MARINA ZWETAJEWA VERSE

DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE



AN SONJA


1


die gehen – lass ihn singen!

herz – sing!

jetzt mein – rosenmund,

morgen – deiner.


bruder, eine rosenschönheit!

alle – freunde!

viele von uns – solche, wie du

und wie ich.


sich gegenseitig die Rosenfarbe ausziehen

– eine Rose

kann man brechen:

nichts schlimmer!


als das rosa ihres mundes

kämpfte –

es ist besser, den knaben

zu küssen!


hundert freundinnen haben einen freund:

wir sind alle.

na, liebe sie – 

nichts nehmen!



2


er sang im hain schmiegend

unterm fenster – blut:

– betrüger, abtrünniger,

abtrünniger, betrüger!


podpevaly-chor,

teufel aus dem fass:

– ihr alle, mädel,

verkauft für einen groschen!


ein marienkäfer im gras:

– verführt zur liebe – uns!

Die gasse – kognitiv:

– eilig, eilig, dummkopf!


es gefällt zu ertrinken –

libelle mit bart:

– nichts, jungfrau!

unruhiges wasser!


rascheshy volosya,

klare augenspülung.

eine süße besetzung,

und noch eine – wach auf!



3


an mein fenster klopft regen.

es knarrt bei der arbeit an der maschine.

ich war ein straßensänger,

und du warst der sohn des fürsten.


ich sang über das schicksal des bösewichts,

und mit dem vergoldeten geländer

bist du nicht mein rubel und nicht meine kopeke, –

du schenktest mir ein lächeln.


doch der alte fürst lernte das wagnis kennen:

er riss ihren sohn ab,

befahl mir, einem diener-lakeien,

das mädchen vom hof zu treiben.


und ich habe mich in einer nacht betrunken!

aber in der glückseligen Welt – TOM –

war ich – die tochter des fürsten,

und du warst eine straßensängerin!



4


auroras purpurroter streifen

wirft schnee,

und ich singe mit sanfter stimme

ein freundliches mädchenschicksal.


über TOM, wie eine seltene pflanze,

es blühte im licht der gewächshäuser:

In dem stift

für edelfräulein.


wie das weiße gesicht in der schürze

Nыryala von slovtsa „bräutigam“;

und vor dem eigentlichen erben

in der frage des lesens von gedichten,


und andere waisenkinder von prokaznikov.

ich fuhr zum tempel und zum boulevard,

und dann nach hause für die ferien.

Komm, erstgeborener husar!


pirat! – ich war noch nicht fertig mit den puppen,

– bruder! – husaren in der wiege, wir warten!

reiß das haus ein! bukvary – unten die buchstaben!

lass uns den geist übersetzen!


wir werden sehen, wie unschuldig rosa

die fliesen.

wir verifizieren die drei alten trümpfe:

einsamkeit – romantik – und tanz.


In allem ein mädchen – unser schelm…

alle, wie ein kopftuch, weiß.

er winkte mit einem weißen schal,

der sultan winkte aus dem sattel.


und dann fiel die alte frau 

zu seinen füßen, wie ein bündel,

und wie allein den grafen, mit den füßen stampfend,

sie zog von der veranda in den schnee...


und dann mit einem paket

– vater eines unnützen kindes! –

das haus, das findelkind,

der abschied... und wie – dann –


das rosa gesicht verriet

die motten, 

um den regimentern seiner majestät

mit der armen mädchenschaft zu dienen...


und als künstler tu ich mir den gefallen, 

der schönheit etwas schuldig zu sein,

und dann mit schwung

hinab gesprungen von der brücke...


und als ein fischer an der fernen meeresküste

spuren von zwei schuhen fand...

so viel zur alten geschichte,

und für mich ein lied – zwei tränen.



5


von den schneidigen liebeskissen,

wie man etwas im topf lässt –

lokomotive,


und unter ihrem mürrischen summen

werde ich denken, ich werde denken:

verdammt, sie hat geblasen.


von deinem süßen lächeln,

und von deinen händen in handschuhen,

und von deinem gesicht –


und von den worten deines lärms,

und auf deinen füßen eilst du

durch mein haus.


auf wiedersehen, schurke,

du, mein hügel, entschuldigung!

