POEM VON TORSTEN SCHWANKE
ERSTER GESANG
Auf tiefem Grunde wogte des Rheines grüne Flut,
Dort wachte Woglinde, die fern der Sonne ruht.
Mit ihr war Wellgunde, sie spielten ohne Hast,
Als Flosshilde dazu kam, die dritte, froh und fast.
Der Felsen Zacken ragten aus dunkler Nacht hervor,
Dort glitt der Nibelung durchs feuchte Schattentor.
Er stieg aus finst'rer Kluft, die Gier im Herzen schwer,
Und schaute auf die Nixen, die schwammen hin und her.
„Hehe, ihr Nicker!“, so rief er, voller Gier,
„Wie seid ihr gar so zierlich, wohlfeil seid ihr mir!
Von Nibelheims Schatten bin ich zu euch gereist,
Dass eine mir die Gunst der holden Liebe weist.“
Die Mädchen hielten inne, sie sahen auf den Alp,
Der dort im Dunkeln lauerte, ein hässlicher Probalp.
„Pfui, der Garstige!“, so riefen sie im Chor,
Und schwammen zu dem Riffe, das ragte aus dem Moor.
„Hütet das Gold!“, so mahnte Flosshilde den Schwarm,
„Der Vater sprach vom Feinde, der lockt mit falschem Darm.“
Doch Alberich, er stammelte: „Warum so ferne mir?
Ich möchte doch nur spielen, ich gönne mich wohl dir!“
Er schaute auf die schlanken, die hellen Leiber dar,
Die im Gewässer glänzten, so leuchtend und so klar.
Woglinde lachte hell, sie bot den Fang ihm an,
Der Nibelung, er kletterte, so gut er es doch kann.
„Verfluchtes, glattes Gestein!“, er fluchte laut und heiss,
Er rutschte an den Steinen, ihm perlte auf der Schweiß.
Er prustete vor Wut, das Wasser in der Nas',
Und suchte die Woglinde, die ihn im Spiel vergaß.
Sie wich ihm aus, sie lachte, sie schwand in weite Fern',
Er wollte sie wohl fassen, den Fang begehrt' er gern.
„Komm wieder!“, rief er hastig, „dein Spiel ist allzu schwer!“
Sie schwang sich auf ein Riff, dann wieder ins Meer.
Dann rief Wellgunde spöttisch: „Komm her zu mir, mein Kind!
Woglinde ist zu spröde, sie flattert nur im Wind.“
Der Zwerg, er kletterte eilig, er änderte die Wahl,
Er suchte sich die Nixe, er fand wohl keine Qual.
„Du bist mir wohl willkommner!“, so schmeichelte der Alp,
Doch sie, sie lachte höhnisch, wie ein wilder Schwalb.
„Bist du ein schöner Freier? Du bist ein Zwerg, ein Geck!
Dein schwielig-schwarzer Körper, der muss nun schnell weg!“
Sie lachten alle dreie, der Zwerg, er tobte laut,
„Falsches Kind!“, so schrie er, die Wut sein Herz erbläut.
„Buhle du mit Aalen, wenn meine Haut dir mißfällt!“,
Da sprach die dritte Nixe, die Weisheit in der Welt:
„Warum so schnell verzagt, du Alp von Nibelheim?
Frag nur die dritte Schwester, sie wird dein Trost wohl sein!“
So neckten sie den Armen, im Spiel der grünen Flut,
Die Gier nach ihrer Liebe, sie schürte seine Glut.
„Komm nieder!“, rief Flosshilde, sie tauchte zum Alp,
„Die Schwestern sind töricht, sie kennen nicht den Schalk!
Wie schön du mir scheinest, wie sanft dein Gesicht,
Mich dürstet nach Liebe, vor Lust bebt mein Licht.“
Der Nibelung nahte, das Herz ihm voll Glut,
Er glaubte dem Worte, er traute der Flut.
Sie zog ihn an sich, sie schmeichelte fein:
„O köstlicher Bärtiger, mein sollst du sein!“
Sie pries seine Hässlichkeit, das stachlige Haar,
Das Gekrächz seiner Stimme, das war ihr nun klar.
Der Zwerg, er war selig, er fühlte sich froh,
Doch plötzlich erscholl der Schwestern Gelächter, so roh!
Sie wand sich aus Armen, sie flohen geschwind,
Und liessen ihn einsam, wie Spreu in dem Wind.
„Weh mir!“, schrie der Albe, „Ihr täuscht mich mit List,
Weil Treue bei euch nur ein Schattenbild ist!“
Die Nixen, sie spotteten: „Warum bist du bang?
Wer uns fangen will, der hat Mut im Gesang!
Greif zu, du Verliebter, das Wasser ist weit,
Doch nimmer entfliehen wir, trotz deiner Gier und Leid!“
Da strahlte ein Licht auf, vom Riffe so hell,
Das Rheingold, es leuchtete, klar und so schnell.
„Was glänzt dort so göttlich?“, fragt Alberich scheu,
„Ist das nur ein Spielzeug, das funkelt so neu?“
„Das ist unser Erbe!“, riefen sie in dem Spiel,
„Wer aus diesem Golde den Ring schmieden will,
Der gewinnt eine Macht, die der Welt wohl gebührt,
Wenn er Minne und Liebe auf ewig verführt!“
Woglinde rief mahnend: „Nur wer der Liebe entsagt,
Der kann sich bezwingen, was kein andrer gewagt!“
Sie lachten den Zwergen, sie dachten, er sei
Gefangen von Minne, von Liebesgeschrei.
Doch Alberich blickte, sein Auge nun starr,
Die Macht lockte ihn, wie ein eisiger Star.
„Erzwing’ ich nicht Liebe, so zwing’ ich den Ring!“,
So dachte der Nibelung, kühl und gering.
Er stürmte zum Riffe, er kletterte rauf,
Die Mädchen, sie flohen, sie nahmen den Lauf.
„Rettet euch, Schwestern!“, so schrien sie voll Spott,
Der Zwerg aber starrte – es naht nun sein Lot.
Des Nibelungen Zorn entbrannte hell und groß,
Er riss das Gold gewaltsam aus dem Felsenschoß.
„So lösch ich euch das Licht, das euch so prächtig scheint,
Ein Rache-Ring wird nun geschmiedet, fein gepeint!
Hört es, ihr Fluten, hört es, alle Welt:
Ich sag der Liebe ab, für Gold, das mich nun hält!“
Mit wildem Griff erfasste er den Hort,
Und in der Finsternis entschwand der Zwerg sofort.
Die Rheintöchter, sie schrien vor Angst und bitt'rem Leid,
„Haltet den Räuber!“, riefen sie mit großer Bitterkeit.
Doch Dunkelheit verschlang das stolze, helle Licht,
Ihr Wehklagen verhallte, da der Zwerg sein Wort nun bricht.
Aus tiefem Abgrund drang ein Hohngelächter weit,
Als Alberich nun schied, befreit von aller Liebeszeit.
Die Bühne blieb in Schwärze, tief und voller Grauen,
Kein Strahl der Hoffnung mehr war dort zu schauen.
Der Morgen graute dann auf hoher Bergeshöh,
Dort wachten Wotan, Frigga, still in Gottesnäh.
Die Burg, sie strahlte hell, mit Zinnen, stolz und rein,
Wotan erwacht' aus Traum, er sah den Sonnenschein.
„Vollendet ist das Werk!“, so rief er voller Pracht,
„Die Götterburg, sie ragt in unendlicher Macht!“
Doch Frigga sah mit Sorge auf das schöne Haus,
„Gedenkst du, Gatte, wohl des Lohns, der ging hinaus?“
„Die Riesen bauten dir, Freyja ist nun ihr Pfand,
Hast du vergessen, was du versprachst mit fester Hand?“
Wotan, er wiegelte ab, er sprach von Vertrag und List,
Doch Frigga wusste wohl, wie tückisch Macht doch ist.
Sie stritten um den Wert, um Liebe und um Sinn,
„Verschenktet ihr Freyja?“, so fragte sie mit Ingrimm drin.
Denn für die Macht allein, so schien es, baute er,
Vergaß der Liebe Glück, das wog nun allzu schwer.
Da stürmte Freyja her, in Angst und großer Not,
„Schützt mich vor Fasolt, er will mich führen fort, ein Gott-Gebot!“
Die Riesen traten auf, mit schweren Pfählen in der Hand,
Sie forderten den Sold, vertragsgetreu und ohne Tand.
„Freyja, die Holde, ist unser, wie abgemacht!“,
So riefen sie zum Gott, der stolz auf seiner Burg nun wacht.
Doch Wotan, er verzog, er wollte sie nicht geben,
Und brachte Götterwelt in Not und in ein Beben.
„Bist du ein Lügner, Wotan?“, rief Fasolt voller Zorn,
„Wer durch Verträge herrscht, ist nun in Treue wohl verlorn!
Ein dummer Riese rät dir, was weise du vergessen:
Verträge sind das Band, an dem wir alle messen!“
So stand es nun am Hang, das Schicksal nahm den Lauf,
Der Zwerg im dunklen Schlund nimmt nun den Ring erst auf,
Während die Götter dort, in Hochmut und in Bangen,
Im Netz der eigenen Taten sich nun eng verfangen.
Die Riesen forderten den Lohn mit harter Hand,
„Freyja ist unser, wie es steht im festen Band!“
Fafner sprach leise, von der Jugend Gold,
„Die Äpfel pflegt sie, macht uns Göttern hold.
Wer sie entführt, bringt uns den schnellen Fall,
Wir altern ohne sie, wir bleichen alle mal.“
Wotan, er zauderte, rief Loki in den Sinn,
Doch der blieb fern, er suchte nur Gewinn.
Donar und Froh, sie traten schützend vor die Maid,
Der Hammer schwang, zum Kampf in kurzer Zeit.
Doch Wotan hielt den Speer, den Stab des Rechts,
„Verträge gelten mehr, ihr wisst es wohl des Geschlechts!“
So war er fest gebunden an sein Wort,
Bis endlich Loki kam, von weit und ferner Ort.
Mit falschem Zungenschlag und schlauem Geist,
Er log sich durch die Welt, wie es ihn stets vereist.
„Kein Ersatz ist zu finden, der dem Weib gleichkommt“,
So sprach der Feuergeist, das Herz ihm kaum entflimmt.
„Nur einen sah ich, der der Liebe hat entsagt,
Alberich, der Zwerg, der sich das Gold erjagt.
Den Ring hat er geschmiedet, aus dem Rheine Raub,
Er lenkt nun alle Macht, er macht die Welt zum Staub.“
Ein Raunen ging umher, der Glanz des Goldes lockt,
Die Götterwelt nun bangt, und Wotans Seele stockt.
„Wie schmiede ich den Reif?“, so fragte Wotan dann,
Loki, er wusste wohl, wie man es zwingen kann:
„Nur wer der Liebe flucht, kann diesen Zauber weben,
Der Nibelung hat's getan, um Macht nach ihr zu streben.“
Wotan, er starrte fort, der Ring sein einz'ger Sinn,
Die Götter ahnen schon den nahen Untergangsbeginn.
Der Zwerg, er hält die Welt in seiner Hand nun fest,
Und Wotan, voll von Gier, vergisst den Götterrest.
„Den Ring, den will ich!“, rief Wotan in Wut,
„Er brennt in mir heiß, er wallt in dem Blut!“
Froh lachte Loki: „Ein Kinderspiel nur,
Raub du den Dieb, so folgst du der Spur!
Doch hüte dich wohl, denn er ist kein Narr,
Die List muss regieren, das Gold wird dir wahr.
Gieb es den Nixen zurück, wie sie flehn,
So wird dir der Glanz in der Hand dann vergehn.“
Doch Frigga, die grollte: „Das Wassergeschmeiß!
Ihr Buhlen und Baden, das ist mir zu heiß!“
Während Wotan noch schwieg, im inneren Streit,
Fafner und Fasolt, sie waren bereit.
„Vergiss doch die Maid, nimm das Gold für die Not!
Das bringt uns die Jugend, das rettet vom Tod.“
Sie packten die Freyja, sie führten sie fort,
Ein Schreien erklang, ein bittrerer Ort.
„Rettet!“, so hallte es durch das Gebirg,
Die Götter, sie bebten, das Schicksal ward würg'.
Der Nebel zog auf, er machte sie alt,
Die Jugend entwich, sie verloren Gestalt.
Die Äpfel, sie dorrten, der Garten verfiel,
Loki, er höhnte: „Ein grausames Spiel!
Die Götter, sie welken, die Zeit läuft davon,
Wer rettet nun Freyja, wer zahlt den Lohn?“
Da packte Wotan die Sorge nun schwer,
„Ab nach Nibelheim! Holt das Gold mir nun her!“
Mit Loki, er stieg in den schwefligen Schlund,
Um Alberichs Macht zu zerstören im Grund.
Tief in der Erde, wo Eisen erklingt,
Wo Alberichs Zorn seine Knechte bezwingt.
Dort zerrt er den Mime, den armen Gesell,
„Wo ist das Geschmeide, das leuchtet so hell?“
Der Zwerg, er griff zum Tarnhelm, den Mime gefertigt aus Erz,
„Nacht und Nebel – niemand gleich!“, so schwand er, voll Tücke und Schmerz.
Er ward unsichtbar, die Geißel sie schwang durch die Luft,
Der Mime, er schrie vor dem Hiebe, in jener dunklen Kluft.
„Hoho!“, rief der Albe, „nun beugt euch vor mir, dem Herrn!
Die Nibelungen, sie zittern, sie dienen mir, ohn' Fern!“
Er tobte und zankte, ein Herrscher mit eiserner Hand,
Die Macht des Ringes band sie, in ihrem dunklen Land.
Da traten Wotan und Loki, die Götter, in Nibelheim ein,
Sie sahen die Qualen, den Zwerg und den goldenen Schein.
Der Mime, er wimmerte leise: „Der Bruder zwingt uns zum Dienst,
Mit dem Ringe des Goldes, den du wohl auch sicher bald minnst?“
Er klagte von Sorge, von Arbeit ohne Rast und Ruh,
„Er schwingt die Geißel, er treibt uns das Gold uns zu.“
Loki, der Schlaue, er fragte nach Helm und nach List,
„Kannst du ihm denn nicht entfliehen, so wie er schrecklich ist?“
„Ich wollt' ihn überlisten!“, so jammerte Mime voll Gier,
„Doch fehlte der Zauber, der Helm blieb verborgen mir.“
Wotan, er schaute, er schwieg, doch sein Auge war starr,
Er suchte den Reif, der die Weltherrschaft ihm bringen war.
