VON TORSTEN SCHWANKE
FÜR SUSANNE
„SIND EINEM GÄRTNER NICHT ALLE BLUMEN KOSTBAR? GENAUSO IST ES MIT MIR. DU BIST IMMER IN MEINEM HERZEN.“
(JUNGFRAU MARIA)
ROSE
Die Rose: Königin und Charakterkopf
In Deutschlands Gärten, stolz und fein,
will sie die wahre Herrscherin sein.
Die Rose lockt mit Duft und Pracht,
doch hat sie sich den Schutz bedacht:
„Wer mich begehrt“, so spricht der Stiel,
„der achte auf der Dornen Spiel.“
Was die Rose zum Gedeihen braucht
Willst du, dass sie den Sommer grüßt,
und dir den Garten reich versüßt,
dann merke dir die goldnen Regeln,
um ihre Schönheit zu besiegeln:
Der Platz im Licht:
Such ihr ein Beet, das sonnig liegt,
wo sanfter Wind die Zweige wiegt.
Denn steht die Luft zu still und heiß,
zahlt sie mit Mehltau oft den Preis.
Der Boden und der Trank:
Tiefgründig lehmig, nährstoffreich,
so wird ihr Wuchs dem Adeln gleich.
Doch gieße stets nur an den Fuß,
weil Laubbenässung schaden muss!
Der Schnitt im Frühjahr:
Wenn die Forsythie gelb erwacht,
wird an der Rose Schnitt gedacht.
Entferne Totes, schwaches Reis,
damit sie neue Kraft verheißt.
Vielfalt der Formen
Ob Edelrose, groß und schwer,
ob Wildrose am Feldesquer –
die Hagebutte, rot und rund,
macht im Herbst die Vögel gesund.
Von der Kletterrose an der Wand
bis zur Zwergin in des Kübels Rand:
Sie fordert Müh’, doch schenkt sie Glück,
kehrt jedes Jahr mit Duft zurück.
Merksatz:
Schneide stets schräg und über dem Aug’,
damit der Regen gut ablaufen mag!
TULPE
Die Tulpe: Der bunte Frühlingsgruß
Wenn noch der Frost im Boden steckt,
die Tulpe ihre Fühler reckt.
Aus einer Zwiebel, fest und braun,
erwächst ein Wunder, anzuschaun.
Sie ist der Kelch, der Licht einfängt,
und uns den ersten Farbrausch schenkt.
Des Gärtners Plan für die Pracht
Damit das Beet im April flimmert,
hat die Natur ein paar Regeln gezimmert.
Wer die Tulpe verstehen will,
muss ihren Rhythmus kennen still:
Die Zeit der Ruhe:
Im Herbst, wenn Laub von Bäumen fällt,
wird sie tief in die Erd’ gesellt.
Zweimal so tief, wie sie selbst ist,
damit sie Frost und Eis vergisst.
Der Durst nach Kälte:
Sie braucht den Winter, streng und klar,
für Blüten im kommenden Jahr.
Ohne den Frost im tiefen Grund,
bleibt der grüne Trieb ungesund.
Nach der Blüte:
Lass das Laub gelb und trocken werden,
zieh die Kraft zurück in die Erden!
Schneid erst, wenn alles welk und matt,
damit die Zwiebel Nahrung hat.
Von edler Form und wilder Art
Nicht jede Tulpe gleicht der andern,
wenn wir durch deutsche Gärten wandern:
Ein kleiner Rat vom Kenner:
Hast du Wühlmäuse im Gartenquartier,
pflanz die Zwiebel im Körbchen, das rat ich dir!
Sonst schmaust die Maus im Winter still,
was im Frühling eigentlich blühen will.
IRIS
Im Garten, wo der Morgen ruht
und Tau auf stillen Blättern steht,
erhebt sich aus der grünen Flut
die Iris, die im Winde weht.
Drei Blätter neigen sich hinab,
wie Samt, von Adern fein durchzogen;
drei andre streben stolz hinab —
als hätte Kunst sie selbst gebogen.
Ihr Name stammt aus alter Zeit:
Die Iris, Botin bunter Bogen,
war in der griechischen Gelehrtheit
die Brücke zwischen Mensch und Logen.
Drum lehrt die Blume still und klar,
was Gärtner längst verstanden haben:
Wo Licht und Erde freundlich war,
beginnen Farben sich zu laben.
Sie liebt den Boden, locker, mild,
und Sonne auf den freien Beeten;
zu nasse Erde macht sie wild —
drum darf das Wasser nicht sie treten.
Im Frühling treibt das Schwertblatt frisch,
im Mai entfaltet sich die Krone;
dann leuchtet sie im Blumengemisch
als Königin auf grünem Throne.
So merkt, wer durch den Garten geht:
Die Iris zeigt mit stiller Kunde,
dass Schönheit dort am stärksten steht,
wo Maß und Pflege sich verbunden.
HYAZINTHE
Im Garten, wenn der Frühling sacht erwacht,
und mildes Licht durch junge Zweige lacht,
da steigt aus dunkler Erde, still und klein,
die Hyazinthe aus der Zwiebel auf zum Sein.
