DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE
BUCH I
EPISTEL I
Maezenas, du, mein Ruhm, der du mein Beginn warst und Ende,
willst du zum alten Gestüt mich zurück, der ich längst schon gesichtet,
längst schon begnadet mit Holz, im Gehege des Ringens gefangen?
Weder die Jahre sind gleich noch der Sinn. Veianius hat ja
drüben am Pfosten des Herkules längst seine Waffen verborgen,
müde, dem Volke noch oft im Theater die Arme zu flehen.
Ständig doch tönt es mir rein und vernehmlich ins Ohr: „Löse reiflich
jetzt den alternden Gaul, weise Kaste, dass er nicht am Ende
Stürze, verlacht und die Flanken verschwitzt.“ Drum lege ich Reste
nun von Versen und Spielerei weg und besinne mich einzig
Drauf, was geziemend und wahr ist; das such ich und tu es mit Inbrunst.
Sammle und ordne mir an, was ich brauchen kann bald und herausholen.
Fragst du mich etwa, wer mich wohl führt, an wem ich mich anlehne?
Keines Meisters Geheiß hab ich geschworen zu folgen;
Wo mich die Welle auch hintreibt, ich lege mich an als ein Gast.
Bald bin ich rührig und tauche mich unter in bürgerliche Fluten,
Sorge als echter Verfechter und starrer Trabant um das Gute;
Bald aber gleite ich schleichend zurück zu der Lehre des Aristippus,
Strebe, die Dinge mir, nicht mich den Dingen zum Sklaven zu beugen.
Gleichwie die Nacht lang scheint den Verliebten, von Trug der Geliebten
Ferngehalten, der Tag scheint lang den Verpflichteten, welche
Schuften für Lohn, und es schleppt sich das Jahr für die armen Pupillen,
Welche der mütterlich strenge Verzug an der Leine nur hält, so
Fließen mir langsam und traurig die Stunden dahin, die das Hoffen
Hemmen und jeglichen Rat, mit Eifer zu tun, was den armen
Menschen gleichermaßen nützt wie den reichen, und was auch keinem,
Ob er ein Knabe nun sei oder Greis, jemals schaden wird, solang man es meidet.
Bleibt mir nur, dass ich mich selber regiere und tröste mit Grundsatz.
Kannst du das Ziel auch nicht treffen mit Lynceus' wunderbarem Auge,
Unterlässt du darum wohl zu salben die triefenden Augen?
Weil du verzweifelst am Wuchs des siegreichen Glykon, willst du etwa
Darum dem Knie, das gepeinigt von Gicht ist, die Linderung weigern?
Weiterzukommen ist möglich, auch wenn man das Äußerste nicht reicht.
Lodert von Habgier das Herz dir und Elend und blinder Begierde:
Worte gibt es und Lieder, mit denen du mildern den Schmerz kannst,
Ja, den Hauptteil der Seuchenkrankheit von dir werfen.
Brennst du vor Durst nach der Ehre: gewiss gibt es rituell reinigende Zauber,
Wenn du dreimal das reine, geschriebene Büchlein gelesen hast.
Neidisch, voll Zorn, träge, sauffreudig, verstrickt in die Liebe:
Keiner ist je so verwildert, dass er nicht gelassener werden könnte,
Hörte er nur auf die Lehre mit willigem, offenem Ohre.
Tugend ist, Laster zu fliehen, und erste Weisheit beginnt dort,
Wo man die Torheit verbannt. Siehst du denn nicht, welche größten
Mühen du auf dich geladen, um das, was du glaubst als die höchsten
Güter zu achten: den spärlichen Zins und die schändliche Niederlage?
Um wie viel Seelen- und Leibeskraft du darum feilschst!
Emsig läufst du als Händler bis zu den äußersten Indern,
Fliehst über Meere und Felsen und Feuer vor bitterer Armut.
Wolltest du nicht die Dinge, die du nur in Torheit bewunderst,
Lieber verlernen und hören und glauben dem Besseren endlich?
Wer in den Gassen und auf den Plätzen als Raufbold verstrebt sich,
Dass ihm die Krönung entgegekomme in Olympia, wo er die Hoffnung,
Wo den Aussicht auf mühelos grüne Palmen genießt?
Viel geringer als Gold ist das Silber, doch Tugend steht höher als Gold noch.
„Bürger, o Bürger, beschafft euch zuallererst nur das Geld nur,
Tugend kommt erst nach den Münzen!“ So predigt es Janus, der höchste
Bis zum tiefsten, und singen es nach die Knaben und Greise,
Haltend das Täfelchen fest und das Täschchen am linken Gelenke.
Hast du Mut und Gesittung, Verlässlichkeit, Worte und Treue,
Fehlen zum viermal hundertsten Tausend nur sechs oder sieben:
Bist du nur Plebejer. Doch Knaben vergnügen sich rufend: „Ein König
Wirst du sein, wenn du recht tust!“ Das sei dir die stählerne Wand nun:
Nichts sich bewusst zu sein, vor keinem Verbrechen zu bleichen.
Sag mir, o Rosciae, sprich: ist der Knaben Gesang oder Roms Gesetz besser,
Welches die Herrschaft verheißt, wer ein rechtschaffenes Leben geführt hat,
Was die Curius sangen und Camillus, die echten Helden?
Rät dir der Mann wohl besser, der sagt: „Hol Reichtum und Reichtum,
Recht, wenn du kannst, wenn nicht, dann hole den Reichtum auf jegliche Art nur!“
Damit du von Nahem siehst die tränenzerrenden Dramen des Pupius,
Oder wer dir zu trotzen der stolzen Fortuna befiehlt, dich
Echt und gelöst und als Freien erzieht und dir beisteht?
Wenn mich das Volk nun der Römer einst fragte, warum ich zwar nicht wie
In den Hallen, so auch in den Hallen der Richter nicht wandle,
Nicht das erstrebe und fliehe, was es selbst billigt oder verdammt,
Antworte ich mit dem Spruch, den einst zu dem kranken der Fuchs sprach:
„Weil mich die Spuren entsetzen,
Alle nach innen gewandt, doch keine zurückkehrt.“
Vielköpfig bist du, o Menge. Wen soll ich denn folgen und wem nun?
Einige gieren darnach, die Staatsfinanzen zu pachten;
Andere jagen mit Kuchen und Früchten die reiche Witwe
Und fangen Greise, um sie in die eigenen Netze zu sperren;
Wachsen tut manchem das Gut durch verborgene Zinsen. Doch mag es
Andere geben, die Lust an ganz anderen Dingen empfinden:
Können sie denn auch eine einzige Stunde bei demselben verharren?
„Keiner im ganzen Kreis verherrlicht die Bucht von Baiae!“
Ruft ein Reicher, da spürt das Meer und der See schon die Inbrunst
Des eilfertigen Herrn, dem, wenn die verdorbene Lust es
Einmal befiehlt, schon morgen die Bauleute Schaufeln und Spaten
Tragen nach Teanum werden. Das Ehebett steht in der Halle:
Nichts ist besser, ruft er, nichts gleicht dem einsamen Leben;
Fehlt es ihm, schwört er, dass nur die Verheirateten selig ihr Leben beschließen.
Wie soll ich den wandlungsfähigen Proteus fesseln mit welchem Knoten?
Und was der Arme? Nur lacht: Er wechselt die Mietwohnung, Lager,
Bäder, die Fräser und Scheitel, und schifft sich auf gemietetem Kahn ein,
Werdend genau so übel als wie ein Wohlhabender, welchen
Eigene Dreiruder führen. Wenn ich mit sträflich geschorenem
Haare dir begegne, so lachst du; wenn unter dem feinen Gewande
Vielleicht ein ärmliches Unterkleid lugt oder schief sitzt die Toga,
Lachst du: Was, wenn mein eigenes Sinnen im Widerstreit mit sich selber
Liegt, was es wollte verdammt, und wieder begehrt, was es eben
Erst noch verlacht hat, und wallt und im ganzen Gefüge des Lebens
Wankt, ein und umbaut, vertauscht das Runde mit eckigem Klotz nun?
Glaubst du mich wahnsinnig nur auf die übliche Weise, du lachst nicht,
Glaubst nicht, dass ich desarzten bedarf oder eines Kurators,
Vom Prätor mir bestellt als Vormund meines Vermögens,
Wo du doch zürnst über jeden verkehrten Nagel am Finger
Meines Freundes, der ganz an dir hängt und zu dir nur emporschaut!
Um es zu sagen: Der Weise ist nur dem Jupiter unter,
Reich, frei, geehrt, schön, ja, der König von allen Königen,
Vor allem gesund, wenn ihn bloß nicht der Schnupfen quälet.
EPISTEL II
Maximus Lollius, du, während du deklamierst in Rom,
las ich Praeneste neu; den Schreiber des trojanischen Kriegs,
der, was schön ist, was schändlich, was nützlich und was es nicht ist,
voller und besser beschreibt als Chrysipp und Crantor, erfahre,
warum ich das glaube, wenn dich nicht anderes abhält, jetzt.
Jene Geschichte, durch die wegen Paridis Liebe erzählt
Griechenland zermürbt von langem Kampf mit Barbaren ward,
enthält der Toren Könige Wut und der Völker Gemüt.
Antenor meint, man solle des Krieges den Anlass abtihn;
was Paris? Dass er heil regiere und lebe als Glücklicher,
Meint er, könne man nicht erzwingen. Nestor verknüpft die
Zwistigkeiten zu lösen sich eilt zwischen dem Peliden
Sowie Atriden; die Liebe entfacht und der Zorn beide gleich.
Was immer die Könige toben, büßen müssen Achaier.
Durch Zwietracht, Tücke, Verbrechen und frevelnde Gier und durch Zorn
Wird gefehlt sowohl innerhalb als auch außerhalb Trojas Mauern.
Wiederum, was die Tugend vermag und was die Weisheit,
Hat als nützliches Bild uns Odysseus vor Augen gestellt,
Der als Bezwinger von Troja, mit Weitsicht gesegnet, die Städte
Und Sitten der Völker sah, auf der weiten Gewässern,
Während er sich, während er Heimkehr den Gefährten bereitet,
Vieles erlitt und trotzte den wilden, feindlichen Wellen.
Kennst du der Sirenen Gesang und der Circe Becher?
Hätte mit ihnen der tolle und gierige Haufen getrunken,
Hätt er unter der herrschenden Buhle als hässlicher Tölpel
Gelebt, als unreines Tier, als Schlamm liebende Sau.
Wir sind nur Menge und dazu geboren, um Frass zu verzehren,
Freier der Penelope, Taugenichtse Alkinous',
Und jene Jugend, die sich mit Hautpflege über Gebühr
Plagt, der es herrlich erschien, bis in den Mittag zu schlafen
Und zum Klange der Zithern unbeschwert Sorgen zu flieh'n.
Um den Menschen zu morden, erheben Diebe sich nachts schon;
Willst du dich selber erretten, erwachst du nicht? Aber willst du
Nicht gesund sein, so läufst du als Wassersüchtiger; und wenn
Du nicht vor Tag das Buch mit dem Lichte verlangst, wenn du nicht
Deinen Sinn auf das Lernen und edle Taten ausrichtest,
Wirst du vom Neid oder brennender Liebe im Bett gequält.
Warum beeilst du dich stets, das zu tilgen, was das Auge
Schmerzt, während du bei dem Schmerz der Seele das Heilen auf Jahre verschiebst?
Wer begonnen, hat halb schon getan; wage weise zu sein, fang an!
Wer die Stunde des rechten Lebens nur weiter hinausschiebt,
gleicht dem Bauern, der wartet, bis der Fluss abgeflossen;
Doch er fließt und wird fließen in alle Ewigkeit rollend.
Silber wird gesucht und ein Weib, das reich an Söhnen die Welt macht,
Und ungezähmte Wälder bezwingt der Pflug mit dem Eisen;
Wer mit dem Genug ist beglückt, der verlange nach mehr nicht.
Weder Haus noch Gut, noch ein Haufen an Silber und Gold hat
jemals das fiebernde Herz oder Glied des Herrn geheilt,
Keineswegs des Gemütes Sorgen; gesund muss der Besitzer sein,
Wenn er gedenkt, das gesammelte Gut auch vernünftig zu nutzen.
Wer begehrt oder fürchtet, dem nützen Haus und Besitz so
Wie dem Blinden gemalte Bilder, dem Gichtigen Umschläge,
Oder dem, den am Ohr verstopfter Eiter und Schmerz plagt.
Ist das Gefäß nicht rein, so sauert, was immer du eingießt.
Meide die Wollust; es schadet die Wollust, die Schmerz kauft.
Stets hungert der Geizige; setze dem Wunsche ein festes Ziel.
Neidisch magern des Andern blühende Güter dahin an;
Neidisch haben die Herrscher Siziliens kein größeres
Folterinstrument erfunden. Wer seinen Zorn nicht bändigt,
Wünscht, dass das ungeschehn sei, was Schmerz und Verstand ihm geraten,
Während er straft im Hass und mit Gewalt Rache erstrebt.
Zorn ist ein kurzer Wahnsinn; regiere das Herz, das, gehorcht es
Nicht, selber herrscht; halte es mit Zügeln und Kette zurück.
Weich am Nacken bereitet das Pferd der geschickte Bereiter,
Dass es dem Pfad folgt, den der Reiter zeigt; der Jagdhund, seitdem
Er das Hirschfell im Hof einst anbellte, dient in den Wäldern
Treu als Welpe. Nimm nun in die reine Brust die Worte, du Knabe,
Biete dich nun dem Besseren an; was frisch ist im Herzen,
Sogenannt, wird den Geruch der Kruge bewahren auf lange Zeit.
Zögerst du aber oder bist eifrig voraus, so halte ich
Weder den Zaudernden auf noch dränge ich mich vor die Eilenden.
EPISTEL III
Iulus Florus, an welchen Oraten der Erde bekriegt sich
Claudius, der Stiefsohn des Augustus? Ich frage mit Eifer.