Da kam Alberich, er stürmte, die Sklaven zur Arbeit gehetzt,
Er küsste den Ring, der die Götter mit Furcht nun versetzt.
„Was wollt ihr, ihr Fremden?“, so rief er mit höhnischem Wort,
„Ihr seid doch nur Neider, ihr sucht wohl mein Gold in dem Ort!“
Loki, er heuchelte Freundschaft, die Zunge so glatt wie der Stahl,
„Ich bin doch dein Vetter, ich heizte dir Schmiede und Tal!
Bist du so misstrauisch, wo ich dir doch einst Hilfe bot?
Wir kommen nur staunend, zu sehen dein Werk in der Not.“
Alberich lachte, er fühlte sich sicher und groß,
Er ahnte nicht, dass das Verderben nun ließe ihn los.
Die Götter, sie lauern, die List sie wird langsam gesponnen,
Während der Nibelung sich wähnt als der Größte der Sonnen.
Alberich prahlte mit trotzigem Sinn,
„Die Welt wird mein Eigen, ich zieh sie mir hin!
Mit Gold in der Faust, da zwing ich euch alle,
Die Frauen, die schmählich mir baten die Falle.
Habt acht vor dem Heer aus der nächtlichen Kluft,
Wenn aus der Tiefe der Reichtum entspringt in die Luft!“
Wotan ergrimmte, doch Loki, der schlaue,
Lachte nur leise, in falscher Vertraue.
„Dein Ring ist zwar mächtig“, so sprach er mit List,
„Doch ob du wohl sicher vor Dieben auch bist?
Wie wahrtest du dich, wenn im Schlaf man dich zwang,
Und raubte den Reif, ohne Kampf, ohne Klang?“
Alberich lachte, von Hochmut gebläht,
„Den Helm hab ich selbst, der mein Wesen verdreht!
Ich wandle die Form, bin für Augen nicht da,
Kein Dieb findet mich, wenn ich mich nur barg nah!“
„Ein Wunder!“, rief Loki, „das glaub ich dir kaum,
Ist das nur ein Trugbild, ein flüchtiger Traum?
Kannst du dich wohl winzig, als Kröte gar zeigen,
Wenn Feinde dich jagen, in felsigen Zweigen?“
„Pah!“, schrie der Zwerg, und er setzt den Helm auf,
Die Schlange, sie wand sich im wilden Verlauf.
Doch kaum ward er klein, eine Kröte am Stein,
Da hielt ihn der Gott, nun war er allein!
Wotan trat zu, mit dem Fuß auf dem Tier,
Loki, der band ihn, nun war er am Stier.
Gefangen, gebunden, im Bastseil so schwer,
Zerrten sie ihn nun aus der Schmiede nun her.
„Löse den Bast!“, rief der Zwerg, voller Wut,
Doch Wotan, der Herrscher, bewahrt seine Glut.
„Nur wer sich freikauft, dem wird man vergeben,
Was gibst du als Lösung, um wieder zu leben?“
„Den Hort sollst du geben, das Gold und das Gut“,
Sprach Wotan zum Zwerg, mit verbittertem Mut.
Alberich dachte, den Ring nur zu wahren,
Um Macht neu zu sammeln, um Schuld zu ersparen.
Er rief die Knechte, den Schatz zu befrein,
Sie schichteten Gold, in den Göttern ihren Schein.
Der Helm, er fiel ab, nun war er entblößt,
Die Macht, sie entwich, das Bastseil sie löst.
Doch Wotan begehrte das letzte Stück nun,
Den Reif an der Hand, den Zwerg zu tun.
„Den Ring gib mir her!“, so befahl der Gebieter,
Alberich bebte, er wurde zum Hüter.
„Mein Leben, ja nimm es, doch lass mir den Ring!
Er ist meine Seele, mein einziges Ding!“
„War’s denn dein Eigen, das Gold aus der Tiefe?
Vom Raube am Rheine, den jeder nun riefe?“
Mit Gewalt riss der Gott ihm den Reif von der Hand,
Alberich schrie, wie durchs Feuer gebrannt.
„Zertrümmert! Zerknickt!“, so wimmerte er,
Wotan betrachtete stolz den Ring, schwer.
„Nun bin ich der Mächtige, der Herr aller Welt!“,
Loki, der spottete, wie alles zerfällt.
Alberich stieg auf, in Freiheit, doch blind,
Mit Worten, die fluchten, wie Sturm in dem Wind.
„Verflucht sei der Ring, den ich einst mir geschmiedet!
Der Tod sei dem Träger, der ihn sich vermietet!
Kein Froher soll jemals an ihm sich erfreun,
Nur Sorge und Neid sollen sich darin streun!
Wer ihn besitzt, der soll zagen und beben,
Bis ich ihn erneut halte, im eigenen Leben!“
Er verschwand in den Schlund, in die Finsternis rein,
Während Wotan den Ring trug im goldenen Schein.
Die Riesen nun kamen, mit Freyja im Zug,
Das Gold lag nun dort, ein glänzender Flug.
Die Götter, sie atmeten, die Jugend kehrte zurück,
Doch über dem Ring lag ein Schatten, ein Stück.
Der Fluch war gewoben, das Schicksal besiegelt,
In Wotans Machtgier, die sich im Gold spiegelt.
„Stellt das Maß nach Freyjas Gestalt!“, so rief Wotan laut,
Die Riesen, sie pflanzten die Pfähle, das Schicksal vertraut.
Der Hort wurde gehäuft, das Gold in den Schlund,
Doch noch blieben Lücken, sie machten den Raub kund.
„Da schimmert noch Holdas Haar!“, rief Fafner mit Gier,
Sie warfen den Helm dazu, doch noch fehlte Gier.
„Ein Ring glänzt noch an Wotans Hand!“, der Riese nun schrie,
„Füllt damit die Ritze, sonst gibt es Freyja nie!“
Wotan, er weigerte sich, er klammerte fest,
Er wollte den Ring nicht, für keinen, auch nicht für den Rest.
„Was ich mir erbeutet, das bleibt nun bei mir!“,
Doch die Götter, sie bangten, sie flehten zu ihr.
Da brach aus der Erde, in bläulichem Schein,
Die Wala, die Hertha, sie trat in den Kreis ein.
Sie mahnte den Gott, mit strengem Gesicht:
„Weiche, Wotan! Der Ring bringt Verderben ins Licht!“
„Alles, was ist, endet“, so sprach sie voll Graus,
„Ein düsterer Tag löscht der Götterwelt aus!
Flieh den Fluch, der im Golde nun schlummert so tief,
Weil sonst das Verderben die Götter bald rief.“
Sie sank in den Abgrund, die Warnung blieb stumm,
Wotan, er zögerte, was wird aus dem Ruhm?
Froh, Donar und Frigga, sie drängten den Herrn,
Den Ring nun zu geben, sie sahen ihn fern.
Wotan, er fasste den Speer mit der Hand,
Er löste den Knoten, er zerriss das Band.
„Hört, ihr Riesen! Das Gold soll euch sein!“,
Er warf den Ring hin – es endete der Schein.
Freyja war frei, die Jugend kehrte zurück,
Doch Wotan, er ahnte das nahe Geschick.
Der Fluch des Nibelungen, er klebte am Gut,
Und Wotans Entscheidung, sie änderte die Glut.
Der Ring lag nun auf dem Hort, die Lösung war vollbracht,
Die Riesen ließen Freyja los, nach langem Machtgefecht der Nacht.
Doch kaum war sie frei, da entbrannte der Zorn,
Die Brüder, sie stritten, als wär’ alle Liebe verlorn.
„Halt, du Gieriger!“, rief Fasolt, das Gold wollt’ er teilen,
Doch Fafner kannte kein Maß, wollte nicht mit ihm verweilen.
„Mehr als die Maid galt dir Gier!“, höhnte er kalt und gemein,
Er schlug seinen Bruder zu Boden, ließ ihn im Staube allein.
Der Ring war nun sein, in den Sack er ihn zwang,
Ein Schauer der Stille durch die Götterwelt klang.
Wotan sah’s tief erschüttert, der Fluch war nun wahr,
Ein Gott, der den Vertrag brach, erntete Grauen fürwahr.
„Wie binden mich Sorge und Furcht!“, so rief er im Sinn,
„Zu Hertha muss ich, den Untergang zu schauen mit meinem Gewinn!“
Die Burg dort oben, sie strahlte im Abendlicht hell,
Doch Wotan wusste: Sie war erkauft – und das viel zu schnell.
Donar, er schwang seinen Hammer, der Himmel ward schwer,
Ein Blitz zuckte nieder, es brauste ein Wetter einher.
Der Regenbogen spannte die Brücke zum Saal,
Ein Glanz, der die Götter nun rief, aus dem dunklen Tal.
„Walhall!“, rief Wotan, die Burg, sie empfing nun das Heer,
Doch Loki stand abseits, er fühlte den Fluch so schwer.
„Ihrem Ende eilen sie zu!“, dachte der Listige still,
Er sah den Untergang kommen, der sich vollenden will.
Aus der Tiefe des Tales, wo das Rheingold einst glühte,
Ein Klagelied aufstieg, das im Wasser verblühte.
„Gebt uns das Gold zurück!“, riefen die Rheintöchter dort,
„Falsch und feig ist, was dort oben nun schwelgt in dem Ort!“
Doch Wotan, er schritt über die Brücke, ins Licht,
Die Götter, sie lachten – sie sahen ihr Schicksal noch nicht.
Das Rheingold war verloren, der Ring blieb im Bann,
Und die Dämmerung nahte, für Gott und für Mann.
ZWEITER GESANG
Es stürmte wild im Walde, der Tag ging in die Nacht,
ein Mann, gejagt von Feinden, hat Schutz im Haus gesacht.
Er trat durch jenes Tor ein, das Hunding eigen ist,
und sank auf Bärenfelle, weil ihn der Gram vergisst.
Sieglinde sah den Fremden, sie staunte ab dem Gast,
der dort am Herd gelegen, von langer Reise Last.
„Wer kam in meine Wohnung?“, so rief sie leise her,
sie wollte ihn erquicken, das Herz war ihr so schwer.
Er fuhr empor im Schlafe: „Ein Quell!“, so rief er laut.
Sie reicht ihm rasch das Horn nun, das sie ihr eigen traut.
Er trinkt und blickt sie innig mit müden Augen an,
und fragt nach ihrem Namen, das stolze Weib sodann.
„Hunding gehört dies Haus hier, mein Gatte, harre sein!“
Doch Siegmund sprach beklommen: „Ich lass die Waffen sein.
Die Wunden, die ich trage, sind kleiner als der Schmerz,
den mir der Feind bereitet, der brach mein junges Herz.“
Sieglinde füllt das Met nun, sie reicht es ihm mit Huld,
sie nippt am Horn zuerst noch, ganz ohne jede Schuld.
Er seufzt bei ihrem Anblick, er fühlt das Schicksal nah:
„Ein Unheil bring ich, Frau du, das ich wohl nie entsah!“
Er will das Haus verlassen, er drängt zur Türe fort,
doch sie ruft ihm entgegen ein mahnend, schweres Wort:
„Nicht bringst du Unheil dorthin, wo Unheil schon regiert!“,
da hält der Mann inne, von Wehmut tief berührt.
Sieglind' hört das Ross nun, das Hunding heimwärts bringt,
sie öffnet rasch das Tor auf, als er vom Sattel springt.
Er sieht den Fremden sitzen, den Blick auf ihn gerichtet,
und fragt mit kaltem Zorne, wer das Geschick geschlichtet.
„Müd' am Herd fand ich ihn dort“, so spricht sie zu dem Mann,
Hunding legt die Waffen ab und schaut den Fremden an.
„Heilig ist mein Herd dir, und heilig sei mein Haus!“,
so spricht er zu dem Gast nun, und ruft das Mahl heraus.
Beim Mahle mustert Hunding das Gesicht des fremden Gast,
er sieht den Glanz im Auge, der auch die Frau erfasst.
„Wie gleicht er doch dem Weibe!“, denkt er in seinem Sinn,
und fragt ihn nach den Pfaden, die ihm so leidvoll hin.
Siegmund spricht von Wäldern, von Not und wilder Jagd,
von seinem Vater Wolfe, der einst das Glück gewagt.
Vom leeren Nest der Mutter, vom Brand im alten Saal,
von der verschwund'nen Schwester, der herben Lebensqual.
„Wehwalt bin ich genannt nun“, so schließt er seinen Bericht,
Hunding hört die Märe, und finster wird sein Gesicht:
„Ich hört' von diesem Paare, die Sage klang so fern,
doch Wölfing hier zu sehen, das zeigt mir Gott wohl gern.“
„Mein Vater schwand mir einst dahin“, so sprach der Gast mit Not,
„im Walde fand ich nur sein Fell, das Wolfsgeschick Gebot.
Ich zog umher, ein geächtet' Mann, wo immer ich auch war,
das Unheil folgte meinem Schritt, es blieb mir immer wahr.
Was ich auch riet, man wandelte zum Schlechten es geschwind,
ich war dem Glück ein fremder Gast, ein heimatloses Kind.
Wehwalt nennt mich nun die Welt, des Wehes Wächter ich,
kein Frohsinn fand den Weg zu mir, das Schicksal traf nur mich.“
Hunding vernahm dies kühle Wort, sein Blick war finster schwer:
„Nicht segnet dich der Nornen Macht, du weichst dem Glück nicht her.
Hier in meinem Hause, Wölfing, sei du mein Gast zur Nacht,
doch morgen, wenn die Sonne steigt, sei deine Wehr erwacht.
Denn Rache gilt es, Blut für Blut, ich fordere den Zoll,
mit Waffen zieh’ den Kampf du aus, wie es sich rächen soll!“
Sieglinde drängte sich dazwischen, die Not im Angesicht,
doch Hunding wies sie barsch zurück: „Verschwinde aus dem Licht!
Bereite mir den Schlummertrunk und lass uns nun allein.“
Sieglinde ging, doch zögernd noch, mit schwerem Herzensstein.
Sie mischte Kräuter in den Trank, den Hunding bald genoss,
und blickte zu dem Fremden hin, den ihre Liebe schloss.
Sie wies ihm mit dem Auge dort, wohin ihr Blick stets sank:
zum Eschenstamm, wo Eisen glänzt, eh' sie zur Ruhe sank.
Hunding, er ging zur Schlafstatt nun, man hört’ den Riegel schwer,
Siegmund blieb allein zurück, das Herz war voll Begehr.
