DAS LIED VON MAGNUS FORTEMAN

VON TORSTEN SCHWANKE



DEN FRIESISCHEN DICHTERN GEWIDMET



Hört meine Worte, Helden im Hallenlicht!

Von uralten Zeiten will ich euch singen,

da Männer und Mutige durch Mythen schritten,

im Schatten der Wälder, im Sturmwind der Schlacht.


Es wuchs ein Krieger in weitem Lande,

Siegfried genannt, der stärkste der Recken.

Früh schon flog sein furchtloser Name

über Wellen und Wogen zu weltweiten Ufern.


Kein Schild war so schwer, dass sein Stahl es nicht brach,

kein König so kühn, der dem Kämpfer nicht wich.

Aus der Schmiede des Schicksals schnitzte er Pfade,

wo Helden verzagten in dunkelster Nacht.


Düster und dicht stand der drohende Forst,

wo der Lindwurm lauerte auf lebendes Fleisch.

Der Drache schnaubte sengendes Feuer,

Dampf und Gestank drangen durchs Feld.


Da hob der Held sein hervorragend Schwert,

glänzend von Gold im gleißenden Licht.

Mit wuchtigem Stoß durch Schuppen und Schild

stieß er den Stahl tief hinein in das Herz.


Der Wurm erlag im wütenden Tod,

Blut floss breit auf brennenden Boden.

Der Kühne badete im Körper des Biestes,

dass Eisen ihn meide, keine Klinge verwunde.


Nun reitet der Recke zu reicheren Hallen,

wo Metherrn den Mut des Mutigen preisen.

Die Sänger schlagen die Saiten der Harfe,

Könige knien vor dem Kämpfer des Lichtes.


So bleibt sein Bild in der Brust aller Völker,

ein ewiges Epos von Eisen und Ehre,

solange die Sonne scheint über Erde und See.


Nun lauscht den Liedern von loyalem Gefolge,

den Gefährten des Helden, die Gunst ihm schworen!

Kein Recke ritt je allein durch die Nacht:

An Siegfrieds Seite schritten die Kühnen,

geprüft in Gefahren, gehärtet im Eisen.


Da war Hagen von Tronje, hart wie der Fels,

ein dunkler Denker mit durchdringendem Blick.

Sein Schild trug Schrammen von hundert Schlachten,

sein Wille war Wildheit, seine Worte wie Stahl.


Ihm folgte Falk, der flinke Bogenschütze,

dessen Pfeile wie Pfiffe den Phönix trafen,

und Gunther der König, von glänzendem Geblüt,

der Herrscher des Rheins in reichster Rüstung.


Sie suchten das Silber des Sumpfkönigs Schatz,

der tief in den Tälern der Trollberge schlief.

Ein garstiges Ungeheuer, Grendels Geschlecht,

bewachte die Bronzen in dunkler Höhle.


Der Wind blies wild über frostige Felsen,

Schnee schlug scharf in die Schultern der Schar.

Doch kein Zaudern zähmte die zornigen Recken,

sie schritten durch Schnee und schneidenden Frost.


Im Munde des Bergmonsters machten sie Halt.

Aus dem Schatten sprang die scheußliche Kreatur,

mit Klauen wie Klingen und feurigem Kiefer.


Da brüllte Hagen sein brandendes Kriegsgeschrei!

Sein Breitschwert blitzte im düsteren Bau.

Er spaltete scharf den Schild des schrecklichen Feindes,

während Falk aus der Ferne die Flanken durchbohrte.


Mit vereinten Kräften fällten sie das Monstrum,

der Riese sank röchelnd im roten Blut.

Die Gefährten gewannen den glänzenden Hort,

Jubel erschallte im uralten Gestein!


Nun stechen die Starken in der Stürme Getöse,

auf hölzernem Hengst durch die heulende Flut!

Sie wollten zum Weltrand, wo die Hünen hausen,

ins Land der Riesen, wo die Felsen froren.


Der Maste Krachen klang durch die Nacht,

das Schiff schlingerte auf schaumigen Wogen.

Siegfried stand fest am geschnitzten Ruder,

sein Blick war Brandung, sein Wille wie Fels.


Der Ozean brüllte in blinder Wut,

Riesige Rollwellen rannten ans Deck.

Da fasste Hagen die feuchten Taue,

ein dunkler Recke im drohenden Gischt.


Auch Gunther der König kämpfte mit Kräften,

sein Purpur war nass von salzigem Schaum.

Kein Zaghafter zitterte in der Schar der Gefährten,

sie trotzten dem Tod auf tiefstem Meer.


Da brach durch die Wolken ein bleicher Strahl:

Graue Gipfel grüßten im Dunst!

Das Reich der Riesen ragte empor,

aus der Kälte der Küste erwuchs der Kastei-Fels.


Mit wuchtigem Stoß stieß der Kiel

an den steinigen Strand des strengen Landes.

Die Helden sprangen ins eisige Wasser,

bereit für den Kampf mit den Kolossen der Kälte!


