DAS LOGENLIED

VON TORSTEN SCHWANKE


Am achten Tag des Novemberjahrs,

als Welt und Ordnung standen karg,

da schrieb mit sorgenvoller Hand

ein Kardinal aus deutschem Land.


Von Fulda her, von Kölns Altar,

wo Hartmann Hirte, Mahner war,

ging Wort an Münchens Nuntiatur,

an Pacelli, von ernster Spur.


An den Gesandten Petri schlicht,

der einst als Pius sprach Gericht,

ging Kunde, düster, schwer und bang,

vom Kaiser selbst empfangen lang:


„Der Groß-Orient, so heißt die Macht,

hat im Verborgnen ausgedacht,

die Souveräne zu stürzen all,

zuerst den Kaiser – freier Fall.


Die Kirche soll im Staub vergehn,

der Papst in Haft, die Welt zu sehn

als Republik, von fern gelenkt,

wo Großkapital die Zügel lenkt.


Auf Trümmern alter Bürgerzeit

entstehe neue Herrlichkeit.

Die Maurer hier – man zweifelt sehr –

sie nennen sich dem Kaiser treu noch mehr.


England, so heißt’s, will Ordnung wahren,

Frankreich, Amerika – gefahren

vom Groß-Orient in Bann gezogen,

vom Bolschewismus vorgeschoben.“


So endet fast der Mahnbericht,

der Kirche droht, der Krone Pflicht.

Drum müsse Episkopat nun wissen,

und Rom gewarnt, bevor sie rissen.


Dass Wilhelm solch Vertrauen gab,

verwundert kaum – es lag so nah:

Hartmann, aus preußisch festem Haus,

ging Freundschaft mit dem Kaiser aus.


Nach Rom gesandt zu Kriegsbeginn,

sprach er des Reiches Recht und Sinn,

als Belgien, neutral und klein,

den Einfall trug – nicht ohne Pein.


Mercier erhob die Stimme laut,

der Papst jedoch hat abgewogen,

verzichtet auf ein hartes Wort,

blieb neutral an heil’gem Ort.


Ein Brief, von Hand, nicht maschinell,

wohl aus der Eile, streng und schnell,

damit der Kreis der Wissenden

so klein wie möglich möge enden.


Ein Tag nur vor der Revolution,

da gärte schon die Nation:

Soldaten, Arbeiter erhoben

sich rot gefärbt, von Zorn durchzogen.


Der Kaiser floh nach Spa ins Feld,

wo Oberste Heeresleitung hält.

In Berlin rief man Streik und Macht,

die Straße tobte, Tag und Nacht.


Max von Baden sprach eigenmächtig,

noch eh die Antwort kam – bedächtig?

„Der Kaiser dankt.“ Ein Wort, ein Schnitt,

der Thron zerfiel mit einem Schritt.


So steht der Brief im Schattenlicht

der Zeit, voll Angst, voll Gegengewicht:

Ein Zeugnis aus der Schwellenstund,

wo Altes sank, und Neues wund.


Fast panisch floh der Kaiser fort,

verraten schien ihm jedes Wort.

Nach Doorn, ins niederländisch Land,

wo erst am achtundzwanzigsten er fand

den Mut, den Thron aus der Hand zu legen,

zu spät für Treue, zu spät für Segen.


Das Zögern, schwer wie Blei im Sinn,

kostete ihm der Heere Gewinn.

Doch flüsternd ging ein Zweifel um:

War er gewarnt? War die Gefahr nicht stumm?

Ein Geheimbund, im Schatten verborgen,

Thron und Altar bedroht für morgen?


War’s eine Mahnung, kalt und klar,

von Umsturz, neuer Weltordnung gar?

Oder nur Angst, ein letzter Halt,

ein Netz aus Worten, selbst gemalt,

um Rom, den Papst, noch zu bewegen,

in tiefster Not ihm beizustehen?


Um Antwort ringend, blickt man zurück,

in Logen, Mythen, Ursprungsstück.

Am Johannistag, siebzehn-siebzehn,

wo Gans und Rost im Wirtshaus steh’n,

schloss man in London, Hand in Hand,

die erste Großloge Englands Band.


Montagu rief, von Adel schwer,

Anderson schrieb die Pflichten her.

Aus alten Schriften, gotisch alt,

ward neue Ordnung bald gestalt’.

Genealogien, Geist und Traum,

Gespräche gar mit Totenraum.


Desaguliers, Newtons Freund,

der Ordnung, Kleid und Ritus meint’,

gewann den Herzog, Prinz und Lord,

hob Maurerei an hohen Ort.

Was einst ein Handwerk, fest und klar,

ward Sinnbild, Zeichen, Ritual.


„Nur eine Religion“, so heißt’s,

„wo jeder Mensch sich einig weiß.“

Gesetzestreu nach außen hin,

doch Schutz für Aufruhr im Beginn.

Geheimnis streng, der Ursprung alt,

bis viertausend vor Christi Gestalt.


Von Adam her, durch Lamechs Zeit,

von Säulen vor der Flut geweiht,

von Pythagoras und Hermes’ Spur,

von Babels Turm, von Salomos Flur.

Geschichten kühn, die Zeiten beugend,

mehr Mythos als Geschichte zeugend.


Denn wahrlich zeigt das alte Wort:

Die Maurer waren Handwerk dort.

Sie bauten Kirchen, Stein auf Stein,

im Dienst der Kirche, fromm und rein.

Kein esot’risch dunkler Plan,

kein politisch heimlich Wahn.


Das Watson-Blatt bezeugt noch klar,

wie treu ihr Eid und offen war:

Gott und der Kirche treu ergeben,

dem König loyal im irdisch Leben.

So zeigt sich, was Geschichte lehrt:

Wie Sinn sich wandelt, wenn Zeit sich kehrt.


Die alten Hütten, schlicht und klar,

waren Zünfte, wie es Brauch einst war:

Steinmetzbrüder, fromm gesinnt,

dem König treu, im Glauben blind

für jedes Spiel aus List und Schein —

ihr Werk war Stein, ihr Maß der Bein.


Ihr Handwerk schützten sie mit Schweigen,

wie alle Zünfte ihrer Zeiten.

Geheimnis war gesellschaftlich

legitim und üblich, öffentlich.

Doch anders als der Schmied am Ort

zog sie ihr Weg von fort zu fort.


