VON TORSTEN SCHWANKE
ERSTER GESANG
Früher waren Himmel und Erde nicht getrennt. Land und Wasser, Feststoffe und Gase, Feuer und Stein, Licht und Dunkelheit wurden vermischt. Alles war flüssiges und trübes Chaos.
Dann begann sich die mächtige Masse von innen heraus zu bewegen. Die leichteren Gas- und Luftpartikel begannen aufzusteigen und bildeten Himmel und Äther. Die schweren Teile sanken und schlossen sich zusammen und wurden zur Erde. Das Wasser formte die vier Meere. Dann erschien etwas wie eine weiße Wolke, die zwischen Himmel und Erde schwebte. Daraus gingen drei Wesen hervor – das Wesen der Mitte des Himmels, das hohe Erhabene Wesen und das majestätische Wesen. Diese drei versteckten ihre Körper.
Aus dem warmen Schimmel der Erde spross so etwas wie eine Binse. Sie war klar und hell wie Kristall. Aus diesem Spross ging ein Wesen hervor, dessen Titel „Der entzückende und ehrenhafte Spross“ ist. Als nächstes erschien ein anderes Wesen aus den Knospen der Binse, dessen Name "der ehrenwerte Himmelsgeborene" ist. Diese fünf Wesen werden „die himmlischen Götter“ genannt.
Als nächstes entstanden vier Paare von Wesen, nämlich: Das Wesen, das aus dem ersten Schlamm entsprungen ist, und Das Wesen aus Sand und Schlamm; das Wesen mit wachsenden Händen und Füßen und das Wesen mit Atem; das männliche Wesen und das weibliche Wesen des Großen Ortes; das Wesen der vollkommenen Vollkommenheit und das Wesen, das zu ihrem Gefährten „Seltsam und schrecklich“ rief.
So entstand als letztes Paar der erste Mann und die erste Frau namens Izanagi und Izanami.
Es wird gesagt, dass die anderen Wesenspaare vor Izanagi und Izanami nur ihre unvollkommenen Formen oder die Prozesse waren, die sie durchlaufen haben, bevor sie zur Vollkommenheit gelangten.
Diese beiden Wesen lebten in den Himmeln. Die Welt war noch nicht gut geformt, und die Erde schwamm wie ein Fisch im Wasser, aber nahe der Oberfläche, und wurde "Die schwimmende Region" genannt. Sonne, Erde und Mond hingen noch aneinander wie ein Kopf am Hals oder Arme am Körper. Sie trennten sich nach und nach, die Teile, die sie verbanden, wurden dünner und dünner. Dieser Teil, wie eine Landenge, wurde „des Himmels fließende Brücke“ genannt. Auf dieser Brücke standen Izanagi und Izanami, als sie ein Paar Bachstelzen sahen, die süß zusammen gurren und schnatterten. Das himmlische Paar war so begeistert von dem Anblick, dass sie anfingen, die Vögel nachzuahmen. So begann die Kunst der Liebe, die die Sterblichen bis heute praktizieren.
Während sie auf dieser Himmelsbrücke miteinander sprachen, begannen sie sich zu fragen, ob es eine Welt unter ihnen gab. Sie blickten weit auf das grüne Meer hinab, konnten aber nichts sehen. Dann nahm Izanagi seinen langen, juwelenbesetzten Speer und tauchte ihn in die trübe Masse, drehte ihn herum und rund herum. Als er ihn aufhob, verhärteten sich die Tropfen, die daraus rieselten, von selbst zu Erde; und so wurde trockenes Land gebildet. Als Izanagi seinen Speer reinigte, flogen die Klumpen von Dreck und Schlamm, die daran haften, in den Weltraum und verwandelten sich in Sterne und Kometen.
Es wird gesagt, dass Izanagi, indem er seinen Speer immer wieder drehte, die Erde in tägliche Umdrehungen versetzte.
Dem so entstandenen Land gaben sie den Namen „Die Insel des erstarrten Tropfens“, weil sie einen großen Archipel schaffen wollten und diese als erste Insel auszeichnen wollten. Sie stiegen auf der schwimmenden Brücke vom Himmel herab und landeten auf der Insel. Izanagi schlug seinen hohen Speer in den Boden und machte ihn zur Achse der Welt. Dann baute er einen Palast um den Speer herum, der die zentrale Säule bildete. Dieser Punkt befand sich früher am Nordpol, befindet sich jetzt aber bei Eshima, vor der zentralen Ostküste Japans. Dann beschlossen sie, die Insel zu umrunden und zu untersuchen. Dies getan, trafen sie sich zusammen. Izanami rief: „Was bist du für ein reizender Mann!“ Aber Izanagi tadelte sie, dass sie zuerst gesprochen hatte, und sagte, sie müssten es noch einmal versuchen. Dann gingen sie noch einmal um die Insel herum. Als sie sich trafen, hielt Izanami den Mund, während Izanagi sprach: „Was für eine reizende Frau!“
Da sie nun beide gut gelaunt waren, begannen sie mit der Arbeit, Japan zu schaffen. Die erste aus dem Wasser geholte Insel war Awaji; und dann war sie die Hauptinsel. Danach wurden acht große Inseln geschaffen, von denen einer der Namen Japans stammt, „Das Reich der acht großen Inseln“. Sechs kleinere Inseln wurden ebenfalls geschaffen. Die mehreren tausend kleinen Inseln, die den Archipel des Ewigen Großen Japans bilden, sind durch die spontane Konsolidierung des Meeresschaums entstanden.
Nachdem das Land auf diese Weise gebildet war, erschuf das göttliche Paar acht Millionen irdische Götter oder Kami und die zehntausend verschiedenen Dinge auf der Erde. Über dem ganzen Land entstand Vegetation, die jedoch noch mit Nebel bedeckt war. So erschuf Izanagi mit seinem Atem die beiden Götter, den männlichen und den weiblichen Wind. Alle diese Inseln sind die Kinder von Izanagi und Izanami und waren bei ihrer ersten Geburt klein und schwach, wurden aber allmählich größer und größer und erreichten ihre heutige Größe wie Menschen, die zunächst winzige Säuglinge sind.
Als die allmähliche Trennung von Land und Meer fortschritt, bildete sich das Ausland durch das Erstarren des Meeresschaums. Der Feuergott wurde dann von Izanami, seiner Mutter, geboren. Dieser Gott wurde oft sehr wütend auf jeden, der unreines Feuer benutzte. Izanami erschuf dann selbst die Götter der Metalle, des Tons und des Süßwassers. Letzterem wurde gesagt, er solle den Feuergott immer ruhig halten und ihn auslöschen, wenn er anfing, Unheil zu stiften.
Izanagi und Izanami, die nur kurze Zeit verheiratet waren, begannen sich zu streiten, denn Izanami hatte ihrem Mann einmal gesagt, er solle sie nicht ansehen, wenn sie sich versteckte. Aber Izanagi tat nicht, was sie verlangte, sondern drang in ihre Privatsphäre ein, wenn es ihr schlecht ging, und starrte sie an, wenn sie allein sein wollte. Izanami wurde dann sehr wütend und ging in die untere Welt der Dunkelheit hinab und verschwand.
In der dunklen Welt unter der Erde blieb Izanami lange Zeit, und nach langem Warten ging Izanagi ihr nach. In der Dunkelheit der Unterwelt war er entsetzt über das, was er sah, und verließ seine Gemahlin unten und versuchte, erneut auf die Erde zu fliehen.
In seinen Kämpfen wurden mehrere Götter erschaffen, von denen einer aus seinem Stab kam. Als er das Tageslicht erreichte, sicherte er sich einen großen Stein, um das Loch in der Erde zu schließen. Er verwandelte diesen Felsen in einen Gott und befahl ihm, den Ort zu beobachten. Dann stürzte er ins Meer und wusch sich noch lange, um sich zu reinigen. Indem er die verschmutzte Luft, die er in der Unterwelt einatmete, aus seinen Lungen ausstieß, entsprangen ihm die beiden bösen Götter. Da diese großen Schaden und Böses anrichten würden, erschuf Izanagi zwei andere Götter, um ihr Übel zu korrigieren. Aber als er sich die Augen gewaschen hatte und wieder klar sehen konnte, sprangen zwei kostbare und liebliche Wesen heraus; eines von seinem linken Auge, eine seltene und glitzernde Jungfrau, die er später Ama Terasu oder "des Himmels erleuchtenden Geist" nannte.
Aus seinem rechten Auge erschien Susa no O, die „Herrscherin des Mondes“. Da er nun wieder rein war und diese schönen Kinder hatte, freute sich Izanagi und sagte: "Ich habe Kind um Kind gezeugt, und am Ende meiner Zeugung habe ich mir zwei Juwelenkinder gezeugt."
Nun war der Glanz der Person des Mädchens Ama Terasu wunderschön und schien durch Himmel und Erde. Zufrieden sagte Izanagi: „Obwohl meine Kinder viele sind, ist keines von ihnen wie dieses Wunderkind. Sie darf nicht in dieser Region gehalten werden.“ Also nahm er die Halskette aus Edelsteinen von seinem Hals und rasselte damit, gab sie ihr und sagte: "Herrsche über die Hochebene des Himmels."
Damals war der Abstand zwischen Himmel und Erde nicht sehr groß, und er schickte sie an der Himmels-vereinigenden Säule, auf der der Himmel wie eine Stütze ruhte, in den blauen Himmel hinauf. Sie bestieg sie leicht und lebte in der Sonne und erleuchtete den ganzen Himmel und die Erde. Die Sonne trennte sich nun allmählich von der Erde, und beide bewegten sich immer weiter auseinander, bis sie dort ruhten, wo sie jetzt sind.
Als nächstes sprach Izanagi mit Susa no O, der Herrscherin des Mondes, und sagte: „Beherrsche die neugeborene Erde und die blaue Einöde des Meeres mit ihren unzähligen Salzwassern.“
Da wurden der Himmel und die Erde und der Mond erschaffen und bewohnt. Und da Japan der Sonne direkt gegenüber lag, als es sich von der Erde trennte, liegt Japan auf dem Gipfel des Globus. Es ist leicht zu erkennen, dass alle anderen Länder durch die spontane Konsolidierung des Meeresschaums und die Ansammlung von Schlamm in den verschiedenen Meeren entstanden sind. Die Sterne wurden geschaffen, um Krieger aus fremden Ländern an den Hof des Mikado zu führen, der der wahre Sohn des Himmels ist.
ZWEITER GESANG
Als sich die strahlende Göttin wegen der bösen Streiche ihrer Schwester Susa no O, der Herrscherin des Mondes, in einer Höhle versteckte, gab es kein Licht mehr, und Himmel und Erde wurden in Dunkelheit getaucht.
Ein Rat aller Götter wurde im trockenen Bett eines der Flüsse, den wir die Milchstraße nennen, in den Himmelsfeldern abgehalten. Die Frage, wie man den Zorn der Göttin besänftigt, wurde diskutiert. Einem langköpfigen und sehr weisen Gott wurde befohlen, sich einen Plan auszudenken, um sie aus der Höhle herauszulocken.
Nach reiflicher Überlegung wurde beschlossen, dass ein Spiegel angefertigt werden sollte, um sie dazu zu verleiten, sich selbst zu betrachten, und dass Tricks gespielt werden sollten, um ihre Neugier zu wecken, herauszukommen und zu sehen, was los war.
Also machten sich die Götter mit einem Willen an die Arbeit, schmiedeten und polierten einen Spiegel, webten Stoff für schöne Gewänder, bauten einen Pavillon, schnitzten eine Halskette aus Juwelen, fertigten Zauberstäbe und probierten eine Vorahnung.
Als alles bereit war, wurde die fette und rotwangige Göttin der Heiterkeit mit einem Gesicht voller Grübchen und Augen voller Spaß namens Uzume ausgewählt, um den Tanz zu führen. Sie hatte eine Flöte aus Bambusrohr, indem sie Löcher zwischen die Gelenke bohrte, während jeder Gott im großen Orchester ein Paar flacher Klöppel hatte, die er zusammenschlug.
Sie band ihre langen, fließenden Ärmel mit einer Ranke zusammen und machte sich einen Taktstock aus Bambusgraszweigen, mit dem sie die Bewegungen der Musiker lenken konnte. Diesen hielt sie in der einen Hand, während in der anderen ein mit Gras umwickelter Speer war, an dem kleine Glöckchen läuteten. Vor der Höhle wurden große Freudenfeuer entzündet, damit das Publikum der Götter den Tanz sehen konnte. Eine große runde Kiste, die beim Betreten wie eine Trommel klang, wurde für Uzume zum Tanzen aufgestellt. Die Hähne begannen nun gemeinsam zu krähen.
