VON TORSTEN SCHWANKE
I
„Durch die Maria kam Christus zur Welt, und durch sie soll er walten,“
Spricht der hl. Montfort, und kündet den Plan, den der Schöpfer entworfen.
Wie er den Himmel verließ, um im Schoße der Jungfrau zu wohnen,
So soll der Mensch, der das Heil sucht, den Weg durch die Mutter beschreiten.
Nicht durch sich selber allein wird die Seele zum Höchsten erhoben,
Sondern durch Maria, den Pfad, den der Vater in Güte bereitet.
Wer sich dem Sohne vereint, der muss auch die Mutter erwählen,
Denn ihre Hand führt das Herz, das nach göttlicher Weisheit sich sehnt nun.
Keiner kann finden den Sohn, ohne vorher die Mutter zu finden,
Wie man die Sonne erblickt, wenn der Strahl durch das Fenster uns leuchtet.
Sie ist der sicherste Schutz, sie ist Quelle der Gnaden in Fülle,
Wer sie als Mutter erkennt, wird vom Licht ihrer Demut entzündet.
Ach, wie verblendet ist oft, wer den Weg der Vollendung will gehen,
Ohne den Beistand der Frau, die das Licht in das Dunkel uns bringt nun!
Gott hat den Weg uns geebnet, doch Menschen, sie suchen auf Umweg,
Mühsam zu steigen zum Berg, während Maria den Gipfel uns reicht schon.
Lerne die Gnade zu schätzen, die Gott in die Jungfrau gelegt hat,
Denn nur durch sie wird der Geist in die Tiefen des Fleisches gelangen.
Willst du den Herrn nun besitzen, so schenke dich ganz an die Mutter,
Lass sie dein Leben, dein Tun und dein Denken in Hände sich nehmen.
Denn sie verwandelt die Gabe, das Gold, das im Feuer gereinigt,
Wird in der Hand von Maria dem Vater zur Freude dargebracht.
Dies ist der Weg, den der Heilige lehrt, um zur Heiligkeit gelangen,
Wahre Andacht heißt dies: In Maria zu Christus sich finden.
II
Gott, der die Wege bestimmt und der Zeit ihre Ordnung verliehen,
Wählte Maria als Pforte, durch die er zur Erde gekommen.
Gott, der die Ewigkeit kennt und das Ziel unsrer Pilgerfahrt lenket,
Hat sich nicht anders entschieden, als heute noch Menschen zu führen:
Wolltest du Christus gewinnen, so suche ihn dort, wo er wohnte,
Suche im Schoß der Maria, den Ort, den er einst sich erkoren.
Gnaden, sie fließen wie Ströme, doch Gott hat den Lauf uns verborgen,
Gießt er sie aus in Maria, die Mutter, die Fülle der Güte.
Ohne die Mutter, sie fließt nicht der Strom, der die Seele erfrischet,
Ohne die Mutter, es bleibt unsre Arbeit nur dürres Geäst dann.
Wer nun nach Gnaden verlangt, der muss bei der Mutter sie suchen,
Denn sie allein hat die Schätze, die Gott ihr als Gabe vertraute.
Feinde des Heils, sie umkreisen den Menschen mit Tücke und Falle,
Doch wer Maria vertraut, ist geschützt vor den Pfeilen des Bösen.
Sie ist der Turm in der Schlacht, sie ist Schild, der den Ansturm abwehret,
Denn wo Maria erscheint, da muss Satan in Finsternis fliehen.
Darum ist wahre Andacht nicht Kür für die frommen Gemüter,
Sondern ein heilsamer Zwang für den Streiter, der Gott will gewinnen.
Wahrhaft andächtig zu sein, heißt die eigene Kraft nun verneinen,
Alles, was wir einst dachten, zu legen in Hände der Jungfrau.
Gott liebt die Demut so sehr, dass er selbst sich der Mutter ergab nun,
Sollten wir Menschen dann stolz in die eigene Stärke vertrauen?
