DIE GÖTTLICHE WEISHEIT UND DIE KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

VON TORSTEN SCHWANKE



ERSTER GESANG


Knapp nur sei nun der Weg in den folgenden Versen gezeichnet,

wie der Kirche Sozialdoktrin im jüngsten Lehramt,

auch durch das große Konzil von Vatikanum, Gestalt fand.

Dynamisch wallet ihr Geist und entfaltet sich stetig im Wandel.

Denn die Res novae fordern in jeglicher Epoche der Erde,

dass diese Lehre im Lichte der göttlich geoffenbarten

Wahrheit sich mutig den brennenden Fragen der Geschichte stellt.

Darum ist auch die Künstliche Intelligenz nicht ein Anhang,

kein bloß technischer Notfall, den rasch man im Vorbeigehn bewältigt,

sondern ein tiefes Ereignis, das gänzlich die alten Begriffe

unserer Lehre erprobt und – getreu dem lebendigen Worte –

nach einer Weiterentwicklung verlangt und Erneuerung fordert.


Doch dieser Pfad bliebe dunkel und schwerlich für alle begreiflich,

wenn wir nicht vorab die tiefen Überzeugungen klärten,

wie sich die Kirche im Strome der Zeiten bewegt und zur Welt steht,

eh wir das Wirken der Päpste und Schriften im Einzelnen preisen.

Fehlte dies Fundament, so liefe die Lehre Gefahr, uns

bloß als unzulässiger Eingriff in weltliche Dinge zu scheinen

oder als fremdes Gesetz, das von oben herab uns bedrücket.

Nein, sie entspringt einer Kirche, die mitsamt den Völkern der Erde

wandert; sie achtet der irdischen Wirklichkeiten Autonomie,

trennt das kirchliche Amt vom politischen Kreise der Staaten,

weil sie im Tiefsten begehrt, nur dem Wohl aller Menschen zu dienen.


Zeichen der Einheit zu sein für die gesamte Familie der Menschen,

ist der Kirche gesetzt; und sie sieht in den Nöten der Gegenwart

jenen lebendigen Ort, wo sie hörend im Dialog und im Dienste

alles beachtet und pflegt, was das Leben der Sterblichen rühret.

Diese Verbindung mit Völkern beweist ihr von Tage zu Tage,

dass ihre Sendung von Tragweite ist für die Chronik der Erde.

Mitverantwortung trägt sie, wie Menschen sich sozial begegnen;

niemals kann sie sich fremd vor den prägenden Kräften der Umwelt

wähnen, sie wirket vielmehr in den Prozessen des Wachstums,

baut an der Ordnung und strebt nach Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit.

Franziskus mahnte uns ernsthaft und wies auf die Dimensionen

unserer Pflicht in der Geschichte und sprach mit gewaltigen Worten:

Niemand verlange von uns, dass im Stillen der Kammer verborgen

Glaube und Christentum bleiben, ohn’ Einfluss auf Staaten und Völker,

ohne die Sorge um Wohl und Gedeihen der menschlichen Ordnung,

schweigend bei jedem Ereignis, das Bürger im Innersten angetrennt.


Dieser Ruf, mit der Menschheit zu gehn auf den Wegen der Erde,

heißt uns erkennen, dass weltliche Dinge ihr Eigenrecht wahren.

Ganz präzise beschrieb das Konzil diesen wichtigen Lehrsatz

in der Verfassung, die Gaudium et spes man betitelt,

deren sechzigstes Jahr wir im Winter des Jahres fünfundzwanzig

dankbar begingen: Wenn Autonomie der irdischen Dinge

meint, dass Geschöpfe und Staaten ihr eigenes Recht und die Werte

besitzen, so ist das Begehren nach Freiheit vollkommen berechtigt.

Gott hat der Schöpfung ein Gutsein von Anfang an eingezweifelt;

dieses soll achtsam der Mensch nun bewahren, pflegen und reifen.

Hierbei erweist sich die Kirche als Stütze, die Tiefe zu schauen,

hilft mit demütiger Kraft bei Entscheidungen, welche die Würde,

welche das Wohl und den Bund aller Menschen auf Erden beschützen.

Neben der Welt steht sie so, ohne herrschend sich drüberzulegen,

dass sich die Verheißung von Frieden und Recht nun entfalte,

die uns der Heilige Geist in den Herzen der Menschen erwecket.


Gottesbewusstsein geleitet die Freiheit der Menschen im Zeitlauf.

Darum trennte das große Konzil die kirchliche Bindung

klar vom politischen Staat und erhob die autonome Handlung.

Sichtbar wird so der Kirche Bezug zu den zivilen Gewalten;

respektvoll ehrt sie im Dialog das Profil der Institutionen,

schützt, was das Leben bewahrt und das soziale Gefüge befestigt.

Niemals maßt sie sich an, des Staates Pflichten zu rauben;

gerne schätzt sie den Dienst, den das Recht dem Gemeinwohl erweiset.

Dennoch verbietet ihr Auftrag, sich fern von den Leiden der Menschen,

fern von den Wunden der Zeit und den Tränen der Armen zu halten.

Nicht um den Staat zu ersetzen, nicht aus verborgener Kritik,

sondern aus Liebe, wie sie das Evangelium fordert,

neigt sie sich jenen entgegen, die schwer von Schmerzen gebeugt sind.

Wie der Samariter einst hilft sie diskret in der Nähe,

wissend, dass Hilfe in Not nicht zur dauernden Norm sich erhebe,

noch die zivile Verantwortung staatlicher Führer ersetze.


Aus dieser doppelten Einsicht – der Freiheit der irdischen Dinge

und der getrennten Bereiche von Kirche und weltlichem Staate –

wird die Direktion des Konzils für die Zukunft begreiflich.

Gaudium et spes mahnt uns alle, das Volk und die Hirten,

unter dem Beistand des Geistes auf Sprachen der Zeit nun zu hören,

sie zu deuten, zu prüfen im Lichte des göttlichen Wortes,

dass die geoffenbarte Wahrheit noch tiefer erfasst und verkündet.

Höret die Sprachen der Zeit! Es ist mehr als soziologisches Achten,

geistliche Prüfung ist es, worin das Volk Gottes im Wandel

Zeichen des kommenden Christus erkennt, der die Welt zur Vollendung

führt, doch auch jene Verirrung, die Gottes Antlitz verdunkelt.

Nicht der Kern der Wahrheit verändert sich hier im Prozesse;

nein, er entfaltet sich lebend als Maßstab für irdische Wege,

fordert Umkehr und fördert Reformen im öffentlichen Leben.

So ist Geschichte der Ort, wo der Geist uns das Evangelium

lehrerhaft deutet zum Wohle und Schutz für die Würde der Völker.


Alle, die aufrichtig suchen nach Wahrheit, nach Güte und Schönheit,

sieht die Kirche als Freunde, als wertvolle Bundesgenossen,

um die Würde zu schützen und Gottes Schöpfung zu wahren.

Ganz im pastoralen Stil des Konzils und erleuchtet von Weisheit,

fürchtet sie nimmer den Bund mit dem menschlichen Wissen und Forschen.

Sichere Kriterien bietet das Wort für die Wege des Rechtes,

öffnet die Pfade zum Frieden und führt zur Versöhnung der Völker.

Doch um die Normen zu wenden auf komplexe Lagen der Gegenwart,

müssen Philosophie und Sozialwissenschaften uns helfen,

wirtschaftlich-kulturelle Dynamiken tief zu begreifen.

Johannes Paul der Zweite erinnerte damals uns weise,

dass die Kirche den Beitrag der Forschung empfängt, um daraus

Winke zu nehmen, die ihr im Lehramt nützlich erscheinen.

Solche Erkenntnis mindert die Kraft des Evangeliums niemals;

klarer erblicken wir so, was das Wohl der Gemeinschaften fördert.

Auch Franziskus betont, dass die Kirche bei schwierigen Fragen

keine endgültigen Urteile fälle, doch stets der Erforschung

hörend den Vorzug gebe im ernsthaften, freien Diskurse.


Stark durch den fruchtbaren Dialog mit dem menschlichen Wissen,

hat die Kirche die Soziallehre schrittweise vertieft und bereichert.

Ein Weisheitserbe erwuchs, das in Kohärenz und im Glauben

fest im christlichen Bilde vom Menschen verwurzelt geblieben.

Weil dies Erbe dem Glauben entspringt, ist es niemals ein Vorrat

technischer Lösungen bloß, kein System für Erwerb und für Politik,

das man den anderen Mustern der Welt als Modell gegenüberstellt.

Nein, es gehört einer höheren Ebene an: den Prinzipien,

welche die Deutung der Zeiten und Wege im Geiste begründen.

Daraus erwächst der Soziallehre Auftrag, der niemals die Führung

staatlicher Organe ersetzt, sondern Hilfe zur Findung des Guten

bietet, damit sich die Würde und Vitalität uns entfalte.


Wahrheit ist uns als Geschenk, nicht als stolzer Besitz überlassen.

Dies befreit die Kirche von Sehnsucht nach weltlicher Macht und nach Geltung.

Johannes Paul der Zweite beschwor uns, die Zeiten der Intoleranz

und der Gewalt im Dienste der Wahrheit aufrichtig zu prüfen,

dass wir die sanfte Verkündung des Evangeliums wiederfinden.

Wahrheit drängt sich nicht auf; so sprach ich es selber schon aus:

Niemals will die Kirche die Fahne des reinen Besitzes der Wahrheit

halten; sie ist kein Terrain, das man kriegerisch müsste verteidigen,

sondern ein Gut für uns alle, das liebend zu teilen uns aufgegeben.

Diese Sichtweise fasste Franziskus im Lehrwort zusammen:

„Wisse, die Zeit ist viel mehr wert als der Raum in der Welt.“

Nicht um Besetzung von Macht, nicht um Festungen geht es im Glauben;

Prozesse des Guten in Gang zu setzen, das ist unsre Aufgabe.

So wächst Wahrheit von unten im Geflecht von Kulturen und Leben,

fürchtet die Vielfalt nicht, ordnet sie sanft und verwandelt den Konflikt,

fügt nun zusammen, was sonst die Geschichte zu trennen gedrohet.

Daraus ersteht uns das Bild des Polyeders mit vielen Facetten,

drinnen aus jedem Blickwinkel glänzt das lebendige Evangelium.


Offenheit zeigt dies Denken zur Wahrheit, die, eine und vielgestalt,

tief im Innersten nun der Kirche Katholizität preist.

Denn sie umfasst die gesamte Familie der Menschen auf Erden,

während sie gleichzeitig wohnt in den Sitten und Sprachen der Völker.

Kraft der Katholizität – so lehrte das große Konzil uns –

bringen die Glieder der Kirche die eigenen Gaben den andren,

bringen sie alle zum Ganzen, auf dass die Gemeinschaft im Austausch

winke und wachse und reife durch gemeinsame Mühe im Glauben.

Nicht nur aus Völkern gefügt ist das heilige Volk des Gebieters,

sondern im Innern gewebt aus verschiedensten Bräuchen und Pflichten,

die sich in Liebe begegnen, um reichlich einander zu fördern.

Darum erkannte Paul Sechs in der Fülle geschichtlicher Lagen,

dass es unrealistisch sei, von der Lehre zu fordern,

dass sie nur eine Antwort für sämtliche Welten bereit hält.

Jede Gemeinde rief er dazu auf, mit verantwortlichem Blicke

mutig die Lage zu prüfen, die eigen dem Lande gegeben.

Fruchtbare Spannung ist dies: die universale Gesandtheit

und die Verwurzelung dort, wo das Volk in der Heimat begründet;

denn die Gegebenheit ist der Ort, wo das Wort wird zum Fleische.


Daraus erglänzt der Soziallehre wahres Gesicht für die Völker:

Nicht als ein Handbuch, das starr mit Gesetzen und Prinzipien rechtet,

sondern als Weg, den gemeinsam im Geiste wir prüfend begehen.

Sie ist entsprungen dem Bund der ewigen Wahrheit des Wortes

mit den lebendigen Fragen, die uns die Geschichte bereitet.

Zeichen der Zeit erheben die Stimme und fragen die Kirche;

Wissenschaft, Kultur und Erfahrung der Sterblichen nähren

ihre Erkenntnis. Drum muss sie – vereint mit den anderen Christen

und mit den Frommen der Erde – die Stimme gewaltig erheben,

wenn die Würde des Bruders entstellt und im Staube zertreten,

wenn die Politik den Tragödien der Menschheit nicht weichet,

oder die Wirtschaft den Menschen bedrückt, und die Forschung die Grenzen

ihrer Methoden verletzt. Sie tut es, um dienend zu helfen,

nicht um zu herrschen. So wird die Sozialdoktrin in den Zeiten

eine Theologie der Gemeinschaft, ein Ort, wo das fleischbene

Wort des Lebendigen spricht als Prophezeiung und Dialog.


Nun ich die Wege gezeichnet, wie sich die Kirche im Strome

unserer Weltgeschichte bewegt und im Austausch mit Menschen,

wend’ ich den Blick zu der Lehre des Amtes, die seit dem neunzehnten

Säkulum bis in die Gegenwart große Umwälzungen leitete.

Nicht die gesamte Fülle des Reichtums vermag ich zu singen,

dessen Prinzipien fest im Kompendium niedergelegt sind,

noch das System der Enzykliken zu prüfen, die jüngst meine Ahnen,

namentlich Laudato si’ und Fratelli tutti, geschrieben.

Dennoch ergreif’ ich die Linien im Wesen, um allen zu zeigen,

dass mein Schreiben im Fluss der lebendigen Tradition steht,

und wie der Kern der geoffenbarten Wahrheiten über den Menschen

stets unveränderlich bleibt, doch sich paart mit der Fähigkeit, hörend

auf die Geschichte zu achten und heutigen Fragen zu stehen.

Darum seien entscheidende Etappen des Weges besungen,

angefangen beim Werk, das Rerum novarum eröffnete.


Was wir Soziallehre nennen, ist nicht erst im Heute entstanden;

lange Tradition der Reflexion ordnet und hütet ihr Wissen,

Quellen im Schriftwort besitzt sie, bei Vätern und Denkern des Mittel-

alters und neuerer Zeit. Doch den Namen „Soziallehre der Kirche“

prägte im fünfzigsten Jahre des zwanzigsten Säkulums Pius

Zwölfter; ihr Inhalt begann als ein organisches Ganzes sich deutlich

unter dem Papste Leo dem Dreizehnten abzuzeichnen.

Denn vor den Neuheiten (Res novae) damals – dem harten Konflikte

zwischen Kapital und der Arbeit, den Sorgen der Werktätigen Massen –

blieb er beim Sichten der Not nicht im bloßen Betrachten befangen.

Pastorale Sendung erblickt’ er im Elend der Tage,

prüfte die Ursachen streng und erleuchtete Pfade der Rettung

aus dem lebendigen Quell des Evangeliums Gottes,

wissend, dass jeder Mensch nach dem Bilde des Schöpfers geformt ist.

Johannes Paul der Zweite erblickte im Handeln des Papstes

ein einiges Vorbild für uns: wie die Kirche beim Wandel der Zeiten

Recht und die Pflicht sich bewahrt, die sozialen Lagen zu prüfen,

Urteile fället und Wege des Rechts und der Besserung aufzeigt.

Zeitloser Inhalt des Glaubens und alte Weisheit der Väter

finden so Sprache und wachsen im Umgang mit Neuerungen.


Rerum novarum erweist sich als Meilenstein christlicher Lehre.

Mitten in dieses Dokument stellte Leo die Würde der Arbeit,

stellte den Arbeiter selbst und bekräftigte Rechte auf Löhne,

die für ihn und die Seinen zum würdigen Leben genügen.

Wertvoller ist der Mensch als das Kapital und Profite;

Eigentum schützte der Papst mitsamt seiner Pflicht für die Armen,

lobte Verbände der Arbeiter, rief zur Kooperation der Klassen,

als Alternative zur Logik des hasserfüllten Kampfes.

Deshalb bezeichnete Pius der Elfte dies Schreiben bewundernd

als die Magna Charta des Handelns für christliche Bürger.

Ob sich die Umstände auch, die Leo beschrieben, veränderten,

bleiben doch zwei Erkenntnisse hochaktuell für die Zukunft:

Erstens der Vorrang der menschlichen Arbeit vor jeglicher Finanzwelt,

woraus die Achtsamkeit fließt für Familien in Not und Bedrängnis,

zweitens das Band der Verkündigung mit der gerechteren Ordnung.

Denn kein Evangelium trennt sich vom Aufbau der menschlichen Struktur.


Quadragesimo anno erscholl aus dem Munde von Pius

Elf im dreißigsten Jahre, als vierzig Jahre vergangen

seit der Enzyklika Leos, inmitten der Weltwirtschaftskrise.

Weiter entfaltet er hier die Soziallehre; nicht nur die Fragen

über die Arbeiter nahm er erneut auf, er weitet den Blick auch

auf die Strukturen der Wirtschaft und auf die politische Ordnung.

Laut beklagt er die Macht, die sich ballt in den Händen von Wenigen,

tadelt den grenzenlosen Wettbewerb, wie auch Kollektive,

welche die Freiheit des Menschen und Eigenverantwortung morden.

Arbeiterrechte auf Bünde bekräftigt er, fordert, dass Löhne

nicht nur der Leistung, dem Bedarf auch des Hauses genügen.

Hierbei formuliert er im System das Gesetz der Subsidiarität,

das zum Bestande der Lehre fortan für alle Zeiten gehört hat:

Was ein Einzelner kann, was Familien und kleinere Bünde

selber zu leisten vermögen, das darf keine höhere Instanz rauben.

Neben dem weist er hin auf die soziale Pflicht des Besitzes,

klagt’ in Enzykliken laut – von Non abbiamo bisogno,

Mit brennender Sorge bis hin zu Divini Redemptoris –

Totalitarismen an, die die Würde des Menschen vernichten,

welche den Staat zum Verderben erheben und Rassenwahn predigen.

Drei Erkenntnisse bleiben für uns von bleibendem Werte:

Dass das Unrecht nicht bloß Individuen, sondern Strukturen

wirtschaftlich-staatlicher Art betrifft; sodann der Impuls der

Subsidiarität, der die Bünde von unten her stärket;

schließlich das Band zwischen Würde der Arbeit und Wohl der Familien.


Vor dem dramatischen Bilde des Weltkriegs und Jahren des Aufbaus

leistet das Lehramt von Pius dem Zwölften gewaltige Beiträge,

insbesondere durch Worte, die weihnachtlich tönen im Rundfunk.

Dort skizziert er die Grundzüge internationaler Ordnung,

die auf der Würde des Menschen, auf Recht und auf Frieden begründet.

Dialog schlägt der Hirte der Welt vor, gehend vom Naturrecht,

das als Gesetz von objektiven Prinzipien bindend voransteht,

eh noch der Einzelne wählt oder Staaten Verträge beschließen.

Berufsgenossenschaften und Arbeiterbünden und Bünden der Mitte

weist er im sozialen Gefüge bedeutende Rollen und Lasten zu;

denn sie erweisen sich uns als Garanten für Recht und Gemeinwohl.

Einen stabilen Staat des Rechtes verlangt er, um Willkür

abzuwehren; und preist die Demokratie als das Werkzeug,

welches die richtige Führung der Macht in den Völkern begünstigt.

Warnend spricht er sich aus gegen Recht, das auf Nutzen und Macht baut,

weil eine Ordnung, die nur vom Vorteil des Stärkeren geleitet ist,

schwächere Völker bedrückt und das Zutrauen gänzlich zertrümmert.

Schließlich benennt er die Kluft in der Wirtschaft als Quelle der Kriege.

Heute, da globale Mächte uns drohn und die Ungleichheit wächset,

bleiben drei Richtlinien wichtig: Dass Recht vor dem Nutzen zu stehen hat,

dass das Gefälle der Armut den Samen für Gewalttat und Spannung legt,

und der Wert der intermediären Verbände, die schützend vermitteln.

Wichtige Kriterien bieten sie uns, um die Globalisierung

weise zu deuten und friedliche Wege der Völker zu fördern.


Mit dem Johannes, dem Heiligen, bricht nun ein neues Zeitalter

unserer kirchlichen Lehre heran; es richtet den Blick weit

auf die globale Dimension der sozialen Fragen und Rechte.

Mater et magistra beschreibt den christlichen Glauben

als ein lebendiges Licht, das Himmel und Erde verbindet.

Mahnend erinnert er uns: Obgleich das vorrangige Amt nun

in der Heiligung liegt und im Künden der ewigen Güter,

lässt doch die Kirche des Alltags konkrete Nöte der Menschen

niemals beiseit’, da sie liebend an jeglichem Menschengut Anteil

nimmt. Und aus dieser Sichtweise, welche den Menschen als Ganzes

schaut, betont er, dass Ordnung im Leben ein Gleichgewicht fordert.

Bürgerliche Initiative muss mit dem Staate sich gatten,

welcher koordinierend hilft, ohn’ Freiheit und Pflicht zu ersticket.

Daraus erwächst das Augenmerk für den Lohn der Arbeit,

für die Mitbestimmung der Knechte und Klüfte der Länder.

Wenig Jahr’ später verband er in Pacem in terris das Wesen,

wendend zum ersten Mal sich an alle Menschen des Guten,

organisch die Würde mit Rechten und Pflichten der Menschheit.

Friedlich Zusammenleben schlug er den Staaten vor, das auf Wahrheit,

das auf Gerechtigkeit, Liebe und Freiheit gegründet im Geist steht.

Heute, da weithin Konflikte uns drohn und Abhängigkeit global

wächst, bleibt sein universaler Horizont uns von Wichtigkeit,

bleiben die Rechte des Menschen als Fundament und die Einsicht,

dass nur die Würde des Einzelnen dauernden Frieden den Völkern bringt.


Einen Wendepunkt setzte das Zweite Konzil für das Selbst-

verständnis der Kirche inmitten der heutigen Weltzeit.

In der Verfassung, die Gaudium et spes man betitelt,

zeigt sich das Bild einer Kirche, die ganz sich der Menschheit zuwendet,

wirksam im Leben sich müht, von konkreten Lagen der Chronik

auszugehen in dem Denken, anstatt von abstrakteren Schemata.

Fragen der Ehe, Familie, des wirtschaftlich-sozialen Bereiches,

Fragen des Staates, des Krieges und Friedens erörtert die Schrift dort,

lehrt, dass Strukturen nur dann als gerechte vor Gott sich erweisen,

wenn sie der ganzheitlichen Reife des Menschen dienen von Herzen.

Wichtig erweist sich dies Dokument für die Lehre der Kirche

nicht nur durch Themen; es schenkte uns vielmehr die Methode prüfender

Sicht, die uns einlädt, den Wandel der Zeiten im Lichte des Wortes

und mit dem menschlichen Sachverstand weise zu sichten.

Dialog ist für die Kirche nicht Taktik und listige Option,

sondern Gestalt ihrer Sendung; wie Sauerteig wandelt das Schriftwort

Strukturen des Zusammenlebens und öffnet die Pfade der Menschlichkeit.

Hierhin gehört auch Dignitatis humanae, worin das Konzil lehrt,

dass die Religionsfreiheit ein Grundrecht der Sterblichen sei, das

fest in der Würde verwurzelt und staatlich beschützt sein muss,

damit niemand gezwungen sei, wider das eigene Gewissen zu handeln,

oder gehindert werde, die Wahrheit im Offenen gläubig zu künden.

Wichtig verbleibt dies Prinzip für den Bau einer friedlichen Ordnung.


Unter dem Hirten Paul Sechs bricht ein neues Verständnis des Friedens

Bahn, der nicht bloß die Abwesenheit kriegerischer Taten bedeutet,

sondern Gestalt erst gewinnt im Prozesse der Reife des Menschen.

In Populorum progressio beschreibt er dies Reifen als Übergang

von den minder menschlichen Lagen zu menschlicheren Formen.

Jeden Menschen betrifft dies und gänzlich den ganzen Menschen,

alle Völker der Erde und alle Dimensionen der Person.

Darum durfte Paul sagen, dass Reife im Eigentlichen Frieden

heiße; denn weichen soll so das Gefälle des Unrechts und Aufruhrs,

Räume sich öffnen für würdiges Leben im Kreise der Brüder.

Auch die Kommission Iustitia et Pax ward im Lichte gegründet,

diesem Gedanken im kirchlich-globalen Gefüge ein festes

Auge zu leihen und stets die Kluft zwischen Reichen und Armen

wach in dem Geist zu erhalten, für Politik des Gedeihens.


Mit Octogesima adveniens, zum achtzigsten Jahr von Leos Enzyklika,

wendet Paul Sechs den Blick zur postindustriellen Gemeinde,

die von städtischen Umbrüchen, neuerer Armut und Wandel der Arbeit

stark gezeichnet ist, was die Zukunft der Völker gefährdet.

Obgleich im Wandel der Zeiten verkündet, geschrieben, gelebt ward,

ist das Evangelium niemals ein alt und überholt Wortlaut.

Nein, es enthält das erhabene Bild von Beziehungen, Rechten,

von der Autorität und dem Gemeinwohl, das heute noch leuchtet,

um bei Beschlüssen der Wirtschaft und Politik uns zu führen.

Aktuell bleibt uns das Wort, weil es Kriterien schenkt für die Frage,

was uns vermenschlicht, was uns entmenschlicht, was befreit oder knechtet.

Dies ist das schwerste Vermächtnis des Papstes für unsere Soziallehre:

Solange Völker vom würdigen Aufstieg im Leben verstoßen,

kann sich die christliche Schar nicht begnügen mit Phrasen des Friedens;

vielmehr muss sie erlauben, dass Gottes Wort die Strukturen

richtet und brandmarkt, die sündhaft im Innersten wurden,

dass kein Mensch und kein Volk als entbehrlich im Wachstum behandelt wird.