„Ein Schwert versprach mein Vater mir, in höchster Not der Zeit,
doch waffenlos muss ich nun stehn, gejagt vom tiefen Leid!
Wälse! Wälse! Wo ist dein Stahl?“, so rief er in die Nacht,
da bricht das Feuer wieder auf und hat den Glanz entfacht.
Ein Schwertgriff leuchtet aus dem Stamm, in gold'ner Glut so hell,
er sieht es, wie es Hoffnung weckt, des Herzens tiefer Quell.
Die Tür, sie öffnet sich so leis', Sieglinde trat hervor:
„Er schläft der Wüterich nun fest, verschlossen ist sein Tor.
Eine Waffe will ich zeigen dir, ein Schwert von hohem Held,
das stärksten Siegern nur gebührt, in dieser dunklen Welt.
Ein Greis, er trat zur Hochzeit ein, mit Hut auf einem Aug',
er stieß den Stahl in diese Esche, wie ein göttlich' Hauch.
Kein Stärkster zog es aus dem Baum, es wartet nur auf dich,
o fänd' ich ihn, den kühnen Freund, der mich erlöst aus mich!“
Siegmund, er fasste sie mit Glut: „Dich, Weib, hält nun der Held,
dem Schwert und Liebe bestimmt sind auf dieser weiten Welt!
Was ich ersehnt, ich fand es hier, in deinem Angesicht,
wir rächen nun, was je geschah, im neuen Lenzeslicht!“
Die Tür sprang auf, der Frühlingsmond durchflutete den Saal,
er sah die Schönheit ihr nun an, im hellen Mondenstrahl.
„Kein Fremder kam als Gast herein“, so sprach er voller Freud',
„der Lenz ist in den Saal gelenkt, er löst uns von dem Leid!“
Er zieht sie sanft auf seine Bank, der Mondschein bricht sich klar,
„Winterstürme wichen nun dem Lenz, der wunderbar!
Durch Auen weht sein Atem weich, der Vögel Sang erklingt,
der Frühling, der die Welt bezwingt, uns nun die Freiheit bringt.
Die strenge Türe brach entzwei, die uns so lang getrennt,
nun grüßt das Paar sich jauchzend zu, weil sich die Liebe kennt.“
Sieglinde schaut ihn voller Glut: „Du bist der Lenz für mich,
nach dem ich in der Winterfrist so lange dürstete ich.
Als ich dein Auge sah zuerst, da wusst’ ich’s in der Not:
Du bist mein Eigen, teurer Freund, du tilgst das alte Rot.“
Sie blickt ihn an, ihr Herz erbebt, sie streicht das Haar beiseit’,
„Ein Wunder ist’s, ich sah dich schon, in jener alten Zeit!
Du bist das Bild, das ich einst barg, im Teich der Jugend Grund,
dein Name, den ich rufen will, entflieht nun meinem Mund.“
„Wolfe war mein Vater einst“, so sprach der Wälsung Sohn,
„ein Wolf für alle Füchse hier, er stieg auf hohen Thron.
Wälse wird er genannt, mein Kind!“ – Sie rief mit hellem Klang:
„Siegmund! – so nenn’ ich dich, mein Freund, der Lenz, der mich empfang!“
Er springt zum Stamm, er fasst den Stahl, der fest im Holze stak,
„Notung! Notung!“, ruft er laut, und bricht ihn aus dem Dach.
„Als Brautgabe bring’ ich dies Schwert, ich hol’ dich aus dem Haus,
in des Lenzes lachendes Heim, wir ziehen nun hinaus!“
Sieglinde strahlt im Mondenschein, sie reißt sich von ihm los:
„Bist du Siegmund, der Wälsung mein, dann ruh’ ich in dem Schoß!
Die Schwester bist du mir, mein Bruder, in der Wälsungen Blut,
so blühe denn, was wir ersehnt, in heil’ger Liebesglut!“
Wotan rüstet sich zum Kampf, er ruft die Maid herbei:
„Brunhilde, auf! Zum Kampfe nun, mach den Wälsung frei!
Hunding wähle sein Geschick, er taugt nicht für Walhall,
reit’ rasch zur Wal, mein Kind, und hör’ auf meines Speeres Schall!“
Brunhilde jauchzt auf hohem Fels, doch blickt sie in das Tal:
„Vater, rüste dich zum Sturm, denn Frigga kommt zum Mahl!
Ihr Widdergespann, es rasselt wild, sie zürnt in hellem Zorn,
ich lass’ dich nun allein im Streit, das bringt mir nur den Dorn!“
Sie verschwindet, Wotan bleibt, die Gattin tritt nun vor,
sie blickt ihn ernst und würdig an, sie klopft an Gottes Tor:
„Ich hörte Hunding, der mich rief, um Rache für den Eid,
die Ehehüterin kommt zu dir, in großer Zorneszeit!
Das Paar, das frech den Gatten kränkt, soll deine Strafe spürn,
du darfst den Frevel, den sie taten, nicht in Walhall führn.“
Wotan entgegnet: „Was sie taten, war der Minne Macht,
wer büsst für das, was Lenz und Liebe uns in Not gebracht?“
Wotan schüttelt das Haupt nun: „Ich achte den Eid für nicht,
der Liebende zwingt in Fesseln, wenn das Herz das Band bricht!
Wo Kräfte sich mutig regen, da rat’ ich zum freien Streit,
nicht halte ich fest mit Zwang, was flieht vor der Herzenszeit.“
Frigga lacht bitter und höhnisch: „So preisest du Blutschand’ und Lust,
die Zwillingsbrut, die nun liebt sich, brennt in der sündigen Brust!
Wann ward es wohl je gesehen, dass Geschwister sich minnen so sehr?
Ein Frevel, den ich verabscheue, der trifft mich so tief und so schwer!“
Wotan entgegnet gelassen: „Heut’ hast du’s erlebt, sei bereit!
Was sich von selber nun fügt, trägt den Segen der Ewigkeit.
Soll Lust dir den Segen lohnen, so segne den Bund der zwei,
Siegmund und Sieglinde sollen dir nun heute ein Segen sein!“
Frigga bricht aus in Entrüstung: „So ist es denn aus mit dem Rat,
seit du die wilden Wälsungen zeugtest durch deine Tat!
Du wirfst alle Ehre beiseite, du brichst deine Bänder entzwei,
dass nach der Laune nur waltet dies Paar, das so sündig und frei!“
„Du wirfst mir die Untreu’ vor, Gatte?“, so fährt ihn die Göttin nun an,
„du hast meine Liebe gekränkt, mit jedem, den du gewann!
Mit Walküren hast du dich brüstet, du hast mein Herz stets geschmäht,
jetzt, da du Wölfe erzeugtest, ist alles, was heilig war, spät.
Die Betrogne soll nun zertreten, im Staub soll die Gattin jetzt gehn?
Das ist die Macht deiner Götter, die in Trümmern nun hoffen zu stehn!“
Wotan blickt finster zur Erde, er spricht mit erstickender Not:
„Eines nur höre, o Frigga: Not tut ein Held vor dem Gott!
Ein Held, ledig göttlichen Schutzes, der frei sich vom Gesetz löst,
nur er kann die Tat noch vollbringen, die uns vor dem Untergang erlöst!“
Doch Frigga, sie durchschaut die Listen, sie fordert das Schwert, das er gab,
„Nimm ihm den Zauber, den Stahl, den du dem Knechte erst rissst vom Grab!
Siegmund ist dein, doch mein Recht nun, ich fordere Rache und Zoll,
dass deine Ehre, o Götter, auch für die Zukunft noch gelten soll!“
„Lass von dem Wälsung!“, so fordert sie, Wotan, er beugt sich dem Zwang:
„Er geh’ seinen Weg!“, flüstert Wotan, doch sein Herz ist von Angst so bang.
„Du schütze ihn nicht im Gefechte, die Walküre wend’ auch von ihm!“,
Wotan muss schwören den Eid nun, er verfällt in den finsteren Grimm.
„Nimm den Eid!“, ruft er aus, voller Schmach, auf den Felsensitz sinkt er hinab,
während Frigga triumphierend die Stätte, die gottlose, nun verließ im Trab.
„Lass’ ich’s verlauten, Tochter?“, so sprach der Göttervater schwer,
„lös’ ich dann nicht die Fesseln, die mich binden mehr und mehr?
Was keinem ich verkünde, bleib’ es ewig in der Brust,
doch dir, mein Kind, dem Willen mein, enthüll’ ich meine Last.“
Er blickt sie an, sein Blick wird trüb, er spricht von seiner Macht,
wie er durch Ränke und Verträge diese Welt sich zugedacht.
„Loki verlockte mich zum Spiel, durch Gold und Herrscherglanz,
der Ring, den ich dem Zwerg entwand, bestimmt des Schicksals Tanz.“
„Hertha hat mich wohl gewarnt vor ewigem Ende bald,
doch ich wollt’ wissen, was geschah, in finst’rer Erdes Spalt.
Dich, Brunhilde, gebar sie mir, mit acht Schwestern an der Hand,
ihr solltet Helden mir erzieh’n, für Walhalls sich’ren Stand.
Ich wollte, dass die Heldenkraft, die ich in Fesseln schlug,
den Sturm des Krieges schüre, dass mein Zorn den Sieg errug.
Doch nun, da Fafner Gold bewacht, bin ich der Knecht der Macht,
denn wer den Vertrag mit Eiden schließt, der hat sich selbst bewacht.“
„Ich brauch’ den Freien, der aus sich wirkt, was ich mir nur ersehnt,
doch finde ich in allem stets nur mich, vom Glück getrennt!
Knechte erknet’ ich mir nur, kein Heldenmut ist echt,
so bin ich nun in eigner Welt der eigene Götterknecht.
Siegmund, mein Sohn, den ich erkor, er kämpft durch meine List,
doch Frigga hat mein falsches Spiel nun endlich angeküsst.
Ich muss ihn opfern, wie der Fluch es mir im Herzen sagt,
dass der, den ich am meisten lieb’, das Ende nun beklagt.“
Er steht auf, der Zorn bricht aus: „So nimm den Segen hin,
Alberichs Neid soll erben, was ich einst mit Prunk gewann in Sinn!
Du, Brunhilde, diene Frigga nun, schütz’ ihr Eheglück und Eid,
fällen sollst du den Wälsung, er bereite sich aufs Leid!“
„Ich kann es nicht!“, rief Brunhilde aus, „der du ihn lieben hießest,
dass du nun gegen deinen Sohn den Speer der Rache gießest!“
Wotan tobt: „Hör’ meinen Zorn! Ich bin der Gott, der alles schuf,
wirst du mir nun ungehorsam, trotzest du dem Götterruf?
Siegmund soll fallen, dies ist mein Wort, die Walküre tut das Werk!
Wehe dem, der mich reizt im Kampf, im finst’ren Felsgebirg!“
Er stürmt davon, sein Groll hallt nach, in des Gebirges Schlund,
Brunhilde bleibt allein zurück, das Herz ein Schmerzensgrund.
Brunhilde sah den Wälsung, wie er hastig vorwärts drang,
sie barg sich in der Höhle, während Sieglind' lauter sang:
„Weiter! Weiter!“, rief das Weib, doch Siegmund hielt sie fest,
„Verweile, süßestes Weib!“, so bat er seinen Gast.
Sie blickte ihm in Augen, dann schrie sie voller Not:
„Flieh’ die Entweihte, Siegmund, ich bringe dir nur Tod!
Entehrt und ganz geschändet, schwand dieser Leib dahin,
flieh’ die Verfluchte, Bruder, die verloren allen Sinn!“
Siegmund sprach voll Güte: „Was je an Schande blieb,
das büßt nun Hundings Rache, die mir das Blut verschrieb.
Harre hier des Feindes, hier soll er mir vergehen,
Notung wird das Herz ihm, wenn wir uns gegenüberstehen.“
Sieglind’ lauscht voll Schrecken, sie hört der Meute Hall,
sie sieht den Hundings-Rufen, sie hört den finst’ren Schall.
Sie starrt wie wahnsinnig vor sich: „Ha, siehst du, wie sie beißt?
Die Esche stürzt, das Schwert zerbricht, mein Bruder, mein Geist!“
Sie sank in Ohnmacht nieder, an Siegmunds Brust so schwer,
er hielt sie sanft im Arme, das Herz war ihm so leer.
Da trat Brunhilde langsam, mit ernstem, schwerem Schritt,
sie trug die Rüstung glänzend, nahm ihr Ross am Zügel mit.
„Siegmund!“, sprach die Walküre, „sieh auf mich, denn ich bin’s,
wer mich erschaut, der scheidet, vom Lebenslichte sünd’s.
Zur Walstatt komm’ ich heute, zur Wal kor ich dich mir,
zu Walhall folgst du, Wälsung, ich führe dich jetzt hier.“
„Fänd’ ich den Vater Wälse?“, so fragte Siegmund bang,
„Und grüßt mich eine Frau dort?“, mit sehnsüchtigem Klang.
Brunhilde sprach: „Die Tochter, die reicht dir traulich Trank,
doch Sieglinde bleibt auf Erden“, da Siegmund leise sank.
„So grüße mir Walhall“, sprach er, „den Göttervater dein,
zu ihnen folg’ ich nimmer, ich will bei ihr nur sein!
Wo Sieglinde weilt im Leide, da will auch ich bestehn,
dein Blick macht mich nicht bleich, ich will den Tod nicht sehn.“
Brunhilde sprach: „Du Tor du! Der Tod zwingt dich noch sehr,
Hunding fällt dich heute, das Schicksal ist so schwer!“
„Mit Stärkerem drohe!“, rief Siegmund voll Trotz und Mut,
„Ich denk’ ihn wohl zu fällen, mit Notung und mit Blut!“
Sie schüttelte das Haupt nur: „Dir ward das Los gekiest,
der dir das Schwert wohl schuf, hat jetzt den Tod veredelt, gießt
das Gift in deine Klinge, sie nimmt den Glanz und Schutz,
der Göttervater wendet sich, er zieht dir aus den Nutz!“
Er beugte sich zu Sieglinde: „Weh, süßestes Weib,
gegen dich wütet die Welt, und ich verlier’ den Leib!
Ich fahre nicht nach Walhall, wenn ich den Sieg nicht trag’,
die Hella halte mich fest, im ew’gen, dunklen Tag!“
„So wenig achtest du ewige Lust?“, sprach die Maid mit schwerem Sinn,
„Das Weib, das matt an deinem Schoss hängt, gibst du zur Strafe hin?“
Siegmund blickt sie bitter an: „Du scheinst mir kalt und hart,
hast du nur Hohn für meine Not, so geh’, wie du gestarrt!
