BEOWULF

Nachgedichtet von Torsten Schwanke



Lauscht! Lob der leuchtenden Landesfürsten,

der speertragenden Söhne Dänemarks,

deren Ruhm wir rauschend rühmen,

deren Heldenehre hoch erklingt!


Oft zog Scyld, der Scefing-Sohn,

siegreich vom Sumpf die Sippe fort,

riss von Räuberbanden das Recht,

nahm ihnen den Met und Machtgewinn,

erschreckte Edle – ein einsamer einst,

von Freunden verlassen, vom Fjord gespült,

doch das Schicksal schuf ihn stark:

unter Himmels Hülle wuchs sein Haus,

reich ward er, Ruhm ward sein.


Fern und nah, wo der Wale Weg

die Männer führt – da folgten viele

seinem Ruf. Gaben gaben sie

dem guten König, Geber der Ringe!


Ein Erbe erwuchs ihm: ein edler Sohn,

den Himmel sandte, hehr und weise,

zu lindern das Leid des leidgeprüften Volks,

das lange ohne Lenker lebte.

Der Herr der Wunder, hoch in den Höhen,

gab ihm Glanz – den Geistern zur Ehre.


Berühmt ward Beowulf, Banner des Ruhms,

Scylds starker Sohn in den Skandinavischen Landen.

So ziemt sich’s für einen: zahlt mit Gaben

den Freunden des Vaters – fest im Bund,

damit dereinst, wenn das Dunkel droht,

getreue Gefolgschaft dem Greis noch helfe.


Dann fuhr er fort, vom Fatum geführt,

Scyld der Starke, zur Stille Gottes.

Sie trugen ihn treu zur tosenden See,

wie’s der Held geheißen, hochgemut.


Im Hafen harrte ein herrliches Schiff,

eisbesäumt, edel geschmückt,

die Fürstenbarke. Voll Fülle beluden

sie den Leib des Lords mit leuchtenden Gaben,

neben den Mast den Mächtigen gebettet,

mit Schätzen von fern, mit Schilden und Klingen,

Kettenhemd, Krone, kostbares Gut –

ein Hort für die Heimfahrt ins Heilige Dunkel.


Nie sah ich ein Schiff so schwer beladen

mit Waffen und Wehr und wuchtigem Glanz.

Hoch hoben sie das Heerkönigsbanner,

das Goldgewebe – dem Gott geweiht.


Dem Meer gaben sie ihren mächtigen Herrn,

still stand der Stamm – stumm ihr Herz.

Keiner kennt die Küste des Königs Grab,

kein Mann, kein Mündiger nennt den Ort.


Fortsetzung – Hrothgars Hall und Grendels Groll


Beowulf wohnte bei den Waffenbrüdern,

bis Healfdene herrschte, Held der Stämme,

weise und wachsam, Würde im Blut.

Vier Fürstensöhne folgten ihm:

Heorogar, Hrothgar, Halga der Kühne,

und eine Tochter, des Dänenreichs Zier.


Hrothgar wuchs, gewann an Macht,

sein Ruhm rauschte durch Reiche weit.

Ein Hallenhaus hieß er heben,

mächtig wie nie im Menschenland:

Heorot – die Halle, hoch und breit,

eine Gabe für Groß und Gering.


Gold und Gunst gab er mit Freuden,

ringsum ragte der Ruhm der Halle,

doch nicht fern war des Feuers Fluch.

Denn Neid erwachte, Natternherz haschte

ein finst'rer Feind in feuchtem Moor:

Grendel, der Grau'nvolle, Grimmiger Geist,

ein Erbe der Erzdunkelheit, Kind der Kälte.


Verbannt vom Vater aller Wesen,

verstoßen wie Kain, der Kinderschlächter.

Der Schöpfer strafte die Schuld mit Fluch,

trieb ihn tief ins Dunkelreich.


Grendel hörte das hallende Lied,

der Harfen Klang, der Himmel besang:

wie Gott das Gras, den Glanz der Sterne,

Sonne und See, das Seiende schuf,

den Menschen das Maß der Morgenwelt gab.


Lange lebten die Leute in Lust –

bis Grendels Gier die Gnade verzehrte.


Aus Kains Geschlecht kam kaltes Grauen,

Etins und Elben, Eisengeister,

Riesen, die rauchten im Rachekrieg

wider den Gott – doch gebüßt ward es!


Nachts nun nahte der namenlose,

Finsters Fährte folgte er leis,

wo Dänen, trunken, das Dunkel suchten,

wo Helden ruhten, hoffnungsvoll,

furchtlos nach Festgelagen.


Da griff der Gräuliche, grausam gierig,

wachsam im Wahnsinn, wütend bald

dreißig der Dänen aus dunklen Betten,

schleppte sie schaurig, schritt heimwärts,

beladen mit Leichen, Lohn seines Bluts.


Bei Dämmerung, da dämmerte klar:

Grendels Macht – nun war sie bekannt.

Wach ward das Weh, das Wehgeschrei,

laut im Licht, Leid in den Hallen.

Der Fürst, verzweifelt, verharrte stumm,

Gram in der Seele – die Spur des Unholds

zeichnete Zorn in zitterndes Herz.


Zu grausam die Gier, zu groß das Leid,

zu lang das Bangen, das Land zerfraß.

Nicht Ruhe, nicht Rast – des Nachts erneut

schlug er zu, ohne Schuldgefühl,

blind in der Blutschuld, brannte in Hass.


Wer fliehen konnte, floh in die Ferne,

fern der Halle, floh in die Nacht,

als offenbar wurde, in offener Spur,

des Hasses Herkunft, Heorots Leid.

So herrschte der Hasser, hielt das Haus,

entweihte den Weinpalast mit Wut.


Zwölf Winter währte die Wehzeit dort,

Hrothgar, der Herrscher, hielt in Gram

unaussprechliches Übel aus,

Seelenlast, Sorgenflut.


Kund ward das Klagelied, klang durch Länder,

Grendels Grauen, das Geißelspiel,

sein mörderisches Messen mit Menschen,

sein blutiges Band, das brach nie ab.

Nie bot er Bündnis, nie bat er um Gold,

kein Frieden, kein Pfand – nur Feindesblick.


Der Todesschatten drohte Alt und Jung,

lauerte lautlos im langen Dunkel,

moorwärts, nebelwärts – niemand kennt

Grendels Heim, das höllische Grab.


So schuf er Schrecken, schürte Leid,

nachts regierte er, nahm die Hall’.

Nie trat Hrothgar zum Thron heran –

verwehrt vom Willen des Weltenrichters.


Die Edlen saßen, ersannen Rat,

wie dem Grauen zu gebieten sei.

Man opferte alt, in alten Tempeln,

flehte den Finstren um Frieden an –

ein heidnisches Hoffen, Höllenblick.


Nicht kannten sie Christus, kannten nicht Gott,

nicht den Lenker des Lichts, den Herrn des Himmels.

Wehe dem Mann, der im Mord vergeht

und dem Feuer folgt – ohne Erlösung!

Doch selig der Seele, die sich dem Herrn

nach dem Tode in Treue neigt,

und Freundschaft findet im Vaterhaus.


So litt Hrothgar, Leid auf Leid,

keiner der Klugen konnte ihn trösten.

Da hörte ein Held im Heimatland,

Hygelacs Kämpfer, kund von der Not.


Er war der Stärkste, standhaft und stolz,

bereit zur Reise, rief seine Männer.

Über Schwanenmeer schiffen sie bald,

fünfzehn Gefährten, furchtlos gewählt.


Sie trugen Schilde, stiegen an Bord,

das Boot bebte, brandete vor,

wie ein Vogel flog es vom Wind geführt,

durch Wellen und Wasser, wallte gen Dänemark.


Bald erblickten sie das blasse Land,

Hügel und Höhen, heil’gen Strand.

Dankten dem Herrn, der die Fahrt beschirmt,

für Frieden auf Pfaden des wilden Meers.


Ein Wächter wachte am wogenden Hang,

sah Schilde schimmern, staunte sehr –

wer mochten die Männer sein,

mit glänzenden Waffen, geschlossnen Reihen?


Zum Strand stürmte stracks sein Streitross,

Hrothgars Helfer, der hehre Wächter.

Mit mächtiger Macht hob er den Speer,

sprach in Strenge:


„Wer seid ihr, Streiter in stählerner Schar,

fremde Fahrende, fernher gekommen,

die das gewaltige Wellengefährt

kühn durch die Küste gekehrt habt hier?

Ein Wächter bin ich, weise gesetzt

zum Schutz des Strandes, Schirmer des Volks,

dass Feinde fern von den Freunden blieben.

Noch nie sah ich, nah an den Marken,

solche Männer mit mächtigen Waffen,

ohne Erlaubnis, offen sich zeigen.

Doch sagt mir, Seefahrer, schnell,

woher ihr kommt, was euch hierher treibt,

ehe ihr weiter wandert — als Wächter

muss ich’s wissen!“**


Da trat hervor, treu und stolz,

der Erste der Edlen, öffnete das Wort:


„Wir stammen aus südlichen Sippenlanden,

Gefolgsleut’ des Fürsten, des friedlichen Hygelac.

Mein Vater war Ecgtheow, ehrvoll genannt,

alt und geehrt, in allen Gauen

als Edler erkannt, weithin bekannt.

Jetzt reisen wir recht zum reichen König,

Healfdenes Sohn, mit heiliger Pflicht,

zu Hrothgar dem Hohen, Hilfe zu bringen.

Denn wir hörten vom Hader der Nacht,

von finstren Feinden, furchtbarer Schatten,

die Gram und Grauen dem Gute gebracht.

Ich, Beowulf, biete mich an,

mit starker Seele dem Streit zu trotzen,

dass Leid sich löse, Lasten enden

und Heil dem Haus wieder heimkehre.“**


Der Strandwart stand, stolz und fest,

und sprach voll Sinn, der seelenklare Mann:


„Ein wahrer Wächter weiß zu erkennen,

wer in Worten und Werken ehrlich.

Ihr scheint mir edel, ernst in der Sache.

So zieht nun zu Hrothgar hin,

mit Waffen und Wehr — den Weg weise ich.

Euer Schiff sei sicher bewacht,

solang ihr im Saal des Siegers verweilt.

Möge das Meer euch, Männer der Geats,

heil zurück zu Heimat tragen!“**


Sie schritten von dannen, Schildträger tapfer,

ihr Schiff lag still, straff vertäut,

das breite Boot bandfest am Ufer.

Über Wangen wölbten sich Wildschwein-Helme,

goldgegossen, glänzend im Licht,

Grimm und Glanz schützten die Krieger.

So marschierten Männer zum mächtigen Bau,

hoch und hehr, herrlich geschmückt,

Haus über Häusern, Hrothgars Halle,

deren Glanz über Gauen glänzte.


Der Schildmann zeigte sie stolz empor,

bat sie betreten, bog dann den Weg,

wandte den Rappen, rief zum Abschied:


„Nun segne euch sanft der Schöpfer der Welt,

Vater im Himmel, euch Fahrende leite!

Ich wache am Wasser, warne das Land.“


Steinhell strahlte der Straße Band,

führte die Fremden, fernher gekommen.

Die Kettenhemden klirrten im Tritt,

Stahl sang scharf auf den starken Leibern.

Sie legten die langen, leuchtenden Schilde,

lehnten sie leise längs der Mauer,

setzten sich schweigend, schwer vom Meer.

Speere standen, spitz zum Himmel,

graue Aschstäbe, geordnet im Schwarm —

eine waffenweise, würdige Schar!


Ein Kriegskundiger kam heran,

kundschaftend, fragte:


„Von woher kommt ihr, Krieger so kühn,

mit blinkenden Bögen, bronzefestem Helm,

mit Speeren und Schilden, stolzem Geschirr?

Solch’ starke Männer sah ich noch nie

als Fremde treten in festen Reihen.

Wohl seid ihr nicht wegen Wankelmut hier,

sondern voll Tugend, zum Treuen bereit?“**


Der Helmbehängte hob das Wort,

der Wederer sprach, wehrhaft und wahr:


„Wir, Hygelacs Helden am Herd,

ich heiße Beowulf, bekenne mein Ziel:

Dem König der Dänen Kunde zu bringen,

groß ist das Anliegen, gut der Wille.

Wenn’s ihm gefällt, gewährt er uns Gnade,

der Ringverteiler, der Ruhmreiche.“**


Wulfgar antwortet, Wendelns Fürst,

weise bekannt, wuchs an Rat:


„Dem Dänenkönig deut ich dies Wort,

das ihr hier bringt, mit treuem Herzen.

Ich gehe geschwind, gebe Bescheid,

was der ruhmreiche Herr euch rät.“


Hurtig nun hastet der Held zur Halle,

wo Hrothgar hockte, der hochbetagte,

weiß wie der Winter, umworben von Weisen,

rings seine Recken, ruhmreiche Männer.

Der Däne trat denn dicht an die Seite

des Königs von Kienland, kundig der Sitte.


Wulfgar wendet Worte dem Weisen:

„Fernher gefahren, vom Flutweg getragen,

fremde Gesellen aus Geatens Gefilden.

Der Größte, genannt mit gewaltigem Namen,

ist Beowulf, Banner der Braven.

Ein Bittgang bringt sie, bitten um Rede

mit dir, du Herrscher der Helden-Dänen.

Würdig im Waffenrock, wehrhafte Männer –

ihren Anführer ehrt das Auge!“


Hrothgar, Helm der Haddinger, sprach:

„Ich kannte den Krieger in kindlicher Kraft,

Ecgtheows Erbe, edlen Stammes.

Sein Vater war Freund mir – frohen Muts

gab Hrethel die Tochter dem tapferen Mann.

Nun kommt ihr Kind, kühn, mir zu helfen.


Auch sprachen mir Seeleute selbige Kunde,

die Gaben mir brachten gen Geatenland:

Dieser Beowulf, berühmt in der Schlacht,

habe Händekraft wie dreißig Helden.

Gegeben hat Gott den Geaten-Sohn

den Dänen zur Hilfe, den Höllenfeind

Grendel zu binden. Groß ist mein Dank!

Spute dich, sende sie sogleich herein!

Willkommen sind sie, wackere Gäste.“


Wulfgar wandte sich, weiter kein Wort,

und brachte Botschaft dem Beowulf bold:

„Hrothgar, der Herrscher, heißt euch willkommen,

Männer von Mute, mit mächtigen Seelen.

