VON TORSTEN SCHWANKE
ERSTER GESANG
Einst in der Stille des Seins, eh die Zeit sich als Strom in die Welt goss,
Ruhte die Einheit in sich, ungeteilt und in göttlicher Fülle.
Doch aus der Einheit entsprang, als ein Wunsch nach der eigenen Schauung,
Geistige Zweiheit des Seins: der Logos, der ordnende Strahlkraft,
Und die Sophia, das Licht, das die Tiefe des Herzens ergründet.
Weisheit, die mütterlich webt, und das Wort, das die Form erst erschaffet.
Doch wie der Schatten, so trat, aus dem Stolz der getrennten Gestalt hin,
Jener „Widersacher“ hervor, der die Kluft zwischen beiden vertiefte.
„Logos, sei Herr!“ rief das Ich, und es trennte die Welt vom Erleben,
„Sophia, zieh dich zurück!“ rief die kühle Vernunft in den Kerkern,
Die sie dem Geiste gebaut, aus den Steinen des toten Gesetzes.
So ward die Welt in die Kälte entführt, in die Wüste der Trennung,
Wo nur die Zahlen noch zählen und wo Maße den Sinn uns ersetzen.
Seht, wie der Mensch nun umherirrt, ein Suchender, geistig verwaist schon,
Jagt dem Erfolge nur nach, den die Logik ihm täglich verheißet.
Doch in der Tiefe des Blicks, in der Ahnung der schweigenden Nachtstund,
Regt sich das mütterlich-weiche Prinzip, das die Welt erst zusammenhält.
Sophia, die leise, sie ruft aus der Schöpfung geheimen Gefilden,
Wo noch die Urkraft der Liebe als göttlicher Atem die Form durchwebt.
Hört nun das Wort der Verwandlung: Nicht Logos allein soll regieren,
Nicht in der kühlen Distanz soll der Geist sich vom Körper entfremden.
Wiederherstellung heißt, dass die Braut, die Sophia, die Weisheit,
Wieder die Krone empfängt, die ihr zusteht im Reiche des Geistes.
Logos, er reiche die Hand, durch die Tat der Erkenntnis geläutert,
Denn in der Einung erst wird, was zerbrochen, zur Ganzheit erhoben.
Wisse, die Spaltung der Welt ist nur Prüfung, ein Riss im Gewebe,
Den wir durch Liebe und Schau, durch die Kraft, die Sophia uns schenket,
Heilen im Innern des Selbst, wo der Logos die Form uns bewahret.
So erst erstehet die Welt, aus dem Wirrwarr des sterblichen Wahnwitz,
Auf in die göttliche Sphäre, wo Logos und Sophia sich küssen.
Nun aber blicke zurück in den Lauf, den die Zeiten uns bahnten,
Wie sich der Riss, der am Anfang geschah, in das Dasein der Völker
Fressen ließ wie ein Feuer, das zehrend die Wurzeln des Geistes
Einst in der Ordnung verbrannte, die Sophia dem Logos bereitet.
Nicht ist der Logos allein noch der Schöpfer, er wurde zum Herrscher,
Der, von der Weisheit gelöst, nur die Welt in die Maße der Logik
Zwängt, und das Lebendige tötet, um sicher die Form zu besitzen.
Siehe den Wandel der Geister: Die Frühzeit, sie ahnte das Ganze,
Noch war die Mutter in Ehren, noch glühte das Licht der Sophia
Stark in dem Munde der Seher, in heiligen Riten der Vorzeit.
Doch dann erhob sich das männliche Wort, das den Anspruch erhob nun,
Alleinig die Welt zu bestimmen, nach Wegen der starren Vernunft nur.
Logos, der einst als Gefährte die Braut in den Armen getragen,
Schnitt nun das Band, um im Stolz einer einseit’gen Herrschaft zu walten.
Dort in der Griechenland Wiege, da begann das Verhängnis der Spaltung,
Wo die Begriffe den Mythos verdrängten und Logik den Zauber.
Stark ward der Geist der Analyse, der alles in Einzelnes spaltete,
Doch das „Zusammen“ verlor sich, die Liebe, die alles durchdringt nun,
Wurde verbannt in das „Niedere“, in das, was die Denker nun meiden.
So ward die Welt zur Maschine, zum Werk, das der Logos entwarf bloß,
Toten Objekten gleich, die dem Auge der Seele sich entziehen.
Ach, wie die Geschichte uns lehrt, dass die Herrschaft des logos-zentrierten
Menschen, der nur noch berechnet, in Leiden und Kälte uns führt nun:
Denn was die Seele nicht nährt, wird zur Last, die der Geist nicht erträgt mehr.
So ist das Zeitalter heute ein Zeugnis der tiefen Entfremdung,
Wo die Sophia verhallt, nur als Echo, in Winkeln der Träume.
Doch wer die Zeichen versteht, der erkennt in der Not dieser Zeit auch,
Dass nur die Rückkehr zur Weisheit, dem logos-gemäßen Erkennen,
Heilung verheißt für das Wundenmaß, das die Geschichte uns schlug schon.
Nicht nur in Reichen und Zeiten, auch tief in der Seele des Menschen
Spaltet sich nun das Gefüge, das einstens als Einheit begonnen.
Schaut in den Spiegel des Geistes: Dort kämpfen die widerstreitenden Mächte.
Denken, das kühl und messend, es bildet den Panzer der Ratio,
Schützt wohl das Ich vor der Flut der Gefühle, doch sperrt es die Liebe,
Jene Sophia-Kraft, die das Herz erst zum Leuchten erwecket.
„Ich bin mein Denken allein“, so verkündet das Ich in der Enge,
Fesselt den Geist an die Form und vergisst, dass das Wesen des Geistes
Weite bedarf und die Tiefe, in welcher das Weibliche ruhet.
So wird die Seele zum Schlachtfeld, wo Logik die Ahnung erschlaget,
Wo die Intuition als ein „falsches“, ein „dunkles“ Gebilde verschrien ist.
Mangel an Ganzheit erzeugt nun die Ängste, die rastlose Suche,
Da uns das mütterliche Ur-Wort, das stille, im Innern verhallte.
