DIE VÖGEL

VON TORSTEN SCHWANKE


FÜR DIE CHRISTLICHE ORNITHOLOGIN SUSANNE



TAUBE


Im Garten, wo die Linde rauscht,

und sanft der Wind durch Blätter tauscht,

da schreitet ruhig, grau und rund

die Taube über Wiesengrund.


Ihr Hals schimmert im Morgenlicht

in Grün und Purpur, zart und schlicht.

Mit leisem Gurren, weich und mild,

prägt sie des Gartens Friedensbild.


Sie sucht nach Samen, Korn und Beeren,

nach kleinen Dingen, die sie nähren.

Vom Boden pickt sie still und klug,

für genügsam, friedlich Vogelflug.


Ihr Nest baut sie auf Zweigen leicht,

aus Ästchen, schlicht — doch oft erreicht

sie sicher dort im Laubversteck

ihr Ziel: den stillen Brutzweck.


Zwei Eier liegen weiß und klein,

die Eltern hüten sie allein.

Mit warmer Brust und treuem Sinn

bewachen sie des Lebens Beginn.


So lehrt die Taube im Revier:

Geduld und Frieden wohnen hier.

Wer achtsam durch den Garten geht,

versteht, was leis im Gurren steht.



AMSEL


(Turdus merula)


Im Garten, wo der Flieder blüht,

ein schwarzer Gast sein Lied bemüht.

Die Amsel ist es, wohlbekannt

als Schwarzdrossel im ganzen Land.


Das Gewand


Das Männchen trägt ein tiefes Schwarz,

so dunkel wie verkrustet’ Harz.

Doch achte auf den Kontrast genau:

Der Schnabel leuchtet in sattem Gelb,

wie Gold in diesem Erdenzelt.

Die Augenringe, fein und hell,

markieren ihn als stolzen Gesell.


Das Weibchen hingegen, schlicht und matt,

ein braunes Kleid am Leibe hat.

Gefleckt die Brust, fast ungesehn,

kann sie so gut im Laubwerk stehn.


Die Sitten


Wenn noch der Frost im Boden steckt,

die Amsel uns am Morgen weckt.

Hoch oben auf dem First vom Haus,

schmettert sie ihre Weise heraus.

Flötend, weich und voller Melodie,

vergessen wir den Winter – und sie.


Am Boden sucht sie ihre Kost,

wo sie im nassen Laub herum tost.

Sie hüpft und lauscht, hält inne, starrt,

bis sie den Regenwurm gewahrt.

Mit kräftigem Ruck zieht sie ihn raus,

ein Festmahl für das Nest und Haus.


Das Nest


Im dichten Busch, im Efeu versteckt,

wird das Nest aus Halmen ausgeheckt.

Die Eier, blaugrün mit Punkten fein,

müssen zwei Wochen lang bebrütet sein.

Dann schlüpft der Nachwuchs, hungrig und laut,

bis er sich schließlich ins Freie traut.


Merke dir:


Hörst du ein „Tix-tix“ in der Nacht,

hat meist die Amsel Alarm gemacht.

Doch klingt es wie Flöten im Abendrot,

ist alles im Garten im Lot.



BLAUMEISE


(Cyanistes caeruleus)


Wo Zweige dünn im Winde wehn,

kann man die Blaumeise meist sehn.

Viel kleiner als die Kohlmeisen-Cousine,

wirkt sie wie eine Flugmaschine,

die turnend an den Knospen hängt

und niemals ihre Flügel senkt.


Das Gefieder


Ihr Name ist hier Programm und Pflicht:

Ein blaues Käppchen im Sonnenlicht.

Die Flügel blau, der Schwanz ebenso,

das macht den Beobachter herrlich froh.

Die Wangen weiß, das Auge umschlossen

von einem schwarzen Streif, fein gegossen.


Ihr Bäuchlein leuchtet gelb und hell,

wie eine kleine Zitadell.

Doch fehlt ihr – das ist der wichtige Schein –

der schwarze Streif, den die Kohlmeis' nimmt ein.


Das Wesen: Ein Akrobat


Kein Vogel turnt so geschickt wie sie,

das ist reine Biologie!

Sie hängt sich kopfüber an den Ast,

damit sie keine Laus verpasst.

