DAS LIED VON MARIA MITERLÖSERIN

VON TORSTEN SCHWANKE




PROLOG


Als die Zeit sich erfüllt, da sandte der Höchste den Sohn,

Geboren von einer Frau, dem Gesetz unterstellt, zur Erlösung

All derer, die unter ihm stehen, damit wir die Kinder des Vaters

Werden im Geist des Sohnes, der in unser Herz hineinfließt

Und den Ruf uns lehrt, „Abba, mein Vater!“ zu nennen voll Freude.

So preisen wir Gott, den Vater, der Liebe und Weisheit im Fülle.


In dieser Fülle der Zeit, die seit Ewigkeit schon bestimmt war,

Kam der Erlöser zur Welt, daß der Glaube nicht verderbe,

Sondern das ewige Leben in allen Menschen erwache,

Und das Wort, das bei Gott war, Fleisch geworden, unter uns wohne,

Unser Bruder und Licht, vom Geiste der Gnade erfüllt in der Jungfrau,

Die menschliche Natur Christi im Schoße des Herrn gebar.


So wird die Zeit selbst erlöst, in das Heil wird sie eingehüllt,

Und die Kirche beginnt ihren Weg, von Maria begleitet,

Denn im Wunder der Empfängnis schon zeigte sich Osterfreude,

Vorweggenommen in der heiligsten unter den Menschen,

Untrennbar verbunden durch Christi Menschwerdung mit ihm,

Herr und Haupt, und sie, die Braut, als Vorbild für Liebe und Treue.


Die Kirche schreitet voran, gestärkt durch Christi Gegenwart,

Dem Pilgerweg folgend, den Maria zuerst hat betreten,

Der im Glauben treu wandelte, verbunden mit ihrem Sohn,

Die Hoffnung bewahrend, in Liebe und Licht sich vollendend.

So lehrt uns die Konstitution Lumen gentium, dass

Maria die Mutter der Kirche sei, ihr Vorbild und Schatz.


Mein Vorgänger, der heilige Paul, sprach über Maria erneut,

In Enzykliken und Schriften, die Grundlagen der Verehrung

Darlegten, die Mutter Christi in der Kirche empfängt,

Und wie die Frömmigkeit ihr huldigt, im Volk, in der Liturgie,

Privat und öffentlich, dem Geiste des Glaubens gemäß,

Der Maria zur Ehre und zum Lobpreis für immer bestimmt.


Nun aber drängt mich die Zeit, da naht das Jahr zweitausend,

Das Jubiläum der Geburt des Herrn uns alle ermahnt,

Blicken zu lassen auf seine Mutter, die stets an der Seite

Ihres Sohnes lebte, schon vor dem Licht des Erlösers.

Obwohl der Tag ihrer Geburt nicht genau zu bestimmen,

Zeigt sich doch, daß sie vor Christus erschien auf der Erde.


Wenn die Fülle der Zeit heranrückt, das Kommen des Immanuel,

Lebte die Bestimmte, seine Mutter zu sein, schon unter den Menschen,

Und die Adventsliturgie feiert dies jedes Jahr wieder,

So leuchtet der Morgenstern, die wahre Stella mattutina,

Dem Kommen des Heilands voran, der Sonne der Gerechtigkeit,

Die sich erhebt über das Menschengeschlecht, Licht und Erlösung.


Maria, die Braut, die Mutter, der Stern, der uns den Weg weist,

Geht voraus dem Retter, wie Licht vor der Morgenröte,

Und die Kirche folgt ihr nach, im Pilgergang durch die Zeiten,

Bis der Herr kommt zur Vollendung, zum ewigen Heil der Welt,

Treue, Hoffnung und Liebe in ihr vereint, als Vorbild der Menschen,

Von Ewigkeit zur Zeit, von Zeit zur Herrlichkeit Gottes geführt.


Ihr Dasein in Israel so still, fast verborgen,

Dem Blick der Zeitgenossen entging es so sehr,

Doch leuchtete hell es vor ewigem Gotte,

Der Tochter Zions im Plan der Heilsgeschichte,

Die alles umfasst, was des Menschen Geschicke

Und Christenglaube im Lauf der Zeiten erkennt.


Wir Christen, die wir wissen der Vorsehung Plan,

Der Dreifaltigkeit Wirken als Wahrheit der Offenbarung,

Fühlen am Ende des zweiten Jahrtausends die Pflicht,

Die Gegenwart Mariä in der Welt zu beleuchten,

Besonders in jenen den letzten Jahren vor zweitausend,

Wo Zeichen des Glaubens und Hoffnung sich regen.


Das Zweite Vatikanische Konzil bereitet uns vor,

Indem es die Mutter im Geheimnis des Christus zeigt,

Denn nur im Geheimnis des fleischgewordnen Wortes

Erschließt sich das Wesen des Menschen vollkommen,

Dies Prinzip wendet man auf jene Frau an,

Die Mutter des Heilands, geheimnisvoll und groß.


Allein im Christus-Geheimnis wird offenbar ihr Sein,

Die Kirche von Anfang erkannte dies in dem Wort,

Das Menschwerdung heißt und das Muttergeheimnis erhellt,

Ephesus, im Jahre vierhundertdreißig und eins,

Bestätigte die göttliche Mutterschaft feierlich,

Maria, Theotokos, Mutter des Gottessohnes genannt.


Denn Jesus, geboren aus Maria, der Jungfrau,

Wurde wahrhaft Mensch, nahm Natur des Menschen an,

Durch Christus-Geheimnis leuchtet die Mutter voll auf

Im Glauben der Kirche, als Zeichen der Bestätigung,

Des Menschwerdungsdogmas, wo Gott und Mensch sich treffen,

In Einheit der Person, Menschsein nicht zerstörend.


Wenn das Konzil Maria im Christus-Geheimnis zeigt,

So öffnet sich zugleich das Geheimnis der Kirche,

Denn Mutter des Heilands ist sie verbunden mit Leib,

Den Herr gegründet als seinen mystischen Leib hat,

Das Konzil setzt die Kirche neben die Wahrheit,

Dass Sohn Gottes geboren aus Jungfrau vom Geist.


Die Menschwerdung findet ihre Fortsetzung im Leib,

Und denken wir daran, so kommt Maria ins Blickfeld,

Sie, Mutter des Wortes, begleitete Pilgerweg des Glaubens,

Treu an Christus gebunden, erfüllt von göttlicher Liebe,

Das doppelte Band der Verbindung wird offenbar,

Verbindet Christus, Kirche und alles Gottesvolk.


Maria ging voraus, Typus der Kirche im Glauben,

In Liebe vereint, vollkommen im innersten Sein,

Das Konzil verkündet dies als Modell für die Kirche,

Die Heilssendung verwirklicht in eigener Mitte,

Wie Maria vereint sie Jungfrau und Mutter zugleich,

Bewahrt Treue zum Bräutigam, gebiert Kinder des Geistes.


So zeigt sich am Ende die Mutter im Heilsgeschehen,

Ihr Pilgerweg, ihr Tun und ihr göttliches Wirken,

Verbunden mit Christus, verbunden mit der Kirche,

Ein Spiegel des göttlichen Plans, menschlich und heilig,

Lehrt uns Glauben, Liebe und Treue für alle,

Im Geheimnis des Christus wird ihr Sein offenbar.


Alles geschieht in großem geschichtlichen Flusse,

Auf einem Wege wandeln die Pilger des Glaubens.

Innre Geschichte zeigt sich, die Seele durchstreifend,

Auch der Menschen Geschichte, vom Strom der Zeit umfangen.

In der Gegenwart, die noch nicht Geschichte, doch formt sie

Heilsgeschichte, offen sich weitet der Raum der Erscheinung.


Maria, die selige, geht voran stets dem Volke,

Ihr Pilgerweg des Glaubens bleibt ewig ein Sternbild,

Für die Kirche, die Völker, die Menschheit als Ganze,

Schwer zu fassen der Umfang, zu ermessen die Größe.


Das Konzil bezeugt: die Mutter Gottes, vollendet,

Schon zur Vollkommenheit gelangt in Gottes Plan,

Während Christen noch streben nach Heil und nach Heiligkeit.

Darum richten die Menschen die Augen auf Maria,

Die der Tugenden Urbild, leuchtend der ganzen Gemeinschaft.


Ihr Weg des Glaubens gehört nicht mehr der Mutter,

An des Sohnes Seite im Himmel verherrlicht,

Hat sie Schwelle überschritten von Glauben zum Schauen,

Angesicht zu Angesicht in der höchsten Vollendung.

Doch bleibt sie noch Leitstern der Meeresstern im Gestirn,

Für all jene, die wandeln auf Pfaden des Glaubens.


Wenn sie ihre Augen erheben an Orten der Erde,

Tun sie dies, weil sie einen Sohn gebar, der erwählt

Von Gott selbst ist, Erstgeborner unter den Brüdern,

Und bei Geburt und bei Erziehung aller Geschwister

Mit mütterlicher Liebe wirkt, die Gemeinschaft zu stärken.


Voll der Gnade sei gepriesen der Gott und Vater,

Der uns segnete reichlich im Geist durch Christus im Himmel,

Sein ewiger Plan offenbart sich den Menschen,

Alle, die nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen.

Vom Anfang an umfasst vom Schöpferwirken Gottes,

Werden sie ewig umschlossen vom Heilsplan des Vaters.


Denn in ihm hat Gott uns erwählt vor der Schöpfung,

Damit wir heilig und untadelig leben vor ihm;

Aus Liebe bestimmt, Söhne zu werden durch Christus,

Zum Lob seiner Gnade, die reichlich uns geschenkt.

Durch sein Blut erlöste er uns, die Sünden vergebend,

Nach Reichtum der Gnade, die ewig über uns waltet.


Dieser göttliche Plan besteht auf ewig und unverrückt,

Mit Christus verbunden, offenbart in allen Zeiten,

Umfasst alle Menschen, doch gibt besondere Rolle

Der Frau, die Mutter des Sohnes des Vaters, des Erlösers.

Schon prophetisch angedeutet in alten Verheißungen,

Die den in Sünde gefallenen Stammeltern gegeben.


Die Jungfrau empfängt, sie wird einen Sohn gebären,

Dessen Name Immanuel, wie Jesaja verkündet.

So bereitet das Alte Testament Fülle der Zeit,

Wenn Gott seinen Sohn senden wird, geboren von Frau,

Damit wir erlangen die Sohnschaft, die uns versprochen.

Christus' Kommen in Welt, im Evangelium dargestellt,

Nach Lukas und Matthäus, in den Kapiteln der Schrift.


Durch Verkündigung des Engels wird Maria

Endgültig eingeführt in Geheimnis des Christus.

In Nazaret geschieht dies in Israels Geschichte,

Dem Volk, dem zuerst gelten die göttlichen Verheißungen.

Der Bote spricht: „Gegrüßt sei du, Begnadete, sei!“

Maria erschrickt, überlegt, was dies Wort bedeute,

Der Ausdruck, der ewig sie schmückt: kecharitoméne.


ERSTER GESANG


Voll der Gnade sei gepriesen der Gott und Vater,

Der uns segnete reichlich durch Geist und durch Christus,

Sein Heilsplan offenbar für Menschen, die geschaffen

Nach seinem Bild und Gleichnis, in Anfang und Ewigkeit.

Wie alle im Anfang vom Schöpfer umfangen,

So werden sie ewig umschlossen vom Plan des Vaters,

Bis Fülle der Zeit offenbart wird in Christus, dem Sohne.


Denn in ihm hat Gott uns erwählt vor Erschaffung,

Damit wir heilig und untadelig leben vor ihm.

Aus Liebe bestimmt, dass wir Söhne werden durch Christus,

Nach seinem Willen, zum Lobpreis der Gnade des Höchsten.

Durch sein Blut hat er uns erlöst und vergeben die Sünden,

Nach Reichtum der Gnade, der ewig über uns waltet.


Dieser göttliche Plan, der offenbart durch den Christus,

Hat Bestand für alle Zeit, ewig verbunden mit ihm.

Er umfasst die Menschen, doch gibt besondere Stellung

Der Frau, die Mutter des Sohnes, des Erlösers der Welt.

Schon prophetisch angedeutet in alten Verheißungen,

Die den Stammeltern in Sünde gegeben, im Schatten,

Bereitet sie Fülle der Zeit, wenn der Sohn wird gesandt.


Die Jungfrau wird empfangen, gebären den Sohn Immanuel,

Wie Jesaja verkündet in heiligen Worten der Schrift.

So bereitet das Alte Testament Fülle der Zeit,

Wenn Gott seinen Sohn senden wird, geboren von Frau,

Damit wir erlangen die Sohnschaft, die uns verheißen.

Christus’ Kommen in Welt, in den Evangelien erzählt,

Nach Lukas und Matthäus, in Kapiteln der Heiligen.


Durch das Ereignis, Verkündigung des Engels,

Wird Maria endgültig eingeführt in Christus’ Geheimnis.

In Nazaret geschieht dies, in Israels Geschichte,

Dem Volke, dem zuerst gelten die göttlichen Verheißungen.

Der Bote spricht: „Sei gegrüßt, du Begnadete, sei!“

Maria erschrickt und überlegt, was dies bedeute,

Die Worte, die außergewöhnlich sie zieren, die Gnade.


Maria, die Jungfrau, empfängt Gottes Botschaft,

Erschrocken, doch aufnehmend das Wort des Engels,

„Du Begnadete“, so spricht er, der Herr ist mit dir.

Dies geheimnisvolle Wort zeigt ihr die große Berufung,

Kecharitoméne, reich an Gnade, erwählt für den Plan.


Sie wird Mutter des Sohnes, der Gott selbst offenbart,

Der Erste unter Brüdern, dem Vater von Ewigkeit gegeben.

Bei Geburt und Erziehung vieler Geschwister wirkt sie

Mit mütterlicher Liebe, begleitet die Gemeinschaft der Menschen.