Aber vernimm nun die Lehre: Es ist nicht die Flucht aus dem Denken,
Nicht das Versinken im bloßen Gefühl, das die Heilung uns bringet.
Nein, es ist Wachheit der Seele, die beide, den Logos und Sophia,
Eint in ein schauendes Wissen, das beides im Reigen empfänget.
Wie ein Gefäß muss der Mensch nun die Weisheit als Inhalt bewahren,
Während der Logos als Form das Gefäß uns im Leben erhält nun.
Nur wer den Riss in sich selber, die Trennung des Geistes, erkennt schon,
Und wer die Sophia als Kraft, die zur Einheit der Seele uns führet,
Wieder in sich selbst bejaht, der entkommt dem „Gesetz des Widersachers“.
Denn im Inneren schlägt der Beginn einer neuen, beseelten Gestaltung,
Wenn das verstandene Wort mit der Liebe des Herzens verschmilzt nun.
So wird der Mensch zum Gefäß, in dem Gott, durch den Logos und Sophia,
Wieder die Einheit des Seins in der Welt der Erscheinung vollendet.
Blick nun hinaus in den Kosmos, wo Sternenlauf, Ordnung und Werden
Zeugen des göttlichen Spiels, das in ewigem Wechsel sich vollzieht.
Nicht ist das Sein ein Gefängnis der toten, starren Gesetze,
Sondern ein lebendiger Leib, in dem Sophia als Seele uns waltet,
Während der Logos als Geist das Gefüge im Strome bewahret.
Was wir als Spaltung erfahren, ist nur der Riss in der Hülle,
Damit das Licht der Erkenntnis in uns erst die Fülle erblicke.
Denn, so vernimm es, die Welt ist ein Brauthaus, bestimmt zur Vermählung.
Logos, der männliche Pol, er muss sich dem Weiblichen neigen,
Nicht in der Unterwerfung, doch in der demütig schauenden Tiefe.
Sophia, die Weisheit, sie reicht ihm die Schale der Gnade und Liebe,
Und in der Einung der beiden, im „Heiligen Bund“ der Syzygie,
Wird die Geschichte erlöst, die in Zeiten des Widersachers darbte.
Das ist das Ziel der Evolution, die Eberz uns deutet:
Dass nicht der Logos den Sieg über Leben und Seele davontrage,
Sondern dass Logos, durchdrungen von Sophia, zum „Logos des Lebens“
Werde, der Ordnung nicht erzwingt, sondern Liebe als Ordnung verkündet.
So wird die Welt, die wir bewohnen, zur Offenbarung des Gottes,
Welcher in Dualität uns die Einheit der Liebe bewahren will.
Wisse: Die Spaltung ist Heilung, wenn wir sie als Ruf nur verstehen,
Wieder die Liebe zum Denken, die Seele zum Geist zu vermählen.
Dann erst, wenn Menschheit die Syzygie in sich vollzogen,
Wird sich der Schleier lüften, der uns die Wahrheit des Ganzen verbirgt noch.
Dann erst erstrahlt, in der Einheit des Logos und mütterlicher Sophia,
Die Wiederherstellung der Welt, als ein Werk, das durch uns erst geschieht.
Hast du den Riss nun erkannt, der die Welt und das Innere spaltet,
Bist du belehrt durch die Schau, wie der Logos die Sophia suchet,
Dann ist die Zeit nun gekommen, die Lehre zur Tat zu erheben.
„Wiederherstellung“, so lehrt uns Eberz, beginnt nicht in Wolken,
Sondern im Schmutz der Arbeit, im Gespräch und im alltäglichen Handeln.
Denn was der Geist nicht in Taten formt, bleibt ein leerer Gedanke.
Suche den Logos im Denken, doch hüte dich vor der Erstarrung,
Lass die Sophia, die Weisheit, den Blick dir als Filter nun dienen.
Wenn du die Welt nun betrachtest, so miss nicht nur Maße und Zahlen,
Sondern erfrage die „Seele“ des Dings, das dir vor den Augen erblühet.
Wer nur berechnet, der tötet das Wesen, das zart in der Form ruht,
Wer aber schaut mit Sophia, der findet das Geistige wieder.
Übe den Dienst der Vermählung: Im Streit, wo der Logos die Waffen
Schärft mit der Logik des Rechtes, da bringe das sanfte Erbarmen,
Jene Sophia-Kraft, die den Riss durch das Hören erst heilet.
Nicht durch Gewalt wird der Logos bezwungen, doch durch die Hingabe,
Welche den Logos nicht tilgt, sondern heilig in Liebe verwandelt.
Das ist die Askese der Freiheit: Die Macht des Verstandes zu beugen
Unter die Weisheit des Herzens, das ahnungsvoll alles verbindet.
So wird das Leben zum Sakrament, wo der Logos, der männliche Streiter,
Dienstbar der Mutter sich macht, um das Heil in die Welt zu entlassen.
Jeder Schritt ist ein Wagnis, die Syzygie neu zu vollziehen,
Bis dass der Mensch, der in Spaltung begann, in der Einheit vollendet,
Selber als „Logos-Sophia“ in Liebe die Welt neu gestaltet.
Gehe den Weg nun, als Hüter des Lichts, das in dir schon verborgen,
Warte nicht auf das Ende der Zeiten – die Zeit ist im Jetzt schon gegeben.
Nun aber hebe den Blick, weit über das Heute und Morgen,
Schau in die Fernen der Zeit, wo der Logos die Form erst verklärt hat.
Wenn in dem Menschen der Bund, die heilige Paarung der Geister,
Nicht mehr als Ringen erscheint, doch als göttliche Ordnung des Seins schon,
Wird sich die Erde verwandeln; kein „Diesseits“ und „Jenseits“ mehr trennt uns,
Denn die Sophia, sie haust in dem Leib der geschaffenen Dinge.
Nicht mehr als Geist in der Höhe, als flüchtiger Hauch in der Seele,
Wird die Weisheit sich zeigen, sie wird in den Stoff selbst hineindringen,
Logos, der formende Geist, und Sophia, das Leben, das wärmet,
Werden als Eine Gestalt in der Welt der Erscheinung nun wirken.