Nein, wer den Weg zu dem Höchsten beschreitet, der neige das Haupt sich,
Werde wie Kind bei der Mutter, die uns zu dem Sohne hinleitet.
III
Ganz sich dem Herrn zu ergeben, erfordert die völlige Absage,
Aller Gedanken und Werke, die nicht aus der Gnade entsprossen.
Wer nur in Teilen sich weiht, der verfehlt den erhabenen Auftrag;
Ganz muss die Seele sich lösen von eigenem Stolz und Begehren.
Denn wie das Kind in dem Schoß der Mutter das Leben empfanget,
So soll der Geist in Maria den Keim der Vollendung sich bilden.
Wer das Geheimnis begreift, der erkennt die verborgene Weisheit:
Dass wir durch sie, die Vermittlerin, Gott unsre Opfer entrichten.
Nicht aus uns selber, in Schwachheit befangen, wir treten zum Throne,
Nein, durch die Hände der Jungfrau, die rein vor dem Höchsten erscheinen.
Sie ist der Weg, den der Schöpfer zur Rettung der Welt hat erkoren;
Wer ihn verlässt, der versucht den Umweg durch Wüsten und Klippen.
Alles, was wir auch besitzen, an Tugend, an Gnade, an Leiden,
Soll man Maria vertrauen, als wäre es sicher verwahret.
Sie ist die Schatzmeisterin, die Gott uns zur Seite gegeben,
Damit das Werk, das wir mühen, in ihr erst zur Reife gelange.
Denn was in ihr, der Allheiligen, ruht, wird vom Segen durchdrungen;
Was in der Hand des Menschen verdirbt, bleibt in ihr uns erhalten.
Wer so sich hingibt, der findet die Freiheit, die Christus versprochen,
Löst sich vom Joch des Ichs und entflieht der gefürchteten Knechtschaft.
Denn in Maria zu leben, heißt, Christus im Herzen zu tragen,
Und in der Schule der Mutter das Maß der Gesinnung zu lernen.
Dies ist der Kern des Gebots: Durch sie, in ihr und für Christus,
Wird das Geschöpf zu dem Bilde, das Gott in der Ewigkeit plante.
IV
Lerne, warum es so wichtig, die Mutter dem Sohne zu wählen,
Welche Motive uns drängen, die Ganzhingabe mutig zu wagen:
Erstens, es ehrt den Schöpfer, wenn wir den Weg seiner Wahl nun beschreiten,
Denn wie der Vater den Sohn einst durch Maria zur Welt sandte,
Will er, dass Menschen zur Höhe, zum Licht des erlösenden Glanzes,
Ebenso finden den Pfad durch die Hand, die den Heiland uns brachte.
Zweitens, so schenken wir Ehre dem Sohne, dem göttlichen Hirten,
Wenn wir die Mutter verehren, die er sich zur Mutter erwählte.
Wer sie gering schätzt, der mindert den Wert, den der Herr ihr verliehen;
Denn unser Tun ist ein Spiegel, der Christus in ihr erst betrachtet.
Wer sich demütigt vor ihr, der beugt sich vor Gottes Geheimnis,
Das in der Jungfrau als Gnade und Demut die Welt uns erschlossen.
Drittens, wir suchen ein Mittel, in Schwachheit den Halt zu gewinnen:
Denn unsere Werke, sie sind oft mit Makeln und Fehlern beladen.
Doch in Maria gereinigt, verwandelt durch ihre Fürbitte,
Werden sie Gott wohlgefällig, ein Opfer von reinem Geruche.
Sie ist der goldene Becher, der unsere Gaben empfanget,
Sie, die den Wein unserer Mühen durch ihre Liebe veredelt.
Viertens, die Seele erlangt eine Freiheit, die Christus versprochen,
Wenn sie den eigenen Willen in ihre Obhut nun lege.