Aus einer Zwiebel wächst ihr grüner Speer,
darauf die Blüten dicht, wie Stern an Stern so sehr.
In Trauben stehen sie, geordnet, fein und klar,
ein kleines Lehrbuch dessen, was Natur gebar.
Ihr Duft ist stark – er füllt die Morgenluft,
ein süßer, würziger, lebendiger Duft.
Drum lockt sie früh die Bienen in den Gartenraum,
noch ehe Rosen öffnen ihren Traum.
Man pflanzt sie tief im Herbst in kühle Erd,
wo Winterruhe ihre Kraft vermehrt.
Dann, wenn der März die ersten Lieder bringt,
die Hyazinthe aus der dunklen Stille dringt.
So lernt der Gärtner, der die Blumen kennt:
Geduld ist’s, die das schönste Wachstum schenkt.
Denn aus der Zwiebel, unscheinbar und klein,
kann Duft und Farbe eines Frühlings sein. 🌱
KROKUS
Noch liegt der Winter schwer auf Feld und Flur,
doch unter Schnee beginnt des Krokus Spur.
Aus kleiner Knolle, fest in Erd gebannt,
erhebt er früh sein zartes Blütengewand.
Sein Stängel bleibt kurz, doch mutig steht
die Blüte offen über kaltem Beet.
In Weiß und Gelb, in Violett und Blau
begrüßt er still den Morgen mild im Tau.
Der Krokus lehrt den Gärtner Jahr für Jahr:
Dass Mut oft klein beginnt, doch wunderbar.
Denn wer zuerst dem späten Frost vertraut,
ist oft der erste, der den Frühling schaut.
Auch Bienen finden früh an ihm ihr Mahl,
wenn rings noch karg erscheint das weite Tal.
Drum pflanzt man seine Knollen tief im Grunde,
im Herbst, wenn stiller wird die Gartenstunde.
So wächst im März aus dunkler Erde leis
ein Blütenwort von Hoffnung – klar und weiß.
Der Krokus spricht, noch ehe Wälder rauschen:
Wer früh erwacht, kann schon dem Frühling lauschen. 🌱
SCHNEEGLÖCKCHEN
Noch schweigt der Garten, kalt und still,
wenn Winter hält, was er noch will.
Doch durch die Erde, hart und schwer,
dringt leis das Schneeglöckchen sacht hervor.
Ein grüner Halm, so schmal und fein,
trägt eine Glocke, weiß und rein.
Sie neigt sich still zur dunklen Erd,
als ob sie ein Geheimnis hört.
Es blüht, wenn kaum ein Vogel singt,
wenn Frost noch durch die Zweige dringt.
So zeigt die kleine Blume klar:
Der Mut des Frühlings ist schon da.
Aus Zwiebeln wächst es Jahr für Jahr,
vermehrt sich still und wunderbar.
Im Herbst gepflanzt in lockre Ruh,
deckt Winter seinen Keimling zu.
Drum lernt der Gärtner still und sacht
vom Schneeglöckchen in kalter Nacht:
Wer Hoffnung trägt in dunkler Zeit,
dem wächst der Frühling nicht mehr weit.
HIBISKUS
Im warmen Garten, still und licht,
wo Sommer durch die Zweige geht,
erblüht mit zarter Flammenpflicht
der Hibiskus im Blumenbeet.
Sein Kelch ist weit wie offne Hand,
die sanft dem Licht entgegenstrebet;
ein Staubfadenstab aus goldnem Stand
ragt auf, den jede Biene hebet.
Die Blüte währt nur kurze Zeit —
oft nur ein Tag im hellen Leben;
doch zeigt sie uns Vergänglichkeit
und wie Natur sich stets wird erheben.
Der Strauch liebt Sonne, warm und klar,
geschützte Orte, milde Winde;
im lockern Boden wächst er gar
und dankt dem Gärtner treu geschwinde.
Im Sommer schmückt er Hof und Haus
mit weißen, roten, blauen Kronen;
und wählt die summenden Gäste aus,
in seinem Blütenreich zu wohnen.
So lehrt der Hibiskus im Stillen
den alten, weisen Gartenspruch:
Genieße Blüte, Duft und Willen —
denn Schönheit lebt im Augenblick.
NARZISSE
Wenn noch der Winter leise schweigt
und Schnee in fernen Schatten ruht,
erscheint im Beet, das Licht geneigt,
die Narzisse in goldner Glut.
Aus einer Zwiebel, tief im Grund,
die still im kalten Erdreich schlief,
erwacht im Frühling Blatt und Rund —
ein Wunder, das die Zeit berief.
Sechs Blätter öffnen sternengleich,
im Herzen wächst die goldne Krone;
so steht sie hell im Gartenreich,
als kleine Sonne auf dem Throne.
Doch lehrt ihr Name alte Sage:
Der Jüngling Narziss im Spiegelwasser
verliebte sich in eigne Lage
und wurde Blume still und blasser.
Drum sagt die Narzisse mit Bedacht:
Bewundre Schönheit dieser Erde —
doch halte Herz und Sinn in Acht,
dass Stolz nicht deine Wurzel werde.
