BEN JONSON: DER ALCHEMIST

DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE



PERSONENVERZEICHNIS

SUBTIL, der Alchemist.

FACE, der Hausverwalter.

DORIS KOMMUNE, ihre Mitstreiterin.

DAPPEL, ein Anwaltsgehilfe.

DROGER, ein Tabak-Händler.

LIEBWITZ, Herr des Hauses.

SIR EPIKUR MAMMON, ein Ritter.

PERTINAX SICHERLICH, ein Spieler.

ANFECHTUNG HEILSAM, ein Prediger aus Amsterdam.

ANANIAS, ein Diakon daselbst.

KASTRATUS, der wütende Junge.

DAME FÜRBITT, seine Schwester, eine Witwe.

Nachbarn, Offiziere, Begleiter usw.


SCHAUPLATZ: LONDON


ARGUMENT


Die Pest grassiert, ein Herr verlässt aus Furcht sein Haus in der Stadt und lässt dort einen Diener zurück; dieser kommt auf dumme Gedanken und verschafft den Weg, einen Betrüger und seine Hure zu kennen; beide tief gesunken, verlassen sie ihr enges Handwerk und werden Großbetrüger; und da sie nur ein Haus brauchen, um zu beginnen, schließen sie hier mit ihm einen Vertrag, ein jeder für einen Anteil, und alle fangen an zu handeln. Sie ziehen viel Gesellschaft an und treiben viel Missbrauch, im Figurenstellen, Wahrsagen, Neuigkeiten, Verkauf von Fliegen, billiger Unzucht mit dem Stein, bis er und sie und alles in Rauch aufgegangen sind.


PROLOG


Das Glück, das Narren hold ist, diesen beiden kurzen Stunden

wünschen wir fort, um eurer wie um unserer willen, ihr richtenden Zuschauer; und wünschen an ihrer Stelle Gerechtigkeit für den Autor, uns selbst nur Gnade. Unser Schauplatz ist London, weil wir bekannt machen wollen, dass keines Landes Scherz besser ist als der eigene: Kein Klima züchtet besseres Material für eure Hure, Kupplerin, Knappen, Hochstapler und viele Personen mehr, deren Sitten, jetzt Launen genannt, die Bühne nähren; und die stets Gegenstand des Zorns oder der Laune komischer Dichter waren. Obwohl diese Feder niemals zielte, Menschen zu krümmen, sondern zu bessern; wie immer auch das Zeitalter, in dem er lebt, erträgt die Laster, die es zeugt, jenseits ihrer Heilung. Aber wenn die heilsamen Heilmittel süß sind und in ihrer Wirkung Gewinn und Nutzen vereinen, hofft er keinen Geist so krank zu finden, der sich nicht an solchen feinen Korrektiven freuen wird: Denn hier fürchtet er nicht, wer es anwenden kann. Wenn es welche gibt, die so nah am Strom sitzen, um zu sehen, wohin er fließt, werden sie Dinge finden, die sie getan zu haben dachten oder wünschten; es sind so natürliche Torheiten, aber so dargestellt, dass selbst die Täter sie sehen und sich doch nicht dazu bekennen.




ERSTER AKT. 


ERSTE SZENE.


EIN ZIMMER IN LIEBWITZS HAUS.


FACE TRITT AUF, IN KAPITÄNSUNIFORM, MIT GEZOGENEM SCHWERT, UND SUBTIL MIT EINEM FLÄSCHCHEN, SICH STREITEND, GEFOLGT VON DORIS KOMMUNE.


FACE: Glauben Sie nur ja, ich werde es tun.


SUBTIL: Deinen ärgsten Kummer! Ich scheiße auf dich.


DORIS KOMMUNE: Haben Sie den Verstand verloren? Warum, meine Herren! Um Himmels willen—


FACE: Du Kerl, ich werde dich ausziehen—


SUBTIL: Was zu tun? Feigen aus meinem— lecken—


FACE: Schurke, Schurke!—raus aus all euren Taschenspielertricks.


DORIS KOMMUNE: Nun, seht ihr wohl, Herrscher, General, seid ihr denn wahnsinnig?


SUBTIL: O, lasst das wilde Schaf los. Ich verklebe deine Seidenstoffe mit gutem starkem Wasser, wenn du kommst.


DORIS KOMMUNE: Wollt ihr, dass die Nachbarn euch hören? Wollt ihr alles verraten? Hört! Ich höre jemanden.


FACE: Du Schurke—


SUBTIL: Ich mache dir alles kaputt, was der Schneider gemacht hat, wenn du näherst kommst.


FACE: Du notorischster Wicht, du unverschämter Sklave, wagst du das?


SUBTIL: Ja, wahrlich; ja, wahrlich.


FACE: Warum, wer bin ich, du Bastard? Wer bin ich?


SUBTIL: Ich werde es dir sagen, da du dich selbst nicht kennst.


DORIS KOMMUNE: Sprich leiser, du Schurke.


SUBTIL: Ja, du warst einst (ist gar nicht lange her) der gute, ehrliche, schlichte Livree-Kerl mit den drei Pfund Lohn, der das Haus Eurer Herrlichkeit hier in den Friars hütete, für die Ferien—


FACE: Wirst du so laut sein?


SUBTIL: Bis ich dich, durch meine Mittel, zum Vorort-Kapitän beförderte.


FACE: Durch deine Mittel, Doktorhund!


SUBTIL: Im Gedächtnis lebender Menschen, all das spreche ich aus.


FACE: Warum, ich bitte dich, bin ich von dir protegiert worden oder du von mir? Überleg doch nur, Sir, wo ich dich zuerst getroffen habe.


SUBTIL: Ich höre nicht gut.


FACE: Davon wohl eher nicht, schätze ich. Aber ich will dir auf die Sprünge helfen, Sir:—am Pie-corner, wie du den Dampf aus den Garküchen sogst, wo du wie der Vater des Hungers mitleiderregend verstopft herumliefst, mit deiner gezwickten Hornnase und deiner Gesichtsfarbe wie römisches Waschwasser, vollgestopft mit schwarzen und melancholischen Würmern, wie Schießpulverkörner auf dem Artillerieplatz verschossen.


SUBTIL: Ich wünschte, du könntest deine Stimme ein wenig erheben.


FACE: Als du eingepackt gingst in all die Fetzen, die du vor Tagesanbruch von Miststöcken zusammengerafft und aufgelesen hattest; deine Füße in moderigen Pantoffeln gegen deine Frostballen; ein Filz aus Zotteldecke und ein dünner Fadenmantel, der kaum deinen Hintern bedecken konnte—


SUBTIL: So, Sir!


FACE: Als deine gesamte Alchemie und Algebra, deine Mineralien, Vegetabilien und Tiere, deine Beschwörungen, Gaunereien und dein Dutzend Handwerke deinen Körper nicht mit so viel Leinen erlösen konnten, wie Zunder gäbe, um nur ein Feuer zu sehen; da gab ich dir Ansehen, Kredit für deine Kohlen, deine Destillen, deine Gläser, deine Materialien; baute dir einen Ofen, verschaffte dir Kunden, brachte all deine schwarzen Künste voran; lieh dir obendrein ein Haus zum Üben—


SUBTIL: Das Haus deines Herrn!


FACE: Wo du seither das einträglichere Handwerk der Unzucht studiert hast.


SUBTIL: Ja, im Haus deines Herrn. Du und die Ratten hier hielten den Besitz. Tu nicht so befremdet. Ich weiß, du warst einer, der die Speisekammerklappe stets verschlossen hielt und die Brotstücke sparte, das Freibier an Branntweinhändler verkaufte, was dir zusammen mit deinen Weihnachtsgeldern beim Post-und-Pair-Spiel und dem Verleihen von Spielmarken einen hübschen Vorrat von etwa zwanzig Mark einbrachte und dir Kredit verschaffte, mit Spinnweben zu verkehren, hier, seitdem der Tod deiner Herrin den Haushalt gesprengt hat.


FACE: Du könntest leiser sprechen, Halunke.


SUBTIL: Nein, du Mistkäfer, ich will dich in Stücke donnern! Ich werde dich lehren, wie man sich hütet, eine Furie herauszufordern, die Sturm in Hand und Stimme trägt.


FACE: Der Ort hat dich mutig gemacht.


SUBTIL: Nein, deine Kleider.—Du Ungeziefer, habe ich dich aus dem Mist geholt, so arm, so elend, wo kein lebendes Wesen dir Gesellschaft leistete, geschweige denn eine Spinne? Dich aus Besen, Staub und Gießkannen erhoben, dich sublimiert, erhöht und fixiert in der dritten Region, die man unseren Stand der Gnade nennt? Dich zu Geist und Quintessenz verarbeitet mit Mühen, die mir das Werk des Philosophen zweimal eingebracht hätten? Dich in Worte und Haltung gekleidet, dich tauglich gemacht für mehr als gewöhnliche Gesellschaften? Dir deine Eide verliehen, deine Streiterskalen, deine Regeln zum Betrügen beim Pferderennen, Hahnenkampf, Karten, Würfeln oder sonst irgendeiner edlen Tinktur? Dich zu einem Zweiten in meiner eigenen großen Kunst gemacht? Und habe ich das zum Dank? Mutwillst du rebellieren, brichst du aus der Projektion aus? Willst du jetzt fort?


DORIS KOMMUNE: Ihr Herren, was meint ihr? Wollt ihr alles verderben?


SUBTIL: Du elender Sklave, du hättest keinen Namen gehabt—


DORIS KOMMUNE: Wollt ihr euch durch einen Bürgerkrieg ins Unglück stürzen?


SUBTIL: Niemals bekannt gewesen, über das equi clibanum hinaus, die Hitze von Pferdemist, unter der Erde, in Kellern, oder einer Kneipe dunkler als der taube John; wärst allen Menschen verloren gewesen, außer den Wäscherinnen und Schankwirtshilfen, hätte es mich nicht gegeben.


DORIS KOMMUNE: Wisst Ihr eigentlich, wer Euch hört, Herrscher?


FACE: Du Kerl—


DORIS KOMMUNE: Nein, General, ich dachte, ihr wärt zivilisiert.


FACE: Ich werde noch verzweifeln, wenn ihr so laut werdet.


SUBTIL: Und erhäng dich doch, das ist mir egal.


DORIS KOMMUNE: O, das wird alles zunichtemachen.


FACE: Dich als Kuppler in der Paulskirche an den Pranger stellen, all deine Gaunereistricks mit einer ausgehöhlten Kohle, Staub, Schabseln, das Suchen nach verlorenen Dingen mit Sieb und Schere, das Aufstellen von Figuren in deinen Häuserreihen und das Einfangen von Schatten mit einem Spiegel, gedruckt in roten Lettern; und ein Gesicht für dich schnitzen, das schlimmer aussieht als das von Gamaliel Ratsey.


DORIS KOMMUNE: Seid ihr noch bei klarem Verstand? Habt ihr noch Sinne, Meister?


FACE: Ich werde ein Buch herausbringen, das allein schon bei der Aufzählung deiner Hochstapelei den Druckern einen echten Stein der Weisen einbringt.


SUBTIL: Weg mit dir, du Kantinen-Halunke!


FACE: Fort mit dir, du Hunde-Doktor! Der Auswurf aller Gefängnisse—


DORIS KOMMUNE: Wollt Ihr euch denn selbst vernichten, ihr Herren?


FACE: Immer wieder ausgespuckt, weil man zu schwer auf dem Korb lag!


SUBTIL: Betrüger!


FACE: Kuppler!


DORIS KOMMUNE: O je! Wir sind ruiniert, verloren! Habt ihr denn gar keinen Respekt mehr vor eurem Ruf? Wo ist euer Urteil? Zum Teu— habt doch ein bisschen Mitleid mit mir, mit unserer Republik—


FACE: Weg mit dieser Hündin! Ich will dich, du Schurke, unter das Zaubereigesetz bringen, tricesimo tertio Heinrichs des Achten: ja, und vielleicht deinen Hals in eine Schlinge, fürs Waschen und Beschneiden von Gold.


DORIS KOMMUNE (ENTRIFFT FACES SCHWERT): Du wirst deinen Kopf in eine Narrenkappe bringen, was? Und du, Sir, mit deinem Menstruum— (SCHLÄGT SUBTILS FLÄSCHCHEN AUS DER HAND) Hebe es auf.— Beim Tod, ihr abscheulichen Gestank-Pärchen, hört auf zu kläffen und werdet wieder eins, oder beim Licht, das leuchtet, ich schneide euch die Kehlen durch! Ich lasse mich nicht von keinem schnöden Kläffer von euch beiden an den Büttel ausliefern. Habt ihr die ganze Zeit zusammen betrogen, und zwar die ganze Welt, und soll es nun heißen, ihr habt euch so höflich angestellt, euch selbst zu betrügen?


(ZU FACE) Du willst ihn anzeigen! Du willst ihn „unter das Gesetz bringen“! Wer wird denn dein Wort schon annehmen? Ein hurerischer, aufstrebender, apokrypher Kapitän, dem kein Puritaner in Blackfriars auch nur eine Feder auf Kredit geben würde!


(ZU SUBTIL) Und du da, du wirst auch noch den Grund liefern, wahrlich! Du wirst triumphieren und den Vorrang in den Spaltungen beanspruchen! Du musst der Chef sein! Als hättest du allein das Pulver zur Projektion, und das Werk wäre nicht aus Gleichheit begonnen worden? Das dreigeteilte Unternehmen? Alles in Gütergemeinschaft? Ohne Vorrang? Zum Teufel! Ihr ewigen Köter, fallt wieder in eure Paare zurück, betrügt gütig, von ganzem Herzen und liebevoll, wie ihr sollt, und verpasst nicht den Beginn des Gerichtstermins, sonst werde ich, bei dieser Hand, auch noch parteiisch, ergreife meine Partei und kündige euch!


FACE: Es ist seine Schuld; er murrt immerfort, führt seine Mühen ins Feld und sagt, die Last von allem liege auf ihm.


SUBTIL: Nun, das tut sie ja auch.


DORIS KOMMUNE: Wie tut sie das? Tun wir denn nicht auch das Unsere?


SUBTIL: Ja, aber sie sind nicht gleich.


DORIS KOMMUNE: Nun, wenn dein Teil heute überwiegt, hoffe ich, dass unsers es morgen ausgleicht.


SUBTIL: Ja, das KÖNNTE sein.


DORIS KOMMUNE: Könnte, murrender Mastiff! Ja, und es tut es auch. Tod und Hölle! Helft mir, ihn zu drosseln! (PACKT SUBTIL BEI DER KEHLE)


SUBTIL: Dorothy! Mistress Dorothy! Um Himmels willen, ich tu alles. Was soll das?


DORIS KOMMUNE: Wegen deiner Gärung und Fütterung?


SUBTIL: Ich nicht, bei Himmel—


DORIS KOMMUNE: Dein Gold und Silber— (ZU FACE) helft mir.


SUBTIL: Wäre ich denn gehängt?! Ich füge mich ja.


DORIS KOMMUNE: Willst du das, Sir? Dann tu es auch, und schnell: Schwöre.


SUBTIL: Was soll ich schwören?


DORIS KOMMUNE: Eurem Zank zu entsagen, Sir, und friedlich am gemeinsamen Werk zu arbeiten.


SUBTIL: Ich will ersticken, wenn ich etwas anderes im Sinn hatte. Ich habe diese Worte nur als Stachel gegen ihn benutzt.


DORIS KOMMUNE: Ich hoffe, wir brauchen keine Stachel, Sir. Tun wir das?


FACE: Zum Teufel, heute wird sich zeigen, wer am besten fischt.


SUBTIL: Einverstanden.


DORIS KOMMUNE: Ja, und lasst uns eng und freundschaftlich zusammenarbeiten.


SUBTIL: Zum Kuckuck, der Knoten soll durch diesen Bruch nur noch fester werden, meinetwegen. (SIE GEBEN SICH DIE HÄNDE)


DORIS KOMMUNE: Na also, meine guten Paviane! Sollen wir etwa ein paar nüchterne, elende, pingelige Nachbarn, die seit dem Einzug des Königs kaum zweimal gelächelt haben, ein Fest des Lachens über unsere Torheiten veranstalten? Ihr Schurken, die ihr um die Wette rennt, um mich reiten zu sehen, oder damit ihr nur ein Loch habt, in das ihr eure Köpfe stecken könnt, wofür ihr Ohrenmiete zahlen müsstet? Nein, vertragt euch. Und möge der Herr Provost noch lange in seinem alten Samtwams und seinen fleckigen Schärpen im Triumph reiten, mein edler Herrscher und würdiger General, ehe wir eine neue Wollstrumpfband-Schleife zu seiner erbärmlichen Würde beisteuern.


SUBTIL: Königliche DORIS! Gesprochen wie Claridiana und du selbst.


FACE: Wofür du beim Abendessen im Triumph sitzen und nicht mehr DORIS KOMMUNE genannt werden sollst, sondern DORIS Proper, DORIS Singular: Das längste Los in der Nacht soll dich für seine ganz persönliche DORIS ziehen.


(DRAUSSEN KLINGELT EIN GLÖCKCHEN)


SUBTIL: Wer ist das? Da klingelt jemand. Geh ans Fenster, DORIS: (DORIS GEHT AB) — ich bete zum Himmel, dass der Herr uns in diesem Viertel nicht in Ruhe lässt.


FACE: O, fürchte dich nicht vor ihm. Solange wöchentlich einer an der Pest stirbt, ist er sicher und denkt nicht daran, nach London zu kommen. Außerdem ist er jetzt mit seinen Hopfengärten beschäftigt; ich hatte einen Brief von ihm. Wenn er es tut, wird er so ein Wort schicken zur Lüftung des Hauses, dass du genügend Zeit hast, es zu räumen; selbst wenn wir uns für vierzehn Tage trennen, macht das nichts.


(DORIS KOMMT ZURÜCK)


SUBTIL: Wer ist es, DORIS?


DORIS KOMMUNE: Ein feines, junges Früchtchen.


FACE: O, mein Anwaltsgehilfe, den ich gestern Abend in Holborn im „Dagger“ aufgegabelt habe. Er möchte (ich habe dir von ihm erzählt) einen Vertrauten haben, um bei Pferden mitzumischen und Pokale zu gewinnen.


DORIS KOMMUNE: O, lass ihn rein.


SUBTIL: Halt. Wer soll es machen?


FACE: Wirf du dir deine Gewänder über: Ich werde ihn treffen, als ob ich gerade gehen würde.


UND DORIS KOMMUNE: Und was soll ich tun?


FACE: Nicht gesehen werden; weg mit dir! (DORIS GEHT AB) Tu sehr verschlossen.


SUBTIL: Genug. (ER GEHT AB)


FACE (LAUT UND ZURÜCKWEICHEND): Gott behüte Euch, Sir, ich bitte Euch, lasst ihn wissen, dass ich hier war: Sein Name ist DAPPEL. Ich wäre gerne geblieben, aber—


DAPPEL (DRAUSSEN): Kapitän, ich bin hier.


FACE: Wer ist da? — Er ist gekommen, schätze ich, Doktor. (DAPPEL TRITT EIN) Wahrhaftig, Sir, ich war im Begriff zu gehen.


DAPPEL: In Wahrheit tut es mir sehr leid, Kapitän.


FACE: Aber ich dachte doch sicher, ich würde Euch treffen.


DAPPEL: Ja, ich bin sehr froh. Ich hatte ein paar blöde Schriften aufzusetzen, und ich hatte meine Uhr letztes Gestern jemandem geliehen, der heute beim Sheriff zu Mittag isst, und so wurde ich um meinen Zeitvertreib gebracht. (SUBTIL KOMMT ZURÜCK IN SEINEM SAMTBÄRETT UND SEINEM TALAR) Ist das der kluge Mann?


FACE: Das ist Seine Würde.


DAPPEL: Ist er ein Doktor?


FACE: Ja.


DAPPEL: Und habt Ihr mit ihm gesprochen, Kapitän?


FACE: Ja.


DAPPEL: Und wie?


FACE: Ei, er macht die Sache so zimperlich, Sir, ich weiß nicht, was ich sagen soll.


DAPPEL: Nicht doch, lieber Kapitän.


FACE: Wäre ich doch nur gut aus der Sache heraus, glaub mir.


DAPPEL: Nein, jetzt betrübst du mich, Sir. Warum solltest du dir das wünschen? Ich wage dir zu versichern, ich werde nicht undankbar sein.


FACE: Ich kann nicht denken, dass du das sein wirst, Sir. Aber das Gesetz ist eine solche Sache — und dann sagt er, Reads Angelegenheit liege so kurz zurück.


DAPPEL: Read! Er war ein Esel und hat sich, Sir, mit einem Narren eingelassen.


FACE: Es war ein Schreiber, Sir.


DAPPEL: Ein Schreiber!


FACE: Nein, hör mich an, Sir. Du kennst das Gesetz besser, denke ich—


DAPPEL: Das sollte ich wohl, Sir, und die Gefahr: Du weißt, ich habe dir das Statut gezeigt.


FACE: Das hast du getan.


DAPPEL: Und werde ich dann plaudern? Bei dieser Hand aus Fleisch, möge sie nie wieder eine gute Gerichtsschrift schreiben, wenn ich etwas verrate. Was denkst du von mir, dass ich ein Chiaus bin?


FACE: Was ist das?


DAPPEL: Der Türke war da. Als wollte man sagen, glaubst du, ich bin ein Türke?


FACE: Ich werde es dem Doktor sagen.


DAPPEL: Tu das, guter, süßer Kapitän.


FACE: Komm, edler Doktor, ich bitte dich, lass uns nachgeben; das ist der Gentleman, und er ist kein Chiaus.


SUBTIL: Kapitän, ich habe Ihnen meine ganze Antwort gegeben. Ich würde viel tun, Sir, für Ihre Liebe — aber das darf und kann ich nicht.


FACE: Ach, sag das nicht. Du hast es jetzt mit einem edlen Gefährten zu tun, Doktor, einem, der dich reichlich belohnen wird; und er ist kein Chiaus: Lass dich davon bewegen, Sir.


SUBTIL: Ich bitte Sie, verschonen Sie mich—


FACE: Er hat hier vier Engel.


SUBTIL: Sie tun mir Unrecht, gutfürstiger Sir.


FACE: Doktor, worin denn? Dass ich Sie mit diesen Geistern in Versuchung führe?


SUBTIL: Meine Kunst und Liebe in Versuchung zu führen, Sir, zu meiner Gefährdung. Vor dem Himmel, ich kann kaum glauben, dass Sie mein Freund sind, da Sie mich so in offensichtliche Gefahr bringen wollen.


FACE: Ich bringe dich in Gefahr! Ein Pferd soll dich bringen, samt Halfter, dich und deine Fliegen zusammen—


DAPPEL: Nein, guter Kapitän.


FACE: Die keinen Unterschied unter den Menschen kennen.


SUBTIL: Gute Worte, Sir.


FACE: Gute Taten, Sir, Doktor Hunde-Aas. Zum Kuckuck, ich bringe dir keine betrügerischen Clim o' the Cloughs oder Claribels an, die so groß tun wie fünfundfünfzig und frisch; und Geheimnisse ausspucken wie heißen Pudding—


DAPPEL: Kapitän!


FACE: Noch irgendeinen melancholischen Unterschreiber, der es dem Vikar weitersagt; sondern einen besonderen Edelmann, der Erbe von vierzig Mark im Jahr ist, mit den kleinen Dichtern der Zeit verkehrt, die einzige Hoffnung seiner alten Großmutter ist; der das Gesetz kennt und dir sechs feine Schriften vorlegt, ein feiner Schreiber ist und sein Rechnen perfekt beherrscht. Der seinen Eid auf das griechische Testament schwört, wenn nötig, in seiner Tasche; und seine Angebetete aus Ovid umwirbt.


DAPPEL: Nein, lieber Kapitän—


FACE: Hast du mir das nicht so erzählt?


DAPPEL: Ja; aber ich möchte, dass du Herrn Doktor mit etwas mehr Respekt behandelst.


FACE: Verdammt sei er, der stolze Hirsch mit seinem breiten Samtkopf! — Aber deineswegen würde ich ersticken, ehe ich ein Wort mit so einem Prahler tauschte: Komm, lass uns gehen. (IM GEHEN)


SUBTIL: Ich bitte Sie, lassen Sie mich mit Ihnen sprechen.


DAPPEL: Seine Würde ruft Sie, Kapitän.


FACE: Es tut mir leid, dass ich mich jemals auf ein solches Geschäft eingelassen habe.


DAPPEL: Nein, guter Sir; er hat Sie ja gerufen.


FACE: Nimmt er denn an?


SUBTIL: Erst höre mich an—


FACE: Nicht eine Silbe, es sei denn, du nimmst an.


SUBTIL: Ich bitte Sie, Sir—


FACE: Unter keinen anderen Bedingungen als einem Assumpsit.


SUBTIL: Eure Laune muss Gesetz sein. (ER NIMMT DIE VIER ENGEL)


FACE: Nun gut, Sir, sprecht. Jetzt wage ich es, euch mit meiner Ehre zu hören. Sprecht. So kann es auch dieser Gentleman tun.


SUBTIL: Nun, Sir— (SETZT DAZU AN, FACE ETWAS ZUZUFLÜSTERN)


FACE: Kein Geflüster.


SUBTIL: Vor dem Himmel, ihr ahnt nicht einmal den Verlust, den ihr euch damit einhandelt.


FACE: Wobei denn? Wofür?


SUBTIL: Nun, so aufdringlich zu sein für einen, der, wenn er ihn erst hat, euch alle ruinieren wird: Er wird das ganze Geld in der Stadt einstreichen!


FACE: Wie!


SUBTIL: Ja, und einen Spieler nach dem anderen in die Luft jagen, wie Knallerbsen in einem Puppenspiel. Wenn ich ihm einen Vertrauten gebe, gebe ich euch alles, worum ihr spielt; setzt niemals auf ihn: Denn er wird es holen.


FACE: Ihr irrt euch, Doktor. Warum, er verlangt einen ja nur für Pokale und Pferde, eine Verlosungs-Fliege; keinen von euren großen Vertrauten.


DAPPEL: Doch, Kapitän, ich möchte ihn für alle Spiele haben.


SUBTIL: Ich hab's euch ja gesagt.


FACE (NEHMT DAPPEL BEISEITE): Zum Teufel, das ist eine neue Sache! Ich verstand dich so, dass es ein zahmes Vögelchen sein sollte, um zweimal im Semester oder so an Freitagabenden, wenn du das Büro verlassen hattest, für einen Klepper von vierzig oder fünfzig Schilling zu fliegen.


DAPPEL: Ja, das stimmt schon, Sir; aber ich glaube jetzt, dass ich das Gesetz an den Nagel hängen werde, und deshalb—


FACE: Nanu, das ändert die Lage natürlich völlig. Meinst du, dass ich es wagen kann, ihn zu überreden?


DAPPEL: Wenn es Euch beliebt, Sir; es ist ihm ohnehin egal, wie ich sehe.


FACE: Was! Für dieses Geld? Das kann ich mit meinem Gewissen nicht vereinbaren; du solltest diesen Wunsch auch gar nicht erst äußern, wie ich finde.


DAPPEL: Nein, Sir, ich gedenke noch etwas draufzulegen.


FACE: Nun denn, Sir, will ich es versuchen.— (GEHT ZU SUBTIL) Nehmen wir an, es wäre für alle Spiele, Doktor.


SUBTIL: Nun, dann sage ich: Kein Maul wird seinetwegen in irgendeiner Garküche essen, außer auf Anschrieb, das ist ein spielendes Maul, begreif mich wohl.


FACE: Tatsächlich!


SUBTIL: Er wird euch den ganzen Schatz des Königreichs herbeiziehen, wenn man ihn darauf ansetzt.


SUBTIL: Sprichst du hier aus der Kunst heraus?


SUBTIL: Ja, Sir, und aus der Vernunft dazu, dem Fundament der Kunst. Er besitzt genau die allerbeste Verfassung, die die Elfenkönigin liebt.


FACE: Was! Tut sie das?


SUBTIL: Pst. Er überhört dich sonst. Sir, sollte sie ihn nur erblicken—


FACE: Was dann?


SUBTIL: Sag ihm das bloß nicht.


FACE: Wird er denn beim Kartenspiel auch gewinnen?


SUBTIL: Die Geister des verstorbenen Holland und des lebendigen Isaac, ihr würdet schwören, steckten in ihm; so ein gewaltiges Glück, dem man nicht widerstehen kann. Zum Kuckuck, er wird sechs eurer Edelleute glatt um den Mantel bringen!


SUBTIL: Ein seltsamer Erfolg, in den manche Menschen hineingeboren werden!


SUBTIL: Er hört dich ja, Mann—


DAPPEL: Sir, ich werde mich nicht undankbar zeigen.


FACE: Wahrhaftig, ich habe Vertrauen zu seiner guten Natur: Ihr hört, er sagt, er werde sich nicht undankbar zeigen.


SUBTIL: Nun, wie ihr wollt; mein Einsatz folgt dem euren.


FACE: Wahrlich, tu es, Doktor; halte ihn für zuverlässig und mach es. Er kann uns beide innerhalb einer Stunde glücklich machen; gewinnt etwa fünftoundtausend Pfund und schickt uns zwei davon ab.


DAPPEL: Glaubt nur fest daran, das werde ich, Sir.


FACE: Und das sollt Ihr auch, Sir. (NIMMT IHN BEISEITE) Ihr habt alles mitangehört?


DAPPEL: Nein, was war's denn? Nichts, ich doch nicht, Sir.


FACE: Nichts!


DAPPEL: Ein bisschen vielleicht, Sir.


FACE: Nun, bei eurer Geburt wachte wahrlich ein seltener Stern!


DAPPEL: Bei meiner, Sir? Ach wo.


SUBTIL: Der Doktor schwört, dass ihr—


FACE: Nein, Kapitän, jetzt verrätst du aber alles.


SUBTIL: ...verwandt seid mit der Elfenkönigin.


DAPPEL: Wer! Ich etwa? Glaubt mir, absolut nicht—


FACE: Doch, und dass du mit einer Glatte (einer Glückshaube) auf dem Kopf geboren wurdest.


DAPPEL: Wer sagt das?


FACE: Komm, du weißt es ganz genau, auch wenn du es verleugnest.


DAPPEL: Bei meinem „Fac“, ich tue es nicht; da irrt Ihr Euch.


FACE: Was! Schwörst du bei deinem „Fac“, und das bei einer Sache, die dem Doktor so gut bekannt ist? Wie sollen wir dir, Sir, in der anderen Sache vertrauen? Können wir jemals denken, dass du uns, wenn du erst fünf- oder zehntausend Pfund gewonnen hast, nach diesem Maßstab einen Anteil davon abgibst?


DAPPEL: Beim Jupiter, Sir, ich werde zehntausend Pfund gewinnen und euch die Hälfte schicken! „Fac“ ist kein Eid.


SUBTIL: Schon gut, schon gut, er hat doch nur gescherzt.


FACE: Na schön. Geh und dank dem Doktor: Er ist dein Freund, dass er das so hinnimmt.


DAPPEL: Ich danke Seiner Würde.


FACE: So! Noch ein Engel.


DAPPEL: Muss ich etwa?