Von Dom zu Dom, von Bau zu Bau,

durch Länder weit, dem Himmel nah.

Sie kannten Zahl und Winkelmaß,

Statik, Form und Linienglas.

Gebildet mehr als mancher Herr,

war ihr Verstand ein Baumeister.


Sie schufen Werke, kühn und groß,

Meilensteine, zeitlos bloß.

In ihrem Stolz sah’n sie sich steh’n

in alter Meister Erbvergeh’n:

Bei Pyramiden, Tempelstein,

Salomos Haus schien nicht fern sein.


Doch Mystik lag ihnen noch fern,

sie waren Praktiker von Kern.

Erst als ihr Glanz vergangen war,

die Hütten blieben – sonderbar:

Als Schutzraum nun für jene Leute,

die Kirche mieden, Macht verbeute.


In England, Schottland, still und dicht,

bot Schweigen Schutz vor Strafgericht.

Häretiker und Abenteurer

fanden dort ein sichres Feuer.


Als Heinrich brach mit Roms Gewalt,

begann ein Krieg, so lang und kalt.

Zwei Jahrhunderte aus Spionen,

aus Glaubenslist und Kronen-Thronen.

Die Logen dienten als Versteck

im antipäpstlich’ Staatszweck.


Maria Stuart, Königin,

war Ziel im großen Ränkespinn.

So wurde Maurerei sodann

zum Werkzeug brit’scher Macht fortan.

Vom Hochadel streng kontrolliert,

vom Duke of Montagu regiert.


Kein Zufall wohl, so scheint es klar:

Die Großloge ward siebzehnhundert Jahr

und siebzehn dann gegründet just,

zehn Jahre nach der Union bewusst,

als England sich mit Schottland band

und ein Reich entstand im neuen Stand.


Doch geist’ge Wurzeln, tief und alt,

liegen nicht nur in Albion’s Gestalt.

Nach Deutschland führt die Spur zurück,

ins sechzehnte Jahrhundert – Umbruch, Glück:

Reformation und, kaum erkannt,

Rosenkreuzer nahmen Stand.


Konstantinopel fiel einst hart,

byzant’scher Geist nach Westen ward.

Gelehrte flohen, Wissen kam,

die Renaissance hob neu den Rahmen.

Antike Götter, Kunst und Sinn,

Philosophie und Mysterien drin.


Dann kam, aus Ostkirch’ Hand gebracht,

Hermes’ Werk mit alter Macht:

Das Corpus Hermeticum,

neuplatonisch, tief und krumm.

Gnosis, Kabbala, Alchemie

verschmolzen still zur Esoterie.


Ein christlich Kleid als Tarnung nur,

Initiation blieb die Spur.

Auch Luther trug, so munkelt man,

gnostischen Zug im Denken dann.

In Tübingen jedoch geschah,

was ganz zur alten Häresie sah.


Drei Schriften riefen 1614

bis sechzehn eine Bruderschaft:

Die Rosenkreuzer, still und frei,

mit Kreuz und Rose – Luthers Zeichen sei.

Johann Valentin Andreae,

Theologe, schrieb die Idee.


Die Fama rief mit starkem Ton

nach Weltreform – nicht nur Religion:

Wissenschaft, Kultur, Gesellschaft neu,

der Aufklärung Vorbote dabei.

Christian Rosencreutz, fiktiv erdacht,

sammelt Wissen aus des Orients Macht.


Nicht Glaube mehr, sondern Erkenntnis klar

soll tragen die Gelehrten-Schar.

Begriffe wie Fortschritt, Licht und Ziel

wurden politisch – nicht mehr Spiel.


Die Confessio griff Rom frontal an,

die Chymische Hochzeit spann

ein Märchen von sieben Stufen weit,

Einweihungspfad durch Raum und Zeit.

Zum Ritter vom goldenen Stein erhoben,

fünf Gebote ihm auferzogen.


Robert Fludd trug diese Saat

nach England, wo sie Wurzeln tat.

Comenius sprach vor Parlament,

von Weltreform, die alles kennt:

Ein collegium universale frei,

das Menschheit einen solle dabei.


Bacons Schüler hörten den Klang

und gründeten, vom Traum gedrängt,

die Royal Society sodann,

als Hüterin von Wissen und Plan.


Sir Francis Bacon selbst entwarf

in New Atlantis kühn und scharf

die Insel Bensalem, ideal,

wo Gleichheit herrscht und Wissenschaft zentral.

Das Haus Salomons, Orden genannt,

dem Werk des Schöpfers zugewandt.


Hartlib träumte weiter fort,

vom unsichtbaren Kolleg dort.

Ashmole baute, forschend, still,

Brücken zwischen Bund und Ziel.

Maurer ward er, spekulativ,

Royal Society, kreativ.


Robert Moray ging gleichen Pfad,

in Schottlands Loge früh ertrat.

So flochten sich, im Lauf der Zeit,

Loge und Wissenschaftlichkeit.


Und so versteht man, Vers für Vers,

wie aus dem Stein ein Zeichen wuchs,

wie aus dem Werkzeug Idee entstand,

die Macht, Erkenntnis, Reich verband.


Ein Jahr steht still im Strom der Zeit,

wie ein geheimes Scharnier bereit:

1717, kaum bemerkt,

doch tief im Lauf der Welt verankert.


Vorher schon, im Schattenreich,

ward Englands Boden kampfbereit.

Oranien-Wilhelm nahm zur Frau

Maria, Englands Hoffnungsschau.

Des Jakob Tochter, protestantisch,

der Thron war nah, die Lage brisant.


Jakob, der Zweite, offen Rom,

bekannt zum alten Glaubensdom,

sprach Toleranz, doch als ein Sohn

die Linie band an seine Kron’,

da zittert’ Macht und Parlament,

weil Zukunft nun Katholisch kennt.


Die Tories, treu dem Königsrecht,

doch anglikanisch streng und echt,

die Whigs, dem Rom stets abgeneigt,

nun einig, weil Gefahr sich zeigt.

Zwei Feinde schließen still den Bund,

aus Angst vor Roms verlängertem Grund.


Man ruft Wilhelm über’s Meer,

mit Heer und Macht und Waffenwehr.

Jakob weicht, flieht nach Frankreichs Hof,

sein Gehen gilt als Thronverzicht, als Oath.