Willst du dich weiden an meinem Weh’, so labe dein neidisch’ Herz,
doch sprich mir nicht von Walhalls Schein, der mir nur bringt den Schmerz!“
Brunhilde fühlt den heiligen Harm, sie beugt sich tief zur Not:
„Befiehl mir dein Weib, ich schütze sie, ich rette sie aus der Not!“
Siegmund zieht das Schwert voll Grimm: „Kein andrer berührt die Reine!
Wenn ich nun falle, töt’ ich sie selbst, ich bin der Ihrige eine!“
Er zückt den Stahl auf Sieglinde zu: „Zwei Leben nimm jetzt hier,
Notung, nimm sie mit einem Streich, ich vertraue nur dir!“
Da bricht Brunhilde, die Maid, aus dem Sturm des Gefühls hervor:
„Halt’ ein! Sieglinde lebe fort, Siegmund soll Sieg vor das Tor!
Ich wende das Los, ich schütze dich, beim heiligen Schwert,
auf der Walstatt seh’ ich dich wieder, Held, der des Sieges wert!“
Sie stürmt davon, Siegmund bleibt zurück, er küsst der Schlafenden Stirn,
ein Traum von Flucht und Heimkehr webt durch ihr schlafend’ Hirn.
„Notung zahl’ ihm nun den Zoll!“, ruft er und stürmt hinaus,
in finst’re Wolken, Gewittergroll, hin zum Rachehaus.
Blitzesglanz erhellt das Joch, Hunding und Siegmund im Streit,
Sieglinde schreit: „Haltet ein!“, doch es ist für Siegmund weit.
Brunhilde schwebt mit dem Schilde her: „Triff ihn!“, so ruft sie laut,
doch Wotan erscheint im Rötelschein, auf den Gott, der den Speer ihr schaut.
„Zurück vor dem Speer!“, so Donart er, das Schwert zerspringt im Nu,
Hundings Speer trifft Siegmunds Brust, er fällt zur Ew’g-Ruh’.
Sieglinde stürzt, doch Brunhilde greift sie rasch auf ihr schnelles Ross,
sie flieht in den Sturm, während Wotan einsam im finst’ren Schlosse saß.
Er blickt auf den Knecht, den Hunding nun: „Knie’ vor Frigga! Geh’!“
Mit einer Handbewegung sinkt Hunding tot in das weite Weh’.
„Brunhilde! Weh’ der Verbrecherin!“, Wotan schreit voller Wut,
er jagt ihr nach durch Blitz und Groll, in göttlicher Zornesglut.
Auf des Berges Gipfel, im Tann, da schart sich der Schwestern Chor,
„Hojotoho!“, hallt es durch die Luft, sie bringen die Helden hervor.
Helmwige kommt mit Sintolt an, die Rosse schnauben vor Streit,
Ortlinde ruft: „Bring’ Wittig fort!“, es herrscht die alte Zeit.
Die Walküren lachen, das Gewölk bricht auf in hellem Glanz,
sie warten auf die Schwester nun, auf den todesmutigen Tanz.
„Wo bleibt Brunhilde?“, Waltraute ruft, sie blickt in die Schlucht hinein,
wird die Schwester der Flucht vor Wotans Zorn entkommen im Sonnenschein?
„Arbeit gab’s!“, rief Siegrune, von rechts scholl ihr Ruf,
während im Glanz der Gewitterwolken sich die Spannung nun schuf.
Grimgerde und Rossweisse ritten heran, mit Erschlagnen im Sattel so schwer,
„Willkommen!“, riefen die Schwestern, das Schicksal der Helden war leer.
„Führt die Mähren weit auseinander!“, so riefen die Maid-Scharen laut,
„Dass der Zorn unserer Helden die Rosse nicht wieder aufbaut!“
Man lachte und scherzte, man brachte den Helden zur Ruh’,
doch eine der neun Schwestern fehlte dem Kreise noch zu.
„Bei dem braunen Wälsung weilt noch Brunhilde“, so sagte man leis’,
man wartete bang, denn Wotan, er forderte hohen Preis.
„Hojotoho!“, hallte es plötzlich vom Felsgrat, die Schwester, sie jagte heran,
in brünstigem Ritt, ein taumelndes Ross, das kaum noch vorwärts gewann.
Die acht andren stürmten zur Warte, das Staunen war groß und war weit:
„Kein Held hängt am Sattel, ein Weib führt sie mit in der Zeit!“
Brunhilde sprang aus dem Sattel, die Flucht war ihr einziges Ziel,
„Schützt mich und helft mir!“, so rief sie, das Schicksal war hartes Spiel.
„Heervater hetzt mir nach!“, schrie sie in ihrer Not,
die Schwestern erbebten vor Furcht, denn Wotan verhieß nur den Tod.
„Seht nach Norden!“, befahl sie, „ob Walvater naht auf der Bahn!“
Die Warte bestätigte düster: „Der Sturm zieht mit dunklem Wahn.“
Brunhilde gestand nun die Tat, wie sie Siegmund den Schild einst bot,
wie Wotan den Wälsung erschlug, und wie sie floh aus der Not.
„Sieglinde ist es, die Braut!“, rief sie den Schwestern verzagt,
„Rettet das Weib, eh’ der Göttervater uns alle mit Rache beklagt!“
Die Schwestern, sie wichen zurück, der Gehorsam wog schwer in der Brust:
„Brachst du des Vaters Gebot?“, so fragten sie voller Verlust.
Der Sturm heulte wild auf dem Gipfel, das Roß des Göttervaters, es schnaubt,
die Macht, die sie einstmals beschützte, hat nun ihre Unschuld geraubt.
„Leih mir dein Ross!“, bat sie Rossweisse, doch diese verweigerte hart,
denn niemand entflieht dem Gehorsam, den Wotans Speer einst gewahrt.
Sieglinde sah ihr Verderben, ihr Herz war vom Schicksal zerrissen,
würde Brunhildes Liebe den Untergang des Wälsung-Bluts wohl noch wissen?
Brunhilde bat die Schwestern nun: „Gönnt mir das Ross zur Flucht!“,
doch Angst vor Wotans Zornesblick war aller Schwestern Sucht.
Sieglinde sprach: „Stöß’ mir das Schwert, ich will nicht weiter leben!
Lass mich im Tod mit Siegmund sein, in Qualen mich begeben!“
Da strahlte hell ihr Angesicht, als Brunhild’ ihr verhieß:
„Du trägst den stärksten Helden noch, der dich der Not entließ!
Ein Wälsung wächst dir im Schoss nun her, ein Name sei ihm Sieg,
ich geb’ dir Notungs Stücke mit, für seinen künft’gen Sieg.“
Sieglinde sank auf ihre Knie: „O hehrstes Wunder, Maid!
Du rettest uns den Liebsten nun, aus aller Schmach und Leid.“
„Fort!“, rief Brunhilde, „nach Osten hin, wo Fafner Gold bewacht,
den Ort scheut Wotan in seinem Zorn, dort bist du wohl bewacht.“
Sie eilte fort, der Sturm brach los, der Donar rollte schwer,
Wotans Stimme grollte nah, sie kam vom Wolkenmeer.
Die Schwestern bargen die Brunhilde, als Wotan auf den Fels nun sprang,
er bebte vor dem Zorn des Herrn, die Felswand unter ihm erklang.
„Wo ist Brunhilde?“, schrie er auf, sein Blick war finster, wild,
er suchte nach der Tochter nun, in seinem Zornesbild.
„Ihr wagt, die Böse zu verbergen?“, rief er den Schwestern zu,
„Weicht von ihr, der Verworfnen nun, lasst ab von eurem Ruh!“
Brunhilde trat nun aus der Schar, sie trat vor seinen Blick,
„Hier bin ich, Vater, richte mich, ich nehme das Geschick.“
„Du strafst dich selbst“, so sprach der Gott, „durch deine eig’ne Wahl,
den Bund, den wir einst fest verschlossen, den brachst du mit dem Stahl!“
„Wunschmaid warst du, Schildmaid du, nun bist du nichts von dem,
kein Heldenreiz, kein Göttermahl, dein Dasein wird nun stemm!
Aus Walhall bist du ausgestoßen, verbannt aus meiner Sicht,
mein Wille war dein höchstes Gut, nun folgt die finst’re Pflicht!“
Er stieß sie aus dem Götterkreis, das Ende war nun nah,
die Tochter, die sein Herz einst war, nun fern von ihm er sah.
„Der dich zwingt, wird dir’s entziehn“, so sprach der Götterherr,
„Hier auf den Fels ich banne dich, der Schlaf wiegt dich nun schwer.
Der Mann, der dich dort finden mag, der wecke dich zur Pflicht,
als Weib sollst du nun dienen ihm, so endet dein Götterlicht!“
Die Schwestern schrien vor Schreck und Weh’, sie baten um Gnade laut:
„O Vater, halt’ den Fluch zurück, die Maid, die uns vertraut!“
Doch Wotan blieb in seinem Grimm, er stieß sie hart beiseit’,
die Walküren flohen in wilder Hast, voll Angst und Einsamkeit.
Sie ritten fort im Gewitterglanz, das Wehgeschrei verhallt,
der Sturm legte sich, der Abend sank in des Felsens kalten Spalt.
Brunhilde lag zu seinen Füß’, sie hob das Haupt so bleich:
„War meine Tat so schmählich schwer, in deinem Götterreich?
Deinen Befehl tat ich doch kund, als Herrscher der weiten Wal,
war ich dir treu, warum nun Zorn und dieser tiefe Fall?“
„Frag deine Tat!“, so Wotan sprach, mit Stimme düster, schwer,
„Du brachst mein Wort, du wähltest selbst, die Treue ist nun leer.“
„Ich wusst’, dass du den Wälsung liebst“, so sprach die Maid mit Mut,
„Ich sah den Schmerz in deinem Blick, ich sah dein heißes Blut.
Du wusstest, was dein Herz begehrt, doch Frigga zwang den Sinn,
ich sah den Zwiespalt, der dich fraß, und gab Siegmund den Gewinn.“
Wotan blickte auf sie herab, mit Galle in der Brust:
„Da labte dich die süße Lust, als mir das Weh bewusst?
Ich stieß den Wälsung von mir weg, aus Not und schmerzlich’ Grimm,
und du, du lachtest in mein Leid, war das dein wahrer Stimm’?
Ich kann dich nimmermehr bei mir, im Rat der Götter sehn,
dein eigen’ Urteil hast du nun, musst deine Wege geh’n!“
„Soll ich aus Walhall scheiden nun?“, sie sprach es zart und leise,
„Gib mich nicht preis dem feigen Mann, auf solch’ unwürd’ge Weise!
Du zeugtest ein Geschlecht so edel, ein Held wird noch erstehen,
Sieglinde trägt die heiligste Frucht, man wird den Wälsung sehn!“
Wotan verbot ihr streng das Wort: „Schweig’ von dem Wälsungstamm!
Ich schlug das Schwert in Stücke dir, es bleibt nur ein Programm.“
Brunhilde flehte, auf den Knien, den Blick zum Gott erhoben:
„Wenn Schlaf mich bindet, sei es nur, durch den, den die Götter loben!
Soll ich erwachen durch einen Mann, so mach’ ihn stark und rein,
dass nur ein Furchtloser den Fels bezwingt, und mein Gebieter mag sein!“
Wotan blickte auf die Maid, die Träne im Auge stand:
„Zu viel begehrst du, Tochter mein, für dieses ferne Land!“
„Zerknicke dein Kind!“, so rief sie, das Knie fest umschlungen mit Macht,
„Zertritt die Traute, die Maid, doch schütze mich vor der Schmach, die bewacht!
Entbrenne ein Feuer, o Vater, das lecke mit züngelnder Glut,
dass kein Zager den Felsen erreich’, der frech nur an Sehnsucht geruht!“
Wotan, vom Schmerz überwältigt, hob sie vom Boden empor,
sein Stolz und sein heiligstes Leben, die Maid, die er nun verlor.
„Leb’ wohl, du kühnes Kind!“, sprach er, die Stimme vor Wehmut so schwer,
„Du lachende Lust meines Auges, ich seh’ dich nun nimmermehr!“
„Ein bräutliches Feuer soll brennen, wie nie einer Braut es gebrannt,
mit zehrendem Schrecken und Flammen, am einsamen Felsengewand.
Der Feige soll fliehen Brunhilde, die Braut ist nur dem bestimmt,
der freier als ich, der Götterherr, die Furcht in die Kniee nimmt!“
Sie sank an seine Brust, sie blickte ihm tief in das Aug’,
das Auge, das oft ihr gelächelt, im Sturm und im Heldenrauch.
„Dies Paar, das im Kampfe mir leuchtete, wenn banges Verlangen mich quoll,
zum letzten Mal soll es mich laben, des Abschieds Becher ist voll!“
Er küsste ihr sanft die Augen, die Gottheit entwich ihr nun,
sie sank in den Schlaf der Müden, um ewig in Liebe zu ruh’n.
Er bettete sie auf das Moosbett, unter der Tanne so breit,
er deckte den Stahlschild über, als Schutz für die Ewigkeit.
Dann schritt er zur Mitte der Bühne, den Speer in der stählernen Hand,
er rief nun den Loki herbei, den Geist, der das Feuer entwand:
„Loki, hör’! Lausche hieher! Wie einst du als Flamme mir schwandest,
so binde ich dich nun an diesen Stein, den du als Lohe gewandest!“
Dreimal stieß er den Speer auf den Stein, der Fels begann hell zu erglüh’n,
ein Meer aus Feuer und Flammen begann um den Berg zu sprüh’n.
„Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“,
so bannete Wotan das Lohemeer, für der Helden künftige Wie.
Er blickte noch einmal zurück, auf die Schlafende, tief in der Not,
dann schritt er durchs Feuer der Lohe, hinweg von dem göttlichen Tod.
Der Fels bleibt umglüht von den Flammen, die Wache hält ewig die Glut,
bis der Held kommt, den Wotan verheißen, der den Bann der Verbannung nun tut.
DRITTER GESANG
Im Walde, tief verborgen, steht starr der Felsen Bau,
Dort, wo der Schmied in Sorgen mit Blick voll finst’rer Schau,
An einem Schwerte waltet, das nimmermehr besteht,
Da Mime klagend waltet, wenn seine Kunst vergeht.
„Zwangvolle Plage, Müh’ ohne jeden Zweck!“,
So ruft er in die Stille, die Angst sitzt ihm im Fleck.
