VON TORSTEN SCHWANKE
FÜR FRAU
PROF. DDR. HANNA-BARBARA GERL-FALKOVITZ
„Seine Gedichte waren Thesen.
Er war wohl Martin Luther.“
(Else Lasker-Schüler)
Kundig der Menschheit Wege, so blickt auf die Kinder die Kirche,
Sorgend um Mann und um Weib, ihr Heil und ihr Wirken betrachtend.
Viel ward in jüngster Zeit von der Würde der Frau schon gesprochen,
Rechte und Pflichten erwogen im Staate wie unter dem Altar.
Heiliger Lehre folgend, die uns Johannes Paul schenkte,
Tritt sie nun Strömungen gegen, die fremd dem Gedeihen der Frau sind.
Kritisch beleuchtet die Schrift nun die Lehren der heutigen Denker,
Sucht nach dem rechten Verständnis der Partnerschaft beider Geschlechter,
Achtend die Eigenart stets, die Gott in das Wesen hineinlegt.
Wahrheit allein ist das Ziel und der Dialog mit den Menschen,
Dass sich die Bindung vertiefe und echte Gemeinschaft entstehe.
Neue Tendenzen erscheinen im Ringen um Fragen der Frauen:
Manche betonen zu stark die erlittene Last der Verbeugung,
Rufen zum Proteste auf und machen das Weib nun zum Gegner.
Macht wird mit Macht nun bekämpft, Strategien der Herrschaft entfaltet;
Dies führt zum Streit der Geschlechter, die Rollen verlieren den Boden,
Anthropologisch verwirrt, bricht die Ordnung der Ehe zusammen,
Schaden erleidet die Sippe, es wankt das Gefüge der Väter.
Weiter führt dieser Pfad zu der Lehre der völligen Gleichheit:
Unterschied wird nun geleugnet, als bloßes Gebilde der Zeitform.
Leibliche Verschiedenheit, das Geschlecht, wird zum Geringsten erhoben,
„Gender“ nennt man die Kultur, die nun alles im Menschen bestimme.
Doch wer die Zweiheit verhüllt, der zerstört das Gefüge des Lebens,
Fördert die Ideologien, die Eltern und Herkunft verneinen,
Stellt die Natur auf den Kopf und bricht mit dem Bilde der Schöpfung.
Tief in dem Streben nach Freiheit, da wurzelt der Wille des Menschen,
Los sich zu sagen vom Leibe, den Gott ihm im Werden gegeben.
Nichts soll das Wesen bestimmen, so lehrt diese heutige Meinung:
Jeder formt selbst sich nach Gutdünken um, als wär’ er sein Schöpfer.
Sogar die Schrift wird geschmäht als ein Werk patriarchaler Mächte,
Unwichtig sei es zudem, dass der Herr als ein Mann uns erschienen.
Doch in dem Lichte des Glaubens an Christus, den Retter der Welt, spricht
Laut die Kirche von neuem: Die Hilfe ist Frucht der Verschiedenheit!
Um nun den Sinn zu begreifen, den Gott in die Schöpfung gelegt hat,
Wenden wir uns zu dem Worte, das Weisheit den Suchenden schenkt,
Schrittweise hat es der Herr uns zum Wohle der Menschen enthüllet.
Suche den Anfang nun dort, wo die Genesis heilig uns lehret:
Drei Kapitel am Start, sie sind uns das ewige Fundament.
Dort, wo der Mensch als ein Gleichnis des Schöpfers im Lichte erscheint,
Ruht die Wahrheit, die niemals im Wandel der Zeiten vergeht.
Gottes gewaltiges Wort durchbricht nun das dunkle Gebräu,
Scheidet das Licht von der Nacht und das Meer von dem trockenen Land.
Pflanzen und Tiere erstehen, ein jedes nach eigener Art,
Ordnung entfaltet sich herrlich in reicher Verschiedenheit.
Dann spricht der Herr: „Lasst uns bilden den Menschen als unser Bild!“
Gott erschuf ihn sich gleich, als ein Spiegel der göttlichen Macht.
Männlich und weiblich zugleich hat er beide als Menschen gesetzt,
Schon im Beginn ist das Wesen auf Partnerschaft hin konstruiert.