Mit scharfem Blick und spitzem Schnabel,

ist sie beim Fressen höchst variabel.


Brut und Heim


Sie liebt die Höhle, eng und klein,

da zieht sie gerne im Frühjahr ein.

Ob Spechtloch oder Nistkastenschlitz,

sie nutzt den Schutz mit vielem Witz.

Damit kein Feind ins Innere dringt,

die Einflugloch-Größe sie dazu zwingt:

26 bis 28 Millimeter im Maß,

da hat der Sperling keinen Spaß!


Merke dir:


Ist der Kopf blau und die Wange weiß,

macht sie auf den Zweigen fleißig Kreis'.

Hört man ein hohes, feines „Zizi-täh“,

ist die Blaumeise sicher in der Näh'.



ROTKEHLCHEN


(Erithacus rubecula)


Wenn im Herbst die Nebel steigen

und andere Vögel eher schweigen,

dann sitzt ein kleiner, runder Ball

im kahlen Busch am Wasserfall.

Das Rotkehlchen, so kühn und frei,

ist im Garten stets mit dabei.


Das Erkennungszeichen


Sein Markenzeichen, wie man ahnt,

ist leuchtend rot-orange geplant.

Vom Gesicht bis tief zur Brust hinab,

fällt dieses Farbfeld niemals ab.

Der Rest des Kleids ist eher schlicht,

in olivbraunem Sonnenlicht.


Die Augen groß, wie schwarze Perlen,

gehören zu diesen tapfren Kerlen.

Denn schauen sie auch niedlich aus,

sie jagen jeden Rivalen raus!


Der einsame Sänger


Ob Männchen oder Weibchen hier,

beide verteidigen ihr Revier.

Sogar im Winter, wenn es schneit,

sind sie zum Singen stets bereit.

Ihr Lied ist perlend, melancholisch, fein,

ein fließend' Silber im Abendschein.


Die Lebensweise


Es liebt das Dickicht, bodennah,

wo Käfer sind und Fliegen da.

Es trippelt flink auf dünnen Beinen,

man sieht es oft im Schatten scheinen.

Beim Gärtner wartet es mit List,

bis frische Erde offen ist,

um schnell den Wurm sich zu ergattern,

bevor die Elstern wieder schnattern.


Das Nest am Boden


Sein Heim baut es nicht hoch im Baum,

es nutzt den bodennahen Raum.

In Wurzeln, Nischen, Mauerspalten,

lässt es die Brut im Dunkeln walten.

Sogar in Kannen, alt und rostig,

brütet es gern, wenn’s nicht zu frostig.


Merke dir:


Siehst du den Fleck in Orange-Rot,

kennt dieser Vogel keine Not.

Er bleibt uns treu das ganze Jahr,

ein kleiner Freund, das ist doch klar.



BUNTSPECHT


(Dendrocopos major)


Ein Klopfen schallt durchs Unterholz,

da sitzt er, aufrecht, voller Stolz.

Am Stamm, wo borkig Rinde klafft,

wirkt er mit ganzer Muskelkraft.

Der Buntspecht ist ein Meisterstück,

bringt jedem Baum das „Specht-Glück“.


Das Handwerker-Kleid


Sein Rücken schwarz wie tiefe Nacht,

mit weißen Schultern prachtvoll gemacht.

Die Unterseite hell und rein,

doch muss ein Farbtupf' unten sein:

Ein leuchtend rotes Steißgefieder,

sieht man beim Klettern immer wieder.


Die Kopfarbeit


Doch achte auf den Hinterkopf:

Trägt er dort einen roten Schopf,

dann ist’s das Männchen, zweifellos.

Das Weibchen trägt dort Schwarz bloß.

Die Jungen jedoch – merk dir das fein –

haben die ganze Kappe Purpur rein.


Die Werkzeuge


Sein Schnabel ist ein Meißel, hart,

von ganz besonderer Bauart.

Ein Stoßdämpfer im Schädelknochen

verhindert, dass er wird zerbrochen,

wenn er mit Tempo, Schlag auf Schlag,

das Holz bearbeitet den ganzen Tag.


Seine Zunge, lang und klebrig-fein,

dringt tief in Käfergänge ein.

Und mit den Wendezehen fest,

er sich am Stamm nie hängen lässt.