Sie liebt den Boden frisch und klar,
den Frühling mit dem milden Regen;
und kehrt sie einmal jedes Jahr,
bringt sie dem Garten neuen Segen.
So merkt der Gärtner still im Gehen:
Die Narzisse ruft aus goldnem Mund —
Wer lernen will, die Welt zu sehen,
der achte auf den kleinen Grund.
PHLOX
Im Sommer, wenn der Garten warm
im Licht der langen Tage steht,
erhebt sich bunt und blütenarm
der Phlox im duftenden Beet.
In dichten Dolden, sternengleich,
entfalten sich die kleinen Kronen;
sie schmücken still das Gartenreich
wie Lichter, die im Grünen wohnen.
Sein Name stammt aus alter Zunge,
vom griechischen Worte Flamme her;
denn leuchtend hell, in rotem Prunke,
erscheint sein Blütenmeer.
Er liebt die Sonne, mild und klar,
doch auch den Boden frisch und reich;
wo Pflege, Wasser, Luft ihm war,
gedeiht er hoch und farbenreich.
Die Biene kommt, der Falter ruht
auf seinen süßen Blütensternen;
und Duft durchzieht die Abendglut
in stillen, sommerlichen Gärten.
So lehrt der Phlox im Blütenchor
den Gärtner eine einfache Kunde:
Geduld und Pflege, Licht zuvor —
dann wächst die Schönheit aus dem Grunde.
KORNBLUME
Die Kornblume: Das Azur des Ackers
Wo Weizen sich im Winde biegt,
und schwer das Haupt der Ähre liegt,
da leuchtet tief, in reinem Blaun,
die Blume, die wir alle schau’n.
Einst als Unkraut hart verbannt,
ist sie heut’ der Stolz im Land.
Licht und Luft:
Sie braucht die Sonne, hell und frei,
kein Schattenbaum sei ihr dabei.
Auf magrem Boden, sandig, leicht,
sie ihre schönste Höhe reicht.
Die Aussaat:
Im März oder April geschwind,
streust du die Saat in Boden und Wind.
Nur wenig Erde deckt sie zu,
dann wächst sie auf in aller Ruh’.
Keine Mast:
Düngst du das Feld zu stark und fett,
wird sie im Wuchse träg und nett,
doch blaue Kraft und stolzer Stand,
entsteh’n aus Hunger in dem Sand.
Merke dir den Sommerklang:
Wo Kornblume und Mohn sich paaren,
lässt die Natur ihr Herz erfahren.
Pflückst du den Strauß, so sei bedacht:
In der Vase vergeht sehr schnell die Pracht.
SONNENBLUME
Die Sonnenblume: Der Riese im Goldgewand
Ein Samen, klein und grau gestreift,
nach Licht und Wärme gierig greift.
Binnen Wochen schießt sie hoch,
überwindet jedes Joch.
Ihr Antlitz, groß wie ein Gesicht,
folgt treu dem Lauf vom Morgenlicht.
Hunger und Durst:
Sie liebt den Dünger, reich und schwer,
und trinkt das Wasser wie ein Meer.
Wo Kompost liegt und Jauche fließt,
sie ihre volle Pracht genießt.
Heliotropismus (Das Sonnenwenden):
Solang der Stängel jung und biegsam ist,
sie keine Sonnenstunde je vergisst.
Vom Osten wandert sie nach West,
bis sie der Abend ruhen lässt.
Stütze im Sturm:
Wächst sie weit über Manneshöh',
tut ihr ein starker Pfahl nicht weh.
Sonst knickt der Wind das schwere Haupt,
und uns wird die Schau geraubt.
Ein Tipp für den Gärtner:
Willst du Kerne selbst probieren,
musst du sie vor Vögeln beschirmen!
Ein Netz aus Gaze, fein und licht,
schützt die Ernte, sonst bleibt nichts.
MARGERITE
Die Margerite: Das Orakel der Wiese
Ein gelbes Herz, ein weißer Kranz,
im Winde hält sie ihren Tanz.
Nicht edel wie die Rose Pracht,
doch hat sie uns ins Herz gelacht.
Auf Wiesen, Rainen, am Balkon,
ist sie des Sommers schönster Lohn.
Sonne und Mäßigung:
Sie liebt das Licht, doch nicht die Glut,
ein bisschen Feuchte tut ihr gut.
Staunässe aber meidet sie,
sonst blüht die weiße Schöne nie.
Die Teilung der Kraft:
Wird ihr Horst zu alt und dicht,
verliert sie Kraft und Blütenlicht.
Alle drei Jahr’ nimm den Spaten zur Hand,
teil die Wurzeln und schenk ihr Neuland!
Der Schnitt nach der Zier:
Ist die erste Blüte dann vorbei,
schneid sie zurück, mach sie wieder frei!
Oft dankt sie es mit neuem Flor,
und schiebt im Herbst ein Köpfchen vor.
Der Rat des Weisen:
Willst du den Strauß für die Liebste binden,
lass die Wurzeln im Boden verschwinden!
Pflück mit Bedacht und lass was steh'n,
damit auch die Bienen zum Speisen geh'n.