„Das Schwert, das ich geschmiedet, der Knabe knickt es ein,
Als wär’ es Kinderspielzeug, muss ich die Schmach wohl schrein.“
Er sinnt auf Notungs Trümmer, auf Stahl so fest und rein,
Könnt’ er sie doch gewinnen, um Fafners Leib zu frein.
Der Wurm, der wild und mächtig, auf Niblungen-Hort nun wacht,
Doch Mime sinnt bedächtig: Siegfried bezwingt die Nacht.
Da stürmt der Held mit Toben aus Waldesschwärze her,
Den Bären, wild und groben, führt er am Seil daher.
„Hoiho!“, tönt Siegfrieds Lachen, der Bär soll Mime wohl
In Angst und Schrecken machen, im Schmiederaum so hohl.
„Was nützt das Tier?“, ruft Mime, der hinterm Herd nun flieht,
Doch Siegfried, fern von Grime, den Bären weg nun zieht.
„Hier liegt das Schwert!“, ruft Mime, „Ich hab’ es heut’ vollbracht.“
Doch Siegfrieds kühne Stimme zerschlägt es in der Nacht.
„Was ist das für ein Tand nur, du stümperhafter Wicht?
In einer Hand mein Pfand nur zerbricht das Stahl-Gesicht!“
Er wirft die Splitter nieder, der Zorn brennt ihm im Sinn,
Mime bebt an allen Glieder’, der Zwerg ist bleich und hin.
„Ich hab’ dich groß gezogen“, klagt Mime jammervoll,
„Mit Liebe, ungelogen, dir dient’ ich liebestoll.
Ich gab dir Speis’ und Trinken, ich deckte dein Ruhebett,
Lass nun den Zorn versinken, sei doch für mich nun nett!“
Doch Siegfried spricht mit Sinnen: „Was du mich lehren willst,
Das will in mir nicht rinnen, mein Herz du nicht erfüllt.
Ich kann dich nicht ertragen, dein Blick ist mir so zuwider,
Ich will die Wahrheit jagen, ich kehre immer wieder.“
„Warum, so sag’ es Mime, lauf’ ich in Wald so weit,
Doch kehr’ ich ohne Grime zu dir stets voller Neid?
Die Vögel und die Tiere, sie sind mir lieb und nah,
Warum ich dich stets ziere, sag’ mir, was ist das da?“
Mime will ihn nun binden mit Worten, listig, schwer:
„Weil du in mir kannst finden die Liebe, die so sehr
An deinem Herzen lebet!“ Doch Siegfried lacht es aus:
„Dass dich mein Herz verschmähet, vergiss nicht, altes Haus!“
„Des ist die Wildheit, Junge, die dich nun quält und treibt,
Wenn Sehnsucht in dem Herzen als Liebe ewig bleibt.
Wie Vögel in dem Neste der Mutter Obhut brauchen,
So musst du, Kind, beim Alten den Trost des Lebens tauchen.“
Doch Siegfried spricht mit Winden, sein Geist ist hell und weit:
„Ich sah der Tiere Binden, die Liebe, sie gedeiht!
Wo Weibchen und die Männchen zusammen Brut bewachen,
Da lernt’ ich, was das Leben kann in der Liebe machen.“
„Wo ist mein Weibchen, Mime? Wo ist die Mutter mein?
Ich bin nicht Fuchs noch Vogel, will nimmer bei dir sein!“
Da bebt der Zwerg vor Grauen, er weiß sich nicht zu fassen:
„Ich bin dir Vater, Mutter, musst mir die Fragen lassen!“
„Das lügst du mir, du Gauch nur!“, ruft Siegfried mit Gewalt,
„Ich sah im Bach mein Bild nur, das nicht dem Zwerg wohl hallt.
Wie Fisch und Kröte scheiden sich, so trennt sich auch mein Bild,
Heraus nun mit der Wahrheit, bevor mein Zorn er schwillt!“
Er packt ihn an der Kehle: „Wer gab das Leben mir?“
Da zittert Mime, bleiche: „Ich barg die Mutter dir.
Sie starb im wilden Walde, gab dich in meinen Schutz,
Siegfried war ihr Verlangen, trotz allen Lebens Trutz.“
„Wo sind die Zeichen, Mime?“, so dringt der Knabe ein,
Da bringt der Zwerg die Trümmer vom Schwert im Sonnenschein.
„Sie gab mir diese Stücke, als sie im Tode lag,
Dein Vater führt’ es kühn wohl am letzten Lebenstag.“
Da flammt in Siegfrieds Augen ein Stolz so hell und groß:
„Nun schmiede mir die Stücke, ich will sie wieder los!
Ich zieh’ hinaus in Welten, der Wald ist mir zu eng,
Dich, Mime, will ich meiden, wenn ich die Klinge spreng’!“
Er stürmt in den Wald mit Jauchzen, die Freiheit ruft ihn fort,
Mime bleibt starr und einsam am alten Schmiedeort.
„Da stürmt er hin, der Knabe! Wie führ’ ich ihn zum Wurm?
Das Schwert, es will nicht weichen, in meinem Herz’ ein Sturm!“
Kein Zwergenhammer zwingt es, kein Feuer macht es rein,
Die Notung liegt in Splittern, sie will nicht fertig sein.
Des Niblungen Neid und Sorgen, sie wiegen nun zu schwer,
Das Schwert bleibt ihm verschlossen, die Hoffnung ist nun leer.
Der Wanderer tritt nun ein, im Mantel dunkelblau,
Mit Hut und Speer beschattet, mit einem Auge grau.
„Heil dir, du weiser Schmied!“, so spricht er voll Bedacht,
„Dem Wandrer gönne Gastrecht in dieser tiefen Nacht.“
„Wer bist du, der mich suchet?“, ruft Mime voller Not,
„Ich will hier einsam bleiben, bei meinem Schmiede-Rot!“
Doch Wotan setzt sich nieder, am Herd, der nun sein Pfand,
„Mein Haupt ist deine Wette, wenn ich die Lösung fand!“
Drei Fragen stellt der Zwerg ihm, um ihn von dannen schrein,
Doch Wotan antwortet weise, zieht Mime in den Schein:
Von Niblungen in der Tiefe, vom Hort, der dort gedeiht,
Vom Riesen-Geschlecht der Erde, das um den Ring nun streit’.
Zuletzt, auf wolkigen Höhen, nennt er das Götterhaus,
Mit Wotans Speer und Runen, da lehrt er Mime aus.
Der Zwerg, nun selbst gefangen, muss nun die Prüfung stehn,
Er muss den Wanderer fragen, um nicht in Tod zu gehn.
„Welch’ Geschlecht ist Wotans Liebstes, das er doch schlimm bedroht?“,
So fragt der Gott nun Mime, in dieser bittren Not.
„Die Wälsungen sind’s!“, ruft Mime, „Siegmund und Sieglind’ fein,
Und Siegfried ist ihr Sprosse, muss wohl der Stärkste sein.“
„Wie klug du doch bist, Zwerg!“, spricht Wotan wohl mit Spott,
„Doch sag’ mir nun als zweites, du listig’ Schmiede-Gott:
Welch’ Schwert muss Siegfried führen, den Fafner zu erschlagen,
Das in des Vaters Händen einst brach in vielen Tagen?“
„Notung!“, ruft Mime fröhlich, „Das Schwert, das Wotan stieß
In einer Esche Stamm, das Siegmund einst genieß’.
Die Stücken, die ich hüte, sind wohl für Siegfrieds Hand,
Damit er den Wurm erlege, im weiten Riesenland.“
Da lacht der Wanderer leise, sein Blick ist scharf und schwer:
„Du bist der Weiseste, Mime, doch sag’ mir nun noch mehr:
Wer wird die starken Stücken von Notung wohl vereinen?
Wer wird das Schwert nun schmieden, im hellen Feuer-Scheinen?“
„Die Stücken! Das Schwert!“, ruft Mime, er sinkt in die Kniee herab,
Der Stahl, er bleibt fremd ihm, das Wissen wird ihm nun zum Grab.
„Wer schweisst nun die Waffe?“, so klagt er in bitt’rem Verdruss,
Da tritt Wotan näher, der ihm noch ein Rätsel wohl muss.
„Wer niemals das Fürchten“, so spricht nun der Wanderer weise,
„Erfahren hat je, der schmiedet das Schwert auf die Reise.“
Er geht in den Wald, lässt den Zwerg in der Angst nun allein,
Der Zwerg starrt ins Licht, es will nicht mehr glücklich sein.
„Was flackert und flammt da?“, so zittert der Zwerg nun vor Grauen,
Er glaubt schon den Wurm durch das Dickicht die Tat schon zu bauen.
Er schreit nach dem Fafner, er sinkt hinterm Amboss in Not,
Da stürmt Siegfried herein, er sucht das Schwert in dem Rot.
„Heda, du Fauler!“, ruft Siegfried, „Wo steckt nun die Waffe?“,
Mime stottert nur wirr: „Die Kunst, die ich sonst doch so schaffe,
Sie bleibt mir verschlossen, wer niemals das Fürchten gelernt,
Der schmiedet das Schwert, das sich sonst von dem Zwerg wohl entfernt.“
„Was ist das, das Fürchten?“, so fragt Siegfried, stolz und mit Mut,
„Ich spür’ nur mein Herz, das in festem Gefolge nun ruht.“
Mime lehrt ihn das Grausen, das Schauern, das Beben der Glieder,
Siegfried lauscht dem Gesang und will es nun finden, bald wieder.
„Fafner lehrt dich das Fürchten!“, ruft Mime, die List in dem Sinn,
„Im Osten, bei Neidhöhle, da liegt nun die Prüfung für ihn.“
Siegfried ruft: „Dann führ’ mich! Doch schmiede mir Notung zuvor,
Ich selbst will den Stahl nun vereinen, das Schwert führt mich aus dem Tor!“
Er wirft Mimes Geräte, er schreitet zur Esse mit Macht,
Den Vater-Stahl will er bezwingen, durch Siegfrieds eigene Pracht.
„Was willst du denn rüsten?“, ruft Mime, voll Neid und voll Spott,
Doch Siegfried, er glüht schon im Feuer, sein Wille ist nun Gebot.
„Was ich nicht kann, das sollst du?“, ruft Mime voll Spott und mit Neid,
„Nimm doch den Brei zur Lötung!“, doch Siegfried kennt kein Leid.
Er feilt den Stahl zu Spänen, er zwingt ihn in die Glut,
Mime bebt in seinem Herzen, da er den Plan nun tut.
„Er schmiedet Notung wieder!“, denkt Mime, bleich und bang,
„Er fällt den Wurm im Walde, das gibt mir den Untergang.
Doch weh, ich brau’ den Trank ihm, aus Säften, süß und schwer,
Wenn er den Sieg erfochten, sinkt er ins Schlafen leer!“
Siegfried schwingt den Hammer, das Feuer sprüht in der Nacht,
Er singt sein Lied dem Stahle, der in der Esse erwacht.
„Hoho! Hohei!“, so tönt es, das Eisen wird nun weich,
Er gießt den glüh’nden Strom bald in das Stangenreich.
Im Wasser zischend erstarrt er, der Zorn des Stahls ist groß,
Siegfried führt die Arbeit, er lässt den Hammer nicht los.
Mime kocht sein Gift nun, den Trank für den Helden kühn,
Damit er, statt der Rache, in tiefem Schlafe soll blüh’n.
Der Zwerg, er träumt von Herrschaft, von Gold und Niblungen-Ring,
Er wähnt sich schon als König, als mächtiges, stolzes Ding.
Er plant den Verrat in Stille, während Siegfried am Amboss steht,
Und singend dem neuen Schwerte die letzte Gestalt nun verleiht.
„Notung! Notung!“, ruft Siegfried, die Klinge erglänzt im Licht,
Der Sohn hat neu erstanden, was einst der Vater zerbricht.
Er schwingt das Schwert voll Stolz nun, ein Blitzen durch die Hall’,
Mime zittert im Schatten, vor Schreck und vor lautem Schall.
„Schau her, du falscher Schmied nun!“, ruft Siegfried mit hellem Schrei,
„So schneidet Siegfrieds Klinge, macht den Pfad zum Ringe frei!“
Mit einem Schlag, so mächtig, zerteilt er den Amboss stumm,
Mime fällt vor Schrecken, die Welt dreht sich um ihn herum.
Der Amboss, er bricht entzwei, im Donar hallt der Schlag,
Siegfried hebt das Schwert nun hoch, ein heldenhafter Tag.
Im tiefen Wald, bei Nacht und Graus, hält Alberich nun Wacht,
Er lauscht auf Fafner, auf den Wurm, in seiner dunklen Macht.
Ein Sturmwind braust, ein Glanz bricht auf, der Wanderer erscheint,
Alberich bebt, erkennt den Gott, den er als Feind nun meint.
„Was willst du hier, du diebisch’ Paar?“, ruft Alberich voll Wut,
Der Wanderer bleibt ruhig, kühl, sein Blick ruht auf dem Gut.
„Ich kam zu schauen, nicht zu tun“, spricht Wotan mit Bedacht,
Doch Alberich, er wittert List in dieser finst’ren Nacht.
Er droht dem Gott mit seinem Fluch, der auf dem Golde liegt,
„Wer erbt den Ring? Wer erntet das, was bald im Tode wiegt?“
Der Wanderer schüttelt seine Last, sein Speer bleibt ruhig und fest,
„Den Ring gewinnt, wer ihn sich holt, wer ihn bestehen lässt.“
Dann nennt er Mime, seinen Bruder, der mit dem Knaben naht,
Damit der Held den Wurm bezwingt, durch Siegfrieds kühne Tat.
Wotan ruft nun Fafner an, ein Donar in der Gruft,
„Erwache, Wurm! Ein Held ist nah, der dir die Rache ruft!“
Doch Fafner gähnt nur in der Höh’, verachtet jede Macht,
Er will nur schlafen, satt und groß, in seiner dunklen Nacht.
Der Gott verschwindet in den Wald, lässt Alberich zurück,
Der Schmied der Nacht flucht wütend noch auf das Götterglück.
„Ihr werdet alle fallen bald!“, so zischt der Zwerg nun schlau,
„Das Gold, es glänzt, ich halte Wacht, ich sehe es genau!“
Er schlüpft in seinen Felsenbau, die Bühne wird nun leer,
Der Morgen graut am Himmelsrand, die Dämmerung naht nun sehr.