Deutlicher noch wird die Lehre im zweiten Gesange der Schrift:
Gott formt den Menschen aus Erde und setzt ihn in Eden hinein, Dass er den Garten bebaue. Doch Einsamkeit lastet auf ihm.
Tiere des Feldes genügen dem Suchenden nimmermehr,
„Hilfe“ bedarf er nun dringend, die völlig ihm ebenbürtig.
Nicht als ein Knecht ist sie da, nein, als Kraft, die das Leben erhält,
Dass er nicht einsam und fruchtlos im eigenen Spiegel ertrinkt.
Erst aus dem Fleische des Mannes, von gleichem Mysterium umhüllt,
Tritt nun die Frau ihm entgegen und öffnet dem Stummen den Mund:
„Bein von dem Meinen ist dies, und Fleisch von dem Meinen ist sie!“
Staunend erkennt er im anderen Ich nun sein eigenes Glück.
Nackt stehn sie da und sie schämen sich nicht vor dem Blick des Gefährten,
Denn ihr Leib ist ein Siegel, das Liebe und Hingabe zeigt.
„Bräutlich“ nennen wir dies: Die Gabe des Selbst an das Du,
Darin der Mensch erst den Sinn seiner irdischen Reise erkennt.
Wie in der Heiligen Dreifaltigkeit Liebe die Personen vereint,
So soll der Mensch für den anderen leben und niemals allein.
Nicht nur „mit“ oder „neben“ dem anderen schreite das Paar,
Sondern einander geschenkt, so vollendet sich Gottes Entwurf.
Ob in der Ehe, ob in der Geschichte der Völker und Zeit,
Männlich und weiblich vereint sich zum Ganzen, das Gott „sehr gut“ hieß.
Sünde mag später das Bildnis auch trüben und dunkel entstellen,
Dennoch bleibt ewig der Plan, den der Schöpfer im Anfang gewollt.
Aber die Sünde verfälscht nun die Art, wie das Wort sie erreichet,
Trübt den Bezug zum Erschaffer und stört das Vertrauen der beiden.
Gott gab den Garten dem Menschen, doch setzte er Grenzen dem Willen,
Dass er den Schöpfer erkenne und nicht sich als Gott selbst erhöhe.
Listig verführt von der Schlange, bestreiten sie diese Verschiedenheit,
Wollen wie Gott sein und stürzen die Ordnung des Seins in das Dunkel.
Ist erst die Bindung nach oben zerrissen, so wankt auch die Eintracht,
Mann und das Weib werden fremd sich, wo Liebe als Herrschaft nun endet.
„Nach deinem Manne wird stets dein Verlangen dich treiben, o Frau du,
Er aber wird dich beherrschen“, so tönt nun das Urteil des Schöpfers.
Eigenliebe vergiftet den Bund, der als Schenkung geplant war,
Gier und der Hochmut der Welt treten nun an die Stelle der Ehrfurcht.
Dennoch bekräftigt die Schrift uns den Adel der menschlichen Person:
Beide sind Abbild des Herrn, so der Mann wie das Weib in der Gleichheit.
Würde und Wesen sind eins, doch die Form ist als Ergänzung gegeben,
„Einheit in Zweiheit“ – so wollte es Gott in der Stunde des Anfangs.
Sünde allein schuf den Zwist und die Mächte der harten Konkurrenz,
Heilung jedoch sucht die Kirche im Geist der Bezugnahme wieder.
Tief ist die Zweigeschlechtlichkeit eingeprägt Seele und Geiste,
Nicht bloß der Körper ist männlich, das Ganze des Menschen ist gezeichnet.
Fähigkeit, Liebe zu schenken, als Abglanz des göttlichen Wesens,
Schreibt in den Leib uns den bräutlichen Sinn unsrer Existenz ein.
Gut ist der Bund im Entwurf, doch verwundet durch menschliche Schuld nun,
Heilung bedarf die Beziehung, damit sie zur Wahrheit gelange.
Nicht aus der Sünde Logik erwächst uns die Rettung der Herzen,
Sondern der Retter ist nah, den der Herr in dem Unheil verheißen.
„Frau“ und ihr „Nachwuchs“ – so tönte das Wort schon inmitten des Fluches,
Lange bereitet die Zeit nun den Pfad für das kommende Licht vor.