Sie schritten durch Schnee im schweigenden Lande,

bis die Halle des Hünen im Horizonte erschien.

Aus Eisblöcken erbaut, von Eiszapfen starrend,

ragte der Bau in den rauesten Himmel.


Da trat aus dem Tore der Titan der Täler:

Thrym, der Riesenkönig, reich an Gewalttat!

Sein Bart war von Frost, seine Brust wie eine Burg,

eine Keule aus Eisen trudelte in der Tatenhand.


„Wer wagt es zu wandeln in meinem Reiche?“,

brüllte der Koloss, dass die Berge bebten.

„Männlein und Mücken schlage ich zu Mehl!“


Doch Siegfried erschrak nicht vor dem schrecklichen Hünen.

Er zog sein Zornschwert, den glänzenden Stahl,

und rief durch den Raum mit reiner Stimme:

„Wir kommen als Kämpfer, nicht als kriechende Knechte!“


Da holte der Hüne zum Hiebe aus,

die Eiskeule sauste wie ein stürzender Felsen.

Doch Siegfried sprang flink zur Scharfblatt-Seite,

der Wuchtstoß zerschlug nur den gefrorenen Boden.


Nun stürmte Hagen mit harter Klinge,

er schnitt in die Sehne des starken Riesen.

Thrym brüllte vor Zorn, der Schmerz schlug durch,

er wankte wie eine Eiche im wütenden Sturm.


Da fasste der Furchtlose die Flanke des Feindes:

Siegfried schwang hoch das schwere Schwert!

Mit gewaltigem Streich durch Schnee und Sehnen

trennte er das Haupt vom hässlichen Hals.


Der Riesenkönig sank wie eine stürzende Lawine,

sein Körper zerschmetterte das knackende Eis.

Die Schar der Gefährten schrie vor Jubel,

der Schrecken der Berge war schrecklich gefällt!


Sie raubten die Schätze aus den riesigen Hallen,

funkelnde Geschmeide und gefrorenes Gold.

Auf starken Schultern schleppten die Helden

die Beute der Bergriesen zum breiten Strand.


In den Bauch des Schiffes bargen sie die Schätze,

Kisten voller Klunker und kostbare Kronen.

Das Holz ächzte tief unter der teuren Last,

doch die Gefährten lachten im geliebten Sieg.


Sie stießen das Schiff vom steinigen Ufer,

die Masten bogen sich im milden Wind.

Die See war besänftigt, der Sturm war geschwunden,

wie glattes Glas glitt die Flut.


Falk griff zur Harfe, fein klang die Saite,

er sang von der Schlachten siegreichem Ende.

Die Ruderer ruderten im rhythmischen Takt,

froh in den Herzen, heimwärts gewandt.


Da tauchten am Horizont die heimischen Hügel auf,

der Rhein floss ruhig durch das reiche Land.

Auf den Zinnen der Bastei sahen sie die Banner,

Freudenfeuer brannten zum Fest für die Recken.


Die Krieger kehrten als Könige zurück,

ihr Ruhm hallte wider in der Helden Halle.

So endete die Fahrt ins eisige Riesenreich,

ein ewiger Gesang für alle Zeiten!


Das Heer stand im Hofe, die Hornstöße schallten,

durch Rhein-Täler rauschte der Ruhm der Recken!

König Gunther gebot ein gigantisches Fest,

wo Helden sich labten am hohen Tische.


Die Pforten flogen auf zur prunkvollen Halle,

Feuer flackerten auf gepflastertem Boden.

Der Duft von Braten durchdrang die Bänke,

wo Männer und Mädchen mutig sich sammelten.


Hörner gehoben in heiterer Runde,

der Süß-Met floss in strömenden Bächen!

Kühne Kämpfer ließen klingen die Becher,

sie tranken auf den Tod der getöteten Riesen.


Hagen lachte laut, die Miene erhellte sich,

sein grimmiger Gram im gegorenen Trank ertrank.

Siegfried saß stolz im Seidengewand,

neben Gudrun der Schönen, der glanzvollen Maid.


Die Sänger griffen zur saitenreichen Harfe,

sie priesen die Phalanx der furchtlosen Fahrt.

Das Dachgebälk dröhnte vom Donner des Jubels,

als das Volk laut Viva den Siegern sang!


Sie tanzten und stampften auf steinernem Grund,

bis die Sterne erblichen am östlichen Himmel.

So feierten die Recken die reiche Nacht,

eh der Fluch des Goldes ihre Freude verfinsterte.


*


Nun meldet die Märe von Magnus Forteman,

dem friesischen Feldherrn, der Furcht nie kannte!

In manchen Überlieferungen an dem Ufer

wird er Magnus Singel von den Sängern genannt.


Als Kaiser Karl die Krieger rief,

um Rom zu erretten aus räuberischer Not,

Da sammelte Magnus die Männer der Marschen,

friesische Freie von der flachen Küste.


Sie schritten mit Speeren zum starken Streit,

die Kämpfer der Küste im kühnen Ansturm.

Kein Wall war zu hoch, kein Wallgraben zu tief,

wo Magnus die Mannen durch Gefahren führte.