Oben ……. moskau, –


dieses moskau! zum teufel mit moskau!

zur hölle mit moskau, verdammt noch mal, –

sowohl das licht Christi sei mit dir!


tränen vergießen, tränen vergießen, 

veitstanz, veitstanz, eisenbahnschienen, 

du gute, aus gusseisen, gute...


vielleicht, grausames schicksal,

vergesse ich in einem fremden land

auf einer anderen brust.



6


– du erzählst uns vom frühling! –

sagten zur alten frau die enkelkinder.

aber sie schüttelte den kopf,

die alte Frau antwortete also:

– falsche vesna,

schreckliche quelle.


– also erzähl uns von der liebe! –

ihr enkel singt, alles was schön ist.

aber die augen starrten ins feuer,

die alte frau antwortete: – oh!

sündige liebe,

schreckliche liebe!


und lange

sang am anfang die unschuld im hof:

– sündige liebe,

angst vor der liebe…



7


kleine signorella!

lache und tanze in sevilla!

was willst du mit den langen,

langbeinigen fremden?


deshalb, dass die beinlänge –

nicht urteilen - an erster stelle steht!

Und die reiherbeine – lang:

egal - im sumpf!


wunder, dass er weiß ist!

Und die katzenställe – weiß.

deshalb, dass der weiße Griff –

nicht urteilen - besser streicheln!


wunder – dass er rötlich ist!

und schaum – locken weiß,

und der rauch – locken weiß,

Und hühner – weiße federn!


hütet euch vor dem, der eines morgens

ohne lieder aufsteht,

hütet euch vor dem, der nüchtern 

– wie tropfen – in den schlaf geht,


der vor der sonne und den weibern

versteckt sich im dom und im keller,

wie das messer läuft – die sonne,

wie die pest läuft – und lächelt.


scham und bescheidenheit, signorella,

dekorationen für die mädchen,

dekorationen für die mädchen,

schande für männer.


der sollte keine freunde haben –

er ist kaum großzügig zu seinen freunden.

der für die juden den weg nicht kannte –

selbst ein wilder jude im alter.


darum, babyherz,

kleine signorella,

du, andere Anwendungen suche,

suche nach roten lippen.


rote lippen – diese rose:

heute blühend, morgen verdorrt,

es tut ihnen leid – gespenster,

Und die lebendige seele – stein.



8


deine hände sind schwarz von bräune,

deine nägel sind leichter als glas...

– signorella! dreh mir eine zigarette,

um liebe zu rauchen.


werden die leute im vorbeigehen sagen:

– was ist denn mit den augen? scheinen sie nicht schön?

ich antworte leise: – rauch.

ich bin dein mädchen aus feuer!



9


sei nicht böse, mein engel Gottes,

wenn die wahrheit lügt.

gegenwind wird nicht hinterfragt,

wahrheit von der nachtigall nicht gefragt.



10


he, schneeweiße lilie,

rose zinnoberrot!

alle sagten ihr sanft:

„meine kleine!“


– lilie – reines symbol,

baumstumpf – zilpzalp... –

und schüttelt es sanft

zwitschernd.


geht nach rechts, geht nach links

Gottes pendel.

und der ganze refrain endet:

„meine kleine!“


Gottes gedanken sind unantastbar,

der weg – angezeigt.

sei nicht mehr als eine kleine,

frei – verbunden.


und man brachte – wen zu suchen?

mädchen nicht – finger:

Gottes engel stieg aus dem bett –

es folgte der junge.


– wird unter dem paradiesbaum blühen,

rose von zinnober! –

und es endet mit dem refrain:

„meine kleine!“



11


auf dem schoß saßen alle

und sie alle lagen dort auf seiner brust.

ganz leidenschaftlich liebte sie

und diese augen starrten

dass Gott selbst im himmel...