KLATSCHMOHN
Der Klatschmohn: Die Flamme im Korn
Wie Seidenpapier, so zart und fein,
fängt er den hellen Sonnenschein.
Ein roter Tupfer, frech und wild,
der jedes graue Feld erfüllt.
Doch rühr ihn an, so merkst du bald:
Die Schönheit hat hier keinen Halt.
Die Kraft der Störung:
Er liebt den Boden, frisch gewühlt,
wo er die Freiheit um sich fühlt.
Ein Feldrain, frisch vom Pflug berührt,
ist der Ort, der ihn verführt.
Kein Freund der Vase:
Pflückst du den Mohn für dein Zuhaus,
sieht er nach Stunden traurig aus.
Er will im Wind, im Freien steh'n,
statt in der Vase einzugeh'n.
Tausende Kinder:
Ist die Blüte erst verblüht,
die Kapsel bald im Winde glüht.
Wie ein Streuer, fein und rund,
gibt sie die Samen an den Grund.
Der Merksatz für den Naturfreund:
Der Mohn ist wie ein kurzer Kuss,
den man im Feld genießen muss.
Lass ihn am Stiel, dort strahlt er weit,
als Zeichen für die Sommerzeit.
LILIE
Die Lilie: Zepter der Natur
Auf rechtem Stiel, so stramm und hoch,
trägt sie ihr prunkvoll’ Blütenjoch.
Ihr Kelch, geformt wie ein Pokal,
ist in der Flora erste Wahl.
Mit Puder schwer, mit Duft so süß,
macht sie den Garten zum Verheiß.
Kühler Fuß und heißer Kopf:
Dies ist der Lilie liebstes Los:
Die Wurzeln schattig, kühl im Moos,
doch oben, wo die Blüte lacht,
wird volle Sonne dargebracht.
Der Wasserlauf im Grund:
Sie liebt den Schluck, doch hasst das Bad,
Staunässe ist ihr Todespfad.
Viel Sand und Kies im Pflanzloch drin,
ergibt für jede Zwiebel Sinn.
Der Schutz vor dem Käfer:
Ein roter Gast, man nennt ihn „Hähnchen“,
frisst gern an ihrem Blätter-Fähnchen.
Wer seine Lilie wirklich liebt,
ihn rechtzeitig vom Laube schiebt.
Ein Warnwort für den Katzenfreund:
So schön die Lilie auch mag sein,
für Katzen ist sie pures Pein.
Schon wenig Pollen, zart und gelb,
bringt Gift ins Tier, das man so hält.
LAVENDEL
Der Lavendel: Blaues Wunder aus dem Licht
Ein Hauch von Meer, ein Duft von Ferne,
den hat der Gärtner gar zu gerne.
In silbrig-grauem Blätterkleid,
steht er bereit für Sommerzeit.
Sein Blau ist tief, sein Geist ist rein,
er fängt die Glut der Sonne ein.
Das karge Mahl:
Gib ihm Kalk und magren Sand,
wie in seiner Heimat Land.
Wo fette Erde ihn bedränget,
er oft sein Leben vorzeitig beendet.
Die Sonnen-Kur:
Er braucht den Platz, der mittags glüht,
damit sein Öl im Stocke blüht.
Im Schatten wird er grau und leer,
und duftet kaum noch, ach wie sehr!
Der Schnitt zur rechten Zeit:
Zweimal im Jahr die Schere schwing!
Das ist beim Lavendel das wichtigste Ding:
Nach der Blüte ein kurzer Stutz,
im Frühjahr tief – das ist sein Schutz
vor dem Verholzen, kahl und alt,
so bleibt er kompakt in der Gestalt.
Die goldene Schnitt-Regel:
Schneide nie ins alte Holz hinein,
dort will der Austrieb nicht mehr sein!
Bleib im Grünen, zart und frisch,
dann bleibt er rund wie ein kleiner Tisch.
RINGELBLUME
Die Ringelblume: Die goldene Heilerin
Ein Sonnenrad im kleinen Format,
das keine Scheu vor Lehm noch Spaten hat.
In Gelb und Orange, so kräftig und rein,
lädt sie die Käfer zum Tanze ein.
Sie schließt ihre Blüten, wenn Regen droht,
und rettet den Gärtner aus mancher Not.
Sonne und Selbstaussaat:
Sie liebt das Licht, das ist gewiss,
doch braucht sie keinen Luxusbiss.
Einmal gesät, kommt sie immerzu,
sie findet ihren Platz in aller Ruh’.
Der Boden-Doktor:
Ihre Wurzeln, tief und fein,
lassen den Boden gesünder sein.
Wo Nematoden den Grund bedrängen,
wird die Ringelblume sie verdrängen.
Blühen ohne Ende:
Willst du die Pracht bis zum ersten Frost,
dann gib ihr keine lange Rast!
Pflückst du die Welken regelmäßig ab,
hält sie den ganzen Sommer auf Trab.
Ein alter Bauernrat:
Sind die Blüten morgens um acht noch zu,
dann kommt der Regen in aller Ruh'.