FACE: Ob du musst! Zum Kuckuck, was sonst ist Dank? Willst du jetzt kleinlich werden? — (DAPPEL GIBT IHM DAS GELD) Wann muss er für seinen Vertrauten kommen?


DAPPEL: Krieg ich ihn denn nicht gleich mit?


SUBTIL: O, guter Sir! Da muss eine ganze Welt von Zeremonien stattfinden; ihr müsst erst gebadet und ausgeräuchert werden: Außerdem erhebt sich die Elfenkönigin vor der Mittagsstunde nicht.


FACE: Selbst wenn sie tanzte, nicht vor heute Nacht.


SUBTIL: Und sie muss ihn segnen.


FACE: Habt Ihr Ihre königliche Gnade noch nie gesehen?


DAPPEL: Wen?


FACE: Eure Tante aus dem Elfenland?


SUBTIL: Nicht seit sie ihn in der Wiege geküsst hat, Kapitän; das kann ich Euch versichern.


FACE: Nun, sieh zu, dass du ihre Gnade zu Gesicht bekommst, was immer es dich kostet, wegen einer Sache, die ich weiß. Es wird etwas schwer zu bewerkstelligen sein; aber sieh sie dir auf jeden Fall an. Du bist gemacht, glaub mir, wenn du sie zu Gesicht bekommst. Ihre Gnade ist eine einsame Frau und sehr reich; und wenn sie Zuneigung fasst, tut sie seltsame Dinge. Sieh sie dir unbedingt an. Zum Kuckuck, sie hinterlässt dir am Ende womöglich alles, was sie hat: Das ist die Sorge des Doktors.


DAPPEL: Wie wird das denn dann gemacht?


FACE: Überlass das nur mir, mach dir keine Gedanken. Sag du einfach zu mir: „Kapitän, ich werde ihre Gnade sehen.“


DAPPEL: „Kapitän, ich werde ihre Gnade sehen.“


FACE: Genug.


(KLOPFEN VON DRINNEN)


SUBTIL: Wer ist da? Gleich. (LEISE ZU FACE) — Führ ihn durch den Hinterweg hinaus.— Sir, bereitet Euch auf ein Uhr vor; bis dahin müsst Ihr fasten; nehmt lediglich drei Tropfen Essig in die Nase, zwei in den Mund und je einen in jedes Ohr; dann badet eure Fingerspitzen und wascht eure Augen, um eure fünf Sinne zu schärfen, ruft dreimal „hum“ und dann ebenso oft „buz“; und dann kommt. (ER GEHT AB)


FACE: Kannst du dir das merken?


DAPPEL: Darauf könnt Ihr euch verlassen.


FACE: Nun denn, weg mit dir. Es kostet dich nur etwa zwanzig Nobel Trinkgeld für die Diener ihrer Gnade, und zieh ein sauberes Hemd an: Du weißt nicht, welche Gunst ihre Gnade dir in sauberer Wäsche erweisen wird. (FACE UND DAPPEL GEHEN AB)


SUBTIL (VON DRINNEN): Kommt rein! Gute Frauen, ich bitte euch, lasst mich jetzt in Ruhe; wahrhaftig, ich kann euch vor dem Nachmittag nicht helfen — (KOMMT WURÜCK, GEFOLGT VON DROGER) Wie ist Ihr Name, sagt Ihr? Abel DROGER?


DROGER: Ja, Sir.


SUBTIL: Ein Tabakhändler?


DROGER: Ja, Sir.


SUBTIL: Hm! Freigesprochen bei den Spezerei-Händlern?


DROGER: Ja, wenn es Euch beliebt.


SUBTIL: Gut — Euer Anliegen, Abel?


DROGER: Folgendes, wenn es Eurer Würde beliebt; ich bin ein junger Anfänger und baue gerade ein neues Geschäft auf, wenn es Eurer Würde beliebt, genau an einer Straßenecke: — hier ist der Grundriss davon — und ich möchte durch die Kunst, Sir, von Eurer Würde erfahren, auf welche Weise ich meine Tür durch Nekromantie machen soll, und wo meine Regale hinmüssen; und welche für Kisten und welche für Töpfe sein sollen. Ich würde mich freuen, gedeihlich zu sein, Sir; und ich wurde Eurer Würde von einem Gentleman empfohlen, einem gewissen Captain Face, der sagt, Ihr kennt die Planeten der Menschen und ihre guten Engel und ihre bösen.


SUBTIL: Das tue ich, wenn ich sie sehe — (FACE KOMMT ZURÜCK)


FACE: Was! Mein ehrlicher Abel? Du bist hier gut angetroffen.


DROGER: Wahrhaftig, Sir, ich sprach gerade, als Eurer Würde hierherkam, von Eurer Würde: Ich bitte Euch, sprecht für mich bei Herrn Doktor.


SUBTIL: Er wird alles tun. — Doktor, hörst du? Das ist mein Freund Abel, ein ehrlicher Kerl; er lässt mich guten Tabak haben, und er verfälscht ihn nicht mit Mosthefe oder Öl, wäscht ihn auch nicht in Muskateller und Getreide, vergräbt ihn nicht in Kies unter der Erde, eingewickelt in fettes Leder oder vollgesechte Lappen: Sondern er bewahrt ihn in feinen Lilientöpfen auf, die, wenn man sie öffnet, nach Rosenkonfitüre oder französischen Bohnen duften. Er hat seinen Ahornblock, seine silberne Zange, Winchester-Pfeifen und Wacholderfeuer: Ein ordentlicher, schmucker, ehrlicher Kerl und kein Goldschmied.


SUBTIL: Er ist ein glücklicher Kerl, dessen bin ich sicher.


SUBTIL: Schon jetzt, Sir, habt Ihr es herausgefunden? Schau an, Abel!


SUBTIL: Und auf dem rechten Weg zum Reichtum —


FACE: Sir!


SUBTIL: Diesen Sommer wird er der Zunftkleidung seiner Gesellschaft angehören und nächsten Frühling zum Scharlach berufen werden; mag er ausgeben, was er will.


FACE: Was, und mit so wenig Bart?


SUBTIL: Sir, Ihr müsst bedenken, er hat vielleicht ein Rezept, um den Bart wachsen zu lassen: Aber er wird klug sein, seine Jugend bewahren und sich dafür freikaufen; sein Glück sucht ihn auf einem anderen Weg.


FACE: Zum Kuckuck, Doktor, wie kannst du das so schnell wissen? Ich bin darüber erstaunt!


SUBTIL: Nach einer Regel, Kapitän, in der Metoposkopie, nach der ich arbeite; ein bestimmter Stern auf der Stirn, den Ihr nicht seht. Dein kastanienbraunes oder olivenfarbenes Gesicht versagt niemals: Und dein langgezogenes Ohr verspricht es. Ich wusste es auch an bestimmten Flecken in seinen Zähnen und auf dem Nagel seines merkuriellen Fingers.


FACE: Welcher Finger ist das?


SUBTIL: Sein kleiner Finger. Schau her. Du wurdest an einem Mittwoch geboren?


DROGER: Ja, wahrlich, Sir.


SUBTIL: Den Daumen geben wir in der Chiromantie der Venus; den Zeigefinger dem Jupiter; den Mittleren dem Saturn; den Ringfinger der Sonne; den Kleinsten dem Merkur, der der Herr, Sir, seines Horoskops war, da sein Haus des Lebens die Waage war; was vorhersagte, dass er Kaufmann sein und mit der Waage handeln sollte.


FACE: Nanu, das ist seltsam! Nicht wahr, ehrlicher Nab?


SUBTIL: Da ist jetzt ein Schiff im Anmarsch aus Ormus, das ihm eine solche Ladung Drogen einbringen wird — (ZEIGT AUF DEN GRUNDRISS) — Dies ist der Westen und dies der Süden?


DROGER: Ja, Sir.


SUBTIL: Und das sind Eure beiden Seiten?


DROGER: Ja, Sir.


SUBTIL: Macht mir also Eure Tür nach Süden; Eure breite Seite nach Westen; und auf die Ostseite Eures Ladens, weit oben, schreibt Mathlai, Tarmiel und Baraborat; auf den nördlichen Teil: Rael, Velel, Thiel. Das sind die Namen jener merkuriellen Geister, die Fliegen von Kisten abschrecken.


DROGER: Ja, Sir.


SUBTIL: Und unter Eurer Schwelle vergrabt mir einen Magnetstein, um Sporentragende Edelleute anzulocken: Den Rest, die werden ihnen wie von selbst folgen.


FACE: Das ist ein Geheimnis, Nab!


SUBTIL: Und auf Eurem Ladentisch eine Puppe mit einer Schraubzwinge und etwas städtischer Schminke, um Stadt-Damen herbeizurufen: Ihr werdet viel mit Mineralien handeln.


SUBTIL: Sir, ich habe zu Hause schon —


SUBTIL: Ja, ich weiß, du hast Arsen, Vitriol, Sal Tartari, Weinstein, Alkali, Zinnober: Ich weiß alles. — Dieser Kerl, Kapitän, wird mit der Zeit ein großer Destillateur werden und einen Versuch — ich will es nicht direkt sagen, aber sehr aussichtsreich — am Stein der Weisen wagen.


FACE: Ei, wie nun, Abel! Ist das wahr?


DROGER (LEISE ZU FACE): Guter Kapitän, was muss ich geben?


FACE: Nein, ich will dir nicht raten. Du hörst ja, welchen Reichtum (er sagt, gib aus, was du kannst) du voraussichtlich erlangen wirst.


DROGER: Ich würde ihm eine Krone geben.


FACE: Eine Krone! Und angesichts eines solchen Glücks? Um Himmels willen, du wirst ihm eher deinen Laden geben. Kein Gold bei dir?


SUBTIL: Ja, ich habe eine Portugaleser-Münze, die habe ich seit einem halben Jahr behalten.


FACE: Schande über dich, Nab! Zum Teufel, das war so ein Angebot — Du wirst sie nicht länger behalten, ich werde sie ihm für dich geben. Doktor, Nab bittet Eure Würde, das hier zu trinken, und schwört, er wird sich dankbarer zeigen, wenn Eure Kunst ihn in der Welt emporbringt.


DROGER: Ich möchte Seiner Würde noch eine weitere Gunst erbitten.


FACE: Was denn, Nab?


SUBTIL: Nur meinen Almanach durchzusehen, Sir, und meine Unglückstage zu streichen, damit ich an ihnen weder verhandle noch auf Kredit gebe.


FACE: Das wird er tun, Nab: Lass ihn da, es soll erledigt werden, bis zum Nachmittag.


SUBTIL: Und eine Anweisung für seine Regale.


FACE: Nun, Nab, bist du wohlzufrieden, Nab?


DROGER: Ich danke Euch beiden, Eueren Würden.


FACE: Weg mit dir. (DROGER GEHT AB) Nun, du rauchender Naturverfolger! Siehst du nun, dass es noch etwas anderes zu tun gibt als deine Buchenkohle und deine ätzenden Wässer, deine Kreuzchen, Tiegel und Kürbisse? Dir muss Zeug ins Haus gebracht werden, an dem du arbeiten kannst: Und doch glaubst du, ich habe keine Ausgaben, wenn ich diese Adern aufspüre, ihnen folge und sie dann ausprobiere. Vor Gott, meine Informanten kosten mich oft mehr Geld, als mein Anteil bei diesen seltenen Werken einbringt.


SUBTIL: Ihr scherzt wohl, Sir. (DORIS KOMMT ZURÜCK) — Nun denn! Was sagt mein zartes DORISkin?


DORIS KOMMUNE: Die Fischweib dort drüben will nicht weg. Und da ist eure Riesenin, die Kupplerin von Lambeth.


SUBTIL: Zum Teufel, ich kann jetzt nicht mit ihnen sprechen.


DORIS KOMMUNE: Nicht vor dem Abend, habe ich ihnen mit einer Stimme durch das Sprachrohr gesagt, wie einer eurer Vertrauten. Aber ich habe Sir EPIKUR Mammon erspäht—


SUBTIL: Wo?


DORIS KOMMUNE: Er kommt den Weg entlang am Ende der Gasse, schwer von Fuß, aber eifrig im Mundwerk gegenüber einem, der bei ihm ist.


SUBTIL: Face, geh du und verkleide dich. (FACE GEHT AB) DORIS, du musst dich jetzt auch sofort fertig machen.


DORIS KOMMUNE: Warum, was gibt's denn?


SUBTIL: O, ich habe ihn schon bei Sonnenaufgang erwartet: Es ist ein Wunder, dass er schlafen konnte. Heute ist der Tag, an dem ich das Magisterium, unser großes Werk, den Stein, für ihn vollenden und ihn ihm fertig in die Hände geben muss; worüber er diesen Monat geredet hat, als wäre er besessen. Und jetzt verteilt er schon Teile davon im Voraus. — Ich sehe ihn im Geist in Garküchen gehen, Pocken und Pestbeulen behandeln, seine Dosis reichen, in den Moorfields nach Aussätzigen suchen und Bürgerfrauen Amulett-Armbänder als sein aus dem Elixier hergestelltes Präservativ anbieten; die Hospitäler durchsuchen, um alte Kupplerinnen jung zu machen, und die Landstraßen nach Bettlern absuchen, um sie reich zu machen. Ich sehe kein Ende seiner Mühen. Er wird die Natur ihres langen Schlafs beschämen, wenn die Kunst, die doch nur eine Stiefmutter ist, mehr tun wird, als sie in ihrer besten Zuneigung zur Menschheit jemals konnte: Wenn sein Traum anhält, wird er das Zeitalter in Gold verwandeln. (SIE GEHEN AB)




ZWEITER AKT. 


ERSTE SZENE.


EIN VORDERZIMMER IN LIEBWITZS HAUS.


SIR EPIKUR MAMMON UND SICHERLICH TRETEN AUF.


MAMMON: Kommt nur, Sir. Jetzt setzt Ihr Euren Fuß an Land in Novo Orbe; hier ist das reiche Peru: Und da drüben, Sir, liegen die goldenen Minen, das Ophir des großen Salomos! Er brauchte drei Jahre, um dorthin zu segeln, aber wir haben es in zehn Monaten erreicht. Dies ist der Tag, an dem ich all meinen Freunden das glückliche Wort verkünden werde: WERDET REICH; HEUTE WERDET IHR SPECTATISSIMI. Ihr sollt euch nicht länger mit gezinkten Würfeln oder zerissenen Karten abgeben. Ihr müsst nicht länger für den Unterhalt der Livree-Hure des jungen Erben aufkommen, der zu jeder Stunde in seinem Hemd siegeln muss; müsst ihn nicht mehr, wenn er sich weigert, dazu prügeln lassen, wie es dem ergeht, der ihm die Ware bringt. Kein Verlangen nach Satin mehr oder der habgierige Hunger von Samteingeweiden nach einem grob gewebten Mantel, der bei Madam Augusta zur Schau gestellt werden soll, soll die Söhne von Schwert und Spiel vor dem goldenen Kalb niederknien und ganze Nächte lang Götzendienst mit Wein und Trompeten treiben; oder nach Trommel und Standarte schwelgen gehen. Kein Wort mehr davon. Ihr werdet zu jungen Vizekönigen aufsteigen und eure Huren und Hündinnen haben, mein SICHERLICH. Und dir sage ich es zuerst: WERDET REICH. Wo ist mein SUBTIL da drüben? Hola, drinnen!


FACE (VON DRINNEN): Sir, er kommt gleich zu Ihnen.


MAMMON: Das ist sein Feuerdrache, seine Lungen, sein Zephyrus, der seine Kohlen anbläst, bis er die Natur in ihrem eigenen Zentrum aufstachelt. Ihr seid nicht gläubig, Sir. Heute Nacht werde ich alles Metall in meinem Haus in Gold verwandeln; und früh am Morgen werde ich zu allen Klempnern und Zinngießern schicken und ihr Zinn und Blei aufkaufen, und nach Lothbury für das ganze Kupfer.


SICHERLICH: Was, und das auch noch umwandeln?


MAMMON: Ja, und ich werde Devonshire und Cornwall aufkaufen und sie zu perfekten Indiens machen! Ihr staunt jetzt wohl?


SICHERLICH: Ach was, wahrlich nicht.


MAMMON: Aber wenn Ihr die Wirkungen der Großen Medizin seht, von der ein Teil, auf hundert Teile Quecksilber, Venus oder den Mond projiziert, sie in ebenso viele Teile der Sonne verwandelt; ja, in tausend, und so ad infinitum: Ihr werdet mir glauben.


SICHERLICH: Ja, wenn ich es sehe, werde ich es glauben. Aber wenn meine Augen mich so betrügen und ich ihnen dazu noch Anlass gebe, wahrlich, dann werde ich mir eine Hure zulegen, die sie am nächsten Tag anpischert.


MAMMON: Ha! Warum? Glaubt Ihr, ich erzähle euch Märchen? Ich versichere Euch, wer einmal die Blüte der Sonne besitzt, den perfekten Rubin, den wir das Elixier nennen, kann nicht nur das, sondern durch seine Kraft auch Ehre, Liebe, Respekt und ein lang Leben verleihen; Sicherheit, Tapferkeit, ja und den Sieg wem immer er will. In achtundzwanzig Tagen mache ich aus einem achtzigjährigen Greis ein Kind.


SICHERLICH: Kein Zweifel; das ist er ohnehin schon.


MAMMON: Nein, ich meine, seine Jahre wiederherstellen, ihn wie einen Adler zum fünften Lebensalter verjüngen; ihn Söhne und Töchter zeugen lassen, junge Riesen, wie es unsere Philosophen getan haben, die alten Patriarchen vor der Sintflut, indem sie nur einmal die Woche auf einer Messerspitze die Menge eines Senfkorns davon einnehmen; sie werden zu strammen Marsgestalten und zeugen junge Cupidos.


SICHERLICH: Die verbrauchten Vestalinnen von Pict-hatch würden es Euch danken, die dort das Feuer am Brennen halten.


MAMMON: Das ist das Geheimnis der naturisierten Natur gegen alle Infektionen, es heilt alle Krankheiten jeglicher Ursache; den Kummer eines Monats an einem Tag, den eines Jahres in zwölf; und in welchem Alter auch immer, innerhalb eines Monats: weit über alle Dosen eurer verabreichenden Ärzte hinaus. Ich übernehme es zudem, die Pest innerhalb von drei Monaten aus dem Königreich zu jagen.


SICHERLICH: Und ich gehe jede Wette ein, dass die Schauspieler dann eure Loblieder ohne ihre Dichter singen werden.


MAMMON: Sir, ich werde es tun. Inzwischen werde ich so viel an meinen Mann verschenken, dass er die ganze Stadt wöchentlich mit dem Präservativ versorgt; jedes Haus bekommt seine Dosis, und das zu einem Preis—


SICHERLICH: Wie derjenige, der das Wasserwerk gebaut hat, es mit Wasser tut?


MAMMON: Ihr seid ungläubig.


SICHERLICH: Wahrhaftig, ich habe die Laune, dass ich mich nicht gerne foppen lasse. Euer Stein kann mich nicht verwandeln.


MAMMON: Pertinax, mein SICHERLICH, wollt Ihr der Antike glauben? Den Aufzeichnungen? Ich zeige Euch ein Buch, in dem Moses und seine Schwester sowie Salomo über die Kunst geschrieben haben; ja, und eine Abhandlung, verfasst von Adam—


SICHERLICH: Wie bitte!


MAMMON: Vom Stein der Weisen, und zwar auf Hochdeutsch.


SICHERLICH: Hat Adam etwa auf Hochdeutsch geschrieben, Sir?


MAMMON: Das hat er; was beweist, dass es die Ursprache war.


SICHERLICH: Auf welchem Papier?


MAMMON: Auf Zedernholz.


SICHERLICH: O, das, heißt es doch, hält den Würmern stand.


MAMMON: Das ist wie euer irisches Holz gegen Spinnweben. Ich habe auch ein Stück von Jasons Vlies, das nichts anderes war als ein Alchemiebuch, geschrieben in großem Schaffell, gutem, fettem Widder-Pergament. Solches waren Pythagoras' Oberschenkel, Pandoras Wanne und all diese Fabel von Medeas Zaubern; die Art unseres Werks; die Stiere, unser Ofen, der immer Feuer speit; unser lebendiges Silber, der Drache: Die Drachenzähne, sublimes Quecksilber, das Weiße, Härte und Beißen behält; und sie werden in Jasons Helm, den Alembik, gesammelt und dann in Mars' Feld gesät und von da aus so oft sublimiert, bis sie fixiert sind. Sowohl dieses, der Hesperiengarten, Kadmus' Geschichte, Joves Schauer, Midas' Gabe, Argus' Augen, Boccacios Demogorgon, tausend weitere, sind alles abstrakte Rätsel unseres Steins. (FACE TRITT AUF, ALS DIENER) — Nun denn! Haben wir Erfolg? Ist unser Tag da? Und hält er an?


FACE: Der Abend wird sich rot über Euch senken, Sir; Ihr habt die Farbe dazu, Karmesin: Das rote Ferment hat sein Werk getan; bereitet Euch in drei Stunden darauf vor, die Projektion zu sehen.


MAMMON: Pertinax, mein SICHERLICH. Ich sage es dir noch einmal laut: Werde reich. Noch heute wirst du Barren haben, und morgen wirst du den Großen die Stirn bieten. — Ist es richtig, mein Zephyrus? Errötet der Destillierkopf?


FACE: Wie ein schwangeres Mädchen, Sir, das gerade erst vor seinem Herrn entdeckt worden ist.


MAMMON: Ausgezeichnet witzige Lungen! — Meine einzige Sorge ist, woher ich jetzt genug Zeug bekomme, um darauf zu projizieren; diese Stadt wird mir bei Weitem nicht ausreichen.


FACE: Ach was, Sir! Kauft doch die Abdeckung von den Kirchen herunter.


MAMMON: Das ist wahr.


FACE: Ja. Lasst sie nackt dastehen wie ihre Zuhörerschaft; oder deckt sie neu mit Schindeln ein.


MAMMON: Nein, gutes Stroh: Stroh liegt leicht auf den Sparren, Lungen. — Lungen, ich werde dich vom Ofen entlassen; ich werde dir deine Gesichtsfarbe zurückgeben, Puff, die du in der Glut verloren hast, und dieses Gehirn reparieren, das vom Dunst der Metalle beschädigt ist.


FACE: Ich habe hart für Eure Würde geblasen, Sir; viele Kohlen nachgelegt, wenn es keine Buche war; jene, die ich hineinlegte, genau abgewogen, um Eure Hitze stets gleichmäßig zu halten; diese trüben Augen haben gewacht, um Eure verschiedenen Farben zu lesen, Sir, vom blassen Zitronengelb, dem grünen Löwen, der Krähe, dem Pfauenschwanz bis zum befiederten Schwan.


MAMMON: Und hast du schließlich die Blüte entdeckt, das sanguis agni?


FACE: Ja, Sir.


MAMMON: Wo ist der Meister?


FACE: Bei seinen Gebeten, Sir, er; der gute Mann, er verrichtet seine Andachten für den Erfolg.


MAMMON: Lungen, ich werde all deinen Mühen ein Ende setzen; du sollst der Herr meines Serails sein.


FACE: Gut, Sir.


MAMMON: Aber hörst du? Ich werde dich kastrieren, Lungen.


FACE: Ja, Sir.


MAMMON: Denn ich gedenke eine Liste von Ehefrauen und Konkubinen zu haben, die Salomo gleichkommt, der den Stein genau wie ich besaß; und ich werde mir mit dem Elixier einen Rücken verschaffen, der so zäh wie der des Herkules ist, um es mit fünfzig Frauen in einer Nacht aufzunehmen. — Du bist dir sicher, dass du es hast bluten sehen?


FACE: Sowohl Blut als auch Geist, Sir.


MAMMON: Ich werde alle meine Betten aufblasen lassen, nicht stopfen; Daunen sind zu hart: Und dann soll mein ovaler Raum mit solchen Bildern gefüllt werden, wie Tiberius sie von Elephantis mitnahm, und die der langweilige Aretin nur kalt imitierte. Dann sollen meine Gläser in spitzere Winkel geschliffen werden, um die Gestalten zu zerstreuen und zu vervielfachen, während ich nackt zwischen meinen Sukkuben umhergehe. Meine Nebel werde ich aus Parfüm haben, um den Raum herum verdampft, um uns darin zu verlieren; und meine Bäder wie Gruben, in die man hineinfällt, aus denen wir wieder hervorgekommen und trocken in Flitter und Rosen gerollt werden wollen. — Ist es beim Rubin angelangt? — Wo immer ich einen wohlhabenden Bürger oder einen reichen Anwalt erspähe, der eine sublimierte, reine Frau hat, werde ich diesem Kerl tausend Pfund schicken, um mein Hahnrei zu werden.


FACE: Und ich soll es überbringen?


MAMMON: Nein. Ich will keine Kuppler haben, sondern Väter und Mütter: Die werden es am besten machen, besser als alle anderen. Und meine Schmeichler sollen die reinsten und gravitätischsten Gottesgelehrten sein, die ich für Geld bekommen kann. Meine puren Narren, eloquenten Bürger und dazu meine Dichter — dieselben, die so spitzfindig über den Pfurz geschrieben haben, die ich für dieses Thema weiterhin bewirten werde. Die wenigen, die sich als Hof- und Stadthengste ausgeben und überall Damen verleumden, die für sie von aller Unschuld sind; die werde ich darum bitten, mir Eunuchen aus ihnen zu machen; und sie sollen mir mit je zehn Straußenfedern zun Fächer kühlen, die zu einem Wind fangenden Busch gebunden sind. Wir werden prachtvoll sein, Puff, jetzt, da wir die Medizin haben. Mein Essen soll ganz in indischen Muscheln serviert werden, Achat-Schüsseln, eingefasst in Gold und besetzt mit Smaragden, Saphiren, Hyazinthen und Rubinen. Karpfenzungen, Siebenschläfer und Kamelferse, gekocht im Geist von Sol und aufgelöstem Perlenstaub, Apicius' Diät gegen Epilepsie; und ich werde diese Brühen mit Löffeln aus Bernstein essen, die mit Diamanten und Karbunkeln besetzt sind. Mein Laufbursche soll Fasane essen, in Gelee eingelegte Lachse, Uferschnepfen, Große Brachvögel, Neunaugen; ich selbst werde die Bärte von Barschen anstelle von Salaten serviert bekommen; geölte Pilze; und die schwellenden, fettigen Zitzen einer frisch abgeschnittenen, trächtigen Sau, zubereitet mit einer exquisiten und scharfen Soße; wofür ich zu meinem Koch sagen werde: „Da ist Gold, geh hin und werde zum Ritter.“


FACE: Sir, ich gehe mal nachschauen, wie weit es sich schon erhitzt hat. (ER GEHT AB)


MAMMON: Tu das. — Meine Hemden werde ich aus Taft-Sarsnet haben, so weich und leicht wie Spinnweben; und all meine andere Kleidung soll so beschaffen sein, dass sie selbst den Perser herausfordern könnte, stünde er vor der Aufgabe, der Welt die Verschwendung aufs Neue beizubringen. Meine Handschuhe aus Fisch- und Vogelfäuten, parfümiert mit den Harzen des Paradieses und östlicher Luft —


SURLEY: Und Ihr glaubt, mit all dem den Stein zu bekommen?


MAMMON: Nein, ich glaube, all das mit dem Stein zu bekommen.


SURLEY: Nun, ich habe gehört, er müsse ein homo frugi sein, ein frommer, heiliger und religiöser Mann, einer, der frei von Todsünden ist, eine reine Jungfrau.


MAMMON: Das macht den Reiz aus, Sir; das ist er auch: aber ich kaufe ihn; mein Wagnis bringt ihn mir. Er, der ehrliche Wicht, eine bemerkenswerte, abergläubische, gute Seele, hat seine Knie kahl und seine Pantoffeln abgewetzt mit Gebet und Fasten dafür: Und, Sir, lasst ihn das meinetwegen ruhig allein tun. Da kommt er ja. Kein profanes Wort in seiner Gegenwart: Das ist Gift. — (SUBTIL TRITT EIN) Guten Morgen, Vater.


SUBTIL: Sanfter Sohn, guten Morgen, auch Ihrem Freund da. Wer ist das, der bei Ihnen ist?


MAMMON: Ein Ketzer, den ich mitgebracht habe, in der Hoffnung, Sir, ihn zu bekehren.


SUBTIL: Sohn, ich fürchte, Ihr seid habgierig, da Ihr Eure Zeit so exakt trefft und noch vor Morgen bei uns seid. Das zeugt von etwas, das einer Furcht vor aufdringlichem und fleischlichem Appetit wert ist. Gebt Acht, dass Ihr nicht durch Eure ungezzügelte Hast den Segen dazu bringt, euch zu verlassen. Es würde mich schmerzen zu sehen, dass meine Mühen, die nun kurz vor der Perfektion stehen – errungen durch langes Wachen und große Geduld –, dort nicht gedeihen, wo meine Liebe und mein Eifer sie hingestellt haben. Die (ich rufe den Himmel zum Zeugen, zusammen mit Euch selbst, vor dem ich meine Gedanken ausgeschüttet habe) in all meinen Absichten auf nichts anderes geblickt haben als auf das öffentliche Wohl, auf fromme Zwecke und edle Nächstenliebe, die heute bei den Menschen zu einem Wunder geworden ist. Wenn Ihr, mein Sohn, nun darin abweichen und diese so große und katholische Seligkeit für Eure ganz eigenen Lüste einsetzen solltet, so wisst gewiss, dass ein Fluch Euren SUBTILn und geheimsten Wegen folgen und sie einholen wird.


MAMMON: Ich weiß es, Sir; Ihr braucht mich nicht zu fürchten; ich komme nur, damit Ihr diesen Gentleman widerlegt.


SICHERLICH: Der in der Tat, Sir, etwas schwer von Begriff ist, was Euren Stein angeht; er lässt sich nicht so leicht foppen.


SUBTIL: Nun, Sohn, alles, womit ich ihn überzeugen kann, ist dies: DAS WERK IST VOLLBRACHT, der helle Sol prangt in seinem Gewand. Wir besitzen eine Medizin der dreifachen Seele, den verherrlichten Geist. Dank sei dem Himmel, und möge er uns dessen würdig machen! — Ulen Spiegel!


FACE (VON DRINNEN): Gleich, Sir.


SUBTIL: Pass gut auf das Register auf. Und lass deine Hitze nach und nach abnehmen, bis zu den Aludeln.


FACE (VON DRINNEN): Ja, Sir.


SUBTIL: Hast du schon nach dem Destillierkopf geschaut?


FACE (VON DRINNEN): Welchen? Auf D, Sir?


SUBTIL: Ja; wie ist die Farbe?


FACE (VON DRINNEN): Weißlich.


SUBTIL: Gib Essig hinzu, um seine volatile Substanz und seine Tinktur herauszuziehen; und lass das Wasser in Glas E filtern und in das Greisenei füllen. Verpach es gut; und lass es verschlossen im balneo.


FACE (VON DRINNEN): Das werde ich, Sir.


SICHERLICH: Was für eine gewaltige Sprache das hier ist! Klingt ja fast wie Gaunerzinken.