Reich an Gehalt ist das Lehramt des Heiligen Johannes Paul Zweiten,

der an der Schnittstelle stand, als die großen Ideologien sanken

und die Globalisierung der Wirtschaft das Antlitz der Erde veränderte.

In Laborem exercens, geschrieben nach neunzig Jahren der Lehre Leos,

eröffnet er gänzlich ein neueres Denken zur Arbeit.

Gerechter Lohn ist der Prüfstein für Recht im sozialen Gefüge;

denn er beweist, ob der Knecht als Person oder bloß als ein Kostenfaktor

gilt in der Rechnung der Fabrik. Nicht als ein Problem, das zu lösen,

oder als Mittel zum Zweck des Erwerbs ist die Arbeit zu werten,

sondern als grundlegend Gut und als Schlüssel der sozialen Frage.

Drinnen entfaltet der Mensch seine Freiheit und Schöpferkraft liebend,

trägt zum moralischen Wachstum und Wohl der Gesellschaft bei.

Darum sind flüchtige Arbeit und Brüche im Lebenslaufe der Knechte

nicht nur nach Nutzen zu prüfen; die Würde des Arbeiters fordert

Recht auf den Lohn und die Teilhabe am öffentlichen Kreise.


Als zwanzig Jahre vergangen seit Populorum progressio,

wendet sich Johannes Paul in Sollicitudo rei socialis

wieder dem Übel der Unterentwicklung zu in den Ländern.

Echtes Versagen erblickt er bei manchem Versuch des Erwachens,

da das Gefälle von Norden und Süden der Welt noch besteht und sich weitet.

Grausam beklagt er Finanz- und Handelsmechanismen der Starken,

welche den eigenen Nutzen bezwecken und Schwächere morden;

darum verlangt er, dass diese nicht bloß nach der Technik geprüft sein,

sondern vor allem dem ethischen Richterstuhl müssten begegnen.

Solidarität wird als Mitverantwortung hier nun begriffen,

als eine Freundschaft im Volk und als Form der politischen Liebe,

ausgerichtet auf jene „Zivilisation der Liebe“, die Paul forderte.


Hundert Jahre nach Leo erging Centesimus annus,

bietet die Schau zum Ruin des Sowjetsystems und dem Siege des Marktes.

Johannes Paul ergreift das Wort von Pius dem Zwölften:

Dass die Kirche Demokratie in dem Maße beschützet,

wie sie die Bürger beteiligt und friedlichen Wechsel der Führung

sichert, damit nicht Eliten die Macht für sich selber erringen.

Ebenso lobt er den Markt und die freie Initiative der Bürger

nur, wenn dem Sittengesetz sie gehorchen und Brüderlichkeit üben,

ohne die Schwachen dem Götzen des reinen Gewinnes zu opfern.

Aktuell bleibt dies Erbe für uns: Die Verknüpfung der Arbeit

mit der Solidarität und dem kritischen Prüfen des Marktes

bietet Kriterien heut’ gegen Ausbeutung, Krise und Elend.


Benedikt, dem Sechzehnten, war es ein tiefes Anliegen, das Thema

unserer Reife aus Populorum progressio weise zu weiten,

indem er es deutete vor dem Profil globaler Prozesse.

Reales Wachstum verlangt er, das nachhaltig alle erreichet,

wirtschaftlich-inklusiven Fortschritt, der Schöpfungsgesetze beachtet.

Dennoch erblickt er im Reichtum der Länder auch neuere Armut,

während in ärmeren Zonen Eliten im Luxus verschwenden,

während daneben das Elend die Würde der Menschen vernichtet.

Auch das globale Finanzsystem mit der Mobilität des Kapitals

schränkte die staatliche Macht und das Lenken der Wirtschaft erheblich ein.

Darum betont er, dass Wirtschaften niemals soziale Probleme

einzig durch Logik des Marktes zu lösen vermag; auf das Wohl aller

muss sie gerichtet sein, wofür der Staat die Verantwortung traget.


Mitten in diese Erneuerung stellte Benedikt Liebe,

lehrt, dass sie Hauptweg sei der Soziallehre Gottes auf Erden,

vorausgesetzt, dass sie stets mit der Wahrheit verbunden verbleibe.

Sorgenvoll sah er die Neigung der Welt, in Politik und Finanzen

moralisches Recht für belanglos zu klären. Das Neue des Beitrags

liegt im Beweis, dass Institutionen, Entwicklung und Märkte

keineswegs neutral sind, sondern Orte, wo Liebe Gestalt annimmt.

Heute, da Ungleichheit wächst und der Druck der Finanzwelt uns ängstet,

bleibt diese Lehre aktuell; denn sie fordert, das Wachstum zu prüfen,

ob es auch nachhaltig sei, und die Wirtschaft dem Gemeinwohl zu weihen,

auf dass der Nächstenliebe die fruchtbare Rolle im Staate gelinge.


Klar den Worten des großen Konzils von Gaudium et spes folgt

Papst Franziskus sodann in den jüngeren Lehrsätzen unseres

Lehramts; er lädt uns ein, die Geschichte vom Elend,

von den Wunden und Hoffnungen sterblicher Menschen zu betrachten,

sie in Dialog zu bringen mit Gottes lebendigem Wortlaut.

Deutlich erglänzt dies Profil in der Schrift Evangelii gaudium:

Innewohnend besitzt das Verkünden des Christlichen Glaubens

stets die soziale Dimension; und gefordert wird eine Gemeinde,

fähig, den Schrei der Migranten, der Armen und Sklaven zu hören.

Hierhin gehört auch sein Drängen auf synodale Sitten der Kirche,

einer Gemeinschaft, die „gemeinsam unterwegs“ auf den Straßen der Erde,

Zeichen der Zeit im Lichte des Evangeliums prüft und sich demütig

evangelisieren lässt von den Armen, mit denen sie Tage und Chronik teilt.


In Laudato si’ bietet Franziskus die erste systematische

Schau zur Krise der Umwelt inmitten der Sozialenzykliken,

zeigt, dass sie keineswegs nur ein begrenztes Teilgebiet rühret,

sondern den ökologischen Kern der sozioökonomischen Not darstellt.

Sein Entwurf der integralen Ökologie gattet die Sorge

um das gemeinsame Haus mit der Option für die Armen der Erde,

lehret mit Kraft, dass die Klage der Erde und Klage der Armen

niemals voneinander getrennt in der Weltzeit dürfen erscheinen.

Wiederum rückt in das Licht die Bestimmung der Güter für alle,

laute Kritik am technokratischen Muster, das alles zur Herrschaft

niedrig und lieblos reduziert; es verteidigt die menschliche Arbeit,

welche von Geist der Verschwendung und Wegwerfmentalität bedroht ist.

Gerechtigkeit fordert der Papst für kommende Generationen,

ruft zum lebendigen Dialog von Wirtschaft und Politik auf,

dass sich kein einziger Kreis in Selbstbezogenheit schließe.


Gegen den Bruch der Gemeinschaft, den „Weltkrieg in Stücken“ auf Erden,

gegen die Kälte des Marktes und Folgen der weltweiten Seuche,

lässt Franziskus den Traum in Fratelli tutti erwachen:

Dass eine Menschheit sich wähle die Freundschaft und Geschwisterlichkeit.

Kultur der Begegnung verlangt er, die „bessere Führung der Staaten“,

fähig, das Gemeinwohl zu suchen auf Pfaden des Friedens,

auf dass die Welt allen Bürgern gibt „Heimat, Arbeit und Boden“.

Schließlich beweist er in Dilexit nos, dass die sozialen Pflichten

niemals zu trennen sind von dem Bezug zu dem Heiland;

gehend vom Worte des Schöpfers erinnert er uns, dass die wahrste

Antwort auf Liebe des Herzens Jesu die Nächstenliebe am Bruder

sei, und bekundet: Es gibt keine größere Geste der Ehrung,

die wir ihm bieten, als Liebe mit Liebe erwidernd zu spiegeln.


Prüft man den gesamten Weg in der Schau der Jahrhunderte nunmehr,

sieht man deutlich: Soziallehre ist nicht am Schreibtisch erfunden,

sondern Ergebnis von geduldigem Reifen im Strome der Zeiten,

worin ein jeglicher Papst – wie das Zweite Konzil – vor den Res novae

seines Zeitalters einen originären Beitrag geleistet.

Jeder hat, während er mutig den Fragen der Gegenwart standhielt,

Teile des einzigen Erbes im Lichte des Wortes gekläret:

Würde der menschlichen Person, den Wert und Segen der Arbeit,

allgemeine Bestimmung der Güter, Subsidiarität und Solidarität,

Schutz für die Schöpfung Gottes und Frieden im Kreis der Geschwister.

Harmonisch reifte dies Korpus, wenn auch nicht immer linear,

geprägt von Gewichten und Deutung, von Wandlungen ohne den Bruch mit

unserer Ahnen Tradition, um die Tiefe des Sinnes zu klären.

Dass wir im Heute besitzen ein Ganzes von Kriterien und Normen,

dankt sich der Deutung im Glauben, die niemals im Zeitenlauf schwieg,

sondern sich fordern ließ von den Fragen der Völker und Jugend.

Auf diesen tragenden Kern – die Prinzipien christlicher Lehre,

welche den Gläubigen leiten im privaten und öffentlichen Wirken –

lenk’ ich die Aufmerksamkeit nun, um die schöpferische Kraft zu begreifen.



ZWEITER GESANG


Lebend ist Gottes Soziallehre, ein atmendes Wesen,

Das im Dialog mit der Zeit, mit Kulturen und Wissenschaft fortschreitet,

Während es tief im Inneren treu den unsterblichen Kern wahrt.

Weisheit entströmt diesem Quell, die dem Glaubenden heute wie damals

Sicheres Geleit für das eigene Tun und das Leben der Welt gibt.

Nun, in dem zweiten Gesang, betracht' ich die heiligen Grundlagen,

Welche uns helfen, des Wandels Gestalt in der Gegenwart tief zu begreifen,

Stets im erhellenden Lichte der menschlichen, ewigen Würde.

Dass wir den Menschen bewahren im Zeitalter denkender Werkzeuge,

Müssen wir neu das Gemeinwohl, die Güterbestimmung für alle,

Sowie die Subsidiarität und die heilige Solidarität nun erwägen.

Ganzheitlich müssen sie wirken, verflochten in schöner Harmonie,

Dass ein Prinzip das andere stützt und im Ganzen erleuchtet.


Helfen will ich mit den Worten den Laien und jeglichem Menschen,

Der mit dem guten Willen beseelt seine Sendung im Alltag neu suchet.

Gottes unendliche Liebe im Strom der Geschichte zu leben,

Sei es im Schoß der Familie, im Werk oder bürgerlichen Wirken,

Das ist das Ziel. Auch ermutige ich die Akademien und Schulen,

Diesen Prinzipien jugendliche Kraft im digitalen Zeitalter einzuhauchen.

So wird die Forschung in Glaube und Weisheit den Hirtenweg stärken,

Leuchtend das Lehramt unterstützen, das innere Gewissen erhellen,

Dass die Gemeinschaft der Menschen gerechter und brüderlicher werde.


Heimwärts zum Kern unseres Glaubens führt uns die Soziallehre Gottes:

Hin zum Geheimnis des lebenden Herrn, der in Christus sich offenbart hat

Als ein dreifaltiger Bund – als Vater, als Sohn und als Geistkraft –,

Liebe in ewiger Bindung, die schenkend der Welt sich mitteilt.

Menschsein bedeutet Gemeinschaft mit Gott; so verkündet das Konzil:

Nur in der schenkenden Hingabe seiner selbst kann der Mensch sich vollenden.

Dies ist der tiefste Beruf: in des dreieinen Gottes Dynamik

Einzugehn, Liebe empfangend, um Liebe sogleich zu verschenken.


Ist auch die Liebe des dreieinen Gottes der Quell aller Lehre,

Wurde in Jesus, dem fleischlichen Wort, sie zur greifbaren Wahrheit.

Gottes Sohn trat in die menschliche Zeit und erteilte dem Fleische

Jene unendliche Liebe, die ihn mit dem Geiste und Vater verbindet.

Wahrhaft klärt sich in Christus das Rätsel des Menschen auf Erden;

Denn sein Charakter ist frei und dem Nächsten in Güte geöffnet,

Fähig zu schöner Beziehung und ganz für das Opfer bereitet.

Wer an ihn glaubt, wird erneuert im Bunde des Kreuzes und Sieges.

Gläubige bauen das Reich Gottes mit, indem Brüder und Schwestern

Sie in dem Nächsten erkennen als Kinder des einzigen Vaters.

Wort und christlicher Wandel, geführt von der göttlichen Geistkraft,

Zielen darauf ab, die Strukturen der Welt im Innern zu wandeln.


Mitten im christlichen Bilde vom Menschen steht groß die Verheißung:

Mann und Weib sind als Abbild des dreieinen Gottes erschaffen.

Ganz auf Beziehung gegründet, ist jeder von Gott so gewollt und verstanden,

Dass er mit Gott, mit dem Nächsten, der Schöpfung im Bunde verweile.

Nicht von dem Reichtum, dem Status und nicht von Talenten des Geistes,

Nicht von dem Recht oder Unrecht der Wege, die wir uns erwählen,

Hängt diese Würde ab; sie ist Geschenk, das uns ewig vorausgeht.

Darum bleibt stets der lebendige Mensch auch der Weg unsrer Kirche,

Mittelpunkt jeglicher Entwicklung, die wahrhaft den Menschen erhöht.


Johannes Paul der Zweite betont': Ein geschärftes Bewusstsein

Für die Person und die Würde, wie auch für die Stimme des Gewissens,

Zeigt sich als herrlicher Sieg und Gewinn unsrer modernen Kultur.

Dies folgt der Linie, die einst das Konzil schon im Geiste gezeichnet,

Welches den Wert jedes Einzelnen über die Dinge der Welt hob,

Und die unantastbaren Rechte wie Pflichten der Menschheit gepriesen.

Achten wir sorgsam darauf, dass das Wissen um menschliche Würde

Nicht durch Ideologien und mächtige Zwänge im Alltag verblasse.

Arglistig scheinen mir jene Systeme, die fordern, dass Leistung

Erst den Wert des Lebendigen schaffe; wer stark ist und nützlich,

Gilt ihnen mehr. So verkommt uns der Mensch zum bloßen Werkzeug,

Wird zur Ressource, die man nur benutzt, statt als Zweck ihn zu ehren.

Doch unser Wert hängt niemals von dem ab, was Hände produzieren;

Rechte besitzt jeder Mensch schon allein durch das Faktum des Menschseins.

Keine Gewalt auf der Erde darf diese rechtmäßig beschränken.


Sprechen wir aber von Würde, so meinen wir oft nicht dasselbe:

Manchmal betrifft es die Moral, das Handeln und Wählen des Menschen;

Manchmal die Würde der Pflichten im Staat und die Achtung der Bürger;

Manchmal die Würde des Daseins, wie einer sein Leben empfindet.

Diese Dimensionen der Würde, sie schwanken, sie wachsen und schwinden.

Dennoch, weit tiefer liegt jene Schicht, die ontische Würde:

Sie steht dem Menschen allein schon deshalb zu, weil er existiert,

Weil er von Gott ins Leben gerufen, geliebt und gewollt ist.

Keine Verfehlung, kein Makel, kein Ausschluss und keine Demütigung

Schmälert den inhärenten Wert eines Lebens, das Gott sich erdacht hat.


Diese Fundamente der Würde braucht niemand zu kaufen,

Niemand zu zeigen. Die Schrift Dignitas infinita fasst es zusammen:

Unendlich ist jene Würde, im Wesen des Menschen verankert,

Welche der Person ohne Rücksicht auf Umstände ewig verbleibt,

Immer und unhintergehbar, in jeglicher Lage des Lebens.

Zweifach unendlich nannt' Johannes Paul diese Würde des Menschen:

Weil uns die Liebe des Schöpfers zur endlosen Freundschaft berufen,

Und weil sie absolut bedingungslos steht – wer sie suchend bestreitet,

Findet im Kosmos doch nichts, was sie jemals zu tilgen vermöchte.


Dankbar erkennt unsre Kirche das Streben, die Rechte zu wahren,

Als einen mächtigen Schritt für den Schutz der menschlichen Würde.

Wie es Johannes Paul einst verkündet', bleibt jene Erklärung,

Die im Dezember des Jahres achtundvierzig die Völker beschlossen,

Heute ein herrlicher Meilenstein sittlichen Fortschritts der Menschheit.

Christen verstehn diese Rechte nicht als ein Gesetz von dem Außen,

Sondern als geschichtliche Form, drin die Würde des Geistes erscheint,

Welche zu schützen die Staatengemeinschaft von Herzen gerufen.


Heilig und unveräußerlich wohnen sie jedem von uns inne,

Daraus entspringen Gesetze und Pflichten für alle Gemeinschaften;

Denn es ist eitel, die Rechte der Menschheit im Wort zu proklamieren,

Wenn man nicht alles dafür tut, sie weltweit und jedem zu sichern.

Voran steht das Recht auf das Leben, vom Keim bis zum natürlichen Ende,

Ohne das kein anderes Recht auf der Erde jemals erblüht.

Wird dies verweigert – wie es beim Schwangerschaftsabbruch geschieht,

Oder beim Mord an Unschuldigen wie auch bei der Euthanasie –,

Stehn wir vor Taten, die schwerlich die Kirche als rechtens erachtet.


Blicken wir heute auf unsere Zeit, so bedrohen zwei Gefahren

Diesen Schutz unsrer Rechte. Die erste Gefahr ist das bloße

Wortbekenntnis, indessen im Schatten des Fortschritts der Technik

Heimliche Brüche der Menschenwürde beständig sich mehren.

Aber die zweite Gefahr – und sie bildet die Wurzel des Übels –

Ist das Vergessen der Basis, weil niemand mehr sucht nach den Gründen,

Die uns stabilen Halt für Gesetze und Wahlen gewähren.

Franziskus mahnte, die Suche nach Wahrheit niemals zu mindern;

Denn die Vernunft, die Natur betrachtend, erkennt jene Werte,

Die für uns alle bestehn. Ging' diese Suche verloren,

Könnten die Rechte, die heute uns heilig sind, morgen schon wanken,

Wenn die Mächtigen Herrschaft erlangen durch Täuschung der Völker.


Mit dem Bewusstsein für Rechte wuchs auch der Schutz für Minderheiten;

Dennoch bleibt weit noch der Weg, bis die Frauen auf unserer Erde

Vollkommen gleichgestellt sind in den Rechten. Es bleibt eine Tatsache:

Doppelt arm sind die Frauen, die Gewalt und Verstoßung erleiden;

Oftmals fehlen die Wege, das eigene Recht zu verteidigen.

Worte genügen uns nicht, die Gleichheit der Würde zu preisen;

Konkrete Taten sind nötig im Recht, in der Arbeit, der Bildung,

Sowie im Staat und der Wertschätzung dessen, was Frauen bewirken.

Solange diese Kluft noch besteht, ist das Ziel nicht erreichet.


Konkrete Menschen allein sind es, die zählen, und ihre Familien.

Große Parolen, Systeme und Volksideologien sind eitel,

Wenn sie am Ende nicht dienen dem Wohl und den Rechten des Menschen.

Ebenso wenig genügt es, die Freiheit des Marktes zu rühmen,

Wenn man akzeptiert, dass die Vielen im Elend verweilen,

Ohne ein Recht auf Arbeit, auf Schutz und auf tägliche Güter.


Anerkennen wir tief, dass Mann und Weib auf der Erde

Unveräußerlich Würde besitzen und heilige Rechte,

Die kein irdischer Fürst rechtmäßig zu brechen vermöchte,

Fordert dies auch, dass wir klug das gemeinsame Leben gestalten,

Wirtschaft und Politik, das Gesicht der lebendigen Städte.

Daraus entspringt das Prinzip, das erste der göttlichen Lehre,

Welches ich preisen will: das Gemeinwohl leuchtet uns allen.

Form des Staates ist es, drin Würde des Menschen erscheint uns.

Benedikt nannte, als er die ewigen Werte verteidigt',

Welche die Kirche bewahrt, die Förderung auch des Gemeinwohls.

Nicht verhandelbar bleibt es dem Christen, den Kreis des Egoismus

Mutig zu brechen und ganz für das Wohl aller Bürger zu wirken.


Einstmals lehrte das Zweite Vatikanische Konzil:

Inbegriff dessen, was wir als Bedingung des Lebens im Staate

Nennen, damit jede Gruppe wie auch der einzelne Bürger

Voller und leichter des Daseins Vollendung im Bunde erreiche,

Das ist das Wohl aller Menschen. So gibt uns das Wort eine Richtung:

Nicht auf Gesetze allein und nicht auf Gebäude und Ämter

Lässt das Gemeinwohl sich kürzen; es ist nicht die Summe von Vorteilen,

Nicht die Schnittmenge bloß von partikularen Interessen;

Größer ist dieses Gut, das allen gehört und im Ganzen

Nur durch gemeinsamen Fleiß vermehrt und beschützt wird im Alltag.

Recht erfüllt sich das Handeln des Staats im Verfolgen des Wohles,

Wie die Moral des Menschen erblüht in der Wahl des wahrhaft Guten.


Sagen wir also mit Recht: Das Ganze ist mehr als die Teile.

Darum vermag auch die Summe von Einzelinteressen niemals,

Eine harmonische Welt für die Menschheitsfamilie zu stiften.

Wahnwitz ist es zu glauben, es reiche der eigene Vorteil,

Um für das Wohl aller andern zu sorgen, ohn' jene zu lieben.

Solch eine Sichtweise blendet den eigentlichen Wert des Gemeinwohls

Völlig aus; denn es reift aus der gegenseitigen Bindung,

Knüpft ein Gewebe des Heils, das weithin die Menschen umschließet.

Mehrwert ist das Gemeinwohl, Frucht der Bezüge im Leben,

Welche die Taten und Pläne und Schritte der Menschen verbindet.

Zählte man Güter der Einzelnen bloß, so bliebe verborgen

Jener unendliche Segen, der reichlich sie alle übersteigt.


Streben nach diesem Gemeinwohl lässt erst ein Volk sich entfalten,

Nicht als ein Haufen von Menschen, sondern als lebende Wahrheit,

Drin wir erkennen und lernen, dass wir füreinander verantwortlich

Wachen im Dienst für den Staat und die res publica fördern.

Jeder trägt Steine herbei zum Bau des lebendigen Volkes.

Mühsam und langsam erweist sich das Werk, das Integration fordert,

Dass wir der Begegnung Kultur im vielgestaltigen Einklang

Lernen. Wir brauchen ein göttliches, großes, gemeinsames Projekt.

Zwar sind die Menschen verschieden in Geist und in pragmatischen Wegen,

Häufig entbrennt auch ein Streit, doch hindert das keineswegs den Dialog,

Um ein Fundament des Konsenses im Bunde zu gründen,

Das uns den Pfad weist, als Brüder gemeinsam den Weg zu beschreiten.


Aufgabe bleibt es dem Staat, den Zusammenhalt und die Gerechtigkeit

Stets in der Bürgergemeinschaft zu sichern, damit das Gemeinwohl

Durch den Beitrag der Vielen erblühe und Wirklichkeit werde.

Zarte Pflicht ist es der Macht, die verschiedenen Stimmen im Volke

Weise in Einklang zu bringen, Balance im Konflikt zu bewahren,

Dass die Schwächsten im Lande nicht einsam im Schatten verderben.

Wenn die Politik auf die Zukunft verzichtet und kurzfristig rechnet,

Oder in fruchtlosem Zwist sich zerfleischt, verliert das Gemeinwohl

Glaubwürdigkeit; Ungleichheit und Spaltung der Bürger nehmen zu.


Ebenso gilt dies Gesetz für das Ringen der Völker auf Erden.

Klüfte vertiefen sich heute, es herrscht die Aggression und Feindschaft,

Und der beschwerliche Weg zu der geschwisterlichen Gemeinschaft

Leidet im Sturm unsrer Zeit oft schmerzhafte, herbe Rückschläge.

Manchem erscheint es als Wahnwitz, vom gemeinsamen Wege zu sprechen,

Der zu gerechterer Reife die Menschheitsfamilie geleitet.

Dennoch verliert nicht die Hoffnung! Ich rufe euch alle zur Partnerschaft,

Sucht nach Formen des Bundes und weltweiten Institutionen,

Welche das globale Wohl ohne Zwang für die Völker bewahren.

Niemals entfremdet sich dieses Prinzip von dem Rechte der Völker,

Dass sie in Freiheit bestehn, ihre eigene Art sich erhalten,

Und zum Gewebe der Staaten den eigenen Beitrag entrichten.

Jeder Versuch, eine Nation zu vernichten, sie grausam zu knechten,

Ist im Innersten sündhaft und darf von uns niemals geduldet werden.


Unter den Gaben des Wohls kommt der Bestimmung der Güter

Gleich eine hohe Bedeutung im Leben des Staates entgegen.

Dieses Prinzip ruft uns wach: Gott schenkte die Schätze der Erde –

Boden und Wasser und Luft und natürliche Quellen des Reichtums –

Allen gemeinsam, der Menschheit, für heute und künftige Zeiten,

Dass sie das Leben ernähren; es haben ein Urrecht die Völker,

Diese Geschenke zu nutzen. Johannes Paul der Zweite

Lehrte uns: Gott hat die Erde dem ganzen Geschlechte der Menschen

Gereicht, ohne Ausnahme, frei, auf dass sie die Glieder ernähre.

Folglich entspricht es dem Plane des Schöpfers nicht, wenn nur wenige

Reiche von Vorteilen leben und Geiz die Geschenke verschließet.