Stehen sie offen und strahlen weit,
verheißt es uns eine trockene Zeit.
RITTERSPORN
Der Rittersporn: Die blaue Lanze
Wie ein Turm, der Wolken grüßt,
er uns den Hochsommer versüßt.
In tiefstem Blau, in Türkis und Nacht,
hat er sein Blütenheer entfacht.
Ein Sporn am Rücken, keck und fein,
lädt Hummeln zum Verweilen ein.
Hunger nach Kraft:
Er ist ein „Starkzehrer“, merke dir das!
Gib ihm Kompost und Dünger ins Gras.
Viel Nahrung im Frühjahr, viel Wasser im Mai,
dann ist er bei der Pracht ganz vorne dabei.
Der Halt im Wind:
Ein Sturm, ein Guss, ein kurzer Schauer,
raubt ihm oft die Standesdauer.
Bind ihn rechtzeitig an einen Stab,
bevor er knickt und sinkt hinab!
Der doppelte Segen:
Schneid ihn nach der ersten Blüte tief,
bevor er geht in den Samen-Schief.
Düng ihn erneut, dann treibt er aus,
und schickt im Herbst den zweiten Strauß.
Der Gärtner-Geheimtipp:
Pflanz ihn hinter die Margeriten,
so lässt sich der Anblick herrlich bieten.
Das Weiß von unten, das Blau von oben,
wird jeder Gast in deinem Garten loben!
VERGISSMEINNICHT
Das Vergissmeinnicht: Ein Stückchen Himmel auf Erden
Ein Teppich, gewebt aus Wolkenblau,
benetzt vom frühen Morgentau.
In kleinen Sternen, dicht an dicht,
verliert es seine Unschuld nicht.
Ein gelbes Auge in der Mitt',
begleitet uns auf Schritt und Tritt.
Licht und Schatten:
Es liebt den Platz im Halbschatten sehr,
unter Bäumen, am Rande, dort mag es es mehr.
Im prallen Sonnenbrand, trocken und heiß,
zahlt es mit Welken den bitteren Preis.
Die Wanderlust:
Es bleibt nicht gern an einem Fleck,
es sät sich aus, mal hier, mal weg.
Lass es gewähren, zieh es nicht aus,
so wandert das Blau durch das ganze Haus!
Die Feuchte im Grund:
Ein Boden, der atmet und Feuchte bewahrt,
ist für das Blümchen die richtige Art.
Wo Erde verkrustet und rissig und leer,
fällt ihm das Blühen am Ende zu schwer.
Der Rat für das nächste Jahr:
Wenn die Blüte verblasst und die Pflanze wird grau,
dann schimpf nicht darüber, sei gärtnerschlau!
Schüttle die Samen ins Beet hinein,
dann wird es im nächsten Jahr wieder blau sein.
VEILCHEN
Das Veilchen: Die bescheidene Duftkönigin
Im Unterholz, ganz nah am Grund,
tut es uns den Frühling kund.
Ein tiefes Lila, samtig weich,
macht es den kargen Waldboden reich.
Man sieht es kaum im hohen Gras,
doch riecht man wohl, was Gott dort maß.
Der Schutz der Bäume:
Es liebt den Schatten, kühl und mild,
wo Laub den harten Frost auch stillt.
Am Fuße von Hecken, im Halbschatten-Glück,
kehrt es verlässlich jedes Jahr zurück.
Humus ist das Zauberwort:
Ein Boden, der nach Wald noch riecht,
wo es durch lockre Erde kriecht.
Viel Laubkompost und wenig Not,
sind für das Veilchen täglich Brot.
Die Ausdauer:
Es bildet Ausläufer, wandert im Stillen,
ganz nach seinem eignen Willen.
Bald hast du Teppiche, violett und fein,
so kehrt der Frühling im Garten ein.
Ein kleiner Küchentipp:
Pflücke die Blüten am Morgen an geschmiegt,
wenn der Tau noch darauf liegt,
weil dort der Duft am stärksten sich wiegt.
Im Salat oder Eis sind sie essbare Zier,
ein Stückchen Natur direkt bei dir.
MAIGLÖCKCHEN
Das Maiglöckchen: Weiße Glocken im Maienwald
Wenn Maienwind durch Buchen weht,
das Glöckchen auf der Lichtung steht.
An einer Reihe, weiß und rund,
neigt es sein Haupt zum kühlen Grund.
Ein Duft, so süß, so unverwandt,
zieht wie ein Zauber durch das Land.
Das Schattendach:
Es hasst die Sonne, grell und bleich,
und liebt den Schatten, kühl und reich.
Pflanz es unter Gehölze, wo Licht nur flirrt,
damit sein Laub nicht trocken wird.
Die Freiheit der Wurzel:
Mit kräftigen Wurzeln, die kriechend sich breiten,
will es durch lockeren Humus gleiten.
Gib ihm Platz, lass es wandern nach Lust,
so treibt es im Garten den Maienblust.
Die Geduld des Gärtners:
Im ersten Jahr wirkt es oft klein und sacht,
doch hat es erst einmal Wurzeln gemacht,
dann füllt es die Flächen mit grünem Blatt,
bis man einen Teppich aus Glocken hat.