SUBTIL: Ich habe noch ein anderes Werk, das Ihr nie gesehen habt, Sohn, das vor drei Tagen das Rad des Philosophen durchlaufen hat, in der sanften Hitze des Athanors; und es ist zum Schwefel der Natur geworden.


MAMMON: Aber das ist für mich?


SUBTIL: Wozu braucht Ihr das? Ihr habt genug an dem, was vollkommen ist.


MAMMON: O, aber—


SUBTIL: Nanu, das ist ja Habgier!


MAMMON: Nein, ich versichere Euch, ich werde es ganz für fromme Zwecke einsetzen, zur Gründung von Kollegien und Lateinschulen, zum Heiraten junger Jungfrauen, zum Bau von Krankenhäusern und ab und zu einer Kirche.


(FACE KOMMT ZURÜCK)


SUBTIL: Nun denn!


MAMMON: Sir, wenn es beliebt, soll ich nicht den Filter wechseln?


SUBTIL: Aber gewiss doch; und bring mir die Farbe von Glas B. (FACE GEHT AB)


MAMMON: Habt Ihr noch ein anderes?


SUBTIL: Ja, Sohn; wäre ich versichert, dass Eure Frömmigkeit unerschütterlich ist, würde es uns nicht an Mitteln fehlen, sie zu verherrlichen: Doch ich hoffe das Beste. — Ich gedenke C morgen in Sandhitze zu färben und ihm die Tränkung zu geben.


MAMMON: Von weißem Öl?


SUBTIL: Nein, Sir, von rotem. F ist ebenfalls über den Helm gekommen, ich danke meinem Schöpfer, im Bad der heiligen Maria, und zeigt das lac virginis. Gelobt sei der Himmel! Ich habe Euch von seinem dort kalzinierten Kot geschickt: Aus diesem Kalk habe ich das Salz des Quecksilbers gewonnen.


MAMMON: Indem Ihr Euer rektifiziertes Wasser darübergossen habt?


SUBTIL: Ja, und im Athanor im Widerhall gekocht. (FACE KOMMT ZURÜCK) Nun! Welche Farbe zeigt es?


FACE: Den Grundschwarz, Sir.


MAMMON: Das ist euer Krähenkopf?


SICHERLICH: Euer Hahnenkamm, nicht wahr?


SUBTIL: Nein, es ist noch nicht vollkommen. Wäre es doch die Krähe! Dieses Werk verlangt noch nach etwas.


SICHERLICH (BEISEITE): O, darauf habe ich gewartet. Die Falle schnappt zu.


SUBTIL: Bist du sicher, dass du sie in ihrer eigenen Menstru gelöst hast?


FACE: Ja, Sir, und sie dann vermählt und in einen Destillierkopf gegeben, der zur Reifung abgekniffen war, genau wie Ihr mir befohlen habt, als ich das Marswasser in derselben Hitze zirkulieren ließ.


SUBTIL: Der Prozess war also richtig.


FACE: Ja, beim Zeichen, Sir, die Retorte ist gebrochen, und was gerettet wurde, kam in den Pelikan und wurde mit Hermes' Siegel versehen.


SUBTIL: Ich glaube, so war es. Wir sollten ein neues Amalgam ansetzen.


SICHERLICH (BEISEITE): O, dieses Wiesel stinkt wie ein Iltis.


SUBTIL: Aber das ist mir egal; er soll eben sterben; wir haben genug anderes in den Anfängen. H hat sein weißes Hemd an?


FACE: Ja, Sir, er ist reif zum Veraschen, er steht warm in seiner Asche. Ich würde nicht raten, dass Ihr jetzt jemanden sterben lasst, Sir, dem Glück zuliebe für den Rest: Das ist nicht gut.


MAMMON: Er hat recht.


SICHERLICH (BEISEITE): Ja, sitzt der Köder?


FACE: Nein, ich kenne das, Sir, ich habe das Unglück schon gesehen. Was sind schon etwa drei Unzen frischer Materialien?


MAMMON: Ist es nicht mehr?


FACE: Nicht mehr, Sir. An Gold, um es mit etwa sechs Unzen Quecksilber zu amalgamieren.


MAMMON: Weg damit, hier ist Geld. Was wird dazu gebraucht?


FACE: Fragt ihn, Sir.


MAMMON: Wie viel?


SUBTIL: Gebt ihm neun Pfund: — Ihr könnt ihm auch zehn geben.


SICHERLICH: Ja, zwanzig, und lasst euch foppen, nur zu.


MAMMON: Hier ist es. (GIBT FACE DAS GELD)


SUBTIL: Das wäre nicht nötig gewesen, es sei denn, Ihr wollt es unbedingt so, um die Endergebnisse von allem zu sehen: Denn zwei unserer niederen Werke sind an der Fixierung, ein drittes ist im Aufstieg. Geht eurer Wege. Habt ihr das Mondöl in Kemia angesetzt?


FACE: Ja, Sir.


SUBTIL: Und den Essig der Philosophen?


FACE: Ja. (ER GEHT AB)


SICHERLICH: Wir werden einen Salat kriegen!


MAMMON: Wann macht ihr die Projektion?


SUBTIL: Sohn, seid nicht hastig, ich erhöhe unsere Medizin, indem ich sie in ein balneo vaporoso hänge und ihr die Lösung gebe; dann lasse ich sie gerinnen; und dann wieder auflösen; und dann wieder gerinnen; denn seht, so oft ich das Werk wiederhole, so viele Male füge ich seiner Kraft hinzu. Wie, wenn im ersten Fall eine Unze hundert verwandelt, wird er nach seiner zweiten Lösung tausend verwandeln; nach seiner dritten Lösung zehntausend; nach seiner vierten hunderttausend; nach seiner fünften eine Million Unzen eines jeden unvollkommenen Metalls in reines Silber oder Gold, bei allen Prüfungen so gut wie jedes aus der natürlichen Grube. Besorgt hier euer Zeug bis zum Nachmittag, euer Messing, euer Zinn und eure Kaminhaken.


MAMMON: Nicht die aus Eisen?


SUBTIL: Doch, die könnt Ihr auch mitbringen: Wir werden alle Metalle verwandeln.


SICHERLICH: Das glaube ich Euch aufs Wort.


MAMMON: Dann kann ich auch meine Spieße schicken?


SUBTIL: Ja, und eure Bratröste.


SICHERLICH: Und die Abtropfpfannen, Topfaufhänger und Haken? Soll er das nicht?


SUBTIL: Wenn es ihm beliebt.


SICHERLICH: — Ein Esel zu sein.


SUBTIL: Wie, Sir!


MAMMON: Diesem Gentleman müsst Ihr nachsehen: Ich sagte euch ja, er hat keinen Glauben.


SICHERLICH: Und wenig Hoffnung, Sir; aber noch viel weniger Nächstenliebe, wenn ich mich foppen lassen würde.


SUBTIL: Warum, was habt Ihr denn an unserer Kunst beobachtet, Sir, das so unmöglich erscheint?


SICHERLICH: Nun, Euer ganzes Werk, nicht mehr und nicht weniger. Dass Ihr Gold in einem Ofen ausbrüten sollt, Sir, genau wie man Eier in Ägypten ausbrütet!


SUBTIL: Sir, glaubt Ihr etwa, dass Eier so ausgebrütet werden?


SICHERLICH: Wenn ich das sollte?


SUBTIL: Nun, ich denke, das wäre das größere Wunder. Es gibt kein Ei, das sich mehr von einem Hühnchen unterscheidet als Metalle von sich selbst.


SICHERLICH: Das kann nicht sein. Das Ei ist von der Natur zu diesem Zweck bestimmt und ist ein Hühnchen in potentia.


SUBTIL: Dasselbe sagen wir von Blei und anderen Metallen, die Gold wären, wenn sie Zeit hätten.


MAMMON: Und das fördert unsere Kunst.


SUBTIL: Ja, denn es wäre absurd zu glauben, die Natur in der Erde hätte Gold augenblicklich vollkommen hervorgebracht: Etwas ging voraus. Es muss eine ferne Materie geben.


SICHERLICH: Ja, was ist das denn?


SUBTIL: Nun, wir sagen—


MAMMON: Ja, jetzt heizt es sich auf: Haltet stand, Vater, stampft ihn zu Staub.


SUBTIL: Es ist zum einen eine feuchte Ausdünstung, die wir materialia liquida oder das unktuöse Wasser nennen; zum anderen ein gewisser grober und zäher Teil der Erde; beide zusammen machen die elementare Materie des Goldes aus, die noch nicht die propria materia ist, sondern allen Metallen und Steinen gemein ist; denn wo sie dieser Feuchtigkeit beraubt ist und mehr Trockenheit besitzt, wird sie zu einem Stein; wo sie mehr von der feuchten Fettigkeit behält, verwandelt sie sich in Schwefel oder Quecksilber, welche die Eltern aller anderen Metalle sind. Noch kann diese ferne Materie plötzlich so von Extrem zu Extrem voranschreiten, dass sie Gold wird und alle Zwischenstufen überspringt. Die Natur zeugt erst das Unvollkommene, dann schreitet sie zum Vollkommenen fort. Aus jenem luftigen und öligen Wasser wird Quecksilber erzeugt; Schwefel aus dem fetten und erdigen Teil; der eine, welcher der letzte ist, nimmt den Platz des Männlichen ein, der andere den des Weiblichen in allen Metallen. Einige glauben an eine Zwitterhaftigkeit, dass beide wirken und erleiden. Aber diese beiden machen den Rest duktil, malleabel, ausdehnbar. Und sogar im Gold sind sie vorhanden; denn wir finden durch unser Feuer Samen von ihnen und Gold in ihnen; und können die Art eines jeden Metalls daraus vollkommener hervorbringen, als es die Natur in der Erde vermag. Außerdem: Wer sieht nicht in der täglichen Praxis, dass die Kunst Bienen, Hornissen, Käfer und Wespen aus den Leichen und dem Kot von Kreaturen erzeugen kann; ja, Skorpione aus einem Kraut, wenn es richtig platziert wird? Und das sind lebende Kreaturen, weitaus perfekter und hervorragender als Metalle.


MAMMON: Gut gesprochen, Vater! Nein, wenn er Euch erst in die Mangel nimmt, Sir, mit einem Argument, wird er euch im Mörser zerstampfen.


SICHERLICH: Ich bitte Euch, Sir, haltet ein. Bevor ich zerstampft werde, Sir, glaube ich lieber, dass Alchemie eine hübsche Art von Spiel ist, ein bisschen wie Kartentricks, um einen Menschen durch Beschwörung zu betrügen.


SUBTIL: Sir?


SICHERLICH: Was sonst sind all Eure Fachausdrücke, worüber sich nicht einmal zwei Eureer Schriftsteller einig sind? Euer Elixier, euer lac virginis, eurer Stein, eure Medizin und euer Chrysosperm, euer Salz, eurer Schwefel und euer Quecksilber, euer Öl der Höhe, euer Baum des Lebens, euer Blut, eure Markasit, eure Tutie, eure Magnesia, eure Kröte, eure Krähe, euer Drache und euer Panther; eure Sonne, euer Mond, euer Firmament, euer Adrop, euer Lato, Azoch, Zernich, Chibrit, Heautarit, und dann euer roter Mann und eure weiße Frau, mit all euren Brühen, Menstruen und Materialien aus Pisse und Eierschalen, Frauenblut, Männerblut, Haupthaar, verbrannten Lappen, Kreide, Kot und Ton, Knochenpulver, Eisenkuren, Glas und Welten anderer seltsamer Inhaltsstoffe, die einen Menschen beim bloßen Aufzählen sprengen würden?


SUBTIL: Und all diese benannten Dinge bedeuten nur eines; was unsere Autoren dazu nutzten, ihre Kunst zu verbergen.


MAMMON: Sir, das sagte ich ihm auch – damit der einfache Idiot es nicht lernt und es vulkär macht.


SUBTIL: War nicht das gesamte Wissen der Ägypter in mystischen Symbolen geschrieben? Sprechen die Schriften nicht oft in Gleichnissen? Sind nicht die erlesensten Fabeln der Dichter, die die Quellen und ersten Ursprünge der Weisheit waren, in verworrene Allegorien gehüllt?


MAMMON: Das habe ich auch betont und ihm klergemacht, dass Sisyphos nur deshalb dazu verdammt wurde, den unaufhörlichen Stein zu rollen, weil er das Unsere hätte allgemein zugänglich machen wollen.


DORIS KOMMUNE (ERSCHEINT AN DER TÜR): Wer ist das?


SUBTIL: Um Himmels willen! — Was fällt Euch ein? Geht hinein, gute Dame, ich flehe Euch an. (DORIS ZIEHT SICH ZURÜCK) — Wo ist dieser Halunke? (FACE TRITT WIEDER EIN)


FACE: Sir.


SUBTIL: Ihr ausgemachter Schurke! Tretet Ihr so mit mir um?


FACE: Worin denn, Sir?


SUBTIL: Geh hinein und sieh nach, Verräter. Geh! (FACE GEHT AB)


MAMMON: Wer ist es, Sir?


SUBTIL: Nichts, Sir; nichts.


MAMMON: Was gibt es denn, guter Sir? Ich habe Euch noch nie so verstört gesehen: Wer ist es?


SUBTIL: Alle Künste hatten stets ihre Widersacher, Sir; aber unsere die unwissensten. — (FACE KOMMT ZURÜCK) Nun?


FACE: Es war nicht meine Schuld, Sir; sie wollte unbedingt mit Euch sprechen.


SUBTIL: Wollte sie das, Sir! Folgt mir. (ER GEHT AB)


MAMMON (HÄLT IHN ZURÜCK): Bleib, Lungen.


FACE: Ich wage es nicht, Sir.


MAMMON: Bleib, Mann; was ist sie?


FACE: Die Schwester eines Lords, Sir.


MAMMON: Wie! Ich bitte dich, bleib.


FACE: Sie ist verrückt, Sir, und wurde hierher geschickt— Der wird auch noch verrückt werden—


MAMMON: Das will ich meinen. — Warum wurde sie hierher geschickt?


FACE: Sir, um geheilt zu werden.


SUBTIL (VON DRINNEN): Was, du Halunke!


FACE: Seht ihr wohl! — Hier, Sir! (ER GEHT AB)


MAMMON: Bei Gott, eine Bradamante, ein Prachtstück.


SICHERLICH: Zum Kuckuck, das ist ein Bordell! Ich will verbrennen, wenn nicht.


MAMMON: O, bei diesem Licht, nein: Tue ihm nicht unrecht. Er ist zu skrupulös in dieser Hinsicht: Das ist sein Laster. Nein, er ist ein seltener Arzt, man muss ihm lassen, was ihm gebührt, ein ausgezeichneter Paracelsianer und hat seltsame Heilungen mit mineralischer Medizin vollbracht. Er hat nur mit Geistern zu tun, er; er will kein Wort von Galen hören oder von dessen langweiligen Rezepten. — (FACE KOMMT ZURÜCK) Nun, Lungen!


FACE: Ganz leise, Sir; sprecht ganz leise. Ich wollte Eurer Würde alles erzählen. Das darf er nicht hören.


MAMMON: Nein, er lässt sich nicht „foppen“; lasst ihn nur.


FACE: Ihr habt vollkommen recht, Sir, sie ist eine ganz seltene Gelehrte und ist vom Studium der Werke Broughtons madig geworden. Wenn Ihr auch nur ein Wort im Zusammenhang mit dem Hebräischen erwähnt, verfällt sie in ihren Anfall und parliert so gelehrt über Genealogien, dass Ihr vor lauter Zuhören ebenfalls verrückt werden würdet, Sir.


MAMMON: Wie könnte man es anstellen, eine Unterredung mit ihr zu haben, Lungen?


FACE: O, etliche sind bei der Unterredung schon verrückt geworden: Ich weiß es nicht, Sir. Ich werde in Eile geschickt, um eine Phiole zu holen.


SICHERLICH: Lasst Euch nicht foppen, Sir Mammon.


MAMMON: Worin denn? Ich bitte euch, seid geduldig.


SICHERLICH: Ja, so wie Ihr es seid, und vertraut konföderierten Halunken, Kupplern und Huren.


MAMMON: Ihr seid viel zu unverschämt, glaubt mir. — Komm her, Ulen, ein Wort.


FACE: Ich wage es beim besten Willen nicht. (WILL GEHEN)


MAMMON: Bleib, Halunke.


FACE: Er ist extrem wütend, dass Ihr sie gesehen habt, Sir.


MAMMON: Trink das. (GIBT IHM GELD) Was ist sie, wenn sie nicht ihren Anfall hat?


FACE: O, die umgänglichste Kreatur, Sir! So fröhlich! So vergnügt! Sie bringt euch in Schwung wie Quecksilber über den Helm und zirkuliert wie Öl, ein echtes Vegetabil: Sie plaudert über Politik, Mathematik, Kuppelei, alles Mögliche—


MAMMON: Ist sie denn gar nicht zugänglich? Gibt es keinen Weg, keinen Trick, um einem Mann einen Vorgeschmack auf ihren — Witz — oder so zu geben?


SUBTIL (VON DRINNEN): Ulen!


FACE: Ich komme gleich wieder zu Euch, Sir. (GEHT AB)


MAMMON: SICHERLICH, ich hätte nicht gedacht, dass jemand von Eurem Schlage so ehrbare Persönlichkeiten verleumden würde.


SICHERLICH: Sir EPIKUR, ganz Euer Mann; und doch nach wie vor ungern gefoppt: Ich mag eure philosophischen Kuppler nicht. Ihr Stein ist Luchcherei genug, die man bezahlen muss, ganz ohne diesen Köder.


MAMMON: Zum Teufel, Ihr tut euch Unrecht. Ich kenne die Dame, ihre Freunde und Mittel, den Ursprung dieses Unglücks. Ihr Bruder hat mir alles erzählt.


SICHERLICH: Und doch habt Ihr sie bis eben noch nie gesehen!


MAMMON: O doch, aber ich habe es vergessen. Ich habe, glaubt es nur, das tückischste Gedächtnis, das es auf der Welt gibt, schätze ich.


SICHERLICH: Wie nennt Ihr ihren Bruder?


MAMMON: Mein Lord— Sein Name soll nicht genannt werden, jetzt, wo ich recht darüber nachdenke.


SICHERLICH: Ein sehr tückisches Gedächtnis!


MAMMON: Bei meinem Glauben—


SICHERLICH: Ach, wenn Ihr ihn gerade nicht parat habt, lasst es gut sein, bis wir uns das nächste Mal treffen.


MAMMON: Nein, bei dieser Hand, es ist wahr. Er ist einer, den ich verehre, mein edler Freund; und ich respektiere sein Haus.


SICHERLICH: Zum Kuckuck! Kann es sein, dass ein so gesetzter Sir, ein reicher, der es gar nicht nötig hat, ein kluger Sir dazu in anderen Dingen, sich auf diese Weise durch eigene Schwüre und Argumente die Mühe macht, sich selbst zu foppen? Wenn das euer Elixier ist, euer lapis mineralis und euer Mondkraut, dann gebt mir doch euren ehrlichen Kartentrick bei Primero oder Gleek; nehmt euer lutum sapientis, eures menstruum simplex! Ich werde Gold vor euch haben, und das mit weniger Gefahr durch das Quecksilber oder den heißen Schwefel.


(FACE KOMMT ZURÜCK)


FACE: Hier ist jemand von Captain Face, Sir, (ZU SICHERLICH) der Euch bittet, ihn in der Tempelkirche zu treffen, so in einer halben Stunde, wegen einer dringenden Angelegenheit. — Sir, (FLÜSTERT MAMMON ZU) wenn es Euch beliebt, uns jetzt zu verlassen und in zwei Stunden wiederzukommen, werdet Ihr meinen Meister bei der Untersuchung der Werke antreffen; und ich werde Euch heimlich zur Gesellschaft hineinschleusen, damit Ihr sie im Gespräch erleben könnt. — Sir, soll ich ausrichten, dass Ihr die Würde des Captains treffen werdet?


SICHERLICH: Sir, das werde ich. — (GEHT BEISEITE) Aber durch einen Strohmann und zu einem ganz anderen Zweck. Nun bin ich sicher, dass es ein Bordell ist; ich würde es beschwören, selbst wenn der Marschall hier wäre, um mir zu danken: Die Nennung dieses Befehlshabers bestätigt es. Don Face! Wahrhaftig, er ist der authentischste Händler in diesen Waren, der Obersuperintendent für alle feineren Händler in der Stadt! Er ist der Inspektor und bestimmt, wer mit wem schläft und zu welcher Stunde; zu welchem Preis; welches Kleid und in welchem Hemd; welcher Kragen, welche Haartracht. Ihn werde ich durch eine dritte Person überführen, um die Subtilitäten dieses dunklen Labyrinths zu ergründen: Wenn mir das gelingt, lieber Sir Mammon, werdet Ihr Eurem armen Freund erlauben, obgleich kein Philosoph, zu lachen: Denn von euch, die ihr es sein wollt, wird man vermutlich weinen.


FACE: Sir, er bittet Euch, es nicht zu vergessen.


SICHERLICH: Das werde ich nicht, Sir. Sir EPIKUR, ich verlasse Euch. (GEHT AB)


MAMMON: Ich folge dir auf dem Fuß.


FACE: Aber tut das wirklich, guter Sir, um Verdacht zu vermeiden. Dieser Gentleman hat einen gefährlichen Kopf.


MAMMON: Aber willst du, Ulen, deinem Versprechen treu bleiben?


FACE: Wie meinem Leben, Sir.


MAMMON: Und wirst du andeuten, wer ich bin, mich loben und sagen, dass ich ein edler Kerl bin?


FACE: O, was denn sonst, Sir? Und dass Ihr sie mit dem Stein königlich machen werdet, zur Kaiserin; und euch selbst zum König von Bantam.


MAMMON: Willst du das tun?


FACE: Ob ich will, Sir!


MAMMON: Lungen, meine Lungen! Ich liebe dich.


FACE: Schickt Ihr Euer Zeug her, Sir, damit mein Meister sich an die Projektion machen kann.


MAMMON: Du hast mich verhext, du Schuft: Nimm, geh. (GIBT IHM GELD)


FACE: Euren Bratenwender und alles, Sir.


MAMMON: Du bist ein Schurke — ich schicke meinen Bratenwender und die Gewichte auch noch. Du Sklave, ich könnte dir in dein Ohr beißen. Fort mit dir, du schimpfst nur so auf mich.


FACE: Ich doch nicht, Sir!


MAMMON: Ach was, ich war dazu geboren, dich großzumachen, mein gutes Wiesel, dich auf eine Bank zu setzen und dir mit dem feinsten Adelsgeschmeim der Welt eine goldene Kette schwenken zu lassen.


FACE: Macht schon, Sir, geht.


MAMMON: Ein Graf, ja, ein Pfalzgraf—


FACE: Gut, Sir, geht nur.


MAMMON: Soll dich nicht besser voranbringen: nein, und auch nicht schneller. (GEHT AB)


(SUBTIL UND DORIS TRETEN WIEDER EIN)


SUBTIL: Hat er angebissen? Hat er angebissen?


FACE: Und obendrein geschluckt, mein SUBTIL. Ich habe ihm Schnur gegeben, und jetzt spielt er, beim Glauben!


SUBTIL: Und sollen wir ihn zappeln lassen?


FACE: Sie zieht sich von beiden Seiten gut durch. Ein junges Mädchen ist ein seltener Köder; hat man erst einmal angebissen, wird man geradewegs verrückt vor Begierde.


SUBTIL: DORIS, mein Herr Was'ts'hums Schwester, du musst dich jetzt herrschaftlich benehmen.


DORIS: O, lass mich nur machen. Ich werde meine Herkunft schon nicht vergessen, darauf kannst du dich verlassen. Ich werde Distanz wahren, laut lachen und sprechen; alle Kniffe einer stolzen, gehässigen Dame draufhaben und so ungezwungen sein wie ihre Zofe.


FACE: Gut gesprochen, du Sanguinikerin!


SUBTIL: Aber schickt er auch seine Kaminböcke?


DORIS: Und seinen Spießhund dazu; und seinen eisernen Schuhlöffel; ich habe ihm zugesetzt. Nun, ich darf meinen vorsichtigen Spieler da drüben nicht verlieren.


SUBTIL: O Monsieur Vorsicht, der SICH JA NICHT ÜBERVORTEILEN LÄSST?


FACE: Allerdings, wenn ich ihm jetzt einen feinen Haken verpassen kann! Die Tempelkirche, dort habe ich meine Angel ausgeworfen. Nun denn, betet für mich. Ich gehe der Sache nach. (Klopfen draußen.)


SUBTIL: Was, noch mehr Narren? DORIS,späh aus, späh aus! (DORIS geht ans Fenster.) Warte, Face, du musst zur Tür gehen. – Behüte Gott, dass es mein Wiedertäufer ist – Wer ist da, DORIS?


DORIS: Ich kenne ihn nicht; er sieht aus wie ein Posamentierer.


SUBTIL: Ach so! Er ist es, er hat gesagt, er würde – wie heißt er noch? – den geheiligten Ältesten schicken, der wegen Mammons Kaminböcken und dem Spießhund verhandeln sollte. Lass ihn rein. Warte, hilf mir erst aus dem Gewand. (Exit Face mit dem Gewand.) Weg, Madam, in Ihr Gemach. (Exit DORIS.) Nun, in neuem Ton, mit neuer Haltung, aber alter Sprache. – Dieser Kerl wird von einem geschickt, der wegen des Steins auch mit mir verhandelt, für die heiligen Brüder aus Amsterdam, die vertriebenen Heiligen, die dadurch ihre Kirchenzucht wieder aufrichten wollen. Ich muss ihn jetzt auf sonderbare Weise anpacken, damit er mich bewundert. (Enter Ananias.) (Laut.) Wo ist mein Knecht?


(Re-enter Face.)


FACE: Herr!


SUBTIL: Nimm den Destillierkolben weg und reinige dein Menstruum vom Phlegma. Gieße es dann auf die Sol in den Kolben und lass sie zusammen macerieren.


FACE: Ja, Herr. Und den Bodensatz retten?


SUBTIL: Nein: Die verfluchte Erde darf keinen Eingang in das Werk finden. – Wer bist du?


ANANIAS: Ein treuer Bruder, wenn es euch gefällt.


SUBTIL: Was ist das? Ein Lullianer? Ein Ripley? Sohn der Kunst? Kannst du sublimieren und süßen? Kalzinieren? Kennst du den pontischen Geschmack? Den stiptischen? Oder was homogen und heterogen ist?


ANANIAS: Ich verstehe wahrhaftig keine heidnische Sprache.


SUBTIL: Heidnisch! Du KnipperDORISing? Ist die heilige Kunst, oder Chrysopoiia, oder Spagyrik, oder das allphysikalische und allanarchische Wissen eine heidnische Sprache?


ANANIAS: Heidnisch Griechisch, wie ich meine.


SUBTIL: Wie! Heidnisch Griechisch?


ANANIAS: Alles ist heidnisch außer dem Hebräischen.


SUBTIL: Junge, mein Gehilfe, tritt vor und sprich zu ihm wie ein Philosoph: Antworte in der Fachsprache. Nenne die Plagen und die Martern der Metalle in dem Werk.


FACE: Herr, Fäulnis, Lösung, Waschung, Sublimierung, Cohobation, Kalzinierung, Zerierung und Fixierung.


SUBTIL: Das ist jetzt heidnisch Griechisch für dich! – Und wann kommt die Belebung?


FACE: Nach der Abtötung.


SUBTIL: Was ist Cohobation?


FACE: Es ist das Aufgießen von Königswasser und das anschließende Abziehen bis zum dreifachen Kreis der sieben Sphären.


SUBTIL: Was ist die eigentliche Eigenschaft der Metalle?


FACE: Die Hämmerbarkeit.


SUBTIL: Was ist das äußerste Mittel des Goldes?


FACE: Antimon.


SUBTIL: Das ist heidnisch Griechisch für dich! – Und was ist dein Quecksilber?


FACE: Ein wahrer Flüchtling, er wird sich aus dem Staub machen, Herr.


SUBTIL: Woran erkennst du ihn?


FACE: An seiner Viskosität, seiner Öligkeit und seiner Reizbarkeit.


SUBTIL: Wie sublimierst du ihn?


FACE: Mit dem Kalk von Eierschalen, weißem Marmor, Talk.


SUBTIL: Dein Magisterium nun, was ist das?


FACE: Das Vertauschen, Herr: Trockenes in Kaltes, Kaltes in Feuchtes, Feuchtes in heißes, Heißes in Trockenes.


SUBTIL: Das ist immer noch heidnisch Griechisch für dich! Dein Stein der Weisen?


FACE: Es ist ein Stein und kein Stein; ein Geist, eine Seele und ein Körper: Wenn du ihn auflöst, ist er aufgelöst; wenn du ihn gerinnen lässt, ist er geronnen; wenn du ihn fliegen lässt, fliegt er.


SUBTIL: Genug. (Exit Face.) Das ist heidnisch Griechisch für dich! Wer bist du, Herr?


ANANIAS: Wie es euch gefällt, ein Diener der vertriebenen Brüder, die mit Witwen- und Waisengut handeln und den Heiligen eine gerechte Abrechnung vorlegen: Ein Diakon.


SUBTIL: O, du bist von Meister HEILSAM geschickt, deinem Lehrer?


ANANIAS: Von ANFECHTUNG HEILSAM, unserem höchst eifrigen Pastor.


SUBTIL: Gut! Ich soll hier einige Waisengüter bekommen.


ANANIAS: Welcher Art, Herr?


SUBTIL: Zinn und Messing, Kaminböcke und Küchengerät, Metalle, an denen wir unsere Medizin anwenden müssen, worüber die Brüder gegen Barzahlung ein Schnäppchen machen können.


ANANIAS: Waren die Eltern der Waisen aufrichtige Bekenner?


SUBTIL: Warum fragst du?


ANANIAS: Weil wir dann gerecht handeln und ihnen treulich ihren vollen Wert geben müssen.


SUBTIL: Beim Blitz, sonst würdet ihr sie ja betrügen, falls ihre Eltern nicht zu den Gläubigen gehörten! – Ich werde dir nicht vertrauen, jetzt wo ich darüber nachdenke, ehe ich mit eurem Pastor gesprochen habe. Habt ihr Geld mitgebracht, um mehr Kohle zu kaufen?


ANANIAS: Nein, gewiss nicht.


SUBTIL: Nein! Wie das?


ANANIAS: Die Brüder ließen mir sagen, Herr, sie wollen gewiss nichts mehr riskieren, bis sie eine Projektion sehen können.


SUBTIL: Wie!


ANANIAS: Ihr habt für die Geräte wie Ziegel, Lehm und Gläser bereits dreißig Pfund erhalten; und für die Materialien, so sagen sie, etwa neunzig weitere; und sie haben seither gehört, dass einer in Heidelberg es aus einem Ei und einer kleinen Papiertüte Feilspäne gemacht hat.


SUBTIL: Wie heißt du?


ANANIAS: Mein Name ist Ananias.


