CREDO

VON TORSTEN SCHWANKE


Feierlich endet das Fest mit der heiligen Liturgie nun,

da wir das neunzehnte Säkulum treu des Martyriums feierten,

welches die Apostel Petrus und Paulus erlitten für Christus.

Damit schließt sich das Jahr des Glaubens, das jenen gewidmet,

daß wir bezeugen den festen Willen, das Erbe zu wahren,

welches sie uns überliefert, und tiefer im Geist zu entflammen,

mitten im Lauf dieser Welt, darin die Kirche nun pilgert.



Pflicht ist es uns, den Dank auch öffentlich jenen zu sagen,

welche dem Rufe gefolgt und dem Jahr des Glaubens die Fülle

schenkten durch tiefere Bindung des Herzens an Gottes das Wort hier,

wie auch durch Erneuerung des Bekennens in vielen Gemeinden.

Ihnen, den Brüdern im Bischofsamt, und der gläubigen Schar auch

spenden wir unseren Dank und den Segen der katholischen Kirche.



Ebenso drängt es uns jetzt, den Auftrag Christi zu erfüllen,

den er dem Petrus gab, als dessen Nachfolger (wenn auch der letzte

wir an Verdienst hier sind): die Brüder im Glauben zu stärken.

Wissend um menschliche Schwachheit, doch stark durch den göttlichen Antrieb,

wollen ein Credo wir sprechen, das zwar kein Dogma definiert,

aber im Kern das Bekenntnis von Nikaia mächtig erneuert,

angepaßt an die Not und den Geist der heutigen Zeiten.



Denn wir erkennen die Unruhe wohl, die im Denken der Moderne

rüttelt am Fundament; in der Welt, die im Wandel begriffen,

wird ja so manche Gewißheit bestritten und heftig bezweifelt.

Selbst Katholiken erliegen der Sucht nach Neuerung heute.

Zwar ist die Kirche verpflichtet, die Tiefen des Bundes zu forschen,

daß sie das göttliche Heil den Geschlechtern verständlicher zeige;

dennoch gebietet die Sorge, die Lehre der Väter zu schützen,

daß nicht Verwirrung und Zweifel die Seelen der Gläubigen stürzen.



Wichtig erscheint es uns hier, an den menschlichen Geist zu erinnern:

Über das Messen hinaus ergreift er das Seiende wirklich,

nicht nur den Spiegel des eigenen Ichs und des eigenen Denkens.

Auch die Schriftauslegung soll den Sinn des Textes ergründen,

achtend das heilige Wort, statt kühne Hypothesen zu bauen.



Aber vor allem vertrauen wir fest auf den Heiligen Geist nun,

der ja die Kirche belebt, und den Glauben, der alles erhält hier.

Wissend, die Menschen erwarten das Wort von des Petrus Nachfolger,

wollen wir heute noch feierlicher die Stimme erheben.



Heute am Fest der Apostel, am Schluss dieses Jahres des Glaubens,

bringen dem lebenden Gott das Opfer des Credos wir dar hier.

Wie einst in Cäsarea Philippi Petrus gesprochen

für die Zwölfe und Christus bekannte als Sohn Gottes des Vaters,

so erhebt sein demütiger Diener die Stimme für alle,

daß er dem Gottesvolk ein Zeugnis der Wahrheit hier schenke.

Vollständig soll es nun sein, ein Licht für suchende Seelen.

Gott zur Ehre, dem Herrn, und gestützt auf Maria die Jungfrau


wie auf die heiligen Zwölfe, verkünden wir heute das Credo.



Festlich glauben an einen nur Gott wir: den Vater, den Sohn auch,

und an den Heiligen Geist; den Schöpfer der sichtbaren Dinge,

wie dieser Welt, darin unser vergängliches Leben dahinzieht,

und der unsichtbaren Welt (der reinen Geister und Engel),

der auch im Menschen erschafft die unsterbliche, ewige Seele.



Einzig ist dieser Gott im unendlich heiligen Wesen,

groß in der Allmacht, im Wissen, der Vorsehung und in der Liebe.

Er ist „Ich bin, der ich bin“, wie er Mose sich selber geoffenbart,

Er ist die Liebe selbst, wie Johannes der Jünger uns lehret.

Sein und die Liebe sind eins in dem Licht, das kein Auge erblicket;

Gott nur allein kann die Kenntnis des dreieinen Lebens uns schenken,

darin zu leben wir hier schon im Dunkel des Glaubens berufen,

nach dem Erblassen des Leibes im ewigen Lichte zu schauen.

Dank sei der göttlichen Güte, daß viele den einen Gott ehren,

wenn sie das Geheimnis der Heiligsten Dreifaltigkeit auch nicht kennen.