Mit wuchtigem Streich und wildem Mut

brach Forteman die Pforten der fremden Stadt.

Er pflanzte die Fahne auf die feindliche Mauer,

das Friesenbanner flog im feurigen Wind!


Der Kaiser staunte ob der Stärke der Helden,

er schenkte den Friesen ihr höchstes Gut:

Das Ewige Recht, den unbeugsamen Frieden,

dass kein Friese kniee vor fremden Herren!


So blieb Magnus’ Name im Gedächtnis des Volkes,

ein Feldherr der Freien, unüberwunden in Friesland,

solange die Nordsee schlägt an den sandigen Deich.


Aus dem nebligen Norden nahten die Drachen,

auf schäumenden Wogen schlichen die Schiffe.

Wikinger-Räuber, roh und gierig,

suchten die Saaten im saftigen Friesland.


Sie brachten Brand und blutiges Eisen,

Raub und Ruin an die ruhige Küste.

Doch die Glocken schallten durch Gauen und Geest,

der Ruf nach Rache weckte die Recken!


Da sammelte Magnus die Männer der Marschen,

dem Forteman folgten die freien Friesen.

Am deichnahen Strand verdichteten sie die Reihen,

ein unbeugsamer Schildwall gegen die seefahrenden Hunde.


Mit Lanzen und Äxten, lang und scharf,

standen die Starken in der stiebenden Gischt.

Magnus Singel schwang das Schwert,

sein Ruf war Donner: „Rückzug gibt es nicht!“


Die Wikinger wogten wie wütende Wellen,

mit Gebrüll und Gewalt brachen sie ein.

Doch der Schildwall hielt, die Schar stand fest,

wie Felsen im Meer gegen folternde Flut.


Magnus stürmte mitten ins Gemetzel,

sein Breitschwert blitzte im blutigen Meer.

Er fällte den Fürsten der feindlichen Räuber,

mit gewaltigem Hieb hieb er ihn nieder!


Die Wikinger wichen, vom Wahn ergriffen,

sie flohen zu den Drachen auf dunklem Grund.

Die Friesen siegten am sandigen Deich,

die Heimat war frei durch Fortemans Hand!


Nach dem Sieg an den Stränden sammelte Magnus

die freien Friesen zur festlichen Weihe.

Auf hohem Hügel im Herzen des Landes

wehte das Tuch im windigen Hauch:


Ein Tuch wie Blut, blutrot und stramm,

von Jungfrauen gewebt aus wertvoller Wolle.

Kaiser Karls Krone glänzte als Zeichen,

mit goldenen Seerosenblättern reich verziert!


Magnus hob das Banner mit mächtiger Hand,

er weihte die Fahne durch feierliches Wort:

„Dies Rot sei euch Schutz und heiliges Symbol,

so lang wie die Wogen an den Deichrand schlagen!“


Da neigten die Mannen ihre mächtigen Speere,

sie schworen den Eid auf das schimmernde Tuch.

Aus tausend Kehlen klang der Ruf,

ein Donner des Eides über der weiten Marsch:


„Wir dienen keinem Zwingherrn, keinem fremden Fürsten,

kein König soll knoten das Band unserer Freiheit!

Der Friese bleibt frei, so lang der Wind weht,

so lang die Sonne scheint über Erde und See!“


Sie pflanzten das Banner tief in den Boden der Heimat,

das Magnus-Tuch auf der Mutter Erde.

Der Kaiser bestätigte den kühnen Bund,

das Freiheitsrecht geboten für ewige Zeiten.


So weht das Rot durch die wechselnden Jahre,

ein ewiges Zeichen von Stolz und Stärke,

besungen von Skalden im gesegneten Friesland!


Nicht nur Könige und Klingen bekämpften die Kühnen:

Ein ewiger Feind fraß an der Küste!

Die graue Nordsee, gierig und wild,

spuckte den Schaum über das flache Land.


Sturmwinde heulten in dunkelster Nacht,

die Flut stieg höher als der höchste Hügel.

Menschen und Vieh versanken im Schlamm,

der blanke Hans brach jedes Bündnis.


Da trat Magnus Forteman mitten ins Gewusel,

der Held der Friesen hob die Hand:

„Kein Feind zwingt uns, kein Fürst uns beugt,

soll uns das Meer nun das Mutterland rauben?


Wir bauen ein Kastell aus Erde und Kleie,

einen Wall gegen die Wellen, gewaltig und stark!

Wer nicht will weichen, der werfe den Spaten,

wir bändigen die See mit starkem Arm!“


Da strömten die Starken zum Strand und Deich,

tausend Friesen taten das Werk.

Sie gruben den Grund und häuften den Hügel,

sie schichteten Soden im schneidenden Wind.


Der Schweiß floss reichlich auf salzigen Sand,

die Muskeln brannten vom mächtigen Heben.

Die See schlug wütend an das neue Werk,

doch die Mauer aus Erde gab nicht nach.


Als der Morgen graute über glattem Meer,

stand der Staudamm, stolz und steil!