Noah, der Gerechte, entrinnt mit den Seinen den Fluten der Strafe,
Abraham folgt dem Ruf Gottes und hofft auf den Segen der Zukunft.
Langsam enthüllt sich das Antlitz des Herrn einer dürstenden Menschheit,
Dass sie durch Heiligkeit lerne, dem Schöpfer sich wieder zu gleichen.
Seltsam und herrlich erscheint in der Lehre der heil’gen Propheten
Gott als ein Bräutigam nun, der die Braut, sein Volk Israel, liebet.
Dieser Bezug ist vonnöten, um Gottes Erbarmen zu fassen:
Liebe, die ewig sich schenkt, ist der Bund zwischen Schöpfer und Menschheit.
„Eifersüchtig“ nennt sich der Herr in den Schriften der Väter,
Denn er liebt sein Volk wie ein Mann die geliebte Gefährtin.
Klagt er Israel an, das als Dirne die Götzen umfaltet,
Hegt er doch Hoffnung im Herzen auf künftige Tage des Heils:
Wieder wird Zion erstehen, als Braut, die im Lichte erstrahlet,
Wie sich der Jüngling vermählt, so vermählt sich der Schöpfer mit ihr.
Gottes Erbarmen ruft laut, er spricht zu dem Herzen der Müden,
Bis sie wie einstens in Jugendtagen das Lied ihm entgegnet:
„Mein Erbauer, er ist mein Gemahl!“, so bekennen die Lippen.
Knecht und Zion zugleich, sie künden das Wirken des Höchsten,
Männlich und weiblich verwoben, so wird nun die Rettung bereitet.
Mitten im Buche der Bücher, da singet das Lied aller Lieder,
Preiset die Schönheit des Leibes und Sehnsucht der suchenden Seelen.
Kirche und Väter erkannten darin nicht bloß irdische Liebe,
Sondern das göttliche Brennen für uns, das im Menschlichen aufleuchtet.
Bild nur und Gleichnis ist zwar der Begriff von der Braut und dem Bräutigam,
Dennoch berührt er den Kern und das Wesen der ewigen Bindung.
Mannheit und Frausein, sie wirken im Heilsplan des Schöpfers zusammen,
Bis in Jerusalem neu nun ein Volk an nur einem Tag aufsteht.
Alles, was einstens verheißen, erfüllt sich im Neuen des Bundes:
Dort steht Maria, die Tochter von Zion, die Reine, Erwählte,
Welche die Sehnsucht des Volkes als Frau nun in Fülle verkörpert.
Christus, der Sohn, nimmt als Mann nun das Bildnis des Bräutigams an sich,
Liebt seine Braut bis zum Ende, wie einstens die Seher es kündten.
Neuheit erstrahlt in der Welt, wie Irenäus es weislich beschrieben,
Kontinuität und Vollendung vereinen sich herrlich in Jesus.
Schon in Kana am Fest, da wird er von ihr, der „Frau“, sanft gerufen,
Dass er den Wein uns bescher’ für die künftige Hochzeit der Menschheit.
Doch die Vollendung geschieht an dem Stamme des Kreuzes im Leiden,
Wo aus dem Herzen des Herrn nun das Blut wie ein Lebensstrom fließet.
Dort steht die Mutter erneut, als „Frau“ von dem Sohne geheißen,
Während der Täufer sich freut, als ein Freund, der dem Bräutigam dienet.
„Wachsen soll Er nun fortan, ich aber muss kleiner nur werden“,
Spricht er und weicht vor dem Licht, das die Hochzeit der Ewigkeit kündet.
Paulus entfaltet sodann den hochzeitlichen Sinn der Erlösung,
Christliches Leben begreift er als Bund einer heiligen Trauung.
Eifersucht Gottes erfüllt ihn, wenn er für die Seelen nun kämpfet,
Um sie als Jungfrau, so rein, dem einzigen Herrn zuzuführen.
Christus, der Bräutigam, liebt seine Braut, die Gemeinde der Heil’gen,
Gab sich für sie in den Tod, um sie makellos vor sich zu sehen.
Ohne Flecken und Falten, so strahlt sie im Blick des Geliebten,
Heilig das Glied der Getauften, vereint mit dem Haupte in Ewigkeit.