SUBTIL: Heraus mit dir, du Wicht, der du die Apostel betrogen hast! Weg mit dir, fort! Flieh, du Unheil! Hatte euer heiliger Konvent keinen Namen von anderem Klang zu schicken als den des boshaften Ananias? Schickt mir eure Ältesten her, um rasch Buße für euch zu tun und mich zufriedenzustellen; sonst erlischt das Feuer und die Alenken stürzen ein, mitsamt dem Ofen, dem Piger Henricus oder was sonst noch! Du elender Kerl! Sowohl Sericon als auch Bufo gehen verloren, sag ihnen das. Jede Hoffnung, die Bischöfe oder die antichristliche Hierarchie auszurotten, wird zunichte, wenn sie binnen sechzig Minuten bleiben; die Wässrigkeit, Erdigkeit und Schwefligkeit werden wieder ineinanderfließen und alles wird annulliert sein, du boshafter Ananias! (Exit Ananias.) Das wird sie anlocken und sie dazu bringen, sich noch schneller in ihr Verderben zu stürzen. Man muss wie eine strenge Amme verfahren und die Widerspenstigen erschrecken, um ihnen Appetit zu machen.


(Re-enter Face in seiner Uniform, gefolgt von DROGER.)


FACE: Er ist mit seinen Geistern beschäftigt, aber wir überfallen ihn einfach.


SUBTIL: Wie nun! Was für Gesellen, was für Tölpel haben wir denn da?


FACE: Ich habe es dir gesagt, er würde wütend sein. – Herr, hier ist Nab, er hat euch noch ein Stück Gold mitgebracht, das ihr begutachten sollt: Wir müssen ihn besänftigen. Gib es mir – und er bittet euch, ihr wolltet euch ausdenken – was ist es denn, Nab?


DROGER: Ein Schild, Herr.


FACE: Ja, ein gutes, glückbringendes, ein florierendes Schild, Doktor.


SUBTIL: Ich war gerade am Überlegen.


FACE: Beim Klabautermann, sag das nicht so, sonst bereut er es noch, dass er dir überhaupt etwas gegeben hat – Was sagst du zu seinem Sternbild, Doktor, der Waage?


SUBTIL: Nein, dieser Weg ist abgedroschen und gewöhnlich. Ein Städter, der im Stier geboren ist, nimmt den Stier oder den Stierkopf; wer im Widder geboren ist, den Widder – ein armseliger Einfall! Nein, ich werde seinen Namen in einem mystischen Zeichen gestalten, dessen Strahlen, wenn sie die Sinne der Vorübergehenden treffen, durch einen virtuellen Einfluss Gefühle hervorrufen, die auf den Besitzer zurückfallen sollen: und zwar so –


FACE: Nab!


SUBTIL: Er kriegt „eine Glocke“ [bell], das ist „Abel“ [Abel]; und daneben steht einer, der heißt „Dee“ [Dee], in einem „Rauhfaserrock“ [rug gown], da ist „D“ und „Rug“, das macht „drug“ [Droge]: und direkt ihm gegenüber knurrt ein Hund „er“ [er]; da ist „DROGER“, Abel DROGER. Das ist sein Schild. Und da haben wir nun Mystik und Hieroglyphen!


FACE: Abel, du bist ein gemachter Mann.


DROGER: Herr, ich danke Eurer Hochwohlgeboren.


FACE: Sechs Beine von dir mehr würden das nicht wettmachen, Nab. Er hat dir eine Pfeife Tabak mitgebracht, Doktor.


DROGER: Ja, Herr; ich hätte da noch eine andere Sache, die ich anbringen möchte –


FACE: Heraus damit, Nab.


DROGER: Herr, bei mir in der Nähe ist eine reiche junge Witwe abgestiegen –


FACE: Gut! Eine fesche Dirne?


DROGER: Höchstens neunzehn Jahre alt.


FACE: Sehr gut, Abel.


DROGER: Nun, sie ist noch nicht nach der letzten Mode; sie trägt eine Haube, aber die steht spitz nach oben.


FACE: Macht nichts, Abel.


DROGER: Und ich gebe ihr ab und zu ein Puder –


FACE: Was! Treibst du etwa Handel, Nab?


SUBTIL: Ich hab's dir ja gesagt, Kapitän.


DROGER: Und bisweilen auch Heilmittel, Herr; deshalb vertraut sie mir ihr ganzes Herz an. Sie ist absichtlich hierhergekommen, um die Moden zu lernen.


FACE: Gut (das wäre auch eine Partie für ihn!) – Weiter, Nab.


DROGER: Und sie sehnt sich seltsamerweise danach, ihr Glück zu erfahren.


FACE: Beim Kuckuck, Nab, schick sie her zum Doktor!


DROGER: Ja, ich habe schon mit ihr über seine Hochwohlgeboren gesprochen; aber sie hat Angst, dass es ruchbar wird und ihrer Heirat schadet.


FACE: Schadet! Das ist der beste Weg, ihr aufzuhelfen, falls sie Schaden genommen hat; dafür zu sorgen, dass sie noch mehr umschwärmt und gesucht wird. Nab, das sollst du ihr sagen. Sie wird bekannter und mehr besprochen werden; und eure Witwen haben niemals einen Wert, bevor sie berühmt sind; ihre Ehre ist die Menge ihrer Freier. Schick sie her, vielleicht ist es dein Glück. Wer weiß das schon!


DROGER: Nein, Herr, sie wird niemals einen heiraten, der kein Ritter ist; ihr Bruder hat ein Gelübde abgelegt.


FACE: Was! Und du verzweifelst, mein kleiner Nab, da du weißt, was der Doktor für dich festgesetzt hat, und siehst, wie so viele aus der City geadelt werden? Ein einziges Gläschen von deinem Wasser, zusammen mit einer vornehmen Dame, die ich kenne, wird das schon hinkriegen, Nab. Was ist ihr Bruder, ein Ritter?


DROGER: Nein, Herr, ein Edelmann, der erst seit Kurzem auf seinem Land sitzt, kaum trocken hinter den Ohren mit seinen einundzwanzig Jahren, der seine Schwester hier beaufsichtigt; er ist selbst ein Mann von etwa dreitausend Pfund Einkommen im Jahr und ist heraufgekommen, um zu lernen, wie man Händel sucht und sich durch Klugheit durchbringt, und wird bald wieder abziehen und auf dem Land sterben.


FACE: Wie! Händel suchen?


DROGER: Ja, Herr, Streitereien anzetteln, wie das die Edelleute tun; sie nach der Schnur abwickeln.


FACE: Zum Henker, Nab, der Doktor ist der einzig wahre Mann in der Christenheit für ihn. Er hat eine Tafel mit mathematischen Beweisen angefertigt, die die Kunst des Streitens betrifft: Er wird ihm ein Instrument an die Hand geben, nach dem man streiten kann. Geh, bring sie beide her, ihn und seine Schwester. Und was dich betrifft, so wird der Doktor sie bei ihr vielleicht umstimmen. Hör mal: Du wirst seiner Hochwohlgeboren bei dieser Gelegenheit einen neuen Damastanzug spendieren.


SUBTIL: O, guter Kapitän!


FACE: Das wird er; er ist der ehrlichste Kerl von der Welt, Doktor. – Halt keine Widerrede, keine Ausflüchte; bring den Damast und die Herrschaften.


DROGER: Ich will versuchen, was ich vermag, Herr.


FACE: Und deinen Willen auch, Nab.


SUBTIL: Das ist ein guter Tabak! Was kostet die Unze?


FACE: Er schickt Ihnen ein ganzes Pfund, Doktor.


SUBTIL: O nein.


FACE: Er wird's tun. Er ist die gutmütigste Seele! – Abel, mach dich an die Arbeit. Du wirst gleich noch mehr erfahren. Fort, geh. (Exit Abel.) Ein elender Schuft, lebt von Käse und hat Würmer. Das war in der Tat der Grund, warum er jetzt hergekommen ist: Er hat unter vier Augen mit mir verhandelt, um eine Arznei dagegen zu bekommen.


SUBTIL: Und die soll er haben, Herr. Das wirkt.


FACE: Eine Frau, eine Frau für einen von uns, mein lieber SUBTIL! Wir werden einfach Lose ziehen, und wer verliert, kriegt dafür mehr von den Gütern ab, die der andere als Mitgift hat.


SUBTIL: Eher umgekehrt: Denn sie mag so leicht sein, dass ihr ein paar Skrupel fehlen.


FACE: Ja, oder sie wird so eine Last, dass man sie kaum für das Ganze ertragen mag.


SUBTIL: Wahrscheinlich ist es am besten, wir sehen sie uns erst an und entscheiden dann.


FACE: Einverstanden: Aber DORIS darf kein Wort davon erfahren.


SUBTIL: Mund halten. Geh du zu deinem SICHERLICH da drüben und fang ihn dir ein.


FACE: Ich bete zu Gott, dass ich nicht zu lange geblieben bin.


SUBTIL: Ich fürchte es auch. (Exeunt.)





DRITTER AKT 


SZENE 1.


DIE GASSE VOR LIEBWITZS HAUS.


(Auftritt ANFECHTUNG HEILSAM und Ananias.)


ANFECHTUNG: Diese Züchtigung ist den Heiligen gemein, und solche Radelstrafen müssen wir von der Trennung mit willigen Schultern tragen als die Prüfungen, die uns gesandt sind, um unsere Schwachstellen zu versuchen.


ANANIAS: In reinem Eifer mag ich den Mann nicht; er ist ein Heidenmensch und spricht wahrhaftig die Sprache Kanaans.


ANFECHTUNG: Ich halte ihn wahrlich für eine profane Person.


ANANIAS: Er trägt das sichtbare Mal des Tieres auf seiner Stirn. Und was seinen Stein betrifft, so ist er ein Werk der Finsternis und verblendet mit Philosophie die Augen der Menschen.


ANFECHTUNG: Guter Bruder, wir müssen uns allen Mitteln fügen, die der heiligen Sache Vorschub leisten können.


ANANIAS: Was die seinige nicht kann: Die geheiligte Sache sollte einen geheiligten Lauf nehmen.


ANFECHTUNG: Nicht immer nötig: Die Kinder des Verderbens werden oft selbst zu Werkzeugen der größten Werke gemacht; zudem sollten wir ein wenig der menschlichen Natur nachgeben, dem Ort, an dem er lebt, stets rund um das Feuer und den Dunst der Metalle, die das Gehirn des Menschen vergiften und ihn anfällig für Leidenschaft machen. Wo findet man größere Atheisten als eure Köche? Oder profanere und cholerischere als eure Glashüttenleute? Antichristlicher als eure Glockengießer? Was macht den Teufel so teufelisch, so möchte ich euch fragen, Sathan, unseren gemeinsamen Feind, als dass er sich ewiglich am Feuer aufhält und Schwefel und Arsen kocht? Wir müssen, sage ich, den Beweggründen und den Aufstößern der Säfte im Blut nachgeben. Es mag sein, wenn das Werk vollbracht ist, der Stein gemacht ist, dass diese seine Hitze in Eifer umschlägt und für die schöne Zucht eintritt gegen das menstruöse Tuch und den Lumpen Roms. Wir müssen auf seinen Ruf warten und auf das Kommen des guten Geistes. Du hast gefehlt, als du ihm den Segen der Brüder von Heidelberg vorhieltst und abwägst, welchen Bedarf wir haben, das Werk zu beschleunigen, zur Wiederherstellung der zum Schweigen gebrachten Heiligen, was niemals geschehen wird außer durch den Stein der Weisen. Und so hat es mir ein gelehrter Ältester aus Schottland versichert; denn aurum potabile ist die einzige Arznei für den Zivilmagistrat, um ihn für ein Gefühl der Sache einzunehmen, und muss bei der Krankheit täglich angewandt werden.


ANANIAS: Ich bin wahrlich durch keinen Menschen mehr erbaut worden, seitdem das schöne Licht zuerst auf mich schien; und es schmerzt mich, dass mein Eifer so beleidigt hat.


ANFECHTUNG: Lasst uns ihn dann anrufen.


ANANIAS: Der Vorschlag ist gut und vom Geist; ich will zuerst klopfen. (Klopft.) Friede sei innen!


(Die Tür wird geöffnet, und sie treten ein.)




SZENE 2.


EIN ZIMMER IN LIEBWITZS HAUS.


(Enter SUBTIL, gefolgt von ANFECHTUNG und Ananias.)


SUBTIL: O, seid ihr da? Es war höchste Zeit. Eure sechzig Minuten waren beim letzten Faden, seht ihr: Und weg gewesen wären der Furnus acediae, der turris circulatorius: Alembik, Kugelhalstiegel, Retorte und Pelikan wären zu Asche geworden. – Boshafter Ananias! Bist du zurückgekehrt? Nun denn, dann geht es noch weiter bergab.


ANFECHTUNG: Herr, seid besänftigt; er ist gekommen, um sich im Geist zu demütigen und eure Geduld zu erbitten, falls zu viel Eifer ihn vom rechten Pfad fortgerissen hat.


SUBTIL: Nun, das qualifiziert ihn!


ANFECHTUNG: Die Brüder hatten wahrlich nicht die Absicht, euch das geringste Leid zuzufügen; sondern sind bereit, ihre willigen Hände zu jedem Projekt zu leihen, das der Geist und ihr anweist.


SUBTIL: Das qualifiziert noch mehr!


ANFECHTUNG: Und was das Waisengut betrifft, so lasst es bewerten, oder was sonst für das heilige Werk nötig ist, es soll gezählt werden; hier, durch mich, werfen die Heiligen ihren Beutel vor euch hin.


SUBTIL: Das qualifiziert am meisten! Seht ihr, so sollte es sein, jetzt versteht ihr. Habe ich euch so von unserem Stein und von dem Guten, das er eurer Sache bringen wird, geredet? Euch gezeigt (abgesehen von der Hauptsache, Streitkräfte im Ausland anzuwerben, die Holländer, eure Freunde, aus Indien herbeizuziehen, um euch mit ihrer gesamten Flotte zu dienen), dass selbst der medizinische Nutzen euch zu einer Fraktion und Partei im Reich machen wird? Wie, nehmt den Fall, irgendein großer Mann im Staat hat die Gicht, nun, ihr schickt nur drei Tropfen eures Elixiers, ihr helft ihm sofort: Da habt ihr einen Freund gewonnen. Ein anderer hat die Lähmung oder die Wassersucht, er nimmt von eurem unbrennbaren Zeug, er ist wieder jung: Da habt ihr einen Freund gewonnen. Einer Dame, die über die körperlichen Künste hinaus ist, wenn auch nicht im Geist, und deren Gesicht über alle Heilung durch Schminke hinaus verfallen ist, helft ihr mit dem Öl des Talkums wieder auf: Da habt ihr eine Freundin gewonnen; und all ihre Freunde. Ein Lord, der aussätzig ist, ein Ritter, der das Knochenweh hat, oder ein Junker, der beides hat, ihr macht sie glatt und gesund mit einer bloßen Einreibung eurer Arznei: Immer vermehrt ihr eure Freunde.


ANFECHTUNG: Ja, das ist sehr einleuchtend.


SUBTIL: Und dann die Verwandlung des Zinns dieses Anwalts in Silbergeschirr zu Weihnachten –


ANANIAS: Christfest, ich bitte euch.


SUBTIL: Schon gut, Ananias!


ANANIAS: Ich habe verstanden.


SUBTIL: Oder das Verwandeln seines teilvergoldeten Geräts in massives Gold. Ihr müsst euch einfach Freunde verschaffen. Dazu die Macht zu haben, ein Heer im Feld zu bezahlen, den König von Frankreich aus seinen Reichen oder Spanien aus seinen Indischen Kolonien herauszukaufen. Was könnt ihr nicht alles tun gegen geistliche oder weltliche Lords, die sich euch widersetzen?


ANFECHTUNG: Wahrlich, das ist wahr. Wir können selbst weltliche Lords werden, schätze ich.


SUBTIL: Ihr könnt alles werden und aufhören, langweilige Übungen abzuhalten; oder euer „Ha!“ und „Hm!“ in einer Melodie einzusaugen. Ich leugne nicht, dass solche, die in einem Staat nicht begnadet sind, für ihre Zwecke in der Religion widerspenstig sein und eine Melodie bekommen mögen, um die Herde zusammenzurufen: Denn um die Wahrheit zu sagen, eine Melodie bewirkt viel bei Frauen und anderen phlegmatischen Leuten; sie ist eure Glocke.


ANANIAS: Glocken sind profan; eine Melodie kann religiös sein.


SUBTIL: Keine Warnung fruchtet bei euch! Dann ade, meine Geduld. Beim Blitz, das wird niedergerissen; ich lasse mich nicht so quälen.


ANFECHTUNG: Ich bitte euch, Herr.


SUBTIL: Alles soll zugrunde gehen. Ich habe es ausgesprochen.


ANFECHTUNG: Lasst mich Gnade in euren Augen finden, Herr; der Mann zeigt sich gebessert: Noch hat sein Eifer, ebenso wie ihr selbst, irgendwo eine Melodie gebilligt. Der wir jetzt, da wir dem Stein nahe sind, nicht bedürfen werden.


SUBTIL: Nein, noch eures heiligen Amuletts, um Witwen dazu zu gewinnen, euch Vermächtnisse zu machen; oder um eifrige Ehefrauen dazu zu bringen, ihre Ehemänner für die gemeinsame Sache zu bestehlen; noch den Vorsprung von um nur einen Tag überschrittenen Schuldverschreibungen zu nutzen und zu sagen, sie seien durch die Vorsehung verwirkt. Noch werdet ihr nötig haben, bei Nacht riesige Mahlzeiten zu verzehren, um das Fasten des nächsten Tages umso besser zu feiern; währenddessen die Brüder und Schwestern in Demut die Steifheit des Fleisches abtöten. Noch euren hungrigen Zuhörern spitzfindige Knochen vorzuwerfen; wie etwa, ob ein Christ beizen oder jagen darf, oder ob Matrosen der heiligen Versammlung ihr Haar offen tragen oder Wämser anlegen oder diese gottesläuferische Stärke an ihrer Wäsche haben dürfen.


ANANIAS: Sie ist in der Tat gottesläuferisch.


ANFECHTUNG: Achte nicht auf ihn, Herr. Ich gebiete dir, Geist des Eifers, aber der Unruhe: Sei friedlich in ihm! Bitte euch, Herr, fahrt fort.


SUBTIL: Noch werdet ihr nötig haben, gegen die Prälaten zu schmähen und so eure Ohren gegen das Anhören der nächsten langatmigen Gnadenbezeugung zu verkürzen. Noch aus Notwendigkeit gegen Theaterstücke zu wettern, um den Ratsherrn zu erfreuen, dessen täglichen Eierkuchen ihr verschlingt; noch mit eifrigen Wutausbrüchen zu lügen, bis ihr heiser seid. Nicht eine dieser so einzigartigen Künste. Noch euch selbst Namen zu geben wie ANFECHTUNG, Verfolgung, Einschränkung, Geduld und dergleichen, die sich die ganze Sippe oder Meute von euch zulegt, einzig um des Ruhms willen und um das Ohr des Jüngers zu fangen.


ANFECHTUNG: Wahrlich, Herr, das sind Wege, die die gottesfürchtigen Brüder erfunden haben, zur Ausbreitung der ruhmreichen Sache, als ganz bemerkenswerte Mittel, wodurch sie selbst auch bald und auf vorteilhafte Weise berühmt werden.


SUBTIL: O, aber der Stein – alles andere ist nichts dagegen! Nichts! Die Kunst der Engel, das Wunder der Natur, das göttliche Geheimnis, das in Wolken von Ost nach West fliegt und dessen Überlieferung nicht von Menschen, sondern von Geistern stammt.


ANANIAS: Ich verabscheue Überlieferungen; ich vertraue ihnen nicht –


ANFECHTUNG: Ruhe!


ANANIAS: Sie sind alle päpstlich. Ich gebe keine Ruhe: Ich will nicht –


ANFECHTUNG: Ananias!


ANANIAS: Den Profanen gefallen, um die Frommen zu betrüben – das darf ich nicht.


SUBTIL: Nun, Ananias, du wirst siegen.


ANFECHTUNG: Es ist ein unwissender Eifer, der ihn plagt, Herr; aber ansonsten wahrlich ein sehr treuer Bruder, ein Flickschneider und ein Mann, der durch Offenbarung eine gründliche Kenntnis der Wahrheit besitzt.


SUBTIL: Hat er denn eine tüchtige Summe in dem Beutel, um die Waren drinnen zu kaufen? Ich bin zum Vormund eingesetzt und muss aus Nächstenliebe und um des Gewissens willen nun dafür sorgen, dass für meine arme Waise das Beste herausgeschlagen wird; obwohl ich den Brüdern auch einen guten Gewinn gönne: Da drinnen sind sie. Wenn ihr sie besichtigt und gekauft und das Inventar darüber aufgenommen habt, sind sie bereit für die Projektion; es ist weiter nichts zu tun: Man werfe die Medizin darauf – so viel Silber, wie Zinn da ist, so viel Gold, wie Messing da ist, will ich euch nach Gewicht dazugeben.


ANFECHTUNG: Aber wie lange noch, Herr, müssen die Heiligen harren?


SUBTIL: Mal sehen, wie steht der Mond jetzt? Acht, neun, zehn Tage von heute an wird er flüssiges Silber sein; dann drei Tage, bevor er zitrongelb wird: So etwa in fünfzehn Tagen wird das Magisterium vollendet sein.


ANANIAS: Etwa am zweiten Tag der dritten Woche im neunten Monat?


SUBTIL: Ja, mein guter Ananias.


ANFECHTUNG: Worauf schätzt ihr, dass sich das Gut der Waise belaufen wird?


SUBTIL: Auf etliche hundert Mark, so viel drei Karren füllten, die jetzt abgeladen wurden: Ihr werdet sechs Millionen daraus machen. – Aber ich muss mehr Kohle einlagern lassen.


ANFECHTUNG: Wie?


SUBTIL: Eine weitere Ladung, und dann sind wir fertig. Wir müssen jetzt unser Feuer auf ignis ardens erhöhen; wir sind über den Pferdemist, den Bademist, den Aschemist und all diese lauen Hitzen hinaus. Sollte der heilige Beutel bei diesem Zug knapp werden und die Heiligen eine sofortige Summe brauchen, habe ich einen Trick, um das Zinn einzuschmelzen, das ihr jetzt kaufen werdet, augenblicklich, und es mit einer Tinktur ebenso gut zu holländischen Gulden zu machen, wie es welche in Holland gibt.


ANFECHTUNG: Könnt Ihr das?


SUBTIL: Ja, und sie werden der dritten Prüfung standhalten.


ANANIAS: Das werden erfreuliche Neuigkeiten für die Brüder sein.


SUBTIL: Aber ihr müsst es geheim halten.


ANFECHTUNG: Ja; aber halt, dieser Akt des Münzens – ist er gesetzlich erlaubt?


ANANIAS: Gesetzlich! Wir kennen keinen Magistrate; oder wenn wir einen kennten, so ist dies ausländische Münze.


SUBTIL: Es ist kein Münzen, Herr. Es ist nur Gießen.


ANFECHTUNG: Ha! Ihr unterscheidet gut: Das Gießen von Geld mag gesetzlich erlaubt sein.


ANANIAS: Das ist es, Herr.


ANFECHTUNG: Wahrlich, das nehme ich auch an.


SUBTIL: Es gibt keinen Skrupel, der da zu machen wäre, Herr; glaubt Ananias: In diesem Gewissensfall ist er bewandert.


ANFECHTUNG: Ich werde den Brüdern eine Frage dazu stellen.


ANANIAS: Die Brüder werden es für rechtens befinden, zweifelt nicht daran. Wo soll es geschehen? (Klopfen draußen.)


SUBTIL: Darüber werden wir gleich sprechen. Es sind welche da, die mich sprechen wollen. Geht hinein, ich bitte euch, und seht euch die Posten an. Da ist das Inventar. Ich komme sofort nach. (Exeunt ANFECHTUNG und Ananias.) Wer ist da? – Face! Erscheine. (Enter Face in seiner Uniform.) Wie nun! Gute Beute?


SUBTIL: Zum Kuckuck! Dieser verklemmte Betrüger ist nie aufgetaucht.


SUBTIL: Wie denn?


FACE: Ich bin bis jetzt die Runden gelaufen, und keine Spur von ihm.


SUBTIL: Und hast ihn aufgegeben?


FACE: Aufgegeben! Wenn die Hölle ihn auch aufgäbe, könnte er glücklich sein. Zum Teufel! Willst du, dass ich den ganzen Tag wie eine Mühlenmähre herumlaste für einen, der uns keine Körner abwirft? Ich kenne ihn von alters her.


SUBTIL: O, aber ihn übers Ohr gehauen zu haben, wäre eine Meisterleistung gewesen.


FACE: Lass ihn laufen, schwarzer Junge! Und wende dich mir zu, damit dich ein paar frische Neuigkeiten erfüllen. Ein edler Graf, ein spanischer Don, mein lieber, köstlicher Gefährte und Mit-Kuppler, der aus Gewissensgründen heimlich hierhergekommen ist und Munition mitgebracht hat – sechs große Hosen, größer als drei holländische Lastschiffe, dazu runde Koffer, gefüllt mit Pistolen und Achtzigern –, wird gleich hier sein, mein Schurke, um dein Bad zu nehmen (das ist die Farbe) und seinen Angriff auf unsere DORIS, unsere Burg, unseren Cinque-Port, unsere Dover-Mol oder was du sonst willst zu starten. Wo ist sie? Sie muss Parfums vorbereiten, zarte Wäsche, vor allem das Bad, ein Bankett und ihren Witz, denn sie muss seinen Nebenhoden melken. Wo ist die Dirne?


SUBTIL: Ich werde sie zu dir schicken: Und mein Pärchen kleiner Johann Leydens abfertigen und selbst wiederkommen.


FACE: Sind sie etwa noch drinnen?


SUBTIL: Sie zählen die Summe.


FACE: Wie viel?


SUBTIL: Hundert Mark, Junge. (Exit.)


FACE: Nun, das ist ein glücklicher Tag. Zehn Pfund von Mammon! Drei von meinem Schreiber! Ein Portuguese von meinem Krämer! Dies von den Brüdern! Dazu die Anwartschaften und anfallenden Güter von der Witwe und meinem Grafen! Mein Anteil wird heute für vierzig nicht zu kaufen sein – (Enter DORIS.)


DORIS: Was?


FACE: Pfund, zarte Dorothy! Bist du schon so nah?


DORIS: Ja; sag an, Herr General, wie steht es um unser Lager?


FACE: Wie um die wenigen, die sich durch ihre Disziplin sicher verschanzt hatten gegen eine ganze Welt, DORIS, und in diesen Schützengräben lachten und fett wurden vom Nachdenken über die Beute, DORIS, die von ihren kleinen Trupps täglich eingebracht wurde. In dieser teuren Stunde ist ein wacker Don von meiner DORIS gefangen worden; und du kannst sein Lösegeld festlegen, wie du willst, meine Dousabel; er soll hierhergebracht werden, gefesselt durch deine schönen Blicke, noch ehe er dich sieht; und in ein Daunenbett geworfen, so dunkel wie jedes Verlies; wo du ihn mit deiner Trommel wach halten sollst; deiner Trommel, meine DORIS, deiner Trommel; bis er zahm ist wie die armen Amseln in der großen Frostnacht oder Bienen mit einer Beckenschüssel; und so ihn einhüllen in die Schwanenhaut-Bettdecke und Batistlaken, bis er Honig und Wachs produziert, mein kleines Gottesgeschenk.


DORIS: Was für einer ist er, General?


FACE: Ein Adelantado, ein Grande, Kind. War mein DAPPEL noch nicht hier?


DORIS: Nein.


FACE: Und mein DROGER?


DORIS: Keiner von beiden.


FACE: Zum Teufel mit ihnen, sie brauchen so lange, um sich herzurichten! Solche Stinker sollten sich an solchen Feiertagen nicht blicken lassen – (Re-enter SUBTIL.) Wie nun! Seid ihr fertig?


SUBTIL: Fertig. Sie sind weg: Die Summe ist hier in der Bank, mein Face. Ich wünschte, wir wüssten jetzt einen anderen Käufer, der sie komplett abkaufen würde.


FACE: Beim Blitz, Nab soll es tun, wenn er die Witwe hat, um den Haushalt einzurichten.


SUBTIL: Ausgezeichnet, gut mitgedacht: Ich bete zu Gott, dass er kommt!


FACE: Ich bete, er bleibt fern, bis unser neues Geschäft vorbei ist.


SUBTIL: Aber, Face, wie bist du an diesen geheimen Don gekommen?


FACE: Ein Geist brachte mir die Nachricht hier auf einem Zettel, als ich drüben in meinem Kreis für SICHERLICH beschwor; ich habe meine Spione draußen. Dein Bad ist berühmt geworden, SUBTIL, durch mein Mitwirken. Süße DORIS, du musst deine Virginal stimmen, keine Zeit zu verlieren: Und hörst du? Gutes Spiel. Zappele wie eine Flunder; küsse wie eine Jakobsmuschel, fest; und kitzle ihn mit deiner Muttersprache. Seine hochselige Verdugoschaft hat nicht ein einziges Wort Sprache; umso leichter zu übervorteilen, meine DORISly. Er wird in einer gemieteten Kutsche kommen, unauffällig, und unser eigener Kutscher, den ich als Führer geschickt habe, sonst keine Kreatur. (Klopfen draußen.) Wer ist da? (Exit DORIS.)


SUBTIL: Ist er das nicht?


FACE: O nein, noch lange nicht diese Stunde. (Re-enter DORIS.)


SUBTIL: Wer ist es?


DORIS: DAPPEL, dein Schreiber.


FACE: Um Gottes Willen dann, Königin der Feen, auf mit deinem Kopfputz – (Exit DORIS.) – und du, Doktor, in deine Gewänder. Lass ihn um Gottes Willen abfertigen.


SUBTIL: Das wird dauern.


FACE: Ich versichere dir, nimm nur die Stichworte, die ich dir gebe, es wird kurz genug sein. (Geht zum Fenster.) Zum Teufel, hier sind noch mehr! Abel und, wie ich glaube, der wütende Knabe, der Erbe, der so gerne streiten möchte.


SUBTIL: Und die Witwe?


FACE: Nein, nicht dass ich wüsste. Weg! (Exit Sub.) (Enter DAPPEL.) O Herr, Ihr seid willkommen. Der Doktor bereitet sich gerade auf Euch vor; ich hatte die größte Mühe, ihn dazu zu überreden! Er schwört, Ihr werdet der Liebling der Würfel sein; er hat noch nie erlebt, dass Ihre Hoheit so geschwärmt hat. Eure Tante hat die gnädigsten Worte für euch gefunden, die man sich vorstellen kann.


DAPPEL: Werde ich ihre Gnaden sehen?


FACE: Sie sehen und auch küssen. – (Enter Abel, gefolgt von KASTRATUS.) Was, ehrlicher Nab! Hast du den Damast gebracht?


NAB: Nein, Herr; hier ist Tabak.


FACE: Sehr gut gemacht, Nab; du wirst den Damast auch noch bringen?


DROGER: Ja: Hier ist der Herr, Kapitän, Meister KASTRATUS, den ich mitgebracht habe, um den Doktor zu sehen.


