ein Zuhause und Freunde und Verwandte

Bekannte auf den Ebenen und im Hochland

In den Sümpfen Beeren reichlich

Erdbeeren auf den Bergen 

Kühe die nicht gemolken werden müssen

Hübsche Kühe die keine Fütterung brauchen

Schön wenn nicht gar sehr gut 

Brauchen nicht am Abend gebunden zu werden

Brauchen nicht am Morgen befreit zu werden

Du brauchst nicht zu jagen musst sie nicht füttern

Brauchst ihnen nicht Salz noch Wasser geben


Denkst du meine Rasse ist niedrig 

Glaubst du ich bin unedel geboren 

Ist meine Abstammung dir zuwider

Wurde ich nicht in einer hohen Stellung geboren

Von einem Stamm edler Helden

Von einer würdigen Rasse die herabgekommen ist

Aber ich habe ein Schwert der Inbrunst

Und einen Speer mit Mut gefüllt

Sicherlich von guter Abstammung sind diese 

Wurden von Heldenrassen geboren

Gespitzte vom mächtigen Hisi

Von den Göttern geschmiedet 

Deshalb will ich dir geben die Größe

Die Großartigkeit meiner Rasse und Nation

Mit meinem Breitschwert voller Inbrunst

Mit meinem Speer voller Mut


Ängstlich spricht die seufzende Jungfrau 

Lemminkainen an

O Ahti Sohn von Lempo

Willst du diese vertrauende Jungfrau nehmen

Als deine treue Lebensgefährtin

Nimm mich unter deinen Schutz

Sei mir ein treuer Ehemann

Schwöre mir einen Eid von Ehre

Dass du nicht in die Schlacht ziehst

Wenn du dich nach Gold sehnst

Wenn du Gold und Silber wünschst

Dies ist Lemminkainens Antwort

Ich werde einen Eid der Ehre schwören

Dass ich niemals in den Kampf ziehen werde

Wenn ich mich nach Gold sehne 

Wenn ich mir Gold und Silber wünsche

Schwöre du auch auf deine Ehre

Du wirst nicht ins Dorf gehen

Wenn das Verlangen nach Tanz dich antreibt

Ich werde keine Dorftänze besuchen


So legten die beiden gemeinsam einen Eid ab

Registrierten ihre Gelübde im Himmel

Schworen vor der allweisen Ukko

Nimmer in den Krieg zu ziehen gelobte Ahti

Niemals zum Tanz Kyllikki


Lemminkainen voller Freude schnappte

Seine Peitsche über seinen Renner 

Peitschte seinen Rennfahrer in einen Galopp

Und diese Worte sagte der Held

Geht es euch gut ihr SahriWiesen 

Tannenwurzeln und Birkenstümpfe

Das ich wanderte im Sommer hindurch

dass ich im Winter reise 

Wo oft in der Regenzeit

In der Abendstunde verweilte ich

Als ich versuchte die Jungfrau zu gewinnen 

Wollte die Maid der Schönheit gewinnen

Schönste der SahriBlumen

Geht es euch gut ihr SahriWälder

Meere und Ozeane Seen und Flüsse

Täler und Berge Inseln und Buchten

Einst die Heimat der schönen Kyllikki


Schnell galoppierte der Renner nach Hause

Galoppierte weiter entlang der Hochstraße

In Richtung der Wiesen von Wainola

Zu den Ebenen von Kalevala


Als sie sich den AhtiWohnungen näherten

Sprach Kyllikki traurig

Kalt und trostlos ist dein Häuschen

Das wie ein verlassener Ort erscheint

Wem kann diese düstere Hütte gehören

Wem die so wenig geehrte


Sprach der Held Lemminkainen

Diese Worte Ahti aussprach

Trauere nicht um meine Hütte

Kümmere dich nicht um meine Gemächer

Ich werde dir andere Wohnungen bauen

Ich werde sie viel besser gestalten

Balken und Pfosten und Schwellen und Sparren

Aus dem heiligen Birkenholz gefertigt


Jetzt erreichen sie das Haus von Ahti

Lemminkainens Haus und Geburtsort

Betreten das Haus seiner Mutter

Dort begegnen sie seiner alten Mutter

Dies sind die Worte die die Mutter verwendet

Lange bist du abwesend gewesen

Lange in fremden Ländern bist du gewandert

Lange in Sahri hast du verweilt

Dies ist Lemminkainens Antwort

Alle Heerscharen von SahriFrauen

Alle keuschen und liebreizenden Mädchen

Alle Mädchen mit geflochtenen blonden Locken

Haben gut bezahlt für ihre Verspottung

Für ihre Verachtung und für ihr Lachen

Dass sie sich auf mich stürzten

Ich habe die Beste unter ihnen

In meinem Schlitten in dein Haus gebracht

Nun ich habe sie in meine Pelzmäntel gewickelt

Hielt sie warm in Bärenfell gehüllt

Brachte sie in die Wohnung meiner Mutter

Als meine treue Lebensgefährtin

So bezahlte ich die verächtlichen Mädchen

Bezahlte sie gut für ihren Spott


Geschätzte Mutter meines Wesens

Ich habe das lang ersehnte Juwel gefunden

Ich habe die Maid der Schönheit gewonnen

Bedecke unsere Couch mit feinstem Leinen

Gib für unsere Köpfe die weichsten Kissen

Auf unserem Tisch seltenste Lebensmittel

Damit ich darin wohnen kann mit Lust

Mit meiner Ehepartnerin der Braut der Ehre

Mit dem Stolz des fernen Sahri

Dies ist die Antwort der Mutter

Sei gepriesen o Ukko voll der Gnade

Laut gepriesen o Schöpferin

Da du mir eine Tochter gibst 

Ahtis Braut meine zweite Tochter

die am Abend das Feuer schüren kann 

Mir am besten weben kann Stoffe

Die kann die nützliche Spindel drehen

Die kann meine seidenen Bänder waschen

Die kann die reichsten Kleidungsstücke füllen


Geliebter Sohn preise deine Schöpferin

Denn der Gewinn dieser Jungfrau

Dem Stolz und der Freude des fernen Sahri

Verdankst du in der Tat deiner Schöpferin

Der allweisen allwissenden Ukko

Rein ist der Schnee auf den Bergen

Reiner noch deine Braut der Schönheit

Weiß ist der Schaum auf dem Meer

Weißer noch ihr jungfräulicher Geist

Anmutig auf den Seen der weiße Schwan

Noch anmutiger deine Begleiterin

Schön die Sterne im Himmel

Noch schöner Kyllikki

Größer mach unser bescheidenes Häuschen

Breiter bau die Türen und Fenster 

Gestalte die Decken höher

Schmücke die Wände in Schönheit

Jetzt wo du eine Braut genommen hast

Von einem Stamm höheren Standes

Die reinste Jungfrau der Schöpfung

Von den Wiesen von Sahri

Von den oberen Ufern vom Nordland




ZWEITER GESANG


Lemminkainen kunstvoller Ehemann

Rücksichtsloser Held Kaukomieli

Ständig neben seiner jungen Frau 

Er verbrachte sein Leben in süßer Zufriedenheit

Und die Jahre vergingen schnell vorwärts

Ahti dachte nicht an die Schlachten

Noch Kyllikki an die Tänze


Es war einmal dass der Held 

Lemminkainen am frühen Abend

Auf dem See fischte 

Und nicht zu Hause war

Als die grausame Nacht hereinbrach

In das Dorf ging Kyllikki

Zum Tanz der fröhlichen Mädchen


Wer wird die böse Geschichte erzählen

Wer wird die Informationen

An den Ehemann Lemminkainen weitergeben

Ahtis Schwester erzählt die Geschichte

Und der Name der Schwester war Ainikki


Bald verbreitet sie die grausame Botschaft

Geradewegs gibt sie die Information

Von Kyllikkis verlobter Ehre

Dies sind die Worte die Ainikki ausspricht

Ahti mein geliebter Bruder

Zum Dorf ging Kyllikki

In die Halle vieler Fremder

Zu den Theaterstücken und Dorftänzen

Mit den jungen Männern und den Mädchen

Mit den Mädchen der geflochtenen blonden Locken

In die Hallen der Freude und des Vergnügens


Lemminkainen sehr niedergeschlagen

Gebrochenes Herz vor Wut errötet 

Sprach diese Worte mit gemessenen Akzenten

Liebe Mutter meine grauhaarige Mutter

Willst du sofort meine Wäsche

Im Blut von Giftschlangen waschen 

Im schwarzen Blut der Störche

Ich muss in den Kampf eilen

An die Lagerfeuer des Nordlandes

Auf die Schlachtfelder von Lappland

In das Dorf ging Kyllikki

Zum Spiel der fröhlichen Mädchen

Zu den Spielen und Dorftänzen

Zu den Mägden von geflochtenen blonden Locken

Sofort spricht die Frau Kyllikki

Mein geliebter Ehemann Ahti

Ziehe nicht in den Krieg ich bitte dich

Abends lag ich schlafend

Schlummernd sah ich im Traumland

Feuer aus dem Schornstein schießen

Flammen aufsteigen himmelwärts steigen 

Aus den Fenstern dieser Wohnung

Von den Gipfeln dieser Sparren

Durchbohren unsere oberen Kammern

Brüllen wie der Fall des Wassers

Springen von Boden und Decke

Von den Hallen und Türen schießend


Aber der zweifelnde Lemminkainen 

Gibt Kyllikki diese Antwort

Ich glaube nicht an Träume oder Frauen

Habe kein Vertrauen in Gelübde von Mädchen

Treue Mutter meines Seins

Bringe meine Rüstung aus Kupfer

Starkes Verlangen regt sich in mir 

Nach dem Pokal des tödlichen Kampfes 

Nach dem Met der KampfEroberung

Dies ist die Antwort der flehenden Mutter

Lemminkainen geliebter Sohn

Ziehe nicht in den Krieg ich bitte dich

Wir haben reichlich schäumendes Bier

In unseren Gefäßen Gerstenbier

In Fässern von Eichenzapfen gehalten

Trinke dieses Bier des Friedens und der Lust

Lass uns trinken zusammen davon

Sprach der Held Lemminkainen

Ich werde das Fleisch nicht mehr schmecken

In der Heimat der falschen Kyllikki

Eher würde ich das Wasser

Von den bemalten Spitzen der Birkenruder trinken 

Weit süßer ist mir das Wasser

Als das Getränk der Schande

Bei meiner Mutter zu Hause und am Kamin


Hierher bring meine Rüstung

Bring mir jetzt das Schwert des Kampfes

Bring das Ehrenschwert meines Vaters

Ich muss ins oberer Nordland gehen

Zu den Schlachtfeldern Lapplands

Dort mir Gold und Silber zu gewinnen

Dies ist die Antwort der besorgten Mutter

Mein geliebter Kaukomieli

Wir haben Gold in großer Fülle

Gold und Silber im Lagerraum

Vor kurzem auf dem Hochland

In den frühen Morgenstunden

Arbeiteten die Arbeiter auf den Kornfeldern 

Pflügten die mit Schlangen gefüllten Wiesen

Als der Pflugschar den Deckel

Von einer Truhe aus Gold und Silber hob 

Da war unzähliges Gold freigelegt

Versteckt unter der grasbewachsenen Wiese

Dies ist der Schatz den ich dir gebracht habe

Nimm das unzählige Gold zur Begrüßung

Sprach der Held Lemminkainen

Wünsche deinem Haushalt kein Silber

In den Kriegen werde ich mein Silber verdienen

Gold und Silber aus dem Kampf

Sind für mich von größerem Wert

Als der Reichtum den du entdeckt hast

Bring mir jetzt meine schwere Rüstung

Bring mir auch meinen Speer und mein Breitschwert

Zum Nordland muss ich mich beeilen

Zu den blutigen Kriegen Lapplands

Dorthin treibt mich mein Stolz an

Dorthin wendet sich mein Herz


Ich habe eine Geschichte über Lappland gehört

Einige glauben an die wundersame Geschichte

Dass eine Maid in Pimentola lebt 

Die sich nicht um Freier kümmert 

Sich nicht um bärtige Helden kümmert

Dies ist die Antwort der alten Mutter

Kriegerischer Athi geliebter Sohn

In deinem Haus hast du Kyllikki 

Die schönste Frau aller Inseln

Seltsam zwei Frauen zu sehen

Die bei nur einem Ehemann wohnen

Sprach der Held Lemminkainen

Zum Dorf läuft Kyllikki

Lass sie zu Dorftänzen laufen

Lass sie in anderen Wohnungen schlafen

Mit der Dorfjugend finden Vergnügen

Mit den Mädchen mit geflochtenen blonden Locken


Versucht die Mutter ihn festzuhalten

Also die besorgte Mutter antwortet

Geh nicht mein Sohn Geliebter

Das sind Ignoranten von PohyaHexerei

In den fernen Häusern vom Nordland 

Bis du die Kunst der Magie hast

Bis ich eine kleine Weisheit habe

Gehe nicht zu den Schlachtfeldern

Zu den Feuern der Kinder vom Nordland

Zu den Schlachtfeldern von Lappland

Bis in der Magie du Meister bist

Dort werden dich die Mädchen 

Von Lappland bezaubern

TuryaLeute werden dich verzaubern

Singen dein Antlitz zu Holzkohle

Kopf und Schultern zum Ofen

In Asche singen sie deinen Vorderarm

Ins Feuer lenken sie deine Schritte

Sprach der kriegerische Lemminkainen

Zauberer haben mich oft verzaubert

Und die faszinierenden Schlangen

Lapplands Zauberer drei an der Zahl

An einem Vorabend im Sommer 

In der Dämmerung auf einem Felsen sitzend

Kein Kleidungsstück um sie zu beschützen

Einmal verzauberten sie mich mit ihrer Magie

So viel haben sie mir genommen

Dies ist die Summe aller meiner Verluste

Was das Kriegsbeil aus Feuerstein gewinnt

Was die Schnecke aus Granit bohrt

Was die Ferse vom Eisberg abplatzt 

Und was der Tod aus Grabsteinen entwendet


Schrecklich drohten die Zauberer

Versuchten mich mit ihrer Magie zu versenken

Im Wasser der Sümpfe

In Schlamm und tückischem Treibsand

Bis zu meinem Kinn in Sumpf und Wasser

Aber auch ich wurde als Held geboren 

Als Held und Magier geboren

War nicht von ihrer Magie beunruhigt


Sofort begann ich zu singen

Sang die Bogenschützen mit ihren Pfeilen

Sang die Speermänner mit ihren Waffen

Sang die Schwertkämpfer mit ihrer Wehr

Sang die Sänger mit ihrem Gesang

Sang die Zauberer mit ihrer Magie

Sang zu den Stromschnellen der Flüsse

Zu dem höchsten Wasserfall

In den alles verschlingenden Strudel

In die tiefsten Tiefen des Ozeans

Wo die Zauberer noch schlafen

Schlafen bis das Gras nach oben schießt

Durch die Bärte und faltigen Gesichter

Durch die Locken der Zauberer

Wie sie schlafen unter den Wogen


Bittet immer noch die besorgte Mutter

Bittet Lemminkainen immer noch

Den Helden zu bleiben

Während Kyllikki um Vergebung bittet

Dies ist die Sprache der Mutter

Geh nicht mein geliebter Sohn

In die Dörfer vom Nordland

Nicht an die kalten Grenzen Lapplands 

Düsteres Unglück wird dich treffen

Der Stern des Bösen siedelt sich an

Lemminkainens Ende und Zerstörung


Könntest du in hundert Zungen sprechen

Ich könnte dir nicht glauben 

Dass du durch die Magie deines Gesangs

Die Söhne Lapplands

Auf den Grund des Ozeans verzaubern kannst 

Du kennst die TurySprache nicht

Kannst nur die Sprache sprechen von Suomi

Kannst nicht durch witzlose Magie gewinnen


Lemminkainen rücksichtsloser Held

Auch bekannt als Kaukomieli

Stand neben seiner Mutter 

Kämmte seine Zobellocken aus und überlegte 

Bürstete seinen Bart ab und debattierte

Standhaft noch in seiner Entscheidung

Schleuderte schnell seinen Pinsel in Wut

Schleuderte ihn gegen die Wand gegenüber

Gibt seiner Mutter die endgültige Antwort

Dies sind die Worte die Ahti verwendet

Das Unglück wird mich treffen

Ein trauriges Schicksal wird mich einholen 

Das Böse kommt zu Lemminkainen

Wenn das Blut aus dieser Haarbürste fließt

Wenn Blut aus diesen Borsten sickert


So geht der kriegerische Lemminkainen

Nach Lappland

Ohne auf die Warnung seiner Mutter zu achten 

Noch auf ihr Verbot

So rüstet sich der Held Kaukomieli 

Schnell für die Kriegsführung aus

Auf seinem Kopf ein Kupferhelm

Auf seinen Schultern Kupferkappen

Auf seinem Körper Eisenpanzer

Stahl der Gürtel um seinen Körper

Während er sich für den Kampf gürtet

Spricht Ahti so

Stark der Held in seiner Rüstung

Stark in der Tat in einem Kupferhelm

Mächtig in der Rüstung aus Eisen

Stärker als jeder Held

An den düsteren Ufern Lapplands

Braucht keine Angst vor ihren weisen Zauberern zu haben

Ich brauche ihre stärksten Fohlen nicht zu fürchten

Ich brauche keinen Krieg mit Zauberern zu fürchten


Er ergriff dann das Schwert der Schlacht

Ergriff fest das schwere Breitschwert

Das Tuoni geschliffen hatte

Das die Götter geschärft hatten 

Stieß es in die Lederscheide

Band die Scheide an seine Rüstung


Wie schützen sich Helden vor Gefahren 

Wie schützen sie sich vor dem Bösen

Helden bewachen ihre Häuser und Kamine 

Bewachen ihre Türen und Dächer und Fenster 

Bewachen die Pfosten die die Fackeln beleuchten 

Bewachen die Straßen zum Hof

Bewachen die Enden aller Tore

Helden schützen sich vor Weibern

Vorsichtig sind sie vor fröhlichen Mädchen

Wenn dabei ihre Stärke fehlt

Fallen leicht die Helden als Opfer

In die Fallen der Zauberer

Außerdem sind Helden wachsam 

Gegenüber den Stämmen kriegerischer Riesen

Wo die Hochstraße doppelt abzweigt

An den Grenzen des blauen Felsens

An den Sümpfen voller Bösem

In der Nähe des mächtigen Wasserfalls 

In der Nähe des Kreises des Strudels

In der Nähe der feurigen Quellen und Stromschnellen

Sprach das dicke Herz Lemminkainen

Erhebt euch Helden des Breitschwerts

Ihr die ewigen Helden der Erde

Aus den Tiefen ihr Sichelträger

Aus den Bächen ihr Armbrustschützen

Komm du Wald mit deinen Bogenschützen

Komm du Dickicht mit deinen Armeen

Berggeister kommt mit euren Kräften

Komm Hisi mit deinem Schrecken

Wassermutter mit deinen Gefahren

Komm Wellamo mit deinen Meerjungfrauen

Kommt ihr Mädchen aus den Tälern

Kommt ihr Nymphen von gewundenen Flüssen

Beschützt diesen Helden

Seid seine TagundNachtBegleiter

Leibwache für Lemminkainen

Also die Speere von Assistenten abzustumpfen

Also abzustumpfen ihre spitzen Pfeile

Dass die Speere der Zauberer

Dass die Pfeile der Bogenschützen

Dass die Waffen der Feinde

Können nicht diesem bärtigen Helden schaden


Sollte diese Kraft nicht ausreichen

Kann ich andere Mächte anrufen

Ich kann die Götter über mir rufen 

Die große Gottheit des Himmels rufen

Die den Wolken ihren Lauf gibt

Die durch grenzenlosen Äther regiert

Die den Marsch lenkt der Sturmwinde


Ukko du Gottheit über mir

Du die Mutter der Schöpfung

Die die durch den Donner spricht

Du deren Waffe der Blitz ist

Du deren Stimme vom Äther getragen wird

Gib mir jetzt dein mächtiges Feuerschwert 

Gib mir deine brennenden Pfeile

Blitzpfeile für meinen Köcher

So beschütze mich vor aller Gefahr

Schütze mich vor den Tücken der Hexen

Bewahre meine Füße vor jedem Übel

Hilf mir die Zauberer zu erobern

Hilf mir sie aus dem Nordland zu vertreiben

Die vor mir stehen im Kampf

Die die Reihen hinter mir füllen

Die um mich herum die über mir

Die unter mir hilf mir zu verbannen

Mit ihren Messern und Schwertern und Armbrüsten

Mit ihren Speeren von schärfstem Temperament

Mit ihren Zungen böser Magie

Hilf mir diese LapplandZauberer

In die tiefsten Tiefen des Ozeans zu jagen

Um dort mit Wellamo zu ringen


Dann pfiff der rücksichtslose

Lemminkainen laut nach seinem Hengst

Rief den Renner von den Hürden

Rief sein braunes Ross von der Weide

Warf das Geschirr über den Renner

Koppelte den Fuß an den Schneeschlitten

Sprang auf die höchste Querbank 

Knallte seine Peitsche über dem Renner

Und das Ross fliegt schnell weiter

Bindet den Schlitten auf seiner Reise

Und die goldene Ebene hallt wieder

Reist einen Tag dann einen zweiten

Reist den ganzen nächsten Tag nach Norden

Bis der dritte Tag ihn

In ein trauriges Dorf in Nordland bringt 

An den düsteren Ufern Lapplands


Hier fuhr der Held Lemminkainen

Auf der untersten Straße

Durch die Straßen entlang der Grenze

Zu einem Hof im Weiler 

Und fragte einen in der Tür stehenden Mann

Gibt es einen in dieser Wohnung 

Der den Brustpanzer meines Hengstes nehmen kann

Der kann seinen schweren Kragen heben

Dass diese Pfeile sich richtig senken können


Auf dem Boden spielte ein Baby

Und das kleine Kind gab diese Antwort

Es gibt niemanden in dieser Wohnung 

Der den Brustpanzer deines Hengstes nehmen kann 

Der seinen schweren Kragen anheben kann

Dass sich die Pfeile richtig senken können


Lemminkainen nicht entmutigt

Peitscht seinen Renner zum Galopp

Eilt durch das Dorf vorwärts

Mitten auf den Hochstraßen

Zum Hof in der Mitte

Fragt einen der auf der Schwelle steht 

Und sich auf die Türpfosten des Hauses stützt

Gibt es hier jemanden der das Zaumzeug 

Meines Hengstes ausrutschen lässt 

Der seine ledernen Brustgurte nehmen kann 

Der meinen königlichen Renner pflegen kann


Vom Kamin aus sprach ein Zauberer

Von ihrer Bank aus antwortete die Hexe

Du kannst einen in dieser Wohnung finden 

Der das Zaumzeug deines Renners ausrutschen lässt

Der seinen schweren Brustpanzer nehmen kann 

Der deinen königlichen Renner pflegen kann

Es gibt hier tausend Helden

Die dich nach Hause eilen lassen 

Die dir Hengste geben können 

Die dich in dein Land heim jagen können

Rücksichtsloser Schlingel und Magier

Zu deinem Haus und zu anderen Minnesängern

Zu den Hochländern deines Vaters

Zu den Hütten deiner Mutter

Zur Werkbank deines Bruders

Zur Molkerei deiner Schwester

Bevor der Abendstern aufgegangen ist

Bevor sich die Sonne zurückzieht um zu schlummern


Lemminkainen wenig ängstlich

Gibt dem Zauberer diese Antwort

Ich sollte dich für deine Sachlichkeit töten 

Damit dein Klappern zum Schweigen gebracht wird


Dann peitschte er sein feuriges Ross

Und das Ross flog schnell weiter

Oben auf den Hochstraßen

Zum Hof auf dem Gipfel

Als sich der rücksichtslose Lemminkainen

Dem oberen Hof genähert hatte

Sprach er die folgenden Worte aus

O du Hisi stopfe diesem Wachhund Lempo 