(16. Juni 1919)





DIE ZAREN-JUNGFRAU


VERS-MÄRCHEN


als junge schlange – ja schon alt,

als junge fFrau – ja alter ehemann,

maulkorbkürbis, das lebensmuster atmet – 

der turm zittert,

aus dem schnurrbart etwas abgestandenes 

für hundert meilen im bezirk.


wie die stiefmutter – sohn der bettdecke,

nicht augen, nicht lippen, nicht brüste, nicht hände,

stattdessen wangen – hohle, die lippen fest schweigen.

wie im palast nach mitternacht rauscht die harfe...

ein lächeln seitlich in seinem auge –


er schaut auf die wand.

lass mich beiseite

ich sage

ja zum zaren!



ERSTE NACHT


es schläft der prinz, niedergeworfen,

schlafend, nichts hörend,

genau der zauberstab ruhte

einen monat vor seinem gesicht.


hart, dieser stock:

finger leicht, finger weiß.

und es lohnt sich, scharlatan,

mein junge...


heimlich deine wimpern, –

ohne feuer verbrannt!

warum bin ich keine jungfrau,

sondern eine fremde frau!


aus irgendeinem grund schlafen die leute

und meine klagen!

warum hast du nicht unsere mutter geliebt?

ich, eine stiefmutter?


auf einem sofa

der sohn mit der mutter der mutter...

mit weißem leinen,

mein baby!


still, hund an der kette!

heule nicht, könig des meerees!

pass auf, böser traum!

schätzchen – mein!


ein ei in kochendes wasser legen –

aber wie kocht es?

wie wirst du deiner blume begegnen

und sie nicht begehren?


für eines deiner sofas

wurde ich in die welt geboren.

ich bin eine dienerin des prinzen –

keine zarin.


nackt in meinem baströckchen,

hunde zum abendessen braten!

er mag ausgefallene musik,

verführerisch – die geige?


ich schaue in den spiegel, schau:

meine brüste flach?

wollt ihr zwei – mit perlen –

augen kaufen?


nicht konsum einkaufen, – fasten!

ein sohn kommt zurück,

– für erwachsene stiefkinder – Nestor

ist wie eine stiefmutter. –


*


„geben sie das pad richtig!“

– ich selber moschus! –

„wieso gehst du?“

– ich selbst komme zurecht! –


„ich niedriger? bin ich höher?“

– ich bin deine art zu fasten! –

„es ist zu sehen, dass dein Malchish

klingelnd zur see gesegelt ist.


Ali geht nicht mit weiß um?“

– in einem meer aus weißem schaum! –

„Ali, Ali schwamm nicht?“

– auf der see reitet Zori! –


„Alis brust ist nicht hoch?“

– mir die brust – das brett! –

„du kannst dich hinlegen?“

– bettwäsche sauber! –


kohl und es ist tatsächlich eng – 

ich rolle mich in eine röhre ein!

gesprächig meine seide? – 

rock ausziehen!


alles, ich wusste, 

jetzt vergessene nacht:

ich bin deine kleine bäuerin, 

deine seele kleine dienstmagd!


ein fürst antwortet

immerhin:

alle: wertlos, aber nicht anfassen,

nicht anfassen, wertlos!


„Alis gesicht 

ist wirklich nicht weiß?“




WELLE


– um tschechisch zu vermeiden!

– um fieber zu vermeiden!

jemand: – quelle!

jemand: – am leben


würde Koltschak…

flammenwerfer.

kochsalzlösung.

perekop –


unsere. sieben wasser

in den augen des feindes.

die erde war trocken, wie salz,

sie war trocken, wie staub.


nicht der huf, nicht die schaufeln

klopfen: rückgrat – krücke.

die erde war trocken – wie ein lager,

den docht spüren!


– ach, wie lange? ach, bald?

nackt, nackt, nackt…

alle weinen, es ist salzig:

erde, wasser, nahrung.


gähnen… stoßweise feuer…

am ende – am ende – am ende…

was hast du getrunken? ich soll essen?

schwarzbrot! schwarzbrot! schwarzbrot!


ich werfe meinen sohn – heruntergekommenes europa

(der recke – ist irrelevant):

– wie mein vater – auf perekop

sechs wochen – igel frisst!


sag der mutter: – ehemalige – herrlichkeit!

und nicht essen, schön, und gegessen.

inzwischen igel – gewissens-würze.

und verstehe – nichts, so klein!


Lazarus nervt mich zu tode.