Die Wogen wichen vor der Wallburg der Freien,

der Deich hielt stand der drohenden Flut.


Da rief Magnus laut über das gemachte Land:

„Rüm hart, klaar kimmen – das Herz sei rein!

So stehen die Friesen im Streit mit der See,

Herrscher der Küste für alle Zeit!“


Da kamen Kuriere aus kaiserlichen Landen,

Eilboten ritten durch die einsame Marsch.

Sie brachten die Botschaft von Kaiser Karl,

der im fernen Süden nach Starken schrie:


„Rom steht im Feuer, die Heilige Stadt,

von Sarazenen umzingelt, von Rebellen umringt!

Der Papst leidet Not auf dem Petrusthron,

wo heidnische Horden die Hallen entweihen!“


Da zögerte Magnus keine Sekunde,

der Forteman rief die furchtlose Schar!

Aus Westlauwers Landen und östlicher Geest

sammelten sich Helden in schimmernder Rüstung.


Sie verließen die Deiche, die geliebte See,

und machten sich auf den mächtigen Weg.

Über hohe Alpen, durch eisigen Schnee,

marschierten die Mannen nach Süden ins Feld.


Nun sahen die Recken die riesigen Mauern,

die Türme Roms im glühenden Licht.

Doch die Tore waren versperrt von den feindlichen Scharen,

eine Wand aus Waffen versperrte den Weg.


Magnus Singel zog sein Schwert,

er blickte die Friesen mit Brandungssinn an:

„Kein Riesenkönig, kein Räuber im Nord

hat unseren Schritt je im Streite gehemmt!

Wir brechen die Pforten für den Papst und die Freiheit!“


Mit gewaltigem Geschrei stürmten die Starken,

der friesische Schildwall schob sich voran!

Kein Pfeilhagel bremste die Brust der Recken,

sie zertrümmerten Tore mit tätschelnden Äxten.


Magnus kämpfte in der vordersten Reihe,

sein Stahl spaltete Schilde der Belagerer.

Die Rebellen wichen, die Räuber flohen,

die Friesen befreiten die Heilige Stadt!


In den hohen Hallen des Heiligen Stuhles

traten die Friesen vor die Throne der Macht.

Magnus Forteman marschierte voran,

das blutrote Banner in der geballten Faust.


Da saß Kaiser Karl im Glanz des Goldes,

neben dem Papst im purpurnen Ornat.

Beide neigten die Häupter vor den Heldengestalten,

die den Schrecken geschlagen in schwerster Not.


Der Papst erhob seine priesterliche Hand,

er segnete die Schar mit salbungsvollem Wort:

„Ihr Kämpfer von der Küste, ihr Kühnen im Geist,

habt Petrus errettet aus räuberischer Hand!“


Auch Karl der Kaiser verkündigte Dank,

er sprach zu Magnus vor dem gesammelten Hof:

„Kein Volk in der Welt hat mit solcher Gewalt

die Pforten durchbrochen im feindlichen Sturm!

Fordert euren Lohn, ihr Freien aus dem Norden!“


Da antwortete Magnus mit mächtiger Stimme,

kein Gold erbat er, keine glänzenden Schätze:

„Nicht Gold noch Güter gieren die Friesen,

keine Ländereien verlangen wir im fremden Land!


Nur ein einziges Geschenk sollst du uns gewähren:

Dass der Friese bleibe ein freier Mann!

Dass kein Fürst uns beuge, kein Zwingherr uns zwinge,

dass wir neigen das Knie vor keinem auf Erden!“


Der Kaiser nickte im königlichen Rat,

er siegelte die Urkunde mit goldenem Stempel:

Das Magnus-Privileg für die Männer der Marsch,

der Friesen Freiheit für alle Zeiten!


So kehrte der Feldherr mit der Freiheitsurkunde

zurück an die Gefilde der grollenden See.


Über die Alpen passten die pfeilschnellen Recken,

durch Wälder und Wiesen wälzte sich der Zug.

Das Magnus-Privileg, in Gold versiegelt,

trugen die Friesen wie ein teures Kleinod.


Als sie nahten der Heimat, der mütterlichen Erde,

flog die Frohe Nachricht von Dorf zu Dorf.

Aus den Sumpf-Siedlungen und den saftigen Marschen

strömten die Menschen an den sandigen Deich.


Auf dem Heiligen Hügel, dem hohen Upstalsboom,

sammelte Magnus das gesamte Volk.

Die Ältesten standen in ehrfurchtsvoller Stille,

während der Feldherr trat vor die freie Menge.


Er hob die Urkunde mit der kaiserlichen Kapsel,

das Pergament blitzte im glänzenden Licht:

„Hört meine Worte, ihr Männer der Marsch!

Der Kaiser hat besiegelt, was keiner uns nimmt!“


„Frei ist der Friese, solange der Wind weht,

solange die Woge schlägt an die weiche Küste!

Kein König gebietet über unser Knechtshaus,

nur Gott und das Gesetz gelten im Lande!“


Da jubelte das Volk in überwältigendem Zornesmut,

ihr Geschrei erschütterte den steilen Deich!