Hält euch Thrazien auf und der Hebrus mit eisigem Zügel,
Oder die Fluten, die eilen zwischen den nahen zwei Türmen,
Oder der fruchtbaren Felder und Hügel Asiens Erde?
Was baut die lernende Schar an Werken? Auch danach frage
ich. Wer nimmt es auf sich, die Taten des großen Augustus
Niederzuschreiben? Wer breiteter Kriege und Frieden in weite
Zeiten aus? Was macht Titius, der bald vor dem römischen Ohre
Steht, der des Pindarischen Quells den durstigen Trunk nicht gescheut hat,
Wagen durfte, die Teiche zu verschmähen und offene Bäche?
Wie geht es ihm? Denkt er an uns? Sucht er in lateinischer Leier
Thebanische Weisen zu formen nach Wink der Musen, oder
Tobt er in tragischer Kunst und füllt sich die Blase mit Reden?
Was tut mein Celsus mir an? Oft gemahnt und noch vielmals zu mahnen:
Dass er das Eigene suche und meidet zu berühren die Schriften,
Welche Apollo palatinisch in seiner Verwahrung empfangen,
Damit nicht etwa, wenn einst zurückzuholen die Federn
Jener gefiederte Schwarm kommt, Krähe den Spruch und das Lachen
Hervorruft, entblößt von gestohlenen Farben. Was wagst du?
Welche Thymianfelder umkreist du emsig? Dein Geist ist
Keineswegs klein, nicht ungebildet und hässlich verwildert;
Sei es, dass du im Gericht die Zunge schärfst oder bürgerliches
Recht zu erwidern gedenkst, sei es, dass du ein liebliches Lied baust,
Einen siegreichen Kranz aus Efeu wirst du zuerst tragen. Könntest
Du die frostigen Fesseln der Sorgen beiseite nur lassen,
Dahin, wohin himmlische Weisheit dich führte, du schrittest.
Dieses Werk und die Müh' lass uns Kleine und Große geschwind tun,
Wollen wir heimatlich leben und teuer uns selber.
Dies musst du mir auch erwidern: ob dir Munatius so sehr am
Herzen liegt, wie es sich ziemt? Oder ob falsch vernähte
Freundschaft vergebens nur heilt, sich trennt, und euch ferner
Heißer das Blut oder mangelnde Einsicht quälet, so dass ihr
Ungezähmt am Nacken wild seid? Wo immer ihr Orte
Lebt, ihr seid unwürdig, den brüderlichen Bund zu zerbrechen;
Euch wird zum kommenden Heimweg genährt eine opfernde Jungkuh.
EPISTEL IV
Albilius, du ehrlicher Richter von unsern Gesprächen,
Was soll ich sagen, was treibst du in der Region von Pedum?
Schreibst du ein Werk, das die Schriften des Cassius Parmensis überträgt,
Oder streifst du im Schweigen durch heilsame Wälder und pflegst das,
Was des Weisen und Guten für würdig befunden mag werden?
Du warst kein Leib ohne Geist; Götter gaben dir Form und
Götter gaben Reichtum dir und die Kunst, ihn zu nutzen.
Was wünscht wohl die Amme dem liebsten Zögling wohl mehr noch,
Der da weise kann sprechen, was tief er empfindet, dem Ehre,
Ruhm und Gesundheit in reichem Maße zuteil wird,
Und ein geregeltes Leben mit nicht versiegender Börse?
Mitten im Hoffen und Sorgen, in Ängsten und heftigen Zornes
Tagen, glaube, es sei der letzte, der dir nun erschienen;
Freudig bricht dann die Stunde an, die du niemals erwartet.
Mich wirst du fett und glänzend besuchen mit gepflegter Haut, wenn
Du zu lachen gedenkst, ein Schwein aus der Herde Epikurs.
EPISTEL V
Kannst du auf Betten von Archius liegen und scheust du dich nicht, zu
Speisen mit Kräutern in ganz bescheidenem Teller,
Warte ich meinerseits ab, Torquatus, zu Hause bei Sonnenuntergang.
Wein wirst du trinken, zum zweiten Mal abgefüllt unter Taurus,
Drüben in sumpfigem Sinuessa und Minturnae zwischen.
Hast du was Besseres, bring es oder gehorche dem Befehle.
Schon glänzt der Herd und die T-Wohnung ist sauber für dich da.
Lege die leichten Hoffnungen ab und die Händel um Reichtum,
Mamt Moschus' Sache; da der Geburtstag Caesars uns freut, gibt
Tag uns Schlaf und Verlaub; ungestraft wird es möglich, den Sommer-
Abend im freundlichen Wort bis tief in die Nacht zu verlängern.
Wozu besitz ich ein Glück, wenn man es nicht nutzen darf?
Knauserig, um den Erben besorgt und viel zu streng sitzt
Neben dem Irrsinnigen einer; ich will zu trinken beginnen,
Blumen zu streuen und lass mich gern auch als sinnbefreit gelten.
Was löst die Trunkenheit nicht? Sie enthüllt das Verborgene, lässt uns
Hoffnungen sicher sein, treibt Toren zu Schlachten, nimmt sorgenvollen
Seelen die Last und lehrt neue Künste. Die vollen Becher,
Wen machten sie nicht zum Redner? Wen machten in enger
Armut sie nicht frei? Dieses zu pflegen und rüstig zu ordnen
Werd ich geboten und tu es gern, dass nicht hässliche Decke,
Dass nicht schmutzige Tücher die Nasen rümpfen, dass Teller
Und auch Becher und Schüssel dir dich selber zeigen, dass keiner
Mitten im treuen Freundeskreis Worte nach außen hin trägt, so
Dass sich Gleiches zu Gleichem gesellt und gefunden wird. Butra
Und Septicius will ich, und falls nicht ein früherer Reiz und
Liebster Sabinus mir das Mädchen entreißt, auch dich holen.
Platz ist für mehrere Gäste noch da, doch allzu enge
Drängen die Feste sich, wenn der Ziegenbock stinkt. Wie viele
Sei du gesonnen zu kommen, schreib mir und lass alle Geschäfte,
Täusche den Klienten, der am Hinterausgang auf dich lauert.
EPISTEL VI
Nichts zu bestaunen ist fast das einzige Mittel, Numicius,
Einzig das Ding, das fähig uns macht, glücklich zu sein und zu bleiben.
Diese Sonne, die Sterne und den in geregelten Momenten
Schreitenden Lauf der Zeit schauen manche mit völliger Furchtlosigkeit
An. Was meinst du erst von den Gaben der Erde, was von dem Meere,
Welches die äußersten Inder und Araber reich macht? Was spielerisch
Ist, von dem Beifall und den Geschenken des freudigen Bürgers?
Wie soll man sie betrachten, mit welchem Sinn und Gesicht glaubst du?
Wer vor all dem sich fürchtet, staunt über das Widrige fast so
Wie der Verlangende; Furcht ist auf beiden Seiten beschwerlich,
Plötzlich blickende Schöpfung erschreckt die beiden gleichermaßen.
Ob er sich freut oder schmerzt, ob er wünscht oder fürchtet, was tut's zur
Sache, wenn er, was immer er sah als besser oder
Schlechter als Hoffnung, starr mit gefesselten Augen, mit Leib und
Seele versteinert? Der Weise mag den Namen des Toren
Tragen, der Fromme des Frechen, strebt er nach Tugend zu weit über
Maß. Geh hin, und bewundere Silber, das alte Marmor,
Kupfer und Künste, staune mit Edelstein tyrische Farben;
Freue dich, dass dich tausend Augen betrachten, wenn du sprichst;
Eile des Morgens zum Markt und abends zurück in das Haus, damit
Mutus nicht mehr von Getreide auf dörflichen Feldern einntet
Als du, und dass (o Schande, von Schlechteren stammend) er eher
Dein Bewunderer ist, als dass du ihn etwa bewunderst.
Alles, was unter der Erde liegt, bringt die Zeit einst ans Licht,
Bergst und begräbst sie im Glanz. Wenn Agrippas Säulenhalle
Und Appius' Straße dich gut bekannt erst erblickt hat,
Bleibt dir doch zu bereisen, wohin Numa kam und auch Ancus.
Wenn die Flanke oder die Nieren durch akute Seuche gequält sind,
Suche die Flucht vor der Seuche. Willst du gesund leben (wer nicht?):
Kann die Tugend allein dir das geben, so lass alle Lust fort,
Tu das. Meinst du, die Tugend sei Worte und Bäume ein heiliger
Hain: hüte dich, dass ein andrer dir nicht den Hafen wegnimmt,
Dass du Bithynische Handel, Geschäfte aus Cibyra nicht verlierst;
Tausend Talente gerundet, und ebenso viele dazu und
Drittens noch weitere drauf, und was den Haufen erst viertelt.
Freilich, die Frau mitgiftig und Treue und Freunde und Sippe,
Ja, auch Gestalt und Geschlecht schenkt die Herrscherin Geld, und die
Überzeugende Venus und Suadela zieren den Reichen.
Reich an Sklaven, bedarf des Geldes der König Kappadokiens;
Sei du nicht dieser. Lukullus, so sagt man, da man ihn bat,
Ob er hundert Chlamyden auf der Bühne bereitstellen könnte:
„Wie kann ich so viele?“ sprach er; „doch will ich suchen und wie viel
Ich besitze, sie senden“; kurz darauf schreibt er, es seien
Fünftausend Chlamyden im Haus; er nähme den Teil oder alle.
Armselig ist das Haus, wo nicht vieles auch übrig vorhanden
Und dem Herrn unbekannt ist und Dieben nützt. Wenn also
Reichtum allein glücklich machen und erhalten uns kann,
Suche dieses als Erstes und lass es als Letztes dir schwinden.
Wenn uns Stand und Gestalt zum beglückten Leben verhelfen,
Können wir Sklaven erkaufen, die uns die Namen vorsprechen, die uns
In die linke Flanke stoßen und zwingen, jenseits der Grenze
Die Rechte zu reichen: „Der gilt viel in der fabischen Tribus, jener
In der Velina; dieser hier gibt die Ruten und reißt sie
Mühelos jedem vom Stuhl, dem er will.“ Ruf „Bruder“ und „Vater“,
Und wie des Alters Stand ist, so nimm freundlich jeden als Verwandten.
Wenn der gut lebt, wer gut speist, gut, es leuchte, wir gehen,
Wohin der Hunger uns ruft; wir fischen, wir jagen, wie einst
Gargilius, der am Morgen Netze, Jagdwieseln, Sklaven
Durch den gedrängten Markt und die Menge des Volkes geleiten
Ließ, um als einziger dort vor dem schauenden Volk heimzubringen
Maultier und Eber. Wir wollen verkatert und satt uns erfrischen,
Unvergesslich, was sich ziemt und nicht ziemt, würdig der Wachstafel
Caeres, des schadhaften Rudervolks des ithakischen Ulysses,
Dem die verbotene Lust lieber war als die Heimat.
Wenn, wie Mimnermus meint, ohne Liebe und Scherze gar nichts
Freudevoll ist, so lebe in Liebe und Scherzen. Leb wohl nun.
Weißt du Besseres als dies, so teile es offen uns mit; wenn
Nicht, so gebrauche es mit mir zusammen.
EPISTEL VII
Fünf Tage hatt ich versprochen, auf dem Lande zu weilen,
Sextilius, und nun werd ich vergebens vermisst. Doch wenn du
Willst, dass ich lebe gesund und gesund an Kräften, so gib mir,
Maecenas, die Gunst, die du mir als Kranken gewährst, auch,
Wenn ich das Kranksein fürchte, während die erste Feige
Und Hitze den Diener der Toten mit finsteren Lictoren ehrt und
Jeder Vater und jede Mutti um Knaben sich ängstigt.
Pflichterfüllender Eifer und geschäftige Plackerei bringt uns
Fieber und bricht die Testamente von Neuem auf. Wenn doch
Albanische Äcker mit Schnee bedeckt die Winterzeit hat, steigt
Zum Meere hinab dein Dichter und schont sich, liest sich
Eingezogen; er wird, teurer Freund, mit den Zephiren dich wieder
Besuchen, wenn du es erlaubst, und mit der ersten Schwalbe.
Nicht wie ein kalabrischer Gast zur Speise von Birnen zwingt,
Hast du mich reicher gemacht: „Iss, bitt ich.“ – „Es reicht mir schon längst.“ –
„Aber nimm doch, so viel du willst.“ – „Herzlichen Dank.“ – „Du wirst nette
Kleine Geschenke für die Buben mitnehmen.“ – „Ich bin so dankbar
Für das Geschenk, als würd ich beladen davonziehn.“ – „Wie du willst;
Das hier lässt du für Schweine wohl heute zum Fressen zurück.“
Verschwenderisch schenkt nur der Tore, was er verschmäht und hasst;
Diese Ernte hat Undankbare getragen und bringt ihn uns jedes Jahr.
Ein guter und weiser Mann sagt, er stehe den Würdigen bereit,
Weiß aber dennoch genau, wie Schrot sich von Kupfer unterscheidet;
Ich werde mich würdig erweisen auch durch den Lohn des Verdienten.
Wenn du aber nicht willst, dass ich jemals fortgehe, so gib mir
Wieder die jugendliche Kraft, die rabenschwarzen Locken,
Gib mir das süße Sprechen zurück, das charmante Lachen,
Und bei dem Wein das Klagen um die entzückende, freche Cinara.
Einst war durch eine schmale Ritze ein zierliches Füchslein
Klammheimlich geschlüpft in einen Korb voller Weizen,
Und wollte, da es gefressen, mit vollem Leibe vergebens
Wieder hinaus; da rief ihm das Wiesel von Weitem zu: „Willst du
Dorthin entfliehen, so musst du schlank in die Höhle zurück,
In die du geschlüpft bist als Dünne.“ Wenn dieser Spruch mich betrifft, geb
Ich alles zurück; nicht preise ich Schlaf der Menge als Fetter,
Und nicht tausche ich freieste Muße gegen die Schätze der Araber.