Ein wichtiger Merksatz:
Der Bärlauch riecht nach Knoblauch stark,
das Maiglöckchen bleibt duftend karg.
Wer Blätter sammelt für den Schmaus,
schau ganz genau hin – oder lass es aus!
STIEFMÜTTERCHEN
Das Stiefmütterchen: Das Gesicht im bunten Beet
Ob Samt in Schwarz, ob Gelb, ob Blau,
es trotzt dem Frost und kühlem Tau.
Ein Auge blickt aus jeder Blüt’,
das uns das Herz im Lenz erglüht.
Es ist der Farbtupf, klein und fein,
der erste Gast im Sonnenschein.
Sonne und Halbschatten:
Es liebt das Licht, doch nicht die Glut,
ein wenig Kühle tut ihm gut.
Im Frühjahr lacht es in die Welt,
bis Sommerhitze es entstellt.
Durst und Hunger:
Es trinkt recht gern, doch mäßig bloß,
Staunässe ist sein Todeslos.
Ein wenig Dünger in die Erden,
lässt seine Farben leuchtend werden.
Die Pflege der Blüte:
Willst du, dass es nicht müde wird,
und neue Knospen stets gebiert?
Dann zwick das Welke regelmäßig ab,
das hält den Blütenwuchs auf Trab!
Ein kleiner Gärtnertrick:
Wenn im Sommer die Triebe zu lang und zu leer,
dann schneid sie mutig um die Hälfte daher!
Mit frischem Wasser und neuem Mut,
treibt es im Herbst noch einmal gut.
PFINGSTROSE
Die Pfingstrose: Der Traum aus Samt und Seide
Wenn Maienmond zum Ende geht,
die Pfingstrose in Flammen steht.
Aus Knospen, klebrig, rund und prall,
erwächst ein bunter Blütenball.
Wie schwerer Samt, wie Seidenstoffen,
ist sie des Gärtners Stolz und Hoffen.
Die goldene Regel: Nicht zu tief!
Dies ist der Fehler, den man oft begeht:
Dass man die Wurzel zu tief in die Erde legt.
Die „Augen“ dürfen nur zwei Finger breit
unter der Erde ruhn für alle Zeit.
Setzt du sie tiefer, bleibt sie grün und stumm,
und bringt dich um den Blütenruhm.
Geduld und Beständigkeit:
Sie hasst den Umzug, liebt den Platz,
an dem sie wachsen kann als Schatz.
Lass sie in Frieden viele Jahr’,
dann blüht sie prächtig, wunderbar.
Sonne und guter Fraß:
Sie braucht das Licht, sie braucht den Saft,
aus gutem Boden zieht sie Kraft.
Ein bisschen Kalk, ein bisschen Mist,
damit sie Hunger schnell vergisst.
Ein Trick für schwere Köpfe:
Die Blüte ist oft so gefüllt und schwer,
dass sie sich neigt zum Boden her.
Gib ihr ein Gerüst, bevor sie blüht,
damit ihr Haupt im Lichte glüht,
und nicht im Matsch des Regens liegt,
wenn sich der Sommersturm biegt.
ASTER
Die Aster: Das Sternenlicht des Herbstes
Wenn Sommerglanz dem Nebel weicht,
und kühler Wind die Halme streicht,
dann blüht ein Stern im Gartenbeet,
der stolz dem Frost entgegensteht.
In Violett, in Pink und Weiß,
dreht sie des Jahres letzten Kreis.
Die Gier nach Licht:
Sie braucht die Sonne, hell und klar,
für ihre Blüten, wunderbar.
Im Schatten wird sie staksig, leer,
und blüht am Ende gar nicht mehr.
Die Sache mit dem Mehltau:
Manch Aster wird im Laube grau,
geplagt vom weißen Mehltau-Tau.
Such Sorten aus, die resistent,
und gieß sie nur, wenn’s Wasser brennt –
doch stets am Fuß, nicht übers Blatt,
damit der Pilz kein Spielchen hat.
Teilung bringt Verjüngung:
Wird sie nach Jahren in der Mitt’
ganz kahl und macht nicht mehr so mit?
Dann teil den Horst im Frühjahr aus,
und pflanz sie neu am Gartenhaus.
Der „Chelsea Chop“ (Ein Gärtnerkniff):
Kürz im Juni die Triebe um ein Drittel ein,
dann wird sie kompakter und standfester sein!
Die Blüte verschiebt sich ein kleines Stück,
doch du hast mehr Stand und noch mehr Glück.
DAHLIE
Die Dahlie: Das Feuerwerk des Spätsommers
Ein Feuerwerk, das niemals knallt,
doch durch den Garten weithin schallt.
Von Pompon-Rund bis Kaktus-Spitz,
in jedem Beet ein Farbenblitz.
Sie ist die Pracht, die niemals ruht,
und uns den Herbst versüßen tut.
Die Angst vor dem Frost:
Sie kommt aus warmer Erden Schoß,
macht Frost sie augenblicklich los.
Erst wenn die Eisheiligen vorbei,
darf sie ins Beet, ganz sorgenfrei.