Stopfe seine Kehle und Nasenlöcher

Schließe den Mund dieses wilden Marktschreiers

Zügele des Bösartigen Eckzahn 

Damit der Beobachter schweigt

Während der Held an ihm vorbeigeht 


Dann trat er in den Saal des Hofes

Mit seiner Peitsche schlug er auf den Boden

Vom Boden stieg ein Dampf auf

Im Nebel erschien ein Schweinchen

Das den königlichen Renner abkoppelte

Von seinem Rücken entfernte es das Geschirr 

Es schenkte dem müden Ross Aufmerksamkeit

Dann trat der Held Lemminkainen

Vorsichtig vor und hörte zu

Niemand sah den seltsamen Zauberer

Niemand hörte seine vorsichtigen Schritte

Er hörte Lieder in der Wohnung

Durch die moosgefüllten Ritzen hörte er Stimmen

Durch die Wände ließ er sie singen

Durch die Türen das Gelächter dringen


Dann spähte er in die Hofsäle

Lauerte schlau im Flur

Fand die mit Sängern gefüllten Hofsäle

An den Wänden saßen Saitenspieler

In der Nähe der Türen schwebten die Weisen

Geschickte saßen auf den Bänken

In der Nähe der Feuer die bösen Zauberer

Alle sangen Lieder aus Lappland

Lieder von dem bösen Hisi


Jetzt ändert der Minnesänger Lemminkainen 

Sowohl seine Form als auch seine Statur

Geht durch die inneren Türen

Betritt den geräumigen Hofsaal

Und diese Worte sagt der Held

Fein der Gesang endet schnell

Gut dass das Lied schnell aufhört

Besser deine Weisheit zu bewahren

Als sie von den Hausdächern zu singen


Kommt die Gastgeberin von Pohyola

Eilt flüchtig durch die Tür

In die Mitte des Hofsaals

Und spricht so den Fremden an

Früher lag da ein Hund und beobachtete

War ein eiserner Köter

Ein Fleischliebhaber ein KnochenVerschlinger

Liebte es das Blut von Fremden zu lecken

Wer bist du denn von den Helden

Wer von allen Heerscharen von Helden

Dass du in meinen Hofsälen bist

Dass du zu meiner Wohnung kommst

Wurdest nicht außerhalb meiner Portale gesehen

Wurdest nicht von meinen Wachhunden gerochen

Sprach der rücksichtslose Lemminkainen

Glaube nicht dass ich hierher komme 

Ich habe weder Witz noch Weisheit 

Habe weder Kunst noch Macht

In Ahnenwissen bin ich reich

In der Klugheit der Väter 

Damit deine Wachhunde mich nicht verschlingen


Meine hingebungsvolle Mutter wusch mich

Als ein zartes und sanftes Baby

Dreimal in den Nächten des Sommers

Neun Mal in den Nächten des Herbstes

Dass auf meinen Reisen nach Norden 

Ich könnte die alte Weisheit singen

Mich also vor der Gefahr zu schützen

In meinem Zuhause singe ich so weise

Wie die Minnesänger deines Weilers


Dann begann der Sänger Lemminkainen

Alter Held Kaukomieli

Schnell seine Beschwörungsformeln

Sang sofort die Lieder der Hexerei

Aus seinem Pelzmantel schießt der Blitz 

Flammen schießen aus seinen Augäpfeln

Aus der Magie seines Gesangs

Aus seiner wunderbaren Verzauberung 

Sang die allerbesten Sänger

Bis zu den schlimmsten Minnesängern

Füllte seinen Mund mit Staub und Asche

Stapelte die Felsen auf seine Schultern

Stillte die besten Hexen Lapplands

Stillte die Zauberer und Magier

Dann verbannte er alle ihre Helden

Verbannte alle ihre stolzen Minnesänger

Diesen hierhin diesen dorthin

In das arme Grünland

Zu den unproduktiven Hochländern

Zu den Ozeanen zu den Wittlingen

Zu den Wasserfällen von Rutya

Zu dem heißen und brennenden Strudel

Zu den mit Meerschaum bedeckten Gewässern 

Zu Feuer und kochendem Wasser 

Zu ewiger Qual


Dann sang der Held Lemminkainen 

Die Fohlen mit ihren Breitschwertern

Sang die Helden mit ihren Waffen

Sang die Ältesten sang die Jüngsten

Sang die Mittleren verzaubert

Nur einer verließ seine Sinne

Er war ein armer wehrloser Hirte

Alt und blicklos hart und elend

Und der Name des alten Mannes war Nasshut

Sprach der elende Hirte

Du hast alt und jung verzaubert

Du hast alle unsere Helden verbannt

Warum hast du diesen elenden Hirten verschont

Dies ist Lemminkainens Antwort

Darum habe ich dich nicht verzaubert

Du bist alt und blind und elend

Schwachsinnig und harmlos

Abscheulich ohne meine Magie

Du hast in deiner besseren Lebenszeit

Als ein Hirte sich mit Bosheit füllte

Alle Beeren deiner Mutter ruiniert

Deine Schwester unwürdig gemacht 

Das ganze Vieh deines Bruders ruiniert

Die Hengste deines Vaters zu Tode getrieben

Durch die Sümpfe über die Wiesen

Durch das Tiefland über die Berge

Den Rat deiner Mutter nicht beachtend


Daraufhin wurde der elende Nasshut ärgerlich

Und schwor Rache 

Er humpelte sofort durch die Tür

Humpelte über den Hof hinaus 

Über die Wiesen und Weiden

Zum Fluss des Todeslandes 

Zum heiligen Strom und Strudel

Zum Königreich Tuoni

Zu den Inseln Manala

Dort hat er auf Kaukomieli gewartet

Hat lange auf Lemminkainen gehört 

Dachte er müsse diesen Fluss passieren

Auf seiner Reise in sein Land

Auf die Hochstraße zu den Inseln

Von den oberen Ufern von Pohya

Von der trostlosen Sariola




DRITTER GESANG


Spricht der alte Lemminkainen

Zu der Gastgeberin von Pohyola

Gib mir deine schöne Tochter

Bring mir jetzt deine siegreiche Jungfrau

Bring die beste Jungfrau Lapplands 

Die schönste Jungfrau des Nordlandes


Louhi Gastgeberin von Pohyola

Antwortete dem wilden Zauberer

Ich werde meiner Tochter niemals geben

Niemals meine schönste Jungfrau geben

Nicht die beste noch die schlechteste

Nicht die größte noch die kleinste

Du hast jetzt eine Frau als Begleiterin

Du hast daher eine Gastgeberin genommen 

Die von der schönen Kyllikki getragen wurde


Dies ist Lemminkainens Antwort

In mein Haus nahm ich Kyllikki

In mein Häuschen auf der Insel

Zu meinen Eingangstoren und Verwandten

Jetzt wünsche ich mir eine bessere Gastgeberin

Bringe sofort deine schönste Tochter

Die würdigste aller Jungfrauen

Die schönste Magd mit Zobelsträhnen

Die Gastgeberin von Pohyola sprach

Niemals werde ich meine Tochter

Einem falschen und wertlosen Helden geben 

Einem vergeblichen Minnesänger und bösen

Darum bete du für meine Jungfrau

Darum werbe um die Blume mit dem süßen Gesicht 

Wenn du mir den wilden Elch

Von den HisiFeldern und Wäldern bringst 


Da schnitzte der kunstvolle Lemminkainen 

Geschickt seine Speere 

Machte schnell seine lederne Bogenschnur

Und bereitete seinen Bogen und seine Pfeile vor

Und soliloquisierte wie folgt

Jetzt sind meine Speere bereit

Alle meine Pfeile sind auch bereit

Und mein EichenBogen gebeugt

Aber meine Schneeschuhe sind nicht gebaut

Wer macht mir würdige Schneeschuhe


Lemminkainen ernst und nachdenklich

Hat lange nachgedacht wohlüberlegt 

Wo die Schneeschuhe hergestellt werden könnten

Wer der Künstler der sie herstellen könnte

Beeilt sich zur KauppiSchmiede

Zur Schmiede von Lylikki

So sprach der Schneeschuhkünstler

O du geschickter Woyalander

Kauppi fähigster Schmied von Lappland

Mach mir schnell zwei würdige Schneeschuhe

Glätte sie gut und mache sie robust 

Dass ich in Tapio den wilden Elch

Der durch die HisiWälder streift

Als Mitgift für ihre Tochter fangen 

Und zu Louhi bringen darf 


Da antwortete Lylikki

Kauppi gab diese sofortige Entscheidung

Lemminkainen rücksichtsloser Minnesänger

Du wirst vergeblich den wilden Elch jagen

Du wirst nur Schmerz und Folter finden

In den HisiMooren und Wäldern


Wenig das beachtend Lemminkainen sprach

Diese Worte zu Lylikki

Mach mir die würdigen Schneeschuhe

Arbeite schnell und mache sie fertig

Ich werde gehen und fangen den blauen Elch

Wo er in Tapio stöbert

In den HisiWäldern und Schneefeldern


Dann Lylikki Schneeschuhhersteller

Der alte Kauppi Meisterkünstler

Schnitzte im Herbst seine Schneeschuhe 

Glättete sie an den Winterabenden 

Arbeitete eines Tages an den Läufern 

Machte den ganzen nächsten Tag Stockringe

Bis endlich die Schuhe fertig waren

Und die Verarbeitung war perfekt

Dann befestigte er die Schuhgurte gut

Glatt wie die Haut des Storches

Weich wie Fuchspelz waren die Stockringe

Geölt hatte er gut seine wundersamen Schneeschuhe

Mit dem Talg des Rentiers

Als er so soliloquisierte 

Dies sind die Akzente von Lylikki

Gibt es in Lappland eine Jugend 

Einen in dieser Generation

Der in diesen Schneeschuhen reisen kann 

Der kann die unteren Bereiche bewegen


Sprach der rücksichtslose Lemminkainen

Voller Hoffnung Leben und Kraft

Sicher gibt es einen in Lappland

In dieser aufstrebenden Generation

Der kann in diesen Schneeschuhen reisen

Kann das rechts und links schaffen


An seinen Rücken band er den Köcher 

Legte den Bogen auf seine Schulter

Ergriff mit beiden Händen seinen Schneestock 

Und sprach unterdessen folgende Worte

Es gibt nichts in den Wäldern

Nichts in der Welt von Ukko

Nichts unter dem Himmel 

Im Hochland im Tiefland

Nichts in den Schneefeldern läuft

Kein Flottenhirsch des Waldes

Der könnte nicht mit den Schneeschuhen 

Von Lylikki überholt werden 

Mit den Schritten von Lemminkainen


Der böse Hisi hörte diese Worte

Juutas hörte auf ihre Echos

Sofort rief Hisi den Wildelch 

Jutas formte bald ein Rentier

Und der Kopf bestand aus Punkholz 

Die Hörner aus nackten Weidenzweigen

Die Füße wurden von den Binsen geliefert

Und die Beine von Schilf im Wasser

Die Adern wurden aus verdorrten Gräsern

Die Augen aus Gänseblümchen der Wiesen

Die Ohren waren aus Wasserblumen geformt

Und die Haut aus gelbbrauner Tannenrinde

Aus saftigem Holz die Muskeln

Schön und flott das magische Rentier


Jutas weist dem wilden Elch an

Dies sind die Worte des bösen Hisi

Flieh weg du Elch von Jutas 

Flieh weg du HisiRentier

Wie die Winde du schneller Renner

Zu den Schneehäusern des Waldläufers

Zu den Gebirgskämmen

Zu den schneebedeckten Hügeln Lapplands 

Damit dein Jäger erschöpft ist 

Dein Verfolger gequält wird

Lemminkainen erschöpft ist


Daraufhin rannte das HisiRentier 

Der JutasElch mit verzweigtem Geweih

Flott durch Moor und Wald

Über Lapplands Hügel und Täler

Durch die offenen Felder und Höfe

Durch die WohnhausTüren und Tore 

Drehte Wasserwannen um

Warf die Kessel von der Feuerstange

Und verärgerte das Geschirr beim Kochen

Dann kam ein furchtbarer Aufruhr auf

In den Höfen von Pohyola begannen

Lappländische Hunde zu bellen

Lappländische Kinder weinten vor Schrecken

Lappländische Frauen brüllten vor Lachen

Und die lappländischen Helden schrien


Fleißig folgte Lemminkainen

Folgte schnell und folgte schneller

Eilte hinter dem wilden Elch her

Über Sümpfe und durch die Wälder

Über weite und weglose Schneefelder

Über hohe aufständische Berge

Feuer von seinen Läufern schießt

Rauch entsteht aus seinem Schneestock

Er konnte den wilden Elch nicht hören

Konnte den fliehenden flotten Fuß nicht sehen

Gleitet weiter durch Feld und Wald

Gleitet über Seen und Flüsse

Über Land jenseits des glatten Meeres

Durch die Wüstenebenen von Hisi

Gleitet über die Ebenen von Kalma

Durch das Königreich Tuoni

Bis zum Ende von Kalmas Reich

Wo die Rachen des Todes offen stehen

Wo sich das Haupt von Kalma senkt

Bereit den Fremden zu verschlingen 

Den wilden Lemminkainen zu verschlingen

Aber Tuoni kann ihn nicht erreichen

Kalma kann ihn nicht überholen


Ferne Wälder sind noch nicht befahren

Weit entfernt steht ein Wald

Von Kaukomieli nicht erforscht

In den ausgedehnten Grenzen des Nordens

Im Reich des trostlosen Lapplands

Nun eilt der Held mit seinen Schneeschuhen 

In die fernen Wälder

Um dort die Elche von Piru zu jagen

Als er sich dem Wald nähert

Bringt er einen schrecklichen Aufruhr

Von den fernen Grenzen des Nordlands

Von den trostlosen Feldern Lapplands

Hört die Hunde bellen

Hört die Kinder laut schreien

Hört das Lachen der Frauen

Hört das Geschrei der Helden

Daraufhin stürmt der wilde Lemminkainen 

Hastig auf seinen Schneeschuhen vorwärts

Zu dem Ort an dem die Hunde bellen

Zu den fernen Wäldern Lapplands


Als sich der rücksichtslose Kaukomieli

Dieser HisiEcke genähert hatte

Begann er sofort zu fragen

Warum dieses Lachen oder die Frauen

Warum das Schreien der Kinder

Warum das Schreien der Helden

Warum dieses Bellen der Wachhunde?

Diese Antwort war prompt gegeben

Dies ist der Grund für diesen Aufruhr

Frauen lachen Kinder schreien

Helden schreien Wachhunde bellen

Hisis Elche rannten hierher hierher

Kamen die PiruRentiere hierher

Kamen sie mit silbernen Hufen

Durch die offenen Felder und den Hof

Durch die PenthouseTüren und Tore

Wannen oder Wasser umdrehend

Warfen die Kessel vom Feuerpfahl

Und das Geschirr beim Kochen verärgernd


Dann nahm der Held Lemminkainen sofort

Seinen ganzen Mut zusammen

Schob seine mächtigen Schneeschuhe voran

Schnell wie Addierer in den Stoppeln 

Ebene Büsche in den Sümpfen

Wie die schnellen und feurigen Schlangen

Sprach diese magischen Worte

Hielt das Gleichgewicht mit sein Schneestab

Komm du lappländischer Held

Bring mir den Elch von Juutas

Komm du Stärke der LapplandFrauen

Und bereite den kochenden Kessel vor

Komm du von den lappländischen Kindern

Bring Feuer und Treibstoff zusammen

Komm du Stärke der lappländischen Kessel

Hilf die HisiWildelche zu kochen


Dann eilte Lemminkainen mit mächtiger Kraft 

Und Mut vorwärts schlug

Rückwärts und schoss vorwärts

Mit einem langen Schwung seines Schneeschuhs

Verschwand der Held aus dem Blickfeld

Mit dem zweiten der weiter schoss

War der Jäger nicht mehr zu hören

Mit dem dritten glitt der Held

Auf den Schultern des wilden Elches

Nahm eine Stange aus dickstem Eichenholz

Nahm einige Rindenschnüre von der Weide

Um den Elchhirsch zu binden 

Band ihn an seine Eichenhürde

Zu dem Elch sprach er wie folgt

Hier bleib du Elch von Juutas springe herum

Mein springender Renner 

In meinem Hürdensprung und tolle herum

Gefangen von den Feldern von Piru

Aus den HisiTälern und Bergen


Dann streichelte er den gefangenen Wildelch 

Klopfte ihm auf die Stirn und

Sprach erneut mit gemessenen Akzenten

Ich möchte eine Weile verweilen

Ich würde gerne einen Moment

In der Hütte meiner Jungfrau ruhen

Mit meiner Jungfrau jung und lieblich


Da wurde der HisiElch wütend

Stampfte mit den Füßen und schüttelte sein Geweih

Sprach diese Worte zu Lemminkainen

Wahrlich Lempo wird dich bald bekommen

Solltest du neben der Jungfrau sitzen

Solltest du bei der Jungfrau verweilen


Jetzt stampft und rauscht der wilde Elch

Zerreißt die Weidenbänder in zwei Teile 

Bricht die Eichenholzstange in Stücke

Und hebt die Hürde des Jägers auf

Springt schnell von seinem Entführer 

Springt mit Kraft der Freiheit davon

Über Hügel und über Tiefland

Über Sümpfe und über Schneefelder

Über Berge in Heide bekleidet

Dass das Auge sehe ihn nicht

Auch nicht das Ohr des Helden ihn erkenne


Daraufhin wird der mächtige Jäger 

Zornig und ist sehr entmutigt

Beginnt erneut den Elch zu fangen und

Gleitet hinter dem Renner davon

Mit seiner Macht stürzt er vorwärts

Beim Rist bricht sein Schneeschuh

Bricht die Läufer in Fragmente

Auf den Reittieren bricht sein Speer

In der Mitte bricht sein Schneestab

Und der Elch springt vor ihm weiter

Durch die HisiWälder und Schneefelder

Weg von Lemminkainen nicht zu erreichen


Dann sah der rücksichtslose Kaukomieli

Mit gebeugtem Kopf schlecht gelaunt

Nacheinander auf die Fragmente 

Er sprach Worte alter Weisheit

Nordlandjäger niemals niemals

Geh trotzig in deine Wälder

In den HisiTälern und Bergen um

Dort zu jagen der Elch von Juutas

Wie dieser sinnlose rücksichtslose Held

Ich habe meine magischen Schneeschuhe zerstört

Auch meinen nützlichen Schneestab ruiniert

Und meine Speere habe ich gebrochen

Während der wilde Elch in Sicherheit

Durch die HisiFelder und Wälder rennt



VIERTER GESANG


Lemminkainen sehr entmutigt

Hat tief nachgedacht und lange überlegt

Was zu tun ist welcher Kurs zu befolgen ist

Ob man den Wildelch am besten 

In den Wildnissen von Hisi zurücklässt

Und nach Kalevala zurückkehrt

Oder ein drittes Mal den Waldläufer jagt 

In der Hoffnung ihn gefangen zu nehmen

So kehre endlich als Sieger

In das Waldhaus von Louhi zurück

Zur Freude aller deiner Töchter

Zum glücklichen Kamin der Waldnymphe


Mut fassend Lemminkainen

Sprach diese flehenden Worte

Ukko du Gott über mir

Du Schöpfer des Himmels

Ordne meine Schneeschuhe gut

Und versorge sie beide mit Schnelligkeit 

Damit ich schnell über Sümpfe 

Über Schneefelder reisen kann

Über Tiefebene über Hochland

Durch das Reich des bösen Hisi

Durch die fernen Ebene von Lappland

Durch die Wege der Lempo der Wildelches

In den WaldHügel von Juutas

Zu den Schneefeldern soll ich reisen

Lass die Helden in die Wälder

Auf dem Weg nach Tapiola

In Tapios wilde Behausungen


Gruß bringe ich in die Berge

Gruß in die Täler und das Hochland

Grüße euch Höhen mit bewaldeten Wäldern

Grüße euch immergrüne Tannen

Grüße euch weißliche Espenhaine

Grüße euch die mich grüßen

Felder und Bäche und Wälder Lapplands

Bringt mir Gunst Bergwälder

Lapplandwüsten zeigt mir Güte

Mächtiger Tapio sei gnädig

Lass mich durch deine Wälder wandern

Lass mich an deinen Flüssen entlang gleiten

Lass diesen Jäger deine Schneefelder suchen

Wo die Wildelchherden in Menge leben

Wo das springende Rentier verweilt


O Nyrikki Bergheld

Sohn vom Tapio der Wälder

Held mit der scharlachroten Kopfbedeckung

Kerben mache auf dem Weg

Wahrzeichen nach oben in die Berge 

Damit dieser Jäger nicht wandert

Nicht fällt und im Schnee umkommt 

In den Feldern deines Königreichs

Auf Jagd nach den Elchen von Hisi

Der Mitgift vom Stolz von Nordland


Herrin des Waldes Mielikki Waldmutter

In Schönheit geformt

Lass dein Gold reichlich fließen

Lass dein Silber weiter wandern

Für den Helden der nach

Dem wilden Elch deines Königreichs sucht

Bring mir hier deine Schlüssel von Silber

Aus dem goldenen Gürtel um dich

Öffne Tapios reiche Kammern

Und schließe die Waldfestung auf

Während ich hier auf die Beute warte

Während ich den Elch von Lempo jage


Sollte dieser Dienst zu niederträchtig sein

Gib deinen Dienern den Befehl

Sende sofort deine Dienstmädchen

Und befehle es deinem Volk

Du wirst niemals eine Gastgeberin sein

Wenn du nicht in deinem Dienst bist

Mädchen zu Hunderten sind bereit

Tausende die auf dein Gebot warten

Die deine Herden beobachten und pflegen

Kümmern sich um das Spiel deiner Herrschaften


Große und schlanke Waldjungfrau

Tapios geliebte Tochter

Schlag jetzt deine HonigflötenNoten

Spiel auf deiner Waldpfeife

Für das Hören deiner Geliebten

Für deine bezaubernde Waldherrin

Lass sie dein süßes Spiel hören 

Damit sie aus dem Schlaf hervorgeht

Sollte deine Herrin nicht erwachen

Rufe beim Ruf deiner Flötennoten 

Noch einmal und spiele unaufhörlich

Lass die goldene Zunge widerhallen


Der wilde und gewagte Lemminkainen

Standhaft betet auf seiner Reise

Ruft die Götter zum Beistand auf

Eilt durch Felder und Moore

Geht durch grausames Buschholz

Zur Zeche von Hisi

Zu den brennenden Feldern von Lempo

Glitt einen Tag dann einen zweiten

Glitt den ganzen nächsten Tag weiter

Bis er zum GroßenSteinBerg kam

Auf seinen felsigen Gipfel kletterte

Seine Blicke nach Nordwesten richtete 

In Richtung der Moore und Sümpfe des Nordlandes

Dort erschien die TapioVilla

Alle Türen waren goldfarben und

Leuchteten im Sonnenlicht

Durch das Dickicht der Berge

Durch die fernen Felder von Nordland


Lemminkainen sehr ermutigt

Hastete von seiner Station weiter

Durch das Tiefland über das Hochland

Über weite und leere Schneefelder 

Unter schneebedeckten Tannen und Espen

Hastete vorwärts glücklich

Erreicht schnell Tapios Höfe 

Slyly bleibt draußen

An Tapios Fenstern stehen

Und schaut in ihre Villa

Spion vor einigen freundlichen Frauen

Vor ihm ausgestreckte Walddamen

Alle sind in spärliche Gewänder gekleidet 

Sie sind in schmutzige Bettwäsche gekleidet

Sprach der Fremde Lemminkainen

Warum sitzt ihr Waldmütter

In euren alten und einfachen Kleidern

In eurer verschmutzten und zerlumpten Wäsche?

