HEILIGE AGATHA

VON TORSTEN SCHWANKE



1


Die heilige Agatha von Catania ist vor allem für ihr standhaftes Martyrium im 3. Jahrhundert bekannt. In der Überlieferung wird berichtet, dass sie wegen ihres christlichen Glaubens grausam gefoltert wurde – unter anderem durch die Verstümmelung ihrer Brüste. Dieses Detail ist ein Zeichen für die extreme Gewalt, die sie erdulden musste, und für ihre unerschütterliche Treue zu ihrem Glauben.


In der christlichen Symbolik stehen Agathas verletzte Brüste für Reinheit, Opferbereitschaft und geistige Stärke. Künstlerische Darstellungen zeigen sie oft mit einer Schale, auf der ihre abgetrennten Brüste liegen – um an ihr Leiden und ihren Mut zu erinnern. So wird ihr Körper zum Zeugnis ihres Martyriums und ihrer Würde.



2


O Agatha, du reine Braut,

die fest auf Christi Wahrheit baut,

verfolgt, verwundet, doch voll Licht,

verzagtest du im Leiden nicht.


Man riss dir, grausam, Leib und Zier,

doch blieb dein Herz bei Gott und dir;

was Menschenhand in Hass zerbricht,

verliert vor Gottes Macht Gewicht.


Da Petrus kam im Wunderlauf,

hob sanft dein Leid zum Himmel auf;

durch Gnade neu, durch Heil so rein,

ward Schönheit mehr als je dein Sein.


Nicht Fleisch allein, nein, Glaubensmacht

verklärt die Wunde in der Nacht;

was Opfer war, wird Ehr und Kron,

im Glanz vom ew’gen Himmelsthron.


Drum singt die Kirche, weit und breit:

Dass Agatha in Herrlichkeit!

Ihr Leib ein Zeichen, stark und klar:

Gott heilt, wo Leid und Marter war.



3


O Agatha, du keusche Zier,

geweiht dem Herrn in Herz und Gier,

dein Leib, einst Tempel rein und klar,

trug Tugend wie ein Sternenpaar.


Dein Busen, Zeichen sanfter Huld,

ward Ziel der grausam blinden Schuld;

man schändet’ ihn in dunkler Nacht,

doch blieb dein Geist in Gottes Macht.


O edle Brust, o heil’ger Hort,

bewahrt in Treu am Glaubenswort,

nicht Lust noch Eitelkeit dein Sinn,

nur Christus war dein Herz-Gewinn.


Da Petrus kam im Wunderlicht,

berührt’ die Wunde, sprach Gericht:

Was Hass zerstört, was Schmerz entstellt,

wird neu geziert durch Gottes Welt.


Und schöner noch als je zuvor

erblühte neu der Gnade Flor;

verklärt erschien dein heil’ger Leib,

als Siegeskranz dem reinen Weib.


Drum singt der Chor in Ehrfurcht sacht:

Gepriesen Agatha in Macht!

Ihr Leib, geheilt durch Himmelsgunst,

ein Lied aus Leid, veredelt Kunst.



4


O Agatha, o Wunderzier,

der Himmel schmückte selbst dich hier;

dein Busen, hold und sanft geschwellt,

war Lilienpaar in Gottes Welt.


Zwei Rosen, zart von Anmut rund,

voll milder Glut und Engelsgrund,

sie glänzten wie der Morgenstern,

ein irdisch Bild des Himmels fern.


Doch Frevelshand, von Neid entbrannt,

entweihte, was der Schöpfer band;

man raubte dir der Schönheit Glanz

und trank sich satt an Schmerz und Kranz.


Da Petrus kam im Strahlenkleid,

umhüllt von Macht und Ewigkeit;

er rührte mild die heil’ge Stätte,

als ob er selbst sie neu aussäte.


Und schöner noch als je zuvor

erblühte Gnade neu empor:

dein Busen, zarter, voller Pracht,

Triumph ward über Tod und Nacht.


So preist der Chor in süßem Ton

die Märtyrin vor Gottes Thron:

Ihr Leib ein Lied aus Schmerz und Licht,

verklärt im Glanz des Herrn Gerichts.



5


O Agatha, du Glut im Sternenkleid,

dein Leib ein Kelch voll Licht und Seligkeit;

dein Busen, weich wie Morgenhauch,

ein Garten, süß von Gnadenrauch.


Zwei Hügel, sanft von Reiz umflort,

wo Schönheit ruht an heil’gem Ort,

wie Rosen, warm von Lebenssaft,

geboren aus der Schöpferkraft.


Doch Marter griff nach süßer Pracht,

entflammte Schmerz in dunkler Nacht;

dein Fleisch erbebt, dein Atem bebt,

wo Leid sich mit Verlangen webt.


Da naht Petrus im Wunderglanz,

berührt die Wunde wie im Tanz;

aus Blut wird Perle, aus Qual wird Glut,

aus Schmerz wird neu gebor’ne Flut.


Und voller, runder, lichtdurchtränkt

ward neu, was Gottes Hand beschenkt;

dein Busen blüht in höh’rem Schein,

als wär’ er selbst des Himmels Wein.


So singt der Chor mit heißem Mund

vom süßen Leid, vom Gnadenbund:

Ein heil’ges Fleisch, von Lust umhaucht,

das durch den Schmerz zum Wunder taucht.