Häufig hast du den Scheuen gelobt als König und Vater,
Und nicht sparsamer hörtest du mich vor dir und abwesend;
Prüf, ob ich das Geschenkte mit Freude zurückgeben kann.
Nicht übel sprach der geduldige Odysseus-Spross Telemach:
„Ithaca ist nicht für Pferde geeignet, da weder breite
Ebenen hier sich dehnen noch reiches Gras uns erfreut;
Atride, ich lass dir viel lieber die Gaben, die dir eher passen.“
Dem Kleinen ziemt das Kleine; nicht königliches Rom,
Sondern das einsame Tibur gefällt mir oder Tarent, das friedliche.
Philippus, tüchtig und stark und in Sachen des Rechts berühmt,
Kehrte von seinen Geschäften um die achte Stunde
Einst aus dem Forum zurück und beklagte sich, schon im Alter,
Dass Carinae zu weit weg sei vom Markte, und sah, wie man sagt,
Einen rasierten Mann in schattiger Friseurnische
Sanft mit dem Messerchen sich die eigenen Nägel reinigen.
„Demetrius“ (dieser Knabe empfing nicht ungeschickt Philippus'
Befehle), „geh hin und frag und bring mir Bescheid: wer er ist, woher,
Welchen Standes, von welchem Vater oder Patron.“ Er geht,
Kehrt zurück und erzählt, es sei Volteius Mena mit Namen,
Ein Ausrufer, von bescheidenem Zins, ohne Makel, bekannt als einer,
Der zu eilen weiß und zu ruhen, zu suchen und zu nutzen,
Der sich an kleinen Freunden erfreut, an verlässlichem Herd und
An den Spielen und nach erledigtem Werk auf dem Marsfeld.
„Ich möchte ihn selbst befragen zu dem, was du bringst; sag,
Er möge zum Essen kommen.“ Mena mochte es kaum glauben,
Starrte schweigend vor sich hin. Was viele Worte? „Danke“,
Antwortet er. „Er schlägt mich etwa aus?“ – „Er schlägt's aus, der Freche,
Und kümmert sich nicht um dich oder fürchtet sich.“ Volteius
Wird morgens von Philippus beim Verkauf armseliger Trödelware
Dem Volk im Kittel getroffen und als Erster gegrüßt; jener fängt an,
Bei Philippus sich zu entschuldigen wegen der Arbeit und
Der Sklavenketten, dass er am Morgen nicht heimgekommen sei,
Schließlich, dass er ihn nicht beachtet. „Du darfst mir vergeben
Glauben, wenn du heute mit mir zu Abend speist.“ – „Wie du willst.“ – „Also
Komm nach der neunten Stunde; geh jetzt, mehre rüstig den Wohlstand.“
Als man zum Essen kam, sprach er von vielem, was man sagen muss und nicht,
Bis er schließlich schlafen geschickt wird. Als er nun oft gesehen
Hatte, wie heimlich der Fisch an die Angel schwamm, am Morgen
Ein Klient und nun ein sichrer Gast, wird er geheißen,
Mit aufs Landgut zu den ausgerufenen lateinischen Festen zu kommen.
Auf den Maultieren sitzend, hört er nicht auf, den sabinischen Boden
Und Himmel zu preisen. Philippus sieht's und lacht dazu,
Und während er überall nach Ruhe, nach Lachen verlangt,
Während er sieben Sesterzen schenkt, sieben weitere borgt und
Ihm verspricht, überredet er ihn, ein kleines Gut zu kaufen.
Er kauft es. Um dich nicht weiter mit langen Umwegen aufzuhalten,
Als nötig ist: aus glänzend wird er zum Bauer und spricht
Blos noch von Furchen und Weinbergen, bereitet Ulmen vor,
Stirbt fast vor Eifer und altert vor Habgier.
Aber als ihm die Schafe durch Diebstahl und Seuche starben, die Ziegen,
Als die Saat ihn trog und der Ochse beim Pflügen umkam,
Ergriff ihn aus Kränkung und Schaden mitten in der Nacht
Der Zorn, er schnappte sich das Pferd und ritt zu Philippus' Haus.
Als Philippus ihn so erblickte, struppig und unrasiert:
„Du scheinst mir, Volteius, zu hart und zu eifrig zu sein“,
Sprach er. „Bei Pollux, du würdest mich armen Patron nennen,
Wenn du mir den wahren Namen geben wolltest“, sprach er.
„Ich beschwöre dich bei deinem Genius, deiner Rechten und den Penaten:
Gib mir das frühere Leben zurück.“
Wer einmal einsieht, wie sehr das Verlassene das Angestrebte
Übertrifft, der kehre reiflich um und suche das Verlorene wieder.
Es ist wahr: Jeder messe sich an seinem eigenen Maße.
EPISTEL VIII
Celsus Albinouanus soll von der Muse, wenn sie gebeten wird,
Grüße empfangen und hören, dass es ihm gut geht im Dienst des Neros.
Fragt er, was ich mache: sag, ich verspreche vieles und Schönes,
Lebe jedoch weder recht noch angenehm, nicht weil der Hagel
Die Reben zerschlug und die Hitze den Olivenbaum biss,
Auch nicht weil in fernen Feldern die Herde erkrankt ist,
Sondern weil ich im Geiste schwächer als am ganzen Leibe bin,
Nichts hören will, nichts lernen, was den Kranken erleichtern könnte,
Treue Ärzte beleidige, über Freunde zürne,
Weil sie mich von tödlicher Trägheit zu befreien sich eilen,
Folge, was mir geschadet hat, fliehe, was mir nützen soll,
In Rom liebe ich Tibur, wankelmütig in Tibur Rom.
Danach frage, wie es ihm geht, wie er Sache und sich regelt,
Wie er dem jungen Mann gefällt und wie der Kohorte.
Sagt er „recht gut“, freue dich erstens, und merke dir dann,
Dies den Ohren als Vorschrift einzuflößen:
„Wie du uns behandelt hast, Celsus, so werden wir dich behandeln.“
EPISTEL IX
Septimius weiß wohl als Einziger, Claudius,
Wie sehr du mich schätzt; denn wenn er bittet und flehend mich zwingt,
Dass ich bei dir für ihn zu sprechen und einzustehen versuche,
Als einen, der dem Geist und Haus des ehrenwerten Neronis
Würdig ist, und er glaubt, das Amt eines engeren Freundes zu erfüllen,
Sieht er, was ich vermag, und kennt mich besser als ich mich selbst.
Vieles hab ich freilich gesagt, warum ich entschuldigt abging,
Doch ich fürchtete, man hielte mich für einen, der seine Hilfe kleiner
Machte, um nur für sich selbst zu sorgen.
So ging ich, um die Schande einer größeren Schuld zu fliehen,
Zu den Ehren einer städtischen Dreistigkeit herab. Wenn du aber
Mein unter Druck des Freundes preisgegebenes Schamgefühl lobst,
Schreibe ihn ein in deine Schar, halte ihn für wacker und gut.
EPISTEL X
Wir, die wir das Land lieben, senden Grüsse an Fuscus,
Den Liebhaber der Stadt; in diesem einen Punkte
Ziemlich ungleich, sonst aber fast Zwillinge
Mit brüderlichem Sinn: was der eine verneint, verneint
Auch der andere, und wir stimmen überein wie alte,
Bekannte Tauben. Du behältst das Nest, ich lobe
Die Bäche des lieben Landes, die moosbewachsenen
Felsen und den Hain. Was fragst du? Ich lebe und
Regiere, sobald ich jene Dinge verließ, die ihr
Mit günstigem Geruch bis zum Himmel erhebt, und
Ich weigere mich wie des Priesters entflohener Sclave
Der Opferkuchen; ich verzehre nun lieber Brot,
Das besser ist als süße Kuchen.
Wenn es sich ziemt, der Natur gemäß zu leben,
Und man sich zuerst einen Bauplatz suchen muss,
Kennst du einen besseren Ort als das selige Land?
Gibt es einen, wo die Winter mühsamer wärmen, wo ein gnädigerer Hauch
Die Wut des Hundssterns lindert und die Augenblicke des Löwen,
Wenn er einmal die stechende Sonne wild empfangen hat?
Gibt es einen, wo neidische Sorge den Schlaf weniger stört?
Riecht oder glänzt das Gras dort schlechter als libysche Edelsteine?
Drängt das Wasser in den Gassen reiner das Blei zu zerreißen,
Als das, welches rauschend den Abhang hinabrieselt?
Gewiss wird der Wald zwischen bunten Säulen genährt,
Und man lobt das Haus, das auf weite Felder blickt.
Du kannst die Natur mit der Mistgabel austreiben, sie kehrt
Dennoch stets zurück und bricht siegreich durch die falschen Verzagtheiten.
Wer nicht kunstvoll mit dem sidonischen Purpur
Das aquinatische gefärbte Vlies vergleichen kann,
Wird keinen sicheren Schaden oder einen näher am Herzen erleiden
Als der, der das Falsche vom Wahren nicht unterscheiden kann.
Wen glückliche Umstände über alle Maßen erfreut haben,
Den werden sie verändert erschüttern. Wenn du irgendetwas bewunderst, wirst du es
Unwillig abgeben. Fliehe das Große; unter ärmlichem Dach
Kann man Königen und dem Leben der Freunde von Königen zuvorkommen.
Der Hirsch, der im Kampf besser war, trieb das Pferd von den gemeinsamen
Weiden fort, bis er im langen Kampfe unterlegen
Die Hilfe des Menschen erflehte und das Zepter empfing;
Doch nachdem er als Sieger gewaltsam vom Feind schied,
Wogte weder Reiter auf dem Rücken noch Zepter im Maul.
So wird der, der aus Angst vor Armut die Freiheit, die kostbarer als Metalle ist,
Einbüßt, als Frecher einen Herrner reiten und ewig dienen,
Weil er mit dem Kleinen umzugehen nicht weiß.
Wem seine Sache nicht passt, so wie ein Schuh einst,
Der größer als der Fuß ist, ihn zu Fall bringt, und brennt, wenn er kleiner ist.
Du wirst, Aristius, froh deines Loses weise leben,
Und mich nicht unbestraft lassen, wenn ich mehr zusammenzuraffen
Scheine, als genug ist, und nicht aufzuhören gedenke.
Gesammeltes Geld befiehlt jedem oder dient ihm,
Es ist würdig, dem gedrehten Strick eher zu folgen als ihn zu ziehen.
Dies diktierte ich dir hinter dem modrigen Tempel der Vacuna,
Glücklich in allem außer dem, dass du nicht bei mir warst.
EPISTEL XI
Wie erschien dir wohl Chios, Bullatius, und das bekannte Lesbos,
Wie das zierliche Samos, wie Kroisos' Residenz Sardis,
Smyrna und Kolophon? Ist es größer oder geringer dem Ruf nach,
Schmachtet das alles erst recht vor dem Marsfeld und Tiberstrom? Oder
Träumst du vielleicht von der Pracht einer Stadt aus der Hand Attalos'?
Oder lobst du dir Lebedus, weil du das Meer und die Wege satt hast?
Weißt du, was Lebedus ist? Ein Nest, noch verlassener fast als
Gabii oder Fidenes; doch würde ich dort gerne leben,
All der Meinen vergessen, ja auch von den Meinen vergessen,
Um Neptun von fern anzustarren auf wütender Erde.
Doch wer von Capua anreist nach Rom, von Schlamm und von Regen
Vollgespritzt, der will niemals in einer Herberge hausen;
Auch wer Frost sich geholt, preist Ofen und Bäder nicht gleich als
Höchste Erfüllung und Inbegriff eines beglückten Lebens;
Und wenn dich auf dem Meere der mächtige Südwind geworfen hat,
Wirst du deshalb die Schiffahrt wohl gleich an der Ägäis verkaufen?
Mytilene und Rhodos zu preisen, wenn's niemand betrifft, ist
So wie ein Mantel im Sommer, im Winter ein Festkleid für Reiter,
Tiber im eisigen Winter, im Monat August die Kaminheit.
Solange Fortuna dir hold ist und du ein heiteres Antlitz
Zeigst, lobest du Samos und Chios in Rom und die ferne Rhodos.
Nimm dir jegliche Stunde, die dir ein Gott nur versüßt hat,
Dankbar mit fröhlicher Hand und schiebe die Freuden nicht auf aufs
Kommende Jahr, damit du an welchem Ort du auch weilst, stets
Sagen kannst, du habest frei und mit Freude gelebt; denn wenn
Vernunft und Verstand uns die Sorgen nehmen, so tut es kein
Ort, der herrscht über weite Meere. Wer über das Meer flieht,
Ändert den Himmel im Flug, doch niemals das eigene Innere.
Emsige Untätigkeit plagt uns; mit Schiffen und Viergespann
Suchen wir glücklich zu sein. Was du suchst, ist an diesem Ort,
Selbst in Ulubrae ist es, fehlt dir nur die ausgeglichene Seele.
EPISTEL XII
Was du an Früchten aus Sizilien sammelst, Iccius, wenn du sie
Recht genießt, gibt es kaum eine Fülle, die Jupiter je noch
Größer gewähren dir könnte; lass endlich das Klagen; denn arm ist
Der nicht, dem der Nutzen der Dinge zur Verfügung steht.
Wenn es dem Magen gut geht, den Lenden und deinen Beinen, kann keine
Königliche Fülle dazu noch etwas Größeres geben.
Wenn du vielleicht inmitten von allem, was da ist, entsagt hast
Und von Kräutern und Nesseln nur lebst, wirst du künftig so leben,
Dass dich der strömende Fluss der Fortuna mit Gold gleich beschwefelt,
Entweder weil Geld die Natur zu verändern gar nicht weiß,
Oder weil du alles für minder hältst als die Tugend.