Denn in der Sklavenschaft Mariens finden wir wahre Befreiung,
Weg von dem Joch der Begierden, die sonst unser Inneres knechten.
Gott, der die Demut erhöht, er schenkt uns in dieser Hingabe,
Kraft und ein Herz, das ihm gleicht, und Ruhe in heiligen Stürmen.
V
Sieh auf die Schrift, denn sie kündet, was Gott in der Vorzeit verordnet,
Wie er die Schlange bezwingt durch das Weib und ihr kommendes Samenkorn.
Feindschaft hat Gott einst gestiftet, die dauernd bis ans Ende währet,
Zwischen dem Weib und dem Feinde, dem Geist, der die Menschen verführet.
Darum ist jene, die Christus geboren, der Schlange Verderben,
Wer sie als Mutter besitzt, wird vom Biss der Verführung bewahret.
Wie einst die Mutter Rebekka den Jakob zum Segen geleitet,
Obgleich er nicht der Erstgeborene war nach dem Rechte der Ahnen,
So führt Maria die Seele zum Vater, den Segen zu finden,
Ob wir auch arm sind und sündig, die Gnade wird uns dann zuteil.
Denn sie verhüllt unsre Schwäche mit Kleidern, die würdig erscheinen,
Damit der Vater uns segne, weil wir in dem Sohne nun ruhen.
Denke an Judith, die einst den Tyrannen, den Feind, nun besiegte,
Um ihr bedrängtes Volk aus der Hand des Verderbens zu retten.
So ist Maria die Starke, die Satan den Kopf nun zertritt schon,
Sie ist der Zuflucht Ort für die Seelen, die Gott treu ergeben.
Alles, was Gottes Wort uns verkündet in Bildern und Zeichen,
Findet in ihr die Erfüllung, die Gott für die Menschen bereitet.
Lerne aus diesen Gestalten, wie Gott seine Mutter erhoben,
Um durch ihr Wirken die Menschheit aus Banden der Sünde zu lösen.
Darum vertraue dich ganz ihrem Schutz, ihrem Rat und der Führung,
Denn wer das Weib an der Seite des Herrn nicht als Mutter verehret,
Wird in der Schlacht um das Heil ohne Hilfe die Stärke verlieren;
Wer sie jedoch bei sich weiß, der wird siegreich den Himmel gewinnen.
VI
Wer nun die Weihe vollzogen und sich in Maria geborgen,
Wird in der Seele die Früchte der Hingabe reifen nun sehen:
Zuerst wird die Selbsterkenntnis, die tiefste, das Herz nun durchdringen,
Denn in dem Lichte der Jungfrau erblicken wir alles Verderben,
All unsre sündige Regung, die sonst vor dem Lichte verborgen,
Damit wir demütig werden und ganz uns in Demut erheben.
Dann wird ein Teil unsrer Seele ihr Glaube, die feste Gewissheit,
Kein bloßes Meinen, nein, Wissen, das uns in dem Glauben bestärket.
Denn sie, die glaubte, als alle die Hoffnung schon schienen zu verlieren,
Gießt uns den Geist ihrer Treue, der uns in der Prüfung bewahret.
Wer sie als Mutter verehret, wird sicher den Pfad der Erkenntnis
Gehen, im Lichte des Wortes, das in ihr die Menschheit gewonnnen.
Drittens erfährt die betende Seele ein Feuer der Liebe,
Denn wer das Herz der Maria berührt, der entbrennt in der Liebe,
Dass ihm die Welt und ihr Glanz nur als Staub und als Eitelkeit scheinet.
Nicht mehr das eigene Ich ist die Mitte, das Gott nun entzücket,
Sondern die Sehnsucht nach Gott, die Maria in uns will entfachen,
Damit wir glühen wie sie, im Feuer, das niemals erlöschet.
Viertens gewährt uns die Mutter ein Maß an Vertrauen und Zuversicht,
Dass wir nicht zagen im Kampf, auch wenn die Mächte uns drängen.