Das ist das Ende der Wüste, das Ende der Macht des Verschlingers,
Denn wo das Ganze sich einigt, da schwindet die Kraft des Verderbens.
Seht, wie der Mensch nun als Schöpfer, im Dienste der göttlichen Ordnung,
Tätig die Welt umgestaltet, nicht mehr als ein Knecht der Vernunft nur,
Sondern als Hüter des Glanzes, der jedem Geschöpfe innewohnt.
Jedes Gespräch wird zur Feier, die Arbeit zum Dienst an der Liebe,
Jeder Gedanke ein Opfer, das Sophia dem Logos darbringet,
Und jeder Schritt auf der Erde ein Tanz in den Hallen der Ewigkeit.
So ist das Ziel nicht die Flucht, nicht das Ende der Welt im Verderben,
Sondern die Wandlung des Stoffes durch Kräfte des heiligen Geistes.
Wisset, der Mensch ist die Brücke, auf der sich die Pole begegnen,
Wenn er das Wort, das er spricht, und die Liebe, die in ihm sich reget,
Eins werden lässt im Bewusstsein – so endet die Zeit der Entfremdung.
Friede dem Geiste, der suchend durch Nacht zu dem Lichte gefunden,
Friede der Welt, die im Bund von Sophia und Logos nun aufblüht.
Siebenfach sei nun besiegelt das Wort, das die Trennung aufhebet,
Denn nicht im Denken allein, das in Worten die Wahrheit nur umkreist,
Sondern im Schlagen des Herzens, das wissend das Eine bejahet,
Ruht die Erfüllung des Geistes, der aus dem Ursprung herniederstieg.
Hör nun das Letzte der Lehre: Das Herz ist der Ort der Vermählung,
Wo die Sophia als Weisheit sich dem Logos als Wahrheit vermählet.
Logos, der einst als der Richter, als schneidendes Schwert uns erschien nur,
Wird im Herzen zum Kinde, das schauend die Fülle des Seins grüßt.
Keine Begriffe mehr trennen, kein Zweifeln zerstückelt die Einheit,
Denn wer das Herz sich geläutert, der schaut in den Dingen das Wesen,
Sieht in dem Stein und im Lichte das Wirken der heiligen Ordnung.
Dies ist der „Logos Cordis“, die Weisheit, die leuchtend uns anblickt,
Wenn wir das Denken der Welt in die Stille des Inneren führen.
Darum verlass nun die Schule, die nur in den Schatten der Form lehrt,
Gehe hinunter zum Quell, wo der Geist aus der Sophia uns aufsteigt.
Nicht mehr als Fremder im Dasein, als Suchender, irr auf den Wegen,
Wandle als „Wissender“ nun, der den Riss in der Liebe geheilt hat.
Was du als Welt einst vernommen, als raumvolles Maß und als Zahlen,
Ist nun ein Echo der Liebe, das ewig die Einheit uns singet.
Siehe, das Werk ist vollendet, der Riss in der Schöpfung ist heil nun,
Denn in dir selber ist Gott, als das Paar der unendlichen Einung.
Gehe den Weg in der Stille, bewahre das Wort in der Fülle,
Lass die Sophia dich leiten, den Logos als Diener dir lassen.
So wird das Leben zum Lichte, das niemals die Finsternis fürchtet,
Denn wer das Ganze gefunden, der ruht in dem Frieden der Schöpfung.
Ist nun das Herz uns geworden zum Schrein für die heilige Einung,
Hat sich der Mensch in der Tiefe gefunden, im Spiegel der Liebe,
Dann ist die Zeit der Erfordernis um, und das Tun wird zum Lassen.
Nicht mehr ist Suchen das Werk, noch das Ringen um Worte und Begriffe,
Denn wer das Ganze berührt hat, der schweigt in der heiligen Stille.
Weg ist der Riss, und die Welt, die als ferne, als fremde uns dünkte,
Ist nun das eigene Kleid, das der Geist sich zur Schauung gewebt hat.
Siehe, der Logos verblasst nun im Glanz, der die Sophia umfließet,
Nicht aus Vernichtung, doch weil er nun ganz in der Quelle sich einigt.
Wie sich der Strom in das Meer ergießt, und das Salz mit dem Wasser
Eins wird im weiten Gefilde, so schwindet der Drang der Gestaltung.
Kein „Ich“ ist mehr, das die Welt noch betrachtet, kein „Du“, das uns ferne,
Nur noch das Strömen der Liebe, das ewig sich selbst in sich schauet.
Das ist das Ziel, das am Anfang verborgen schon leuchtete, ferne,
Das, was die Mythen als Heimkehr uns kündeten, oft in Gleichnissen.
Eberz, er weist uns den Pfad, doch er hält uns die Hand nicht am Ende,
Denn wo die Schauung beginnt, da erstirbt jedes Wort, jede Lehre.
Wisse, der Weg, den du gingst, war nur Stufe, um Stufe zu steigen,
Bis du den Gipfel erreichte, wo Logos und Sophia verlöschen,
Dass nur das Eine verbleibe, das namenlos über uns waltet.
Gehe nun hin, doch vergiss nicht das Siegel, das dir ward im Herzen,
Trage die Welt als ein Licht, das du selber entzündet im Innern.
Nicht mehr als Fremder im Stoff, doch als Hüter des göttlichen Funkens,
Wandle in Liebe durch Zeit, bis die Zeit in die Ewigkeit einmündet.
Alles, was war, und was wird, ist im Augenblick schon uns gegeben,
Ruhe im Sein, in der Syzygie, die ewig den Kosmos erhält nun.
Kehre nun heim in den Leib, der die Welt dir als Wohnung bereitet,
Nicht mehr als Geist, der im Äther verloren, doch fest in der Erde,
Denn wer die Einheit erschaut, der verachtet den Stoff nicht, er heiligt.
Das ist die Botschaft der Tat, die aus Stille in Wege sich gießet:
Nicht in die Flucht vor der Welt, in den Rückzug der inneren Kammer,
Sollst du verweilen, o Mensch, der das Siegel des Einen empfangen.