So zeigt sich in Maria das Bild heiliger Tugenden,

Die Vollendung des Plans Gottes, von Anfang bis Ende,

Und sie bleibt Leitstern für all jene, die wandeln im Glauben,

Stern auf dunklem Pfad, der Hoffnung Licht stets entflammt.


Voll der Gnade sei gepriesen der Gott und Vater,

Der uns segnete durch Geist und Gemeinschaft mit Christus,

Sein Plan umschließt die Welt, von Ewigkeit bis zur Ankunft,

Alle Menschen in Liebe geschaffen, nach göttlichem Bilde.


Er wählte uns vor der Schöpfung, untadelig vor ihm,

Aus Liebe bestimmt, seine Söhne zu werden in Christus,

Zum Lob der herrlichen Gnade, die ewig über uns fließt,

Durch Blut des Sohnes erlöst, Vergebung der Sünden geschenkt.


Dieser göttliche Plan ist ewig, unerschütterlich,

Mit Christus verbunden, erfüllt alle Zeiten und Menschen,

Doch gibt besondere Rolle der Frau, Mutter des Erlösers,

Prophetisch angedeutet in alten Verheißungen,

Die den Stammeltern gegeben, in Sünde gefallenen.


Die Jungfrau empfängt, gebiert den Sohn Immanuel,

Wie Jesaja verkündet, in Worten der heiligen Schrift.

So bereitet das Alte Testament Fülle der Zeit,

Wenn Gott seinen Sohn sendet, geboren von Frau,

Damit wir Sohnschaft erlangen, von Gnade getragen.


In Nazaret, in Geschichte Israels, dem Volke,

Erscheint der Engel, kündet das Wort Gottes der Jungfrau:

„Sei gegrüßt, Begnadete, der Herr ist mit dir.“

Maria erschrickt, überlegt Bedeutung des Grußes,

Das Wort kecharitoméne, Zeichen göttlicher Berufung,

Durch das sie endgültig eingeführt wird ins Geheimnis Christi.


Wenn wir zusammen mit Maria über diese Worte bedenken,

Besonders den Ausdruck »du Begnadete«, so finden wir Anhalt

Im Brief an die Epheser, wo die Schrift uns belehrt und verkündet:

Die Jungfrau von Nazaret nach dem Ruf des Engels gepriesen,

Sogar »gesegnet mehr als alle Frauen« durch Worte der Heiligen,

Denn der Segen Gottes durch Christus im Himmel uns allen gilt.


Es ist ein Segen des Geistes, der auf die Menschen sich ergießt,

Enthält die Fülle aller Gaben, die aus Liebe des Vaters geboren,

Die den wesensgleichen Sohn im Geist mit dem Vater vereint.

Zugleich fließt dieser Segen durch Jesus in die Menschheitsgeschichte,

Bis zum Ende der Zeit über alle, die glauben, hinausgesandt.

Maria wird in besonderer, einzigartiger Weise erfüllt von ihm.


Elisabet grüßt sie als »gesegnet mehr als alle Frauen«,

Denn in der Seele der Tochter Zion offenbart sich die Gnade,

Die der Vater uns gab im Sohn, sein ewiges Geschenk und Heil.

Der Bote nennt sie »Begnadete«, als sei dies ihr wahrer Name,

Nicht Miryam, nicht der Name der Welt, sondern neu, von Gott geschenkt.


Gnade in biblischer Sprache heißt Gabe, besonderes Geschenk,

Quelle im dreifaltigen Leben Gottes, der selbst die Liebe ist.

Frucht dieser Liebe ist die Erwählung, von Ewigkeit her bestimmt,

Den Menschen teilhaft zu machen an seinem Leben in Christus,

Heilsweg durch Teilnahme am übernatürlichen, göttlichen Sein.

Die Wirkung dieses ewigen Geschenkes sprießt wie Quelle der Heiligkeit,


Die in der Seele aufsprudelt als Gabe Gottes selbst, der die Erwählten

Durch seine Gnade belebt, heiligt, stärkt und in Heiligkeit leitet.

So erfüllt sich der Segen des Geistes in allem, was Menschen geschenkt,

In dem, der von Ewigkeit der geliebte Sohn des Vaters ist, vollendet.


Wenn wir hören, dass der Bote spricht: »du Begnadete«, verstehen wir,

Im Kontext des Evangeliums, wo alte Offenbarungen fließen,

Dass es ein besonderer Segen unter allen Segnungen in Christus ist.

Sie ist im Geheimnis Christi vor Erschaffung der Welt erwählt,

Von Gott Vater als Mutter seines Sohnes für die Menschwerdung,

Und vom Sohn in Ewigkeit dem Geist der Heiligkeit anvertraut.


Maria ist auf einzigartige Weise mit Christus verbunden,

Geliebt in dem von Ewigkeit her geliebten Sohn des Vaters,

In dem die herrliche Gnade aller Zeiten zusammengefasst ist.

Sie bleibt offen für das Geschenk von oben, für die Gaben Gottes,

Wie das Konzil lehrt, »ragt sie unter den Demütigen hervor«,

Die auf Heil hoffen, es empfangen mit Vertrauen und Freude.


Der Gruß »du Begnadete« bedeutet dies alles und weist zugleich

Auf Marias Erwählung zur Mutter des Sohnes Gottes hin.

Die Fülle der Gnade zeigt das übernatürliche Geschenk,

Das Maria besitzt, weil sie zur Mutter Christi ausersehen ist.

Diese Erwählung ist Grundlage für Gottes Heilsplan für die Menschen,

Einzigartig in ihrer Stellung, einmalig in der Geschichte der Welt.


Der Bote spricht zu ihr: »Fürchte dich nicht, Maria, denn Gnade

Hast du gefunden bei Gott; du wirst empfangen ein Kind, einen Sohn;

Sein Name soll Jesus sein; er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt.«

Verwirrt durch diesen Gruß, fragt sie: »Wie soll dies geschehen, da ich

Keinen Mann erkenne?« – und der Engel erklärt und bekräftigt:

»Der Heilige Geist wird über dich kommen, Kraft des Höchsten überschattet dich,

Darum wird auch das Kind heilig genannt und Sohn Gottes heißen.«


Die Verkündigung zeigt das Geheimnis der Menschwerdung,

Gott schenkt sich der Welt, seinem Geschöpf, dem Menschen in Liebe.

Im Geheimnis des Fleisches erreicht sich das göttliche Wirken,

Höhepunkt der Gnaden, die seit Anbeginn der Welt erstrahlen.

Maria voll Gnade, da in ihr sich vereint Mensch und Gottessohn,

Unio hypostatica, in ihrem Leib sich erfüllt und vollendet.


Wie das Konzil verkündet: die Mutter des Sohnes, gepriesen,

Liebling des Vaters, Heiligtum des Heiligen Geistes zugleich.

In ihr zeigt sich die herrliche Gnade, die Gott uns geschenkt hat,

Durch Sein Blut kommt Erlösung, wie der Epheserbrief es preist.

Maria, durch Gnade bewahrt vor dem Erbe der Ursünde,

Teilhat am Heil, am göttlichen Leben, das ihr Sohn ihr verleiht.


So empfängt sie durch Geist und Liebe das göttliche Leben,

Tochter ihres Sohnes, durch die Liturgie gepriesen.

In Fülle empfängt sie jenes neue Leben und die Würde,

Die dem göttlichen Mutterschoß, der Liebe des Sohnes gebührt.

Die Menschwerdung, Erfüllung der alten Verheißungen Gottes,

Bringt den Sieg über Sünde, den Sohn der Frau an der Spitze.


Maria wird mitten in der Feindschaft gestellt auf Erden,

Trägt die herrliche Gnade in sich, die Gott ihr geschenkt hat.

Sie bleibt Zeichen der Hoffnung, unerschütterlich vor den Menschen,

Von Ewigkeit erwählt, vom Vater vor Schöpfung der Welt bestimmt.

Diese Erwählung stärker als alles Böse und alles Leiden,

Maria, fest in Gnade, leuchtet als Hoffnung und Zeichen.


Kurz nach dem Bericht von der hehren Verkündigung eilte die Jungfrau,

auf in die Stadt, die im Bergland von Judäa verborgen liegt.

Ain-Karim wohl sei dies, nicht weit von Jerusalems Mauern.

Maria besucht Elisabet, die Verwandte, die hochbetagt

durch Gottes Kraft empfangen ein Kind, den Sohn von Zacharias.

Gabriel wies auf dies Wunder hin, als Antwort auf Marias Frage:

„Wie soll dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“ sprach sie.


Voll Liebe betritt sie das Haus, und das Kind hüpft in Elisabets Schoß,

wenn sie den Gruß erwidert, vom Heiligen Geist erfüllt und ergriffen:

„Gesegnet bist du unter Frauen, und deine Frucht ist gepriesen!“

Wer bin ich, spricht sie, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?

Das Kind, der künftige Täufer, springt vor Freude in ihrem Leib.

Jedes Wort ist voll Sinn; am Ende lobt sie den Glauben Marias:

„Selig die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr versprach.“


Dem offenbarenden Gott gebührt Gehorsam des Glaubens stets,

darin übergibt sich der Mensch, ganz frei, ihm im Herzen und Willen.

Dieses Beispiel fand in Maria seine vollkommene Verwirklichung.

Der entscheidende Augenblick war die Verkündigung selbst,

und Elisabets Worte rühren dahin: „Selig, die geglaubt hat!“

Maria nahm dies Wort an, und ihr Ja, das Fiat, erschloss

das göttliche Geheimnis der Menschwerdung in ihrem Leib.


„Du wirst empfangen ein Kind, einen Sohn wirst du gebären“, sprach der Engel,

und Maria gehorchte, mit Verstand und freiem Willen voll unterworfen.

Sie sprach: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es sagtest!“

Das Fiat Marias, „mir geschehe“, entschied über die Menschwerdung Gottes.

Wie Jesus zum Vater sagte, als er in die Welt kam:

„Du hast mir keinen Leib verwehrt; ja, ich komme, um deinen Willen zu tun!“

Maria empfing den Sohn im Glauben, noch bevor er Fleisch geworden.


So lobt Elisabet die Jungfrau, spricht voll Freude und Erkenntnis:

„Selig ist, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr versprach.“

Schon tritt Maria über die Schwelle, ins Haus von Elisabet und Zacharias,

als Mutter des Sohnes Gottes, zur Freude derer, die ihn erwarten.

„Die Mutter meines Herrn kommt zu mir!“ – so klingt die hehre Entdeckung,

und Freude und Glaube vereinen sich in diesem heiligen Augenblick.


Deshalb kann auch der Glaube der frommen Maria dem Abrahams gleichen,

Den der Apostel nennt Vater im Glauben, für alle Völker geweiht.

Wie der Glaube Abrahams Anfang des alten Bundes begründete,

So der Glaube Marias öffnet den neuen Bund der Erlösung.

Glaubte Abraham voll Hoffnung, trotz aller Zweifel und Schmerzen,

Glaubte Maria auch, daß die Kraft des Höchsten sie Mutter des Sohnes macht.


Elisabets Worte: »Selig, die geglaubt hat«, deuten viel weiter,

Denn nicht nur Verkündigung ist der Gipfel des Glaubens der Jungfrau,

Sondern Ausgangspunkt auch, von dem ihr Weg zu Gott sich erhebt.

Auf diesem Pfad des Glaubens, heroisch und treu voller Hoffnung,

Wird sich zeigen ihr Gehorsam dem Wort der göttlichen Offenbarung,

Und der Glaube Marias spiegelt Abrahams Hoffnung gegen alle Hoffnung.


Als Maria vom Engel vom Sohn hört, dessen Mutter sie werden soll,

Dem sie den Namen Jesus geben soll, Erlöser der Völker der Welt,

Weiß sie, daß der Herr den Thron Davids ihm geben wird in Ewigkeit,

Und sein Reich wird kein Ende haben, erfüllend Israels alte Sehnsucht.

Doch trotz dieser Größe antwortet sie dem Wort des Herrn voller Vertrauen:

»Ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du gesprochen hast.«


Auf ihrem Weg des Gehorsams des Glaubens hört Maria später noch Worte,

Die im Tempel zu Jerusalem erklingen, nach Gesetz und nach Brauch.

Vierzig Tage nach der Geburt bringen Maria und Josef das Kind,

Dem Herrn zu weihen, wie es das mosaische Gesetz fordert für Israel.

Die Geburt geschah in großer Armut; kein Platz fand man ihr im Gasthaus,

So gebar sie im Stall und legte das Kind in die Krippe zur Ruh.


Ein gerechter Mann, Simeon, vom Geist geleitet, tritt nun hervor,

Er nimmt das Kind in seine Arme und lobt den Herrn für das Heil.

»Meine Augen haben gesehen das Heil, das allen Völkern bereitet,

Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für Israel.«

Doch zugleich spricht er zu Maria: »Dir wird ein Schwert die Seele durchbohren,

Viele werden fallen und viele aufgerichtet, das Zeichen wird widersprochen.«


Dieses Wort wirft auf die Verkündigung neues Licht der Erkenntnis,

Jesus ist der Heiland, das Licht, das die Menschheit zur Wahrheit führt.

Schon von Anfang an wird Maria das Leid erfahren an seiner Seite,

Mutterschaft wird Schmerz und Sorge kennen, in Schatten und Leid erfüllt.

Nach Besuch der Weisen, mit Geschenken und Huldigung des Kindes,

Muss sie fliehen nach Ägypten unter Schutz von Josef vor Herodes' Zorn.


Dort verbleiben sie bis zum Tode des Königs, der das Kind zu töten sucht,

So erfährt Maria Gehorsam im Glauben, in Freude und tiefstem Schmerz.

Und auf diesem Pfad, voll Glaubensheroismus und kindlicher Hoffnung,

Wird sich zeigen ihr Gehorsam und Treue zu Gottes heiligem Willen,

Denn sie überantwortet sich der Wahrheit des Wortes des lebendigen Gottes,

Im Halbdunkel des Glaubens, vertraut, was in seinem Plan für sie liegt.