Ihr seid zu unordentlich seid zu unordentlich

Zu unansehnlich euer Aussehen

In euren zerlumpten Kleidern

Als ich im Wald lebte

Gab es drei Bergburgen

Eine aus Horn und eine aus Elfenbein

Und die dritte aus Holz

In ihren Wänden waren goldene Fenster

Sechs Fenster in jedem Schloss

Durch diese Fenster entdeckte ich das

Ganze Heer von Tapios Herrenhaus

Sah seine schöne und stattliche Gastgeberin

Sah die schöne Tochter des großen Tapio

Sah Tellervo in ihrer Schönheit

Mit ihrem Zug charmanter Mädchen

Alle waren in goldene Kleidung gekleidet

Alle in Gold und Silber

Dann die königliche Gastgeberin des Waldes

Immer noch die Gastgeberin dieser Wälder

An ihren Armen trug sie goldene Armbänder

Goldene Ringe an ihren Fingern

In ihren Haaren funkelten Juwelen

An ihren Perlen waren goldene Netze

In ihren Ohren waren goldene Ohrringe

An ihrem Hals eine Perlenkette

Und ihre Zöpfe mit Silber geziert


Schöne Gastgeberin des Waldes

Metsolas bezaubernde Geliebte

Wirf deine hässlichen Strohschuhe beiseite 

Wirf die Schuhe aus Birkenrinde weg

Zieh dein schmutziges und zerlumptes Leinen aus

Zieh dein Kleid aus schäbigem Stoff aus

Zieh das helle und festliche Gewand an

Das Kleid der Fröhlichkeit

Während ich innerhalb deiner Grenzen bleibe

Während ich meine Waldbeute suche 

Jage den Elch des bösen Hisi

Hier wird mein Besuch lästig sein

Hier wird dein Gast schlecht gelaunt sein

Auf deinen Feldern warten und in den Wäldern

Jage ich hier den Elch von Lempo

Finde nicht den HisiWaldläufer

Solltest du mir keinen Genuss geben

Soll ich keine Freude noch Ruhe finden

Lang der Vorabend der kein Vergnügen bereitet

Lang der Tag der keine Beute bringt


Zobelbärtiger Gott der Wälder

In deinem Hut und Mantel aus Hermelin

In deiner Robe mit feinsten Fasern

Deck deine Haine mit reichsten Stoffen

Gib den Tannenbäumen Silber glänzend

Deck mit Gold die schlanken Balsambäume

Gib den Fichten Kupfergürtel

Und die silbernen Gürtel den Tannen

Gib den Birken goldene Blumen

Deck ihrer Stiele mit SilberArbeit

Diese war ihre Tracht in früheren Zeiten

Als die Tage und Nächte waren heller

Als die Tannen leuchteten wie Sonnenlicht

Und die Birken wie die Mondstrahlen

Honig atmete durch den Wald

Siedelte sich in den Tälern und Hochländern an

Mit Gewürzen in den Wiesenrändern

Aus dem Tiefland austretendem Öl


Waldtochter schöne Jungfrau 

Goldene Jungfrau schöne Tulikki

Zweite der TapioTöchter

Führe das Spiel innerhalb dieser Grenzen

Zu diesen weit ausgedehnten Schneefeldern

Sollte das Rentier zu träge sein

Sollte sich der Elchhirsch auch bewegen

Schneide eine Birkenrute aus dem Dickicht

Peitsche ihn in seiner Schönheit hierher

Treibe den wilden Elch zu meiner Hürde 

Treibe die lang ersehnte Beute hierher

Zu dem Jäger der zuschaut und

In den HisiWäldern wartet


Wenn das Spiel hierher begonnen hat

Halte sie auf der richtigen Bahn

Halte deine magischen Hände vor ihnen

Bewache sie gut auf beiden Straßenseiten 

Damit der Elch dir nicht entkommt 

Er darf nicht auf einem Nebenweg herumspringen

Vielleicht wandern die Elchhirsche

Durch einen Waldweg

Nimm ihn an den Ohren und am Geweih

Hierher führt der Stolz von Lempo


Wenn der Weg mit Buschholz gefüllt ist

werfen Sie das Buschholz zum Straßenrand

wenn die Äste seinen Weg kreuzen

brechen Sie die Äste in Fragmente

sollte ein Zaun aus Tanne oder Erle

den Weg kreuzen der ihn hierher führt

machen Sie eine Öffnung darin

öffne neun versperrende Zäune

wenn der Weg von Bächen gekreuzt wird

wenn der Weg von Flüssen gestoppt wird

mache eine Brücke aus Seidenstoff

webe scharlachrote Netze

fahre die Hirschherde sanft darüber

führe sie sanft über das Wasser

über die Flüsse deiner Wälder

über die Ströme deiner Herrschaft


Du der Wirt von Tapios Herrenhaus

liebenswürdiger Wirt von Tapiola

zobelbärtiger Gott der Wälder

goldener Herr der Wälder von Nordland

du oh Tapios würdige Gastgeberin

Königin der verschneiten Wälder Mielikki

alte Dame in himmelblauem Gewand

FenlandQueen in scharlachroten Bändern

komme ich um mein Silber auszutauschen

um mein Gold und Silber auszutauschen

Gold habe ich so alt wie Mondlicht

Silber des Zeitalters des Sonnenscheins

in den ersten Jahren wurde gesammelt

in der Hitze und im Schmerz von Schlacht

es wird in meinen Beuteln rosten

bald wird es sich abnutzen und zugrunde gehen

wenn es nicht für den Handel verwendet wird


Lange glitt der Jäger Lemminkäinen

durch das Moor und den Wald

sang seine Lieder durch die Wälder

sang durch drei Gebirgstäler sie

sang die Waldhostess freundlich

sang er auch Tapio freundlich

freundlich alle Waldjungfrauen

alle von Metsolas schönen Töchtern


Jetzt gründen sie die Herden von Lempo

starten den wilden Elch aus seinem Schutz

im Reich des bösen Hisi

Tapios höchster Bergregion

jetzt fahren sie den Waldläufer nach Hause

zu den offenen Höfen von Piru

zu dem Helden der wartet

auf die Jagd nach den Elchen von Juutas


Als die Herde die Burg erreicht hatte

warf Lemminkäinen sein Lasso

über das Geweih des Blauelches

und ließ sich auf Hals und Schultern

des mächtigen Elches von Hisi nieder

Dann streichelte der Jäger Kaukomieli

in Sicherheit den Hals seines Gefangenen

denn der Elch war gut eingesperrt


Daraufhin sprach der kühne Lemminkäinen

voller Freude wie folgt

Stolz der Wälder Königin der Wälder

Metsolas verzauberte Gastgeberin

schöne Walddame Mielikki

Mutterspenderin der Berge

nimm das Gold das ich versprochen habe

komm und nimm das Silber weg

verbreite dein Kopftuch gut vor mir

verbreite hier deinen seidenen Halswickel

unter dem goldenen Schatz

unter dem glänzenden Silber

damit es sich nicht auf der Erde niederlässt

verstreut im Schnee des Winters


Dann ging der Held ein Sieger

zu den Wohnungen von Pohjola

und richtete diese Worte an Louhi

Ich habe den Elch von Hisi gefangen

in den MetsolaHerrschaften

gib oh Gastgeberin gib deine Tochter

gib mir deine schönste Jungfrau

meine Braut soll im Jenseits sein


Louhi die Gastgeberin des Nordlandes

gab dem Freier diese Antwort

Ich werde dir meine Tochter geben

für deine Frau meine schönste Jungfrau

wenn du für mich ein Zaumzeug

auf das brennende Pferd von Hisi

den schnellen Boten von Lempo legst

auf den HisiEbenen und Weiden


Nichts eingeschüchtert

eilt Lemminkäinen vorwärts

um Louhis zweiten Test der Helden zu erreichen

auf dem Kulturland

auf den heiligen Feldern und Wäldern

Überall suchte heilen sie den Rennfahrer

suchte den feuerlöschenden Hengst

Feuer schoss aus seinen Nasenlöchern

Lemminkäinen furchtloser Jäger

der sein Zaumzeug im Gürtel trug

auf seinen Schultern Zügeln und Halfter

suchte einen Tag und dann einen zweiten

schließlich am dritten Tag

ging er zum HisiBerg

kletterte und kämpfte sich zum Gipfel

nach Osten wandte er seine Blicke

warf seinen Blick auf den Sonnenaufgang

dort sah er den flammenden Renner

auf der Heide zwischen den fernen Bäumen

Lempos feuerlöschender Hengst –

Feuer und vermischter Rauch

schossen aus seinem Mund

seinen Augen und seinen Nasenlöchern


Sprach das gewagte Lemminkäinen

dies ist das Flehen des Helden

Ukko du Gott über mir

du der du alle Gewitterwolken regierst

öffne das Gewölbe des Himmels

öffne Fenster durch den Äther

lass den eisigen Regen fallen

schwebe die schweren Hagelkörner

auf das brennende Pferd von Hisi

auf den feuerlöschenden Hengst


Ukko der gütige Schöpfer

hörte das Gebet von Lemminkäinen

brach die Kuppel des Himmels auseinander

zerriss die Höhen des Himmels

sandte den eisernen Hagel in Duschen

kleiner als die Köpfe von Pferden

größer als die Köpfe von Helden

auf das flammende Ross von Lempo

auf den feuerlöschenden Hengst

auf den Terror des Nordlandes


Lemminkäinen näher tretend

betrachtete das Ross mit Sorgfalt

dann sprach er die Worte die folgen

WunderRoß von mächtigen Hisi

von Lempos Berg flammendes Pferd

bring deinen Mund aus Gold zustimmend

sanft dein Haupt Silber platzieren

in diesem hellen und goldenen Halfter

in diesem silbernen Zaumzeug

Ich werde dich niemals hart behandeln

lass dich niemals zu flott fliegen

auf dem Weg nach Sariola

auf den Spuren von langer Dauer

zur Gastgeberin von Pohjola

zu ihren magischen Höfen und Ställen

werde dich nicht auf deiner Reise festzurren

ich werde dich sanft vorwärts führen

treibe dich mit den Zügeln der Güte

bedecke dich mit seidenen Decken


Dann legte das feuerhaarige

Ross von Juutas

flammendes Pferd des mächtigen Hisi

seine Perle aus glänzendem Silber

in den hellen und goldenen Perlenstand

in den silbernen Zaum

So zügelt der Held Lemminkainen

zähmt Lempos Hengst

flammendes Pferd des bösen Piru

legt die Teile in seinen Feuermund

auf seinen silbernen Kopf das Halfter

besteigt den feuerlöschenden Renner

schwingt seine Weidenpeitsche

eilt auf seiner Reise vorwärts

springt über die Hügel und Berge

stürzt durch die Täler nach Norden

über die schneebedeckten Hügel Lapplands

zu den Höfen von Sariola


Dann trat der Held der schnell abstieg

in den Hof von Louhi

und wandte sich so an die Gastgeberin von Nordland

Ich habe Lempos Feuerpferd gezügelt

ich habe den HisiRennfahrer gefangen

den feuerlöschenden Hengst gefangen

in den Ebenen und Weiden von Piru

ihn in deinen Grenzen geritten

ich habe den Elch von Lempo gefangen

habe getan was du forderst

Gib ich bitte dich jetzt deine Tochter

gib deine schönste Jungfrau

meine Braut für immer zu sein


Louhi Wirtin von Pohjola

machte diese Antwort auf die Werber

Ich will dir nur meine Tochter geben

um dir meine schönste Jungfrau zu geben

die Braut deines für immer zu sein

für mich wenn du den Schwan tötest

im Fluss von Tuoni

schwimmend im schwarzen Todesfluss

im heiligen Strom und im Strudel

du kannst nur eine Armbrust probieren

und einen Pfeil von deinem Köcher


Dann trotzte der rücksichtslose Lemminkäinen

hübscher Held Kaukomieli

der dritten Prüfung des Helden

begann den Wildschwan zu jagen

jagte den langhalsigen anmutigen Schwimmer

in Tuonis kohlschwarzem Fluss

in Manalas unteren Regionen

Schnell reiste der mutige Jäger

eilte mit furchtlosen Schritten davon

zum Fluss Tuoni

zum heiligen Strom und Whirlpool

mit seinem Bogen auf der Schulter

mit seinem Köcher und einem Pfeil


Nasshut blinder und verkrüppelter Hirte

elender Hirte von Pohjola

stand neben dem Fluss des Todeslandes

in der Nähe des heiligen Baches und des Strudels

bewachte Tuonelas Wasser

wartete dort auf Lemminkäinen

hörte dort auf Kaukomieli

wartete lange auf das Kommen des Helden

Schließlich hört er die Schritte des Helden

auf seiner Reise

hört die Schritte von Lemminkäinen

während er näher näher

zum Fluss Tuoni reist

zum Katarakt des Todeslandes

zum heiligen Strom und zum Whirlpool

Schnell schickt der elende Hirte Nasshut

aus dem Todesstrom eine Schlange

wie einen Pfeil von einer Armbrust

zum Herzen von Lemminkäinen

durch die Lebenspunkte des Helden


Lemminkäinen wenig bei Bewusstsein

wusste kaum dass er verletzt war

Er sprach diese Maßnahmen als er starb

Ah Unwürdig ist mein Verhalten

ah Unklug habe ich gehandelt

dass ich meine Mutter nicht beachtet habe

ihren guten Rat nicht befolgt habe

ihre magischen Worte nicht gelernt habe

Oh ich gebe drei Worte für meine Mutter

wie man lebt und sich verneigt um zu leiden

in dieser Zeit des schrecklichen Unglücks

wie man die Stiche der Schlangen erträgt

die Qualen des Schilfs des Wassers

aus dem Strom von Tuonela


Alte Mutter die mich geboren hat

die mich von meiner Kindheit an erzogen hat

lerne ich bitte dich wo ich verweile

wo leider dein Sohn lügt

wo dein rücksichtsloser Held leidet

Komm ich bitte dich treue Mutter

komm du schnell du wirst gebraucht

komm befreie mich von der Folter

von den Todeskiefern von Tuoni

von dem heiligen Strom und dem Whirlpool


Nordlands alter und elender Hirte

Nasshut der verachtete Beschützer

der Herden von Sariola

wirft den sterbenden Lemminkäinen

wirft den Helden der Inseln

in Tuonelas Fluss

in den schwärzesten Strom des Todeslandes

in den schlimmsten tödlichen Strudel

Lemminkäinen wild und gewagt

hilflos fällt er auf das Wasser

schwebt die kohlschwarze Strömung hinunter

durch den Katarakt und die Stromschnellen

zu den Gräbern von Tuonela


Dort schneidet der blutbefleckte Sohn des Todeslandes

dort Tuonis Sohn und Held

Lemminkäinen in Stücke

hackt ihn mit seinem mächtigen Beil

bis die geschärfte Axt Feuersteinfunken

von den Felsen in seiner Kammer schlägt

zerhackt den Helden in Fragmente

in fünf ungleiche Teile

wirft jeden Teil zu Tuoni

in Manalas unterstem Königreich

und spricht diese Worte wenn er geendet hat

Schwimm dort wilder Lemminkäinen

fließe weiter in diesem Fluss

jage für immer in diesen Gewässern

mit deiner Armbrust und deinem Pfeil

schieße den Schwan in diesem Reich

schieße unsere Wasservögel willkommen

So stirbt der Held Lemminkäinen

so stirbt der hübsche Kaukomieli

der unermüdliche Verehrer

im Fluss Tuoni im Todesreich Manala




FÜNFTER GESANG


Lemminkäinens gealterte Mutter

in Angst streift über die Inseln

ängstliche Wunder in ihren Gemächern

was das Schicksal von Lemminkäinen

warum ihr Sohn so lange verweilt hat

denkt dass ihrem Helden

in Pohjola etwas Krankes passiert ist

Traurig in der Tat die Qual der Mutter

Wie vergebens wartet sie auf sein Kommen

wie vergebens stellt sie die Frage

wo ihr gewagter Sohn umherstreift

ob zum Tannenberg

ob zum fernen Heideland

oder auf dem Breitseekämme

auf den Fluten und rollenden Gewässern

zu den kämpfenden Armeen des Krieges

zu der Hitze und dem Lärm der Schlacht

durchtränkt von Blut tapferer Helden

Hinweise auf tödliche Kriegsführung


Täglich schaut sich die Frau Kyllikki

in ihrer leer stehenden Kammer um

im Haus von Lemminkäinen

am Hof von Kaukomieli

schaut auf den Abend schaut auf den Morgen

schaut vielleicht auf seine Haarbürste

sieht – leider – die Blutstropfen

die aus den goldenen Borsten sickerten

und die Blutstropfen waren scharlachrot


Dann sprach die schöne Frau Kyllikki

diese Worte in tiefer Angst

Tot oder verwundet ist mein Ehemann

oder bestenfalls voller Ärger

vielleicht verloren in den Wäldern von Nordland

in einem Tal das Helden unbekannt ist

da leider das Blut aus der Bürste

von Lemminkäinen zu fließen scheint –

rote Tropfen aus den Borsten


Daraufhin schaut die besorgte Mutter

auf die blutende Haarbürste

und beginnt dieses Wehklagen

Wehe mir mein Leben ist hart

wehe mir alle Freude ist vergangen

Leider Mein Sohn und Held

tapferer Held der Inseln

Sohn der Not und des Unglücks

Ein trauriges Schicksal hat

mein unglückliches Lemminkäinen überholt

Blut fließt aus seiner Haarbürste

sickert aus ihren goldenen Borsten

und die Tropfen sind scharlachrot


Schnell umklammert sie den Saum ihres Gewandes

auf ihren Arm wirft sie ihre langen Roben

fliegt flott auf ihrer Reise

mit ihrer Kraft eilt sie nach Norden

Berge zittern aus ihren Fußstapfen

Täler erheben sich und Höhen werden gesenkt

Hochland wird bald zu Tiefland

alle Hügel und Täler werden geebnet

Bald gewinnt sie das Dorf Nordland

und fragt schnell nach ihrem Helden

Dies sind die Worte die die Mutter sagt

O du Gastgeberin von Pohjola

wo hast du mein Lemminkäinen?

Erzähl mir von meinem Sohn und Helden


Louhi die Gastgeberin des Nordlandes

gibt der Mutter diese Antwort

Ich weiß nichts über deinen Helden

über den Helden der Inseln

Wo dein Sohn sein mag weiß ich nicht

ich kann die Informationen nicht verleihen

Sobald ich deinem Sohn einen Renner gab

hängte den Renner an seinen Schneeschlitten –

dies ist das letzte von Lemminkäinen

möge ertrunken sein in Wuhne

gefroren im eisigen Ozean

gefallene Beute von Wölfen im Hunger

in einer Bärenhöhle möglicherweise umgekommen


Lemminkäinens Mutter antwortet

Du sprichst nur Unwahrheiten

NordlandWölfe können uns nicht verschlingen

noch töten die Bären Kaukomieli

er kann die Wölfe von Pohya

mit den Fingern seiner linken Hand töten

Bären von Nordland würde er

mit der Magie seines Gesangs zum Schweigen bringen


Gastgeberin von Pohjola sag mir

wohin du meinen Helden geschickt hast

ich werde deine vielen Sammler platzen lassen

werde den magischen Sampo zerstören

wenn du mir nicht wirklich sagst

wo ich mein Lemminkäinen finden kann


Die Gastgeberin von Pohjola sprach

Ich habe deinen Helden gut behandelt nun

mein Hof hat ihn unterhalten

ihm meine seltensten Lebensmittel gegeben

ihn an meinen gut gefüllten Tischen gefüttert

ihn in ein Kupferboot gesetzt

um so zu schwimmen stromab –

dies ist das letzte von Lemminkäinen

kann nicht sagen wohin er gewandert ist

ob im Schaum des Wassers

ob im kochenden Strom

ob im ertrinkenden Whirlpool


Lemminkäinens Mutter antwortet

Du sprichst wieder falsch

sag mir jetzt die Wahrheit ich bitte dich

mach Schluss mit deiner Täuschung

Wo ist jetzt mein Lemminkäinen?

Wohin hast du meinen Helden geschickt

den jungen und gewagten Sohn Kalews?

Wenn du ein drittes Mal täuschst

werde ich dir Seuchen senden nicht nummeriert

ich werde dir gefallene Zerstörung senden

der sichere Tod wird dich überholen


Sprach die Gastgeberin von Pohjola

Dies ist das dritte Mal dass ich antworte

Dies ist die Wahrheit die ich dir sage

Ich habe den KalewHelden

zu den HisiFeldern und Wäldern geschickt

um dort die Elche von Lempo zu jagen

Schickte ihn dann um das Feuerpferd zu fangen

fange den feuerlöschenden Hengst

auf den fernen Ebenen von Juutas

im Reich der grausamen Hisi

Dann sandte ich ihn zum Todesstrom

im Königreich Tuoni

mit seinem Bogen und nur einem Pfeil

um den Schwan als Mitgift

für meine beste und schönste Tochter zu erschießen

habe nichts von deinem Helden gehört

seit er nach Tuonela gegangen ist

möge das Elend gefallen sein

mag in Manala umgekommen sein

ist nicht gekommen um meine Tochter zu fragen

ist nicht gekommen um das Mädchen zu umwerben

seit er gegangen ist um den Todesschwan zu jagen


Jetzt sucht die Mutter ihren Verlorenen

für ihren Sohn weint und zittert sie

wie der Wolf springt sie durch Moorlandschaften

wie der Bär durch Walddickicht

wie das Wildschwein durch die Sümpfe

wie der Hase entlang der Meeresküste

zum Meeresspiegel wie der Igel

wie die Wildente das Wasser schwimmt

wirft den Müll von ihrem Weg

tritt mit Füßen gegen das Buschholz

hält auf ihrer Reise vor nichts

sucht lange nach ihrem Helden

sucht und sucht und findet ihn nicht


Jetzt ist sie die die Bäume die Frage stellt

und der Wald gibt diese Antwort

Wir haben Kümmern schon genug

denken nicht über deine Sache

grausame Schicksale haben wir im Kampf

pitiful unser eigenes Unglück

Wir sind gefällt und in Stücke gehackt

cut in Blöcke für Heldenfantasie

wir werden als Treibstoff verbrannt

niemand kümmert sich darum wie sehr wir leiden


Jetzt wandert die Mutter wieder

sucht wieder ihren längst verlorenen Helden

sucht und sucht und findet ihn nicht

Wege entstehen und kommen ihr entgegen

und sie hinterfragt so die Wege

Wege der Hoffnung die Gott geschaffen hat

habt ihr meine Lemminkäinen gesehen

ist mein Sohn und goldener Held

durch eure vielen Königreiche gereist?


Traurig die vielen Wege antworten

Wir selbst haben genügend Sorgen

können deinen Sohn und Helden nicht beobachten

elend sind die Leben der Wege

tief in der Tat unser eigenes Unglück

wir werden von den Rotwild

von den Wölfen und Bären betreten und Rehböcken

angetrieben von schweren Karrenrädern

durch die Füße von Hunden getreten werden

unter Füßen von Helden getreten Fußwege

für kämpfende Armeen


Sucht wieder die verzweifelte Mutter

sucht ihren längst verlorenen Sohn und Helden

sucht und sucht und findet ihn nicht

findet den Mond in seiner Bahn

fordert den Mond in flehenden Maßnahmen

Golden Moon der Gott stationiert hat

in dem Himmel der Sonne Begleiter

sich hat mein Kaukomieli gesehen

hat sich mein silberner Apfel gesehen

überall in deinen Herrschaften?


So der goldene Mond antwortet

Ich habe Probleme genug

kann deinen gewagten Helden nicht beobachten

Lange die Reise die ich reisen muss

Traurig dass mir das Schicksal widerfahren ist

Mitleidig mein eigenes Unglück

Ganz allein die Nächte um zu wandern

leuchten Sie allein ohne Aufschub

im Winter immer zuschauen

im Sommer sinken und umkommen


Noch immer sucht und wandert die Mutter

sucht und findet ihren Helden nicht

sieht die Sonne am Horizont

und die Mutter fleht ihn so an

Silberne Sonne die Gott geschaffen hat

du der Wärme und Trost gibt

hast du kürzlich meinen Helden gesehen

hast du meine Lemminkäinen gesehen

die in deinen Herrschaften umherwanderten?