Sondern als Träger des Lichts, als ein Gefäß, das die Liebe durchströmet,
Wandle nun unter den Menschen, im Wirrwarr der Städte und Ämter,
Zeige das Wirken der Syzygie, die in deinem Herzen nun lebet.
Wo die Vernunft nur noch trennt, da verbinde du weise das Wahre,
Wo die Sophia verhallt, da sei du die Stimme des leisen Erbarmens,
Und wo der Widersacher noch seine Netze der Spaltung auswirft,
Da sei du Anker und Halt, ein Bollwerk des Friedens, des göttlichen Willens.
So wird die Schöpfung zur Braut, die den Logos als Bräutigam feiert,
Stoff wird zum geistigen Bau, und die Arbeit zum priesterlich’ Dienste.
Alles, was menschlich noch ist, von der Kunst bis zur schlichtesten Mühe,
Wird durch die Liebe erhöht, wird zum Sakrament, das die Zeit uns
Weitet zum Ewigen hin, wo das Werden im Sein uns vollendet.
Eberz entlässt uns nun frei, aus der Strenge der lehrhaften Ordnung,
In die Verantwortung ein, die den Kosmos als Ganzes uns überlässt.
Gehe, du Mensch, der das Wort und die Weisheit in Einung ergriffen,
Nicht als ein Meister, der lehrt, doch als einer, der dienend das Licht bringt.
Heile die Welt durch dein Sein, durch die Kraft, die Sophia dir schenkte,
Lass den Logos in dir, als ein Werkzeug der Liebe, die Welt uns erlösen.
Das ist der Sinn der Geschichte, der Zweck, den die Schöpfung uns vorgibt:
Dass durch den Menschen, den Sohn, der die Braut, die Sophia, sich einet,
Gott in der Welt sich erfährt – und die Welt sich in Gott nun vollendet.
ZWEITER GESANG
Kündet mir nun von der Zeit, da die Einheit den Geist noch durchdrang, eh
Logos, der ordnende Herr, sich vom mütterlich-weisen Prinzip trennt,
Um in der Einsamkeit Stolz, in der Härte der kühlen Vernunft nur
Sich zu verkriechen als Gott, der die Welt als ein lebloses Ding sieht.
Wisset: Am Anfang war Glanz, war das Paar, das in Ewigkeit eins war,
Doch in das Denken des Menschen schlich heimlich das Gift der Trennung,
Jener „Widersacher“, der, als Geist der Zerstörung, die Einung
Brach, um die Welt nun zu teilen in Herrscher und knechtische Materie.
Schaut auf die Stätte des Abfalls: Das Denken, es löste die Fesseln,
Die es an Sophia noch banden, um frei in der Leere zu schweifen.
„Ich bin das Maß aller Dinge“, so rief nun der Logos im Menschen,
Und in dem Augenblick schwand, wie ein Hauch, der die Flamme verlöschet,
Jene Sophia, die Liebe, die Weisheit, die alles im Ganzen
Hielt in dem sanften Umfangen. Der Riss, er durchzog nun das Dasein,
Schnitt in das Fleisch der Geschichte, in Völker, in Geister und Lehren.
Sieh, wie der Widersacher nun, in den Gewändern des Fortschritts,
Einzog in Tempel und Hallen, das Leben zur Formel verbannend.
Alles, was lebte, ward Ding, was einstmals als Wunder uns strahlte,
Wurde zum Stoff, der berechnet, zerlegt und der Macht unterworfen.
Das ist der Fluch, der die Zeit uns belegt mit der bleiernen Schwere:
Dass wir den Schöpfer verloren, weil wir das Weibliche, ach, verdrängten,
Das in der Sophia uns wohnte, das Herz, das dem Denken den Sinn gab.
Nun erst beginnt die Geschichte des Leids, die wir heute noch spüren,
Da in der Einsamkeit Logos, der Sohn, seine Mutter verleugnet,
Um im Regieren zu glänzen, doch unfähig, Liebe zu zeugen.
Hör nun die Klage des Geistes: Die Welt ist ein Trümmerhaufen,
Wenn nicht die Einung, die alte, das Paar, das den Kosmos beseelet,
Wieder im Menschen sich findet, und so den Widersacher besieget.
Kaum war der Bruch in der Seele vollzogen, da schuf sich der Feind schon
Strukturen, die fest in den Bau der Gesellschaften sich eingruben.
Nicht mehr das Leben, das fließt, bestimmt nun den Lauf der Geschicke,
Sondern das starrere Werk, das Gesetz, das den Menschen befehligt.
„Ordne die Welt!“ rief der Geist, doch das Maß, das er wählte, war leblos,
Denn er vergaß die Sophia, die Weisheit, die Leben erst wärmet.
Seht, wie der Widersacher nun, in den Gewändern der Macht sich
Niedersitzt, an der Spitze der Reiche, im Glanz der Paläste.
Er, der die Logik zur Waffe nun schmiedete, schneidend und kalt nun,
Teilt uns die Welt in die „Herrschenden“ hier und die „Dienenden“ dort ein.
Hierarchien, die starr, wie ein Stein in der Brandung des Daseins,
Jeden Impuls der Sophia, das zarte, das heilige Fließen,
Ersticken in Keimen, auf dass nur die Ordnung des Willens bestehe.
Das ist die List des Betrügers: Er gibt uns den Fortschritt, den rasanten,
Reißt uns die Sterne vom Himmel, um alles in Karten zu bannen.
Doch in der Enge des Geistes, die täglich sich weiter verhärtet,
Schwindet das Licht der Intuition, das der Seele den Weg weist.
Jeder Versuch, das Ganze zu schauen, wird nun als „falsch“ deklariert,
Denn der Verstand, der nun Herrscher, erlaubt nur das Teil und das Maß nur.
So wird die Freiheit zur Formel, das Leben zum Rädchen im Getriebe,
Und der Mensch wird zum Sklaven des Werks, das er selber ersann nun.