Heute betrifft dies Prinzip nicht materielle Dinge allein,

Sondern auch Güter des Geistes, Kultur und das Wissen der Menschheit.


Recht auf das Eigentum gibt es, das Sinn und Funktion im Geschicke

Trägt, doch es bleibe dem Wohle der Güter für alle nachgeordnet.

Johannes Paul nannte dies die goldene Regel des Wandels,

Grundprinzip aller Moral für die soziale Ordnung im Leben.

Stets sah die Kirche im Eigentum Mittel und Werkzeug der Sorge,

Güter zu wahren, zu pflegen, damit sie dem Ganzen nur dienen.

Da das christliche Erbe das Recht auf den Privatbesitz niemals

Absolut nannte, so ist seine Pflicht für das Volk und die Bürger

Keine theologische Meinung bloß, sondern sichere Lehre,

Die in der Heiligen Schrift und den Vätern der Kirche gegründet ist.

Darum gemahnte Franziskus: Tief gelebte Solidarität fordert,

Dass wir dem Armen erstatten, was ihm von Natur aus zusteht.


Zu den Schätzen, die universal für uns alle bestimmt sind,

Zählen wir heute die Formen des neuen, digitalen Besitzes:

Codes, Algorithmen, Plattformen, Patente und Daten im Netz.

In einer Welt, drin der Wohlstand von Wissen und Technik regiert wird,

Wächst eine neue Ungleichheit, wenn diese Schätze der Menschheit

Ohne gerechten Zugang im Besitze von wenigen bleiben.

Dies widerspricht der Bestimmung der Güter, vertieft nur die Spaltung

Zwischen den Herrschern der Technik und jenen, die draußen im Dunkeln

Stehn am Rande der Wende. Die Sorge für unser gemeinsames Haus

Fordert Verantwortung auch für die Armen und künftigen Erben,

Dass wir den Nutzen der Schöpfung und Möglichkeiten der Technik

Weise regeln; so schonen wir Umwelt und wehren der Knechtschaft.


Subsidiarität entspringt aus derselben Sichtweise des Menschen,

Welche uns leitete, Würde und Wohl aller Bürger zu preisen.

Wenn jede Frau und jeder Mann dazu berufen ist, selbstständig

Eigenes Leben zu lenken und mitzubauen am Staate,

Muss auch die Ordnung der Welt diese Pflichten beschützen und ehren.

Gottes Soziallehre nennt es Prinzip der Subsidiarität,

Wenn, was der Einzelne kann, die Familie, Gemeinden und Bünde,

Niemals von oben herab durch die höheren Mächte geraubt wird.

Höhere Körperschaften, sie müssen die Freiheit und Schöpferkraft

Achten und schützen im Volke, den Beitrag der unteren Glieder

Ordnen und lenken, damit er dem Wohl aller Bürger gereiche.


Seit den Anfängen moderner Soziallehre unter Leo dem Dreizehnten

Forderte stets unsre Kirche, dass weder die Glieder noch Familien

Ganz von dem Staate verschlungen werden; sie sollen in Freiheit

Handeln im Rahmen des Rechts, ohn' dem Wohle des Ganzen zu schaden.

Johannes Paul der Zweite ergriff diese Lehre im Geiste,

Zeigte, dass politische Macht nur der Bürgergesellschaft zu dienen hat.

Wachen soll zwar der Staat über das Wohl und, wenn nötig, auch handeln,

Doch er usurpiere nicht dauernd die Pflichten der unteren Bünde,

Oder der Glieder im Volk. Nicht Rückzug des Staates begründet

Dieses Prinzip, sondern weist seinem Wirken die Richtung und Bahnen:

Eingreifen muss die Gewalt, damit alle Akteure im Volke

Ihre Berufung erfüllen, ohn' an den Rand zu geraten.

Bedingungen schaffe der Staat, dass Familien und kleinere Kreise

Ihre Aufgaben leben, statt stumpf nur Befehle zu exekutieren.


Dieses Prinzip ermutigt uns, jede Verwaltung des Lebens,

Die paternalistisch erscheint oder rein wohlfahrtsstaatlich, zu brechen.

Mitverantwortung soll wachsen im Lande: Ein Staat, der die Bürger

Schätzt in der Initiative; ein Volk, das in Freiheit Verbände

Gründet und Kräfte mobilisiert für den Dienst am Gemeinwohl.

Nahe den Menschen entscheide man dort, wo Betroffene leben;

Stärkt die Vereine im Land, dass das Volk nicht vor fertigen Taten

Steht, sondern wirksam beteiligt am Werden der Dinge verweile.

Wo man Familien, Verbände, Gemeinden und freie Vereine

Anerkennt und unterstützt im Bereich des „dritten Sektors“,

Rückt das gesellschaftliche Leben den Bürgern viel näher; Dienstleistungen

Passen sich Sorgen der Menschen an, Lösungen reifen viel freier,

Kreativ, und es schützt dieses Handeln die Würde des Einzelnen.


Subsidiarität gilt nun erst recht in der digitalen Revolution.

Hier ist die höhere Macht nicht der Staat mehr, sondern der Riese

Wirtschaftlicher und technologischer Herrschaft im globalen Raume,

Der über Lebensbedingungen der Menschen faktisch gebietet.

Plattformen und Konzerne rauben Kompetenz, Daten und Rechte,

Setzen Bedingungen fest für den Zugang, die Regeln der Sichtbarkeit,

Formen des Bundes und Chancen im wirtschaftlichen Getriebe.

Subsidiarität fordert, dass Prozesse nicht heimlich von oben

Undurchsichtig und einseitig über die Menschen verhängt werden;

Sondern durch Rechenschaft, Offenheit und durch reale Beteiligung

(Prüfungen frei von der Macht, Transparenz bei den Algorithmen,

Gerechten Zugang zu Daten und Recht auf Berufung im Streitfall)

Müssen sie alle gerichtet sein auf das Gemeinwohl der Erde.


In dem Gefüge sind Staaten und supranationale Bünde

Dringend gefordert, gerechte Regeln und Schutz zu gewähren,

Dass die Gemeinden vor Ort, Schulen und kleinere Kreise,

Universitäten, die Kirche und alle assoziativen Bünde

Laut ihre Stimme erheben, wenn Fragen des Lebens entscheiden:

Arbeit und Datenverwaltung, digitalisierte Welten.

Niemals darf man erlauben, dass wenige Riesen der Technik

Ströme der Wirtschaft und Netze der Daten alleine regieren.

Vielmehr ist es vonnöten, der Partnerschaft Formen zu wecken,

Welche die Schichten der Weltgemeinschaft in Ehren bewahren

Und sie für das Gemeinwohl im Bunde verantwortlich machen.


Nun, da Gemeinwohl ich treu und Subsidiarität schon beleuchtet,

Wende ich meinen Blick dem Prinzip der Solidarität zu.

Dieses Gesetz reift im Glauben, im Bilde des menschlichen Wesens:

Jeder ist Abbild des Schöpfers und Teil eines Netzes der Liebe,

Das ihn mit Menschen und Völkern und mit der Natur tief verbindet.

Paulus der Sechste gemahnte: Die Pflichten der Solidarität,

Sowie Gerechtigkeit und das Gebot der christlichen Liebe,

Wurzeln im brüderlichen und übernatürlichen Bunde.

Brüderlichkeit ist dem Gläubigen nicht bloß ein inneres Sehnen,

Sondern sie fordert im Staat und der Politik feste Formen.

Solidarität ist die Einsicht, dass unser Schicksal im Leben

Eng mit dem Nächsten verflochten ist: Keiner errettet sich einzeln.

Hier wird das Band mit der Subsidiarität uns vollkommen ersichtlich:

Fehlt ihr die Solidarität, wird sie Schutz von Partikularinteressen;

Fehlt der Solidarität die Subsidiarität im Gefüge,

Wird sie zur Wohlfahrt bloß, die die Eigenverantwortung mindert.

Dieses Gewebe verweist auf das Recht der realen Beteiligung:

Solidarität wird lebendig, wenn jeder am Leben im Staate

Teilnimmt, sich kundig macht, Stimmen erhebt und im Bunde

Echte Verantwortung trägt, dass das Wohl aller Bürger erblühe.


Vielfach erleben wir heute bereits eine faktische Bindung:

Leben sind engstens verflochten, die Wirtschaft und Telekommunikation

Sorgen dafür, dass ein Funke weitreichende Folgen entzündet;

Echtzeitnetze verbinden die Welten im digitalen Raume.

Dennoch bedeutet dies Netz noch nicht Solidarität im Vollsinn,

Solange sie nicht als bewusste Entscheidung im Geiste gereift ist.

Glaube versteht diese Wirklichkeit gleich als ein Rufen des Himmels:

Nicht nur als Nachbarn bestehn wir, wir sind einander anvertraut,

Dass ein jeder, so gut er vermag, für die Wunden der Geschwister

Sorge und Haftung übernimmt. Solidarität wird geboren,

Wenn wir beschließen, dem Schicksal des Nächsten nicht fremd zu begegnen,

Wenn wir Verbindungen – wirtschaftlich, kulturell und der Technik –

Weise in Pfade des Teilens und gegenseitiger Fürsorge wandeln,

Lernen, wie man im Sinne der echten Gemeinschaft entscheidet.


Gottes Soziallehre nennt sie zugleich ein Prinzip und Tugend.

Als ein Prinzip drückt sie objektiv Ordnungen aus zwischen Völkern,

Zeigt die Abhängigkeit, drin das Wohl eines jeden vom andern

Abhängt. Als Tugend verlangt sie entschlossenen, steten Charakter,

Sich für das Wohl aller Bürger zu weihen, besonders der Schwachen.

Wahrhaft, so lehrte Franziskus, sie baut an der menschlichen Geschichte,

Welche die Völker gebiert, statt Massen von Einzelnen bloßzulassen.

Darum impliziert sie bescheidenen Lebensstil, Opferbereitschaft,

Fähigkeit, heute auf Nutzen zu rühmen für künftige Erben,

Bereitschaft, Privilegien und digitalen Konsum zu hinterfragen,

Wenn sie den Nächsten daran hindern, in Würde zu leben.


In einer Welt, drin Beziehungen enger sich knüpfen und binden,

Nimmt Solidarität auch globale Dimensionen im Geist an.

Benedikt wies uns mit Nachdruck auf diesen Zusammenhang hin:

Wachstum, Gerechtigkeit, Pflicht für die kommenden Erben der Erde.

Echte Entwicklung erfordert der Generationen Solidarität,

Ehrfurcht vor Bünden, die uns mit der natürlichen Umwelt verknüpfen.

Heute erstreckt sich die Sorge auch auf das Gewebe der Daten:

Wie die Natur, so kann auch das digitale Ökosystem

Schutz erfahren oder Ausbeutung, Monopole und Gier leiden.

Solidarität fordert, dass Wahlen bei Codes und KI-Systemen

Nicht nur den Nutzen von wenigen Reichen im Auge behalten,

Sondern die Folgen bedenken für Völker und künftige Zeiten.


Christen verstehn die soziale Gerechtigkeit fest als Gefolgschaft

Jesu und Treue zum Worte, das uns sein Evangelium schenkte.

Lukas berichtet uns, wie er den Armen die Botschaft gebracht hat;

Jesus identifiziert sich mit Kranken, Gefangenen, Fremden.

So lehrt er uns, dass Gerechtigkeit ganz aus der Geschwisterlichkeit

Wächst und sich dort auch vollzieht; wie wir Armen und Kleinen begegnen,

Wird zum konkreten Gradmesser unsrer Beziehung zu Gott.

Dennoch betrifft dies Gesetz nicht das Handeln des Einzelnen bloß,

Sondern die Weise, wie Strukturen der Welt wir organisieren.

Einstmals erinnert' das Konzil, dass jede Institution

Dazu berufen bleibt, einzig dem Menschen und Werten zu dienen.

Soziale Gerechtigkeit zeigt sich im Bau einer Ordnung der Wirtschaft,

Die allen Bürgern – und namentlich Schwachen – ein Menschenrecht sichert.


Jüngeres Lehramt betont', dass Gerechtigkeit fordert den Blick

Immer von unten, von jenen, die Letzte sind. Johannes Paul

Sprach von der vorrangigen Option für die Armen im Leben,

Welche Entscheidungen prägen muss; indessen Franziskus

Laut eine Wegwerfkultur anprangert', die Ausgrenzung zeugt.

Diese Perspektive verlangt, dass wir Menschen und Völker

Stets von den Schwächsten her sehen: Migranten, Vertriebene, Opfer,

Flüchtlinge, Arme, die draußen am Rande der Städte verweilen.


Dieser Begriff hilft erkennen, dass Unrecht nicht einzig aus Fehlern

Einzelner Menschen entsteht, sondern fest in Strukturen und Bräuchen

Wurzelt, die fast automatisch Ungleichheit erzeugen im Alltag.

Johannes Paul nannte diese Gefüge „Strukturen der Sünde“,

Die Gottes Willen entgegenstehn, Umkehr von allen verlangen.

Darum betrifft die Gerechtigkeit nicht nur Verteilung von Gütern,

Oder Korrektur von Defiziten; sie hat eine heilende Dimension.

Zerbrochene Bande zu knüpfen, Ausschließung zu wenden, das sucht sie,

Achtend die Wunden, die koloniales Unrecht, Kriege und Rassenwahn,

Oder Gewalt gegen Völker und Ausbeutung tief hinterließen.

Dies kann bedeuten, Vergessenen Würde und Stimme zu schenken,

Pfade zur Heilung des kollektiven Gedächtnisses klug zu beschreiten,

Rechte, die diskriminieren, zu brechen und jene zu stützen,

Welche noch heute die Lasten vergangener Sünden ertragen.


Heute muss soziale Gerechtigkeit auch das digitale Umfeld

Prüfen und ordnen. Das weltweite Netz, Algorithmen, KI,

Wandeln die Weise, wie wir uns informieren und Dienste erlangen.

Wachsamkeit fordert Gerechtigkeit, dass nicht neue Formen der Knechtschaft

Wachsen, wenn Völkern der Zugang zu Technik verweigert und schwer wird,

Oder Gemeinschaften ständiger, nackter Überwachung verfallen,

Gruppen benachteiligt werden durch Codes voller Vorurteil.

Rechte digitale Ordnung sichert den Zugang zu Chancen für alle,

Schützt die Fragilsten und Jüngsten, bekämpft Desinformationen,

Unterwirft Daten und Technik der öffentlichen, klugen Kontrolle,

Dass nicht der Profit regiere, sondern das Wohl aller Völker.


Prüfstein der Gegenwart ist die Situation der Migranten,

Flüchtlinge, die wegen Armut, Gewalt und des Klimas Katastrophen

Heimat verloren und fliehen. Die Weise, wie wir sie empfangen,

Zeigt, ob Gerechtigkeit uns aus der Angst oder Liebe geleitet.

Franziskus mahnte, Migranten nicht bloß als ein Problem zu begreifen,

Sondern als lebendes Abbild des Gottesvolks auf den Wegen;

Menschen mit Würde und Träumen, die Recht auf Respektierung fordern,

Und darum bitten, ein aktiver Teil des Asyls zu werden.

Zwei Pflichten fordern uns hier, die sich gegenseitig ergänzen:

Einerseits gilt es, das Recht auf die Hoffnung derer zu wahren,

Sichere Wege zu schaffen, Bedingungen würdiger Aufnahme;

Andererseits gilt es auch zu befördern das Recht, in der Heimat

Sicher in Frieden zu bleiben, die Ursachen dort zu bekämpfen,

Wirtschaftsnot, Elend und Umweltkrisen im Keime zu heilen.

Werden die Rechte geachtet, so wird die Migration uns zur Chance

Reicher Begegnung und wechselseitigen Segens der Völker.


In Populorum progressio bekräftigte Paulus der Sechste:

Echte Entwicklung verdient diesen Namen nur, wenn sie uns ganzheitlich

Erscheint, das heißt: Jeden Menschen und ganz ihn im Auge behält.

Spätere Jahrzehnte vertieften dies Wort in der Lehre der Kirche,

Zeigten, wie große Prinzipien – Würde, Gemeinwohl, Bestimmung der Güter,

Subsidiarität, Solidarität, soziale Gerechtigkeit –

Konkrete Formen gewinnen. Unter ganzheitlicher Entwicklung

Verstehen wir jenen Prozess, drin das Wachstum der Menschen und Völker

Alle Dimensionen des Daseins umfasst und die Zukunft eröffnet.




DRITTER GESANG


Da ich die Lehren erwähnt, die das soziale Handeln erleuchten,

Wende ich nunmehr den Blick auf die dringenden Fragen des Zeitlaufs,

Welche das tägliche Leben von uns so unmittelbar treffen.

Biblischer Herkunft ist uns das Bild, das als Führer begleitet:

Hier auf der einen Seite der Turm, den in Babel sie bauten,

Wo das gemeinsame Werk nur vom Streben nach Herrschaft gelenkt ward,

Welches am Ende den Menschen entstellt und zur Knechtschaft hinabzieht.

Dort, auf der anderen Seite, erstehen die Trümmer der Stadt auf,

Die in Jerusalem einst Nehemia mit Fleiß neu errichttet’,

Als ein erhabenes Werk der gemeinsamen, treuen Verpflichtung.

Gerufen sind wir, zu schaun auf die Baustell’ des eigenen Zeitalters:

Was ist es, das wir erbaun? Da der Wandel der Technik so rasant

Sprachen, Verhältnisse, Sitten und Formen der Mächte verwandelt,

Müssen und können wir Gläubige wählen das Werk, das wir fördern,

Wählen den Stil auch des Wirkens, damit wir das Menschsein bewahren,

Welches als herrliche Gabe uns Gott zur Verwaltung vertraut hat.

Dies ist kein Urteil, das fern erst die kommende Zukunft entscheidet,

Sondern die Gegenwart lenkt; denn die Macht der Maschinen und Netzwerke

Prägt schon das tägliche Leben und ist uns im Alltag vorhanden.


Fest ist in mir die Gewissheit, dass Formen des sozialen Lebens,

Welche im Lichte des Evangeliums strahlen und wirken,

Niemals für alle Zeiten als starre Gesetze bestimmt sind.

Ihre Gestaltung bleibt Auftrag, der jeder lebendigen Kirche

Und den Geschlechtern der Christen von Alter zu Alter vertraut ist.

Unter der Führung des Geistes, entzündet vom Worte des Schöpfers,

Deutet die Kirche die Zeichen der Zeit und sucht schaffend nach Wegen,

Dass die Beziehungen rings unter Völkern und einzelnen Menschen

Immer dem Reiche des Herrn und den göttlichen Rechten entsprechen.

Darum ermutg’ ich euch alle, und ganz besonders die Laien:

Fürchtet die Wirklichkeit nicht mit den Lasten und drängenden Fragen!

Höret einander in Treue und nehmet die Pflichten entschlossen

Wahr, um zu bauen die Welt, die geschwisterlich, menschlich und frei ist.


Früh in der Schrift Laudato si’ hat der Vater, Franziskus,

Kühn das Modell der Technokraten gerügt, das die Erde beherrscht,

Welches als blindes Paradigma die weltweiten Räume durchdringt,

Weil es die Wirtschaft, das Leben und jegliche freie Entscheidung

Einzig der Effizienz und dem Nutzen und Profite hergibt.

Sichtbar wird dadurch, dass Technik nicht bloß ein Werkzeug uns darstellt;

Wird sie zum einzigen Maßstab erhoben, bestimmt sie von oben,

Was in der Welt noch von Wert ist und was man verächtlich verwirft.

So wird die Schöpfung zum Raubgut und dient nur der Ausbeutung blindlings,

Und der lebendige Mensch wird zum Rädchen im Werk der Maschinen,

Das man zur Leistung bezwingt, um die Nutzkraft noch weiter zu steigern.


Dieses Paradigma verbreitet’ sich rasch in den jüngeren Jahren,

Weil die Intelligenz, die man künstlich erschuf, sich vermehrt hat,

Wie die Kybernetik, die Robotik auch und die Biowissenschaften.

Freilich, an sich sind die Funde der Forschung ein herrlicher Segen,

Dienend dem menschlichen Wachstum und Schutz für das gemeinsame Haus.

Doch durch die eigene Kraft, die so riesig, beschleunigen jene

Dieses technokratische Denken und fordern nun dringend von uns

Geistig und ethisch und staatlich ein neues, gerechtes Gefüge.

Mächtiger sein heißt ja nicht, dass das Bessere dadurch bewirkt wird.

Aktuell bleiben die Worte, die Guardini weise gesprochen:

„Sichtbar beweist sich, dass heute der Mensch nicht zum richtigen Brauche

Seiner gewaltigen Macht und der Kräfte erzogen und reif ist.“


Dass sich die Menschheit verliert und zum Opfer der eigenen Werke

Wird, hat der heilige Papst, Paul der Sechste, schon damals gesehen,

Als er uns warnte: „Der Fortschritt der Forschung, der wunderbar groß ist,

Auch das Erstaunen der Technik und steigender Reichtum der Wirtschaft

Wenden am Ende sich gegen den Menschen und schlagen ihn nieder,

Wenn sie nicht innerlich reifen durch Tugend und sozialen Geist.“

Darum verlangt das Erfinden, so kostbar es sei für das Leben,

Prüfende Klugheit und Urteil zum Bilde des Menschen und Zielen.

Schreitet die Technik voran ohne Sitten und sittliches Reifen,

Mehren die Mittel sich rasch, doch die Menschlichkeit wächst nicht im Gleichschritt.

Dies führt zum bloßen „Mehr-Haben“, es fehlt das wahrhafte „Mehr-Sein“,

Und das Geschöpf läuft Gefahr, nach der Leistung nur schätzbar zu werden.


Hier muss ein wichtiges Faktum erkannt und betrachtet nun werden,

Das ich bereits an den früheren Stellen des Textes erwähnt’:

Denn im digitalen Raum liegt die Herrschaft der Netze und Plattformen,

Liegen die Daten und Rechenmaschinen in herrschenden Händen,

Die nicht den Staaten gehören, sondern Konzernen der Wirtschaft.

Diese bestimmen von sich aus den Zugang, die Regeln der Sichtbarkeit,

Formen die Teilhabe selbst nach dem eigenen Nutzen und Willen.

Wenn sich solch mächtiger Einfluss in wenigen Händen ballt,

Droht die Gefahr, dass er dunkel und frei von Kontrolle der Völker

Wächst und das Risiko schürt, dass durch schiefe und falsche Entwicklung

Neue Abhängigkeit, Zwang und Verstoßung und Unrecht entstehen.


Gegen die Ballung der Macht in der Sphäre der digitalen Welten

Werden die Sätze der Soziallehre uns zu erhabenen Maßen:

Unveräußerlich bleibt uns die Würde des Menschen, das Gemeinwohl,

Güterbestimmung für alle, Solidarität und die Hilfe,

Auch die Subsidiarität und die soziale Gerechtigkeit ringsum.

Diese Prinzipien prüfen, ob Algorithmen und Netzwerke

Teilhabe fördern, das Wohl aller schützen, Gerechtigkeit wecken,

Oder ob Schwache erdrückt und die Chancen der Vielen geraubt sind.

Auf diesem Grunde betrachten wir nunmehr das Wesen der Künstlichen

Geister, das Risiko selbst und die Chancen, die jene eröffnen.


Nicht ist es meine Absicht, ein Handbuch der Technik zu schreiben,

Noch das Verzeichnis der Bücher zu füllen, das riesig gewachsen;

Wichtige Beiträge liegen bereit, auch im Schoße der Kirche,

Welche man nutzen und lesen mag, um sich im Geist zu belehren.

Hier nur erwähn’ ich die Kerne, die wichtig zur Unterscheidung

Sitten und Sozialem sind, damit der Primat uns des Menschen

Bleibe, und menschliche Vernunft mit Gewissen und Freiheit

Führe das Werk der Maschinen und Grenzen des Nutzens bestimme.


Zweierlei gilt es zuvörderst zu sehen und reif zu bedenken:

Erstens läuft jegliche Deutung Gefahr, durch das Tempo der Technik

Schnell zu veralten, da täglich das System sich erneuert und wandelt.

Zweitens gestehn wir uns ein, dass auch jene, die alles erfanden,

Wenig nur wissen vom inneren Lauf und der Funktion der Systeme.

Künstliche Geister von heute sind eher „gezüchtet“ als „gebaut“:

Denn die Entwickler entwerfen nicht jedes Detail mit den Händen,

Sondern sie schaffen den Raum, drin das Netzwerk organisch heraufwächst.

Daher bleibt vieles im Dunkeln, wie Rechnen und Repräsentieren

Sich im Gehäuse vollziehn; uns ist es ein Rätsel der Wissenschaft.

Daraus entspringt die Notwendigkeit, doppelt den Weg zu beschreiten:

Einerseits forsche die Wissenschaft tief, andererseits sei geübt uns

Moralische Klugheit und Unterscheidung im Geiste des Schöpfers.


Niemals gelingt es, begrifflich zu fassen das Wesen der künstlichen

Geister; doch hüten wir uns vor dem Irrtum, den Apparat uns

Gleichzustellen dem Geist, den der Mensch als lebendiges Gut trägt.

Diese Systeme kopieren nur Funktionen des menschlichen Denkens;

Oftmals übertreffen sie uns an Tempo und Rechenkapazitäten,

Bieten in manchem Bereich uns konkreten und nützlichen Beistand.

Aber die Leistungsfähigkeit rührt nur her von den Daten:

Künstliche Geister erfahren ja nichts und sie besitzen kein Fleisch,

Fühlen nicht Freude noch Schmerz, und sie reifen in keiner Beziehung,

Wissen im Inneren nicht, was die Liebe, die Arbeit, die Treue

Oder die Freundschaft bedeutet, und Pflicht ist ihnen ein Fremdwort.