Das Parlament erklärt den Fall,

Wilhelm ist König – überall.


Mit Bill of Rights im Jahr neunundachtzig

wird Macht gezähmt, doch neu auch mächtig.

Gleichberechtigt regiert das Paar,

doch Blut folgt bald, es ist nicht klar:

In Glencoe stirbt der Jakobit,

der Katholik, den Hass man sieht.


Der Sieg macht Schottlands Kirche neu,

presbyterianisch, romfrei, treu.

Nach Wilhelms Tod besteigt Anne den Thron,

doch bald schon endet auch ihr Lohn.

Die Nachfolge, streng protestantisch gedacht,

bringt Hannover auf Englands Macht.


Georg der Erste, fern und fremd,

doch sicher, weil der Glaube stimmt.

Die Jakobiten ruh’n nicht still,

Frankreichs König, Louis’ Will’,

will England lenken, steuert mit,

doch Sturm verweigert Landungsschnitt.


Alberoni, Kardinal aus Rom,

schickt Schiffe, Männer, Waffenstrom.

Doch auch der dritte Plan zerbricht,

Walpole deckt ihn auf – zu Licht.

Noch 1745 erklingt der Traum,

mit Bonnie Prince auf blutigem Saum.


Und hier, genau in diesem Schnitt,

tritt eine neue Kraft nun mit:

Als England greift nach Weltenmacht

und Aufklärung zur Doktrin erwacht,

entsteht, verborgen und doch klar,

die Loge – im Jahr Siebzehnhundert-siebzehn gar.


Aus Bauhütt’ wird ein neuer Bund,

nicht Stein, sondern der Mensch als Grund.

Ein neuer Mensch, rosenkreuzerisch,

gnostisch, kühl und staatsstrategisch.

Die Aufklärung wird Dogma nun,

Rom der Feind, den es zu tun.


Protestantische Brüderkeit,

vereint im Zeichen neuer Zeit.

Katholisch’ Throne unterwandert,

Weltreform, geschickt getarnt.

Der Papst – Erzfeind, Ziel und Bann,

den man stürzen, schwächen kann.


Man gibt dem Ganzen alten Schein,

biblisch, ehrwürdig, soll es sein.

Doch hinter Tempel, Maß und Licht

steht Macht, die Weltgeschichte bricht.


Von London aus zieht Kreis um Kreis:

Nach Deutschland, wo der Adel weiß.

Schaumburg-Lippe bringt den Funken fort,

Friedrich folgt, in Charlottenburgs Ort.

Hamburg, Dresden, Berlin sodann,

Loge um Loge, ein Netz entsteht dann.


Irland, Spanien, Florenz, Den Haag,

Paris, Wien, selbst der neue Tag

in Amerikas Kolonien blüht,

wo Franklin alte Pflichten zieht.

Ein Bund, der Grenzen übersteigt,

der leise wirkt, doch Macht sich zeigt.


Zur Weltmacht wächst, was klein begann,

mit Millionen Brüdern dann.

Logen zählen, Zahlen schwanken,

doch Einfluss lässt sich nicht begrenzen.


Im Tempel ohne Fensterwand

steht Dunkelheit als Unverstand.

Das Licht verheißt Erkenntnis pur,

der Baumeister als Gottfigur.

Winkelmaß und Zirkel klar,

Gewissen hier, Gedanke da.


Der Stern, das Auge, das große G,

für Gnosis, Maß und Geometrie.

Ein duales Weltbild, altbekannt:

Geist und Licht – Materie verbannt.


So steht 1717 da,

nicht laut, doch weltgeschichtlich nah.

Ein Jahr, das heimlich Fäden zieht,

bis heute wirkt, was damals geschieht.


Zwei Säulen stehn im Tempelraum,

Jachin, Boaz – der Menschheit Traum:

Grundpfeiler fest aus Sinn und Maß,

wo Geist sich hebt aus Erdengras.


Der Teppich lehrt, wie Tafel still,

was Weg und Prüfung zeigen will;

im Schachbrettgrund, in Schwarz und Weiß,

ruht Dualität – Leben kreist.


Der Altar blockhaft, schlicht und klar,

trägt das Gesetz, so wie es war:

Bibel, Koran, ein Buch der Zeit,

ein Spiegel menschlicher Geleit.


Der Hammer klopft mit Macht und Sinn,

ist Schutz und Zeichen, Anfang drin;

die Rose schweigt, verschlossen, fein,

Verschwiegenheit ihr stilles Sein.


Die Schnur mit Knoten, zwölf gezählt,

die Bruderkette, die nichts fehlt;

Symbol wird Werkzeug, Brückenschlag

zum Irrationalen, Nacht und Tag.


An Wort, an Zeichen, Griff und Blick

erkennt man sich – im gleichen Schritt;

so spricht das Band, das Brüder eint,

wo Sinn sich hinter Formen meint.


Der Meister sitzt im Osten dort,

sechs Beamte stehn im Dienst am Wort;

vollkommen heißt die Loge dann,

wenn Maß und Ordnung walten kann.


Der Schurz ist weiß beim ersten Gang,

beim zweiten blau, beim dritten prang

mit Rosetten dreifach klar,

der Meister zeigt, wer Meister war.


Der Sucher klopft an dunkler Tür,

man prüft sein Leben erst dafür;

mit Kugeln stimmt man Ja und Nein,

schwarz oder weiß – darf er hinein?


Die Kammer dunkel, Knochen bleich,

der Weg ist rau, die Schwelle weich;

entblößt das Knie, das Auge blind,

bis Feuer, Wasser ihn umfängt.


Ein Schwur vor Ost und Altarstein:

Bewahr das Wort, lass Schweigen sein.

Dann fällt die Binde, Licht erwacht –

der Lehrling ist zum Bund gemacht.


Der Gesell reist weiter, Schritt um Schritt,

durch Prüfungen, Versuchung mit;

der Meister lernt, was Sterben heißt,

wenn Tod vorweg die Freiheit weist.


Ein Schädel spricht, ein Sarg wird drei

Mal überschritten – nicht vorbei,

bis „tot“ er liegt auf Teppichgrund

und neu erwacht durch Legendenmund.


Der Eid ist hart in Bild und Droh’n,

doch gleich im Sinn durch alle Ton’:

Bewahr das Geheim, was dir vertraut,

sonst sei das eigene Urteil gebaut.