Sie schworen zu wahren das wertvolle Recht,

durch Blut und Brodem für alle Zeiten.


Magnus Forteman hängte die Hülle

in der Halle der Freien an den höchsten Balken.

Sein Name wurde Nektar in den Mündern der Mütter,

die es kämpfenden Kindern als Mär erzählten.


So blieb die Freiheit das Banner der Friesen,

erkämpft in Rom und geschützt an der See.


Die Jahrhunderte jagten wie johlende Stürme,

Könige kamen und Könige verfielen.

Reiche zerrannen wie Rieseln im Sande,

doch der Name von Magnus weicht nicht im Wind.


Ob an der Weser Winden oder am Westlauwers Meer,

in den Hütten der Hirten und den Hallen der Stadt:

Noch immer erzählen die Alten am Kamin

vom Feldherrn der Freien, der Furcht nie gekannt.


Wenn die Nordsee brüllt in der Nacht des November,

und Wellen wie Wände an die Deichkrone schlagen,

da glauben die Friesen im Grollen des Wassers

den mächtigen Forteman mitten im Sturm.


Sie sehen sein Banner, das blutrote Tuch,

wie es flackert im Nebel über flachem Land.

Sein Geist zieht als Hüter an der Grenze der Küste,

ein ewiger Wächter vor Wasser und Wut.


Der Spaten gräbt tiefer, das Schiff zieht seine Bahn,

die Zeiten sich wandeln, doch das Zeichen bleibt bestehen:

Freiheit für ewig, Frieslands Gebot,

das Magnus vor Kaiser und Königen erzwang!


So lebt der Legende leuchtender Glanz,

solange die Sonne scheint über Gau und Geest,

solange ein Friese trotzt der tobenden See.


Vor den mächtigen Mauern der Marmorstadt Rom

stand die Schar der Friesen im staubigen Felde.

Die Tore waren verriegelt von feindlichen Scharen,

Eisen und Eiche versperrten den Weg.


Da schritt Magnus voran, der furchtlose Feldherr,

sein Breitschwert blitzte im brennenden Licht!

Kein Pfeilhagel bremste den Brustschild des Helden,

er rief durch den Rauch mit rollendem Zorn:


„Folgt mir, ihr Freien, zum finalen Stoß!

Wir zerschmettern die Zinnen für der Zukunft Heil!“


Er rannte als Erster an die eisernen Pforten,

wo die Rebellen ragten in rauer Gewalt.

Mit wuchtigem Tritt und gewaltigem Hieb

traf sein Stahl das starke Gestänge.


Holz splitterte laut, die Riegel zerbrachen,

unter Magnus' Mut wich das Gemäuer!

Als Erster erklomm er die feindliche Schwelle,

hoch über den Händen der hasserfüllten Meute.


Er schwang die Axt und schlug die Bresche,

da strömten die Friesen in die befreite Stadt!


Die Feinde flohen vor dem furchtbaren Held,

der Weg war gebahnt durch Fortemans Hand.

Rom war gerettet vom Kühnsten der Küste,

sein Name als Stürmer auf ewig gerühmt!


Hoch auf den Marmormauern Roms,

wo der Rauch noch rollte von blutigem Ringen,

stand Magnus Forteman, der Sieger der Schlacht,

im Wind der Weltstadt, wund und stolz.


Aus seiner Rüstung Riemen zog er das Tuch,

das rote Banner, gewebt aus der Heimat Wolle.

Das Wappen der Friesen, mit Seerosenblättern verziert,

glänzte golden im gleißenden Licht.


Mit mächtigem Stangen-Stoß stieß er das Holz

tief in die Zinnen der eroberten Stadt.

Das Mauerwerk knirschte, der Mörtel stob,

als der Schaft sich senkte in steinernen Grund.


Da entfaltete der Wind das feurige Rot:

Das Friesentuch wehte hoch über Rom!

Ein Zeichen des Sieges, weit schon zu sehen,

vom Tiber-Ufer bis zum Thron des Kaisers.


Unten im Staub der Straßen sahen die Recken

das heimische Rot auf den höchsten Türmen.

Ein Donnern des Jubels durchdrang die Gassen,

aus tausend Kehlen der Kämpfer der Küste!


Sie schlugen die Schilde mit scharfem Stahl,

ihr Geschrei erschütterte die Ufer des Flusses.

Magnus blickte herab von den befreiten Zinnen:

Der Friesen Freiheit war auf ewig gepflanzt!


Durch die trümmerbedeckten Tore ritt Kaiser Karl,

im Glanz des Goldes, von Gefolgsleuten umringt.

Er sah auf die Zinnen, wo das blutrote Tuch

im Südwind wehte über der befreiten Stadt.


Vor dem Mauerfuß hielt das mächtige Ross:

Der Herrscher des Reiches erblickte den Friesen.

Magnus Forteman schritt herab,

vom Rauche gezeichnet, das Schwert in der Hand.