Geht nun getrost mit gehärtetem Helm,

doch lasst eure Lanze, lasst Leibwehr und Schild –

der König begehrt nur das klare Gespräch.“


Da erhob sich Beowulf, edel im Ringpanzer,

tapferer Tross trat mit ihm ein.

Stahl blinkte, das Kunstwerk der klugen Schmiede.

An Hrothgars Herd trat Held zu Held.


Beowulf begann, bebte nicht im Wort:

„Heil dir, Hrothgar, Herr der Dänen!

Hygelacs Knecht bin ich, kühner Geselle.

Kunde von Grendel kam mir zu Ohren,

in meinem Lande laut vernommen:

Leer steht dein Saal, wenn sinkt die Sonne,

und Grendel der Gierige grausam wütet.

Drum rieten die Recken, rühmliche Männer,

dass ich mich aufmache, mächtig der Tat.

Fünf hab ich festgenommen im Kampf,

nachts hab ich Nicoren niedergemacht.


Nun biete mir, Bogen der Dänen,

die Ehre des Einzels – eins gegen eins!

Weder Schild noch Schwert will ich schwingen,

denn Grendel flieht ehrenhafte Waffen.

Mit Händen nur halt ich mich ihm entgegen –

sei Gott der Gerechte der Geber des Ausgangs.

Fall ich, so falle ich – friss er mein Fleisch,

rot sei die Ruhestatt rings in den Sümpfen.

Du brauchst dann nichts für mein Leben zu tun.

Nur sende mein Schild, mein schönstes Gewand,

an Hygelac heim – Hrethels Erbe,

Waylands Werk, dem Waffenmeister.“


Hrothgar erhob sich, der Helme der Scyldinge:

„Du kamst mit Kühnheit, kundiger Freund,

zum Schutze der Scyldinge, Schreck uns zu nehmen.

Dein Vater floh einst, floh vor der Rache,

erschlug er Heatholaf, Held der Wylfinge.

Da nahmen wir ihn, als Not ihn trieb,

als ich jung war und das Jarlreich hielt,

das Erbe von Healfdene. Heorogar war tot –

mein Bruder, mein Besserer, begraben im Grab.“


„Gleich legte ich Lohnstreit, ließ Lasten gleiten

zu Wylfings weit, über Wasserwogen,

sendete Schätze, schwur mir der Schwur.

Schmerzlich schwillt mir die Seele, zu sagen

Menschenmein, was mir in Heorot

Grendel mit Grimm an Grausamkeit tat,

wie plötzliche Plagen das Volk mir raubten,

Helden halbten — der harte Wyrd

warf sie in Grendels grausige Klauen.

Doch Gott vermag, den Feind zu wenden,

das mordende Monster in Maß zu binden!


Oft prahlten die Prinzen beim prunkvollen Becher,

bei goldglänzendem Gerstentrank,

dass sie bleiben beim blutigen Mahl,

Grendels Griff mit glänzender Klinge

grausam vergelten. — Doch graute der Morgen,

blutig war Bank, die Bänke besprengt,

rotes Regen, der Raum entweiht —

Helden verloren, Lieblinge tot.


Doch setz dich zum Schein, sprich frei vom Sinn,

mutiger Mann, wie das Herz dir meint.“


Geaten versammeln sich, gesetzt an den Bänken,

tapfre, treue, im Trunk vereint.

Diener bringt den Drink, den deutlichen Met,

reicht ihn reihum, rühmliche Lieder

singt bald der Sänger, selig in Heorot,

Freude in Frohsinn, Friede in Wort.

Weder und Dänen, wahrhaft geeint.


UNFERTH erhob sich, Ecglafs Erbe,

saß nah beim Sessel des Siedelungsfürsten,

löste die Runen, rief voller Groll:

Beowulfs Reise brannte ihn böse,

Neid nagte — nie konnte er dulden,

dass andere Ehre erlangten auf Erden,

Ruhm unter Regen, rühmlich und echt.


„Bist du Beowulf, Brecas Gefährte,

der trotzig im Tiefen des tosenden Meers

mit Mut sich maß, Männer verließ,

um stürmisch zu schwimmen, Stolz euch trieb?

Keiner konnte, kaum einer wollte

euch wenden vom Werk in wildem Wasser.

Winterwellen, wogend, euch trugen,

sieben Nächte — doch siegte Breca,

trieb zur Küste, gekrönt mit Ruhm,

heim zu den Brondings, Brüder begrüßten

ihn in der Halle. — Hoch ragt sein Ruhm.

Drum denk ich, dir droht des Dämons Faust,

Grendel wird grausam die Gier dir zeigen,

wenn du nachts ihn nahen lässt.“


Da sprach Beowulf, Ecgtheows Sohn:

„Was du da wagst, ist wirres Wort,

bierbetrunken, berichtest von Breca.

Doch wahr ist’s: ich war der Weiteste,

kraftvoll im Kampf, kühn in den Fluten.

Als Jünglinge, jung, jenseits der Jahre,

boten wir beide, das Meer zu bezwingen.

Mit Schwertern schwammen wir, scharf gezogen,

gegen Walwesen, Wellenungeheuer.


Nicht wich er weit, nicht ward er mir fern,

wir blieben beieinander, bis die Brandung brach,

der Sturm uns spaltete, das Spiel des Schicksals,

Nordwind wütete, Nacht wurde schwarz.

Doch hartes Hemd, Helm aus Ringen,

hielt mich heil — und der Hass kam näher.


Ein Meer-Monster, mordgierig, packte

mich mit Griffen, grausam gezerrt.

Doch ich durchbohrte die Bestie mit Blankem,

Schwert aus Stahl, sie sank in die Tiefe.

Oft griffen mich die grausigen Schwärme,

doch meine Klinge, klar und gerecht,

teilte Tod — kein Tier da triumphierte.


Am Morgen lagen sie, metzlig zerschlagen,

an Ufern, aufgerissen, Opfer des Stahls.

Seither sind Seefahrer sicher vor Schatten,

das tiefe Düstere droht ihnen nicht.

Denn hell kam der Herr, des Himmels Licht,

Wellen wichen — ich ward gewahrt

hoch die Hügel, Heimat am Meer.


Denn Wyrd bewahrt, wenn Würde ihn leitet,

den Unverurteilten, der edel ist.“


Und so geschah’s – ich erschlug mit dem Schwert

neun Nicker, Nachtwesen, nahe dem Grund.

Nie hörte ich härtere Heldenschlacht,

nicht unterm Himmel, noch auf hoher See

war je ein Mann so mutlos, allein!


Doch unversehrt, vom Sturm versehrt,

entrann ich dem Griff der grausamen Gier.

Das Meer, die Macht der mondhellen Flut,

hob mich empor und warf mich an Land,

an Finnlands Felsen – feucht war mein Leib.


Von dir, o Dünkelnder, deutet kein Ruf,

kein Klang der Kunde von Klingengetümmel,

von bitterem Brand und blutigem Krieg!

Breca, dein Bruder im brüstenden Wort,

wagte nie Werke wie ich im Wogendunkel!


Ich prahle nicht – das Preiswort steht

nicht mir zur Mütze. Doch du, Unheilbote,

warst der Verderber der väterlich Nahen,

erschlugst Geschwister mit sündiger Hand –

darum erwartet dich ewige Nacht!


Wahrlich, Sohn Ecglafs, wenn du so wacker,

so kampfgeboren wie dein Klang im Maul,

dann hätte Grendel – grausiger Wurm –

niemals genagt an edlem Gefolg,

nicht Heorot heimgesucht, höhnisch und kühn.


Er fand bei euch keine Fehde zu fürchten,

kein Schwert, das seine Schuppen schneidet,

kein Dänenherz, das ihn dämonisch drängt.

So tötet er, trotzt euch, trinkt euer Blut –

feiert mit Fäusten – fürchtet kein Recht!


Doch jetzt, o Natter, nun nah ich mich selbst!

Ich zeige dem Schänder die Stärke der Geaten.

Wer will, mag lagern, lauschend auf Licht –

wenn morgen früh mit mildem Schein

die Sonne des Südens die See überstrahlt!


Da lachte der Lehnsherr, licht in den Haaren,

der weise Wächter der waffenfrohen Dänen,

dankt’ dem Geaten für dessen Gedankenkraft.

Frohsinn flog durch den Festsaal hell,

frohe Gesichter, freundliche Worte.


Wealhtheow kam – Königin klug –,

goldgeschmückt, groß im Geiste,

begrüßte die Gäste mit gütiger Hand.

Zuerst dem Fürsten, dem friedlichen Herrn,

reichte sie höflich den honigsüßen Kelch.


Er nahm’s mit Freude, der Feier gewohnt,

und Becher und Bank gab's Beowulf bald.

Dann zog die Dame durch Dänen und Gäste,

trug Trank und Trost zu den Treuen ringsum.

Zuletzt – zum Löwen, dem leuchtenden Mann –

brachte sie Becher und betete stumm.


Sie dankte dem Herrn, dem himmlischen Lenker,

dass Hoffnung nun harrte auf Heldenmut.

Er nahm das Gefäß, der Geatengott,

sprach dann so stolz, kampfbereit:


„So sann ich’s im Sinn, beim Segelbeginn –

dass entweder Erfüllung erfährt euer Wunsch

oder ich falle, fest in des Feindes Faust.

Ich bin bereit, mein Blut zu bringen,

den Tod zu treffen in Dänenhalln.


Ein Mann soll muthaft dem Monster trotzen –

so dacht’ ich, und dies ist mein Daseinsziel!“


Wealhtheow nickte, mit Weisheit erfüllt –

ein edles Gelöbnis, ein Geisteslicht.

Goldblinkend glitt sie an Gattenseite,

da hob sich erneut der Heldenhall.


Worte, Weisen, Wonneklang

füllten die Feste, bis fern schon nah

die Nacht herantrat mit nebliger Macht,

und dunkle Dämonen durch Dämmerung gingen.


Da sprach Hrothgar, der Heldengerechte:

„Nie zuvor, seit Schwert ich hielt,

gab ich die Halle in Hand eines Manns.

Doch nun, du Geate, gilt dir mein Glaube.

Wache mit Mut, mit würdigem Sinn –

dann scheitert dir nichts, was Schicksal dir bringt!“


Der Fürst fiel nieder, die Fäuste gebettet,

das Haupt des Helden auf hartem Kissen.

Seeleute sanken, schweigend schlafend,

auf Bänken im Bau der Burg der Dänen.

Keiner kannte die kommende Fahrt,

dass heim sie kehren – hofft' es keiner –

zur geliebten Geleitschaft, gelobtem Land.


Wohl wussten sie: Waffen-Tod

rafft im Rausch der Runenhalle

tapfere Thane, zahllos dahin.

Doch Trost und Tugend, Trutz im Kampf,

schenkte der Schöpfer dem Schar der Weder.

Ein Mann, ein Mut – meisterlich stark –

stürzte den Schrecken, standhaft allein.


So spricht das Lied: der höchste Lenker,

Gott der Geister, gibt seine Hand.


Durch dunkle Dämmerung, dämonenhaft,

kam der Schleicher, Schattenwandler.

Schliefen die Schildmänner, stumm in der Halle,

wach nur einer – weithin gerühmt.


Denn kein Geistergraus, gegen Gottes Wille,

warf diesen Wächter ins wüste Dunkel.

Wach und wehrhaft, wutbereit

harrte der Held des Hasses Schlacht.


Da, aus dem Moor, mit Mordgedanken,

stieg Grendel, von Gottes Groll getrieben.

Er sann auf Seelen, seufzende Beute,

in Hallen der Helden Hunger zu stillen.

Durch Nebel und Nacht, nahe dem Bau,

sah er das Haus, das hell ihm strahlte,

goldenes Gemäuer, geziert mit Glanz.


Nicht neu war ihm der nächtliche Weg –

doch nie in Nächten, nimmer zuvor,

traf er in Türmen tapfere Männer.


Er schritt zur Stätte, schändlich voll Zorn,

die Pforte zerbrach, brüllend vor Wut.

Die Halle heulte, Hölzer krachten,

als der Feind die Schwelle mit Faust erschlug.


Stolz trat er ein, stracks durch die Halle,

der Böse mit Blicken, blutgierig funkelnd,

Feuer im Auge, Furcht im Glanz.


Er sah sie schlafen, Seite an Seite,

Thane und Treue, tief in Träumen.

Da lachte sein Herz, höllisch froh,

denn bald, beim Morgen, blutig das Mahl!


Doch Wyrd, das Webende, wandte das Blatt –

kein Mann mehr fiel ihm in dieser Nacht.


Hygelacs Held harrte dem Hader,

lauschte dem Lärm, las in der Finsternis.


Grendel verweilte nicht, griff sich den ersten,

zerriss ihn rasend, riss ihn in Stücke,

biss in das Bein, brach ihm die Brust,

schluckte das Fleisch, schwelgte am Blut.


Dann, hungrig noch, hob er die Hand –

doch traf auf den Thronerben, trotzig und stark.

Der griff ihn, fest, griff ihn mit Groll,

der Feind erstarrte, fühlte die Kraft.


Nie fand er auf Erden, in all seinen Tagen,

einen Gegner mit größerem Griff.


Er floh, der Feind, wollte Finsternis suchen,

doch hielt ihn der Held, hielt seine Hand.

Grendel rang, der Griff zerbrach ihm

Finger und Hoffnung – vergebens das Weichen.


Wie Donner dröhnte die dämonische Nacht,

Hallend heulte der Hallenbau.

Doch stürzte nicht, stand stolz die Halle,

fest verschlossen mit fester Kunst.


Meadbänke krachten, Männer erwachten,

hörten das Heulen, das Höllen-Gewinsel,

das klagende Keuchen, das Kreischen des Feindes.


Denn fest gefasst, von furchtlosem Mann,

war Gottes Gegner – gehemmt, gebannt.


Nicht duldeten Dänenfürsten,

dass der Mörder möge leben,

Schlächter, schändlich, schattengeboren,

nutzlos den Jahren, namenlos sterbend.


Viele von Männern, mit mächtigen Schwertern,

ergriffen die Klingen, ehrwürdiges Eisen,

um den Fürsten, den gefeierten,

zu retten, den Ruhmreichen, Reichsbeschützer.


Doch wähnten sie wenig – wie sie den Würger

umschlossen im Streit, stark und stürmend –

dass kein Schwert, keine schärfste Schneide,

kein Eisen auf Erden ihm Elend brächte.


Von Bann befreit war der böse Feind,

keine Klinge konnte ihn kränken.

Doch kam sein Ende, elend und hart,

an jenem Tage, der Tod war nah.