So staffelt sich der Grad um Grad,

blau der Beginn, hochrot der Pfad;

Johannes nennt man die erste Lehr,

die Hochgrad’ suchen Tiefen mehr.


Was offen scheint, ist Schleier nur,

so spricht der Meister der Struktur;

die letzte Wahrheit, dicht bewacht,

wird nur den Höchsten aufgemacht.


So webt sich Sinn aus Zeichen dicht,

aus Dunkel, Eid und aufgehendem Licht;

ein Bau aus Symbol und Menschenhand,

der sich selbst deutet – Stein für Stein im Band.


Aus diesem Grund, so spricht der Bund,

teilt man die Stufen dreifach kund:

Man ruft zum Kampf, man schürt den Streit

gegen das, was sie Tugend nennt, mit kalter Heiligkeit.


„Bruder, sieh“, so raunt das Wort,

„die Klerikalen, finsterer Hort,

sie stellen uns Gesetz und Gut,

Religion als höchste Hut.

Drei Feinde sind’s, so heißt der Schwur,

die du bekämpfst als Feldherr nur.“


Im dunklen Gang, die Augen blind,

führt man den Sucher wie ein Kind.

Die Binde fällt, im matten Schein

thront eine Gestalt aus Macht und Schein:

Krone und Tiara, verschmolzen zur Last,

Scepter erhoben, ein trügerisch Rast.


„Bist du Kadosch?“ – „Ja, ich bin’s.“

„Dein Wort?“ – „De Molay klingt’s.“

„Kennst du den Verrat?“ – die Namen fallen,

König und Papst in finsteren Hallen.

„Willst du dich rächen?“ – „Ja, ich will.“

Der Dolch erhebt sich, das Herz wird still.


Dann zertritt man Krone und heil’gen Schein,

schwört „gerechte Rache“ im dunklen Verein.

Später bleibt nur Symbol und Stoß,

doch der Eid bleibt scharf und erbarmungslos.


Ein Schwur erklingt, von Sade bezeugt:

Dass Thron und Altar zu Staub sich beugt,

ewiger Kampf der Kirche erklärt,

die Republik der Welt begehrt.


So zeigt sich klar im Logenlicht

ein Gottesbild, das Gott nicht bricht:

Ein Baumeister fern, der schweigend steht,

kein Wort, kein Kreuz, kein Opfer zählt.

Kein Eingriff je in Zeit und Raum,

nur Menschenwerk, nur Menschen Traum.


Christus ein Lehrer, nicht Gottes Sohn,

Maria und Heilige fremder Lohn.

Erlösung? Nein – der Mensch allein

veredelt sich zum Gott im Schein.

Anthropos wird zum Maß der Welt,

Humanismus heißt das Zelt.


Die Wahrheit sucht man ohne Ziel,

denn alles gilt nur relativ viel.

Alle Religionen gleich genannt,

als Ringe, die kein Richter erkennt.

Der wahre Ring – vielleicht verloren,

so wird der Zweifel neu geboren.


Doch hier, so sagt der Christ im Licht,

trennt sich der Weg, vereint sich nicht:

Gott ist der Maßstab, nicht der Mensch,

die Wahrheit offenbart, nicht Wunsch.

Nicht Selbsterlösung, sondern Gnad’,

die durch das Kreuz uns offenbart.


So stehen zwei Weltbilder hier,

wie Nacht und Tag, wie Duell und Zier:

Dort Mensch im Zentrum, Richter und Maß,

hier Gott allein, der Ursprung saß.

Und keine Brücke, so hart sie sei,

macht Christentum und Loge frei.


Im Anfang schon, im ersten Licht der Zeit,

da flüsterte die Schlange süße List:

„Ihr sterbt nicht – hebt nur euren Blick so weit,

ihr werdet Gott gleich sein, erkennt, was ist.“

So fiel der Mensch in stolzen Wahn hinein,

das Alte lockt noch heute Herz und Sinn:

Nicht Gott zu dienen, selbst ein Gott zu sein,

das war der erste, tiefste Irrbeginn.


Der Christ erkennt in diesem trüben Schein

die Urversuchung, alt und doch so neu:

Der Mensch erklärt sich selbst zum Maß allein,

verwirft den Herrn und nennt den Abfall treu.

Was einst als Irrtum Satz für Satz begann,

wird nun zur Lehre, die den Glauben bricht:

Man wirft nicht Teile fort – man wirft Gott an,

stellt Ihn als Feind dem Menschen ins Gesicht.


So sprach Pachtler mahnend, scharf und klar:

Wo Humanität sich selbst vergöttert sieht,

wo Gott verbannt aus Welt und Offenbar’,

beginnt der Weg, der tief ins Dunkel zieht.

Der Mensch genügt sich selbst, erklärt sich Ziel,

sein Lehrer, Herr und eigener Erlöser;

Autorität wird Kette, Zwang und Spiel,

der Stolz wird Gott – und Gott der große Böse.


Das Ich erhebt sich auf den Altarstein,

betet sich an in maßlosem Begehren,

will göttlich sein und bleibt doch nur der Schein,

ein Spiegel, der das Licht nicht kann vermehren.

Was Allseligkeit in Liebe schenkt,

wird hier zur Gier, die alles in sich frisst;

ein Hochmut, der den Blick zur Hölle lenkt,

weil er sich selbst zum letzten Zweck vermisst.


Auch Brüderbünde sprechen offen aus,

was sie im Innern fest zusammenhält:

Ein Tempel soll entstehn aus Menschenhaus,

der alten Glauben Stück um Stück zerschellt.

Was Theos war, soll humanistisch sein,

was Offenbarung hieß, wird blind genannt;

man baut den neuen Kult aus Menschenstein

und nennt den Abbruch Fortschritt, frei und brillant.


Wo Mensch sich selbst zum Heiligtum erklärt,

ist Satan nah, auch wenn sein Name schweigt.

Carduccis Hymnus, offen und verkehrt,

zeigt, wie der Stolz sich gern im Lichte zeigt.

Was sich als Freiheit, als Befreiung schmückt,

ist oft nur alte Knechtschaft, neu bemalt:

Der Mensch, der Gott vom Throne niederdrückt,

wird selbst versklavt von dem, was er sich malt.