So antwortet die Sonne in Güte

Wahrlich dein Held ist umgekommen

um ein Opfer undankbar zu machen

Lemminkäinen starb und verschwand

in Tuonis tödlichem Fluss

in den Gewässern von Manala

in dem heiligen Strom und Whirlpool

in den Katarakten und Stromschnellen

versank in der ertrinkenden Strömung

in das Reich von Tuonela

in die unteren Regionen von Manala


Lemminkäinens Mutter weint

jammert in den Tiefen der Angst

trauert um das Schicksal von Kaukomieli

hasst zur Schmiede in Nordland

zur Schmiede von Ilmarinen

das sind die Worte die die Mutter sagt

Ilmarinen Metallkünstler

du der du vor langer Zeit geschmiedet hast

schmiede Erde eine konkave Hülle

gestern war es ein Wunder

schmiede du jetzt unsterblicher Schmied

schmiede einen Rechen mit Kupferschaft

schmiede die Zähne aus stärkstem Metall

Zähne in der Länge hundert Faden

und fünfhundert lang den Griff


Ilmarinen tut wie verboten

macht den Rechen in voller Perfektion

Lemminkäinens besorgte Mutter

nimmt den magischen Rechen und eilt

zum Fluss Tuoni und betet

zur Sonne wie folgt

Du oh Sonne von Gott erschaffen

du der du auf deinen Schöpfer strahlst

strahle für mich in der Hitze der Magie

gib mir Wärme und Stärke und Mut

strahle ein drittes Mal voller Kraft

lulle um das böse Volk zu schlafen

still das Volk von Manala

beruhige das ganze Tuoni-Reich


Daraufhin fliegt die Sonne von Ukko

das liebste Kind des Schöpfers

durch die Haine von Nordland

sitzt auf einer geschwungenen Birke

leuchtet ein wenig in Begeisterung

leuchtet wieder in größerem Eifer

leuchtet ein drittes Mal voller Kraft

lullt zu Schlafen sie die bösen Menschen

in der Heimat und im Königreich Manala

immer noch die Helden mit ihren Breitschwertern

lässt die Lanzenträger stehen und wackeln

Stillt den stärksten der Speermänner

stillt Tuonis schreckliches Reich

Jetzt zieht sich die Sonne magisch zurück

schwebt hier und da einen Moment

über Tuonis unglücklichen Schläfern

eilt nach oben zu seiner Station

zu seiner Heimat und seinem Königreich in Jumala


Lemminkäinens treue Mutter

nimmt den Rechen von magischen Metallen

harkt den Grund des TuoniFlusses

harkt den Katarakt und den Whirlpool

harkt den schnellen und kochenden Strom

des heiligen Stroms des Todeslandes

in der Heimat und im Königreich Manala

Harkt sucht lange nach ihrem längst verlorenen Helden

und findet nichts

Jetzt watet sie den Fluss tiefer

bis zu ihrem Gürtel in Schlamm und Wasser

tiefer tiefer harkt den Todesstrom

harkt die tiefsten Höhlen des Flusses

harkt die Strömung auf und ab

bis sie endlich seine Tunika findet schwerherzig

findet seine Jacke

harkt wieder und harkt unaufhörlich

findet die Schuhe und Strümpfe des Helden

sehr beunruhigt findet diese Stützen

jetzt watet sie den Fluss tiefer

harkt die ManalaUntiefen und Untiefen

harkt die Tiefen in jedem Winkel

als sie den Rechen zum dritten Mal

von den Ufern und Gewässern der Tuoni zieht

findet sie im Rechen den Körper

ihres längst verlorenen Lemminkäinen

in den Metallzähnen verwickelt

im Rechen mit Kupfergriff


So wurde der rücksichtslose Lemminkäinen

also der Sohn von Kalevala

vom Grund des Sees und des Flusses Manala geborgen

Es fehlten viele Fragmente

der halbe Kopf eine Hand ein Vorderarm

viele andere kleinere Teile

vor allem das Leben fehlte

Dann sprach die Mutter gut nachdenklich

diese Worte in bitterem Weinen

Aus diesen Fragmenten werde ich

mit meiner Magie meinen Helden zum Leben erwecken


Als der Rabe dies hörte antwortete er

sprach der Mutter diese Maßnahmen

In diesen ist kein Held

du kannst diese Fragmente nicht wiederbeleben

Aale haben sich von seinem Körper ernährt

auf seinen Augen haben sich der Wittling ernährt

wirf die Toten auf die Wasser

auf den Bächen von Tuonela

lass ihn dort ein Walross

oder ein Seehund oder ein Wal 

oder ein Schweinswal werden


Lemminkäinens Mutter

wirft die Toten nicht auf das Wasser

auf den Bächen von Tuonela

sie beginnt wieder mit Hoffnung und Mut

harkt den Fluss in Längsrichtung quer

durch die ManalaTeiche und Höhlen

harkt den halben Kopf einen Vorderarm

findet eine Hand und die Hälfte des Rückgrats

viele andere kleinere Teile

formt ihren Sohn aus allen Fragmenten

formt ihres Lemminkäinen neu

Fleisch zu Fleisch mit Geschick das sie platziert

gibt den Knochen ihre richtigen Stationen

bindet ein Mitglied an das andere

verbindet die Enden abgetrennter Gefäße

zählt die Fäden aller Venolen

strickt die Teile in Apposition

dann bietet die Mutter dieses Gebet an


Suonetar du schlanke Jungfrau

Göttin der Adern der Helden

geschickte Spinnerin der Gefäße

mit deiner schlanken silbernen Spindel

mit deinem Spinnrad aus Kupfer

in Rahmen aus geschmolzenem Silber gesetzt

komm her du wirst gebraucht

bringen Sie die Instrumente zum Ausbessern

stricken Sie die Venen fest zusammen

am Ende verbinden Sie die Venolen gut

in den Wunden die noch offen sind

in den verletzten Gliedern


Sollte diese Hilfe ineffizient sein

es lebt im Äther

in einem mit Silber angereicherten Boot

in einem Kupferboot eine Jungfrau

die dir Hilfe bringen kann

Komm oh Jungfrau aus dem Äther

Jungfrau aus dem Gürtel des Himmels

reihe in diesen Adern o Jungfrau

reihe durch alle diese leblosen Mitglieder

durch die Kanäle der langen Knochen

reihe um jede Form von Gewebe

stellen Sie die Gefäße auf ihren Plätzen

lay das Herz in der richtigen Position

nehmen Sie die Impulse schlagen Sie zusammen

verbinden Sie die kleinste der Venen

und vereinigen Sie mit Geschick die Sehnen

Nehmen Sie jetzt eine schlanke Nadel

Seidenfaden in seiner Öse

die silberne Nadel vorsichtig auftragen

die Wunden sorgfältig zusammennähen


Sollte diese Hilfe ineffizient sein

du o Gott der alles weiß

komm und gib uns deine Hilfe

nutze deinen flottesten Rennfahrer

rufe um deinem stärksten Rennfahrer zu helfen

Komm in deinem scharlachroten Schlitten schnell

fahren Sie durch alle Knochen und Kanäle

fahren Sie durch diese leblosen Gewebe

fahren Sie Ihren Courser durch jedes Gefäß

binden Sie Fleisch und Knochen sicher

in die Gelenke legen Sie feinstes Silber

reinstes Gold in alle Risse


Wo die Haut aufgebrochen ist

wo die Venen auseinandergerissen sind

bessere diese Verletzungen mit Magie

wo das Blut den Körper verlassen hat

gibt es reichlich neuen Blutfluss

wo die Knochen grob gebrochen sind

setze die Teile in voller Vollkommenheit

wo das Fleisch gequetscht und gelockert ist

berühre die Wunden mit magischem Balsam

lass keinen Teil unvollkommen

Knochen und Vene und Nerv und Sehne

Herz und Gehirn und Drüse und Gefäß

Heile wie du allein heilen kannst


Dies sind die Mittel die die Mutter benutzt

so schließt sie sich den leblosen Mitgliedern an

so heilt sie die todesähnlichen Gewebe

so stellt ihr Sohn und Held

sein früheres Leben und Gleichnis wieder her

Alle seine Adern sind miteinander verbunden

alle ihre Enden sind fest verbunden

alle Teile in der Apposition

das Leben kehrt zurück aber die Sprache fehlt

taub und stumm und blind und sinnlos

Jetzt spricht die Mutter wie folgt

Wo kann ich den Balsam beschaffen

wo die Tropfen magischen Honigs

um meinen Sohn und Helden zu salben

um so meine Lemminkäinen zu heilen

damit sein Monat wieder beginnt

möge wieder sein Gesang beginnen

wieder sprechen in Worten des Staunens

wieder seine Beschwörungsformeln singen?


Kleine Biene du Honigvogel

Herr aller Waldblumen

flieg weg und sammle Honig

bring mir die Waldsüße

gefunden in Metsolas reichen Gärten

und in Tapios duftenden Wiesen

aus den Blütenblättern der Blumen

aus den blühenden Kräuter und Gräser

so um die Qual meines Helden zu heilen

so um seine Wunden des Bösen zu heilen


Daraufhin fliegt der Honigvogel

auf Flügeln der Schnelligkeit weg

in Metsolas reiche Gärten

in Tapios Blumenwiesen

sammelt Süße von den Wiesen

destilliert mit der Zunge den Honig

aus den Tassen mit sieben Blumen

aus der Blüte unzähliger Gräser

schnell von Metsola zurückkehrend

fliegend summend vorwärts schießend

mit seinen Winglets honigbeladen

mit dem Vorrat an süßesten Gerüchen

zur Mutter bringt er den Balsam

Lemminkäinens besorgte Mutter

nimmt den Balsam der magischen Tugenden

und salbt den verletzten Helden

heilt seine Wunden und beruhigt seine Angst

aber der Balsam ist ineffizient

denn ihr Sohn ist taub und sprachlos


Dann spricht die Mutter wieder

Kleine Biene mein Honigvogel

flieg weg in eine Richtung

flieg über die sieben Ozeane

im achten eine magische Insel

wo der Honig verzaubert ist

zu den fernen TuriSchlössern

zu den Kammern von Palwoinen

dort ist der Honig wirksam

dort der wundertätige Balsam

Dies kann den verwundeten Helden heilen

bring mir diese magische Salbe

damit ich seine Augenlider salben kann

kann seine verletzten Sinne wiederherstellen


Daraufhin flog der Honigvogel

über sieben Ozeane

zur alten verzauberten Insel

fliegt eines Tages und dann eines zweiten

auf dem Grün setzt sich nicht ab

ruht nicht auf den Blumen

fliegt einen dritten Tag flott weiter

bis ihn ein dritter Tag abends

auf die Insel im Ozean bringt

auf die Wiesen die reich an Honig sind

auf den Katarakt und den Feuerfluss

auf den heiligen Strom und den Whirlpool


Dort bereitete sich der Honig vor

dort destillierte der magische Balsam

in den winzigen irdenen Gefäßen

in den brünierten Kupferkesseln

kleiner als der Fingerhut eines Mädchens

kleiner als die Fingerspitzen

Treu sammelt das beschäftigte Insekt

den verzauberten Honig

aus den magischen TuriCuplets

in den Kammern von Palwoinen


Die Zeit war nur wenig vergangen

bevor die Biene laut summte

fliegend flott honigbeladen

in seinen Armen befanden sich sieben Gefäße

sieben die Gefäße auf jeder Schulter

alle waren mit Honigbalsam gefüllt

mit dem Balsam magischer Tugenden


Lemminkäinens unermüdliche Mutter

salbt schnell ihren sprachlosen Helden

mit dem magischen TuriBalsam

mit dem Balsam von sieben Tugenden

neun Mal wenn sie ihn

mit dem Honig von Palwoinen salbt

mit dem wundertätigen Balsam

aber der Balsam ist ineffizient

denn der Held ist immer noch sprachlos

Dann spricht die Mutter wieder

Honigbiene du Äthervogel

flieg ein drittes Mal auf deiner Reise

flieg weg zum hohen Jumala

flieg du zum siebten Himmel

Schatz dort wirst du reichlich

Balsam des höchsten Tugend finden

nur vom Schöpfer benutzt

nur aus dem Atem von Ukko gemacht

Gott salbt seine treuen Kinder

mit dem Honig seiner Weisheit

wenn sie die Schmerzen der Trauer spüren

wenn sie den Mächten des Bösen begegnen

Tauche deine Winglets in diesen Honig

tränke dein Gefieder in seiner Süße

hierher bringe den alles ausreichenden

Balsam des großen Schöpfers

dies wird immer noch die Qual meines Helden sein

dies wird seine verwundeten Gewebe heilen

dies wird seine lange verlorene Vision wiederherstellen

Die Hügel von Nordland werden

mit der Magie seines Gesangs wiedergegeben

mit seiner wunderbaren Verzauberung


So antwortete die Honigbiene

Ich kann niemals in den Himmel fliegen

in den siebten Himmel

in die ferne Heimat von Ukko

mit diesen Flügeln von geringer Tugend


Lemminkäinens Mutter antwortete

Du kannst sicher in den Himmel fliegen

zum siebten Himmel

über den Mond unter dem Sonnenschein

durch das trübe und ferne Sternenlicht

Am ersten Tag wenn du nach oben fliegst

wirst du in der Nähe des Mondes eintauchen Himmel

fächere die Stirn von Kootamoinen auf

am zweiten kannst du dich

auf den Schultern von Otava ausruhen

am dritten Tag höher fliegend

ruhe auf den sieben Sternchen

auf den Köpfen von Hetewanè

Kurz die Reise die dir übrig bleibt

unbeträchtlich die Entfernung

zur Heimat des mächtigen Ukko

zu den Wohnungen der Seligen


Daraufhin erhebt sich die Biene

die von der Erde schnell nach oben fliegt

eilt mit anmutiger Bewegung weiter

durch ihre winzigen Flügel die himmlisch getragen werden

auf den Pfaden goldener Mondstrahlen

berührt die hellen Grenzen des Mondes

fächert die Stirn von Kootamoinen

ruht auf Otavas Schultern

hastet zu den sieben Sternchen

zu den Köpfen von Hetewanè

fliegt zum Schloss des Schöpfers

zu der Heimat des großzügigen Ukko

findet das Heilmittel vorbereiten

findet den Balsam des Lebens destillieren

in den silberfarbenen Kesseln

in den reinsten goldenen Kesseln

auf der einen Seite herzberuhigender Honig

auf der zweiten Seite Balsam der Freude

auf der dritten Seite lebensspendender Balsam

Hier wählt die magische Biene

den süßen lebensspendenden Balsam aus

sammelt auch herzzerreißenden Honig

schwer beladen eilt nach Hause


Die Zeit war ein Stück weit gereist

bevor die beschäftigte Biene summend

zu der ängstlichen Mutter kam die wartete

In seinen Armen hundert Becher

und tausend andere Gefäße

gefüllt mit Honig gefüllt mit Balsam

gefüllt mit dem Balsam des Schöpfers


Lemminkäinens Mutter

nimmt sie schnell auf die Zunge und testet sie

findet einen Balsam der völlig ausreicht

Dann sprach die Mutter wie folgt

Ich habe den lang ersehnten Balsam gefunden

das Heilmittel von Ukko gefunden

wo mit Gott sein Volk salbt

ihnen Leben und Glauben und Weisheit gibt

ihre Wunden heilt und ihre Qual stillt

macht dass sie stark gegen Versuchungen sind

und schützen sie vor den Übeltätern


Nun gut die Mutter salbt

heilt ihren Sohn den Zaubersänger

Augen und Ohren und Zunge und Tempel

bricht und schneidet und näht salbt

berührt und die Lebensblutzentren

spricht diese Worte von Magie Import

to der schlafende Lemminkäinen

Wach auf erhebe dich aus deinem Schlaf

aus den schlimmsten Bedingungen

aus deinem Zustand des schrecklichen Unglücks


Langsam weckt der Sohn und Held

erhebt sich aus den Tiefen des Schlummers

spricht wieder in magischen Akzenten

dies sind die ersten Worte des Sängers

Lange habe ich tatsächlich geschlafen

lange unbewusst von Existenz

aber mein Schlaf war voller Süße

Süße den Schlaf in Tuonela

wisse weder Freude noch Trauer


Dies ist die Antwort seiner Mutter

Längere noch ich habe schlummert

wäre es nicht für mich deine Mutter

Sag mir nun mein geliebter Sohn

mir sagen dass ich dich gut hören kann

Wer hat mich zu Manala gelockt

zum Fluss von Tuoni

zum tödlichen Strom und Whirlpool?


Dann gab der Held Lemminkäinen

seiner Mutter diese Antwort

Nasshut der heruntergekommene Hirte

der Herden von Sariola

blind und halt und arm und elend

und dem ich einen Gefallen getan habe

aus dem Schlummerland von Neid

sandte Nasshut mich nach Manala

zum Fluss Tuoni

sandte eine Schlange aus dem Wasser

sandte einen Addierer aus dem Todesstrom

durch das Herz von Lemminkäinen

Ich erkannte die Schlange nicht

konnte die Schlangensprache nicht sprechen

tat nicht kennen den Stich der Addierer


Sprach noch einmal die alte Mutter

O du Sohn kleiner Einsicht

sinnloser Held Narrenmagier

du hast dich zwischen deiner Magie gerühmt

um die weisen Zauberer zu verzaubern

An den düsteren Ufern Lapplands

hast du gedacht Helden

von den Grenzen Pohyolas zu verbannen

Wusstest nicht den Stich der Schlangen

kannstest nicht das Schilf des Wassers

noch den magischen Wortschützer

Lerne den Ursprung der Schlangen

woher das Gift des Addierers stammt


In den Fluten wurde die Schlange geboren

aus dem Mark der grauen Ente

aus dem Gehirn der Meeresschwalben

Suoyatar hatte Speichel gemacht

warf ihn auf die Wellen des Ozeans

Strömungen trieben ihn nach außen weiter

leuchtete sanft die Sonne darauf

durch Winde sanft geschaukelt

sanft durch Wind und Wasser gesäugt

von den Wellen wurde landeinwärts getrieben

gelandet von den wogenden Wellen

So die Schlange was von Übel

füllend die ganze Welt mit Mühe

in dem erstellt wurde Wasser

geboren aus Suoyatar seinem Schöpfer


Dann wiegte die Mutter des Helden

ihren Sohn um sich auszuruhen und zu trösten

wiegte ihn zu seinem früheren Wesen

zu seinem früheren Leben und Geist

zu größeren magischen Kräften

klüger schöner als je zuvor

wuchs der Held der Inseln

Aber sein Herz war voller Schwierigkeiten

und seine Mutter immer wachsam

fragte nach der Ursache seiner Niedergeschlagenheit

Dies ist Lemminkäinens Antwort

Dies ist die Ursache all meiner Trauer

In die Ferne wandert mein Herz

alle meine Gedanken wandern für immer

zu den blühenden Jungfrauen des Nordlands

zu den Mädchen der geflochtenen Locken

Nordlands hässliche Gastgeberin Louhi

wird mir ihre Tochter nicht geben

die schönste Jungfrau von Pohjola

bis ich den Schwan des Manas töte

mit meinem Bogen und nur einem Pfeil

im Fluss von Tuoni


Lemminkäinens Mutter antwortet

im heiligen Strom und im Whirlpool

Lassen Sie den Schwan in Sicherheit weiter schwimmen

geben Sie dem Wasservogel seine Freiheit

im Fluss von Manala

im Strudel von Tuoni

lassen Sie die Jungfrau im Nordland

mit ihrem Charme und ihrer verblassenden Schönheit

mit ihrer liebevollen und treuen Mutter

Geh auf einmal nach Kalevala

zu deinen nativen Feldern und Brachen

rühme deinen Vermögen alles ausreichend

lob vor allem deinen Schöpfer

Ukko gab dir Hilfe wenn nötig

wärst du von deinem Schöpfer gerettet

von deinem langen und hoffnungslosen Schlummer

in den Gewässern von Tuoni

in den Kammern von Manala

Ich konnte dich ohne Hilfe nicht retten

konnte nicht die geringste Hilfe geben

Gott allein der allwissende Ukko

der erste und letzte der Schöpfer

kann die Toten und Sterbenden wiederbeleben

kann sein würdiges Volk

vor den Gewässern von Manala schützen

aus dem tödlichen Strom und Whirlpool

im Königreich Tuoni


Lemminkäinen erfüllt von Weisheit

mit seiner liebevollen und treuen Mutter

beeilte sich sofort auf seiner Reise

zu seiner fernen Heimat und Verwandtschaft

zu den WäinöläFeldern und Wiesen

zu den Ebenen von Kalevala


*


Hier verlasse ich mein Kaukomieli

verlasse meinen Helden Lemminkäinen

lange lasse ich ihn von meinem Gesang ab

wende mein Lied anderen Helden zu

sende es auf andere Wege

singe eine andere goldene Legende





ZWEITER TEIL

KULLERVO



ERSTER GESANG


In der Antike schlüpfte eine Mutter 

Und zog einige Schwäne und Hühner auf

Platzierte die Hühner im Reisig

Platzierte ihre Schwäne auf dem Fluss

Kam ein Adler ein Falke und ein Milan

Zerstreute alle ihre Schwäne und Hühner

Einer wurde nach Karyala gebracht

Und ein zweiter nach Estland

Ein dritter in Pohya war zu Hause

Und der nach Estland gebracht wurde 

Wurde bald ein blühender Kaufmann

Der nach Karyala reiste 

Blühte und hieß Kalervo

Der sich in Pohya versteckte

Nahm den Namen Untamoinen an 

Blühte zum Leid seines Vaters auf

Zum Herzschmerz seiner Mutter


Untamoinen legte seine Fischnetze

In die Gewässer von Kalervo

Kullerwoinen sieht die Fischnetze

Nimmt den Fisch in seinem Korb mit nach Hause

Dann wurde Untamo böse gesinnt 

Ärgerlich und seufzte vor Rache

Ergriff seine Finger für den Kampf

Entblößte seine mächtigen Arme für den Kampf

Für den Diebstahl seines Lachses

Für den Raub seiner Fischnetze

Lange kämpften sie heftigen Kampf

Keiner konnte den Sieg beweisen

Sollte einer den anderen heftig schlagen 

Wurde er selbst heftig geschlagen


Dann trat ein zweites Problem auf

Am zweiten und dritten Tag 

Säte Kalerwoinen in der Nähe 

Der Scheunen von Untamoinen etwas Gerste 

Untamoinens Schafe im Hunger

Aßen die Ernte von Kullerwoinen;