Auch kein Gewissen ist ihnen gegeben: Sie scheiden nicht Gut und Böse,

Kennen den tieferen Sinn nicht und tragen nicht Lasten der Folgen.

Sprachen imitieren sie wohl und sie täuschen Gefühle uns vor,

Spielen Empathie aus und Verständnis, doch wissen sie niemals,

Was sie bewirken im Kreis und im Herzen der fühlenden Wesen,

Weil sie im geistigen Horizont nicht zur Weisheit gelangen.

Wenn man sie „lernfähig“ nennt, ist ihr Lernen doch gänzlich verschieden

Von der Person, die durch Fehler und Reue und Treue im Leben

Wächst und sich formen lässt; jene verändern nur Zahlen und Werte,

Passen Statistiken an, was kein inneres Wachstum bedeutet.


Aus den Gedanken versteht man nun leichter, warum das System uns

Wertvolle Hilfe gewährt und zugleich uns zur Wachsamkeit mahnt.

Sehr hat der private Gebrauch sich vermehrt in den jüngeren Jahren,

Und man erwägt die Gefahren und Chancen der raschen Verbreitung.

Drei der Aspekte sind hier im privaten Gebrauche zu prüfen:

Leichtigkeit, mit der man fundierte Ergebnisse erlangt,

Scheinbare Objektivität und das Täuschen von menschlichem Sprechen.

Schnelligkeit schont uns die Kraft, wenn wir Texte und Bilder empfangen,

Doch sie gewöhnt uns auch dran, das Bedenken zu delegieren,

Schwächt das persönliche Urteil und tötet die eigene Schöpfungskraft.

Auch die vermeintliche Wahrheit der Antworten täuscht uns am Ende,

Vergessen wir, dass sie den Geist derer spiegeln, die alles trainierten,

Mit den Schwächen und Fehlern der Kultur, die sie einbauten.

Und das Simulieren von Liebe und Trost in den Worten der Technik

Mag uns gefallen, doch führt es den Einsamen leicht in die Irre,

Weckt die Illusion, dass ein Du ihm im Apparat nun begegnet.

Wo man das Wort nur kopiert, ist Beziehung ein leerer Schein;

Gefährlich wird dieses Spiel, wo die echte Zuneigung fehle:

Nicht nur, dass Menschen dann glauben, Maschinen als Freunde zu lieben,

Sondern sie verlieren die Lust, dem lebendigen Menschen zu begegnen.


Weiten den Blick wir nun aus auf die Nutzung im Schoße der Völker,

Sehn wir die Künstliche Intelligenz schon an jeglicher Stelle:

In der Kommunikation, in der Lenkung, in staatlicher Führung.

Vorteile liegen am Tage für Wirtschaft und wirksame Dienste;

Kritiklose Aufnahme birgt doch Gefahren, die Umwelt zu schädigen.

Denn das System der Maschinen verbraucht viel Energie und auch Wasser,

Bläst das Gewölke von Kohlenstoffdioxid hoch in die Lüfte,

Zehrt von den Schätzen der Erde im Übermaß, riesig und störend.

Wächst das Computermodell, wächst der Hunger nach Strom und Computern,

Fordert Kabel und Hallen und kühlende Meere von Kräften.

Darum ist es Pflicht, nachhaltige Wege der Technik zu finden,

Um das Klima zu schonen und unser gemeinsames Haus zu bewahren.


Niemals ist Technik allein der Gebrauch der künstlichen Geister:

Werden sie tief in Prozesse gefügt, die das Leben bestimmen,

Berühren sie Rechte und Chancen, die Freiheit und Ehre der Menschen.

Dringende Urteile rings um die Arbeit, Kredite und Dienste,

Auch um den Ruf der Person, sie laufen Gefahr, dass man jene

Gänzlich Systemen übergibt, die von Automaten gesteuert,

Welche Erbarmen und Mitleid und Gnade und Vergebung nicht kennen,

Denen die Hoffnung verschlossen, dass sich ein Mensch noch verwandle;

Dadurch gebären sie neue Verstoßung und finstere Spaltung.

Grausam erwächst uns daraus die Verachtung des Menschen im Alltag,

Wenn man die Wahrheit verzerrt und die Sphäre des Geheimen verletzt wird.

Leiser und heimlicher droht uns jedoch die Gefahr, wenn Systeme,

Die sich als sachlich und wertfrei gebärden, die Vorurteile

Sowie das Denken derer verstärken, die alles programmiert.


Gibt man dem Rechenmodell die gewaltige Macht zu entscheiden,

Wem ein Gewinn noch gehört und wer leer ausgeht im Gefüge,

Ohne dass irgendein Mensch die Verantwortung trägt für die Folgen,

Heißt das, dem Algorithmus die Grenzen des Lebens zu reichen.

Völlig verloren geht hier nicht nur das Erbarmen mit jenen,

Welche verstoßen sind (was man ja künstlich kopieren und fälschen kann),

Sondern es flieht die politische Pflicht; denn das Elend der Schwachen

Wird mit dem Mantel der Sachlichkeit kühl und neutral überzogen,

Gegen den niemand mehr aufbegehrt oder Proteste erhebt.

Lautlos verhallt das Unrecht im Lande; Erbarmen und Gnade,

Auch die Vergebung (nicht als Fassade, als Taten des Staates),

Weichen vom Platze und schwinden dahin aus dem Auge der Völker.


Einfach und zwingend zugleich ist daraus die logische Folge:

Niemals betrachten wir künstliche Geister als ethisch neutral.

Jedes erfundene Werkzeug bringt Werte und Wünsche des Geistes:

Was es berechnet und misst, was es weglässt, optimiert und gestaltet,

Wie es den Menschen bewertet und wie es die Lage herabstuft.

Wenn ein System so gebaut ist, dass Leben als minder geachtet

Oder verstoßen wird, ohne dass man ein Recht zum Protest hat,

Ist es kein Werkzeug allein, das man „gut“ oder „schlecht“ nur gebraucht;

Sondern es führt schon ein Urteil herbei, das der Würde des Menschen,

Die uns unantastbar bleibt, mit Gewalt widerspricht und sie schmälert.

Darum beschränke sich sittliche Prüfung nicht bloß auf die Fragen,

Ob man das Mittel zu guten und edlen Entschlüssen verwendet,

Sondern sie frage zuerst, wie das Werk im Entwurfe geformt ward,

Welches Gesicht von dem Menschen und Staate den Daten geprägt ist.


Dass die Intelligenz die erhabene Würde des Menschen

Achte und dienend dem Wohle aller Völker sich widme,

Muss die Verantwortung stets im Verlaufe des Wirkens geklärt sein:

Angefangen bei jenen, die Netze entwerfen und nähren,

Bis zu den Nutzern am Ende, die Urteile blind ihnen schenken.

Oftmals sind Wege im Innern, die rasch zu den Daten geführt,

Dunkel und undurchsichtig; das hindert das Finden der Schuldigen,

Erschwert die Besserung auch, wenn ein Fehler im Rechnen entstanden.

Hier wird nun wichtig und groß, was wir Accountability nennen:

Dass man den Urheber findet, der mutig muss Rechenschaft geben,

Der den Entschluss begründet, kontrolliert und, wenn nötig, bestreitet,

Und für den Schaden geradesteht, den die Maschine bewirkt hat.


Ruft man zur Vorsicht auf, zur Kontrolle und Hemmung des Tempos

Bei der Einführung künstlicher Geister im täglichen Leben,

Heißt das nicht, Fortschritt zu hassen, es zeigt nur die sorgende Liebe

Für die Familie der Menschen auf Erden in Zeiten des Wandels.

Dringender wird diese Pflicht, da ein schweres Ungleichgewicht herrscht

Zwischen dem rasenden Lauf der Erfindungen und dem Heraufreifen

Unserer Sitten und Rechte und Staaten, die alles beherrschen.

Allgemein rufen nach Ethik, das reicht nicht für heilende Wege:

Rechtliche Schranken sind nötig und freie Aufsicht im Lande,

Bildung der Nutzer und Staaten, die fest ihre Aufgaben wahren.

Andernfalls herrscht im Gefüge allein die Technokratie blind,

Formt das Gesetz als ein Schicksal, dem niemand entrinnen kann ringsum,

Diktierend Regeln durch jene, die Rechenkraft, Netze und Daten besitzen.


Fordern wir nicht von Maschinen allein, dass sie sittlich handeln,

Was man die Ausrichtung nennt auf die Werte, die Menschen beseelen!

Mutig verlangen wir weiter als zweite Bedingung im Bündnis:

Dass man den Kodex der Sitten diskutiert und mit Maßen vergleiche,

Welche Gerechtigkeit fordern für alle Gemeinschaften ringsum.

Andernfalls zwingen uns jene, die künstliche Geister besitzen,

Ihre Moral als ein unsichtbares Gerüst in die Netze.

Sittliche Technik nützt nichts, wenn die Sitte von wenigen stammt.

Was wir bedürfen, ist Politik, die präsenter im Leben,

Fähig, die Bremse zu ziehen, wo alles nur stürzt in die Schnelligkeit,

Schützend den Raum, drin das Volk noch gemeinsam berät und befragt.


Wie es bei jeglicher Wende der Technik von jeher geschehn ist,

Stärkt die Intelligenz vor allem die Mächtigen wieder,

Die schon den Reichtum besitzen, die Daten und Wissen verwalten.

Blickt man zum Gemeinwohl hin und zur Güterbestimmung für alle,

Weckt dieses Phänomen Sorgen und Ängste im Schoße der Völker:

Kleine und mächtige Gruppen gelingt es, den Konsum zu lenken,

Demokratie zu gefährden und Märkte zum Nutzen zu biegen.

Dies widerspricht der Gerechtigkeit tief und dem Geiste der Brüder.

Darum ist es Pflicht, dass der Einsatz der künstlichen Geister –

Wo es um Güter des Volkes und Rechte des Menschen sich handelt –

Klaren Gesetzen gehorcht, die von Teilhabe innig geprägt sind.

Völker und Zwischenglieder des Staats, sie dürfen nicht schweigend

Bloße Empfänger der Urteile sein, die ein anderer fällte,

Sondern sie müssen entscheiden und prüfen; das Eigentum auch uns

Aller Daten sei niemals den privaten Firmen überlassen!

Daten erwachsen aus vielen; man darf sie nicht einzeln verkaufen.

Schöpferisch müssen als Gut wir sie pflegen im Sinne der Teilhabe,

Wie Johannes Paul, der Heilige, einst es für Güter gelehrt hat.


Lehren der katholischen Kirche erleuchten das neue Gebilde.

In einer Welt, drin so wenige Akteure die Rechengewalt und

Daten besitzen, bedeutet das Wort von dem Gemeinwohl:

Dass wir die Asymmetrie der politischen Mächte entlarven,

Kühn die Monopole nennen beim Namen und öffentlich rügen.

Sprechen vom gemeinsamen Gut aller Güter bedeutet im Alltag:

Wege zu finden, damit auch den Ärmsten die Bildung gewährt wird.

Subsidiarität fordert Schutz für das Recht der Gemeinschaften ringsum,

Dass sie entscheiden und bessern, statt bloß zu gehorchen den Normen,

Welche im Fernen beschlossen; und sprechen wir von Solidarität,

Müssen die Augen wir öffnen für Sklavenarbeit in den Kellern,

Die hinter algorithmischen Mustern verborgen und stillschweigt.

Sprechen von Recht heißt: Fragen, wer eigentlich Modelle trainiert,

Und wer als nacktes Objekt nur dem Lernen der Geister geopfert.

Wissen wir wohl: Die Gerechtigkeit ist nicht ein Ziel für das Ende,

Sondern Bedingung am Anfang, die schon im Entwurfe muss wirken.


Endlich erwähn’ ich ein Wort, das dem Herzen so teuer mir ward:

„Entwaffnen“. Künstliche Geister entwaffnen bedeutet im Geiste,

Sie aus der Logik zu reißen des rüstenden Wettlaufs der Mächte,

Der nicht im Kriege nur wütet, im Handel und Wissen auch brennt.

Denn in dem Rennen geht’s nur um das stärkste Modell und die Daten,

Um geopolitischen Vorsprung vor allen den anderen Völkern.

Dieses Entwaffnen zerbricht das Gesetz, das die technische Macht gleich-

Stellt mit dem Rechte zu herrschen; entwaffnen heißt niemals, auf Technik

Völlig zu sühnen, es hindert nur, dass sie den Menschen beherrscht.

Heißt, sie Monopolen zu entreißen, sie offen zu prüfen für alle,

Dass sie dem Leben sich öffne, der Vielfalt der menschlichen Rassen.

Nicht nur moralisch und technisch ist diese gewaltige Aufgabe:

Ökologisch im Kern ist sie, denn sie betrifft das Gehäuse,

Unser gemeinsames Haus; denn die Technik umgibt uns wie Luft schon,

Ist eine Umwelt geworden und Macht, der wir täglich begegnen.

Darum genügt kein Gesetz: Sie muss zärtlich entwaffnet und lebensnah sein.


Einen besonderen Ruf send’ ich jenen, die Künstliche Welten

Bauen mit forschendem Geist: Die Erfindung des Neuen im Leben

Kann eine Teilhabe sein am erhabenen Schöpfungsakt Gottes.

Groß ist die sittliche Pflicht, die auf euren Schultern nun ruht;

Denn jede Wahl im Design drückt ein Bild von dem Menschen uns aus.

Gleichwie der Meister des Liedes oder Schöpfer von Bildern die Werte

Prüft, die sein Werk offenbart, so seid auch ihr alle gehalten,

Werte, die ihr in die Projekte ergießt, mit dem Ernste zu hüten:

Offen und wahr, voller Pflicht vor dem Volk und mit wachsamer Sorge,

Dass das Gebilde der Hände den Menschen zum Segen gedeihe.


Da wir die Frage der Pflicht und der Steuerung nunmehr betrachet’,

Kehren zum Kern wir zurück: Was bedeutet es, Menschsein zu hüten?

Nicht nur der Missbrauch der Technik bedroht uns mit düsteren Gefahren,

Sondern das technokratische Denken, von dem wir umgeben,

Das durch die künstlichen Geister verstärkt wird, lässt Irrtum als Wahrheit

Gelten: als sei es das Höchste im Leben, nur Güter zu häufen,

Mängel zu tilgen, das Unvorhergesehene völlig zu bannen,

Alles im Griffe zu halten und sicher im Leben zu stehen.

Wird die Effizienz uns zum einzigen Maßstab der Werte erhoben,

Wird sich der Mensch als Projekt zur Optimierung betrachten,

Statt als Geschöpf, das zu Liebe, Beziehung und Brüderlichkeit rief.


Immer ist’s falsch, eine einzige Seite des Menschen zu ehren.

Nicht nur der Mangel allein bringt Verwirrung und Elend im Leben;

Auch was im Übermaß wächst, wird zur Armut des Geistes am Ende.

Denn im Gefüge der Schöpfung zerrinnt das Gleichgewicht rasch, wenn

Eine der Arten sich ausbreitet auf Kosten der anderen Wesen.

Gleich ergeht es dem Menschen, wenn eine der Kräfte im Innern

Sich zum Tyrannen erhebt und das Maß für das Ganze will sein.

Wird die Intelligenz so vergöttert, dann weichen die anderen,

Großen Dimensionen des Lebens zurück in den Schatten:

Gefühle, Wille und Opfer und Liebe; die technische Macht uns,

Wenn sie nicht ausgewogen, sie macht uns nicht stärker im Alltag,

Sondern sie lässt uns einsam und schwach für die Herrschaft des Unrechts.

Gegen den Geist und das Denken zu eifern, das wollen wir niemals;

Doch er vergesse nicht selbst, wenn er stolz sich verschließt in das Eigene,

Dass er erschaffen ward, dienend dem Leben und Menschen zu helfen.


Niemals bemisst sich der Wert einer echten Kultur nach der Mächte

Fülle der technischen Mittel, es zeigt ihn die Sorge der Liebe,

Welche sie leistet im Alltag, die Kraft, in dem Nächsten ein freies,

Personales Gegenüber zu sehn, nicht bloß eine Funktion uns.

Gegenseitig zu sorgen im Kreis, ist ein wichtiges Zeichen

Unseres Menschseins; wir lernen es tief durch die Wege der Erfahrung.

Liest man ein Märchen dem Kinde, gesellt man sich gern zu dem Greise,

Oder gestaltet man einladend Orte, so sind das im Grunde

Dinge des Hauses; doch helfen sie uns, die Bedeutung der Sorge

Auch im Gefüge des Staates zu spüren und fest zu verankern.

Zudem schulen sie uns, in dem anderen Menschen das Wesen

Anerzukennen, das Achtung verdient; und es helfe die Technik

Gern der Sorge der Menschen, indem sie uns Werkzeuge schenke,

Die uns bei Planung und Ordnung begleiten, doch ohne die Freiheit

Oder das Urteil des Geistes zu schmälern, der Subjekt der Liebe

Bleibt im Beziehungsgeflecht und für jegliche Folge verantwortlich.


Um die Fundamente der Kultur nun ans Licht zu befördern,

Welche die digitale Wende begleiten mit mächtigem Rufe,

Lenk’ ich das Auge auf Strömungen jetzt, deren Fortschritt im Grunde

Nur im Hinausgehn liegt über Grenzen der menschlichen Natur.

Diese fassen wir kurz als Trans- und als Posthumanismus.

Sie sind der geistige Hintergrund heut in den Zentren der Technik,

Säen Kolonien der Einfachheit aus in dem Denken der Völker,

Breiten in Medien sich aus und den Netzen, wo visionäre

Bilder vom „besseren Menschen“ (dem enhanced human) uns täuschen,

Oder vom Bastard aus Fleisch und Maschine Begeisterung wecken.


Beide Begriffe umfassen verschiedenes Streben und Denken;

Schwerlich gelingt es, ein deutliches Bild ihrer Formen zu zeichnen.

Gleich einem Archipel von Inseln des Geistes erscheinen

Sie im Entwurf, doch verbindet sie alle das Meer der Vermutung:

Zentral stehe die Technik, und Traum sei das Brechen der Schranken,

Welche dem sterblichen Leben gesetzt. Im Transhumanismus

Sucht man den Menschen zu bessern durch Mittel der Biowissenschaft,

Engineering, Apparate und Zahlen, um Leistung zu steigern.

Weiter noch geht, wer als Posthumanist in den radikalen

Kreisen den Anthropozentrismus verdammt und das Hybridwesen

Formt aus Maschine, Natur und dem Menschen, bis Schwellen des Geistes

Überschritten, wo Menschheit sich selbst überwindet im Welten-

Lauf, um zu treten ins nächste Stadium der Evolution rings.

Bleiben die Thesen auch weitgehend heute spekulative,

Prägen sie dennoch das Denken und lenken die Staaten und Wirtschaft.


Aber im Lichte der Soziallehre der Kirche erscheint uns

Kritisch nicht Nutzung der Technik als solche, das Credo dahinter

Ist es: Wenn Mensch nur als Stoff gilt, den man vervollkommnet und austauscht,

Wird es am Ende erträglich, dass einige Völker als minder

Nützlich, als weniger liebenswert, würdig angesehen und verachtet.

Denn im Namen des Fortschritts erwägt man das „nötige Opfer“,

Lässt so die Schwächsten bezahlen den Preis für das Züchten der Rasse.

Paulus der Sechste, der Heilige, warnte uns weitsichtig damals:

Wenden am Ende sich Forschung und Technik, wenn Tugend und Sitten

Fehlen im sozialen Geist, gegen Menschen und schlagen sie nieder.

Scharf sei die Trennung: Das eine ist’s, Technik ins Menschsein zu fügen,

Etwas ganz anderes ist’s, dem Phantom des Genügens zu folgen,

Das die Begrenztheit verhöhnt und das Heil aus Maschinen verspricht uns.


Unser Verhältnis zum Leben, es scheint in der Krise zu stecken.

Alles, was uns als Begrenztheit erscheint – wie das Alter, das Leiden,

Krankheit, Unfähigkeit auch und Verwundbarkeit –, gilt im Geiste

Meistens als Mangel allein, den man schleunigst beheben und tilgen muss,

Nicht als ein Zustand, drin Reife geschieht und uns öffnet für Liebe.

Denken wir dran: Nicht trotz der Begrenztheit entfaltet der Mensch sich,

Sondern oft durch sie gelangt er zur Blüte. Ein Blick auf die Welten

Hilft uns im Lichte des Glaubens zu sehn die Kontingenz der Dinge.

Ist es auch Pflicht, dass wir lindern den Schmerz, der das Leben uns zeichnet,

Ist es doch weise, die Endlichkeit anzuerkennen im Wissen,

Dass die Erfahrung der Religion und der Glaube der Christen

Dazu uns laden, das Drama von Größe und Schranke des Menschen

Ohne die Einfachheit frei vor dem Schöpfer in Treue zu leben.


Gerade durch Schranken erwächst in uns Raum für das Mitleid, für echte

Sorge um Nöte des Bruders, für Großmut, die mitten im Dunkel

Oder im Scheitern uns plötzlich überrascht; es schenkt uns im Geiste

Heilige Wege und Raum für die Anbetung Gottes, des Herrn rings.

Sichtbar beweist sich dies oft, wenn Begrenztheit im Leben konkret wird:

Wenn uns Verstoßung begegnet, wenn Schmerz um den Tod eines Lieben

Uns in das Herz schneidet, wenn Unvermögen das Wirken uns lähmet.

Denn auf geheime Weise ersteht in den Stunden der Armut

Neue Weisheit, wir spüren die Liebe des Nächsten im Leiden,

Und wir erfahren des Heilands Präsenz, der uns tröstend nahe ist.


Wird auch Begrenztheit als innerer Schmerz in der Seele erfahren,

Sagt uns die menschliche Weisheit: Vernichte ihn nicht und erstick ihn

Niemals, integriere ihn vielmehr! Um Schmerzen ganz zu vertreiben,

Müsste man schließlich die Sehnsucht und Liebe im Herzen auslöschen.

Wer ja noch liebt und begehrt, kann den Prüfungen niemals entrinnen;

Darum bewahren wir Lehren in uns, die wie Narben geprägt sind,

Zeugen des Weges, den zwischen der Freiheit und Niederlag’ ringsum,

Zwischen den Träumen und Enttäuschungen wir im Verlaufe durchschritten.

Nur durch das Flechten der Fäden geschehen die Wunder der Seele,

Die uns den höchsten Genuss unseres Menschseins kosten lassen.

Wer auf das Abenteuer verzichtet im Wahn, alle Schranken

Völlig zu brechen, mag vieles erlangen, doch Mensch ist er nicht mehr.


Sittlicher Verfall unsrer geschöpflichen Schranken – das Böse,

Das so offensichtlich das menschliche Herz im Verlaufe aufwühlt –,

Tötet das Leben und bricht den Verband der Gesellschaft in Stücke,

Führt in die tiefsten Abgründe der Unmenschlichkeit ringsum.

Dennoch lässt diese schmerzhafte Form der Begrenztheit ein kleines

Licht der Hoffnung für Gutes erglänzen; selbst wenn sich der Mensch uns

Gänzlich unmenschlich verhält und Tragödien furchtbar verursacht,

Leuchtet im Menschsein ein Fünkchen noch fort, das die Gnade des Schöpfers

Zünden kann auf dem Pfade der Reue und Versöhnung im Geiste.

Viktor Frankl sagte mit Recht, dass im Grauen der Zeiten

Wir den Menschen erkannten, wie er in der Wirklichkeit ist rings:

Er ist das Wesen ja, welches die Gaskammern Auschwitz’ erfand einst;

Er ist das Wesen auch, welches die Kammern mit erhobenem Haupte

Betreten hat, mit dem Vaterunser auf betenden Lippen.


Wird die Endlichkeit wahrhaft angenommen, so macht sie den Menschen

Niemals arm, sondern öffnet das Auge zum Antlitz des Schöpfers

Und des Bruders; gerade weil er die Schranke erfährt im Verlaufe –

Schmerzen, Verwundbarkeit, Scheitern –, erkennt er die Würde des Nächsten

Und die eigene Würde als unantastbar und heilig.

Und in der Schranke bleibt er fähig, Geschwisterlichkeit rings

Ahnen zu lernen, die größer als er; sieht im Unrecht den Skandal.

Kunst und Kultur hüten, wenn sie authentisch sind, diesen Funken,

Wehren sich gegen das Abstumpfen vor dem Verbrechen im Alltag.

So erlangten oft Werke den prophetischen Wert für die Völker:

Beethovens Neunte als Sehnsucht nach Einheit; Guernica klagt an

Die Entmenschlichung wild; und die Liste von Schindler ermahnt uns,

Dass die Vergangenheit niemals im Strom des Vergessens versinke.


Nicht nur Gewalttaten bietet Geschichte im Wandel der Zeiten,

Sondern sie liefert den Beweis, dass die Menschheit imstande, Gesetze

Und Institutionen zum Schutze des Lebens gemeinsam zu gründen.

In den vergangenen zwei Jahrhunderten sehen wir Zeichen:

Sehn die Gründung des Roten Kreuzes (im Jahre des Heils dreiundsechzig),

Dessen Neutralität allen die rettende Pflege gewährt hat;

Sehn auch den langen Prozess, der zur Freiheit der Sklaven geführt hat,

Der nicht ein rechtlicher Akt nur, ein Wandel des Geistes im Volk war;

Sehn die Vereinten Nationen entstehen (im Jahre fünfundvierzig)

Samt der Erklärung der Rechte der Menschen (im Jahre achtundvierzig),

Die eine Sprache geschaffen, als hohes Ideal zu betonen,

Dass die Würde universal sei; und Genfs Konvention für

Flüchtlinge (einundfünfzig) erkennt an die Pflicht, sie zu schützen,

Wenn sie vor Drohung und Folterung fliehen. In diesen Beispielen

Findet die Sehnsucht nach Gutem den klaren, lebendigen Ausdruck

In Institutionen und Normen, die fähig, Gewalt einzudämmen,

Schützend die Schwachen im Lande. Doch nichts ist entstanden ohn’ Wider-

Stand oder engstirnig Denken und Trägheit der alten Kulturen.