Kein Wunder drum, dass früh die Kirche sprach,

nicht aus Angst, sondern aus der Pflicht der Hut:

Wo dieser Weg sich bahnt, folgt Kreuz und Ach,

weil Irrlicht selten führt zu wahrem Gut.

Die Warnung gilt, solange Zeit besteht:

Nicht jeder Glanz ist Licht, nicht jeder Traum ist wahr –

Wer Gott verlässt, um sich selbst anzubet’,

steht näher bei der Schlange als er ahnt und sah.


Als Frankreich Logen keimen sah,

im Jahr, da man sie 1738 benahm,

erscholl vom Stuhl des Petri her

ein strenges Wort, ein Bann, ein Wehr.

Clemens, der Zwölfte, hob die Hand,

sah Glauben, Kirche, Welt in Brand:

In eminenti sprach das Recht,

der Bund der Maurer sei verdächt’.


Zu frei der Glaube, sprach der Papst,

wo jede Sekte Einlass fasst;

zu dunkel Schwur und Schweigen hart,

das wie ein Schatten Unheil spart.

Die Ruhe, die das Reich erhält,

sei durch Geheimes aufgestellt;

Häresie lieg’ im Schoß bereit,

und andre Gründe – kirchlich weit.


So rief er Bischöfe und Macht,

dass Inquisition wache, wacht;

mit Strafe hart, mit Staat und Schwert

werd’ dieser Bund vom Volk verwehrt.


Benedikt, der Vierzehnte dann,

ein Geist, wie kaum ein anderer Mann,

bestätigt später klar und schlicht,

dass Reinheit so in Gefahr gerät.

Wo jede Religion sich mischt,

wird Tugend leicht und Wahrheit verwischt;

Verderbtheit, sprach er, zeig’ ihr Mal,

drum bleib’ das Urteil universal.


Und nach ihm klang durch jedes Jahr

der gleiche Bann, beständig, klar:

Von Pius bis zu Leo weit,

bis hin zur jüngsten Christenzeit.

Zwölfmal Verbot, zweihundert Wort’,

die Kirche wich davon nicht fort.

Exkommunion, so fest gefügt,

bleibt Strafe, die den Bund besiegt.


Das Recht der Kirche sprach dazu

im Codex streng und ohne Ruh:

Wer solcher Sekte treulich dient,

die gegen Thron und Altar zieht,

der fällt dem Bann des Stuhles an,

so ward’s im alten Recht getan.


Und auch im neuen Buch von Achtzigdrei

bleibt Warnung, wenn auch anders sei:

Wer gegen Kirche Pläne spinnt,

dem sei gerechte Strafe Kind.

Als Zweifel keimte, griff ein Mann,

der später Papst genannt sein kann:

Ratzinger sprach mit klarem Ton,

das Urteil bleib’ – der Bann bestohn.


Denn unvereinbar, so sein Wort,

sei Logenlehre hier und dort;

wer ihr gehört, lebt schwerer Schuld,

der Kommunion bleibt ihm Geduld.

Johannes Paul bekräftigt’s dann,

dass dies für alle Zeiten kann.


Doch nicht nur Glauben stand im Streit,

auch Politik und neue Zeit.

Albert Pike, der hohe Grad,

sprach offen, was der Orden hat:

Mit Wort und Geld, mit Macht und Schwert

wird Fortschritt, Gleichheit angestrebt;

Befreiung Geist und Gewissen frei,

das Ziel sei Menschheit einerlei.


„Kelet“ bekannte ohne Scheu:

Nicht Mildtätigkeit sei dabei,

sondern Umsturz der Ordnung alt,

bis neue Brüderrepublik halt.

Die Loge Keim des Staates neu,

Demokratie, der Menschen treu,

die Zukunftsform, das Ziel, der Plan:

Ein neues Reich wird hier getan.


Auch Scheidegger, der deutsche Bruder,

sprach von der Weltrepublik als Wunder:

Erst wenn die Erde eins regiert,

sei Frieden wirklich garantiert.


Aus diesem Geist erwuchs ein Bund,

geheim, elitär, zur Revolt’ bereit:

Die Illuminaten, wohlbekannt,

im Mai siebzehnhundertsechsundsiebzig ernannt.

Weishaupt, Philosoph, Kirchenrecht,

schuf Ingolstadts verborg’nes Geflecht.

Eule und Buch sein Zeichen klar,

der Kampf gegen Thron und Kirche war.


Er predigte Vernunft als Licht,

wo Glaube nur noch Schatten spricht;

der Mensch sich selbst als Gott erkannt,

Religion abgeschafft, verbannt.

Kein Eigentum, kein Eheband,

kein Altes, das noch Bestand gewann.

Ein neues Zeitalter trat an,

Novus Ordo war der Plan.


Welt ohne Fürsten, ohne Thron,

ohne Kirchen, ohne Lohn

der alten Ordnung, hart und fest –

Philosophenherrschaft war der Rest.

Doch streng wie Orden, den er hasst’,

war Aufbau, Schwur und Gehorsam fast;

Mit Namen fremd, mit Kontrolle dicht,

war Freiheit selbst im Innern nicht.


So zieht sich durch der Zeiten Lauf

ein Kampf um Wahrheit, Macht und Kauf

von Seelen, Staaten, Sinn und Recht –

im Widerstreit von Licht und Knecht.


Drei Stufen führten einst hinein:

Noviz’, Minerval, lichtbereit,

der erleucht’te Minerval sodann,

bis Wissen sich im Kreis verband.


Darauf die Klasse der Mysterien,

wo Magus, Rex die Spitze zieren.

Dort lehrte man mit kaltem Blick:

Gott sei nur Bild, nicht Wirklichkeit, nicht Glück.


Mit Knigge, „Philo“ wohlbenannt,

ein Bruder aus dem Maurerland,

gewann der Bund der Eingeweihten

Minister, Bischöfe und Fürstlichkeiten.


Zweitausend waren bald vereint,

wo Macht und Amt sich innig meint;

im Reichskammergericht zugleich

gehörten viele ihm — ein Reich.


Vierundachtzig Logen weit

stand Deutschland unter seinem Kleid;

Goethe, Mozart, Herder klar,

Pestalozzi — Namen wahr,

Thurn und Taxis, hoch und fein:

Mehr als ein Drittel war dabei.