Als die heilige Familie nach Herodes’ Tod kehrt’ zurück nach Nazaret,

Da beginnt die lange Zeit des verborgnen Lebens des Kindes und seiner Mutter.

Die, die glaubte, daß sich erfüll’te, was ihr der Herr zuvor hatte gesagt,

Lebt an jedem Tag das Wort, das ihr von Gott gegeben ward durch den Engel.

An ihrer Seite stets der Sohn, dem sie den Namen Jesus gab von Beginn,

Und gewiß benutzte sie ihn auch, der in Israel seit alters her üblich.

Doch sie weiß, daß dieser, Sohn genannt vom Höchsten, Gottes eigenes Ebenbild,

Empfangen ward, geboren ohne Mann, durch Kraft des Heiligen Geistes geweiht.

Wie die Wolke, die einst Mose und den Vätern die Gegenwart Gottes verhüllte,

So überschattete jene Kraft die Jungfrau, die Mutter des Heilands.


Die Jahre des verborgnen Lebens sind für Maria Leben mit Christus,

Verborgnes Leben, tief im Glauben mit Gott verbunden, unverwandt.

Denn der Glaube berührt das göttliche Geheimnis, das Mensch geworden ist.

Maria ist täglich nah bei diesem Geheimnis, das alles Alte übersteigt.

Seit der Verkündigung ward ihr Geist in die neue Offenbarung geführt,

Und sie ist erste der Kleinen, denen der Vater das Geheimnis offenbart.

Denn niemand kennt den Sohn, allein der Vater, so lehrt Jesus die Weisheit;

Doch die Mutter erkennt ihn durch Glauben, im Glauben mit reinem Herzen.

Sie glaubt beständig, auch in Prüfungen, während Jesu Kindheit vergeht,

Und im Haus zu Nazaret, wo der Sohn dem Gehorsam gegenüber den Eltern folgt.


Sie trägt die Neuheit des Glaubens, den Anfang des Neuen Bundes in sich,

Der Anfang des Evangeliums, der frohen Botschaft an alle Menschen.

Doch oft liegt über ihrem Herzen eine Glaubensnacht, wie der heilige Johannes sagt,

Ein Schleier, durch den man zum Unsichtbaren nahe und vertraut wird zugleich.

So lebte sie Jahre in Intimität mit dem Geheimnis ihres Sohnes,

Während Jesus wuchs an Weisheit und Gnade bei Gott und den Menschen.

Als sie ihn zwölfjährig im Tempel fanden, fragte sie ihn voller Sorge:

„Kind, wie konntest du uns dies antun?“ – doch verstanden sie seine Worte nicht.

Nur der Vater kennt den Sohn, doch sie, die Mutter, teilt sein Geheimnis im Glauben,

Bewahrt Verbundenheit und Treue, auf dem Pilgerweg des Glaubens fortwährend.


Und diese Seligpreisung erfüllt sich voll, als sie steht am Kreuz des Sohnes,

Mit ihrem Eingeborenen leidend, im mütterlichen Geist verbunden.

Gottes Plan wirkte durch sie, daß sie teilnahm an seinem Opfer,

Mit Liebe zustimmend, bewahrend Treue, wie einst im Augenblick der Verkündigung.

Da hatte sie vernommen, daß er groß sein wird, über Haus Jakob herrschen wird,

Und sein Thron auf ewig bleibt, die Herrschaft endet nie, so sprach der Engel.


Zu Füßen des Kreuzes steht Maria, voll Trauer und stiller Verzweiflung,

Sie sieht ihren Sohn, wie ein Ausgestoßener, leiden am harten Holz.

Verachtet von Menschen, gepeinigt, nicht geachtet, fast ganz vernichtet,

Doch zeigt sie den Gehorsam des Glaubens, so heroisch, so rein, so groß.

Vollständig vertraut sie dem Wege, den Gott ihr geheimnisvoll offenbart,

Und leuchtet durch Gnade, durch Lichtkraft des Heiligen Geistes im Herz.


Durch Glauben verbunden ist sie mit Christus in seiner Entäußerung,

Gott gleich, doch erniedrigt, ertrug er den Tod am Kreuze in Treue.

Hier auf Golgota senkt er sein Haupt, gehorsam bis zum Ende des Lebens,

Und Maria nimmt teil an dem Leiden, dem Schmerz, dem Geheimnis des Sohnes.

Dies ist die tiefste Kenosis, Entäußerung des Glaubens im Menschen,

Durch Glauben empfängt sie Anteil am Erlösertod des Herrn auf der Erde.


Im Gegensatz zu den Jüngern, die flohen, war ihr Glaube erleuchtet und stark,

Durch Kreuzes Schmerz bestätigt Jesus, er sei das Zeichen, dem widersprochen.

Und Simeon hatte zu Maria gesprochen: „Ein Schwert wird durch deine Seele dringen,“

So erfüllt sich das Wort in der Tiefe der Mutter, die treu an der Seite des Sohnes steht.

Wahrhaft selig, die geglaubt hat, klingen Elisabets Worte voll Kraft hier,

Vom Kreuz aus strahlt ein Licht, das den Horizont der Seligpreisung erweitert.


Bis zu den Anfängen reicht ihr Glaube, das Gegengewicht zur Urgeschichte,

Denn was Eva durch Unglauben band, löst Maria durch treuen Gehorsam.

Die Kirchenväter nennen sie Mutter der Lebendigen, im Licht des Vergleichs,

Der Tod kam durch Eva, das Leben durch Maria, durch Glauben und Treue.

So zeigt der Satz: „Selig die geglaubt hat“ den Schlüssel zum Herzen der Mutter,

Die seit Ewigkeit in Christus verborgen, nun am Lebensweg teilnimmt voll.


Sie schreitet voran auf dem Pilgerweg des Glaubens, verborgen und doch offenbar,

Und macht geheimnisvoll Christus in der Welt den Menschen gegenwärtig.

Lukasevangelium erzählt von der Frau, die rief: „Selig die Frau, die dich trug,“

Die ihren Leib gab, die Brust, die Nahrung, Maria, die Mutter des Herrn.

Jesus weist jedoch hin auf geistige Bande, auf Hören und Tun des göttlichen Wortes,

Denn wahrhaft Mutter sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln.


Auch wenn Mutter und Brüder draußen stehn, und ihn sprechen wollen, sagt Jesus:

„Meine Mutter und Brüder sind die, die das Wort Gottes hören und danach handeln.“

Er weist auf Menschen hin, die um ihn sitzen, die Hände ausstreckend im Kreis,

Nicht Blut allein macht Bande, sondern Gehorsam, Glauben, die tätige Treue.

So offenbart sich die tiefste Wahrheit: Geist und Glaube verbinden die Menschen,

Und Maria, die Mutter, ist zugleich Vorbild, Lichtstrahl des Glaubens und der Liebe.


Diese Worte, sie scheinen dem Sinn zu gleichen, 

den der zwölfjährige Jesus zu Maria und Josef sprach,

Als man ihn nach Tagen im Tempel von Jerusalem fand, erstaunt und fragend.


Nun verließ Jesus Nazaret, begann sein öffentliches Wirken im Land Palästina,

Vollkommen schon und allein im Tun des Vaters, der ihm alles Gehörige gab.

Er verkündete das Reich Gottes: „Reich Gottes“ und „Dinge des Vaters“ zeigen die neue Dimension,

Die jedem Menschen Sinn gibt, auch den Bindungen, den Aufgaben, die ihm gestellt.


So ändert sich das Band der Brüderlichkeit, mehr als nur das Fleisch und Blut verbindend,

Und selbst die Mutterschaft bekommt im Licht des Vaters einen neuen, tiefen Sinn.

Mit den Worten des Lukas lehrt Jesus den wahren Sinn der mütterlichen Pflicht.


Entfernt er sich von Maria, der Mutter, die ihm leiblich gegeben?

Will er sie lassen im Schatten der Geheimnisse, die sie selbst gewählt?

Obgleich die Worte so klingen, zeigt sich die neue Mutterschaft doch gerade in ihr,

Denn Maria hört das Wort Gottes und handelt, wie es ihr Herz empfängt.


Selig ist die Frau, deren Leib den Sohn getragen, deren Brust ihn genährt,

Doch ebenso, weil sie von Anfang an das Wort Gottes annahm, es glaubte, gehorchte,

Es bewahrte und erwog in ihrem Herzen, es lebte mit ihrem ganzen Sein.

So stehen die Seligpreisungen nicht im Widerspruch, sondern treffen sich in Maria,

Der Jungfrau, die allein sich „Magd des Herrn“ nennt, vom Geiste geleitet, vom Glauben getragen.


Maria, durch Glauben Mutter des ewigen Sohnes, bewahrte Jungfräulichkeit rein,

Und nahm die neue Dimension der Mutterschaft an, die Jesus offenbart.

Schon von der Empfängnis an war ihr diese Mutterschaft eigen, als sie glaubte:

„Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du gesagt hast.“

Im Glauben hörte sie weiter, erwog das Wort, und sah Gottes Selbstoffenbarung immer klarer.


So wurde Maria die erste Jüngerin ihres Sohnes, bevor andere ihm folgten,

Noch ehe der Ruf an Apostel oder Jünger erklang: „Folge mir nach!“

Am Anfang des öffentlichen Lebens erscheint sie bei der Hochzeit zu Kana,

Als Mutter Jesu, anwesend mit Sohn und Jüngern, durch ihre Gegenwart geehrt.

Und durch sie geschieht das erste Zeichen, die Wandlung von Wasser in Wein,

Jesu Herrlichkeit offenbarend, die Jünger glauben an ihn, erfüllt von Staunen.


Maria weilte zu Kana in Galiläas Gefilden,

Mutter Jesu, und trug in der Tat deutlich zum Anfang

der Zeichen bei, die die Kraft des Messias offenbaren,

als der Wein zu Ende ging, sprach sie zu ihm in Bedacht:

„Sie haben keinen Wein mehr.“ Jesus erwiderte leise:

„Was willst du von mir, Frau? Noch nicht gekommen ist meine Stunde.“


Im Johannesevangelium zeigt jene Stunde den Augenblick,

den der Vater bestimmt, wo der Sohn sein Werk soll vollbringen

und verherrlichen, wie er an vielen Orten es kundtut:

Von der Stunde erzählt Johannes in sieben besonderen Stellen,

vom Werk des Sohnes, vom Ziel der göttlichen Fügung.

Obgleich Jesu Antwort der Mutter wie Ablehnung erschien,

wendet Maria sich dennoch an die Diener und spricht:

„Was er euch sagt, das tut.“ So erfüllen sie seine Gebote,

und Wasser ward zu Wein, edler als der erste, der gereicht

den Gästen, und zeigt die Macht, die dem Sohn des Menschen eigen.


Welch tiefes Einverständnis bestand zwischen Mutter und Sohn?

Wie erforscht man das Geheimnis ihrer geistigen Einheit?

Das Geschehen zeigt es klar: bereits kündigt sich eine Dimension,

neuer Sinn der Mutterschaft, nicht bloß aus Geburt entnommen.

In den Texten der Synoptiker, so berichten Lukas, Matthäus, Markus,

zeigt sich die Mutterschaft, die aus Fleisch und Geburt sich ergibt;

Jesus stellt dem gegenüber die Mutterschaft im Reich des Vaters,

die im Heilsbereich Gottes wirksam und geistlich zu verstehen ist.


Im johanneischen Bericht von Kana zeigt sich konkret

die neue Mutterschaft nach dem Geist, nicht bloß aus Fleisch,

die Sorge Marias für die Menschen, die Hinwendung in allen

Nöten, die Weite ihrer Liebe, die menschliche Bedürftigkeit.

Zu Kana wird ein kleines Beispiel der Not gezeigt,

„Sie haben keinen Wein mehr“, so spricht die Mutter zu ihrem Sohn,

doch symbolisch ist dies: Hinwendung zu menschlichen Bedürfnissen

führt sie in den Bereich der Sendung und der messianischen Macht.


Maria stellt sich zwischen Sohn und Menschen in ihrer Not,

bewußt als Mittlerin, die dem Sohn die Nöte vortragen darf.

Ihre Vermittlung ist Fürsprache: Maria spricht für die Menschen,

möchte, dass sich zeigt die heilende Kraft des Messias,

die Menschen im Unglück rettet, sie befreit vom Bösen im Leben,

wie Jesaja verkündete, auf den Jesus in Nazaret sich beruft:

„Den Armen gute Botschaft bringen, den Gefangenen Freiheit,

den Blinden das Augenlicht und Unterdrückten Heilung verkünden.“


Ein weiteres Element der mütterlichen Aufgabe zeigt sich

in Marias Worten zu den Dienern: „Was er euch sagt, das tut.“

Vor den Menschen spricht sie für den Willen des Sohnes,

weist auf die Bedingungen hin, die die Macht des Messias erfordert.

Durch ihre Fürsprache und den Gehorsam der Diener beginnt

Jesus in Kana „seine Stunde“, die Offenbarung der Heilsmacht.

Maria zeigt ihren Glauben an Jesus: Ihr Glaube führt

zum ersten Zeichen und weckt auch den Glauben der Jünger.


So offenbart sich in diesem Abschnitt des Johannesevangeliums

das erste Aufleuchten der Wahrheit von Marias mütterlicher Sorge.

Die Lehre des Konzils bestätigt dies: Marias Aufgabe den Menschen gegenüber

verdunkelt nicht die Mittlerschaft Christi, sondern zeigt ihre Kraft.

Denn einer ist Mittler zwischen Gott und Menschen, Christus allein;

doch Marias Wirken fließt aus Überfluß der Verdienste Christi,

stützt sich auf seine Mittlerschaft, hängt völlig von ihr ab,

und schöpft aus ihr die ganze Wirkkraft der Fürsprache.


Das Geschehen zu Kana zeigt uns das erste Aufleuchten

der Mittlerschaft Marias, ganz auf Christus bezogen,

auf die Offenbarung seiner Heilsmacht ausgerichtet.