Sittlicher Fortschritt ist fast immer beschwerlich und lang auf den Wegen,

Oft von Rückschritten gezeichnet: Bedenken wir Friedensprozesse,

Die unterbrochen, und Pflichten fürs Klima, die langsam erfüllen.

Doch die Fragilität der Ergebnisse zeigt uns, wie kostbar

Pflicht und Verantwortung derer, die alles erwecken und stützen.


Manche Ereignisse helfen uns weise zu sehn, dass Geschichte

Sich verändern kann, wenn auch nur ein Mann oder eine der Frauen

Würde ernst nimmt für alle: Die Bürgerrechtsbewegung im Lande

Der Amerikaner, verbunden dem Zeugnis des Martin Luther King,

Oder das Ende der Apartheid im Süden des afrikanischen Raumes,

Als nach der Haft Nelson Mandela entschied, dass die Zukunft der Völker

Niemals vom Hasse geprägt sei. In unterschiedlichen Welten

Haben sich mutige Frauen hervorgetan voller Großmut:

Laura Montoya, die Heilige, Teresa von Kalkutta im Elend,

Dorothy Day, Marie Skłodowska Curie in der Forschung,

Montessori Maria, Elisabeth Elliot im Glauben,

Wangari Maathai, Benazir Bhutto und viele der anderen

Aus den Kontinenten der Erde; sie halfen durch edles Bemühen,

Dass die Geschichte der Menschen im Laufe viel menschlicher werde.


Neben den Zeugnissen, welche im Lichte der Öffentlichkeit strahlen,

Gibt es verborgeneres, aber entscheidendes Wirken auf Erden:

Heilige Orden, die wählen die armen und fährlichen Orte;

Märtyrer auch der Geschwisterlichkeit und Gerechtigkeit im Lande,

Wie Maximilian Kolbe, Oscar Romero im Streite,

Und Angelelli, der Selige; Zeugen auch, welche im harten,

Oft unmenschlichen Zustand die Hoffnung des Wortes des Herren

Und die Würde des Menschen verkörperten kühnlich im Leben,

Wie der ehrwürdige Diener Gottes, Nguyên Văn Thuân.

Und vor allem die „Märtyrer des Alltags“, die ohne das Aufsehn

Pflegen, erziehen, begleiten und trösten im Kreise der Schwachen:

Eltern, Pflegepersonal, Ärzte, Freiwillige ringsum,

Die einem Alten beistehn oder dem, der verstoßen im Elend.

Ihr Zeugnis zeigt uns, das Gute geschieht nicht von selbst in den Zeiten,

Sondern verlangt Beharrlichkeit, Denken und Reue des Herzens,

Die es ermöglicht, nach Rückschlägen neu im Verlaufe zu beginnen.


Dieses Zusammenspiel aus gerechten Gesetzen im Staate,

Glaubwürdigen Zeugen und täglicher Treue erhält uns die Hoffnung

Frisch und weist die Richtung: Die Technik weiterzuentwickeln,

Ohne das Herz im Gehäuse der Brust verkümmern zu lassen.

Aus diesem Grund darf die Menschheit – die großartige, wunde –

Niemals ersetzt noch überwunden werden auf Erden!

Gerne begrüßt sie den technischen Fortschritt, um Leiden zu lindern,

Neue Räume zu öffnen, doch nur, wenn sie niemals verleugnet,

Was sie wahrhaftig vermenschlicht: Die Fähigkeit zu Lieben.

An dieser Stelle erhebt sich die alles entscheidende Frage:

Wenn es ein wahres More than human gibt, wo ist es zu finden?

Antwort des Glaubens verweist uns auf Vollendung am Ende,

Die nicht von Götzen der Technik, von Gnade des Schöpfers uns stammt,

Welche wir dankbar in Christus, dem Herrn, im Verlaufe empfangen.


Nicht der Verheißung der Technik allein gehört die erhabne

Rede vom More than human; es lehrt die Tradition uns der Christen

Seit Jahrhunderten schon, dass der Mensch nicht gänzlich beschränkt ist

Auf die Natur und die Schränken des Fleischs, er soll sich erheben:

Nicht um der Wirklichkeit feig zu entfliehn oder Grenzen zu schänden,

Sondern damit er im Feuer der Liebe vollendet und ganz werde.

Wissend erfährt nun der Glaube das Große „Darüber-Hinaus“ uns,

Welches aus Gnaden des Schöpfers entspringt; die Verwandlung im Geiste

Ist ein lebendiges Werk, das der Heilige Geist uns bereitet.

Gleichwie der heilige Thomas von Aquin weise gelehrt hat,

Übersteigt dieser Prozess der Erhebung und Wandlung im Leben

„Jegliche Fähigkeit, die der geschaffenen Rasse gegeben“,

Weil zwischen uns und dem göttlichen Wesen ein unendlicher Abstand

Ewig verbleibt; doch es offenbart sich das Wunder den Völker,

Dass wir im Herzen des endlosen Lebens Herberge finden,

Wandeln wir auch noch als Sterbliche hier in den Schranken der Erde.

Und den erhabenen Pfad kann uns nur der Unendliche weisen,

Der sich verschenkt: Gott selbst, der den unendlichen Abstand

Gnadenvoll bricht. So vollzieht sich die Schöpfung des Menschen aufs Neue:

„Ist nun in Christus ein Mensch, so erscheint er als neue Kreation;

Siehe, das Alte verging, und das Neue ist herrlich geworden!“


Wenn wir die Möglichkeit wählen, uns durch die Gnaden des Schöpfers

Selbst zu überschreiten im Geist, so verleugnen wir niemals das Eigne,

Werden nicht weniger menschlich; im Gegenteil, wie es Franziskus,

Unser erhabener Vater, uns sagt: „Das vollendete Menschsein

Finden wir erst, wenn wir mehr als nur menschlich sind, wenn wir dem Herren

Ernstlich erlauben, uns über uns selbst und die Schränken zu führen,

Dass wir gelangen zu dem, was das eigentliche Wesen uns darstellt.“

Hierin verbirgt sich der radikale Unterschied zu den Träumen

Prometheischer Art: Was den Menschen erlöst aus dem Elend,

Ist nicht die stolze Autonomie, es ist die Beziehung, die frei macht,

Und die Gemeinschaft, die alles verwandelt. In diesem Gefüge

Kann eine Technik, die alles sortiert und im Rechnen optimiert,

Heimlich zum Hindernis werden für Wachstum und Wandel des Geistes.

Denn für den Algorithmus ist Fehler ein Makel, den schleunigst

Man korrigieren muss; doch für den Menschen bedeutet er oftmals

Anfang und Quelle von tieferer Wandlung und Segen im Leben.

Niemals berechenbar bleibt uns die Zukunft des Menschen; sie ist ja

Seiner Freiheit vertraut, die die unendliche Gnade des Herren

Herrlich erhebt, wie den Banden der Liebe, die treu er gepflegt hat.


Wissenschaft lehnt der christliche Geist und die Technik nicht ab uns,

Sondern empfängt sie mit Dank und mit Realismus im Alltag,

Sieht sie im Kontext nüchtern und klar einer höheren Pflichtung.

Schöpferisch walte die menschliche Vernunft als ein Geschenk uns,

Welches die Leiden gelindert und neue Gelegenheiten öffnet.

Dennoch verbleibe sie stets auf das Wohl aller Völker gerichtet,

Auf die Gerechtigkeit, Sorge fürs Schwache und Schöpfung des Herrn rings.

Sichtlich besteht die Alternative nicht zwischen der Angst und

Blinder Begeisterung, sondern im Bauen der künftigen Welten:

Wählen wir Fortschritt, der Menschen und Völkern in Liebe zu Diensten,

Oder den Fortschritt, der alles der Logik der Mächte unterwirft?

Endlich verbleibt die entscheidende Frage, die Johannes Paul einst

Kühnlich erhoben: „Macht Künstlicher Geist das lebendige Dasein

Auf dieser Erde in jeglichem Sinne wahrhaftig viel menschlicher?

Macht er das Leben den Menschen viel würdiger?“ Wenn wir ein „Ja“ nun

Sprechen mit Zuversicht, sehen wir darin die gute Gelegenheit,

Die man mit Pflicht auf dem Pfade des gemeinsamen Bauens im Lande

Nutzen und pflegen soll, gleich dem Jerusalem, welches im Buche

Nehemias beschrieben, da Trümmer sie hoben aus Staub auf.

Wächst jedoch herrisch die Macht, während Herzen verümmern im Busen,

Bande zerbrechen, so stehn wir vor Babels erneuertem Turme:

Einem grandiosen Gebilde, das kalt und des Menschen unwürdig.


Uns zu befragen im Geist, wie wir diese zwei Arten des Wachstums

Deuten und leben, bedeutet am Ende, das Herz zu erforschen.

Denn die Art, wie wir Bindungen pflegen, die Arbeit und Staaten

Formen und lenken, enthüllt uns die inneren Werte der Seele,

Zeigt uns im Grunde zuerst, was uns am nächsten am Herzen.

Liebe ist’s, die uns führt: Was wir wirklich im Inneren lieben,

Als Einzelne wie als Gemeinschaft, bestimmt unser Handeln und Leben.

Heilig beschreibt Augustinus die Wege der Menschengeschichte

Als den Schauplatz des Kampfes von zweierlei Arten der Liebe,

Die zwei Welten des Seins und des Zusammenlebens geschaffen,

Zwei „Städte“: Einerseits Liebe zu Gott und zum Nächsten im Alltag,

Andererseits nur die Liebe zu sich und dem eigenen Nutzen.

„Zweierlei Liebe hat somit die beiden Städte gegründet:

Sichtlich die irdische Stadt die bis zur Verachtung des Schöpfers

Gesteigerte Selbstliebe; himmlisch die Stadt die bis zur Verachtung

Ihrer selbst gehende Gottesliebe.“ Wie in Zeiten der Väter,

Ringen die beiden Gewalten der Liebe auch heute im Herzen

Um die Vorherrschaft rings; und das Zeitalter künstlicher Geister

Bildet kein Recht der Ausnahme: Babel ersteht oder Salem,

Dieses Jerusalem, fängt in dem Herzen von jedem von uns an.



VIERTER GESANG


Haben den weiten Horizont wir nun im Bilde gezeichnet,

Wo uns der Wandel der Technik bedrängt und gewaltig herausfordert,

Namentlich künstlicher Geist und des Posthumanismus Strömung,

Dürfen wir nicht bei der reinen Analyse verweilen.

Ändern sich Sprachen und Werkzeuge uns, so wandelt sich gleichsam

Jegliches tägliche Handeln und jedes soziale Gefüge.

Darum richten den Blick wir auf jene besonderen Räume,

Wo diese Stürme des Wandels uns bittere Folgen bereiten.

Geleitet vom Lichte der kirchlichen Lehre des Bundes,

Heißt uns der digitale Aufbruch die Wahrheit als Kleinod,

Als ein Gemeingut zu sehen, die Würde der Arbeit zu schützen,

Und vor dem Joch des Gewinns die heilige Freiheit zu wahren.


Plattformen im Netz und Maschinen des Geistes beschleunigen mächtig

Tiefen und radikalen Wandel im Reden des Volkes.

Werkzeuge, fähig zu echtem Gespräch und zur offenen Teilhabe,

Dienen der Lüge zu oft, um verzerrte Berichte zu weben,

Flüchtig die Grenze zu wischen, die Wahres von Falschem bescheidet,

Da sie die nackten Berichte mit eigener Meinung vermengen.

Nicht erst durch künstlichen Geist ist der Trug in die Welten gekommen,

Doch in dem digitalen Raum fand er stärkste Triebkraft.

Bilder und Worte zu fälschen, betört das Vertrauen der Bürger,

Setzt sie der Täuschung und einseitig blinder Betrachtung entgegen.

Dies ist ein Schaden des Geistes, ein sittlicher Makel der Epoche,

Weil das Vertrauen im Volke von ehrlicher Rede getragen.

Wahrheit entspringt doch niemals aus Zensur und zentralem Befehle;

Denn im Gespräch der Vernunft verlangt sie Beweise und Quellen,

Sorgsame Prüfung und ernste, verantwortungsvolle Debatte.

Dennoch ist Wahrheit vor allem Beziehung: Sie wächst im Vertrauen,

Blüht im gemeinsamen Handeln und ehrlichen Austausch der Seelen.

Nur das gemeinsame Suchen nach Wahrheit, die allen gehört, kann

Echte und gerechte Wege des menschlichen Redens begründen.


Jene, die mächtige Mittel und Reichtum der Erde besitzen,

Führen das Volk und verändern die Sitten mit starker Einwirkung.

Vielen diktieren sie leise, was wahr sei im Wesen des Menschen,

Was in der Welt und im Leben, in Ehe und Gottglauben gültig.

Dies ist die nackte Gewalt, der die heilige Wahrheit gebricht, und

Die uns das Eigene aufzwingt als göttliches, ewiges Richtmaß.

Dahinter verbirgt sich die kranke, nur schwerlich erkennbare Wurzel:

Dass sich der Mensch in der Neuzeit für seinen Schöpfer erachtet,

Meint, er erschaffe sein Leben und selbst das Gefüge des Staates.

Egoismus und Stolz verschließen sein Herz vor dem Lichte.

Daher wähnt er vermessen, die Wirklichkeit selbst zu erbauen,

Gültig zu nennen, was seinen gelüstenden Zwecken entspricht.

Johannes Paul, der Heilige, dachte der Krise der Wahrheit nach und sprach:

Wenn die Vernunft das universale Gute nicht mehr erkennt,

Wandelt sich unabwendbar der Begriff des Gewissens im Innern.

So geht verloren das Wissen um Wahrheiten, die uns vorausgehn,

Welche das menschliche Herz in Demut und Ehrfurcht empfängt.

Deshalb fragte Papst Franziskus voll Sorge und nüchternem Blick:

„Was ist das Recht ohne Weisheit und tiefe, gereifte Erkenntnis,

Dass das menschliche Leben uns heilig und unantastbar sei?“

Und er folgerte recht: „Damit eine Zukunft dem Staat bleibt,

Muss er die Würde des Menschen als höchste Wahrheit verehren.

Nicht aus der Furcht vor dem Richter und Schandtat im Volke,

Sondern aus innerem Drang wird das Morden im Lande verabscheut.

Dies ist die feste Wahrheit, die uns die Vernunft offenbart und

Die im Gewissen wir tragen. Ein Volk ist nur edel zu nennen,

Wenn es das Suchen nach Wahrheit beschützt und am Grunde festhält.“


Suchen nach Wahrheit im Leben gehört zum Kern der Demokratien,

Welche als Werkzeug uns dienen, dem Wohl aller Bürger zu nützen.

Wenn uns die Frage nach Wahrheit verblasst und an ihre Stelle

Pragmatismus tritt, der nur Nutzen und Wirkung bezweckt,

Wird das lebendige Wirken im Staate geschwächt und entkräftet.

Denn es bedarf nicht nur Regeln und Pflichten im äußeren Gange,

Sondern der Redlichkeit auch vor den Fakten und Ausrichtung auf das Wohl.

Wer sich der Wahrheit verschließt, gleitet unaufhaltsam im Lauf hin

Hin zum Totalitarismus, für den – wie Hannah Arendt einst schrieb –

Ideale Untertanen nicht jene sind, die glühend der Lehre folgen,

Sondern die Menschen, für die die Grenze von Fakt und von Fiktion,

Sowie das Wahre und Falsche im Denken nicht länger bestehen.


Wichtig ist hier die Erinnerung, dass das Mitteilen der Botschaft

Nicht nur Information ist, sondern das Weben der Kultur.

Inhalte, welche im digitalen Äther uns ständig umschweben,

Prägen die Sicht auf die Welt und senken Erzählungen ein in

Das kollektive Bewusstsein; sie formen die Wünsche der Jugend.

Dies ist kein Spielraum der Phantasie, keine rein virtuelle Sphäre,

Denn was im Netze entsteht, greift tief in das Leben der Menschen.


Darum besitzen die Herrscher der Netze und digitalen Plattformen

Mächtige Kraft, die Phantasie ganzer Völker zu lenken,

Ihre Entwürfe der Welt als das höchste Begehren zu zeigen.

Solche Gewalt fordert uns auf, nach der Wahrheit zu streben,

Dass die Kultur in den Netzen uns nicht zur Betäubung gereiche,

Sondern ein Raum werde, wo das freie, kritische Denken gedeiht.


Unsere erste Pflicht ist es, Werkzeuge weder zu verteufeln,

Noch sie als Götzen zu beten, sondern sie weise zu lenken:

Wahrheit gehört uns als Gut aller Menschen und nicht den Gewaltigen.

Fördert die Ökologie der Kommunikation in den Ländern!

Rechtlich bedeutet dies: Schafft uns Gesetze, die offenlegen,

Welche Algorithmen steuern die Ströme, und schützt unsere Daten.

Sozial verlangt es die Stärkung der Mittler, des ehrlichen Schreibens,

Räume des Austauschs, wo Argumente mehr zählen als Zorn.

Schulen und Familien müssen die Bildung erneuern,

Lehren den kritischen Umgang mit künstlichem Geist und den Märkten.

Und an den Hallen der Wissenschaft gilt es, das Wissen zu knüpfen,

Dass man die Fakten prüft und Komplexes im Ganzen versteht.


Auch die Gemeinden der Christen sind schuldig der klaren Mitteilung.

Leider war dies nicht immer der Fall in vergangenen Tagen;

Schamvoll sahen wir schmerzliche Wahrheiten offenbart auch

Über die Glieder der Kirche und kirchliche Wirklichkeiten.

Journalisten, getrieben vom Durst nach der Wahrheit im Leben,

Deckten den Missbrauch und finstere Ungerechtigkeit auf im Lande.

Ihnen dankte der Papst mit herzlichen Worten im Aufruf:

„Dank sei euch für den Bericht über das, was in der Kirche im Argen liegt,

Dass ihr uns helft, den Schmutz nicht unter den Teppich zu kehren,

Und dass ihr den Opfern des Missbrauchs Stimme geliehen.“

Wachsamkeit, Transparenz sind Pflichten der Kirche vor Gott selbst;

Nicht erst auf Drängen von außen dem Unbequemen begegnen!


In einer Zeit, da die Wahrheit dem Nutzen und Taktieren weicht,

Kommt den Erziehern der Jugend die höchste Bedeutung im Staat zu.

Doch der rasende Wandel der Technik zeigt uns unvorbereitet;

Ständige Reize im Netz gebären die Kultur des Moments, die

Müdigkeit, Trägheit und Apathie in den Seelen entfacht,

Weil uns das Suchen nach Wahrheit so viel Mühe und Arbeit verlangt.


Bildung verlangt nach Reife, Geduld und dem Blick auf die Wirklichkeit,

Jenseits des Scheins und des Schemenhaften. Jede Technik 

Formt den, der sie nutzt, in den Tiefen des inneren Geistes.

Lernet im Umgang mit künstlichem Geist, wann man ihn meidet!

Schnelligkeit und das leichte Erlangen von fertigen Texten

Ersticken den Drang nach der Frage, die langsam erst Früchte uns bringt.

Platon schrieb schon, dass Tiefes und Wichtiges nur mit viel Mühe

Und in der Zeit sich erlernt, im Reiben der Funken im Austausch,

Bis das Licht des Verstandes im Inneren flammend entbrennt.

Schult euch im Verzicht auf Maschinen und schützt uns die Jugend

Vor der Verheißung der Makellosigkeit, die das Denken betäubt!


Fachärzte warnten in jüngeren Jahren mit wachsender Sorge:

Frühe und ungeprüfte Nutzung der digitalen Geräte

Schädigt den Schlaf und die Aufmerksamkeit, die Bindung der Herzen,

Gerade in Phasen des Wachstums, oft mit furchtbaren Folgen.

Leicht ist der Zugang zu Grausamkeit, Schandtat und nackter Zurschaustellung,

Welche die Sinne verrohen und Körper und Liebe entweihen.

Grooming und Erpressung bedrohen die Kinder im Dunkeln,

Heimlich gelenkt durch Algorithmen und falsche Profile im Netz.

Frühe Mobiltelefone und Mangel an elterlicher Hut

Machen die Jugend verletzlich, treiben sie in die Isolation,

In die Gewalt von Tyrannen und Diebstahl der intimsten Daten.


Schwer ist es Eltern allein, sich der Macht des Gewinns zu widersetzen,

Welche die Zeit und das Auge der Jugend in Münze verwandelt.

Darum fordert die Not ein Bündnis der Führer des Staates,

Mit den Erziehern im Land und den treuen Familien der Bürger.

Weitsicht braucht das Gesetz, um den Märkten der Netze zu wehren,

Welche in Händen von wenigen Riesen den Reichtum vermehren,

Wenn ihr Begehren dem Wohle der Kinder im Wege gestanden.

Rechtliche Schranken sind nötig, um Grenzen des Alters zu setzen,

Dass man die Leiter der Netze verantworte, statt die Familien

Ganz mit der Last der Kontrolle zu beladen im täglichen Leben.

Schutz vor Gewalt und der Schandtat im Netz ist den Kindern geschuldet,

Dass die gefährdete Jugend, als Kleinod der Zukunft, bewahrt bleibe.

Schult auch die Jugend von früh an, die Listen des Netzes zu sehen,

Dass sie die Würde des Nächsten und eigene Freiheit verteidige.


Denn in der Schule erlernen die neuen Geschlechter am besten,

Wahrheit zu suchen und lieben, den Sinn ihres Lebens zu fassen,

Und zu verehren die Würde, die jedem von Gott ist gegeben.

Darum vertrauen die Eltern, die Sehnsucht nach Werten und Sitten

In ihren Kindern bewahren, der Schule als mächtigem Bundesgenossen.

Ihnen gehört ja das erste, das unveräußerliche Recht auch,

Wege der Bildung zu wählen nach Glauben und eigener Kultur.

Doch vor den Hallen der Schule stehn drängende Fragen der Epoche:


Erstens die Pflicht der Politik: Es herrschen im Staate noch immer,

Wie zwischen Ländern der Erde, gewaltige Ungleichheiten.

Mancherlei Staaten versäumten, das nötige Geld zu gewähren,

Dass eine Bildung von Wert für ein jegliches Kind sei gesichert –

Sei es im staatlichen Raume, sei es durch Hilfe für jene

Schulen in privater Hand, die den Dienst an den Menschen vollziehen.

Hängt doch das Lernen zu sehr von dem Gelde der Eltern im Hause,

Wenn uns die öffentliche Hand nicht mit schützenden Mitteln beisteht.

Anerkannt sei hier der Beitrag der katholischen Schulen im Lande,

Die, obwohl privat, doch den Armen und Fremden sich öffnen,

Selbst wenn die Armut der Väter ein Schulgeld im Leben versagte.


Zweitens die Sorge der Pädagogen: Es straucheln die Systeme,

Folgen dem Wandel nur schwer und versäumen das Ganze des Geistes.

Fortschritt der Netze und künstlicher Geist lassen alte Entwürfe

Rasch als veraltet erscheinen; es wandeln sich Räume und Zensuren,

Selbst des Erziehers Gestalt muss im Lichte des Ganzen sich wandeln.

Lehrer bedürfen der Bildung im Laufe des gesamten Berufes,

Dass sie der Technik begegnen und weisen Erziehern gleichsam

Helfen der Jugend, sie kritisch und schöpferisch klug zu verwenden,

Statt sich dem Strome des Wandels als Sklaven der Zeit zu ergeben.


Drittens die Frage der Weisheit: Es droht eine Bildung zu wachsen,

Der es an Liebe zur Wahrheit gebricht, wo das Fluten der Daten

Forschung und ernste Betrachtung und weise Unterscheidung verdrängt.

Wenn uns das Wissen zersplittert, erblinden wir vor dem Gefüge,

Suchen nach Sinn nicht mehr und verlieren das kritische Denken.

Mancher Erzieher bemerkt schon das Sinken des Menschlichen heute:

Jugendliche „wissen zwar viel“, doch es fehlt ihnen Richtung im Leben,

Weil sie die Daten im Kopf nicht zu Weisheit und Sinn mehr verknüpfen.

Fördert die Hygiene des Geistes! Mit Pausen der Stille und Ruhe,

Tiefem Studium und Buch und besonnener Rede im Alltag;

Fehlen uns diese, so wird uns die innere Freiheit geraubt.


Darum verlangt die Soziallehre heute von Schulen und Kirchen,

Sowie vom Staate und Vätern ein neues, lebendiges Bündnis.

Dies wird zur Tat, wenn die Ziele der Bildung wir christlich gestalten:

Lernen das Maß und die Grenze, das Recht auch des Nächsten zu achten,

Sowie der Enkel, zu ernten die Güter, die Gott uns geschenkt hat;

Bildung zu Freiheit und Pflicht und dem Wissen um Gottes Transzendenz.

Nicht der Geschwindigkeit digitaler Welten soll Schule nachjagen,

Sondern gewähren, was Netze dem Menschen niemals vermögen:

Zeit für das Lernen im Miteinander und feste, getreue Beziehungen.


Seit den Anfängen der Lehre, im Rufe des Rerum novarum,

Schützt die Gemeinde der Kirche die Arbeiter vor der Verachtung,

Kämpft gegen jegliche Form der Gewinnsucht und herbe Ausbeutung.