Als alle bereit waren, versteckte sich der Starkhändige Gott, der die Sonnengöttin aus der Höhle ziehen sollte, sobald sie von ihrer Neugier überwältigt war, um hervorzuschauen, neben der steinernen Tür der Höhle. Uzume bestieg die Kiste und begann zu tanzen. Als die Trommel ertönte, packte sie der Geist der Torheit, und sie begann ein Lied zu singen.
Uzume wurde noch törichter, schwenkte wild ihren Zauberstab, lockerte ihr Kleid und tanzte, bis sie keinen Fetzen an Kleidung mehr hatte. Die Götter amüsierten sich so sehr über ihre Dummheit, dass sie alle lachten, bis der Himmel wie von Donnerschlägen bebte.
Die Sonnengöttin in der Höhle hörte all diese seltsamen Geräusche; das Krähen der Hähne, das Hämmern auf dem Amboss, das Hacken von Holz, die Musik der Koto, das Klatschen des harten Holzes, das Klingeln der Glocken, das Geschrei von Uzume und das ausgelassene Gelächter der Götter. Sie fragte sich, was das alles zu bedeuten hatte, und lugte heraus.
Dabei hielt die doppelt schöne Göttin den Spiegel hoch.
Die Weitstrahlende, die ihr eigenes Gesicht darin sah, war sehr erstaunt. Die Neugier hat die Angst besiegt. Sie sah weit hinaus. Sofort zog der kräftige Gott die felsige Tür auf, und ergriff ihre Hand und zog sie heraus. Dann wurden alle Himmel und Erden erleuchtet, die Bäume und das Gras wurden wieder grün, und die Göttin der Farben nahm ihre Arbeit des Färbens der Blumen wieder auf. Die Düsternis floh aus allen Augen, und die Menschen wurden wieder weißgesichtig.
So wurde das Unglück, das Himmel und Erde durch die Sonnengöttin, die sich in der Höhle versteckte, widerfahren war, zu einem Mittel von großem Nutzen für die Sterblichen. Denn durch ihre Notwendigkeit waren die Götter gezwungen, die Kunst der Metallverarbeitung, des Webens, des Zimmermanns, des Juweliers und vieler anderer nützlicher Geräte für die Menschheit zu erfinden. Auch bei dieser Gelegenheit bedienten sie sich zuerst der Musik, des Tanzes, der Dai Kagura (der Komödie, die die Götter zum Lachen bringt) und vieler Spiele, die die Kinder heute spielen.
DRITTER GESANG
Dies ist die Geschichte von Sakura-ko, Kirschblüte, die die schöne Tänzerin von Yedo war. Sie war eine Geisha, die als Tochter eines Samurai geboren wurde, die sich nach dem Tod ihres Vaters in die Knechtschaft verkaufte, damit ihre Mutter zu essen hatte. Ach, schade! Das Geld, mit dem sie gekauft wurde, hieß Namida no Kane, das ist "das Geld der Tränen".
Sie wohnte in der engen Gasse der Geishas, wo die rot-weißen Laternen schwingen und die Pflaumenbäume an den niedrigen Abenden gedeihen. Die Straße der Geishas ist voller Musik, denn dort spielen sie den ganzen Tag Samisen.
Sakura-ko hat es auch gespielt; tatsächlich war sie in jeder schönen Kunst geschickt. Sie spielte Samisen, Kotto, Biwa und die kleine Handtrommel. Sie konnte Lieder machen und sie singen. Ihre Augen waren lang, ihr Haar war schwarz, ihre Hände waren weiß. Ihre Schönheit war wunderbar, und ihre Macht, zu gefallen, war wunderbar. Von morgens bis abends und von abends bis morgens konnte sie lächeln und ihr Herz verbergen. In der Kühle des Tages stand sie auf der Galerie des Hauses ihrer Herrin und grübelte, während sie stand und auf die Straße der Geishas hinunterblickte. Und die Leute, die dort vorbeikamen, sagten zueinander: „Siehe, da steht Sakura-ko, die Kirschblüte, die schöne Tänzerin von Yedo, die Geisha ohnegleichen.“
Aber Sakura-ko blickte nach unten und sagte nachdenklich: „Kleine enge Straße der Geishas, gepflastert mit Bitterkeit und gebrochenen Herzen, deine Häuser sind voller eitler Hoffnungen und eitler Reue; Jugend und Liebe und Trauer wohnen hier. Die Blumen in euren Gärten werden von Tränen getränkt.“
Die Herren von Yedo müssen ihr Vergnügen haben, also servierte Sakura-ko jede Nacht bei Festen. Sie machte ihre Wangen und ihre Stirn weiß und vergoldete ihre Lippen mit Beni. Sie trug Seidenkleider, Gold und Purpur und Grau und Grün und Schwarz, prächtig gebundene Obi aus Brokat. Ihr Haar war mit Korallen und Jade besteckt und mit Kämmen aus Goldlack und Schildpatt zusammengebunden. Sie goss Sake ein, sie machte die gute Gesellschaft lustig. Mehr noch, sie tanzte.
Drei Dichter sangen von ihrem Tanz. Einer sagte: "Sie ist leichter als die regenbogenfarbene Libelle."
Und ein anderer sagte: "Sie bewegt sich wie der Nebel des Morgens, wenn die helle Sonne scheint."
Und der dritte sagte: "Sie ist wie der Schatten des wehenden Weidenzweigs im Fluss."
Aber es ist an der Zeit, von ihren drei Liebhabern zu erzählen.
Der erste Liebhaber war weder alt noch jung. Er war reich und ein großer Mann in Yedo. Er schickte seinen Diener mit Geld im Gürtel auf die Straße der Geishas. Sakura-ko schloss ihm die Tür vor der Nase.
„Du liegst falsch, Kerl“, sagte sie, „du hast dich verirrt. Du hättest auf die Straße der Spielzeugläden gehen und deinem Herrn eine Puppe kaufen sollen. Lass ihn wissen, dass es hier keine Puppen gibt.“
Danach kam der Meister selbst. „Komm zu mir, oh Kirschblüte“, sagte er, „denn ich muss dich haben.“
"Muss?" sagte sie und sah mit ihren langen Augen nach unten.
"Aye", sagte er, "ja, muss ist das Wort, oh Kirschblüte."
"Was willst du mir geben?" sagte sie.
„Schöne Kleidung, Seide und Brokat, ein Haus, weiße Matten und kühle Galerien; Diener, die auf dich warten, goldene Haarnadeln – was du willst.“
"Was gebe ich dir?" sagte sie.
"Dich selbst, nur das, oh Kirschblüte."
"Körper und Seele?" sagte sie.
Und er antwortete ihr: "Körper und Seele."
„Nun, lebe wohl“, sagte sie, „ich habe Lust, eine Geisha zu bleiben. Es ist ein fröhliches Leben“, sagte sie und lachte.
Das war also das Ende des ersten Liebhabers.
Der zweite Liebhaber war alt. Alt und weise zu sein ist gut, aber er war alt und töricht. „Sakura-ko“, rief er, „ah, Grausame, ich bin verrückt nach dir!“
„Mein Herr“, sagte sie, „ich kann es leicht glauben.“
Er sagte: "Ich bin noch nicht so alt."
„Bei der göttlichen Barmherzigkeit der Götter“, sagte sie ihm, „hast du vielleicht noch Zeit, dich auf dein Ende vorzubereiten? Geh nach Hause und lies das gute Gesetz.“ Aber der alte Liebhaber wollte nichts von ihrem Rat hören. Stattdessen lud er sie nachts in sein Haus zu einem großen Fest ein, das er für sie vorbereitet hatte. Und als das Fest zu Ende war, tanzte sie vor ihm in scharlachrotem Hakama und einem Gewand aus goldenem Brokat. Nach dem Tanzen ließ er sie neben sich sitzen und rief nach Wein, damit sie zusammen trinken könnten. Und die Geisha, die den Sake einschenkte, hieß Silberwelle.
Als sie zusammen getrunken hatten, Sakura-ko und ihr alter Liebhaber, zog er sie zu sich und rief:
„Komm, meine Liebe, meine Braut, du bist mein für die Zeit vieler Existenzen; in der Tasse war Gift. Fürchte dich nicht, denn wir werden zusammen sterben. Komm mit mir ins Meido.“
Aber Sakura-ko sagte: „Meine Schwester, die Silberwelle, und ich sind keine Kinder, noch sind wir alt und dumm, uns täuschen zu lassen. Ich habe keinen Sake und kein Gift getrunken. Meine Schwester, die Silberwelle, goss mir frischen Tee in meine Tasse. Aber es tut mir leid für dich, und so werde ich bei dir bleiben, bis du stirbst.“
Er starb in ihren Armen und wollte sich allein auf den Weg zum Meido machen.
"Ach! Ach!" rief die Kirschblüte. Aber ihre Schwester, Silberwelle, gab ihr folgenden Rat: „Behalte deine Tränen, du wirst noch Grund zum Weinen haben. Verschwende keinen Kummer für solche wie ihn.“
Und das war das Ende des zweiten Liebhabers.
Der dritte Liebhaber war jung und tapfer und fröhlich. Ungestüm war er und schön. Bei einem Fest im Haus seines Vaters sah er die Kirschblüte zum ersten Mal. Danach suchte er sie auf der Straße der Geishas auf. Er fand sie, als sie sich an das Galeriegeländer des Hauses ihrer Herrin lehnte.
Sie schaute auf die Straße der Geishas hinunter und sang dieses Lied:
„Meine Mutter hat mir aufgetragen, feine Fäden aus dem gelben Meeressand zu spinnen – Eine schwere Aufgabe, eine schwere Aufgabe. Mögen die lieben Götter mir helfen! Mein Vater gab mir einen Korb mit Schilf; er sagte: Zieh Wasser aus der Quelle und trage es eine Meile. – Eine schwere Aufgabe, eine schwere Aufgabe. Mögen die lieben Götter mir helfen! Mein Herz würde sich erinnern, mein Herz muss vergessen. Vergiss, mein Herz, vergiss – Eine schwere Aufgabe, eine schwere Aufgabe. Mögen die lieben Götter mir helfen!“
Als sie mit dem Singen aufgehört hatte, sah der Geliebte, dass ihre Augen voller Tränen waren.
„Erinnerst du dich an mich“, sagte er, „oh Kirschblüte? Ich habe dich letzte Nacht im Haus meines Vaters gesehen.“
„Ja, mein junger Herr“, antwortete sie ihm, „ich erinnere mich sehr gut an dich.“
Er sagte: „Ich bin noch so jung. Und ich liebe dich, oh Kirschblüte. Sei sanft, höre mich, sei frei, sei meine liebe Frau.“
Dabei errötete sie an Hals und Kinn, Wangen und Stirn.
"Meine Liebe", sagte der junge Mann, "jetzt bist du wirklich die Kirschblüte."
„Kind“, sagte sie, „geh nach Hause und denk nicht mehr an mich. Für solche wie dich bin ich zu alt.“
"Alt!" sagte er; „na, zwischen uns liegt kein Jahr!“
„Nein, kein Jahr – kein Jahr, sondern eine Ewigkeit“, sagte die Kirschblüte. "Denk nicht mehr an mich", sagte sie; aber der Liebende dachte an nichts anderes. Sein junges Blut stand in Flammen. Er konnte weder essen, noch trinken, noch schlafen. Er sehnte sich und wurde bleich, er wanderte Tag und Nacht umher, sein Herz schwer vor Sehnsucht. Er lebte in Qualen; schwach wurde er und schwächer. Eines Nachts fiel er ohnmächtig am Eingang der Straße der Geishas nieder. Sakura-ko kam im Morgengrauen von einem Fest in einem großen Haus nach Hause. Dort fand sie ihn. Sie sagte kein Wort, aber sie trug ihn zu seinem Haus außerhalb von Yedo und blieb dort drei volle Monde lang bei ihm. Und nach dieser Zeit wurde er wieder gesund gepflegt. Schnell, schnell vergingen die glücklichen Tage für beide.
„Dies ist die glücklichste Zeit meines ganzen Lebens. Ich danke den lieben Göttern“, sagte Kirschblüte eines Abends.
„Meine Liebe“, sagte der junge Mann, „hol deinen Samisen her und lass mich dich singen hören.“
Also tat sie es. Sie sagte: "Ich werde dir ein Lied singen, das du schon gehört hast."
