ESTHER

VON RACINE


NACHGEDICHTET VON TORSTEN SCHWANKE



PROLOG

DIE FRÖMMIGKEIT


Vom sel’gen Ort, da Gott auf seinem Throne thront,

Steig’ ich herab, wo seine Gnad’ und Liebe wohnt.

Die Unschuld, meine Freundin, weilt hier gern bei mir,

Kein treuerer Asyl ist offen unter hier.

Hier, fern vom Lärm, im Dienst, der heilig uns verpflichtet,

Wird durch mein Wort ein Volk zu Tugenden gerichtet.

Ich säe in sein Herz die keimende Saat ein,

Dass durch sein Werk die Welt mag wohlgesinnt sein.

Ein König, der mich schützt, ein König, der wohl siegt,

Hat mir als treue Hand, was ihm am Herzen liegt,

Vertraut. Er war es, der die Tauben hier gesammelt,

Die ohne Führung einst, verstreut, in Angst gewandelt.

Er baute diesen Bau, den Palast, still und rein,

Dass Fried’ und Überfluss mag nun ihr Begleiter sein.


Groß’ Gott, nimm dieses Werk in dein Gedächtnis auf!

Nimm alles, was er tut, in deinen heil’gen Lauf.

Schreib’ mit der eignen Hand in deines Buches Blatt

Die Namen jener Herrscher, die dein Herz sich hat.

Du hörst mich an. Mein Ruf ist dir ja wohlbekannt.

Ich bin die Frömmigkeit, die treu an deiner Hand,

Dir dieses Königs Seufzer, zart und rein, darbringt.

Die Liebe, die ihn brennt, die in sein Herz eindringt,

Ist Eifer, der für dich entflammt sein ganzes Sein;

Vom Abend bis zum Tag strahlt diese Wärme rein.

Du siehst ihn jeden Tag, vor dir im Staub sich beugen,

Und sein gekröntes Haupt in Demut dir bezeugen;

Den Stolz bricht er bei dir, durch hohen, klaren Sinn,

Wenn er den Boden küsst, mit frommem Herzengewinn.

Von deinem Ruhm bewegt, greift er, von allen nur,

Zum Schwert für dein Recht aus, folgt deiner heil’gen Spur.

Der falsche Eigennutz, der Neid, der blind nur wütet,

Vereint sich gegen dich, was die Häresie behütet;

Die Zwietracht bebt vor Wut, verbreitet ihre Pein;

Ganz scheinen sie nun fern von deinem Banner sein.

Die Hölle hüllt die Welt in ihren dunklen Schlund,

Verdunkelt jeden Blick, macht jeden Geist wohl wund.

Er aber, fest im Glauben, starr auf deinem Pfad,

Sucht nur dein Angesicht, hört nur auf deinen Rat.

Er trotzt dem Dämonen, der ohnmächtig nur erbebt,

Und hat der Religion den festen Bau belebt.


Groß’ Gott, beurteile selbst, zeig’ deine Macht bei Licht!

Den Arm, der für ihn stritt, den zeig’ bei diesem Gericht,

Als er vor Zeiten schon, vor Feindes Übermacht,

Den Rhein so oft sah fliehn, in mancher heißen Schlacht.

Ich kenne diesen Stolz, die Feinde, wie sie sind;

Sie brechen an dem Fels, an dem sie starr und blind

Schon einst zerschellten, als der Festen Wehr zerbrach,

Und ihre Trümmer nun bedecken sein Gemach.


Du gabst ihm einen Sohn, der treu ihm steht zur Seite,

Der kämpft und folgt und führt, in jeder Zeit, in Weite;

Ein Sohn, der, wie der Vater, stets den Sieg erringt,

Und nur nach dessen Herz und dessen Gunst nur ringt;

Ein Sohn, der seinem Wort gehorsam liebend folgt,

Des Feindes ew’ge Pein, die in der Nacht nur grollt.

Gleich jenen Geistern, die dein Wille nun entsendet,

Wenn ihn der Vater ruft, sein Blick zum Siege wendet;

Er eilt mit Freude fort, den Donner zu entfesseln,

Um dann in aller Ruh’, den Sieg in Worten festzuhalten.


Doch während dieser König nun meine Schmach bezwingt,

Ihr, die ihr hier genießt, was sanfte Freud’ euch bringt,

Wenn er ein kurzes Wort der Ruhe sich vergönnt,

Ruft diesen Helden her, den man als Sieger nennt.

Erzählt ihm Esthers Lauf, die Geschichte, den Ruhm,

Wie siegt der Glaube einst im göttlich’ Heiligtum.


Und ihr, die ihr dem Spiel der eitlen Sucht verfallt,

Wo nur der falsche Schein in euren Herzen hallt,

Ihr Liebhaber der Kunst, des leeren, bunten Scheins,

Denen mein Wort zu schwer, zu fremd des reinen Seins,

Flieht meine Strenge hier, flieht diesen heil’gen Ort!

Hier atmet nur der Geist, die Wahrheit und das Wort.



ERSTER AKT


SZENE I.


ESTHER, ELISE.


ESTHER.

Bist du’s, geliebte Elise? O Tag, dreifach beglückt!

Sei Himmel, der dich mir in meine Arme schmückt,

Gesegnet! Die du einst, wie ich aus Benjamins Stamm,

Mit mir die Jugend teiltest, im gleichen, stillen Programm,

Die du des gleichen Jochs erlittest schwere Last,

Und meine Klagen stets bei Sions Not besaßt.

Wie teuer ist mir noch, was wir einst haben durchlebt!

Doch wusstest du, was hier nun in dem Palaste schwebt?

Seit sechs Monaten schon such’ ich dich, Tag für Tag,

Welch Wüste, welches Land verbarg, was ich nicht sah?


ELISE.

Beim Gerücht von eurem Tod, der schwer mein Herz durchdrang,

Lebt’ ich von der Welt getrennt, in Tränen, lebenslang,

Und harrte nur dem Ende, das meine Tage schloss,

Als plötzlich, gnäd’ge Frau, ein Prophet, der herfloss:

„Warum beweinst du so den Tod, der dich betrog?

Steh auf“, sprach er zu mir, „bevor der Tag verflog.

Zieh nach Susa hin, dort wirst du Esthers Pracht erblicken,

Den Grund deiner Tränen, auf dem Thron, ohne Geschicken.“

„Beruhige“, sprach er, „dein Volk, das nun in Angst vergeht,

Sion: der Tag ist nah, an dem der Gott nun steht,

Mit seinem starken Arm, um Hilfe zu gewähren;

Der Schrei seines Volkes wird sein Ohr nun hören.“

Er sprach; voll Freud’ und Grauen bin ich nun hierher

Geeilt, in den Palast, übers weite, dunkle Meer.

O Anblick! Welch Triumph, den meine Augen sahen,

Dass selbst der Ahnen Gott wohl wieder wohlgetan!

Der stolze Ahasverus krönt seine Gefang’ne nun,

Die Perser beugen sich vor Judäas weichem Tun.

Durch welche List, mein Gott, durch welches weite Band,

Hat dich das Schicksal hier geführt in dieses Land?


ESTHER.

Vielleicht man dir erzählt von Vasthis schnellem Fall,

Der stolzen Frau, die mich nun beerbt im Prunk und Schall,

Als sie der König zürnt’, entflammt von tiefem Neid,

Verstieß er sie vom Thron, in ihrer Eitelkeit.

Doch aus dem Sinn verlor er sie wohl nicht so bald,

Vasthi regierte noch, in seinem Geist, mit Gewalt.

Man musste in dem Reich, in allen Landen weit,

Ein neues Ziel nun suchen, in der weiten Einsamkeit.

Vom Indus bis zum Meer, da lief der Sklaven Schar;

Die Töchter Ägyptens, sie alle waren da,

Selbst aus dem fernen Reich, des Skythen wildes Volk,

Sie alle boten sich, dem Herrscher wie ein Stolz.

Man hielt mich damals dort, versteckt, ganz still und klein,

Unter dem wachs’nen Blick, in Mardochais Schein.

Du weißt, was ich ihm schulde, was er mir hat getan.

Der Tod nahm mir die Eltern, doch er nahm sich mein an;

Er sah in mir die Nichte, wie seine eigne Tochter,

War Vater mir und Mutter, in meinem stummen Schauder.

Über der Juden Los, das ihn bei Nacht bewegt,

Hat er aus dem Versteck mich nun emporgelegt;

Auf meine schwache Hand hat er das Glück gebaut,

Dass ich dem Empire nun, mein Schicksal anvertraut.

Ich folgte seinem Rat, mit zitterndem Gemüt.

Ich kam. Doch hielt ich mein Volk, das in mir glüht,

Versteckt. Wer könnte wohl, den Neid der Weiber hier,

Beschreiben, der entstand, wie in dem fremden Tier?

Sie alle buhlten dort, um Ahasverus‘ Blick,

Und harrten auf das Urteil, auf ihr eignes Geschick.

Jede hatte ihre List, ihr großes, starkes Wort;

Die eine prahlte stolz, mit ihrem Ahnen dort;

Die andre, um den Glanz, durch Prunk und Schmuck zu leihen,

Lieh sich der Hände Hilfe, um sich zu befreien;

Und ich, für meine List, für meine eigne Macht,

Hab’ nur zu Gott gefleht, in meiner stillen Nacht.


Endlich kam der Befehl von Ahasverus, dem Herrn.

Vor dem stolzen Monarchen, trat ich auf, von fern.

Gott hält der Könige Herz, in seiner starken Hand.

Er lässt, was unschuldig, gedeihen im ganzen Land,

Während des Stolzen Plan, in seiner Trug versinkt.

Der König war ergriffen, als mein Schein ihn trifft.

Er beobachtete mich, in tiefem, langem Schweigen;

Und Gott, der meine Waage, ließ sich zum Heil geneigen,

In diesem Augenblick, bewegt’ er seinen Sinn.

Endlich, mit sanftem Blick, trat er zu mir hin:

„Sei Königin“, sprach er; und in demselben Moment,

Trug meine Stirn die Krone, die nur die Herrschaft kennt.

Um seine Freud’ und Liebe, nun kräftig zu bezeugen,

Beschenkte er den Hof, in seines Glückes Reigen;

Und selbst in allen Landen, in der Provinzen Licht,

Lud er das Volk zum Fest, das nun die Welt verspricht.


ESTHER

Ach, in den Tagen, wo das Fest den Sinn betört,

Hab’ ich vor Scham und Leid mein Herz kaum angehört!

„Esther“, so sprach ich mir, „im Purpur sitzt du hier,

Die halbe Welt gehorcht dem Zepter nun von dir,

Und in Jerusalem das Gras verdeckt die Wand!

Sion, der Zufluchtsort, in ödem, wüstem Land,

Sieht seines Tempels Stein verstreut im grauen Sand,

Und Gottes heil’ges Fest ist fern aus jedem Land!“


ELISE

Habt Ihr dem König nicht vertraut, was Euch bedrückt?


ESTHER

Der König ahnt bis heut’ nicht, wie mein Schicksal glückt.

Der, durch den Gott mir nun den Pfad des Lebens lenkt,

Hält meine Zunge noch, die dieses Wort beschränkt.


ELISE

Mardochai? Kann er denn sich diesem Ort wohl nahn?


ESTHER

Sein Freundschaftsdienst hat stets den rechten Weg getan.

Wenn fern, berat’ ich mich; sein weiser, treuer Rat

Findet den Zugang stets, zu dieser, meiner Tat.

Ein Vater sorgt wohl kaum so sehr um seines Kindes Glück.

Schon habe ich durch ihn, auf seinen klugen Blick,

Dem König offenbart den Mord, den man ersann,

Den zwei Verräter planten, jeder ein schlimmer Mann.

Doch meine Liebe, die für unser Volk nur brennt,

Hat diesen Palast gefüllt, wie man die Blumen nennt;

Jung und zart, wie ein Halm, den das Geschick vertrieb,

Wie ich selbst, fern der Heimat, wo das Heimatlied blieb.