(weil es der blinde Homer ist!)

…es war trocken, wie salz,

es war trocken, wie schwarzbrot –


die Tränenration: 

kreml-geschenke.

das land war – vor dem sturm,

wie sollte das land sein.


- es ist kein witz! bei Nora!

nach dem telefon!

wir wühlen – maulwürfe, nicht wahr?

erdmännchen, nicht wahr?


es gibt leben

im schließfach,

und salzboden,

gewissen – salz!


unaufhörlich – nicht nur schwitzen: 

trocken werden, wie vom alkohol.

die erde war trocken wie der stapel,

sie war trocken wie ein spion.


kein blatt nicht trocken.

kontrollkästchen hängen, geißel.

die erde war trocken, wie skythen,

die brennen.


spaten. stiefel.

sanft? Kostjak.

also – feder – also.

also – feder – also.


platzende stirn.

trockener tank.

also – feder – also.

also – feder – also.


belohnen sie drei heilige,

des khans grenzwall!

klebstoffe – Markovs kinder,

erhalten – armyansk.


wie das auge, in die augenbraue gepflanzt,

pflanzte und versteckte sich schräg.

(dort umgegraben jungfräulicher Boden,

graben – jungfräulich.)


– zum teufel du, wadenfreund:

„an alle, an alle, an alle!“

in der sonne – verbrannter soldat:

– wann – ziel: sieben!


zur hölle mit dir (quelle: Nicht du, nicht du!)

geh – geh – geh.




LIED VOM ENDE


1


im nebel, rostiges blech,

fingerpfosten.

ich stand an der vorgesehenen stelle,

als schicksal.


– im viertel. gesund?

– der tod wartet nicht.

hebe den glatten

hut ab.


Jede wimper – anruf.

fäulnis reduziert.

übertrieben tief

verbeugte ich mich.


– im viertel. genau? –

stimme gelogen.

herz sank: was ist mit ihm?

gehirn: signal!


*


himmel schlechte vorzeichen:

verrostete dose.

ich warte am gewohnten ort.

zeit: sechs.


dieser kuss ohne ton:

lippentetanus.

also – hand der kaiserin,

tot – also…


der rennende gewöhnliche.

ellenbogen – in der seite.

übertrieben mühsam

heulendes horn.


heulte – wie ein hund, schrie,

dauerte wütend.

(übertriebenes leben

in der todesstunde.)


dann, gestern – hüfthoch,

auf einmal – zu den sternen.

(übertrieben, das heißt:

volle höhe.)


geistig: schön, schön.

- zeit? sieben.

im kino, oder?... –

explosion – zuhause!



2


bruderschaft tabornoje, –

da sind fahrräder!

donnerkopf,

säbel,


all die schreckensworte, 

die warten,

bröckelndes haus –

wort: haus.


*


verlorengegangener liebling,

schrei: nach hause!

vierjähriges kind:

„gib“ und „mein“!


mein bruder in der ausschweifung,

mein zittern und hitze,

so aus dem haus eilen,

wie kommst du – nach hause!


*


ritter, anhängepfosten –

rauf! – und das seil im staub.

– aber eigentlich kein zuhause!

– es gibt – zehn schritte:


heimat der oben genannten. – nicht vorbei?

– haus auf einem hügel.

fenster unter dem dach.

– „nicht von der morgenröte


heiss?" also noch einmal 

das leben? – die einfachheit der gedichte!

haus, es bedeutet:

nachts von zuhause aus.


(wem ich erzählen werde

meinen kummer, meinen ärger,

unheimlich, grünes eis?...)

– du denkst zu viel. –

nachdenklich: – ja.



3


und – böschung. wasser

gehalten, wie die dicke der dichte.

Semiramis gärten

hängend – und du!


wasser (stahlband,

schatten, leichenhalle)

gehalten, als notenblatt –

sänger, mauerkante –


blind… zurück kommst du?

nicht? schräg – hören?

Lüste gehalten, 

wie der rand des daches


schlafwandler…

aber nicht vom fluss

schimmer, – herzlichen glückwunsch!

flüsse halten beide hände,

wenn ein geliebter mensch in der nähe ist –