Knigge sprach vom Christentum

als Schein, verhüllt aus Kalkül und Ruhm,

damit, so sagt’ er unverblümt,

das Volk sich nicht vor Wahrheit grämt.


Christus habe, so sein Wort,

keine Kirche neu gebohrt,

nur Vernunft und Freiheit gelehrt,

Gleichheit, Moral — der Mensch erlöst und geehrt.


Doch Aussteiger sprachen düster laut

von Gift und Mord, vor nichts gescheut;

von Revolution und blutigem Lauf,

als Väter der Jakobiner hinauf.


Weishaupt floh aus Ingolstadt,

fand Zuflucht, wo man Schutz ihm gab;

doch mit seinem Tod, so spricht die Zeit,

ging der Orden in den Schattenkleid.


Kein Wunder nun, im hellen Licht,

dass Aufklärung die Kirche bricht.

Die Denker all’, so klingt der Chor,

waren Maurer — laut ihr Wort.


Voltaire, der scharfe Geist der Zeit,

von Friedrich einst dazu geweiht,

trat in Paris in jene Loge ein,

wo „Neun Schwestern“ Hüter sein.


„Zermalmt die Niederträchtige!“

so rief er voller Inbrunst, sie —

die Kirche sei’s, der Aberglaub’,

den er mit Feder, Hass und Staub.


Er schrieb, er spottet’, bis zuletzt,

verwarf Sakrament und göttlich Gesetz;

die Gottessohnschaft blieb verneint,

der Tod fand ihn unbeugsam, hart und stein’.


Diderot rief mit Worten roh:

Kein Glück, bis Priester fallen so.

Montesquieu verspottet’ gar

das Wunder Christi — bitter, klar.


Rousseau verwarf die Erbsünd’ schwer

und klagte das Christentum noch mehr:

Es mache fromm, doch unfrei den Staat,

kein guter Bürger sei, wer glaubt.


Dann überm Meer, im neuen Land,

ward Bacons Traum zur Republik ernannt:

Philadelphia, Logenstadt,

wo Freiheit ihren Schwur ersann.


Franklin, Jefferson, Washington,

Brüder im Zeichen, Plan und Ton,

gründeten Staat und neuen Eid

auf maurerischer Heiligkeit.


Das Capitol, im Ritus Stein,

Washington im Schurz — geweiht allein.

Symbole prägten jede Gass’,

ein Bauplan wie ein Logenfass.


Die Verfassung, Geist der Loge pur,

fast alle Brüder schworen nur;

Lessing sprach es offen aus:

Der Kongress — ein Logenhaus.


In Frankreich dann, im Jahr der Glut,

wuchs Loge, Wort und Übermut;

„Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“

bereitete die blut’ge Zeit.


Sieyès rief den Dritten Stand,

die Ordnung fiel aus alter Hand;

Bailly sprach mit stolzem Mut:

Die Nation hört auf keinen Befehl, kein Blut.


Bastille fiel, die Fahnen weh’n,

La Fayette ließ die Truppen geh’n;

Rechte wurden neu erklärt,

das „Höchste Wesen“ eingeführt, verehrt.


Die Kirche fiel, enteignet, leer,

Gelübde verboten, Orden nicht mehr;

Pfarrer wurden Staatsbeamte nun,

der Papst verlor sein Recht und Tun.


Wer Rom die Treue hielt allein,

ging in den Untergrund hinein.


Und später sprach der Maurer stolz:

Die Saat ging auf, getragen von Holz;

Wir formten Geist und neues Recht,

für eine Welt — so sah man’s echt.


So klingt die Chronik, dicht gereimt,

von Macht, von Geist, von Blut und Zeit.


Bis siebzehnhundertdreiundneunzig

verstummte Kloster, Glocke, Chor;

das Priesterkleid verschwand aus Straßen,

Prozessionen schloss man vor.


Der Staat nahm Buch und Siegel an sich,

Geburt und Tod, der Ehe Band;

die Scheidung ward Gesetz des Tages,

was heilig war, lag nun in Hand.


Als Widerstand aus Kirchen wuchs,

schlug bald die rohe Faust der Macht:

Zweitausend Priester eingesperrt,

fast dreihundert im Mord erwacht.

Zehntausend flohen über Grenzen,

doch selbst das galt als nicht genug;

nun traten Klubs der Jakobiner,

die Rache als ihr Banner trug.


Jacques de Molay war ihr Symbol,

der Hass ihr täglich Brot und Ziel;

sie predigten gegen Thron und Altar,

bis jede Schranke schließlich fiel.

„Ça ira!“ sang man mit erhobner Hand,

ein Kampflied hart und kalt im Ton:

Kein Adel mehr, kein Priesterstand,

die Freiheit herrscht, die Tyrannei ist Lohn.


So begann, geplant und kalt,

die Entchristlichung im ganzen Land.

Brissot führte den Aufruhr an,

der König fiel in Fesselband.

Louis, gefangen, wartete stumm

im Tempelturm, im alten Stein,

wo einst der Templermeister litt —

Geschichte schloss den blut’gen Reim.


Im September rief man die Republik aus,

die Krone warf man fort im Staub;

im Januar fiel das Fallbeil hart,

Guillotins Werk vollzog den Raub.

Der König starb, der Kopf getrennt,

die Loge stand im Hintergrund,

und Frankreich trat, von Blut benetzt,

in eine neue, finstre Stund.


Doch in der Vendée regte sich Mut,

unter Jesu Herz, dem alten Zeichen:

„Gott und der König!“ rief das Land,

Bauern und Adel wollten weichen.

Sie siegten kurz, sie fielen bald

der Übermacht der Heere preis;

dann zeigte sich des Konvents Herz

aus Rache, kalt wie Eisen, Eis.


Die „höllischen Kolonnen“ kamen,

verbrannten Dorf und Menschen gleich;

„Ein Friedhof soll die Vendée werden“,

befahl der General — erbarmungsreich?

Ein Drittel fiel dem Mord zum Opfer,

Hunderttausend in der Zahl;

man nennt es ersten Völkermord

des totalitären Ideal.


Die Kirchen stürmte man im Land,

Reliquien verspottet, dann zerstört;

in Paris schwieg der Gottesdienst,

was heilig war, war nun verwehrt.