An einem Ort, geschützt vor jedes Fremden Blick,

Erzieh’ ich sie mit Sorg’, mit Hoffnung und mit Glück.

Und dort, wo ich den Glanz des Zepters hinter mir lass’,

Des eitlen Ruhms nun müd’, im stillen, grünen Gras,

Dem Ewigen zu Füßen beug’ ich mein Haupt mit Not,

Und finde Trost im Dienst, bei unserem Herrgott.

Doch vor den Persern bleib’ ich stumm, was ihre Sippe betrifft.

Man muss sie rufen. Kommt, ihr Mädchen, in die Schrift,

Begleiterinnen einst, in meiner Sklaverei,

Von Jakobs altem Stamm, seid nun bei mir dabei!



SZENE II


ESTHER, ELISE, DER CHOR.


(Eine Israelitin singt hinter der Bühne)

Schwester, welche Stimme ruft uns herbei?


(Eine andere)

Ich erkenne den Klang, so lieblich und frei.

Es ist die Königin.


(Beide)

Lauft, Schwestern, hört den Ruf!

Die Königin ruft, die uns mit Liebe schuf.

Geht, reiht euch an, bei ihr ist unser Lauf.


(Der Chor betritt die Bühne)

Die Königin ruft, wir eilen zu ihr hinauf.


ELISE

Himmel! Welch ein Schwarm von Unschuld, Anmut, Zier,

Drängt sich zu meinen Augen, aus allen Seiten hier!

Welch liebliche Scham, die sich auf jedem Antlitz zeigt!

Blüht auf, ihr Hoffnungsschwarm, der sich der Tugend neigt.

Mögen bis zum Himmel die Seufzer, rein und klar,

Aufsteigen wie ein Duft, der Gott ein Opfer war!

Möge Gott auf euch blicken, mit Frieden, sanft und weit.


ESTHER

Meine Töchter, singt uns nun, in dieser Einsamkeit,

Ein Lied aus jener Zeit, wo eure Stimme, klar und schwer,

Mit meinen Tränen mischt, was Sion ist, ohn’ Wiederkehr.


(Eine Israelitin singt allein)

O klägliches Sion, was ist von deinem Ruhm geblieben?

Die Welt bewunderte einst deine Pracht und Prunk:

Du bist nur Staub geworden, ein dunkler, leerer Trunk;

Von jener Größe bleibt nur der Schmerz, der uns ist beschrieben.

Sion, bis zum Himmel erhoben in alter Zeit,

Nun bis zur Hölle gesenkt, in ewiger Bitterkeit,

Möge ich stumm nun werden, für alle Ewigkeit,

Wenn in meinen Liedern dein Schmerz nicht mehr erklingt,

Und mein Gedanke stets zu deinem Leide dringt!


(Der gesamte Chor)

O Ufer des Jordans! O Felder, dem Himmel so nah!

Heilige Berge, Täler, die Fruchtbarkeit sah!

Durch hundert Wunder, die dein Wort uns brachte!

Vom süßen Land der Ahnen, das der Herr bewachte,

Werden wir immer exiliert sein, fern und fern?


(Eine Israelitin allein)

Wann werd’ ich, o Sion! deine Mauern wiedersehn,

Und deiner Türme Pracht, die in den Wolken stehn?

Wann werd’ ich, von überall, dein Volk froh eilen sehn,

Zum Feste, das wir feiern, wo wir in Freude gehn?


(Der gesamte Chor)

O Ufer des Jordans! O Felder, dem Himmel so nah!

Heilige Berge, Täler, die Fruchtbarkeit sah!

Durch hundert Wunder, die dein Wort uns brachte!

Vom süßen Land der Ahnen, das der Herr bewachte,

Werden wir immer exiliert sein, fern und fern?



SZENE III


ESTHER, MARDOCHAI, ELISE, DER CHOR.


ESTHER

Welcher Fremde wagt sich hier, in dieses heil’ge Haus?

Was seh’ ich? Mardochai? Vater, ist das dein Braus?

Ein Engel des Herrn, mit seiner heil’gen Macht,

Hat er dich hergeführt, durch die dunkle Nacht?

Doch warum dieser Blick, das Gewand, so grau und schwer,

Und diese Asche auf dem Haupt, wie ein stummes Heer?

Was kündigst du uns an?


MARDOCHAI

O Königin, im Leid!

O eines Volkes Schicksal, in dieser grausamen Zeit!

Lies, lies das Urteil, verflucht und ohne Gnade.

Wir sind alle verloren, das ist Israels Ende, auf dem Pfade.


ESTHER

Gerechter Himmel! Mein Blut erstarrt in jeder Ader!


MARDOCHAI

Man will das ganze Volk der Juden ausrotten, bei dem Kader.

Dem blutdürst’gen Haman sind wir alle preisgegeben.

Die Schwerter und die Messer sind bereit, uns zu nehmen das Leben.

Die ganze Nation ist zum Tode nun bestimmt.

Haman, der gottlose Haman, der das Erbe Amaleks nimmt,

Hat für diesen Schlag seine ganze Macht genutzt;

Der König, zu leichtgläubig, hat das Edikt verschmutzt.

Gegen uns aufgehetzt, durch seinen unreinen Mund,

Hält er uns nun für Abscheu, in aller Welten Grund.

Seine Befehle sind ergangen; in jedem Land, im Reich,

Ist der Tag bestimmt für das Morden, dem Schicksal gleich.

Himmel, werdet ihr erleuchten dieses grause Fest?

Das Eisen kennt kein Alter, das sich nun blicken lässt;

Alles dient als Raub für Tiger und Geier,

Und dieser Tag, so schrecklich, ist in zehn Tagen die Feier!


ESTHER

O Gott, der du siehst, wie sie das Unheil spinnen,

Hast du von Jakob den Rest nun ganz lassen zerrinnen?


(Eine der jüngsten Israelitinnen)

Himmel, wer schützt uns, wenn du uns nicht mehr schützt?


MARDOCHAI

Lass die Tränen, Esther, für die Kinder, die der Wind nun nützt.

In dir liegt alle Hoffnung für deine Brüder in Not.

Du musst sie retten. Doch die Zeit ist kurz, wie der Tod:

Die Zeit fliegt, und bald bringt sie den Tag,

Wo der Name der Hebräer stirbt, ohne Klage, ohne Schlag.

Voll des Feuers der Propheten, geh, hab den Mut,

Sag dem König, wer du bist, in heiliger Glut!


ESTHER

Ach! Kennst du nicht die strengen Gesetze, die hier walten,

Die den König vor den Sterblichen, wie ein Schatten gestalten?

Tief im Palast, in seiner Majestät, so fern,

Ist er für seine Untertanen unsichtbar, wie ein Stern;

Und der Tod ist der Preis für den, der es wagt,

Ohne Ruf zu erscheinen, wenn die Furcht ihn plagte,

Wenn der König im Augenblick, um den Schuldigen zu retten,

Ihm nicht das Zepter reicht, um ihn zu lösen aus Ketten.

Nichts schützt vor diesem Befehl, dem fatalen Schlag,

Weder Rang noch Geschlecht, das den Tod verheißt, jeden Tag.

Ich selbst, auf seinem Thron, an seiner Seite zwar,

Bin diesem Gesetz unterworfen, wie ein jedes Paar;

Und ohne ihn zu warnen, muss ich hoffen und bangen,

Dass er mich sucht, oder mich lässt nach mir verlangen.


MARDOCHAI

Was? Wenn du siehst, wie dein Vaterland im Sterben liegt,

Zählst du für etwas, Esther, das Leben, das dich wiegt!

Gott spricht, und du fürchtest des Sterblichen Groll?

Was sag’ ich? Dein Leben, ist es dein, wie es sein soll?

Ist es nicht dem Blut, aus dem du bist entsprossen?

Ist es nicht Gott, aus dessen Hand es ist geflossen?

Und wer weiß, als er dich auf den Thron hat geführt,

Ob er dich nicht für sein Volk hat, um das Heil zu rühren?


Bedenk’ es wohl: der Gott, der dich hat auserkoren,

Ist nicht für Schau’ und Prunk in Asien verloren,

Nicht, um des Volkes Aug’ mit Tand zu unterhalten,

Nein, seine Heiligen lässt er weit größer walten.

Sich opfern für den Namen, für sein Vermächtnis fein,

Das muss des Kindes wahrer Anteil in Israel sein:

Zu glücklich, wenn du wagst dein Leben für ihn heute!

Was braucht sein Arm wohl gar die Hilfe, die er beute?

Was können gegen ihn der Erde Könige tun?

Vergeblich sie sich einen, um nicht mehr auszuruhn:

Um ihre Liga nun zu sprengen, braucht er nur den Blick;

Er spricht, und in den Staub kehrt ihr verflucht Geschick.

Beim Klang der Stimme flieht das Meer, der Himmel bebt;

Er sieht das Universum, als ob es gar nicht lebt;

Und schwache Sterbliche, nur Spiel des schnellen Tods,

Sind vor ihm wie ein Nichts, in all ihrer Not.


Hat er dem Haman nun die Kühnheit wohl erlaubt,

So wollt’ er wohl, dass sich dein Eifer nun aufschraubt.

Er war es, der mich trieb, dich zu suchen, dir zu nah’n,

Vor mir, geliebte Esther, ist er wohl vorangegan’.

Und wenn sein Wort bei dir soll ungehört verhallen,

Werden wir dennoch seine Wunder sehen fallen.

Er kann den Haman stürzen, kann unsere Ketten brechen,

Durch jede schwache Hand, die wird für uns nun sprechen.

Und du, die diese Gnad’ nicht wollte wohl verstehn,

Wirst, wie dein ganzes Volk, im Untergange gehn.


ESTHER

Geh hin. Dass alle Juden, in Susa weit verstreut,

Tag und Nacht im Gebet, das uns von Not befreit,

Mir leihen ihre Kraft, den Beistand, der uns eint,

Und drei Tage lang fasten, wenn die Sonne uns erscheint.

Schon hat die dunkle Nacht den Lauf nun aufgenommen:

Morgen, wenn die Sonn’ wird wieder zur Ruh’ gekommen,

Bereit zu sterben, wenn mein Schicksal es so will,

Werd’ ich mich opfern für mein Land, im Geiste still.

Man entferne sich für eine kurze Zeit.


(Der Chor zieht sich in den Hintergrund zurück.)



SZENE IV


ESTHER, ELISE, DER CHOR.


ESTHER

O mein souveräner Herr!

Ich stehe zitternd vor dir, das Herz so schwer.

Mein Vater hat mir oft, in meiner Kindheit Lauf,

Gesagt, dass du mit uns ein heil’ges Bündnis nahmst auf,

Als du, um dir ein Volk zu schaffen, ganz nach deiner Wahl,

Uns’re Ahnen einst erwähltest, mit deinem Segenstrahl.

Du hast ihnen versprochen, mit deinem heil’gen Mund,

Dass ihre Nachwelt ewig bleibt, auf diesem Erdenrund.

Ach! Dieses undankbare Volk verachtete dein Gesetz;

Die geliebte Nation verletzte dein Gebet im Netz;

Sie stieß den Gatten ab, den Vater, den sie kannte,

Um and’ren Göttern zu dienen, die man nun nannte.

Jetzt dient sie unter fremdem Herrn, in Knechtschaft und in Not.

Doch Sklave sein ist wenig, nun droht der Henkerstod.

Die stolzen Sieger, die sich höhnisch an uns laben,

Danken ihren Göttern für die Macht, die sie haben,

Und wollen heute noch, durch einen tödlichen Streich,

Deinen Namen auslöschen, dein Volk und dein Reich.

Könnte ein Verräter, nach Wundern, zahlreich und groß,

Die Kraft deiner Prophezeiungen stürzen in den Schoß?

Könnte er der Welt das Liebste rauben, das du gibst,

Den Heiligen, den du versprachst, den du ewig liebst?