FACE: Wo ist die Witwe?


DROGER: Herr, ganz wie es ihm gefällt, seine Schwester soll kommen, sagt er.


SUBTIL: O, ist es so? Zu guter Letzt. Ist euer Name KASTRATUS, Herr?


KASTRATUS: Ja, und der beste der KASTRATUSs, ich würde es sonst bedauern, um fünfzehnhundert Pfund im Jahr. Wo ist der Doktor? Mein toller Tabakbursche hier erzählt mir von einem, der Dinge vollbringen kann: Hat er irgendwelche Fertigkeiten?


FACE: Worin, Herr?


KASTRATUS: Eine Angelegenheit durchzuführen, einen Streit ordentlich zu managen, unter passenden Bedingungen.


FACE: Es scheint, Herr, Ihr seid noch jung in der Stadt, dass Ihr daraus eine Frage machen könnt.


KASTRATUS: Herr, nicht so jung, als dass ich nicht einiges Gerede von den wilden Jungen gehört und sie beim Tabakrauchen gesehen hätte; und zwar in seinem Laden; und ich kann auch rauchen. Und ich wäre gerne einer von ihnen und würde gerne runtergehen und mich auf dem Land üben.


FACE: Herr, was den duello betrifft, so wird der Doktor Euch, versichere ich Euch, bis zum Hauch eines Haars unterrichten; und Euch ein Instrument zeigen, das er selbst angefertigt hat und womit Ihr keine Sekunde nach einer Schilderung irgendeines Streits sofort die Höhe davon ablesen und sagen könnt, in welchem Grad von Sicherheit oder Sterblichkeit er sich befindet. Und wie er ausgetragen werden kann, ob in einer geraden Linie oder in einem Halbkreis; oder auch in einem stumpfen, wenn nicht gar spitzen Winkel geworfen werden kann: Und das wird er demonstrieren. Und dazu Regeln, wie man die Beleidigung gibt und annimmt.


KASTRATUS: Wie! Sie annehmen?


FACE: Ja, im schrägen Sinn wird er es Euch zeigen, oder im Kreis; aber niemals im Durchmesser. Die ganze Stadt studiert seine Lehrsätze und diskutiert sie gewöhnlich in den Speiseakademien.


KASTRATUS: Aber lehrt er auch, vom Verstand zu leben?


FACE: Alles Mögliche. Ihr könnt euch diese Raffinesse gar nicht vorstellen, die er nicht liest. Er hat mich zum Kapitän gemacht. Ich war ein stadtbekannter Zuhälter, gerade auf Eurer Stufe, ehe ich ihn traf; es ist noch keine zwei Monate her. Ich will Euch seine Methode erklären: Zuerst wird er euch in irgendeinem Wirtshaus einführen.


KASTRATUS: Nein, da gehe ich nicht hin: Da müsst Ihr mich entschuldigen.


FACE: Warum denn, Herr?


KASTRATUS: Da wird gespielt und getrickst.


FACE: Wie, wollt Ihr ein Kavalier sein und nicht spielen?


KASTRATUS: Ja, das bringt einen um sein Geld.


KASTRATUS: Euch um euer Geld bringen! Es wird euch wieder aufhelfen, wenn ihr pleite seid: Wie leben denn die da von ihrem Verstand, die das Sechsfache eures Vermögens verjagt haben?


KASTRATUS: Was, dreitausend Pfund im Jahr?


FACE: Ja, vierzigtausend.


KASTRATUS: Gibt es solche?


FACE: Ja, Herr, und das sind Kavaliere. Hier ist ein junger Gentleman, der zu nichts geboren ist – (deutet auf DAPPEL) – vierzig Mark im Jahr, was ich für gar nichts erachte: er soll eingeweiht werden und einen Geist vom Doktor bekommen. Er wird euch durch unwiderstehliches Glück innerhalb dieser vierzehn Tage genug gewinnen, um eine Baronie zu kaufen. Sie werden ihn die ganze Weihnachtszeit über ganz oben beim königlichen Spielaufseher platzieren; und das ganze Jahr über an jedem Ort, an dem gespielt wird, ihm den Ehrenstuhl überlassen; die beste Bedienung, das beste Getränk; manchmal zwei Gläser Kanarischen Wein und nichts bezahlen; die reinste Wäsche und das schärfste Messer, das Rebhuhn neben seinem Teller; und irgendwo das feine Bett, im Privaten mit der feinen Dame. Eure Wirtshäuser werden sich um ihn reißen wie Theater für einen Dichter; und der Wirt wird ihn lauthals bitten, das Gericht zu nennen, das er bevorzugt, nämlich in Butter geschmorte Garnelen; und jene, die sonst niemandem zutrinken, werden auf sein Wohl trinken, da er der präsidierende Mund der ganzen Tafel ist.


KASTRATUS: Wollt ihr einen etwa veralbern?


FACE: Beim Leben meiner Mutter! Glaubst du das etwa nicht? Man kann dir einen abgedankten Hauptmann verschaffen – man muss sich nur bei einem Handschuhmacher oder Sporer für etwa zwei Paar ihrer Waren auf Kredit bürgen lassen –, der durch blitzschnelle Boten, allein durch den Handel mit ihm, zu einem ordentlichen Einkommen gelangt, um sich, seine Dirne und seinen nackten Jungen in ausgezeichneter Aufmachung zu erhalten, und dafür bewundert wird.


KASTRATUS: Wird der Doktor das beibringen?


FACE: Er wird noch mehr tun, Herr: Wenn euer Land erst durchgebracht ist – wie es Männer von Geist hassen, die Erde lange festzuhalten –, wird er euch in den Ferien, wenn wenig Geld im Umlauf ist und die Wirtshäuser bis zum Semesterbeginn geschlossen haben, eine Perspektive zeigen, auf deren einer Seite ihr die Gesichter und Personen aller vermögenden jungen Erben in der Stadt erblickt, deren Wechsel für Warenkurs gelten; auf der anderen Seite die Geschäftsbücher der Kaufleute und anderer, die ohne die Hilfe eines Zweitmaklers, der seinen Teil abhaben will, solche Posten auf Kredit herausgeben; im dritten Quadranten genau die Straße und das Aushängeschild, wo die Ware lagert und nur darauf wartet, ausgeliefert zu werden, sei es Pfeffer, Seife, Hopfen, Tabak, Haferflocken, Waid oder Käse. All das könnt ihr so handhaben, dass ihr es zu eurem eigenen Nutzen genießt und niemals verschuldet dasteht.


KASTRATUS: Wahrhaftig! Ist er so ein Mann?


FACE: Nun, Nab hier kennt ihn. Und was das Verkuppeln mit reichen Witwen, jungen Edelfrauen und Erben angeht – der glücklichste Mann von allen! Er wird von fern und nah, aus ganz England, um seinen Rat und zur Erkundung ihres Glücks herbeigezogen.


KASTRATUS: Um Gottes Willen, meine Schwester soll ihn sehen.


FACE: Ich will euch sagen, Herr, was er mir über Nab erzählt hat. Es ist eine merkwürdige Sache: Übrigens darfst du keinen Käse essen, Nab, das erzeugt Melancholie, und diese Melocholie erzeugt Würmer; aber das nur nebenbei. Er hat mir erzählt, dass der ehrliche Nab hier erst ein einziges Mal in seinem Leben in einer Schänke war!


DROGER: Wahrhaftig, und mehr war ich auch nicht.


FACE: Und da war er so krank –


DROGER: Konnte er euch das auch sagen?


FACE: Woher hätte ich es wissen sollen?


DROGER: Wahrhaftig, wir waren beim Schießen gewesen und hatten abends ein Stück fettes Widderfleisch zu essen, das mir so schwer im Magen lag –


FACE: Und er hat keinen Kopf, um auch nur irgendeinen Wein zu vertragen; denn teils durch den Lärm der Fiedler und die Sorge um seinen Laden, weil er es nicht wagt, Bedienstete zu halten –


DROGER: Mein Kopf tat so weh –


FACE: Und er musste nach Hause gebracht werden, wie mir der Doktor erzählte. Und dann hat eine gute alte Frau –


DROGER: Ja, wahrhaftig, sie wohnt in der Sea-coal-lane – mich geheilt mit gekochtem Ale und Mauerpfeffer; hat mich nur zwei Pence gekostet. Ich hatte noch eine andere Krankheit, die war schlimmer als die.


FACE: Ja, das war der Kummer, den du hattest, weil man dich für die Wasserleitung auf achtzehn Pence veranlagt hatte.


DROGER: Wahrhaftig, das hat mich fast das Leben gekostet.


FACE: Dir sind die Haare ausgegangen?


DROGER: Ja, Herr; das geschah aus purem Ärger.


FACE: Siehst du, so sagt es auch der Doktor.


KASTRATUS: Ich bitte dich, Tabakbursche, hol meine Schwester; ich will diesen gelehrten Mann sehen, bevor ich gehe; und sie soll es auch.


FACE: Herr, er ist jetzt beschäftigt; aber wenn ihr eine Schwester herbeiholen wollt, vermag eure eigene Mühe sie vielleicht schneller zu bewegen; und bis dahin wird er frei sein.


KASTRATUS: Ich gehe. (Exit.)


FACE: DROGER, sie ist dein: Der Damast! (Exit Abel.) SUBTIL und ich müssen um sie ringen. (Beiseite.) Kommt nur vor, Meister DAPPEL, Ihr seht, wie ich hier Kunden wegschicke, um Eurer Sache Eile zu verleihen; habt Ihr die Euch auferlegten Zeremonien vollzogen?


DAPPEL: Ja, die mit dem Essig und dem sauberen Hemd.


FACE: Sehr gut: Dieses Hemd kann Euch mehr Ehre einbringen, als Ihr denkt. Eure Tante brennt darauf, Euch zu sehen, auch wenn sie es sich nicht anmerken lässt. Habt Ihr für die Diener Ihrer Gnaden gesorgt?


DAPPEL: Ja, hier sind hundertundzwanzig Schillinge im Wert von Edwards Zeiten.


FACE: Gut!


DAPPEL: Und ein alter Heinrich-Souverän.


FACE: Sehr gut!


DAPPEL: Und drei Jakob-Schillinge und ein Elisabeth-Groat, genau zwanzig Noble.


FACE: O, Ihr seid zu genau. Ich wünschte, Ihr hättet den anderen Nobeln in Marien-Geld gehabt.


DAPPEL: Ich habe einige Philipp-und-Maria-Stücke.


FACE: Ja, dieselben sind die allerbesten: Wo sind sie? Horcht, der Doktor.


(Enter SUBTIL, als Feenpriester verkleidet, mit einem Stoffstreifen.)


SUBTIL (mit verstellter Stimme): Ist der Cousin Ihrer Gnaden schon da?


FACE: Er ist da.


SUBTIL: Und er ist nüchtern?


FACE: Ja.


SUBTIL: Und hat er „Hm“ gerufen?


FACE: Dreimal, müsst Ihr antworten.


DAPPEL: Dreimal.


SUBTIL: Und ebenso oft „Buz“?


FACE: Wenn Ihr es getan habt, sagt es.


DAPPEL: Ich habe.


SUBTIL: Dann gewährt der Feen-Königin Gnade ihrem Vetter, in der Hoffnung, dass er seine Sinne mit Essig gereinigt hat, wie ihm geheißen, durch mich diesen Rock, den Unterrock des Glücks; den anzuziehen sie ihn inständig bittet. Und wenngleich ihr Unterrock dem Glück nahesteht, so steht ihr Hemd, wie die Königin anmerkt, noch näher; und darum hat sie ein Stück davon geschickt, das, als sie ein Kind war, zerrissen wurde, um ihn darin einzuwickeln; und sie bittet ihn, es nun als Schal zu tragen, mit ebenso viel Liebe, wie ihre Gnaden es damals zerrissen hat, über seinen Augen – (sie verbinden ihm mit dem Lappen die Augen) –, um zu zeigen, dass er vom Glück gesegnet ist. Und im Vertrauen darauf, dass sie seinen Zustand mehren wird, wird er all das irdische Zeug von sich werfen, das ihn umgibt; dass er das tun wird, daran zweifelt sie nicht.


FACE: Sie braucht an ihm nicht zu zweifeln, Herr. Ach was, er hat nichts, was er nicht ebenso willig – auf das Wort ihrer Gnaden hin – wegwerfen würde, wie sie darum bittet; Taschentücher und alles – (er wirft alles weg, wie sie es ihm heißen) –; sie kann nichts verlangen, das er nicht befolgt. Wenn Ihr einen Ring bei Euch habt, legt ihn ab, oder ein silbernes Siegel am Handgelenk; ihre Gnaden wird ihre Feen hierherschicken, um Euch zu durchsuchen, verhaltet Euch also völlig ehrlich gegen ihre Hoheit: Wenn sie finden, dass Ihr auch nur ein Myggchen verheimlicht, seid Ihr verloren.


DAPPEL: Wahrlich, das ist alles.


FACE: Alles was?


DAPPEL: Mein Geld, wahrlich.


FACE: Behalte nichts Vergängliches an dir. (Beiseite zu SUBTIL.) Sag DORIS, sie soll aufspielen. (DORIS spielt drinnen auf der Zither.) Seht, die Elfen sind da, um Euch zu kneifen, wenn Ihr nicht die Wahrheit sagt. Nehmt euch in Acht. (Sie kneifen ihn.)


DAPPEL: O! Ich habe einen Zettel mit einem Sporn-Ryal darin.


FACE: Ti, ti. Sie haben es gewusst, sagen sie.


SUBTIL: Ti, ti, ti, ti. Er hat noch mehr.


FACE: Ti, ti-ti-ti. (Beiseite zu SUBTIL.) In der anderen Tasche.


SUBTIL: Ti, ti, ti, ti, ti. Sie müssen ihn kneifen, sonst wird er niemals gestehen, sagen sie. (Sie kneifen ihn erneut.)


DAPPEL: O, o!


FACE: Nein, ich bitte euch, haltet ein: Er ist der Neffe ihrer Gnaden. Ti, ti, ti? Was kümmert's euch? Beim guten Glauben, es soll euch kümmern. – Geständt es nur frei, Herr, und beschämt die Feen. Zeigt, dass Ihr unschuldig seid.


DAPPEL: Bei diesem guten Licht, ich habe nichts.


SUBTIL: Ti, ti, ti, ti, to, ta. Er weicht aus, sagt sie: Ti, ti do ti, ti ti do, ti da; und schwimmt – nein, schwört bei dem LICHT, während er geblendet ist.


DAPPEL: Bei dieser guten DUNKELHEIT, ich habe nichts als eine Halbe-Krone aus Gold an meinem Handgelenk, die mir meine Liebste gegeben hat, und ein bleiernes Herz, das ich getragen habe, seit sie mich verlassen hat.


FACE: Ich dachte mir schon, dass es etwas ist. Und wollt Ihr den Zorn Eurer Tante wegen dieser Kleinigkeiten auf Euch laden? Kommt, mir wäre lieber, Ihr hättet zwanzig Halbe-Kronen weggeworfen. (Nimmt sie ihm ab.) Euer bleiernes Herz könnt Ihr immer noch behalten. – (Enter DORIS in Eile.) Wie nun!


SUBTIL: Was gibt es für Neuigkeiten, DORIS?


DORIS: Da draußen ist Euer Ritter, Sir Mammon.


FACE: Zum Kuckuck, an den haben wir ja gar nicht gedacht! Wo ist er?


DORIS: Hier ganz in der Nähe: Er ist an der Tür.


SUBTIL: Und du bist jetzt noch nicht fertig! DORIS, hol seinen Anzug. (Exit DORIS.) Er darf nicht weggeschickt werden.


FACE: O, keineswegs. Was fangen wir mit diesem Blässhuhn hier an, jetzt, wo er am Spieß sitzt?


SUBTIL: Nun, schieben wir ihn eine Weile nach hinten mit irgendeinem Vorwand. – (Re-enter DORIS mit Faces Kleidern.) Ti, ti, ti, ti, ti, ti. Möchte ihre Gnaden mich sprechen? Ich komme. – Hilf mir, DORIS! (Klopfen draußen.)


FACE (durch das Schlüsselloch): Wer ist da? Sir EPIKUR, mein Herr ist gerade beschäftigt. Wollt Ihr vielleicht drei- oder viermal auf und ab gehen, bis sein Rücken frei ist, dann bin ich ganz Eurer – Schnell, DORIS!


SUBTIL: Ihre Gnaden empfiehlt sich bestens an Euch, Meister DAPPEL.


DAPPEL: Ich sehne mich danach, ihre Gnaden zu sehen.


SUBTIL: Sie speist nun in ihrem Bett, und sie hat Euch von ihrem eigenen Teller eine tote Maus und ein Stück Lebkuchen geschickt, um Euch zu amüsieren und Euren Magen bei Laune zu halten, damit Ihr nicht vor Fasten in Ohnmacht fallt; doch wenn Ihr durchhalten könntet, bis sie Euch sieht, sagt sie, wäre es noch besser für Euch.


FACE: Herr, er wird durchhalten, und dauerte es diese zwei Stunden, um ihrer Hoheit willen; das kann ich Euch versichern. Wir wollen nicht alles aufgeben, was wir getan haben –


SUBTIL: Er darf bis dahin niemanden sehen oder sprechen.


FACE: Dafür stecken wir ihm, Herr, eine Stärkung in den Mund.


SUBTIL: Woraus?


FACE: Aus Lebkuchen. Macht es passend. Wer ihre Gnaden bisher zufriedengestellt hat, wird jetzt nicht wegen einer Kleinigkeit zieren. – Sperrt den Mund auf, Herr, und lasst es euch anpassen. (Sie stopfen ihm einen Lebkuchenknebel in den Mund.)


SUBTIL: Wo sollen wir ihn jetzt unterbringen?


DORIS: Im Abtritt.


SUBTIL: Kommt mit, Herr, ich muss euch nun die geheimen Gemächer des Glücks zeigen.


FACE: Sind sie parfümiert und sein Bad bereit?


SUBTIL: Alles: Nur die Räucherung ist etwas stark.


FACE (durch das Schlüsselloch): Sir EPIKUR, ich bin gleich Eurer, Herr. (Exeunt mit DAPPEL.)





VIERTER AKT. 


SZENE 1.


EIN ZIMMER IN LIEBWITZS HAUS.


(Auftritt Face und Mammon.)


FACE: O Herr, Ihr kommt genau im allerbesten Augenblick.


MAMMON: Wo ist der Meister?


FACE: Bereitet jetzt die Projektion vor, Herr. Eure Substanzen werden sich in Kürze ganz verwandeln.


MAMMON: In Gold?


FACE: In Gold und Silber, Herr.


MAMMON: Um Silber kümmere ich mich nicht.


FACE: Doch, Herr, ein wenig, um es den Bettlern zu geben.


MAMMON: Wo ist die Dame?


FACE: Gleich hier zur Hand. Ich habe ihr solch großartige Dinge von Euch erzählt, bezüglich Eurer Großzügigkeit und Eures edlen Geistes –


MAMMON: Hast du das?


FACE: – dass sie fast einen Anfall kriegt, Euch zu sehen. Aber, guter Herr, keine Theologie bei Eurer Unterredung, aus Angst, sie in Wut zu versetzen –


MAMMON: Ich verlasse mich auf dich.


FACE: Sechs Männer würden sie nicht im Zaum halten: Und wenn dann der alte Mann Euch hören oder sehen sollte –


MAMMON: Keine Sorge.


FACE: Das ganze Haus, Herr, würde verrückt werden. Ihr wisst ja, wie pingelig und gewalttätig er gegen jede kleinste Sünde ist. Arznei oder Mathematik, Poesie, Politik oder Zoten, wie ich Euch sagte, wird sie ertragen und niemals zucken; aber kein Wort über Kontroversen.


MAMMON: Ich bin geschult, guter Ulen.


FACE: Und Ihr müsst ihr Haus loben, vergesst das nicht, und ihren Adel.


MAMMON: Überlass das nur mir: Kein Herold, nein, und auch kein Antiquar, Lungs, wird es besser machen. Geh.


FACE (beiseite): Nun, das ist doch eine Art modernes Glück, DORIS KOMMUNE für eine große Dame zu haben. (Exit.)


MAMMON: Nun, EPIKUR, erhöhe dich selbst, sprich zu ihr ganz in Gold; regne so viele Schauer auf sie nieder, wie Jove Tropfen zu seiner Danae sandte; lass den Gott im Vergleich zu Mammon wie einen Geizhals erscheinen! Was! Der Stein wird's richten. Sie soll Gold fühlen, Gold schmecken, Gold hören, Gold schlafen; nein, wir werden mit Gold verkehren: Ich werde machtvoll und gewaltig zu ihr sprechen. – (Re-enter Face mit der reich gekleideten DORIS.) Da kommt sie.


FACE: Nur zu ihr, DORIS, herzt ihn! – Das ist der edle Kavalier, von dem ich Eurer Ladyschaft erzählt habe –


MAMMON: Madam, mit Eurer Erlaubnis, ich küsse Euer Gewand.


DORIS: Herr, ich wäre ungezogen, wenn ich das zuließe; mein Kuss gebührt Euch, Herr.


MAMMON: Ich hoffe, mein Lord, Euer Bruder ist wohlauf, gnädige Frau.


DORIS: Mein Lord, mein Bruder ist es, obschon ich keine Dame bin, Herr.


FACE (beiseite): Gut gesprochen, mein Perlhuhn.


MAMMON: Höchst edle Madam –


FACE (beiseite): O, wir werden hier heftigste Abgötterei erleben.


MAMMON: Es ist Euer Vorrecht.


DORIS: Eher Eure Höflichkeit.


MAMMON: Gäbe es nichts anderes, um Eure Tugenden vor mir zu rühmen, so zeugen diese Antworten von Eurer Bildung und Eurem Blute.


DORIS: Blut können wir keines rühmen, Herr, ich bin die Tochter eines armen Barons.


MAMMON: Arm! Und das wagst du zu sagen? Lästere nicht. Hätte dein Vater den restlichen glücklichen Teil seines Lebens nach dieser Tat verschlafen, hätte er bloß da gelegen und gekeimt, er hätte schon genug getan, um sich selbst, seine Nachkommenschaft und seine Erben adelig zu machen.


DORIS: Herr, wenn uns auch der Goldglanz und der Schmuck fehlen, das Gewand der Ehre, so bemühen wir uns doch, die Keimlinge und den Stoff zu wahren.


MAMMON: Ich sehe wohl, dass die alte Zutat, die Tugend, nicht verloren gegangen ist und auch das Geld für die Droge nicht für eure Mischung verschwendet wurde. Es liegt eine sonderbare Adligkeit in deinem Blick, in dieser Lippe, in jenem Kinn! Mich dünkt, du ähnelst einem der Fürsten aus dem Hause Österreich.


FACE (beiseite): Sehr ähnlich! Ihr Vater war ein irischer Gemüsehändler.


MAMMON: Das Haus Valois hatte genau so eine Nase, und solch eine Stirn rühmen sich noch die Medici von Florenz.


DORIS: Wahrlich, man hat mich schon all diesen Fürsten verglichen.


FACE (beiseite): Darauf könnte ich schwören, ich habe es gehört.


MAMMON: Ich weiß nicht wie! Es ist nicht nur eine einzelne, sondern gerade die Auslese all ihrer Züge.


FACE (beiseite): Ich gehe hinein und lache. (Exit.)


MAMMON: Ein gewisser Hauch oder Ausdruck, der etwas Göttliches sprüht, jenseits irdischer Schönheit!


DORIS: O, Ihr spielt den Hofmann.


MAMMON: Gute Dame, gestattet mir –


DORIS: Wahrlich, das darf ich nicht, mich zum Narren zu haben, Herr.


MAMMON: In dieser süßen Flamme zu verbrennen – der Phönix erlebte nie einen edleren Tod.


DORIS: Nein, nun hofiert Ihr dem Hofmann und zerstört, was Ihr aufbauen wolltet. Diese Kunst in Euren Worten, Herr, zieht Euren ganzen Glauben in Zweifel.


MAMMON: Bei meiner Seele –


DORIS: Ach, Schwüre sind aus derselben Luft gemacht, Herr.


MAMMON: Die Natur hat der Sterblichkeit nie ein tadelloseres, harmonischeres Antlitz verliehen; bei allen anderen Gesichtszügen spielte sie die Stiefmutter: Süße Madam, lasst mich ganz persönlich werden –


DORIS: Persönlich, Herr! Ich bitte Euch, wahrt Euren Abstand.


MAMMON: In keinem üblen Sinne, süße Dame; sondern um zu fragen, wie Eure edlen Gnaden die Stunden verbringen? Ich sehe, Ihr seid hier in dem Hause eines seltenen Mannes einquartiert, eines hervorragenden Künstlers; aber was kümmert Euch das?


DORIS: Ja, Herr; ich studiere hier die Mathematik und die Destillation.


MAMMON: O, ich bitte Euch um Verzeihung. Er ist ein göttlicher Lehrer! Er vermag durch seine Kunst die Seelen aller Dinge zu extrahieren; alle Tugenden und Wunder der Sonne in einen temperierten Ofen zu rufen; der stumpfen Natur zu zeigen, was ihre eigenen Kräfte vermögen. Ein Mann, den der Kaiser höher als Kelly umworben hat; er hat ihm seine Medaillen und Ketten geschickt, um ihn einzuladen.


MAMMON: Über die Kunst des Äskulap hinaus, die den Neid des Donnergottes erregte! Ich weiß das alles und noch mehr.


DORIS: Wahrlich, ich bin ganz eingenommen, Herr, von diesen Studien, die die Natur betrachten.


MAMMON: Es ist eine edle Laune; aber diese Gestalt war nicht für einen so dunklen Zweck bestimmt. Wärt Ihr krumm, hässlich, von grobem Schrot und Korn gewesen, hätte ein Kloster gut getan; aber solch ein Antlitz, das die Zierde eines Königreichs sein könnte, zurückgezogen zu leben! Das ist ein purer Solözismus, selbst in einem Nonnenkloster. Das darf nicht sein. Ich wundere mich, dass mein Lord Bruder das zulässt: An meiner Stelle würdet Ihr erst die Hälfte meines Landes verfeuern. Steht dieser Diamant nicht besser an meinem Finger als im Gestein?


DORIS: Ja.


MAMMON: Nun, Ihr seid ihm gleich. Ihr wurdet geschaffen, gnädige Frau, für das Licht. Hier, Ihr sollt ihn tragen; nehmt ihn, als das erste Unterpfand dessen, was ich sage, um mich glauben zu machen.


DORIS: In Ketten aus Diamant?


MAMMON: Ja, in den stärksten Banden. Und erfahrt ein Geheimnis – hier, an Eurer Seite, steht in dieser Stunde der glücklichste Mann in ganz Europa.


MAMMON: Nein, im wahrsten Sinne des Wortes: der Neid der Fürsten und die Furcht der Staaten.


DORIS: Sagt Ihr das, Sir EPIKUR?


MAMMON: Ja, und du sollst es beweisen, Tochter der Ehre. Ich habe mein Auge auf deine Gestalt geworfen, und ich werde diese Schönheit über alle Ränge erheben.


DORIS: Ihr meint es doch nicht auf Verrat abgesehen, Herr?


MAMMON: Nein, ich will dir diese Eifersucht nehmen. Ich bin der Herr des Steins der Weisen, und du bist die Herrin.


DORIS: Wie, Herr! Habt Ihr den?


MAMMON: Ich bin der Meister des Geheimnisses. Heute hat ihn der gute alte Wicht hier im Haus für uns bereitet: Jetzt ist er bei der Projektion. Denke dir also deinen ersten Wunsch aus, lass ihn mich hören; und es wird keine Schauer, sondern Flöte von Gold in deinen Schoß regnen, ganze Katarakte, eine Sintflut, um eine Nation an dir zu zeugen.


DORIS: Ihr beliebt es wohl, Herr, mit dem Ehrgeiz unseres Geschlechts zu spielen.


MAMMON: Es behagt mir, dass der Ruhm ihres Geschlechts erfährt, dass diese Ecke hier bei den Brüdern kein Klima ist, in dem sie dunkel leben kann, um Arznei und Chirurgie für die Ehefrau des Constables aus irgendeiner Hunderzwei-Gegend in Essex zu lernen; sondern tretet hervor und atmet die Luft der Paläste; esst und trinkt die Mühsal der Empiriker und ihre rühmliche Praxis; Perlen- und Korallentinktur, Gold und Bernstein; werdet auf Festen und Triumphen gesehen; lasst die Leute fragen, welch ein Wunder sie ist; setzt alle Blicke des Hofes wie ein Brennglas in Brand und lasst sie zu Asche werden, wenn die Juwelen von zwanzig Staaten euch schmücken und das Licht die Sterne in den Schatten stellt! Dass, wenn euer Name genannt wird, Königinnen erblassen; und wenn wir nur unsere Liebe zeigen, Poppaea von Nero in den Geschichten vergessen sein wird! So wollen wir es haben.


DORIS: Ich könnte mich gut dazu verstehen, Herr. Aber wie wird das in einer Monarchie sein? Der Fürst wird es bald merken und sowohl euch als auch euren Stein beschlagnahmen, da es ein Reichtum ist, der für keinen gewöhnlichen Untertanen taugt.


MAMMON: Wenn er es wüsste.


DORIS: Ihr rühmt euch dessen doch selbst, Herr.


MAMMON: Dir gegenüber, mein Leben.


MAMMON: Das ist keine faule Furcht. Wir werden daher zusammenziehen, mein Mädchen, und in einem freien Staat leben, wo wir in Hochgebirgsweinen geschmorte Mulleten essen, Fasaneneier verspeisen und unsere Venusmuscheln in silbernen Muscheln gekocht bekommen; unsere Garnelen sollen wieder schwimmen wie zu ihren Lebzeiten, in einer seltenen Butter aus Delfinmilch, deren Sahne wie Opale schimmert; und mit diesen delikaten Speisen werden wir uns hoch in die Lüfte der Lust schwingen und uns wieder herabholen, und dann unsere Jugend und Kraft erneuern durch das Trinken des Elixiers, und so eine Ewigkeit an Leben und Wollust genießen! Und du sollst eine Garderobe besitzen, reicher als die der Natur, um dich stets zu verändern und öfter deinen Stolz zu wechseln als sie oder die Kunst, ihre weise und fast ebenbürtige Dienerin.


FACE: Herr, Ihr seid zu laut. Ich höre jedes einzelne Wort von euch bis in das Laboratorium. Sucht euch einen passenderen Ort; den Garten oder die große Kammer droben. Wie gefällt sie euch?


MAMMON: Ausgezeichnet! Lungs. Da hast du was. (Gibt ihm Geld.)


FACE: Aber hört Ihr auch? Guter Herr, seid auf der Hut, kein Wort über die Rabbiner.


MAMMON: Wir verschwenden keinen Gedanken an sie. (Exeunt Mammon und DORIS.)


FACE: O, das ist gut, Herr. – SUBTIL! (Enter SUBTIL.) Lachst du nicht?


SUBTIL: Ja; sind sie weg?


FACE: Alles ist rein.


SUBTIL: Die Witwe ist gekommen.


FACE: Und dein streitsüchtiger Schüler?


SUBTIL: Ja.