„Tief ist dies Geheimnis“, so ruft nun der Völkerapostel,
Wenn er die Bindung der Ehe auf Christus und Kirche beziehet.
Was in der Taufe beginnt, wird zum Zeichen der göttlichen Liebe,
Zeugnis der Treue und Einheit, die niemals im Wandel der Zeit wankt.
Daraus wird heute geboren die „neue Eva“, die Kirche,
Pilgernd auf Erden noch jetzt, doch die ewige Hochzeit erwartend.
Eheleute, getaucht in das heilige Pessach-Mysterium,
Tragen im Herzen das Licht, das die Gier der Begierde vertreibet.
Nicht mehr Herrschaft und Joch soll das Leben der Paare bestimmen,
Sondern die Güte des Herrn, die das wundgelebte Herz nun erfüllet.
Jesus erinnert das Volk an den Bund, wie er einstens im Anfang,
Heilig und rein vor der Sünde, vom Vater dem Menschen gegeben.
Dies ist kein hartes Gebot, keine Last für die Schultern der Armen,
Sondern die „Frohe Botschaft“: Die Treue ist stärker als Sünde!
In der Erstehung des Herrn liegt der Sieg über Schmerz und Versagen,
Gnade erneuert den Geist und befreit von den Fesseln der Eigen-
Liebe, damit sich das Paar in der Freude der Hingabe finde.
„Alle, die Christus ihr tragt wie ein Kleid, das die Seele umschließet,
Seid nun nicht Mann mehr noch Frau“, so verkündet es Paulus den Brüdern.
Dennoch verneint er die Art nicht, die Gott in die Schöpfung geschrieben,
Sondern er lehrt uns den Sieg über Feindschaft, Gewalt und Rivalen.
Friede regiert nun den Bund, wo einst Streit die Gesichter verzerrte,
Mannheit und Frausein bestehen, in Christus zur Einheit geheilt nun.
Bis an das Ende der Welt wird die Zweiheit die Botschaft begleiten,
Wenn in der Offenbarung der neue Himmel uns allen erscheint.
Dort steigt Jerusalem nieder, die Stadt, wie eine Braut fein geschmückt nun,
Geist und die Braut rufen laut: „Komm, Herr Jesus, wir warten auf dich!“
Mannsein und Frausein sind mehr als nur Zeichen der flüchtigen Erdenzeit,
Ewig im Wesen begründet, so bleiben sie auch in der Herrlichkeit,
Wenn auch verwandelt die Form, wo die Liebe nun niemals ein Ende nimmt.
Irdisch vergeht zwar die Weise, die Tod und Geburt noch verpflichtet,
Doch was als Person uns bestimmt, wird im Lichte des Vaters vollendet.
Zeichen dafür ist der Stand, der dem Himmelreich zuliebe geweiht ist:
Ehelos künden sie an, was uns alle am Ende dort oben erwartet,
Wo man nicht heiratet mehr, doch als Mann und als Frau Gott begegnet.
So führt der Weg aus dem Garten durchs Kreuz in die ewige Klarheit,
Wo die Verschiedenheit glänzt, nicht als Zwist, sondern heil’ge Ergänzung.
Würde der Frau und ihr Wirken, sie strahlen in neuerem Glanze,
Dienst in der Kirche und Welt, in der Achtung der göttlichen Ordnung.
Werte, die tief im Wesen der Frau ihre Wurzeln geschlagen,
Nennen wir heute vor allem die „Fähigkeit für den Gefährten“.
Während der Zeitgeist oft nur den Nutzen für sich selbst begehret,
Weiß doch die Frau, dass das Beste des Lebens im Dienst an dem Du liegt,
Schützend das Wachstum des anderen, hütend das Wohl der Personen.
Tief ist dies Wissen verknüpft mit der Macht, neues Leben zu schenken;
Ob sie nun Mutter schon ist oder nur in der Anlage trägt dies:
Stets prägt die Sorge um Kinder den Geist und die Reife der Seele.
Ehrfurcht vorm Konkreten entfaltet sich, fern von Abstraktem,
Welches so oft für das Leben des Einzelnen tödlich und kalt bleibt.