Denn wer zuvor voller Hass und Heilverachtung

manchen Mann mitleidlos schlug,

fiel nun selbst: Fleisch zerfetzte,

Knochen barsten, Körper zerbrach.


Fest hielt ihn der Fürst der Geaten,

Hygelacs Held – heil war keiner.

Grendel schrie, grausam getroffen,

Schulter zerspalten, Sehnen zerschnitten,

Knochengestell geborsten, gebrochen.


Beowulf blühte im Blut des Sieges,

Grendel floh, gar tödlich verwundet,

zurück in die Tiefen, trollgleich wankend,

ins moorige Nest, das nimmer ihn nahm.


Er wusste – sein Weg war zu Ende,

kein Leben mehr ließ ihm das Los.

Die Dänen frohlockten, das Dunkel war weg,

der Halle Herrlichkeit heil und neu.


Der fremde Feind war fortgejagt,

das Nachtwerk gelungen – den Nordleuten Ehre.

Beowulfs Tat, tapfer und kühn,

löschte das Leid, das lang sie litten,

den Schmerz der Schlachten, schmerzlich empfunden.


Zum Zeichen des Sieges zeigte man dann

unter dem Dach der Dänenhalle

Grendels Griff – den grausamen Arm,

Schulter und Klaue – kraftlos nun.


Morgens kamen Männer zusammen,

Kriegskundige, kund aus Fernen,

um das Wunder zu sehen, das Werk der Gewalt,

den Fluchgeborenen fliehend geschlagen.


Blutig brodelte die Brandung dort,

heiße Wogen wallten rot,

dampfend vom Blut, das der Dämon verlor.

Seine Seele sank in die Sümpfe der Nacht,

die Hölle nahm ihn, den Heidenfeind.


Heim ritten dann die Helden zurück,

auf weißen Rossen, ruhmreiche Reiter.

Und laut lobten sie Beowulfs Taten,

keiner kannte kühnere Kraft,

nicht südlich, nicht nördlich – nah noch fern.


(Doch ehrten sie auch Hrothgar, den Herrn,

den gütigen König, gerecht in Gaben.)


Oft dann, in edlem Eifer,

rannten Reiter, rastlos im Spiel.

Und ein Skaldenmann, mit Sagen vertraut,

band Worte weise in wuchtigen Reim,

sang von Sigemund, dem siegreichen Helden.


Von Wanderung weit, von Wunden und Kämpfen,

sprach er dem Volk – von Feuer und Drachen,

von Goldhort und Glanz, den der Griff errang.


So lebte der Mut in Liedern weiter,

von Mann zu Mann, von Mund zu Mund.


Oft, o wahrlich, in vergangenen Wochen,

wehklagten Weise um des Waffenkämpfers Weg.

Sie hofften Hilfe, Heil von ihm,

vom Herrensohn, dem Held der Scyldinge,

dass er des Vaters Volk verteid’ge,

Hort und Heim, das heilige Land.


Doch — so sprachen die Speerträger leise —

lieber war ihnen der leuchtende Neffe

Hygelacs Held, hehr in Treue,

nicht wie der andre, der argen Triebe

verfallen war, vom Verderben verlockt!


Erneut nun rasten Rennpferde,

die Wege weit, in Windeseile,

der Morgen stieg mit mildem Schein,

Männer eilten, mit mutigem Sinn,

zu staunen das Stattliche, stark und erhaben.


Hort-Hüter trat, hehr bekränzt,

königlich kühn, mit königlichem Gefolge,

aus dem Brautgemach. Die Braut, die Königin,

kam mit den Frauen, das Fest zu ehren.


Hrothgar hob an, auf hallischen Stufen,

sah den goldgegürteten Giebel glänzen,

und Grendels Hand. — "Großer Gebieter,"

sprach er still, "sei stets gepriesen!

Grendels Grimm hat Gram mir gebracht,

doch Wunder wirkt der Wächter des Himmels!"


"Noch jüngst," so sagt’ er, "sehnte ich nimmer

nach Hilfe, da Hoffnung mir schwand,

da blutig benetzt das Bauwerk stand,

von Schwertes Schwärze schwer gezeichnet.

Weise verzweifelten, sahen kein Wehren,

gegen feindliche Flüche, finstre Gespenster.


Doch hat nun der Held, durch Himmels Macht,

vollbracht, was wir vergeblich versuchten.

Wohl mag, wer Mutter ihm war,

rufen mit Recht: 'Der Retter der Zeiten

war gütig zu mir beim Gebären des Gerechten.'"


"Nun, Beowulf, du Bester der Streiter,

lieb’ ich dich herzlich, gleich wie mein Sohn.

Dies Band bewahre, bleib unserem Bund treu,

und nie sollst du Not an Gaben leiden!

Gar oft gab ich Gutes für Geringere,

für Männer mit minderem Mut im Kampf.

Doch du, durch Taten, trugst dir den Ruhm,

der durch Zeit und Zeitalter zeugen wird."


Beowulf entgegnet’, Edgtheows Erbe:

"Willig wir wirkten das Werk des Kriegs,

furchtlos fochten wir, fanden den Feind.

Gerne, o König, gäb ich, dass du

den Kampf gesehen, den krummen Gestaltigen,

wie er stürzte, von starkem Griff bezwungen.


Doch floh er flink, entfloh der Faust,

der Mächtige wollte’s, dass mein Mantel der Macht

ihn nicht halten konnte. Hart war sein Herz,

rastlos der Renner, der reißende Feind!

Zurück nur ließ er seine letzte Leihe,

Arm und Schulter, als Zeichen des Siegs.


Länger lebt er nicht, lastet in Leiden,

gebannt in Banden, im Bann der Schmerzen,

verworfen, verdammt, vom Weltenrichter

zum schrecklichen Schicksal bestimmt."


Still war der Sohn des Spötters nun,

stumm der Stolze, da Starke sahen

die grausige Hand, am Giebel befestigt,

des Gegners Klaue, grässlich und kalt,

mit Nägeln, wie Nägel aus nachtigem Stahl.

Kein Schwert, so scharf, schnitt je solch Glied,

kein Heldenhieb zerteilte die Hand.


Heorot hallte mit Hast und Rufen,

Helden und Frauen halfen eifrig,

säuberten den Saal, schmückten die Stätte.

Goldene Gewebe glänzten am Wall,

Wunderwerke webten Licht in den Raum.


Doch stark war das Haus, in Stahl gebunden,

und doch war's zerzaust vom Zorn des Dämons,

Schlösser zersprengt, nur das schützende Dach

hielt heil sich, als Höllenbrut floh,

zerschlagen, sündig, vom Schicksal gezeichnet.


Vom Zwange des Schicksals – zum Ziel wird er finden,

zur Zuflucht, bereit für das Volk der Verlornen,

für Seelenbesitzer, für Söhne der Erde.

Dort ruht dann sein Leib auf der Lagerstatt Tod,

nach Rausch und Ruhm – das Rad hatte sich

gewendet zur Stunde, da Healfdenes Held,

der König selbst, zum Krugmahl kam.

Nie hörte ich herrlichere Horden versammelt,

gnädiger Gäste beim Gabenfürsten!


Sie senkten sich, die Sieger in Schlachten,

willig zur Warte – des Wunsches voll.

Kunstvoll kreisten die Krüge aus Gold,

starke in Seele, Stammleute Hrothgars,

in Heorots Halle. Hrothulf saß neben,

Freundschaft erfüllte die Feste der Scyldinge –

noch kannte das Volk den Verrat nicht im Wein.

Dem Beowulf bot da Healfdenes Erbe

Banner aus Gold, ein glänzendes Zeichen,

Helm und Harnisch, herrliche Waffe,

breit war das Schwert, bestaunt von vielen.

Beowulf nahm im Saal den Becher,

schämte sich nicht der Schätze im Kreis

der kampfkundigen Krieger – kaum hörte ich je

von Helden, die hold mit heiligem Herzen

so reichlich belohnt von Ringengebern.


Hoch überm Helm – ein Harnischrücken,

gewickelt mit Drähten, gewappnet zum Schutz,

dass die Feile nicht find’ ihre Fährte,

wenn der Schildheld sich dem Schwertkampf stellt.


Da hieß der Heldenhort Herrliches bringen –

acht edle Hengste, herrlich gezäumt,

geführt durch die Halle. Geziert war ein Ross

mit Sattel aus Silber, mit Steinen geschmückt –

der Streitstuhl des Stärksten, der stand in der Schlacht,

wenn der König zu Klinge und Keile gerufen.


Dem Beowulf bot er das Beste von allem –

Ross und Rüstung, Reich und Ruhm,

Segen und Sieg – der Scyldinge Schutz

vergalt die Gefahr mit Gaben und Treue,

mit Rossen, mit Reichtum, den Recht niemand schmäht.


Und der Fürst der Freunde, der Fürsten der Männer,

gab jedem Gefährten, der fuhr mit dem Meer,

am Met-Bank ein Kleinod, ein köstliches Erbe.

Für jenen, den Grendel getötet im Groll,

ließ er goldene Gaben gereichen –

mehr hätte er mordend gemetzelt,

hätt’ Gott nicht gewendet das grausige Wyrd,

noch Mutes des Mannes. Der Menschen-Schöpfer

lenkt, wie heute, das Los der Welt.


Darum ist Weisheit, wache Gedanken,

das Beste dem Menschen, der Mühen erträgt,

im Krieg und im Kummer, durch kalte Jahre

in Wunden und Weh das Werk der Welt.


Dann klangen im Königssaal Klänge zusammen,

Harfenton, Heldenlied hob sich empor –

als Hrothgars Sänger die Halle weckte

mit Weise und Wort vom Werk des Kriegs.

Er sang vom Sturm auf die Sippe des Finn.

Healfdenes Held, Hnaef der Scylding,

ward im Friesen-Feld gefällt.


Hildeburh weinte – was half ihr der Hass?

Unschuld verlor sie – ihr eigenes Kind,

Bruder zugleich – beide brach das Schicksal,

gespießt von Speeren – ein spätes Leid!

Kein Wunder, dass Hoc’s Tochter weinte,

im Morgenlicht den Mord zu schauen,

die Liebsten erschlagen – sie lag an dem Ort,

der einst ihr das Süßeste zeigte der Welt.


Auch Finns Gefolgschaft fiel dem Kampf –

nicht mehr mit Waffen wehrte er Hengest,

konnt’ keine Kraft mehr kundtun im Streit,

noch retten mit Recht das Restvolk der Friesen.

Ein Pakt ward geboten: Palast und Macht

sollten die Dänen dort teilen mit Finn.


Mit Ringen und Reichtum, rühmlichen Gaben,

sollt’ Folcwalds Sohn die Freunde ehren,

Hengests Heer mit hehrem Gold,

wie auch die Friesen beim Festgelag.


Ein Friedenspakt – fest geschworen,

Finn auf Hengest in Ehren gelobte,

die Gäste zu hüten mit geistiger Hand,

dass keiner mit Klage das Kleinod verrate,

noch sinistre Seele das Siegel breche,

obwohl sie dem Feind fortan gehorchen,

ohn’ ihren Herren, aus harter Not.


Wenn dann ein Friese den Feindesspott

zu tödlicher Tat entfacht mit Wort,

sollte das Schwert sein Schicksal besiegeln.


Schwur ward gegeben, Gold ward gehäuft –

und der tapfere Scylding, treuster der Thane,

lag auf der Bahre, das Brandholz bereit.


Auf dem Scheiterhaufen sah man sie alle:

blutige Binden, das blanke Schweinbanner,

Eber aus Eisen, edle Gefallene,

Helden erschlagen – im Hauen gefallen.


Hildeburhs Herz befahl in der Stunde:

am Scheiter des Sohnes, beim Schwan ihres Blutes,

gebettet beim Bruder, gebrannt in den Flammen,

das Kind zu kehren zu kalter Asche.

Sie weinte Wehklagen, Weiberstimme

stieg schrill durch die Stille, stach in die Nacht.


Wild war das Feuer, das Welken verschlang,

heulend am Hügel: Häupter schmolzen,

Wunden barsten, Blut brach hervor

aus Fleisch und Furchen. Flammen verzehrten,

gierig die Glut, die Geschonten nicht –

beiderseits fiel das Beste im Brand.


Dann kehrten die Kämpfer, kalt im Herzen,

heimwärts gen Hügel, hinaus zu den Friesen,

fern ihrer Freunde. Finns Feind Hengest

harrte im Winter, hielt noch den Schwur,

doch heimlich sehnte sein Herz sich nach Fahrt –

das Schiff stand stumm, die See war gefesselt,

von Winden gepeitscht, im Wintereis

lag sie in Ketten.


Ein Jahr verging,

wie Jahre vergehen, der Jahreskreis

rollt hell durch den Himmel, die Helle kam.

Die Erde erwachte, der Edle bereit,

zu scheiden vom Schicksal – doch schwoll in ihm

mehr Mordgedanke als Meerfahrtwille:

Rache zu rufen, Reihung der Klingen,

wo Friesenkinder den Feind erwarten.


So entrann auch er nicht dem Ende,

als Hun mit "Lafing", Lichtschwert des Krieges,

den Busen ihm bohrte – berühmt war die Klinge

bei Friesensöhnen. Finn fiel gleichfalls,

fürchterlich fiel er, vom Feind erschlagen,

von Guthlaf und Oslaf, Gram im Herzen,

zurückgekehrt, das Trauern im Blick.


Blutig brannte die Burg in der Dämmerung,

Finn fiel, der Fürst; die Frau wurde fort

geführt von den Freunden. Funde und Schätze,

was Finn besaß, führten sie heim,

Edelsteine, Erbe des Krieges –

mit ihr zur See, zur Siedlung der Dänen.


Das Lied war zu Ende.

Der Sänger schwieg.

Dann hob sich das Hallenfest,

Freude am Tisch. Wein ward getragen

aus Wunderkesseln. Wealhtheow kam,

glänzte im Gold, ging zu den Guten,

Onkel und Neffe, einig im Herzen,

Sippe in Segen. Unferth saß

dem Scylding-Herrscher zur Seite, treu,

trotz Tadel im Kampf vertrauten sie ihm

Mut und Meinung.


Die Königin sprach:

„Trinke, mein König, Treuenbehüter,

Ringverteiler, rühmlich im Frieden.

Zu den Geaten sprich gütige Worte,

sei freudvoll, freundlich, vergiss nicht das Gold,

die Gaben gegeben, ob nah oder fern.

Als Sohn, so sagt man, sollst du ihn sehen,

den Halle-Gerein’ger, den Helden in Glanz.