Denn sie ist Pforte des Himmels, der Hafen für alle, die irren,
Wer ihre Hand hält, der fürchtet die Stürme des Lebens nicht weiter.
All diese Gaben empfängt, wer sich ihr in der Weihe geschenket,
Denn sie formt uns nach dem Bilde, das Christus uns lehrt in dem Evangelium.
VII
Lerne nun, wie man im Alltag den Geist der Verehrung bewahret,
Denn nicht im Worte allein liegt die Kraft, die die Seele erneuert.
Wähle die Übung, die tief dich verbindet mit Mutter und Sohne,
Dass man in kleinen Dingen des Geistes Gesinnung erprobet.
Meide die Sünde, die kleinste, und handle mit reinerer Absicht,
Alles, was du auch beginnst, sei ein Tun in dem Namen der Mutter.
Täglich durchkoste das Gebet, das wir ihr als Zeichen nun schenken,
Denke an sie, wenn du arbeitest, ruhst und im Geiste dich sammelst.
Werde ein Sklave der Liebe, befreit von dem Zwang der Gewohnheit,
Dass dein Gedanke zu ihr sich als Pfeil in die Ewigkeit schwinget.
Führe ein Tagebuch stiller Gebete, der Werke der Demut,
Denn was man prüft vor dem Herrn, das vermehrt sich in segnender Fülle.
Trage ein Zeichen der Hingabe, äußerlich, sichtbar für alle,
Nicht um zu prunken vor Menschen, nein, als ein Schutz für die Seele.
Wie ein Soldat sein Banner, so trage das Joch der Maria,
Dass dich der Feind als den Seinen erkenne und weiche vor diesem.
Werde im Kleinen zum Großen, in Hingabe wird das Geringe,
Gold in der Hand der Gebieterin, die es zum Sohne hinbringt.
Erneure täglich das Opfer, das du in der Weihe besiegelt,
Lass keinen Tag ohne Rückkehr zu ihr, ohne Dank und Gebete.
Denn wie die Pflanze den Regen begehrt, um die Frucht zu entfalten,
Braucht deine Seele den Tau ihrer Gnade, um treu zu verharren.
Dies ist der Weg, den der Heilige weist, um im Alltag zu siegen,
Durch die Maria zum Christus zu finden, in täglicher Treue.
VIII
Geistig nun tauche dich ein in das Wesen der Mutter des Lebens,
Dass deine Seele in ihr eine Wohnung sich gründe und bleibe.
Denke, wie sie ist als Quelle, als Spiegel der göttlichen Güte,
Und wie der Geist sie durchwirkte, damit sie den Heiland empfinge.
Willst du den Christus in dir nun gebären, so lerne von jener,
Die ihn in Reinheit und Stille den Menschen als Licht uns geschenket.
Werde ihr ähnlich in allem, im Schweigen, im Dienen, im Dulden,
Lass ihr Gemüt deine Richtschnur sein, deine eigene Neigung.
Denn eine Seele, die lebt in der Mutter, verliert ihr Gesicht schon,
Um nun das Bildnis des Sohnes, den Glanz seiner Herrlichkeit, zeigen.
Wie man den Ton in der Hand des Töpfers zur Formung nun hingibt,
Gib dich Maria, damit sie dich bilde nach göttlichem Willen.
Betrachte oft ihr Geheimnis, das Wort, das in ihr Fleisch geworden,
Lass ihre Demut zum Maßstab des eigenen Wandels dich werden.
Suche in ihr keine eigene Ehre, nur Gnade des Sohnes,
Denn sie, die Magd, wollte nie, dass die Welt ihren Namen nur preise,
Sondern sie wollte, dass Gott, der den Mächtigen stürzt von dem Throne,
Groß sich erweise in ihr, durch die Macht ihrer heiligen Liebe.
Also sei eins mit der Mutter, in jedem Gedanken und Handeln,
Dass deine Seele in ihr atme, ruhe und Gott ewig lobe.