Nein, nein, lass nicht zu, dass dieses wilde Volk, das bebt,

Von unserem Blute trunken, die Lippen, die man erhebt,

Die dich im Universum preisen, nun für immer schließt;

Verwirr’ all jene Götter, die keine Kraft genießt!


Für mich, die du bewahrst, in der Fremden dunkler Hand,

Du weißt, wie ich ihr Fest verabscheue im ganzen Land,

Dass ich als Entweihung all ihr Treiben hier empfind’,

Den Tisch, ihr Prassen, das für mich keine Gnade find’.

Dass selbst der Schmuck, den ich muss tragen, schwer und blind,

Das Stirnband, das mich ziert, wie eine fremde Pflicht,

In Einsamkeit und Stille, vor meinem Angesicht,

Ich mit Füßen trete, in meiner Demut Lauf;

Dass ich dem Tand die Asche ziehe lieber auf.

Ich harrte auf den Moment, den dein Wille mir bestimmt,

Um für dein Volk zu kämpfen, bis die Hoffnung wiederimmt.

Der Augenblick ist da: mein Gehorsam, schnell und bereit,

Wird eines Königs Zorn begegnen, in dieser Zeit.

Für dich geh’ ich nun hin. Begleite jeden Schritt

Vor dem stolzen Löwen, der dich nicht kennt, nimm mich mit,

Befiehl ihm, wenn er mich sieht, dass sein Groll sich legt,

Und leih’ meinem Wort einen Charme, der sein Herz bewegt.

Stürme, Winde, Himmel, sie sind dir untertan:

Wende seinen Zorn gegen unsere Feinde an!



SZENE V


(Diese Szene wird gesungen)


DER CHOR

EINE ISRAELITIN

Weint und klagt, ihr treuen Freunde, in dieser Zeit;

Gebt dem Schluchzen freien Lauf, in eurem Leid.

Hebt die Augen zu den heiligen Bergen hinauf,

Wo die Unschuld Hilfe sucht, in ihrem Lauf.

O tödliche Alarme!

Ganz Israel vergeht. Weint, meine Augen, schwer:

Es gab noch nie unter dem Himmel ein mehr

Berechtigtes Motiv für Tränen.


DER GESAMTE CHOR

O tödliche Alarme!


EINE ANDERE ISRAELITIN

War es nicht genug, dass ein abscheulicher Sieger

Sions Pracht zerstörte, wie ein böser Flieger,

Und die Kinder in die Knechtschaft schleppte, weit von hier?


DER GESAMTE CHOR

O tödliche Alarme!


DIESELBE ISRAELITIN

Schwache Lämmer, den wütenden Wölfen nun geweiht,

Sind unsere Seufzer die einzige Waffe, in dieser Zeit.


DER GESAMTE CHOR

O tödliche Alarme!


EINE ISRAELITIN

Reißt ab, zerreißt all diesen eitlen Tand,

Der unser Haupt so schmückt, mit falscher Hand.


EINE ANDERE

Hüllen wir uns in Kleider, schlicht und leer,

Gemäß dem schrecklichen Fest, das uns nun wird schwer,

Das der gottlose Haman uns bereitet als Heer.


DER GESAMTE CHOR

Reißt ab, zerreißt all diesen eitlen Tand,

Der unser Haupt so schmückt, mit falscher Hand.


EINE ISRAELITIN

Welch Schlachten überall!

Man mordet die Kinder, die Greise, in lautem Schall,

Die Schwester, den Bruder, das Mädchen, die Mutter,

Der Sohn in den Armen des Vaters, in wütender Futter.

Wie viele Leichen liegen da! Glieder, weit verstreut,

Ohne Grab, ohne Ruh’, in der Dunkelheit!

Großer Gott! Deine Heiligen sind nun das Mahl

Von Tigern und Leoparden, im grausamen Tal.


EINE DER JÜNGSTEN ISRAELITINNEN

Ach! So jung noch, in dieser Welt der Pein,

Welches Verbrechen führte mich in dieses Sein?

Mein Leben begann kaum, wie die Blüte am Baum,

Ich falle wie die Blume, in einem kurzen Traum,

Die nur ein Morgenlicht sah.

Ach! So jung noch, in dieser Welt der Pein,

Welches Verbrechen führte mich in dieses Sein?


EINE ANDERE

Unglückliche Opfer für anderer Schuld,

Was nützen uns Klagen, bei des Schicksals Huld?

Unsere Väter sündigten, sie sind nun nicht mehr,

Und wir tragen die Strafe, das Schicksal so schwer.


DER GESAMTE CHOR

Der Gott, den wir dienen, ist der Gott der Schlacht.

Nein, nein, er wird nicht dulden diese Macht,

Dass man so schlachtet die Unschuld mit Bedacht.


EINE ISRAELITIN

Wie? Würde die Gottlosigkeit nun sagen:

Wo ist denn dieser Gott, von dem wir wagten zu klagen,

Dessen Macht Israel uns pries in all den Tagen?


EINE ANDERE

Dieser eifersücht’ge Gott, dieser Sieger, so groß,

Erschüttert euch, ihr Völker, im Schoß!

Dieser eifersücht’ge Gott, dieser Sieger, so groß,

Ist der Einzige, der regiert das Himmelslos.

Weder Blitze noch Donner, die ihr nennt,

Gehorchen euren Göttern, die ihr nur aus Lüge kennt.


EINE ANDERE

Er stürzt den Stolzen, mit einem Schlag.


EINE ANDERE

Er nimmt den Demüt’gen unter sein Dach am Tag.


DER GESAMTE CHOR

Der Gott, den wir dienen, ist der Gott der Schlacht.

Nein, nein, er wird nicht dulden diese Macht,

Dass man so schlachtet die Unschuld mit Bedacht.


ZWEI ISRAELITEN

O Gott, von dem der Ruhm umwunden,

Gott, den das Licht uns hat gefunden,

Der auf der Winde Schwingen eilt,

Und dessen Thron bei Engeln weilt!


ZWEI ANDERE DER JÜNGSTEN

Gott, der du willst, dass kleine Kinder,

Dir Lieder singen, sanft und linder!


DER GESAMTE CHOR

Du siehst, wie die Gefahr uns drängt:

Gib deinem Namen Sieg und Licht;

Dass nicht dein Ruhm, der Hoffnung bringt,

Bei fremden Göttern nun zerbricht.


EINE ISRAELITIN

Waffne dich, komm, uns zu befreien,

Wie einst, als Meere vor dir schreien.

Lass heute doch die Frevler spüren,

Dass sie dein Zorn muss nun entführen.

Sie seien wie der Staub, der Stroh im Wind,

Das vor dem Hauch des Sturms zerrinnt.


DER GESAMTE CHOR

Du siehst, wie die Gefahr uns drängt:

Gib deinem Namen Sieg und Licht;

Dass nicht dein Ruhm, der Hoffnung bringt,

Bei fremden Göttern nun zerbricht.




ZWEITER AKT


(Das Theater stellt das Gemach dar, in dem sich der Thron des Ahasverus befindet.)



SZENE I.


HAMAN, HYDASPE.


HAMAN

Was? Da der Tag erst eben seine Glut entfacht,

Wagst du mich hier zu führen, in dieser dunklen Pracht?


HYDASPE

Ihr wisst, dass man sich auf meine Treue stützt,

Dass nur mein Wort, mein Herr, die Tore hier schützt.

Kommt. Überall sonst könnte man uns hören.


HAMAN

Welch Geheimnis ist’s, das du willst mich nun lehren?


HYDASPE

Mein Herr, durch Eure Gunst tausendmal geehrt,

Ich weiß, dass ich Euch stets die Treue habe beschwört,

Euch offen zu berichten, mit Worten aufrichtig,

Was dieser Palast verbirgt, was geheim und wichtig.

Der König scheint in schwarzen Kummer ganz verhüllt.

Ein Schrecktraum hat ihn heut’ Nacht wohl erfüllt.

Während alles in friedlichem Schweigen noch ruhte,

Ertönte sein Schrei, voll von ängstlichem Blute.

Ich eilte. Er sprach wirr, in einer fremden Weise.

Er klagte über Gefahr, in steter, banger Reise:

Er sprach von Feinden, von Räubern, so wild;

Sogar der Name „Esther“ war sein Schreckensbild.

Er hat in diesen Ängsten die ganze Nacht verbracht.

Endlich, den Schlaf suchend, der ihn bewacht,

Um jene Bilder fernzuhalten, die ihn quälen,

Ließ er die Annalen bringen, um das Reich zu zählen,

Wo seines Lebens Taten, mit Sorge und mit Fleiß,

Von treuen Händen geschrieben, sind der Zeiten Beweis.

Man bewahrt dort den Dienst wie auch den Verrat,

Ewige Monumente der Rache und der Tat.

Der König, den ich ruhiger nun im Bette ließ,

Hört aufmerksam zu, was man ihm vorgelesen hieß.


HAMAN

Welche Zeit seines Lebens hat er sich erkoren?


HYDASPE

Er sieht die Zeiten wieder, in Ruhm ganz verloren,

Seit jenem Tag, da auf dem Thron von Cyrus’ Hand,

Das Los den Ahasverus brachte, im persischen Land.


HAMAN

Dieser Traum, Hydaspe, entstammte er seinem Geist?


HYDASPE

Unter all den Sehern, die man in Chaldäa preist,

Hat er die Besten alle zu sich nun berufen,

Die wissen, was die Sterne uns sagen auf den Stufen.

Doch welches Beben heute Euch in der Seele brennt?

Eure Seele, die mich hört, die ihre Ruhe nicht kennt.

Hat der glückliche Haman geheime Nöte und Pein?


HAMAN

Kannst du das fragen, da ich bin, wo ich darf sein?

Gehasst, gefürchtet, beneidet, oft elender sogar,

Als all die Unglücklichen, die mein Zorn nahm in Gefahr?


HYDASPE

Wer sah je vom Himmel einen sanfteren Blick?

Das Universum beugt sich vor Euch, Stück für Stück.


HAMAN

Das Universum? Täglich ein Mann... ein Sklave nur,

Spottet meiner Kühnheit, in seiner harten Spur.


HYDASPE

Wer ist dieser Feind des Staates und des Königs wohl?


HAMAN

Ist dir der Name Mardochai, den man kennt, nicht hohl?


HYDASPE

Wie? Jener Anführer der abscheulichen Brut, der Ruchlosen?


HAMAN

Ja, er selbst.


HYDASPE

Mein Herr! Kann ein so schwacher Feind

Den Frieden stören, der Euch doch wohl sonst scheint?


HAMAN

Der Unverschämte vor mir sich nie niederbeugt.

Vergeblich, wenn die Gunst, die sich dem König zeigt,

Sich kniend beugt, mit Ehrfurcht und mit Zier;

Wenn alle Perser, von heiligem Respekt hier,

Nicht wagen das Haupt zu heben, den Boden nur sehen,

Bleibt er stolz sitzen, sein Haupt wird nie vergehen.

Er nennt all diese Ehre nur knechtische Gier,

Zeigt mir ein Gesicht, trotzig, wie ein Stier,

Und würdigt es nicht, den Blick zu senken gar.

Vor des Palastes Pforte, er lauert wunderbar:

Egal wann ich eintrete, Hydaspe, wann ich geh’,

Sein hasserfüllter Blick mich trifft, im tiefen Weh;

Mein Geist sieht ihn noch nachts, in meiner dunklen Ruh’.

Heute Morgen, vor dem Licht, schritt ich auf ihn zu:

Ich fand ihn in Staub gehüllt, in Lumpen, bleich und schwer;

Doch sein Auge unter der Asche glänzte noch so sehr.

Woher nimmt er, mein Freund, diese freche Macht?

Du, der du alles siehst, was im Palast erwacht,

Glaubst du, dass eine Stimme für ihn spricht?

Auf welchem schwachen Strohhalm baut er sein Licht?