Robespierre hob die Zeremonien auf,

ersetzte Gott durch kalte Vernunft;

Notre Dame ward Tempel neu,

entweiht im Namen stolzer Zunft.


Wo einst der Tabernakel stand,

erhob sich ein philos’scher Bau;

die Freiheit thronte, schamlos stolz,

der Altar brannte ohne Tau.

Die Muttergottes wich der Statue,

der Spott erklang im hohen Chor:

Der Irrtum sei nun fortgejagt,

die Freiheit trete neu hervor.


Man tilgte Sonntag, tilgte Zeit,

ein neuer Kalender trat ins Land;

die Kirchen wurden „Tempel“ genannt,

der Glaube aus der Stadt verbannt.

Selbst Namen fielen dem Wahn zum Opfer,

Saint-Tropez verlor sein Kleid;

ein Kult des höchsten Wesens kam,

doch blieb er leer und ohne Zeit.


Noch sangen Nonnen vor dem Tod

ihr „Veni creator“ leis;

sechzehn von Compiègne kniend treu,

gingen sie unter das Beil — als Preis.


Dann richtete sich der Blick nach Rom,

der Schwur von Molay klang erneut:

Nun sollte auch der Papst noch fallen,

der Thron des Glaubens sei zerstreut.


Napoleon zog nach Italien,

siegreich, kühn und voller Macht;

der Kirchenstaat fiel unter Waffen,

Kunst geraubt bei Tag und Nacht.

Rom ward Republik genannt,

Pius der Sechste fortgeschleppt;

man nannte ihn den „Letzten“ spöttisch,

bis er in Haft sein Leben lässt.


Die Kirche schien am End der Zeit,

kein Nachfolger war erlaubt;

doch Kardinäle fanden Schutz,

in Venedig neu vertraut.

Pius der Siebte trat hervor,

schloss mit Napoleon den Bund;

doch Frieden war nur trügerisch,

der Streit blieb tief im Grund.


Rom ward erneut zur Beute erklärt,

der Papst als Untertan verhöhnt;

in Fontainebleau hielt man ihn fest,

bis Napoleons Macht verweht.

Erst als der Kaiser niederlag,

kehrte der Hirte heim nach Rom;

der Kirchenstaat erstand erneut —

doch Rache schwor man wiederum.


Im Schatten Napoleons, bei Kohlenstaub und Nacht, 

Haben die Carbonari den Freiheitsgeist erwacht. 

Geheimbünde formten sich nach Maurers Art, 

Gegen die Tyrannen, auf dem Wege, der hart. 

Pius der Siebte sah in ihnen nur List, 

Weil ihr Streben dem Papsttum gefährlich ist.


Mazzini erschien, ein Visionär voller Tat, 

Gründete „Jungitalien“ als neuen Rat. 

Sein Ziel: Eine Republik, das Ende der Macht 

Der Päpste und Österreicher, die das Land bewacht. 

Das „Dritte Rom“ sollte für das Volk nun entstehen, 

Die Mission: Den Fortschritt als Dogma zu sehen.


An Mazzinis Seite trat Garibaldi hervor, 

Ein Freimaurer, der sich der Freiheit verschwor. 

Von Montevideo bis zur römischen Pracht, 

Hat er für die Republik Schlachten geschlagen, bei Tag und bei Nacht. 

Doch Cavour und die Mächte, sie hielten dagegen, 

Der Papst kehrte heim auf geweihten Wegen.


Erst als in Frankreich der Bürgerkönig fiel, 

Erreichte die Einheit ihr eigentliches Ziel. 

Gegen Österreichs Banner, mit Savoyens Schwert, 

Wurde Viktor Emmanuel als König verehrt. 

Doch Napoleon der Dritte schützte noch Rom, 

Über den Gräbern und unter dem Dom.


Als Preußens Kanonen die Franzosen gebunden, 

Hat Italien die Stunde zur Freiheit gefunden. 

1870 – die Truppen marschierten ein, 

Rom sollte fortan die Hauptstadt nun sein. 

Der Papst im Vatikan, ein Gefangener im Haus, 

Das alte Regime, es war endlich aus.


Die Politik wurde streng, antiklerikal geführt, 

Vom Geist der Logen zutiefst inspiriert. 

Zivilehe, Scheidung und Feuerbestattung, 

Verdrängten die kirchliche Weltanschauung. 

Im Palazzo Giustiniano zog der Großorient ein, 

Um Lenker des neuen Staates zu sein.


Adriano Lemmi, der Meister vom Fach, 

Rief zum heiligen Hass unter jedem Dach. 

„Kein Pardon dem Vatikan!“ war sein lautes Gebot, 

Er wollte das Papsttum am Boden und tot. 

In Schulen, Ämtern, im Parlament, 

Saßen Brüder, die jeder beim Namen nicht nennt.


Die öffentliche Meinung, sie wurde gelenkt, 

Damit man dem Klerus kein Vertrauen mehr schenkt. 

„Wer regiert, muss ein Bruder sein oder er fällt!“ 

So klang es durch Italiens neue Welt. 

Die Akazie spross, wo der Priester einst stand, 

Der Freimaurer führte nun sicher das Land.


Doch der Blick schweifte weiter, über Grenzen hinaus, 

Man plante der Monarchien baldiges Aus. 

In Belgrad formte sich Widerstand, 

Gegen Österreich-Ungarn, Hand in Hand. 

Die Logen versprachen den Serben die Macht, 

Während man in Paris schon an Kriege gedacht.


Man munkelte früh vom Thronfolgers Tod, 

Ein dunkles Omen, ein blutiges Rot. 

Franz Ferdinand wusste, sein Urteil war schwer, 

Man plante sein Ende, sein Grab am Meer. 

So rückte das Jahr neunzehnhundertvierzehn heran, 

Als das Schicksal der Völker von neuem begann.


In Sarajevo, an der Brücke Rand, 

Nahm das Schicksal den Lauf durch Mörderhand. 

Die „Schwarze Hand“, im Dunkeln vereint, 

Hat Franz Ferdinand als Opfer gemeint. 

Man flüsterte leise in jener Nacht: 

„Vom Großorient wurde das Urteil gebracht.“ 

Cabrinovic sprach es beim Verhöre aus: 

Der Tod war beschlossen im Maurerhaus.


Ein Funke nur, und die Welt stand in Flammen, 

Die Reiche der Könige brachen zusammen. 