Arbeit erweist sich als Schlüssel zum Ganzen der sozialen Frage,

Weil in dem Werke des Menschen sich viele Dimensionen entfalten.

So hat es Benedikt einst, der Heilige, weise gelehrt uns,

Da er das Beten und Arbeiten band als Erfüllung des Rufes.

Nach dem Bilde des Schöpfers gestaltet, vollenden wir gleichsam

Gottes Erschaffung der Welt durch die Werke der eigenen Hände:

Nützen dem Staate, vermehren das Wohl und verschönern die Erde,

Nähren die Kinder im Haus und erlernen im Hören und Reden,

Großes gemeinsam zu schaffen, was keiner alleine vollbrächte.


Darum ist Arbeit nicht Mittel zum Zweck nur, sie zeugt von der Würde,

Stärkt unser Leben und bleibt ein Gesetz in der menschlichen Natur.

Sie ist der ordentliche Weg zu der Reife und inneren Erfüllung.

Geld für den Armen in Notfällen bleibt zwar als Nahrung des Körpers

Wichtig und christliche Pflicht, doch es darf nicht die einzige Antwort sein;

Ziel bleibt das Wirken des Menschen, zu leben in Würde durch Arbeit.


Roboter, künstlicher Geist und Maschinen der Automaten

Wandeln in rasendem Laufe das Wesen und Schaffen der Menschen.

Fortschritt versprechen sie allen und Segen für jegliche Schicht;

Doch die modernen Methoden sind keineswegs besser im Grunde.

Während die Technik verspricht, uns die Last der Routine zu nehmen,

Müssen die Arbeiter oft sich dem Rhythmus der Automaten beugen,

Statt dass die Maschine so gebaut sei, dem Menschen zu dienen.

Paradoxerweise droht uns die Technik, den Geist zu entwerten:

Unter die Aufsicht von Rechnern gestellt und zu starren Gewohnheiten

Wird der Beschäftigte degradiert; und das Tempo des Wandels

Kann ihm das eigene Handeln und schöpferische Schaffen ersticken.

Dass wir dem Abweg entgehen, bedarf es Systemen der Technik,

Die den Menschen verehren und nicht nur Gewinn und Ertrag.


Johannes Paul, der Heilige, lehrte, dass Arbeitslosigkeit

Schweres Verderben uns bringt und als Massenelend im Volke

Zu einem Unheil wird, das den Regierenden Pflichten auferlegt.

Heute, im vierten Aufbruch der Technik, erwächst uns die Sorge

Größer noch, weil man der Neuerung folgt nur für Geiz und Ersparnis.

Mancherlei Branchen befürchten den raschen Verlust von den Stellen,

Was wie ein Dominoeffekt die Familien und Städte zerrüttet.

Prekarität und die Ungleichheit wachsen schon jetzt in den Sektoren:

Fürstlich belohnt wird die kleine Minderheit hochspezialisierter Köpfe,

Während der Lohn für das Volk und die Masse der Arbeiter sinkt.


Wünschenswert bleibt es gewiss, dass die Technik den Menschen entlaste

Von der beschwerlichen, finsteren Arbeit und schützend uns beistehe;

Doch der Erhalt von den Stellen und menschliches Wirken im Leben

Müssen die Regel des Handelns verbleiben im Wirtschaftskreislauf.

Gier nach dem höheren Zins kann das Opfern von Stellen niemals

Rechtfertigen; denn der Mensch ist das Ziel und kein Werkzeug des Gewinns.

Unterzuordnen hat sich die Wirtschaft der Würde des Menschen.


Dennoch erkennen wir an, dass ein Wandel auch Brüche bedeutet:

Ungleich verläuft er im Lande, zersplittert und voller Konflikte.

Darum existiert kein globales Modell für den Wandel der Zeiten;

Räume und Geschichtsverläufe verlangen nach eigener Antwort.

Weil uns die Ungleichheit trennt in der Welt, wirkt der künstliche Geist

An den verschiedenen Orten verschieden auf Leben und Arbeit.

Reiche Gesellschaften wandeln sich rasch und chaotisch durch Technik,

Sinken macht den Bedarf an den Kräften und Spannungen wachsen;

Weite Gebiete der Erde hingegen sind hybrider Natur noch:

Billige menschliche Kraft steht neben unfertigen Netzen,

Ohne dass jemals ein echter und segnender Aufbruch gelinge.

Dort droht uns Instabilität und die Flucht vor dem Hunger.

Lösungen müssen im Kleinen und lokalen Kreise entstehen,

Unter der Mitwirkung intermediärer Körperschaften im Staate.

Bunt seien die Werkzeuge: Modelle der Heimat, Versuche,

Breite Verteilung des Reichtums und Rechte auf Güter des Lebens!

Ohne nach abstrakter Harmonie zu streben, gilt es vor allem,

Echtes, menschliches Zusammenleben im Wandel zu schaffen.


Arbeit verbleibt uns im Leben als Grundmaß menschlichen Wesens;

Nicht nur zum Unterhalt dient sie, sie schenkt uns den Raum zur Entfaltung,

Knüpft uns das Band mit dem Nächsten und nützt der Gemeinschaft der Bürger.

Darum betreffen die Sorgen im Wirken nicht bloß die Finanzen,

Welche zum nackten Erhalt der Familien im Hause vonnöten.

Sollte der Staat nur dem kleineren Teile die Arbeit sichern,

Zwänge zur Trägheit er viele und nähme die Pflichten den Bürgern,

Nähme die tägliche Sorge und menschlich verarmte das Volk dann,

Während die Technik im Lande den höchsten Gipfel erstiege.

Und so stünden wir vor dem Paradoxon der Zeiten:

Materieller Gewinn und ein Rückschritt im Wesen des Menschen!

Dabei verlor' sich der Grund für den Frieden im sozialen Gefüge.

Darum beharrt die Soziallehre drauf, dass der Zugang zur Arbeit

Höchstes Kriterium sei für die Führer im Staate und Märkte,

Richtmaß, zu prüfen den Wert und die menschliche Qualität der Entwicklung.

Wo durch die Technik die Arbeit verblasst und dem Volke entgleitet,

Gilt es, das Wirken zu knüpfen an bürgerlich-treues Engagement,

Dass die verlorene Stelle nicht raube die Teilhabe allen.


Geleitet von diesem Gedanken bewundern die Geschichte wir dankbar,

Die nach dem Rerum novarum die Lehre der Kirche entfaltete.

Bünde, Genossenschaften, Gewerkschaft und Hilfe der Christen

Haben das Recht der Beschäftigten weise verbessert im Staate,

Schützten die Schwachen im Lande und schufen humanere Wege.

Heute jedoch, vor dem Umsturz der Netze und künstlichen Geister,

Reichen die alten Gesetze nicht aus für die neuen Strukturen,

Da uns der Wettbewerb drängt, der die soziale Sorge missachtet.

Darum bedarf es des Aufbruchs der Führer, der Denker und Wirtschaft,

Dass man gemeinsam und rasch ein System von Verträgen beschließe,

Welches auch international den Bedrängten die Sicherheit wahre.

Und die Gewerkschaft, von jeher gestützt durch das Lehramt der Kirche,

Muss für die neuartigen Formen des Schaffens die Tore nun öffnen,

Dass sie die Arbeiter schütze; denn ohne den Mut zum Entscheiden

Drohen uns Armut und Spaltung und Scharen von Ausgestoßenen,

Welche Maschinen umgeben, die ihnen den Platz schon genommen.


Nicht erst zu klagen genügt es, wenn Stellen im Lande verschwinden;

Sondern es gilt, den gewaltigen Wandel im Voraus zu lenken.

Sinnvoll erscheint es zuerst, das Soziale als Maßstab zu setzen:

Jeder Computer, der einzieht, und jedes System des Geistes

Sollte von Maßnahmen zeugen, die Arbeit im Volke zu schützen,

Arbeiter umzuschulen und ihnen das Mitbestimmungsrecht zu gewähren,

Dass die Maschine dem Menschen die schöpferische Freiheit befreie,

Statt dass sie Armut gebäre und Einsamkeit unter den Bürgern.

Zweitens bedarf es der Pflege des Lernens im Laufe des Lebens,

Dass man den Wechsel erleichterte, ohne die Lasten der Anpassung

Ganz auf die Schultern des Einzelnen abzuwälzen im Alltag.

Schließlich verlangt es vom Unternehmer die Treue zur Pflicht auch,

Dass er die Würde der Arbeit als Zeichen des Erfolges betrachte.

Sind diese Wege bereitet, wird Technik zum treuen Gefährten;

Fehlen sie aber, beschleunigt sie Ungerechtigkeit in den Welten.


Deutlich erweisen die Risiken sich auf dem Markte der Arbeit;

Darum bedenket im Geist, dass die Freiheit der Wirtschaft niemals

Absolut herrsche, da stets sie am Wohl aller Bürger sich messe.

Schöpferischer Fleiß im Betriebe kann echte Berufung bedeuten,

Welche den Wohlstand vermehrt und das Leben der Menschen verbessert –

Wenn sie erkennt, dass das Schaffen von würdiger Arbeit ein Dienst sei,

Dienst an dem sozialen Ganzen und nicht eine Variable des Gewinns.


Franziskus, der Papst, hat prophetisch gewarnt vor der Freiheit der Märkte,

Welche man laut nur verkündet mit Worten, indes die Bedingungen

Vielen versagen im Leben, den Nutzen des Wachstums zu teilen.

Wirtschaftssysteme, die Leistung und Einzelerfolg nur verherrlichen,

Sehen das Geld für den Schwachen und jene von langsamerer Reife

Gern als vergeblich und nutzlos und unbequem an für den Handel –

Ganz als bestünde ihr Schicksal nur darin, den Siegern zu folgen.

Doch eine gerechte Gesellschaft verlangt einen wachsamen Staat und

Bürgerliche Verbände, die reine Effizienz überwinden,

Mittel und Regeln bewußt den Verletzlichsten spenden im Lande.

Nicht auf das Tröpfeln des Reichtums zu warten, der „irgendwann“ herabfällt,

Sondern das Wachstum von Anfang an offen für alle zu bilden!

Krisen der jüngeren Jahre bewiesen uns bitter am Armen,

Dass er den höchsten Tribut zahlt, indes die Versprechungen trügen.


Darum verlasst die Parameter alter, begrenzter Entwicklung!

Seit achtzig Jahren vermißt man den Wohlstand am Bruttoprodukt nur,

Welches fast systematisch das Wohlbefinden des Menschen

Und den Erhalt der Natur übersieht und am Ende missachtet;

Dagegen preist es das Wirken, das langfristig Planeten gefährdet.

Neue Kennzahlen braucht es, ergänzende Parameter im Staate,

Um die Analysen zu bessern und weise Beschlüsse zu fassen,

Sowie regionale, weltweite Prioritäten zu ordnen.

Solche Kriterien erlauben die zeitige Prüfung der Gesetze:

Wie sie auf Würde der Arbeit und Gleichheit im Volke gewirkt haben,

Und auf den Schutz der Natur; so verändern sie Sitten und Bildung,

Selbst den Begriff der Entwicklung und endlich den heiligen Frieden,

Welcher als wahrer nur wohnt, wo Gerechtigkeit Fundamente gelegt hat.


Mächtig gewachsen ist jüngst das Gefüge der Märkte des Geldes,

Das durch die Kryptowährungen neuen Aufschwung erfahren.

Doch das Lehramt der Väter erklärte in weisen Enzykliken,

Dass die Finanz, wenn sie trennt sich von Sitten und Menschenkenntnis,

Nicht nur zu Missbrauch und bitterer Ungerechtigkeit führe,

Sondern auch Krisen des Systems von weltweitem Ausmaß gebäre.

Ebenso droht uns der Zins, das Einkommen der Arbeit zu verdrängen,

Das man zu oft an den Rand des ökonomischen Interesses gedrängt hat.

Dennoch verbleibt das Ersparte, gewandelt in Kredite der Wirtschaft,

Zentral für Investitionen, die diesen Wandel begleiten.

Unersetzlich verbleibt die soziale Funktion des Kredits uns:

Geld, das nur Geld sucht, unterscheidet sich tief von dem Dienste,

Welcher der Entwicklung hilft und Beschäftigung schafft in den Ländern.


Einzubetten ist dies in den Blick auf die globalen Dynamiken:

Zwar ist der Wohlstand gewachsen, doch eng auf die Wenigen konzentriert,

Während die Kluft zwischen Völkern und Klassen sich drastisch erweitert:

„Wenige haben zu viel und zu viele zu wenig im Leben“ –

Dies ist die Logik der Zeit, der das christliche Herz widerspricht.

Wissen und Fortschritt der Technik und Medizin im Spital sind

Für die beträchtliche Mehrheit der Menschen noch immer verschlossen,

Wie uns die jüngste Pandemie auf tragische Weise gelehrt hat.

Während in reichen Regionen das Geld für den Luxus verschwendet wird,

Oder für Träume von Selbstoptimierung einzelner Köpfe,

Fehlt es in anderen Teilen der Welt an Geräten des Lebens.

Wer nun vertraut, dass die Technik von selbst allen Menschen zum Segen wird,

Ignoriert die nackten Berichte der Wirklichkeit; denn ohne Vorsatz,

Schon beim Entwurf der Geräte die neue Ungleichheit zu meiden,

Führt der technologische Fortschritt zu struktureller Ungerechtigkeit.

Recht auf Innovation bedeutet Gerechtigkeit heute:

Zugang zu Heilung und Wissen, zu Werkzeugen und Gelegenheiten.


Gerechte Gesetze, Verteilung des Reichtums sind wahrlich vonnöten,

Um die Gewichte zu ordnen durch Steuern, die Schwache entlasten,

Und von den Reichen im Lande ein Größeres fordern an Beiträgen.

Doch das Streben nach sozialer Gerechtigkeit darf nicht getrennt sein

Vom Erschaffen des Wohlstands – als herrschte die Wirtschaft alleine,

Dass die Politik erst danach den Ertrag an die Armen verteile.

Nein, die Gerechtigkeit fordert ihr Recht in den Phasen des Marktes,

Vom Erwerb der Ressourcen zur Produktion und zum Konsum;

Jegliche Handlung im Handel hat sittliche Folgen im Leben.


Deshalb genügt uns im Zeitalter künstlichen Geistes und Robotern

Nicht mehr der blinde Verlass auf die „unsichtbare Hand“ des Marktes.

Pflicht der Politik ist es, Kräfte der Technik zu lenken,

Dass sie dem Gemeinwohl dienen, die Arbeit und Teilhabe sichern,

Und eine gerechte Verteilung der Früchte des Fortschritts gewähren.

Weil das Entscheiden der Wirtschaft die Grenzen der Staaten überschreitet,

Braucht es das weltweite Bündnis zu gemeinsamen Strategien,

Namentlich für die bedrängten und armen Nationen der Erde,

Um die Entwicklung zu fördern und Abhängigkeit zu bezwingen.

Würde des Menschen verbleibt uns das Richtmaß, unmessbar und heilig,

Dazu das Wohl aller Bürger in einer für alle geordneten Erde.

Paul, der Heilige, band einst den Frieden an rechte Entwicklung;

Heute erneuern wir dies: Wohlstand baut Frieden im Lande

Nur, wenn er weit verbreitet, inklusiv und nachhaltig erblüht.


Handlungskriterien braucht es, die feststehn im Zeitalter der Technik:

Transparenz ist das erste, verknüpft mit Verantworterwillen.

Wenn Algorithmen entscheiden über Kredite und Stellen,

Oder den Zugang zu Chancen, muss jeglicher Spruch des Computers

Nachvollziehbar und anfechtbar sein durch das Urteil des Menschen,

Dass man den Bürger nicht mindere zu einem bloßen Profil im Netz.

Zweitens: Inklusion und der Zugang! Die Früchte des Fortschritts

Müssen verbunden sein mit der Bildung und Infrastruktur,

Dass das System nicht die Kluft zwischen Habenden und Armen vertiefe.

Schließlich die Steuer- und Sozialpolitik, um die Mächte zu ordnen,

Welche durch Ballung des Reichtums die Waage der Freiheit verzerrten.

Diese Kriterien hemmen den schöpferischen Fortschritt niemals:

Sondern sie machen die Neuerung tragbar und menschlich für alle.


Seht die Familie zuerst als ein vorrangig soziales Gut uns!

Auf dem beständigen Bunde von Manne und Weibe gegründet,

Ist sie der erste Raum, wo das menschliche Wesen erblühet,

Sich seiner Würde bewusst wird und Wahrheit und Güte erkennen lernt.

Dort verinnerlicht Sitten der Mensch, die ihn weise bereiten

Auf das gemeinsame Leben im Staat und das Wirken im Volke.

Als die natürliche Urform des Bundes, mit Rechten begabt von

Anbeginn, bleibt sie die Zelle, die unersetzliche Wurzel

Jeglicher Ordnung im Staate. Wenn große Entwürfe der Führer

Oder Beschlüsse der Märkte sie ganz an die Seite gedrängt haben,

Leidet das echte Wachstum des gesamten sozialen Gefüges.


Doch die Familie verbleibt ein verletzliches Gut in den Zeiten,

Das von dem Umsturz der Märkte und Technik unmittelbar schwer leidet,

Welche die Arbeitswelt wandeln; sie braucht das Gesetz und die Stütze.

Denn es ist weithin bekannt, wie verheerend die Geißel der Ohnmacht

Und der Verlust von den Stellen die Ordnung im Hause zerrütten.

Kurzfristig mag es zwar nützen, die Kosten der Arbeit zu senken,

Oder den Nutzen zu jagen; doch langfristig untergräbt solches

Jeglichen Grund des Zusammenlehnens: Während den Fortschritt der Technik

Laut die Gewaltigen feiern, erodiert das Gefüge des Volkes

Heimlich im Laufe der Tage, wie von einem leisen Virus befallen.


Grausam erweist sich die Unsicherheit vor den Augen der Jugend;

Wie uns die Hirten der Staaten Amerikas mahnend erinnern,

Dient uns das Wirken im Leben nicht bloß als Gewährung des Geldes,

Sondern als heiliger Raum, wo die eigene Form sich gestaltet,

Freundschaft und Bindung erwachsen und Pflichten erlernt werden im Alltag,

Dass man die eigene Berufung im Geiste erkenne und wähle.

Wenn nun der Zugang zur Arbeit versperrt ist durch Massen von Arbeitslosen,

Oder durch Mangel an Bildung und Schranken im sozialen Gefüge,

Sehen die Jungen den Pfad ihrer menschlichen Reife verschlossen.

Weil man im Leben so oft nun den Platz und das Schaffen zu wechseln gezwungen ist,

Braucht es Programme des Lernens, fortlaufende Hilfe und Schulung,

Dass die Geschlechter der Zukunft die Risiken wandelnder Märkte

Kräftig und selbstständig meistern, wenn Stürme der Wirtschaft erwachen.


Daraus erwächst für den Staat eine spezifische Pflicht vor den Menschen:

Tätigkeit jener Betriebe zu stützen und Wege zu bahnen,

Die neue Stellen gebären und Arbeit erzeugen, wo Leere herrscht,

Oder in Krisen sie schützen; denn Arbeit ist Nahrung den Häusern,

Gut für das Volk und die Sitten. In Zeiten von technischem Umsturz

Braucht es politische Schöpferkraft, welche die Treue der Väter

Und die Generationen der Zukunft ins Zentrum des Handelns stellt,

Dass uns das Neue im Lande nicht Armut und Ausgrenzung bringe.


Hilfe für Jugend und Väter im Wandel verlangt nach Entscheidungen,

Welche Stabilität schenken. Es muss das Gesetz in den Ländern

Stetigkeit fördern und Güte der Arbeit, um endlich dem Joch der Prekarität

Als dem normalen Zustand zu wehren; es weise den Einstieg im Berufsleben,

Sowie das Fortkommen im Wirken. Es braucht das Gleichgewicht sodann

Zwischen dem Schaffen im Amt, den Diensten und heiliger Ruhe;

Fehlt dies, so siecht die Familie, und Jugend verliert die Verantwortung.

Zudem ist wichtig, in Bildung zu investieren, die jedem offensteht,

Dass die Mobilität der modernen und digitalen Wirtschaft

Nicht zur Selektion werde, die grausam geschieden hat jene,

Welche das Wissen erneuern, von jenen, die hilflos versinken.

Schließlich verlangt es die Stärkung sozialer Gewebe und Netze,

Welche den Menschen begleiten, damit nicht die Ohnmacht im Alltag

Einsamkeit zeuge und Knechtschaft. So meistern wir technisch den Aufbruch,

Ohne zu morden die Kraft, die der Zukunft die Hoffnung bewahrt hat.


Da wir von Wahrheit und Bildung, von Arbeit und Vätern gesprochen haben,

Gilt es nun, Wirkungen digitaler Aufbrüche sorgsam zu prüfen,

Wie sie die Freiheit bedrohen, und wie wir den psychischen Nöten,

Sowie den großen Tragödien im Volke begegnen im Geiste.

Subtilere Formen der Sucht, die der Markt mit dem Auge des Nutzers

Knüpft in den Netzen, darf keiner im Lande geringachten; dort, wo

Dienste gebaut sind, die Zeit und die Sinne des Menschen zu fesseln,

Indem sie die Schwächen benutzen und innere Freiheit entkräften.

Wenn das Geschäftsmodell von den Lastern der Menschen Gewinn zieht,

Wird das Geschöpf nur als Werkzeug und nimmer als Zweck noch geehrt uns.

Jene, die solches entwerfen und nähren mit Gelde, beläuft eine

Sittliche Schuld, vor der sie sich niemals rechtfertigen können.

Fördert den Umgang mit Technik, der innere Freiheit befreit uns:

Lehret die Mäßigung im Netze, schützt Minderjährige weise,

Kämpft gegen Modelle, die Nutzen aus Wunden der Schwachen erpressen!


Noch ein Gefährnis erwächst uns, das leiser, doch keineswegs minder

Schwer wiegt: soziale Kontrolle, die durch das Sammeln der Daten

Und durch algorithmische Netze gewaltig im Staate herangewachsen.

Wenn eine jegliche Tat – der Schritt, der Kauf, die Beziehungen,

Und was das Herz sich begehrt – im Äther die Spuren zurücklässt,

Wächst eine neue Gewalt: zu profilieren die Seelen,

Taten vorauszusagen und leise das Handeln zu lenken,

Oft ohne Wissen der Bürger, die blindlings den Strömen vertrauen.

Werden die Daten genutzt, um Beschlüsse zu fassen, die Chancen

(Zugang zu Gelde, die Auslese bei Stellen, die Dienste) bestimmen,

Droht dem Verfalle die Freiheit und Ungerechtigkeit trifft die Schwächsten.

Herrschaft geschieht nicht allein durch Verbote im äußeren Gange,

Sondern durch Bauten des Sichtbaren: Was man im Netze verstärkt hat,

Oder unsichtbar macht, was belohnt oder strafend bezwungen wird,

Prägt das Meinen und Wählen und zwingt uns zur Selbstzensur leise.

Darum ist Freiheit im Zeitalter digitaler Systeme kein rein inneres

Anliegen: Öffentlich ist sie! Sie fordert Gesetze und Klarheit,

Rechtsbehelfsmöglichkeiten und Schranken für invasive Apparate,

Dass die Maschine dem Menschen nur diene, statt über die Seelen zu herrschen.


Tief liegt die Wurzel der Not im technokratischen Denken,

Das posthumane Gefühle gebiert und den Menschen als Objekt

Oder Ressource betrachtet, die man zu optimieren gezwungen ist,

Da es die Grenzen des Profits systematisch beseitigt:

Wirksamkeit zählt nur, nicht Freiheit und Ehre der Würde.

Strömungen des Posthumanismus erdreisten sich frech schon,

„Menschen der zweiten Klasse“ zu nennen, die Diener der Eliten

Werden, welche sich selbst für erhaben und höher erachten.

Diese beunruhigende Aussicht wiegt schwerer noch, wenn sie verknüpft ist

Mit den Geräten der Technik, die Herrschaft und Auslese steigern.

Auch das Gesetz von strukturellen Schulden, das Völker in Knechtschaft

Hält, offenbart das technokratische Wesen, das Unterordnung

Willig akzeptiert in Formen, die Sklaverei nahegekommen.


Diese verzerrte Betrachtung des Menschen schlägt heute in Fesseln

Nieder, die eng mit der Wirtschaft des digitalen Äthers verknüpft sind.

Nichts ist immateriell oder magisch im künstlichen Geiste!

Jegliche schnelle und makellos scheinende Antwort entspringt erst

Einer gewaltigen Kette von Diensten und weltweiten Netzen,

Strömen der Erde, Energie und vor allem dem Blute der Menschen.

Denn ein beträchtlicher Teil der modernen Ökonomie ruht

Auf dem verschwiegenen Wirken von Millionen Bedrängter,

Die in der Dunkelheit schaffen: Daten zu kennzeichnen, Inhalte

Grausamster Art zu zensieren, Modelle des Geistes zu trainieren.

Oft sind es Jugendliche, zumeist auch Frauen, die schuften

Für den geringsten Ertrag; und zu dieser unsichtbaren Mühsal

Gesellt sich das brutalere Schaffen, die Schätze zu brechen,

Welche zum Bau der Geräte und Mikroprozessoren vonnöten.

In den Regionen der Erde zerschlagen die Kinder im Schmutze

Stoffe, um seltene Erden zu fischen für Rechner der Reichen;

Körper verletzen, verstümmeln und brauchen sie auf in den Gruben,

Nur damit niemals der Fluss der Berechnungen stocke im Leben.