Genieß, solange das Glück dir bleibt,

dies leuchtende Land, die lichte Halle.

Wenn du gehst, gib Güte weiter –

Reich und Recht deinem rechten Erben.


Ich traue auf Hrothulf,

dass er das Recht

wohl wird wahren für unsere Jungen,

wenn du nicht mehr wandelst unter den Welten.

Ich weiß, er wird es würdig vergelten,

die Gaben, die Gnade, die wir ihm gaben

in Tagen der Trübsal.“


Dann trat sie zu ihren,

Hrethric und Hrothmund, Heldenkinder,

Jung wie die Jugend – da saß Beowulf,

stark zwischen Söhnen, stille und groß.


Ein Kelch war’s, den sie ihm gab,

mit gütigen Grüßen, glänzendem Blick.

Zwei Armringe, reich, dazu ein Reif,

Kettenschmuck, kostbar, wie keiner je war

seit Hama heimlich die Halszier entführte,

den Brising-Schmuck, in die Burg des Friedens –

fliehende Flamme vor Eormenrics Hass.


Hygelac, Geat, trug einst das Kleinod

in letzter Fahrt, führend die Beute,

unter Banner bewahrend den Bund –

doch Wyrd war stärker. Im Sturm ging er unter,

mit Friesen im Felde fand er das Ende.

Der König fiel, das Kleinod verloren,

geraubt im Gemetzel vom Geatenfürsten.


Geräusch erhob sich in goldenen Hallen.


Wealhtheow sprach, die Würde umstrahlte,

mitten im Männerkreis, mild und erhoben:

„Dieses Kleinod – kühnem Knaben gegeben –

genieß in der Jugend, in glänzender Zeit!

Beowulf, Liebling! – die Beute des Krieges,

die königliche Kraftgabe, kleide dich reich!

Wahre die Weisheit, weise die Jungen,

in Güte geführt – mein Geschenk sei Vergeltung!

Du hast Großes getan, da Gezeiten vergehen,

wirst fern wie nah von Freunden genannt,

so weit wie Wogen des Weltmeers rauschen,

des stürmischen Stromes strenge Gischt.

Wandle mit Würde die Wege des Lebens,

wachse, o Weiser, in weltlichem Glück!

Meinem Sohn sei in Sorgen beistehend,

in Taten treu, trag seine Freude!


Hier ist Eintracht: Edle einander

treu und tätig, dem Thron ergeben,

die Gefolgschaft gefestigt, das Gefüge stark –

lausche und lerne, leb und gehorch!“


Dann ging sie gelassen, glorreich vom Ort –

das Fest war erhaben, die Fülle floss:

Wein wurde den Wackren in Wellen gereicht.

Doch keiner kannte das kommende Los,

das düstre Geschick, das des Abends sich zeigte,

als Hrothgar heimwärts, herrlich, sich wandte,

zum Schlafen schritt. – Schildwacht stand

rings um die Ruhestatt, ritterlich tapfer,

wie es einst war: die Edlen entblößten

Bänke, Betten, bereitet zum Ruhen.

Ein Zecher jedoch zahlte mit Leben –

lag lauschend dem Leid entgegen.


Schild an Schild, sie stellten zum Schutz,

helle Helme, Harnisch aus Ringen,

über jedem Edelmann, einfach zu sehen:

Speer, Streithelm und starkes Gewand.

Solch war ihr Sitte, stets sich zu rüsten –

daheim oder draußen, drohte Gefahr

dem König, dem Krieger, dem Königstreuen –

sie waren des Stammes, stark und getreu.


Dann senkte sich Schlaf. Doch einer bezahlte

sein Ruhen mit Reue – wie oft zuvor,

als Grendel die Halle, die Goldene, hütete,

grausam im Groll, bis das Grauen verging,

sein Ende ihm nahte, des Elends Sold.


Man sah und sprach: ein Schatten blieb,

eine Rächerin, die Ränke sann –

Grendels Mutter, ein Monster in Weiberform,

wimmerte im Wasser, wohnte in Tiefe,

verbannt seit Kains verbrecherischer Tat,

als Bruderblut den Bann ihr brachte.

So streifte das Schicksal durch Schatten und Sumpf,

gebar Gräuel wie Grendel, den grausamen Wolf,

der in Heorot horchend den Helden fand –

doch der Mann, der mutig, maß seine Kraft,

vertraute auf Gott, auf des Gebers Gnade,

siegte im Streit, schlug den Feind,

trieb ihn fliehend zu finstrer Welt,

dem Tod entgegen, dem Dasein entrückt.


Doch nun kam die Mutter – mordwütig wild –

in die Halle der Helden, heimlich bei Nacht,

zu rächen den Sohn, das Leid zu vergelten.

Eilends erschien sie, Entsetzen sie säte –

doch schwächer der Schrecken, sanfter der Sturm

als wenn Männer mit Morden wüten,

mit blutiger Klinge, im blanken Helm,

in Kriegsgewand kämpfen.


Dann zogen die Schwerter, die Schilde zur Hand,

zitternd die Seelen, die Sorge erwachte.

Sie wollte fliehen, das ferne Moor

erreichen in Hast – doch raubte sie einen,

einzig Erwählten, edel und treu,

Hrothgars Herzensfreund, heldenhaft stets –

erschlug ihn im Schlaf, entriss ihn dem Leben.


Beowulf weilte in weitem Gemach,

nach der Gabe des Goldes getrennt vom Getümmel.

Heorot heulte in heftigem Schmerz,

den blutigen Beweis barg sie mit sich –

das Leid war neu, ein schauriger Tausch:

Dänen wie Geaten gaben Geliebte.


Der greise König, gram und gebrochen,

erkannte den Tod des treusten Gefolgsmanns.

Beowulf wurde zum Bette gerufen,

der Sieger der Schlacht. Beim Sonnenbeginn

kam er mit Kriegern zum König geeilt –

um zu fragen, ob der Fürst der Welt,

der Ewige, Trost dem Elend gewähre.


Stolzen Schrittes schritt er voran,

der Ruhmreiche im Ring der Recken —

der Hallenhall hallte laut,

Handgefährten folgten geschlossen —

den König zu grüßen, den klugen Greis,

den Ingwinen-Herrn. Er erkundete sacht,

ob friedlich die Nacht dem Fürsten verflog.


Da sprach Hrothgar, Schildheiler,

Helm der Helden, herrlich und schwer:

„Frag nicht nach Freude! Frisch blutet der Schmerz

im Volk der Dänen. Tot liegt Äschere,

Yrmenlafs Ältester, edler Berater,

mein Rat im Ring, mein rechter Arm

im Kampfgetöse, Klingenklirren —

treuer Gefährte, in Tod gefallen.

Er, der an meiner Seite stand,

als Helme barsten, Hiebe fielen,

ein Held, wie jeder Heide sein sollte!

In Heorot holte ein hässlicher Geist

den Besten der Bürgen — blutig entrissen,

weiß ich nicht wohin sie wich,

die mordgierige Maid, vom Mahl gesättigt.

Sie rächte den Rachen Grendels,

den du gestern, Grimmgewaltiger,

in tödlicher Treue zum Tod verbanntest,

weil er lange uns Leid getan,

Männer mähte und Mut nahm.

Leblos liegt er — nun lebt sein Blut,

denn eine neue Nachtgängerin kam,

grausam und gierig, Grendels Geschwister,

von Fehde erfüllt, auf fernem Pfad.


Viele vermuten — voll Sorge im Sinn —

dass dies die bitterste Buße sei.

Die Hand, die half, liegt hart getroffen,

die stets bereit war, Wünsche zu wecken.

Landleute sagen, sie sahen dort

zwei schattenhafte Schrecken zieh’n,

über Moor und Morast —

eines ein Weib, ein wildes Wesen,

das andere grässlich, groß wie kein Mann,

gehüllt in Elend, ein Höllensohn,

den Grendel nannten die gnädigen Alten.

Vaterlos war er, von finsteren Flammen,

von schattenhaftem Stamm geboren.

Ihr Heim ist unheilvoll, heidnisch und kalt,

wo Klippen klagen, der Kessel brodelt,

ein finsterer Fluss flieht aus den Bergen

und gleitet ins Grab, in grundlose Gier.


Nicht fern von hier, im feuchten Forst,

spannt sich ein See, schweigsam und tief,

darüber ragen, rau und kahl,

Wurzelwälder in winterlicher Wacht.

Nachts leuchtet das Licht auf den Lachen —

kein Mensch so mutig, die Märe zu messen,

kein Wild, kein Hirsch, so heftig gejagt,

dass er sich wagte, das Wasser zu wählen —

dort endet das Leben, nicht weiter der Schritt.

Denn unheilig ist jener Ort,

wenn Sturm sich hebt, der Stein sich rührt,

und Himmelsregen herniederrauscht.


Nun, edler Erretter, erneut liegt die Last

auf deinen Schultern, der Schicksalsweg ruft!

Du kennst nicht das Land, noch lauert dein Herz —

such die Sünderin, sie sei nicht sicher,

ob in Forst oder Flut, im fernsten Fels!

Ich lohne dir wieder, wie ich's einst tat,

mit goldenem Gut, wenn du Gerechtigkeit bringst.“


Da sprach Beowulf, Sohn Ecgtheows:

„Sorge nicht, Seher! So ziemt es sich nicht.

Nicht weinen wir, sondern wirken Rache —

das ist Männer Mut, nicht müßige Klage.

Denn sterben muss jeder, so steht es geschrieben.

Doch eh das Ende, erwirb er sich Ehre,

Ruhm vor dem Tod — das rät die Pflicht!

Steh auf, du Hüter des heiligen Reichs —

wir folgen der Fährte der feigen Brut!

Keine Höhle, kein Hain, kein Hügel so tief,

dass sie entflieht! Vertraue mir dies.

Doch du, Fürst, verharre in Frieden —

ich weiß, du wirst weise tragen dein Weh.“


Da sprang der Greis, Gott sei gedankt —

den Herrn pries er für des Helden Wort.

Ein Pferd wurde prächtig, mit prangender Mähne,

für Hrothgar gesattelt, der Heere-Hüter.

Mit Schild und Schar, in schwerer Wehr,

folgte er flugs der Fährte des Feinds,

die klar durch das Kraut, durch Kessel und Stein

hin zum Moorgrund grausam führte —

wo sie schleifte, tot, den Treuesten dort,

den edlen Äschere, Ehrengesell.


Über Steinklippen, steil und schmal,

durch Felsenpfade, fremd und wild,

zogen die Zierlichsten, Zagen nicht kennend —

voran der Fürst, mit festen Gefährten.

Bald fanden sie den blutigen Ort,

einen Hügel über hallendem Grund,

den waldumwachsenen, wahren Graben,

dessen Wasser rot wie Wunden war.

Die Dänen trauerten, tief getroffen,

die Helden des Hrothgar, das Herz bedrückt —

denn dort lag, furchtbar, des Freundes Haupt,

auf dem Fels, von Feindeshand gerissen.


Das Wasser wühlte, die Wogen bluteten,

die Männer sahen Märengetier,

Würmer des Wassers, wüst und wild,

Meerdrachen, Nicoren, nesselnd und stachlig,

die morgens oft Mordfahrt wagen

auf des Seglers Straße, in sturmischer See.

Sie flohen vor Furcht, das Horn hallte,

die Schlachtrufröhre scholl in die Tiefe.


Der Geatenwächter griff zum Bogen,

ein Pfeil durchbohrte ein peitschendes Tier —

mitten ins Mark, mit mächtigem Zug.

Da sank das Seevieh, schwach geworden,

von Tod getroffen, in Tiefe gestürzt.


Beowulf rüstet sich – Fahrt in die Flut, Kampf im Tiefengrund

Rasch über rollende Wellen, auf Wogengestade geworfen,

lag der Weidenkeiler-Spieß-besetzte Walfischfänger, hart bedrängt,

todgetan, zum Hochufer hingezogen: ein wunderlicher Wellen-Wanderer;

Krieger kamen, sahen den Gastreif-Gräuel.


Da gürtete Beowulf, der Bärensohn, sich behend mit Bronze,

sorgte nicht um sein Leben. Sein Brustharnisch, breit, bunt schimmernd,

handhaft gewebt, sollte Wasser versuchen;

wohl würde er den Wächter des Wechsels schlagen,

daß Kampf an der Kehle des Kriegers zerschellte,

kein Feindes-Hand sein Herz erreiche.


Ein Helm, hellweiß, hütete das Haupt;

ihm ward gewiesen, die Wasser zu wagen,

durch Wellenwirbel zu Winnen; mit Ketten gewunden,

goldgeziert, wie vor Zeiten ein Waffenschmied wundersam

Schweinezeichen setzte, daß Schwerter nimmer

bissen den Helm im Schlachtgetümmel.


Nicht das mindeste der mächtigen Mittel

war, was Hrothgars Redner reichte: Hrunting hieß die Heerscherter,

alte Erbschaft, allererst im Ansehen;

Eisenkante ätzten Gifte,

Kampfsblut härtete Klinge; nie Kampf sie scheute

in Heldenhand, die sie hielt auf Gefahrenpfaden

zu Feindesstätten. Nicht zum ersten Feste

stand sie zum Streich.


Doch vergaß der Sohn Ecglafs, stark zwar im Schwur,

weinberauscht, was er Worthaft wagte,

als er die Waffe lieh dem Wackeren stärkeren;

selbst doch nicht unter Wasserwogen Leben verwetten

als treuer Thingmann; so verlor er Ruhm,

Ehren der Edlen. Nicht ebenso jener

der jetzt sich gürtete zum grimmen Gegenstreich.


BEOWULF sprach, Sohn Ecgtheows:

„Gedenk, geehrter Healfdene-Erbe,

goldreicher Männerfreund! Jetzt geh’ ich auf Quest;

weisheitlicher Fürst, wie wir Wort verpfändet:

kam’s je für dich, daß ich Leben verlöre,

so wolltest du treu, wie ein Vater,

mir Beistand bleiben. Hüte die Heerschar meiner Thingen,

meine Kämpfergefährten, wenn Krieg mich kriegt;

und die Gaben, die groß du gewährtest,

liebster Hrothgar, laß Hygelac tragen!

Des Geatland-Königs Blick bei den Barren,

Hrethels Sohn, wenn er Schatz besieht,

erkenne er: Freund gewann ich,

Gütegerühmten, und genoß, solange ich durfte,

den Juwelen-Spender.