FACE: Dann muss ich wieder in meine Hauptmannsrolle schlüpfen.


SUBTIL: Warte, bring sie erst herein.


FACE: Das hatte ich vor. Was für eine ist sie? Eine Schöne?


SUBTIL: Ich weiß es nicht.


FACE: Wir werden das Los ziehen: Darauf wirst du dich einlassen?


SUBTIL: Was denn sonst?


FACE: O, wenn man jetzt wie ein Vorhang herabfallen könnte, husch!


SUBTIL: Geh zur Tür, Mann.


FACE: Du kriegst den ersten Kuss, weil ich noch nicht fertig bin. (Exit.)


SUBTIL: Ja, und treffe dich womöglich noch durch beide Nasenlöcher hindurch.


FACE (draußen): Wen möchtet Ihr sprechen?


KASTRATUS (draußen): Wo ist der Hauptmann?


FACE (draußen): Weg, Herr, wegen einiger Geschäfte.


KASTRATUS (draußen): Weg!


FACE (draußen): Er wird gleich zurück sein. Aber Meister Doktor, sein Leutnant, ist hier.


(Enter KASTRATUS, gefolgt von Dame FÜRBITT.)


SUBTIL: Tretet näher, mein verehrter Junge, mein terrae fili, das heißt, mein Junge aus Landbesitz; macht eure Annäherung: Willkommen; ich kenne deine Lüste und deine Wünsche, und ich werde sie bedienen und befriedigen. Fang an, greif mich von dort an, oder von dort, oder in dieser Linie; hier ist mein Zentrum: Begründe deinen Streit.


KASTRATUS: Du lügst.


SUBTIL: Wie, Kind des Zorns und der Wut! Die laute Lüge? Wofür, mein hitziger Junge?


KASTRATUS: Nein, darum kümmere du dich, ich bin zuvorst.


SUBTIL: O, das ist keine wahre Grammatik und eine ebenso schlechte Logik! Du musst Ursachen vorbringen, Kind, deine ersten und zweiten Absichten, deine Kanons und deine Abteilungen kennen, Stimmungen, Grade und Unterschiede, deine Prädikamente, Substanz und Akzidenz, Reihe, extern und intern, mit ihren Ursachen, effizient, materiell, formal, final, und deine Elemente perfekt beherrschen.


KASTRATUS (beiseite): Was ist das? Ist das die wütende Zunge, in der er spricht?


SUBTIL: Dieser falsche Lehrsatz, zuvorst zu sein, hat eine Menge Leute getäuscht und sie oft in Streitigkeiten geraten lassen, ehe sie es sich versahen, und hinterher wider ihren Willen.


KASTRATUS: Wie muss ich es dann anstellen, Herr?


SUBTIL: Ich bitte diese Dame um Verzeihung: Sie hätte zuerst begrüßt werden müssen. (Küsst sie.) Ich nenne Euch Dame, weil Ihr bald eine sein werdet, meine weiche und geschmeidige Witwe.


KASTRATUS: Ist sie das, wahrhaftig?


SUBTIL: Ja, oder meine Kunst ist ein ungeheuerlicher Lügner.


KASTRATUS: Woher wisst Ihr das?


SUBTIL: Durch die Musterung auf ihrer Stirn und die Feinheit ihrer Lippe, die man oft kosten muss, um sich ein Urteil zu bilden. (Küsst sie erneut.) Zum Kuckuck, sie schmilzt wie eine Myrobalane: Hier ist noch eine Linie, in rivo frontis, die mir verrät, dass er kein Ritter ist.


DAME FÜRBITT: Was ist er denn dann, Herr?


SUBTIL: Lasst mich Eure Hand sehen. O, Eure linea fortunae macht es deutlich; und ein Stern hier im monte Veneris. Aber am meisten von allen die junctura annularis. Er ist ein Soldat oder ein Mann der Kunst, gnädige Frau, wird aber in Kürze eine große Ehre erlangen.


DAME FÜRBITT: Bruder, er ist ein seltener Mann, glaub mir!


(Re-enter Face in Uniform.)


KASTRATUS: Halt den Mund. Da kommt der andere seltene Mann. – Seid gegrüßt, Hauptmann.


FACE: Guter Meister KASTRATUS! Ist das Eure Schwester?


KASTRATUS: Ja, Herr. Seid so gut, sie zu küssen und stolz darauf zu sein, sie zu kennen.


FACE: Ich werde stolz darauf sein, Euch zu kennen, gnädige Frau. (Küsst sie.)


DAME FÜRBITT: Bruder, er nennt mich auch Dame.


KASTRATUS: Ja, still: Ich habe es gehört. (Nimmt sie beiseite.)


FACE: Der Graf ist da.


SUBTIL: Wo ist er?


FACE: An der Tür.


SUBTIL: Nun, du musst ihn unterhalten.


FACE: Was willst du in der Zwischenzeit mit diesen hier anfangen?


SUBTIL: Nun, führ sie hinauf und zeig ihnen ein schwülstiges Buch oder das dunkle Glas.


FACE: Bei Gott, sie ist ein zartes Tauchühnchen! Ich muss sie haben. (Exit.)


SUBTIL: Musst du! Ja, wenn dein Glück es will, musst du es. – Kommt, Herr, der Hauptmann wird sich sogleich zu uns gesellen: Ich bringe euch in meine Demonstrationskammer, wo ich euch sowohl die Grammatik als auch die Logik und die Rhetorik des Streitens zeigen werde; meine ganze Methode in Tabellen ausgezogen, und mein Instrument, das die verschiedenen Skalen daran hat, soll euch fähig machen, bei Mondlicht auf eine Haaresbreite zu streiten. Und, gnädige Frau, ich werde Euch eine halbe Stunde lang in einen Spiegel blicken lassen, nur um Eure Sehkraft zu klären, bevor Ihr Euer Glück seht; welches größer ist, als ich so plötzlich beurteilen kann, glaubt mir. (Exit, gefolgt von KASTRATUS und Dame FÜRBITT.)


(Re-enter Face.)


FACE: Wo bist du, Doktor?


SUBTIL (draußen): Ich komme sogleich zu dir.


FACE: Ich werde diese selbe Witwe haben, nun ich sie gesehen habe, zu jeder Bedingung. (Re-enter SUBTIL.)


SUBTIL: Was sagst du?


FACE: Hast du sie untergebracht?


SUBTIL: Ich habe sie nach oben geschickt.


FACE: SUBTIL, beim wahrhaften Gott, ich muss diese Witwe einfach haben.


SUBTIL: Ist das die Sache?


FACE: Nein, aber hör mich an.


SUBTIL: Nur zu. Wenn du auch nur einmal rebellierst, wird DORIS alles erfahren: Bleibe also still und füge dich deinem Los.


FACE: Nein, du bist jetzt so gewaltsam – begreif doch nur, du bist alt und kannst nicht mehr dienen –


SUBTIL: Wer kann nicht? Ich? Zum Kuckuck, ich werde ihr schon dienen, mit dir, für ein –


FACE: Nein, aber versteh doch: Ich gebe dir eine Abfindung.


SUBTIL: Ich werde mich nicht mit dir einlassen; was? Mein Geburtsrecht verkaufen? Das ist mehr wert als mein Erstgeburtsrecht. Murre nicht: Gewinne sie und nimm sie dir. Wenn du grummelst, erfährt es DORIS direkt.


FACE: Nun wohl, Sir, ich schweige. Willst du mithelfen, den Don standesgemäß hereinzuholen? (Exit.)


SUBTIL: Ich folge dir, Sir. Wir müssen Face in Furcht und Tadel halten, sonst überrennt er uns wie ein Tyrann. (Re-enter Face, der SICHERLICH als Spanier verkleidet einführt.) Hirn eines Schneiders! Wer kommt da? Don John!


SICHERLICH: Senores, beso las manos a vuestras mercedes.


SUBTIL: Wünschte, ihr hättet euch ein wenig gebückt und unsere Hintern geküsst!


FACE: Ruhe, SUBTIL.


SUBTIL: Erstech mich; ich werde mich nie halten können, Mann. Er sieht in dieser tiefen Krause aus wie ein Kopf auf einer Platte, serviert auf zwei Böcken von einem kurzen Umhang.


FACE: Oder, was sagst du zu einem Schweinskopf, unterhalb der Sülze abgeschnitten und mit einem Messer gewellt?


SUBTIL: Zum Kuckuck, er sieht viel zu fett aus für einen Spanier.


FACE: Vielleicht hat ihn irgendein Flemming oder Holländer in Alvas Zeiten gezeugt; Graf Egmonts Bastard.


SUBTIL: Don, dein mieses, gelbes Madrider Gesicht ist willkommen.


SICHERLICH: Gratia.


SUBTIL: Er spricht aus einer Festung heraus. Gott gebe, dass er keine Schwärmer in diesen tiefen Falten hat.


SICHERLICH: Por dios, senores, muy linda casa!


SUBTIL: Was sagt er da?


FACE: Er lobt das Haus, schätze ich; ich weiß nicht mehr als seine Gestik.


SUBTIL: Ja, die casa, mein kostbarer Diego, wird sich als hübsch genug erweisen, um euch darin zu betrügen. Merk ihr das? Ihr werdet betrogen werden, Diego.


FACE: Betrogen, seht ihr, mein werter Donzel, betrogen.


SICHERLICH: Entiendo.


SUBTIL: Verstehst du das? Wir auch, lieber Don. Habt ihr Pistolen oder Portugaleser mitgebracht, mein feierlicher Don? – Fühlst du welche?


FACE (fühlt seine Taschen): Voll.


SUBTIL: Ihr werdet geleert werden, Don, abgepumpt und trocken gelegt, wie man so sagt.


FACE: Gemolken, wahrlich, süßer Don.


SUBTIL: Seht all die Monster; den großen Löwen von allen, Don.


SICHERLICH: Con licencia, se puede ver a esta senora?


SUBTIL: Was redet er jetzt?


FACE: Von der Senora.


SUBTIL: O, Don, das ist die Löwin, die Ihr ebenfalls sehen sollt, mein Don.


FACE: Zum Kuckuck, SUBTIL, wie machen wir das?


SUBTIL: Wofür?


FACE: Nun, DORIS ist beschäftigt, wie du weißt.


SUBTIL: Das ist wahr. Vor Himmel, ich weiß es nicht: Er muss warten, das ist alles.


FACE: Warten! Das darf er unter keinen Umständen.


SUBTIL: Nein! Warum?


FACE: Es sei denn, du willst alles verderben. Zum Kuckuck, er wird Verdacht schöpfen: Und dann wird er nicht zahlen, nicht mal halb so gut. Das ist ein weitgereister Zuhälter-Meister und kennt alle Verzögerungen; ein bemerkenswert heißspünniger Kerl und sieht schon ganz wild aus.


SUBTIL: Zum Teufel, und Mammon darf nicht gestört werden.


FACE: Mammon! Keinesfalls.


SUBTIL: Was tun wir dann?


FACE: Überleg: Du musst schnell sein.


SICHERLICH: Entiendo que la senora es tan hermosa, que codicio tan verla, como la bien aventuranza de mi vida.


FACE: Mi vida! Zum Kuckuck, SUBTIL, er erinnert mich an die Witwe. Was hältst du davon, sie herbeizuziehen, ha? Und ihr zu sagen, es sei ihr Glück? Unser ganzes Wagnis setzt jetzt darauf. Es ist nur ein Mann mehr, je nachdem, wer von uns sie abkriegt: Und außerdem ist da keine Jungfräulichkeit zu fürchten oder zu verlieren. Was denkst du darüber, SUBTIL?


SUBTIL: Wer? Ich? Nun –


SUBTIL: Du hast mir vorhin ein Angebot für meinen Anteil gemacht. Was willst du mir geben, beim wahrhaften Gott?


FACE: O, bei diesem Licht, ich kaufe jetzt nicht: Du kennst dein Urteil über mich. Nimm fein dein Los, füge dich deinem Schicksal, Sir; gewinne sie und trage sie aus für mich.


SUBTIL: Zum Kuckuck, dann bearbeite ich sie nicht.


FACE: Es ist die gemeinsame Sache; besinne dich also. DORIS muss es sonst wissen, wie du sagst.


SUBTIL: Das ist mir egal.


SICHERLICH: Senores, porque se tarda tanto?


SUBTIL: Wahrhaftig, ich tauge dazu nicht, ich bin alt.


FACE: Das ist jetzt kein Grund mehr, Sir.


SICHERLICH: Puede ser de hazer burla de mi amor?


FACE: Hörst du den Don auch? Bei dieser Luft, ich rufe und trete die Angeln ein: DORIS!


SUBTIL: Eine Pest aus der Hölle –


FACE: Willst du es dann tun?


SUBTIL: Du bist ein schrecklicher Schuft! Ich will darüber nachdenken: Willst du, Sir, die Witwe rufen?


FACE: Ja, und ich nehme sie auch mit all ihren Fehlern, jetzt, wo ich es mir besser überlegt habe.


SUBTIL: Von ganzem Herzen, Sir; bin ich des Loses enthoben?


FACE: Ganz wie du willst.


SUBTIL: Hände drauf. (Sie reichen sich die Hände.)


FACE: Denk nun daran, dass du bei jedem Wechsel niemals Anspruch auf sie erheben wirst.


SUBTIL: Viel Freude und Gesundheit dazu, Sir, eine Hure heiraten! Schicksal, lass mich lieber zuerst eine Hexe ehelichen.


SICHERLICH: Por estas honradas barbas –


SUBTIL: Er schwört bei seinem Bart. Mach schnell und ruf auch den Bruder. (Exit Face.)


SICHERLICH: Tengo duda, senores, que no me hagan alguna traycion.


SUBTIL: Wie, geht es los? Ja, praesto, Sektor. Wollt Ihr enthratha in die chambrata, werter Don: Wo Ihr, so es den Falken gefällt, in Eurem bathada eingeweicht, gestreichelt, gebadet und geschrubbt, geschrubbt und geschubbt werdet, lieber Don, ehe Ihr geht. Ihr werdet, bei meinem Glauben, mein schäbiger Affen-Don, gewalkt, zerfleddert, geschändet und zugerichtet werden, wahrlich. Ich werde es jetzt umso herzlicher angehen und die Witwe umso schneller zur Dirne machen, um mich an diesem ungestümen Face zu rächen: Das rasche Tun ist das Zierelement. (Exeunt SUBTIL und SICHERLICH.)



SZENE 2.


EIN ZIMMER IM SELBEN.


(Enter Face, KASTRATUS und Dame FÜRBITT.)


FACE: Kommt, gnädige Frau: Ich wusste, dass der Doktor nicht eher ablassen würde, als bis er den genauen Zeitpunkt ihres Glücks gefunden hatte.


KASTRATUS: Eine Gräfin werden, sagt Ihr, eine spanische Gräfin, Herr?


DAME FÜRBITT: Nun, ist das besser als eine englische Gräfin?


FACE: Besser! Zum Kuckuck, macht Ihr daraus eine Frage, gnädige Frau?


KASTRATUS: Nein, sie ist eine Närrin, Kapitän, Ihr müsst ihr verzeihen.


FACE: Fragt von Eurem Höfling über Euren Rechtsstudenten bis zu Eurem schlichten Putzmacher; sie werden es euch allen erzählen: Euer spanischer Ginster ist das beste Pferd; Euer spanischer Strunk ist die beste Haltung; Euer spanischer Bart ist der beste Schnitt; Eure spanischen Krausen sind die beste Kleidung; Eure spanische Pavanen-Tanzweise ist der beste Tanz; Eure spanische Reizung im Handschuh das beste Parfum: Und was Eure spanische Pike und Klinge betrifft, so lasst Euren armen Kapitän sprechen – Da kommt der Doktor.


(Enter SUBTIL mit einem Papier.)


SUBTIL: Meine hochverehrte gnädige Frau, als welche ich Euch nun zu betiteln habe, da ich durch dieses mein Schema herausgefunden habe, dass Ihr sehr bald ein ehrenvolles Schicksal erfahren werdet. Was wollt Ihr nun sagen, wenn einige –


FACE: Ich habe ihr alles erzählt, Herr, und ihrem hochverehrten Bruder hier, dass sie eine Gräfin werden wird; haltet sie nicht auf, Herr; eine spanische Gräfin.


SUBTIL: Immer noch, mein kaum-verehrter Kapitän, könnt Ihr kein Geheimnis für Euch behalten! Nun, da er es Euch gesagt hat, Madam, verzeiht Ihr ihm, und ich tue es auch.


KASTRATUS: Das soll sie tun, Herr; ich passe schon auf, das ist meine Aufgabe.


SUBTIL: Nun gut: Es bleibt nichts weiter, als dass sie ihre Liebe nun ihrem Glück anpasst.


DAME FÜRBITT: Wahrlich, ich werde mich niemals mit einem Spanier vertragen.


SUBTIL: Nein!


DAME FÜRBITT: Niemals seit achtundachtzig konnte ich sie ausstehen, und das war ungefähr drei Jahre, bevor ich geboren wurde, in der Tat.


SUBTIL: Kommt, Ihr müsst ihn lieben oder unglücklich sein, wählt, was Ihr wollt.


FACE: Bei diesem guten Binsenhalm, überredet sie, sonst schreit sie binnen zwölf Monaten wieder Erdbeeren aus.


SUBTIL: Ja, Schollen und Makrelen, was noch schlimmer ist.


FACE: Wahrlich, Herr!


KASTRATUS: Zum Kuckuck, du wirst ihn lieben, oder ich trete dich.


DAME FÜRBITT: Nun, ich will tun, was Ihr wollt, Bruder.


KASTRATUS: Tu es, oder bei dieser Hand will ich dich verprügeln.


FACE: Nein, lieber Herr, seid nicht so heftig.


SUBTIL: Nein, mein erbostes Kind; sie wird sich fügen. Was, wenn sie erst die Freuden einer Gräfin kosten wird! Umworben zu werden –


FACE: Und geküsst und zerzaust!


SUBTIL: Ja, hinter den Wandteppichen.


FACE: Und dann in Prunk hervortreten!


SUBTIL: Und ihren Stand zu kennen!


FACE: Dass sich alle Götzenanbeter des Raumes vor ihr noch tiefer entblößen als beim Gebet!


SUBTIL: Auf den Knien bedient zu werden!


FACE: Und ihre Pagen, Amtsboten, Lakaien und Kutschen zu haben –


SUBTIL: Ihre sechs Stuten –


FACE: Nein, acht!


SUBTIL: Um sie durch ganz London zu jagen, zur Börse, nach Bethlem, in die Porzellanläden –


FACE: Ja, und die Bürger gaffen zu lassen und ihre Haartrachten zu loben und die gänsedreckfarbenen Bänder meines Lords, die mit ihr reiten!


KASTRATUS: Höchst brav! Bei dieser Hand, du bist nicht meine Schwester, wenn du dich weigerst.


DAME FÜRBITT: Ich will mich nicht weigern, Bruder.


(Enter SICHERLICH.)


SICHERLICH: Que es esto, senores, que no venga? Esta tardanza me mata!


FACE: Es ist der Graf, der kommt: Der Doktor wusste durch seine Kunst, dass er hier sein würde.


SUBTIL: En gallanta madama, Don! Gallantissima!


SURBY / SICHERLICH: Por todos los dioses, la mas acabada hermosura, que he visto en mi vida!


FACE: Ist das keine galante Sprache, die sie sprechen?


KASTRATUS: Eine bewundernswerte Sprache! Ist das nicht Französisch?


FACE: Nein, Spanisch, Herr.


KASTRATUS: Es klingt wie Juristenfranzösisch, und das, so sagt man, ist die höfischste Sprache.


FACE: Horcht, Herr.


SICHERLICH: El sol ha perdido su lumbre, con el esplandor que trae esta dama! Valgame dios!


FACE: Er bewundert Eure Schwester.


KASTRATUS: Muss sie nicht einen Knicks machen?


SUBTIL: Zum Kuckuck, sie muss zu ihm gehen, Mann, und ihn küssen! Es ist die spanische Sitte, dass die Frauen den ersten Hof machen.


FACE: Es ist wahr, was er Euch sagt, Herr: Seine Kunst weiß alles.


SURBY / SICHERLICH: Porque no se acude?


KASTRATUS: Er spricht mit ihr, glaube ich.


FACE: Das tut er, Herr.


SURBY / SICHERLICH: Por el amor de dios, que es esto que se tarda?


KASTRATUS: Seht nur: Sie will ihn nicht verstehen! Tölpel, Dummkopf.


DAME FÜRBITT: Was sagt Ihr, Bruder?


KASTRATUS: Esel, meine Schwester. Geh und küss ihn, wie der kluge Mann es von dir will; sonst stecke ich dir eine Nadel in den Hintern.


FACE: O nein, Herr.


SICHERLICH: Senora mia, mi persona esta muy indigna de allegar a tanta hermosura.


FACE: Behandelt er sie nicht großartig?


KASTRATUS: Großerartig, wahrhaftig!


FACE: Nein, er wird sie noch besser behandeln.


KASTRATUS: Meint Ihr das?


SURBY / SICHERLICH: Senora, si sera servida, entremonos. (Exit mit Dame FÜRBITT.)


KASTRATUS: Wohin führt er sie?


FACE: In den Garten, Herr; macht euch keine Gedanken: Ich muss für sie DORISmetschen.


SUBTIL: Sag DORIS Bescheid. (Beiseite zu Face, der hinausgeht.) – Komm, mein wildes Kind, tritt vor, wir gehen wieder zu unserer Streitstunde über.


KASTRATUS: Einverstanden. Ich liebe einen spanischen Jungen von ganzem Herzen.


SUBTIL: Ja, und auf diese Weise, Herr, werdet Ihr der Bruder eines großen Grafen sein.


KASTRATUS: Ja, das wusste ich von Anfang an, dieses Match wird das Haus der KASTRATUSs voranbringen.


SUBTIL: Ich bete zu Gott, dass sich Deine Schwester nur fügsam zeigt!


KASTRATUS: Nun, ihr Name ist laut ihrem früheren Ehemann so.


SUBTIL: Wie!


KASTRATUS: Die Witwe FÜRBITT. Wusstest du das etwa nicht?


SUBTIL: Nein, wahrhaftig, Sir; aber durch die Errichtung ihrer Gestalt habe ich es vermutet. Kommt, gehen wir üben.


KASTRATUS: Ja, aber meinst du, Doktor, ich werde jemals gut streiten lernen?


SUBTIL: Ich garantiere dir dafür. (Exeunt.)




SZENE 3.


EIN ANDERES ZIMMER IMSELBEN.


(Enter DORIS in ihrem Wutanfall, gefolgt von Mammon.)


DORIS: „Denn nach Alexanders Tod“ –


MAMMON: Gute Dame –


DORIS: „Dass Perdikkas und Antigonus erschlagen wurden, die beiden, die blieben, Seleuk und Ptolemäus“ –


MAMMON: Madam –


DORIS: „Die beiden Beine bildeten, und das vierte Tier, das Gog-Nord und Ägypten-Süd war: welches danach Gog-Eisenbein und Süd-Eisenbein genannt wurde“ –


MAMMON: Dame –


DORIS: „Und dann Gog-gehörnt. So war auch Ägypten: Dann Ägypten-Tonbein und Gog-Tonbein“ –


MAMMON: Süße Madam –


DORIS: „Und zuletzt Gog-Staub und Ägypten-Staub, die in das letzte Glied der vierten Kette fallen. Und dies sind Sterne in der Geschichte, die niemand sieht oder beachtet“ –


MAMMON: Was soll ich tun?


DORIS: „Denn“, wie er sagt, „es sei denn, wir rufen die Rabbiner und die heidnischen Griechen“ –


MAMMON: Liebe Dame –


DORIS: „Um aus Salem und aus Athen zu kommen und die Leute von Großbritannien zu lehren“ –


(Enter Face eilig in seiner Dienerkleidung.)


FACE: Was ist los, Sir?


DORIS: „Die Zunge Ebers und Javans zu sprechen“ –


MAMMON: O, sie hat ihren Anfall!


DORIS: „Werden wir nichts wissen“ –


FACE: Beim Tod, Sir, wir sind ruiniert!


DORIS: „Wo dann ein gelehrter Linguist die alte, gebräuchliche Gemeinschaft von Vokalen und Konsonanten sehen wird“ –


MAMMON: Mein Herr wird es hören!


DORIS: „Eine Weisheit, die Pythagoras am höchsten hielt“ –


MAMMON: Süße, ehrbare Dame!


DORIS: „Um alle Stimmenlaute in wenigen Buchstabenzeichen zusammenzufassen“ –


MAMMON: –


FACE: Nein, Ihr müsst nie hoffen, sie jetzt noch zu beruhigen. (Sie sprechen alle durcheinander.)


DORIS: „Und so können wir durch Talmud-Geschick und profanes Griechisch dazu gelangen, den Aufbau von Helenas Haus gegen den Ismaeliten, den König von Thogarma, und seine Panzerhemden – schweflig, blau und feurig; und die Macht des Königs Abaddon und der Bestie von Cittim zu errichten: Die Rabbi David Kimchi, Onkelos und Aben Esra als Rom deuten.“


FACE: Wie hast du sie da hineingebracht?


MAMMON: Ach, ich sprach zufällig über eine fünfte Monarchie, die ich mit dem Stein der Weisen errichten wollte, und sie verfällt sofort in die anderen vier.


FACE: Aus Broughton! Ich hab's dir ja gesagt. Zum Kuckuck, stopf ihr das Maul.


MAMMON: Ist das das Beste?


FACE: Sonst hört sie niemals auf. Wenn der alte Mann sie hört, sind wir nichts als Kot und Asche.


SUBTIL (draußen): Was ist denn da drinnen los?


FACE: O, wir sind verloren! Jetzt, wo sie ihn hört, ist sie still.


(Enter SUBTIL, sie laufen in verschiedene Richtungen.)


MAMMON: Wo soll ich mich verstecken!


SUBTIL: Wie! Was für ein Anblick ist das? Verborgene Taten der Finsternis, die das Licht scheuen! Bringt ihn her. Wer ist er? Was, mein Sohn! O, ich habe zu lange gelebt.


MAMMON: Nein, guter, lieber Vater, es gab keine unkeusche Absicht.


SUBTIL: Nicht? Und vor mir fliehen, wenn ich hereinkomme?


MAMMON: Das war mein Irrtum.


SUBTIL: Irrtum? Schuld, Schuld, mein Sohn: Gib ihr den richtigen Namen. Kein Wunder, wenn ich in unserem großen Werk drinnen eine Hemmung fand, während solche Angelegenheiten wie diese betrieben wurden!


MAMMON: Wie, habt Ihr das?


SUBTIL: Es steht nun schon eine halbe Stunde lang still: Und all die anderen unserer kleineren Werke sind zurückgegangen. Wo ist das Instrument der Schlechtigkeit, mein lüsterner, falscher Handlanger?


MAMMON: Nein, guter Sir, beschuldigt ihn nicht; glauben Sie mir, es geschah gegen seinen Willen oder sein Wissen: Ich sah sie durch Zufall.


SUBTIL: Wollt Ihr noch mehr Sünde begehen, um einen Schuft zu entschuldigen?


MAMMON: Bei meiner Hoffnung, es ist wahr, Sir.


SUBTIL: Nein, dann wundere ich mich weniger, wenn Ihr, für den der Segen vorbereitet war, den Himmel so versucht und euer Glück verspielt.


MAMMON: Warum, Sir?


SUBTIL: Das wird das Werk um mindestens einen Monat verzögern.


MAMMON: Nun, wenn es das tut, was für ein Mittel gibt es? Aber denkt das nicht, guter Vater: Unsere Absichten waren ehrlich.


SUBTIL: So wie sie waren, wird sich auch der Lohn erweisen. (Eine laute Explosion im Inneren.) Wie nun! Ach je! Gott und alle Heiligen seien uns gnädig. – (Re-enter Face.) Was ist das?


FACE: O Sir, wir sind besiegt! Alle Werke sind in die Luft geflogen, jedes Glas ist geplatzt; Ofen und alles ist zerrissen, als wäre ein Blitz durch das Haus gefahren. Retorten, Vorratsgefäße, Pelikane, Kolben – alles in tausend Stücke geschlagen! (SUBTIL sinkt wie in Ohnmacht zu Boden.) Helft, guter Sir! Ach, Kälte und Tod überkommen ihn. Nein, Sir Mammon, tut die anständigen Pflichten eines Mannes! Ihr steht da, als wärt Ihr eher bereit abzutreten als er. (Klopfen drinnen.) Wer ist da? Der Lord, ihr Bruder, ist gekommen.


MAMMON: Ha, Lungs!


FACE: Seine Kutsche steht vor der Tür. Weicht seinem Anblick aus, denn er ist so wütend wie seine Schwester madig.


MAMMON: Weh mir!


FACE: Mein Gehirn ist völlig zerrüttet von dem Rauch, Sir, ich darf nie mehr hoffen, wieder mein eigener Herr zu sein.


MAMMON: Ist alles verloren, Lungs? Wird nichts gerettet von all unseren Kosten?


FACE: Wahrscheinlich sehr wenig, Sir; ein Scheffel Kohlen oder so, was ein schwacher Trost ist, Sir.


MAMMON: O, mein wollüstiger Sinn! Ich bin mit Recht bestraft.


FACE: Und ich erst, Sir.


MAMMON: Gestürzt aus all meinen Hoffnungen –


FACE: Nein, Gewissheiten, Sir.


MAMMON: Durch meine eigenen niederen Neigungen.


SUBTIL (stellt sich vor, zu sich selbst zu kommen): O, die verfluchten Früchte von Laster und Wollust!


MAMMON: Guter Vater, es war meine Sünde. Vergib sie.


SUBTIL: Ruht mein Dach noch über uns und wird nicht herabfallen, o Gerechtigkeit, auf uns wegen dieses ruchlosen Mannes!


FACE: Nein, seht, Sir, Ihr kränkt ihn jetzt, indem Ihr in seinem Blickfeld bleibt: Guter Sir, der Edelmann wird auch kommen und Euch festnehmen, und das könnte eine Tragödie heraufbeschwören.


MAMMON: Ich gehe.


FACE: Ja, und bereut zu Hause, Sir. Es mag sein, dass Ihr es für eine gute Buße noch bekommt; hundert Pfund für die Kasse in Bethlem –


MAMMON: Ja.


FACE: Für die Wiederherstellung solcher, die – ihren Verstand haben.


MAMMON: Ich werde es tun.


FACE: Ich werde jemanden zu Euch schicken, um es entgegenzunehmen.


MAMMON: Tu das. Ist keine Projektion übrig geblieben?


FACE: Alles verflogen oder stinkt, Sir.


MAMMON: Wird nichts gerettet, das gut für die Medizin ist, meinst du?


FACE: Das kann ich nicht sagen, Sir. Es wird vielleicht etwas vom Abkratzen der Scherben geben, das den Juckreiz heilt – wenn auch nicht Euren Juckreiz des Geistes, Sir. (Beiseite.) Es soll für Euch gerettet und nach Hause geschickt werden. Guter Sir, diesen Weg, aus Furcht, der Lord könnte Euch treffen. (Exit Mammon.)


SUBTIL (hebt den Kopf): Face!


FACE: Ja.