Wenn du so ganz ihr geworden, wird sie dich verwandeln in Christus,
Dass du sein Werk auf der Erde fortsetzt mit der Kraft ihrer Fürbitte.
Dies ist der Gipfel der Andacht, das Ziel, das der Heilige lehrte:
Ganz zu verschwinden in ihr, um in Gott erst das Leben zu finden.
IX
Lerne, Maria zu suchen im Sakrament, wo der Herr uns begegnet,
Denn wo der Sohn in der Hostie erscheint, ist die Mutter nicht ferne.
Sie ist der Ort, der ihn einst in die Welt uns als Mensch hat bereitet,
Und sie ist jene, die auch in dem Brot uns den Heiland verheißet.
Willst du den Herrn recht empfangen, so bitte die Mutter des Lebens,
Dass sie dein Herz erst bereite, den Gast nun in Reinheit zu fassen.
Denn wie sie Christus im Leibe getragen, so sollst du ihn tragen,
Wenn du im heiligen Mahle ihn nimmst, als das Brot der Verheißung.
Bitte Maria, sie möge dir leihen ihr Herz und ihr Denken,
Dass deine Liebe so glühe, wie ihre im Schoß der Entzückung.
Keiner empfängt ihn so würdig, wie jene, die eins mit ihm lebte,
Darum ist sie der beste Führer, den Gott uns gesendet.
Wenn du zum Altare nun gehst, sei in ihr, durch sie und mit ihr,
Lege dein Opfer der Messe in ihre allreinen Hände.
Sie wird es Christus darbringen, gereinigt von Schlacken der Sünden,
Dass es als duftendes Opfer Gott wohlgefällig erscheine.
Was du an Gnaden ersehnst, wenn der Herr in dein Inneres einkehrt,
Das wird sie dir mit erflehen, als Mutter des heiligen Brotes.
Bleibe nach Empfang des Mahles in ihr, wie in stillem Gebete,
Lass sie die Anbetung führen, die Christus im Herzen dir schenket.
Denn sie kennt ihn am besten, sie weiß, wie man Gott liebend ehret,
Dass die Vereinigung wachse und Frucht bringe reich in dem Geiste.
Wer so die Andacht verbindet mit Brot, das vom Himmel gekommen,
Wird in der Kraft der Maria zur Fülle des Lebens gelangen.
X
Ende des Weges ist nicht das Gesetz, doch das Leben in ihr nun,
Dass du in ihr, mit ihr, durch sie im Geiste den Wandel vollendest.
Wie der Fisch schwimmt im Wasser und atmet das flüssige Element stetig,
Sollst du in ihr, der Maria, dem Ozean göttlicher Gnaden,
Dein ganzes Dasein entfalten, in ihrem Gebet und Verlangen,
Dass nur der Wille des Herrn dein Tun und dein Denken durchdringe.
Alles, was aus dir hervorgeht, sei Frucht ihres mütterlichen Wirkens,
Kein Eigennutz soll mehr haften an Werken, die du nun vollbrachst.
Wie ein Spiegel, der rein ist, das Licht des Gestirns nur reflektiert,
Sollst du die Klarheit der Mutter, ihr demütig strahlendes Wesen,
Widerspiegeln der Welt, die nach Gott in der Dunkelheit schmachtet,
Dass sie im Blick deiner Augen die Liebe Mariens erkenne.
Dies ist die letzte Stufe, die Einheit, die alles verbindet,
Wo das Ich stirbt in der Mutter, um aufzuerstehen in Christus.
Nicht mehr zwei Wesen, nein, eins ist der Geist, den der Herr uns verheißen,
Wenn wir uns ganz ihr ergeben, als Knechte, als Söhne, als Erben.
Hier in der Stille des Herzens, das ganz der Maria gehöret,
Wird die Verheißung zur Wahrheit: Gott findet in uns seine Wohnung.