Zwei Zehen vorn, zwei Zehen hinten,

so kann er jeden Halt wohl finden.


Die Spechtschmiede


Findet er einen Zapfen gut,

fehlt ihm zum Öffnen nicht der Mut.

Er klemmt ihn in die Rindenspalte,

damit er dort den Halt behalte.

Dann hackt er auf die Schuppen ein –

das muss wohl die „Spechtschmiede“ sein.


Merke dir:


Trommelt es hölzern im Revier,

ist dieses flinke Handtier hier.

Er baut die Höhlen, groß und weit,

für Eulen, Meisen – alle Zeit.



BACHSTELZE


(Motacilla alba)


Am Uferrand, auf grauem Stein,

da läuft ein Vöglein, flink und fein.

Es trippelt schnell, bleibt plötzlich stehn,

um nach der Fliege auszusehn.

Die Bachstelze, in Schwarz und Grau,

kennt man am Gang ganz haargenau.


Das Federkleid


Sie trägt kein Bunt, kein grelles Licht,

doch edel ist ihr Angesicht.

Der Rücken grau, der Bauch ist weiß,

wie Schnee auf einem fernen Eis.

Ein schwarzer Latz am Halse prangt,

der bis zum weißen Wangenrand gelangt.

Auch auf dem Kopf ein schwarzes Häubchen,

viel schlanker als ein Täubchen.


Das Markenzeichen: Der Schwanz


Was sie von allen unterscheidet,

womit sie durch die Lüfte gleitet:

Ihr langer, schmaler Schwanz aus Federn,

beweglich wie aus feinem Ledern.

Ständig wippt er auf und ab,

mal im Galopp, mal stolz im Trab.

„Wippsterz“ nennt man sie im Land,

dafür ist sie allbekannt.


Der flinke Jäger


Sie liebt das Offene, weite Flächen,

man sieht sie oft an klaren Bächen.

Doch auch auf Höfen, frisch gepflügt,

sie ihre Beute schnell besiegt.

Sie rennt – sie hüpft nicht wie die Spatzen –

man meint, sie liefe auf den Tatzen.

Mit kurzen Sprüngen in die Luft,

hascht sie die Mücke aus der Gruft.


Das Nest am Wasser


In Nischen, unter Brückenbögen,

wo kühle Winde sacht sich legen,

da baut sie aus Moos und Haaren

ein Nest, um Eier zu bewahren.

Weiß mit grauen Punkten drauf,

nimmt das Leben seinen Lauf.


Merke dir:


Läuft ein Vogel schwarz-weiß-grau,

wippt mit dem Schwanze ganz genau,

und ruft dabei sein helles „Zisitt“,

nimmt er dich in Gedanken mit.



EISVOGEL


(Alcedo atthis)


Ein blauer Blitz, ein schriller Schrei,

schießt er am Weidenufer frei.

Wer ihn erblickt, hat großes Glück,

er kehrt oft nie zum Ast zurück.

Der Eisvogel, in Pracht gehüllt,

hat manchen Sammlerblick erfüllt.


Das Gefieder


Sein Rücken leuchtet kobaltblau,

fast wie Metall, wenn man’s genau

im Sonnenlichte glitzern sieht –

ein Anblick, der das Herz bezieht.

Die Unterseite, welch Kontrast,

ist rostorange, ganz ohne Hast.

Wie Herbstlaub leuchtet sein Gefieder,

spiegelt sich in den Wellen nieder.


Der dolchförmige Schnabel


Der Kopf ist groß, der Schwanz nur kurz,

bereit zum kühnen Tiefensturz.

Sein Schnabel ist ein schwarzer Dolch,

gefährlich für so manchen Molch.

Doch fängt er meistens kleine Fische,

die er sich holt vom Wassertische.

Das Weibchen zeigt – man glaubt es kaum –

am Unterschnabel roten Saum.


Der Ansitzjäger


Er hockt geduldig auf dem Zweig,

der überm Bach sich tief herabneigt.

Er späht hinab ins klare Nass,

und wartet auf den rechten Pass.

Dann stößt er zu, wie ein Geschoss,

taucht unter in dem Wellenschloss,

kommt oben an mit reicher Beute –

ein Meisterschütze, gestern, heute.