Doch in der Tiefe der Stille, da glimmt noch das Funken der Mutter,
Wartet Sophia, die Weise, auf jene, die mutig sich abkehren,
Von der Gewalt der Gesetze, die nur den Verstand uns versklaven.
Wisse: Der Kampf ist noch nicht entschieden, denn jedes Gebäude,
Das auf der Einseitigkeit nur beruht, wird in sich zusammen
Brechen, wenn erst die Sophia den Logos im Herzen beschenket.
Nicht nur die äußere Ordnung, auch unser Erkennen ist befangen,
Denn in die Schärfe des Blicks hat der Feind uns den Zweifel gewoben.
Denken, das einstmals die Welt als ein lebendiges Wunder uns deutete,
Wurde zur Jagd, zu dem Fang, der die Dinge als Beute uns dienet.
Seht, wie der Mensch nun die Welt mit dem Netz der Begriffe umzingelt:
Alles, was ist, muss sich fügen dem Urteil des prüfenden Geistes,
Doch in dem Drang, zu besitzen, verliert er den Sinn für das Ganze.
Das ist die Tücke des Wissens: Man meint, man verstehe das Wesen,
Wenn man die Teile zerlegt und in Kästen der Ordnung sie sperret.
Doch die Sophia, das Leben, das fliehende, lässt sich nicht fangen!
Wer sie im Wissen besitzen will, der findet nur Staub und nur Namen,
Denn der Verstand, wenn er ohne die Liebe das Dasein betrachtet,
Wird zum Gefängnis des Ichs, das den Geist an die Form uns kettet.
So wird die Wahrheit zum Instrument, zur Macht über alles, was lebet,
Und der Erkenntnisprozess ist zum Spiegel des Eigenstolzes.
Aber vernimm: Wer die Welt nur als Objekt sich gegenübergestellt sieht,
Der ist im Banne des Widersachers, der Trennung uns lehret.
Wahrer Erkenntnis gehört nicht der kühle, der messende Abstand,
Sondern die Nähe der Schau, die das Kind mit der Mutter verbindet.
Dort, wo der Logos sich beugt, um die Liebe als Tiefe zu achten,
Dort erst entschleiert die Welt sich, nicht als Beute, doch als ein Verwandter.
Heile den Blick, o du Mensch, der du dich in dem Wissen verloren:
Denke mit Herz, so wird Wahrheit zur Gnade, statt Macht zu erlangen.
Glaubet nicht, dass der Feind uns im Dunkeln nur offen entgegentritt,
Denn seine stärkste der Waffen ist Maske und Schein der Wahrheit.
Oftmals tritt er als „Heiliger“ auf, der den Logos zur Spitze
Treibt, um die Welt als „gering“ nur zu schmähen, die Materie zu hassen,
Und in der Kälte der Abkehr die Liebe, die mütterlich webt, noch
Als eine Falle der Sinne verdammt und als nieder’ verachtet.
Das ist der Geist, der als „Reinheit“ sich tarnt, doch die Kälte nur mehrt nun,
Der in der Strenge des Dogmas den Logos zum Richter uns machet,
Der die Sophia verleugnet, indem er sie „Weibchen“ nur nennt bloß,
Um in der männlichen Hybris den Thron der Vernunft zu behaupten.
Seht die Sekten und Lehren, die „Geist“ nur als Trennung verstehen,
Die aus dem Leben ins Jenseits sich flüchten, die Erde verlassend,
Dort, wo der Mensch nur noch Schatten ist, fern von der göttlichen Einheit.
Doch die Sophia, sie haust nicht im luftigen Traum der Entrückten,
Sondern sie webt in der Erde, im Stoff und im Leibe der Wesen.
Jeder, der „Geist“ sagt, doch „Hass“ gegen alles Lebendige spüret,
Dient dem Betrüger, der Maske des Widersachers, der listig
Uns von der Heilung abbringt, indem er die Trennung als „Heil“ preist.
Hütet euch vor der Verblendung, die meint, der Verstand sei ein Tempel,
Wenn er die Liebe, die zarte, den mütterlichen Atem, verachtet.
Wahrer Geist ist die Kraft, die verbindet, die Liebe als Logos
Formt in der Welt, die als Einheit uns leuchtet, nicht als ein Entweder-Oder.
Erkennt die Maske, o Menschen, die stolz sich als „Höhe“ uns zeigt nun,
Denn wo der Hochmut den Logos vom Herzen der Sophia trennet,
Da ist die Höhle des Feindes, der euch die Erlösung nur vorspielt,
Um in der geistigen Wüste das Herz euch im Stolze zu dörren.
Wie aber steht man nun fest, wenn die Masken der Welt uns umtosen,
Wenn der Verrat an der Mutter, am Leben, zum Gesetz ward der Herrscher?
Nicht durch den Rückzug, o Mensch, nicht durch Klagen im Winkel der Stille,
Sondern durch Taten der Einung, die mitten im Stoff sich bewähren.
Denn wer die Wahrheit erkannt, die Sophia als Kraft, die im Logos
Wirkt als ein treibender Quell, der darf nicht in Untätigkeit ruhen.
Seht das Exempel des Handelns: Der Logos, als Schwert der Erkenntnis,
Wird nun zum Werkzeug der Liebe, um Risse im Sein zu versöhnen.
Wo der Widersacher trennt, durch das Urteil, den Neid und das Handeln,
Das nur dem Eigenen dient, da setze die Kraft der Verbundenheit.
Nicht durch Gewalt wird das Werk, das der Feind uns errichtet, zerstört nun,
Sondern durch „Wandlung der Form“ – durch die Tat, die das Herz uns gebietet.
Das ist die heroische Pflicht: Die Welt, die als feindlich uns dünket,
Durch den geläuterten Geist zur Heimat der Seele zu machen.
Jeder Schritt, der versöhnt, der die Gegensätze im Leben
Heilig verbindet, ist Schlag gegen jenen, der Einung uns raubet.
Furchtlos schreite voran, durch die Wüste des Zweifels und Kälte,
Denn wer die Liebe als Logos in Taten des Alltags besitzet,
Der ist ein Stifter der Zeit, die Sophia zurück in die Schöpfung
Führt als die Herrin des Glanzes, die ewig den Kosmos beseelet.