Sie stehen nun am Waldesrand, bei Neidhöhls finst’rem Schlund,
Mime deutet auf das Dunkel, hält Siegfrieds Herz in Stund’
Voll Angst und bangem Zittern, wie er den Wurm beschreibt:
„Ein greulich’ Tier, das alles frisst, das niemanden verschreibt!“
„Wenn der Wurm ein Herz hat, so stoss’ ich Notung drein!“,
Ruft Siegfried, der den Zwerg nun fortweist, um allein
Im grünen Wald zu weilen, wo Mime ihn nur stört,
Der Zwerg geht murrend fort, vom Hass, der ihn verzehrt.
Siegfried liegt nun unter Linden, im Licht der Sonne Pracht,
Er denkt an seinen Vater, an die Mutter in der Nacht.
„Wie sah sie wohl aus, die Mutter?“, fragt er den Wald so still,
Da singt ein Vöglein oben, das ihm wohl sagen will.
Er schnitzt ein Rohr, versucht den Sang, doch klingt es falsch und leer,
Er wirft das Rohr von dannen, nimmt das silberne Horn nun her.
Ein Schall durchbricht die Stille, ein Ruf dringt in die Gruft,
Da regt sich’s in der Höhle, wo der Wurm den Tod nun ruft.
Fafner bricht hervor, ein Scheusal, mit Schuppen, wild und schwer,
Er schnaubt und gähnt dem Knaben, der furchtlos tritt daher.
„Was ist das für ein Wesen?“, ruft Siegfried mit hellem Blick,
„Lehrst du mich das Fürchten?“, so wünscht er sich das Glück.
„Trinken wollt’ ich eigentlich, nun treff’ ich auch den Frass!“,
So grollt der Wurm mit Zähnen, die beißen ohne Maß.
Siegfried hebt das Schwert nun, den Stahl, den er geschmiedet,
Während der Wurm sich aufbäumt, das Schicksal wohl verbietet.
„Dein Rachen ist zu weit“, ruft Siegfried mit Verachtung,
„Dein Schlund dient nur dem Fraß, doch heute wird dir Bangung!“
Der Wurm stößt Feuer aus, doch Siegfried springt behende,
Mit Notung sticht er zu, und setzt dem Leben nun ein Ende.
Fafner sinkt nieder, mit Blut, das heiß wie Feuer brennt,
Er spricht zum Knaben noch, eh’ ihn der Tod von sich trennt:
„Wer dich zum Mord bewegt, der plant auch deinen Untergang!
Acht’ auf dich, Siegfried, bald schlägt auch deine letzte Stund’ bang.“
Siegfried steht staunend dort, die Finger netzt das Blut,
Er führt sie an den Mund, und plötzlich spürt er neuen Mut.
Die Vögel singen nun, er hört ihr süßes Stammeln,
Vom Tarnhelm und dem Ring, die er nun soll in der Höhle sammeln.
Er geht hinein, da tritt Alberich aus den Schatten hervor,
Er trifft den Mime dort, an Fafners düst’rem Höhlentor.
„Was willst du hier, du Schuft?“, zischt Alberich voll Neid,
„Geizt es dich auch nach dem Gold, in deiner Kleinheit Leid?“
Sie streiten um das Gut, der Bruder gegen Bruder schlägt,
Während der Held im Dunkeln den Hort der Riesen nun wägt.
„Ich zog ihn auf!“, schreit Mime, „Der Ring gebührt nun mir!“
Alberich lacht ihn aus: „Du Hund, kein Gold gehört zu dir!“
Siegfried tritt aus der Höhle, der Ring am Finger glänzt,
Der Tarnhelm auf dem Haupt, das Mime nun zum Scheitern grenzt.
Die Zwerge zanken laut, der Zorn in ihren Blicken brennt,
Doch Siegfried, der sie sieht, was wohl die Zukunft ihnen nennt?
Alberich flieht ins Geklüft, Mime sucht sein Glück im Wald,
Der Held steht nun allein, wo kurz zuvor der Kampf noch hallt.
Das Vöglein singt erneut, von neuen Pfaden, weit und schwer,
Siegfried lauscht dem Gesang, sein Herz begehrt das Licht nun sehr.
Siegfried steht nun auf der Höh’, der Ring am Finger glänzt,
Er hat den Helm im Gürtel fest, der ihn vor Not nun kränzt.
Er lauscht dem Vogel in der Höh’, das Waldweben klingt so rein,
Das Vöglein warnt vor Mimes Trug, in seinem Liedesschein:
„Hör’ auf den Zwerg, das Herz verrät, was er in Wahrheit denkt,
Des Blutes Genuss hat deinen Sinn in neue Tief’ gelenkt.“
Mime schleicht aus dem Gebüsch, die Schlinge liegt bereit,
Er heuchelt Liebe, schmeichelt sehr, in seiner Listigkeit.
„Hast du das Fürchten nun gelernt?“, fragt er den Helden klein,
Siegfried antwortet kühl und stolz: „Nein, bin noch nicht darein!“
„Der Wurm ist tot!“, ruft Mime dann, „Nun gib die Beute her,
Ich will den Ring, ich will den Hort, ach, Siegfried, gib ihn mir sehr!“
Er bietet ihm den Trank nun an, den giftig’ Trank des Tods,
Er heuchelt Sorge, heuchelt Lieb’, in seines Geistes Not.
„Trink nur!“, so lacht der Zwerg im Geist, „Dann hau’ ich dir den Kopf
Vom Rumpf, mein Söhnchen, Siegfried du, du kleiner, dummer Tropf!“
Siegfried, des Blutes Kraft im Mund, versteht das wahre Wort,
Er hört den Hass, er hört den Mord, der Zwerg geht bald von dort.
Mit Notung schlägt der Held nun zu, der Zwerg sinkt tot zu Grund,
Das Gelächter von Alberich hallt durch den Wald, in dunkler Stund’.
Siegfried trägt Mime in die Höhl’, zum Wurm, als Wächter dort,
Zwei Feinde nun in ew’ger Ruh’, versiegelt an dem Ort.
„Da liegt ihr nun, der Zwerg und Wurm, hütet den Hort nun fein!“,
Siegfried legt sich unter die Lind’, im Sonnenschein allein.
Er streicht die Stirn, die Hitze brennt, er sucht des Baumes Ruh’,
„Mein Vöglein, sing’ mir noch einmal, ich höre dir jetzt zu!
Ich bin so einsam hier im Wald, hab’ keine Schwester, keinen Bruder,
Die Mutter tot, der Vater fiel, das Leben ist ein Ruder.“
Er bittet nun das Vöglein zart, um einen Freund, ein Glück,
„Sing’ mir, mein Trauter, rate mir, was bringt das Schicksal zurück?“
„Das Vöglein singt von Liebe, von einer Braut so rein,
Auf hohem Fels in Flammen, muss sie nun bei dir sein!
Durchschreite du die Brunst nur, weck’ du das Weib aus Ruh’,
Brunhild’ ist dann dein Eigen, das Schicksal lächelt zu!“
Siegfried springt auf vor Freude, sein Herz, es brennt vor Glut,
„Wer Fafner nicht gefürchtet, hat auch für sie den Mut!
Ich folge nun dem Fluge, dorthin, wo’s Feuer brennt,
Ich will die Braut erwecken, bevor der Tag entrennt.“
Er läuft dem Vogel nach nun, durch Wald und felsig’ Höh’,
Der Vorhang fällt zur Stille, man hört nur noch das Weh’
Des Sturms am Bergesrücken, dort wo der Gott nun wacht,
Um Hertha nun zu rufen, in dieser dunklen Nacht.
„Erwach’, du Wala, erwache!“, ruft Wotan in den Schlund,
Die Erdenmutter steigert sich aus nächtlichem Grund.
„Wer scheucht den Schlaf mir heute?“, fragt sie mit weisem Sinn,
Der Wanderer spricht zur Wala, zieht ihre Weisheit hin.
„Ich such’ den Rat der Welten, wie man das Rad nun hemmt,
Dass Wotan nicht im Zorne, die eigene Welt verdämmt!“
Doch Hertha weist ihn ab nur, sie mahnt an eigne Schuld,
„Frag’ deine eigne Tochter, bewahr’ die alte Huld!“
„Brunhild’ hat mich verraten!“, ruft Wotan voller Schmerz,
„Ich strafte sie mit Schlafe, das brach mein eignes Herz!
Sie soll nun für die Sünden, in Schlaf ihr Wissen ruh’n,
Doch wer kann nun die Tat tun, die Götter nicht mehr tun?“
„Das Ende, es darf kommen!“, ruft Wotan nun befreit,
„Ich schenk’ mein Erbe Siegfried, in dieser neuen Zeit!
Der Wälsung, er kennt keine Furcht, er bricht den alten Bann,
Er weckt Brunhild’ zum Leben, als freier, kühner Mann!“
Hertha versinkt ins Dunkel, Wotan bleibt nun allein,
Er sieht den Knaben kommen, im fahlen Mondenschein.
Siegfried tritt nun vor ihn, fragt nach dem Fels, dem Licht,
Der Wanderer stellt sich ihm entgegen, in göttlicher Pflicht.
„Ein Vöglein schwatzt wohl manches“, spricht der Wanderer zum Held,
„Doch wer versteht sein Stammeln, in dieser weiten Welt?“
Siegfried nennt ihm seine Tat, den Wurm hat er erschlagen,
Mit Notung, seinem eigenen Schwert, den Feind in Grund getragen.
Der Gott, er lacht voll Wohlgefallen, ob des Knaben kühnem Mut,
Doch Siegfried drängt ihn stürmisch fort, er will zur feur’gen Glut.
„Wer bist du, alter Frager?“, ruft Siegfried nun mit Zorn,
„Dein Hut hängt tief im Gesicht, dein Auge ist verlorn!“
Der Wanderer bleibt fest und stolz, er wehrt ihm nun den Weg,
„Fürchte des Felsens Hüter, der hier die Maid nun pflegt!“
Der Gott hebt seinen Speer empor, doch Siegfried kennt kein Bangen,
Das Schwert, es spaltet Wotans Macht, er lässt ihn dort anfangen!
Der Speer bricht in zwei Stücken, der Gott muss nun entweichen,
Siegfried stürzt ins Feuer, sieht den Fels im Morgenbleichen.
Er steigt hinauf zur Höh’ empor, wo eine Gestalt nun ruht,
In Stahl und Eisen eingehüllt, in tiefem Schlaf und Glut.
Er nimmt den Helm vom Haupte ab, die Locken fließen frei,
„Das ist kein Mann!“, ruft Siegfried laut, das Herz ist ihm nicht einerlei.
Er löst den Harnisch, blickt voll Angst, das Fürchten ist nun nah,
Was er beim Wurm nicht lernen konnt’, ist nun vor ihm da!
Er beugt sich nieder, küsst den Mund, der Schläferin so zart,
Brunhilde schlägt die Augen auf, nach dieser langen Fahrt.
Sie hebt die Arme, grüßt die Welt, das Licht kehrt zu ihr ein,
Siegfried steht staunend vor der Maid, im goldenen Sonnenschein.
„Heil dir, Sonne! Heil dir, Licht!“, ruft Brunhild’ aus der Ruh’,
Sie schlägt die Augen endlich auf, dem Siegfried siehst du zu.
„Wer ist der Held, der mich erweckt?“, fragt sie mit stolzem Blick,
Siegfried steht staunend, tief ergriffen, im strahlenden Götterglück.
Sie erkennt den Retter nun, das Schicksal ist erfüllt,
„Siegfried ist’s, der mich erweckt!“, das Feuer sie nun hüllt.
„Ich liebte dich schon ewiglich!“, singt sie mit weicher Hand,
„Du warst mein Denken, mein Sorgen stets, in Wotans fernem Land!“
Siegfried lauscht dem fremden Sang, sein Sinn ist ganz benommen,
Er ist dem Rätsel, das sie singt, noch fern und nicht entkommen.
„Wie Wunder tönt dein süßes Wort!“, ruft er in wilder Lust,
„Die Furcht, die du mich lehrtest, brennt nun in meiner Brust!“
Er greift nach ihr, sie weicht zurück, die Maid in Angst erbebt,
„Zertrümmre nicht die Traute dir!“, die um ihre Reinheit lebt.
„Ich bin nicht mehr die Walküre, nur Weib in deiner Hand,
Verzwing’ mich nicht mit wildem Zwang, lös’ nicht das heil’ge Band!“
Doch Siegfried lässt nicht ab vom Ziel, sein Feuer kennt kein Halten,
„Sei mein!“, ruft er, „Ich will in dir mein ganzes Glück entfalten!“
Die Furcht zerbricht im Sonnenstrahl, die Liebe siegt im Licht,
Brunhild’ ergibt sich seinem Sinn, und spricht mit Zuversicht:
„O Siegfried, dein war ich von je, dein werd’ ich ewig sein!“,
Die Welt versinkt im Liebesglanz, im hellen Sonnenschein.
Götterdämmerung weicht dem neuen Paar, das Schicksal nimmt den Lauf,
Wo einst der Speer die Welt regiert’, geht nun die Liebe auf.
„Was du sein wirst, sei es heut’“, ruft Siegfried in den Wind,
Er hält sie fest, ihr Atem glüht, wie zwei, die eines sind.
„Ob ich dein bin?“, fragt Brunhild’ bang, ihr Blick ist voller Glut,
„Fühlst du das Feuer, das mich treibt, wie’s wallt in meinem Blut?
Fürchtest du das wilde Weib, das nun in Liebe brennt?“
„Das Fürchten hab’ ich wohl verlernt, da nun die Lust mich trennt!“
Sie lacht im höchsten Liebesjubel, die Walküre, frei und rein,
Sie lässt nun Walhalls Götterpracht, sie lässt den Stolz nun sein.
„Fahr’ hin, ihr Götter, zerfallt zu Staub, in dieser dunklen Nacht,
Die Götterdämm’rung bricht nun an, die Welt hat ihr’ Pracht vollbracht!
Denn Siegfried ist mein Eigen nun, mein Erb’ und helles Licht,
Im lachenden Tod, in der Liebe Glanz, der Untergang zerbricht!“
Siegfried hält sie, strahlend froh, das Schicksal ist vollbracht,
Brunhilde lebt, sie lacht ihm zu, besiegt die dunkle Nacht.
„Heil dem Tage, der uns scheint!“, ruft er in den weiten Raum,
Die Liebe ist das höchste Gut, wahrer als jeder Traum.
In festen Armen, Herz an Herz, die Welt verblasst im Schein,
Siegfried und Brunhilde – ewig, sie sind nun eins allein.
VIERTER GESANG
Auf rauhem Felsen trauern die Nornen in der Nacht,
sie spinnen stumm das Seile, das Schicksal wohl bewacht.