Hunger wie ein Riese:
Willst du Blüten, groß und schwer?
Dann muss viel Futter für sie her!
Kompost und Hornspäne im Mai,
und Wasser stets sei mit dabei!
Das Winterlager:
Wenn erster Reif das Laub geschwärzt,
der Gärtner nicht mehr länger scherzt.
Grab aus die Knollen, trocken, rein,
im Keller soll’n sie Schläfer sein.
Der Goldene Schnitt:
Je mehr du schneidest für den Strauß,
desto mehr Blüten treibt sie aus!
Sei nicht zu geizig mit der Schere,
damit die Pracht noch größer wäre.
FREESIE
Die Freesie: Das Parfüm der Frühlingsluft
Ein Duft, so rein wie Morgentau,
erfüllt den Raum und jede Au.
An einer Ähre, sanft gebogen,
kommt ihre Pracht herbeigezogen.
In Gelb, in Weiß, in zartem Rot,
sie bietet jedem Trübsinn Brot.
Das milde Licht:
Sie liebt die Sonne, hell und klar,
doch Hitze findet sie Gefahr.
Ein Plätzchen, warm und windgeschützt,
ist das, was ihrer Blüte nützt.
Die Zwiebelpflege:
Im Frühjahr tief in lockre Erd’,
ist sie des Gärtners Mühe wert.
Doch achte drauf: Sie ist nicht hart!
Bei Frost verliert sie ihre Art.
Im Winter muss sie frostfrei ruhn,
wie’s auch die Dahlienknollen tun.
Der Durst nach Maß:
Halt sie feucht, doch niemals nass,
sonst hat die Fäulnis ihren Spaß.
Sobald das Blattwerk welk und braun,
kannst du auf die Ruhezeit vertraun.
Ein Tipp für den Duftgenuss:
Stell sie nicht in die pralle Sonn’ auf dem Tisch,
so bleibt ihr Duft viel länger frisch!
Und schneide den Stiel stets schräg an der Basis,
das ist für die Wasseraufnahme die Basis.
FUCHSIE
Die Fuchsie: Die Tänzerin im Schattenreich
Wenn andere in der Hitze glüh'n,
sieht man die Fuchsie herrlich blüh'n.
Wie Elfen, die im Reigen steh'n,
sind ihre Kelche anzuseh'n.
In Purpur, Rosa, Weiß und Blau,
tanzt sie im kühlen Morgentau.
Das Reich des Schattens:
Such ihr ein Plätzchen, kühl und fein,
wo nur das Morgenlicht mag sein.
Im heißen Mittag, grell und stramm,
verliert sie ihren Blütenschwamm.
Der Durst nach Beständigkeit:
Sie liebt das Wasser, Schluck um Schluck,
doch hasst sie der Staunässe Druck.
Besprühe sie mit feinem Geist,
wenn Abendluft durch Gärten reist.
Das Winterquartier:
Sobald der erste Frost sich zeigt,
die Fuchsie sich zum Schlafen neigt.
Im kühlen Keller, dunkel, leer,
erwartet sie das nächste Jahr so sehr.
Der Gärtnerkniff für volle Pracht:
Damit sie viele Knospen macht,
wird das „Entspitzen“ gern vollbracht.
Kneif junge Triebe oben ab,
das hält die Verzweigung auf Trab!
SCHMETTERLINGSFLIEDER
Der Schmetterlingsflieder: Die Sommeroase
Wo lila Rispen schwerer prangen,
sich Schmetterlinge gerne fangen.
Vom Admiral bis zum Pfauenauge bunt,
hier laben sie sich Stund’ um Stund’.
Ein Strauch, der fast von selbst gedeiht,
und uns den Hochsommertraum verleiht.
Die Gier nach Sonne:
Er braucht die Wärme, braucht das Licht,
im Schatten blüht die Rispe nicht.
Auf magrem Boden, kiesig, trocken,
lockt er die Falter an in Flocken.
Der rücksichtslose Schnitt:
Hier gilt die Regel, kühn und frei:
Schneid ihn im späten Februar ganz entzwei!
Bis auf die Stümpfe, kurz und klein,
so wird der Austrieb kräftig sein.
Denn Blüten trägt er, merk dir das,
nur am neuen Holz, im Sommergras.
Keine Angst vor Trockenheit:
Ist er erst einmal fest verwurzelt,
die Hitze an ihm niederpurzelt.
Ein Schluck aus der Kanne tut zwar gut,
doch er erträgt der Sonne Glut.
Der Tipp für Naturfreunde:
Willst du den Faltern Gutes tun,
lass die Schere im Sommer nicht ruh’n!
Schneid welkte Rispen ständig weg,
neue Knospen sind der Zweck.
So reicht der Nektar, reich und süß,
bis in den späten Herbst-Genuss.
MARIENGRAS
Das Mariengras: Der Duft der heiligen Wiese
Kein Prunk, kein Kelch, kein buntes Kleid,
es trägt ein schlichtes Sommerkleid.
Doch weht der Wind durchs grüne Haar,
wird ein Geheimnis offenbar:
Ein Duft nach Cumarin und Heu,
erfreut das Herz uns stets aufs Neu’.