Die Höhlenburg


Er baut sein Nest nicht aus Gebälk,

er grabt im Lehm, wo Ufer welk.

In steile Wände scharrt er Gänge,

bis zu ein Meter in die Länge.

Dort in der Dunkelheit, ganz hinten,

kann man die weißen Eier finden.

Auf einem Bett aus Fischgebein,

ziehen dort die Jungen ein.


Merke dir:


Blau der Rücken, Bauch in Gold,

ist er dem klaren Wasser hold.

Ein „Tji-ih“, gellend und so laut,

verrät ihn, ehe man ihn schaut.



UHU


(Bubo bubo)


Wenn Schatten durch die Felsen ziehen

und alle kleinen Tiere fliehen,

dann schlägt die Stunde, tief und sacht,

für den Beherrscher dieser Nacht.

Der Uhu sitzt auf hohem Thron,

der Wildnis stolzer Erbensohn.


Die herrschaftliche Gestalt


Er ist die größte Eule hier,

ein wahres Pracht- und Riesentier.

Sein Federkleid, in Braun und Ocker,

sitzt am Körper dicht und locker.

Mit dunklen Längsstreifen durchsetzt,

wird er im Fels fast nie geschätzt –

so gut getarnt im grauen Stein,

kann er für Augen unsichtbar sein.


Die goldenen Augen und Federohren


Sein Kopf ist breit, sein Blick fixiert,

was in der Dämmerung passiert.

Zwei riesige, orangefarbene Augen

das letzte Licht in sich aufsaugen.

Und obenauf, ganz markant und steil,

tragen die Federohren ihren Teil

zu seinem stolzen Aussehen bei –

doch hören tut er mit dem Gesicht dabei!


Der lautlose Jäger


Sein Flug ist wie ein sanfter Hauch,

man hört kein Rauschen, keinen Rauch.

Die Federn, weich wie feinster Samt,

haben das Geräusch komplett verbannt.

Ob Igel, Hase oder Krähe,

er schlägt sie aus der nächsten Nähe.

Mit Fängen, stark wie Eisenklammern,

hilft kein Flehen und kein Jammern.


Der Ruf im Revier


Sein Name ist sein eigener Sang,

ein dumpfer, tiefer Glockenklang.

Ein „U-hu“, das durch Täler schallt,

markiert sein Heim im Fels und Wald.

Das Weibchen antwortet, etwas heller,

der Dialog wird oft noch schneller,

wenn in der Balz zur Winterszeit

das Paar sich ruft in Einigkeit.


Merke dir:


Groß die Ohren, gelb-rot der Blick,

kehrt er zum Felsband stets zurück.

Der König mit dem Federkleid,

bewacht die Nacht in Ewigkeit.



EICHELHÄHER


(Garrulus glandarius)


Ein Schatten blitzt im Eichenhain,

das kann nur ein Geselle sein:

Der Eichelhäher, bunt und laut,

der skeptisch aus dem Dickicht schaut.

Er ist der Wächter, schlau und wach,

und macht im Walde ordentlich Krach.


Das bunte Abzeichen


Sein Körper trägt ein warmes Braun,

doch muss man auf die Flügel schaun:

Dort leuchtet Blau, in feinen Streifen,

die wie Juwelen ins Auge greifen.

Ein weißer Spiegel, schwarz gesäumt,

hat manchen Maler schon verträumt.

Der Bartstreif schwarz, die Kappe hell –

ein wirklich schicker Waldgesell.


Der Waldpolizist


Hörst du ein heiseres, raues „Ratsch“,

dann macht er gerade seinen Quatsch.

Er warnt den Rehbock und den Hasen,

wenn Fremde durch die Schonung rasen.

Doch er ist auch ein Stimmen-Imker,

ein wahrer kleiner Tongestalter:

Er ahmt den Mäusebussard nach,

und setzt die Krähen schachmatt, ach!


Der fleißige Pflanzer


Im Herbst beginnt die große Not,

er sorgt vor für sein täglich Brot.

Bis zu zehn Eicheln fasst sein Kropf,

er trägt sie fort mit klugem Kopf.

Er vergräbt sie tief im Waldesgrunde,

als Vorrat für die Wintersstunde.


Doch weil er manches Mal vergisst,

wo sein Versteck genau doch ist,

keimt aus der Frucht ein junger Baum –

ein neuer Wald im Ostersaum!