„Meine Mutter hat mir aufgetragen, feine Fäden aus dem gelben Meeressand zu spinnen – Eine schwere Aufgabe, eine schwere Aufgabe. Mögen die lieben Götter mir helfen! Mein Vater gab mir einen Korb mit Schilf; er sagte: Zieh Wasser aus der Quelle und trage es eine Meile. – Eine schwere Aufgabe, eine schwere Aufgabe. Mögen die lieben Götter mir helfen! Mein Herz würde sich erinnern, mein Herz muss vergessen. Vergiss, mein Herz, vergiss – Eine schwere Aufgabe, eine schwere Aufgabe. Mögen die lieben Götter mir helfen!“
„Süß“, sagte er, „was bedeutet dieses Lied und warum singst du es?“
Sie antwortete: „Mein Herr, das bedeutet, dass ich dich verlassen muss, und deshalb singe ich es. Ich muss dich vergessen; du musst mich vergessen. Das ist mein Wunsch.“
Er sagte: "Ich werde dich nie vergessen, nicht in tausend Existenzen."
Sie lächelte: "Bittet die Götter, dass du eine süße Frau heiraten und Kinder haben kannst."
Er rief: "Keine Frau außer dir und keine Kinder außer deinen, oh Kirschblüte."
„Die Götter verbieten es, mein Lieber, mein Lieber. Die ganze Welt liegt zwischen uns.“
Am nächsten Tag war sie weg. Hoch und tief wanderte der Liebende, weinend und klagend und suchte sie in der Nähe und in der Ferne. Es war alles vergebens, denn er fand sie nicht. Die Stadt Yedo kannte sie nicht mehr – Sakura-ko, die schöne Tänzerin.
Und ihr Geliebter trauerte viele, viele Tage. Aber endlich wurde er getröstet, und sie fanden für ihn eine sehr süße schöne Dame, die er willig zur Frau nahm, und bald gebar sie ihm einen Sohn. Und er war froh, denn die Zeit trocknet alle Tränen.
Als der Knabe nun fünf Jahre alt war, saß er im Tor des Hauses seines Vaters. Und zufällig kam eine wandernde Nonne vorbei und bettelte um Almosen. Die Diener des Hauses brachten Reis und hätten ihn in ihre Bettelschale getan, aber das Kind sagte: "Lasst mich geben."
Also tat er, was er wollte.
Als er die Bettelschale füllte, den Reis mit einem Holzlöffel abklopfte und lachte, packte ihn die Nonne am Ärmel, hielt ihn fest und sah ihm in die Augen.
„Heilige Nonne, warum siehst du mich so an?“ rief das Kind.
Sie sagte: "Weil ich einmal einen kleinen Jungen wie dich hatte, und ich ging weg und verließ ihn."
"Armer kleiner Junge!" sagte das Kind.
„Es war besser für ihn, mein Lieber, mein Lieber – viel, viel besser.“
Und als sie das gesagt hatte, ging sie ihren Weg.
VIERTER GESANG
In der Provinz Echigo lebte einst ein Mädchen, das von frühester Kindheit an mit aller kindlichen Frömmigkeit für ihre Eltern sorgte. Als ihre Mutter nach langer Krankheit im Sterben lag, einen Spiegel herausholte, den sie viele Jahre lang versteckt hatte, und ihn ihrer Tochter gab, sprach sie so: "Wenn ich aufgehört habe zu existieren, nimm diesen Spiegel Nacht und Morgen in deine Hand, und wenn du ihn ansiehst, bilde dir ein, dass ich das sehe, was du siehst.“
Mit diesen letzten Worten verstummte sie, und das Mädchen pflegte, voll Trauer und getreu den Befehlen der Mutter, Nachts und Morgens den Spiegel herauszuholen und darin ein Gesicht zu sehen, das dem Gesicht ihrer Mutter ähnelte. Erfreut darüber (denn das Dorf lag in einem abgelegenen Landstrich zwischen den Bergen, und ein Spiegel war etwas, von dem das Mädchen noch nie gehört hatte), betete sie täglich ihr spiegelndes Gesicht an. Sie verneigte sich davor, bis ihre Stirn die Matte berührte, als wäre dieses Bild in Wahrheit das eigene Ich ihrer Mutter gewesen.
Ihr Vater erkundigte sich eines Tages, erstaunt, sie so beschäftigt zu sehen, nach dem Grund, den sie ihm direkt mitteilte. Aber er brach in Gelächter aus und rief: „Warum! Es ist nur dein eigenes Gesicht, das deiner Mutter so ähnlich ist, das spiegelt sich. Es gehört überhaupt nicht deiner Mutter!“
Diese Offenbarung beunruhigte das Mädchen. Dennoch antwortete sie: „Auch wenn das Gesicht nicht das meiner Mutter ist, ist es das Gesicht einer Person, die meiner Mutter gehörte, und daher ist es dasselbe, wenn ich es jeden Tag ehrerbietig begrüße, als würde ich sie selbst respektvoll begrüßen.“ Und so betete sie immer mehr den Spiegel an, während sie ihren Vater mit aller kindlichen Frömmigkeit pflegte - zumindest so die Geschichte, denn auch heute noch, da in einigen Gegenden von Echigo große Armut und Unwissenheit herrschen, wissen die Bauern so wenig über Spiegel wie dieses kleine Mädchen.
FÜNFTER GESANG
Aya, ein süßes Mädchen, war das einzige Kind eines Daimyos aus der Provinz Omi. Mutter hatte sie keine, und ihr Vater war ein edler Herr und Krieger. Er war am Hof des Shogun, oder er hatte gewichtige Angelegenheiten in der Hauptstadt, oder er ging mit den Heeren hin und her und besiegte seine Feinde. Aya sah ihn kaum.
Lange Jahre wohnte sie mit ihrer Amme und ihren Mägden in den Mauern des Schlosses ihres Vaters. Hohe Mauern waren da und sie waren gut bewacht, und zu ihren Füßen war ein tiefer Graben, der den ganzen siebten Monat lang von Lotusblüten rosig war.
Als Dame Aya ungefähr sechzehn Jahre alt war, kam ihr Vater, der Daimyo, siegreich von einem Streifzug nach Hause, und sie ging ihm mit ihren Mägden am Tor entgegen. Sie war in ihren prächtigsten Kleidern gekleidet, und wie es ihrem Rang entsprach.
„Mein Herr und Vater“, sagte sie, „süß ist deine ehrenvolle Rückkehr.“
"Kind, wie bist du gewachsen!" sagte ihr Vater erstaunt. „Wie alt bist du, Aya?“
„Sechzehn Jahre alt, Herr“, sagte sie.
"Bei allen Göttern, du bist eine kleine tolle junge Dame geworden, und ich dachte, du wärst ein Baby und habe dir eine Puppe als Heimkehrgeschenk mit nach Hause gebracht."
Er lachte, wurde aber bald darauf ernst und ging tief in Gedanken ins Schloss.
Bald darauf begann er sich umzusehen, um einen passenden Ehemann für seine Tochter zu finden.
„Am besten sollte es jetzt getan werden“, sagte er, „denn ein Wunder ist geschehen, und ich bin mit jedem Daimyo im Land in Frieden – aber es wird nicht von Dauer sein.“
Der Herr von Ako in Harima hatte drei große Söhne, feine junge Männer und alle Krieger.
„Der Älteste ist zu alt“, sagte der Herr von Omi. „Der Jüngste ist ein Junge – aber was ist mit dem mittleren Bruder? Es scheint mir, dass der mittlere Bruder gut abschneiden sollte. Sie sagen, dass zweite Gedanken am besten sind“, sagte der Herr von Omi.
Nachdem Boten ein- und ausgegangen waren, wurde Dame Aya mit dem jungen Herrn von Ako verlobt, und auf dem ganzen Land herrschte große Freude, denn der Mann und das Mädchen hatten sich noch nie gesehen.
Die Dame Aya war sehr froh, als sie die Geschenke sah, die aus dem Haus ihres Bräutigams kamen. Sie saß bei der Näherin des Schlosses und betastete die weichen Stoffe ihrer feinen neuen Roben. Im übrigen spielte sie den ganzen Tag lang mit ihren Jungfrauen oder nahm ihren Stickrahmen und zwirbelte die Nadel und den langen seidenen Faden. Es war der Monat Mai, und sehr oft schnupperte sie in einer Gartengalerie, wo Aya und ihre Mägde zusammen lachten, und manchmal sprachen sie über den jungen Herrn von Ako und wie tapfer und schön er war, wie geschickt in Kunst und im Krieg, und wie reich. Als es Abend wurde, schlüpften sie die Galeriestufen hinunter und in den Garten, wo sie Hand in Hand hin und her gingen, um die kühle Luft und den süßen Duft der Blumen zu genießen.
Eines Nachts ging Dame Aya nach ihrer Gewohnheit im Garten spazieren. Der Mond ging auf, rund und silbern.
„Ah weh mir“, seufzte eine der Jungfrauen, „der Mond ist eine liebesbedürftige Dame. Sieh, wie blass und bleich sie wird, und selbst jetzt will sie ihre Augen mit ihrem langen Wolkenärmel verbergen.“
„Du sprichst richtig“, erwiderte Aya, „der Mond ist eine liebesbedürftige Dame; aber hast du ihre schwache Schwester gesehen, die trauriger und schöner ist als sie?“
"Wer ist dann die Schwester des Mondes?" fragten alle Mädchen auf einmal.
Aya sagte: „Kommt und seht – kommt.“
Damit zog sie sie über die Wege des Gartens zu dem stillen Teich, wo die tanzenden Glühwürmchen und die Frösche waren, die musikalisch sangen. Die Mädchen hielten sich an den Händen und blickten ins Wasser hinab, und alle sahen sie die Schwester des Mondes, und sie lachten leise zusammen. Während sie am Rand des Wassers spielten, rutschte der Fuß der Dame Aya auf einem glatten Stein aus, und ganz sicher wäre sie in den Teich gefallen. Aber plötzlich sprang ein Jüngling aus dem süßen Geheimnis der Nacht hervor und fing sie in seinen Armen auf. Einen Augenblick lang erblickten alle Mädchen das Schimmern seiner Gewänder. Dann war er weg. Aya stand allein und zitterte. Unten starrte der Mond mit großen Augen und Kummer sie an; und noch trauriger und süßer blickte die blasse Schwester des Mondes aufwärts. Sie sahen eine Schar stiller Jungfrauen, die in einer Wildnis blühender Pfingstrosen standen, die bis ans Wasser wuchsen. Es war Dame Aya, die sie liebte und sie so pflanzen ließ.
Jetzt drehte sich die Dame wortlos um und ging ganz langsam, den Kopf hängend, die Wege des Gartens entlang. Als sie in die Gartengalerie kam, ließ sie alle ihre Mägde außer einer und ging schweigend in ihre Laube.
Da war sie lange Zeit und sagte nichts. Sie setzte sich und zeichnete mit der Fingerspitze das Muster auf ihrem Gewand nach. Und Sada, ihr Mädchen, saß ihr gegenüber.
„Er war ein großer Herr“, sagte Aya schließlich.
"Wahrlich, meine Dame."
"Er war jung."
"Er ging wohlwollend vorbei."
"Ach! er hat mir das Leben gerettet, und ich hatte keine Zeit, ihm zu danken.“
"Der Mond schien auf die juwelenbesetzte Halterung seines Schwertes."
„Und sein Gewand, das mit Pfingstrosenblüten bestickt war – mit meinen Pfingstrosenblüten.“
"Dame, die Stunde wird sehr spät."
"Nun, dann binde meinen Gürtel los."
"Sie sehen blass aus, Dame."
"Kein Wunder, ich bin müde."
„Dame, was ist mit dem jungen Herrn von Ako?“
„Was ist mit ihm? Ich habe ihn nicht gesehen. Genug, lass es sein – nichts mehr von ihm. Ach! Ich bin schläfrig, ich weiß nicht, was ich sage.“
Nach dieser Nacht verfiel die Dame Aya, die so frisch und schön gewesen war und tanzte einst so fröhlich wie eine Meereswelle, in blasse Melancholie. Tagsüber seufzte sie und nachts weinte sie. Sie lächelte nicht mehr, als sie ihre reichen Hochzeitskleider erblickte, und sie wollte nicht mehr mit ihren Mädchen auf der Gartengalerie spielen. Sie wanderte umher wie ein Schatten oder lag sprachlos in ihrer Laube. Und all die weisen Männer und alle weisen Frauen dieses Landes konnten sie nicht von ihrer Krankheit heilen.
Da ging die Magd Sada weinend, und versteckte ihr Gesicht mit dem Ärmel, zum Herrn des Hauses und erzählte ihm von dem Mondscheinabenteuer und dem schönen Jüngling des Pfingstrosenbeetes.
„Ah weh mir“, sagte sie, „meine süße Herrin schmachtet und stirbt aus Liebe zu diesem schönen jungen Mann.“
„Kind“, sagte der Daimyo, „wie redest du! Der Garten meiner Tochter wird von Mauern und Bewaffneten gut bewacht. Es ist nicht möglich, dass ein Fremder ihn betritt. Was ist dann diese Geschichte vom Mond und einem Samurai in Pfingstrosengewändern und allen möglichen anderen Dummheiten, und wie wird eine solche Geschichte in den Ohren des Herrn von Ako klingen?“
Aber Sada weinte und sagte: "Meine Herrin wird sterben."