SUBTIL: Ist er weg?


FACE: Ja, und so schwer beladen, als wäre all das Gold, auf das er hoffte, in seinem Blut gewesen. Lasst uns jedoch unbeschwert sein.


SUBTIL (springt auf): Ja, wie Bälle und hüpfen und schlagen unsere Köpfe vor Freude an die Decke: So viel von unserer Sorge ist jetzt fortgeschwemmt.


FACE: Nun zu unserem Don.


SUBTIL: Ja, Eure junge Witwe ist inzwischen zu einer Gräfin gemacht worden, Face; sie war in den Wehen eines jungen Erben für euch.


FACE: Gut so, Sir.


SUBTIL: Weg mit deiner Verkleidung und begrüße sie freundlich, wie ein Bräutigam es tun sollte, nach diesen alltäglichen Gefahren.


FACE: Sehr wohl, Sir. Wollt Ihr indessen gehen und Don Diego abholen?


SUBTIL: Und ihn auch über den Tisch ziehen, wenn es Euch beliebt, Sir: Wünschte, DORIS wäre an ihrem Platz, um jetzt seine Taschen zu leeren!


FACE: Nun, das könnt Ihr genauso gut, wenn Ihr euch daranmachen wollt. Ich bitte Euch, beweist eure Tugend.


SUBTIL: Euretwegen, Sir. (Exeunt.)




SZENE 4.


EIN ANDERES ZIMMER IM SELBEN.


(Enter SICHERLICH und Dame FÜRBITT.)


SICHERLICH: Gnädige Frau, Ihr seht, in welche Hände Ihr geraten seid; unter was für ein Nest von Schurken! Und wie nahe Eure Ehre daran war, sich durch eure Leichtgläubigkeit eine sichere Krankheit einzufangen, wäre ich nur so pünktlich vorwärtsgegangen, wie Ort, Zeit und andere Umstände es von einem Mann verlangt hätten; denn Ihr seid eine schöne Frau: Wäret ihr auch weise! Ich bin ein Gentleman, der hier verkleidet hergekommen ist, nur um die Gaunereien dieser Zitadelle aufzudecken; und wo ich Eure Ehre hätte schädigen können und es nicht getan habe, beanspruche ich einiges Interesse an Eurer Liebe. Ihr seid, wie man sagt, eine Witwe, reich: Und ich bin ein Junggeselle, wertlos: Eure Reichtümer können mich zu einem Mann machen, wie meine die Ihrige als Frau bewahrt haben. Denkt darüber nach, und ob ich euch verdient habe oder nicht.


DAME FÜRBITT: Das will ich, Sir.


SUBTIL: Was diese Haus-Schurken betrifft, so überlasst es mir, mit ihnen zu verhandeln. (Enter SUBTIL.) Wie geht es meinem edlen Diego und meiner lieben Madam Gräfin? Ist der Graf höflich gewesen, gnädige Frau? Freigebig und offen? Donzel, mir dünkt, Ihr seht melancholisch aus nach eurem coitum, und schäbig: Wahrlich, ich mag die Trägheit eures Blicks nicht; er hat einen schweren Zug, er ist „upsee Dutch“ und sagt, dass ihr ein schwerfälliger Hurenmeister seid. Werdet leichter, und ich werde eure Taschen dementsprechend machen. (Versucht, sie zu bestehlen.)


SICHERLICH (wirft seinen Mantel zurück): Wollt Ihr das, Don Kuppler und Taschendieb? (Wirft ihn zu Boden.) Wie nun! Schwankt ihr? Steht auf, Sir, ihr werdet finden, dass ich, da ich so schwer bin, euch ein gleiches Gewicht geben werde.


SUBTIL: Hilfe! Mord!


SICHERLICH: Nein, Sir, so etwas ist nicht beabsichtigt: Ein guter Karren und eine saubere Peitsche sollen euch von dieser Furcht befreien. Ich bin der spanische Don „der betrogen werden sollte, seht ihr, betrogen?“ Wo ist euer Captain Face, dieser Paket-Makler und Gesamtkuppler, dieser ganze Schuft! (Enter Face in seiner Uniform.)


FACE: Wie, SICHERLICH!


SURBY / SICHERLICH: O, macht nur Eure Annäherung, guter Kapitän. Ich habe herausgefunden, woher Eure kupfernen Ringe und Löffel kommen, mit denen Ihr draußen in den Tavernen betrügt. Hier habt Ihr gelernt, Euren Stiefel mit Schwefel einzureiben, dann das Gold der Leute daran zu reiben für eine Art Strichprobe, und zu sagen, es sei wertlos, wenn Ihr die Farbe verändert hattet, damit Ihr es umsonst bekommen konntet. Und dieser Doktor, Euer rußiger, rauchbärtiger Gefährte, er schließt so viel Gold in einen Kolben ein und befördert bei einer Drehung an dessen Stelle ein anderes mit sublimiertem Quecksilber, das bei Hitze platzen und ganz in fumo auffliegen soll! Dann weint Mammon; dann sinkt seine Würde in Ohnmacht. (Face schlüpft hinaus.) Oder er ist der Faustus, der Figuren wirft und beschwören kann, Seuchen, Hämorrhoiden und Pocken durch Ephemeriden heilt und Nachrichtendienst mit allen Kupplerinnen und Hebammen von drei Grafschaften hält: Während Ihr hineinschickt – Kapitän! – Was! Ist er weg? – Mädchen mit Kind, Frauen, die unfruchtbar sind, oder das Dienstmädchen mit der Bleichsucht. (Packt SUBTIL, als er sich zurückzieht.) – Nein, Sir, Ihr müsst bleiben und Rede und Antwort an den Ohren stehen, Sir. (Re-enter Face mit KASTRATUS.)


FACE: Nun ist der Zeitpunkt, wenn ihr jemals gut streiten wollt, wie man sagt, und ein echt geborenes Kind sein wollt: Der Doktor und Eure Schwester sind beide missbraucht worden.


KASTRATUS: Wo ist er? Welcher ist er? Er ist ein Sklavenkerl, wer immer er auch ist, und Hurensohn. – Seid Ihr der Mann, Sir, den ich kennen möchte?


SICHERLICH: Ich wäre abgeneigt, Sir, so viel einzugestehen.


KASTRATUS: Dann lügt ihr in der Kehle.


SICHERLICH: Wie!


FACE (zu KASTRATUS): Ein ganz waschechter Schelm, Sir, und ein Betrüger, der hier von einem anderen Hexenmeister angeheuert wurde, der den Doktor nicht liebt und ihm eins auswischen möchte, wenn er wüsste, wie.


SICHERLICH: Sir, Ihr seid missbraucht.


KASTRATUS: Du lügst: Und es macht keinen Unterschied.


FACE: Gut gesagt, Sir! Er ist der unverschämteste Schuft –


SICHERLICH: Ihr seid es wahrlich: Wollt ihr mich anhören, Sir?


FACE: Keineswegs: Heißt ihn verschwinden.


KASTRATUS: Verschwindet, Sir, geschwind.


SICHERLICH: Das ist seltsam! – Gnädige Frau, klärt Euren Bruder auf.


FACE: Es gibt keinen solchen Betrüger in der ganzen Stadt; der Doktor hatte ihn sofort durch; und stellt fest, dass der spanische Graf trotzdem hierher kommen wird. (Beiseite.) – Halt durch, SUBTIL.


SUBTIL: Ja, Sir, er muss innerhalb dieser Stunde erscheinen.


FACE: Und doch würde dieser Schuft in einer Verkleidung kommen, durch die Versuchung eines anderen Geistes, um unsere Kunst zu stören, obgleich er ihr nichts anhaben konnte!


KASTRATUS: Ja, ich weiß – Weg, (zu seiner Schwester) du redest wie eine närrische Göre.


SICHERLICH: Sir, alles ist wahr, was sie sagt.


FACE: Glaubt ihm nicht, Sir. Er ist der verlogenste Wischmopp! Kommt Eurer Wege, Sir.


SICHERLICH: Außerhalb der Gesellschaft seid ihr tapfer!


KASTRATUS: Ja, was dann, Sir?


(Enter DROGER mit einem Stück Damast.)


FACE: Nein, hier ist ebenfalls ein ehrlicher Kerl, der ihn und all seine Tricks kennt. Bestätige, was ich sage, Abel, dieser Betrüger hätte dich um die Witwe bringen wollen. – (Beiseite zu DROGER.) Er schuldet diesem ehrlichen DROGER hier sieben Pfund, die er bei ihm in Zweipfennig-Portionen Tabak bekommen hat.


DROGER: Ja, Sir. Und er hat dreimal geschworen zu zahlen.


FACE: Und was schuldet er für Lotion?


DROGER: Dreißig Schilling, Sir; und für sechs Spritzen.


SICHERLICH: Hydra der Ruchlosigkeit!


FACE: Nein, Sir, ihr müsst ihn aus dem Haus herausstreiten.


KASTRATUS: Das will ich. – Sir, wenn Ihr nicht zur Tür hinausgeht, lügt ihr; und ihr seid ein Zuhälter.


SICHERLICH: Nun, das ist Wahrsinn, Sir, keine Tapferkeit an euch; darüber muss ich lachen.


KASTRATUS: Es ist meine Laune: Ihr seid ein Zuhälter und ein Geck, und ein Amadis von Gaul oder ein Don Quixote.


DROGER: Oder ein Ritter mit der närrischen Haube, seht ihr wohl?


(Enter Ananias.)


ANANIAS: Friede dem Hause!


KASTRATUS: Ich halte für keinen Mann Frieden.


ANANIAS: Das Gießen von DORISlars wird für rechtmäßig befunden.


KASTRATUS: Ist er der Konstabler?


SUBTIL: Friede, Ananias.


FACE: Nein, Sir.


KASTRATUS: Dann seid ihr ein Otter und eine Scholle, ein Nichts, ein wahrhaftiger Hanswurst.


SICHERLICH: Wollt ihr mich hören, Sir?


KASTRATUS: Will ich nicht.


ANANIAS: Was ist das Motiv?


SUBTIL: Eifer im jungen Gentleman gegen seine spanischen Schlotterhosen.


ANANIAS: Sie sind profane, leibliche, abergläubische und götzendienerische Hosen.


SICHERLICH: Neue Schufte!


KASTRATUS: Wollt ihr verschwinden, Sir?


ANANIAS: Weiche, Satan! Du bist nicht vom Licht: Diese Krause des Stolzes um deinen Hals verrät dich; und ist dieselbe wie jene, mit der sich die unsauberen Vögel im Jahr siebenundsiebzig an verschiedenen Küsten schmückten: Du siehst aus wie der Antichrist in diesem lüsternen Hut.


SICHERLICH: Ich muss nachgeben.


KASTRATUS: Geht weg, Sir.


SICHERLICH: Aber ich werde mir die Sache mit euch noch vorknöpfen –


ANANIAS: Fort, stolzer spanischer Unhold!


SICHERLICH: Kapitän und Doktor.


ANANIAS: Kind des Verderbens!


KASTRATUS: Hinweg, Sir! (Exit SICHERLICH.) Habe ich nicht tapfer gestritten?


FACE: Ja, wahrlich, Sir.


KASTRATUS: Nein, wenn ich meinen Sinn darauf lege, werde ich es tun.


FACE: O, Ihr müsst ihm folgen, Sir, und ihn zähm drohen: Er kehrt sonst wieder um.


KASTRATUS: Ich will ihn dann wieder um-kehren. (Exit.)


(SUBTIL nimmt Ananias beiseite.)


FACE: DROGER, dieser Schuft ist uns für dich zuvorgekommen: Wir hatten beschlossen, dass du in einem spanischen Anzug hättest kommen und sie so heiraten sollen; und er, ein maklerhafter Sklave, geht hin und zieht ihn sich selbst an. Hast du den Damast mitgebracht?


DROGER: Ja, Sir.


FACE: Du musst dir einen spanischen Anzug borgen. Hast du kein Kredit bei den Schauspielern?


DROGER: Ja, Sir; habt ihr mich nie den Narren spielen sehen?


FACE: Ich weiß es nicht, Nab: – Du wirst es, wenn ich es verhindern kann. – (Beiseite.) Hieronimos alter Mantel, Krause und Hut werden genügen; ich erzähle dir mehr, wenn du sie bringst. (Exit DROGER.)


ANANIAS: Sir, ich weiß, dass der Spanier die Brüder hasst und Spione auf ihre Handlungen angesetzt hat; und dass dieser einer war, daran mache ich keinen Zweifel. – Aber die heilige Synode ist deswegen in Gebet und Meditation gewesen; und es ist ihnen nicht weniger als mir offenbart worden, dass das Gießen von Geld höchst rechtmäßig ist.


SUBTIL: Wahr. Aber hier kann ich es nicht tun: Wenn das Haus zufällig in Verdacht gerät, käme alles ans Licht, und wir würden für immer in den Tower gesperrt, um dort Gold für den Staat zu machen, und kämen nie wieder heraus; und dann seid ihr besiegt.


ANANIAS: Ich will dies den Ältesten und den schwächeren Brüdern erzählen, damit die gesamte Gemeinde der Abspaltung sich wieder im demütigen Gebet vereinen kann.


SUBTIL: Und Fasten.


ANANIAS: Ja, für einen passenderen Ort. Der Friede des Geistes ruhe auf diesen Wänden! (Exit.)


SUBTIL: Danke, höflicher Ananias.


FACE: Wozu ist er gekommen?


SUBTIL: Wegen des DORISlargießens, sofort, noch aus der Hand. Und so sagte ich ihm, ein spanischer Minister sei gekommen, um zu spionieren gegen die Gläubigen –


FACE: Ich begreife. Komm, SUBTIL, du bist so niedergeschlagen beim kleinsten Unglück! Wie hättest du es angestellt, wenn ich dir nicht herausgeholfen hätte?


SUBTIL: Ich danke dir, Face, für den zornigen Knaben, bei meiner Treu.


FACE: Wer hätte gedacht, dass das dieser Halunke SICHERLICH ist? Er hatte sich sogar den Bart gefärbt und alles. Nun gut, Sir, hier ist der Damast, um Ihnen einen Anzug schneidern zu lassen.


SUBTIL: Wo ist DROGER?


FACE: Er ist gegangen, um mir eine spanische Tracht zu borgen; ich werde jetzt der Graf sein.


SUBTIL: Aber wo ist die Witwe?


FACE: Drinnen, bei der Schwester meines Herrn; Madam DORIS leistet ihr Gesellschaft.


SUBTIL: Verzeiht mir, Face, jetzt, da sie anständig ist, stehe ich wieder zur Verfügung.


FACE: Das werdet Ihr doch nicht etwa tun.


SUBTIL: Warum?


FACE: Steht zu eurem Wort, oder – hier kommt DORIS, sie weiß Bescheid –


SUBTIL: Ihr seid nach wie vor tyrannisch.


(DORIS tritt hastig ein.)


FACE: Ich bestehe nur streng auf meinem Recht. – Nun, DORIS! Hast du ihr gesagt, dass der spanische Graf kommen wird?


DORIS: Ja; aber es ist ein anderer gekommen, mit dem ihr wahrlich nicht gerechnet habt!


FACE: Wer denn?


DORIS: Euer Herr; der Herr des Hauses.


SUBTIL: Was, DORIS!


FACE: Sie lügt, das ist irgendein Trick. Ach, lass deine Scherze, Dorothy.


DORIS: Schau hinaus und sieh selbst.


(Face geht zum Fenster.)


SUBTIL: Meinst du das ernst?


DORIS: Beim Himmel, an die vierzig Nachbarn stehen um ihn herum und reden.


FACE: Er ist es, bei diesem guten Tag.


DORIS: Das wird für einige von uns ein böser Tag werden.


SUBTIL: Wir sind verloren und gefasst.


DORIS: Ruiniert, fürchte ich.


SUBTIL: Du hast doch gesagt, er würde nicht kommen, solange innerhalb der Stadtfreiheiten wöchentlich jemand an der Pest stirbt.


FACE: Nein: Das galt nur innerhalb der Stadtmauern.


SUBTIL: War das so? Ich bitte um Verzeihung, ich dachte an die Freiheiten. Was machen wir jetzt, Face?


FACE: Seid still: Kein einziges Wort, falls er ruft oder klopft. Ich schlüpfe wieder in meine alte Rolle als Jeremy der Butler und treffe ihn. Packt ihr beiden in der Zwischenzeit alle Güter und die Beute zusammen, die in unsere zwei Koffer passen. Ich werde ihn heute noch hinhalten, wenn es nicht länger geht; und heute Nacht schiffe ich euch beide nach Ratcliff aus, wo wir uns morgen treffen und die Beute teilen werden. Das Messing und Zinn von Mammon soll im Keller bleiben; dafür finden wir ein andermal Zeit. Aber DORIS, bitte geh schnell ein wenig Wasser heiß machen; SUBTIL muss mich rasieren: Mein ganzer Hauptmanns-Bart muss ab, damit ich wieder als der glatte Jeremy erscheine. Machst du das?


SUBTIL: Ja, ich rasiere dich, so gut ich kann.


FACE: Und schneidest mir nicht die Kehle durch, sondern stutzt mich nur?


SUBTIL: Ihr werdet schon sehen, Sir.


(Sie ab.)




FÜNFTER AKT


SZENE 1


Vor LIEBWITZ‘ Tür


(LIEBWITZ tritt auf mit mehreren Nachbarn.)


LIEBWITZ: Es hat also einen solchen Andrang gegeben, sagt ihr?


1. NACHBAR: Täglich, Sir.


2. NACHBAR: Und nächtlich auch.


3. NACHBAR: Ja, manche so prachtvoll wie Lords.


4. NACHBAR: Damen und Edelfrauen.


5. NACHBAR: Bürgersfrauen.


1. NACHBAR: Und Ritter.


6. NACHBAR: In Kutschen.


2. NACHBAR: Ja, und Austernfrauen.


1. NACHBAR: Neben anderem Gesindel.


3. NACHBAR: Matrosenweiber.


4. NACHBAR: Tabakhändler.


5. NACHBAR: Ein zweites Pimlico!


LIEBWITZ: Was in aller Welt hat mein Bursche angestellt, um all diese Leute anzulocken? Er hat doch keine Bannermale von einem seltsamen Kalb mit fünf Beinen oder einem riesigen Hummer mit sechs Scheren ausgehängt?


6. NACHBAR: Nein, Sir.


3. NACHBAR: Sonst wären wir damals auch hineingegangen, Sir.


LIEBWITZ: Er hat auch kein Talent zur Nasenpredigt, von dem ich wüsste. Habt ihr keine Zettel aushängen sehen, die Heilung von Wechselfieber oder Zahnschmerzen versprachen?


2. NACHBAR: Keine Spur davon, Sir!


1. NACHBAR: Noch eine Trommel schlagen hören für Paviane oder Puppenspiele?


5. NACHBAR: Keines von beiden, Sir.


LIEBWITZ: Welchen Streich mag er nun wieder ausgeheckt haben? Ich liebe einen fruchtbaren Geist so sehr wie meine tägliche Nahrung: Wollte Gott, er hat nicht ein solches offenes Haus geführt, dass er meine Wandteppiche und mein Bettzeug verkauft hat! Mehr habe ich ihm nicht gelassen. Wenn er sie aufgegessen hat, soll ihn die Mottenplage holen! Sicherlich hat er ein paar zotige Bilder aufgetrieben, um all dieses Volk herbeizurufen! Den Mönch und die Nonne; oder die neue Vorstellung von des Ritters Hengst, der die Stute des Pfarrers deckt; oder vielleicht hat er die Flöhe, die auf einem Tisch ein Wagenrennen austragen, oder irgendeinen tanzenden Hund. Wann habt ihr ihn gesehen?


1. NACHBAR: Wen, Sir? Jeremy?


2. NACHBAR: Jeremy den Butler? Wir haben ihn seit einem Monat nicht gesehen.


LIEBWITZ: Wie bitte?


4. NACHBAR: Schon seit fünf Wochen nicht, Sir.


6. NACHBAR: Mindestens schon sechs Wochen.


LIEBWITZ: Ihr versetzt mich in Staunen, Nachbarn!


5. NACHBAR: Gewiss, wenn Eure Gunst nicht weiß, wo er ist, dann hat er sich aus dem Staub gemacht.


6. NACHBAR: Wollte Gott, er ist nicht umgebracht worden.


LIEBWITZ: Ha! Jetzt ist wahrlich nicht die Zeit, lange Fragen zu stellen.


(Er klopft an die Tür.)


6. NACHBAR: Vor etwa drei Wochen hörte ich einen kläglichen Schrei, als ich aufblieb, um die Strümpfe meiner Frau zu flicken.


LIEBWITZ: Es ist seltsam, dass niemand antwortet! Du hast einen Schrei gehört, sagst du?


6. NACHBAR: Ja, Sir, wie von einem Mann, der seit einer Stunde erdrückt worden war und nicht mehr sprechen konnte.


2. NACHBAR: Ich habe es auch gehört, genau heute vor drei Wochen, um zwei Uhr am nächsten Morgen.


LIEBWITZ: Das sind ja Wunder, oder ihr macht sie dazu! Ein Mann eine Stunde lang erwürgt, sodass er nicht sprechen konnte, und ihr beide habt ihn schreien hören?


3. NACHBAR: Ja, nach unten zu, Sir.


LIEBWITZ: Du bist ein kluger Kerl. Gib mir deine Hand, ich bitte dich. Was für ein Handwerk betreibst du?


3. NACHBAR: Ein Schmied, wenn es Eurer Gunst gefällt, Sir.


LIEBWITZ: Ein Schmied! Dann leih mir deine Hilfe, um diese Tür aufzubekommen.


3. NACHBAR: Das will ich sogleich tun, Sir, ich hole nur kurz mein Werkzeug –


(Er geht ab.)


1. NACHBAR: Sir, am besten klopft Ihr noch einmal, bevor ihr sie aufbrecht.


LIEBWITZ (klopft erneut): Das werde ich tun.


(Face tritt auf in seiner Livree als Butler.)


FACE: Was meint Ihr denn, Sir?


1., 2. & 4. NACHBAR: O, hier ist ja Jeremy!


FACE: Guter Sir, tretet doch von der Tür zurück.


LIEBWITZ: Wieso, was gibt es denn?


FACE: Noch weiter zurück, Ihr seid immer noch zu nah dran.


LIEBWITZ: Im Namen aller Wunder, was hat der Bursche denn?


FACE: Das Haus, Sir, ist heimgesucht worden.


LIEBWITZ: Was, von der Pest? Dann tritt du erst recht weiter weg.


FACE: Nein, Sir, ich hatte sie nicht.


LIEBWITZ: Wer hatte sie denn dann? Ich habe niemanden außer dir im Haus zurückgelassen.


FACE: Doch, Sir, mein Gefährte, die Katze, die den Keller bewachte, trug sie schon eine Woche an sich, bevor ich es bemerkte; aber ich habe sie bei Nacht wegbringen lassen und das Haus deshalb für einen Monat geschlossen –


LIEBWITZ: Wie bitte?


FACE: Da ich vorhatte, Sir, Rosenessig, Theriak und Teer zu verbrennen und es so zu reinigen, dass Ihr niemals davon erfahren hättet; weil ich wusste, dass die Neuigkeit Euch nur bekümmern würde, Sir.


LIEBWITZ: Atme leiser und geh weiter weg! Warum, das ist ja noch seltsamer: Die Nachbarn erzählen mir hier alle, die Türen seien die ganze Zeit offen gewesen –


FACE: Wie, Sir?


LIEBWITZ: Edelleute, Männer und Frauen, und zwar aller Art, das ganze Gesindel, soll in Haufen hierher geströmt sein, seit zehn Wochen, wie zu einem zweiten Hogsden, zu Zeiten von Pimlico und Eye-bright.


FACE: Sir, deren Klugheit wird das wohl nicht behaupten.


LIEBWITZ: Heute erst sprechen sie von Kutschen und Galanen; einer in einer französischen Haube soll hineingegangen sein, erzählen sie mir; und ein anderer wurde in einem Samtkleid am Fenster gesehen: Verschiedene andere gehen ein und aus.


FACE: Dann müssen sie durch die Türen gegangen sein, Sir – oder durch die Wände, da verlasse ich mich auf ihre Sehkraft und ihre Brillengläser; denn hier, Sir, sind die Schlüssel, und sie sind hier gewesen, in dieser meiner Tasche, nun schon seit über zwanzig Tagen: Und was die Zeit davor betrifft, so habe ich die Festung hier ganz allein bewacht. Wäre es nicht noch früher Nachmittag, würde ich glauben, meine Nachbarn hätten durch den schwarzen Topf doppelt gesehen und diese Erscheinungen heraufbeschworen! Denn, bei meinem Glauben an Eure Gunst, seit diesen drei Wochen und mehr ist die Tür nicht geöffnet worden.


LIEBWITZ: Seltsam!


1. NACHBAR: Wahrhaftig, ich glaube, ich habe eine Kutsche gesehen.


2. NACHBAR: Und ich auch, darauf hätte ich geschworen.


LIEBWITZ: Glaubst du es jetzt nur noch? Und nur eine einzige Kutsche?


4. NACHBAR: Das können wir nicht genau sagen, Sir: Jeremy ist ein sehr ehrlicher Bursche.


FACE: Habt ihr mich überhaupt gesehen?


1. NACHBAR: Nein; dessen sind wir uns sicher.


2. NACHBAR: Darauf schwöre ich.


LIEBWITZ: Herrliche Schurken, auf deren Zeugnisse man bauen kann!


(Der dritte Nachbar kommt mit seinem Werkzeug zurück.)


3. NACHBAR: Ist Jeremy da?


1. NACHBAR: O ja; du kannst dein Werkzeug liegen lassen; wir haben uns getäuscht, sagt er.


2. NACHBAR: Er hatte die Schlüssel; und die Tür ist seit drei Wochen geschlossen gewesen.


3. NACHBAR: Gut möglich.


LIEBWITZ: Ruhig jetzt und fort mit euch, ihr Wankelmütigen.


(SICHERLICH und Mammon treten auf.)


FACE (beiseite): SICHERLICH ist da! Und Mammon eingeweiht! Sie werden alles verraten. Wie soll ich sie abwimmeln? Was soll ich tun? Nichts ist elender als ein schlechtes Gewissen.


SICHERLICH: Nein, Sir, er war ein großer Arzt. Das hier war kein Bordell, sondern ein reiner Choralraum! Ihr kanntet den Lord und seine Schwester.


MAMMON: Ach, guter SICHERLICH...


SICHERLICH: Das beglückende Wort: SEID REICH –


MAMMON: Spiele nicht den Tyrannen...


SICHERLICH: „Soll heute all euren Freunden verkündet werden.“ Und wo sind eure Kaminböcke jetzt? Und eure Messingtöpfe, die zu goldenen Kannen und großen Barren werden sollten?


MAMMON: Lasst mich nur kurz Atem schöpfen. Was, sie haben ihre Türen geschlossen, wie mir scheint!


SICHERLICH: Ja, jetzt ist für sie Feiertag.


MAMMON: Schurken, Betrüger, Hochstapler, Kuppler! (Er und SICHERLICH klopfen.)


FACE: Was meint Ihr damit, Sir?


MAMMON: Einzudringen, wenn wir können.


FACE: Das Haus eines anderen Mannes! Hier ist der Besitzer, Sir: Wendet euch an ihn und tragt ihm euer Anliegen vor.


MAMMON: Sind Sie, Sir, der Besitzer?


LIEBWITZ: Ja, Sir.


MAMMON: Und diese Halunken da drinnen sind Eure Betrüger?


LIEBWITZ: Was für Halunken, was für Betrüger?


MAMMON: SUBTIL und sein Lunge.


FACE: Der Gentleman ist von Sinnen, Sir! Keine Lungen noch Lichter sind hier seit drei Wochen gesehen worden, Sir, innerhalb dieser Türen, auf mein Wort.


SICHERLICH: Euer Wort, ihr anmaßender Knecht!


FACE: Ja, Sir, ich bin der Hausverwalter und weiß, dass die Schlüssel nicht aus meinen Händen waren.


SICHERLICH: Das ist ein neues Gesicht.


FACE: Ihr verwechselt das Haus, Sir: Vor welchem Aushängeschild war das denn?


SICHERLICH: Du Halunke! Das ist einer aus der Verschwörung. Kommt, lasst uns Beamte holen und die Tür aufbrechen.


LIEBWITZ: Ich bitte euch, bleibt, meine Herren.


SICHERLICH: Nein, Sir, wir kommen mit einem Durchsuchungsbefehl.


MAMMON: Ja, und dann werden wir eure Türen schon offen haben!


(Mammon und SICHERLICH gehen ab.)


LIEBWITZ: Was hat das zu bedeuten?


FACE: Das kann ich nicht sagen, Sir.


1. NACHBAR: Das sind zwei von den Galanen, von denen wir glauben, dass wir sie gesehen haben.


FACE: Zwei von den Narren! Ihr redet genauso müßig wie sie. Wahrhaftig, Sir, ich glaube, der Mond hat sie alle verrückt gemacht – (Beiseite) O weh, der wütende Knabe kommt auch noch! Er wird einen Lärm machen und nicht eher ablassen, bis er uns alle verraten hat.


KASTRATUSL (klopft): Was für Schurken, Kuppler, Sklaven, ihr werdet mir sofort die Tür öffnen! Dirne, Giftschlange, meine Schwester! Bei diesem Licht, ich hole den Marschall zu euch. Ihr seid eine Hure, die ihre Burg verteidigt –


FACE: Mit wem möchtet Ihr denn sprechen, Sir?


KASTRATUSL: Mit dem versauten Doktor, dem betrügerischen Kapitän und Miezi, meiner Schwester.


LIEBWITZ: Das hat gewiss etwas zu bedeuten.


FACE: Bei meiner Treue, die Türen waren niemals offen, Sir.


KASTRATUSL: Ich habe all ihre Tricks schon zweimal erzählt bekommen, vom dicken Ritter und dem mageren Gentleman.


LIEBWITZ: Da kommt noch jemand.


(Ananias und ANFECHTUNG treten auf.)


FACE: Ananias auch noch! Und sein Pastor!


ANFECHTUNG (schlägt gegen die Tür): Die Türen sind vor uns verschlossen.


ANANIAS: Kommt hervor, ihr Sprösslinge des Schwefels, Söhne des Feuers! Euer Gestank ist ausgebrochen; der Greuel ist im Hause.


KASTRATUSL: Ja, meine Schwester ist da drin.


ANANIAS: Der Ort ist zu einem Käfig unreinem Geflügel geworden.


KASTRATUSL: Ja, ich werde den Müllkumpel und den Konstabel holen.


ANFECHTUNG: Das ist recht so.


ANANIAS: Wir wollen uns zusammentun, um sie auszurotten.


KASTRATUSL: Du willst also nicht herauskommen, du ausgebitzte Dirne, meine Schwester!


ANANIAS: Nenn sie nicht Schwester; sie ist wahrlich eine Hure.


KASTRATUSL: Ich werde die Straße aufscheuchen.


LIEBWITZ: Meine guten Herren, ein Wort.


ANANIAS: Satan, weiche und hindere unseren Eifer nicht!


(Ananias, ANFECHTUNG und KASTRATUSl gehen ab.)