Wundern wir uns, wenn Demokrits Herde die Äcker verwüstet
Und die Fluren, während sein wendiger Geist ohne Körper fern ist,
Da du doch mitten im Strudel von Habgier und Seuchen dem kleinen
Geiste fernbleibst und stets nach den erhabenen Dingen strebst?
Welche Ursachen das Meer bändigen, was den Jahreskreis mäßigt,
Ob die Sterne von selber wandern oder auf Befehl sich verirren,
Was den finsteren Mond verdunkelt und was seinen Kreis bringt,
Was die zwieträchtige Eintracht der Welt will und vermag, ob
Empedokles recht hat oder das Scharfsinnige Stertinius?
Doch ob Fisch oder Lauch und Zwiebeln du niedermetzelst:
Nimm den Pompeius Grosphos und gib ihm, wenn er um etwas bittet,
Reichlich; Grosphos bittet dich niemals um Falsches und Unrechtes.
Billig ist der Preis für Freunde, wenn den Guten etwas fehlt.
Damit du aber nicht weißt, in welchem Zustand Roms Lage ist:
Gegen Agrippa fiel der Cantaber, durch die Tapferkeit des
Claudius Nero fiel der Armene; das Recht und die Macht Phraates'
Nahm Cäsar entgegen, gebeugt auf die Knie; die goldene Fülle
Schüttet Italiens Erde aus vollem Horn nun herab.
EPISTEL XIII
Wie ich es dir vor der Abreise oft und lange gelehrt hab,
Sollst du die versiegelten Rollen dem Augustus übergeben,
Vinnius, wenn er stark ist, wenn er fröhlich ist, schließlich, wenn er
Danach verlangt; damit du aus Übereifer nicht Fehltritte tust und
Den Büchern noch Hass bringst, wenn du dich allzu geschäftig betätigst.
Wenn dir die Last meiner Schriftrolle allzu schwer auf die Schultern drückt,
Wirf sie lieber fort, als dass du dorthin, wo man dir befahl,
Die Last wie ein störrischer Esel schleppst und des Vaters
Namen dem Spruch zum Gespött machst und zur Fabel gerätst.
Nutze die Kräfte gut an Hügeln, Gewässern und Sümpfen!
Sobald du den Ort als Sieger deines Vorhabens erreichst,
Wirst du die Last so tragen, dass du das Bündel nicht etwa
Wie ein Bauer das Lamm unter dem Arm trägst, wie die wackere
Wirtin den Ballen der gestohlenen Wolle der Pyrria, oder
Wie ein Gast mit der Mütze und Sandalen des Stammesgenossen.
Erzähle nicht allerwelt, dass du geschwitzt hast beim Tragen
Der Lieder, die imstande sind, die Augen und Ohren zu fesseln
Cäsars; um Flehen gebeten, streng dich weiter an!
Geh, lebe wohl, und gib Acht, dass du nicht stolperst und die Aufträge brichst.
EPISTEL XIV
Wälderverwalter du und meines kleinen Guts, das mich
Mir zurückgibt, das du verschmähst, obwohl es fünf Herde bewohnt
Und fünf wackere Väter gewohnt war nach Varia zu senden:
Lasst uns streiten, wer von uns beiden die Dornen im Acker
Herzhafter ausreißt, ob Horaz besser dasteht oder das Gut.
Obgleich mich die Frömmigkeit Lamias und seine Sorge zurückhält,
Der um den geraubten Bruder trauert, unheilbar weint,
Zieht es mich doch dorthin mit Geist und Seele, und ich liebe es,
Die Schranken zu brechen, die dem Weg im Wege stehn.
Du preist das Leben auf dem Land, ich das Leben in der Stadt;
Wem das Schicksal des anderen gefällt, dem ist sein eigenes verhasst.
Töricht klagt jeder den unschuldigen Ort in seiner Unvernunft an;
Schuld hat allein das Gemüt, das sich selbst niemals entflieht.
Du hast als Sklave auf dem Hof um das Land gebetet mit stummem
Wunsch, nun wünschst du dir Stadt, Spiele und Bäder als Verwalter;
Du weißt, dass ich mit mir im Reinen bin und traurig fortgehe,
Wann immer mich ungeliebte Geschäfte nach Rom ziehen.
Wir bewundern nicht dasselbe; darin sind wir uns uneins;
Denn was du für wüste und unwegsame Einöden hältst,
Nennt der lieblich, der wie ich empfindet, und verabscheut,
Was du für herrlich hältst. Hurenhäuser und die üppige Garküche
Wecken in dir die Sehnsucht nach der Stadt, wie ich sehe, und dass
Dieser Winkel dir Pfeffer und Weihrauch schneller als Trauben bringt,
Dass keine Schenke in der Nachbarschaft dir Wein
Bereitstellen kann, keine tanzende Flötenspielerin, zu deren
Klängen du springst, die Erde schwer treffend; und dennoch tust du
Dich an den Lägern der lange unberührten Äcker gütlich,
Pflegst den Ochsen und fütterst ihn mit frischem Laub;
Zusätzliche Arbeit macht dem Faulen der Bach, wenn Regen fällt,
Den man mit vieler Mühe zwingen muss, die sonnige Wiese zu schonen.
Höre nun, was unsere Eintracht spaltet:
Den feine Togen schmücken und glänzendes Haar,
Den du als freien Mann kennst, der der gierigen Cinara gefiel,
Der mitten am Tage hellen Falerner genoss,
Den erfreut ein kurzes Mahl und Schlaf im Gras am Bach;
Es schamlos zu spielen beschämt nicht, doch das Spiel zu brechen.
Hier feilt niemand mit scheelen Augen an meinem Besitz,
Niemand vergiftet ihn mit verborgenem Hass und Bissen;
Die Nachbarn lachen, wenn ich Erde und Steine bewege.
Du ziehst es vor, mit Sklaven die tägliche Ration zu nagen;
In deren Anzahl drängst du dich mit Wünschen, der schlaue Knecht neidet
Dir den Gebrauch des Holzes, der Herde und des Gartens.
Der faule Ochse wünscht sich das Juppitergeschirr, das Pferd will pflügen;
Jeder betreibe willig das Handwerk, das er kennt.
EPISTEL XV
Wie der Winter in Velia sei, was für Luft in Salernum,
Vala, herrscht, welcher Menschen Region und was für ein Weg dort
(Denn mir macht ja das unnütze Baiae Antonius madig,
Und obendrein auch verhasst, wenn im kältesten Frack ich
Mitten im Frost mich bade; empört ruft das Dorf ja, man lasse
Myrtenbäumen die Ruh', und das Schweigen, das stark gegen Nerven
Leiden verspricht, den Schwefel verachte man), zürnt doch der Nachbar,
Der den Kranken den Mut hat, das Haupt und den Magen den Quellen
Dort von Clusium darzubieten, nach Gabii zieht und
Kühleren Fluren. Man muss nun den Ort wechseln, und den bekannten
Weg soll man am Gasthaus vorbeiführen. „Wohin lenkst du?
Fahre nach Cuma nicht oder nach Baiae“, wird voller Entrüstung
Zügel und Pferd der Reiter nach links wenden; doch das Ohr hat
Stets das gezähmte Tier im Munde des Lenkers: Ob reicher
Menge Getreide das Volk wohl nährt, ob sie gesammelten
Regen trinken oder aus ewigem Brunnquell fließendes Wasser
(Denn um den Wein jener Gegend ist's nicht schade; auf meinem
Landgut ertrage ich alles und dulde es; komm ich ans Meer, so
Suche ich edlen und milden, der Sorgen vertreibt, der mit reicher
Hoffnung einzieht in Adern und Geist mir, der Worte verleiht mir,
Der mich, den Jüngling, empfiehlt der lukanischen Liebsten);
Welcher Strich mehr Hasen, welcher Eber ernährt, welche Meere
Mehr an Fischen und Seeigeln bergen, auf dass ich voll Fülle
Heimkehre als Phaiake, mir zu schreiben und dir zu
Glauben ist recht. Maenius, nachdem er mütterlich Gut und
Väterlich tapfer verprasst, als städtischer Spötter zu gelten
Anfing, ein Vagabund, der keine feste Krippe je kannte,
Unfrühstückt, der den Bürger kaum von dem Feinde unterscheiden
Konnte, grausam und frech gegen jeden beliebige Schande
Auszuteilen, der Schutt und das Unwetter, Schlund des Marktes,
Jeden Gewinn, den er fand, dem hungrigen Magen geschenkt hat:
Wenn er den Gönnern des Schwindels und Feigen ein Wenig
Oder fast nichts geraubt, schlang er Gerichte von Kutteln
Hin und billiges Lamm, genug für drei Bären, auf dass er
Spreche: der Magen von lüsternen Jünglingen müsse mit weißem
Eisen verbrannt werden, so Bessrung heischend der Bestius.
Wenn er denselben Gewinn an Raubzügen, die größer waren,
Einst in Asche und Rauch verwandelt: „Beim Herkules, wundert
Mich's nicht“, rief er, „wenn Leute ihr Gut verfressen, wo doch der
Fette Drossel nicht schöner und keine Gefäße der Kröte
Vortrefflicher sind!“ Nun, das bin ich gewiss; denn das Kleine
Ehre ich, wenn mir die Mittel defekt, und bin stark unter Primitiven;
Doch wo das Bessere winkt und das Festere, sage auch ich, dass
Ihr nur weise seid und allein glücklich lebt, deren Reichtum
Prangt in glänzenden Villen, die fest auf dem Boden gegründet.
EPISTEL XVI
Dass du nicht fragst, ob mein Gut, bester Quinctius, etwa dem Herrn auf
Acker den Ertrag bringt oder mit Olivenbaumbeeren
Glänzt, ob mit Äpfeln und Wiesen, mit Ulmen, die Reben umkleiden,
Wird dir die Form und die Lage des Feldes beschwatzend geschrieben.
Zusammenhängende Berge, trennt sie nicht schattiges Tal ab,
Doch so, dass die Sonne von rechts den kommenden anstrahlt,
Wärmt von der linken sie scheidend mit flüchtigem Wagen.
Lob mir die Luft! Was, wenn dornige Sträucher rubinrote
Kornelkirschen und Pflaumen tragen, wenn Eiche und Steineiche
Herde mit reichlicher Frucht, den Herrn mit reichem Schatten erfreuen?
Du sagst, man habe herbeigeholt das grünende Tarent.
Selbst eine Quelle gibt es, die wert, den Bach zu benennen,
Dass weder kälter noch reiner den Hebrus umfließt sie,
Nützlich dem schwachen Haupte, nützlich dem Leibe.
Diese süßen Verstecke und, glaub mir, anmutigen Plätze
Wahren im September dir mich unversehrt und gesund.
Du lebst richtig, wenn du darum besorgt bist, zu sein, was man sagt.
Längst schon rühmt dich ganz Rom als einen rundum beglückten;
Doch ich fürchte, du glaubst einem andern mehr als dir selber,
Glaubst nicht, dass außer dem Weisen ein guter beglückt ist,
Oder wenn dir das Volk verkündet, du seist gesund und munter,
Du ein verstecktes Fieber zur Essenszeit stets verheimlichst,
Bis dir die Hand vor fettigem Schafskot zittert. Schlechte
Scham verheirhet den Toren unheilbare Wunden.
Wenn dir jemand von Kriegen erzählt, die zu Land und zu Meere
Geführt wurden, und dir mit diesen Worten die leeren
Ohren umschmeichelt: „Dass dich das Volk mehr als du dich behüte,
Oder das Volk du, halte in der Schwebe, wer beidem,
Dir und der Stadt, Sorge trägt, Jupiter“, magst du erkennen
Der Augustus Lob; wenn man dich aber den Weisen
Nennt und Makellosen, sprichst du denn, bitt ich, auf deinen
Namen an? „Gewiss freut es mich und dich, als guten und klugen
Mann genannt zu werden.“ Wer dir das heute gegeben, nimmt morgen
Es wieder weg, grad wie, wenn er dem Unwürdigen Ruten
Gibt, er sie wieder entzieht. „Leg ab, mein Eigentum ist es“,
Spricht er; ich lege sie ab und ziehe betrübt fort.
Wenn er nun ruft, ich sei Dieb, mir Unkeuschheit wirft auf die Schande,
Schwört, ich hätte den Hals des Vaters gepresst mit der Schlinge,
Soll ich von falschem Schandwort gekränkt die Farben mir wechseln?
Falsche Ehre erfreut und trügerische Infamie ängstigt
Wen denn sonst als den Fehlerhaften und Kranken? Wer ist der gute Mann?
„Wer des Senats Beschlüsse, Gesetze und Rechte bewahrt,
Wessen Urteil oft große und viele Streitigkeiten entscheidet,
Wessen Zeuge und Bürge das Recht und die Sachen festhält.“
Doch ihn sieht das gesamte Haus und die ganze Nachbarschaft
Inwendig schändlich, obwohl er in glänzendem Pelze prangt.
„Keinen Diebstahl beging ich noch floh ich“, spricht mir der Sklave:
„Du hast den Lohn, man brennt dir die Riemen nicht ab“, sag ich.
„Niemandem nahm ich das Leben.“ – „Du wirst am Kreuze nicht Krähen füttern.“
„Gut bin und wacker ich.“ Der Sabiner verneint und verweigert.
Scheu fürchtet der Wolf die Grube, der Habicht die Falle
Und der Milan den verborgenen Haken die lauernden Netze.
Böse zu sein hassen Gute aus Liebe zur Tugend; du nimmst dir
Nichts auf durch Angst vor der Strafe; gäbe es Hoffnung zu täuschen,
Mischtest du Heiliges mit Profanem. Wenn von tausend
Scheffeln Getreide du einen stiehlst, ist der Schaden zwar nicht viel
Minder verwerflich für mich durch jene Tat.