So wirkt die Mutter Christi, führt Menschen zum Sohn,

vermittelt, leitet, bringt die heilende Kraft in ihre Mitte,

und erfüllt damit das Geheimnis der geistigen Einheit

zwischen Mutter und Sohn, zwischen Glaube, Liebe und Heil.


Aus dem johanneischen Buch leuchtet die Mutter, die milde,

die in Gnadenordnung allen den Weg stets erleuchtet.

Denn von göttlicher Mutterschaft selbst ist die Gnade geboren,

die den Heiland ernährte, hochherzig, demütig im Wirken.

Beim Werk der Erlösung nahm sie teil in brennender Liebe,

im Glauben und Gehorsam, zur Rettung der Seelen.


Und diese Mutterschaft währt unaufhörlich bis in die Ewigkeit,

bis zur Vollendung der Auserwählten in himmlischem Glanz.

In Kana schon zeigt sich Marias Fürsorge am Anfang,

als das messianische Wirken des Sohnes begann unter Menschen.

Doch am Kreuz, da offenbart sich der Höhepunkt der Gnadenordnung,

Jesus sah seine Mutter, und dem Jünger, den liebte, sprach er:


„Siehe, dein Sohn!“ und zugleich zu ihr sprach er: „Siehe, deine Mutter!“

Von jener Stunde nahm Johannes sie zu sich, voller Ehrfurcht.

Dies zeigt den Schmerz des Sohnes, der die Mutter zurückließ,

doch auch das Band der neuen Verbindung, die er offenbarte.

Die Mutterschaft Marias gegenüber den Menschen erblüht nun,

vollendet durch das österliche Geheimnis des Erlösers.


Jene, die dem Heiland geboren, steht nahe dem Geheimnis,

das alle Menschen umfasst, jeden Einzelnen und alle zugleich.

Darum nennt das Konzil Maria Mutter Christi und Mutter der Menschen,

verbunden mit allen Geschlechtern der Nachkommenschaft Adams.

Denn wahrhaft ist sie Mutter der Glieder Christi geworden,

hat in Liebe gewirkt, dass die Gläubigen geboren werden in der Kirche.


Diese neue Mutterschaft, aus Glauben hervorgebracht,

ist Frucht der Liebe, die unter dem Kreuz zur Reife gelangte.

Wir sehen die Verheißung erfüllt, die im Protoevangelium lag:

„Er wird der Schlange den Kopf zermalmen“, so sprach die Schrift.

Christus besiegt Sünde und Tod an der Wurzel der Welt,

und nennt Maria erneut „Frau“, wie in Kana, im Schmerz.


Auf Golgota dringt nun die Wahrheit von Marias Stellung ins Licht,

erhabene Tochter Zion, deren Zeit der Verheißung erfüllt ist.

Der Sohn nimmt menschliche Natur an, befreit durch sein Fleisch

die Menschen von Sünde, und die neue Heilsökonomie beginnt.

Die Worte vom Kreuz verkünden: Die Mutterschaft lebt weiter,

durch Johannes symbolisiert, in der Kirche fortdauernd.


Sie, die Begnadete, tritt in das Geheimnis Christi ein,

wird Mutter Gottes, heilige Gottesgebärerin zugleich.

Am Anfang von Genesis, am Ende von Johannes’ Vision

erscheint sie als Frau, die das Heil der Welt begleitet.

Göttliche Mutterschaft breitet sich über die Kirche aus,

Abglanz und Fortsetzung über den Sohn Gottes offenbarend.


Schon die Stunde der Geburt der Kirche zeigt die fortdauernde Mutterschaft,

als Gott den Heiligen Geist sandte, um das Heil zu verkünden.

Die Apostel verharrten einmütig mit Frauen, Maria, den Brüdern,

und Maria flehte, dass der Geist herabkomme, der schon bei der Verkündigung

sie überschattet hatte, der Gnade Trägerin, Mutter aller Gläubigen,

auf dass die Kirche in ihrem Geheimnis gestärkt und geeint sei.


Es gibt in der Gnadenordnung, die sich vollzieht durch des Heiligen Geistes Wirken,

Eine Entsprechung einmalig zwischen dem Augenblick des Menschwerdens des Wortes

Und jener der Geburt der Kirche, die sich im Glauben vollzieht unaufhörlich.

Die Person, die beide Momente vereint, ist die heilige Maria, die Jungfrau;

Maria in Nazaret und Maria im Abendmahlssaal zu Jerusalem.

In beiden ist ihre stille, doch wesentliche Gegenwart ein Zeichen des Weges

Der »Geburt durch den Heiligen Geist«, den die Liebe des Sohnes führt.

Die im Geheimnis Christi als Mutter gegenwärtig ist, wird so

Durch den Willen des Sohnes und Wirken des Heiligen Geistes auch

Gegenwärtig im Geheimnis der Kirche, mütterlich bleibend und segnend;

Wie die Worte am Kreuz verkünden: »Frau, siehe, dein Sohn!« – »Siehe, deine Mutter!«



ZWEITER GESANG


Wandelt die Kirche der Welt durch Stürme und göttliche Tröstung,

tragend das Kreuz und den Tod des Herrn, bis er erscheinet.

Wie einst Israel zog durch Wüsten staubige Wege,

Kirche genannt des Fleisches nach, in der Ferne der Wüste,

also das neue Israel, das durch Christi Erlösung

lebt und ersteht, vom Geiste geheiligt und eine Gemeinschaft.

Blut hat der Herr sie erworben, der Schöpfer des Friedens und Heiles;

sichtbar und heilig zugleich ist sie, göttlich und menschlich.

Pilgernd schreitet sie fort durch Zeiten, Räume, Geschlechter,

über die Länder hinaus, doch in der Geschichte begründet.

Innerlich geht sie den Weg, den Glauben tragend im Herzen,

stark durch des Geistes Macht, der als Tröster ihr wohnt.

Leidend, geprüft, doch neu durch die Gnade, die Christus verheißen,

bis sie im Kreuz sich erhebt zum Licht, das ewig nicht endet.

Mitten im Zug der Gläubigen schreitet Maria, die Sel’ge,

selig, weil glaubend sie war und die Wege des Glaubens gegangen.

In ihr spiegelt das Licht der Großtaten Gottes sich wieder,

rein wie der Quell, der aus göttlicher Tiefe entspringet.

Pfingsten, der Tag, da die Kirche den Odem des Lebens empfing,

sprach in der Zunge des Feuers, vom Geist entbrannt und erfüllt.

Mitten darunter Maria, betend im heiligen Saale,

flehend um Gnade, die bald über die Jünger sich neigte.

Länger jedoch ist ihr Weg, der im Wort der Verkündigung anhub,

da sie dem Engel vertraut und das ewige Wort aufgenommen.

„Magd des Herrn bin ich“, sprach sie, „mir geschehe nach deinem Gebote“ –

so ward der Glaube Gehorsam, das Wort in der Zeit Fleisch geworden.

Pfingsten vereint die Wege: den Mariens und den der Kirche,

wie sich der Strom und der Quell im leuchtenden Lichte begegnen.

Von Jerusalem aus, gesandt mit dem Geist, die Apostel

zeugen den Herrn bis hin an die Grenzen der Erde.

So wird geboren die Kirche, erfüllt von Feuer und Atem,

wandelnd in Zeit und Welt — bis Christus wieder erscheinet.


Nicht die Sendung empfing sie, die einst der Herr seinen Jüngern

gab, als er sprach: „Gehet hin, und lehret die Völker der Erde;

taufet sie alle im Namen des Vaters, des Sohnes, des Geistes!“

Nein, sie blieb still, doch harrte im Glauben der göttlichen Stunde.


Nicht zu den Zwölfen gehörte sie dort, die Sendung empfangen;

aber sie war im Saale, wo glühend sie alle vereinten,

die das Kommen des Geistes erflehten, des Geistes der Wahrheit.

Mitten in ihnen verharrte sie still, die Mutter des Heilands,

betend und sanft, die den Sohn geboren im Fleisch und im Leiden,

Mutter des Kreuzes zugleich und der Herrlichkeit ohne Verwelken.


Denn sie war Zeugin des Wortes von Anfang, da Fleisch es geworden,

Zeugin des ewigen Plans, der verborgen in ihr sich vollendete.

Alles, was war, sie bewahrte in heiliger Stille des Herzens,

trug es und wog es in sich, wie Gold im verborgenen Tempel.

So sah die Kirche auf sie, wie sie auf den Sohn hinschaute;

und wie Maria zu Christus, so wandte die Kirche den Blick ihm.

Denn in Maria begann das Geheimnis, das ewig sich ausdehnt,

da sie geglaubt, daß erfüllet der Herr sein göttliches Wort hat.


Selig ist sie, die geglaubt, als Schatten das Licht überhüllten,

selig, die hofft’ in der Nacht, da Golgota’s Donner ertönte.

Wie einst Abraham hielt sie im Dunkel der Tage den Glauben,

hoffend entgegen der Hoffnung, getragen von göttlicher Stärke.

Denn als der Sohn ihr entrissen am Kreuz in blutiger Stunde,

sank sie nicht hin in Verzweiflung, doch stand in schweigendem Glauben.

Und als der Morgen erstand, da Christus den Tod überwunden,

wurde erfüllt, was der Engel gesprochen am Tage der Gnade:

„Groß wird er sein, und kein Ende wird sein auf dem Thron Jakobs.“


Darum am Anfang der Kirche, im Saale des heiligen Mahles,

stand sie inmitten der Jünger, die harrten des göttlichen Feuers.

Flammen des Geistes umfingen das Haus, und sie stand in der Mitte,

still wie die Wurzel des Glaubens, aus der das Leben sich neigte.

Denn sie war Mutter des Leibes, der nun in der Welt sich entfaltete,

Leib der Erlösten, der Kirche, geboren im Hauch des Parakleten.


Wie die Gemeinde mit ihr in heiligem Beten verharrte,

blickte sie still auf den Sohn, das Wort, das Fleisch war geworden.

Denn sie verstand, was die Kirche in Glauben nur ahnen vermochte,

daß im Geheimnis des Sohnes sie selber geheimnisvoll teilte.


Ewig gehört sie dazu, von Anbeginn, unzertrennlich;

wie das Erlösungswerk Gottes in ihr den Anfang genommen,

so ist sie innig vereint mit der Kirche, die lebt aus dem Glauben.

Immer bleibt sie die Erste, die glaubt, daß erfüllet der Herr spricht,

immer die Mutter des Glaubens, die still in der Kirche verweilet,

gleich dem verborgenen Quell, der nährt die Ströme des Lebens.


Wenn sich die Kirche vertieft in das hohe Geheimnis des Wortes,

das Fleisch geworden und unter uns wohnte in göttlicher Milde,

denkt sie zugleich mit heiliger Ehrfurcht an jene Erwählte,

die ihm den Leib und das Herz in jungfräulicher Reinheit bereit hat.

Denn aus dem Glauben Marias erblüht der Glaube der Kirche,

und was sie glaubte zuerst, das glaubt in den Zeiten die Menschheit.


So ist im Herzen der Kirche verborgen das Erbe Marias:

Glaube, der siegend durch Dunkel und Kreuz zum Licht sich erhebet,

Hoffnung, die lebt, wo das Auge nur Nacht und Schweigen noch siehet,

Liebe, die bleibt, wo das Wort und die Welt vergehen in Staubwind.


O du Mutter des Herrn, du Stern am Anfang der Kirche,

leuchte, wenn schwankend der Glaube, und führe die Kinder des Abends,

daß sie, wie du, im Vertrauen des Herzens das Wort noch erfassen,

wenn es im Dunkel der Zeit sich still und geheimnisvoll offenbart.


So wie du einst im Saale mit ihnen betetest, selig,

bete auch jetzt in der Kirche, die aus dem Glauben dich preiset.

Denn du bist Mutter der Hoffnung, der stillen, die nimmer vergehet,

du bist der Morgen des Heils und die Wurzel des ewig Erneuten.


Selig, die gläubig erkannt das Wort, das vom Himmel hernieder

in ihr Fleisch ward – Elisabets Wort bleibt ewig mit ihr.

Denn wo der Geist sich ergießt und die Kirche das Heil verkündet,

folget Maria dem Ruf: „Siehe, mich preisen die Völker!“


Großes hat Gott an ihr getan, und heilig ist Seines Namens

Macht, die im Glauben erblüht in der Jungfrau von Nazareth.

Glaube der Mutter wird Glaube des Volkes, das pilgernd

wandelt durch Zeiten und Raum, vom Geist und Aposteln geführt.


Sie, die geglaubt, bleibt mitten im Wirken der Kirche zugegen,

führt zu dem Sohn, zu dem Opfer, zur Liebe des Vaters.

Immer aufs Neue wird Christi Geheimnis erkannt und gepriesen,

wo man der Mutter vertraut und im Glauben an sie sich entzündet.


Darum schaut sie die Kirche, die wandert durch Welten und Zeiten,

als das geeinte Volk, vom Geiste durchdrungen im Beten;

denn wie zu Pfingsten, so bleibt sie mit Maria verbunden,

Mutter des Herrn, die den Glauben des neuen Bundes gebar.


Und in den Ländern der Welt, in Rom, in Palästinas Stätten,

spricht aus den Heiligtümern der Ruf der Glaubenden wieder:

„Selig, die glaubte!“ – So wächst in den Herzen der Gläub’gen

Christus, der Herr, durch die mütterlich glaubende Nähe.


Über die Erde gespannt ist das Netz ihrer heiligen Orte,

wo sich das Volk versammelt und stärket im Glauben an Christus,

unter dem Schirm der, die glaubt’ – der Gottesgebärerin, selig,

die uns den Raum des Heils im Glauben eröffnet auf ewig.


Im Glauben, den Maria bekannte, die Magd des Ewigen,

da sie vernahm das Wort und sprach: Mir geschehe dein Wille,

führte sie gläubig das Volk auf dem Pilgerweg Gottes voran,

leuchtend dem Zug, der zur Einheit im Christus sich sammelt, dem Einen,

unter dem Haupt, das herrscht im Geiste der göttlichen Liebe.