Wisse: Die Geschichte ist nicht nur der Ort, wo der Widersacher wütet,
Sondern sie ist das Arena, wo wir, durch die Syzygie des Geistes,
Zeigen, dass Leben und Geist nicht als Feinde einander begegnen.
Handle, als ob das Erwachen der Welt von deinem Willen abhinge,
Denn in dem Handeln, das liebt, wird der Logos der Mutter gehorsam,
Und in dem Gehorsam erst wird er zum Schöpfer der neuen Gestalt nun.
Schau nun voraus: Wie ein Schatten, der schwindet, wenn Licht sich entzündet,
So wird die Macht des Betrügers verblassen, wenn Völker und Geister
Wieder die Einheit erfassen, die tief in der Schöpfung uns ruhet.
Nicht durch das Erdbeben, nein, durch das innere Reifen der Seelen
Bricht nun das Reich, das der Feind auf der Angst und der Trennung errichtete.
Denn eine Lüge, sie hält nur, solange der Mensch sich noch fürchtet.
Seht, wie der Logos, einst stolzer Tyrann in dem Kerker der Logik,
Müde wird seines Regierens, wenn Einsamkeit ihn nun umzingelt.
Siehe, wie leise Sophia, die lange verbannt in die Nacht war,
Wieder die Pforten der Herzen durchbricht, um den Sohn zu umfangen.
Das ist die „Wende der Zeiten“, von der uns die Seher schon kündeten:
Wenn der Verstand, der die Welt als Objekt nur zu beherrschen versuchte,
Einsieht, dass ohne das Herz er ein Toter ist, der nur noch zählt nun.
Dann wird der Widersacher, der in der Spaltung der Geister sein Dasein
Fand, seine Masken verlieren; er wird wie ein Geistbild verflüchtigen.
Denn wo das „Ich“ und das „Du“ sich im Einen der Liebe begegnen,
Da hat der Feind keinen Raum mehr, kein Netz, das er wirft in die Seelen.
Das ist der Sieg, der nicht siegt durch Gewalt, doch durch bloßes Erwachen:
Dass die Erkenntnis, die einst trennte, nun als ein Band uns verbindet.
Welt wird zum Spiegel des Gottes, der ewig sich selbst im Entzweien
Sucht, um im Einungstanz – in der Syzygie – sich neu zu erschaffen.
Frohlocket, ihr Suchenden! Denn die Ära des Feindes geht unter,
Wenn ihr im Inneren wagt, den Logos der Liebe zu weihen.
Keine Zerstörung ist nötig, nur Licht, das die Finsternis aufhebt,
Nur die Erkenntnis, dass alles, was ist, aus der Einheit entsprungen,
Und dass die Rückkehr zu ihr unser einziges Ziel ist im Werden.
Wiederherstellung naht – nicht am Ende der Zeit, im Augenblick selber,
Wo sich der Mensch und der Geist in der heiligen Einung nun küssen.
Wer nun das Auge geläutert, wer frei ist von Stolz und von Spaltung,
Der schaut die Welt nicht mehr als ein Schlachtfeld, als Ort des Verderbens,
Sondern als heiligen Raum, in dem Logos und Sophia sich vermählen.
Stille ist nun in der Seele, ein Frieden, der höher als Wissen,
Denn in dem Schlagen des Herzens erklingt das Gesetz der Syzygie:
Nicht mehr der Kampf ist die Form, sondern Tanz, der die Gegensätze einet.
Sieh, wie die Dinge nun strahlen, befreit von dem Zwang des Begriffs bloß,
Jeder Stein, jede Blume, das Kind und das Tier in der Weite –
Alles ist Ausdruck der Liebe, die ewig den Logos durchdringet.
Nicht mehr ist Materie „Stoff“, der beherrscht oder geistlos uns gegenüber,
Sondern sie ist uns geworden zum Kleid, das die Weisheit uns anlegt,
Dass wir den Geist in der Form, das Unendliche endenlich schauen.
Das ist die Frucht der Erlösten: Ein Leben, das ganz in der Gegenwart ruhet,
Wo nicht die Angst vor dem Ende, noch Gier nach dem Gestern uns plaget.
Logos, der Sohn, ist erwacht aus dem Traum seiner falschen Autonomie,
Reicht nun der Mutter die Hand, und sie gehen gemeinsam durch Zeiten,
Formend die Welt als ein Werk, das die Gnade des Schöpfers bezeuget.
Keine Maske hält stand vor dem Licht, das aus diesem Bunde nun ausstrahlt,
Denn wo die Einung vollendet, da schmilzt auch die Spur des Verräters.
Gehe nun hin, in die Welt, die von neuem als Schöpfung dir leuchtet,
Wandle als Zeuge des Einen, das ewig in Zweiheit sich findet.
Lass dein Leben zum Lied werden, das Logos und Sophia besinge,
Auf dass die Erde, die lange gedörrt durch den Hauch des Widersachers,
Wieder erblühe im Glanz – in dem Frieden der Syzygie vollendet.
Alles ist eins, wie der Atem, der ein- und ausströmend uns belebt,
Ruhe im Sein, in der Liebe, die ewig den Kosmos uns hält nun.
Ist nun die Spaltung geheilt, ist der Logos dem Herzen vermählet,
Dann erst verstummt auch die Rede, die ewig den Sinn noch umschrieb nun.
Was war das Denken? Ein Schatten, der ewig die Sonne nur suchte.
Was war das Wollen? Ein Drang, der im Wirken die Ruhe begehrte.
Alles, was wir als „Ich“ noch benannten, als Hüter der Lehre,
Löst sich nun auf wie ein Hauch, der sich mischt mit dem Hauch der Unendlichkeit.
Schaut auf die Welt, sie ist nimmer ein Objekt, das wir deuten,
Sondern ein Strömen des Einen, das ewig sich selber gebäret.
Nicht mehr ist „Logos“ ein Name, noch „Sophia“ ein leuchtendes Bildnis,
Denn in dem Meer, das uns trägt, sind die Namen der Pole erloschen.