Da neigte Karl das Haupt vor dem Kühnen der Küste,

er sprach mit einer Stimme, die wie Donner schallte:

„Kein König im Reiche, kein Ritter im Feld

hat solche Verwegenheit je vollbracht im Streit!


Als Erster erklimmst du die eisernen Pforten,

wo Helden verzagten im Hagel der Pfeile!

Dein Mut hat Rom aus der Not errettet,

dein Banner bändigte den bösen Feind.“


„So wahr Gott herrscht im hohen Himmel,

dein Name soll leuchten durch alle Zeiten!

Kein Geld kann vergelten deine gewaltige Tat –

fordere, Forteman, was dein Herz begehrt,

und der Kaiser gewährt es dem kühnsten Manne!“


Durch stramme Wälder und über steile Pässe

ritten die Recken nach Norden heimwärts.

Magnus Forteman, der Kühne im Kampfe,

barg in der Brust das besiegelte Recht.


Als die Helden nahten dem heimischen Deiche,

wo die Gischt spritzte an das grüne Land,

da eilten die Friesen aus allen Gauen,

um den Feldherrn zu grüßen nach der Fahrt.


Auf der hohen Stätte, dem Heiligen Hügel,

tritt Magnus vor das Volk in der Mittagssonne.

Er hob die Hand, die das Haupt Roms befreite,

und entrollte die Urkunde mit dem kaiserlichen Siegel:


„Hört, ihr Freien, das heilige Wort!

Kein König soll knüpfen Knechtschafts-Bande!

Der Kaiser schenkte uns ewigen Frieden,

weil unser Banner wehte auf den Burgen Roms!“


Da neigten die Mannen die mächtigen Speere,

ein Donnern des Dankes durchdrang die Marsch.

Sie gelobten zu schützen das geschenkte Recht,

gegen Könige, Kaiser und Kriege der Welt.


So brachte Magnus die Freiheit nach Hause,

ein ewiges Erbe für der Friesen Geschlecht,

solang die Wellen schlagen an den weißen Strand.


Hört den Gesang der Gischt, das Grollen der Küste,

wo freie Friesen seit uralten Zeiten

trotzen den Stürmen und Tyrannen der Welt!


Kein Zwingherr zähmte das zornige Volk,

kein König knüpfte ein Knechtschafts-Band.

Vom Westlauwers Strand bis zur Weser-Mündung

wahrte der Friese sein wertvolles Recht:

Zu stehen wie Felsen in der stiebenden Gischt,

zu neigen das Knie vor keinem auf Erden!


Wenn die Wellen wüten am weichen Deich,

stehen die Starken Schulter an Schulter.

In Not und Nacht nützen sie einander,

ein einiges Volk an der ewigen See.


Das blutrote Tuch mit den blitzenden Blättern

weht in der Brise als heiliges Zeichen:

Rüm hart, klaar kimmen – das Herz sei rein,

der Blick sei weit über Wellen und Watt!


So schützt der Schwur die Schönheit des Landes,

solange die Sonne scheint über Gau und Geest,

solange der Wind weht durch die weite Marsch.

Ewig bleibt frei der Friese an der Küste!


Da stand der Feldherr vor dem Thron des Kaisers,

im Glanze Roms, von Großen umringt.

Kaiser und Papst preisen den Recken,

sie boten ihm Becher voll blitzendem Gold:


„Nimm diesen Schatz, du Stärkster der Friesen,

Silber und Seide für deine siegreiche Schar!“


Doch Magnus Forteman schüttelte das Haupt,

er wies von sich die wertlose Beute:

„Nicht Gold noch Güter gieren die Meinen,

kein schimmerndes Silber schaffen wir heim!

Höheres begehrt das Herz der Freien:

Rechte für mein Volk an der rauen Küste!“


Er hob seine Hand und forderte vor dem Hof,

drei unbeugsame Rechte für der Friesen Geschlecht:


Der Kaiser gewährt das heilige Privileg:

Ein freies Volk soll der Friese bleiben,

ungebeugt unter der Sonne, so lang die See schlägt!


Keine Abgaben fließen an fremde Landesherren,

kein König erpresse die Männer der Marsch!

Unterworfen nur Gott und dem Kaiser allein,

frei von den Fesseln der fürstlichen Gier.


Selbstverwaltung herrsche im heimischen Gau,

eigene Richter richten nach Brauch!

Auf dem Upstalsboom unter der alten Eiche

gelte das Gesetz, das die Gemeinschaft gebot.


Der Kaiser neigte das gekrönte Haupt,

der Papst segnete das unzerbrechliche Bündnis.

Mit goldenem Stempel auf schwerem Pergament

wurde die Freiheit der Friesen für ewig besiegelt!


Über steile Pfade und durch staubige Gaue

ritten die Recken nach Norden heimwärts.

Magnus Forteman, der furchtlose Feldherr,

trug in den Händen das heilige Recht.


Als der Rauch der Reise am Horizont verflog

und die salzige See-Luft die Sinnen erfrischte,

da strömten die Friesen aus den flachen Marschen

zum Heiligen Hügel, dem hohen Upstalsboom!