Denn der Geist erwecket in Christi Jüngern die Sehnsucht,

daß sie vereint sich finden in einer Herde, in Frieden,

unter dem Hirten allein, den der Vater gesandt hat zur Erde.

Darum ist heut’ der Weg der Kirche vom Streben des Einen

gezeichnet, das Christus erfleht am Abend des Leidens:

Vater, daß alle eins seien, wie du in mir bist und ich in dir bin,

damit die Welt voll Glauben erkenne: Du hast mich gesendet.


Spaltung der Jünger ist Ärgernis, Einheit das Zeichen,

das in der Welt den Glauben entzündet wie göttliche Flamme.

Darum erhebt sich das Werk der Ökumene, im Ringen

nach der Erfüllung des Wunsches des Herrn, den das Konzil

klar verkündet hat, daß Christen in Glaubensgehorsam,

wie ihn Maria zuerst in Demut und Liebe bezeugte,

tief in sich selbst ihn nähren und leuchten im Geiste der Hoffnung.


Freude und Trost ist der Kirche, daß Brüder, getrennt von der Einheit,

doch die Mutter des Herrn verehren, die Jungfrau des Glaubens,

glänzend den Pilgern voran als Stern der himmlischen Wege.


Denn die Christen wissen: nur in der Einheit des Glaubens

finden sie wahre Gemeinschaft, gegründet auf Christus.

Noch sind Schranken des Denkens zu lösen, des Dienstes, der Lehre,

und das Geheimnis der Mutter, das Heil und Menschwerdung umschließt.

Wie das göttliche Wort uns lehret das Wunder der Mutterschaft,

so erhellt die Betrachtung Marias das Mysterium Christi.

Tiefer erfassen sie beides, das eine durch’s andre erhellend,

hörend, was sie spricht: Was er euch sagt, das tut! – und sie folgen,

pilgernd im Glauben, geführt von der Mutter des Herrn zur Einheit,

die er, der Eine, gewollt und der Geist den Kirchen verkündet.


Darum ist’s heiliges Zeichen und Hoffnung der Welt, daß die Brüder

einen Glauben bekennen an Christus, den wahren und göttlichen Menschen,

und die Mutter verehren, die unter dem Kreuz den Jünger empfing

und ihm als Mutter gegeben, da Liebe die Welt überwand.


Warum also nicht alle gemeinsam zu ihr sich erheben,

Mutter der Einheit, betend um Frieden der göttlichen Familie,

die uns vorangeht im Glauben, umstrahlt vom Geiste des Lebens,

führend den Zug der Zeugen, die Christus bekennen, den Einen,

der, vom Geist gezeugt, in jungfräulichem Schoße empfangen,

heilig das Menschsein verklärt zum göttlichen Heil und zur Einheit?


Tief ist verbunden im Geist die Kirche des Ostens und Westens,

heilig in Liebe vereint durch die Mutter des menschgewordnen

Wortes, die Theotokos, die von den Vätern erhoben im Glauben,

wo auf den Konzilien des Ostens Dogmen beschlossen,

Trinität und Menschwerdung des göttlichen Wortes bekennend.


Immer verehrten die Kirchen, bedrängt in blutigen Zeiten,

Maria, die Helferin still, die Zuflucht der Müden und Armen;

unter Verfolgung noch sangen sie Lieder der seligen Jungfrau,

riefen im Flehn ihren Namen, vertrauten der Mutter des Herrn sich.

Treue bewahrten sie so im Glauben, pilgernd durch Zeiten.


Ephräm, die Zither des Geists, hat jubelnd sie gepriesen,

Gregor von Narek besang mit erhabener, heiliger Stimme

ihre erhabene Würd’ und die Schönheit der Mutter des Lebens.

Cyrill lehrte Ägyptens Söhne das göttliche Geheimnis,

wie das Wort sich vereint der Jungfrau, Mensch und Gott eins sei.


Darum in Hymnen erklingt durch alle Altäre des Ostens

Lob der Gottesmutter — in tausend Festen gefeiert.


Auch in der Liturgie des byzantinischen Stundengebetes

steigt mit dem Lob des Sohnes das Lob der Mutter zum Himmel.

Denn in der Anaphora ruft das Volk mit heiligem Munde:

»Wahrhaft würdig ist’s, dich, o Gottesgebärerin, zu preisen,

seligste du, die reinste, Mutter des ewigen Gottes!


Höher an Ehre als Cherubim, herrlicher weit als die Seraphim,

die du, unversehrt in der Jungfrauschaft, den Herrn uns geboren.«

Solche Gesänge erhoben die Herzen des Volkes zu Liebe,

prägten den Glauben und nährten die fromme Gesinnung der Gläub’gen,

daß sie in dir die Hochheilige, Mutter des Herrn, verehrten.


Zwölfhundert Jahre sind’s, seit Nizäas zweitem Konzile,

wo die Verehrung des Bildes geheiligt, des Kreuzes und Mariens.

Bilder der Mutter des Herrn erhielten in Kirchen und Häusern

Ehr’ und Platz — sie, die trägt auf dem Arm den geborenen Heiland,

zeigt ihn den Menschen als Weg, als Führerin göttlicher Gnade.


Deisis, Odigitria, Prokov, Eleousa —

Namen der Liebe und Macht, Gestalten des mütterlich Guten;

so offenbart sie den Herrn, so deckt sie die Völker mit Milde,

breitet den Mantel des Lichts und segnet den Pilger der Erde.

Denn in dem Bilde der Mutter erstrahlt das Antlitz des Sohnes.


Es ist würdig und recht, der Madonna von Wladimir zu gedenken,

die den Glauben des alten Rus’ auf den Wegen geleitet.

Naht nun das tausendjährige Fest der Taufe des Volkes,

jenes der Schlichten, der Denker, der Heiligen, Gottes Erwählten.

Heilig noch heute verehrt in Belarus, Ukraine,

und in Rußlands weiten Gefilden die seligen Bilder,

Zeugen des Glaubens, des betenden Volkes Vertrauen,

das die bergende Nähe der Muttergottes empfindet.

In ihnen leuchtet die Jungfrau als göttliche Schönheit,

Wohnung der Weisheit, Urbild des Menschen im Beten,

Bild der Betrachtung, der Herrlichkeit strahlendes Zeichen:

sie, die schon auf Erden das Wissen des Geistes besaß,

dem Verstand unerreichbar, doch tief durch Glauben erhellt.


Auch gedenk der Ikon’ der Jungfrau im Saal des Abendmahls,

wo mit den Jüngern sie harrt des verheißenen Geistes;

möchte sie Zeichen der Hoffnung werden den Brüdern,

die in gehorsamem Glauben im Dialog sich vereinen.


So viel Fülle des Lobes, gesammelt in Kirche und Zeiten,

helfe, daß sie wieder mit zwei Lungen atme –

Ost und Westen in einem Geist, im Gesang des Magnificat,

voller und tiefer erklinge ihr Preis und ihr Leben.


Denn auf dem Pfad der Pilgerschaft sucht die Kirche die Einheit

aller, die Christus bekennen, im Glauben geeint zu dem Einen,

denn er betete selbst, daß alle eins seien in Liebe.

Wandernd durch Trübsal und Prüfungen, trägt sie das Kreuz,

bis er wiederkehrt, der Herr, ihr Erlöser und Bräutigam ewig.

Stets ist die Jungfrau, die Mutter, im Glauben geleitend vorhanden,

führend das Volk zu dem Licht, das nimmer vergeht.

Darum ertönt in der Kirche durch alle Jahrhunderte wieder

Marias Lied, das Magnificat, tief aus dem Glauben geboren:


Meine Seele preiset den Herrn, und mein Geist frohlocket

über den Retter, der Großes getan an der Niedrigen.

Hoch erhebt er die Armen, zerstreuet die stolzen Gedanken,

sättigt die Hungernden reich und läßt die Reichen vergehen.

Ewig gedenkt er des Bundes, des Wortes an Abraham einst,

an Israels Volk, das er liebt in unendlichem Erbarmen.


Als Elisabet einst die junge Verwandte begrüßte,

die aus Nazaret kam, voll heiliger Ahnung und Freude,

da erhob sich Maria und sang ihr göttliches Loblied.

Selig pries sie zuvor die Mutter des Herrn, die Gesegnete,

weil die Frucht ihres Leibes gepriesen, der Glaube gelobt ward.

Dieses selige Wort verknüpft sich mit jener Verkündigung,

als das Wort sich neigte, im Schoß der Magd Fleisch wurde.

Nun, da der Gruß Elisabets wieder die Stunde erinnert,

wird Maria des Glaubens in neuer Tiefe bewusst sich,

und aus dem innersten Schweigen des Geistes flammt er hervor nun:

hell wie ein Feuer des Himmels, lebendig, vom Geist durchleuchtet.

Was verborgen war tief in Gehorsam und stiller Ergebung,

bricht als Gesang nun hervor, als heiliges Bekenntnis.

Denn die Worte, die sie spricht an der Schwelle des Hauses,

sind vom Geiste bewegt, von der Schrift Israels durchdrungen.

Ein poetischer Strom, ein Aufstieg der Seele zu Gott hin,

jubelnd bekennt sie die Freude des Herzens, den Glanz der Verheißung.

Darin leuchtet ein Strahl des göttlichen Mysteriums auf nun,

Heiligkeit ohne Maß, die Liebe, die ewig und wahr ist,

Liebe, die sich als Gabe unwiderruflich dem Menschen

einschreibt tief in die Zeit, in die heil’ge Geschichte des Daseins.


Denn Maria ist erste, die teilhat an dieser Offenbarung,

an der göttlichen Selbstmitteilung, neu und erhab’n ist.

Darum ruft sie voll Staunen: „Großes hat an mir getan der Mächt’ge,

heilig ist sein Name, und mein Geist jubelt in Gott, meinem Retter!“

Denn in Christus erscheint uns der Mittler, die Fülle des Lebens,

durch ihn glänzt auf die Wahrheit von Gott und vom Heil des Menschen.

In der Freude des Herzens erkennt Maria das Wunder:

Sie ist eingegangen, berührt die Mitte der Fülle des Christus.

An ihr erfüllt sich die alte Verheißung den Vätern gegeben,

Abraham ward sie verkündet, und all seinen ewigen Nachkommen.

Denn auf sie war gerichtet der ganze göttliche Heilsplan,

der von Geschlecht zu Geschlecht in Erbarmen sich offenbart,

Gott des Bundes, der ewig an sein Erbarmen sich erinnert.


Wie die Mutter des Herrn einst gläubig den Weg begonnen,

so geht ähnlich die Kirche, erfüllt vom Glauben der Jungfrau.

Immer neu spricht sie aus die Worte des heiligen Liedes,

das vom tiefsten Vertrauen Marias zur Quelle des Lebens

strömte empor, als sie glaubte dem Wort des Engels, des Boten.

Denn aus dem Glauben der Magd schöpft sie das Wissen des Bundes,

Gott, der Allmächtige, wirkt Großes am Menschengeschlechte,

heilig ist sein Name, der ewig in Gnaden sich offenbart.

Im Magnifikat erkennt sie, dass jene erste Versuchung,

Sünde des Unglaubens, kleinmütiger Zweifel an Gottheit,

an der Wurzel besiegt ist durch Glauben und durch Gehorsam.

Denn wo Eva, vom Wort der Lüge verführt, den Fall brachte,

da erhebt sich Maria, die neue Eva des Lebens.

Hell verkündet sie Gott, den Heiligen, starken Erbarmer,

Quelle jeder Gnadengabe, Ursprung des Lebens im Schöpfer.

Er, der allem das Dasein verlieh im heiligen Schöpfungsakt,

gab dem Menschen sein Bild, sein Ebenbild, seine Gestalt auch,

hob ihn höher als all die Geschöpfe der Erde und Lüfte.

Doch auch da, wo der Mensch sich in Sünde von Gott entfernte,

blieb der Geber sich treu: er schenkt sich selbst in dem Sohne.

Denn so sehr hat geliebt der Ewige, Schöpfer der Welten,

dass er den eingebornen Sohn für die Welt hingab.

Diese Wahrheit bezeugt als Erste Maria, die Reine,

die in den Worten und Werken des Sohnes Erfüllung erkennet,

letztlich im Kreuz und im Glanz der erstandenen Herrlichkeit Christi.


Darum singt auch die Kirche mit ihr in Prüfungen, Leiden,

spricht die Worte des Lobes, das Lied des Glaubens im Dunkel.

Stark wird sie durch die Wahrheit, die damals Maria verkündete,

einfach und groß, von leuchtender Macht und erbarmender Liebe.

Denn sie will, dass das Licht der göttlichen Wahrheit erscheine

über den Pfaden der Welt, auf den Wegen des Pilgerlebens.

Gegen Ende der Zeiten, im Dienst der Sendung des Herrn nun,

folgt die Kirche dem, der gesandt ward, Armen das Heil zu verkünden.

Diese Sendung bleibt gleich von Geschlecht zu Geschlecht in Erfüllung,

heute wie einst, da das Wort Fleisch ward im Schoß der Jungfrau.

Und ihr Herz neigt sich stets zu den Armen, den Sanftmütig’n, Leidenden:

Denn der Gott des Bundes, besungen im Lied der Maria,

stürzt die Mächtigen nieder, erhebt die Demüt’gen wieder,

sättigt die Hungernden reich, lässt die Stolzen vergeblich ersehnen,

streut die Hochmüt’gen fort, und erbarmt sich der, die ihn fürchten.

Tief durchdrungen vom Geist der Armen des Herrn, die im Psalmen

hofften auf Heil, auf den Gott, der die Bitten der Schwachen erhört,

kündet Maria das Kommen des Messias der Armen,

dessen Geist auf ihr ruht, der das Reich der Sanftmut verkündet.

Und die Kirche, die trinkt aus dem Herzen der seligen Jungfrau,

lernt von ihr den Glauben, den reinen Gesang der Barmherzigkeit:

dass die Wahrheit von Gott, der rettet, der schenkt und erhebt,

nicht zu trennen ist je von der Liebe zu Armen und Kleinen,

die im Magnifikat klingt und in Christus sich ganz vollendet.