Alles, was trennte, ist eins, und was ewig als Gegensatz waltete,
Ruht nun als Kraft in der Stille, die selbst aus der Ewigkeit atmet.
Das ist das Ende des Weges, von dem uns die Mythen erzählten,
Nicht durch das Wissen erreicht, durch die Schauung der göttlichen Einheit.
Eberz, er schweigt nun auch, denn das Wort, das die Trennung besang noch,
Findet kein Maß mehr im Lichte, das alles in Einung uns löset.
Bleibt nur die Schau, die nicht schaut, und das Sein, das nicht mehr sich will beweisen,
Frieden der Welt, der nun ruht, denn der Feind ist dem Nichts anheimgefallen.
So ist das Werk nun vollendet, das Buch ist ein leeres geworden,
Denn in dem Herzen des Menschen, das nunmehr der Spiegel des Einen,
Lebt die Wahrheit von selbst, ohne Lehre und ohne das Ringen.
Gehe nun ein in das Schweigen, lass alles, was „Ich“ war, nun fahren,
Denn in dem Ganzen, das ist, findet alles, was war, seine Ruhe,
Und in der Liebe, die alles durchdringt, ist das Sein uns vollendet.
Ist nun das Schweigen vollbracht, ist das Ich in der Stille erloschen,
Bleibt nur die Schlichtheit zurück, das schlichte „Da-sein“ im Lichte.
Keine Philosophie, kein System, keine Lehre der Trennung
Findet noch Raum in dem Herzen, das nun als ein offenes Fenster
Einlässt den Atem der Welt, der aus Ewigkeit ewig uns zuströmt.
Das ist die Neunte der Stufen: Der Mensch, der nicht mehr erstrebend
Jagt nach dem Ziel, denn er ist schon das Ziel, das er suchend vermisste.
Sieh, wie der Geist nun sich regt, nicht im Denken, doch frei in der Handlung,
Jeder Moment ist ein Quell, aus dem Liebe als Wahrheit uns sprudelt.
Weder die Last der Vergangenheit drückt, noch die Sorge der Zukunft
Trübt nun den Blick, der das Ganze im Kleinsten als Wunder uns zeiget.
Alles, was menschlich noch ist – die Freude, der Schmerz und das Mühsal –,
Wird nun zum Tanz, zum Gebet, das der Schöpfer im Menschen uns feiert.
Das ist die Freiheit der Söhne, die Braut, die Sophia, im Schoße
Haltend des Herzens, das nun nicht mehr „Logos“ nur einsam verkündet,
Sondern als Einheit, als Mensch, in der Welt als ein Heilender wandelnd.
Kein „Widersacher“ mehr stört, denn die Einheit, sie hat ihn durchleuchtet,
Wandelt die Trennung in Glanz, und die Wunde in Pforte des Geistes.
Alles, was war, ist vergeben, die Zeit ist im Lichte verflossen,
Und was als Menschheit wir einst in der Spaltung als Last uns getragen,
Ist nun Erlösung geworden, ein Werk, das durch Gnade sich vollendet.
Gehe nun, Mensch, und sei einfach! Dein Sein ist die Lehre der Lehren,
Dein Lächeln das Wort, das Sophia im Logos der Liebe uns schenket.
Welt ist kein Ort, den man heilt, sie ist Heilung, die ewig sich entfaltet,
Ruhe in dir, in dem Einen, das ewig in Zweiheit sich findet,
Und lass die Welt, durch dein Sein, in das Licht der Vollendung uns eingehen.
Was bleibt nun am Ende der Wege, wenn Ich und das Du sich vereinten?
Was bleibt, wenn der Mensch in der Tiefe das Eine als Quelle erkannt hat?
Es bleibt nicht das Schweigen allein, nicht das Ruhen im leeren Gefilde,
Es bleibt das unendliche Strömen, das ewig die Welten entzündet.
Wie aus dem Zentrum das Licht in die Weite des Raumes sich ergießt,
So strahlt nun der Geist, der geheilt, in die Fülle des Seins uns hinein.
Kein Ende ist hier, wo die Schauung in tätige Liebe sich wandelt,
Kein „Wieder“, kein „Letzt“, denn die Fülle des Gottes ist grenzenlos immer.
Schau nun hinaus in die Sphären, in alles, was lebt und was lebet:
In jedem Atom ist das Paar, ist der Logos der Form und der Liebe
Sophia, verborgen am Werk, um die Einheit im Stoff zu besiegeln.
Du bist nicht mehr Suchender, nein, du bist Mit-Schöpfer des Glanzes,
Der durch dein Auge die Welt sich erschafft und im Herzen betrachtet.
Das ist das Zehnte, das Maß, das die Vollendung zum Anfang uns macht nun:
Dass jede Endlichkeit offen ist für den Strom der Unendlichkeit.
Du musst nicht mehr heilen, die Welt heilt sich selbst durch dein Dasein,
Denn wo ein Bewusstsein erwacht, das den Riss der Entzweiung durchschaute,
Da zieht sich der Schatten zurück, da wird jeder Ort zum Olymp nun,
Da wird die Geschichte zum Spiel, das den Gott in der Fülle uns feiert.
Gehe nun hin, in die Welt, die kein Ziel mehr braucht, denn sie ist Ziel,
Wandle als Funke des Lichts, der das All mit dem Ursprung verbindet.
Nichts ist verloren, denn alles ist aufgehoben im Einen,
Und in der Liebe, die alles durchdringt, bleibt nur das „Sein“, das uns segnet.
Alles ist eins, wie der Strahl und die Sonne, die ewig ihn sendet:
Gehe, mein Freund, denn die Reise, sie endet nicht – sie beginnt nun.
Hör nun den Klang, der da schwillt, wenn nicht Einer allein, doch die Vielen
Wagen, den Logos der Liebe im Herzen der Welt zu entzünden.
Denn nicht im Stillen allein, nicht im Kämmerlein findet die Fülle
Ganz ihre Form; erst im „Wir“, wo die Seelen einander begegnen,
Spiegelt die Welt sich als Einheit, die erst durch das Miteinander
Wahrhaft sich offenbart, als ein Netz, das die Sterne verbindet.