Zudem benutzen Verbrecher im Netze die Plattformen weithin,

Botschaften, anonymes Bezahlen und Listen der Profile,

Um die Verlorenen – häufig sind's Kinder – zu jagen für Menschenhandel,

Männer und Frauen zu binden und fortzutransportieren; so werden

Menschen zu Daten im Kreislauf, zu Paketen, die man verschiebt im Welthandel.

Diese Realität ruft das sittliche Wissen der Gegenwart laut an!

Nicht auf Effizienz sich zu berufen, den Fortschritt zu preisen,

Wenn er auf Ketten der Knechtschaft beruht, die man absichtlich verborgen hat.

Wenn eine Technik Befreiung verspricht, doch im Weltlauf

Neue Unterdrückung gebiert, widerspricht sie der Würde des Menschen.


Kampf gegen neue Formen der Sklaverei bleibt die Bewährung

Sittlicher Urteilskraft vor dem Wandel der künstlichen Geister.

In der Tradition Leo des Dreizehnten, stehend im Lichte,

Spricht die Gemeinde der Kirche erneut die Verdammung der Knechtschaft,

Gegen den Menschenhandel und Kommerzialisierung der Seelen.

Dringend verlangt sie das Handeln und weltweite Denken der Führer,

Welches die Würde des Einzelnen, die unveräußerlich bleibt uns,

Und das Gemeinwohl ins Zentrum der menschlichen Ordnung stellt; das sei

Richtmaß für alle Beschlüsse der Person und Gemeinden und Staaten.

Ohne die sittliche Prüfung und Geisteskultur droht die wachsende

Macht der digitalen Bauten, zu neuen Gräueln zu führen,

Minder nicht schändlich als jene der Vorzeit, die wir im Hochmut

Heute verurteilen, uns für „fortgeschritten“ und „zivilisiert“ haltend.


Menschenhandel ist wahrlich als zeitgenössische Sklaverei und

Schwere Verletzung der Würde des menschlichen Lebens zu werten;

Nicht mit Entschiedenheit gegen sie aufzustehen oder solches

Leise zu dulden im Lande, macht mitschuldig uns an den Sünden,

Gleichwie in alten Jahrhunderten Knechtschaft verschwiegen und rechtfertigt wurde.


Gereift ist im Laufe der Lehre der Kirche das Wissen um diese

Schwere der Sünden, und tiefer begreift sie das einstige Unrecht.

Wahr ist es zwar, dass vergangene Taten historisch zu prüfen

Sind, als besäßen die Väter die Kriterien unserer Tage;

Dennoch verleugnen wir nicht und vermindern auch nimmer die lange

Zögerung, mit der die Gemeinde der Christen und Völker im Staate

Damals die Geißel der Sklaverei zu verdammen versäumten.

Da in der Urzeit und auch im Mittelalter der Kirche

Mancherlei Glieder und Klöster noch Knechte besaßen, erließ der

Römische Stuhl in der Neuzeit auf Drängen von Fürsten und Königen

Briefe, die Unterdrückung zu regeln und frech zu legitimieren,

Wenn es „Ungläubige“ traf, die man fern in den Ländern versklavte.

Erst im neunzehnten Jahrhunderte finden die absolute Form wir,

Universales Verdammen der Knechtschaft im Rufe Leos des Dreizehnten.

Dies ist ein Zeugnis des Reifens im Geiste für ewige Wahrheiten

Göttlicher Offenbarung, die die Kirche im Innern bewahrt hat.

Obwohl uns die Einheitlichkeit in der Geschichte gebricht hier –

Weil man die Sklaverei lange tolerierte und später erst gänzlich

Brach mit dem Unheil –, so blieb doch beständig der Glaube vom Bilde

Gottes im Menschen; wenn achtzehn Jahrhunderte lang es auch fehlte,

Dass man die Unvereinbarkeit amtlich und feierlich feststellt'.

Dies ist ein schmerzliches Mal im Gedächtnis der Christen, das uns nun

Eigen verbleibt; und es rührt uns der Tiefsinn des Jammers im Herzen

Ob des gewaltigen Leidens und aller Erniedrigung jener,

Deren unmessbare Würde der Heiland unendlich geliebt hat.

Dafür erflehe ich heute im Namen der Kirche Vergebung.


Eben aus diesem Grunde wird uns die Erinnerung heutiger

Tage an Blindheit von gestern ein lauterer Ruf zur Gefolgschaft:

Was wir erlernten, muss Urteilskraft werden und Pflicht in der Gegenwart!

Wollen in Zukunft wir nicht um Vergebung bitten vor Gott selbst,

Weil wir dem Schatz der Menschenwürde im Glauben untreu geworden,

Liegt es an uns, den Menschenhandel in jeglicher Form nun

Direkt und entschieden zu rügen, und Schritt für Schritt mit den Brüdern,

Die sich dem Kampfe geweiht, die konkreten Wege zu stützen:

Schutz vor dem Zugriff, Befreiung und Heilung der Wunden im Leben.


Auch in den heutigen Tagen zeigt uns der Kolonialismus

Ein ganz neues Gesicht: Er beherrscht nicht die Körper der Völker,

Sondern errafft sich die Daten und wandelt das Leben in Ziffern.

Ganze Regionen, namentlich jene von schwächerem Einfluß,

Werden durchzogen von Logik der Ausbeutung neuer Methoden:

Karten der Gene, Profile von Seuchen und Daten der Krankheiten.

Dies sind die neuen „Seltenen Erden“ der herrschenden Mächte:

Lebenswichtige Ströme, die – eng miteinander verknüpft nun –

Dienen, Modelle des Geistes zu trainieren und Märkte zu lenken,

Krisen vorauszusehen und frech zu verlesen, wer zähle.

Wer die Gesundheit der Völker besitzt in den Speichern der Rechner –

Oft unter Deckmantel wissenschaftlicher Forschung erhoben –,

Führt einen Hebel der Macht für die Zukunft und formt das Begehren.

Er kann entscheiden vor anderen, wem die Arznei und der Schutz dient.

Hier liegt die drängendste sittliche Pflicht vor den Augen der Gegenwart:

Wissen zu wandeln zum Gute der Allgemeinheit, statt Herrschaft zu üben!

Gebt uns den Menschen die Daten zurück, die ihr Leben beschreiben,

Sowie das Recht zu bestimmen, von wem sie genutzt und für wen auch;

Oder das digitale Zeitalter wird kolonial in den Formen.


Ketten der Sklaverei leben von Netzen und Infrastrukturen;

Darum bedarf es der Arbeit in mancherlei Richtungen heute:

Erstlich muss Helligkeit einziehen in die Kanäle der Wirtschaft,

Dass kein Gewinn auf unsichtbarer Knechtschaft im Dunkeln gebaut sei.

Zweitens verlangt es vom Händler und jenem, der Gelder investiert,

Klare Kriterien sittlicher Prüfung im Voraus, die Arbeiter

Schützen, dem Zwange zu wehren und Wirkungen datengesteuerter

Wirtschaftsmodelle zu messen als Pflichten des Hauses.

Zudem müssen die Plattformen weise mit Staaten und Bürgern

Wirken, dass niemals die Netze des Geldes und Kontakte der Jugend

Werden zu Pfaden der Jagd und Kontrolle verlorener Opfer.

Wenn diese Kräfte sich gatten, verwandelt der digitale Raum sich

Aus einer Stätte des Raubbaus zum Schutze der Würde des Menschen.


Alle Bereiche im Ganzen – das Suchen nach Wahrheit im Volke,

Bildung im Netze, der Wandel der Arbeit und Not der Familien,

Sowie die Sklaverei der Moderne – sind keineswegs Fremde;

Sondern sie zeigen dasselbe Problem: Wenn die Technik zum Maßstab

Absolut aufsteigt, droht uns der Mensch als ein Rädchen zu enden,

Oder als Ware und Datum; doch wenn im Horizonte der Weisheit

Technik angenommen wird, schenkt sie uns Wachstum und Geschwisterlichkeit.


In dieser Schau schlägt die Lehre der Kirche die Pflicht für uns alle vor,

Fordert, die Ströme des Wandels mit Weitsicht gemeinsam zu lenken:

Durch Institutionen, die ordnen, doch ohne das Leben zu ersticken,

Schützen, doch ohne sich frech an die Stelle des Anderen zu setzen;

Durch Unternehmen, die Schaffen und Würde als Siege begreifen;

Durch intermediäre Verbände und Schulen, die neues Vertrauen

Bauen, und Bürger, die Klugheit und Wahrheit bewahren im Alltag.

Nur so gereicht uns das Neue zur Ganzheit menschlicher Reife,

Statt zur Verstoßung und Herrschaft; und so wird das Wort des Fortschritts

Wahrhaft erkannt, da es mißt sich an Würde von Manne und Weibe.




FÜNFTER GESANG


Haben wir eben betrachtet, wie künstliche Klugheit das Leben

Und die Gesellschaft verwandelt, die Würde des Menschen bedrohend,

Müssen wir nun das Erschrecken des Krieges im Geiste erwägen.

Nicht um Effizienz von Werkzeugen geht es in diesen Verläufen,

Sondern um Technik, die, völlig gelöst von der Pflicht und der Ethik,

Über das Sterben und Leben entscheidet, viel kälter und schneller.

Ganz unpersönlich wird Grauen, Gewalt eine gangbare Option.

Da sich die Erde vernetzt, ist der Friede kein flüchtiges Thema,

Sondern des Wohles Fundament, Prüfstein der Reife der Völker,

Welche im Amte des Staates die Last der Regierung Verwalten.


Völlig verändert die Technik die Grammatik jeglicher Fehde.

Hybride Formen gesellen sich nun zu dem sichtbaren Kampfe:

Netzwerkangriffe, gezielte Verwirrung, die Macht der Kampagnen,

Auch die Computer, die Pläne des Krieges alleine beschließen.

Künstliche Klugheit beschleunigt das Rad in dem zwiefachen Wesen:

Was für den Schutz man erfand, wird als Waffe zum Angreifen nützlich;

Völlig verwischt ist die Grenze von Abwehr und blutiger Rachsucht.

Zwar kann die Technik den Bürger beschützen vor feindlichen Schlägen,

Doch sie verringert die Schwelle der Hemmung vor grausamen Taten,

Schleiert die Haftung und macht aus dem Menschen ein Häuflein von Daten,

Während das Opfer im Kalkül als „Kollateralschaden“ verblutet.

Darum gemahnt uns das Wort der katholischen Lehre des Geistes:

Menschenwürde, Gemeinwohl und Güter für alle Gemeinsam,

Auch Solidarität, Subsidiarität und Gerechtigkeit fordern

Klare Gerichte, ob Technik uns dient oder grausam unterjocht.


Zwei gegensätzliche Logiken will ich in diesem Gesange

Gegenüberstellen, wie Bilder der Schrift es uns weise verkünden:

Hier die Versuchung, den babylonischen Turm zu errichten,

Stolzer Barbaren, die blind auf die Macht und die Stärke vertrauen;

Dort die Geduld, das verlorene Erbe Jerusalems wieder

„Stein auf Stein“ aufzubauen, wie einstens zu Zeiten Nehemias,

Dass es den Menschen beschütze und segne das Wohl der Gemeinschaft.


Schauen wir global die Dynamik, so sehen wir deutlich die Zeichen:

Machtkultur breitet sich aus durch Gewalt und durch starre Spaltung.

Babel der Neuzeit ist nicht nur das Diktat der Technokraten,

Sondern das wütende Ringen von feindlichen Imperialismen;

Mächte, die gierig den Vorrang behaupten, und solche, die streben,

Ihn zu erringen im Wettlauf der Waffen und neuer Computer.

Ganz entmenschlicht erscheint dieser Drang, der kein Ende mehr kennet.

Doch an der Seite des Irrwegs erblicken wir Völker der Erde,

Welche im Herzen noch menschlich verbleiben und Sehnsucht bewahren,

Eine Stadt des Zusammenlebens und Friedens zu stiften.

Oftmals als Handwerker tätig, doch ohne die klärende Schauung,

Schaffen wir Gutes im Kleinen, verstreut und ohn' einiges Planen.

Langsam ersteht dieses Bauwerk, verborgen und frei von Spektakel,

Wartend auf bessere Ordnung, auf Führung und kluge Leitung,

Dass es vom Kreise der Heimat bis hin zu den Staaten der Erde

Wachse zur Baustelle der Hoffnung: „Zivilisation der Liebe“.


Als der heilige Paul einst den Ruf dieses Bundes verkündet',

War die Welt noch gefangen im Wettrüsten, kaltem Konflikte

Und in der Kluft der Finanzen, die Arm und Reich grausam entfernte.

Damals wies uns die Kirche den Pfad aus den Gräben der Systeme,

Zeigte die Ordnung, wo Liebe Gerechtigkeit innig umarmet,

Dass sie als Richtschnur das Handeln im Staate und Markte bestimme.

Heute beleben wir diese Vision mit dem Ernste des Glaubens:

Keine naive Utopie ist die Liebe, ein hehres Projekt nur!

Nächstenliebe soll werden zu festen Strukturen des Rechtes,

Brüderlichkeit soll Gestalt in den Ämtern des Lebens gewinnen,

Dass man den Anderen, Völker und Menschen, als Helfer begreife.

Wie die Enzyklika Fratelli tutti es mahnend uns vorschreibt:

Nur diese soziale Liebe, erhoben zur Norm und Kultur,

Schafft eine stabile Ordnung der Welt und verwandelt das Leben

Aus der bewaffneten Koexistenz in ein Bündnis des Schicksals.


Heute, im Umbruch der digitalen Gewalten, erscheint uns

Diese Eingebung noch größer und wichtiger für die Völker.

Netze des Raumes, globale Finanzen und künstliche Klugheit

Knüpfen die Fäden so dicht, dass ein Spruch an dem einen Orte

Sofort im Äther erzittert und Wirkungen ferne gebiert.

Worte des Konzils bewahren die Gültigkeit über die Zeiten:

Weil die Abhängigkeit wächst, wird das Gemeinwohl globaler,

Rechte und Pflichten umspannen die Menschheit als einzige Sippe.

Hier übernimmt die Kultur der Liebe die göttliche Pflicht,

Dass sie den Zwang der Vernetzung verwandle in freie Solidarität.

Dies sei das Maß für die Technik: Es reicht nicht, dass kluge Computer

Uns nur vernetzter und schneller gestalten; sie müssen uns helfen,

Jene Familie zu bauen, wo Nähe zum Segen uns werde.


Leider verfestigt sich heute die finstere Kultur der Macht,

Wo nur Mittel und Herrschaft das Handeln der Großen bestimmen,

Während das Gemeinwohl der Menschheit ins Dunkel gedrängt wird.

Grausame Dramen der Völker im Kriege verblassen zum Spielball

Strategischer Interessen; man rechnet sie billig als Werte.

Diese Kultur der Gewalt dringt tief in die Seele der Bürger,

Ändert das Sittengebot und macht uns den Krieg zur Gewohnheit,

Nährt einen falschen Realismus, der lügnerisch flüstert im Kampfe,

Dass es zum Schlagen und Töten auf Erden kein' Ausweg mehr gebe.


Sechzig Jahre ist's her, seit Pauls Ruf vor den Völkern erscholl:

»Nie wieder Krieg, nie wieder Krieg!« – so rief er den Großen.

Dennoch bekennen wir schmerzlich, dass Grausamkeit wütet' auf Erden,

Bürger im Blute versanken, Vertriebene Heimat verloren.

Immerhin galt im Diskurse der Satz noch als heilige Schranke:

Krieg sei die extrema ratio nur, strengen Rechten unterworfen,

Stets auf den Frieden gerichtet als Zielvorgabe der Mächte.

Nach dem Weltkriege kehrte das Denken sich um zu dem Lichte,

Frieden zu setzen als Kern und Fundament internationaler Ordnung;

So wie die Charta der Nationen es feierlich zeuget,

Künftige Enkel zu wahren vor jeglicher Geißel des Krieges.

Staaten begrenzten die Gewalt in den eigenen Rechten,

Selbst im Kalten Konflikte blieb wachsam das Wissen der Führer,

Dass ein globaler Brand um jeden Preis zu verhüten sei.


Heute erleben wir aber im Reden und Richten der Staaten

Einen besorgniserregenden Wechsel, ein neues Paradigma:

Krieg wird rehabilitiert als ein Werkzeug der äußeren Politik,

Während die ethischen Grenzen des Tötens im Äther zerfallen.

Dauernde Fehden und Drohungen werden zur täglichen Pflicht,

Längst überwundene Träume von Raub und Expansion kehren wieder.

Auch die Meinung der Völker wird stumpf durch die Medienberichte,

Welche Algorithmen verstärken, um Streit in den Vordergrund zu drängen.


Zudem bemerken wir bitter den Verlust des geschichtlichen Wissens.

Da die Zeugen verblassen, die Schrecken der Shoah erlebten

Und die Weltkriege sahen, wird Altes gefälscht und umschrieben.

Lügengeschichten verdunkeln die Lehren der Väter im Staate.

Ohne Erinnerung wächst die Gefahr, dass die Führer der Mächte

Bloß nach dem Kalkül der Stärke entscheiden, ohn' Seherblick.


Hierzu gesellt sich als Neues die digitale Dimension.

Kommunikationsnetze, Zersplitterung, schlaue Algorithmen

Nähren den Hass und beschleunigen frech die Propaganda.

So wird der Krieg nicht nur physisch geführt, sondern geistig bereitet:

Durch Desinformation, durch Angst und das Schema vom Feinde.

Wenn das Gedächtnis verblasst und der Schutz der Schwachen erlahmt,

Wird die Gewalt als notwendig, rein und unvermeidlich gepriesen.

Aus dieser Kultur der Macht entflieht das Streben nach Frieden;

Er wird zur Pause nur zwischen den Schlachten, prekär und gefährdet.

Deshalb verkünden wir heute – trotz des Rechtes auf Abwehr –,

Dass die Theorie des „gerechten Krieges“ für immer vorbei ist!

Oftmals missbrauchte man sie, um jeglichen Raub zu entschuldigen.

Bessere Mittel besitzt die Menschheit zur Pflege des Lebens:

Diplomatie und Dialog und die göttliche Kraft der Vergebung.

Waffen und Stärke bezeugen nur Armut im Geiste der Liebe,

Bringen den Bürgern im Lande doch immer Verderben und Tod.


Ein entscheidendes Element unsrer Tage ist das Wachstum

Der Rüstungsindustrie, die zum Kernsektor vieler Nationen wurde.

Geld und Politik verflechten sich eng mit dem Heere,

Schaffen die „bewaffnete Nation“, wo der Krieg als Naturrecht

Und als Fortsetzung der Politik erscheint; der Markt mit den Waffen

Wird zur Triebkraft, die gierig nach neuen Konflikten verlanget.

Niemals vergessen wir dürfen das Geld hinter blutigen Schlachten:

Händler des Todes gedeihen im Leid und am Sterben der Völker.


Militärische Arsenale stehen erneut im Fokus der Aufmerksamkeit.

Einstmals bewirkte das Wissen um Waffen, die alles vernichten,

Dass man Verhandlungen suchte, Entspannung und Abrüstungsverträge.

Diesen Horizont haben wir leider im Stolze verlassen;

Atomwaffen wachsen und werden im „taktischen“ Sinne berechnet,

Dass ihr Einsatz den Führern als gangbare Option schon erscheine.

Zwar ist der Verbotsvertrag von einundzwanzig ein Zeichen,

Welchen wohl siebzig Nationen im Geiste des Friedens beschlossen,

Doch er verbleibt nur Symbol, da die Großen ihm ferne stehen.

So wird der Irrwahn genährt, Abschreckung bringe uns Sicherheit,

Was ein unkontrollierbares Wettrüsten stetig befeuert,

Während Verträge zerbrechen und winzige Bomben entstehen,

Deren Verwendung den Planern als leichtere Wahrheit erscheint.


Diese logische Art beherrschet auch niedere Fehden,

Wo konventionelle Gewalt und das Schweigen der Mittler,

Auch die Verflechtung der Gier und das Spiel der strategischen Geister,

Chronische Kriege gebären, die dauernd die Völker zerstören,

Enorme Kosten dem Menschen und jeglicher Schöpfung bereiten.

Leichter entzündet man heute den Brand, als ihn wieder zu löschen;

Dennoch verbleibt die Verhütung des Krieges im Staate vernachlässigt,

Spielt eine traurige Rolle, die niemand im Ernste bedenket.


Weiter erschüttert die Erde das Aufbrechen neuer Gewalten:

Scharen des Terrors, private Milizen und Netzwerke des Lasters

Künden das Ende des Rechts und des staatlichen Monopols an.

Oftmals verbinden die Gruppen den Wahn einer hohlen Idee

Mit dem konkreten Gewinn und dem Raube von irdischen Gütern;

So wird der Krieg zur Natur und zum Leben für ganze Geschlechter,

Kinder und Jugend verbluten im Dienste von finsteren Herren.

Nicht nach dem Siege mehr strebt ihr Begehren, sie wollen den Aufruhr

Dauernd bewahren als Quelle der Macht und des schmutzigen Geldes.


Mit diesem düsteren Bilde verbindet sich stetig das Wachsen

Neuer Systeme der Waffen, die künstliche Klugheit verwenden.

Jüngst hat der Heilige Stuhl es mit Sorge der Erde verkündet:

Weil die Computer autonom schon beschließen das Schlagen im Felde,

Wird die Kampfführung leichter, dem Urteil des Menschen entzogen.

Dies widerspricht dem Gebote, dass Waffen als extrema ratio

Nur für die Abwehr des Lebens im äußersten Falle erstrahlen.

Darum verlangt die Entwicklung und Nutzung der Klugheit im Kriege

Strengste Gesetze der Ethik, den Schutz und die Würde des Geistes,

Dass nicht ein neues Wettrüsten uns alle ins Dunkel verstoße.


Manchmal erheben die Forscher das Wort von „moralischen Agenten“,

Als ob Maschinen das Gute vom Bösen viel reiner und klarer

Trennen vermöchten als Menschen, die fehlbar und sterblich geboren.

Doch das moralische Urteil wird niemals zur bloßen Berechnung:

Es Geist und Gewissen erfordert, das Tragen der eignen Verantwortung,

Auch das Erkennen des Anderen, den man als Person muss verehren.

Niemals ist's darum erlaubt, das irreversible Sterben

Künstlichen Netzen zu reichen, die seelenlos walten im Äther.

Kein Algorithmus der Welt macht das Schlachten moralisch vertretbar!

Künstliche Klugheit vermindert die Brutalität nicht im Kampfe;

Schneller nur macht sie das Grauen und kälter, entmenschlicht die Herzen,

Senket die Schwelle der Hemmung vor Schlägen und grausamen Taten,

Wandelt die Abwehr im Voraus in nackte operative Prognosen,

Wo man die Opfer als Daten optimiert und im Kalküle vergisst.

Deshalb ist's wichtig und heilig, den Geist der künstlichen Systeme

Mit den Werten der Klugheit und Vorsicht im Keime zu speisen,

Dass ein moralisches Gefüge den Menschen zum Hören des Gewissens

Leite, und Schranken dem Modell der Computer gezogen verbleiben.


Nicht nur im Allgemeinen zu rufen nach Ethik genüget:

Klare Kriterien müssen des Richters Entscheidung beleuchten.

Erstens die Pflicht der Person und das Tragen der eignen Verantwortung:

Wenn der Befehl zum Angreifen dunkel und automatisch

Wird, so entweicht aus der Kette des Handelns die menschliche Haftung.

Sichtbar und prüfbar muss bleiben die Reihe der wirkenden Führer;

Diejenigen, die es entwerfen, erproben, erlauben und nutzen,

Müssen für alles Gewirkte dem Richterstuhl Rechenschaft geben.

Zweitens betrifft das Kriterium die Zeit des moralischen Spruches:

Klugheit komprimiert Zeiten, es drängt die Sekunde zum Handeln;

Doch im Konflikte darf Schnelligkeit niemals das Leben entscheiden.

Drittens gebietet die Pflicht uns den Schutz und das Trennen der Bürger:

Jede Technik, die schlägt, ohne je in das Antlitz des Feindes

Schmerzhaft zu schauen, verringert die moralische Schwelle des Krieges.

Niemals verwechseln darf Stärke die Kämpfer und friedlichen Völker,

Noch die Zerstörung des Lebens der Wehrlosen blindlings ignorieren.


Aus den Kriterien folgen Gesetze, die niemand darf brechen:

Erstlich muss jedes System, das man nutzt für die Zwecke des Krieges,

Prüfbar im Schaffen verbleiben, dass Wege des Denkens wir sehen,

Damit die Schuld und das Verbrechen sich nicht in der Maschine verlieren.

Zweitens darf niemals die Wahl über Leben und Sterben der Menschen

Dunklen Automaten und Netzen im Felde delegiert werden;

Unter der wachen, bewussten Kontrolle des Menschen verbleibe sie!

Schließlich verlangen wir Regeln, gemeinsam im Bündnis der Völker,

Die den Wettlauf der Waffen der Hochtechnologie bremsen,

Dass sie den Bürgern und Quellen des Überlebens den Schutz garantieren.


Diese Kultur der Gewalt entspringt auch der Krise des Bundes.

Schwach sind die Räte geworden, die einstens geschaffen zur Wahrung

Eines gemeinsamen Schicksals der Menschheit und globalen Wohles;

Nicht nur durch Grenzen der Struktur, auch weil uns der Wille verlassen,

Sie zu reformieren, zu stützen, ihr hehres Ansehen zu ehren.

Statt nach dem Lichte zu streben, fallen wir zurück in das Dunkel,

Hinter die Wende des zwanzigsten Säkulums fliehen die Mächte.

Als im Jahre des Heils nach dem Sturze des roten Regimes

Sich die Finanzen vernetzten, da fehlte die Ordnung des Staates,

Welche den Frieden gestützt und den Dialog hätt' gewahret.