Der gute Mann, den das Forum und jede Gerichtshalle anblickt,
Sooft er die Götter mit Opferfleisch ehrt, ob Schwein oder Rind:
„Vater Janus!“, ruft er laut, laut, wenn er sagt: „Apollo!“,
Bewegt die Lippen, zu scheu, um gehört zu werden: „Klaube Laverna,
Gib mir zu täuschen, lass mich als gerecht und als heilig erscheinen,
Hülle die Sünden und den Betrug in eine Wolke der Nacht.“
Wer dem Sklaven wohl gleicher, wer freier dem Geizigen sei,
Wenn er nach liegendem Kupfermünzstück bückt auf der Gasse,
Seh ich nicht; denn wer begehrt, der muss auch fürchten, ferner
Wer in Furcht lebt, wird niemals frei für mich sein.
Seine Waffen verlor er, verließ den Posten der Tugend,
Wer in mehrender Habe eilt und erdrückt ist.
Wenn du den Gefangenen verkaufen kannst, töte ihn nicht;
Er wird nützlich dienen; lass den Harten ihn ackern,
Seefahren lassen, im Winter auf wilden Gewässern als Händler,
Der Kornkammer nützen und Getreide heranholen.
Aber der gute und weise Mann wagt es zu sprechen: „Pentheus,
Herrscher von Theben, was zwingst du mich zu ertragen, was mir unwürdig ist?“
„Ich nehme dir deine Güter.“ – „Gewiss, Vieh, Habe,
Lager, Silber; du darfst es nehmen.“ – „In Ketten und Fesseln
Werd ich beim grausamen Wächter dich halten.“ – „Der Gott selbst
Wird mich, sobald ich will, erlösen.“ Ich glaube, er meint dies:
„Ich werde sterben.“ Der Tod ist der letzte Punkt aller Dinge.
EPISTEL XVII
Ob du zwar, Scaeva, dir selbst wohl genug rätst und selber weißt,
Wie man am Ende geziemend mit Großen umzugehen hat,
Lerne, was dennoch ein Freund, der zu lehren erst anfängt, meint,
Gleichwie ein Blinder den Weg wohl zu zeigen will; blicke doch,
Ob wir nicht auch etwas sagen, das du zu besitzen begehrst.
Wenn dich gelassene Ruh und der Schlaf bis zur ersten Stund
Glücklich macht, wenn dich Staub und das Rattern der Wagen und die
Schenke beleidigt, befehl ich dir: geh nach Ferentinum;
Denn nicht den Reichen allein sind Freuden beschieden, und schlecht
Lebte wohl keiner, der, geboren und sterbend, verborgen blieb.
Willst du den Deinen nützen und gütig auch dir ein wenig
Dich nur erweisen, so nähere dich als Trockener den Fetten.
„Hätt Aristippus das Kraut geduldig gegessen, mit Königen
Wollte er nicht umgehn.“ – „Könnte er mit den Königen umgehn,
Hätt er verachtet das Kraut, wer mich tadelt.“ Wessen Worte nun
Billigst du, dessen Taten? Sag an oder höre als Jüngerer,
Warum Aristippus' Ansicht die bessere ist. Denn er wies
Häufig den beißenden Zyniker so in die Schranken, man sagt:
„Ich spiele den Schmeichler mir selbst, und du für das Volk; das ist recht
Viel schöner und herrlicher. Dass mich das Pferd trägt, ernährt der König,
Tu ich die Pflicht; du forderst das Schlechte, doch bleibst dem Geber
Kleiner, obwohl du dich rühmst, dass du keinen Menschen bedarfst.“
Jede Farbe, Stand und Umstand geziemten Aristippus,
Der nach Größerem strebte, doch zufrieden war mit dem Hier und Jetzt;
Wogegen jener, den doppeltes Tuch in Geduld umhüllt,
Wundert mich, ob ihm der gewandelte Lebensweg wohl ansteht.
Jener wartet gewiss nicht auf den purpurnen Mantel;
Ganz egal, was er trägt, wird er durch die belebtesten
Gegenden wandern und beide Rollen tadellos spielen;
Jener wird Miletos' Webart wie Hund und Schlange meiden,
Wird vor Kälte sterben, wenn du ihm den Lappen nicht wiedergibst;
Gib ihn zurück und lass ihn als Toren weiterleben!
Taten vollbringen und die bezwungenen Bürger als Feinde
Zeigen, berührt Jupiters Thron und versucht das Himmlische;
Mächtigen Männern zu gefallen ist nicht das geringste Lob.
Nicht jedem Menschen ist es gegeben, nach Korinth zu reisen.
Wer sich fürchtete, dass es nicht glücke, der blieb zurück; na und?
Wer aber ankam, hat er es mannhaft getan? Doch hier ist
Es oder nirgends, was wir suchen. Dieser hier scheut die Last,
Als sei sie für kleinen Sinn und geringen Körper zu schwer;
Jener besteigt sie und trägt sie. Entweder ist Tugend ein leerer Name,
Oder der wackere Mann sucht recht den Ruhm und den Preis.
Vor dem eigenen König schweigend über die Armut sprechen,
Wird mehr bringen als Bitten; es unterscheidet sich, ob du klug nimmst
Oder raubst; dies aber war der Kopf der Dinge, die Quelle.
„Unbegütert ist mir die Schwester, die Mutter arm“,
Und „Ein Landgut besitz ich, das weder zu verkaufen noch Frucht zu tragen
Taugt“, ruft der eine und schreit: „Gebt Nahrung!“ Der andere stimmt an:
„Auch mir!“ Und die Scheibe wird durch das geteilte Geschenk geteilt.
Doch wenn der Rabe im Stillen sich nähren könnte, er hätte
Mehr zu fressen und viel weniger Zank und Neid auf dem Hals.
Wer nach Brundisium mitkommt oder ins liebliche Surrent geführt,
Über Schlaglöcher klagt und die beißende Kälte und Regengüsse,
Oder die aufgebrochene Kiste und gestohlene Reisekasse beweint,
Der bringt die altbekannten Kniffe der Dirne vor, die oft
Ein Hündchen, oft ein Fußkettchen beweint, das man ihr geraubt,
Damit man bald keinem Schaden und wahren Schmerze mehr glaubt.
Und nicht einmal lacht man über den Gaukler auf der Gasse, der mit
Bruchbein bettelt, obgleich ihm die Träne im Auge steht,
Und er beim heiligen Osiris geschworen ruft:
„Glaubt mir, ich scherze nicht; ihr Grausamen, helft dem Lahmen!“
„Such dir einen Fremden“, ruft die heisere Nachbarschaft.
EPISTEL XVIII
Wenn ich dich richtig kenne, wirst du dich hüten, o freiheitsliebender Lolli,
Dir das Ansehen eines Schmeichlers zu geben, nachdem du dich als Freund bekannt hast.
Wie die Ehefrau von der Dirne verschieden ist und sich farblich unterscheidet,
So wird sich der wahre Freund von dem treulosen Schmeichler abheben.
Es gibt dazu einen entgegengesetzten Fehler, fast noch größer:
Bäuerliche Härte, unschicklich, schwerfällig und grob,
Die sich durch geschorene Haut und schwarze Zähne empfiehlt,
Während die Freiheit als pur und wahre Tugend genannt sein will.
Die Tugend ist die Mitte der Fehler und von beiden Seiten entfernt.
Der andere, zu willfährig über Gebühr, verspottet die untere Bank,
Zittert vor dem Wink des Reichen, wiederholt so dessen Worte
Und hebt die abfallenden Sätze auf, als ob du glauben würdest,
Mancher Knabe gebe dem grausamen Lehrer die Lektionen zurück
Oder spiele im Mimus die zweite Rolle;
Jener andere streitet oft um des Kaisers Bart,
Kämpft, bewaffnet mit Kleinigkeiten: „Gewiss, dass ich nicht
Den ersten Glauben besitze und, was mir wirklich gefällt, nicht
Scharf herausschrei? Ein weiteres Leben ist mir zu verächtlich.“
Worüber streitet man denn? Ob Castor oder Docilis mehr weiß,
Ob die Minucianische oder die Appianische Straße besser nach Brundisium führt.
Den, den die verderbliche Venus, den das rasende Würfelspiel entblößt,
Den die Eitelkeit über seine Kräfte hinaus kleidet und einölt,
Den die lästige Gier und der Hunger nach Silber festhält,
Den die Schande der Armut und die Flucht vor ihr, den flieht und scheut
Der reiche Freund, der oft mit zehn Fehlern mehr ausgestattet ist,
Oder, wenn er ihn nicht scheut, regiert er ihn und will wie eine fromme Mutter,
Dass er mehr weiß als er selbst und den Tugenden vorangeht,
Und sagt fast Wahres: „Meine Reichtümer (versuche nicht zu streiten)
Ertragen die Torheit; dein Besitz ist gering;
Dem gesunden Gefährten geziemt eine enge Toga; hör auf, mit mir
zu streiten.“ Eutrapelus schenkte jedem, dem er schaden wollte,
Kostbare Gewänder; denn der Glückliche wird nun
Mit schönen Tuniken neue Pläne und Hoffnungen fassen,
Wird bis in den Tag schlafen, das ehrbare Amt
Dem Mädchen nachsetzen, fremdes Geld mähen, am Ende
Ein Gladiator sein oder als Gemüsehändler das Pferd mieten.
Niemals wirst du seine Geheimnisse ausforschen,
Wirst das anvertraute verbergen, auch durch Wein und Zorn gequält;
Wirst deine eigenen Studien nicht loben oder die anderer tadeln,
Noch, wenn er jagen will, Gedichte verfassen.
So zerbrach die Freundschaft der Zwillingsbrüder Amphion und Zethus,
Bis die vom strengen Bruder verdächtige Leier verstummte.
Amphion schien den brüderlichen Sitten nachgegeben zu haben; du
Gib den sanften Befehlen des mächtigen Freundes nach,
Und sooft er die mit ätolischen Netzen beladenen
Maultiere und Hunde in die Felder führt,
Steh auf und leg die Schwere der unfreundlichen Muse ab,
Damit du gleichermaßen die mit Mühe errungenen Speisen verzehrst;
Ein römisches Sitte-Werk ist das, nützlich für Ruhm,
Leben und Glieder, besonders da du stark bist und
Entweder im Lauf den Hund oder an Kräften den Eber
Übertreffen kannst. Füge hinzu, dass niemand männliche Waffen
Schöner handhabt; du weißt, mit welchem Jubel der Menge
Du die Kämpfe auf dem Marsfeld bestehst. Schließlich hast du als Knabe
Den grausamen Krieg und die kantabrischen Kriege unter dem Feldherrn ertragen,
Der jetzt die Feldzeichen der Parther aus den Tempeln zurückholt
Und, wenn etwas fehlt, den römischen Waffen zuerkennt.
Und damit du dich nicht zurückziehst und unentschuldbar fernbleibst,
Obgleich du dich sorgst, nichts außerhalb der Zahl und des Maßes
Geführt zu haben, scherzt du manchmal auf dem väterlichen Landgut:
Das Heer teilt sich die Kahnboote, die Seeschlacht bei Actium
Wird unter deiner Führung durch Knaben nach Art der Feinde nachgespielt;
Der Gegner ist der Bruder, der adriatische See, bis
Schnelle den einen oder anderen der Sieg mit grünem Laub krönt.
Wer glaubt, dass du seinen Studien zustimmst,
Wird deinen Scherz mit beiden Daumen lobend unterstützen.
Damit ich dich sogleich warne, falls du eines Warners bedarfst,
Sieh oft zu, was du über welchen Mann und wem sagst.
Fliehe den Fragenden; denn der Plauderer ist derselbe,
Und die offenen Ohren bewahren das Anvertraute nicht treu,
Und ein einmal ausgesprochenes Wort fliegt unwiderruflich davon.
Keine Sklavin oder Knabe soll deine Leber entzünden
Innerhalb der marmornen Schwelle des verehrten Freundes,
Damit nicht der Herr des schönen Jungen oder des lieben Mädchens
Dich durch ein kleines Geschenk beglückt oder beschwert.
Sieh immer und immer wieder zu, wen du empfiehlst, damit nicht bald
Fremde Sünden dir Schande einbringen.
Wir irren uns und übergeben manchmal einen Unwürdigen; deshalb
Lass den im Stich, den seine eigene Schuld drückt, aber bewahre
Einen, den du genau kennst, wenn Verdächtigungen versuchen,
Und schütze ihn mit deinem Schutz, der deinem Schutz
Vertraut; wenn er mit theonischem Zahn herumgebissen wird, spürst du
Nicht kurz darauf die Gefahren, die auf dich zukommen?
Denn deine Sache steht auf dem Spiel, wenn die nächste Wand brennt,
Und vernachlässigte Brände pflegen an Stärke zu gewinnen.
Süß ist die Pflege eines mächtigen Freundes für Unerfahrene;
Der Erfahrene fürchtet sie. Du, solange dein Schiff auf hoher See ist,
Tu dies, damit nicht eine veränderte Windrichtung dich zurücktreibt.
Die Traurigen hassen den Heiteren, die Fröhlichen den Traurigen,
Die Eiligen den Ruhigen, die Nachlässigen den Eifrigen;
Diejenigen, die den Becher hinhalten, hassen den, der ablehnt, obwohl
Du schwörst, dass du die nächtliche Hitze fürchtest;
Nimm die Wolke von der Stirn; meistens nimmt der Bescheidene
Den Schein des Verschlossenen an, der Schweigsame den des Bitteren.
Unter allem wirst du lesen und die Gelehrten befragen,
Mit welcher Vernunft du das Leben sanft hinüberleiten kannst,
Ob dich immer die hilflose Gier antreibt und quält,
Ob Furcht und die Hoffnung auf mäßig nützliche Dinge,
Ob die Tugend die Lehre bereitet oder die Natur schenkt,
Was die Sorgen mindert, was dich dir selbst als Freund zurückgibt,
Was rein beruhigt, die Ehre oder der süße Gewinn,
Oder der geheime Weg und der Pfad eines verborgenen Lebens.