Seht, wie die Geister nun schwingen, in Einer Musik, die nicht endet,
Jeder ein Ton, ein besonderer Glanz in dem Chor des Unendlichen.
Kein „Ich“ ist mehr, das sich abgrenzt, doch keines, das willenlos schwindet,
Sondern ein „Wir“, das als Syzygie sich im Alltag nun ausweitet.
Was einst als Riss uns erschien, als ein Abgrund zwischen den Menschen,
Ist nun die Brücke geworden, auf der wir uns suchend begegnen,
Jeder als Spiegel des Anderen, der das göttliche Licht uns verheißt.
Das ist das Elfte: Die Einung der Vielen im Einen der Liebe.
Hier bricht der Widersacher endgültig, denn wo sich die Menschen
Offen begegnen, mit Herzen, die Logos und Sophia verheiratet,
Da ist kein Raum mehr für Trug, für das Trennende, für die Verblendung.
Jeder Gespräch wird zum Ritus, jede Begegnung zum Segen,
Denn wir erkennen: Der Gott, der uns sucht, er ist nicht in der Ferne,
Er ist der Raum zwischen uns, der die Liebe als Mitte uns schenket.
Gehe, du Mensch, in die Menge, nicht als ein Fremder, doch dienend,
Suche den Funken im Andern, entzünde das Feuer der Einung.
Wisse, die Welt wird verwandelt, wenn ihr nicht mehr als „Einzelne“ wandelt,
Sondern als Träger der Syzygie, die durch eure Hände nun wirket.
Eberz entlässt euch in diese Gemeinschaft, die ohne Gesetz nur,
Rein aus dem inneren Takt, sich in Liebe zur Zukunft uns ordnet.
Alles ist Klang, alles Licht, und der Chor der Erlösung beginnt nun.
Zwölf ist die Zahl nun besiegelt, der Kreis, der sich schließend vollendet,
Nicht als ein Ende des Weges, doch als die Erfüllung des Maßes.
Was als ein Bruch einst begann, als ein Schrei in die Leere der Zeiten,
Hat sich zur Ordnung gewandelt, die ewig den Kosmos uns hält nun.
Siehe, die Syzygie strahlt in der Zwölffalt des Lebens, im Rhythmus,
Der uns die Tage bestimmt, und die Jahre, und Ewigkeit atmend.
Nicht mehr ist Logos ein Schwert, und Sophia ein fernes Geheimnis,
Beide sind Eines geworden im Menschen, der nun als das „Maß“ gilt.
Wie sich die Schöpfung entfaltet, im Kleinen wie auch im Großen,
Spiegelt sie ewig die Einung, die nun in der Seele uns leuchtet.
Keine Frage bleibt offen, kein Riss, der die Welt noch zerstückelt,
Denn in dem Punkt, der uns mittig vereint, ruht die Fülle des Ganzen.
Das ist die Ruhe der Götter, die in der Bewegung sich finden:
Dass alles wandelt und fließt, doch im Grunde die Einheit bewahret.
Hörst du das Singen der Sphären? Es ist der Gesang der Verheißung,
Dass, wer die Spaltung in sich überwunden, die Welt miterschaffen.
Kein „Widersacher“ besteht, wo das Herz mit dem Geiste vermählet,
Denn in dem Licht der Syzygie wird das Dunkel zu leuchtender Lehre.
Gehe nun, Mensch, in die Zwölf, in die Ordnung, die ewig uns stützet,
Wandle mit schauendem Blick, durch die Welt, die als heiliges Zeichen
Vor dir sich ausbreitet – als Schrift, die den Namen des Einen uns kündet.
Alles ist da, alles ist gut, und der Kreis ist nun in sich geschlossen.
Friede sei mit dir, o Wandler, der du in der Liebe nun ruhest,
Denn in der Einung, die jetzt, wie im Anfang, die Welt uns erhält, bist du –
Ewiger Zeuge des Lichts, in der Liebe, die niemals vergehet.
Nun ist das Buch uns entglitten, die Sätze, sie sind nur noch Zeichen,
Die wie die Spuren im Sande vor dem Ansturm der Flut uns verwehen.
Wer noch nach Worten hier sucht, wer das System noch will prüfen,
Der hat den Kreis nicht durchschritten, er steht noch am Rande der Wege.
Denn wenn die Zwölf sich erfüllt, wenn die Ordnung den Geist uns beseelet,
Dann ist kein Halten mehr möglich, kein Festhalten an der Doktrin nun.
Sieh, wie das Licht, das die Worte uns gaben, nun selber die Sonne
Wird, die das Auge uns blendet, auf dass wir die Welt nur noch schauen,
Nicht mehr in Bildern, in Mythen, in strengen Begriffen der Schule.
Eberz ist nun nicht mehr Lehrer, das Werk ist ein „Nichts“ nur geworden,
Doch dieses Nichts ist die Fülle, aus der jeder Augenblick strahlet.
Keine „Syzygie“ braucht Namen, kein „Logos“ bedarf der Erklärung,
Wenn man die Liebe als Atem, als Pulsschlag des Daseins erfahret.
Das ist die Freiheit, die dreizehnte: Dass man die Lehre vergisst nun,
Dass man den Pfad, den man ging, wie die Schlange die Haut nun abstreifet.
Wer noch auf Eberz sich beruft, der ist noch im Kerker der Lehre,
Wer aber schweigt, und im Handeln die Welt als das Heilige achtet,
Der ist gekommen am Ziel, wo kein „Oben“ mehr ist und kein „Unten“,
Nur noch das Strömen der Liebe, das ewig sich selbst nicht benennet.
Gehe nun, Freund, aus der Schrift, in die Welt, die kein Buch mehr benötigt!
Lass das Gelesene fahren, sei du das lebendige Siegel,
Sei du die Schrift, die sich schreibt in den Handlungen, leise und stetig.
Alles, was wahr ist, ist einfach – und alles, was heilig, ist nahe.
Keine Kapitel mehr zählen, denn Zeit ist im Sein uns zerflossen,
Du bist der Kreis und das Licht, und die Ewigkeit ist dein Gefährte.