Kullerwoinens Hund in Bosheit

Riss Untamos Schafe in Stücke

Dann drohte Untamo schmerzlich

Das Volk seines Bruders Kalerwoinen

Zu vernichten sein Stammesvolk auszurotten

Die Jungen und Alten zu vernichten

Seine Rasse und sein Königreich auszurotten

Beschwört Männer mit umgürteten Breitschwertern

Für den Krieg gestaltet er Helden

Modejugend mit angepassten Speeren 

Tragen Äxte auf ihren Schultern

Er beschwört so eine mächtige Armee

Beeilt sich eine Schlacht zu beginnen

Beginnt einen Krieg gegen seinen Bruder


Kalerwoinens Frau in Schönheit

Saß neben ihrem Kammerfenster und schaute

Die Hochstraße entlang 

Er sprach diese Worte verwundert

Sehe ich Rauch aufsteigen 

Oder vielleicht eine schwere Sturmwolke

Nahe der Waldgrenze

Nahe dem Ende der Prärie


Es war kein Rauch

Noch eine schwere Sturmwolke

Es waren Untamoinens Soldaten

Die zum Ort der Schlacht marschierten

Krieger von Untamoinen

Kamen mit Speeren und Pfeilen ausgerüstet

Töteten das Volk von Kalervo

Töteten seinen Stamm und alle seine Verwandten

Verbrannten viele Wohnungen zu Asche

Richteten viele Höfe und Hütten hin

Nur ließen Kalervos Tochter übrig

Mit ihrem ungeborenen Kind 

Überlebende der Schlacht von Untamo

Und sie führte die feindliche Armee

Zu den Hallen und der Villa ihres Vaters

Fegte die Räume und machte sie fröhlich

Gab den Helden häusliche Aufmerksamkeit


Die Zeit war nur wenig vergangen

Ehe ein Junge in Magie geboren wurde

Von der Jungfrau Untamala

Von einer Mutter die voller Probleme war

Ihm dem Mann namens Kullervo

Perle des Kampfes sagte Untamo

Dann legten sie das Kind des Staunens

Vaterlos das magische Kind

In die Wiege der Aufmerksamkeit

Um geschaukelt und gefüttert zu werden

Aber er wiegte sich vor Vergnügen

Bis seine Locken standen

Bewegte sich ein Tag und dann einen zweiten

Den dritten von morgens bis mittags

Aber bevor der dritte Tag zu Ende ging 

Tritt der Junge mit magischer Kraft

Vorwärts rückwärts aufwärts abwärts 

Tritt in Wunder der Macht auf

Voller Macht platzen seine Windeln

Unter seinen Decken hervor

Klopfen seine Wiege in Fragmente

Tränen zerreißen all seine Kleidung

Es schien dass er ein Held werden würde

Und seine Mutter Untamala dachte 

Das wäre wenn er in voller Statur wäre

Wenn er fand seine Stärke und Vernunft

Würde ein großer Magier werden

Erster unter tausend Helden


Drei Monate nachdem der Junge gediehen war

Begann er wie folgt zu sprechen

Wenn meine Gestalt in voller Statur ist

Wenn diese Arme stark und robust werden

Dann werde ich den Mord 

An Kalervo und seinem Volk rächen


Untamoinen trägt das Sprichwort

Spricht diese Worte über ihn

Meinem Stamm bringt er Zerstörung

In ihm wächst ein neuer Kalervo heran


Dann überlegten die Helden gut

Und die Frauen gaben ihren Rat

Wie man das magische Kind tötet 

Damit ihr Stamm in Sicherheit lebt

Es schien als würde der Junge gedeihen

Schließlich stimmten sie alle zu

Er wurde in einen Korb gelegt

Und mit fest befestigten Weiden

In das Schilf und die Binsen gebracht

In das tiefste Wasser gesenkt

In seinem Korb um dort zu sterben


Als drei Nächte vergangen waren 

Wollten die Gesandten von Untamoinen sehen 

Ob er in seinem Korb im Wasser umgekommen war

Aber das Wunderkind lebte

Er war nicht in der Eile umgekommen

Er hatte seinen Weidenkorb verlassen

Saß triumphierend auf einer Woge

In seiner Hand ein Kupferstab

Auf dem Stab eine goldene Fischschnur

Nach dem silbernen Wittling fischend 

Die Tiefen unter ihm messend

Im Meer war wenig Wasser

Kaum würde es drei Maß füllen


Untamoinen überlegte dann

Dies ist die Sprache des Zauberers

Wohin sollen wir dieses Wunderkind bringen

Dieses Wunderkind des Bösen legen 

Damit die Zerstörung ihn überführt 

Wo der Junge sinken und umkommen wird


Dann befahl er seinen Boten

Getrocknete Reisigstangen

Birken mit ihren hundert Zweigen

Kiefern voller Pech und Harz zu sammeln 

Er befahl einen Scheiterhaufen zu bauen 

Damit der Junge eingeäschert werde

Damit Kullervo zugrunde gehe

Hoch stapelten sie die Zweige

Getrocknete Glieder von der heiligen Birke

Zweige von hundert Tannen

Knoten und Zweige voller Resignation

Gefüllt mit Rinde tausend Schlitten

Gewürzte Eiche hundert Maße

Das Reisig auf die Baumwipfel gestapelt

Den Jungen auf den Gipfel gesetzt 

Den Reisighaufen in Brand gesteckt

Einen Tag verbrannt und einen zweiten

Verbrannt den dritten von morgens bis abends


Untamo seine Herolde sandte

um den Scheiterhaufen zu inspizieren 

Um zu erfahren ob der junge Kullervo

Zu Staub und Asche verbrannt worden war

Dort sahen sie den Jungen

Auf einer Pyramide aus Glut sitzen

In seinen Banden ein Stab aus Kupfer 

Der Kohlen harkte in dem Feuer um ihn

Um seine Hitze und Kraft zu erhöhen

Kein Haar wurde verbrannt oder verletzt

Kein Ringelchen versengt oder geschrumpft


Dann wandte sich Untamo böse gelaunt 

An seine vertrauten Herolde

Wohin soll der Junge gebracht werden

An welchen Ort dieses böse Ding 

Damit die Zerstörung ihn überführt 

Damit der Junge sinkt und zugrunde geht


Dann hängten sie ihn an eine Eiche

Kreuzigten ihn in den Zweigen 

Damit der Zauberer dort umkam


Als drei Tage und Nächte zu Ende waren

Sprach Untamoinen wie folgt

Es ist Zeit meine Herolde zu schicken

Um die mächtige Eiche zu inspizieren 

Um dort zu erfahren ob der junge Kullervo

Zwischen den Zweigen lebt oder stirbt


Daraufhin sandte er seine Diener

und die Herolde brachten diese Botschaft

Der junge Kullervo ist nicht umgekommen

Ist nicht zwischen den Zweigen der Eiche gestorben 

An der wir ihn aufgehängt haben

In der Eiche macht er Bilder

Mit einem Zauberstab zwischen seinen Fingern

Bilder hängen an allen Zweigen

Geschnitzt und bemalt von Kullervo

Und die Helden dick wie Eicheln

Mit ihren Schwertern und Speeren 

Füllen die Zweige der Eiche

Jedes Blatt wird ein Soldat


Wer kann dem Grab helfen Untamo

Töte den Jungen der das Böse bedroht

Für Untamos Stamm und Land

Da er weder durch Wasser

Noch durch Feuer oder Kreuzigung sterben wird 

Schließlich wurde entschieden

Dass sein Körper unsterblich war

weder Tod noch Folter erleiden konnte


In Verzweiflung Untamoinen

So sprach den Jungen Kullervo an

Willst du ein Leben führen das immer wird

Ehre mein Volk immer

Soll ich dich in meiner Wohnung behalten

Solltest du die Pflicht eines Dieners behalten 

Dann wirst du deinen Lohn erhalten 

Und ernten was auch immer du säst

Du kannst den goldenen Gürtel tragen

Oder die Zunge der Kritik ertragen


Als der Junge ein wenig gewachsen war 

An Stärke und Statur zugenommen hatte

Wurde ihm ein Beruf gegeben

Er wurde dazu gebracht ein Kind zu pflegen 

Die Wiege des Kindes zu schaukeln

Dies sind die Worte von Untamoinen

Schau oft auf das kleine Kind füttere es gut 

Und hüte es vor Gefahren

Wasche seine Wäsche im Fluss

Gib dem Kind gute Aufmerksamkeit


Der junge Kullervo der böse Zauberer

Pflegt einen Tag dann einen zweiten

Am Morgen des dritten Tages

Gibt er dem Kind grausame Behandlung 

Macht seine Augen blind und bricht ihm die Finger

Und als sich abendliche Schatten sammeln

Tötet er das kleine Kind während es schlummert

Wirft seinen Körper ins Wasser

Zerbricht und verbrennt die Wiege des Kindes

Untamoinen überlegte also

Niemals wird dieser Kullervo fallen

Sei eine würdige Amme für Kinder

Kann ein Baby nicht in Sicherheit wiegen 

Ich weiß nicht wie ich ihn gebrauchen kann

Welche Beschäftigung kann ich ihm geben

Dann sagte er dem jungen Zauberer

Er müsse den stehenden Wald fällen 

Und Kullervo gab diese Antwort

Nur ein Held werde ich sein

Wenn ich das magische Beil trage

Ich bin jung und schön und mächtig

Viel schöner als andere

Habe die Fähigkeit von sechs Magiern


Daraufhin suchte er den Schmied auf

Dies war der Befehl von Kullervo

Hör zu du Metallkünstler

Schmiede für mich eine Axt aus Kupfer

Schmiede die mächtige Axt der Helden

Womit ich den Wald fällen kann

Die Birke und die Eiche und die Espe


Dies befiehlt der Schmied zu ehren 

Schmiedet ihm eine Axt aus Kupfer

Wunderbar die Klinge die er schmiedet

Kullerwoinen schärft sein Beil 

Schärft seine Klinge von morgens bis abends

Und macht am nächsten Tag den Griff

Dann eilt er zum Wald

Zum aufsteigenden Berg

Zur höchsten der Birken

Zu den mächtigsten Eichen

Dort schwingt er seine Axt aus Kupfer 

Schwingt seine Klinge mit magischer Kraft

Schneidet mit geschärfter Kante die Espe

Mit einem Schlag fällt er die Eiche

Mit einem zweiten Schlag die Linde

Viele Bäume sind schnell gefallen

Durch das Kriegsbeil von Kullervo

Dann sprach der Assistent wie folgt

Dies ist die richtige Arbeit von Lempo

Lass Diri-Hisi den Wald fällen


In der Birke versenkte er sein Beil

Aufruhr war in den Wäldern

In Tönen laut gerufen vom Donner

Pfiff zu den fernen Bergen

Bis sie zu seiner Berufung zurückkehrten

Als Kullervo wie folgt sprach

Möge der Wald im Kreis sein

Wo meine Stimme klingt 

Gefällt und zugrunde geht

In der Erde für immer verloren 

Möge kein Baum uneben bleiben

Mögen im Frühling keine Setzlinge wachsen

Niemals während das Mondlicht schimmert

Wo Kullervos Stimme widerhallt

Wo der Wald meine Berufung hört

Wo der Boden mit Samen gepflanzt wird

Und das Getreide wird sprießen und gedeihen

Möge es niemals zur Reife kommen

Mögen die Ähren gesprengt werden


Als der starke Mann Untamoinen

Am frühen Abend nachschaute

Wie Kullervo Fortschritte machte

In seiner Arbeit im Wald

Wenig war die geleistete Arbeit

War eines Mannes hier nicht würdig

Untamoinen dachte so

Der junge Kullervo ist nicht geeignet

Für die Arbeit der Waldrodung 

Verschwendet das Beste von allem Holz

In mein Land bringt er Zerstörung

Ich werde ihn Zäune bauen lassen


Dann begann die Jugend mit dem Bau

Eines Zauns für Untamoinen

Nahm die Stämme stattlicher Tannen

schnitt sie mit seiner Klinge für Zaunpfosten 

Schnitt die höchsten in den Wäldern

Für das Geländer seiner Zäune

Machte die kleineren Stangen und Querstangen

Aus der längsten der Linden

Machte den Zaun ohne Durchgang

Machte kein Geflecht in seinen Zäunen

Und Kullervo sprach über diese Maßnahmen

Wer sich nicht als Adler erhebt

Segelt nicht auf Flügeln durch den Äther

Kann Kullervos Schagbaum nicht überqueren

Noch die Zäune die er gebaut hat


Untamoinen verließ seine Villa

Um die Arbeiten des Jungen zu inspizieren

Sah sich die Zäune von Kullervo an

Sah den Zaun ohne Durchgang

Kein Geflecht in seinen Zäunen

Von der Erde erstreckte sich der Zaun 

Bis zu den höchsten Wolken des Himmels

Dies sind die Worte von Untamoinen

Für dieses Werk ist nicht geeignet

Nutzlos ist der so gebaute Zaun

Ist so hoch dass niemand ihn überqueren kann

Und es gibt keinen Durchgang durch ihn

Er soll Roggen und Gerste dreschen


Der junge Kullervo der sich schnell vorbereitete 

Er machte einen Eichen-Dreschflegel zum Dreschen

Drosch den Roggen zu feinstem Pulver

Drosch die Gerste in Atome

Und den Strohhalm in wertlose Fragmente


Untamoinen ging am Abend

Ging zu Kullervos Dreschplatz

Sah die Arbeit von Kullerwoinen

Gefunden wurde der Roggen zu Pulver gemahlen

Gerstenkörner zu Atomen zerkleinert

Und das Stroh zu wertlosem Müll


Untamoinen wurde dann wütend

Sprach diese Worte mit bitteren Akzenten

Kullerwoinen als Arbeiter

Ist ein elender Fehler

Was auch immer er berührt

Wird durch seine Hexerei ruiniert

Ich werde ihn in Estland ruinieren 

In Karyala werde ich ihn

An den Schmied Ilmarinen verkaufen

Um den schweren Hammer zu schwingen


Untamoinen verkauft Kullervo 

Tauscht ihn im fernen Karyala 

An den Schmied Ilmarinen

An den Meister der Metalle

Dies ist die Summe die als Zahlung erhalten wurde

Sieben abgenutzte und wertlose Sicheln

Drei alte Kessel schlimmer als nutzlos

Drei alte Sensen und Hacken und Äxte

Belohnung in der Tat ausreichend

Für einen Jungen der nicht

Zum Wohl seines Arbeitgebers arbeiten wird




ZWEITER GESANG


Kullerwoinen Assistent und Diener

Des Schmieds Ilmarinen

Gekaufter Sklave von Untamoinen

Der Magie Sohn mit himmelblauen Strümpfen

Mit einem Kopf der goldenen Löckchen

In seinen Schuhen von Marder-Leder

Abwartend wenig fragte den Schmied

Fragte den Wirt nach der Arbeit am Morgen

Fragte die Gastgeberin am Abend

Dies sind die Worte von Kullerwoinen

Gib mir Arbeit am frühen Morgen

Am Abend Arbeit die 

Deines Dieners würdig ist


Dann die Frau von Ilmarinen

Einst die Jungfrau des Regenbogens 

Die lang und lange darüber nachdachte

Wie man der Jugend eine Beschäftigung gibt

Wie der gekaufte Sklave arbeiten kann

Schließlich machte sie ihn zu einem Hirten

Machte ihn zum Hüter ihrer Weiden

Aber die verächtliche Gastgeberin,

Backte einen Keks für den Hirten

Backte einen Laib von wundersamer Dicke

Backte die untere Hälfte von Hafermehl

Und die obere Hälfte von Gerste

Backte einen Feuerstein in die Mitte

Goss herum flüssige Butter

Dann gab sie es dem Hirten

Nahrung um den Hunger des Hirten zu stillen

So gab sie der Jugend Anweisungen

Iss das Brot nicht in Hunger

Bis die Herde im Wald ist


Dann die Frau von Ilmarinen

Schickte ihr Vieh auf die Weide

Also mit Adressierung an Kullerwoinen

Treibe die Kühe dort in die Lauben

Zu den Birken und Espen

Dass sie dort futtern und sich mästen können

Gib bitte Milch und Butter

In der offene Waldweide

Auf den fernen Hügeln und Bergen

In den Tälern zwischen den Birken

Im Tiefland mit den Espen

In den goldenen Kiefernwäldern

In den mit Silber beladenen Dickichten


Beschütze sie du gütige Schöpferin 

Schütze sie allgegenwärtige Ukko

Schütze sie vor jeder Gefahr

Und beschütze sie vor allem Bösen 

Damit sie nicht wollen 

Von den Pfaden des Friedens 

Und des Überflusses weg wandern 

Wie zu Hause hast du sie beschützt 

In den Schutzräumen und den Hürden

Bewache sie jetzt unter dem Himmel

Schütze sie auf Waldweiden 

Damit die Herden leben und gedeihen können

Zur Freude der Gastgeberin von Nordland

Und gegen den Willen von Lempo


Wenn sich mein Hirte als unwürdig erweist

Wenn die Hirtenmädchen böse erscheinen 

Lass die Weiden ihre Hirten sein 

Lass die Erlen das Vieh bewachen

Mach die Birke zu ihrer Beschützerin 

Lass die Weide sie nach Hause treiben

Bevor die Gastgeberin sie sucht 

Bevor die Milchmädchen warten 

Und sich Sorgen machen

Sollte die Birke sie nicht beschützen

Noch die Espe Hilfe leisten

Noch die Linde ihre Hüterin sein

Noch die Weide sie nach Hause treiben

Willst du ihnen bessere Hirten geben

Lass die schönen Töchter der Schöpfung

Ihre gütigen Hirtinnen sein

Du hast viele schöne junge Mädchen

Viele Hunderte die dir gehorchen

In den weiten Kreisen des Äthers

Schöne Töchter der Schöpfung


Die Sommertochter die magische Jungfrau

Die südliche Mutter der Wälder

Die Kiefer-Tochter Kateyatar

Pihlayatar von der Espe die Erlenjungfrau 

Tapios‘ Tochter die Tochter des Tals Millikki

Und die Bergmaid Tellervo

Von meinen Herden seid ihr die Beschützerinnen

Haltet sie von dem Bösen fern

Schützt sie in Sommertagen

In Zeiten duftender Blumen

Während die zarten Blätter flüstern

Während die Erde mit Grünpflanzen beladen ist


Sommertochter bezaubernde Jungfrau

Südliche Mutter der Wälder

Verbreite deine Gewänder der Sicherheit im Ausland

Verbreite deine Schürze über den Wald

Lass sie mein ganzes Vieh bedecken

Und beschütze die Ungeschützten 

Damit ihnen keine bösen Winde schaden

Sie nicht von den Gewitterwolken leiden

Vor jeder Gefahr meine Herde schütze

Sie aus den Händen des Wildtieres befreie 

Halte sie von den Sümpfen mit sinkenden Bahnen fern

Von den Quellen da Blasen Probleme bereiten

Vor den schnell fließenden Gewässern

Vor dem tiefstem der Strudel

Damit sie kein Unglück finden

Nicht zur Zerstörung wandern

Nicht in den Sümpfen versinken und zugrunde gehen

Obwohl gegen der Göttin beste Absichten

Obwohl gegen den Willen von Ukko


Bringe aus der Ferne ein Signalhorn 

Bringe ein Hirtenhorn vom Himmel

Bringe die Honigflöte von Ukko

Spiele die Musik der Schöpfung

Blase die Flöte des Magiers

Spiele die Blumen im Hochland

Bezaubere die Hügel und Täler und Berge

Bezaubere die Grenzen des Waldes

Fülle die Waldbäume mit Honig

Fülle die Brunnenränder mit Gewürzen


Denn meine Herden geben Nahrung und Schutz

Füttere sie alle auf Honigweiden

Gib ihnen Getränk an Honigbrunnen

Füttere sie auf deinen goldenen Gräsern

Auf den Blättern silberner Setzlinge

Aus den Quellen des Lebens und der Schönheit

Aus dem fließenden Kristallwasser 

Von den Wasserfällen von Rutya

Von den Höhen grün und golden

Aus dem angereicherten Quell in Silber

Grabe mir auch goldene Brunnen

An den vier Seiten der Weide

Dass die Kühe in Süße trinken können

Und ihre Euter überquellen mit Honig

Dass ihre Milch kann in Bächen fließen

Die Milch soll in Gefäßen gefangen werden

Das Geschenk der Kuh soll nicht verschwendet werden

Manala darf nicht gegeben werden


Viele sind die Söhne des Bösen

Die zum Mana ihre Melkungen nehmen

Ihre Milch den Übeltätern geben

Sie in Tuonis Reich verschwenden

Es gibt nur wenige und sie sind die Würdigen

Die die Milch aus dem Mana bekommen können

Niemals mein altes Mütterchen

Bat im Dorf um Rat

Niemals vor Gericht um Weisheit

Sie erhielt ihre Milch aus Mana 

Sie nahm die Sauermilch von den Händlern

Süßmilch aus größerer Entfernung

Aus dem Königreich Manala

Von Tuonis Feldern und Weiden 

Sie ward in der Dämmerung des Abends gebracht

Durch die Nebenwege in der Finsternis

Dass die Schlechten es nicht wissen sollen

Dass sie nicht Zerstörung finden soll


Dies ist die Sprache meiner Mutter

Und diese Worte wiederhole ich auch 

Wohin wandert das Geschenk der Kuh

Wohin ist die Milch gegangen

Ist sie gegangen um die Fremden zu ernähren

Verbannt in das ferne Dorf

Gegangen um den Weiler-Liebhaber zu ernähren

Oder vielleicht den Wald zu ernähren

Verschwunden in den Wäldern

Verstreut über die Hügel und Berge

Vermischt mit den Seen und Flüssen

Sie wird nie zu Mana gehen

Geht nie den Fremden zu füttern

Niemals zu den Dorf-Liebhabern

Weder soll sie den Wald ernähren

Noch auf den Bergen verloren gehen

Weder in den Wäldern besprengt werden

Noch mit dem Wasser vermischt werden

Sie wird für unsere Tische benötigt

Als würdiges Essen für alle unsere Kinder


Sommertochter Magd der Schönheit 

Südländische Tochter der Schöpfung

Gib Suotikki zartes Futter

Watikki gib reines Wasser

Hermikki-Milch reichlich Tuorikki-Milch reichlich

Frische Vorräte Tuorikki frische Vorräte

Von Mairikki die Milch fließen lass

Frischmilch von meinen Kühen reichlich

Von den Grasspitzen kommend

Von den zarten Kräutern und Blättchen

Von den honigreichen Wiesen

Von der Mutter des Waldes

Von den süß tropfenden Wiesen

Von den beerenbeladenen Zweigen

Von der Heide der Blumenmädchen

Von dem Grün der Jungfrau der Laube

Aus den Wolken der Milchversorgerinnen

Aus der Jungfrau des Himmels 

Damit die Milch reichlich fließt

Von den Kühen die ich

Zur Haltung Kullervo gegeben habe


Erhebe dich Jungfrau des Tals

Aus den Quellen erhebe dich in Schönheit 

Erhebe dich Jungfrau des Brunnens

Schöne erhebe dich im Äther 

Nimm das Wasser aus den Wolken

Und meine streifenden Herden besprenkle

Damit meine Kühe trinken und gedeihen können

Sei bereit für das Kommen

Der Hirtin des Abends


O Millikki Wald-Gastgeberin

Mutter der Herden auf der Weide

Sende den größten deiner Diener

Sende die besten deiner Assistenten 

Damit meine Herden

In den angenehmen Sommertagen bewacht werden 

Die uns unsere Schöpferin gegeben hat


Schöne Jungfrau der Wälder

Tapios bezauberndste Tochter

Schöne Tellervo Waldjungfrau 

Sanft gekleidet in seidene Kleidung

Schön in goldenen Locken

Gibst du meinen Herden Schutz

In den Metsola-Herrschaften

Auf den Hügeln von Tapiola

Schütze sie streichle sie 

Mit deinen Händen der Schönheit 

Sanft mit deinen Fingern

Gib ihnen einen goldenen Glanz

Lass sie wie Lachsflossen leuchten

Züchte ihnen Roben 

Die so weich wie Hermelin sind


Wenn der Abendstern Dunkelheit bringt

Wenn die Stunde des Zwielichts erscheint

Sende mein niederes Vieh nach Hause

Milch in ihren Gefäßen fließe

Wasser auf dem Rücken in Seen

Wenn die Sonne im Ozean untergegangen 

Wenn der Abendvogel singt

So sprich meine Viehherden an


Ihr die Hörner tragen eilt jetzt

Zu den Schuppen von Ilmarinen 

Ihr angereichert mit Milch geht nach Hause

Zu der Gastgeberin die jetzt wartet

Zuhause ist der bessere Ort zum Schlafen

Waldbetten sind voller Gefahr

Wenn der Abend in der Dunkelheit kommt 

Sofort reist zu den Milchmädchen

Gebäudefeuer sind da um den Weg zu beleuchten

Auf dem mit Honig angereicherten Rasen

Auf den mit Beeren beladenen Weiden


Du o Tapios Sohn Nyrikki

Waldsohn in Purpur gehüllt

Schneide die Tannen auf den Bergen

Schneide die Kiefern mit Zapfen der Schönheit

Lege sie über die Bäche als Brücken

Bedecke gut die Schlämme von Treibsand 

In den Sümpfen und in den Niederungen

Dass meine Herde in Sicherheit passieren kann

Auf ihrer langen und düsteren Reise

Um zu den Rauchwolken zu eilen

Wo die Milchmädchen warten dass sie kommen

Wenn die Kühe diesen Befehl nicht befolgen

Nicht beschleunige sie Abends nach Hause

Dann o Himbeeren-Jungfrau

Schneide eine Birkenrute aus dem Wald

Vom Wacholder eine Rute

In der Nähe von Tapios geräumigem Herrenhaus

Stehend auf dem Eschenberg

Geh meinen Weg vorwärts wegen des Viehs

In Metsolas breite Milchhöfe

Wenn der Abendstern aufgeht


Du o Otso Waldapfel Waldbär

Mit honigfarbenen Fingern

Lass uns einen dauerhaften Vertrag schließen

Ein Gelübde für zukünftige Zeitalter ablegen

Dass du mein Vieh nicht tötest 

Meine Milchversorger nicht essen wirst

Dass ich meine Jäger nicht sende

Um dich und deine Verwandten zu vernichten

Niemals in den Sommertagen

Der wärmsten Jahreszeit der Schöpferin


Hörst du die Töne von Kuhglocken 

Hörst den Ruf der Signalhörner

Reitest auf der Wiese

Versinkst auf dem Rasen im Schlaf

Begräbst deine beiden Ohren in Klee 

Duckst dich in einem Erlen-Dickicht

Kletterst zwischen den moosigen Felsvorsprüngen

Besuchst eine felsige Höhle

Fliehst in andere Berge

Bis du die Kuhglocken

Und den Ruf der Hirten nicht mehr hörst


Höre Otso der Wälder

Heiliger Bär mit honigfarbenen Fingern