Und laß Unferth führen dies wundersame Schwert,

hochgeehrter Edling, dies ererbte Kleinod,

scharf an der Schneide: mit Hrunting such’ ich

Ruhm oder Raub des Todes.“


So gesprochen, der Weder-Geaten Leitherr

eilte kühn; nicht Antwort abwartend

schloß sich der Ozean über dem Helden.

Lang war der Tag, eh die Tiefe er fühlte.


Bald fand die Feindin, die Flutbezirk

schwertdürstig hielt seit hundert Wintern,

grimme, gierige Gezeihten-Greisin,

daß Gast von oben, Mann aus der Mitte,

ihr Monsterreich raubte. Mit Klauen krallte

sie nach dem Krieger, griff ihn grausig;

doch schädigte sie’s nicht: der Schild des Brustes schirmte,

als sie die Waffensark zerschmettern wollte,

das ringgeflochtene Rüstungskleid.


Da trug die Brine-Wölfin, am Boden angelangt,

den Ring-Herrn heim in ihre Höhle;

vergeblich rang er, wacker doch blieb er,

Waffen zu wirken wider wundernde Meeresmonster.

Viele See-Bestien versuchten, mit scharfen Stoßzähnen

seine Maille zu Mahlen; Schwärme umschwirrten den Fremden.


Bald aber merkte er: Mehr als Meer war dies—

eine Halle, er wußte nicht welche;

kein Wasser wirkte Schaden,

keine Flut-Fänge fanden den Mann durch das Dach.

Feuerlicht flackerte: flammende Balken.


Da ward der Krieger der Kluft-Kreatur inne,

der Tiefenwölfin. Mit mächtigem Schwung

schlug er die Klinge, sparte den Schlag nicht.

Da sang auf ihrem Haupt das herrliche Schwert

wild sein Kriegslied. Doch der Kämpfer fand:

das Licht-der-Schlacht wollte nicht beißen,

nicht Herz verletzen; harte Schneide versagte

dem Edlen in Nöten, ob einst sie Helme gespalten,

Todgeweihten Trutzzeug zertrennt.

Erstesmal fiel der Funkelruhm der Klinge.


Fest stand er dennoch, fiel nicht an Mut;

Hygelacs Kinssproß hielt hoch den Sinn.

Warf das gewirkte, wohlgezierte Werkzeug,

zornig der Earl; zur Erde sank’s,

stahlhart, starr. Seiner Stärke vertraute er,

der Handkraft Macht. So handelt ein Mann,

wenn im Kampf er glaubt, sich Kunde zu schaffen

dauernden Ruhms und den Tod nicht fürchtet!


Ergriffen an der Schulter, scheute nicht Streit,

der geatische Kriegsheld – Grendels Gebärerin!

Gewaltig geworfen, vom Grimm geführt,

fiel sie zu Füßen, von Feind geschleudert.


Doch schnell schlug sie zurück, schlang sich um ihn,

grimmiger Griff – sie griff ihn hart.

Erschöpft im Entzweikampf, erlag fast der Edle,

der Härteste, Heldenmann, sank in den Staub.


Sie stürzte sich stürmisch, das Schwert in der Hand,

breit und blutbraun, zur Buße bereit –

ihren Sohn zu sühnen, den einzigen Erben.

Doch schützte den Schultern das schimmernde Kettenhemd,

wehrte dem Schnitt, barg vor dem Tod.


Wär' nicht die Wehr, wär' nicht Gottes Wille,

Ende gewesen für Ecgþeows Erben,

im Grund begraben, Geaten-Gefolgsmann.

Doch der Wehrrock war stark – der Wille des Höchsten

gewährte den Sieg – der Weise, der Weltenschöpfer.


Der Herr des Himmels half ihm auf.

Da sah er unter Schilden das Siegerschwert liegen,

ein Uraltes, ein Eoten-Erbstück,

Klinge gewaltig – kein Krieger vermöcht’

sie zu führen im Fehdegetümmel,

von Riesen geschmiedet, scharf in der Schneide.


Ergriff es entschlossen, der Edle von Scyld,

hielt das Heft fest – heiß war sein Herz.

Zornig zum Schlag, er schwang es wild,

hieb ihr den Hals – die Haut zersprang,

brach ihre Beinringe, das Blatt drang ein,

durchbohrte das Fleisch – sie fiel zu Boden.


Blutig die Waffe – Beowulf frohlockte.

Dann brach das Licht aus, leuchtete hell,

wie Himmelskerze in hehrer Klarheit.

Er sah sich um, suchte die Halle,

ging an die Wand, das gewaltige Schwert

hoch erhoben – der Held Hygelacs.


Nun half ihm das Heft – hart war der Stahl.

Er wollte Grendel vergelten die Gräuel,

für das Wüten im Westland, die Wunden und Toten,

für fünfzehn Männer, gefressen im Schlaf,

für viele mehr, verschleppt zur Höhle.


Da lag nun Grendel – gerissen vom Leben,

gefegt vom Krieg, gefallen im Tod.

Das Haupt schlug er ab – der Hieb war hart,

das Unwesen zerschlug er nach seinem Ende.


Dann sahen am See die sehnsücht'gen Männer,

die mit Hrothgar harrten, das hochgehende Blut.

Der See ward scharlach, das Schaummeer trüb –

die Greise erschraken, die grauhaarigen,

sie glaubten: gestorben, der Geaten-Gefolgsmann.


Die neunte Stunde – da nahmen sie Abschied,

der goldreiche Geber ging heim zum Hof.

Doch die Gäste verweilten, vom Gram gezeichnet,

hofften im Herzen, doch hielten ihn verloren.


Da begann das Schwert zu schmelzen,

vom Dämonenblut, vom Tod getränkt.

Wie Eiseshauch, der entweicht, wenn der Ewige

die Wellen befreit – Wunder der Welt –

Gott gab das Geleit.


Nicht nahm er Schätze, nicht nahm er Silber,

nur das Haupt und das Heft, herrlich verziert.

Die Klinge war fort, von Flammen verzehrt,

vergiftet von jener, die verging in der Tiefe.


Bald war er schwimmend, der Sieger des Kampfes,

stieg aus den Strudeln, stieg aus dem See.

Das Wasser war ruhig, gereinigt vom Fluch,

wo die Wellenweberin wich aus der Welt.


Ans Ufer schwamm der Unerschrockene,

mutig beladen mit mächtiger Beute.

Die Männer begrüßten ihn, Gott sei gelobt!

Des Helden Gefährten, getreu und ergeben.


Schnell legten sie Helm und Harnisch ab.

Still war der See, der Schlachtensee rot.

Heimwärts zogen sie – heiteren Herzens,

über Fels und Pfad, voller Freude.


Das Haupt Grendels – schwer war die Last,

vier Männer mussten, mit Mühe und Kraft,

es tragen zum Thronsaal, Triumph zu bringen.

Dann marschierten sie, mutige Männer,

vierzehn Geaten – geführt vom Großen.


Stolz trat er ein – der starke Held,

der Fürst der Kämpfer, bekannt und gefürchtet.

Und nun – bei den Haaren – hereingetragen

das Haupt Grendels – Grauen für alle.


Beowulf sprach, der Sohn Ecgþeows:

„Sieh, o Herrscher, Held der Dänen,

dies Zeichen des Sieges – wir zeigen es dir.

Nicht leicht entrann ich dem Leben dabei…“


In Wasserschlacht, in Wut und Wirren,

wagte ich Werk, mit wilder Mühe,

im tiefen Trudeln, trotziger Fahrt,

bis Herr der Himmel half mir,

Schild des Schwachen, Schöpfer der Seinen.


Hrunting half nicht – hartes Eisen,

doch schweigsam in Schlacht, stumm im Streit.

Da wies mir der Wächter der Welt

ein Schwert an der Wand, in seliger Glut,

geformt von den Fingern vergessener Riesen.

Wie oft führt Gott den Gefallenen!


Mit Klinge kühn, vom Kampf getragen,

fiel ich den Feinden, fiel den Wächtern

des finstren Hauses, fern von Licht.

Das Schwert selbst schmolz, in Schweiß getränkt,

brandete Blut, verbrannte der Stahl,

doch ich barg den Griff, den goldenen,

aus Feindesfäusten, als Faust des Sieges.


So rächte ich Rechtlosigkeit,

den Tod der Dänen, durch treue Tat.


Nun magst du, Herr von Heorot,

ruhig ruhen mit Ringgefährten,

Furcht verflogen, Friede bewahrt.

Kein Schrecken naht aus Schattenlanden,

kein Mord mehr mischt sich unter die Männer.


Der Hilt, der hohe, aus Hand der Helden,

ward dem Greis gereicht, dem grauen König.

Geheimnisvoll glänzte, geschmiedet von Geistern,

Werk der Wunder, des Weltendes Feind

vernichtet, die Mutter ebenso,

der Mordbrut Stille geschenkt.


Der König der Küsten, der klugen Runen kundig,

betrachtete das Blatt, das Bildnis uralt,

wo Wellen wütend die Wesen verschlangen,

Riesenvolk, verflucht von Gott,

fern von Gnade, vom Geist des Himmels.

Das Schicksal sie schluckte, wie’s Schuldigen ziemt.


Hrothgar sprach, der Herr von Dänen,

blickte auf das Blatt, das Brandzeichen barg,

Runenrede, Rede der Alten,

und sprach zu Beowulf, dem Besten der Männer:


"So mag sprechen, wer Sinn und Seele

bewahrt in der Brust, weise im Wandel,

alt im Amt, ehrenvoll unter Edlen:

Ein solcher Held stammt aus heiliger Ahne!

Dein Ruhm soll reisen,

fliegen fern über Fürstenlande,

mit fester Faust, doch Führer mit Geist.

Bleib dem Guten gewogen, wie gegeben."


Doch nicht war Heremod, der harte Herr,

den Dänen ein Dienst, sondern düstres Verderben.

Er schlug die Seinen, saß stumm beim Mahl,

ferne von Freude, vom Frohgemut.


Gott gab ihm Gaben, Gewalt und Glanz,

doch der Grimm in der Brust gewann den Sieg.

Kein Gold verschenkt, kein Gedenken gepflegt,

nur Sorge und Spaltung, Streit ohne Sinn.

Ergreif dein Beispiel, Edler!


Ich sprach dir dies, aus Zeiten geformt,

aus Wind und Winter, aus Wandel der Welt.

Denn Wunder wirkt der Weltenherr,

weist dem Weisen den Weg zur Höhe.

Er hebt ihn auf, der Herzen Träger,

setzt ihn in Sitze, schenkt ihm das Land,

macht ihn zum Meister, zum Mann der Macht.


Doch dann, wenn das Dunkel des Denkens erwacht,

wenn der Stolz sich stiehlt in die Stille der Seele,

wenn der Wächter des Willens in Wachen versagt –

dann schleicht sich der Schatten, der Schütze des Todes,

sendet die Seuche, den Schlag der Nacht.


Und dann...

wird Herz getroffen, Hoffnung vergeht.

Kein Schild schützt, kein Schatz hält stand.

Gierig wird Geist, grollend das Herz.

Er vergisst das Gegebene, den Geber der Gaben,

verachtet den Vater, der Fülle verlieh.


Und schließlich fällt er, der feste Leib,

im Tod zerschlagen – der Thron wird leer.

Ein Neuer naht, ein Nehmer der Ringe,

und achtet nicht auf Ahnenruhm.


So, Beowulf, banne den bösen Gedanken,

wähle das Wahre, das Wertvolle,

den ewigen Ertrag – nicht Ehre allein.

Denn Blüte des Körpers blüht nur kurz.


Es kommen die Klingen, das kalte Feuer,

die Flut, das Fieber, das finstre Alter,

die Schwärze des Blicks – dann stirbt auch der Starke.


Sieh! Plötzlich der Wandel!

Mir, sicher im Sitze,

sank Freude zu Gram,

als Grendel begann,

der höllische Hehler,

mein Heim zu heimsuchen.

In raubender Rastlosigkeit

rüttelte er Herzen,

und schwer war mein Sehnen,

mein sorgendes Herz.

Doch dank ich dem Droben,

dem Dauernden Herrscher,

dass ich, lebendig,

das blutige Haupt

des Hasses nun sehe

mit sehnenden Augen!


„Nun, geh zur Bank!

Genieß das Gelage,

würdiger Krieger!

Morgens, beim Messen

des milden Goldes,

soll reichlich der Reichtum

rundum uns einen!“


Froh war der Fürst

der Geaten im Geiste,

begab sich beizeiten

zum gebotenen Sitz.

Wieder, wie einst,

ward wohl ein Fest

für die Kampfberühmten,

die Krieger im Haus

bereit und bereitet.

Die Nachtnebel sanken,

der Nachthelm dämmerte

dunkel den Trinkern.

Die Tapferen traten,

grauhäuptig der Greis

gen Ruhe zu gehn,

der Schildmann der Scylding’.

Auch der Geat, der Gast,

erschöpft von der Reise,

sehnte sich selig

nach schlummerndem Frieden.


Ein Herold holte

den heldenhaften Wanderer,

ein treuer Thane,

der tugendsam sorgte

für Gäste wie einst

in alten Tagen

die Männer des Schwertes.

So schlief der Starke.

Stattlich erhob sich

das güldene Giebelhaus,

wo der Gast geruht,

bis der Rabe, der Schwarze,

den Rausch der Himmel,

mit frohem Flügelschlag

verkündete: Licht!

Hell kam der Himmel,

die Helden beeilten

sich heimwärts zu wenden.

Von fern hergekommen,

fuhr der Geat nun

mit kühnerem Kiel.


Der Tapfere ließ

Hrunting bringen

für Ecglafs Erben,

das ehrliche Eisen,

lobte das Leihschwert,

lieblich im Kampfe,

sprach nie in Schmach

von der schneidenden Klinge –

das ziemte dem Mann!


Nun, reisefertig

und rüstig zum Aufbruch,

warteten die Krieger,

bis kam zu den Gästen

der Dänen-Darling,

der edle Atheling,

zum Hochsitz schritt

und Hrothgar grüßte.


BEOWULF sprach,

Sohn des Ecgtheow:

„Sieh, wir Seefahrer

sagen nun offen

unseren Willen:

nach Hygelac heim

möchten wir nun.

Gastlich gehütet,

gnädig empfangen

von deinem Hause,

haben wir Herzen voll Dank.

Wenn je auf Erden

ich erneut erringen

deine Gunst, o Geber der Gaben,

durch Werke des Krieges,

willig sei mein Wille!

Wenn Feinde dich ferner

vom Fernland bedrohen,

wie Hass es gebot,

bring ich tausend

getreue Geaten,

Helden zur Hilfe.