Selbst in der Not, wenn die Hoffnung zerrinnt und die Tränen nur fließen,
Hält sie am Morgen noch fest und erinnert an jeden des Wertes.
Doch man begrenze die Frau nicht allein auf das Wirken des Leibes,
Fruchtbarkeit bloß biologisch zu rühmen, wär’ gefährlich und irrig.
Christliche Jungfräulichkeit fordert die Welt und die Denker nun heraus,
Bricht mit dem Zwang, dass das Frausein im Schicksal des Körpers nur ende.
Denn wie das Kind an die Hingabe mahnt, die dem Christen gebührt stets,
Lehrt uns die Ehelosigkeit, dass der Geist auch Gebärvater sein kann.
Wahre Mutterschaft zeigt sich auch dort, wo kein Fleisch wird geboren,
Überall dort, wo man Leben behütet und geistig entfaltet.
Hier wird nun fassbar, was weislich der „Genius der Frau“ wird geheißen:
Überall dort, wo die Sorge um Menschen das Handeln bestimme.
Erstens im Kreise der Sippe, der Urform von jeglichem Staate,
Soll sie nun wirksam und fest ihre Stimme und Anwesenheit zeigen.
Dort lernt ein Volk sein Gesicht, dort begreift man die Liebe als Schenkung,
Weil man umsonst schon geliebt wird und lernt, den Nächsten zu achten.
Fehlt diese Erfahrung der Kindheit, so bricht die Gewalt in die Welt ein;
Doch wenn die Frau auch die Politik und die Wirtschaft inspiriert,
Finden sich Lösungen neu für die Lasten und Sorgen der Völker.
Zweifach ist oft das Bemühen, die Arbeit und Hausstand zu einen,
Anders beim Manne als dort, wo die Mutter die Lasten nun träget.
Deshalb verlangt die Gerechtigkeit Schutz durch Gesetze und Ordnung,
Dass sich der Dienst in der Küche mit Ämtern im Staate versöhne.
Keinerlei Schande darf jene treffen, die frei sich entscheiden,
Ganz nur dem Wohle der Kinder und häuslicher Sorge zu leben.
Jene jedoch, die im öffentlichen Leben ihr Wirken entfalten,
Sollen nicht Stress und dem Druck einer ständigen Wahl sich ergeben.
Ehre gebührt einer Ordnung, die Müttern die Freiheit gewähret,
Ohne Benachteiligung, fern von der Willkür und Schmach der Kollegen.
Wisse jedoch, dass die Werte, die wir als fraulich benennen,
Tief im Menschsein verwurzelt, dem Manne wie Weibe gehören.
Eines nur ist das Geschlecht in dem Bilde des ewigen Schöpfers,
Unteilbar ist die Natur, die Gott uns im Anfang gegeben. Weil aber
Frauen zumeist diese Gaben lebendiger hüten,
Sind sie uns Vorbild und Ruf, die eigene Sendung zu finden:
„Dasein für andere“, dies ist der Zweck unsres irdischen Laufes.
„Fraulichkeit“ meint nicht allein ein Attribut des Geschlechtes,
Sondern die Kraft des Erdensohns, dank des anderen zu leben.
Wahrer Fortschritt der Frau ist deshalb Vermenschlichung aller,
Ferne dem Streit der Geschlechter, der nur in die Irre uns führet.
Rivalität ist ein Trugbild, das nur das Ich will bestärken,
Freiheit, die falsch sich versteht und die Liebe im Keime ersticket.
Friede und Glück der Gemeinschaft gedeihen im Wirken der beiden,
Achtend die Gleichheit der Würde und ehrend die heil'ge Verschiedenheit.
Zentral ist das Zeichen der Frau für das heilige Leben der Kirche,
Deren Geheimnis von Gott her in mystischer Tiefe begründet.
Schon in den Tagen der Väter, da wuchs die Gemeinde aus Christus,
Braut ist sie Ihm und mit Liebe in ewiger Treue verbunden.
Erste der Aufgaben bleibt: In dem Lichte der Gottheit zu weilen,
Dankend das Wunder zu feiern, das uns im Sohne erschienen.
Darin ist uns Maria der Anker und heilige Spiegel,
Zeigt uns das Antlitz der Braut und was Gott von den Seinen erwartet.