Gehe nun hin, in der Kraft, die sie schenkt, durch die Stürme des Lebens,
Trage die Welt auf dem Herzen, so wie sie es tat in der Vorzeit.
Denn wer in ihr nun verweilet, der ist nicht mehr einsam auf Erden,
Er ist geborgen in ihr, die als Pforte des Heils uns gegeben,
Bis er am Ende der Zeiten den Sohn in der Herrlichkeit schaue,
Ganz in der Liebe Mariens, für immer bei Gott nun vereinet.
XI
Schluss ist das Ziel, nun zu schauen, wie Christus in dir sich entfaltet,
Wenn du der Mutter die Herrschaft im Herzen des Geistes verliehen.
Nicht mehr dein Wille soll lenken, noch deine menschliche Schwäche,
Nein, es ist Christus, der lebend in dir seine Werke nun vollbringt.
Wie er in ihr einst wohnte, so wählt er nun dich als sein Gehäuse,
Formt durch ihr mütterlich Wirken die Seele zu seinem Abbild.
Alles, was du nun beginnst, wird zum Dienst für den göttlichen Meister,
Da sie die Absicht reiniget, alles den Vater zu ehren.
Ist deine Seele nun ruhig, vom Sturm der Begierden befreiet,
Fühlt sie das sanfte Einströmen der Gnade, die niemals versaget.
Denn wenn Maria die Zügel der Sinne und Geister geführet,
Findet der Herr seinen Frieden, und alles wird göttliches Handeln.
Dies ist das Ende der Reise, das Ziel, das der Heilige lehrte:
Dass man die eigene Person in den Händen der Mutter verlieret,
Um als ein neues Geschöpf in der Liebe des Sohnes zu leben.
Gehe den Weg nun in Demut, in täglichem Opfer und Glauben,
Bis sich dein Geist in der Ewigkeit löst von der Last dieser Erde,
Und du vollendet in Christus, durch Maria, die Herrlichkeit schaust.
XII
Lerne nun, wie du das Heil, das in dir durch die Mutter nun reift,
Hinaus in die Welt darfst tragen, als Bote der göttlichen Güte.
Denn wer in ihr ist geborgen, der kann nicht im Stillen verweilen,
Wenn er die Not der Gefallenen sieht, die den Weg nicht mehr finden.
Wie sie, die Erste der Apostel, den Heiland der Welt hat verkündet,
Sollst du ihr Werk nun begleiten, ihr Zeuge in Wort und in Tat sein.
Sende die Gnade, die du empfangen, in dunkle Gebiete der Erde,
Lass sie die Waffen der Liebe benutzen, den Satan zu stürzen.
Denn wie Maria die Schlange zertritt mit dem Fuß der Demut,
So soll der Geist, der in dir nun wirkt, die Finsternis brechen,
Jene befreien, die gebunden im Joch ihrer eigenen Sünden,
Dass sie das Licht nun erkennen, das durch die Mutter uns strahlet.
Dies ist das Ende der Schrift, die uns weist auf das kommende Zeitalter,
Wo die Maria die Seelen regiert und den Christus uns zubereitet.
Habe den Mut, nun zu handeln, vergiss deine eigene Größe,
Lass nur das Wirken der Mutter durch dich in die Welt nun dringen.
Wenn du so ganz ihr vertraust, wird das Reich, das der Herr uns versprochen,
In deiner Seele beginnen und Frucht tragen reich für die Ewigkeit.
Geh nun im Geiste der Demut, mit ihr als dem Stern auf dem Meere,
Bis du am Ziel deiner Tage die Pforte des Himmels erreichst nun.
Alles sei Gott durch Maria, das Siegel der Ganzhingabe,
Denn in der Einheit mit ihr wird die Seele vollendet und heilig,
Wenn sie das Bildnis des Sohnes empfängt und in Liebe bewahret,
Stets in dem Schoß der Maria, dem Pfad, den der Vater uns wählte.