HYDASPE

Mein Herr, Ihr wisst, sein weiser Rat hat einst,

Thares’ Komplott entdeckt, das Ihr wohl sicher meint.

Der König versprach, ihn zu belohnen mit Gold.

Doch seither scheint er ihm nicht mehr zu sein hold.


HAMAN

Nein, man muss die Maske nun endlich ablegen.

Ich wusste meinem Schicksal Gerechtigkeit entgegenzulegen.

Als Kind in persische Hände einst gebracht,

Regiere ich das Reich, das mich hat groß gemacht.

Mein Reichtum gleicht den Königen, an Pracht und Gut.

Umgeben von Kindern, die meine Macht schüren mit Mut,

Fehlt meinem Haupt nur das königliche Band.

Doch (welche Blindheit, die man beim Menschen fand!)

Von diesem ganzen Glanz, die Süße ist so klein,

Sie berührt mein Herz kaum, lässt mich nicht sein.

Doch Mardochai, sitzend an des Palastes Tor,

Stößt mir tausend Dolche in das Herz empor;

Meine Größe ist schal, wird bitter und öd,

Während die Sonne scheint auf diesen Verräter, so blöd.


HYDASPE

Ihr werdet in zehn Tagen von seinem Anblick sein frei:

Die ganze Nation ist den Geiern nun einerlei.


HAMAN

Ah! Wie lang ist die Zeit, bis die Rache erwacht!

Ich will dir vertrauen, die Rache, die er sich selbst hat gemacht.

Er, der sich weigert, vor mir sich zu beugen,

Hat sein Volk geliefert, um seinen Untergang zu zeugen.

Ein solches Opfer war mir noch viel zu klein:

Die Rache, zu schwach, zieht neues Verbrechen mit ein.

Ein Mann wie Haman, wenn man ihn reizt mit List,

Kann in seinem Zorn nicht halten, was er vergisst.

Man braucht Strafen, bei denen die Welt nur erbebt;

Dass man zittert, wenn man das Maß der Strafe erhebt;

Dass ganze Völker im Blut versinken nun.

Ich will, dass man dereinst wird kundig tun:

„Es gab Juden, eine stolze, insolente Brut;

Verbreitet auf der Erde, voll von ihrem Übermut.

Einer nur wagte, Haman zu erzürnen mit List,

Und plötzlich verschwanden sie, wie der Nebel, der vergisst.“


HYDASPE

Ist es also nicht, mein Herr, das Blut Amaleks,

Das Euch im Geheimen treibt, zu stoppen ihren Reflex?


HAMAN

Ich weiß, dass ich abstamme von diesem unglücksel’gen Blut,

Dass ewiger Hass mich waffnete mit Wut,

Dass sie Amalek einst schlachteten im Krieg,

Dass alles verging, auch das Vieh, für ihren Sieg,

Dass kaum ein Rest blieb, den man konnte retten.

Doch, glaub mir, in meinem Rang, in meinen Ketten,

Ist meine Seele ganz an meine Größe nur gebunden,

Des Blutes Interessen sind nur schwach empfunden.

Mardochai ist schuldig; was braucht es mehr?

Ich täuschte also den Ahasverus, gegen sie so sehr:

Ich erfand Gründe, die Verleumdung mein Wort;

Ich rührte seinen Ruhm an, er fürchtete für seinen Ort.

Ich malte sie mächtig, reich und aufrührerisch,

Ihr Gott gar feindlich, auf dem königlichen Tisch.

„Wie lange duldet Ihr, dass dieses Volk noch atmet,

Und mit fremdem Kult Euer Reich so sehr verdammt?

Fremde in Persien, gegen unser Gesetz,

Von der Menschheit getrennt, in ihrem Netz,

Wollen sie nur stören den Frieden, den wir haben,

Und hassen alle Menschen, in ihrem stolzen Graben.

Haltet sie auf, bestraft ihre Insolenz!

Mit ihrem Besitztum mehrt Eure Frequenz!“

Ich sprach, man glaubte mir. Der König, sofort,

Gab mir das Siegel, in diesem Augenblick, an Ort.

„Sichere“, sprach er, „den Frieden für deinen König;

Geh, vernichte sie, ihr Besitz sei dein, ganz wenig.“

Die ganze Nation war so zum Tode geweiht.

Ich regelte das Gemetzel, für die kommende Zeit.

Doch das Leben des Verräters, noch aufgeschoben,

Lässt mein Herz leiden, in den Sorgen verhoben.

Eine Unruhe verdirbt mir die Freude so sehr.

Warum muss ich ihn noch zehn Tage sehen, so schwer?


HYDASPE

Und könnt Ihr ihn nicht mit einem Wort nun tilgen?

Sagt dem König, mein Herr, er möge Euch ihn nun vergelgen.


HAMAN

Ich warte nur den Moment ab, der mir günstig scheint.

Du kennst wie ich diesen Fürsten, der das Schicksal meint.

Du weißt, wie schrecklich in seinem plötzlichen Zorn,

Er oft bricht unsere Pläne, mit ungestümer Dorn.

Doch meine Furcht ist zu fein, mich nur zu quälen:

Mardochai ist in seinen Augen zu arm, um ihn zu wählen.


HYDASPE

Was zögert Ihr? Geht, und baut nun unverweilt,

Das Instrument seines Todes, das ihn nun ereilt.


HAMAN

Ich höre Lärm; ich gehe.

Wenn der König mich ruft...


HYDASPE

Genug.



SZENE II.


AHASVERUS, HYDASPE, ASAPH, GEFOLGE DES KÖNIGS.


AHASVERUS

So also, ohne diesen treuen Rat hier,

Mordeten zwei Verräter ihren König, im Bette schier?

Lasst mich allein, und nur Asaph bleibe bei mir.



SZENE III.


AHASVERUS, ASAPH.


(Ahasverus sitzt auf seinem Thron)


AHASVERUS

Ich muss es gestehen: von diesem perfiden Paar

Hatte ich fast vergessen, wie ihr Mordversuch war;

Und ich erblasste zweimal beim schrecklichen Bericht,

Der das Bild ihrer Tat mir wieder brachte ins Licht.

Ich sehe, welch Erfolg auf ihren Zorn nun folgte,

Und dass im Qual sie starben, als man sie endlich zollte.

Doch dieser eifrige Untertan, mit dem wachen Blick,

Der den Faden entwirrte, in jenem dunklen Geschick,

Der mir die Hand zeigte, die gegen mich sich hob,

Durch den Persien gerettet wurde, mit Lob:

Welch Ehre für seine Treue, welchen Preis empfing er nun?


ASAPH

Man versprach ihm viel; das ist, was ich weiß von seinem Tun.


AHASVERUS

O des zu sehr verdammten Vergessens so großer Tat!

Unvermeidbare Folge, wenn man den Thron nur hat!

Ein Fürst, von stürmischen Sorgen ringsum umgeben,

Wird ständig zu neuen Objekten getrieben im Leben;

Die Zukunft beunruhigt ihn, die Gegenwart schlägt ihn zu,

Doch schneller als der Blitz, entflieht uns die Ruh’;

Und von so vielen Sterblichen, die eifrig nur streben,

Uns ihre Dienste zu zeigen, um sich zu erheben,

Findet sich keiner, der mit wahrem Eifer erfüllt,

Treues Interesse zeigt, das sich nicht in Egoismus hüllt,

Der uns an verdiente, vergessene Menschen erinnert;

Zu schnell sind sie bereit, wo nur Strafe sich zimmert.

Ach! Lieber möge das Unrecht meiner Rache entfliehen,

Als dass eine so seltene Wohltat mich lässt ziehen!

Wer würde sich je opfern für seinen König nun?

Dieser Sterbliche, der so viel Eifer ließ tun,

Lebt er noch?


ASAPH

Er sieht das Gestirn, das auch Euch noch bescheint.


AHASVERUS

Warum hat er nicht früher seinen Lohn wohl verneint?

Welch fernes Land hielt ihn fern von meiner Hand?


ASAPH

Meist sitzt er am Tor, im palastnahen Land,

Ohne sich über Euch oder sein Schicksal zu beklagen,

Schleppt er dort sein Leben, in unglückseligen Tagen.


AHASVERUS

Ich muss umso mehr die Tugend wohl ehren,

Da sie selbst sich vergisst. Wie heißt er, bei den Heeren?


ASAPH

Mardochai ist der Name, den ich Euch las hier vor.


AHASVERUS

Und sein Land?


ASAPH

Mein Herr, da ich es sagen muss vor Eurem Ohr,

Er ist einer der Gefangenen, zum Tode bestimmt,

Vom Ufer des Jordans, den der Euphrat nun nimmt.


AHASVERUS

Er ist also Jude? O Himmel! In dem Moment, da das Leben

Mir von meinen Untertanen sollte werden entrissen, ergeben,

Macht ein Jude durch seine Sorge ihre Mühe zunichte?

Ein Jude hat mich bewahrt vor der Perser schlechte Geschichte?

Doch da er mich rettete, egal, wer er sei!

He! Jemand!



SZENE IV.


AHASVERUS, HYDASPE, ASAPH.


HYDASPE

Mein Herr.


AHASVERUS

Schau an jener Tür.

Sieh, ob ein Großer meines Hofes steht nun hier.


HYDASPE

Haman ist schon vor dem Licht an Eurer Tür.


AHASVERUS

Er trete ein. Sein Rat wird mich wohl klären schier.



SZENE V.


AHASVERUS, HAMAN, HYDASPE, ASAPH.


AHASVERUS

Tritt näher, glückliche Stütze meines Throns, mein Gebot,

Seele meiner Ratschläge, die mir half oft aus der Not,

Der du des Zepters Last hast erleichtert so oft.

Ein Vorwurf bedrückt mein Herz, das nun auf dich hofft.

Ich weiß, wie rein der Eifer ist, der dich entflammt:

Die Lüge ist ein Wort, das niemals aus deinem Munde stammt,

Und mein Interesse ist das einzige Ziel, das du kennst.

Sag mir also: was soll ein Fürst tun, der sich nennt

Großmütig, um zu belohnen einen Untertan, den er schätzt?

Durch welches Zeichen wird der Stolz des Königs ersetzt?

Grenze nicht ein meine Anerkennung, mein Wort.

Miss deinen Rat an meiner Macht, an jenem Ort.


HAMAN

(leise)

Für dich selbst, Haman, wirst du nun sprechen;

Und wen sonst könnte man belohnen, ohne zu brechen?


AHASVERUS

Was denkst du?


HAMAN

Mein Herr, ich suche, ich erwäge,

Der persischen Monarchen Sittlichkeit und Wege.

Doch vergeblich rufe ich sie mir ins Gedächtnis zurück:

Wer sind sie neben Euch, für Euer großes Glück?

Eure Herrschaft muss der Enkel Modell wohl sein.

Ihr wollt eines Untertanen Eifer ehren, fein.

Nur die Ehre kann einen edlen Geist wohl beglücken;

Ich möchte also, mein Herr, dass dieser Sterbliche, mit Entzücken,

Mit Purpur geschmückt, so wie Ihr selbst nun steht,

Und das heilige Diadem auf dem Haupt, das nie vergeht,

Auf einem Eurer Rösser, prächtig geschmückt,

Durch Susa ziehe, von allen mit Ehrfurcht beglückt;

Dass als Krönung der Pracht und der hohen Macht,

Ein Herr, edel und reich, in Eurer Pracht vollbracht,

Ja, der Erste nach Euch, in Eurem ganzen Reich,

Sein stolzes Ross führe, dem Diener so gleich;

Und er selbst, in prächtige Gewänder eingehüllt,

Laut rufe auf den Plätzen, was das Volk erfüllt:

„Sterbliche, werft euch nieder: So ehrt der König wohl,

Den wahren Verdienst, den Treue ihm bringen soll.“


AHASVERUS

Ich sehe, die Weisheit selbst leitet dich wohl.

Mein Wille stimmt mit deiner Meinung, in jedem Pol.

Geh, verliere keine Zeit. Was du mir hast diktiert,

Will ich, dass es Punkt für Punkt wird ausgeführt.