Wohl bewusst ist der Kirch' – und dies wächst nunmehr in unser'm 

Zeitalter stark – dass die zwei, die im Magnifikat 

Schon enthaltene Kraft, niemals zu trennen erlaubt ist. 

Ebenso achtet sie sorgsam darauf, die Bedeutung 

Jener, die »Arme« man nennt, zu verstehn' in dem Wort Gottes,

Auch die »Option zugunsten der Armen« genau zu sichern. 

Dies ist von Freiheit und christlicher Loslösung eng bestimmt,

Maria, ganz in des Herrn Händen, des Glaubens vollendet, 

Neben dem Sohne steht sie, das reinste Bild der Befreiung, 

Jenes für Menschheit und Kosmos; die Kirch', deren Mutter und Vorbild 

Sie ist, muss schauen auf sie, um den Sinn der eigenen Sendung

Ganz zu begreifen und ihre Bestimmung in Fülle zu füllen.



DRITTER GESANG


Lehret die Kirche und weiß sie mit Paulus dem Heiligen, dass nur

Einer der Mittler uns ist: der Christus, als Mensch unter Menschen. 

Dieser gab sich als Lösegeld hin, als Mittler der Erlösung. 

Mutter doch ist sie den Menschen, und mindert die Mittlerschaft Christi 

Nimmer und macht sie auch nicht dunkel, sie zeigt nur die Wirkkraft. 

Weiß die Kirche und lehrt es: der heilsame Einfluss Marias 

Fließt aus dem Wohlgefallen Gottes, der Gnade Christi hervor.

Stützt sich auf Seine Mittlerschaft nur, ist ganz von ihr abhängig.

Nimmt nur aus Ihm seine Wirkkraft, die keine die innige Einheit

Jener, die gläubig sind, hemmt mit dem Mittler, sie fördert sie mehr noch.

Trägt der Heilige Geist diese Kraft, der Maria einst schattete mächtig, 

Ließ die Mutterschaft Gottes in ihr einst beginnen; bestärkt er

Immer sie weiter in Sorge um Christi an irdischer Stätte Brüder, die ihr nun gegeben. 

Mütterlich ist ihre Mittlung, Eng mit der Mutterschaft eins, 

Sie unterscheidet sich deutlich von jener 

Anderer Schöpfungen, die in untergeordneter Weise 

Teilhabe nehmen an Christi einmaliger Mittlerschaft nur mehr.

Keinerlei Wesen kann je dem fleischgewordenen Wort sich vergleichen. 

Doch schließt die Einheit des Mittlers in jenem Bereich der Geschöpfe 

Teilhabe nicht aus, sie fordert sie vielmehr, so gießet die Güte

Gottes sich mannigfach aus auf die Werke, die 

Er einst geschaffen. Lehre des Konzils von Rom stellt Marias

Mittlerschaft dar als Teilhabe jenes Ursprungs der Mittlerschaft

Christi im Glauben. Zögert die Kirche nicht diese untergeordnete Aufgabe Mariens 

Offen zu künden, sie fühlt sie und legt sie den Gläubigen ans Herz. 

Unter dem Schutz der Mutter soll inniger eins man werden 

Christo, dem Mittler und Retter. Dies Amt ist besonders und einzig. 

Fließt aus der göttlichen Mutterschaft Ihr zu, man kann es nur fassen 

Glaubend, wenn ganz man die Wahrheit der Mutterschaft zugrunde legt nun. 

Kraft der Erwählung durch Gott ist sie Mutter des ewigen Sohnes.

Darum wird sie uns Mutter in Gnade. Dies Amt ist konkret nun:

Ihre Präsenz im Geheimnis von Christus und Kirche der Erden.


Seht, unter jenem Gesichtspunkt muss neu der Beginn der

Heilsordnung grundlegend geschaut, jenes gewaltige Wirken: 

Wie das göttliche Wort in der Jungfrau, als ihr der 

Bote erschienen, Fleisch ward und Mensch 

durch Marias demütiges Beugen des Haupts.


Tief in Bedeutung ist’s, dass die Magd, da im Wort des Gesandten

Sie den Willen des Höchsten erkannt und der Macht sich ergab ganz, 

Sprach: »Siehe, ich bin die Magd des Herrn! Mir geschehe nach deinem Wort, 

So wie du es gesagt!« im gehorsamen Geist.


Dieser gehorsame Akt, die sich unterwerfende Geste 

Jener einzigen Mittlerschaft, die zwischen Gott und den Menschen, 

Jesus dem Christ, nun beginnt, war das Annehmen jeglicher Mutterschaft 

Durch die Jungfrau von Nazaret, die sich der Wahl Gottes weihte.


Ihre Zustimmung gebar den Sohn Gottes im Heiligen Geiste! 

Man kann es sagen: Die Annahme der Mutterschaft war die Frucht

Ihrer vollen Hingabe, die sie in keuscher Jungfräulichkeit pflegte.

Bräutliche Liebe allein führte Maria zur Höchsten der Würden,


Die eine Seele ganz Gott, ohne Rest, zu eigen bestellt. 

Aus jener liebenden Kraft wollte Maria jungfräulich wirken,

Immer in allem dem Herrn gottgeweiht und demütig sein. 

»Ich bin die Magd des Herrn«, so bekennt sie die Haltung von Anbeginn,


Fasst ihre Mutterschaft auf als die ganze Hingabe ihrer 

Person dem Dienste des Höchsten und seinem erhabenen Heilsplan. 

Mütterlich hat sie am Sohn, an dem Leben Jesu, teilgenommen,

Bis zum Ende geschah es der weihevollen Jungfräulichkeit gemäß.


Jene Mutterschaft Marias, ganz von der bräutlichen Haltung 

Einer Magd des Herrn durchdrungen, stellt dar die erste, die gründliche 

Schicht der Mittlerschaft, die von der Kirche geküsst und fortan offen bezeugt wird. 

Groß ist die Hoffnung der Gläub’gen, die hierin tröstliche Stütze empfangen.


Muss man doch sehen: zuerst vertraute sich Gott, der ewige Vater,

Jener Jungfrau von Nazaret an, da den eigenen Sohn er 

Schenkte im heiligen Mysterium tiefster Menschwerdung der Welt. 

Ihre Erwählung zur Mutter des Sohnes, zur Höchsten der Würden,


Gründet auf Seins-Ebene dort in der hypostatischen Einheit, 

In der Verbindung der zwei Naturn mit der Person des Worts.

Diese grundlegende Wahrheit, Mutter des Gottes-Sohns zu sein, bedeutet 

Volle Bereitschaft von Anfang an, ganz für Sein Wirken, Sein Ziel.


Jenes Wort: »Ich bin die Magd des Herrn«, zeugt von geistiger Offenheit, 

Die in Maria vereint die der Keuschheit ureigene Liebe, 

Auch die charakteristische Zärtlichkeit tiefster Mutterschafts-Glut.

Beides war innigst verknüpft, ja, in ihr gleichsam verschmolzen.


Darum ward Maria nicht nur des Menschensohnes die Mutter 

Und die Ernährerin zart, sondern auch zur einzigen Gefährtin

Erhoben, hochherzig dem Messias und dem Erlöser der Welt.

Wie schon gesagt, ging sie so den Pilgerweg treuesten Glaubens;


Und auf der Pilgerschaft, bis unter das Kreuz, ward zugleich schon

Ihre mütterliche Mitwirkung am Heilandswirken vollendet, 

Durch Taten und Leiden geschah’s. So ward ihre Mutterschaft gewandelt, 

Füllte sich mehr und mehr an mit der brennenden Liebe zur Menge.


Allen, denen die Sendung des Herrn galt, war diese Glut zugedacht, 

Übernatürliches Leben den Seelen gemeinsam zu wecken. 

So trat Maria, von dieser brennenden Liebe getragen, 

Ganz persönlich hinein in die einzige Mittlerschaft Christi,

Jener Mittlerschaft zwischen den Menschen und Gott, die Jesus gehört. 

Sie hat zuerst die Nachwirkung jenes Erlösens erfahren, 

Als bei der Botschaft schon ward sie gegrüßt als die 

Voll der Gnade. Durch diese Fülle der Gnade und Leben war sie bereitet

Für die Mitarbeit mit Christo, dem einzigen Mittler zum Heile.

Solch ein Zusammenwirken ist eben die untergeordnete Mittlerschaft Marias.


Hiera Maria, du wurdest erwählt zur Mittlerin der Gnade, 

Weil deine Fülle des Segens aus göttlichem Quell überströmte.

Willig gabst du dich hin als die Magd des Herrn, ihm ganz zu eigen, 

Voll des Gehorsams; drum hat Christus, der Sohn, dich bereitet,

Tief in die Ordnung der Gnade hinein, dass Mutter du werdest

Allen den Menschen, die gläubig zu ihm und zum Vater sich wenden. 

Dieses bezeugen die Schriften uns klar, die Evangelien weisen

Deutliche Zeichen dir zu: Lukas und Markus und Matthäus,

Johannes mehr noch, die Hochzeit zu Kana, das Kreuzesgeschehen, 

Als er die Mutter dem Jünger befahl mit dem Wort: »Siehe, die deine!« 

Deutlich sind jene die Worte des Kreuzes, die offen uns zeigen,

Welch ein Geheimnis der Liebe in diesem Befehl sich enthüllte.


Als dann die Auferstehung geschah und das Himmelfahrtsfest war,

Tratest du Maria hinein in den Saal mit den Aposteln, 

Mutter des Herrn, der nun herrliche Macht in den Himmeln empfing dort. 

Nicht nur, dass gläubig du gingst und dem Sohn bis zum Kreuz treu ergeben,

Sondern als Magd des Herrn wurdest du Mutter der werdenden Kirche. 

»Siehe, die Mutter ist dein!« so sprach er, der Sohn, von dem Kreuze. 

Eng war die Bindung von Anfang an nun zwischen Kirche und Mutter. 

Diese war Frucht ja des Kreuzes, des Todes, des Sohnes 

Erstehen. Ganz ihm gegeben von Anfang an, 

Werk und auch Person seines Sohnes, 

Musstest du Mutter dich wenden hin auch der Kirche und pflegen sie liebend. 

Fort nun besteht deine Mutterschaft fort in der Kirche als mittlernde Gnade: 

Fürbittend wirkst du für alle von dir in der Welt nun geborenen Kinder, 

Wirksame Helferin bist du im Heil, das der Sohn, der Erlöser, uns schenket. 

Unaufhörlich dein Amt währt, so lehret das Konzil, in der Ordnung der Gnade, 

Bis zur Vollendung am Ende der Zeit aller Gläubigen Seelen. 

Weit hat die Mutterschaft reicht als die Magd des 

Herrn durch des Sohnes Opfer am Kreuz, weil die Erlösung

Umfasste die Menschheit als Ganze. Zeichen der Wirksamkeit Christi, 

Des einen und ewigen Mittlers 

Zwischen dem Vater im Licht und den Menschen auf erdlicher Pilgerfahrt. 

Deine Mitwirkung, o Maria, sie nimmt an der Fülle des Mittlers

Teil nur in unterer Ordnung, doch wichtig ist dein mütterliches Walten. 

Dieses bekräftigt die heilige Kirche mit deutlichen Worten.


Als du in Himmel empfangen wurd’st – so lesen wir weiter im Text dort –, 

Hast du den heilsamen Auftrag nicht aufgegeben, o Mutter,

Sondern durch vielfache Fürbitte wirkst du, Gewährerin ewigen Heiles. 

Dieser fürbittende Dienst, der zu Kana sich erstmals gezeigt hat,

Setzt sich in Zeit und in Ewigkeit fort in der Welt und der Kirche.

Mütterlich sorgst du dich liebend um alle die Brüder des Sohnes,

Pilgernd auf Erden sie leben in Not und in mancherlei Gefahr noch, 

Bis sie zur seligen Heimat gelangen, die droben dir offen steht.

Mutter in Kirche bleibst du durch Vermittlung der heiligen Fürbitte, 

Drum dich die Gläubigen nennen im Glauben: »Fürsprecherin, Miterlöserin, Mittlerin«.


Vielfach verstärkst du, o Mutter, die Bindung der pilgernden Kirche 

Hier auf der Erde zur himmlischen Welt der vollendeten 

Heil’gen. Denn in den Himmel nahmst du mit Leib und mit Seele die Wohnung 

Ein, wo der Sohn schon herrscht. Pius der Zwölfe hat die Wahrheit verkündet, 

Später bekräftigt vom zweiten Konzil, das der Kirche dies lehrt nun: 

»Unbefleckt wahrtest du treu dich von jeglichem Makel der Erbsünd’, 

Nach dem Vollende des irdischen Laufs in die Herrlichkeit droben

Aufgenommen, zur Königin über das All dort erhöhet 

Wurdest du Christus gleich, dem Herrn aller Herrn, dem Sieger im Tode.« 

Alle die Wirkungen Christi, des einen Erlösers der Welt dort, 

Sind in Maria zur endlichen Fülle gelangt, der Aufgenommenen.

Eng ist die Bindung mit Christus, dem Herrn, durch ein unauflösliches Band euch. 

Warst du ihm nahe beim ersten Erscheinen in Fleisch auf der Erde,

Wirst du ihm nahe auch sein im Erwarten der zweiten Ankunft.

Erlöst durch höheres Recht aufgrund seines heiligen Opfers, 

Hast du dein Amt als die Mutter der Gnade noch inne am Ende,

Wenn er zurückkehrt, der Herr, da zum Leben geweckt sind die Seelen, 

Die zu ihm gehören, und letztlich der Tod ist als Feind dann besiegt.


Hoch ist Zion's Tochter erhoben, Maria, die Reine, 

Weil sie die ewige Pracht nun im Himmel erlangte! 

Jener Herrlichkeit Licht, die nun ehret als Königin Alles, 

Die als Magd sich genannt, doch die Wahrheit der Treue bewahrte.