Der Feuerschein von ferne, er leuchtet durch den Tann,
die erste Norn beginnt nun, was man nicht ändern kann:
„An Weltenesche wob ich, dort rauschte hell der Quell,
da raunt’ ich heil’ge Weisheit, dem Gott wohl zu der Stell’.
Ein Auge gab er opfernd, um aus dem Born zu trinken,
doch Wotans Speer – er brach den Baum, ließ alles bald versinken.“
Die zweite Norn ergreift es, den Faden fest sie schwingt:
„Des Speeres Schaft trug Runen, die man in Eiden singt.
Ein kühner Held zerschlug ihn, die Ordnung liegt in Trümmern,
die Esche sank, der Quell versiegt – es wird das Ende dümmern!“
Die dritte wirft das Ende, der Burg sie blickt entgegen:
„Ries’ gebaute Hallen, dort Götter sich bewegen.
Die Scheite, einst die Esche, sie brennen nun gar hell,
der Götter Ende nahet bald, es kommt gar fürchterlich schnell.“
Sie winden hin und wieder, das Schicksal ist verwirrt,
weil Loki als ein Feuerleib durch Wotans Speer geirrt.
Das Ende aller Mächte, das Rheingold und der Ring,
der Fluch, er nagt am Seile, bis es durch Schicksal ging.
Es spannt der Faden schmerzlich, die dritte Norn sie zieht,
da reißt das Seil in Stücke – verstummt ist nun das Lied.
„Zu End’ ewiges Wissen!“, so rufen sie mit Grauen,
sie binden sich die Leiber fest und fliehen vor dem Grauen.
Das Grau des Morgens dämmert, der Tag bricht silbern an,
da tritt der Held aus Felsen, zieht aus auf stolzem Plan.
Brunhilde führt ihr Ross dort, sie blickt den Helden an,
die Liebe strahlt in Treue, weit weg vom Götterbann.
„Zu neuen Taten, Teurer!“, so spricht die Frau voll Glut,
„ich gab dir all mein Wissen, du hast den Heldenmut.
Doch nimmst du meine Stärke, nun bin ich schwach und leer,
behalt’ in deinem Herzen mich, ich bitt’ es dich so sehr.“
Siegfried lacht voll Freude, er drückt die Hand der Maid:
„Was du mir gabst an Wissen, hat mich nicht weit befreit.
Doch eines weiß ich sicher, das bleibt mir stets im Sinn:
Dass mein die treue Gattin, dass ich bei ihr nun bin!“
„Gedenk der Taten, Siegfried!“, sie mahnt ihn mit Bedacht,
„des Feuers, das du kühn durchschrittest in der Nacht.
Gedenk des Eids der Liebe, der uns als Pfand vereint,
dann brennt mein Bild dir ewig, auch wenn die Sonne scheint!“
„Lass ich, Liebste, dich hier in der Lohe heil’gem Schein“,
sprach der Held und reichte ihr den Ring als Pfand nun ein.
„Den Ring von Alberich, den ich dem Wurm entriss,
er sei dir Schutz und Weihe, weil ich dich lieben miss.“
Brunhilde nahm den Ring und strahlt’ in süßer Freud’:
„Nimm Grane, mein Ross, zum Tausch für diese Ewigkeit!
Er dient dir nun als Knecht, er hört dein Wort allein,
bring’ mir mit ihm die Botschaft, dass du mir treu wirst sein.“
Siegfried schaut’ sie an, sein Herz von Liebe schwer:
„Nicht ich bin mehr der Held, ich bin dein Arm, nichts mehr!
Durch dich entbrennt mein Mut, durch dich bin ich erst stark,
ein Paar, das nie sich trennt, in Fleisch und Herz und Mark.“
Am Ufer bei dem Rhein, da saßen sie mit Pracht,
Günther und Gudrune, in stolzer Gibichsmacht.
Hagen, der düst’re Gast, er saß am Tisch dabei,
er plante Trug und Tücke, bei ihm war kein Geschrei.
Günther fragt’ ihn froh: „Sag’, Hagen, sag’ mir nun,
steh’ ich in vollem Ruhm, was lässt sich noch wohl tun?“
Hagen lacht’ verbittert: „Dein Ruhm ist karg und klein,
es gibt noch hohe Güter, die nicht dein Eigen sein.“
„Ein Weib auf Felsen hoch, umwunden von der Glut,
nur wer das Feuer bricht, der hat den rechten Mut.
Siegfried, der Wälsung, er ist der stärkste Held,
der den Niblungenhort gewann und beugt die ganze Welt.“
Günther horcht’ gespannt: „Wie könnt’ er für mich frein?
Brächte er die Braut, so wär’ sie mein allein!“
Hagen raunt’ ein Wort, er sprach zu Gudrune fein:
„Ein Trank im Schrein, er bricht den Geist, er lässt ihn dein wohl sein!“
„Vergessen wird er sie, die er einst hat geliebt,
wenn ihn der Trank betört, der ihm den Sinn vertrübt.
Dann wirbt er für den Bruder, dann dient er deiner Hand,
so binden wir den Helden fest an unser Gibichsland.“
Günther sprang empor: „Gepriesen sei die Tat!
Wie finden wir den Recken, wie folgen wir dem Rat?“
Ein Horn erscholl vom Flusse, ein wohlbekannter Klang,
Hagen, er lauschte wachsam, er wusste, was er sang.
„Er kommt auf Siegfrieds Pfade, zum Gibichsstrand, er naht!“
So sprach der finst’re Hagen, er wusste um den Rat.
Siegfried lenkt’ seinen Nachen, er sprang an das Gestade,
Günther trat ihm entgegen, im frohen Hoffnungspfade.
„Sei mir gegrüßt, du Recke!“, so rief er Siegfried an,
der Held, er neigt’ das Haupt sich, im Geiste wohlgetan.
Sie sprachen von dem Hort, von dem Ring und Tarnhelm auch,
doch Siegfried maß dem Schatze nur wenig Wert und Brauch.
„Ich ließ ihn in der Höhle, der Wurm, er bewacht ihn wohl,
der Ring? Ein Weib besitzt ihn – das Schicksal ist nun voll.“
Gudrune trat nun vor, mit einem Trank im Horn,
sie bot ihn dar dem Helden, es wich der Liebe Zorn.
Siegfried nahm das Gefäß, er dachte kurz noch mein:
„Brunhilde, dir, der Liebsten, soll dieser Trunk nun sein!“
Er trank den Trank der Tücke, die Wirkung war so schwer,
das Wissen um die Gattin, es schwand im Herz so leer.
Sein Blick, er ward entbrannt, er sah Gudrune an,
die Leidenschaft, sie wallte – der Trug hatte wohl begonnen.
„Wie heißt die Maid?“, so fragte er, von Sinn und Geist betört,
„Sind’s gute Runen, Schwester?“, sein Herz, es war zerstört.
Er wollte sie gewinnen, den Bund mit ihr nun schließen,
er hatte ganz vergessen, was einst die Welt ließ fließen.
„Hast du ein Weib, o Günther?“, so frug der Held erneut,
Günther, er klagte bitter über sein einsam Leid.
„Ein Weib auf Felsenhöhen, umringt von Feuerglut,
wer sie gewinnen wollte, der braucht den Heldenmut.“
Siegfried, er hört den Namen, der ihm das Herz noch band,
doch mit dem Trank im Leibe, verlor er den Verstand.
Das Bild, es schwand im Nebel, er wusste nicht mehr von ihr,
„Ich helfe dir, mein Bruder!“, er sprach es mit Begier.
„Ich breche durch das Feuer, ich hole dir das Weib!“,
vergaß er sein Versprechen und seinen eignen Leib.
Der Fluch, er wirkt nun mächtig, der Ring, er fordert Zoll,
das Schicksal greift nach Siegfried – das Ende ist nun voll.
„Ich fürchte nicht das Feuer, ich freie sie für dich!“,
sprach Siegfried mit Entzücken, „denn Bruder nenn’ ich mich.
Dein Mut ist nun der meine, durch Trug des Helms so fein,
werde ich zum Scheingunst, fahr’ ich in die Glut hinein.“
Hagen reicht’ den Becher, das Blut, es floss hinein,
„Blutbrüderschaft für immer!“, so schworen sie beim Wein.
Sie ritzten sich die Arme, sie tranken sich den Bund,
es blühte Treue, Hoffnung, aus des Schicksals dunklem Schlund.
„Bricht einer seinen Schwur nun, der Treue bricht das Band,
so soll der Tod uns finden, durch diese gleiche Hand!“
Hagen blieb im Hintergrunde, er schlug das Horn entzwei,
sein Blut war kalt und stockend, er blieb dem Bund nicht bei.
Siegfried macht’ sich fertig, die Fahrt begann so schnell,
„Eine Nacht sollst du dort warten, dann hol’ sie, mein Gesell!“
Siegfried zog zum Felsen, um Brunhild’ zu berauben,
Günther folgt’ ihm blindlings, in der Liebe falschen Glauben.
Hagen sitzt zur Wacht nun, er hütet Haus und Hof,
„Sie fahren hin zu Taten, doch ich – ich bin der Chef!
Sie bringen mir den Ring bald, der Niblungen erben Sohn,
die freien Söhne dienen, sie ahnen nicht den Lohn.“
Auf dem Fels bei Brunhilde, die Liebe noch im Sinn,
da kam ein Sturm heraufgezogen, mit Trauer in dem Sinn.
Waltraute, ihre Schwester, sie kam in wilder Hast,
„Brunhilde, wachst du, Schwester? Ich bringe schwere Last!“
Brunhilde sah sie staunend, „Was treibt dich aus dem Bann?
Hat Wotan nun Erbarmen, nach all dem Zorneswahn?“
Waltraute sprach mit Beben: „Der Götter Ende naht!
Wotan sitzt in Walhall, in stummer, kalter Saat.“
„Er hat den Speer zerbrochen, die Esche ließ er fällen,
er wartet nur auf’s Ende, in den hohen, dunklen Schwellen.
Er rührt nicht an die Äpfel, er starrt in’s Leere nur,
kein Gott mehr lenkt die Welt nun, es fehlt die helle Spur.“
„Er sprach von deinem Ringe, er raunte seinen Namen,
dass nur durch seine Rückgabe, die Götter wieder kamen.
Gib ihn den Rheintöchtern, lös’ uns von dieser Pein!
Ich kam zu dir, o Schwester, aus Angst, oh, hör’ mich ein!“
Waltraute flehte inständig, „Wirf ihn von dir, den Ring!
Rette die Götter vor dem Fluch, den er uns allen bring!“
Doch Brunhilde wehrte ab, sie hielt das Gold umfangen,
„Siegfrieds Liebe ist darin, mein einig’ Herzensverlangen!“
Waltraute wich in Angst zurück, sie floh im Sturm davon,
und Brunhilde blieb einsam nun, sie ahnte nichts vom Hohn.
Das Feuer leuchtete hell auf, es kroch den Fels hinan,
sie rief Siegfrieds Namen aus, sie glaubte an den Mann.
Doch aus der Glut, da sprang ein Gast, in Günthers fremder Tracht,
mit Tarnhelm tief im Angesicht, er brachte ihr die Nacht.
„Ich bin ein Freier, der dich zähmt, dein Feuer schreckt mich nicht,
ich hol’ dich heim zu Gibichs Haus, gehorche meiner Pflicht!“
Sie wich zurück, sie rief den Gott, sie schrie vor bitt’rem Leid,
doch Siegfried – unter fremdem Schein – war voll von herber Kraft und Neid.
Er rang mit ihr, er raubte ihr den Ring vom Finger klein,
Brunhilde brach im Schmerz zusammen, sie war nun nicht mehr mein’.
„Jetzt bist du mein, Brunhilde!“, sprach er mit fremder Zunge,
er trieb die stolze Maid hinein, das Opfer war nun junge.
Er zog sein Schwert, das Notung hieß, und legte es dazwischen,
um seine Treue zu dem Freund in Stille auszuwischen.
Die Nacht lag schwer auf Gibichs Hof, das Ufer war so still,
Hagen, er saß am Pfosten dort, wie es der Schicksalswille will.
Da trat aus Schatten eine Schar, ein kleiner, grauer Gast,
Alberich schlich sich zu dem Sohn, er lud ihm auf die Last.
„Schläfst du, Hagen, mein Sohn?“, so raunte er ins Ohr,
„Du schläfst und hörst mich nicht, du trägst das Leid hervor?
Der Ring, der Ring, er muss zurück, in Niblungen-Hand,
sonst bricht die Welt, sonst brennt die Welt, verloren ist das Land!“
Es nahte tiefe Nacht wohl an den Rheinesstrand,
da saß der Hagen düster, das Schwert in seiner Hand.
Alberich, der Zwerg, erschien aus dunklem Licht,
er sprach zum Sohn von Tronje, der wohl im Schlafe spricht:
„Hagen, mein Sohn, hör an, was ich dir sagen will:
Der Ring, der Macht uns schenket, der liegt nun gar zu still
bei Siegfried, dem Helden, der ihn im Hort gewann.
Den Ring musst du mir rauben, befolg wohl meinen Plan!“
Da schwur der Hagen fest: „Ich will den Ring erlangen,
kein Froher soll in Sicherheit in diesen Landen bangen!“
Der Zwerg verschwand im Grauen, die Sonne stieg empor,
da trat der starke Siegfried hervor durchs Pfortentor.
Er trug den Helm der Tarnung, den er sogleich ablegte,
und von der Braut, der stolzen, er freudig Kunde brachte.
Er half dem Günther minnen, er brach das Feuerband,
er brachte ihm die Braut nun für sein geliebtes Land.
Ein Schwert lag in der Mitte, da Siegfried bei ihr schlief,
als er für Günther täuschte das Weib, das ihn nun rief.
Vom Strom her kam ein Schifflein mit Günther und der Braut,
da wurde lautes Jubeln und Freudengruß vertraut.
Gudrun’ hieß sie willkommen, in Pracht und hellem Schein,
doch Hagen rief die Mannen, um bei dem Fest zu sein.
Sie rüsteten die Hochzeit, für Günther und sein Weib,
und Siegfrieds Ende schlich sich in seinen starken Leib.
Der Hagen stieg auf Felsen, er rief mit wildem Ton,
„Hoiho, ihr Gibichsmannen, hört eures Herren Sohn!
Ergreift die scharfen Waffen, eilt her zum Rheinesstrand,
denn Not ist bei den Unseren, es bebt das ganze Land!“
Da stürmten her die Mannen, mit Schild und Eisen schwer,
„Was tost das Horn so laute? Was ruft uns zum Heer?