Die Tugend im Vergessen bleibt nun nicht mehr verborgen.

Am Palasttor nimm den Juden Mardochai für morgen:

Ihn ist es, den ich ehren will, an diesem Tag.

Ordne seinen Triumph an, sei der Erste, der ihn tragen mag.

Susa soll von seinem Namen tönen, durch deine Stimme,

Und dass vor seinem Anblick jedes Knie beuge sich, in Grimme.

Geht alle.


HAMAN

Götter!



SZENE VI.


AHASVERUS, allein.


Der Preis ist zweifellos einmalig und groß:

Nie genoss ein Untertan ein solch glückliches Los.

Doch je größer die Belohnung, je herrlicher das Licht,

Desto abscheulicher ist des Juden Rasse im Gericht,

Desto sicherer mein Leben, und desto klarer mein Schein,

Wie Ahasverus fürchtet, undankbar zu sein.

Man wird das Unschuldige vom Schuldigen nun unterscheiden.

Ich werde dennoch jenes Volk nicht leiden.

Ihre Verbrechen...




SZENE VII.


AHASVERUS, ESTHER, ELISE, THAMAR, EIN TEIL DES CHORS.


(Esther tritt ein, gestützt von Elise; vier Israelitinnen halten ihr Kleid.)


AHASVERUS

Ohne Befehl von mir wagt man sich hierher nun?

Welch frecher Sterblicher sucht den Tod beim Tun?

Wachen... Ist das Esther? Wie? Ohne mein Geheiß?

yyy

ESTHER

Meine Töchter, stützt die Königin, ihr weiß...

Ich sterbe. (Sie fällt in Ohnmacht)


AHASVERUS

Mächtige Götter! Welch seltsame Blässe,

Die urplötzlich raubt die Farbe der Nässe?

Esther, was fürchtet Ihr? Bin ich nicht Euer Bruder?

Ist solch ein strenger Befehl etwa Euer Ruder?

Lebt! Das gold’ne Zepter, das diese Hand Euch reicht,

Ist für Euch ein Zeichen, das meine Milde zeigt.


ESTHER

Welch rettende Stimme befiehlt mir zu leben,

Und lässt meinen Geist in mir wieder beben?


AHASVERUS

Erkennt Ihr nicht die Stimme Eures Gatten nun?

Noch einmal, lebt! Kommt zu Euch, bei meinem Tun.


ESTHER

Mein Herr, ich habe nie mit Angst nur betrachtet,

Die erhabene Macht, die auf Eurer Stirn erwachte:

Urteilt, wie sehr dieses Haupt, gegen mich erregt,

In meiner erschütterten Seele Angst hat aufgeprägt.

Auf diesem heil’gen Thron, vom Blitzstrahl umgeben,

Glaubt’ ich Euch bereit, mir zu nehmen das Leben.

Ach! Ohne zu beben, welch kühnes Herz wohl wagt,

Den Blitz aus Euren Augen, der mich sonst beklagt?

So sprüht des lebend’gen Gottes Zorn...


AHASVERUS

O Sonne! O Fackeln von unsterblichem Licht!

Ich selbst bin verstört, ohne Beben ist es nicht,

Zu sehen ihren Schmerz, ihr Erschrecken so schwer.

Beruhigt Euch, Königin, die Furcht falle ins Meer!

Des AHASVERUS Herz, Eure souveräne Macht,

Prüft nur seine Freundschaft, die Euch stets bewacht:

Soll ich Euch die Hälfte meiner Staaten wohl geben?


ESTHER

He! Kann es sein, dass ein König, den die Erde muss erleben,

Vor dem sich alles beugt, den Staub küsst im Lauf,

Auf seine Sklavin blickt, so ruhig, im Kauf,

Und mir bietet die Macht, über sein Herz zu gebieten?


AHASVERUS

Glaubt mir, liebe Esther, das Zepter, das Reich,

Und all die tiefen Ehrfurchten, denen nichts ist gleich,

Mischen in ihren Prunk wenig Süße nur ein,

Und ermüden oft den Besitzer, in seinem Pein.

Ich finde nur in Euch eine Gnade so rein,

Die mich immer bezaubert, nie lässt mich allein.

Der Tugend süße und mächtige Reize, so klar!

Alles atmet in Esther Unschuld, wunderbar.

Dem schwarzen Kummer nimmt sie die Schatten fort,

Macht aus meinen finst’ren Tagen den sonnigen Ort.

Was sag’ ich? Auf diesem Thron, bei Euch nun sitzend,

Fürchte ich der Sterne Zorn weniger, wohl blitzend,

Und glaube, dass Eure Stirn meinem Diadem verleiht,

Einen Glanz, der es selbst vor Göttern respektvoll befreit.

Wagt also zu antworten, verbergt mir nicht nun,

Welch wichtige Sache lässt Euch hierbei tun.

Welch Interesse, welche Sorge presst Euch das Herz?

Ich sehe, beim Hören, Eure Augen gen Himmel, im Schmerz.

Sprecht: Der Erfolg ist gewiss, für Eure Begier,

Wenn dieser Erfolg hängt an einer Hand, hier.


ESTHER

O Güte, die mich ehrt, und die Sicherheit mir gibt!

Ein dringendes Interesse will, dass Ihr mein Flehen liebt.

Ich erwarte mein Unglück oder mein Glück nun;

Alles hängt, mein Herr, von Eurem Willen bei meinem Tun.

Ein Wort Eures Mundes, mein Leiden zu beenden,

Kann Esther zur glücklichsten der Königinnen wenden.


AHASVERUS

Ah! Wie Ihr meine neugierige Begier entflammt!


ESTHER

Mein Herr, wenn ich Gnade fand, bei dem, was Ihr verdammt,

Wenn Ihr jemals meinen Wünschen wart günstig gesinnt,

Erlaubt vor allem, dass Esther bei Tische gewinnt:

Empfangt heute Euren souveränen Herrn,

Und HAMAN sei zugelassen, zu diesem Fest so fern.

Ich wage vor ihm, das große Schweigen zu brechen,

Und brauche seine Nähe, um für mich zu sprechen.


AHASVERUS

In welche Unruhe, Esther, versetzt Ihr mich nun!

Doch sei es getan, wie Ihr wollt es tun.

(Zu seinem Gefolge)

Ihr, lasst HAMAN rufen; man soll ihn verstehen:

Dass er bei der Königin Gast ist, er soll zu ihr gehen.


HYDASPE

Die weisen Chaldäer, von Euch herbeigerufen,

Sind in diesem Zimmer versammelt, auf Euren Stufen.


AHASVERUS

Prinzessin, ein seltsamer Traum beschäftigt mein Denken.

Ihr selbst seid daran interessiert, ihr sollt Euer Ohr lenken.

Kommt, hinter einem Schleier lauscht ihrem Wort,

Leiht mir Eure Klarheit, an jenem Ort.

Ich fürchte für Euch, für mich, einen Feind, einen Verräter.


ESTHER

Folge mir, Thamar. Und ihr, junge Gruppe, ein Später,

Ohne die Blicke eines profanen Hofes zu scheuen,

Erwartet im Schutz dieses Throns, mich zu erfreuen.


SZENE VIII.

(Diese Szene ist teilweise gesprochen, teilweise gesungen.)


ELISE, TEIL DES CHORS.

ELISE

Was denkt ihr, meine Schwestern, vom Stand, den wir haben?

Werden Esther oder HAMAN sich wohl laben?

Ist es Gott, sind es Menschen, die hier walten,

Deren Werke sich nun werden gestalten?

Ihr habt gesehen, welch brennender Zorn,

Das Gesicht des Königs entflammte, mit Dorn.


EINE ISRAELITIN

Von den Blitzen seiner Augen war das Auge geblendet.


EINE ANDERE

Und seine Stimme schien wie ein Donner, geendet.


ELISE

Wie konnte dieser Zorn, so schrecklich im Lauf,

In einem Moment sich lösen, im freien Kauf?


EINE ISRAELITIN (singt)

Ein Moment hat diesen unbeugsamen Mut gewandelt.

Der brüllende Löwe ist ein Lamm, das sanft handelt.

Gott, unser Gott, hat sicher in sein Herz gegossen,

Diesen Geist der Milde, der nun ist geflossen.


DER CHOR (singt)

Gott, unser Gott, hat sicher in sein Herz gegossen,

Diesen Geist der Milde, der nun ist geflossen.


DIESELBE ISRAELITIN (singt)

Wie ein folgsamer Bach,

Der der Hand gehorcht, die ihn lenkt, im Dach,

Und die Wasser teilt, in seinem Lauf,

Ein ganzes Feld fruchtbar machend, im Kauf,

Gott, der Wille, der souverän uns lenkt,

Das Herz der Könige ist in deiner Hand, uns geschenkt.


ELISE

Ah! Dass ich fürchte, Schwestern, die unheilvollen Wolken,

Die dieses Fürsten Augen trüben, im Sorgen-Verfolgen!

Wie ist er geblendet von der Anbetung seiner Götter!


EINE ISRAELITIN

Er bezeugt nur ihre Namen, die abscheulichen Wetter.


EINE ANDERE

Vor den leblosen Lichtern, die den Himmel schmücken,

Bringt er profane Huldigung, mit bitt’ren Entzücken.


EINE ANDERE

Sein ganzer Palast ist voll von ihren Bildern.


DER CHOR (singt)

Unglückliche! Ihr verlasst den Meister der Menschen,

Um das Werk Eurer Hände anzubeten, in Schanzen.


EINE ISRAELITIN (singt)

Gott Israels, vertreibe endlich diesen Schatten:

Wann wirst du gerührt von den Tränen deiner Heiligen, in Ratten?

Wann wird der Schleier weggerissen,

Der das Universum in Nacht lässt missen?

Gott Israels, vertreibe endlich diesen Schatten:

Wie lange bleibst du verborgen in den Matten?


EINE DER JÜNGSTEN ISRAELITINNEN

Sprechen wir leiser, Schwestern. Himmel! Wenn ein Ungläubiger,

Uns belauscht, uns verrät, wie ein feindlicher Sieger?


ELISE

Was? Tochter Abrahams, eine sterbliche Furcht

Scheint dich schon wanken zu lassen, in deiner Sucht?

He! Wenn der gottlose HAMAN, in seiner mörderischen Hand

Ein drohendes Schwert schwingt, im Land,

Um den Namen des Allmächtigen zu lästern,

Eure timide Zunge will zwingen, in diesen Western?


EINE ANDERE ISRAELITIN

Vielleicht wird AHASVERUS, vor Zorn bebend,

Wenn wir nicht die Knie beugen, im Leben,

Vor einem stummen Götzenbild,

Befehlen, dass man uns opfert, so wild.

Liebe Schwester, was wählst du nun?


DIE JUNGE ISRAELITIN

Ich! Ich könnte den Gott verraten, den ich liebe?

Einen Gott anbeten, ohne Kraft und ohne Triebe,

Der nur ein Baumstumpf ist, vom Winde schwer gefällt,

Der sich selbst nicht retten kann in dieser Welt?


DER CHOR (singt)

Ohnmächtige Götter, taube Götter, wer euch auch fleht,

Wird niemals erhört, wenn das Gebet vergeht.

Mögen die Dämonen, und die, die sie verehren,

Für immer vernichtet sein und sich verzehren.


EINE ISRAELITIN (singt)

Mein Mund und mein Herz, und alles, was ich bin,

Geben dem Gott die Ehre, der mir das Leben gab im Sinn!

In Ängsten, in Sorgen, in der Not,

Vertraut meine Seele auf seine Güte, bis in den Tod.

Will er, dass ich ihn durch meinen Tod verherrliche?

Mein Mund und mein Herz, alles, was ich bin, richte ich auf ihn.


ELISE

Ich bewunderte nie den Ruhm des Gottlosen.


EINE ANDERE ISRAELITIN

Auf das Glück des Bösen mag ein anderer hoffen.