„Im Feld zu kämpfen, am Hof zu schmeicheln und im Rat zu sprechen, das alles ist leicht“, sagte der Daimyo, „aber bewahre mich vor den Angelegenheiten meiner Frauen, denn sie sind zu schwer für mich.“
Damit durchsuchte er das gesamte Schloss und den Schlosspark, aber er fand keine Spur von einem Fremden, der sich versteckt hielt.
In dieser Nacht rief Dame Aya mitleiderregend nach der kühleren Luft, und so trugen sie sie hinaus in ihre Gartengalerie, wo sie in Sadas Armen lag. Ein Minnesänger des Hauses nahm seine Biwa und um sie zu beruhigen, machte er dieses Lied:
„Musik meiner Laute – ist sie geboren, stirbt sie, ist sie Wahrheit oder Lüge? Woher, woher und wo, verzauberte Melodie? Die Musik meiner Laute ist stumm.“
„Süße Düfte in der Nacht – Schweben sie, scheinen sie, sind sie die Essenz des Traums, oder sind sie die Gedanken der Toten? Süße Düfte in der Nacht, o Freude.“
Jetzt, während der Minnesänger sang und sein Instrument berührte, erhob sich ein schöner Jüngling aus dem rosigen Pfingstrosenmeer am Teich. Alle dort sahen ihn deutlich, seine leuchtenden Augen, sein Schwert und sein mit Blumen besticktes Kleid. Die Dame Aya stieß einen wilden Schrei aus und rannte zum Rand der Gartengalerie, wobei sie ihre weißen Arme ausstreckte. Und sofort verging die Vision. Aber der Spielmann nahm seine Biwa wieder auf und sang:
„Liebe ist seltsamer als der Tod – ist sie länger als das Leben, ist sie heißer als der Krieg? Stark, stark und blind, transzendierende Art – Liebe seltsamer als Tod oder Atem.“
Da stand der geheimnisvolle Ritter der Blumen wieder gerade und hoch, und seine leuchtenden Augen waren auf die Dame Aya gerichtet.
Da zog ein Herr aus der Gesellschaft der Daimyo, der ein mächtiger Kriegsmann war, sein Schwert und sprang unter die Pfingstrosen, um mit dem kühnen Fremden zu kämpfen, der so auf die Tochter seines Herrn blickte. Und da zog eine Wolke wie von einer Fee über das Gesicht des Mondes, und plötzlich blies ein großer heißer Wind aus dem Süden. Auf der Gartengalerie erloschen die Lichter, die Mägde hielten ihre Kleider zusammen, während ihre langen, hauchdünnen Ärmel herausschwammen. Das ganze Pfingstrosenbeet wurde wie eine aufgewühlte See hin und her geschleudert, und die rosa und weißen Blütenblätter flogen wie Schaum. Ein Nebel, feucht und übersüß, hing im Wind, so dass alle, die da waren, ohnmächtig wurden und sich zitternd aneinander klammerten.
Als sie geborgen wurden, fanden sie die Nacht still und den Mond ungetrübt. Der Soldat der Daimyo-Kompanie stand keuchend und totenbleich auf den Stufen der Gartengalerie. In der Rechten hielt er sein unbeflecktes Schwert, in der Linken eine perfekte Pfingstrose.
„Ich habe ihn“, rief er; „er konnte mir nicht entkommen. Ich habe ihn.“
Aya sagte: „Gib mir die Blume“; und er gab sie ihr wortlos, wie im Traum.
Dann ging Aya zu ihrer Laube und schlief mit der Pfingstrose auf ihrer Brust ein und war zufrieden.
Neun Tage lang behielt sie die Blume. Die süße Farbe kam in ihr Gesicht und das Licht in ihre Augen. Sie war perfekt von ihrer Krankheit geheilt.
Sie stellte die Pfingstrose in eine Bronzevase, und sie hing nicht herunter und verblasste nicht, sondern wurde in den neun Tagen größer und schöner.
Am Ende dieser Zeit kam der junge Herr von Ako in großem Prunk geritten, um seine lang versprochene Dame zu beanspruchen. So wurden er und Dame Aya inmitten vieler Feste und Freuden verheiratet. Sie sagen jedoch, sie sei nur eine blasse Braut gewesen. Und am selben Tag verdorrte die Pfingstrose und wurde weggeworfen.
SECHSTER GESANG
Es gab einen alten Bambusschneider namens Také Tori. Er war ein ehrlicher alter Mann, sehr arm und fleißig, und er lebte mit seiner guten alten Frau in einem Häuschen auf den Hügeln. Kinder hatten sie keine und wenig Trost im Alter, arme Seelen.
Také Tori stand an einem Sommermorgen früh auf und ging hinaus, um Bambus zu schneiden, wie er es gewohnt war, denn er verkaufte sie zu einem fairen Preis in der Stadt und verdiente so seinen bescheidenen Lebensunterhalt.
Er stieg den steilen Hang hinauf und kam ganz erschöpft zu dem Bambushain. Er nahm seinen blauen Tenegui und wischte sich über die Stirn. „Ach für meine alten Knochen!“ er sagte. "Ich bin nicht mehr so jung wie früher, auch nicht die gute Frau, und es gibt weder Küken noch Kind, die uns im Alter helfen, schade." Er seufzte, als er sich an die Arbeit machte, der arme Také Tori.
Bald sah er ein helles Licht zwischen den grünen Bambusstämmen scheinen.
"Was ist das?" sagte Také Tori, denn in der Regel war es im Bambushain dunkel und schattig genug. "Ist es die Sonne?" sagte Take Tori. "Nein, das kann nicht gut sein, denn es kommt aus der Erde." Sehr bald bahnte er sich einen Weg durch die Bambusstämme, um zu sehen, woher das helle Licht kam. Tatsächlich stammte es aus der Wurzel eines großen großen grünen Bambusses. Také Tori nahm seine Axt und schnitt den großen großen grünen Bambus ab, und da war ein feines leuchtendes grünes Juwel, so groß wie seine beiden Fäuste.
"Wunder der Wunder!" rief Také Tori. „Wunder der Wunder! Seit fünfunddreißig Jahren schneide ich Bambus. Dies ist das allererste Mal, dass ich ein großes, großes grünes Juwel an der Wurzel eines von ihnen gefunden habe.“ Damit nimmt er das Juwel in die Hand, und sobald er das tut, zerplatzt es mit einem lauten Geräusch, wenn man es glaubt, und heraus kam ein junger Mensch und stellte sich auf Také Toris Hand.
Sie müssen verstehen, dass der junge Mensch klein, aber sehr schön war. Sie war ganz in grüne Seide gekleidet.
„Grüße an dich, Také Tori“, sagt sie so locker wie du willst.
"Gnaden Sie mir!" sagt Take Tori. "Dankesehr. Ich nehme an, du wirst jetzt eine Fee sein“, sagt er, „wenn ich nicht zu kühn frage?“
„Du hast recht“, sagt sie, „ich bin eine Fee, und ich bin gekommen, um ein wenig bei dir und deiner guten Frau zu leben.“
„Nun“, sagt Také Tori, „entschuldigen Sie bitte, wir sind sehr arm. Unser Cottage ist gut genug, aber ich fürchte, für eine Dame wie Sie gibt es keinen Komfort.“
„Wo ist das große grüne Juwel?“ sagt die Fee.
Take Tori nimmt die beiden Hälften auf. „Na ja, es ist voller Goldstücke“, sagt er.
„So geht es weiter“, sagt die Fee; „Und jetzt, Také Tori, machen wir uns auf den Heimweg.“
Nach Hause gingen sie. "Ehefrau! Ehefrau!" rief Také Tori, "hier ist eine Fee zu uns gekommen, und sie hat uns ein leuchtendes Juwel gebracht, so groß wie eine Kaki, voller Goldstücke."
Die gute Frau kam zur Tür gerannt. Sie konnte ihren Augen kaum trauen.
„Was ist das“, sagte sie, „über eine Kaki und Goldstücke? Kaki habe ich oft genug gesehen – außerdem ist es Saison – aber Goldstücke sind schwer zu bekommen.“
„Lass sein, Frau“, sagte Také Tori, „du bist langweilig.“ Und er brachte die Fee ins Haus.
Wunderbar schnell wuchs die Fee. Bevor viele Tage vergangen waren, war sie ein schönes großes Mädchen, so frisch und so schön wie der Morgen, so strahlend wie der Mittag, so süß und still wie der Abend und so tief wie die Nacht. Také Tori nannte sie Dame Beaming Bright, weil sie aus dem leuchtenden Juwel herausgekommen war.
Take Tori holte jeden Tag die Goldstücke aus dem Juwel. Er wurde reich und gab sein Geld wie ein Mann aus, aber es gab immer genug und zu ersparen. Er baute ihm ein schönes Haus, er hatte Diener, die auf ihn warteten. Die Dame Beaming Bright war wie eine Kaiserin untergebracht. Ihre Schönheit war in der Nähe und in der Ferne berühmt, und viele Liebhaber kamen, um ihre Hand zu suchen.
Aber sie wollte nichts davon haben. „Také Tori und die liebe gute Frau sind meine wahren Liebhaber“, sagte sie; "Ich werde mit ihnen leben und ihre Tochter sein."
So vergingen drei glückliche Jahre; und im dritten Jahr kam der Mikado selbst, um die Dame Beaming Bright zu umwerben. Er war in der Tat der tapfere Liebhaber.
„Dame“, sagte er, „ich verneige mich vor dir, meine Seele grüßt dich. Süße Dame, sei meine Königin.“
Dann seufzte die Dame Beaming Bright und große Tränen standen in ihren Augen, und sie verbarg ihr Gesicht mit ihrem Ärmel.
„Herr, ich kann nicht“, sagte sie.
"Kann nicht?" sagte der Mikado; "Und warum nicht, oh liebe Dame Beaming Bright?"
„Warten Sie ab, Herr“, sagte sie.
Jetzt, ungefähr im siebten Monat, wurde sie sehr traurig und würde nicht mehr ins Ausland gehen, sondern war lange auf der Gartengalerie von Také Toris Haus. Dort saß sie tagsüber und grübelte. Dort saß sie nachts und starrte auf den Mond und die Sterne. Da war sie eines schönen Abends, als der Mond voll war. Ihre Mädchen waren bei ihr, und Také Tori und die gute Frau und der Mikado, ihr tapferer Liebhaber.
"Wie hell der Mond scheint!" sagte Take Tori.
"Wahrlich", sagte die gute Frau, "es ist wie ein gut ausgespülter Messingtopf."
„Sehen Sie, wie blass und blass es ist“, sagte der Mikado; "Es ist wie ein trauriger, verzweifelter Liebhaber."
"Wie lang und hell ein Strahl!" sagte Také Tori. "Es ist wie eine Autobahn, die vom Mond zu dieser Gartengalerie führt."
„O lieber Pflegevater“, rief die strahlende Dame. „Du sprichst die Wahrheit, es ist in der Tat eine Autobahn. Und entlang der Straße kommen zahllose himmlische Wesen schnell, schnell, um mich nach Hause zu tragen. Mein Vater ist der König des Mondes. Ich habe sein Geheiß nicht befolgt. Er schickte mich drei Jahre auf die Erde, um im Exil zu bleiben. Die drei Jahre sind vorbei und ich gehe in mein eigenes Land. Ah, ich bin traurig beim Abschied.“
„Der Nebel senkt sich“, sagte Také Tori.
„Nein“, sagte der Mikado, „es sind die Kohorten des Mondkönigs.“
Sie kamen zu Hunderten und Tausenden herunter und trugen Fackeln. Schweigend kamen sie und leuchteten um die Gartengalerie herum. Der Häuptling unter ihnen brachte ein himmlisches Federkleid. Erhob sich die Dame Beaming Bright und legte ihr das Gewand an.
„Leb wohl, Také Tori“, sagte sie, „leb wohl, liebe Pflegemutter, ich hinterlasse dir mein Juwel zur Erinnerung…. Was Sie angeht, Mylord, ich möchte, dass Sie mitkommen könnten – aber es gibt kein Federkleid für Sie. Ich hinterlasse dir eine Phiole mit dem reinen Lebenselixier. Trinken Sie, Mylord, und seien Sie gleich den Unsterblichen.“
Dann breitete sie ihre leuchtenden Flügel aus und die Kohorten des Himmels schlossen sich um sie. Zusammen fuhren sie die Autobahn zum Mond hinauf und wurden nicht mehr gesehen.