Denn Hygelac, Herr

meines heimatlichen Volks,

wird mir mit Wort

und Werk beistehn,

dass ich mit Kraft

und kämpfender Klinge

dein Wohl bewahre,

wenn Waffen dir fehlen.

Und kommt dein Hrethric

zu Geaten-Hallen,

des Königs Kind,

findet er Freunde –

ein fernes Land

soll finden, wer tapfer!“


Da sprach Hrothgar:

„Diese Worte, weise,

wurden von Gott

in deine Seele gesendet.

Noch nie vernahm ich

von Jüngling so klugen

und kundigen Rat.

Kraft hast du, klug bist du,

weise in Worten –

ich wähne, dass,

wenn Hrethels Erbe

von Eisen fällt,

durch Schlacht oder Seuche,

und das Leben dein bleibt,

kein besserer Herr

den Geaten geboren,

kein kühnerer König

das Volk wohl führen kann.

Dein Geist gefällt,

je länger, je lieber,

mir, Beowulf, Geliebter!


Du hast bewirkt,

dass beide Völker,

Geaten und Dänen,

gemeinsam nun friedlich

auf Erden verweilen.

So lang ich regiere

mein Reich hier im Norden,

sei Gut unser gemeinsames,

Gold unser Gruß!

Über Möwensee

soll der Mastbaum tragen

Zeichen der Liebe

zu Freunden und Feinden.

Fest sei die Treue

in alter Tugend!“


Healfdenes Held, im Hallenlicht,

gab Gaben zwölf – in Treue dem Tapfern,

bat ihn, beladen, zum Bund zurück,

heimwärts heiter, hurtig zu ziehn.


Dann drückte der König, der kundige Ahne,

den edelsten Eorl ans ehrfahle Herz,

fiel an den Hals ihm – flossen die Tränen

dem greisen Gezeitengeprüften.


Zwei Wege standen: Wiedersehen –

oder nie mehr in nächtlicher Halle

Wort wechseln, weinend Abschied nehmen.


Doch teuer dem Thronherrn, dem tapfersten Mann,

bannte das Herz nicht die brennende Sehnsucht.

Im Innern verborgen, in eiserner Brust,

glühte das Gedenken – groß wie das Meer.


Beowulf brach dann, befreit von Gram,

ging über Gräser, goldbeladen,

der Wellenwacht zu. Wartend lag

der see-schneidende Segler im Sund.


Sie lobten lang, was der Lord geschenkt –

ein edler Fürst, ohne Fehl in der Pflicht,

bis das Alter ihn annagte – unerbittlich,

kein Fleisch verschont das vergehende Jahr.


Kamen zum Küstenkamm kampferprobte,

mutige Männer mit mächtigen Waffen,

trugen die Tücher, trugen die Trophäen.

Der Warte ward es, wie Wind durch Kiefer:

Beowulf kehrt. Kein Bann, kein Befehl –

nur Gruß aus dem Grund der getreuen Brust.


Willkommen, ihr Wedermänner! – rief

der Hügelhüter. Helmglänzend

zogen sie zur See, zum Schiff zurück.


Dann luden sie Lasten, Lichter aus Gold,

Ross und Rüstung, Reichtum genug –

hoch ragte der Mast über Hrothgars Hort.


Ein Schwert schenkte Beowulf dem Schiffswächter,

gegolddet, geweiht – ein würdiges Werk.

Seitdem saß er, seltsam geachtet

an der Metbank mehr als mancher Mann.


Sie stiegen ins Schiff, schnitten das Meer,

ließen das Land, das dänische, hinter sich.


Das Segel gefaltet, die Sehne gespannt,

seufzten die Balken – aber der Sturm

blieb fern, der Flutfreund fand seinen Pfad.


Schaum-neckig schwamm es, schnitt durch das Blau,

das Kielholz klang über klaglose Wogen,

bis das Geatenland golden erschien –

Heimathügel, hell und bekannt.


Helfend harrte der Hafenwächter,

sah sie schon, seit Sonnenaufgang

an des Wassers Weite wartend.


Er band das Boot mit Bändern fest,

damit nicht Wellen das Werk zerreißen.


Beowulf befahl, die Beute zu tragen,

Gold und Gaben – gar nicht weit

war’s zum Herrn, zum Hort der Ringe:

Hygelac Hrethling, heimischer König,

wohnte am Wall, wo Wogen rauschen.


Herrlich das Haus, hoch der Held,

jung war Hygd, doch judenhaft klug,

Haereths Tochter – hehr und weise,

gab gütig, gönnte viel,

kein Grimm, kein Geiz in ihrer Geste.


Nicht Thryths Trotz war’s, noch trügerisch Tun,

das Volk vergiftet – falsch war sie nie.

Kein Mann, kein Mächtiger mochte es wagen,

sie zu reizen, rücksichtslos –

denn Fessel und Fluch fand der Verwegene.


Das Schwert sprach Recht, das Schicksal schlug.

So tötet kein Thronwürdiges Weib –

ein Friedenweberin, von Fürsten geehrt,

reicht keine Rache, raubt kein Leben

aus Lüge geboren.


Doch Hemmings Held hielt sie zurück.


Und mancher Mann, beim Met erzählend,

sagte: Sie wurde sanfter mit Jahren,

nachdem sie über die Flut fuhr,

brautgeschmückt, zum braven Prinzen,

nach Offas Halle.


Dort fand sie Friede,

Thron, Tribut, und treue Liebe.


Der Fürst war gefeiert von fernem Volk,

Offa, der Edle, ein eiserner Krieger,

klug in der Krone, kühn im Gefecht.

Eomer erwuchs ihm – Erbe des Ruhms,

Hemmings Erblut, hart in der Schlacht,

Garmunds Enkel – ein glänzender Stern.


Gehetzt ging der Gehegte, Gefolgsleute mit ihm,

an sandiger See, den Strand zu beschreiten,

weit waren die Wege, der Weltlicht leuchtete –

Sonne vom Süden – sie schritten in Stärke

mit mutigen Maßen zum markierten Ort,

wo der junge König, kampferprobt,

Ongentheows Ende einst erwirkt,

Ringe reichte im ruhmreichen Saal,

Heldenschirm Hygelac hieß ihn heim.


Beowulfs Botschaft bald vernommen,

in der Halle hallte die frohe Kunde:

Der Schildgeselle, stark und gesund,

kehrte vom Kampf, keck und lebendig!

Mit rascher Ehre, auf höchsten Wink,

ward Raum im Raum für Rückkehrer gemacht.


Beowulf saß bei seinem Herrn,

dem kühnen König, Kinsmann und Freund,

grüßte gelinde, mit gewichtigen Worten.

Da kam durch die Halle, hold und heiter,

Haereths Tochter, Helden erfreuend,

Weinkrug wandelnd, Wein zu reichen

den tapferen Trinken – tüchtige Männer.


Hygelac fragte, forsch und freundlich,

voll Sehnsucht im Saal, sein starker Gefährte:

„Was wurd’ aus dem Werk, du wackerer Mann,

als dich Sehnen, so schnell, zum Segel trieb

hinaus auf das Haff, Heorot zu helfen?

Halfst du Hrothgar, dem hochberühmten,

in seinem Gram, dem großen Geleide?

Sorgvoll seufzte mein seelisches Herz –

ich bat dich, Beowulf, bleib bei uns!

Lass Dänen mit Dämonen allein sich duellieren.

Doch nun – Gott sei gedankt – du bist gesund!“


Beowulf begann, des Edlen Erbe:

„Offen ist allen, o edler Hygelac,

was geschah in der Schlacht, beim Schattengänger –

Grendel genannt, dem Grimmigen Gegner.

Grauen brachte er großen Geschlechtern,

Schuld ohne Ende – doch alles gesühnt!

Kein Rest von der Rasse rühmt sich des Streits,

kein Laster lebt von der lohenden Brut.


Zuerst empfing mich Hrothgar im Haus,

der reiche Regent, der Ruhmreiche selbst.

Ich saß an seiner Seite, sein Sohn neben mir.

Nie hörte ich heiterere Helden am Horn!

Die Königin kam, die kluge Friedensfrau,

goldene Gaben gab sie den Männern.


Auch Freawaru, die friedliche Tochter,

reichte den Recken den runden Becher.

Sie soll vermählt dem frohdem Froda-Sohn –

kluge Kalkulation, Konflikte zu kühlen.

Doch wenig währt, wo Wunden wohnen:

Kaum sinkt der Speer, so steigt neue Zwietracht.


Heathobards hegen heimlich Groll,

wenn dänischer Degen mit Dame schreitet

durch deren Hallen – herrlich bewaffnet,

mit altem Erbe, einst ihnen eigen.

Dann spricht der Speer-Mann, spitz in der Seele,

ein Alter, erbittert, am Eichenbecher:


„Kennst du das Kurzschwert, Knappe, nicht mehr?

Das trug dein Vater – fiel fiel er damit

in feindlichem Feld, von Dänen gefällt!“


So wächst wieder Wut im Wein-Gespräch,

Blut wird vergossen, Banden zerbrechen,

Ingelds Liebe in Eis verwandelt.


Darum trau ich dem Treuebund wenig –

Friede vergeht, wo Feindschaft wurzelt.

Doch lasst mich nun laut vom Leichenbringer

Grendel berichten, dem grauenvollen.


Als Himmels Leuchte hinausgerückt,

kam nachts der Neider, nahm uns ins Ziel.

Hondscio holte der Höllenhund –

den ersten erschlug er, fraß Fleisch und Leben.


Doch leer von Beute ließ ich ihn nicht!

Er griff mich gierig – doch Glück war mein.

Ein Handschuh hing, von Höllenhaut,

groß und grausig – ein Gräuel der Kunst,

gesponnen von Zauber, von Zorn durchwirkt.“


Ich – ein Unschuldiger – in ihren Augen ein Übeltäter,

der finstre Feind forschte nach Fleisch,

wollte mich würgen mit wütender Schar.

Doch stand ich stark, steil im Zorn,

dem Drängen trotzend, trotzig und wach.


Wie lang zu erzählen, wie Leid ich ihm lohnte,

dem Landverderber mit loderndem Stahl!

Doch, Fürst der Freunde, dein Volk gewann

Ruhm durch mein Ringen – der Räuber floh,

rettete knapp sein klägliches Leben,

ließ aber im Saal seine starke Hand

blutend zurück. Er barg sich tief

in dunklen Gründen, gepeinigt, gestürzt.


Mir dankten die Dänen – der denkende König,

der Schyldings-Stütze – spendete Gold,

gab reiche Gaben im Glanz der Morgen,

als Fest wir feierten, froh in der Halle.

Gesang erklang, es grinste das Leben,

der grauhaarige Geber gedachte der Zeiten.

Ein Held hob die Harfe, heil’ge Klänge,

sang weise Weisen, von Wunder und Weh,

von alten Ahnen, edlen Gesängen,

oder seufzte selbst nach seiner Jugend,

nach stolzen Tagen, nun schwach vom Alter,

der Winterweise weinte im Stillen.


So saßen wir selig, den Sonnenlauf lang,

bis finstre Nacht fiel auf das Land.

Dann kam – im Groll, getrieben von Rache –

Grendels Mutter, grauenhaft Weib,

im finstern Gefühl fiel sie den Feind,

rächte den Sohn in roher Wut.


Aeschere, alt, erlag ihrer Hand,

ein treuer Berater, des Todes Teil.

Die Dänen trauerten, doch durften sie nicht

den Leichnam lieben, in loderndem Feuer

ihn ehren mit Flammen – fern war er schon,

fortgeschleppt, im finsteren Fluss.


Das war Hrothgars härtestes Leid,

was schwerste Sorge sein Herz bedrückte.

Da bat er mich – mit bebendem Sinn –

in dunklem Wasser den Dämon zu fällen,

zu wagen mein Leben, den Lohn mir versprach.

Ich stieg in die Tiefe, des Teufels Hort,

fand dort die Furie, die Fäulnis im Grund.


Im blutenden Brandung brach unser Kampf,

Hand gegen Hand, das Hallenmeer rot.

Mit mächtigem Messer, mutiger Klinge

trennte ich Haupt von hässlicher Brut,

und kehrte lebendig, durch Kampf gezeichnet.


Healfdenes Sohn, der Heldenhort,

gab große Gaben – Gold und Gut.

Er hielt die alten ehrwürd’gen Sitten,

ich wurde belohnt für mein Wirken im Krieg.

Jetzt, mein Prinz, bring ich dir preisend

die Schätze, die mir der Schylding schenkte –

gib du mir Gunst, als Großmütiger.

Kaum noch Verwandte kenn’ ich mehr –

du, Hygelac, bist mir allein geblieben.


Er ließ dann bringen das Banner des Ebers,

den hohen Helm, das Harnisch-Gewand,

das Schwert, das strahlte. Sprach dann so:

„Dies gab mir der Greis, der Geber von Ehre,

Hrothgar der Weise, und wünschte dabei,

dass dir seine Gabe gegeben sei.


Einst hielt es Heorogar, herrschender König,

der nicht seinem Sohn – so sehr er ihn liebte –

dies Kriegsgerät gönnte, das große Geschmeide.

Du halt es nun, Hüter der Ehre.“


Dann hörte ich, herrlich geschmückt

vier falbe Pferde folgten dem Schatz,

gleich an Gestalt, glänzende Rösser –

die gab er dem König, so geziemt’s den Sippen.

Sie sollen sich schützen, statt Schlingen zu spinnen,

nicht heimlich den Tod dem Bruder bereiten.


Sein Neffe war Hygelac heilig und wert,

sie wachten gemeinsam, wahr und treu.


Auch hörte ich, dass er Hygd die Halskette gab,

ein Wunderwerk, von Wealhtheow einst

ihm überreicht. Dazu ritt sie drei

schlanke, gesattelte, schmucke Pferde.

Ein königliches Kleinod – der Königin Ehr’.


So zeigte sein Wesen der Sohn Ecgtheows,

als Held ohne Hass, von hoher Ehre.

Nie stach er im Rausch dem Stammesgenossen,

sein Zorn war mild, obwohl Gott ihm

große Kraft gab, ein Gnadengeschenk.


Lange verlacht, ließ man ihn sitzen,

die Männer der Geaten meinten ihn schwach,

nutzlos im Neid – doch nun wurde gezahlt,

die Würde gewonnen, der Weise geehrt.


Schild der Eorle hieß bringen

des Hrethel Erbe, reich an Gold,

kein Geat kannte kostbarer Schwert.