Glauben wir an den Vater, der ewig den Sohn hat gezeugt hier;

und an den Sohn, das Wort, das vor Zeiten dem Vater entsprungen;

und an den Heiligen Geist, die Person, die unerschaffen

aus dem Vater und Sohne hervorgeht als ewige Liebe.

So überfließt in den Dreien das Leben und göttliche Glück nun,

daß man die Einheit im Drei sein und Dreiheit im Einsein verehre.



Glauben an Jesus Christus wir, Gottes eingeborenen Sohn auch,

der als das ewige Wort vor den Zeiten vom Vater geboren,

wesensgleich ihm (homoousios), durch den das All ist erschaffen.

Fleisch ist er worden im Schoß der Jungfrau durch das Wehen des Geistes,

Mensch ist er worden: dem Vater gleich nach der Gottheit des Wesens,

minder als er nach der Menschheit, doch einer in göttlicher Person.



Unter uns hat er gewohnt, voll der Gnade und Wahrheit auf Erden,

hat das Reich Gottes verkündet und uns den Vater gezeiget,

gab uns das neue Gebot, einander wie er zu lieben.

Er wies den Weg der Seligpreisungen: Armut im Geiste,

Sanftmut, Verfolgung und Reinheit des Herzens und Frieden.

Unter Pilatus litt er, das Lamm, das die Sünden der Welt trug,

starb am Stamme des Kreuzes und wusch uns rein mit dem Blute.

Ging in das Grab und erstand am dritten Tage aus eigener Kraft hier,

führte uns aufwärts zum Leben der Gnade; er fuhr in den Himmel,

kommt in Herrlichkeit wieder, zu richten die Lebenden, Toten,

jeden nach seinem Verdienst: die Guten zum ewigen Leben,

jene, die trotzig verweigern die Liebe, zum ewigen Feuer.

Und sein Reich wird kein Ende mehr haben in Ewigkeit. Amen.



Glauben wir an den Heiligen Geist, den Herrscher und Lebensspender,

der mit dem Vater und Sohne zugleich wird angebetet und verherrlicht.

Durch die Propheten sprach er; gesandt nach des Meisters Erhöhung,

leuchtet, belebt und beschützt und führt er die Kirche durch Zeiten,

reinigt die Glieder, sofern sie der Gnade sich weigern nicht selbst hier.

Sein Tun dringt in die Seele, daß vollkommen wir werden wie Gott ist.



Glauben wir auch an Maria, die Jungfrau geblieben und Mutter

unseres Gottes und Retters, des fleischgewordenen Wortes.

Wegen der einzig erwählten Berufung und durch des Sohnes Verdienste

wurde sie höher erlöst und bewahrt vor der Makel der Erbsünd‘,

übervoll wurde sie reich vor allen Geschöpfen an Gnaden.



Fest mit den Mysterien der Menschwerdung und der Erlösung

ewig verbunden, ward sie, die Unbefleckte, am Ende

ihres irdischen Laufs mit dem Leib und der Seele zum Himmel

aufgenommen und so dem erstandenen Sohne geglichen,

vorausnehmend das Los, das allen Gerechten bestimmt ist.

Mutter der Kirche, als neue Eva, setzt sie im Himmel

fort das mütterliche Amt an den Gliedern des Leibes von Christus,

wirksam am Wachstum des göttlichen Lebens im Geiste der Menschen.



Glauben wir: Alle sündigten einst in dem Urvater Adam.

Dieses bedeutet, daß jene Verfehlung, von ihm einst begangen,

stürzte die menschliche Art, die uns allen gemeinsam, ins Elend.

Heiligkeit wich und Gerechtigkeit auch, die den Ahnen gegeben,

welche im Anfang nicht kannten das Böse, nicht kannten den Tod noch.

Diese gefallene Art nun, beraubt von dem Kleide der Gnade,

schwach in der eigenen Kraft und dem Joch des Todes verfallen,

wird auf die Menschen vererbt; und so wird ein jeder in Sünde

heute geboren. Wir halten es fest mit dem Konzil von Trient auch:

Nicht durch Nachahmung pflanzt sich die Sünde fort, durch Zeugung

geht sie auf alle herab und gehört einem jeden von uns an.



Glauben wir: Jesus Christus, der Herr, hat am Stamme des Kreuzes

durch sein Opfer erlöst uns von jener Schuld und den Sünden,

die wir als Einzelne taten, so daß nach dem Worte des Völker-

lehrers die Gnade noch reicher strömt, wo die Sünde gemächtigt.



Glauben an eine Taufe wir, die von dem Meister gestiftet

zur Vergebung der Sünden. Man soll sie den Kindern gewähren,

obwohl sie selber noch frei von persönlicher Schuld und Verfehlung,

daß sie, des göttlichen Lebens beraubt im Beginne des Daseins,

wiedergeboren aus Wasser und Geist neu erblühen in Christus.