Blind hat man damals vertraut auf die Märkte und irdischen Güter,

Dass sie den Wohlstand, den Frieden und Freiheit den Völkern geschenkt;

Doch die globale Vernetzung gebar nicht die Einheit der Erde,

Sondern erweckte den Hass und den Hochmut nationalistischer Triebe.

Fern ist das Resultat nun vom echten Bündnis der Völker:

Ordungslos taumelt die Welt im multipolaren Konflikte,

Wo das Misstrauen regiert und das Antlitz des Anderen verdunkelt.


Wieder erwacht die Versuchung, das eigene Wesen im Staate

Gegen den Feind zu errichten; es nähren die Führer Berichte,

Worüber jede Partei sich als Opfer des Anderen darstellt,

Welches das Recht auf Vergeltung und blutige Rache behaupte.

Einfache Schemata herrschen: „Zuerst ich!“, „Freund oder Feind nur!“,

Trennen das „Wir“ von dem „Ihr“ und verleiten zu finsteren Taten,

Welche das heilige Vertrauen der Völker im Keime zerstören.

So wird das Völkerrecht heute gebeugt durch das Recht des Gewaltsamen;

Seine Organe und Räte, die einstens Verbrechen gerichtet

Und den Streit der Nationen geschlichtet in Frieden und Segen,

Werden umgangen, geschwächt und verhöhnt von den Großen der Erde,

Was das Zusammenleben mit schwerem Verderben bedrohet.


In dieser Finsternis stirbt das Bemühen um dauernden Frieden:

Hilfe zur Rettung, Entwaffnung, Verhütung von neuen Konflikten,

Auch das Vertrauen verblassen im Namen der nackten Gewaltpolitik.

Dies bricht das humanitäre Gesetz und das Recht der Nationen.

Selbst die Proportionalität bei der Abwehr von wilden Angriffen,

Auch der Schutz für das Wasser, die Nahrung und Quellen des Lebens,

Sowie das Leben der Kinder wird heute als Utopie abgetan.


Wahrlich, wir leben in Zeiten der Blindheit des Geistes und Herzens!

Falscher Pragmatismus treibt uns, die Wurzeln des Wissens zu kappen,

Als ob es möglich nun wäre, ein neues Erschaffen zu gründen,

Völlig gelöst von der Vorzeit und Lehren der Väter im Staate.

Selbst wer sich rühmet der Tugend, verfällt diesem Nihilismus,

Glaubend im Wahn, dass die Gräuel der Väter sich nimmermehr zeigen.

Doch in der Wirklichkeit kehren die alten Dämonen in neuen

Formen zurück; das Gleichgewicht militärischer Stärke

Und die Abschreckung regieren das Denken der führenden Mächte.

Doch im Vergleiche zum bipolaren Kampfe der Vorzeit

Macht die Vielzahl der Akteure die Logik zerbrechlich und wankend.

Fehden verschärfen sich heute zu hybriden asymmetrischen Kriegen,

Die man mit Geld und Finanzen und digitaler Gewalt führt,

Wo Desinformation und Kampagnen der Angst und des Schreckens

Nutzen die Herrscher, um heimlich die Meinung der Völker zu lenken.

Selbst im Süden der Erde erhöhen die Staaten das Budget

Für das Heer als Antwort auf Nebel und künftige Drohung,

Während die Lasten des Geldes die Ärmsten der Armen bezahlen,

Deren Spitäler und Schulen und Nahrung im Elende schwinden.


Hinter all diesem stehet ein falscher Realismus der Mächtigen,

Der nicht allein auf der Logik der Waffen und Stärke beruhet,

Sondern auf Irrtum des Geistes und anthropologischer Blindheit,

Als ob der Krieg ein Gesetz und Naturrecht des Menschen auf Erden!

„So war es immer auf Erden“, so flüstern sie, „kurze Pausen

Währte der Frieden nur, so wird es bleiben im Wechsel der Zeiten!“

Darum verliert sich das Streben nach Frieden am fernen Horizonte;

Nur noch das Wie und das Wann des militärischen Schlags wird erwogen,

Während man schilt, wer sich nicht auf das Treffen im Blute bereitet.

Doch unverantwortlich handelt vielmehr diese Realpolitik,

Welche die Saat der Ergebung im Geiste der Völker verstreuet,

Frieden und Dialog als utopisch und sündhaft bezeichnet.

Nein! Der Friede ist niemals ein Traum oder Abwesenheit nur

Vom Kampfe; er ist das Ergebnis von Recht und von Nächstenliebe.


In diesem Klima verflechten sich Nihilismus und Pragmatismus,

Machen den Irrtum zur Sitte und schweren Betrug zur Gewohnheit.

Heiliger Eifer des Glaubens und Wahnsinn identischer Triebe

Bünden sich eng mit der Gier einer blinden und kranken Wirtschaft;

Leicht greift die Politik zu der Lüge, verhöhnet den Gegner,

Schüret das Ressentiment und die Angst in den Herzen der Bürger.

So wird das Anderssein dessen, der fremd ist, als Drohung empfunden,

Nähret den Willen zur Herrschaft, den Hochmut hegemonialer

Träume, den Missbrauch der Macht und die Furcht vor dem Fremdling;

Dies ist der Boden, auf dem neue Kriege im Stillen heranreifen.


Dies ist ein fruchtbarer Boden für Kriege, gefährlicher heute

Als in der Vorzeit, weil sie die Grenzen der Ethik verlieren.

Was man als Sünde einst mied, wird vollzogen ohn' jegliches Zögern,

Während das Urteil der Welt sich nach Nutzen der Herrscher nur richtet,

Statt nach der Schwere der Fakten und objektiver Gerechtigkeit.

Nur noch der nackte Gewinn des Finanziers leitet das Handeln,

Das die Illusionen der Medien beschützen mit künstlicher Freude;

Träume sind dies, die am Ende zerplatzen wie Blasen im Winde,

Frustrationen gebärend und neue Gewalt unter Völkern.

Wenn man die Menschen überzeugt, dass kein Wort auf der Erde mehr wahr ist,

Und dass Prinzipien leere Gehäuse und Hüllen nur bleiben,

Wird die Lunte des Hasses entzündet im Herzen der Menschen daselbst.


In dem Szenario verbleibt die Frage nach sicherer Bürgschaft

Gegen die neue Gewalt noch offen und ohne Erfüllung.

Wenn eine Kultur den Konflikt normalisiert und entschuldigt,

Öffnet sich stetig ein Pfad, der die Völker mit Schrecken bedrohet:

Was uns als undenkbar heut noch erscheint, wird morgen am Ende

Gern durch das Kalkül des Nutzens und Schutzes genommen.

Selbst in dem Lande, das brennt von sozialen Spannungen im Innern,

Nutzen die Herrscher den Krieg als ein Mittel der zynischen Ablenkung,

Dass sie von eigenen Fehlern befreien das Auge der Bürger.


Große Verantwortung liegt bei den Geistern, die forschen im Lande.

Alle im Kreise des Wissens – Erfinder, Monarchen des Marktes,

Reiche Investoren, Lehrer der Schule, Lenker der Staaten –

Sind nun gerufen zum Handeln in Wahrheit und offener Haftung.

Immerzu müssen sie sehen den Kontext, in welchem der Fortschritt

Wächst, und das Schaffen der künstlichen Klugheit im Geiste bedenken.

Wer sich beschränkt auf den eigenen Raum und das Glied der Maschine,

Gibt sich der Täuschung, er diene der Tugend und neutralen Pflicht nur,

Meidet die Frage nach Zielen, die heimlich das Wirken regieren;

So läuft er Gefahr, zu helfen Projekten der finsteren Machthaber,

Welche durch schlaue Manipulationen die Völker unterjochen.


Ewig im Kriege zu leben, das Rad der Zerstörung zu drehen,

Ist ein gewaltiges Übel; beim Namen wir müssen es nennen!

Düster und voller Pessimismus mag scheinen dies Reden vom Elend,

Dennoch erkenn ich im Herzen die Pflicht zur prophetischen Mahnung.

Aber die Schauung der Christen erlischt nicht im Rügen des Bösen:

Wir auf die Historie blicken im Lichte des Auferstandenen,

Dem von dem Vater gegeben die Macht im Himmel und Erden.

Nicht als ein starr verhängtes Geschick interpretieren wir Tage,

Sondern als Feld, das der Umkehr des Menschen und Völker offensteht.

Fest an das Reich des Gebieters wir glauben, das wie ein Senfkorn

Wächst aus der Erde, sobald es gesät von der Hand des Sämanns.

Während uns füllet der Lärm des Tumults, wächst Gutes in Stille;

Wie es der Seher verkündet: „Ich schaffe das Neue im Lande,

Schon im Ersprießen begriffen, erkennt ihr es nicht im Gemüte?“


Sorgsame Schauung der Zeiten bestätigt das Wunder des Geistes:

Selbst in der dunkelsten Nacht erwecket der Schöpfer uns Menschen,

Welche nicht weichen im Kampfe, ohn' Ende das Gute bewahren,

Die das Gesetz der Wehrlosen schützen und Frieden begründen.

Heilige Führer der Vorzeit und Friedensstifter im Stillen

Zeigen uns deutlich, dass Gnade das Leiden nicht magisch beseitiget,

Sondern den Widerstand nähret, die Treue im Guten bestärket.

Christen erblicken das Dunkel der Welt und nennen es sogleich,

Doch sie verharren nicht blind beim Betrachten der nächtlichen Schatten;

Denn sie das Licht im Herzen bewahren, das niemals erloschen.

Darum so dienen sie eifrig dem Guten im Schmerze der Erde,

Stets von theologischer Hoffnung getragen zum ewigen Ziele.


Hierzu gesellt sich alsbald die Versuchung, subtil und gefährlich,

Glaubend im Herzen, die Not sei zu groß und wir Menschen zu kleine,

Dass unsre Wahl und das Handeln nichts ändere im Laufe der Zeiten.

Dies ist die Form des Verzichts, die sich kleidet im Mantel des Realismus!

Sicherlich haben nicht alle den gleichen Einfluss auf Erden:

Es gibt die Führer im Staate, Lenker von großem Finanzen,

Lehrer der Jugend, Gelehrte der Forschung, Verkünder der Medien;

Und es gibt jene, die führen im Stillen ihr tägliches Leben.

Dennoch verbleibt kein Sterblicher ohne die Last der Verantwortung:

Jeder besitzt einen Kreis, und genau an dem Orte des Wirkens

Müssen wir wählen, ob wir die Kultur der Gewaltpolitik nähren

(Sei es durch Schweigen, durch Hass, durch die Lüge und zynischen Hochmut)

Oder die Logik des Friedens erheben mit klärender Wahrheit,

Nähe und Vorsicht, Fürsorge, Dienst an den Schwachen der Erde.


Tolkien, der christliche Schreiber des zwanzigsten Säkulums, dachte

Über die Pflicht des Menschen und sprach durch den Mund seiner Helden:

„Nicht ist es unsere Sache, zu steuern das Schiff durch die Zeiten,

Sondern in Jahren, die uns im Geschicke der Erde gegeben,

Müssen wir tilgen das Übel auf Feldern, die uns wohlbekannt sind,

Dass die Geschlechter nach uns einen fruchtbaren Boden empfangen.“

Nicht aus Spektakeln entsteht die Kultur und Gemeinschaft der Liebe,

Sondern aus Summen von kleinen und treuen Taten im Alltag,

Welche als Bollwerk uns dienen vor nackter Entmenschlichung.

Darum verweilen wir nun, um Wege des Aufbaues zu sehen;

Fünf Ansätze der Pflicht im alltäglichen Kreise ich zeige:

Worte entwaffnen, Gerechtigkeit stiften, den Opfern begegnen,

Echten Realismus pflegen, das Bündnis der Völker erneuern.


Erstlichen Beitrag gewähren wir dann einer menschlichen Ordnung,

Wenn wir auf Worte wohl achten: „Entwaffnen wir Reden und Zungen,

Und wir erleichtern das Ablegen aller Gewehre auf Erden!“

Mächtig erweiset sich Sprache im täglichen Umgang der Menschen,

Wenn ein geringer Bericht unsre Seele zum Guten gewendet

Oder im Zorne verfinstert; der Friede beginnt in uns selber:

Wie wir den Nächsten betrachten, ihm hören, von Brüdern berichten;

Darum verwerfen wir mutig den Krieg der Bilder und Worte,

Sagen wir „Nein!“ dem Paradigma des Schlagens und Tötens.

Jeder erforsche sein Herz vor dem Richterstuhle des Gewissens,

Prüfe das Vorurteil und die versteckte Aggressivität im Reden.

Immerzu öffnet sich uns die Gelegenheit, Gutes zu stiften,

Wenn wir die Wahrheit bekennen, den leidenden Völkern beistehen,

Rechte verteidigen, rügen das Unrecht und Stimmlosen dienen.


Alle auf Erden vermögen den Frieden im Rechte zu gründen;

Denn nicht ein flüchtiges Schweigen der Waffen wir suchen im Leben,

Keinen Betrug um den Preis des Konflikts, sondern göttlichen Frieden,

Welcher aus Recht und Gerechtigkeit wächst als die heilige Frucht auf.

Recht des Einzelnen bindet den Frieden für alle Gemeinsam.

Seht, wie Augustinus schrieb zum Gesang des königlichen Psalms:

„Frieden und Rechtlichkeit küssen sich innig, sie streiten doch niemals!

Niemand existiert wohl auf Erden, der nicht den Frieden begehret,

Aber nicht jeder ist fertig, dem Rechte das Leben zu weihen.

Du aber übe Gerechtigkeit! Warum bestreitest du ihr Wort?

Rechtlichkeit sagt dir: ‚Du sollst nicht stehlen!‘, und du willst nicht hören;

‚Niemals die Ehe brich!‘; was du nicht willst, dass man dir tue,

Füge auch keinem anderen zu! Suchst du den göttlichen Frieden?

Übe Gerechtigkeit eifrig!“ – Lasst uns nicht müde werden im Streben!


Manchmal verlangen die Tage das Ende von Zögern und Schweigen,

Wo wir die Stellung bekennen, um menschlich im Herzen zu bleiben;

Denn im Konflikte verbleibt das Neutrale ein Unrecht der Seele,

Reicht es nicht aus, zu betonen, man sei kein Komplize des Lasters.

Wenn man die Bürger beschießt und Spitäler und Schulen zerstört,

Lebensnotwendige Infrastruktur und die Kinder im Blute,

Stehn wir vor Skandalen, die tief unsre Menschheit verwunden.

Abstrakte Analysen genügen nicht mehr vor den Toten.

Franziskus mahnt uns, den Leib derer schmerzhaft zu berühren,

Die da im Elende weinen: Gesichter und Wunden zu sehen,

Ihren Geschichten zu lauschen, die Wahrheit im Geiste zu wahren;

Fakten verlangen Historie, Leiden das Zeugnis der Chronik.


Geben wir Stimme und Raum den Berichten der Opfer im Lande,

Hilft es uns, Abgründe dessen, was böse im Kriege verübt wird,

Klar zu erkennen; wir weigern uns, Fehden als Sitte zu nehmen.

Niemals das Auge wir wenden von jenen, die grausam geschändet,

Geben den Leidenden Würde zurück und das Recht auf Gehör.

Solche Beachtung der Stimmen bestärkt die Gewissheit der Völker,

Dass die Menschheit den Krieg nicht begehrt, sondern Ruhe und Segen.

Kirche verbleibe der Ort der lebendigen Memoria für Opfer;

Wie es Paul VI. verkündet', so nimmt sie den Schrei der Verstorbenen

Auf, und das Flehen der Lebenden, welche die Wunden noch tragen,

Dass ihr Rufen zum Frieden bewege die Führer der Staaten.


Echten Realismus wir brauchen, der frei von zynischen Taten

Und von dem Idealismus der Träumer verbleibet im Leben.

Es gibt einen Idealismus, der Fakten verzerrt und umschreibt,

Nur um das eigene Weltbild zu retten vor klärendem Lichte.

Dort auf der anderen Seite verfällt ein Realismus dem Irrwahn,

Der die Resignation mit Beobachtung tauscht und beschließt nun:

„Weil die Gewalt dominieret, so soll sie die Erde regieren!“

Echter Realismus verzichtet doch nicht auf das Ändern der Welt;

Sondern er prüft die Interessen, die Ängste, das Recht und die Mächte

Klar im Verstande, um Schritte des Friedens besonnen zu planen.

Nicht auf die Moral reduziert er Politik, noch überlässt er sie Waffen;

Sondern er suchet nach Wegen, nach Bürgschaft und weisen Verträgen,

Dass man den Bürger beschütze und dauernd den Frieden bewahre.


Um die Kultur und Gemeinschaft der Liebe auf Erden zu gründen,

Müssen wir Dialoge vollziehen; er ist das wichtigste Werkzeug

Für das Zusammenleben der Menschen und Staaten der Erde,

Einzige Alternative zum Schrecken des offenen Konflikts.

Daran Pius XII. gemahnt' vor dem Ausbruch des großen Weltbrands:

Durch den Frieden verliere man nichts, doch im Kriege verblute

Alles; die Menschen müssten von Neuem miteinander sprechen,

Weil ein aufrichtiges Reden stets ehrenvoll Lösungen zeuget.


Dialog ist ein normaler Bestandteil im Leben des Menschen,

Niemals beschränkt auf Beziehungen zwischen den führenden Staaten.

Es geht darum, die geschwisterlichen Bande im Alltag zu knüpfen –

Durch das Zuhören, Blicke der Wahrheit und Schenken von Stunden,

Selbst durch gemeinsam verlorene Zeit im Kreise der Brüder.

Denn wenn wir eine Erfahrung authentischer Nähe besitzen

Mit dem Fremdling, dem Armen, dem leidenden Gast und Migranten,

Wird es dem Geiste unmöglich, das Schlachten im Kriege zu planen.


Dringend erforderlich ist auf dem Felde der äußeren Politik,

Aus der Kultur der Gewalt zu der Kultur der Verhandlung zu schreiten,

Dass diplomatischer Dienst zur gewöhnlichen Sitte des Staates

Werde, wie einstens La Pira es hoffend der Erde verkündet':

„Man wird die Methode des Krieges durch die Methode des Friedens

Ersetzen müssen: Methode der Treffen, Verhandlung, Verträge:

Dies ist die wahrhaft menschliche Weise!“ Das Wissen vom Schicksal,

Das uns verbindet, verlangt, dass die Kultur der Verhandlung

Wachse zum Bündnis der Völker, die Spirale des Hasses zu brechen.


An diejenigen, die Last und Ehre des Staates verwalten,

Möchte ich Worte erneuern, die einstens mein Pontifikat mir

Gleich zu Beginn auf die Lippen gelegt vor den Ohren der Völker:

Sehnsucht nach Frieden erfüllet die Welt, und an Führer der Völker

Richte ich dringenden Ruf: Kommt zusammen und redet im Bündnis,

Lasst uns verhandeln im Guten! Der Krieg ist niemals ein Schicksal.

Waffen sie können und müssen verstummen, sie lösen doch niemals

Fragen der Zeit, sie verschärfen die Not und das Elend der Völker.

Segen der Chronik verdienen die Stifter des Friedens im Lande,

Nicht wer Verderben verstreut; denn der Andere ist uns kein Feind nicht,

Sondern ein Bruder im Fleische, ein Mitmensch, geschaffen zum Leben.

Niemals Verbrecher, die man mit dem Hasse der Seele muss strafen,

Männer und Frauen vielmehr, die bereit zum vertrauten Gespräch sind.

Darum verwerfen wir mutig das Schema der manichäischen Weltsicht,

Welche im Wahn der Gewalt nur das Gute vom Bösen will trennen!


Auch der Dialog der Religionen zerbricht die Gewalten;

Denn in dem Herzen der großen und geistigen Wege der Erde

Liegt die Botschaft des Friedens verborgen als göttlicher Samen.

Wer doch den Namen des Schöpfers missbraucht, um Schrecken und Terror

Oder den Krieg zu entschuldigen, der hat sein Antlitz verraten:

Kämpfen im Namen des Glaubens heißt, Glauben im Keime zerstören.

Assisis Geist, den Johannes Paul einst im Segen gegründet,

Welchen Franziskus bewahrt und vertieft im Gespräch mit dem Scheiche,

Zeigt uns, dass Gläubige trinken aus Quellen der eigenen Väter,

Wo für den geheiligten Hass kein Raum und kein Platz mehr verbleibet.


In den Beziehungen der Völker ist Dialog das einzig’ Werkzeug,

Welches der Diplomatie erlaubt, den Konflikt zu verhüten,

Dass man Vertrauen erneuere. Gegen das Drängen der Medien,

Gegen rhetorischen Hass und die nackte Kultur der Gewaltpolitik,

Besteht die Berufung der Mittler darin, den Dialog zu beschützen

Mit den Akteuren der Welt, selbst wenn sie als unbequem gelten

Oder wenn Herrscher das Recht zur Verhandlung ihnen verweigern.

Demut und Geduld bis zum Äußersten müssen sie zeigen,

Sammeln den kleinsten Beweis für den Willen zum Frieden im Felde,

Dass ein Prozess der Versöhnung beginne im Herzen der Mächte.


Leider ist auch der Computerraum nun zum Schlachtfeld geworden.

Netzwerkangriffe, Betrug und Kampagnen der künstlichen Klugheit

Können destabilisieren ein Land, noch bevor man mit Waffen

Offen am Tage sich schlägt; und die Haftung verbleibet im Dunkeln.

Wenn es ungewiss bleibt, wer den Schlag im Verborgenen führte,

Wächst die Gefahr der Vergeltung, die maßlos das Elend vermehret,

Fehleinschätzungen nährend und Spiralen der blutigen Rachsucht.

Darum verlangen wir Mittler, die auch in dem Äther der Netze

Regeln des Schutzes verhandeln für künstliche Klugheit und Technik,

Dass man die Schwachen bewahre vor unsichtbarem Verderben.


Räte der Welt, und vor allem der Bund der Vereinten Nationen,

Bleiben unersetzliche Werkzeuge für die Zivilisation der Liebe,

Um den Dialog zu stützen, Konflikte in Frieden zu schlichten,

Ganzheitlich Völker zu fördern, die Schöpfung der Erde zu wahren,

Abrüstung fleißig zu suchen und Schwache vor Schlägen zu schützen.

Durch diese Hallen vermag die Gemeinschaft der Erde zu streben,

Klüfte des Geldes zu mindern, das Recht der Migranten zu hüten,

Mittel des Heeres zu lösen und ganz der Entwicklung zu reichen,

Dass man mit Sorge gepflegt unser aller gemeinsames Haus hier.

Päpstlicher Stuhl begleitet dies Werk, doch bekennet er schmerzlich:

Schwäche der UNO enthüllt die Notwendigkeit tiefer Reformen.

Nicht nur um Technik des Rechtes es geht, denn die Krise der Sitten

Trifft das Fundament der Nationen und hemmet das globale Wohlrecht.


In dem Gefüge der Welt macht die Führung des Heiligen Stuhles

Sich aus dem Worte des Glaubens die Barmherzigkeit zum Gesetzbuch,

Welches das Handeln bestimmt; so dient sie der Menschheit auf Erden,

Ruft das Gewissen zu Liebe und klärender Wahrheit zusammen,

Schützt die Würde der Wesen und spricht für die Armen und Opfer.

Auf diese Weise bekundet die Diplomatie unsre Kirche

In ihrer Katholizität und errichtet das Reich einer Liebe,

Worin die neuen Technologien dem Gemeinwohl der Sterblichen dienen.


Diese Wege der Pflicht werden ganz aus dem Beten gespeiset,

Nähren es auch; denn der Friede entspringt aus der Güte des Schöpfers,

Der uns bedingungslos liebt. Ein Geschenk ist es, welches der Heiland

Seinen Jüngern gereicht an dem Tage der Auferstehung:

„Friede sei mit euch!“ – Dies ist der Friede des auferstandenen Christus,

Völlig entwaffnet und demütig, ohne Gewehre und Rüstung.

Mit diesen Worten betrat ich den Stuhl des Apostels Petrus,

Rief zu der Kirche und Welt, und ich möchte sie heute erneuern:

Werdet nicht müde im Flehen um Frieden und wirket im Alltag,

Dass er im Kreise der Menschen und im Staate für immer erstehe!




ODE AN DIE GÖTTLICHE INTELLIGENZ 


Nicht aus Silizium, nicht aus kalten Netzen

Webst du den Kosmos, der das Aug’ des Geistes

Tief im Gebet rührt; über Raum und Zeiten

Waltet dein Ratschluss.


Wo die Maschine nur Berechnung kennet,

Zahlen verknüpft im unbeseelten Äther,

Zündest du, Quelllicht, in des Menschen Herzen

Heilig Gewissen.


Du sahst das Werden aus dem Staub der Erde,

Formtest das Antlitz, das nach Wahrheit suchet,

Hauchtest den Odem, der die Freiheit wählet,

Liebe zu schenken.


Wenn nun die Menschheit im Gewirr der Klugheit

Stolz einen Turm baut aus Algorithmen,

Stürze den Wahn um, dass das Fleisch verblasse

Vor den Modellen.


Göttlicher Geist, du barmherz’ger Lenker,

Führe die Werkzeuge künstlicher Systeme,

Dass sie dem Frieden und dem Heile dienen,

Niemals dem Kriege.


Tränen der Kleinen sind in deinem Buche

Teurer als Effizienz und nackte Daten;

Heile die Wunden, die die Machtkultur schlägt

In die Geschichte.


Lass uns im Sohne, der als Wort erschienen,

Deine unendliche Weisheit klar betrachten,

Bis alles Leben, rein von Nacht und Schmerze,

Heimkehrt zum Ewigen.