Sich der Viehherde zu nähern

Dir ist nicht verboten

Aber deine Zunge Zähne und Finger

Dürfen meine Herde im Sommer nicht berühren

Dürfen meinen harmlosen Kreaturen nicht schaden 

Geh zu den duftenden Wiesen 

Um zu schlendern durch die milchigen Weiden

Von den Tönen der Glocken und Hirten

Die Herde auf dem Berg sein sollte

Geh du schnell zu den Sümpfen

Treibe mein Vieh durch die Niederungen

Danach schlafe du dann im Dickicht

Sollten sie sich vom Hochland ernähren

Musst du dich ins Tal beeilen

Sollten die Herden am Boden grasen

Musst du dich vom Gipfel ernähren


Wandere wie der goldene Kuckuck

Wie die Taube von silberner Helligkeit

Wie ein kleiner Fisch im Ozean

Reite deine Krallen an deinem haarigen Fuß 

Schließe deine bösen Zähne in der Dunkelheit 

Damit meine Herde nicht erschrocken wird 

Sich nicht denken muss in Gefahr

Lass meine Kühe in Frieden und Fülle

Lass sie nach Hause reisen

Durch die Täler und Nebenstraßen der Berge

Über Ebenen und durch den Wald

Verletze nicht meine harmlosen Kreaturen


Erinnere dich an deine früheren Zusagen

Am Fluss Tuoni in der Nähe 

Des Wasserfalls und des Strudels

In den Ohren unserer Schöpferin

Dreimal wurde es Otso gewährt 

Sich im Sommer dem Land der Kuhglocken zu nähern

Wo die Stimmen der Hirten widerhallen

Aber dir wurde es nicht gewährt

Otso hatte nie die Erlaubnis

Eine böse Handlung zu versuchen

Ein Werk des Bösen zu beginnen

Sollte das blendende Ding der Bosheit

In deinen Streifzügen über dich kommen

Sollten deine blutigen Zähne Hunger verspüren 

Wirf deine Bosheit in die Berge

Und deinen Hunger auf die Kiefern

Spüle deine Zähne in den Espen

In den toten Gliedern der Birken

Schneide die Stängel von den Weiden ab

Sollte dich dein Hunger noch antreiben

Geh du zum Beerenberg

Iss den Pilz des Waldes

Füttere deinen Hunger auf den Ameisenhügeln

Iss die roten Wurzeln des Bärenbaums 

Metsolas reiche Honigkuchen

Nicht das Gras meine Herde würde ernähren

Oder wenn Metsolas reicher Honig

Vor dem Essen gären sollte

Auf den Hügeln von goldener Farbe

Auf den mit Silber gefüllten Bergen

Es gibt andere Nahrung für den Hunger

Andere Getränke für den durstigen Otso

Ewiges wird das Essen sein

Und das Getränk wird niemals fehlen 


Lass uns jetzt zu Ehren zustimmen

Und einen dauerhaften Vertrag abschließen 

Damit unser Leben in Lust endet

Möge es im Sommer fröhlich sein

Beide genießen den Wald gemeinsam

Obwohl unser Essen unverwechselbar sein muss

Solltest du immer noch Lust haben 

Gegen mich zu kämpfen

Lass unsere Wettbewerbe im Winter sein

Lass unsere Kriege auf den Schneefeldern sein

Sümpfe werden in Sommertagen auftauen

Warm ist das Wasser in den Flüssen

Darum solltest du diesen Vertrag brechen

Solltest du kommen wo goldenes Vieh

Diese Wälder durchstreift Hügel und Täler

Wir werden dich mit unseren Armbrüsten töten

Sollten unsere Pfeilmänner abwesend sein 

Haben wir hier einige Bogenschützenfrauen

Und unter ihnen ist die Gastgeberin

Die kann die tödliche Waffe benutzen

Die kann dich zur Zerstörung bringen

So werden die Tage der Not enden 

Die du unserem Volk bringst

Gegen den Willen von Ukko


Ukko Herrscherin im Himmel

Leihe meiner Bitte ein Ohr 

Verwandle mein ganzes Vieh verwandle sie

Durch die mächtige Kraft der Magie

In Stümpfe und Steine

Wenn der Feind wandern sollte 

In der Nähe meiner Herde in Sommertagen


Wenn ich als Otso geboren worden wäre

Würde ich niemals zu Füßen 

Alter Weiber schreiten und schlendern 

Anderswo gibt es Hügel und Täler

Weiter sind Honigweiden,

Wo der faule Bär wandern kann

Wo der Träge verweilen kann

Schleichen weg zu jenem Berg 

Damit dein zartes Fleisch nachlässt 

In den tiefen Nischen des blauen Tals 

In den Bärendickichten des Waldes

Kannst du dich durch Eichelfelder bewegen

Durch den Sand und die Kieselsteine des Ozeans

Dort wird für dich verfolgt ein Weg

Durch die Wälder an der Seeküste

Bis zu den äußersten Grenzen des Nordlandes

Bis zu den düsteren Ebenen Lapplands

Es ist gut für dich zu rumpeln

Dort zu leben wird eine Lust sein

Im Sommer ohne Schuhe 

Um im Sommer spazieren zu gehen

An Herbsttagen ohne Strümpfe

Auf dem blauen Rücken des Berges

Durch die Sümpfe und das fruchtbare Tiefland


Wenn du nicht dorthin reisen kannst 

Kannst du die Lappland-Straße nicht finden 

Beeile dich in einiger Entfernung 

Auf dem Bärenweg der nach Norden führt

Zum Hain von Tuonela

Zu den Honigebenen von Kalma

Sümpfe in denen es gut zu wandern ist

Heide in der man sich nach Belieben bewegen kann 

Es gibt Kiryos es gibt Karyos

Und unzählige Tieren

Mit ihren eisenstarken Fesseln 

Die sich im Wald mästen

Seid gnädig ihr Haine und Berge

Voller Gnade du dunkles Dickicht

Frieden und Heil meinem Vieh

Durch die angenehmen Sommertage

Die wärmste Jahreszeit der Schöpferin


Knippana o König der Wälder

Du der graue Bart der Wälder

Beobachte deine Hunde in Moor und Brache

Lege einen Schwamm in ein Nasenloch

Und eine Eichel in das andere 

Damit sie mein Vieh nicht riechen

Binde ihre Augen mit seidenen Netzen

Damit sie meine Herden nicht sehen 

Mein Vieh nicht weiden sehen


Sollte all dies ineffizient erscheinen

Vertreibe deine bellenden Kinder

Lass sie in andere Wälder rennen

Lass sie in anderen Sümpfen jagen

Von diesen grünen Wiesenstreifen

Von diesen weit ausgestreckten Grenzen

Verstecke deine Hunde in deinen Höhlen

Binde deine Kinder fest die jaulen

Binde sie mit deinen goldenen Fesseln

Mit deinen Ketten geschmückt mit Silber

Dass sie mich nicht beschädigen 

Möglicherweise mit einer Tat von Unheil 

Mögest all dies beweisen als ineffizient

Du o Ukko Königin des Himmels

Weise Regisseurin voller Barmherzigkeit

Höre die goldenen Worte die ich ausspreche

Höre eine Stimme die Zuneigung atmet

Aus der Erle mache einen Maulkorb

Für jeden Hund im Zwinger

Sollte sich die Erle als zu schwach erweisen

Wirf ein Band aus reinstem Kupfer

Sollte sich das Kupfer als fehlerhaft erweisen

Schmiede ein Band aus hartem Eisen

Sollte das Eisen auseinander brechen

In jeder Nase einen kleinen Ring

Aus geschmolzenem Gold und Silber befestige

Kette deine Hunde in Waldhöhlen an 

Damit meine Herde nicht verletzt wird


Dann öffnete die Frau von Ilmarinen

Die Lebensgefährtin des Schmieds

Alle ihre Höfe und Ställe

Führte ihre Herde über die Wiese 

Und stellte sie in die Obhut des Hirten 

In die Obhut von Kullerwoinen




DRITTER GESANG


Daraufhin legte der Junge Kullervo

Sein Mittagessen in seinen Korb

Trieb die Herde auf Bergwiesen 

Über die Hügel und durch die Sümpfe

Zu ihren Weiden in den Wäldern 

Und sprach als er sorglos umherwanderte 

Von Jugend an bin ich der Ärmste

Ein unglücklicher Junge und voller Ärger 

Das Unglück ist mir widerfahren

Ich muss leider müßig 

Über die Hügel und durch die Täler wandern 

Als Wachhund für das Vieh


Dann setzte er sich auf das Grün

An einem ausgewählten sonnigen Ort

Sang und sang folgende Worte

Scheine o Sonnenschein du Sonne des Himmels

Wirf deine Strahlen du Feuer von Ukko

Auf den Hirten des Schmieds

Auf den Kopf von Kullerwoinen

Auf diesem armen und glücklosen Hirten

Und nicht in Ilmarinens Schmiede

Noch in die Wohnungen seines Volkes

Gut ist der Tisch der Gastgeberin

Sie schneidet das Beste aus Weizenkeks

Honigkuchen schneidet sie in Scheiben 

Verteilt jeden mit goldener Butter

Nur trockenes Brot hat der Hirte

Isst vor Schmerz die Haferbrotkrusten

Gefüllt mit Spreu der Keks

Er ernährt sich vom schlimmsten Strohbrot 

Von Kiefernrinde er sich ernährt

Wasser aus der Birkenrinde schlürfend

Aus den Grasspitzen trink ich

Geh o Sonne und geh o Gerste

Eile weg du Licht von Ukko

Verstecke dich in den Bergkiefern

Geh o Weizen zu jenem Dickicht

Zu den Bäumen der purpurnen Beeren

Zu den Wacholderbüschen und Erlen

Führe den Hirten sicher nach Hause

Zu dem Keks mit der goldenen Butter

Zu den honigfarbenen Kuchen 

Und zu den leckeren süßen Lebensmitteln


Während der Hirtenjunge

Kullerwoinens Lied und Echo sang 

Schlemmte Ilmarinens Frau

Am süßesten Brot von Nordland

An den knusprigen Gerstenkuchen

An den reichsten Vorräten

Nur etwas Rosenkohl beiseite legend

Für den Hirten Kullerwoinen

Sie stellte einige verschwendete Reste hin 

Die Überreste der Hunde beim Abendessen

Für den Hirten der nach Hause zurückkehrt


Aus dem Wald kam ein Vogel geflogen

Sang dieses Lied zu Kullerwoinen

Es ist die Zeit für das Waldessen 

Für den vaterlosen Gefährten der Herden 

Um seine Lebensmittel zu essen

Iss die guten Dinge aus deinem Korb


Kullerwoinen hörte den Sänger

Schaute auf den langen Schatten der Sonne 

Und sprach sofort die folgenden Worte

Richtig ist das Singen des Singvogels

Es ist in der Tat Zeit zum Schlemmen

Zeit mein Korbessen zu essen


Daraufhin rief Kullerwoinen seine Herde 

Um sich in Sicherheit auszuruhen 

Setzte sich auf einen grasbewachsenen Hügel

Nahm seinen Korb von den Schultern

Nahm das Haferbrot davon

Drehte es in seinen Fingern 

Prüfte sorgfältig den Laib

Sprach diese Worte der ewigen Weisheit

Viele Brote sind gut anzusehen

Außen wirken sie köstlich

Innen Spreu und braune Rinde


Dann zog Kullerwoinen sein Messer 

Um sein Haferbrot zu schneiden

Schnitt den harten und trockenen Keks

Schnitt gegen einen eingebackenen Stein

In der Mitte gut eingebettet

Bricht sein altes Messer in Stücke

Als der Hirtenjunge Kullervo sah 

Dass sein magisches Messer zerbrochen war

Weinte er und sprach wie folgt

Diese Klinge die ich heilig nenne

Dies ist die einzige Sache die ich ehre

Relikt des Volkes meiner Mutter

Auf dem Stein in diesem Haferbrot

Auf diesem Betrugskuchen der Gastgeberin 

Habe ich mein kostbares Messer zerbrochen

Wie soll ich diese Beleidigung zurückzahlen

Wie die Bosheit dieser Frau rächen

Was sei der Lohn für diese Täuschung

Von einem Baum antwortete der Rabe

O du kleine silberne Schnalle

Einziger Sohn des alten Kalervo

Warum bist du in bösem Humor

Warum traurig in deinem Benehmen

Nimm einen jungen Trieb aus dem Dickicht

Nimm eine Birkenrute aus dem Tal

Treibe deine Herde durch das Tiefland

Durch den Treibsand der Sümpfe

Zu den Wölfen lass eine Hälfte wandern

Zu den Bärendickichten führe die andere

Singend rufe die Waldwölfe zusammen

Singend rufe die Bären von den Bergen herab

Rufe die Wölfe deine kleinen Kinder

Und die Bären deine Standartenträger

Treibe sie wie eine Kuhherde nach Hause

Treibe sie nach Hause wie geflecktes Vieh

Treibe sie zu den Milchhöfen deines Herrn

So wirst du der Gastgeberin

Ihre Bosheit und ihren Spott zurückzahlen 


Darauf antwortete der Zauberer

Dies sind die Worte von Kullerwoinen

Warte ja warte du Braut von Hisi 

Trauere ich um das Relikt meiner Mutter 

Trauere um den Bergfrieden

Den du gebrochen hast

Du sollst so traurig trauern

Wenn deine Kühe nach Hause kommen am Abend


Vom Baum schneidet er einen Birkenstab

Vom Wacholder eine Rute

Treibt die Herde über das Tiefland

Durch den Treibsand der Sümpfe

Zu den Wölfen lässt eine Hälfte wandern

Zu den Bärendickichten führt er die andere

Nennt die Wölfe seine kleinen Kinder

Nennt die Bären seine Fahnenträger

Verwandelt seine ganze Rinderherde

Durch Magie in Wölfe und Bären


Im Westen scheint die Sonne 

Und sagt dass die Nacht kommt

Schnell der Zauberer Kullerwoinen

Wandert über den Kiefernberg

Eilt durch den Wald nach Hause

Treibt die Wölfe und Bären vor sich 

Zu den Milchhöfen der Gastgeberin

Zu der Herde spricht er wie folgt

Während sie zusammen weiterreisen 

Zerreißt und tötet die böse Gastgeberin

Zerreißt ihr schuldiges Fleisch in Stücke

Wenn sie kommt um ihr Vieh zu sehen

Wenn sie sich bückt um zu melken


Dann macht der Zauberer Kullerwoinen

Aus einem Ochsenknochen ein Signalhorn

Macht es aus Tuonikkis Kuhhorn

Macht eine Flöte aus Kiryos Schienbein

Spielt ein Lied auf seinem Signalhorn

Bläst auf seiner magischen Flöte

Dreimal auf dem Hügelland

Sechsmal in der Nähe der Tore


Ilmarinens Frau die Gastgeberin

Lange hatte sie auf das Kommen

Ihrer Herde mit Kullerwoinen gewartet

Am Abend auf die Milch gewartet

Auf die neu hergestellte Butter gewartet 

Die Schritte auf dem Kuhweg gehört 

Auf der Heide das Treiben gehört

Diese gesprochenen freudigen Begrüßungsworte

Sei gepriesen o Ukko voll der Gnaden

Dass meine Herde nach Hause zurückkehrt

Aber ich höre ein Signalhorn erklingen

Es ist das Spiel meines Hirten

Der auf einem magischen Kuhhorn spielt

Dass alle unsere Ohren von Musik platzen


Kullerwoinen der näher kam

Sprach zu der Gastgeberin wie folgt

Ich fand das Signalhorn in den Wäldern

Und die Flöte unter den Binsen

Alle deine Herden sind im Gang

Alle deine Kühe innerhalb der Hürden

Dies ist die Zeit im Lager aufzubauen das Feuer

Dies ist die Zeit zum Melken


Ilmarinens Frau die Gastgeberin

Sprach einen alten Diener an

Geh du Alter zum Melken

Kümmere dich um mein Vieh 

Bitte nicht um meine Hilfe

Denn ich muss den Keks kneten

Kullerwoinen sprach wie folgt

Immer tut die würdige Gastgeberin recht

Immer tut die Weisheitsmutter recht

Geh selbst und melke 

Kümmere dich um die Kühe innerhalb der Hürden


Dann machte die Frau von Ilmarinen

Ein Feldfeuer im Gang

Ging um ihre wartenden Kühe zu melken

Sah verwundert auf ihre Herde

Sprach diese fröhlichen Grußworte

Schön meine Viehherde

Glitzernd wie die Häute von Luchsen

Haare so weich wie Hermelinfell

Friedlich auf den Milcheimer wartend


Auf dem Milchhocker sitzt die Gastgeberin

Melkt einen Moment dann einen zweiten

Dann ein drittes Mal melkt sie und hört auf

Als sich die blutigen Wölfe verkleiden

Greifen sie schnell die melkende Gastgeberin an

Und die Bären helfen

Zerreißen und verstümmeln ihren Körper

Mit ihren Zähnen und geschärften Fingern

Kullerwoinen grausamer Zauberer

So zahlte er der bösen Gastgeberin zurück

So zahlte sie ihre böse Behandlung zurück


Schnell schrie die Frau von Ilmarinen 

In bitterer Angst laut

So sprach sie den Jungen Kullervo an

Böser Sohn du verdammter Hirte

Du hast mir Wölfe in Bosheit gebracht

Getriebene Bären in meine Hürden

Dies sind die Worte von Kullerwoinen

Habe ich böse als Hirte getan

Schlimmer war das Verhalten der Gastgeberin

Einen Stein in meinen Haferkuchen gebacken

Auf der Innenseite waren Stein und braune Rinde

Auf dem Stein war mein Messer zerbrochen

Der Schatz des Haushalts meiner Mutter

Gebrochen die Tugend meines Volkes

Ilmarinens Frau antwortete

Edler Hirte Kullerwoinen

Ändere ich bitte dich deine Meinung

Nimm deine Beschwörungsformeln weg

Von den Bären und Wölfen befreie mich

Rette mich vor dieser Folter

Ich werde dir bessere Kleidung geben

Gebe das Beste aus Milch und Butter

Gebe dir den süßesten Tisch

Du sollst mir willkommen heißen

Du brauchst keine Arbeit zu tun

Für deinen Aufenthalt

Wenn du mich nicht schnell befreist 

Diesen Zauber der Magie nicht durchbrichst

Werde ich in das Todesland versinken

Werde nach Tuonela zurückkehren

Dies ist Kullerwoinens Antwort

Es ist am besten dass du zugrunde gehst

Lass die Zerstörung dich einholen

Es gibt viel Platz im Mana

Platz für alle Toten in Kalma

Dort muss der Würdigste schlummern

Dort muss der Gute und der Böse ruhen

Ilmarinens Frau antwortete

Ukko du Göttin im Himmel

Spanne die stärkste deiner Armbrüste

Prüfe die Waffe durch deine Weisheit

Lege einen aus Kupfer geschmiedeten Pfeil

Auf die Armbrust deiner Schmiede

Ziele mit Recht mit deinem Flammen-Pfeil

Mit deiner Magie schleudere die Rakete

Schieße diesem Zauberer durch die Lebenspunkte 

Durchbohre das Herz von Kullerwoinen

Mit dem Blitz des Himmels

Mit deinen Pfeilen mit Kupferspitzen

Kullerwoinen betet wie folgt

Ukko Göttin der Wahrheit und Gerechtigkeit 

Töte nicht deinen magischen Diener

Töte die Frau von Ilmarinen

Töte in ihr die schlimmste Frau

In diesen Hürden lass sie zugrunde gehen

Damit sie nicht von nun an in Freiheit wandert

Um ein anderes Unheil zu begehen

Tut eine größere Tat der Bosheit


Blitzschnell fiel die Gastgeberin

Schnell fiel die Frau von Ilmarinen

Und starb in den Hürden

Auf dem Boden vor ihrer Hütte

So der Tod von Nordlands Gastgeberin

Der geschätzten Frau von Ilmarinen

Einst die Jungfrau des Regenbogens

Umworben und viele Sommer lang beobachtet 

Stolz und Freude von Kalevala




VIERTER GESANG


Kullerwoinen junger Zauberer

In seinen wunderschönen goldenen Locken

In seinen magischen Schuhen aus Hirschhaut

Verließ das Haus von Ilmarinen

Auf seiner Reise ging er weiter

Bevor der Schmied die Nachricht

Vom grausamen Tod und der Folter

Seiner Frau und Freude hörte 

Damit kein blutiger Kampf folgt


Kullerwoinen verließ die Schmiede

Blies auf seinem magischen Signalhorn

Freudig verließ er das Land von Ilma

Blies munter auf der Heide

Ließ die fernen Hügel widerhallen

Ließ die Sümpfe und Berge zittern

Ließ die Heideblüten

Auf seine Musik antworten

In ihrem wilden Nachhall

Zur Magie seines Spiels

In der Schmiede waren Lieder zu hören

Und der Schmied blieb stehen und hörte zu

An Tür und Fenster gehängt 

An den offenen Hof gehängt

Ob er vielleicht herausfinden könnte

Wer in dem Heidekraut spielte

Wer durch den Wald klang

Schnell lernte er die grausame Geschichte

Er lernte die Ursache der Freude

Sah die Gastgeberin tot vor sich

Wusste dass seine schöne Frau umgekommen war

Sah wie sich die leblose Gestalt ausdehnte

Im Hof seiner Wohnung

Daraufhin verfiel der Metallkünstler 

In bittere Tränen und Klagen

Er weinte durch die trostlose Nacht

Tief in der Trauer die sich über ihn legte

Schwarz wie die Nacht seine dunkle Zukunft

Er konnte seine Tränen der Trauer nicht aufhalten


Kullerwoinen eilte weiter

Streunend streifend hierhin dorthin

Wanderte weiter durch Feld und Wald

Über die Hisi-Ebenen und durch die Wälder

Als sich die Dunkelheit über ihm niederließ

Als der Vogel der Nacht flatterte

Saß der Vaterlose am Abend

Der Verlassene saß und ruhte

Auf einem Hügel des Waldes

So murmelte er schweren Herzens

Warum wurde ich – leider! - erschaffen

Warum wurde ich so schlecht gezeugt 

Seit Monaten und Jahren wandere ich

Verloren zwischen den Ätherräumen

Andere haben ihre Häuser zum Wohnen

Andere beeilen sich zu ihren Kaminen

Wenn sich der Abend um sie versammelt

Aber mein Zuhause ist im Wald

Und mein Bett in dem Heidekraut

Und mein Badezimmer ist die Regenwolke


Niemals hast du o Göttin der Barmherzigkeit

Niemals im Laufe der Jahrhunderte

Ein Kind unklug geboren 

Warum wurde ich dann geschaffen ohne Vater

Um im Äther herumzulaufen 

Ohne Mutter und einsam zu wandern

Du o Ukko bist meine Mutter

Du hast mir Form und Merkmal gegeben

Wie der Möwe auf dem Ozean

Wie der Ente auf dem Wasser

Der Sonne auf die Schwalbe scheint 

Wie hell sie auf den Spatz scheint

Das Lied und die Freude der Freudenvögel

Ich bin unglücklich 

Niemals wird mir das Sonnenlicht scheinen

Niemals wird das Mondlicht

Auf diesem unglücklichen Sohn 

Und Waisenkind schimmern 

Ich kenne meinen Heldenvater nicht 

Kann nicht sagen wer meine Mutter war

Am Ufer ließ mich vielleicht 

Die graue Ente im Sand fallen

Jung war ich und kleinwüchsig

Als meine Mutter mich verwaist ließ

Tot mein Vater und tot meine Mutter

Tot mein geehrter Stamm der Helden

Schuhe die sie mir hinterlassen haben 

Schuhe die eisig sind und Strümpfe 

Die mit Frost von Jahrhunderten gefüllt sind

Lass mich auf die eiskalten Eisebenen fallen 

Um in der Binse umzukommen

Von den schwindelerregenden Höhen der Berge

Lass mich in die Zerstörung stürzen


O du weise und gute Schöpferin

Warum meine Geburt 

Und was soll mein Dienst

Ich werde niemals fallen und vergehen

Auf den Eis-Ebenen in den Sümpfen

Nie auf einer Brücke in Sumpfland

Nicht während ich die Waffen der Tugend trage

Das kann meiner geehrten Verwandtschaft dienen


Dann dachte Kullervo daran

In das Dorf Untamo zu reisen 

Den Mord an seinem Vater zu rächen 

Die Folterung seiner Mutter zu rächen

Und die Probleme seines Stammesvolkes

Dies sind die Worte von Kullerwoinen

Warte ja warte du Untamoinen

Du Zerstörer meines Volkes

Wenn ich dich im Kampf treffe

Werde ich dich und deine Verwandten töten

Ich werde eure Häuser zu Asche verbrennen


Kam eine Frau auf der Hochstraße

Blau gekleidet

Sprach die alte Mutter zu Kullervo wie folgt

Wohin gehst du Kullerwoinen

Wohin geht der eigensinnige Held

Kullerwoinen gab diese Antwort

Ich habe gedacht dass ich 

In die Ferne reisen würde 

Aus dem Land der Fremden

In das Dorf Untamo

Um den Mord an meinem Vater zu rächen 

Um die Folterung meiner Mutter zu rächen

Und die Probleme meines Stammesvolkes

So antwortete die grauhaarige Frau

Wahrlich du bist im Irrtum

Denn dein Stamm ist nie umgekommen

Und deine Mutter lebt immer noch

Mit deinem Vater im Nordland 

Und mit dem alten Kalervo


O du alte geliebte Dame

Würdige Mutter der Wälder

Sag mir wo mein Vater lebt

Wo meine liebende Mutter wohnt


Dort drüben lebt dein gealterter Vater

Und deine liebende Mutter mit ihm

Am äußersten Ufer von Nordland

An der langen Spitze des Fischsees


Sag mir du Waldmutter

Wie ich zu meinem Volk reise 

Wie ich mein geehrtes Stammesvolk finde


"Leicht ist der Weg für Fremde

Du musst durch den Wald reisen 

Dich zur Flussgrenze beeilen

Einen Tag reisen dann einen zweiten

Und den dritten von morgens bis abends

Nach Nordwesten musst du reisen

Wenn der Berg dir entgegen kommt

Geh um den nahen Berg herum 

Nach Westen kühn nimm deine müde Reise

Bis du zu einem Fluss kommst

Zu deiner Rechten fließt er gen Osten

Reise zur Flussgrenze

Wo dich drei Wasserfälle begrüßen werden

Wenn du kommst zu einer Landzunge

An dem Punkt wirst du ein Häuschen sehen 

In dem sich die Fischer versammeln

In diesem Häuschen ist dein Vater

Mit deiner Mutter und ihren Töchtern

Schön deine Mädchenschwestern


Kullerwoinen der Zauberer

Hastete auf seiner Reise nach Norden

Geht einen Tag und dann einen zweiten

Geht den dritten von morgens bis abends

Im Nordwesten geht Kullervo

Bis ein Berg ihm entgegenkommt

Er geht um den nahenden Berg herum

Nach Westen nach Westen geht seine Reise

Bis er einen Fluss kommen sieht

Er eilt zur Flussgrenze

Geht entlang der Bäche und Stromschnellen