Glauben an eine, geheiligte, katholische Kirche wir fest auch,

welche apostolisch, gebaut von dem Herrn auf dem Felsen des Petrus.

Sie ist der mystische Leib; und zugleich eine sichtbare Ordnung,

hierarchisch reich gegliedert, Gemeinschaft im Geiste und Pilger-

volk auf der Erde hier unten, erfüllt von den Gaben des Himmels.

Keim ist sie, Erstling des Reiches, darin das Werk der Erlösung

fortgesetzt wird in den Leiden der Zeit, bis zur Vollendung im Glanze.

Christus formt seine Kirche im Lauf der Jahrhunderte immer

durch die Sakramente, die reich aus der Fülle des Heilands entspringen.

Diese vereinen die Glieder mit Seinem Sterben und Aufer-

stehen im Wehen des Geistes, der Leben und Antrieb ihr schenket.

Heilig ist sie, obwohl sie die Sünder im Schoße bewahrt hier;

denn sie besitzt ja kein anderes Leben als das aus der Gnade.

Wer aus ihr lebt, wird geheiligt; doch wer sich entfernet vom Strome,

fällt in Verwirrung und Sünde und dämpft ihren göttlichen Schimmer.

Darum leidet sie Schmerz und tut Buße für diese Verfehlungen;

Heilung schenkt sie den Kindern durch Christi Blut und den Geist nun.



Erbin göttlicher Zusag‘ und Tochter Abrahams im Geiste

ist sie durch jene Hebräer, von denen sie liebend die Schriften

hütet und deren Propheten und Ahnen sie feierlich ehret.

Auf den Aposteln begründet, bewahrt sie von Alter zu Alter

deren lebendiges Wort und die Hirtenmacht treu im Nachfolger

Petri und allen Bischöfen, die fest mit ihm sind im Bunde.

Immer vom Heiligen Geiste gelenkt, hat sie Auftrag und Pflicht nun,

Wahrheit zu hüten, zu lehren, zu künden und ganz zu entfalten,

die Gott einstens verhüllt durch die Seher des Bundes gesprochen,

vollends geoffenbart aber durch Christus, den göttlichen Meister.

Alles glauben wir, was in dem Worte Gottes geschrieben

oder mündlich bewahrt und die Kirche uns vorlegt zu glauben,

sei es durch feierlich Urteil, sei es im ordentlichen Lehramt.

Glauben an Unfehlbarkeit wir, die dem Nachfolger Petri gegeben,

wenn er ex cathedra spricht als der Hirte und Lehrer der Christen.

Diese Gewißheit beschützt auch das Kollegium aller Bischöfe,

wenn es im Einklang mit ihm das höchste Lehramt ausübet.



Glauben wir: Jene von Christus gegründete Kirche bleibt ewig

eine im Glauben, im Kult und dem Band der hierarchischen Einheit.

In dem Schoße der Kirche verletzt die Vielfalt der Riten

und das legitime Erbe der Theologen und Bräuche

nicht diese Einheit, sie macht sie vielmehr nur herrlicher sichtbar.



Dennoch erkennen wir an, daß außerhalb ihres Gefüges

viele Elemente der Wahrheit und Heiligung finden sich wirklich,

die ihr als Eigentum zustehen, drängend zur katholischen Einheit.

Glaubend an Gottes Geist, der im Herzen der Jünger des Herren

Liebe zur Einheit entflammt, so hoffen wir innig, daß alle

Christen, die noch nicht im vollen Bunde der Kirche vereint sind,

einstens sich sammeln als eine nur Herde bei einem nur Hirten.



Glauben wir: Notwendig ist sie zum Heil; denn Christus, der Mittler

und der einzige Weg, macht gegenwärtig sich selber

uns in dem Leibe der Kirche. Doch schließt des Vaters Heilsplan

alle Menschen mit ein; und wer ohne Schuld das Evangelium

Christi und seine Kirche nicht kennt, doch aufrichtig Gott sucht,

unter dem Einfluß der Gnade den Willen des Schöpfers zu tun strebt,

wie das Gewissen ihn mahnt – Gott kennt die Zahl jener Seelen –,

kann das ewige Heil und das Leben im Lichte erlangen.



Glauben wir: Jene vom Priester gefeierte heilige Messe,

der in der Person des Heilands kraft der Weihe des Ordens

handelt und opfert im Namen des Herrn und der Glieder des Leibes,

ist das Opfer von Golgota, gegenwärtig gesetzt auf dem Altar.

Wie das Brot und der Wein beim Abendmahl durch den Heiland

wurden verwandelt in Fleisch und in Blut für den Tod an dem Kreuze,

so wird das Brot und der Wein, die der Priester konsekriert heute,

wahrhaft verwandelt in Fleisch und in Blut unseres Heilands im Himmel.