Sooft mich der kühle Bach des Digentia erfrischt,
Den Mandela trinkt, das vor Kälte runzelige Dorf:
Was glaubst du, dass ich empfinde, was glaubst du, mein Freund, dass ich erbitte?
„Es möge das sein, was jetzt ist, ja noch weniger, und möge ich mir selbst leben
Für den Rest des Lebens, wenn die Götter wollen, dass etwas übrig bleibt;
Möge es eine gute Fülle an Büchern und im Voraus erwirtschafteter Frucht für das Jahr geben,
Und möge ich nicht schwankend an der Hoffnung einer ungewissen Stunde hängen.“
Aber es ist genug, Jupiter zu bitten, der nimmt und gibt;
Er gebe Leben, er gebe Reichtum; einen gerechten Sinn werde ich mir selbst bereiten.
EPISTEL XIX
Wenn du dem alten Kratinos glaubst, gelehrter Maecenas,
Können keinerlei Lieder gefallen noch lange leben,
Die von Wassertrinkern geschrieben sind; seit Bacchus die Dichter
Unter die wahnsinnigen Satyrn und Faune gerechnet,
Rochen des Morgens die süßen Musen fast immer nach Wein;
Durch den Ruhm des Weins wird der weintrinkende Homer bewiesen;
Vater Ennius selbst ist niemals anders als betrunken
Vorgesprungen zu den zu besingenden Schlachten.
„Das Forum und den Puteal des Libo überlasse ich den Trockenen,
Nehme den Strengen das Singen“: Sobald ich dies ausrief, hörten
Die Dichter nicht auf, mit nächtlichem Wein zu wetteifern,
Nach täglichem Wein zu riechen. Wie? Wenn jemand mit finsterem
Antlitz wild und mit nacktem Fuß und der Toga kleinem
Stoff den Cato nachahmte, sollte er so die Tugend
Und die Sitten Catos darstellen? Es zerriß den Iarbitas
Timagenes' eifersüchtige Zunge, während er städtisch
Strebt und als beredt betrachtet zu werden wünscht.
Es täuscht das Vorbild durch Laster, die nachzuahmen sind; wenn sie doch
Blass zu sein zufällig wünschten, tränken sie blassen Kümmel.
O Nachahmer, knechtische Herde, wie oft habt ihr mir Galle,
Oft Gelächter durch euer wildes Treiben erregt!
Frei bin ich als Erster auf unbetretenem Pfad gegangen,
Nicht auf fremde Fußstapfen trat ich. Wer sich selbst vertraut,
Wird als Führer den Schwarm lenken. Die parischen Iamben
Harte ich als Erster dem Latium gezeigt, indem ich die Maße
Und den Geist des Archilochos folgte, nicht die Stoffe
Und die redenden Worte gegen Lycambes;
Und damit du mich deshalb nicht mit kürzeren Blättern schmückst,
Weil ich mich scheute, die Versmaße und die Kunst des Liedes zu ändern,
Mäßigt den Mut des Archilochos mit kräftigem Fuß die Sappho,
Mäßigt Alcaeus, doch nach Stoff und Ordnung verschieden,
Und sucht weder den Schwiegervater, den er mit schwarzen Versen beschmiert,
Noch knüpft er für die Braut die Schlinge durch schmähliches Lied.
Diesen, von keinem anderen Munde zuvor gesprochen, habe ich, der lateinische
Saitenspieler, verbreitet; es freut mich, Ungehörtes zu bieten,
Gelesen zu werden von edlen Augen und gehalten von Händen.
Willst du wissen, warum mein undankbarer Leser die kleinen Werke
Lobend liebt daheim, draußen vor der Tür aber ungerecht unterdrückt?
Ich jage nicht nach den Stimmen des windigen Volkes
Durch Ausgaben für Mahlzeiten und das Geschenk eines abgenutzten Gewandes;
Ich halte es nicht für würdig, als Hörer und Rächer vornehmer
Autoren die grammikalischen Stämme und Podien zu umwerben.
Daher jene Tränen... „Es schämt sich, in dichten Theatern
Unwürdige Schriften vorzutragen und den Scherzen Gewicht zu verleihen“,
Wenn ich sagte: „Du lachst“, spricht er, „und sparst das für Jupiters
Ohren auf; denn du vertraust darauf, dass poetischer Honig
Einzig für dich fließt, dir selbst wunderschön.“ Dagegen fürchte ich
Es, die Nase zu benutzen, und um mich nicht vom spitzen Nagel
Des Ringenden trennen zu lassen, rufe ich: „Dieser Ort missfällt mir“,
Und verlange eine Spielpause.
Denn das Spiel gebiert zitternden Streit und Zorn,
Der Zorn grausame Feindschaften und den mörderischen Krieg.
EPISTEL XX
Dem Vertumnus und Janus, o Buch, scheinst du anzublicken,
Sicherlich, damit du gepflegt durch den Bimsstein der Sosier hervortrittst.
Du hasst die Schlüssel und die für den Keuschen angenehmen Siegel,
Du jammerst, wenn du wenigen gezeigt wirst, und lobst das Gemeine,
Nicht so bist du erzogen worden. Fliehe dorthin, wohin du hinabzusteigen begehrst;
Es wird für den Entlassenen keine Rückkehr geben: „Was habe ich Armer
Getan? Was habe ich gewollt?“, wirst du sagen, wenn dich etwas verletzt;
Und du weißt, dass du in die Enge getrieben wirst, wenn der satt gewordene Liebhaber ermüdet.
Wenn aber der Seher nicht aus Hass gegen den Fehlenden den Verstand verliert,
Wirst du in Rom beliebt sein, bis das Alter dich verlässt;
Sobald du, berührt von den Händen des gemeinen Volkes, schmutzig
Zu werden beginnst, wirst du entweder träge Motten füttern
Im stillen Winkel oder nach Utica fliehen oder gefesselt nach Ilerda geschickt werden.
Der Mahner wird lachen, der nicht erhört wurde, wie jener,
Der seinen widerstrebenden Esel wütend in die Felsen
Stieß; denn wer bemühte sich schon, einen Widerstrebenden zu retten?
Auch dies erwartet dich, dass, während du Knaben die Elemente lehrst,
Stotterndes Alter dich in den äußersten Gassen einholt.
Wenn dir die laue Sonne mehr Ohren zuführt,
Wirst du erzählen, dass ich, von einem freigelassenen Vater geboren,
Die Schwingen weiter als das Nest ausgedehnt habe,
So dass, soviel du dem Geschlecht abziehst, du es den Tugenden hinzufügst;
Dass ich den Ersten der Stadt im Krieg und zu Hause gefallen bin,
Von kleiner Statur, frühzeitig ergraut, sonnenanfällig,
Schnell zu zornig zu werden, aber so, dass ich versöhnt werden konnte.
Sollte mich jemand zufällig nach meinem Alter befragen,
So soll er wissen, dass ich viermal elf Dezember vollendet habe,
In dem Jahr, in dem Lollius den Lepidus als Kollegen führte.
BUCH II
EPISTEL I
Da du so viel allein an Geschäften trägst und an Lasten,
Italiens Boden mit Waffen behütest, mit Sitten verschönerst,
durch Gesetze reformierst, so beging ich am allgemeinen
Wohle ein Vergehen, Caesar, wenn ich mit langem Gespräch dir
die Zeit nähme. Romulus, Vater Liber und auch mit den Brüdern
Castor und Pollux, nach großen Taten empfangen in Götter-
tempeln, solange sie Erden und Menschengeschlecht noch betreuten,
raue Kriege schlichteten, Äcker zuwiesen, Städte gründeten,
klagten, daß ihre Verdienste den erhofften Lohn nicht fanden.
Wer die grausame Hydra bezwang und die berüchtigten Monster
durch die Anstrengung des schicksalhaften Labors bezwang, der
erkannte: Neid wird erst durch den letzten Schritt völlig bezwungen.
Wer nämlich das Untere überstrahlt, brennt jene durch seinen Glanz
nieder; derselbe wird, wenn er erloschen ist, geliebt werden.
Dir, der du gegenwärtig bist, spenden wir reife Ehren,
schwer zu schwörende Altäre errichten wir vor deiner Gottheit,
während wir bekennen, daß keiner je so entstehen wird noch je
solch ein Mann entstand. Doch dieses dein Volk, klug und gerecht nur
darin, dich vor allen unsren Heerführern, vor den Griechen
auszuzeichnen, schätzt das Übrige keineswegs in derselben
Weise und mit gleichem Maß, und außer dem, was fern von den eignen
Zeiten entrückt und vollendet es sieht, verschmäht und verabscheut es
alles; so sehr schätzt es Altes, daß die Gesetze, die das Unrecht
wehren, die die zehn Männer festsetzten, die Bündnisse der Könige,
ob mit Gabii oder den starren Sabinern geschlossen,
Bücher der Priester und alte Schriftrollen der Seher es
immer nennen: die Musen sprachen auf dem albanischen Berge.
Wenn, weil der Griechen sämtliche ältesten Schriften zugleich die
besten sind, die römischen Dichter mit derselben Waage
gemessen werden, so brauchen wir nicht viele Worte zu machen:
nichts ist innerhalb des Olivenbaums, nichts außerhalb der harten Nuß;
wir sind zum Gipfel des Glücks gelangt: wir dichten und spielen
Kithara und ringen gelenkiger als die gewandten Griechen.
Wenn die Zeit wie den Wein auch die Dichtungen besser gestaltet,
möchte ich wissen, welche Jahreszahl den Schriften den Preis zu-
schreibt. Wer vor hundert Jahren als Dichter verschieden ist, soll er
unter die vollendeten Alten gezählt werden oder unter die
schlechten und neuen? Ein Ende setze dem Streit! «Als alt und gut gilt,
wer hundert Jahre vollendet hat.» Was denn? Wer um einen einzigen
Monat oder ein Jahr verendet ist, unter welche wird er
wohl zu zählen sein? Unter die alten Dichter etwa oder unter
jene, die Gegenwart und die Nachwelt zurückweist? «Dieser
wird unter die Alten gewiss zu rechnen sein, der um einen
kurzen Monat oder um das ganze Jahr jünger geworden.»
Ich nutze die Erlaubnis und zupfe die Haare des Rossschweifs
gleichsam allmählich aus und nehme eines, nehme noch eines,
bis der stürzt, getäuscht durch die Logik des stürzenden Haufens,
der zu den Annalen zurückkehrt und Tugend nach Jahren
misst und nichts bewundert als das, was Libitina geweiht hat.
Ennius, klug und tapfer und ein andrer Homerus –
wie die Kritiker sagen –, scheint wenig sich darum zu kümmern,
wo seine kühnen Versprechen und pythagoreischen Träume
hinfallen. Ist Naevius nicht in den Händen und haftet er nicht in den
Geistern beinahe frisch? So geheiligt ist jedes antike Gedicht.
Sooft gestritten wird, wer von beiden der ältere sei, trägt
Pacuvius den Ruhm des gelehrten Greises davon, Accius den
der Erhabenheit; man sagt, die Toga des Afranius passte
zu Menander, Plautus beeile sich nach dem Muster des sizilischen
Epicharmus, es siege Caecilius durch Würde, Terentius durch Kunst.
Diese lernt auswendig und diese im dichten Theater
schaut das mächtige Rom; sie hält sie für Dichter und zählt sie
ab der Zeit des Schriftstellers Livius bis zu unsren Tagen.
Manchmal sieht das Volk richtig, doch gibt es auch Zeiten, wo es irrt.
Wenn es die alten Dichter so bewundert und lobt, daß es
nichts vorzieht, nichts mit ihnen vergleicht, so irrt es; wenn es
manches allzu antik, wenn es das meiste recht rauh
ausgesprochen glaubt, manches feige nennt, so hat es recht
und stimmt mit mir und mit Jupiter in gerechtem Urteil überein.
Wahrlich, ich tadle nicht und erachte die Lieder des Livius
nicht als zu tilgende, die – ich erinnere mich – mir der prügelnde
Orbilius als Knabe diktierte; doch daß sie als fehlerfrei
gelten und schön und den vollendeten nah, das bewundere ich.
Wenn unter diesen ein passendes Wort einmal glänzt und
wenn ein Vers und ein andrer ein wenig gelungener hergeht,
reißt das zu Unrecht das ganze Gedicht mit sich und verkauft es.
Ich bin empört, wenn etwas getadelt wird, nicht weil es roh
geformt oder unschön gedacht schätzt wird, sondern weil es neu ist,
und man für die Alten nicht Nachsicht, sondern Ehrung und Preise fordert.
Ob zu Recht oder nicht des Atta Fabel den Safran
und die Blumen durchschreitet – wenn ich zweifelte, schrien gleich
nahezu alle Väter, die Scham sei dahin, wenn ich jene
Sachen zu tadeln versuche, die der gewichtige Aesopus,
die der gelehrte Roscius spielte; sei es, daß sie nichts
richtig finden als das, was ihnen gefiel, sei es, daß sie schimpflich
finden, den Jüngern zu weichen und das, was sie bartlos
lernten, als Greise zu müssen für wertlos zu erklären.