ELISE

All seine Tage erscheinen uns bezaubernd und fein;

Das Gold glänzt in seinen Kleidern, im hellen Schein;

Sein Stolz ist grenzenlos, wie sein Reichtum groß;

Die Luft ist nie getrübt von seinem Jammer-Los;

Er schläft ein, er erwacht zum Klang der Instrumente;

Sein Herz schwimmt in der Weichheit, am Ende.


EINE ANDERE ISRAELITIN

Zur Krönung seines Wohlstands, in reichem Lauf,

Hofft er in seiner Nachkommenschaft wieder auf;

Und eine lachende Schar von Kindern an seinem Tisch,

Scheint mit ihm den Becher zu leeren, froh und frisch.


(Alles Weitere wird gesungen)


DER CHOR

Glücklich, sagt man, sei das blühende Volk,

Auf das diese Güter fließen in Hülle und Fülle!

Glücklicher sei das unschuldige Volk,

Das im Gott des Himmels sein Vertrauen stille!


EINE ISRAELITIN (allein)

Um seine frivolen Wünsche zu stillen,

Verzehrt sich der törichte Mensch, mit seinem Willen;

Er findet die Bitterkeit,

Mitten in der Lust der Zeit.


EINE ANDERE (allein)

Das Glück des Gottlosen ist immer erregt;

Er irrt am Rande seiner eigenen Wankelmütigkeit.

Suchen wir die Glückseligkeit,

Nur im Frieden der Unschuld, der uns bewegt.


DIESELBE mit einer anderen

O süßer Friede! O ewiges Licht!

Schönheit, die niemals bricht!

Glücklich das Herz, das von deinen Reizen erbebt!

O süßer Friede! O ewiges Licht!

Glücklich das Herz, das dich niemals verlegt!


DER CHOR

O süßer Friede! O ewiges Licht!

Schönheit, die niemals bricht!

O süßer Friede!

Glücklich das Herz, das dich niemals verlegt!


DIESELBE (allein)

Kein Friede für den Gottlosen. Er sucht ihn, er flieht,

Und die Ruhe in seinem Herzen findet keinen Platz im Lied.

Das Schwert draußen verfolgt ihn mit Macht;

Die Reue innen macht ihn kalt, in der Nacht.


EINE ANDERE

Der Ruhm der Bösen erlischt in einem Moment.

Das schreckliche Grab verschlingt sie, das niemand kennt.

Doch nicht so bei dem, der dich fürchtet und ehrt:

Er wird wiedergeboren, mein Gott, heller als die Morgenröte, die uns nährt.


DER CHOR

O süßer Friede!

Glücklich das Herz, das dich niemals verlegt!


ELISE (ohne zu singen)

Meine Schwestern, ich höre Lärm im nächsten Gemach.

Man ruft uns: Lasst uns folgen, unserer Königin nach.


DRITTER AKT

(Das Theater stellt Esthers Garten dar, und eine Seite des Salons, wo das Fest stattfindet.)


SZENE I.

HAMAN, SARES.


SARES

Dies ist also Esthers prächtiger Garten, mein Herr;

Und dieser prunkvolle Salon ist der Ort, wo wir nun kehren her.

Doch während die Pforte noch geschlossen uns hält,

Hört den Rat einer Ehefrau, die um Euer Wohl sich stellt.

Beim Namen des heiligen Bandes, das uns bindet zusammen,

Verbergt, mein Herr, diesen blinden Zorn, diese Flammen;

Klärt diese Stirn auf, auf der Traurigkeit steht;

Die Könige fürchten vor allem den Vorwurf, wenn er weht.

Einzig unter den Großen von der Königin geladen,

Fühlt also auch dieses Glück, ohne Schaden.

Wenn das Übel Euch verbittert, lasst Euch von der Wohltat rühren.

Ich habe es hundertmal aus Eurem Munde müssen spüren:

Wer nicht weiß, eine Beleidigung zu verschlingen,

Noch mit falschen Farben sein Gesicht zu bezwingen,

Der meide den Blick der Könige, der fliehe geschwind.

Es gibt Rückschläge, die ein Weiser ertragen muss, wie der Wind.

Oft hat mit Klugheit ein ertragener Verrat,

Zu den höchsten Ehren gedient, als Stufen-Pfad.


HAMAN

O Schmerz! O Qual, schrecklich für den Geist!

O Schande, die niemals gelöscht werden kann, wenn sie reißt!

Ein abscheulicher Jude, die Schande der Menschen,

Hat sich also von meinen Händen in Purpur eingehüllt in Schanzen!

Es ist wenig, dass er über mich den Sieg errang;

Unglücklich habe ich seiner Glorie gedient, mit Gesang.

Der Verräter! Er beleidigte meine Verwirrung;

Und das ganze Volk, mit Spott und Irrung,

Beobachtete das Rot, das mein Gesicht bedeckte,

Und zog das Vorzeichen meines Sturzes, das es entdeckte.

Grausamer König! Das sind die Spiele, die dir gefallen.

Du hast mir deine falschen Wohltaten nur lassen wallen,

Um mich deine Tyrannei besser spüren zu lassen,

Und mich endlich mit mehr Ignominie zu erfassen.


SARES

Warum so schlecht seine Absicht beurteilen?

Er glaubt, eine gute Tat zu belohnen, in seinen Zeilen.

Muss man sich nicht, mein Herr, im Gegenteil wundern,

Dass er so lange zögerte, den Lohn zu bekunden?

Übrigens hat er nichts getan als auf Euren Rat.

Ihr selbst habt diktiert diesen ganzen traurigen Apparat.

Ihr seid nach ihm der Erste im Reich.

Weiß er von dem Grauen, das der Jude Euch macht gleich?


HAMAN

Er weiß, dass er mir alles verdankt, und für seine Größe

Habe ich mit Füßen getreten Reue, Furcht und Blöße;

Dass ich mit einem Herzen aus Erz, seine Macht ausübend,

Die Gesetze zum Schweigen brachte, Unschuld mitleidend,

Dass ich für ihn, der Perser Abneigung trotzend,

Die Verfluchung suchte, meine Ehre auslotend;

Und als Preis für mein Leben, ihrem Hass ausgesetzt,

Setzt der Barbar mich heute ihrem Spott aus, jetzt!


SARES

Mein Herr, wir sind allein. Was dient es, sich zu schmeicheln?

Dieser Eifer, den Ihr für ihn habt lassen streicheln,

Diese Sorge, alles seinem höchsten Machtstreben zu opfern,

Hatten sie zwischen uns ein anderes Objekt als Euch zu schöpfen?

Und ohne weiter zu suchen, diese ganzen gepeinigten Juden,

Ist es nicht für Euch allein, dass Ihr sie wolltet verbluten?

Und fürchtet Ihr nicht, dass ein unheilvoller Rat...

Endlich, der Hof hasst uns, das Volk verabscheut die Tat.

Dieser Jude selbst, ich muss es gestehen trotz meiner Not,

Dieser Jude, voller Ehren, bereitet mir Furcht vor dem Tod.

Das Unglück ist oft aneinander gekettet in seinem Lauf,

Und sein Stamm war immer fatal dem Euren im Kauf.

Denkt daran, diesen leichten Affront zu nutzen.

Vielleicht ist das Glück bereit, Euch zu putzen;

Seine Unbeständigkeit geht zu den schrecklichsten Exzessen.

Kommt seinem Launen zuvor, bevor sie sind vergessen.

Wohin strebt Ihr höher? Ich erbebe, wenn ich sehe

Die tiefen Abgründe, die sich öffnen im Wehe:

Der Sturz kann von nun an nur schrecklich sein.

Wagt, anderswo ein friedlicheres Schicksal zu erwerben rein.

Gewinnt den Hellespont zurück, und jene fernen Küsten,

Wohin Eure Vorfahren einst wurden geworfen in Lüsten,

Als der Juden Rache gegen sie wurde entfacht,

Und ganz Amalek aus dem traurigen Edom wurde gebracht.

Entzieht Euch endlich den Tücken des Schicksals, geschwind.

Unsere reichsten Schätze werden vor uns gehen im Wind.

Ihr könnt mir die Führung der Abreise überlassen;

Vor allem werde ich die Flucht Eurer Kinder erfassen.

Habt derweil nur Sorge, Euch zu verstellen.

Zufrieden werdet Ihr mich auf Euren Wegen sehen quellen:

Das schrecklichste und stürmischste Meer,

Ist sicherer für uns als dieser täuschende Hof so schwer.

Doch mit großen Schritten sehe ich jemanden kommen.

Es ist Hydaspe.


SZENE II.

HAMAN, SARES, HYDASPE.


HYDASPE

Mein Herr, ich lief, um Euch nun zu finden.

Eure Abwesenheit lässt die Freude hier fast schwinden;

AHASVERUS sendet mich, um Euch zum Fest zu geleiten.


HAMAN

Ist MARDOCHAI auch geladen, um uns zu begleiten?


HYDASPE

Tragt Ihr diesen Kummer an Esthers Tisch mit Euch?

Was? Ist’s immer das Bild des Juden, das Euch macht weich?

Lasst ihn sich freuen an seinem frivolen Triumph,

Glaubt er, AHASVERUS’ Strenge zu entgehen, mit Stumpf?

Besitzt Ihr nicht sein Ohr und sein Herz mit Macht?

Man zahlte den Eifer, man wird bestrafen die Tat, mit Bedacht;

Man hat Euch, mein Herr, Euer Opfer geschmückt.

Ich irre mich, oder Eure Wünsche, durch Esther beglückt,

Werden noch mehr erreichen, als Ihr habt verlangt.


HAMAN

Soll ich das Glück glauben, das mir Euer Mund nun bangt?


HYDASPE

Ich habe der Weisen Antwort vernommen:

Sie sagen, die Hand eines perfiden Fremden, der gekommen,

Sei bereit, in das Blut der Königin zu tauchen;

Und der König, der nicht weiß, wo die Schuldigen zu suchen,

Schreibt das verabscheuungswürdige Projekt den Juden nur zu.


HAMAN

Ja, es sind, mein Freund, Monster, voll von Wut und Ruh’;

Man muss vor allem ihren kühnen Anführer fürchten.

Die Erde erträgt sie mit Grauen, schon lange in den Schichten;

Man kann die Natur nicht früh genug davon befreien.

Ah! Ich atme endlich. Liebe SARES, wohlsein.


HYDASPE

Esthers Gefährtinnen nähern sich diesem Ort.

Sicher wird ihr Konzert beginnen, mit einem Wort.

Tretet ein, und empfangt die Ehre, die man Euch bereitet.


SZENE III.

ELISE, DER CHOR. (Dies wird ohne Gesang rezitiert.)


EINE ISRAELITIN

Das ist HAMAN.


EINE ANDERE

Er selbst, und ich erbebe, Schwester mein.


DIE ERSTE

Mein Herz zieht sich vor Furcht und Grauen ein.


DIE ANDERE

Er ist Israels stolzer Unterdrücker.


DIE ERSTE

Er ist der, der die Erde stört, als Stück-Bücker.


ELISE

Kann man ihn sehen und nicht sogleich erkennen?

Stolz und Verachtung auf seinem Gesicht nun brennen.


EINE ISRAELITIN

Man liest in seinen Blicken Wut und Raserei.


EINE ANDERE

Ich glaubte den Tod zu sehen, der schreitet an ihm vorbei.


EINE DER JÜNGSTEN

Ich weiß nicht, ob dieser Tiger seine Beute erkannt;

Doch als er uns ansah, Schwestern, mir schien in der Hand,

Dass er in den Augen eine barbarische Freude trug,

Wovon mein Blut noch zittert, in diesem Zug.


ELISE

Wie wird diese neue Ehre seinen Mut nur mehren!

Ich sehe ihn, Schwestern, ich sehe ihn, in seinen Sphären:

An Esthers Tisch, beim König, der Insolente nun,

Hat schon seinen Platz eingenommen, bei seinem Tun.