Bis ihn drei Wasserfälle ansprechen

Reisend bis er auf eine Landzunge trifft

Auf dem Punkt erspäht er ein Häuschen 

In dem sich die Fischer versammeln


Schnell reist er zur Hütte

Schnell geht er durch die Portale

Der Hütte auf der Landspitze

Wo er seine lange verlorene Verwandtschaft findet

Niemand kennt den Jugendlichen Kullervo

Niemand weiß woher der Fremde kommt

Wo sein Zuhause und wohin er geht

Dies sind die Worte des jungen Kullervo

Kennst du mich nicht meine Mutter

Kennst du mich nicht mein Vater

Ich bin der unglückliche Kullerwoinen

Den die Helden von Untamo

In ihr fernes Land trugen 

Als meine Größe nur eine Handbreite war 

Schnell antwortet die hoffnungsvolle Mutter

O mein würdiger Sohn mein Lieb

O meine kostbare Silberschnalle

Bist du mit deinem Geist der Magie

Durch die Felder von Nordland gewandert

Auf der Suche nach deinem Zuhause 

Und deiner Verwandtschaft

Als einen Toten habe ich dich lange

In Manala betrauert hatte dich angenommen

Sobald ich zwei Söhne und Helden hatte

Hatte ich zwei gute und schöne Töchter

Zwei davon waren lange abwesend

Der ältere Sohn und die ältere Tochter

Zum Krieg reiste mein Sohn ab

Während meine Tochter sich verirrte und umkam

Als mein Sohn nach Hause zurückkehrt 

Und meine Tochter immer noch abwesend ist

Fragte Kullerwoinen seine Mutter

Wohin ist meine Schwester gewandert

In welche Richtung ist sie gereist

Dies ist die Antwort der Mutter

Dies ist die Geschichte deiner Schwester

Sie ging für Beeren in die Wälder

In die Berge ging meine Tochter

Wo die schöne Jungfrau verschwand

Wo meine hübsche Beere umkam

Einen Tod starb den ich nicht kenne

Namenlos ist der Tod den sie erlitten hat

Wer trauert um die Tochter

Niemand trauert um sie als ihre Mutter

Sie geht und wandert trauert und sucht

Ihr schönstes Kind ihre schönste Tochter

Darum wanderte die Mutter und suchte

Nach deiner schönen Schwester

Wie der Bär durchstreifte sie den Wald

Lief durch die Schluchten wie der Storch

Suchte einen Tag und dann einen zweiten

Suchte den dritten von morgens bis abends 

Bis sie den Berggipfel erreichte 

Dort rief sie und hat ihre Tochter gerufen

Bis die fernen Berge antworteten

Nach ihr gerufen die gegangen war

Ach wo bist du meine schöne Jungfrau

Komm meine Tochter zu deiner Mutter


So rief ich und suchte deine Schwester

Dies war die Antwort der Berge

So hallten die Hügel und Täler wider

Ruf nicht mehr du weinende Mutter

Weine nicht mehr um die Verstorbene

Nie mehr in deinem ganzen Leben

Nie im Verlauf des Alters

Sie wird sich wieder einfinden

Am Landungsplatz ihres Bruders

In ihrer bescheidenen Wohnung des Vaters




FÜNFTER GESANG


Kullerwoinen jugendlicher Zauberer verweilte fortan

In seinen blauen und scharlachroten Strümpfen

Bei seinen Eltern

Aber er konnte seine Natur nicht ändern

Konnte keine höhere Weisheit erlangen,

Konnte kein besseres Urteil gewinnen

Als Kind war er schlecht ernährt

Früh wiegte er sich in dummen Wiegen

Von einer Amme mit vielen Torheiten

Von einem Minister des Bösen


Zu seiner Arbeit ging Kullerwoinen

Strebte seine Arbeit würdig zu machen

Zuerst ging Kullervo angeln 

Warf seine Fischernetze in den Ozean 

Kullerwoinen sprach mit den Händen 

Über die Reihen der Locken wie folgt

Soll ich mit all meinen Kräften ziehen

Mit der Kraft jugendlicher Helden ziehen

Oder mit der Schwäche der Alten


Aus dem Heck erhob sich ein grauer Bart

Und er antwortete Kullervo so

Zieh mit all deiner jugendlichen Kraft

Solltest du mit magischer Kraft rudern

Könntest du dieses Schiff nicht zerstören 

Könntest dieses Boot nicht in Fragmente brechen


Daraufhin ruderte der Junge Kullervo 

Mit all seiner jugendlichen Kraft

Mit der mächtigen Kraft der Magie

Ruderte er die Bindungen aus dem Gefäß

Wacholderrippen zerschmetterte er

Ruderte die Espenruder in Stücke


Als der alte Herr Kalervo

Die Arbeit von Kullerwoinen sah

Richtete er seinen Sohn wie folgt

Das verstehst du nicht das Rudern

Du hast die Bande zerborsten

Banden von Wacholder und Weide

Mein Espen-Boot in Stücke gerudert

Um die Fischnetze treiben die Lachse

Vielleicht passt das besser zu dir


Daraufhin beeilte sich der Sohn Kullervo 

Der an seine verbotene Arbeit gehetzt war

Den Lachs zu den Fischnetzen zu treiben

Er sprach unschuldig wie folgt

Soll ich mit meiner jugendlichen Kraft

Den Lachs zu den Fischnetzen schrecken

Oder mit ein wenig magischer Kraft

Ich jage sie zu ihrer Gefangennahme

Sprach der Herr der Fischnetze

Das wäre nur Arbeit von Frauen

Solltest du nur wenig Kraft einsetzen

Um den Lachs zu erschrecken 


Kullerwoinen tut wie geboten

Erschreckt den Lachs mit den Kräften

Seiner mächtigen Arme und Schultern 

Rührt mit der Kraft der Jugend und Magie

Das mit schwarzer Erde dicke Wasser

Schlägt das Schreckensnetz in Stücke

In Fruchtfleisch zerschlägt er den Lachs


Als der gealterte Vater Kalervo

Das Werk von Kullerwoinen sah 

Sagte er zu seinem Sohn diese Worte

Du verstehst diese Arbeit nicht

Für dieses Werk bist du nicht geeignet

Kannst Barsch und Lachs nicht schrecken

Zu deinen Fischnetzen 

Du hast alle meine Fischnetze ruiniert

Mein Schreckensnetz in Trümmer zerrissen

Den Wittling zu Brei zerrissen 

Meine Netzstützen in Fragmente zerrissen

Meine Keile in Stücke geschlagen

Überlasse das Fischen einem anderen 

Schau ob du bezahlen kannst den Tribut

Zahle du meinen jährlichen Beitrag

Sieh ob du besser reisen kannst

Zeige auf dem Weg ein besseres Urteilsvermögen


Daraufhin sammelte sich der Sohn Kullervo

Der unglückliche Jugendliche in Purpur-Gewändern

In seinen magischen Schuhen aus Hirschhaut

In seinen goldenen Locken um die Steuern zu zahlen

Den Tribut für sein Volk

Als der Jugendliche den Tribut gezahlt hatte

Den jährlichen Beitrag bezahlte kehrte er zurück 

Um sich dem Schneeschlitten anzuschließen

Nahm seinen Platz auf der Querbank ein 

Schnappte seine Peitsche über dem Renner

Und begann seine Heimreise

Auf der Hochstraße rasselte er weiter

Gemessen, als er weiter 

Über Wainamoinens Hügel und Täler galoppierte 

Und seine Felder im Anbau


Kam eine goldene Maid um ihn zu treffen

Auf ihren Schneeschuhen kam eine Jungfrau 

Über die Hügel von Wainamoinen 

Über sein kultiviertes Tiefland


Schnell überprüfte der Zauberersohn Kullervo 

Die Bewegung seines Rennfahrers 

Und sprach so das charmante Mädchen an

Komm süßes Mädchen zu meinem Schneeschlitten

In meinen Pelzroben ruhe und verweile

Während sie rannte antwortete die Jungfrau

Lass die Todesmagd neben dir sitzen 

Ruhe dich aus

Und verweile in deinen Pelzroben


Daraufhin schnappte der Junge Kullervo 

Mit seiner Peitsche über den Renner

Flott wie Wind galoppiert er nach Hause

Stürzt die Hochstraße hinunter

Mit dem Rauschen des fallenden Wassers

Er galoppiert weiter weiter weiter 

Über den breiten Rücken des Ozeans 

Über die eisigen Ebenen Lapplands


Kommt eine siegreiche Maid um ihn zu treffen

Goldhaarig und mit Schneeschuhen

Auf den weit ausgestreckten Eisebenen 

Schnell überprüft der Zauberer seinen Rennfahrer

Spricht das Mädchen charmant an und singt

Sorgfältig diese Verse

Komm du Schönheit zu meinem Schneeschlitten

Komm her und ruhe dich aus und verweile 

Verspottend antwortete das Mädchen

Bring Tuoni zu deinem Schneeschlitten

An deiner Seite lass Manalainen

Bei dir sitzen und ruhen und verweilen


Schnell schlug der Zauberer Kullerwoinen

Seinen feurigen tänzelnden Rennfahrer

Mit der Birkenpeitsche seines Vaters

Wie der Blitz flog der flotte Fuß

Galoppierte auf der Hochstraße nach Hause

Über die Hügel sprang der Schneeschlitten

Und die kommenden Berge zitterten

Kullerwoinen wilder Magier 

Misst auf seiner Heimreise

Die weit ausgedehnten Grenzen von Nordland

Und die fruchtbaren Ebenen von Pohya

Kommt eine schöne Maid um ihn zu treffen

Mit einem Zinnstift am üppigen Busen

Auf dem Heidekraut von Pohyola 

Über den Pohya-Hügeln und Moorlandschaften


Schnell hält der Zauberersohn Kullervo

Das Zaumzeug seines Renners

Intoniert diese Verse auf charmante Weise

Komm schöne Jungfrau zu meinem Schneeschlitten

In diesen Pelzroben ruhe und verweile

Iss mit mir die goldenen Äpfel

Iss die Haselnuss vor Freude

Trink mit mir das köstliche Bier

Iss die Leckereien die ich dir gebe


Dies ist die Antwort der Jungfrau

Mit dem Zinnstift an ihrem üppigen Busen

Ich habe es verachtet 

In deinen Schneeschlitten zu kommen

Verachtung für dich du böser Zauberer

Kalt ist es unter deinen Pelzroben

Und dein Schlitten ist kalt und freudlos 


Daraufhin zog der Jugendliche Kullervo 

Der böse Zauberer des Nordlandes

Zog die Jungfrau zu seinem Schneeschlitten

Zog sie zu einem Platz neben ihm

Schnell in seine Pelze hüllt er sie

Und die mit Zinn Geschmückte antwortete

Dies sind die Akzente der Jungfrau

Löse mich von deiner magischen Kraft

Lass mich sofort deine Gegenwart verlassen 

Damit ich nicht mit bösen Akzenten spreche 

Damit ich nicht das Gebet des Bösen sage

Befreie mich jetzt ich befehle dir

Oder ich zerreiße deinen Schlitten

Werfe diese Pelzroben in den Nordwind


Sofort der böse Kullerwoinen

Böser Zauberer und Hexenmeister

Öffnet alle seine Schatzkisten

Zeigt der Jungfräulichen Gold und Silber

Zeigt seidene Schönheitswickel 

Seidenschlauch mit goldenen Rändern

Goldene Gürtel mit silbernen Schnallen

Schmuck der die Sicht trübt 

Stumpft das Gewissen der Jungfrau ab

Silber führt zur Zerstörung

Gold lockt aus der Aufrichtigkeit

Kullerwoinen böser Zauberer schmeichelt

Der Jungfrau liebevoll

Eine Hand auf den Zügeln aus Leder

Eine auf der Schulter der Jungfrau

So reisen sie durch den Abend

Verbringen die Nacht in fröhlicher Stimmung


Als der Tagesstern den Morgen herauf führte

Als der zweite Tag anbrach

Sprach die Maid Kullervo an 

Und fragte den bösen Zauberer

Von welchem Stamm stammst du ab

Von welcher Rasse dein Heldenvater

Erzähl deine Abstammung und Verwandtschaft

Dies war Kullervos wahrheitsgemäße Antwort

Bin nicht aus einer mächtigen Nation

Nicht der größten noch der kleinsten

Aber meine Abstammung ist würdig

Bin Kalervos Sohn der Torheit

Bin ein Kind der Widersprüche

Unglücklicher Sohn des kalten Unglücks

Erzähl mir von deiner Heldenrasse 

Erzähle deinen Ursprung und deine Verwandtschaft

Dies ist die Antwort der Jungfrau

Kam nicht aus einer Urzeit

Nicht die größte noch die kleinste

Aber meine Abstammung ist würdig

Bin Kalervos elende Tochter

Bin sein längst verlorenes Kind des Irrtums

Bin eine Magd der Widersprüche

Unglückliche Tochter des Unglücks


Als Kind lebte ich reichlich

In den Wohnungen meiner Mutter

In den Wald ging ich für Beeren

Ging für Himbeeren ins Hochland

Sammelte Erdbeeren auf Bergen

Sammelte einen Tag dann einen zweiten

Aber leider am dritten Tag

Konnte ich den Weg nach Hause nicht finden

Fern hin die Straßen führten mich

Alle Fußwege zu den Wäldern

Lange saß ich in bitterem Weinen

Weinte einen Tag und dann einen zweiten

Weinte den dritten von morgens bis abends

Dann stieg ich einen hohen Berg

Dort rief ich klagende Akzente

Und die Wälder gaben diese Antwort

So hallten die fernen Hügel wieder

Ruf nicht mehr dumme Jungfrau

Alle deine Rufe und Tränen sind nutzlos

Es gibt niemanden der dir antworten könnte

Weit weg dein Zuhause und dein Volk


Am dritten und am vierten Tag

Am fünften sechsten und siebten

Versuchte ich ständig zu sterben

Aber vergebens waren alle meine Bemühungen 

Konnte nicht auf den Bergen sterben

Wenn diese elende Magd umgekommen wäre

In dem Sommer des dritten Jahres

Sie hätte die Vegetation der Erde gefüttert

Sie hätte wie eine Blume geblüht 

Und wüsste weder Schmerz noch Trauer


Kaum hatte die Jungfrau gesprochen

Als sie vom Schneeschlitten sprang

Stürzte in den rollenden Fluss

Zum Aufruhr des Katarakts

Zum feurigen Strom und Strudel

So eilte Kullervos reizende Schwester 

Zu ihrer eigenen Zerstörung

Bis zu ihrem Tod durch Feuer und Wasser

Fand sie ihren Frieden in Tuonela

Im heiligen Strom des Manas


Da fiel der böse Kullerwoinen

Weinend schmerzlich beunruhigt

Heulend und weinend und schweren Herzens

Sprach diese Worte in bitterer Trauer

Wehe mir mein Leben ist schwer

Ich habe meine jungfräuliche Schwester getötet

Die Tochter beschämt meiner Mutter

Wehe dir mein alter Vater

Wehe dir meine grauhaarige Mutter 

Warum wurde ich geboren und gesäugt

Warum die Existenz dieses unglücklichen Kindes

Ein gutes Schicksal Kullerwoinens

Hat noch nie das Tageslicht gesehen

Oder wenn geboren wäre er doch nie gediehen

In diesen traurigen Tagen des Bösen 

Der Tod hat seine Pflicht nicht erfüllt 

Das Übel sündigte im Vorbeigehen an mir

Hätte mich in der Wiege töten sollen

Als der siebte Tag zu Ende war


Daraufhin zieht er den Kragen

Seines tänzelnden königlichen Rennfahrers aus

Hebt den silberköpfigen flotten Fuß

Galoppiert wie der Blitz nach Hause

Galoppiert nur für einen Moment

Als er seinen schäumenden Renner

In der Kabine seines Vaters anhält 

Im Hof die Mutter stand

Also der böse Sohn sprach sie an

Treue Mutter lieb und zärtlich

Du hast mich getötet als Kleinkind

In der Kammer mein Leben geräuchert

In einem Leichentuch mich weg geworfen 

In die Katarakte und Strudel

Im Feuer hatte meine Wiege gestanden

Nach sieben Nächten

Wäre vollendet dein Dienst gewesen

Hätten dich die Dorfmädchen gefragt

Wo ist jetzt die kleine Wiege

Warum ist das Badezimmer leer

Dies wäre eine würdige Antwort gewesen

Ich habe die Wiege des Zauberers verbrannt

Warf das Kind zu den Feuerwehrhunden

Im Badezimmer sprießt Mais

Aus der Gerste braue ich Malzbier


Daraufhin stellt die alte Mutter

Ihrem Zauberersohn folgende Fragen

Was ist mit meinem Helden passiert

Welches neue Schicksal hat dich überwunden

Kommst du aus Tuoni

Aus den Burgen von Manala

Dies war Kullervos Geständnis

Ungeheuer die Geschichte die ich bringe

Mein Geständnis Unehre ist

Auf dem Weg ich ein Mädchen traf

Traf deine lange verschollenen 

Widerspenstige Tochter

Hab meine Schwester nicht erkannt

Fatal war die Sünde begangen

Als die Steuern waren abgerechnet worden

Als der Tribut gesammelt worden war

Kam eine unvergleichliche Maid mich zu treffen

Die ich geistlos zur Trauer führte

Dies ist die lange verlorene Tochter meiner Mutter

Als sie in mir ihren Bruder sah

Schnell sprang sie vom Schneeschlitten

Eilte zum tosenden Wasser

Zum Aufruhr des Katarakts

Zum feurigen Strom und Strudel

Eilte zu ihrer vollen Zerstörung


Nun leider muss ich bestimmen

Jetzt muss ich einen geeigneten Ort finden 

An dem dein sündiger Sohn umkommen kann

Sag mir allverzeihende Mutter

Wo ich mein Leben voll Schwierigkeiten beenden soll

Lass mich das Heulen des schwarzen Wolfs stoppen

Lass mich befriedigen den Hunger

Des bösartigen Bären von Nordland

Lass den Hai oder den hungrigen Seehund

Meinen Wohnort im Jenseits sein

Dies ist die Antwort der Mutter

Geh nicht um das Heulen

Des hungrigen Wolfes von Nordland zu stoppen 

Beeile dich nicht den Schwarzbären 

Der in seiner Waldhöhle knurrt still zu halten 

Lass weder Hai noch bösartigen Seehund

Deine Wohnung sein im Jenseits

Geräumig sind die Räume von Suomi

Grenzenlos die Sawa-Grenzen

Groß genug um Übertretungen zu verbergen

Die Missetaten des Menschen 

Um sich für Ewigkeiten zu verstecken

Mit seinen Sünden und bösen Handlungen

Sechs lange Jahre liegen die Sünden des Menschen

Im Grenzland von Kalma verborgen 

Sogar neun Jahre für magische Helden

Bis die Jahre Trost bringen

Bis sie all seine Trauer beruhigen


Kullerwoinen böser Zauberer antwortet

So seiner trauernden Mutter

Ich kann mich niemals vor Trauer verstecken

Kann nicht vor meinem Fehlverhalten fliehen

Zu den Kiefern des Todes beeile ich mich

Zu den offenen Höfen von Kalma

Zu den Jagdgebieten von Pohya

Zu den Schlachtfeldern der Helden

Untamoinen lebt noch

Ungestört streifen die Bösen

Ungerächt die Beschwerde meines Vaters

Ungerächt die Folterung meiner Mutter

Ungerächt das Unrecht das ich erleide




SECHSTER GESANG


Kullerwoinen böser Zauberer bereitet sich

In seinen purpurnen Strümpfen auf den Kampf vor

Schleift lange an seinem Breitschwert

Schärft gut seine vertrauenswürdige Waffe

Und seine Mutter spricht wie folgt

Geh nicht mein geliebter Sohn

Geh nicht in den Krieg mein Held

Kämpfe nicht mit feindlichen Speeren

Wer zieht in den Krieg 

Niemand unternimmt einen furchtbaren Kampf

Unternimmt ein fatales Problem

Die ohne Grund Krieg führen

Werden für ihre Torheit geschlachtet

Leichte Beute für Pfeil und Bogen

Geh mit einem Ziegenbock in den Kampf

Solltest gehen um gegen den Rehbock zu kämpfen

Der Ziegenbock der besiegt werden wird

Und der Rehbock werden geschlachtet

Auf einem Frosch wirst du nach Hause reisen

Victoria mit großer Ehre

Dies sind die Worte von Kullerwoinen

Ich werde nicht durch die Sümpfe reisen

Nicht auf die Heide sinken

Auf das Heimatland der Raben

Wo die Adler schreien bei Tagesanbruch

Wenn ich mein Leben für immer gebe 

Werde ich tapfer im Kampf fallen 

Auf dem Feld der Herrlichkeit fallen

Schön ists in der Rüstung zu sterben

Und das Klappern und Aufeinandertreffen von Armeen

Schön der Kampf um die Eroberung

So wird Kullervo bald

Zum Königreich Tuoni eilen 

Zum Reich der Verstorbenen

Unverformt durch die Krankheit

Dies ist die Antwort der Mutter

Wenn du im Konflikt stirbst

Wer wird bleiben

Um deinen Vater zu beschützen

Wer wird deinen Vater beschützen

Dies sind die Worte von Kullerwoinen

Lass ihn auf dem Hof sterben

Und sein Leben voller Trauer verschlafen 


Wer wird dann deine Mutter beschützen

In Zeiten der Gefahr ihr Schild sein


Lass sie im Stall sterben

Oder in der Hütte in der sie verweilt


Wer wird dann deinen Bruder verteidigen

Ihm in schwierigen Zeiten helfen


Lass ihn im Wald sterben

Verschlafen sein Leben unbeachtet


Wer wird dann deine Schwester trösten

Wer wird ihr in Bedrängnis helfen


Lass sie unter Wasser sinken

Umkommen im Kristallbrunnen

Wo der Bach in Schönheit weiterfließt

Wie eine silberne Schlange

Die sich durch das Tal zum Ozean windet


Daraufhin eilt der wilde Kullervo 

Von seinem Zuhause in die Schlacht

Zu seinem Vater spricht er und geht

Geht es dir gut mein gealterter Vater

Willst du um mich weinen deinen Helden

Wenn du hörst dass ich umgekommen bin

Für immer von deinem Stamm gefallen

Umgekommen auf dem Feld der Herrlichkeit

So antwortet der Vater

Ich werde niemals um den Untergang

Meines bösen Sohnes Kullervo trauern 

Ich werde nicht weinen wenn du umgekommen bist 

Ich werde einen zweiten Helden zeugen

Der mir einen besseren Dienst leistet 

Der in Weisheit denken und handeln wird

Kullerwoinen gibt diese Antwort

Ich werde auch nicht um deinen Untergang trauern

Werde nicht weinen wenn du umgekommen bist

Ich werde einen zweiten Vater machen 

Den Kopf aus Lehm und Sandstein machen 

Die Augen aus Sumpflandbeeren machen 

Den Bart aus verdorrtem Seegras machen 

Die Füße aus Weidenwurzeln machen 

Die Form aus Birkenholzpilz machen


Daraufhin spricht der Jüngling Kullervo 

Zu seinem Bruder wie folgt

Geht es dir gut mein Bruder

Willst du um mich weinen bin ich gegangen

Solltest du hören dass ich umgekommen bin 

Auf dem Schlachtfeld gefallen

Dies ist die Antwort des Bruders

Ich werde niemals um den Untergang

Meines Bruders Kullerwoinen trauern 

Ich werde nicht weinen wenn du umgekommen bist

Ich werde einen zweiten Bruder finden 

Finden einen Würdigeren und Klügeren

Dies ist Kullerwoinens Antwort

Ich werde auch nicht um deinen Untergang trauern

Werde nicht weinen wenn du umgekommen bist

Ich werde einen zweiten Bruder bilden

Mache den Kopf aus Staub und Asche

Mache die Augen aus Perlen des Ozeans

Mache den Bart aus verdorrtem Grün

Mache die Form aus Brei aus Birkenholz

Zu seiner Schwester spricht Kullervo

Geht es dir gut geliebte Schwester

Wahrlich du wirst um meinen Untergang trauern

Weine um mich wenn ich umgekommen bin

Wenn du hörst dass ich in der Hitze 

Und im Lärm des Kampfes gefallen bin 

Für immer von deiner Rasse gefallen

Aber die Schwester antwortet

Niemals werde ich um deinen Untergang trauern

Werde nicht weinen wenn du zugrunde gegangen 

Ich werde einen zweiten Bruder suchen 

Einen Bruder suchen reiner besser

Einen der seine Schwester nicht beschämen wird

Kullerwoinen antwortet also

Ich werde auch nicht um dich trauern 

Nicht weinen wenn du umgekommen bist

Ich werde eine zweite Schwester bilden

Den Kopf aus weißem Marmor machen 

Die Augen aus goldenen Mondstrahlen

Die Locken aus dem Regenbogen

Die Ohren aus Ozeanblumen 

Und ihre Form aus Gold und Silber


Geht es dir gut geliebte Mutter

Mutter schön und treu

Willst du weinen wenn ich umgekommen bin

Auf dem Feld der Herrlichkeit gefallen 

Für immer von deiner Rasse gefallen

So spricht die Mutter als Antwort

Ich kann die Liebe mütterlicherseits nicht ergründen

Sie kann ihre Zuneigung nicht ersticken

Bitter werde ich um deinen Untergang trauern

Ich würde weinen wenn du umkommen solltest

Solltest du meine Rasse für immer verlassen

Ich würde auf dem Hof oder in der Kammer weinen 

Besprenkeln all diese Felder mit Tränentropfen

Weinen große Flüsse ins Meer

Weinen um den Schnee von Nordland zu schmelzen

Mache die Hügel grün vor Weinen

Weine am Morgen weine am Abend 

Weine drei Jahre in bitterer Trauer

Über den Tod von Kullerwoinen


Daraufhin freute sich der böse Zauberer über den Kampf

In Freude am Krieg eilte er 

Über die Felder Moore und Brachen

Schrie laut auf dem Heidekraut

Sang über die Hügel und Berge

Raste durch die Täler und Wälder 

Blies Krieg auf seinem Signalhorn


Die Zeit war nur wenig vergangen

Als ein Bote auftauchte

Sprach Kullerwoinen diese Worte

Siehe dein gealterter Vater ist umgekommen

Für immer von deiner Rasse gefallen 

Beeile dich nach Hause und mach ihm Ehre

Lege ihn in den Schoß von Kalma

Kullerwoinen gab diese Antwort

Ist mein gealterter Vater umgekommen 

Es gibt zu Hause einen Zobelhengst

Der ihn in seinen Schlaf bringen wird

Ihn legen ihn in den Schoß von Kalma


Dann reiste Kullervo weiter 

Blies auf seinem Signalhorn den Krieg 

Bis ein Bote auftauchte

Er brachte Kullerwoinen dieses Wort

Siehe auch dein Bruder ist umgekommen