Dem Beowulf bot er es brav in den Schoß,

dazu siebentausend Hufen, Saal und Sitz.

Gleich war das Erbe beider Edler im Land,

doch höher der Herrscher durch Heim und Krone.


Da flogen die Jahre in Fehde dahin.

Hygelac fiel im Helm-Gefecht,

und Heardred sank durch Schwerter-Stich

unter dem Schildwall, schrecklich gefällt,

als ihn Kämpfer kühn, die Scilfinge,

im Heere trafen, Hererics Neffen.


Da bestieg Beowulf den breiten Thron,

waltete weise wohl fünfzig Winter,

schützte das Volk, bis ein Scheusal erwachte:

Ein Drache drohte im Dunkel der Nacht.

Auf der Höhe hütete er den Hort im Stein,

einen steilen Pfad, den kein Sterblicher kannte.


Doch ein Flüchtling fand den Felsenraum,

griff nach dem Gefäß, dem goldenen Becher.

Der Dieb entkam, als der Drache schlief,

mit schlauer List – was dem Land nun drohte!

In Sorgen floh der Sklave dorthin,

ein müder Mann vor menschlicher Qual.

Vom Grauen gepackt, erbebte der Gast,

doch rettete rasch er das seltene Gold.


So ruhte im Raum reichlicher Schatz,

von alten Ahnen einst dort verborgen,

dem letzten Lebenden eines edlen Geschlechts.

Alle Freunde fielen im Feuer des Krieges,

er allein blieb als Hüter des Hortes,

weinte um Weggefährten im Warten auf den Tod.


Ein neuer Bau am Meeres-Ufer,

fest geschützt, nahm das Gold nun auf.

Kurz waren die Worte des Kummer-Beladenen:

„Halte nun, Heimat, was Helden nicht konnten!

Der Tod traf die Tapferen alle,

keiner führt mehr das Schwert oder feilt den Becher.

Der glaunzend Goldhelm verliert seinen Glanz,

die Brünne rostet, das Banner zerfällt.

Kein Harfenspiel hallt, kein Habicht fliegt

durch die hohe Halle, kein Hengst mehr stampft.

Der Groll des Todes griff mein Geschlecht.“


So klagte er Kummer in einsamer Nacht,

bis die Woge des Todes sein Herz überwand.

Den Hort der Freude fand der Feind der Nacht,

der nackte Drache, der im Dunkeln fliegt,

in Flammen gehüllt, gefürchtet vom Volk.

Drei hundert Winter hütete das Biest

den Schatz im Stein, bis ein Sklave es weckte,

dem Herrn den Becher zum Bündnis brachte.


Da erwachte der Wurm, Wut entbrannte!

Er witterte den Weg der winzigen Spuren,

suchte gierig den Gauner auf grünem Grund.

Rings umkreiste das Biest den kargen Stein,

brannte vor Kampflust im Abendlicht.

Feuer spie er über das Land der Menschen –

ein schrecklicher Anfang für das Volk der Geaten,

der bald blutig endete beim Tod ihres Herrn.


Da spuckte das Scheusal Senge und Speien,

lichterloh loderte der Landleute Heim.

Kein Leben ließ der grause Luft-Sausewind,

weit war das Wüten des Wurms zu schauen.

Das Geaten-Volk grollte, als der Graus es traf;

doch der Hüter des Horts floh im Frührot hinweg,

vertraute der Feste – eine eitle Hoffnung!


Da wurde Beowulf berichtet der bittere Schaden:

Der Sitz der Geaten, die schönste der Hallen,

war schmelzend versunken in den Sengen des Feuer-Wurms.

Dem Greis war das Gram, tiefste Seelen-Sorge;

er wähnte, das Walten des ewigen Gottes

durch alten Frevel erbittert zu haben.


Da sann der Seekönig auf stolze Rache:

Ein Schild aus Eisen ließ der Eorle Fürst

kunstvoll schmieden, da Linden-Holz leicht

im Feuer verbrannte. So sollte der Fürst

sein Leben beschließen im Kampf mit dem Drachen.


Der Spender der Ringe verschmähte das Heer;

kein Gefolge forderte er für den Flug-Drachen.

Er fürchtete kein Gefecht, hatte Feuer erprobt,

seit er Hrothgars Halle von Unholden säuberte

und Grendels Geschlecht mit den Händen erwürgte.


Auch der Schlacht-Tummelt entwich ihm einst nicht,

als Hygelac fiel im Friesen-Land,

von Schwertern zerschlagen. Da schwamm der Held

einsam durchs Meer, mit dreißig Brünnen

im Arm überm Ozean, heim zu den Geaten.

Hygd bot ihm Hort und Herrschaft an,

doch Beowulf beugte sein Haupt vor Heardred,

schützte den Sprössling, bis er selbst das Reich erlangte.


Als Heardred fiel durch Schweden-Schwerter,

weil er Exilanten Aufzunehmen wagte,

nahm Beowulf die Krone – ein guter König!

Später rächte er den Recken in blutigen Fehden,

beseitigte Eadgils’ Feinde mit eiserner Hand.


So überstand der Held manche harte Schlacht,

bis der Tag ihn traf, da er den Drachen traf.

Mit zwölf Mannen zog der Mächtige hin;

der dreizehnte Degen war der Dieb des Bechers,

der gezwungen den Weg zur Höhle wies.


Am Kapp saß der König, grüßte die Gefährten,

düster im Sinne, dem Tod schon nah.

So sprach der Alte, der Son des Ecgtheow:

„Viel Krieg sah meine Jugend, das vergesse ich nicht.

Hrethel nahm mich als siebenjährigen Knaben,

hielt mich wie die Söhne: Herebeald, Haethcyn und Hygelac.


Doch Haethcyn traf den eigenen Bruder

mit blutigem Pfeil aus dem Horn-Bogen –

ein ungesühntes Unglück, das dem Vater das Herz brach.

Wie schrecklich für den Alten, den Sohn am Galgen

hängen zu sehen als Futter für Raben!

Die Halle steht leer, kein Harfenspiel klingt,

die Reiter schlafen in der Erde Schoß.


So singt er das Klaglied, geht einsam durchs Haus,

gab Freude und Licht auf, um dem Leben zu entfliehen.

Nach Hrethels Hinscheiden entbrannte die Fehde

zwischen Schweden und Geaten über dem See.

Haethcyn fiel im feindlichen Kampf,

doch Eofor rächte den edlen Fürsten,

spaltete Ongentheows Helm mit scharfer Klinge.


Für alle Gaben galt ich dem König

mit glänzendem Schwert im Schlachten-Getümmel;

kein Krieger aus Schweden war ihm lieber als ich!“


Im Vordergrund focht ich stets in der Fehde,

einsam voran; so fechte ich fort,

solange das Leben und die Klinge mir bleiben,

die mir treu stets gedient, seit Daeghrefn sank,

der Kämpfer der Hugas, gefällt von meiner Hand.

Nicht nahm er die Beute zum Friesen-König,

denn im Kampf brach ich ihm das Brust-Gebein,

erwürgte den Helden. Heute soll die Klinge,

das harte Schwert, um den Hort nun streiten!“


Beowulf sprach, tat sein letztes Gelübde:

„In der Jugend bestand ich manch schweres Gefecht;

noch einmal will ich, der Alte des Volkes,

Fehde suchen und Taten fügen,

wenn der dunkle Drache aus der Höhle tritt!“


Er grüßte die Helden zum letzten Male,

die lieben Gefährten: „Kein Schwert wollte ich tragen,

keine Waffe zum Wurm, wüsste ich anders,

wie ich den Protzer packen könnte,

wie einst Grendel im Kampf. Doch Gift muss ich fürchten,

heißes Feuer-Sprühen; drum trage ich den Schild,

den panzerten Schutz. Vom Hüter des Horts

weiche ich keinen Fuß breit! Ein Kampf entscheidet,

wie das Schicksal es fügt, der Menschheit Meister.

Mein Mut ist groß, doch ohne Prahlen

stehe ich dem Geflügelten gegenüber.


Harret am Hügel im Brünnen-Schmuck,

ihr Mannen im Panzer, wer von uns zweien

nach der Schlacht-Raserei besser die Wunden übersteht.

Nicht euer ist der Kampf noch der Tat-Mut,

nur mir allein gebührt das Messen der Kräfte

mit dem grausamen Monster. Ich werde das Gold gewinnen,

oder der Krieg holt euren König dahin!“


Auf stand der Starke mit dem Schild vor der Brust,

vertraute der Kraft seiner einzigen Mannheit,

ging unter dem Helm unter die Felsen-Klippen –

kein Pfad für den Feigen!


Bald erblickte der Held einen steinernen Bogen,

woraus ein heißer Bach mit Feuer-Massen

aus dem Hügel brach. Dem Hort konnte man

nicht unversehrt nahen wegen der Sengen des Wurms.


Da stieß der Geaten-Fürst vor Zorn einen Ruf aus;

klar stimmte der Schrei unter den grauen Felsen.

Der Hüter des Horts hörte die Menschen-Stimme;

da brannte sein Groll. Keine Aussicht auf Frieden!

Der Gift-Atem des Wurms fuhr zuerst aus dem Stein,

der heiße Kampfdunst; die Felsen erdröhnten.


Der König der Geaten hob den Schild vor den Feind,

als der gewundene Wurm nach Fehde suchte.

Das Schwert war gezogen, die alte Klinge;

beide Empfanden Schrecken vor dem starken Gegner.


Standfest stand der starke König

mit dem hohen Schild, während der Wurm sich wand.

Schnell glitt der Bogen-Drache in hellen Flammen.

Der Schild schützte Seele und Leib des Königs

viel kürzerer Zeit, als sein Sinn es begehrte!

Das Schicksal verwehrte ihm den Sieg im Gefecht.


Er hob den Arm, der Herr der Geaten,

schlug das Scheusal mit dem alten Schwert.

Doch die Klinge glitt ab, biss zu schwach

in den Knochen des Feindes in der bitteren Not.


Da wütete der Wurm nach dem schweren Schlag,

spie Todeskegel; weit flogen die Flammen.

Nicht rühmte sich Beowulf eines glänzenden Sieges:

Sein Eisen versagte, wie es niemals sollte!

Kein leichter Weg für den Sohn des Ecgtheow,

die Erde zu lassen und ein anderes Heim

unfreiwillig zu suchen – wie es jeder Mann muss.


Erneut trafen die Recken im Kampf aufeinander.

Der Hüter des Horts gewann neuen Mut;

von Flammen umringt litt der Landes-Herr.


Nicht standen die Gefährten ihm stark zur Seite:

Sie flohen in den Forst, um das Leben zu retten!

Nur eines Seele war schwer von Sorgen –

echte Treue der Sippe weicht niemals zurück!


Wiglaf hieß er, Weohstans Sohn,

ein beliebter Degen, von Aelfheres Stamm.

Er sah seinen König unter dem Helm von der Hitze gequält.

Er dachte an die Gaben, die der Gönner ihm gab:

den reichen Sitz der Waegmundinger und das Recht seines Vaters.


Da zögerte er nicht: Den gelben Schild

und das alte Schwert ergriff er sogleich –

das Erbe Eanmunds, den Weohstan erschlug,

als der heimatlose Flüchtling im Fehde-Kampf fiel.

Er gab seinem Sohn die rüstung des Feindes,

die glänzende Brünne und das Riesen-Schwert.


Jetzt musste der Jüngling zum ersten Male

an der Seite des Landes-Herrn im Schlacht-Lärm stehen.

Nicht weichte sein Mut, noch versagte das Schwert –

das erfuhr der Wurm, als sie im Kampf sich trafen!


Wiglaf sprach traurigen Sinnes zu den Gefährten:

„Ich denke an die Zeit, als wir Met tranken

und dem Ring-Spender versprachen in der Halle des Festes,

ihm Brünne und Helm im Kampf zu vergelten,

falls ihm Not begegnet!

Er wählte uns aus für diese große Tat,

weil er uns für kühne Speer-Kämpfer hielt.

Nun ist der Tag da, da unser König der Kraft

seiner Mannen bedarf!

Lasst uns schreiten, dem Helden zu helfen,

solange die grimmige Hitze glüht!

Gott weiß meine Treue: Mir ist weit lieber,

dass das Feuer meine Glieder mit dem König verbrennt,

als dass wir unseren Schild nach Hause tragen,

ohne den Feind gefällt und das Leben des Fürsten

verteidigt zu haben!“


Durch den Schlacht-Rauch schritt er dem Fürsten zu Hilfe,

hob den Helm auf dem Haupt und sprach kurze Worte:

„Geliebter Beowulf, vollbringe die Tat,

wie du in der Jugend gelobtest, dass dein Ruhm nicht weicht!

Schütze dein Leben mit aller Kraft –

ich stehe dir bei!“


Nach diesen Worten kam der Wurm aufs Neue,

der mordlustige Unhold in Feuer-Wogen,

um die Hasser zu suchen.

Der Schild des Jünglings verbrannte bis zum Buckel,

die Brünne bot keinen Schutz vor der Glut.


Doch rasch unter des Verwandten Schild

schlüpfte der Schützling, da der eigene Schild

im Feuer verbrannte. Der Fürst gedachte

seiner alten Ehre: Mit Allmacht trieb er

das Schwert Naegling dem Scheusal in den Schädel –

ein Macht-Schlag voller Zorn. Doch Naegling zersplitterte,

zerbrach im Kampfe, Beowulfs Schwert,

das uralte Eisen. Ihm war nicht vergönnt,

dass die Schneide des Stahls ihm im Streit hülfe:

Zu stark war seine Hand, so sagt die Märe,

die jedes Schwert überforderte mit gewaltigem Hieb.


Da sann zum dritten Male auf Rache

der Volks-Verwüster, der feurige Drachen-Wurm.

Er stürzte auf den Helden, als sich Raum ihm bot,

grimmig und glühend; die giftigen Zähne

schlossen sich um seinen Hals, bis Blut-Wogen

ihm heiß aus der Brust über den Harnisch wallten.


Da zeigte der Degen, so berichten die Männer,

in der Not seines Herrn den edlen Mut,

seine Kühnheit und Kraft, die ihn nie verließen.

Achtlos der eigenen Hand, die im Feuer verbrannte,

half er dem Verwandten. Ein wenig tiefer

traf der Getreue das scheußliche Biest,

trieb das blanke Schwert in den Bauch des Wurms.

Da erlosch das Feuer, die Flamme schwand.


Der König erlangte noch einmal den Sinn,

zog den scharfen Dolch, der am Panzertrog hing,

und spaltete den Wurm in der Mitte entzwei.

