SCHULDBEKENNTNIS DER KIRCHE

VON TORSTEN SCHWANKE



Der Heilige Vater:


Geliebte Brüder, Schwestern, hört mich an,

lasst uns zu Gott, dem Vater, gehn voran.

Er ist voll Mitleid, gütig und bereit,

reich an Erbarmen, Treue und an Zeit.

Er nehme Reue seines Volks nun auf,

das bekennt seine Schuld im Lebenslauf.

In Demut flehen wir um Gnadentat,

dass er uns schenke seine Himmelsaat.


(Alle verharren im stillen Gebet.)


I. ALLGEMEINES SCHULDBEKENNTNIS


Vertreter der Kurie:


Lasst unser Herz und unser Reueleid

vom Heiligen Geiste sein nunmehr geweiht.

Der Schmerz sei ehrlich, tief in unsrer Brust,

geprägt von wahrer Umkehrs Lebenslust.

Wenn wir die Schuld der Zeiten nun gesehn,

und reinigen das Denken, das Bestehen,

dann führe uns der Pfad, der wahrhaft rein,

uns kehrend in des Vaters hellen Schein.


(Stilles Gebet)


Der Heilige Vater:


Herr, unser Gott, du heiligst diese Zeit,

durch deines Sohnes Blut, voll Herrlichkeit.

Du weißt, in deiner Kirche strahlt das Licht,

doch manche folgen deiner Lehre nicht.

Sie widersprechen, treulos in der Not,

vergessen dein Gebot und dein Gebot.

Vergib uns Schuld, die uns so schwer bedrückt,

dass jeder Zeuge nun zum Himmel blickt.

Das bitten wir durch Christus, unsern Herrn.


(Amen.)


(Kantor und Gemeinde im Wechsel: Kyrie eleison.)


II. BEKENNTNIS DER SCHULD IM DIENST DER WAHRHEIT


Vertreter der Kurie:


Lass jeden von uns nun zur Einsicht gehn,

dass Menschen, die im Glauben fest bestehn,

oft Mittel wählten, die nicht göttlich sind,

und stießen so das Evangelium blind.

Hilf uns, dem Jesus Christus nachzueifern,

und Demut tief in unsren Seelen einzufeiern.


(Stilles Gebet)


Der Heilige Vater:


Herr, du bist Gott von allen, groß und klein,

doch oft ließen wir Intoleranz allein.

Wir folgten nicht der Liebe großem Rat,

entstellten so der Kirche Missetat.

Erbarme dich der Kinder, die sich irren,

lass unsern Vorsatz uns nicht länger verwirren.

Die Wahrheit braucht nur Wahrheit, mild und klar,

so dienen wir dem Herrn, wie es ist wahr.


(Amen.)


III. BEKENNTNIS DER SÜNDEN GEGEN DIE EINHEIT


Vertreter der Kurie:


Lass uns bekennen, was den Leib zerriss,

was Liebe kränkte, tief und ungewiss.

Das Eingeständnis ebne nun den Pfad,

dass Versöhnung heile jede Saat.


(Stilles Gebet)


Der Heilige Vater:

Barmherz’ger Vater, der dein Sohn erwählt,

hat er um Einheit für uns oft geflehnt.

Doch wir, wir schufen Spaltung und auch Streit,

verurteilten die Brüder weit und breit.

Wir rufen dein Erbarmen nun herbei,

dass unsre Herzen werden wieder frei.

In Einem Geist, in Einem Leib vereint,

die Freude uns nun wieder hell erscheint.


(Amen.)


IV. SCHULDBEKENNTNIS IM VERHÄLTNIS ZU ISRAEL


Vertreter der Kurie:


Lass uns gedenken all des großen Leids,

das Israel erfahren hat so beids.

Wir beichten Sünden gegen diesen Bund,

und machen unser Herz für Gnade kund.


(Stilles Gebet)


Der Heilige Vater:


Gott unsrer Väter, der Abraham erkor,

du führst dein Volk durchs Lebens weites Tor.

Wir sind betrübt, dass man dein Volk verletzt,

und haben unsre Schuld nun vorgesetzt.

Wir bitten um Verzeihung für die Tat,

und suchen brüderliche Lebenssaat.