Der Mikado nahm das Lebenselixier in die Hand und stieg auf den höchsten Berg des Landes. Und er machte ein großes Feuer, um das Lebenselixier zu verzehren, denn er sagte: "Welchen Gewinn soll es mir bringen, ewig zu leben, wenn ich von der strahlenden Dame getrennt bin?"
So wurde das Lebenselixier verzehrt, und sein blauer Dunst schwebte in den Himmel. Und der Mikado sagte: "Lass meine Botschaft mit dem Dampf aufsteigen und die Ohren meiner Dame Beaming Bright erreichen."
SIEBENTER GESANG
Die Jungfrau von Unai war schön wie eine irdische Gottheit, aber die Augen der Menschen mochten sie nicht sehen. Sie wohnte an einem verborgenen Ort im Hause ihres Vaters, und keine Menschenseele konnte sagen, welchen Jubel sie dem langen Tag bereitete, außer ihrem Vater, der Wache hielt, und ihrer Mutter, die sie beschützte, und ihrer alten Amme, die sie pflegte. Die Ursache war dies.
Als das Dienstmädchen ungefähr sieben Jahre alt war, kam ein alter Mann, ein Reisender, mit offenen schwarzen Haaren, die ihr bis zur Schulter hingen, mit schmerzenden und müden Füßen in das Haus ihres Vaters. Er wurde willkommen geheißen, mit Reis und Tee serviert, während der Hausherr und die Herrin ihm die Ehre erwiesen. Inzwischen war das kleine Dienstmädchen hier und da, griff nach dem Ärmel ihrer Mutter, klopfte mit nackten Füßen über die Matten oder hüpfte einen großen grün-scharlachroten Ball in einer Ecke. Und der Fremde hob die Augen und markierte das Kind.
Nachdem er gegessen hatte, rief er nach einer Schüssel mit klarem Wasser, nahm eine Handvoll feinen silbernen Sand aus seiner Brieftasche, ließ ihn durch die Finger gleiten und sank auf den Boden der Schüssel. Kurz sprach er.
„Mein Herr“, sagte er zum Hausherrn, „ich war hungrig und müde, und du hast mich gefüttert und erfrischt. Ich bin ein armer Mann und es fällt mir schwer, meine Dankbarkeit zu zeigen. Jetzt bin ich von Beruf Wahrsager, sehr berühmt für meine Wahrsagerei. Deshalb habe ich als Gegenleistung für Ihre Freundlichkeit in die Zukunft Ihres Kindes geschaut. Wirst du ihr Schicksal hören?“
Das Kind kniete in einer Ecke des Zimmers und hüpfte mit seinem grün-scharlachroten Ball.
Der Hausherr ließ den Wahrsager weiterreden.
Dieser schaute in die Schüssel mit Wasser, wo der Sand war, und sagte: „Die Jungfrau von Unai wird schöner aufwachsen als die Menschenkinder. Ihre Schönheit soll leuchten wie die Schönheit einer irdischen Gottheit. Jeder Mann, der sie ansieht, wird in Liebe und Sehnsucht schmachten, und wenn sie fünfzehn Jahre alt ist, wird um ihretwillen ein mächtiger Held aus der Nähe und ein tapferer Held aus der Ferne sterben. Und es wird Leid und Trauer um sie geben, laut und schmerzlich, damit sein Klang den hohen Himmel erreicht und den Frieden der Götter beleidigt.“
Der Hausherr sagte: "Ist das eine wahre Weissagung?"
"In der Tat, Mylord", sagte der Wahrsager, "es ist zu wahr." Und damit band er seine Sandalen an, nahm seinen Stab und seinen großen Hut aus Reisstroh und sprach kein anderes Wort, sondern ging seiner Wege; auch wurde er auf diesem Lande nicht mehr gesehen oder erzählt.
Und das Kind kniete in einer Ecke des Zimmers und hüpfte mit seinem grün-scharlachroten Ball.
Vater und Mutter haben sich beraten.
Die Mutter weinte, aber sie sagte: "Wer kann das Muster ändern, das auf den Webstühlen der Weberinnen des Himmels aufgestellt ist?" Aber der Vater rief: „Ich werde kämpfen. Ich werde das Vorzeichen abwenden; die Sache soll nicht geschehen. Wer bin ich, dass ich einem Hund eines Wahrsagers, der zwischen seinen Zähnen liegt, Glauben schenken soll?“ Und obwohl seine Frau den Kopf schüttelte und stöhnte, beachtete er ihren Rat nicht, denn er war ein Mann.
Also versteckten sie das Kind in einer geheimen Kammer, wo eine alte weise Frau es pflegte, fütterte, badete, ihr Haar kämmte, ihr Gesang und Singen beibrachte, zu tanzen, so dass ihre Füße wie rosige Schmetterlinge über das Weiße wanderten Matten, oder an einem Gestell zu sitzen, auf dem ein Wunderwerk von Handarbeit gespannt ist, und Stunde um Stunde die Nadel und den seidenen Faden ziehend.
Acht Jahre lang sah die Magd keinen Menschen außer ihrem Vater, ihrer Mutter und ihrer Amme, nur diese drei. Den ganzen Tag verbrachte sie in ihrer fernen Kammer, weit weg von den Sehenswürdigkeiten und Geräuschen der Welt. Nur in der Nacht kam sie in den Garten ihres Vaters, als der Mond schien und die Vögel schliefen und die Blumen keine Farbe hatten. Und mit jeder Jahreszeit, die verging, wurde die Magd schöner. Ihr Haar hing bis zu den Knien und war schwarz wie eine Gewitterwolke. Ihre Stirn war die Pflaumenblüte, ihre Wange die Wildkirsche und ihr Mund die Blüte des Granatapfels. Mit fünfzehn Jahren war sie das Schönste, was jemals das Licht erblickte, und die Sonne war krank vor Eifersucht, weil nur der Mond auf sie scheinen konnte.
Trotzdem wurde der Ruhm ihrer Schönheit bekannt, und weil sie so behütet war, dachten die Männer um so mehr an sie, und weil sie vielleicht nicht gesehen werden konnte, sehnten sich die Männer danach, sie zu sehen. Und wegen des Mysteriums und der Jungfrau kamen von nah und fern Ritter und Krieger und bedeutende Männer und strömten in das Haus von Unai; und sie machten eine Hecke darum mit sich selbst und ihren hellen Schwertern; und sie schworen, den Ort nicht zu verlassen, bis sie die Magd gesehen hätten, und dies wollten sie entweder mit Gunst oder mit Gewalt.
Dann tat der Hausherr, was er musste, und schickte ihre Mutter, um die Magd herunterzubringen. So ging die Mutter und nahm ein Gewand aus grauer Seide und einen großen Gürtel aus Brokat, Grün und Gold, mit sich; und sie fand die Magd, ihre Tochter, in ihrem geheimen Gemach sitzend und singend.
Die Magd sang so:
"Seit der Zeit der Götter hat sich nichts geändert, weder das Fließen des Wassers noch der Weg der Liebe."
Und die Mutter war erstaunt und sagte: "Was ist das für ein Lied, und wo hast du so etwas wie Liebe gehört?"
Und sie antwortete: "Ich habe davon in einem Buch gelesen."
Dann nahmen sie sie, ihre Mutter und die weise Frau, und sie banden ihr Haar zusammen und steckten es mit Gold- und Korallennadeln hoch auf ihren Kopf und hielten es mit einem großen Lackkamm fest. Sie sagte: "Wie schwer es ist!"
Während man ihr das graue Seidengewand anzog und den Brokatgürtel band, schauderte sie zuerst und sagte: "Mir ist kalt." Dann hätten sie ihr einen mit Pflaumenblüten und Kiefern bestickten Mantel übergeworfen, aber sie wollte nichts davon haben und sagen: "Nein, nein, ich brenne."
Sie bemalten ihre Lippen mit Beni, und als sie es sah, murmelte sie: "Alack, da ist Blut auf meinen Lippen!" Aber sie führten sie hinunter und hinaus auf einen Balkon, wo die versammelten Männer sie sehen konnten. Sie war schöner als die Menschenkinder, und ihre Schönheit strahlte wie die Schönheit einer irdischen Gottheit. Und alle Krieger, die da waren, sahen sie an und schwiegen, denn schon waren sie ohnmächtig vor Liebe und Sehnsucht. Und die Magd stand mit gesenktem Blick da, und langsam stieg die heiße Röte auf ihre Wange und sie war schöner als zuvor.
Drei oder vier Dutzend Männer von Namen suchten ihre Hand, weil sie aus Liebe zu ihr verzweifelt waren, und unter ihnen waren zwei tapferer und edler als die anderen. Der eine kam von weitem und war der Champion von Chinu, und der andere kam von nah, der Champion von Unai. Sie waren jung, stark und schwarzhaarig. Sie waren an Jahren, Stärke und Tapferkeit gleich. Beide waren mit großen Schwertern umgürtet, und voll geladene Köcher lagen auf ihren Rücken, und zwei Meter hohe Bögen aus weißem Holz hielten sie in der Hand. Zusammen standen sie unter dem Balkon der Jungfrau von Unai, wie Zwillingsbrüder an Schönheit und Errungenschaften. Gemeinsam riefen sie mit leidenschaftlichen Stimmen laut, erzählten von ihrer ewigen Liebe und forderten das Mädchen auf, zwischen ihnen zu wählen.
Sie hob die Augen und sah sie fest an, sprach aber kein Wort.
Dann zogen sie ihre Schwerter und taten, als wollten sie die Sache auf der Stelle bekämpfen; aber der Vater der Magd sprach: „Hebt eure Schwerter auf, schöne Herren; Ich habe mir einen besseren Weg für die Entscheidung dieser Sache ausgedacht. Wenn es Ihnen gefällt, betreten Sie mein Haus.“
Nun wurde ein Teil des Hauses von Unai auf einer Plattform über dem vorbeifließenden Fluss errichtet. Es war der fünfte Monat, und die Glyzinie blühte auf dem Spalier und hing fast bis ins Wasser. Der Fluss war schnell und tief. Hierher brachte der Hausherr die Champions, und auch das Mädchen war da. Aber die Mutter und die weise Frau standen etwas abseits und verbargen ihre Gesichter in ihren langen Ärmeln. Plötzlich fiel ein weißer Wasservogel vom blauen Himmel und schaukelte auf dem Wasser des Flusses hin und her.
„Nun, Champions,“ rief der Vater des Mädchens, „spannt mir eure Bögen und lasst jeden von euch einen Pfeil auf den weißen Vogel fliegen, der auf dem Fluss schwimmt. Wer den Vogel schlägt und sich als der bessere Schütze erweist, wird meine Tochter heiraten, die unvergleichliche Jungfrau von Unai.“
Dann spannten die beiden Champions sofort ihre weißen Holzbögen und ließen jeden von ihnen einen Pfeil fliegen. Jeder Pfeil raste schnell; jeder Pfeil traf richtig. Der Champion von Chinu schlug dem Wasservogel in den Kopf, aber der Champion von Unai schlug ihr in den Schwanz, so dass die weißen Federn zerstreut wurden. Dann riefen die Champions: „Genug von dieser Kleinigkeit. Es gibt nur einen Weg.“ Und wieder sprangen ihre hellen Schwerter aus ihren Scheiden.
Aber die Magd stand zitternd da und hielt den knorrigen Stengel der Glyzinie in den Händen. Sie zitterte und schüttelte die Zweige, sodass die zarten Blumen um sie fielen. „Meine Herren, meine Herren“, rief sie, „oh, tapfere und schöne Helden des Ruhms, es ist nicht angemessen, dass einer von euch für mich stirbt. Ich ehre dich; Ich liebe euch beide – also lebe wohl.“ Damit schwang sie sich, immer noch an der Glyzinie festhaltend, vom Balkon und ließ sich in den tiefen und schnell fließenden Fluss fallen. „Weine nicht“, rief sie, „denn heute stirbt keine Frau. Es ist nur ein Kind, das verloren ist.“ Und so sank sie.
Hinunter sprang der Champion von Chinu in die Flut, und im selben Augenblick sprang der Champion von Unai nieder. Leider waren sie schwer mit den Armen, die sie trugen, und sie sanken und verhedderten sich in den langen Wasserpflanzen. Und so ertranken die drei.
Aber nachts, wenn der Mond schien, erhoben sich die bleichen Toten und trieben an die Wasseroberfläche. Der Champion von Unai hielt die rechte Hand des Mädchens in seiner eigenen, aber der Champion von Chinu lag mit dem Kopf gegen das Herz der Jungfrau und war mit einer Strähne ihres langen Haares eng an sie gebunden; und als er lag, lächelte er.