LIEBWITZ: Die Welt ist zum Irrenhaus geworden.


FACE: Die sind alle losgebrochen, aus St. Katherine's, wo sie die besseren Geisteskranken verwahren.


1. NACHBAR: All diese Leute haben wir hier ein- und ausgehen sehen.


2. NACHBAR: Ja, wahrlich, Sir.


3. NACHBAR: Das waren genau die Personen.


FACE: Ruhe, ihr Betrunkenen! Sir, ich wundere mich darüber: Erlaubt mir bitte, die Tür zu berühren, ich will prüfen, ob das Schloss ausgewechselt wurde.


LIEBWITZ: Es macht mich fassungslos!


FACE (geht zur Tür): Wahrhaftig, Sir, ich glaube, an der Sache ist nichts dran: Es ist alles nur Trug der Augen. (Beiseite) Wenn ich ihn nur wegbringen könnte!


DAPPEL (von drinnen): Meister Kapitän! Meister Doktor!


LIEBWITZ: Wer ist das?


FACE: Unser Gehilfe drinnen, den ich vergessen hatte! (Beiseite) Ich weiß von nichts, Sir.


DAPPEL (von drinnen): Um Gottes willen, wann hat Ihre Gnaden Zeit?


FACE: Ha! Illusionen, irgendein Geist aus der Luft – (Beiseite) Sein Knebel ist geschmolzen, und jetzt stößt er die Kehle aus.


DAPPEL (von drinnen): Ich bin fast erstickt –


FACE (beiseite): Wärst du es doch ganz.


LIEBWITZ: Das kommt aus dem Haus. Ha, horcht.


FACE: Glaubt mir, Sir, es ist in der Luft.


LIEBWITZ: Sei du still.


DAPPEL (von drinnen): Die Gnade meiner Tante geht nicht gut mit mir um.


SUBTIL (von drinnen): Du Narr, sei still, du verdirbst alles.


FACE (spricht durch das Schlüsselloch, während LIEBWITZ unbemerkt zur Tür vortritt): Oder du tust es sonst, du Halunke!


LIEBWITZ: Ach, ist das so? Ihr verkehrt also mit Geistern! – Kommt, Sir. Keine Spielchen mehr, guter Jeremy. Die Wahrheit, und zwar auf dem kürzesten Weg.


FACE: Schickt diesen Pöbel fort, Sir. (Beiseite) Was soll ich tun? Ich bin ertappt.


LIEBWITZ: Gute Nachbarn, ich danke euch allen. Ihr könnt gehen. (Die Nachbarn gehen ab.) – Komm, Sir, du weißt, dass ich ein nachsichtiger Herr bin; verheimliche also nichts. Was ist deine Arznei, um so viele verschiedene Arten von wildem Geflügel anzulocken?


FACE: Sir, Ihr wart doch sonst dem Schalk und Witz zugetan – aber hier auf der Straße ist nicht der Ort, darüber zu reden. Lasst mir nur die Freiheit, das Beste aus meinem Glück zu machen, und verzeiht mir einzig den Missbrauch Eures Hauses: Es ist alles, worum ich bitte. Ich verhelfe Euch im Gegenzug zu einer Witwe, für die Ihr mir danken werdet, die Euch um sieben Jahre jünger macht, und dazu ist sie reich. Ihr müsst euch nur einen spanischen Mantel umhängen: Ich habe sie drinnen. Ihr braucht das Haus nicht zu fürchten; es war nicht heimgesucht.


LIEBWITZ: Aber durch mich, der früher kam, als du erwartet hast.


FACE: Das ist wahr, Sir. Bitte verzeiht mir.


LIEBWITZ: Gut: Lass uns deine Witwe sehen.


(Sie gehen ab.)




SZENE 2


Ein Zimmer im selben Haus


(SUBTIL tritt auf und führt DAPPEL herein, dem die Augen wie zuvor verbunden sind.)


SUBTIL: Wie jetzt? Du hast deinen Knebel aufgegessen?


DAPPEL: Ja, wahrhaftig, er ist mir im Mund zerbröselt.


SUBTIL: Damit hast du alles verdorben.


DAPPEL: Nein! Ich hoffe, meine Feen-Tante wird mir vergeben.


SUBTIL: Deine Tante ist eine gnädige Dame; aber wahrlich, du warst im Unrecht.


DAPPEL: Die Dämpfe haben mich überwältigt, und ich habe es getan, um meinen Magen zu beruhigen. Bitte besänftige so ihre Gnaden. (Face tritt in seiner Uniform auf.) Da kommt der Kapitän.


FACE: Nun! Ist ihm der Mund gestopft worden?


SUBTIL: Ja, er hat gesprochen!


FACE: Zum Teufel, ich habe es gehört, und du auch. – Dann ist er ruiniert. – Ich musste mich darauf berufen, das Haus ginge mit Geistern um, um den griesgrämigen Kauz fernzuhalten.


SUBTIL: Und hast du es getan?


FACE: Sicher, für diese Nacht.


SUBTIL: Nun denn, triumphiere und singe von Face dem Berühmten, dem kostbaren König des gegenwärtigen Witzes.


FACE: Habt ihr den Lärm an der Tür nicht gehört?


SUBTIL: Doch, und ich bin fast zusammengeschrumpft vor Angst.


FACE: Zeig ihm seine Tante und fertige ihn ab: Ich schicke sie zu dir.


(Face geht ab.)


SUBTIL: Nun, Sir, Ihre gnädige Tante wird Euch augenblicklich empfangen, auf mein Bitten und auf das Wort des Kapitäns hin, dass Ihr Euren Knebel nicht aus Verachtung gegen Ihre Hoheit gegessen habt.


(Er bindet ihm die Augen auf.)


DAPPEL: Wahrlich nicht ich, Sir.


(DORIS tritt auf, als Königin der Feen verkleidet.)


SUBTIL: Da kommt sie schon. Auf die Knie und rutsch heran: Sie hat eine majestätische Ausstrahlung. (DAPPEL kniet nieder und rutscht auf sie zu.) Gut! Noch näher, und sprich: Gott schütze Euch!


DAPPEL: Madam!


SUBTIL: Und eure Tante.


DAPPEL: Und meine gnädigste Tante, Gott schütze Eure Gnaden.


DORIS: Neffe, wir hatten beschlossen, zornig auf dich zu sein; aber dieses süße Gesicht von dir hat das Blatt gewendet und es mit Freude fließen lassen, wo die Liebe Ebbe hatte. Erhebe dich und berühre unser Samtkleid.


SUBTIL: Den Saum, und küss ihn. So!


DORIS: Lass mich nun deinen Kopf streicheln. „Viel, Neffe, wirst du gewinnen, viel wirst du ausgeben, viel wirst du verschenken, viel wirst du verleihen.“


SUBTIL (beiseite): Ja, viel! Wahrlich. – Warum dankst du ihrer Gnaden nicht?


DAPPEL: Ich kann vor lauter Freude nicht sprechen.


SUBTIL: Sieh nur, den gütigen Kerl! Eurer Gnaden leibhaftiger Verwandter.


DORIS: Gib mir den Vogel. Hier ist deine Fliege in einem Beutel, häng ihn dir um den Hals, Vetter; trag ihn und füttere ihn heute in einer Woche an deinem rechten Handgelenk –


SUBTIL: Ritz dir mit einer Nadel eine Ader auf und lass ihn nur einmal die Woche saugen; bis dahin darfst du ihn nicht ansehen.


DORIS: Nein: Und Vetter, verhalte dich des Blutes würdig, dem du entstammst.


SUBTIL: Ihre Gnaden möchte nicht, dass du noch länger Pasteten vom Woolsack isst oder Weizengrütze vom Dagger.


DORIS: Noch dein Frühstück in „Himmel und Hölle“ einnimmst.


SUBTIL: Sie ist überall bei dir! Auch nicht mit Gemüsehändlern um mum-chance oder tray-trip spielen. Gott mache dich reich (wenn deine Tante es vollbracht hat); sondern verkehre mit den vornehmsten Gesellschaften und den besten Spielen –


DAPPEL: Ja, Sir.


SUBTIL: Gleek und Primero; und was du gewinnst, teile ehrlich mit uns.


DAPPEL: Bei dieser Hand, das werde ich.


SUBTIL: Du kannst uns bis morgen Nacht tausend Pfund bringen, wenn nur drei tausend im Umlauf sind, wenn du willst.


DAPPEL: Ich schwöre, das werde ich dann tun.


SUBTIL: Deine Fliege wird dich alle Spiele lehren.


FACE (von drinnen): Seid ihr da fertig?


SUBTIL: Eure Gnaden werden ihm keine weiteren Pflichten auftragen?


DORIS: Nein: Aber komm und besuche mich oft. Es könnte sein, dass ich ihm drei oder vier Hundert Schatztruhen hinterlasse und etwa zwölftausend Acker Feenland, wenn er gut und anständig mit guten Spielern spielt.


SUBTIL: Was für eine gütige Tante! Küss ihr zum Abschied den Halsausschnitt. – Aber du musst jetzt deine vierzig Mark Rente im Jahr verkaufen.


DAPPEL: Ja, Sir, das habe ich vor.


SUBTIL: Oder verschenke sie; zum Teufel damit!


DAPPEL: Ich werde sie meiner Tante geben. Ich gehe und hole die Urkunden.


(Er geht ab.)


SUBTIL: Sehr gut – fort mit ihm!


(Face tritt wieder ein.)


FACE: Wo ist SUBTIL?


SUBTIL: Hier: Was gibt's für Neuigkeiten?


FACE: DROGER ist an der Tür, geh und hol ihm seinen Anzug ab und sag ihm, er soll sofort einen Pfarrer holen; sag ihm, er wird die Witwe heiraten. Du wirst durch diesen Dienst hundert Pfund verdienen! (SUBTIL geht ab.) Nun, Königin DORIS, hast du alles eingepackt?


DORIS: Ja.


SUBTIL: Und wie gefällt dir Lady FÜRBITT?


DORIS: Eine gute, dämliche Unschuldige.


(SUBTIL tritt wieder ein.)


SUBTIL: Hier sind Hieronimos Umhang und Hut.


FACE: Gib her.


SUBTIL: Und die Krause auch?


FACE: Ja; ich komme gleich zu euch.


(Er geht ab.)


SUBTIL: Jetzt ist er wegen seines Plans unterwegs, DORIS, von dem ich dir erzählt habe – wegen der Witwe.


DORIS: Das verstößt direkt gegen unsere Abmachung.


SUBTIL: Nun, wir werden ihn schon abfertigen, Mädel. Hast du sie um ihre Juwelen oder Armbänder erleichtert?


DORIS: Nein; aber das werde ich noch tun.


SUBTIL: Später in der Nacht, meine DORISly, wenn wir eingeschifft sind und all unsere Güter an Bord sind, ostwärts nach Ratcliff, werden wir unseren Kurs nach Brentford ändern, nach Westen, wenn du das Wort sprichst, und uns von diesem überheblichen Halunke, diesem anmaßenden Face, verabschieden.


DORIS: Einverstanden, ich bin seiner müde.


SUBTIL: Du hast allen Grund dazu, wenn der Sklave heiraten geht, DORIS, entgegen der Abmachung, die zwischen uns getroffen wurde.


DORIS: Ich werde seinen Vogel so rupfen, wie ich nur kann.


SUBTIL: Ja, sag ihr, sie muss unbedingt dem klugen Mann irgendeine Gabe zukommen lassen, um sein Vergnügen wieder gutzumachen und ihn für ihr Misstrauen zu entschädigen; sie soll einen Ring oder eine Perlenkette schicken; sonst wird sie im Schlaf extrem gequält werden, sag ihr, und seltsame Dinge werden über sie kommen. Willst du das tun?


DORIS: Ja.


SUBTIL: Meine feine Fledermaus, mein Nachtvogel! Wir werden es uns im Pigeons gut gehen lassen, wenn wir alles haben, und die Truhen aufschließen und sagen: Das ist meins und deins, und deins und meins.


(Sie küssen sich.)


(Face tritt wieder ein.)


FACE: Was ist das! Ein Turteln?


SUBTIL: Ja, ein wenig euphorisch wegen des guten Verlaufs unserer Vorrats-Angelegenheiten.


FACE: DROGER hat seinen Pfarrer gebracht; nimm ihn hinein, SUBTIL, und schick Nab wieder zurück, damit er sich das Gesicht wäscht.


SUBTIL: Das werde ich: Und sich rasieren?


(Er geht ab.)


FACE: Wenn du ihn dazu kriegst.


DORIS: Du hängst dich mächtig rein, Face, was immer es auch ist!


FACE: Ein Trick, mit dem DORIS jeden Monat zehn Pfund verjubeln wird. (SUBTIL tritt wieder ein.) Ist er weg?


SUBTIL: Der Kaplan wartet im Flur auf dich, Sir.


FACE: Ich gehe und bringe ihn unter.


(Er geht ab.)


DORIS: Er wird sie jetzt sofort heiraten.


SUBTIL: Das kann er noch nicht, er ist noch nicht bereit. Liebe DORIS, betrüge sie um alles, was du kannst. Ihn zu täuschen ist kein Betrug, sondern Gerechtigkeit, um ein so unentzwirrbares Band zu sprengen, wie das unsere war.


DORIS: Überlass es nur mir, ihn abzufertigen.


(Face tritt wieder ein.)


FACE: Kommt, meine Glücksritter, ihr habt alles eingepackt? Wo sind die Truhen? Bringt sie her.


SUBTIL: Hier.


FACE: Zeigt her. Wo ist das Geld?


SUBTIL: Hier, in dieser.


FACE: Mammons zehn Pfund; acht Schock von vorhin; das Geld der Brüder, hier. DROGERs und DAPPELs. Was ist das für ein Papier?


DORIS: Das Juwel der Zofe, das sie von ihrer Herrin gestohlen hat, um mit Sicherheit zu erfahren –


FACE: Ob sie den Vorrang vor ihrer Herrin haben wird?


DORIS: Ja.


FACE: Was für eine Schachtel ist das?


SUBTIL: Die Ringe der Fischweiber, glaube ich, und das Kleingeld der Schankwirtinnen. Nicht wahr, DORIS?


DORIS: Ja; und die Pfeife, die die Frau des Seemanns euch gebracht hat, um zu erfahren, ob ihr Mann bei Ward ist.


FACE: Das werden wir morgen begießen; und unsere silbernen Becher und Tavernenkannen. Wo sind die französischen Unterröcke, die Gürtel und Gehänge?


SUBTIL: Hier in der Truhe, und die Ballen Battist.


FACE: Ist DROGERs Damast da und der Tabak?


SUBTIL: Ja.


FACE: Gib mir die Schlüssel.


DORIS: Warum du die Schlüssel?


SUBTIL: Macht nichts, DORIS; damit wir sie nicht öffnen, bevor er kommt.


FACE: Richtig, ihr werdet sie in der Tat nicht öffnen; noch sie herausholen, verstehst du? Nicht heraus, DORIS.


DORIS: Nein!


FACE: Nein, meine wilde Mätresse. Die Wahrheit ist, mein Herr weiß alles, hat mir vergeben, und er wird sie behalten; Doktor, es ist wahr – du schaust so drein – trotz all deiner Berechnungen: Ich habe ihn in der Tat herbeigerufen. Deshalb, gute Partner, mögen sowohl er als auch sie zufrieden sein; denn hier endet der dreiseitige Vertrag zwischen SUBTIL, DORIS und Face. Alles, was ich tun kann, ist, euch hinten über die Mauer zu helfen oder euch ein Laken zu leihen, um dein Samtkleid zu retten, DORIS. Hier werden gleich Beamte sein, überlegt euch schnell einen Ausweg, um dem Galgen zu entkommen: Denn sonst werdet ihr genau dorthin kommen. (Lautes Klopfen) Hört ihr, das ist der Donner.


SUBTIL: Du bist ein kostbarer Teufel!


BEAMTER (draußen): Öffnet die tür.


FACE: DORIS, es tut mir wahrlich leid für dich; aber hörst du? Es wird schwer zugehen, wenn ich dich nicht irgendwo unterbringen kann: Du sollst meinen Brief an Mistress Amo bekommen –


DORIS: Hol dich der Teufel!


FACE: Oder an Madam Caesarean.


DORIS: Beim Teufel, du Schurke, hätte ich doch nur Zeit, dich zu verprügeln!


SUBTIL: Face, lass uns wissen, wo du als Nächstes dein Lager aufschlägst; ich werde dir ab und zu einen Kunden schicken, alter Bekannter halber: Was hast du für einen neuen Plan?


SUBTIL: Schurke, ich werde mich aufhängen, damit ich als größerer Teufel als du umgehen und dich im Strohsack und in der Speisekammer heimsuchen kann!


(Sie gehen ab.)




SZENE 3


Ein Vorzimmer im selben Haus


(LIEBWITZ tritt im spanischen Gewand auf, zusammen mit dem Pfarrer. Lautes Klopfen an der Tür.)


LIEBWITZ: Was soll das bedeuten, meine Herren?


MAMMON (draußen): Öffnet eure Tür, Betrüger, Kuppler, Beschwörer!


BEAMTER (draußen): Oder wir brechen sie auf!


LIEBWITZ: Was für einen Befehl habt ihr?


BEAMTER (draußen): Befehl genug, Sir, zweifelt nicht daran, wenn ihr sie nicht öffnet.


LIEBWITZ: Ist da ein Beamter?


BEAMTER (draußen): Ja, zwei oder drei, für den Notfall.


LIEBWITZ: Habt nur Geduld, ich werde sie gleich öffnen.


(Face tritt als Butler auf.)


FACE: Sir, seid Ihr fertig? Ist es eine Hochzeit? Vollzogen?


LIEBWITZ: Ja, mein kluges Köpfchen.


FACE: Weg mit der Krause und dem Umhang dann; seid wieder ihr selbst, Sir.


SICHERLICH (draußen): Schlagt die Tür ein!


KASTRATUSL (draußen): Zum Kuckuck, reißt sie auf!


LIEBWITZ (öffnet die tür): Haltet ein, haltet ein, meine Herren, was soll diese Gewalt?


(Mammon, SICHERLICH, KASTRATUSl, Ananias, ANFECHTUNG und Beamte stürmen herein.)


MAMMON: Wo ist dieser Kohlenschlepper?


SICHERLICH: Und mein Kapitän Face?


MAMMON: Diese Tageulen.


SICHERLICH: Die in fremden Geldbeuteln fischen.


MAMMON: Madam Suppositoria.


KASTRATUSL: Die Hure, meine Schwester.


ANA: Heuschrecken der finsteren Grube.


TRIB.: So verkommen wie Bel und der Drache.


ANA: Schlimmer als die Heuschrecken oder die ägyptischen Läuse.


LIEBWITZ: Gute Herren, hört mich an. Seid ihr Beamte und könnt diese Gewalt nicht aufhalten?


1. BEAMTER: Ruhe bewahren!


LIEBWITZ: Herren, worum geht es? Wen sucht ihr?


MAMMON: Den alchemistischen Betrüger.


SICHERLICH: Und den kupplerischen Kapitän.


KASTRATUSL: Die Nonne, meine Schwester.


MAMMON: Madam Rabbi.


ANA: Skorpione und Raupen.


LIEBWITZ: Immer schön der Reihe nach, ich bitte euch.


2. BEAMTER: Einer nach dem anderen, meine Herren, ich befehle es euch bei der Macht meines Amtes.


ANA: Sie sind die Gefäße des Stolzes, der Wollust und des Karrens.


LIEBWITZ: Guter Eifer, bleib noch ein Weilchen ruhig.


TRIB.: Ruhe, Diakon Ananias.


LIEBWITZ: Das Haus hier gehört mir, und die Türen stehen offen; wenn es hier solche Personen gibt, wie ihr sie sucht, dann nutzt eure Autorität, durchsucht es in Gottes Namen. Ich bin erst vor Kurzem in die Stadt gekommen, und als ich diesen Tumult vor meiner Tür fand, muss ich gestehen, hat mich das ein wenig fassungslos gemacht; bis mein Mann hier, der meine Missbilligung gegen jegliche Luft der Stadt während der Seuchenzeit kannte und meine größere Verärgerung fürchtete, mir erzählte, er habe etwas unbesonnen gehandelt und mein Haus (wahrscheinlich im Vertrauen auf meine bekannte Abneigung) an einen Doktor und einen Kapitän vermietet; wer diese sind oder wo sie sich aufhalten, weiß er nicht.


MAMMON: Sind sie weg?


LIEBWITZ: Ihr könnt hineingehen und nachsehen, Sir. (Mammon, Ananias und ANFECHTUNG gehen hinein.) Hier finde ich die kahlen Wände schlimmer, als ich sie verlassen habe, berußt, ein paar zerbrochene Töpfe und Gläser und einen Ofen: Die Decke voller Kerzenruß-Verse, und eine Dame mit einem Dildo an die Wände geschrieben – nur eine einzige Edelfrau, die ich hier angetroffen habe, die drinnen ist und sagte, sie sei eine Witwe –


KASTRATUSL: Ach, das ist meine Schwester; ich werde sie verprügeln. Wo ist sie? (Geht hinein.)


LIEBWITZ: Und hätte einen spanischen Grafen heiraten sollen, aber der hat sie, als es so weit war, so schändlich vernachlässigt, dass ich, ein Witwer, Nägel mit Köpfen gemacht habe.


SICHERLICH: Wie! Habe ich sie also verloren?


LIEBWITZ: Wart Ihr der Don, Sir? Wahrhaftig, sie tadelt Euch nun aufs Äußerste und sagt, Ihr hättet geschworen und ihr erzählt, Ihr hättet Euch die Mühe gemacht, Euren Bart zu färben und Euer Gesicht mit Ocker anzumalen, hättet euch einen Anzug und eine Krause geliehen, alles aus Liebe zu ihr – und hättet dann nichts getan. Was für ein Versehen und was für ein Mangel an Entschlossenheit, Sir, war das doch! Da geht doch nichts über einen alten Arkebusier, der sein Pulver laden, abfeuern und treffen kann, alles in einem Augenblick!


(Mammon tritt wieder ein.)


MAMMON: Das ganze Nest ist ausgeflogen!


LIEBWITZ: Was für eine Sorte Vögel waren das denn?


MAMMON: Eine Art Dohlen oder diebischer Elstern, Sir, die meinen Geldbeutel in diesen fünf Wochen um hundertachtzig Pfund erleichtert haben, abgesehen von meinen ersten Materialien; und meine Güter, die im Keller liegen – über die bin ich froh, dass sie die dagelassen haben, die kann ich vielleicht noch nach Hause holen.


LIEBWITZ: Glaubt Ihr das, Sir?


MAMMON: Ja.


LIEBWITZ: Auf dem Rechtsweg, Sir, aber nicht anders.


MAMMON: Nicht mein eigenes Zeug!


LIEBWITZ: Sir, ich kann nicht anerkennen, dass sie Eure sind, außer auf offiziellem Weg. Wenn Ihr eine Bescheinigung beibringen könnt, dass man euch darum betrogen hat, oder einen formellen Gerichtsbeschluss, dass ihr euch selbst betrogen habt, will ich sie nicht zurückhalten.


MAMMON: Dann verliere ich sie lieber.


LIEBWITZ: Das sollt Ihr nicht, Sir, wahrhaftig, durch mich nicht: Unter diesen Bedingungen gehören sie Euch. Was! Hätten sie denn alle zu Gold gemacht werden sollen, Sir?


MAMMON: Nein, das kann ich nicht sagen – Es kann sein, dass sie es sollten. – Was dann?


LIEBWITZ: Was für einen großen Verlust an Hoffnungen habt Ihr da erlitten!


MAMMON: Nicht ich, das Gemeinwesen hat ihn erlitten.


FACE: Ja, er hätte die Stadt neu aufgebaut und einen Graben darum gezogen aus Silber, der mit Sahne aus Hogsden hätte fließen sollen; an dem jeden Sonntag in Moorfields die Jünglinge, Mägde und Wildfänge umsonst hätten schlemmen können.


MAMMON: Ich werde mich auf einen Rübenwagen schwingen und innerhalb dieser zwei Monate das Ende der Welt predigen. SICHERLICH, was ist? Wie im Traum?


SUR.: Muss ich mich etwa selbst betrügen mit diesem blöden Laster der Ehrlichkeit? Komm, lass uns gehen und die Schurken aufstöbern: Diesen Face will ich mir vormerken, wenn ich ihn je wiedersehe.


FACE: Wenn ich von ihm höre, Sir, werde ich Euch Nachricht in Eurem Quartier bringen; denn wahrlich, sie waren mir fremd, ich hielt sie für so ehrlich wie mich selbst, Sir.


(Mammon und SICHERLICH gehen ab.)


(Ananias und ANFECHTUNG treten wieder ein.)


ANFECHTUNG: Es ist gut, die Heiligen sollen doch nicht alles verlieren. Geht und holt ein paar Karren –


LIEBWITZ: Wozu denn, meine eifrigen Freunde?


ANANIAS: Um den Anteil der Gerechten aus dieser Höhle der Diebe fortzutragen.


LIEBWITZ: Was für ein Anteil soll das sein?


ANANIAS: Die Güter, die einst den Waisen gehörten, welche die Brüder mit ihren silbernen Groschen gekauft haben.


LIEBWITZ: Was, jene im Keller, die der Ritter Sir Mammon beansprucht?


ANANIAS: Ich verabscheue den gottlosen Mammon, das tun alle Brüder, du gottloser Mensch! Ich frage dich, mit welchem Gewissen du dieses Götzenbild gegen uns erheben kannst, die wir das Siegel tragen? Wurden die Schillinge nicht gezählt, die die Pfundstücke ausmachten; wurden die Pfundstücke nicht abgezählt am zweiten Tag der vierten Woche, im achten Monat, auf dem Ruhetisch, im Jahr der letzten Geduld der Heiligen, sechshundertzehn?


LIEBWITZ: Mein eifriger, stürmischer Flicker und obendrein Diakon, ich kann mich nicht mit Euch herumschlagen; aber wenn ihr euch nicht bald fortmacht, werde ich euch mit einem Knüppel widerlegen!


ANANIAS: Sir!


ANFECHTUNG: Seid geduldig, Ananias.


ANANIAS: Ich bin stark und werde fest umgürtet dastehen gegen eine Heerschar, die Gott in der Verbannung bedroht.


LIEBWITZ: Ich werde euch nach Amsterdam schicken, in euren Keller!


ANANIAS: Ich werde dort gegen dein Haus beten: Mögen Hunde deine Wände schänden, und Wespen und Hornissen unter deinem Dach brüten, diesem Sitz der Falschheit und dieser Höhle des Betrugs!


(Ananias und ANFECHTUNG gehen ab.)


(DROGER tritt ein.)


LIEBWITZ: Noch einer?


DROGER: Ich nicht, Sir, ich bin kein Bruder.


LIEBWITZ (schlägt ihn): Weg mit dir, du Harry Nicholas! Redest du noch?


(DROGER geht ab.)


FACE: Nein, das war Abel DROGER. Guter Sir, geht (zum Pfarrer) und setzt ihn ins Bild; sagt ihm, alles ist erledigt: Er hat zu lange gebraucht, um sich das Gesicht zu waschen. Von dem Doktor wird er in Chester hören; und vom Kapitän, sagt ihm, in Yarmouth oder einem anderen guten Hafenstädtchen, wo er auf Wind wartet. (Pfarrer geht ab.) Wenn Ihr jetzt den wütenden Knaben besänftigen könnt, Sir –


(KASTRATUSl tritt auf und zerrt seine Schwester herein.)


KASTRATUSL: Komm schon, du Aue, du hast dich ja ganz allerliebst verheiratet, nicht wahr? Habe ich nicht gesagt, ich wollte nie, dass du von jemand anderem beschlafwandelt wirst als von einem geschlagenen Jungen, um dich zu einer Lady-Tante zu machen? Zum Teufel, du bist eine Puppe! O, ich könnte dich jetzt durchschütteln. Tod und Verdammnis, musst du denn heiraten, beim Teufel noch mal!


LIEBWITZ: Du lügst, Junge; sie ist gesund wie du, und ich bin dir zuvorgekommen.


KASTRATUSL: Wie bitte?!


LIEBWITZ: Nun, willst du dich streiten? Ich werde dich das Fürchten lehren, Bursche; warum schnallst du nicht deine Werkzeuge an?


KASTRATUSL: Zum Kuckuck, das ist ein feiner alter Knabe, wie ich ihn noch nie gesehen habe!


LIEBWITZ: Was, änderst du jetzt plötzlich deine Tonart? Nur zu; hier steht meine Taube: Stürz dich auf sie, wenn du wagst.


KASTRATUSL: Zum Teufel, ich muss ihn einfach mögen! Ich kann gar nicht anders, bei meiner Treue, selbst wenn ich dafür aufgehängt würde! Schwester, ich schwöre, ich verehre dich für diese Heirat.


LIEBWITZ: Ach, tust du das, Sir?


KASTRATUSL: Ja, und wenn du Tabak rauchen kannst und trinken, alter Junge, gebe ich ihr noch fünfhundert Pfund mehr zur Hochzeit, als ihr eigenes Vermögen beträgt.


LIEBWITZ: Stopf eine Pfeife voll, Jeremy.


FACE: Ja; aber geht hinein und raucht sie dort, Sir.


LIEBWITZ: Das wollen wir – ich will mich in allem von dir lenken lassen, Jeremy.


KASTRATUSL: Zum Kuckuck, du bist nicht zimperlich, du bist ein verwegener Kerl! Komm, lass uns hineingehen, ich bitte dich, und unsere Pfeifen schmauchen.


LIEBWITZ: Schmauche hinein mit deiner Schwester, Brüdermonster.


(KASTRATUSl und Dame FÜRBITT gehen ab.)


Der Herr, der durch einen Diener ein solches Glück in einer solchen Witwe und mit so viel Reichtum empfangen hat, wäre wahrlich undankbar, wenn er nicht ein wenig Nachsicht mit dem Witz dieses Dieners zeigte und ihm zu seinem Glück verhälfe, wenn auch unter einer kleinen Beugung seiner eigenen Anständigkeit. (Tritt nach vorne) – „Darum, meine Herren und gütigen Zuschauer, falls ich die Ernsthaftigkeit eines alten Mannes oder ein strenges Gesetz überschritten habe, so bedenkt, was eine junge Frau und ein guter Verstand vermögen; biegt die Wahrhaftigkeit des Alters manchmal und brecht sie sogar ein wenig. Sprich für dich selbst, du Schuft.“


FACE: (Tritt vor an die Rampe)


„Nun, das will ich, Sir. –

Meine Rolle fiel in dieser letzten Szene zwar ein wenig klein aus,

Doch es war schicklich. Und obwohl ich heil

Entkommen bin aus SUBTILs, SICHERLICHs, Mammons, DORISs,

Des hitzigen Ananias, DAPPELs, DROGERs Netz,

Mit denen ich gehandelt: dennoch leg ich jetzt

Mich ganz in eure Hand, mein werter Kreis:

Und diese Beute, die mein Gewinn nun heißt,

Die soll, wenn ihr mich freisprecht, uns zum Mahl

Dienen und neue Gäste laden jedes Mal.“


(Alle gehen ab.)