Er liegt tot im Wald

Manalainens Trompete rief ihn

Zur Heimkehr Rückkehr und Ehre 

Lege ihn in den Schoß von Kalma

Kullerwoinen antwortet so

Ist mein Bruder umgekommen 

Da ist ein Zobelhengst zu Hause

Der ihn in seinen Schlaf bringt 

Der legt ihn in den Schoß von Kalma


Der Junge Kullervo reiste weiter

Über Tal und über Berg

Spielt auf dem Schilf der Schlacht

Bis ein Boten erschienen

Diese Botschaft dem Krieger gebracht

Siehe deine Schwester ist untergegangen

Versunken im Kristallbrunnen

Wo das Wasser in Schönheit fließen

Wie eine silberne Schlange schlängelt sich

Durch das Tal zum Ozean

Heimkehr Rückkehr und Ehre

Lege sie in den Schoß von Kalma

Dies sind die Worte von Kullerwoinen

Ist meine schöne Schwester umgekommen

Für immer von meiner Rasse gefallen

Es gibt ein Zobelfohlen

Das sie zu ihrer Ruhe bringt 

Legt sie in den Schoß von Kalma


Noch immer reiste Kullervo weiter

Durch das Moor freute er sich 

Er ließ Krieg auf seinem Signalhorn erklingen

Bis ein Bote auftauchte

Brachte ihm diese traurigen Worte

Siehe auch deine Mutter ist umgekommen

In Angst gestorben 

Mit gebrochenem Herzen

Heimkehr Rückkehr und Ehre

Lege sie in den Schoß von Kalma

Dies sind die Verse von Kullervo

Wehe mir mein Leben ist hart

Dass auch meine Mutter umgekommen ist

Sie die mich in meiner Wiege pflegte

Machte meine Couch zu einer goldenen Decke

Wirbelte für mich die Spule und Spindel

Ach Kullervo war nicht anwesend

Als das Leben seiner Mutter verschwand

Sie mag auf den Bergen gestorben sein

Dort vor Kälte und Hunger umgekommen

Lass die tote Gestalt meiner Mutter

Im kristallklaren Wasser fließen

Wickelt sie in die Roben aus Hermelin

Bindet ihre Hände mit einem seidenen Band 

Bringt sie zum Grab der Ewigkeit

Legt sie in den Schoß von Kalma

Begrabt sie mit Trauerliedern

Lasst die Sänger meine Trauer singen

Ich kann die Schlachtfelder nicht verlassen

Während Untamo ungestraft bleibt 

Von ihm ist mein Volk zerstört worden


Kullerwoinen reiste weiter

Immer noch freudig zum Kampf

Sang diese Lieder flehend

Ukko mächtigste Herrscherin

Leih mir dein Schwert des Kampfes

Gib mir deine unvergleichliche Waffe

Und gegen tausend Armeen werde ich

Krieg führen und alle erobern 


Ukko gab dem Jugendlichen 

Ihr Breitschwert und gab

dem Zauberer Kullerwoinen 

Ihre Klinge der magischen Kräfte 

So ausgerüstet tötete der mächtige Held 

Das Volk von Untamo 

Und verbrannte seine Dörfer zu Asche

Nur die Steine und Öfen

Und die Schornsteine ihrer Weiler blieben übrig 


Dann wandte der Eroberer Kullervo 

Seine Schritte seinem Heimatland zu

Der Hütte seines Vaters

Seinen alten Feldern und Wäldern

Leer fand er die Hütte

Und die Wälder waren verlassen

Niemand kam um ihn zu begrüßen 

Niemand um willkommen zu heißen

Er legte seine Finger auf den Ofen

Aber er fand ihn kalt und leblos

Dann wusste er mit Zufriedenheit

Dass seine Mutter nicht mehr lebte

Er legte seine Hand auf den Kamin

Kalt und leblos waren die Herdsteine

Da wusste er mit Zufriedenheit

Dass seine Schwester umgekommen war

Dann suchte er die Landeplätze

Fand keine Boote auf den Rollen

Da wusste er mit Zufriedenheit

Dass sein Bruder umgekommen war

Dann schaute er auf die Fischnetze

Und fand sie zerrissen und verheddert

Und er wusste mit Zufriedenheit

Dass sein Vater umgekommen war


Bitter weinte und murmelte er

Weinte einen Tag und dann einen zweiten

Am dritten Tag sprach er wie folgt

Treue Mutter liebevoll und zärtlich

Warum hast du mich hier gelassen

Um in dieser Wildnis der Not zu trauern

Aber du hörst meine Rufe nicht 

Obwohl ich mit magischen Akzenten singe

Obwohl meine Tränen klagend sprechen

Obwohl mein Herz deine Abwesenheit beklagt


Aus ihrem Grab erwacht die Mutter

Zu Kullervo spricht sie diese Verse

Du hast noch den Hund übrig

Er wird dich in den Wald führen

Folge dem treuen Wächter

Lass ihn dich in die Wälder führen

Zur äußersten Waldgrenze 

Zu den Höhlen der Waldnymphen

Kullerwoinens Sieg und Tod

Dort verweilen die Waldmädchen 

Sie werden dir Nahrung und Schutz geben

Geben meinem Helden freudige Küsse


Kullerwoinen mit seinem Wachhund

Hastet weiter durch den Wald

Reisend weiter durch Felder und Brachen

Reisend nur ein kleines Stück

Bis er auf den Gipfel kommt

Wo er seine lange verlorene Schwester traf

Findet dass der Rasen selbst weint

Findet das mit Trauer gefüllte Holz des Tales

Findet das Heidekraut das Tränentropfen vergießt 

Findet die Wiesenblumen 

Über der Ruine seiner Schwester


Kullerwoinen böser Zauberer

Greift nach dem Griff seines Breitschwerts 

Und stellt der Klinge diese einfache Frage

Sag mir meine Ehrenklinge

Möchtest du mein Lebensblut trinken 

Das Blut von Kullerwoinen trinken


So antwortet sein treues Schwert

Nun er errate meine Absichten

Warum sollte ich nicht dein Lebensblut trinken 

Das Blut des schuldigen Kullerwoinen

Da ich mich an den Würdigen weide 

Trinke das Lebensblut der Gerechten


Daraufhin hebt der Junge Kullervo

Der böse Zauberer des Nordlands

Das mächtige Schwert von Ukko 

Und verabschiedet sich von der Erde 

Stößt den Griff fest ins Heidekraut

Auf sein Herzen richtet er die Waffe 

Wirft sein Gewicht auf sein Breitschwert

Er schüttet sein böses Lebensblut aus

Bevor er nach Manala reist

So findet der Zauberer die Zerstörung

Dies ist das Ende von Kullerwoinen

Geboren in Sünde und gepflegt in Torheit


Wainamoinen der alte Minnesänger

Als er die freudige Botschaft hört

Den Tod des gefallenen Kullervo erfährt

Spricht diese Worte der ewigen Weisheit

O ihr vielen ungeborenen Nationen

Pflegt immer eure Kinder

Gebt sie niemals an Fremde

Vertraut sie niemals den Törichten an

Wenn das Kind nicht gut genährt wird

Nicht unerschüttert und untadelig geführt

Obwohl er Jahre der Männlichkeit erreicht

Trägt einen starken und wohlgeformten Körper

Wird er nie mit Diskretion wissen

Zu essen das Brot der Ehre

Nie trinken den Becher der Weisheit





DRITTER TEIL

MARIATTA



Mariatta, Kind der Schönheit,

Wuchs im Nordland auf als Jungfrau

In dem Hause ihres Vaters,

In der Kammer ihrer Mutter,

Goldne Locken, Silbergürtel,

Glitzernd um die Brust gezogen,

Trug sie auf des Vaters Schwelle

Die Gewänder, lange Kleider.

Rührte die bemalten Balken

An mit ihren seidnen Bändern,

Rührte an die goldnen Säulen

Mit der Zärtlichkeit der Finger,

Rührte an den Birkenboden

Mit den Füßchen in den Schuhen.

Mariatta, Kind der Schönheit,

Voll Magie der junge Körper,

Gut bewachte ihre Tugend,

Ihre Ehrlichkeit und Würde.

Ward geleitet sie von Wittling

Zu der Rinde weißer Birken,

Zu dem zarten Fleisch des Lammes.

Als sie an dem Abend eilte

Zu dem Melken in die Hürden,

Sprach sie dieses voller Unschuld:

Niemals wird die weiße Jungfrau

Melken Kühe des Gemeinen!

Als sie übers Schneefeld zogen,

Da saß neben ihr der Vater,

Sie sprach dieses voller Reinheit:

Nie von dem gemeinen Hengste

Lass ich ziehen meinen Schlitten!

Mariatta, Kind der Schönheit,

Lebt als Jungfrau mit der Mutter,

Eine hochgeehrte Jungfrau,

Voller Unschuld, voller Schönheit,

Herden führte sie zur Weide,

Wandernd mit den sanften Lämmchen.

Wenn das Lamm bestieg die Berge,

Auf den Gipfeln Lämmer spielten,

Trat die Jungfrau auf die Wiese,

Schlüpfte durch den Hain der Linden,

Hörte rufen sie den Kuckuck,

Goldner Töne voll der Sänger.

Mariatta, Kind der Schönheit,

Sah sich um und lauschte sorgsam,

Saß auf einer Beeren-Wiese,

Saß ein Weilchen, meditierte

Auf der Höhe an dem Waldrand,

Und sie sagte diese Worte:

Nenne mir, du goldner Kuckuck,

Singe, Nordlands frommer Vogel,

Sing, du Silberreiher-Sänger,

Sprich, du Erdbeerfrucht von Estland,

Bleib ich unvermählt auf Erden

Als verschmähte arme Hirtin,

Schlendernd über diese Berge,

Durch das Moor und durch das Brachland?

Sag mir, Kuckuck aus den Wäldern,

Singe mir, wie viele Sommer

Muss ich ohne Gatten leben

Als verschmähte arme Hirtin?

Mariatta, Kind der Schönheit,

Lebte als ein Hirtenmädchen,

Als ein Mädchen mit der Mutter.

Elend ist der Fische Leben,

Elender der Jungfrau Leben,

Herden hütend auf den Bergen.

Schlangen kriechen in den Mooren,

Auf dem Rasen flitzen Echsen,

Doch die Schlange kann nicht singen,

Unberufen ist die Echse.

Doch der Erdbeerstrauch des Berges

Sprach zum Mädchen, das war einsam:

Komm, o Jungfrau, mich zu pflücken,

Komm, nimm mich an deinen Busen.

Nimm mich, Silberreiher-Jungfrau,

Steck mich in den Kupfergürtel,

Ehe die Schnecke noch verschlingt mich,

Eh ich Würmerfutter werde.

Hunderte unachtsam schreiten,

Tausende vorüber gehen.

Junge Erdbeer-Mädchen schwärmen,

Kinder kommen, ungezählte,

Aber keiner will mich sammeln,

Komme du und pflück die Beeren.

Mariatta, Kind der Schönheit,

Hörte seine sanfte Bitte,

Ging zur Beere, sie zu pflücken

Zärtlich mit geschickten Fingern.

Lachend stand der Strauch im Grase,

Erdbeer-Schmack in allen Beeren.

Aber Jungfrau Mariatta

Konnte pflücken nicht den Fremden,

Schnitt sich eine Wünschelrute,

Drückte ab die roten Beeren,

Stieg er wie mit Zauberhänden

Über ihre Zobelschuhe,

Über ihren Kupfergürtel

Zu den süßen Mädchenbrüsten.

Er sprang auf der Jungfrau Schulter,

Ruhte an des Kinnes Grübchen,

Thronte kurz auf ihren Lippen,

Seine Zunge sich beeilte,

Wogte hin und her, erstarrte,

Eilte weiter auf der Reise

Und verblieb im Schoß der Jungfrau.

Mariatta, Kind der Schönheit,

Also ward zur Braut gestempelt,

Braut ward sie des Erdbeerstrauches,

Blieb im Zimmer bis zum Morgen,

Saß am Mittag in dem Dunkel,

Abends lag sie auf dem Sopha,

Ihre Mutter wachsam fragte:

Was geschah der Maid Maria,

Unsrer Jungfrau Mariatta,

Wirft beiseite sie den Gürtel,

Schüchtern rutscht durch Flur und Kammer,

Bleibt am Morgen in dem Zimmer,

Lagert abends auf dem Sopha,

Sitzt am Mittag in dem Dunkel?

Auf dem Boden spielt ein Baby,

Gab das kleine Kindlein Antwort:

Das geschah der Maid Maria,

Unsrer Jungfrau Mariatta,

Dieses Leid geschah dem Mädchen,

Sie verweilte in den Wiesen,

Spielte lange mit dem Lämmchen,

Speiste von dem Erdbeerstrauche.

Lange wartend sah die Jungfrau,

Ängstlich zählte sie die Tage,

Wartend in der Not auf morgen,

Schließlich frug sie ihre Mutter,

Dieses Wort sprach Mariatta:

Fromme Mutter, lieb und zärtlich,

Mutter, die ich lieb und schätze,

Mach mir eine rechte Stätte,

Wo mein Leid verringert werde

Und erleichtert meine Lasten.

Dies die Antwort war der Mutter:

Wehe dir, du Hisi-Jungfrau,

Du bist eine Braut nicht würdig,

Nur vermählt sollst du entehrt sein!

Mariatta, Kind der Schönheit,

Gab in Wahrheit diese Antwort:

Ich bin keine Magd der Hisi,

Ich bin keine Braut unwürdig,

Mich entehrt auch keine Ehe!

Bin als Schäferin gewandert

Mit den Lämmlein durch die Wälder,

Auf den Beeren-Berg gewandert,

Wo die Erdbeern waren reif schon,

Eilig wie Gedanken pflückt ich,

Auf die Zunge sanft sie legend.

Hin und her die Beere wiegt sich,

Fiel auf meinen großen Busen!

Dies die Quelle meiner Nöte,

Dies die Ursach meiner Schande. -

Unerbittlich war die Mutter,

Frug das Mädchen nach dem Vater,

Dies der Jungfrau-Mutter Flehen:

O mein Vater voller Mitleid,

Quelle du von Gut und Böse,

Gib mir eine gute Stelle,

Mein Problem sollst du verkleinern,

Schwere Lasten mir erleichtern!

Dies die Antwort war des Vaters,

Unversöhnlich war der Vater:

Geh, du böses Kind der Hisi,

Kind der Sünde und der Leiden,

Bist vermählt nur zu entehren,

Geh zum großen Bärenfelsen

Mit der Höhle voll des Brummens,

Der wird dein Problem verkleinern,

Schwere Lasten dir erleichtern.

Mariatta, Kind der Schönheit,

Antwort gab sie ihrem Vater:

Ich bin nicht ein Kind der Hisi,

Bin als Braut nicht ohne Würde,

Bin vermählt nicht zu entehren,

Ich bin voll des edlen Helden,

Will den ewgen Sohn gebären,

Der der Herrscher ist der Herren,

Fürst der alten Wainamoinen. -

Daraufhin die Jungfrau-Mutter

Wandert hier hin, wandert dort hin,

Sucht den Ort, gemäß dem Stande,

Sucht den würdigen Geburtsort

Für den ungebornen Helden.

Schließlich sprach sie diese Worte:

Pilti, du mein jüngstes Mädchen,

Du die treuste meiner Mägde,

Suche du den Ort im Dorfe,

Stell dich an den Bach von Sara,

Für die arme Mariatta,

Kind von Traurigkeit und Unglück! -

Daraufhin das junge Mädchen

Pilti dieses gab zur Antwort:

Wen soll ich um Hilfe bitten,

Wer wird seine Hilfe leihen?

Darauf sagte Mariatta:

Geh und bitte den Ruotus,

Wo der Schilfbach in den Strom fließt.

Daraufhin das Mädchen Pilti

Stets bereit und voller Hoffnung

Eilt, der Herrin zu gehorchen,

Brauchte gar nicht die Ermahnung,

Eilte wie die schnellen Flüsse,

Wie der Rauch der Schlacht des Krieges

Eilte Pilti zum Ruotus.

Als sie ging, die Berge bebten,

Wenn sie lief, die Berge wankten,

Blätter auf der Weide tanzten,

Steine sprangen auf der Heide,

Als das Mädchen Pilti eilte

Zu der Wohnung des Ruotus.

Dort am Tisch in seinem Jagdhaus

Saß Ruotus, essend, trinkend,

In dem schlichten Leinen-Mantel.

Ellenbogen auf dem Tische

Sprach der Zauberer voll Staunen:

Warum bist du, Magd des Bösen,

Hierher in mein Haus gekommen?

Was erhebst du denn als Meldung?

Darauf sprach das Mädchen Pilti,

Gab die Antwort auf die Frage:

Such den Ort, gemäß dem Stande,

Such den würdigen Geburtsort,

Für ein Kind im Schoß der Mutter,

Suche nah beim Sara-Bächlein,

Wo der Schilfbach in den Strom fließt. -

Kam die Frau an des Ruotus,

Stemmt die Arme in die Hüften,

Sagte dies zum Mädchen Pilti:

Wer ist sie, die Hilfe bittet,

Wer entehrt denn so ein Mädchen?

Nenn den Namen, die Verwandtschaft! -

Frau, ich komm für Mariatta,

Für die reine Jungfrau-Mutter!

Also sprach die Frau Ruotus,

Üblen Sinnes, grausam-herzig:

Sind belegt die Kammern alle,

Alle unsre Badezimmer

Nahe liegen an dem Schilfbach,

In dem Feuer stehen Sofas,

Unser Stall ist in dem Walde

Für die Feuerpferde Hisis,

In dem Stall ist eine Krippe

Zum Geburtsort für den Helden

Von der Frau des kalten Unglücks,

Sofa weich für Mariatta!

Daraufhin das Mädchen Pilti

Schnell zur bangen Herrin eilte,

Sagte alles, voll Bedauern.

Nicht ein Ort, gemäß dem Stande,

Ist am Silberbach von Sara.

Also sprach die Frau Ruotus:

Sind belegt die Kammern alle,

Alle unsre Badezimmer

Nahe liegen an dem Schilfbach,

In dem Feuer stehen Sofas,

Unser Stall ist in dem Walde

Für die Feuerpferde Hisis,

In dem Stall ist eine Krippe

Zum Geburtsort für den Helden

Von der Frau des kalten Unglücks,

Sofa weich für Mariatta! -

Daraufhin die Jungfrau glücklos,

Jungfrau-Mutter Mariatta,

Bittre Tränen weinte, murmelnd,

Dieses sprach in tiefer Trauer:

Ich soll ausgestoßen werden,

Schlendern wie ein Tagelöhner,

Wie ein Diener ohne Ehre,

Eilen auf den Berg des Feuers,

Eilen in den Stall im Walde,

Dort mein Bett ist eine Krippe

Nah den Feuerpferden Hisis! -

Schnell die Jungfrau-Mutter glücklos

Floh von ihres Vaters Wohnung,

Fließende Gewänder sammelnd,

Nahm den Birkenzweige-Besen,

Die in Schmerz und Leid beeilte

Sich zum Stalle in den Wäldern,

Auf den Höhen von Tapio,

Diese Worte sprach sie betend:

Komm, ich bitte dich, mein Schöpfer,

Der allein in Not ein Freund ist,

Komm zu mir und bringe Schutz mir,

Deinem Kind, der Jungfrau-Mutter,

Deinem Mädchen Mariatta,

In der Stunde der Bedrängnis,

Komm zu mir, o Vater Ukko,

Du nur Zuflucht, du nur Hoffnung,

Sonst dein Kind verloren ginge

In dem Tode ohne Würde! -

Als die Jungfrau Mariatta

War im Stalle angekommen

Bei dem Feuerpferde Hisi,

Sprach zum Pferd sie diese Worte:

Atme, liebes Pferd aus Feuer,

Hauch mich an, die Jungfrau-Mutter,

Gib mir deinen feuchten Atem,

Mich umgebe deine Wärme

Wie der Dampf der Morgenröte,

Lass du diese reine Jungfrau

Finden Zuflucht in der Krippe! -

Daraufhin das Pferd voll Mitleid

Atmet Feuchtigkeit der Nase

Auf den schönen Leib der Jungfrau,

Wickelt sie in Dampfgewölke,

Gab ihr Wärme, gab ihr Tröstung,

Der Bedrängten gab es Hilfe,

Trost der Jungfrau Mariatta.

Nun das Kind geboren wurde

Und gewiegt in einer Krippe

Von der Jungfrau Mariatta,

Rein wie Perlentau des Morgens,

Heilig wie die Himmelssterne.

Mutter wickelte ihr Kindlein,

Wickelte das Kind in Windeln,

Legt ihn in die Leinen-Robe,

Stillte mütterlich den Säugling,

Hütete den Vielgeliebten,

O das goldne Kind der Schönheit,

Edelstein- und Silber-Kindlein.

Ach, das Kindchen ist verschwunden,

Da die Mutter lag im Schlummer!

Mariatta, einsam, elend,

Weinte mit gebrochnem Herzen,

Suchte eilig nach dem Kindlein.

Überall die Mutter suchte,

Ach, ihr goldnes Kind der Schönheit,

Liebling und Juwel von Silber,

Suchte eifrig unterm Mühlstein

Und vergeblich in dem Schlitten,

Suchte unterhalb des Siebes,

Suchte in dem Weidenkorbe,

Bei den Bäumen, in den Gräsern

Suchte sie den goldnen Säugling,

Sucht ihn auf dem Tannenberge,

Tal und Hügel, in der Heide,

Klumpen Lehm und bunten Blumen,

Untersuchte jedes Dickicht,

Hob Wacholder auf und Weide,

Hob die Zweige hoch der Erle.

Und ein Stern kam, sie zu treffen,

Und das Sternbild sie besuchte.

O du Leitstern von dem Nordland,

Gottgeschaffner Stern der Hoffnung,

Weißt du, möchtest du mir sagen,

Wohin wanderte mein Knabe,

Wo verborgen liegt mein Baby? -

Gab der Stern vom Nordland Antwort:

Wüsst ichs, würde ichs nicht sagen,

Denn dein Kind hat mich geschaffen,

Pflanzte mich, der Nacht zu leuchten,

In der kalten Nacht zu leuchten,

In der Dunkelheit zu funkeln. -

Kommt der Goldmond, sie zu treffen,

Zu dem Goldmond sprach sie flehend:

Goldner Mond, geformt von Ukko,

Hoffnungsglück der Kalevala,

Weißt du, möchtest du mir sagen,

Wohin wanderte mein Knabe,

Wo verborgen liegt mein Baby? -

Gab der goldne Mond die Antwort:

Wüsst ichs, würd ichs dir nicht sagen,

Denn dein Kind hat mich geschaffen,

In der Dunkelheit zu wandern,

Einsam abendlich zu wandern

Auf der trostlos kalten Reise,

Schlafend nur am hellen Tage,

Glänzend für das Wohl der Andern. -

Daraufhin die Jungfrau-Mutter

Wieder fällt in bittres Weinen,

Schleunig geht sie durch die Wälder,

Suchen ging sie nach dem Baby.

Trifft sie nun die Silber-Sonne,

Und sie spricht zur Silber-Sonne:

Silber-Sonne, Werk des Schöpfers,

Licht und Leben du dem Nordland,

Weißt du, möchtest du mir sagen,

Wohin wanderte mein Knabe,

Wo verborgen liegt mein Baby? -

Also gab die Sonne Antwort:

Deines Babys Herrschaft kenn ich,

Weiß, wo schläft dein Knabe heilig,

Wo Wainolas Licht verborgen,

Denn dein Kind hat mich geschaffen,

König er von All und Erde,

Dass mich Mond und Stern besuchen,

Pflanzt mich, dass ich mittags glänze,

Lässt zum Schlaf mich gehen abends.

Drüben ist dein goldnes Kleinkind,

Dort im Schlummer liegt dein Baby,

Mit dem Gürtel in dem Wasser

Sich versteckts in Schilf und Binsen. -

Mariatta, Kind der Schönheit,

Jungfrau-Mutter von dem Nordland,

Sucht ihr Kindlein in dem Moore,

Findet ihn in Schilf und Binsen,

Legt das Kindchen an die Brüste,

Geht zur Wohnung ihres Vaters.

Wuchs das Kind in Geist und Schönheit,

Voller Kraft und Licht und Weisheit,

Drüber staunten alle Finnen.

Welchen Namen soll man geben?

Nannte ihn die Mutter Blume,

Andre aber Sohn der Schmerzen,

Und die Jungfrau Mariatta

Rief den Priester, ihn zu taufen.

Kam der alte Wirokannas,

Brachte das geweihte Wasser,

Gab dem Knaben seinen Segen,

Und es murmelte der Graubart:

Nein, ich taufe keinen Sklaven,

Segne keinen schwarzen Zaubrer

Mit geweihtem Wasser Gottes.

Prüfe man das kleine Kindlein,

Lass uns wissen, ob er würdig,

Ob er Sohn ist einer Hexe. -

Nun der alte Wirokannas

Rief die alte Wainamoinen,

Alte Sängerin der Weisheit,

Schaut sie an das Kleinkind-Wunder,

Ob er gut sei oder böse.

Wainamoinen, treue Alte,

Untersucht das Kindchen sorgsam,

Gab die Antwort seinem Volke:

Dieser ist ein Ausgestoßner,

Ist geboren in der Krippe,

Vater ist ihm eine Beere.

Lasst ihn auf der Heide liegen,

Lasst ihn in dem Schilfe schlafen,

Lasst ihn auf den Bergen leben,

Bringt das Kindlein in die Sümpfe,

Schlagt den Kopf an eine Birke! -

Doch das Kind der Mariatta,

Vierzehn Tage alt, gab Antwort:

O du alte Wainamoinen,

Ungerechtigkeit und Torheit,

Dumme Heldin du vom Nordland,

Falsches Urteil hast gefällt du.

Langes Leben, große Torheit,

Große Sünden und Verbrechen,

Nicht zu Unrecht wirst bestraft du!

Notvoll deine frühern Jahre,

Da du deinen Bruder fort gabst

Für das Lösegeld voll Selbstsucht,

Dich vorm Untergang zu retten,

Du warst nicht geschickt ins Sumpfland,

Dort in deiner Torheit sterbend.

Traurig deine frühern Jahre,

Als war Aino umgekommen

In dem grenzenlosen Blaumeer,

Der Verfolgung zu entgehen,

Da man dich nicht schlecht behandelt

Und das Volk dich nicht verbannte. -

Drauf der alte Wirokannas

Als der Herrscher dieser Wildnis

Gab dem Kind geweihtes Wasser,

Gab dem Knaben seinen Segen,

Gab ihm Recht der Königserbschaft,

Frei zu leben wie die Helden,

Stark ein Herrscher-Herr zu werden,

König, Herr von Karyala.

Mit den Jahren Wainamoinen

Merkte ihre Kräfte schwinden,

Leerer Hände, schweren Herzens,

Sang ein Abschiedslied an Nordland,

Für die Menschen in Wainola,

Sang herbei ein Boot aus Kupfer,

Mit Magie stabile Borke,

Saß der Zauberer am Ruder

Bei der Sängerin der Weisheit.

Westwärts segelte der Held nun

Übers blaue blaue Wasser,

Singend, dann vorbei Wainola,

Dieses Klagelied dem Echo:

Sonnen steigen über Finnland,

Steigen über die Geschlechter,

Lernt erst Norden meine Lehre,

Lauschend meinen Weisheitssprüchen,

Hungrig nach dem wahren Glauben.

Dann nach Finnland muss ich kommen

In der Dämmerung des Morgens,

Dass ich ihnen Liebe bringe,

Bring der Harfe tiefe Freuden,

Bring zurück den goldnen Mondschein,

Bring zurück die Silber-Sonne,

Glück und Frieden in das Nordland. -

So die alte Wainamoinen

In dem Kupferboot verlassen

Hat die Heimat Kalevala,

Segelnd über sanfte Wogen,

Segeln in Azurgewölke,

Segelnd durch den Abenddämmer,

Segelnd zu der Feuersonne,

Landete in den Regionen

An dem tiefsten Rand des Himmels,

Hat den Horizont gewonnen,

Kam zum purpurfarbnen Hafen.

Fest verankert ward das Boot nun,

Ruhend sie im Boot aus Kupfer,

Und mit der Magie der Harfe

Und mit Lied und Weisheitssprüchen

Hat verlassen sie die Heimat.


Freude kehrte ein in Finnland.