So pflanzt er Eichen, Jahr um Jahr,

als Waldverjüngung, wunderbar.


Das scheue Wesen


Er wirkt zwar frech und ziemlich laut,

doch ist er vorsichtig gebaut.

Er fliegt im Bogen, schwer und matt,

von einem Ast zum nächsten Blatt.

Am Futterhaus im strengen Frost,

schätzt er auch Nüsse als seine Kost.


Merke dir:


Blau am Flügel, weiß am Bürzel,

gräbt er Eicheln an die Wurzel.

Krächzt er laut durchs Tannendickicht,

bleibt kein Jäger ungesichtet.



FELDLERCHE


(Alauda arvensis)


Hoch überm Acker, schwindelfrei,

hört man die süße Melodei.

Man sieht sie kaum, so hoch sie fliegt,

wo sie im Windeseile wiegt.

Die Feldlerche, bescheiden, schlicht,

ist doch des Frühlings hellstes Licht.


Das Tarnkleid


Ihr Federkleid ist erdbraun matt,

damit sie Schutz am Boden hat.

Gestreift die Brust, der Bauch eher hell,

ein unauffällig' Waldgesell –

nein, Feldgesell! Denn Wald und Baum

schätzt diese Lerche wahrlich kaum.


Ein kleines Häubchen auf dem Kopf,

stellt sie oft auf, den kecken Schopf.

Der Schwanz hat weiße Ränder fein,

das muss im Fluge deutlich sein.


Der Himmelsgesang


Ihr größtes Kunststück ist der Flug,

von dem man nie bekommt genug.

Sie steigt empor, steil wie ein Pfeil,

und singt dabei ihr Lied derweil.

Minutenlang, ohn' Unterlass,

hoch überm Klee und grünem Gras.

Dann lässt sie sich wie ein Stein herab,

doch fängt sich kurz vorm Grab.


Das Nest im Versteck


Sie baut ihr Heim nicht hoch im Ast,

sie ist am Boden gern zu Gast.

In einer Mulde, gut versteckt,

wird das Gelege ausgeheckt.

Dort füttert sie mit Fleiß und Müh,

den Nachwuchs spät und morgens früh.


Die Not der Moderne


Wo früher Wiesen bunt geblüht,

heut' oft der Mähdrescher sich bemüht.

Die Lerche braucht das hohe Gras,

und nicht den schnellen Schnitt, das Maß.

Drum schütze man den Ackerrand,

damit sie bleibt im weiten Land.


Merke dir:


Singt es am Himmel, ohne Baum,

wie ein unendlicher Blütentraum,

und steigt der Vogel kerzengerade,

ist’s die Feldlerche – welch eine Gnade!



RAUCHSCHWALBE


(Hirundo rustica)


Ein blauer Blitz am Scheunentor,

sie schießt hervor, ganz Ohr und Chor.

Mit Gabel-Schwanz und flinkem Flügel,

eilt sie dahin über den Hügel.

Die Rauchschwalbe, so sagt man gerne,

bringt uns den Sommer aus der Ferne.


Das elegante Kleid


Ihr Rücken glänzt in Tiefenblau,

metallisch schön, wenn man genau

im hellen Licht ihr Folgen mag.

Ein Kontrast, der den Tag vermag:

Denn ihre Kehle, rostig-rot,

setzt ab sich von der weißen Not

des Bauches, der wie Seide scheint,

wenn sie am Himmel sich vereint.


Der gegabelte Schwanz


Das sicherste Zeichen, achte drauf,

nimmt man beim Fluge gern in Kauf:

Der Schwanz ist tief und schmal gegabelt,

womit sie durch die Lüfte fabelt.

Zwei lange Spieße, außen fein,

müssen bei der Rauchschwalbe sein.

(Die Mehlschwalbe, das merke dir,

hat einen kürzeren Bürzel hier.)


Die Flugkünstlerin


Sie trinkt im Flug, sie fängt die Mück',

mit unglaublichem Geschick.

In S-Kurven und steilen Wenden,

lässt sie die Jagd niemals enden.

Sie braucht den Stall, das Vieh, den Mist,

wo stets ein Schwarm Insekten ist.