Der feuchte Fuß:
Es liebt den Boden, weich und nass,
viel mehr als jedes andre Gras.
Am Teichrand oder im feuchten Beet,
es dort am allerliebsten steht.
Die Sonne im Maß:
Ein heller Platz, doch nicht zu heiß,
ist für das Gras der rechte Preis.
Im Halbschatten, wo die Erde kühlt,
es sich am wohlsten bei uns fühlt.
Die Kraft der Wurzel:
Es bildet Ausläufer, wandert sacht,
bis es den Teppich grün gemacht.
Man kann es teilen, groß und klein,
so wird es bald im ganzen Garten sein.
Ein kleiner Duft-Geheimtipp:
Ernte die Halme im Hochsommerlicht,
doch schneide sie ganz vorsichtig, brich sie nicht!
Zum Zopf geflochten und sanft getrocknet,
hast du ein Parfum, das dein Heim bereichert.
FRAUENMANTEL
Der Frauenmantel: Der Kelch der Alchemisten
Ein Blatt, geformt wie ein weiter Rock,
so sitzt er fest am grünen Stock.
Am Rand gezackt, mit Flaum besetzt,
wird er von jedem Tau benetzt.
In seiner Mitt’ ein Glanz erscheint,
wo sich das Licht mit Wasser eint.
Das Spiel mit dem Licht:
Ob Sonne pur, ob Halbschatten-Ruh’,
er schaut dem Treiben friedlich zu.
Nur allzu trocken mag er’s nicht,
da sonst sein grünes Herz zerbricht.
Die Perle des Morgens:
Er besitzt die Gabe, das Wasser zu fangen,
an seinen Blättern die Tropfen prangen.
„Guttation“ nennt man diesen Schein,
als würd’ die Pflanze aus sich selbst heraus rein.
Der Schnitt für die Frische:
Wird er nach der Blüte braun und schwer,
dann nimm die Schere und schneid ihn her!
Bis kurz vors Erdreich, hab keine Scheu,
er treibt sogleich wieder grün und neu.
Der Gestaltungs-Tipp:
Pflanz ihn an den Rand der Wege,
er braucht nur sehr geringe Pflege.
Er legt sich weich aufs Pflasterstein,
und rahmt die bunten Beete ein.
VENUSPANTOFFEL
Die Venuspantoffel: Der Schuh der Göttin
Im tiefen Forst, wo Schatten weilt,
die Schönheit sich den Boden teilt.
Ein gelber Bauch, gewölbt und rund,
ruht über dem verborgnen Grund.
Wer diesen Schuh im Walde sieht,
weiß, dass ein Wunder dort geschieht.
Das kalkige Fundament:
Sie liebt den Kalk im tiefen Grund,
nur dort bleibt ihre Wurzel gesund.
Ein Boden, locker, humusreich,
macht ihr das Dasein sanft und weich.
Das Licht des Waldes:
Nicht pralle Sonn’, nicht tiefe Nacht,
hat sie zu dieser Pracht gebracht.
Ein lichter Schatten, kühl und mild,
ist ihres Lebens wahres Bild.
Die Treue zum Pilz:
Im Boden lebt ein kleiner Freund,
mit dem sie sich im Stillen vereint.
Ein Pilz hilft ihr beim Keimen sehr,
ohne ihn gäb’ es sie nicht mehr.
Ein Rat für den Gartenfreund:
Willst du sie bei dir zu Hause seh’n,
musst du zum Fachmann-Züchter geh’n!
Nur Labor-Aufzucht ist erlaubt,
wer sie im Wald stiehlt, wird beraubt
der Natur ihrer schönsten Zier,
und Glück bringt nie solch ein Raubbau dir.
SALOMOSIEGEL FÜR DIE GÖTTLICHE SOPHIA
Das Salomosiegel: Der Stab der Weisheit
An sanft gebognem Stängel hält,
was Sophia wohl so sehr gefällt.
Wie kleine Glocken, weiß und rein,
lädt es zum stillen Denken ein.
Ein Siegel auf der Wurzel Grund,
macht alte Zauberkräfte kund.
Das Licht der Erkenntnis:
Es meidet das grelle Licht der Welt,
und hat sich den Halbschatten auserwählt.
Unter Bäumen, wo das Wissen ruht,
gedeiht es prächtig, still und gut.
Die Tiefe der Erde:
Ein Boden, feucht und waldig-mild,
ist seines Lebens wahres Bild.
Mit jedem Jahr der Wurzelstock
sich tiefer gräbt im Erdenblock.
Das Siegel im Verborgenen:
Gräbt man die Wurzel sachte aus,
sieht man ein Siegel, wie im Haus
des Königs Salomo, so rund –
ein Zeichen für den Lebensbund.
Ein Wort der Achtsamkeit:
So weise diese Pflanze scheint,
sie Gift in ihren Beeren vereint.
Die blauen Früchte, schön und klar,
sind für den Mund Gefahr.
Bewundre sie mit Geist und Sinn,
doch gib dich nicht dem Naschen hin.