EINE ISRAELITIN

Diener des Festes, sagt uns, bei Gnaden,

Welche Speisen, welchen Wein habt Ihr dem Grausamen geladen?


EINE ANDERE

Das Blut des Waisenkindes,


EINE DRITTE

Die Tränen der Elenden,


DIE ZWEITE

Sind seine angenehmsten Speisen, in seinen Wänden.


DIE DRITTE

Es ist sein süßester Trank, ohne Gleichen.


ELISE

Liebe Schwestern, haltet inne, lasst den Schmerz nun weichen.

Singen wir, man befiehlt es uns; und mögen unsere Lieder

AHASVERUS’ Herz erweichen, im Milde-Gefieder,

Wie einst David durch seine berührenden Akkorde

Eines eifersüchtigen Königs Traurigkeit löste, an Orte!


(Der gesamte Rest dieser Szene wird gesungen.)


EINE ISRAELITIN

Wie glücklich ist das Volk,

Wenn ein großmütiger König,

Im ganzen Universum gefürchtet, auch will, dass man ihn liebt!

Glücklich das Volk! Glücklich der König selbst!


DER CHOR

O Ruhe! O Stille!

O vollkommenes Glück, ewige Versicherung,

Wenn die höchste Autorität

In ihren Ratschlägen immer an ihrer Seite hat

Die Gerechtigkeit und die Wahrheit!


(Diese vier Strophen werden abwechselnd von einer Stimme und vom ganzen Chor gesungen.)


EINE ISRAELITIN

Könige, vertreibt die Verleumdung.

Ihre kriminellen Attentate

Stören die glückliche Harmonie

Der friedlichsten Staaten.


Ihre Wut, gierig nach Blut,

Verfolgt überall den Unschuldigen.

Könige, kümmert Euch um den Abwesenden

Gegen ihre mörderische Zunge.


Vor diesem Monster, so wild,

Fürchtet die vorgetäuschte Sanftheit.

Die Rache ist in seinem Herzen,

Und das Mitleid in seinem Mund.


Die geschickte und subtile Betrügerei

Sät Blumen auf ihren Weg;

Doch auf ihre Schritte folgt endlich

Die unnütze Reue.


EINE ISRAELITIN (allein)

Mit einem Hauch verscheucht der Nordwind die Wolken,

Und jagt fern das Gewitter, im Sorgen-Verfolgen.

Ein weiser König, Feind der lügenden Sprache,

Verscheucht mit einem Blick den perfiden Betrüger, im Wache.


EINE ANDERE

Ich bewundere einen siegreichen König,

Dessen Tapferkeit ihn triumphierend überall hinführt,

Doch ein weiser König, der die Ungerechtigkeit hasst,

Der unter dem Gesetz des reichen Imperators

Nicht duldet, dass der Arme leidet,

Ist das schönste Geschenk des Himmels.


EINE ANDERE

Die Witwe hofft auf seine Verteidigung.


EINE ANDERE

Der Waise ist er der Vater;


ALLE ZUSAMMEN

Und die Tränen des Gerechten, die seinen Beistand erflehen,

Sind kostbar vor ihm, in ihrem Flehen.


EINE ISRAELITIN (allein)

Wende ab, mächtiger König, wende deine Ohren ab

Von jedem barbarischen und lügnerischen Rat.

Es ist Zeit, dass du erwachst:

In das unschuldige Blut will deine Hand eintauchen,

Während du schlummerst.

Wende ab, mächtiger König, wende deine Ohren ab

Von jedem barbarischen und lügnerischen Rat.


EINE ANDERE

So möge unter dir die ganze Erde beben:

So möge für immer gegen deine Feinde

Der Lärm deiner Tapferkeit dir als Barriere dienen!

Wenn sie dich angreifen, mögen sie in einem Moment unterworfen sein.


Möge deines Arms Stärke sie umwerfen;

Möge deines Namens Schrecken sie zerstreuen;

Möge ihr ganzes zahlreiches Lager vor deinen Soldaten sein

Wie eine nutzlose Schar von Kindern;

Und wenn es durch einen Weg in deine Staaten eintritt,

Möge es durch tausend wieder herauskommen.


SZENE IV.

AHASVERUS, ESTHER, HAMAN, ELISE, DER CHOR.


AHASVERUS (zu Esther)

Ja, Eure kleinsten Worte haben geheime Gnaden;

Eine edle Scham gibt allem, was Ihr tut, ohne Schaden,

Einen Preis, den weder Purpur noch Gold je besaßen.

Welches Klima barg einen so seltenen Schatz in den Gassen?

In welchem tugendhaften Schoß seid Ihr geboren?

Und welche weise Hand hat Eure Kindheit auserkoren?

Doch sagt unverzüglich, was Ihr begehrt:

Alle Eure Wünsche, Esther, werden Euch gewährt,

Selbst wenn Ihr, ich sagte es und will es wiederholen,

Die Hälfte dieses mächtigen Reiches wolltet holen.


ESTHER

Ich verirre mich nicht in diesen weiten Wünschen.

Doch da ich endlich erklären muss mein Seufzen,

Da mein König selbst mich einlädt zu sprechen,

(Sie wirft sich zu den Füßen des Königs)

Wage ich Euch anzuflehen, für mein eigenes Leben,

Und für die traurigen Tage eines unglücklichen Volkes, ergeben,

Dass Ihr zum Verderben mit mir verurteilt habt.


AHASVERUS (hebt sie auf)

Zum Verderben? Ihr? Welches Volk? Und was ist das für ein Mysterium?


HAMAN (leise)

Ich zittere.


ESTHER

Esther, mein Herr, hatte einen Juden als Vater.

Ihr kennt die Strenge Eurer blutigen Befehle, Verräter.


HAMAN

Ach! Götter!


AHASVERUS

Ach! Mit welchem Schlag durchbohrst du mir das Herz?

Du, die Tochter eines Juden? Was? Alles, was ich lieb’ im Scherz,

Diese Esther, die Unschuld und die Weisheit selbst,

Die ich für des Himmels teuerste Liebe hielt, wie du es hältst,

Soll aus dieser unreinen Quelle ihre Tage haben gezogen?

Unglücklicher!


ESTHER

Ihr könnt mein Gebet wohl haben nun verschoben.

Doch ich bitte Euch zumindest, als letzte Gnade nun,

Bis zum Ende, mein Herr, mich sprechen zu lassen, in meinem Tun,

Und dass vor allem HAMAN mich nicht wage zu stören.


AHASVERUS

Sprecht.


ESTHER

O Gott, verwirre die Kühnheit und die Betrügerei,

Diese Juden, von denen Ihr die Natur wollt machen frei,

Die Ihr, mein Herr, für den Abfall der Menschheit haltet,

Die einst über ein reiches Land die Herrschaft faltet,

Während sie nur den Gott ihrer Väter verehrten,

Sahen sie den Lauf ihrer Schicksale blühen und sich mehren.


Dieser Gott, absoluter Meister der Erde und der Himmel,

Ist nicht so, wie der Irrtum ihn zeichnet, im Gewimmel.

Der Ewige ist sein Name. Die Welt ist sein Werk;

Er hört das Seufzen der Demütigen, die man kränkt, im Berg,

Richtet alle Sterblichen mit gleichen Gesetzen,

Und fragt von seinem Thron herab die Könige, im Setzen.

Der festesten Staaten erschreckender Fall,

Ist, wenn er will, nur ein Spiel seiner Hand, im Schall.

Die Juden wagten es, sich an andere Götter zu wenden:

König, Völker, an einem Tag sah man alles sich blenden.

Unter den Assyrern wurde ihre traurige Knechtschaft,

Der gerechte Preis ihrer Undankbarkeit, mit wahrer Kraft.


Doch um endlich unsere Meister zu strafen, in der Zeit,

Wählte Gott Cyrus aus, bevor er sah der Sonne Licht, geweiht,

Rief ihn bei seinem Namen, versprach ihn der Welt,

Ließ ihn gebären, bewaffnete ihn mit seinem Donner, der alles fällt,

Brach die stolzen Wälle und die ehernen Tore,

Legte die Beute der Könige in seine Hand, ohne Chore,

Rächte an ihnen die Beleidigung seines zerstörten Tempels.

Babylon zahlte unsere Tränen mit Zinsen, des Stempels.

Cyrus, durch ihn Sieger, verkündete seine Wohltaten,

Sah unser Volk mit Augen des Friedens, in seinen Saatentaten,

Gab uns unsere Gesetze und unsere göttlichen Feste;

Und der Tempel stieg schon auf, aus seinem Rest-Geäste.

Doch der wahnsinnige Erbe dieses weisen Königs,

Sein Sohn unterbrach das Werk, des Anfängers wenig,

War taub für unsere Schmerzen. Gott verwarf sein Geschlecht,

Schnitt ihn selbst ab, und setzte Euch an sein Recht.


Was hofften wir nicht von einem so großmütigen König!

„Gott sieht mit Erbarmen sein unglückliches Volk“,

Sagten wir: „Ein König regiert, ein Freund der Unschuld.“

Überall pries man des neuen Fürsten Milde, in Huld:

Die Juden stießen überall Freudenschreie aus.

Himmel! Wird man immer durch grausame Geister im Haus

Die Ohren der mildesten Fürsten sehen umgeben,

Und die Quelle des öffentlichen Glücks vergiften im Leben?

In der Tiefe von Thrakien ist ein Barbar geboren,

Der in diese Orte kam, die Grausamkeit zu beschwören.

Ein Minister, Feind Eures eigenen Ruhmes...


HAMAN

Eures Ruhmes? Ich? Himmel! Könntet Ihr das glauben?

Ich, der ich kein anderes Ziel habe, noch Gott, in den Hauben...


AHASVERUS

Schweig.

Wagst du also zu sprechen ohne den Befehl deines Königs?


ESTHER

Unser grausamer Feind erklärt sich vor Euch:

Er ist es. Dieser treulose und barbarische Minister, gleich,

Der, mit einem täuschenden Eifer vor Euren Augen bedeckt,

Gegen unsere Unschuld Eure Tugend hat aufgeweckt.

Und wer sonst, großer Gott! als ein erbarmungsloser Skythe,

Hätte den schrecklichen Befehl diktiert, in seiner Blüte?

Überall das schreckliche Signal zur gleichen Zeit gegeben,

Wird das erstaunte Universum mit Morden erfüllen im Leben.

Man wird unter dem Namen des gerechtesten der Fürsten

Einen perfiden Fremden sehen, Eure Provinzen zu dürsten,

Und in diesem Palast selbst, dem Zorn zum Opfer gegeben,

Das Blut Eurer Untertanen bis zu Euch fließen, im Leben.


Und was wirft sein vergifteter Hass den Juden vor?

Welchen Bruderkrieg haben wir entfacht vor Eurem Tor?

Hat man sie unter Euren Feinden marschieren sehen?

Gab es je Sklaven, die dem Joch mehr ergeben stehen?

Verehrend in ihren Ketten den Gott, der sie straft,

Während Eure Hand, auf ihnen lastend, mit Kraft

Sie ihren Verfolgern lieferte ohne Beistand,

Beschworen sie diesen Gott, über Eure Tage zu wachen, im Land,

Die kriminellen Ränke der Bösen zu brechen,

Euren Thron unter den Schatten seiner Flügel zu stechen.

Zweifelt nicht daran, mein Herr, er war Eure Stütze.

Er allein legte Euch den Parther und den Inder zu Füßen, in Spitze,

Vertrieb vor Euch die zahllosen Skythen,

Und schloss die Meere in Eure weiten Grenzen mit Mitten.

Er allein entdeckte vor den Augen eines Juden den Plan

Von zwei Verrätern, bereit, Euch die Brust zu durchbohren in Bann.

Ach! Dieser Jude adoptierte mich einst als seine Tochter.


AHASVERUS

MARDOCHAI?


ESTHER

Er blieb als Einziger unserer Familie übrig.

Mein Vater war sein Bruder. Er stammt wie ich, gläubig,

Vom unglücklichen Blut unseres ersten Königs ab.