Das Nest aus Lehm


In Ställen, unter Balken schwer,

holt sie sich feuchten Schlamm daher.

Mit Speichel wird er fest verknetet,

bis eine Schale wird bereitet.

Nach oben offen, rund und weich,

wird es für die Jungen ein Reich.

Ganz anders als das Kugelhaus,

der Mehlschwalb', die sieht anders aus.


Merke dir:


Kehle rot und Schwanz gespalten,

sieht man sie in den Ställen walten.

Fliegt sie tief am Boden her,

wird das Wetter regen-schwer.



KOHLMEISE


(Parus major)


Wo sich die Zweige kräftig biegen,

sieht man die Kohlmeise fliegen.

Sie ist die Größte ihrer Art,

von robuster, kecker Machart.

Ihr Ruf erklingt wie eine Glocke,

lockt uns aus der Winter-Socke.


Das prächtige Gewand


Ihr Kopf ist schwarz, wie Kohle fein,

muss so für ihren Namen sein.

Die Wangen leuchten schneeweiß vor,

bis hoch zum schwarzen Flügeltor.

Die Brust ist gelb, wie Sonnenlicht,

doch achte auf den dunklen Strich!


Das Markenzeichen: Der „Schlips“


Ein schwarzes Band, von oben her,

läuft übern Bauch, mal leicht, mal schwer.

Beim Männchen ist der Schlips recht breit,

zeigt Stärke und Entschlossenheit.

Beim Weibchen ist er schmal und fein,

so lässt sich’s gut im Dunkeln sein.


Die Stimme des Frühlings


Ihr Lied ist einfach, rhythmisch, klar,

man hört es früh im neuen Jahr.

Ein „Zi-be, zi-be“ oder „Ti-ta“,

dann weiß man: Ja, der Lenz ist da!

Sie kann auch andere Vögel necken,

und ihre Stimme gut verstecken.


Der kluge Kopf


Die Kohlmeis' ist an Schlauheit reich,

kein anderer Vogel ist ihr gleich.

Sie öffnet Deckel, pickt an Glas,

und hat an harten Nüssen Spaß.

Mit ihrem starken, spitzen Schnabel,

ist sie beim Picken variabel.


Das Nest im Kasten


Sie sucht die Höhle, groß und weit,

für ihre reiche Kinderzeit.

In Nistkästen zieht sie gerne ein,

da muss das Loch jedoch größer sein:

32 Millimeter im Durchmesser genau,

passen perfekt für den Kohlmeisen-Bau.


Merke dir:


Schwarzer Kopf und gelber Bauch,

mit dunklem Schlips am Leibe auch.

Ruft sie laut ihr „Zi-zi-dä“,

ist die Kohlmeis' in der Näh'.



SPERLING


(Passer domesticus)


Wo Krümel auf dem Boden liegen

und Schwalben durch die Lüfte biegen,

da sitzt er frech auf dem Gesims,

ein kleiner Geist des Stadtsinns.

Der Spatz ist niemals gern allein,

es muss schon eine Sippe sein.


Das Gewand des Herrn


Das Männchen trägt ein feines Kleid,

bereit für jeden Nachbarsstreit.

Die Kappe grau, der Nacken braun,

so kann man ihn am besten schaun.

Ein großer, schwarzer Latz am Kinn,

gibt seinem Aussehen erst den Sinn.

Je größer dieser dunkle Fleck,

desto mehr Respekt trägt er im Gepäck.


Das schlichte Weibchen


Das Weibchen hingegen, ganz bescheiden,

mag grelle Farben gar nicht leiden.

In Mausgrau-Braun ist sie gehüllt,

was ihre Tarnung gut erfüllt.

Ein heller Überaugstreif fein,

darf ihr einzig' Schmuckstück sein.


Der gesellige Zecher


Man hört ihn schon von weitem tschilpen,

in Hecken, Büschen und an Tulpen.

Er schimpft und zankt und badet gern

im trock’nen Staub, vom Wasser fern.

Ein „Tschilp-tschilp“ hier, ein Hüpfer dort,

er ist der Geist an jedem Ort.


Der Nischenhocker


Sein Nest baut er mit viel Geschick,

aus Halmen, Wolle, manchem Strick.

In Lücken unter Pfannensteinen,

sieht man ihn oft zur Brut erscheinen.