Der Großorient gab die Richtung nun vor: 

Italien muss durch das Kriegestor! 

„Weg mit den Thronen, weg mit dem Altar!“ 

So klang die Parole, die deutlich nun war. 

Ein Sieg für die Loge, ein Ende der Not, 

Versprach man sich durch das bleierne Rot.


Matthias Erzberger, des Zentrums Gesicht, 

Brachte Verborgenes ans Tageslicht. 

Als Agent für den Papst, in geheimer Mission, 

Schrieb er Berichte nach Rom, zur Nuntiatur schon. 

Er warnte Pacelli vor Plänen und List, 

Die gegen den Frieden gerichtet ist. 

Denn Paris und Rom, in Logen vereint, 

Hatten im Papst den größten Feind.


Sie wollten verhindern, dass Benedikt spricht, 

Damit kein Friede die Pläne zerbricht. 

Mobil wurde Presse und Meinung gemacht, 

Damit man den Heiligen Vater verlacht. 

Kein Platz am Verhandlungstisch sollte ihm bleiben, 

Um ihn aus der Weltgeschichte zu treiben.


Ernesto Nathan, ein Geist voller Groll, 

Wusste genau, was geschehen nun soll. 

In Deutschland die Ordnung von innen zersetzen, 

Mit antiklerikalen und freien Gesetzen. 

„Den Sieg durch Erschütterung!“, so war sein Plan, 

Wenn Truppen auf Feldern es nicht mehr getan. 

Die deutsche Disziplin sollte wanken und fallen, 

Damit die Rufe nach Freiheit erschallen.


Doch das dunkelste Blatt, im Geheimen verfasst, 

War der Pakt, den der Vatikan so gehasst. 

Der Londoner Vertrag, im Dunkeln signiert, 

Hat Italiens Kriegseintritt garantiert. 

Artikel Fünfzehn – ein Paragraph, 

Der den Papst wie ein scharfes Urteil traf: 

Kein Mitspracherecht für den Heiligen Stuhl, 

Isoliert auf dem alten, geistlichen Stuhl.


Als Belohnung für Blut und für Eisen und Not, 

Man Italien Land und Gebiete anbot. 

Doch die Bedingung war hart und war klar: 

Dass der Papst bei dem Frieden unsichtbar war. 

Und so kam es auch, als die Waffen dann schwiegen, 

Dass die Logen den Sieg über Rom ersiegen.


Zwar blieb der Vatikan einsam und fern, 

Doch verlosch nicht der alte, christliche Stern. 

Nicht Kommunismus, nicht braune Gewalt, 

Haben die Kirche zum Schweigen gestalt’. 

Die Strategie änderte sich fortan leise: 

Infiltration auf diskrete Weise. 

Werte entfremden, den Glauben zersetzen, 

Das war nun das Ziel in den kommenden Netzen.


In dunklen Archiven, vor langer Zeit, 

Lag ein Plan für die Ewigkeit bereit. 

Die „Alta Vendita“, der Carbonari Rat, 

Plant nicht den Dolchstoß, nicht die blutige Tat. 

„Schmeichelt den Lastern!“, so hieß das Gebot, 

Bringt den Katholiken in moralische Not. 

Denn wer nur den Sinnen und Trieben noch dient, 

Ist bald mit der Kirche nicht mehr versöhnt.


„Schafft Herzen voll Laster“, so lehrte man dort, 

Dann schwindet der Glaube, das heilige Wort. 

Nicht Märtyrer schaffen – das stärkt nur den Geist, 

Man korrumpiert lieber, was Tugend sonst heißt. 

Vom Klerus zum Volke, von oben nach unten, 

So wird das Fundament der Kirche entbunden.


Ein Jahrhundertwerk, das die Zeit überdauert, 

Wurde im Schatten der Logen gemauert. 

„Wir brauchen ein Oberhaupt, uns wohlgesonnen, 

Das unser Denken hat tief aufgenommen.“ 

Nicht ein Geweihter aus den eigenen Reihen, 

Soll der Kirche das neue Denken verleihen.


Man konzentriert sich auf Jugend und Kind, 

Wo Ideale noch formbar und empfänglich sind. 

In Seminaren, wo Priester studieren, 

Soll man die „humanen“ Ideen platzieren. 

Bis einst eine Generation dann erwacht, 

Die im Konklave die Wahl für sie macht. 

Ein Papst in der Tiara, im festlichen Rock, 

Der doch nur noch dient dem freimaurerischen Stock.


Was die Logen erstreben, ist heute noch klar, 

Ein Weltbild, das christliche Werte verwarf:


Menschheitsfamilie: Grenzenlos bunt, 

Doch ohne den Glauben als festen Grund.


Weltrepublik: Unter maurerischer Hand, 

Kein König, kein Papst, kein Vaterland.


Humanismus: Als Einheitsreligion, 

Der Mensch auf dem göttlichen Welten-Thron.


Entchristlichung: Mit listiger Macht 

Wird die Sakristei um ihr Erbe gebracht.


Der Klerikalismus, er gilt als der Feind, 

Man will, dass die Laienwelt alles vereint. 

Indifferentismus und Relativität, 

Sind Samen, die man in die Seelen nun sät.


Selbst Hans Küng sprach es offen in Köln einmal aus: 

„Der Maurer ist Christ und fühlt sich zuhaus.“ 

In Österreich, USA und in Italien gar, 

Sei die Loge im Klerus schon lang spürbar da. 

Man ehrt jene Geister, die Grenzen verwischen, 

Und neue, weltliche Dogmen auftischen.


Doch was kann der Gläubige heute noch tun? 

Nicht im bequemen Gehorsam nun ruhn! 

Ein Ja zu den Schulen, zum Priestertum rein, 

Ein Nein zum Versuch, nur noch weltlich zu sein. 

Vorsicht vor Medien, die Meinung diktieren, 

Und uns in die „Diktatur des Relativismus“ führen.


Die Netze sind weit wie bei Simon Bar Jona, 

In Zeiten von Umbruch, von Wandel und Corona. 

Doch die Kirche, so lehrt es die Geschichte uns sacht, 

Hat schon viele Stürme und Pläne verlacht. 

Zwar droht Infiltration und die „feindliche Hand“, 

Doch bleibt noch das Zeugnis im christlichen Land.