Ihr Dasein lehrt uns das Hören und gläubige Aufnehmen Gottes;
Nicht wir suchen den Herrn, Er ist es, der gnädig uns heimsucht.
„Mir geschehe nach Deinem Wort“, so spricht sie voll Demut,
Glaubend, dass nichts für den Schöpfer unmöglich auf Erden und Himmel.
Vertrautheit mit Christus, dem Herrn, empfängt nun die Kirche von ihr auch:
Sie, die das Kind in den Armen mit mütterlich' Sorge getragen,
Lehrt uns die Demut des Höchsten, der klein für uns alle geworden.
Sie, die den Leib des Gemarterten barg nach dem Sterben am Kreuze,
Zeigt uns, wie wir uns erbarmen der Menschen, die heute noch leiden,
Welche durch Sünde und Grausamkeit elend entstellt in der Welt sind.
Machtvoll erweist sich die Liebe, wie Gott sie im Sohne geoffenbart,
Stürzt von den Thronen die Stolzen und hebt aus dem Staube die Kleinen.
Von ihr lernen die Jünger den Lobpreis der göttlichen Taten:
„Großes hat Er mir getan!“, so singt sie im Jubel der Seele.
Wachsam bewahrt sie das Denken an Gottes gewaltige Werke,
Bis an dem Ende der Tage der Herr in der Herrlichkeit wiederkehrt.
Schau auf Maria und folge ihr nach! Doch wisse im Geiste:
Nicht in die Passivität ist die Kirche gerufen durch sie nun.
Nicht eine Schwäche, die flieht vor der Welt und der Gier nach der Herrschaft,
Sondern der Weg ist die Liebe, wie Christus ihn herrlich gewandelt.
Königliche Macht ist sein Pfad, die Gewalt und den Hochmut besieget,
„Passio“ ist sie, ein Leiden, das Tod und die Sünde bezwinget.
Johannes, am Kreuze dem Schutze der Mutter vom Sohne vertrauet,
Lernt von Maria den Sieg einer Liebe, die ewiglich triumphet.
Demut und Treue und Lobpreis sind Früchte des Geistes der Väter,
Wurzeln im Glauben Israels, der Gott in der Stille erwartet.
Was in Maria erstrahlt, ist die Weihe für jeden Getauften,
Aber die Frau lebt dies Vorbild mit tieferer Kraft und Natur aus.
Erste der Zeugen ist sie für die Antwort der Braut an den Bräutigam,
Führt uns zum Herzen des Lebens, weit über das Amt und die Weihe.
Alles ist neu nun in Christus, der ewig die Herzen erneuert,
Doch keine Gnade gedeiht ohne Umkehr im Innersten Geiste.
Blicke auf Jesus, den Herrn! Er ist Liebe, die Sünde besieget,
Wandelt den Bund zwischen Mann und der Frau in ein heiliges Wirken.
Nicht mehr die dreifache Gier soll das Schicksal der Menschen bestimmen,
Sondern das Zeugnis der Frau, das uns rettet vor Macht und Gewalt nun.
Menschheit, gefangen im Ich, braucht die Werte der Sorge und Hingabe,
Doch auch die Frau muss sich kehren zum Herrn und die Gaben erkennen.
Beide, der Mann und das Weib, brauchen Gott als die rettende Hilfe,
Schöpfer, der liebend die Welt durch den Sohn aus dem Dunkel erlöset.
Demütig flehe im Gebet um den Blick, der die Gnade erkennet,
Rufe Maria nun an, die als Frau Gottes Herz hat gefunden.
Gesegnet vor allen ist sie, um den Weg uns der Liebe zu zeigen,
Dass in uns allen das Abbild des Vaters aufs Neue erscheine.
Wiedergefunden sei nun jene Straße des Friedens und Staunens,
Wie sie das Hohelied kündet im Jubel der Herzen und Leiber.
Glaube der Kirche weiß wohl um die Macht und das Wirken der Sünde,
Stärker jedoch ist die Kraft der Vergebung, die Christus uns schenkte.
Friede und Staunen, sie leuchten am Morgen des Gartens im Glanze,
Denn es ist wahr und bleibt ewig bestehen: Die Liebe ist Gott selbst.