So fällten sie den Feind, die Fürsten beide,

getreue Verwandte – so soll ein Degen stehen

in der Stunde der Not!


Dies war der letzte Sieg des feinen Königs,

seines Werkes in der Welt. Die Wunde begann,

die der Erddrache ihm schlug, zu schwellen und zu brennen;

bald fühlte er das Eiter im Innern kochen,

das tödliche Gift. Der Fürst wankte fort,

sann weise im Sinne, zur Felsen-Wand,

saß auf dem Steine, beschauete das Werk,

wie Riesen-Bögen und robuste Säulen

die Ewige Halle im Innern hielten.


Da wusch der Treue mit träufelndem Wasser

seinen blutigen Herrn, den berühmten König,

mit sanfter Hand, entgürtete den Helm.

Beowulf sprach trotz der schweren Wunde,

trotz des tödlichen Bisses; er wusste wohl,

dass seine Tage auf Erden nun dahingeschwunden,

die Zahl seiner Zeit vollendet war:


„Nun gäbe ich gerne meinem eigenen Sohn

diese Waffen-Rüstung, wenn mir vergönnt

ein Erbe des Blutes nach mir geblieben wäre.

Fünfzig Winter hütete ich das Volk;

kein König der Nachbarn wagte es,

mich mit Krieg zu bedrohen oder Schrecken zu senden.

Zu Hause harrte ich, was das Verhängnis brachte,

behütete das Meine, suchte nicht Händel,

schwör niemals falsch. Für all dies kann ich,

obwohl tödlich getroffen, mich heute freuen!

Der Walten-Gott kann mir nicht vorwerfen

den Mord an Verwandten, wenn das Leben entflieht.


Nun eile geschwind, um den Hort zu schauen

unter dem grauen Stein, geliebter Wiglaf,

nun da der Wurm darniederliegt, schlafend vor Schmerz,

seines Schatzes Beraubt. Geh eilends von hinnen,

dass ich das alte Gold, die glänzenden Kleinode,

die Pretiösen betrachte, um sanfter danach

mein Leben zu lassen und das Land der Geaten!“


Da hörte ich, wie der Sohn Weohstans

schnell dem Wunsche des Wunden folgte,

des müden Helden. Das Maschen-Hemd tragend,

schritt er unter des Hügels Dach.

Da sah der kühne Degen den kostbaren Schatz:

Blitzendes Gold lag auf dem Boden,

Wunder an der Wand der Drachen-Höhle,

urbalde Becher alter Helden,

ihrer Pracht beraubt, verrostete Helme

und wundersam gewobene Ringe im Gold.


Sein Blick fiel auch auf ein goldenes Banner,

hoch über dem Hort schwebend, das hellste der Zeichen,

mit Meisterschaft gewirkt. Sein Schimmer erhellte

den ganzen Boden, dass er die Becher sah.

Vom Wurm war keine Spur mehr zu erblicken:

Das Schwert hatte ihn gefällt.


So plünderte ein Mann, wie ich hörte, den Hügel,

das alte Werk der Riesen, lud Becher und Schalen

in seinen Busen nach Belieben, nahm das Banner mit,

das hellste Leuchtzeichen. Das Schwerter-Eisen

des alten Königs hatte den Hüter verletzt,

der den Schatz behütete viele Jahre

und Schrecken-Feuer speite in der Nacht.


Der Bote eilte, getrieben vom Hort,

den Weg zurück; ihn plagte die Sorge,

ob er den starken Fürsten noch lebend fände,

geschwächt an der Wand des Felsen-Baus.

Er fand seinen Herrn blutend am Boden,

am Ende des Lebens. Der Degen besprengte

ihn wieder mit Wasser, bis Worte des Trostes

aus der Brust des Königs brachen. Beowulf sprach,

traurig im Sinn, als er das Gold erspähte:


„Für das Gold und die Schätze sage ich Gott Dank,

dem Herrscher der Wunder, dem ewigen König,

für alles, was ich sehe, dass ich meinem Volke

solch Gutes noch gewann vor meinem Todstag!

Nun habe ich mein Leben dahingegeben

für den Reichtum des Horts; so sorgt nun gut

für die Not des Volkes! Ich kann nicht mehr bleiben.


Lasst mir einen Hügel errichten von den Helden,

der glänzend am Ufer der See emporragt

auf dem Hronnes-Ness zur Erinnerung,

dass die Meer-Fahrer ihn Beowulfs Hügel

nennen mögen, wenn sie die Schiffe

durch die dunkle Flut von ferne steuern!“


Vom Halse nahm er den goldenen Ring,

der kühne König, gab ihn dem Knappen,

dazu den goldenen Helm, die Brünne und den Ring,

heiß ihn diese nutzen mit Freuden im Herzen:


„Du bist der letzte Rest unseres Geschlechts,

der Waegmundinger-Sippe. Das Schicksal raffte

alle meine Verwandten hinweg zur Todes-Macht,

die Helden in ihrer Pracht – ich folge ihnen nach!“


Dies war das letzte Wort des weisen Greises,

ehe er den Scheiterhaufen wählte. Seine Seele entfloh

aus der Brust zur Belohnung der Gerechten.


Schwer war es dem jungen Degen,

seinen geliebten Herrn so leblos zu sehen,

elend auf Erden. Auch der Mörder lag da,

der grässliche Erddrache, des Atems beraubt,

gefällt im Kampfe. Das scharfe Eisen

hatte dem Geflügelten ein Ende gemacht;

er stürzte zu Boden nahe dem Horte,

konnte nicht mehr fliegen in der Nacht,

stolz auf seine Schätze: Er sank zur Erde

durch die Hand des Helden-Königs.


Nur wenige Männer vermögen es,

wie Geschichten berichten, wie stark sie auch seien,

dem Gift-Atem des Feindes zu trotzen

und die Halle des Horts zu stürmen,

wenn der Hüter darin auf der Wache steht.

Beowulf zahlte mit dem Tod für den Schatz;

beide Gegner fanden das Ende des Lebens.


Bald kamen die Feigen aus dem Forst herfür,

zehn Eid-Brecher, die es zuvor wagten,

keinen Speer zu führen in der Not ihres Herrn.


Nun schlichen die Schändlichen mit den Schilden heran,

die Feigen zum Toten, wo der Alte lag.

Sie blickten auf Wiglaf: Der Brave saß

am Erl der Geaten, wusch ihn mit Wasser.

Nichts half sein Hoffen: Nicht halten konnt er

das Leben des Landes-Herrn auf der Erde,

nicht wenden den Willen des Walten-Gottes.


Klar gab der Jüngling die grimmige Antwort

den Zaudernden zurück, als er sie schaute:

„Wer die Wahrheit wagt, der weiß es genau:

Der König, der Kronen und Kettengewänder

euch reichlich reichte an der Methalle Bank,

verwarf seine Waffen an wertlose Knechte,

die im Schlachten-Schoß den Schutz versagten!


Gott gab ihm den Sieg mit dem eigenen Schwert,

doch wenig Hilfe vermochte ich zu leihen.

Die Schenker von Schätzen und Schwertes-Segen

werden heimatlos ziehen; euer Hof-Erbe

geht verloren dem Volke, wenn die Fürsten hören

von eurer fluchtartigen Schand-Tat!

Der Tod ist getreuen Degen viel lieber

als ein Leben voller Schande!“


Er hieß die Kunde zur Burg zu tragen.

Am Klippen-Kamm saßen die Kämpe traurig,

die Schild-Träger meinten den Tod des Herrn.

Der Reiter berichtete die rechte Märe:


„Nun schläft der Spender des Geaten-Volkes

auf dem Todes-Bett durch des Drachen Tat!

Der Schild-Würger liegt auch schrecklich gefällt,

vom Messer ermordet. Nun wacht Wiglaf,

Weohstans Sohn am Beowulfs Seite,

der Lebende hält die Leichen-Wache.


Dem Volke droht Fehde, wenn der Fall des Königs

den Franken und Friesen fern bekannt wird.

Der Groll begann, als Hygelac zog

mit dem Heer zu den Hugas im Friesen-Land;

die Hetware schlugen den Helden danieder,

kein Herrscher-Gold gab er den Mannen.

Auch vom Schweden-Volke ist kein Schutz zu erwarten!


Ihr König Ongentheow erschlug Haethcyn

einst im Raben-Holz, als die Geaten-Schar

in Stolz die Scylfinge zu suchen wagte.

Doch der alte Sire schlug unerbittlich zurück,

befreite die Gattin, die Gold-Rreiche,

und jagte die Geaten in den grünen Forst.

Die Müden umzingelte er die ganze Nacht,

drohte den Verwundeten mit dem Galgen-Holz.

Doch Rettung brachte Hygelacs Horn

beim Tages-Anbruch mit getreuer Schar.


Ein blutiger Pfad von Schweden und Geaten

war weit zu erblicken im Wütend-Fechten.

Der alte König zog zur Feste zurück,

Ongentheow floh vor Hygelacs Macht,

vertraute den Erdwällen nicht mehr im Streit.

Doch Hygelacs Banner folgten den Fliehenden,

bis die Hrethelinge die Feste erstürmten.


Wulf schlug den alten Scylfing

mit der Scharf-Klinge, dass das Blut ihm floss.

Doch der Greis vergelts mit gewaltigem Hieb,

spaltete den Helm des Sohnes Wonreds.

Da sprang Eofor zur Hilfe herbei,

zerschmetterte Ongentheows Riesen-Helm.

Der Hüter des Volkes sank tödlich getroffen.


Eofor nahm die Eisen-Brünne,

den feinen Helm und das feste Schwert,

brachte die Beute zum Fürsten Hygelac.

Der König verglat die kühne Tat,

gab Eofor und Wulf ein gewaltiges Gut,

dazu die einzige Tochter dem Eofor zum Pfand.


Das ist die Fehde und der Feinde Zorn,

weshalb die Schweden uns suchen werden,

wenn sie erfahren, dass der Fürst nun tot ist,

der Land und Hort stets tapfer hütete.


Lasst uns eilig gehen, den Edlen zu schauen,

den Spender der Ringe zum Scheiterhaufen tragen!

Nicht einzelne Stücke sollen verbrennen:

Der ganze Hort, das Gold ohne Zahl,

muss im Feuer vergehen mit dem Geaten-König!

Kein Edler soll Erbe als Schmuck mehr tragen,

keine Jungfrau den Ring um den Hals sich winden,

sondern traurig wandern auf fremden Pfaden.


Der Morgen-Speer wird kalt umfasst,

von Händen erhoben; kein Harfenspiel

weckt die Krieger auf. Nur der Rabe rühmt,

wie er gemeinsam mit dem Wolf die Gefallenen fraß!“


So kündete der Treue die traurige Märe,

unverfälscht die Worte der Wunden und Not.

Die Krieger erhoben sich, kletterten weinend

zum Klippen-Kamm, das Wunder zu schauen.

Sie fanden auf dem Sande den seelenlosen Herrn,

den Spender der Ringe leblos gestreckt.

Sein letzter Tag war dem Tapferen gekommen,

der König der Geaten durch den Tod gefällt.


Sie erblickten auch das außerirdische Wesen,

den feurigen Drachen, verbrannt auf dem Feld.

Fünfzig Fuß maß das Monster an Länge.

Ringsum standen Schalen und kostbare Schwerter,

vom Rost zerfressen, wie sie tausend Winter

im Schoß der Erde schlafend verbrachten.

Denn der riesige Hort war mit Zauber belegt:

Kein Mensch durfte die Halle berühren,

es sei denn, der Himmels-König hieß es gut.


Wiglaf sprach, der Sohn Weohstans:

„Durch des Einen Wille müssen viele Helden

oft Jammer erdulden, wie es uns nun geschieht.

Unser geliebter König wollte nicht hören

auf den Rat der Mannen: Er sollte den Hüter

des Schatzes lassen, wo er lange schon lag.

Nun ist der Hort gewonnen, doch zu hart der Preis,

der den Landes-Herrn dorthin getrieben!


Ich war in der Höhle, beschauete den Schatz,

als der Weg mir offenstand unter der Wand.

Ich ergriff eine Last mit gierigen Händen,

trug sie dem Fürsten noch lebend herbei.

Der alte Greis grüßte euch alle,

hieß euch bauen ein hohes Grab-Mal

auf der Stätte des Feuers, wie er es verdiente.


Lasst uns eilig treten zum zweiten Male,

um die Wunder zu schauen unter der Wand!

Den Aufgebahrten lasst uns tragen zum Grab,

wo er lange ruht im Schutze des Gottes!“


Da befahl der Jüngling den Bauleuten allen,

Holz heranzutragen von fern für den Scheiterhaufen:

„Das Feuer verzehre den furchtlosen Helden,

der im Pfeil-Regen oft fest gestanden!“


Der sinnige Wiglaf wählte sieben Degen,

ging als achter Mann unter das feindliche Dach.

Ein Kämpe trug die brennende Fackel.

Sie warfen kein Los, plünderten den Hort,

trugen die Schätze schnell aus der Höhle.

Den Drachen stürzten sie über die Klippe,

die Meeres-Woge verschlang den Wurm.

Das gewobene Gold wurde reichlich geladen,

der graue König zum Hronnes-Ness getragen.


Da schafften die Geaten auf der Erde den Haufen,

behängten den Stoß mit Helmen und Brünnen,

wie er es gebeten hatte. In die Mitte legten

die trauernden Helden ihren teuren Herrn.

Auf dem Hügel entfachten sie das größte der Feuer:

Rauch stieg schwarz über die Flamme empor,

das Krachen der Glut schmolz die Knochen-Rüstung.


Eine alte Frau sang voller Sorgen,

mit gebundenem Haar, das Klaglied für Beowulf,

fürchtete Schande und schreckliche Schlachten.

Der Rauch wurde vom Himmel verschlungen.


Das Volk der Geaten baute am Ufer

einen Hügel, hoch und breit, weit über das Meer zu sehen.

In zehn Tagen war das Denkmal vollendet,

ein Wall um die Asche des Würdigsten gebaut.

Sie legten im Hügel die Ringe und Schätze ab,

anvertraut der Erde, wo das Gold nun liegt,

so unütz den Menschen, wie es ehedem war.


Rings um den Hügel ritten die Helden,

zwölf der Athelunge, beklagten den König,

sangen das Klaglied, rühmten seine Taten.

So trauerten die Mannen um ihren Herrn:

Sie priesen ihn als den mildesten der Könige,

den gütigsten Menschen, nach Ruhm am eifrigsten!