Die drei Leichen hoben sie aus dem Wasser und legten sie zusammen auf eine Bahre aus hellem weißem Holz, und über sie streuten sie Kräuter und süße Blumen und legten einen Schleier über ihre Gesichter von feiner weißer Seide. Und sie zündeten Feuer an und räucherten. Galanten und Krieger und angesehene Männer, die das Mädchen liebten, lebend oder tot, standen um ihre Bahre und bildeten eine Hecke mit sich selbst und ihren hellen Schwertern. Und es gab Kummer und Trauer, laut und schmerzlich, so dass sein Klang den Hohen Himmel erreichte und den Frieden der Götter beleidigte.
Ein Grab wurde breit und tief gegraben, und die drei wurden darin begraben. Die Magd legten sie in die Mitte und die beiden Champions zu beiden Seiten. Idzumo war der Geburtsort des Champion von Chinu, also brachten sie von dort Erde in einem Dschunken und bedeckten ihn mit dieser Erde.
Da schlief die Magd dort im Grabe, die Helden bewachten sie treu, denn sie hatten ihre weißen Holzbögen und ihre gute Rüstung und ihre Speere und ihre hellen Schwerter mit sich begraben. Nichts wurde vergessen, was für ein Abenteuer im Land der Yomi notwendig ist.
ACHTER GESANG
Der Samurai Idé war mit einer schönen Frau verheiratet und hatte ein einziges Kind, einen Jungen namens Fugiwaka. Idé war ein mächtiger Kriegsmann, und so oft wie nicht war er wegen der Geschäfte seines Lehnsherrn von zu Hause weg. So wurde das Kind Fugiwaka von seiner Mutter und der treuen Frau, seiner Amme, aufgezogen. Matsu war ihr Name, was in der Landessprache Pine Tree ist. Und wie die Kiefer, stark und immergrün, war sie unveränderlich und ausdauernd.
Im Hause Idé gab es ein sehr kostbares Schwert. Früher tötete ein Held aus Idés Clan mit diesem Schwert in einer Schlacht achtundvierzig seiner Feinde. Das Schwert war Idés heiligster Schatz. Er bewahrte es an einem sicheren Ort bei seinen Hausgöttern auf.
Morgens und abends kam das Kind Fugiwaka, um vor den Hausgöttern zu grüßen und die glorreiche Erinnerung an seine Vorfahren zu ehren. Und Matsu, die Krankenschwester, kniete neben ihm.
Morgens und abends: „Zeig mir das Schwert, oh Matsu, meine Amme“, sagte Fugiwaka.
Und O Matsu antwortete: "Ganz sicher, Mylord, ich werde es Ihnen zeigen."
Dann holte sie das Schwert von seinem Platz, gehüllt in eine Hülle aus rot-goldenem Brokat. Und sie zog die Hülle ab, nahm das Schwert aus der goldenen Scheide und zeigte Fugiwaka den glänzenden Stahl. Und das Kind huldigte, bis seine Stirn die Matten berührte.
Zur Schlafenszeit sang O Matsu Lieder und Schlaflieder. Sie sang dieses Lied:
„Schlaf, mein kleines Kind, schlaf süß – würdest du das Geheimnis kennen, Das Geheimnis des Hasen o Nennin Yama? Schlafe, mein kleines Kind, schlafe süß - Du sollst das Geheimnis kennen. Oh, der erhabene Hase von Nennin Yama, Wie erhaben lang sind seine Ohren! Warum sollte das sein, oh, Geliebte? Sie sollen das Geheimnis kennen. Seine Mutter aß den Bambussamen. Stille! Stille! Seine Mutter aß den Mispelsamen. Stille! Stille! Schlafe, mein kleines Kind, schlafe süß – Jetzt kennst du das Geheimnis.“
Dann sagte O Matsu: "Werden Sie jetzt schlafen, Mylord Fugiwaka?"
Und das Kind antwortete: "Ich werde jetzt schlafen, oh Matsu."
„Hören Sie, Mylord“, sagte sie, „und denken Sie daran, ob Sie schlafen oder wachen. Das Schwert ist dein Schatz. Das Schwert ist dein Vertrauen. Das Schwert ist dein Vermögen. Schätze es, behüte es, behalte es.“
„Ich werde mich daran erinnern, ob ich schlafe oder wache“, sagte Fugiwaka.
An einem bösen Tag wurde die Mutter von Fugiwaka krank und starb. Und im Hause Idé herrschte Trauer. Doch als die Jahre vorbei waren, nahm der Samurai eine andere Braut, und er bekam einen Sohn von ihr und nannte ihn Goro. Und danach wurde Idé selbst in einem Hinterhalt erschlagen, und seine Gefolgsleute brachten seinen Körper nach Hause und legten ihn bei seinen Vätern.
Fugiwaka war Chef des Hauses Idé. Aber Dame Sadako, seine Stiefmutter, war unzufrieden. Schwarzer Unfug regte sich in ihrem Herzen; sie zog die Brauen zusammen und grübelte, während sie ihrer Wege ging und ihr Baby in den Armen trug. Nachts warf sie sich auf ihr Bett.
„Mein Kind ist ein Bettler“, sagte sie. „Fugiwaka ist Chef des Hauses Idé. Böses Glück neben ihm! Es ist zu viel“, sagte die stolze Dame. „Ich werde es nicht ertragen; mein Kind ein Bettler! Ich würde ihn lieber mit meinen Händen erwürgen…“ So sprach sie und warf sich auf ihr Bett, während sie über einen Plan nachdachte.
Als Fugiwaka fünfzehn Jahre alt war, schickte sie ihn mit einem dürftigen Gewand auf dem Rücken aus dem Haus, barfuß, ohne einen Bissen, keinen Sup oder ein Goldstück, um ihn auf seinem Weg zu sehen.
„Ah, Frau Mutter“, sagte er, „Sie benutzen mich schlecht. Warum nimmst du mein Erstgeburtsrecht?“
„Ich weiß nichts von Geburtsrechten“, sagte sie. „Geh, mach dein eigenes Vermögen, wenn du kannst. Dein Bruder Goro ist das Oberhaupt des Hauses Idé.“
Damit befahl sie ihnen, ihm die Tür vor der Nase zuzumachen.
Fugiwaka ging traurig und an der Kreuzung begegnete ihm O Matsu, seine Amme. Sie hatte sich auf eine Reise vorbereitet: Ihr Gewand war gekeltert, sie hatte einen Stab in der Hand und Sandalen an den Füßen.
„Mylord“, sagte sie, „ich bin gekommen, um dir bis ans Ende der Welt zu folgen.“
Dann weinte Fugiwaka und legte seinen Kopf an die Brust der Frau.
„Ah“, sagte er, „meine Amme, meine Amme! Und“, sagte er, „was ist mit dem Schwert meines Vaters? Ich habe das kostbare Schwert von Idé verloren. Das Schwert ist mein Schatz, das Schwert ist mein Vertrauen, das Schwert ist mein Vermögen. Ich bin verpflichtet, es zu schätzen, zu bewachen, zu bewahren. Aber jetzt habe ich es verloren. Wehe mir! Ich bin am Untergang, und das ganze Haus Idé auch!“
„Oh, sagen Sie es nicht, Mylord“, sagte O Matsu. „Hier ist Gold; Gehe deinen Weg, und ich werde zurückkehren und das Schwert von Idé bewachen.“
Also ging Fugiwaka mit dem Gold, das ihm seine Amme geschenkt hatte, seinen Weg.
O Matsu, sie ging sofort und nahm das Schwert von seinem Platz, wo es bei den Hausgöttern lag, und sie vergrub es tief in der Erde, bis sie es ihrem jungen Herrn in Sicherheit bringen konnte.
Doch schon bald wurde Dame Sadako bewusst, dass das heilige Schwert verschwunden war.
"Es ist die Krankenschwester!" Sie weinte. „Die Krankenschwester hat es gestohlen…. Einige von euch bringen sie zu mir.“
Dann legten die Leute von Dame Sadako grob ihre Hände auf O Matsu und brachten sie vor ihre Herrin. Aber für alles, was sie tun konnten, waren O Matsus Lippen versiegelt. Sie sprach kein Wort, und Dame Sadako konnte auch nicht herausfinden, wo das Schwert war. Sie presste ihre dünnen Lippen zusammen.
„Die Frau ist hartnäckig“, sagte sie. "Egal; für einen solchen Fehler kenne ich die souveräne Heilung.“
Also sperrte sie O Matsu in einen dunklen Kerker und gab ihr weder zu essen noch zu trinken. Jeden Tag ging Dame Sadako zur Tür des dunklen Kerkers.
„Nun“, sagte sie, „wo ist das Schwert von Idé? Wirst du sagen?"
Aber O Matsu antwortete kein Wort.
Allerdings weinte und seufzte sie in der Dunkelheit vor sich hin – „Leider! Ach! nie lebend möge ich zu meinem jungen Herrn kommen. Aber er muss das Schwert von Idé haben, und ich werde einen Weg finden.“
Nun, nach sieben Tagen, saß Dame Sadako im Gartenhaus, um sich abzukühlen, denn es war Sommer. Es war Abend. Plötzlich sah sie eine Frau, die durch die Blumen und Bäume des Gartens auf sie zukam. Gebrechlich und schlank war die Frau; als sie kam, schwankte ihr Körper und ihre langsamen Schritte stockten.
"Na, das ist seltsam!" sagte die Dame Sadako. „Hier ist O Matsu, der im dunklen Kerker eingesperrt war.“ Und sie saß still und sah zu.
Aber O Matsu ging zu der Stelle, wo sie das Schwert vergraben hatte und kratzte mit den Fingern am Boden. Da war sie, weinte und stöhnte und zerrte an der Erde. Die Steine schnitten ihr in die Hände und sie bluteten. Trotzdem riss sie die Erde weg und fand endlich das Schwert. Es war in Gold und Scharlach gehüllt, und sie drückte es mit einem lauten Schrei an ihre Brust.
„Frau, jetzt habe ich dich“, kreischte Dame Sadako, „und das Schwert von Idé auch!“ Und sie sprang aus dem Gartenhaus und rannte mit voller Geschwindigkeit. Sie streckte ihre Hand aus, um O Matsu am Ärmel zu fassen, hatte aber weder sie noch das Schwert, denn beide waren im Nu verschwunden, und die Dame schlug in die leere Luft. Rasch eilte sie zu dem dunklen Kerker, und während sie ging, rief sie ihre Leute, um Fackeln zu bringen. Dort lag der Körper des armen O Matsu, kalt und tot auf dem Boden des Kerkers.
„Schick mir die Weise Frau“, sagte Dame Sadako.
Also schickten sie nach der weisen Frau. Und die Dame Sadako fragte: "Wie lange ist sie schon tot?"
Die Weise Frau sagte: „Sie war verhungert; sie ist seit zwei tagen tot. Es war gut, dass du ihr ein würdiges Begräbnis gegeben hast; sie war eine gute Seele.“
Das Schwert von Idé wurde nicht gefunden.
Fugiwaka wälzte sich auf seinem niedrigen Bett in einer Taverne am Wegesrand hin und her. Und es war ihm, als käme seine Amme zu ihm und kniete neben ihm. Dann war er beruhigt.
O Matsu sagte: "Werden Sie jetzt schlafen, Mylord Fugiwaka?"
Und er antwortete: "Ich werde jetzt schlafen, oh Matsu."
„Hören Sie, Mylord“, sagte sie, „und denken Sie daran, ob Sie schlafen oder wachen. Das Schwert ist dein Schatz. Das Schwert ist dein Vertrauen. Das Schwert ist dein Vermögen. Schätze es, behüte es, behalte es.“
Das Schwert war in Gold und Scharlach gehüllt, und sie legte es neben Fugiwaka. Der Junge drehte sich um, um zu schlafen, und seine Hand umfasste das Schwert von Idé.
"Aufwachen oder schlafen", sagte er, "ich werde mich erinnern."
NEUNTER GESANG
Wie merkwürdig, dass die Tochter eines Bauern, die in einem obskuren Landdorf in der Nähe von Aska in der Provinz Yamato wohnte, Königin wurde! Dies war jedoch der Fall. Ihr Vater starb, als sie noch klein war, und das Mädchen widmete sich mit aller kindlichen Frömmigkeit der Pflege ihrer Mutter. Eines Tages, als sie auf die Felder gegangen war, um Petersilie zu sammeln, die ihre Mutter sehr liebte, kam es zufällig, dass Prinz Shotoku, der große buddhistische Lehrer, zu seinem Palast vorankam, und alle Bewohner des Landes... Seite strömte zu der Straße, an der die Prozession vorbeizog, um das herrliche Schauspiel zu sehen und dem Sohn des Mikado ihre Achtung zu erweisen. Das Filialmädchen, allein, ohne auf das zu achten, was um sie herum geschah, pflückte weiter ihre Petersilie. Sie wurde von seinem Wagen aus vom Prinzen beobachtet, der
Das Mädchen antwortete: "Meine Mutter hat mir aufgetragen, Petersilie zu pflücken, und ich befolge ihre Anweisungen - deshalb habe ich mich nicht umgedreht, um dem Prinzen meine Aufwartung zu machen." Als diese von ihrer Antwort unterrichtet wurde, war sie von Bewunderung über die Strenge ihrer kindlichen Frömmigkeit erfüllt. Als er auf dem Rückweg in der Hütte ihrer Mutter ausstieg, erzählte er ihr von dem Vorfall, setzte das Mädchen in den nächsten Wagen zu seinem eigenen, nahm sie mit nach Hause in den kaiserlichen Palast und machte sie schließlich zu seiner Frau, worauf die Die Leute, die ihre Geschichte kannten, gaben ihr den Namen „Petersilienkönigin“.