Er liebt die Nähe zum Gebäude,

das macht ihm die größte Freude.


Der Verwandte: Der Feldsperling


Doch achte drauf, es gibt noch einen,

der will fast wie der Haussperling erscheinen.

Der Feldsperling trägt eine braune Kappe,

und an der Wange eine schwarze Klappe.

Bei ihm sind Männchen, Weibchen gleich,

dafür ist er an Feldrainen reich.


Merke dir:


Graue Kappe, schwarzer Latz,

das ist der echte Haussperr-Spatz.

Doch ist die Kappe kaffeebraun,

musst du nach dem Wangenfleck schaun!



STIEGLITZ


(Carduelis carduelis)


Wenn Disteln hoch im Sommer stehen

und wir ein buntes Flattern sehen,

als hätt’ ein Maler mit Bedacht

ein kleines Kunstwerk wahrgemacht –

dann ist’s der Stieglitz, fein und klein,

er bringt uns hellen Sonnenschein.


Die Maske und das Kleid


Sein Antlitz ist von seltner Pracht,

wie für ein Festmahl schick gemacht:

Ein rotes Antlitz, leuchtend heiß,

umrahmt von Wangen, sauber weiß.

Ein schwarzer Ring den Kopf umschließt,

der übern Nacken sacht abfließt.


Doch schau die Flügel dir genau:

Nicht Grün, nicht Rot, nicht Himmelblau –

Ein breiter Streifen, leuchtend gelb,

ist sein Erkennungsmal der Welt.

Im Fluge leuchtet er hervor,

wie Gold vor einem dunklen Tor.


Der Name und die Kost


Warum man ihn auch Distelfink nennt?

Weil er die stachligen Pflanzen kennt!

Mit seinem spitzen, hellen Schnabel,

ist er beim Picken höchst variabel.

Er holt die Samen sich geschwind,

die tief in Distelköpfen sind.

Auch Kletten und den Löwenzahn

sieht er als feinen Speiseplan.


Der feine Gesang


Sein Lied ist quirlig, hell und flink,

ein echter Zeisig-Distelfink.

Ein „Stiglit-stiglit“, hell und klar,

gab ihm den Namen, das ist wahr.

Er zwitschert rollend, voller Lust,

aus seiner kleinen, bunten Brust.


Das Nest im hohen Baum


Er baut sein Heim nicht in der Not,

sondern dort, wo keine Gefahr ihm droht.

Ganz außen auf dem dünnen Ast,

wo kaum ein Feind zur Ruhe rast.

Aus Halmen, Moos und Spinnweb' fein,

muss dieses Körbchen fest gebaut sein.


Merke dir:


Rote Maske, gelber Flügel,

fliegt er über Feld und Hügel.

Wo Disteln stehn am Wegesrand,

ist er der schönste Gast im Land.



MÄUSEBUSSARD


(Buteo buteo)


Hoch oben, wo die Thermik steigt,

der Bussard uns sein Können zeigt.

Mit breiten Schwingen, weit und groß,

lässt er sich tragen, schwerelos.

Er zieht die Kreise, ruhig und weit,

ein Sinnbild für Gelassenheit.


Das wandelbare Kleid


„Variabel“ ist sein zweiter Name,

das gilt für Herr und auch für Dame.

Von Dunkelbraun bis fast ganz Weiß,

trägt jeder Vogel seinen Preis.

Doch eines sieht man fast bei allen,

die unter diese Gattung fallen:

Ein helles Band auf seiner Brust,

macht uns die Bestimmung erst bewusst.


Die Flügel im Wind


Schau hoch, wenn er am Himmel schwebt,

und wie er seine Schwingen hebt.

Die Flügelenden sind wie Finger,

gespreizt als breite Luftbezwinger.

Der Schwanz ist kurz, gefächert, rund,

gibt uns von seiner Art den Grund.

Mit dunklen Bändern quer gestreift,

er die Luft im Flug begreift.


Die Jagd vom Ansitz aus


Er ist kein Jäger, der im Flug

die Beute schlägt mit wildem Zug.

Er sitzt viel lieber auf dem Pfahl,

und trifft dort unten seine Wahl.

Feldmäuse sind sein liebstes Brot,

für sie bedeutet er die Not.