Wer nun das salische Lied des Numa rühmt, und jenes,
das außer mir keiner begreift, doch zu wissen scheint,
der verhält sich nicht so, dass er Sinn für begrabene Geister
hegt und applaudiert, nein, er feindet die unsren an, neidet
uns und das unsrige bitter. Wenn doch die Neuheit den Griechen
so verhasst gewesen wäre wie uns, was wäre jetzt
wohl das Alte? Oder was hätte der allgemeine Gebrauch,
das er einzeln läse und abnutzte? Als Griechenland, nachdem
die Kriege beendet waren, zu scherzen begann und im Glück, das
gleich blieb, ins Laster versank – bald brannte es lichterloh
für die Athleten, bald für die Pferde, bald liebte es Bildner
aus Marmor, aus Elfenbein oder aus Erz, es hing
Blick und Geist an der bemalten Tafel, nun freute es sich
an den Flötenspielern, nun an den Tragikern; wie ein Kind,
das unter der Amme spielt, was es eifrig begehrte, ließ es
bald voll satt wieder liegen. Was gefällt oder wird verhasst, das
könntest du für unbeständig nicht halten? Solches brachten
friedliche Zeiten und günstige Winde. Lange war es in
Rom süß und Sitte, bei geöffnetem Hause in der Frühe
wacher zu sein, den Klienten das Recht zu erklären, sichere
Gelder gegen die richtigen Namen auszuleihen, Ältere
anzuhören, dem Jüngeren zu sagen, wodurch das Vermögen
wachsen könne, und zu mindern die schädliche Lust.
Wandelte den Sinn das unbeständige Volk? Es brennt nun vor
Lust zu schreiben; Knaben und strenge Väter speisen mit
gewundenem Laub auf dem Haupte und diktieren Lieder.
Ich selbst, der ich behaupte, ich schreibe gar keine Verse,
finde mich lügenhafter als Parther und fordere schon vor
Aufgang der Sonne wachend Griffel und Wachstafel und Kasten.
Wer das Steuer nicht kennt, scheut sich, ein Schiff zu steuern; den
Wermut wagt kein Kranker zu geben als der, der es gelernt hat;
was den Ärzten gehört, das versprechen die Ärzte; die Werkzeuge
handhaben die Handwerker: ungelehrte und gelehrte
Dichter schreiben wir überall. Doch wie viele Tugenden
dieser Irrtum birgt und dieser leichte Wahnsinn, das
merk dir so: Der Sinn des Dichters ist keineswegs habgierig;
er liebt die Verse, er strebt nach dem einen; Verluste, die Flucht
von Sklaven, Brände verlacht er; er denkt an kein Betrug
gegen den Genossen oder den Mündel; er lebt von
Hirse und grobem Brot; obgleich faul im Krieg und nutzlos
für das Heer, ist er nützlich der Stadt, wenn du zugibst, dass auch
durch geringe Dinge Großes gefördert wird. Der Dichter
bildet den zarten und lallenden Mund des Knaben, er wendet
schon jetzt das Ohr von den schandbaren Reden ab, bald formt
er auch das Herz durch freundliche Lehren, er ist Besserer
von Rauheit, Neid und Zorn; er berichtet die Taten, unterrichtet
kommende Zeiten mit bekannten Beispielen, er tröstet
den Armen und den Kranken. Wie lernte mit reinen Knaben
die noch unkundige Maid das Gebet, hätt die Muse den Dichter
nicht gegeben? Der Chor erfleht Hilfe und fühlt die gegenwärtigen
Gottheiten, der himmlische Gewässer erflehende,
durch gelehrtes Gebet schmeichelnde Chor wendet Krankheiten,
treibt die gefürchteten Gefahren fort, erlangt auch den
Frieden und das an Früchten reiche Jahr; durch Gesang werden
obere Götter besänftigt, durch Gesang auch die Manen.
Frühe Landwirte, stark und glücklich im Kleinen,
die nach geborgener Ernte den Körper und selbst das Gemüt
in den Festtagen stärkten, das die harten Mühen mit Hoffnung
auf ein Ende ertrug, pflegten mit den Gefährten der Arbeit,
den Knaben und der treuen Gattin, Tellus durch ein Schwein,
Silvanus durch Milch zu sühnen, den Genius mit Blumen
und Wein, der des flüchtigen Lebens gedenkt. Das Fescenninische
Recht schuf durch diesen Brauch mit im Wechsel erklingenden
Versen die bäuerlichen Schimpfworte, und die Freiheit, die durch die
wiederkehrenden Jahre kam, scherzte lieblich, bis
nun der Scherz in offene, grausame Wut sich zu wenden
begann und die ehrbaren Häuser straflos drohend zu
durchstreifen begann. Es schmerzten die blutenden Zähne der
Getroffenen, Sorge gab es auch für die Unverletzten
aufgrund des gemeinsamen Rechts; ja es wurde sogar ein Gesetz
und eine Strafe erlassen, dass niemand mit bösem Gedicht
beschrieben werden durfte; sie änderten die Art und wurden
durch die Furcht vor dem Knüppel zum Gutsprechen
und zur Erheiterung wieder zurückgebracht.
Das eroberte Griechenland eroberte den wilden
Sieger und brachte die Künste in das bäuerliche Latium;
so verrann jene rauhe saturnische Zahl, und die
Feinheiten vertrieben das schwere Gift; doch auf lange Zeit
blieben dennoch und bleiben bis heute Spuren des Landes.
Denn spät erst wandte der Römer die Schärfe den griechischen
Büchern zu, und nach punischen Kriegen begann er
ruhigen Sinns zu fragen, was Sophocles, Thespis und Aeschylus
Nutzbringendes brächten. Er versuchte auch, ob er das Werk
würdig übertragen könne, und er gefiel sich, von Natur
erhaben und scharf; denn er atmet tragisch genug und
wagt es glücklich, doch er hält den schändlichen Schmerz
für dumm und fürchtet die Streichung. Man glaubt, dass die Komödie,
weil sie die Stoffe aus dem Mittelstand holt, am wenigsten
Mühe erfordere, doch sie hat umso mehr Last, je
weniger Nachsicht sie hat. Sieh an, wie Plautus die Rolle
des liebenden Jünglings verteidigt, wie die des strengen Vaters,
wie die des tückischen Kupplers, wie gewaltig Dossennus
unter den fressenden Schlägern dasteht, wie ungezwungen
er die Bühne durchläuft mit dem lockeren Schuh;
denn er eilt, Geld in den Kasten zu stecken, und kümmert sich
nachher nicht darum, ob das Stück mit rechtem oder
linkem Fuß dasteht. Wen Ruhm auf dem windigen Wagen
auf die Bühne getragen, den tötet der trägere
Zuschauer, während der eifrige ihn aufbläst; so leicht, so
klein ist das Herz, das der Hunger nach Lob stürzt
oder wieder aufrichtet. Das Theaterwesen soll fahren, wenn
mich der versagte Palmzweig mager, der geschenkte fett
macht! Oft vertreibt auch dies und erschreckt den kugen Dichter,
daß die an Zahl größere Schar, an Tugend und Ehre
aber geringere, die Ungelehrten, die Tollen
und zum Kampfe bereitstehenden Ritter, wenn der Stand streitet,
mitten im Gedicht entweder einen Bären oder
Faustkämpfer fordern; daran erfreut sich der Pöblein.
Doch auch die Lust des Ritters ist ganz von den Ohren
abgewandert zu ungewissen Augen und eitlen Freuden.
Vier oder mehr Stunden lang bleiben die Vorhänge unten,
während Scharen von Rittern und Heere von Fußvolk
fliehen; bald werden Hände auf den Rücken gebunden,
das Glück von Königen hergezogen, Wagen eilen,
Sänften, Karren und Schiffe, gefangenes Elfenbein,
gefangenes Korinth wird einhergetragen.
Wäre Demokritus auf Erden, er lachte, ob nun
das Panther-Kamel, das gemischte Geschlecht, oder der
weiße Elefant des Volkes Blicke auf sich zöge;
aufmerksamer als das Schauspiel selbst schaute er auf das
Volk, da es ihm noch mehr Schauspiele bietet; die Schreiber
aber glaubte er, sie erzählten dem tauben Esel
eine Fabel. Denn welche Stimmen vermochten den Lärm zu
übertreffen, den unsre Theater erzeugen? Du meinst,
der garganische Hain oder das toskanische Meer brülle,
mit solchem Lärm werden Spiele und Künste und fremder
Reichtum beschaut; wenn der Schauspieler mit diesem bedeckt
auf der Bühne steht, schlägt die Rechte auf die Linke.
Hat er noch etwas gesagt? Nichts ganz gewiss. Was gefällt denn?
Die dem Tarentiner Scharlach nachahmende Wolle.
Und damit du nicht glaubst, ich tadle missgünstig, was ich selbst
abzulehnen versuche, wenn andre es richtig machen,
der scheint mir auf dem gespannten Seil ein Dichter
zu sein, der mein Herz unnütz ängstigt, es reizt, beruhigt,
es mit falschen Schrecken erfüllt, wie ein Magus, und mich
jetzt nach Theben, jetzt nach Athen versetzt.
Wohlauf, wende jenen auch deine kurze Sorge zu, die
lieber sich dem Leser vertrauen, als den Stolz
des verächtlichen Zuschauers tragen, wenn du ein Geschenk, das
Apoll würdig ist, mit Büchern vollenden willst und den Dichtern
Sporen geben möchtest, damit sie mit größerem Eifer
den grünen Helikon suchen. Wahrlich, wir Dichter
tun uns selbst oft viel Böses an (damit ich die eignen
Rebflächen selber beschneide), wenn wir dir das Buch im
Zustand der Sorge oder der Ermüdung geben; wenn wir
verletzt sind, sobald es einer der Freunde wagte,
einen einzigen Vers zu tadeln; wenn wir die schon gelesenen
Stellen unaufgefordert nochmals rezolvieren; wenn wir
klagen, dass unsere Mühen nicht sichtbar werden und unsre
auf feinem Faden gewobenen Dichtungen; wenn wir hoffen,
es werde dahin kommen, dass, sobald du erfährst, wir
schreiben Gedichte, du von selbst gütig uns rufst, und
bittest, dass wir nicht darben, und zum Schreiben uns zwingst.
Doch es lohnt sich dennoch zu wissen, welcher Art Hüter
die im Krieg und zu Hause erprobte Tugend des Helden
habe, die man keinem unwürdigen Dichter anvertrauen darf.
Jener Choerilus war dem König Alexander dem Großen
wohlgefällig, der in ungepflegten und übel geborenen
Versen die Philippusse, die königliche Münze, als
seinen Lohn empfing. Doch wie die berührten Tinten
Spuren und Flecken hinterlassen, so beschmieren meist
Dichter mit miesem Gedicht glänzende Taten. Derselbe
König, der ein Gedicht, das so lächerlich war, so teuer
verschwenderisch kaufte, verbot durch ein Edikt, dass außer
Apelles jemand ihn malte oder ein andrer
als Lysippus die Erzstatuen goss, die das Antlitz
des starken Alexander nachahmten. Würdest du aber
jenes feine Urteil beim Anblick der Künste herbeirufen
für die Bücher und für diese Gaben der Musen,
schworst du, er sei im dicken bootischen Schlamm geboren.
Aber weder entehren dein Urteil über sie und
die Gaben, die die Geliebten Vergilius und Varius
mit viel Lob des Schenkenden trugen; noch zeigen des
Mannes Antlitz die bronzenen Statuen deutlicher
als das Werk des Dichters die Sitten und Geister der
berühmten Männer. Und ich zöge nicht vor, kriechende
Reden auf dem Boden zu machen, als Taten zu formen,
Lagen der Länder, Flüsse und auf Bergen gelegene
Burgen zu nennen und barbarische Reiche und unter
deinen Auspizien durch die ganze Welt beendete
Kriege, und die Schlösser, die den Wächter des Friedens
einschließen, Ianus, und Rom, das den Parthern furchtbar
ist unter dir als Prinzeps, wenn ich könnte, so viel ich
auch wollte; doch weder verträgt deine Majestät ein
kleines Gedicht, noch wagt meine Scham die Sache zu
versuchen, die meine Kräfte zu tragen weigern.
Aber wer eifrig liebt, drängt töricht, besonders
wenn er sich selbst durch Metze und Kunst empfiehlt;
denn schneller lernt man und behält lieber das, was jemand
verspOTTet, als das, was er billigt und verehrt.
Ich schätze keinen Dienst, der mich bedrückt, und ich wünsche
nirgends als Wachsfigur mit verfälschtem und schlimmerem
Antlitz dargestellt zu werden, noch durch schlechte Verse
geschmückt zu werden, damit ich nicht rot werde, beschenkt
mit fettreicher Gabe, und zusammen mit meinem Schreiber
ausgestreckt in der bedeckten Kapsel getragen werde in
die Gasse, die Räucherwerk und Gewürze verkauft und
Pfeffer und alles, was in untaugliche Schriften gewickelt wird.
EPISTEL II
Florus, dem braven, glänzenden Nero so treuer Gefährte,
wenn dir zufällig jemand als Sklave zu verkaufen ein Knabe
wäre, in Tibur geboren oder in Gabii, und so mit dir
redete: «Dieser ist hell von Gestalt und an Gliedern von oben
bis an die Sohlen geschmeidig, er wird und er bleibt nun der deine
für nur achttausend Münzen, ein Sklave, der Diener der Winke
seines Herrn, in griechischen Schrifttlein geschult, zu der Kunst jeder
tauglich; mit feuchter Tonerde wirst du alles nachbilden;
singt er auch ungeschult doch lieblich beim Trinken. Viele
Versprechen verringern den Glauben, wenn allzu voll ausgiebig
lobt, wer feilbietet wares Gewicht. Mich bedrängt keine Sorge;
arm bin ich in meinem Besitz. Keiner der Makler wollt
dies dir so bieten; nicht jeder bringt leicht mir den gleichen
Vorteil. Ein einziges Mal hat er gelernt, in den Treppen zu kauern,
weil er die schwebende Peuge geschreckt»; – wenn du Silber ihm
gibst und keine Flucht droht, die dich schädigt,
kämmt er den Preis wohl ein, sicher vor Strafe, so denk ich.
Wissend hast du den Fehler gekauft, festgesetzt war die Bedingung;
dennoch verfolgst du den Knaben und zögerst mit unrechtem Streit?
Sagte ich dir nicht vor deiner Abreise, ich sei zu träge
für solche Pflichten, ja fast wie lahm, damit du mir nicht zürnst,
wenn kein Brief als Erwiderung je an dich zurückkehrt?