ZEHNTER GESANG
Es gab einen umherziehenden Balladensänger, der zu einem großen Haus in Yedo kam, wo sie unterhalten werden wollten.
"Werden Sie einen Tanz oder ein Lied haben?" sagte der Balladensänger; "Oder soll ich dir eine Geschichte erzählen?" Die Leute des Hauses baten ihn, eine Geschichte zu erzählen.
"Soll es eine Liebesgeschichte oder eine Kriegsgeschichte sein?" sagte der Balladensänger.
„Oh, eine Geschichte der Liebe“, sagten sie.
"Wirst du eine traurige oder eine fröhliche Geschichte haben?" fragte der Balladensänger.
Sie waren sich alle einig, dass sie eine traurige Geschichte hören würden.
„Nun“, sagte der Balladensänger, „hör zu, und ich erzähle dir die traurige Geschichte der Tochter der Yaoya.“
Also erzählte er diese Geschichte.
Der Yaoya war ein armer, hart arbeitender Mann, aber seine Tochter war das Süßeste in Yedo. Sie müssen wissen, dass sie eine der fünf Schönheiten der Stadt war, die zur Zeit der Frühlingsblüte wie fünf Kirschbäume wuchsen.
Im Herbst locken die Jäger die wilden Hirsche mit dem Klang der Flöte. Die Hirsche werden getäuscht, denn sie glauben, die Stimmen ihrer Gefährten zu hören. So sind sie gefangen und getötet. Für Gleiches ruft Gleiches auf. Jugend ruft zur Jugend, Schönheit zur Schönheit, Liebe zur Liebe. Dies ist Gesetz, und dieses Gesetz war das Verderben der Tochter des Yaoya.
Als es in Yedo ein großes Feuer gab, das so groß war, dass mehr als die Hälfte der Stadt verbrannt wurde, wurde auch das Haus der Yaoya zerstört. Und der Yaoya und seine Frau und seine Tochter hatten kein Dach über sich, noch konnten sie ihre Köpfe legen. So suchten sie Schutz in einem buddhistischen Tempel und blieben dort viele Tage, bis ihr Haus wieder aufgebaut werden sollte. Ach ich, für die Tochter der Yaoya! Jeden Morgen bei Sonnenaufgang badete sie in der Quelle mit sauberem Wasser, die sich in der Nähe des Tempels befand. Ihre Augen waren hell und ihre Wangen rötlich. Dann zog sie ihr blaues Kleid an und setzte sich ans Wasser, um ihr langes Haar zu kämmen. Sie war ein süßes und schlankes Ding, kaum fünfzehn Jahre alt. Ihr Name war O Schichi.
„Fege den Tempel und die Tempelhöfe“, forderte ihr Vater sie auf. "Es ist gut, wir sollten so viel für die guten Priester tun, die uns Zuflucht bieten." Also nahm O Schichi den Besen und fegte. Und während sie arbeitete, sang sie fröhlich, und die grauen Umgebungen des Tempels erhellten sich.
Nun war da ein junger Akolyth, der an der heiligen Stätte diente. Sanft war er und schön. Kein Tag verging, aber er hörte den Gesang von O Schichi; Es verging kein Tag, an dem er sie erblickte und ihre Wege ging, so leicht und schlank, in den alten Vorhöfen des Tempels.
Es dauerte nicht lange, bis er sie liebte. Jugend ruft zur Jugend, Schönheit zur Schönheit, Liebe zur Liebe. Es dauerte nicht lange, bis sie ihn liebte.
Heimlich trafen sie sich im Tempelhain. Hand in Hand gingen sie, ihren Kopf an seinem Arm.
„Ah“, rief sie, „das soll so sein! Ich bin glücklich und unglücklich. Warum liebe ich dich, meine eigene?“
„Wegen der Kraft des Karmas“, sagte der Akolyth. "Trotzdem sündigen wir, o Herzenswunsch, wir sündigen schwer, und ich weiß nicht, was daraus werden mag."
„Leider“, sagte sie, „werden die Götter böse auf uns sein, und wir so jung sind?“
"Ich kann es nicht sagen", sagte er; "aber ich habe Angst."
Dann klammerten sich die beiden aneinander, zitterten und weinten. Aber sie haben sich für den Raum vieler Existenzen verpfändet.
Der Yaoya hatte seine Wohnung im Stadtteil Honjo, und bald wurde sein Haus wieder aufgebaut, das durch das Feuer zerstört worden war. Er und seine Frau freuten sich, denn sie sagten: "Jetzt gehen wir nach Hause."
O Schichi verbarg ihr Gesicht mit dem Ärmel und weinte bittere Tränen.
"Kind, was fehlt dir?" sagte ihre Mutter.
O Schichi weinte. "Oh! Oh! Oh!" sie weinte und schwankte sich hin und her.
"Warum, Magd, was ist das?" sagte ihr Vater.
O Schichi weinte noch immer. "Oh! Oh! Oh!" sie weinte und schwankte sich hin und her.
In dieser Nacht ging sie in den Hain. Da war der Akolyth, sehr bleich und traurig, unter den Bäumen.
„Sie werden uns trennen“, rief sie, „Oh mein lieber Herzenswunsch. Die lieben Götter sind wütend auf uns, und wir sind so jung.“
„Ah“, sagte er, „ich hatte Angst…. Lebe wohl, liebes Mädchen, o kleines Mädchen, süß und schlank. Denken Sie daran, dass wir einander für den Zeitraum vieler Existenzen verpflichtet sind.“
Da klammerten sich die beiden zitternd und weinend aneinander und verabschiedeten sich tausendmal.
Am nächsten Tag trugen sie O Schichi nach Honjo. Sie wurde träge und lustlos. Weiß wuchs sie, weiß wie die Buchweizenblume. Sie sackte zusammen und sie scheiterte. Sie wurde nicht mehr mit den fünf Schönheiten von Yedo gezählt, noch mit einem Kirschbaum in der Zeit der Frühlingsblüte verglichen. Den ganzen Tag grübelte sie schweigend. Nachts lag sie wach in ihrem niedrigen Bett.
"Oh! Oh!" sie stöhnte, „die müde, müde Nacht! Soll ich ihn nie sehen? Muss ich vor Sehnsucht sterben? Oh! Oh! die müde, müde Nacht…“
Ihre Augen wurden groß und brannten hell.
"Ach! arme Magd“, sagte ihr Vater.
„Ich habe Angst …“, sagte ihre Mutter. „Sie wird den Verstand verlieren…. Sie weint nicht mehr.“
Endlich stand O Schichi auf und nahm Stroh und machte daraus ein Bündel; und sie tat Holzkohle in das Bündel und legte es unter die Galerie des Hauses ihres Vaters. Dann zündete sie das Stroh und die Holzkohle an, und das Ganze brannte fröhlich. Außerdem wurde das Holz des Hauses ihres Vaters hell und das Haus brannte bis auf die Grundmauern nieder.
„Ich werde ihn sehen; Ich werde ihn sehen!“ kreischte O Schichi und fiel in Ohnmacht.
Doch die ganze Stadt wusste, dass sie das Haus ihres Vaters angezündet hatte. Also wurde sie wegen ihres Fehlverhaltens vor den Richter gebracht.
"Kind", sagte der Richter, "was hat Sie dazu bewogen?"
„Ich war verrückt“, sagte sie, „ich habe es um der Liebe willen getan. Ich sagte: ‚Ich werde das Haus verbrennen, wir werden nirgendwo unsere Köpfe hinlegen können, dann werden wir im Tempel Zuflucht suchen; Ich werde meinen Geliebten sehen.' Herr, ich habe ihn so viele, viele Monde weder gesehen noch von ihm gehört.“
"Wer ist dein Liebhaber?" sagte der Richter.
Dann sagte sie es ihm.
Nun, was das Gesetz der Stadt anbelangt, es war hart und konnte nicht geändert werden. Der Tod war die Strafe für das Verbrechen der Tochter der Yaoya. Nur ein Kind konnte entkommen.
„Mein kleines Dienstmädchen“, sagte der Richter, „sind Sie vielleicht zwölf Jahre alt?“
„Nein, Herr“, antwortete sie.
„Dreizehn also oder vierzehn? Die Götter schicken dich vielleicht vierzehn. Du bist klein und schlank.“
„Herr“, sagte sie, „ich bin fünfzehn.“
"Ach, meine arme Magd", sagte der Richter, "du bist doch zu alt."
Also ließen sie sie auf der Brücke von Nihonbashi stehen. Und sie erzählten ihre Geschichte laut; sie riefen es von den Dächern, damit alle es hörten. Da war sie für die ganze Welt zu sehen.
Sieben Tage lang stand sie jeden Tag auf der Brücke von Nihonbashi und ließ sich im Schein der Sonne und der Blicke der Menschen nieder. Ihr Gesicht war weiß wie die Blume des Buchweizens. Ihre Augen waren groß und brannten hell. Sie war das Erbärmlichste unter dem Himmel. Die Weichherzigen weinten, sie zu sehen. Sie sagten: "Ist das die Tochter von Yaoya, die eine der fünf Schönheiten von Yedo war?"
Nachdem die sieben Tage verstrichen waren, banden sie O Schichi an einen Pfahl, stapelten sie mit Holzbündeln und zündeten sie an. Bald stieg dichter Rauch auf.
„Es war alles aus Liebe“, rief sie mit lauter Stimme. Und als sie das gesagt hatte, starb sie.
„Die Geschichte ist erzählt“, sagte der Balladensänger. „Jugend ruft zur Jugend, Schönheit zur Schönheit, Liebe zur Liebe. Das ist Gesetz, und dieses Gesetz war das Verderben der Tochter der Yaoya.“
ELFTER GESANG
In Akita, in der Provinz Inaba, lebte ein unabhängiger Herr, der zwei Töchter hatte, die ihm mit aller kindlichen Frömmigkeit dienten. Er liebte es, mit einer Waffe zu schießen, und beging daher sehr oft die Sünde (nach der Lehre des heiligen Buddha), das Leben zu nehmen. Er würde nie auf die Ermahnungen seiner Töchter hören. Diese, der Zukunft bedacht und entsetzt über die Aussichten, die ihm in der kommenden Welt zukommen, versuchten häufig, ihn zu bekehren. Viele waren die Tränen, die sie vergossen. Endlich, eines Tages, nachdem sie ihn noch ernster als zuvor angefleht hatten, versprach der Vater, gerührt von ihren Flehen, nicht mehr zu schießen. Aber nach einer Weile kamen einige seiner Nachbarn und baten ihn, für sie zwei Störche zu schießen. Er wurde leicht durch die Stärke seiner natürlichen Vorliebe für den Sport zur Zustimmung verleitet. Dennoch würde er seinen Töchtern kein Wort zusprechen lassen. Nachts schlüpfte er mit der Waffe in der Hand heraus, nachdem sie, wie er sich vorstellte, fest eingeschlafen waren.
Sie hatten jedoch alles gehört, und die ältere Schwester sagte zu der jüngeren: „Tut, was wir wollen, unser Vater wird sich nicht herablassen, unseren Rat zu befolgen, und es bleibt nichts übrig, als ihn zur Erkenntnis der Wahrheit zu bringen, indem das Opfer eines unserer eigenen Leben. Heute Nacht ist zum Glück mondlos; und wenn ich weiße Kleider anziehe und in die Nähe der Bucht gehe, wird er mich für einen Storch halten und erschießen. Lebst du weiter und pflegst du unseren Vater mit allen Diensten der kindlichen Frömmigkeit? So sprach sie, ihre Augen trübten sich von den rollenden Tränen. Aber die jüngere Schwester rief mit vielen Schluchzern aus: „Für dich, meine Schwester, für dich ist es, das Erbe dieses Hauses zu empfangen. Also gib dich herab, derjenige zu sein, der lebt und kindliche Hingabe an unseren Vater übt, während ich mein Leben opfern werde.“
So strebte jeder nach dem Tod. Der Ältere eilte ohne weitere Worte aus dem Haus und ergriff ein weißes Gewand. Die Jüngere, die ihr den Ehrenplatz nicht abtreten wollte, zog auch ein weißes Gewand an und folgte ihrer Spur zum Ufer der Bucht. Dort machte sie sich auf den Weg zwischen den Binsen zu ihr und setzte den Streit fort, wer von den beiden sterben sollte.