Doch auch ein Regenwurm am Weg,

ist ihm als Mahlzeit nicht zu schräg.


Der Ruf der Freiheit


Sein Schrei ist weithin zu vernehmen,

man muss sich nach dem Klang nur sehnen.

Ein hohes, klagendes „Pii-äh“,

schallt aus der blauen Himmelshöh'.

Es klingt fast wie ein Katzenmiauen,

dem man im Wald kann blind vertrauen.


Das Heim im Wipfel


Sein Nest, man nennt es einen Horst,

baut er hoch oben im Bergforst.

Aus Reisig, Zweigen, fest verzurrt,

wo keine Taube friedlich gurrt.

Dort zieht er seine Jungen groß,

hoch überm grünen Erdenmoos.


Merke dir:


Breite Flügel, runder Schwanz,

kreist er im hellen Sonnenlanz.

Hörst du das „Pii-äh“ aus der Ferne,

sieht er die Mäuse unten gerne.



KUCKUCK


(Cuculus canorus)


Ein Ruf hallt aus dem Waldesgrund,

er macht den nahen Frühling kund.

Doch wer ihn sucht im dichten Grün,

muss sich um den Anblick redlich mühn.

Der Kuckuck ist ein Schelm, ein Gast,

der niemals baut an eignem Mast.


Das Äußere eines Täuschers


Schaut man ihn an, so meint man fast,

dass du den Sperber vor dir hast.

Der Rücken grau, wie Schieferstein,

so muss sein Tarnungskleid wohl sein.

Die Brust ist weiß mit dunklen Streifen,

die quer um seinen Körper greifen.

Mit gelbem Aug’ und flinkem Flügel,

eilt er dahin über den Hügel.


Der Ruf, der Namen gibt


Sein Sang ist schlicht, doch weltbekannt,

er schallt als Echo durch das Land.

Ein klares „Kuck-uck“, tief und fest,

das keinen Zweifel offen lässt.

Das Männchen ruft es voller Stolz,

hoch oben aus dem alten Holz.

Das Weibchen lacht mit kicherndem Ton,

als hätt’ es ihre Pläne schon.


Der dreiste Kindervater


Er baut kein Nest aus Moos und Stroh,

das macht den Kuckuck erst so froh!

Er ist ein Brutparasit mit List,

der seine Pflichten gern vergisst.

Das Weibchen späht im Unterholz,

nach fremden Nestern, ohne Stolz.

Ist die Besitzerin kurz fort,

eilt sie geschwind an jenen Ort.


Das Kuckucksei


Ein Ei wird flink hineingelegt,

während man fremde Eier wegfegt.

Ob Rohrsänger oder Bachstelz’ fein,

sie müssen nun die Ammen sein.

Der junge Kuckuck, kaum geschlüpft,

den Rest der Brut aus dem Nest raushüpft!

Er wächst rasant, wird groß und schwer,

die kleinen Eltern füttern sehr –

bis er, viel größer als sein Haus,

fliegt in die weite Welt hinaus.


Merke dir:


Grau wie ein Sperber, quer gestreift,

er durch die fremden Reviere schweift.

Hörst du den Ruf „Kuck-uck“ im Mai,

ist bald ein fremdes Nest nicht frei.



NACHTIGALL


Im dunklen Wald, wenn Sterne glühn,

beginnt ein leiser Ton zu blühn.

Die Nachtigall, verborgen klein,

lässt ihre silbernen Lieder frei sein.


Sie lehrt den Menschen still und sacht:

Die größte Kunst wächst oft in Nacht.

Nicht Glanz, nicht Lärm macht Schönheit groß —

ein Herz voll Klang, das singt bloß.


Wer hören will, muss leise sein,

wie Tau im Gras, wie Mondenschein.

Denn Wahrheit klingt – das zeigt ihr Ruf –

nur dem, der schweigt und innerlich zuhört.


So lerne, Mensch, vom kleinen Tier:

Die Weisheit wohnt nicht nur in dir.

Auch in der Kehle eines Vogels schlicht

erklingt der Unterricht des Lichts.


Lehre:


Wie die Nachtigall im Dunkel singt,

so soll der Mensch das Gute tun — 

auch wenn niemand hinsieht

als Gott allein lauscht auf mein Lied.