Voll gerechtem Grauen für einen Amalekiter im Grab,

Eine Rasse, die unser Gott mit seinem Mund hat verflucht,

Konnte er vor HAMAN die Knie nicht beugen, in seiner Sucht,

Noch ihm eine Ehre erweisen, die er nur Euch glaubt schuldig.

Daher gegen die Juden und gegen MARDOCHAI, ungeduldig,

Dieser Hass, mein Herr, unter anderen Namen versteckt.

Vergebens ist MARDOCHAI mit Euren Wohltaten bedeckt:

An HAMANs Tür ist schon vorbereitet,

Eines schändlichen Todes das exekrable Instrument, das leitet.

In einer Stunde spätestens dieser verehrungswürdige Greis,

Von den Toren des Palastes auf seinen Befehl gerissen, mit Fleiß,

Mit Eurem Purpur bedeckt, muss dort daran werden gebunden.


AHASVERUS

Welcher Tag, gemischt mit Grauen, kommt meine Seele zu kunden?

Mein ganzes Blut entflammt vor Zorn und vor Schande.

Ich war also das Spielzeug... Himmel, erleuchte mich im Lande.

Einen Moment ohne Zeugen versuchen wir zu atmen.

Ruft MARDOCHAI, man muss auch ihn hören, in seinen Taten.

(Der König entfernt sich.)


EINE ISRAELITIN

Wahrheit, die ich erflehe, vollende dein Kommen!


SZENE V.

ESTHER, HAMAN, DER CHOR.


HAMAN (zu Esther)

Von einem gerechten Erstaunen bleibe ich getroffen;

Die Feinde der Juden haben mich verraten, mich betrogen, offen.

Ich rufe des Himmels höchste Macht an als Zeugen.

Indem ich sie verlor, glaubte ich, Euch selbst zu beugen.

Prinzessin, verwendet für sie meinen Kredit:

Der König, Ihr seht es, schwankt noch, im Streit mit.

Ich weiß, durch welche Federn man ihn drängt, man ihn hält,

Und mache, wie es mir gefällt, die Ruhe und das Wetter in der Welt.

Die Interessen der Juden sind mir schon heilig.

Sprecht: Eure Feinde sogleich niedergemetzelt, eilig,

Opfer des Glaubens, den mein Mund Euch schwört,

Werden die Beleidigung meines fatalen Irrtums löschen, unerhört.

Welches Blut verlangt Ihr?


ESTHER

Geh, Verräter, lass mich.

Die Juden erwarten nichts von einem Bösen wie dich.

Elender, der Gott, der Rächer der Unschuld,

Bereit, dich zu richten, hält schon seine Waage in Huld.

Bald wird sein gerechtes Urteil dir werden verkündet.

Zittre. Sein Tag naht, und dein Reich ist geschwunden.


HAMAN

Ja, dieser Gott, ich gestehe es, ist ein schrecklicher Gott!

Doch will er, dass man behält einen unversöhnlichen Spott?

Es ist geschehen: mein Stolz ist gezwungen zu beugen;

Der unerbittliche HAMAN ist zur Bitte bereit, als Zeugen.

(Er wirft sich zu ihren Füßen.)

Beim Heil der Juden, bei diesen Füßen, die ich umfasse,

Bei diesem weisen Greis, der Ehre Eurer Rasse,

Geruht, eines schrecklichen Königs Zorn zu besänftigen.

Rettet HAMAN, der an Euren heiligen Knien zittert, in den Ängsten.


SZENE VI.

AHASVERUS, ESTHER, HAMAN, ELISE, GARDEN, DER CHOR.


AHASVERUS

Was? Der Verräter trägt gegen Euch seine kühnen Hände?

Ach! In seinen verwirrten Augen lese ich seine Verräter-Wende;

Und seine Verwirrung, den Glauben Eurer Rede unterstützend,

Ruft mir den Lauf all seiner Attentate ins Gedächtnis, sühnend.

Dass diesem Monster im Augenblick die Seele werde entrissen;

Und dass vor seiner Tür, anstatt MARDOCHAIs Gewissen,

Durch seinen Tod Erde und Himmel besänftigend,

Meine gerächten Völker speisen ihre Augen, im Sühne-Licht.

(HAMAN wird von den Garden weggeführt.)


SZENE VII.

AHASVERUS, ESTHER, MARDOCHAI, ELISE, DER CHOR.

AHASVERUS wendet sich an MARDOCHAI:


AHASVERUS

Du Liebling des Himmels, mein Heil und mein Glück,

Dein König ist nun von der Bösen Rat frei, im Stück.

Meine Augen sind offen, das Verbrechen ist nun entlarvt.

Komm, strahle an meiner Seite, wo dir der Rang nun harrt.

Ich schenke dir HAMANs Güter und seine Macht;

Besitze nun rechtmäßig seine ungerechte Pracht.

Ich breche das Joch, unter dem die Juden erlagen;

Ich liefere ihnen das Blut ihrer Feinde, ohne Klagen;

Den Persern gleich, will ich, dass man sie nun ehrt,

Und dass alles zittert vor dem Gott, den Esther verehrt.

Baut seinen Tempel wieder auf, bevölkert Eure Städte;

Dass Eure glücklichen Kinder in ihren Festtags-Gebete

Den Triumph und den Ruhm dieses Tages weihen,

Und dass mein Name lebe, ewig in ihren Reihen.


SZENE VIII.

AHASVERUS, ESTHER, MARDOCHAI, ASAPH, ELISE, DER CHOR.


AHASVERUS

Was will Asaph?


ASAPH

Mein Herr, der Verräter ist nun verschieden,

Vom wütenden Volk in Stücke gerissen, nicht hienieden.

Man schleift, man wird zur Schau stellen, als grausames Spiel,

Seines blutigen Körpers Überreste, als Ziel.


MARDOCHAI

König, der Himmel behüte ewig Eure Tage.

Die Gefahr der Juden drängt, braucht Rettung ohne Klage.


AHASVERUS

Ja, ich verstehe dich. Auf, durch gegenteilige Gebote,

Widerrufen wir der Bösen blutige Verbote.


ESTHER

O Gott, auf welch unbekanntem Pfad für die Sterblichen

Führt deine Weisheit ihre ewigen Pläne, so herrlich!


SZENE IX.

DER CHOR.


DER GESAMTE CHOR

Gott lässt die Unschuld triumphieren:

Singen wir, feiern wir seine Macht, die wir spüren.


EINE ISRAELITIN

Er sah gegen uns die Bösen sich sammeln,

Und unser Blut bereit zu fließen, ohne Stammeln.

Wie Wasser wollten sie es vergießen auf Erden;

Vom Himmel her ließ seine Stimme sich hören, mit Beschwerden;

Der stolze Mensch ist gestürzt.

Seine eigenen Pfeile haben ihn durchbohrt, verkürzt.


EINE ANDERE

Ich sah den Gottlosen verehrt auf dem Land.

Gleich der Zeder verbarg er im Himmel, mit Hand,

Seine kühne Stirn;

Er schien nach Belieben zu beherrschen den Donner, im Stirn,

Trat mit Füßen seine besiegten Feinde.

Ich ging nur vorüber, da war er nicht mehr, das Feine.


EINE ANDERE

Man kann die Gerechtigkeit der größten Könige täuschen;

Unfähig zu betrügen,

Müssen sie sich entziehen, in ihren Zügen,

Den Fallen der List, wie die Mäuschen.

Ein edles Herz kann beim Nächsten nicht ahnen

Die Niedertracht und Bosheit, die zu bahnen

Es in sich selbst nicht fühlt, in seinen Wegen.


EINE ANDERE

Wie hat sich der Sturm beruhigt, in seinem Lauf?


EINE ANDERE

Welche rettende Hand trieb die Wolke hinauf?


DER GESAMTE CHOR

Die liebenswerte Esther hat dies große Werk vollbracht.

Von der Liebe ihres Gottes entbrannte ihr Herz, mit Pracht;

In der Gefahr eines unheilvollen Todes,

Hat sich ihr glühender Eifer geopfert des Gotes.

Sie sprach. Der Himmel tat den Rest.


ZWEI ISRAELITEN

Esther hat über die Töchter der Perser triumphiert.

Natur und Himmel haben sie im Wettstreit geziert.


EINE DER BEIDEN

Alles spürt ihrer Augen unschuldige Reize.

Wurde je so viel Schönheit gekrönt, mit Fleiße?


DIE ANDERE

Die Reize ihres Herzens sind noch mächtiger,

Wurde je so viel Tugend gekrönt, in ihrer Schar?


BEIDE ZUSAMMEN

Esther hat über die Töchter der Perser triumphiert.

Natur und Himmel haben sie im Wettstreit geziert.


EINE ISRAELITIN (allein)

Dein Gott ist nicht mehr erzürnt.

Freue dich, Zion, und komm aus dem Staube, wie es sich gebührt.

Lege ab die Kleider deiner Gefangenschaft,

Und nimm wieder auf deine erste Pracht.


Die Pfade Zions sind endlich offen.

Zerbrecht Eure Fesseln,

Gefangene Stämme,

Flüchtige Scharen,

Überquert wieder die Berge und die Meere.

Versammelt Euch aus allen Enden des Universums.


DER GESAMTE CHOR

Zerbrecht Eure Fesseln,

Gefangene Stämme,

Flüchtige Scharen,

Überquert wieder die Berge und die Meere.

Versammelt Euch aus allen Enden des Universums.


EINE ISRAELITIN (allein)

Ich werde diese so teuren Landschaften wiedersehen.


EINE ANDERE

Ich werde am Grabe meiner Väter weinen gehen.


DER GESAMTE CHOR

Überquert wieder die Berge und die Meere.

Versammelt Euch aus allen Enden des Universums.


EINE ISRAELITIN (allein)

Erhebt, erhebt die stolzen Tore

Des Tempels, wo unser Gott sich freut, zu sein verehrt im Chore.

Dass sein Altar mit dem reinsten Gold sei geziert,

Und dass aus dem Schoß der Berge der Marmor sei geführt.

Libanon, entblöße dich deiner uralten Zedern.

Heilige Priester, bereitet Eure Gesänge, unter den Federn.


EINE ANDERE

Gott steigt herab und kommt, unter uns zu wohnen.

Erde, zittre vor Freude und Furcht, in deinen Zonen;

Und Ihr, unter seiner heiligen Majestät,

Himmel, beugt Euch, wie es vor ihm besteht!


EINE ANDERE

Wie gütig ist der Herr! Wie lieblich ist sein Joch!

Glücklich, wer schon als Kind die Süße kennt, doch!

Junges Volk, eilt zu diesem anbetungswürdigen Meister!

Die bezauberndsten Güter sind nichts im Vergleich, als Geister,

Zu den Strömen der Freuden, die er in ein Herz ausgießt.

Wie gütig ist der Herr! Wie lieblich ist sein Joch, das er vergießt!

Glücklich, wer schon als Kind die Süße kennt, noch!


EINE ANDERE

Er beruhigt sich, er vergibt.

Vom undankbaren Herzen, das ihn verlässt,

Erwartet er die Rückkehr, das Fest.

Er entschuldigt unsere Schwäche.

Uns zu suchen, beeilt er sich, in der Fläche.

Für das Kind, das sie gebar,

Hat eine Mutter weniger Zärtlichkeit, als er, wunderbar.

Ach! Wer kann mit ihm unsere Liebe teilen?


DREI ISRAELITINNEN

Er lässt uns einen glorreichen Sieg erringen.


EINE DER DREI

Er hat uns seine Herrlichkeit enthüllt, zum Singen.


ALLE DREI ZUSAMMEN

Ach! Wer kann mit ihm unsere Liebe teilen?


DER GESAMTE CHOR

Gesegnet sei sein Name, gesungen sei sein Name!

Dass man seine Werke feiere,

Über Zeiten und Zeitalter hinweg,

Über die Ewigkeit hinaus!