Inzwischen sah der Vater, der sich in der Dunkelheit um sich umsah, etwas Weißes. Er nahm es für die Störche, zielte mit seinem Gewehr auf die Stelle und verfehlte seinen Schuss nicht, denn er durchbohrte die Rippen der älteren der beiden Mädchen. Die jüngere, hilflos in ihrer Trauer, beugte sich über den Körper ihrer Schwester. Der Vater, der nicht davon träumte, was er vorhatte, und erstaunt feststellte, dass er einen der Störche erschossen hatte, ließ den anderen nicht davonfliegen, und feuerte einen weiteren Schuss auf die verbliebene weiße Gestalt ab. Bedauerlicherweise schlug er seine zweite Tochter wie die erste. Sie fiel, durchbohrte die Brust und wurde auf dasselbe Graskissen gelegt wie ihre Schwester.
Der Vater, zufrieden mit seinem Erfolg, eilte zu Eile, um sein Spiel zu suchen. Aber was! keine Störche, leider! Ach! Nein, nur seine beiden Töchter! Voller Bestürzung fragte er, was das alles zu bedeuten habe. Die Mädchen, die schwer atmend, sagten ihm, sie hätten es sich vorgenommen, ihm das Verbrechen, das Leben zu nehmen, aufzuzeigen und ihn so respektvoll zu veranlassen, davon abzulassen. Sie sind abgelaufen, bevor sie Zeit hatten, mehr zu sagen.
Der Vater war von Trauer und Reue erfüllt. Er nahm die beiden Leichen auf dem Rücken mit nach Hause. Da für das, was getan wurde, nun keine Hilfe mehr da war, legte er sie ehrfürchtig auf einen Holzstapel, und dort brannten sie und machten Rauch im wehenden Wind. Von dieser Stunde an war er ein bekehrter Mann. Er baute sich in der Nähe der Dorfbrücke eine kleine Zelle aus Baumzweigen. Indem er die Gedenktafeln seiner beiden Töchter hineinlegte, vollzog er vor ihnen die gebührenden religiösen Riten und wurde der fromme Anhänger Buddhas. Ah! das war wahrhaftig kindliche Frömmigkeit! ein Wunder, dass diese Mädchen ihr eigenes Leben wegwerfen, damit sie, indem sie den bösen Samen im Verhalten ihres Vaters in dieser Welt ausrotten, ihn vor seinen schrecklichen Früchten in der kommenden Welt bewahren!
ZWÖLFTER GESANG
In den Tagen der Götter war Ama-no-Hashidate die schwimmende Himmelsbrücke. Über diese Brücke kamen die Gottheiten vom Himmel auf die Erde, trugen ihre juwelenbesetzten Speere, ihre großen Bögen und himmlisch gefiederten Pfeile, ihre Wundergewänder und ihre magischen Spiegel. Danach, als der direkte Weg zwischen Erde und Himmel geschlossen war und die Gottheiten das Land der frischen Reisähren nicht mehr betraten, nannten die Leute einen Ort noch immer Ama-no-Hashidate, um der glücklichen Erinnerung willen. Dieser Ort ist einer der Three Fair Views von Yamato. Hier mündet ein Landstreifen ins blaue Meer, wie eine schwimmende Brücke, die mit dunklen Pinien bewachsen ist.
Es gab einen heiligen Mann von Kioto namens Saion Zenji. Er war von Jugend auf dem Weg der Götter gefolgt. Er war auch ein Schüler des großen Buddha; er war in Doktrinen und Philosophien versiert; er kannte die Gefahren der Illusion und die unbeschreiblichen Freuden des Nirvana. Viele Stunden verbrachte er in mystischer Meditation, und viele der Heiligen Schriften hatte er auswendig. Auf einer Pilgerreise kam er nach Ama-no-Hashidate und bedankte sich, weil der Ort in seinen Augen so schön war.
Er sagte: „Die Blinden und Unwissenden meinen, dass Bäume und Felsen und das grüne Meerwasser keine fühlenden Dinge sind, aber die Weisen wissen, dass sie auch laut singen und den Tathagata preisen. Hier werde ich meine Ruhe nehmen und meine Stimme mit ihrer verbinden und mein Zuhause nicht mehr sehen.“
Also bestieg Saion Zenji, der heilige Mann, den Nariai-San, den Berg gegenüber von Ama-no-Hashidate. Und als er am Ort der Einsamen Kiefer angekommen war, baute er ihm einen Schrein für Kwannon den Barmherzigen und eine Hütte, um sein eigenes Haupt zu bedecken.
Den ganzen Tag sang er die Heiligen Sutras. Vom Morgengrauen bis zum Abend sang er, bis sein ganzes Wesen erhaben war und in einer Ekstase des Lobes zu schweben schien. Dann wurde seine Stimme so laut und klar, dass es ein Wunder war. Die blaue Glockenblume des Berges neigte ehrfürchtig den Kopf; die große weiße Lilie destillierte Weihrauch aus ihrem tiefen Herzen; die Zikade schrillte laut; der verlassene Vogel gab einen langen Ton aus dem Dickicht von sich. Über der Einsiedlerhütte flatterten unzählige Libellen und Schmetterlinge, die die Seelen der glücklichen Toten sind. In den fernen Tälern wurden die Bauern in ihrer Mühe getröstet, ob sie nun den grünen jungen Reis auspflanzten oder in den Ähren sammelten. Sonne und Wind wurden gemildert, und der Regen fiel sanft auf ihre Gesichter. Immer wieder stiegen sie den steilen Hang hinauf, um vor dem Schrein von Kwannon dem Barmherzigen zu knien. und mit dem heiligen Mann zu sprechen, dessen Holzschale sie mit Reis oder Hirse oder Gerstenmehl oder Bohnen füllten. Manchmal kam er herunter und ging durch die Dörfer, wo er die Kranken beruhigte und die kleinen Kinder berührte. Die Leute sagten, dass seine Kleider glänzen.
Nun kam in diesem Land eine Wintersaison, wie sie die Menschheit nicht in Erinnerung hatte. Zuerst kam der Wind, der wild von Norden her wehte, und dann kam der Schnee in großen Flocken, der neun Tage lang nicht aufhörte zu fallen. Alle Bewohner der Täler hielten sich so warm wie möglich in den Türen, und denen, die ihre Wintervorräte hatten, ging es nicht so schlecht. Aber, ach mir, für die bittere Kälte auf den Höhen von Nariai-San! An der Lone Pine und um die Hütte des Einsiedlers häufte sich der Schnee und trieb. Der Schrein von Kwannon dem Barmherzigen war nicht mehr zu sehen. Saion Zenji, der heilige Mann, lebte einige Zeit von dem Essen, das sich in seiner Holzschale befand. Dann zog er das warme Gewand der Gedanken um sich und verbrachte viele Tage in Meditation, die für ihn Essen und Trinken und Schlafen war. Allerdings selbst sein klarer Geist konnte die Wolken der Illusion nicht ganz vertreiben. Endlich kam es auf die Erde, und der ganze Mann zitterte vor körperlicher Schwäche.
„Vergib mir, oh Kwannon Barmherzige“, sagte Saion Zenji; "aber wahrlich, es scheint mir, dass ich sterbe, wenn ich nichts zu essen habe."
Langsam erhob er sich und stieß unter Schmerzen die Tür seiner Hütte auf. Der Schnee hatte aufgehört; es war klar und kalt. Weiß waren die Zweige der Lone Pine und ganz weiß die Floating Bridge.
„Vergib mir, oh Kwannon der Barmherzige“, sagte Saion Zenji; „Ich kenne den Grund nicht, aber ich möchte nicht fortgehen und bei den Schatten Yomis sein. Rette mir dieses Leben, oh Kwannon der Barmherzige.“
Als er sich umdrehte, sah er eine gescheckte Hirschkuh im Schnee liegen, frisch an der Kälte gestorben. Er senkte den Kopf. "Armes, sanftes Geschöpf", sagte er, "nie mehr sollst du in den Hügeln laufen und das Gras und die süßen Blumen knabbern." Und er streichelte bekümmert die weiche Flanke der Hirschkuh.
„Armes Reh, ich würde dein Fleisch nicht essen. Ist es nicht durch das Gesetz des Erhabenen verboten? Ist es nicht durch das Wort von Kwannon dem Barmherzigen verboten?“ So grübelte er. Aber während er nachdachte, schien er eine Stimme zu hören, die zu ihm sprach, und die Stimme sagte:
„Ach, Saion Zenji, wenn du an Hunger und Kälte stirbst, was wird dann aus meinem Volk, dem armen Volk der Täler? Sollen sie nicht mehr durch die Sutras des Tathagata getröstet werden? Brich das Gesetz, um das Gesetz zu halten, Geliebte, die du die Welt für verloren hältst für ein göttliches Lied.“
Dann nahm Saion Zenji ein Messer und schnitt ihm ein Stück Fleisch von der Seite der gescheckten Hirschkuh. Und er sammelte Tannenzapfen und machte ein kleines Feuer und kochte das Fleisch des Hirsches in einem eisernen Topf. Als es fertig war, aß er die Hälfte davon. Und seine Kraft kam wieder zu ihm, und er öffnete seine Lippen und sang Loblieder auf den Tathagata, und die Glut des sterbenden Feuers sprang in Flammen auf, um ihn zu hören.
„Aber ich muss das arme Reh begraben“, sagte Saion Zenji. Also ging er zur Tür seiner Hütte. Aber seht, wo er hinkam, kein Reh, keine gescheckte Hirschkuh, er sah auch kein Zeichen im tiefen Schnee.
„Es ist seltsam“, sagte er und wunderte sich.
So bald wie möglich kamen die armen Leute aus dem Tal, um zu sehen, wie es ihrem Einsiedler durch den Schnee und das stürmische Wetter ergangen war. „Die Götter schicken ihn, er sei nicht tot vor Kälte oder Hunger“, sagten sie zueinander. Aber sie fanden ihn in seiner Hütte singend, und er erzählte ihnen, wie er vom Fleisch einer gescheckten Hirschkuh gegessen hatte und zufrieden war.
„Ich habe das Fleisch nur eine Handbreit geschnitten“, sagte er, „und die Hälfte davon ist noch im Eisentopf.“
Aber als sie in den Topf kamen, fanden sie dort kein Hirschfleisch, sondern ein Stück Zedernholz, das auf der einen Seite vergoldet war. Mit großem Staunen trugen sie es zum Schrein von Kwannon dem Barmherzigen, und als sie den tiefen Schnee weggeräumt hatten, gingen sie alle hinein, um anzubeten. Dort lächelte das Bild der süßen himmlischen Dame, golden zwischen ihren goldenen Blumen. An ihrer rechten Seite war eine Schnittwunde, wo das vergoldete Holz weggeschnitten war. Dann brachten die armen Leute aus dem Tal ehrfürchtig das, was sie im Topf des Einsiedlers gefunden hatten, und steckten es in die Wunde. Und alsbald war die Wunde geheilt und das glatte Gold leuchtete über der Stelle. Alle Leute fielen auf ihre Gesichter, aber der Einsiedler stand da und sang das hohe Lob von Kwannon dem Barmherzigen.
Die Sonne ging in Herrlichkeit unter. Die Talbewohner krochen leise aus dem Schrein und gingen in ihre eigenen Häuser hinunter. Der kalte Mond und die Sterne schienen auf die Lone Pine und die Floating Bridge und das Meer. Durch einen Riss im Dach des Schreins erleuchteten sie das Gesicht von Kwannon der Barmherzigen und machten ihre vielfältigen Arme der Liebe sichtbar. Doch Saion Zenji, ihr Diener, stand vor ihr und sang in Ekstase, mit Tränen im Gesicht:
„O Wunderfrau, stark und schön, zartherzig, erbärmlich und tausendarmig! Du hast mich mit deinem eigenen Fleisch gefüttert - Mysterium der Mysterien! Armer, tot gefleckter Hintern kamst du zu mir; In der Tiefe meines eigenen Herzens sprachst du zu mir, um dein Gesetz zu halten und doch zu brechen und zu brechen - Mysterium der Mysterien! Kwannon, die Barmherzige Dame, bleib bei mir, rette mich vor den Gefahren der Illusion; Lass mich keine Angst vor dem Schnee oder der Lone Pine haben. Mysterium der Mysterien – Du hast Nirvana abgelehnt, Hilf mir, dass ich die Welt verliere, zufrieden, Und das Göttliche Lied singen kann.“