Diese geheimnisvolle Präsenz des Herrn unter den Gestalten,

welche den Sinnen wie vorher erscheinen, ist wahr und substantiell.



Christus kann nicht in dem Sakramente des Altars verweilen,

außer es wandelt das Brot sich im Wesen in Seinen Leib um,

außer es wandelt der Wein sich im Wesen in Sein teures Blut um,

während die Eigenschaften, die Sinnen erfassen, nur bleiben.

Wandlung des Wesens (Transsubstantiation) nennt es die Kirche.

Jede Erklärung der Wissenden, die das Geheimnis ergründet,

muß, um im Glauben zu bleiben, gestehen, daß unabhängig

vom menschlichen Denken das Brot und der Wein nach der Wandlung

wahrhaft zu existieren aufgehört haben, so daß der anbetungswürdige

Leib und das Blut unseres Heilands nun wirklich vor uns sind

unter den Zeichen von Speise und Trank, wie der Schöpfer gewollt hat,

daß er als Nahrung uns diene und fest mit dem Leibe uns binde.



Dieses unteilbare, einzige Dasein des Herrn in dem Himmel

wird nicht vermehrt, doch das Sakrament macht es gegenwärtig

überall dort auf der Erde, wo Messen gefeiert den Völkern.

Dieses Verbleiben dauert auch fort nach dem Opfer im Zelte

(Tabernakel), das recht als das lebende Herz unsrer Kirchen

gilt. Und es ist unsre süßeste Pflicht, in der Hostie zu ehren

und anzubeten das fleischgewordene Wort, das kein Auge

schauen kann, welches im Himmel verweilt und uns dennoch so nah ist.



Wir bekennen: Das Reich Gottes, angefangen in Seiner

Kirche, ist nicht von der Welt, deren irdische Form nun vergehet.

Sein Wachstum darf man nicht mischen mit Fortschritt der Zivilisation,

oder der Wissenschaft oder der menschlichen Technik und Kunst hier;

nein, es besteht in der tieferen Kenntnis der Reichtümer Christi,

stärkerer Hoffnung auf Ewiges, Antwort auf Gottes die Liebe,

großmütiger Gabe der Gnade und Heiligkeit unter den Menschen.

Doch diese Liebe bewegt auch die Kirche, sich immer zu sorgen

um das zeitliche Wohl und das Wohlbefinden der Menschen.

Unablässig gemahnt sie die Kinder, daß keine Bleibe

ihnen auf Erden gegeben; doch treibt sie sie an, für die Heimat

hier auf der Erde zu wirken, für Frieden, Geschwisterlichkeit auch,

Gerechtigkeit stets zu fördern und Armen und Schwachen zu helfen.

Diese Sorge der Braut Christi für Nöte und Freuden der Menschen

ist nur das große Verlangen, mit Christi Licht sie zu segnen,

daß sie am Ende im Retter geeint sind. Doch niemals bedeutet

dieses, die Kirche passe sich an die Bräuche der Welt an,

oder sie mindere Sehnsucht nach ihrem kommenden Herrn und dem Reiche.



Glauben an das ewige Leben wir fest. Die Seelen von allen,

die in der Gnade des Heilands verschieden – ob noch im Fege-

feuer gereinigt sie werden, ob Jesus sie gleich in das Eden

führte (wie einst den Schächer am Kreuz) –, sie bilden gemeinsam

Gottes Volk in der Ewigkeit jenseits des Todes, der endlich

wird überwunden am Tag, da die Seelen die Körper verklären.



Glauben wir: Jene unzählbare Schar um Jesus und Seine

Mutter im Paradiese bildet die himmlische Kirche.

Dort in der Ewigkeit schauen sie Gott, wie er ist, und sie walten

mit den Engeln im Reiche, das Christus in Herrlichkeit führet;

fürsprechend stehen sie uns bei und helfen der menschlichen Schwachheit.



Glauben an die Gemeinschaft wir fest aller Gläubigen Christi:

jener, die pilgern auf Erden, und derer, die nach dem Verscheiden

Läuterung finden, und jener Gesegneten oben im Himmel,

welche zusammen die einzige Kirche des Herren gestalten.

Glauben wir auch, daß im Bunde die gnädige Liebe des Schöpfers

wie auch der Heiligen Schar stets höret auf unsere Bitten,

wie es uns Jesus verhieß: „Wer bittet, dem wird auch gegeben.“

So voll Glauben und Hoffnung erwarten wir Auferstehung

aller Toten im Grab und das Leben der künftigen Welt nun.



Gepriesen sei Gott, die Dreimalheilige Gottheit! Amen.