Mit Israel, dem Volk des Bundes groß,

sind wir verbunden, in dem Schoß des Los.


(Amen.)


V. SCHULDBEKENNTNIS FÜR DIE VERFEHLUNGEN GEGEN LIEBE, FRIEDEN UND RECHT


Vertreter der Kurie:


Lasst uns auf Jesus blicken, unser Licht,

der uns den Frieden schenkt, der niemals bricht.

Wir bereuen, was wir an Wort und Tat,

begingen, weit entfernt von Gottes Saat.

Vom Stolz geleitet, herrschend und voll Hass,

wir trafen oft die Schwachen im Pass.

Ob Zigeuner oder der Fremde fern,

wir folgten oft dem Stolz, statt unserm Herrn.


(Stilles Gebet)


Der Heilige Vater:


O Herr der Welt, Vater der Menschheit all,

du riefst uns aus des Feindes dunklem Fall.

Du lehrtest uns zu lieben, wer uns schlägt,

und Gutes zu tun, dem, der uns bewegt.

Doch Christen haben oft dein Wort verneint,

der Gewalt Logik hat uns stets vereint.

Die Völkerrechte haben wir verletzt,

und fremde Kulturen durch Stolz ersetzt.

Erbarme dich, verzeih uns unsre Last,

weil du in uns noch immer Liebe hast.


(Amen.)


VI. BEKENNTNIS DER SÜNDEN GEGEN DIE WÜRDE DER FRAU


Vertreter der Kurie:


Lasst uns für alle beten, die in Pein,

von Recht und Würde oft verlassen sein.

Für Frauen, die man ausgrenzt und erniedrigt,

man hat sich oft der Herrschaft nur gewürdigt.

Wir gestehen, dass Christen in der Schuld,

oft fehlten gegen Gottes Huld und Schuld.


(Stilles Gebet)


Der Heilige Vater:


Herr unser Gott, du Schöpfer dieser Welt,

der Mann und Weib als Ebenbild erhellt.

Du wolltest uns in Vielfalt eng vereint,

doch wurde oft nicht gleich der Wert gemeint.

Auch Christen machten sich durch Hochmut schwer,

grenzten die Menschen aus, von nah und fern.

Diskriminierung aufgrund der Haut und Art,

wir bitten, dass dein Gnadenlicht uns wahrt.

Heil du die Wunden, die die Sünde schlug,

dass jeder Mensch den Geist der Liebe trug.


(Amen.)


VII. BEKENNTNIS DER SÜNDEN AUF DEM GEBIET DER GRUNDRECHTE


Vertreter der Kurie:


Lasst uns für alle Armen, Letzten flehn,

die oft in dieser Welt verloren gehn.

Für Kinder, die man missbraucht, schändlich hält,

und für das Leben, das im Leib zerschellt.

Auch durch die Forschung, die das Maß verlor,

trat oft das Unrecht an die Welt hervor.

Sie haben der Wissenschaft den Sinn entstellt,

und Machtgier über Gottes Werk gestellt.


(Stilles Gebet)


Der Heilige Vater:


Gott unsrer Väter, der den Schrei vernimmt,

der in den Armen unsre Hilfe bestimmt.

Wie oft haben wir den Hunger nicht erkannt,

und hielten fest das Brot in unsrer Hand.

Die Schutzlosesten, die am Anfang stehn,

wir ließen sie in ihrer Not vergehn.

Wer Reichtum sucht und auf den Kleinen tritt,

dem bitten wir um Gnade für den Schritt.

Nimm unsre Reue an in diesem Haus,

und lösche unsre Missetaten aus.


(Amen.)


SCHLUSSGEBET


Der Heilige Vater:


Barmherz’ger Vater, Christus, unser Licht,

der über Lebend’ und Verstorb’ne spricht.

Er kam in Niedrigkeit, um uns zu befrein,

wird einst in Herrlichkeit der Richter sein.

Dann wird er Rechenschaft von uns verlangen,

für alle Schuld, die wir bisher begangen.

Vom Geist bewegt, kehren wir reumütig um,

und bitten dich: sei gnädig, bleib nicht stumm.

Schenk uns Vergebung für die Sündenlast,

da du uns liebend in die Arme fasst.


(Amen.)