Vor der Versammlung des Volkes stieg Magnus empor,

er hob die Urkunde mit dem kaiserlichen Siegel:

„Hört meine Worte, ihr Männer der Küste!

Der Kaiser hat besiegelt, was ewig uns bleibt:


Frei ist der Friese, so lang der Wind weht!

Kein fremder Fürst soll das Volk unterjochen,

wir knechten vor keinem auf dieser Erde!


Kein Pfennig noch Pfund fließt an fremde Herren!

Keine Abgaben drücken die Dörfer der Marsch –

nur Gott und dem Kaiser sind wir Gefolgschaft schuldig!


Selbst bestimmen wir das Recht!

Unsere Richter richten nach Brauch,

auf eigener Scholle nach alter Satzung!


Da brauste der Jubel wie der blanke Hans,

aus tausend Kehlen schallte der Schwur!

Die Männer schlugen mit Schwertern auf Schilde,

dass der Ruf der Freiheit über das Rundmeer drang.


So brachte Magnus Forteman das dreifache Gut,

der ewige Schutzpatron des freien Frieslandes!


Vor dem hohen Altar des Heiligen Stuhles

trat Kaiser Karl vor den Kühnen der Küste.

In den Händen hielt er zwei heilige Zeichen,

um ewig zu ehren den Stürmer von Rom:


„Nicht nur im Worte der Urkunde soll wohnen dein Sieg,

auch vor allen Augen soll das Erbe leuchten!“


Er reichte Magnus das mächtige Tuch,

die rote Fahne, gewebt aus purpurner Seide:

Das Magnus-Banner, mit den Seerosenblättern verziert,

um ewig zu wehen im Wind der Küste!


„Dies Rot sei das Wappen der Männer der Marsch,

ein Zeichen der Stärke im Sturm der Zeiten!

Wo diese Fahne fliegt über der Friesen Schar,

da weiche die Furcht, und das Freiheitsrecht gelte!“


Da neigte sich Magnus, der mächtige Held,

und der Kaiser setzte mit königlicher Hand

einen goldenen Reif, eine glänzende Krone,

auf den dunklen Helm des demütigen Führers!


„Dies Ehrenrecht sei dir und den Deinen gewährt:

Dass der Friesenführer trage die Krone am Helm!

Als Freier unter Freien, doch gekrönt vor der Welt,

weil kein Fürst auf Erden über euch gebietet!“


So machte sich Magnus mit den Schätzen auf den Weg,

gekrönt mit dem Goldreif und der blutroten Fahne.

Zwei ewige Symbole für den Stolz des Volkes,

gesegnet in Rom für die Söhne der See!


Über staubige Straßen und südwärts gewandte Pfade

kehrte Magnus heim an die kühle Küste.

Schon von weitem sahen die Wächter der Wurten

das Feuer der Fahne im frischen Wind:


Das rote Tuch der Römer-Schlacht,

mit den goldenen Seeblättern, glänzend im Licht!

Und auf Fortemans Helm der hohe Reif –

die kaiserliche Krone des gekrönten Freien!


Da strömte das Volk aus sämtlichen Gauen,

vom Ems-Ufer bis zur Eider-Mündung!

Greise und Frauen, Männer und Knappen

umringten den Recken mit jubelndem Rufen:


„Er kehrte zurück, der Kühnste der Küste!

Er trägt den Helmreif, der keinem sich neigt!

Das Banner der Freiheit weht uns voran,

ein ewiges Zeichen für Frieslands Heil!“


Auf dem Heiligen Hügel, dem hohen Upstalsboom,

pflanzte Magnus die purpurne Fahne.

Er nahm den Helm von dem müden Haupt,

dass der goldene Reif vor den Gefährten blitzte:


„Dies Rot sei euer Schild, dieser Reif euer Stolz!

Sie zeugen von Rom und der Zusage Karls:

Dass wir Krone tragen als freie Knechte Gottes,

doch keinem Fürsten auf Erden dienen!“


Da schlagen die Friesen die Schwerter an Schilde,

ein Donner des Dankes durchdrang das Land!


Durch düstere Wälder und dunkle Schluchten

zog die Schar nach Norden heimwärts.

Doch neidische Fürsten und falsche Ritter

gierten nach dem Gold des kaiserlichen Siegels:


Sie schickten Schergen in die Schatten der Nacht,

um die Heilige Hülle dem Helden zu rauben!

Auflauernde lauerten am engen Pass,

wo die Felsen ragten im fahlen Licht.


Mit tückischem Tosen stürzten die Täter

aus dem Dickicht hervor auf die sich dehnende Schar!

Sie zielten auf die Tasche am Tragriemen Magnus’,

wo das Magnus-Privileg im Pergament ruhte.


Doch Forteman fuhr aus wie ein fauchender Blitz,

sein Breitschwert blitzte im blutigen Schimmer!

Er fällte den Anführer mit furchtbarem Hieb,

eh der Räuber die Hand nach dem Recht strecken konnte.