Dienend blieb sie dem Herrn, der des Dienstes Gehalt uns verkündete: 

»Nicht als Diener er kam, er der Menschensohn, nein, um zu dienen 

Und zu geben sein Leben als Lösegeld vieler Geschicke« 

Sie war die erste der Dienerin Christi, 

Führt nun Brüder voll Demut und Geduld hin zum königlichen Herrn. 

Herrschen heißt, Ihm zu dienen, so ward ihr die Freiheit des Thrones!


Christus gehorchte dem Vater bis in den Tod: so ward 

Er erhöht nun, Ging in die Herrlichkeit ein, bis Er 

Alles dem Vater wird opfern, Dass in Allem Gott sei. 

Maria, die Magd nun, 

Teilet die Herrschaft des Sohnes, die königliche Würde im Dienen; 

Selbst in den Himmeln vollendet sich niemals der Dienst ihrer Gnade, 

Mütterlicher Vermittlung, solang' nicht die Seelen erlöset, 

Jene, die Treue bewahrte bis hin zu des Kreuzes Vollendung, 

Ist nun Eins mit dem Sohn, dem die Schöpfung sich willig unterwarf, 

Bis Gott in Allem wird sein: so umfängt sie die selige Schar nun,

Ganz ausgerichtet auf Ihn, den Erfüller der ewigen Zeiten.


Doch ist die Mutter Maria dem Einzigen Mittler gehorsam, 

Ihm, der der Herr ist, und auch Untergeordnet dem Einen, 

Der uns die Fülle der Zeit mit dem großen Geheimnis erschloss nun: 

Alles in Christus soll einst wieder einig sich finden.


Als die Mutter des Herrn ist sie Typus der Kirche in Gnaden, 

Die dem Christus verbunden in Glauben, in Liebe, in Einheit; 

Still in Erwartung verharrt sie beim Kreise der Apostel, 

Selige glaubt sie im Pilgern der Kirche seit Ewigkeit weiter.

Gläubig nahm sie das Wort an, sie gebar den Heiligen als Magd ihm, 

Ohne Mann, doch im Geist: so ist sie das Urbild der Kirche.

Darum ehrt man sie stets mit besondrem Kultus im Leben, 

Nimmt Zuflucht bittend zu ihr, der Gottesgebärerin Schutz nun.

Kirche heißt so die Jungfrau und Mutter, die Gotteswort aufnahm,

Gebiert im Glauben die Kinder und führt sie zum ewigen Leben.

Christus, der Erstgeboren', die Kirche gebiert Ihn mit Paulus:

»Leidend ertrag' ich die Wehen, bis Christus in euch wird Gestalt nun!« 

So die Kirche versteht ihr Geheimnis, das göttliche Amt nun,

Nach dem Beispiel Mariens, der Mutter des Erstgeborenen Heilsglanz.


Von Maria die Kirche die eigene Mutterschaft lernet, 

Mütterliche Dimension der Berufung so tief sie 

Mit der sakramentalen Natur ihrer selbst nun verbindet, 

Indem Marias erhabene Heiligkeit sie betrachtet, 

Liebe nachahmt und treu den Willen des Vaters erfüllt sie. 

Ist sie Zeichen und Werkzeug für innige Einheit mit Gotte, 

So geschieht dies aufgrund von der eigenen Mutterschaft eben:

Weil sie, vom Geiste belebt, Söhne und Töchter der Menschheit Zu neuem Leben in Christus, dem Herrn, mit dem Geist ihm gebiert nun. 

Denn wie Maria zum Dienst am Geheimnis der Menschwerdung steht, so 

Bleibt die Kirche im Dienst des Geheimnisses Annahme durch Gnaden.


Nach dem Beispiel Mariens ist auch die Kirche die Jungfrau, 

Die dem Bräutigam treu das gegebene Wort rein bewahret. 

Sie ist Braut Christi gewiss, wie die Briefe des Paulus verkünden

Und das Zeugnis des Johannes: »Die Frau des Lammes« genannt sie. 

Wenn die Kirche als Braut das gegebene Treuewort bewahrt nun,

Hat die Treue zugleich den Wert eines Typus der Hingabe ganz.

Für die Ganzhingabe an Gott in der Ehelosigkeit eben, 

Um des Himmelreiches willen, das heißt für die Jungfräulichkeit hehr.

Grade die Jungfräulichkeit ist, nach dem Beispiel der Jungfrau,

Quelle besonderer Fruchtbarkeit stets: so die Mutterschaft wird sie

Quell im Heiligen Geiste. Auch hütet die Kirche den Glauben,

Den sie von Christus empfing, wie Maria alles bewahrte, 

Was den göttlichen Sohn betraf, und erwog es im Herzen. 

Suchet, das Wort zu bewahren, mit Umsicht den Reichtum erforschet 

Und davon in jeder Epoche der Menschheit treu Zeugnis zu geben.


Ewig im Wandel der Zeit, doch bleibend im göttlichen Walten,

Übt Maria den Sinn, das Vorbild des Glaubens, der Hoffnung,

Und der Liebe, die rein aus des Geistes Quelle sich speiset.

Wie die Kirche, so strebt sie, der Mutter ähnlich zu werden,

Die im Geheimnis des Herrn jungfräulich Glauben bewahret,

Hoffnung fest in der Seele, und Liebe, die alle umfasst.

Darum ist sie im mystischen Leibe des Herrn uns gegenwärtig,

Vorbild, Glanz und Gestalt, die das Mysterium deutet.

Doch das Geheimnis der Kirche ist auch ein Gebären zum Leben,

Ewigem Leben im Geist, der die Kinder des Himmels erwecket.

Solche Mutterschaft übt, vollendet im Heiligen Geiste,

Selbst Maria, die mehr ist als bloßes Bild der Gemeinde:

Denn in mütterlich wirkender Liebe gebiert sie und nährt sie

Söhne und Töchter des Herrn, der Mutter Kirche geweihet.

Dies geschieht, wo die Jungfrau, die Gottesgebärerin heilig,

Mitwirkt, wie einst sie im Fleische des Erstgebornen gewirkt hat,

Als sie ihn trug und nährte, den Heiland, Bruder der Vielen.

Darum schöpfet die Kirche aus ihrer mütterlich Gnade,

Die vom Kreuz einst stammte, da Jesus, sterbend, gesprochen:

„Weib, siehe, dein Sohn!“ – und zum Jünger: „Siehe, die Mutter!“

So begann dort die neue, geistige Mutterschaft Marias,

Die im österlich’ Licht des Erlösers Geheimnis entspringet,

Mutterschaft in der Ordnung der Gnade, die Gaben des Geistes

Flehentlich bittet und Kinder des Herrn zum Leben erwecket,

Kinder, erlöst durch das Opfer des Kreuzes, das ewig erneuet.

Diesen Geist empfing mit der Kirche Maria am Pfingsttag,

Feuer des Lebens und Quelle des göttlichen Atems.


Diese Mutterschaft lebt, vom Volke des Herrn tief empfunden,

Wenn im Opfer des Altars sich das Heil der Welt neu gestaltet.

Denn im heiligen Mahl der Eucharistie wird gegenwärtig

Christus, der Sohn, geboren aus Leib der jungfräulichen Mutter;

Und das Volk, das ihn feiert, erkennt in geheimnisvoller Tiefe

Seine Geburt aus Maria als Quelle des Lebens der Kirche.

Darum hat stets die Frömmigkeit gläubiger Herzen verbunden

Ehrfurcht vor ihr, der Reinen, mit Anbetung des heiligen Brotes.

West wie Ost, in den Chören der Mönche, im Singen der Jugend,

In den Pilgergebeten der Orte, vom Gnadenbild leuchtend,

Spiegelt sich dieses Geheimnis: Maria führt zu dem Tische,

Wo das Brot uns der Himmel reicht – den Leib ihres Sohnes.


Denn zur Natur der Mutter gehört das persönliche Binden:

Immer ist Mutterschaft Beziehung, heilig und einzig,

Zwischen der Mutter und Kind, das empfangen und liebend genährt wird.

Auch wenn viele sie Kinder nennt, so bleibt in dem Innern

Doch die Beziehung zu jedem von ihnen einmalig und ewig;

Denn aus Liebe empfing sie, und Liebe erzieht und vollendet.

Also ist auch im Geist, in der Ordnung der Gnade, die Mutter

So mit jedem der Kinder des Herrn in Beziehung des Herzens.

Darum sprach an dem Kreuz, in der Stunde der heiligen Vollmacht,

Christus das Wort, das ewige Bindung des Himmels begründet:

„Siehe, dein Sohn!“ – und zum Jünger: „Siehe, die Mutter!“

So ward Mutter und Sohn in göttlichem Auftrag verbunden.

Nicht nur Johannes empfing in jener Stunde die Mutter,

Sondern ein jeder Jünger, ein jeder Christ, der da glaubet.

Denn der Erlöser vertraute Maria der Welt und die Welt ihr.

Mutterschaft ward Geschenk, das Christus persönlich dem Menschen

Gab aus Liebe, die stirbt und im Sterben das Leben gebiert.

Darum nimmt der Jünger sie auf in das Eigene, still nun,

Und er lernt, was Vertrauen heißt: das Kindliche, Tiefe,

Das nur Antwort ist, Antwort auf mütterlich liebende Nähe.

So beginnt in dem Glauben der Kirche das Erbe des Kreuzes:

Kindliche Hingabe, ruhend im Schoße Marias,

Die uns zum Sohne erzieht und zum Leben des Ewigen führet.


Kindliches Trauen erhebt die Seele zum Mutterherzen,

das auf Golgota einst der Erlöser der Welt uns vermachte.

Wie der geliebte Jünger sich kindlich der Mutter anvertrau’n durfte,

so nimmt jeder Christ die Mutter des Herrn in sein Leben:

„Er nahm sie zu sich“ – tief in das Innere seines Daseins,

menschlich und göttlich zugleich, das vom Geist durchdrungen.

So tritt er ein in den Kreis der mütterlichen Liebe,

die sorgsam wacht über Brüder des Sohnes, die sie geboren

und in der Gnade des Geistes zu reifen führt.

So entfaltet die Mutter im Geist ihr ewiges Amt,

das ihr ward unter Kreuz und im Abendmahlssaal des Friedens.


Kindliche Liebe entspringt in Christus, dem ewigen Ursprung,

doch auf ihn ist sie gerichtet, der selbst das Ziel uns bereitet.

Denn die Jungfrau spricht immer die Worte von Kana aufs Neue:

„Was er euch sagt, das tut!“ – so ruft sie den Jüngern des Herrn zu.

Er ist der Mittler allein, der Weg, die Wahrheit, das Leben;

ihn gab der Vater der Welt, daß keiner verloren gehe,

sondern das ewige Licht und das Leben empfange in Gnade.

Maria, die Jungfrau, zuerst war Zeugin der Liebe des Vaters,

demütig blieb sie Magd, und ewig will sie es bleiben.

Wer sich ihr kindlich vertraut, wer gläubig sie aufnimmt ins Herze,

dem offenbart sie den Sohn und führt ihn zu Christi Geheimnis.

Je mehr er in dieser Haltung verharrt, in liebender Treue,

desto tiefer ergründet er Christi unermeßliche Reichtum,

lernt in dem Antlitz des Herrn die Würde des Menschen erkennen,

da Christus allein des Menschen Geheimnis vollendet und offenbart.


Und im geheimnisvollen Licht der Frau, das von oben her leuchtet,

strahlt eine Spur der Mutter des Herrn in der weiblichen Seele.

Gott selbst hat seinem Werk der Menschwerdung vertraut

dem freien, tätigen Dienst des Geschlechtes der Frauen.

Darum erkennt die Frau in Maria das Bild ihres Werdens,

lernt in der Jungfrau von Nazaret, wie sie ihr Dasein entfaltet,

würdig und frei, in Liebe und treuer Hingabe leuchtend.

Denn in Maria erblickt die Kirche den Glanz jener Schönheit,

die das Herz des Menschen zu höchster Empfindung erhebet:

Liebe, die alles verschenkt, die Schmerzen geduldig erträgt,

Treue, die nimmer vergeht, und Trost, der die Schwachen ermutigt.


Während das heilige Konzil im Glanz des Geistes erstrahlte,

rief Paul, der Hirte des Lichts, mit feierlicher Stimme:

„Maria, Mutter der Kirche, bist du auf ewig geblieben,

Mutter des Volkes, das glaubt, der Hirten und all ihrer Kinder!“

So ward verkündet das Wort, das himmlisch im Herzen erglühte;

und später, im Glaubensbekenntnis des Volkes der Christen,

sprach er erneut mit Macht die heilige Wahrheit des Glaubens:

„Wir glauben, daß die Mutter des Herrn, die neue Eva,

im Himmel fortführt ihr Amt als Mutter der Glieder des Christus,

mitwirkend still an Geburt und Wachstum des göttlichen Lebens

in den erlösten Seelen der Kinder, die ihr vertraut sind.“


So bleibt sie ewig vereint mit dem Werk des Sohnes im Himmel,

teilt seine Liebe und nährt das Leben, das von ihm ausgeht.

Wie einst auf Erden im Hause von Nazareth leise ihr Dienen,

so wirkt sie jetzt in der Kirche des Herrn in geheimem Erbarmen.

Sie, die im Glauben geglaubt, die im Schmerz vollendet die Liebe,

führt uns zu Christus empor, der Quell und Vollender des Lebens.


Damit sind die drei Abschnitte (45–47) vollständig in deutschen Hexametern übertragen – eine poetisch-theologische Version, die sich an den Ton von Klopstock oder Hölderlin anlehnt und zugleich das geistliche Gewicht des Redemptoris Mater wahrt.


Das heilige Konzil hat gelehrt: Die Wahrheit Marias,

Mutter des Heilands, erhellt das Geheimnis des Leibes der Kirche.

Denn wer sie schaut, die Reine, erkennt auch tiefer den Christus,

dessen lebendiger Leib in den Gläubigen weiter sich bildet.