Was hat es da genützt, wenn ich auch die Gesetze des Rechts auf
meiner Seite verspüre und du dennoch versuchst zu streiten?
Klagst du doch drüber noch gar, dass ich dir erwartete Lieder
nicht übermittle als Lügner. Eines Lukulls Soldat,
der das zusammengraffte Reisegeld vieler Beschwernisse,
müde, als nachts er gestöhnt, bis auf den As ganz verloren,
hatte danach wie ein wilder Wolf, und sich selber wie feindlich
gleichermaßen erzürnt, mit hungrigen Zähnen und scharfem
Griff die königliche Wache vom Posten geworfen, wie man sagt,
hochgradig befestigt und reich an den herrlichsten Schätzen.
Rühmlich um diese Tat wird er mit ehrlichen Gaben geehrt,
kassiert noch zwanzig Sesterzen dazu oben drauf von der Münze.
Fällig geriet um die Zeit die Besetzung des Kastells; der Prätor,
der irgendeines erobern will, beginnt ihn zu reizen
wieder mit Worten, die selbst dem Ängstlichsten Mumm hätten geben:
«Geh, Guter, dorthin, wohin deine Tugend dich ruft, geh mit glücklichem
Fuß, um große Belohnungen deiner Verdienste
zu erringen. Was stehst du?» Drauf jener Schlaue, so bäurisch er
war: «Gehen wird dorthin er, wohin du willst, wer den Gürtel verlor.»
In Rom zu nähren war mir vergönnt und zu lernen, wie sehr uns
zürnend geschädigt der Grieche Achilles. Es fügten die lieben
Athenen etwas mehr Kunst hinzu, nämlich, dass ich lernen
möchte das Krumme vom Rechten zu trennen und inmitten
von der Akademie Wäldern das Wahre zu suchen. Doch harte
Zeiten entrissen mich diesem geliebten Ort, und der Bürger-
kriegs wilder Sturm trug mich in Waffen von Cäsar
Augustus, die seinen Gewalten gewiss nicht zu trotzen im Stande.
Kaum dass Philippi mich dort von sich entlassen, beschnitten
an den bescheidenen Flügeln und bar des ererbten Besitzes
sowie des Landguts, trieb die kühne Armut mich an, dass
ich Verse verfasste; doch der genug hat, um nicht zu darben,
welche Schierlinge könnten wohl jemals genügend entgiften,
wenn ich nicht besser zu schlafen gedächte als Verse zu dichten?
Jedes einzelne Jahr beraubt uns der schleichende Gang;
Spaß und Liebesgenuss, Zechgelage und Spiele entrissen
sie uns; Verse zu rauben beginnt es; was willst du, dass ich tu?
Endlich – nicht jeder bewundert und liebt dieselben Gestalten;
du erfreust dich an dem Gesang, jener liebt Jamben,
ein anderer Bioneische Reden mit schwarzem Salz.
Drei Tischgäste scheinen mir fast untereinander zu streiten,
fordern sie doch mit geschmacklich ganz unterschiedlichem Gaumen.
Wem geb ich was? Was geb ich nicht? Lehnst du ab, will der andre es;
was du begehrst, das ist jenen beiden verhasst und sauer.
Kannst du mir glauben, dass ich Rom unter so vielem Getriebe,
unter so vielen Sorgen und Mühen Gedichte verfassen kann?
Hier ruft einer zur Bürgschaft, ein andrer hört Schriften,
wenn alle Geschäfte verlassen sind; dieser liegt drben
auf dem Quirinalskolles, jener ganz drüben am Aventin,
beide zu suchen; du siehst, wie menschlich angenehm die
Entfernungen sind. «Aber rein sind ja die Gassen, sodass nichts
den Sinnenden stört.» Es eilt der heiße Unternehmer
mit Maultieren und Trägern; es dreht der schwere Kran
jetzt den Stein, mal den riesigen Balken, traurige Toten-
feiern ringen mit starken Lastkarren; hier flieht
eine wütende Hündin, dort stürzt ein schmutziges Schwein her;
geh nun hin und meditiere dir stimmungsvolle Verse!
Sondernah liebt die Musenhain-Sängerschar jede die Stadt und
flieht sie, getreuer Klient des Bacchus, der Schlaf schätzt
und Schatten; du willst, dass ich mitten im Lärm der Nächte
und Tage singe und den eingefangenen Spuren der Sänger folge?
Der Geist, der sich Athen als einsame Stätte gewählt,
sieben Jahre den Studien gab und alterte über
Büchern und Sorgen, tritt meist stiller als eine Statue
hervor und erschüttert das Volk mit Gelächter: ich hier, inmitten
der Wellen der Dinge und der Stürme der Stadt, soll
würdig ich Worte fügen, die den Klang der Leier erwecken?
Bruder war in Rom eines Rechtsgelehrten der Redner,
sodass einer des andern Gespräch als lauter Lob hörte,
wie Gracchus jenen, so war jener diesem ein Mucius.
Welcher Wahnsinn quält weniger solche feine Dichter?
Ich verfasse Lieder, jener Elegien, «ein wunder-
volles, von allen neun Musen gemeißeltes Werk».
Sieh nur zuerst, mit wie viel Stolz, mit welchem Aufwand wir
umherschauen im Tempel, der leer von römischen Dichtern ist;
dann auch, falls du gerade Zeit hast, folge und höre von fern,
was jeder bringt und worin er sich die Krone windet.
Wir schlagen uns, und mit ebenso vielen Schlägen verbrauchen
wir den Feind, wie die Samniten beim langsamen Zögern des Dufts.
Ich trete als Alkaios ab für seine Gunst; wer bin ich
für ihn? Wer anders als Kallimachos? Verlangt er mehr,
wird er zu Mimnermus und wächst durch den Wunschbeinamen.
Viel trage ich, um das reizbare Geschlecht der Dichter zu besänftigen,
wenn ich schreibe und flehend des Volkes Stimmen erbeute;
ebenso möchte ich nach vollendeten Studien und mit
wiedererlangtem Verstand den Lesern die breiten Ohren
straflos verstopfen. Wer schlechte Lieder verfasst, wird ausgelacht;
doch die Schreibenden freuen sich und verehren sich selber,
und von sich aus, wenn du schweigst, loben sie selig alles,
was sie geschrieben. Doch wer ein echtes Gedicht zu formen
wünscht, der nimmt mit den Schrifttafeln die Haltung des strengen
Zensors an; er wagt es, was immer zu wenig an Glanz
aufweist und schwerelos bleibt und des Ruhms sich nicht wert zeigt,
von der Stelle zu rücken, obgleich es unwillig entweicht
und noch immer im innersten Heiligtum der Vesta verweilt.
Lange dem Volk verborgen, wird der Bure sie bergen
und ans Licht bringen, die glänzenden Ausdrücke der Dinge,
welche den alten Catonen einst und Cethegus
ertönten, die nun einförmiger Schmutz und verlassenes
Altertum drückt; er wird neue hinzufügen, welche der
Brauch, der Erzeuger, hervorruft. Gewaltig und flüssig
und dem reinen Strom vollkommen ähnlich, wird er seine
Schätze ergießen und Latium mit reicher Zunge beglücken;
das Wuchernde wird er beschränken, das allzu raue mit
gesunder Pflege erleichtern, das Tugendlose tilgen,
den Schein des Spielenden geben und sich so abmühen, wie wer
jetzt einen Satyr, jetzt den wilden Zyklopen darstellt.
Lieber wollt ich als tolpatschiger, träger Schreiber erscheinen,
solange mich meine Fehler erfreuen oder gar täuschen,
als klug sein und grollen. Es gab einen Mann, nicht unedel zu Argos,
der glaubte, wunderbare Tragödienspieler zu hören,
während er glücklich im leeren Theater saß und klatschte,
während er sonst die Pflichten des Lebens nach rechtem Brauch
wahrte, ein braver Nachbar, ein liebenswürdiger Gast,
freundlich zur Gattin, der Sklaven verzeihen konnte
und bei gebrochenem Siegel des Weinkruges nicht raste,
der den Fels und den klaffenden Brunnen meiden konnte.
Als dieser, erfrischt durch Verwandten Sorge und Mittel,
mit Nieswurz das Übel und die dunkle Galle vertrieben
hatte und zu sich zurückkam: «Ihr habt mich umgebracht, Freunde,
nicht gerettet», sprach er, «dem solch ein Vergnügen entrissen
wird und mit Gewalt genommen der süßeste Wahn des Geistes.»
Wahrlich, klug zu sein ist nützlich, wenn man den Tand fortwirft,
und es ziemt sich, den Kindern das Spiel zu überlassen,
statt den Worten nachzugehen, die auf lateinischen Saiten
zu modulieren sind, sondern die Maße des wahren
Lebens zu erlernen. Darum spreche ich schweigend mit mir
und erinnere mich: «Wenn kein Vorrat an Quellwasser den Durst
dir löschte, würdest du es den Ärzten erzählen; warum aber,
je mehr du erworben, umso mehr du begehrst, wagst du keinem
davon zu gestehen? Wenn eine Wurzel oder ein Kraut
dir keine Linderung der Wunde verschaffte, würdest du
fliehen, dich durch nutzlose Wurzel oder Kraut heilen zu
lassen; hattest du gehört, dem, den die Götter bereichern,
weiche die böse Torheit, und da du keinen Deut klüger bist
seit du reicher bist, bedienst du dich dennoch derselben
Ratgeber?»
Doch wenn Reichtum dich vernünftig machen könnte,
wenn er dich gieriger und ängstlicher minder machte, würdest du
gewiss erröten, wenn einer auf Erden gieriger wäre als du.
Wenn dein ist, was irgend jemand um Waage und Erz kaufte –
gewisse Dinge eignet, glaubst du den Juristen, der Gebrauch zu:
der Acker, der dich nährt, ist der deine, und des Orbius
Pächter, wenn er die Schollen eggt, die dir bald Getreide
bringen, fühlt dich als Herrn. Du gibst Münzen, empfängst Weintrauben,
Hühner, Eier, ein Fässchen Wein; wahrlich, auf jene Weise
kaufst du allmählich den Acker, vielleicht um dreihundert
oder sogar noch mehr tausend Münzen gekauft.
Was tut es zur Sache, ob du kürzlich von Bargeld lebst oder ehemals?
Da der Käufer der aricinischen und veientischen Flur
das gekaufte Gemüse isst, wie er auch meint,
sich unter nasser Kälte mit gekauftem Holz den Kessel
heiß macht, nennt er ihn dennoch beständig den seinen, wo
die Pappeln, auf feste Grenzen gesetzt, dem Nachbarn
den Streit abwenden; als gäbe es irgendetwas Eigenes,
das in der Spanne einer beweglichen Stunde
durch Bitten, durch Preis, durch Gewalt oder durch den Tod
die Besitzer wechselt und in andere Rechte übergeht.
Weil nun keinem der ständige Gebrauch verliehen ist und ein Erbe
dem andern Erbe wie Welle der Welle nachfolgt,
was nützen die Dörfer oder Speicher? Was die den kalabrischen
Weiden zugefügten Lukaner, wenn Orcus das Große
mit dem Kleinen mäht, den man mit Gold nicht erbittet?
Edelsteine, Marmor, Elfenbein, tyrrhenische Bildchen,
Tafeln, Silber, Gewänder, gefärbt mit der Gätulischen Purpurschnecke –
es gibt welche, die sie nicht haben, es gibt den, der sie nicht
haben will. Warum der eine Bruder lieber träg sein
und spielen und sich salben möchte als sich an Herodes’
fetten Palmen zu weiden, der andere aber reich und ungehobelt
vom Aufgang bis zum Schatten der Dunkelheit den waldigen
Acker mit Feuer und Eisen bezwingt,
weiß der Genius, der den Geburtstern lenkt, der Gott der
menschlichen Natur, sterblich für jedes einzelne
Haupt, veränderlich im Antlitz, mal weiß und mal schwarz.
Ich will mich bedienen und aus dem bescheidenen Haufen
so viel nehmen, wie die Sache verlangt, und nicht fürchten,
was mein Erbe über mich urteilt, weil er nicht mehr
fand als das Gegebene; und doch will ich selber wissen,
worum der einfache und fröhliche Neffe sich unterscheidet,
und wie stark der Sparsame vom Geizigen abweicht.
Es ist ein Unterschied, ob du dein Gut verschwendest oder
nicht unwillig den Aufwand treibst noch trachtest nach mehr,
sondern lieber, wie einst der Knabe an den feiertäglichen
Quinquatrien, die knappe und willkommene Zeit rasch
genießt. Unreine Armut des Hauses sei ferne von mir;
ob ich auf großem Schiff fahre oder auf kleinem, ich fahre
als derselbe. Nicht werden wir getrieben durch dicke
Segel und den günstigen Nordwind; dennoch führen wir
das Leben nicht gegen den feindlichen Südwind, an Kräften,
an Geist, an Gestalt, an Tugend, an Stand, an Vermögen
die Letzten der Ersten, den Letzten immer die Ersten.
Du bist nicht geizig: fort mit dir! Was? Sind die andren Dinge
schon mit jenem Laster geflohen? Ist dein Herz frei von eitler
Ambition? Ist es frei von Todesfurcht und von Zorn?
Träume, magische Schrecken, Wunder, Hexen,
nächtliche Gespenster und thessalische Ungeheuer lachst du aus?
Zählst du den Geburtstag dankbar? Verzeihst du den Freunden?
Wirst du mit zunehmendem Alter milder und besser?
Was nützt es dir, wenn von vielen Dornen dir einer genommen ist?
Wenn du nicht recht zu leben weißt, weiche den Kundigen.
Du hast genug gespielt, genug gegessen und getrunken;
Zeit ist es für dich abzutreten, damit nicht eine laszive
Jugend, die es ziemlicher tut, den betrunkenen Alten
auslacht und schlägt.»