Die Friesen fochten wie wütende Wölfe,

sie schirmten die Urkunde mit Schilden und Speeren!

Kein Feind durchdrang die dichte Schar,

die Männer der Marsch machten kurzen Prozess.


Die Überläufer flohen verweint in die Wälder,

vom Schrecken geschlagen über die Schwerter der Küste.

Magnus barg die Urkunde fest an der Brust:

Das Freiheitsrecht blieb unversehrt auf der Fahrt in die Heimat!


Zurück in der Heimat der heulenden Stürme,

wo die Deiche die Brandung der Brecher hemmen,

suchte der Heros einen sicheren Hort

für das teure Pergament der Gottes-Freiheit.


Nicht in morscher Mühle, nicht im minderen Haus,

auch nicht in Burgwällen beugsamer Fürsten

sollte der Machtbrief der Männer ruhen,

wo Räuber ihn rauben oder Rost ihn zerfrisst.


Er schaffte die Lade, aus Eichen-Holz,

beschlagen mit Eisen und ewigem Erz.

Dazu trat der Tapfere zum Heiligen Baum,

wo am Upstalsboom die Alten sich trafen.


Unter den Wurzeln der mächtigen Eiche,

im schützenden Schoße der vortrefflichen Erde,

grub man die Hülle der Heiligen Urkunde

tief in den Boden des freien Landes.


Drei schwere Schlösser schlossen die Lade,

die Schlüssel verwahrten drei Schwurgemeinden:

Aus der östlichen Geest, dem Westlauwers Land

und den Marschen der Ems die mächtigsten Männer.


So konnte kein Einzelner das Erbe verraten,

nur das gesamte Volk vollzog die Öffnung!

Geschützt vor Gierigen, vor Feuer und Feinden,

schlummerte der Schein der ewigen Freiheit.


Mit der Lade im Boden des Heiligen Hügels

war das Werk vollbracht für der Friesen Geschlecht.

Magnus Forteman, der mächtige Streiter,

hatte Freiheit gesichert für sämtliche Zeiten.


Kein König im Reiche wagte zu knüpfen

das Knechtschafts-Band an die Männer der Marsch.

Der Kaiserbrief bürgte für der Bürger Recht,

von den Inseln im Westen bis zum östlichen Strand.


Aus der Tat des Stürmers erblühte die Sage,

ein ewiges Feuer im Herzen des Volkes.

Wann immer die Not drohte am Deich der Heimat,

versammelten sich die Mannen am Upstalsboom.


Da schallte der Ruf über Watt und Wellen,

der uralte Gruß der unbeugsamen Schar:

„Eala Frya Fresena!“ riefen die Recken –

„Steht auf, ihr freien Friesen im Land!“


Und das Volk antwortete wie der Donner der See,

hoch die Schilde hebend gegen Joch und Gier:

„Lever düd as Slav!“ – Lieber tot als Sklave!

Ehe wir neigen das Knie vor fremden Herren!


So lebt das Vermächtnis von Magnus fort,

im Rauschen des Windes, im Ruhm der Freien.

Ein ewiges Bündnis mit der stürmischen See,

das keine Zeit zerbricht und kein Tyrann verstellt.


So segne der Allmächtige die Söhne der See,

vom Westlauwers Strand bis zur Schleswiger Geest!

Er schütze die Scholle vor der schweren Flut,

er wahre die Wälle der wackeren Deiche!


Möge der Wind stets wehen im weißen Segel,

die Kornfelder glänzen im goldenen Licht,

und die Herden gedeihen auf der saftigen Marsch,

unter dem Schirm des Himmels im weiten Land!


Kein Zwingherr zerbreche die Zukunft der Freien,

kein Zwist je zerrütte das Heilige Bündnis!

Möge der Mut von Magnus in den Herzen glühen,

wenn Stürme sich türmen am stiebenden Strand.


Rüm hart, klaar kimmen – das Herz bleibe kühn,

der Glaube unerschüttert wie der steinerne Grund!

Eala Frya Fresena schalle durch die Zeiten,

ein ewiger Ruf für Freiheit und Recht!


So stehe das Volk in der Gunst der Gezeiten,

solange die Nordsee brüllt an die Küste der Heimat!


Möge Maria leuchten, der Stern über den Wogen,

als strahlendes Licht in der stürmischen Nacht!

Sie schütze die Schiffe auf der schäumenden See

und geleite die Seefahrer sicher nach Haus.


Wenn die Gischt hoch grollt und die Brandung brüllt,

sei ihr Mandorla-Mantel der mächtigste Schild.

Sie stille die Stürme über Wellen und Watt,

sie tröste die Treuen am tiefen Strand.


Ihr Segen senke sich auf die Siedlungen der Marsch,

auf Hütten und Hallen im heimischen Gau.

Sie bewahre das Volk vor der bitteren Flut,

sie schenke den Herzen Heil und Frieden.


So strahle der Stern über der stürmischen Nordsee,

ein ewiges Zeichen der großen Gnade,

solang die Gezeiten steigen und sinken

an der kühlenden Küste unseres freien Landes!