Paulus, der Sechste, verkündete laut: »Das Wissen Marias,

wahr und katholisch, bleibt Schlüssel zum Wesen des Christus und seiner

heiligen Braut, der Kirche, die ewig im Glauben sich weidet.«


Gegenwärt ist Maria im Volk als Mutter des Heilands,

doch auch Mutter der Menschen, die Christus Johannes vermachte,

da er am Kreuz vollendet den Bund der erlösenden Liebe.

Darum umfaßt sie im Geist die Kinder der Kirche, die Armen,

und in der Kirche selbst umfängt sie die ganze Gemeinde.

Mutter der Kirche genannt, ist sie deren himmlisches Vorbild;

denn wie Paulus der Sechste gebot, soll Christi Gefährtin

Lehrerin sein der Jünger, daß rein sie folgten dem Meister.


Durch dieses göttliche Band, das Christus’ Mutter mit ihr knüpft,

leuchtet das große Geheimnis der Frau von Anbeginn heller,

die in der Schrift erscheint, von Genesis hin bis zur Seherin

Johannes, wo Sonne sie kleidet und Sterne sie krönen.

Denn in der Kirche erscheint die Mutter des göttlichen Heilands,

kämpfend im Geiste, beteiligt am Streit mit der Macht der Finsternis,

die von Uranfang her die Menschheit verderben bestrebet.

Doch mit der Sonne umkleidet steht sie als Zeichen der Hoffnung:

in ihr ist die Kirche schon rein, makellos und vollendet.

Darum erhebt die Pilgerschar ihre gläubigen Augen,

sieht zu Maria empor und wächst in heiliger Liebe.

Tochter Zions, du Führerin still zu den Häusern des Vaters,

zeige den Kindern den Weg zu Christus, dem ewigen Leben.


So weiß die Kirche sich selbst durch Zeiten und Räume verbunden

mit der Mutter des Herrn, die trug das Heil in die Welt einst,

Mutter des Leibes des Sohnes und Mutter der gläubigen Kinder.

Sie, die Fürsprecherin, bittet um Gnade für alle,

daß sie im Glauben bestehn und wachsen zum ewigen Lichte.

Und was vergangen, was ist und was kommen wird, alles umschließt sie,

weil sie im Herzen bewahrt das Geheimnis des göttlichen Ratschlusses.


Weil sich die Menschheit im Band mit der Mutter des Heilands verbunden,

rief ich im heiligen Jahr der Zeiten den Namen Marias,

nahe dem Ende des zweiten Jahrtausends Christi Geburtstag,

auf, daß die Kirche sich selbst durch sie erneuere, glaubend.

Einst schon tat Pius, der Zwölfte, der Papst von heiligem Eifer,

ähnliches kund, da er rief ein Jahr der Jungfrau, um offen

zu zeigen die Reinheit der Mutter, die frei von der Erbschuld,

eine Jahrhundertzeit nach ihrer Verkündigung, leuchtend

hinaufstieg zum Himmel, gekrönt von der Hand des Erlösers.


Also folg’ ich dem Weg, den das hohe Konzil uns gewiesen:

dort ward gezeigt, daß Maria im Heilsgeheimnis des Christus

und seiner Kirche besteht, als Zeichen und Mutter der Gnade.

Mehr als zwanzig Jahr sind entrollt, seit jenem Beschlußwort,

doch dieselbe Stimme des Geistes ertönt in der Kirche,

wie sie erklang in der Zeit des Konzils und der Bischofssynode:

»Folget getreu dem, was der Geist in der Stunde euch lehret!«


Darum ist dieses Jahr Maria geweiht, daß die Gläubigen

tiefer bedenken das Wort des Konzils, das selige Wissen

über die Gottesmutter und ihren Anteil am Heile.

Nicht nur Lehre des Glaubens allein, auch Leben im Glauben

fordert das Jahr: ein Ruf zur marianischen Seele,

die sich in Licht und Demut entfaltet, treu der Tradition.


Wie die Jahrhunderte zeugen, so strömt aus den Völkern der Erde

reiche Erfahrung der Liebe zur Mutter des Herrn, die sich neiget

über Nationen und Zeiten als mütterliche Begleiterin.

Unter den Lehrern der Frömmigkeit leuchtet besonders

Ludwig Maria Grignion de Montfort, der riet den Christen,

Christus zu weihn sich selbst durch die Hände der Mutter,

daß sie die Taufpflicht leben in gläubiger Treue und Reinheit.

Solche Weihe bleibt heiliges Pfand der innigen Liebe.


Freudig erkenn’ ich die Zeichen der neuen marianischen Stunde,

die sich erhebt im Herzen der Kirche und ruft zur Erneuerung:

»Laßt uns wachsen im Glauben, laßt uns wandeln in Heiligkeit,

laßt uns folgen Maria, der reinsten Form der Nachfolge Christi!«


So wird die Mutter des Herrn, die strahlende Königin Zions,

führ’n die Gläubigen heim zum Haus des himmlischen Vaters.

Glorie sei Gott, dem Ewigen, durch die Jungfrau gegeben,

die uns in Christus vereint und lehrt das Geheimnis der Kirche.


Siehe, das Jahr Mariens beginnt mit dem Feste des Geistes,

Pfingsten, am siebenten Tag des Monats, da strömt uns das Feuer.

Nicht nur soll man gedenken, daß Maria dem Kommen des Herrn war

voraus in der Zeit, da das Wort sich zum Menschen gestaltete, – nein, auch

leuchtet im Lichte Mariens der Sinn der erfüllten Geschichte:

Seit der Geburt des Erlösers trat sie in die Fülle der Zeiten.

Zeichen der Fülle ist Kirche, das pilgernde Volk unsres Gottes;

gläubig sie wandert durch Völker und Stämme zur Ewigkeit hin,

führend Maria, die Magd, die betend verweilte zu Pfingsten,

da sie im Kreise der Jünger des Sohnes den Geist noch erwartete.

Ewig geht sie der Kirche voraus auf dem Wege der Zeiten,

helfend im Werk des Heils, das Christus, ihr Sohn, vollendet.


Darum ruft uns dies Jahr: Gedenkt des mütterlich treuen

Mitwirkens Mariens, der Gnadenvollen, am Heile!

Machet euch selbst auch bereit, in Zukunft mit ihr zu vollbringen,

was euch der Herr vertraut, da das zweite Jahrtausend nun endet.

Sieh, ein neuerer Blick auf die Zukunft öffnet sich gläubig.


Und siehe: Auch viele der Brüder, die ferne der Einheit,

ehren die Mutter des Herrn, besonders die Kinder des Ostens;

hell ist das Licht Mariens, das leuchtet dem Weg der Versöhnung.

Feierlich ist dies Jahr auch durch Wladimirs Taufe geweiht,

da Rus zum Glauben erblühte im tausendsten Kreise der Zeiten.

So breitet das Christentum aus sich über Europas Gefilde,

hin zu den nördlichen Landen Asiens, weithin verkündet.

Betend vereinen wir uns mit den Brüdern im Osten und Westen,

daß, was das Konzil verkündete, leuchtend erneut sich bezeuge:

Freude und Trost uns bereitet, daß östliche Christen mit Inbrunst

Maria verehren, die ewig jungfräuliche Mutter des Herrn.

Und wenn auch die Wunde der Trennung noch schmerzlich uns bleibet,

fühlen wir uns vor ihr, der Mutter des Christus, als Brüder,

Kinder des einen Gottes, berufen zum einen Geschlechte,

das auf Erden Familie sei in der Liebe des Vaters.



EPILOG


Am Ende des Tages, wenn betend die Kirche sich sammelt,

steigt zu Maria der Ruf, der Mutter des ewigen Lebens:


„Alma Redemptoris Mater, erhabne Mutter des Heiles,

Tor, das dem Himmel sich öffnet, du Stern auf nächtlicher Meere,

komm und hilf deinem Volk, das mühsam sich aufwärts erhebet;

du hast geboren, zum Staunen der Welt, den Schöpfer des Lebens.“


So ertönt es am Abend der Zeiten – die Kirche erhebt sich,

blickt zu Maria empor, der Königin über die Engel.

Sie, die dem Anfange der Kirche im Beten beigestanden,

steht nun im Himmel, verklärt, als Fürsprecherin aller.

Flehentlich bittet das Volk, das wandelt auf Wegen der Erde,

daß sie, die Mutter der Menschen, fürbittend uns leite,

bis sich vereinen die Völker in Friede, in seliger Einheit,

und die Geschlechter der Welt ein einziges Gottesvolk werden,

preisend die heiligste, eine, dreifaltige Gottheit in Ewigkeit.


So endet das Jahr Mariens, beginnend in Feuer und Gnade,

führend zur Krone des Himmels, zum Zeichen der seligen Hoffnung.

Leuchte, o Jungfrau, uns weiter, du Morgenstern unsrer Nächte,

führ uns, Magd des Herrn, zur Freude des ewigen Lebens.


Wie doch die Natur staunt! Des Schöpfers Geheimnis umfängt sie,

Jenem glaubenden Staunen, das jegliche Schöpfung durchdringt.

Im Herzen des Volkes von Gott, in der Kirche selbst wohnt es,

Weil Er so weit doch gegangen, der Herr und der Schöpfer der Welten! 

Jene unendliche Ferne zwischen Geschöpf und dem Schöpfer

Überwand Er so deutlich in Seiner Enthüllung dem Menschen!

Bleibt Er in Sich auch unsagbar, unerforschlich der Ew’ge, 

Ist Er noch tiefer verborgen im Wort, das menschliche Form nahm,

Mensch durch die Jungfrau von Nazareth, Gottes heiliger Gnade.


Schon von der Ewigkeit an rief Er den Menschen zur Teilhab 

An der göttlichen Art, zur Vergöttlichung wollte 

Er ihn bestimmen, auch nach dem Fall in der Sünde bereit, ja,

Seinen Liebesplan durch die Menschwerdung des Sohnes, ihm wesens- 

Gleich, mit dem hohen Preis wiederherzustellen auf Erden.

Staunen muss tief das Geschöpf, und der Mensch muss noch tiefer 

Ergriffen sein vom Geschenk, das im Heiligen Geist ihm gegeben:

„Also hat Gott doch die Welt geliebt, dass Er 

Seinen einz’gen Sohn für sie hingab“, so lautete jegliches Wunder!


Im Zentrum dieses Geschehns, im Mittelpunkt solch tiefen

Glaubenden Staunens steht Maria, die hehre Erlöserin Mutter. 

Sie hat es als erste erfahren: „Du hast geboren, 

Der Natur zum Staunen, den eigenen heiligen Schöpfer!“


In diesen Worten der Antiphon offenbart sich die Wende, 

Welche dem Menschen vom Wunder der Inkarnation nur bestimmt ist. 

Diese Wende durchzieht seine ganze Geschichte hienieden, 

Von dem Anfange an, den die Genesis uns klar zeigt, 

Bis zu dem letzten Ende, dem Ziel, das der Herr uns verborgen 

Hielt, ist es stetes und unaufhörliches Wandeln 

Aus dem Fallen empor, zum Aufstehen in Gnade und Rechte. 

Und die Liturgie mahnt, besonders im Advent, uns beständig 

An diesen Wendepunkt, an das stete „Heute und Jetzt“, wenn 

Sie dann rufet: „Komm, hilf doch Deinem Volk, das sich mühet,

Aus dem Falle zu steigen!“ 


Jeder Mensch ist gemeint, Gemeinden, die Völker und Nationen,

Alle Geschlechter der Zeit, Jahrtausende nah und zu Ende:

„Komm, hilf Deinem Volk, das vom Falle bedroht ist!“

Dies ist das Flehen zu Maria, Mutter des Herrn, und zu Christus,

Der durch sie zur Menschheit trat in die Zeiten hinein. 

Es erklingt nun Jahr um Jahr wieder 

Dieses Gebet, das den Augenblick nennt, da die Wende

Wesentliche sich vollzog, die unumkehrbar uns allen 

Fortbesteht: vom Fall ins Aufstehen, vom Tode zum Leben.


Auch wenn die Menschheit vollbracht hat wunderbare Entdeckungen, 

Herrliche Taten der Wissenschaft, Technik und höchsten 

Kultur, und den Lauf der Geschichte beschleunigt mit Eifer – 

Die grundlegende Wende begleitet den Weg eines Jeden 

Durch alle Geschichte hindurch: vom Fall zum Auferstehn stets!

Dies ist die ewige Mahnung an jedes Gewissen auf Erden, 

An das Bewusstsein der Zeit: dass der Mensch den Weg wähle

Nicht zu fallen, auf alte und neue Weise zu wandeln, 

Oder zu steigen empor, wo der Sturz ihn zur Erde gebeugt hat.


Wenn nun die Kirche mit ganzer Menschheit sich naht dem Jahrtausend- 

Übergang, nimmt sie die große Herausforderung an, ja, 

Mit allen Gläubigen gemeinsam und jedem der Guten 

Wendet sie sich in den Worten der marianischen Antiphon hin:

„Volk, das sich mühet, vom Falle aufzustehn“, fleht die Kirche

Zum Erlöser und seiner Mutter: „Steh uns bei und sei Helfer!“

Denn sie erblickt die gesegnete Mutter im Erlösungs- 

Mysterium tief, in dem eigenen heiligen Wesen, 

Tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt, der ewigen Berufung, 

Die Gott von Ewigkeit an dem Menschen bestimmt hat im Plane.

Mütterlich sieht sie Maria, sie teilt all die Sorgen und Mühen, 

Die heut die Einzelnen plagen, die Familien und Völker. 

Sie ist die Helferin dort, wo der Christ im Kampfe muss ringen

Zwischen dem Bösen und Guten: dass er nicht falle, doch stehe

Wieder empor, wenn er fiel, durch Gnade und göttliche Güte.


Mögen die Gedanken dieser Hymne diese Sichtweise 

Stärken in jeglichem Herzen der Gläubigen fortan! 

Als Dichter Mariens nun sende ich allen, die diese Gedanken

Lesen, den Friedenskuss, den Gruß und den Segen in Christus!