Ist Günther wohl in Nöten? Wer wagt es, uns zu stören?
Wir wollen Hagen folgen, sein Rufen wohl erhören!“
„Rüstet euch zum Feste!“, rief Hagen von der Höh’,
„Ein Weib führt Günther heimwärts, das bringt noch Müh' und Weh’.
Einsam fährt er wieder, kein Feind folgt in die Stadt,
denn Siegfried, der Held, den Riesen für ihn niedergeschlagen hat.“
„Was sollen wir dann schlachten?“, riefen Mannen froh,
„Ein Eber für den Donar? Ein Opfer auch für Froh?“
Doch Hagen sprach nur höhnisch: „Füllt die Hörner an mit Wein,
auf dass ein frohes Rauschen bei der Hochzeit mag sein!“
Die Mannen lachten laute, sie spotteten mit Sinn,
dass Hagen nun der Rufer ward, in diesem Hochzeitssinn.
Da nahte nun der Nachen, mit Günther und der Braut,
die Mannen schrien „Willkommen!“, ein Gruß, der weithin laut.
Die Braut trat aus dem Kahne, sie sah so bleich und schwer,
da traf sie Siegfrieds Antlitz, sie schaute wie in ein Meer.
Da sah sie an der Hand ihm, den Ring, der golden glänzt,
der Ring, den sie einst trug, der ihren Finger kränzt.
„Der Ring!“, so rief sie bebend, „er gehört nicht dir, mein Held,
den hat mir dieser Günther mit Gewalt nun wohl entstellt!“
Siegfried sah verwundert auf den Ring an seiner Hand,
und in der Menge Hagen lauerte schon am Rand.
Brunhilde stieß den Schrei aus, das Herz ihr fast zerbrach,
„Verrat!“, rief sie den Mannen, „der Raub geschah in Schmach!
Der Ring an seiner Hand, den hat er mir entrissen,
Siegfried, der tück’sche Dieb, er muss es wohl wohl wissen!“
Siegfried sprach wohl ruhig: „Den Ring, den hab’ ich mir,
als ich den Wurm erschlug, errungen wohl an dir.“
Doch Hagen trat dazwischen, er schürte Zorn und Neid,
„Wenn er ihn durch den Trug gewann, so büß’ er nun das Leid!“
Brunhilde rief den Göttern, sie rief nach Rache wohl,
„Zündet mir den Zorn an, das Maß ist nun so voll!
Er hat mich schwer geschändet, er hat das Wort gebrochen,
sein Trug muss unter Schmerzen nun bitterlich gerochen!“
Siegfried schwur beim Speere: „Ich brach den Eid mir nie!
Notung, mein treues Schwert, es schied uns – wusstest du nie?
Kein Weib war mir zur Seite, ich blieb dem Bruder treu,
Brunhilde, glaub’ den Worten, sie sind von Lügen frei!“
Doch sie verneinte grimmig: „Du lügst den Eid dir her!
Ich kenne deine Scheide, sie war mir allzu schwer!
Das Schwert lag an der Wand wohl, als du mich hast gefreit,
dein Schwur ist ein Meineid, das weiß ich nun seit heut’!“
Die Menge tobte wütend, man wusste nicht, wer log,
Siegfried lud zum Mahle, als ob die Welt ihn trog.
Er zog Gudrune mit sich, in frohem Hochzeitsschein,
Brunhilde blieb zurücke, in Schmerz und Qual allein.
Hagen trat zu ihr nun, er bot der Rache Hand,
„Ich räche dich an Siegfried, ich löse dieses Band!“
Sie lachte bitter auf: „Sein Blick, er macht dich bang,
gegen den stärksten Helden ist dein Speer doch viel zu lang.“
Doch Hagen bohrte weiter: „Gibt es denn keine List?
Wie ich den Recken fälle, wenn er am sichersten ist?“
Brunhilde gab das Opfer: „Sein Rücken ist nicht wehrhaft,
ich kannte seine Stärke, ich gab ihm Zauber – unerhaft!“
„Ich wusste keine Stelle, die er nicht schirmen kann,
denn seine Fersen, seine Brust, sie sind im Bann –
doch einen Punkt, den ließ ich aus, bei meinem Zauber-Spiel:
Den Rücken schützt er niemals – dort trifft des Speeres Ziel!“
„Ist keine Wehr ihm schädlich?“, so frug der Hagen wild,
Brunhild’ gab ihm Antwort, ein Bild von Gram erfüllt:
„Im Kampfe nicht, er weicht nie, kein Feind sah seinen Rücken,
dort ließ ich aus den Segen, um ihn beim Tod zu schmücken.“
„Dort trifft ihn nun mein Speer!“, sprach Hagen, kalt vor Gier,
er wandte sich zu Günther, „Die Schmach bleibt nur bei dir!“
Der Gibichunge klagte, in tiefer Scham versunken,
sein Stolz, er war gebrochen, sein Mut in Not ertrunken.
„Siegfrieds Tod!“, rief Hagen, „nur der sühnt deine Not!“
„Doch er ist mein Blutsbruder“, sprach Günther, bleich und tot.
„Des Bundes Bruch sühnt Blut nur“, beharrte Hagen fest,
bis Günther, krank vor Sorge, den Helden fallen lässt.
Brunhilde rief den Rachegott, sie rief den Wotan an,
dass Siegfrieds falscher Treue Eid nun endlich büßen kann.
„Er falle!“, schrie das Trio, in wildem, finst’rem Schein,
die Sühne für die Schande, sie sollte blutig sein.
Die Warnung der Rheintöchter
Am Rheine, wo das Wasser in tiefen Strudeln schäumt,
ein Waldtal, wo die Sonne den Grund kaum noch erträumt,
da sangen drei Gestalten, im hellen Flutenspiel,
sie klagten um das Rheingold, das war ihr höchstes Ziel.
„Rheingold, klares Gold, wie hell du einstens strahltest,
bevor du an den Nibelung als Beute wohl bezahltest!“
Sie riefen nach dem Helden, der ihnen bringt das Licht,
da scholl vom Berg das Horn wohl, Siegfried kam in Sicht.
Er suchte wohl das Wildbret, er hatte sich verirrt,
als ihn der Albe Hagen im Walde wohl verwirrt.
Da tauchten auf die Nixen, sie lachten Siegfried zu,
„Siegfried!“, riefen sie alle, „gönnst du uns keine Ruh?“
„Was wollt ihr von dem Recken?“, frug er mit frohem Sinn,
„Ich habe noch kein Wildbret, die Jagd war nicht Gewinn.“
„Gib uns den Ring!“, so baten die Frauen aus der Flut,
„Er bringt dir nur das Unheil, er bringt dir Schmerz und Blut!“
„Ich schlug den Wurm dafür nieder, ich tausche ihn nicht ein“,
sprach Siegfried unerschrocken, „er soll mein Eigen sein.“
„Bist du so karg, du Held?“, riefen sie voller Hohn,
„Denn morgen schon, da wartet auf dich ein andrer Lohn!“
„Ich hab’ kein Gut für euch“, sprach Siegfried kühl und rein,
„mein Weib, sie würde zürnen, ließt ich den Reif nun ein.“
Die Nixen lachten laut, sie schwammen schnell im Kreis,
„Wie schade, dass der Held so geizig ist und so heiß!“
Da sah der Siegfried ein, der Spott, er schmerzte sehr,
„Kommt wieder an den Rand, ich geb’ euch den Ring nun her!“
Doch als sie wiederkamen, da sangen sie voll Leid:
„Behalt’ ihn, Held, und hüte dich vor deinem Lebensleid!“
„Aus Rheinesgold geschmiedet, ist er verflucht seit eh’,
er bringt den Tod dem Träger, das bringt uns allen Weh’.
Tausch’ ihn uns ein, oh Held, sonst fällst du heute noch,
nur Fluten können tilgen diesen alten Fluch und Joch!“
Siegfried lachte laut: „Ihr Frauen, spart das Wort!
Drohen schreckt mich nimmer, an diesem wilden Ort!“
Er hob ein Stückchen Erde, er warf es hinter sich:
„Mein Leben ist mir wenig, der Ring bleibt nur für mich!“
Die Rheintöchter, sie schwanden, wie Nebel in der Nacht,
sie riefen: „Ein stolz’ Weib wird beerben deine Macht!“
Siegfried sah ihnen nach, er dachte wohl an Gudrun’ sein,
da scholl vom Berg das Horn wohl, in lautem Jägerschein.
Hagen und Günther kamen, die Jagd war nun zu End’,
„Finden wir dich endlich?“, sprach Hagen, der gewandt,
Siegfried lud sie ein, zum kühlen Rheinesstrand,
man holte Speis’ und Tränke, man ruhte in dem Land.
„Wie war die Jagd, du Held?“, so fragte Hagen listig,
„Hast du den Hirsch erlegt?“, das klang so hämisch-fristig.
„Ich beutelos bin nun“, sprach Siegfried mit hellem Wort,
„Nur Wasservögel sangen, an diesem Rheinesort.“
„Sie sagten, dass ich sterbe, noch vor dem nächsten Licht,
doch fürchten tu’ ich nimmer, was aus dem Wasser spricht.“
Siegfried trank nun den Met, den Hagen ihm gereicht,
da fragte dieser leise, als ob die Wahrheit weicht:
„Man sagt, die Sprache der Vögel, du kennst sie wohl genau?
Verstehst du ihre Kunde, wenn sie singen auf der Au’?“
Siegfried sah ihn an, er ahnte wohl den Trug,
während im Schatten Hagen auf den Sieg wohl leise schlug.
„Ich achte nicht der Vögel, seit lang’ verging die Zeit“,
sprach Siegfried wohl zu Günther, mit froher Heiterkeit.
Er sang von Mime, dem Zwerge, der ihn im Wald erzog,
und wie er Fafner erschlug, als er den Hort gewogen.
„Vom Blute des Wurmes brannten die Finger mir so heiß,
da konnt’ ich die Sprache der Vögel, das war mir ein Beweis.
Sie sangen von Helm und Ringe, die Macht der ganzen Welt,
ich nahm den Tarnhelm und Reif, wie mir der Zwerg bestellt.“
„Mime, der Treulose, er wollte mein Leben nun rauben,
doch Notung hat ihn gestreckt, ich brauchte ihm nicht zu glauben.
Das Vöglein sang von Brunhilde, auf hohem Fels in Glut,
ich schritt durch das Feuer, ich weckte das Weib mit Mut.“
Da flogen zwei Raben vorbei, sie kreisten am dunklen Ort,
Hagen rief: „Hörst du das Geraun’, das Rache ruft so fort?“
Siegfried wandte den Rücken, er schaute den Vögeln nach,
da stieß Hagen den Speer ihm in den Rücken, in bitt’rer Schmach!
Günther wollte noch wehren, doch alles war schon zu spät,
Siegfried stürzte zu Boden, sein Leben, es bald vergeht.
„Brunhilde!“, rief er leise, „Heilige Braut, wach auf!“
Er sah sie noch einmal strahlen, dann nahm das Schicksal den Lauf.
Gudrune saß in der Halle, von bösen Träumen gequält,
sie rief nach Siegfried, dem Gatten, den sie so sehr erwählt.
„Ist er am Rheine?“, so dachte sie in der dunklen Nacht,
während im fernen Nebel man Siegfrieds Leich’ heimgebracht.
Die Trauermusik ertönte, der Mond schien auf die Bahn,
man trug den Helden zur Halle, in eisigem Leichentarn.
Die Nebel stiegen vom Rheine, sie deckten die Bühne zu,
und Siegfrieds stolzes Leben, es fand nun die letzte Ruh’.
Man brachte Siegfried heimwärts, den Helden, bleich und kalt,
der Hagen rief die Mannen, mit stolzer Stimm’ im Wald.
„Seht her, ihr Gibichsmannen, die Beute, die wir brachten,
den Siegfried, der das Leben uns allen nun verachteten!“
Gudrun’ kam herbeigeeilt, sie stürzte auf den Mann,
„Verrat!“, so schrie sie gellend, „ein Mörder hat’s getan!“
Günther wies auf Hagen, „Dort klage gegen ihn,
der Eber, der den Edlen verletzte mit dem Sinn.“
Da trat der Hagen vorwärts, er stritt um das Gebot:
„Ich hab’ ihn wohl erschlagen, er büßte für den Tod!
Der Ring, er ist nun mein Recht, ich ford’ ihn für mich ein!“
Doch als er nach der Hand griff, da wollt’ kein Sieg wohl sein.
Brunhilde schritt nun vorwärts, mit festem, ernstem Gang,
sie sprach zu den Erschrock’nen, ihr Wort war schwer und bang:
„Schweigt nun mit eurem Jammer, ich bin’s, die Rache führt,
weil dieser Held, der edelste, durch Falschheit ward verführt!“
Sie ließ den Scheiterhaufen am Rheine hoch errichten,
sie wollte Siegfrieds Ehre mit ihrem Leib verpflichten.
„Er war der Reinste wohl, der mich durch Trug verriet,
sein Schwert schied uns auf ewig, als er das Recht gemied.“
„O Wotan, hör’ mein Klagen!“, sie wandte sich zum Licht,
„Die Schuld der Götter endet, ihr wisst es, seid es nicht!“
Sie nahm den Ring vom Finger, den Fluch, der schwer nun wog,
und warf ihn in die Flammen, die Siegfrieds Leib umzog.
„Fliegt heim, ihr Raben!“, rief sie, „bringt Kunde zu der Burg,
von Brunhildes Felsenfeuer, das nun der Welt besorgt!“
Sie schwang den Feuerbrand, in Walhalls Glanz und Pracht,
das Ende aller Götter, es kam mit dunkler Nacht.
Sie schwang sich auf den Grane, den treuen Freund so sehr,
sie sprengte in die Lohe, hinein ins Flammenmeer.
Das Feuer schlug zum Himmel, der Rhein trat aus dem Lauf,
und löschte nun die Asche, die Flammen stiegen auf.
Die Rheintöchter erschienen, sie holten sich den Ring,
und Hagen, der Verräter, in ihre Fänge ging.
Er sank in tiefste Fluten, der Goldgier wohl zum Hohn,
die Götterwelt verglühte, als Lohn für ihren Thron.
Im Schein des Himmels leuchtet’ nun Walhall, hell und groß,
die Welt, sie war erlöst nun, von Siegfrieds schwerem Los.
Das Feuer fraß die Götter, die alte Zeit verging,
im Licht der ew’gen Liebe, die erst den Frieden bringt.