IMMACULATA

VON TORSTEN SCHWANKE


Bald naht das Jahr, das uns den Tag verheißt,

der einst in Pius’ Licht die Welt erhellt:

Er sprach, was Gottes ew’ge Wahrheit heißt,

und kundtat feierlich vor aller Welt:

Dass Marias Ursprung ohne Makel sei,

ein Gnadenglanz, der jede Schuld entstellt.

Nie sah man höher glüh’n der Liebe Brand,

zu Christi Stellvertreter und Mariens Hand.


Dürfen wir hoffen, Brüder, dass erneut

der Jubel jener Stunden uns berührt?

Da Liebe, die wir zur Unbefleckten scheut,

doch stets im Herzen sich erneuert, führt.

Die Stimmen aller Katholiken heut’,

die treu der Mutter dienen ungetrübt,

sie nähren jenes hohe Hoffnungswort,

das Pius einst in heil’ger Sehnsucht fort.


Manch einer klagt und spricht mit schwerem Sinn:

„Wir hofften Heil – und Schrecken kam herbei.“

Doch zweifelt nicht am Wirken Gottes drin,

denn wer durchmisst Mariens Gnad’ allein?

Hat nicht das Konzil uns den Frieden hin

zur Wahrheit neu beschirmt, des Papsts Gebein?

Und sahn wir nicht, wie Pius, Leo stand,

von Gott gewahrt durch sturmumtostes Land?


Kaum war das Dogma strahlend kundgetan,

erschien Maria wundergleich in Lourdes;

und täglich wirkt ihr Heil im Pilgerwahn,

der bittend sich dem ew’gen Strom hinführt.

So hoffen wir, dass nah die Rettung nah’n,

da Gott dem Volk am tiefsten Dunkel spürt.

Bald rufen wir: „Zerbrochen ist der Stab,

der Frevler Macht – und Erd’ in Frieden trab’.“


Wenn Sturm und Zweifel durch die Zeiten wehn,

bewahrt die Jungfrau still das Gottesreich;

sie lässt im Dunkel ihren Glanz erstehn,

und jedes Herz wird unter ihrem Gleich

zum Hort des Glaubens, das, vom Licht gesehn,

den Weg erkennt, wird innig, mild und weich.

Wo Sünde droht, da hält sie sorgsam Wacht

und lenkt mit sanfter Macht durch tiefste Nacht.


Drum irrt, wer meint, Gott hielte fern sein Heil,

nur weil die Trübsal längere Schatten wirft;

denn wie der Morgen taucht in goldenem Teil,

wenn rings noch Dunst am kalten Hügel schürft,

so naht auch Gottes Gnade ohne Weil,

wenn schon der Mensch in Angst und Zweifel dürft.

Und oftmals ist’s, wenn bang der Tag zerfließt,

dass Gottes Hand im Letzten uns genießt.


Wie oft hat uns ihr Mantel zugedeckt,

wenn rings die Wogen schlugen ohne Rast!

Er war des Friedens Zelt, das uns versteckt,

als Welt und Zeit zerbarsten in der Last.

Wer sah nicht, wie sie heilend leis’ erweckt

den Glauben, der in Mensch und Völkern fasst?

Sie führt die Kirche durch das raue All

und birgt sie mütterlich in jedem Fall.


Drum, Brüder, lasst uns dankbar vor ihr stehn,

und lasst der Hoffnung hellen Funken glüh’n;

wer auf Marias Treue willig sehn,

dem wird des Schicksals harter Schlag verzieh’n.

Denn wer den Stern der Unbefleckten sehn,

der lernt, durchs Meer der Prüfungen zu ziehn.

Ihr Name ist der feste, lichte Turm,

bewahrt im Herzen, unerschüttert, sturm.


So seien wir gewiss: Die Zeit vollbringt,

was einst in göttlich stiller Saat begann;

und was die Vorsehung im Dunkel fing,

das wächst zum reifen Werk nach ihrem Plan.

Wenn Gottes Stimme durch die Zeiten klingt,

erhebt sich neu das Volk, das glauben kann.

Dann ruft die Kirche aus der tiefen Pein:

„Der Herr ist nah — und alles wird nun sein!“


Und wenn der Jubel einst in Klarheit schwelt,

wie Feuer, das im Opferrauch erblüht,

dann schaut die Welt, wie Gott die Braut erwählt,

die Ihm in kindlicher Reinheit dient und blüht.

Dann wird, was unsre Sehnsucht lang erfleht,

im Licht des Himmels Wahrheit unbetrübt.

Die Erde schweigt, der Himmel öffnet sich —

Maria steht, und Gott erbarmt sich dich.“


Wir wünschen, dass das Fest der reinen Zier,

Der fünfzig Jahr geweihten Gnadenzeit,

Erneu’rung stifte tief in Christensphier—

In Christus alles neu in Ewigkeit.

Denn wer mit klarem Blick erkennt es hier:

Kein Weg ist sicherer zur Seligkeit,

Als der, der uns zu seinem Sohne führt

Durch Maria, die uns zu Christus rührt.


„Selig bist du, die gläubig hat vernommen

Des Herrn Verheißung“—so das Engelwort,

Und Wahrheit selbst ist in ihr Fleisch gekommen,

Geboren neu auf wunderbarem Ort;

Damit der Sohn, ins Erdenkleid genommen,

Als Urquell unsres Glaubens schreite fort.

So ward die Mutter teilhaft all der Gnaden,

Die Gott in Christi Menschwerdung geladen.


Hätt’ Gott den Heilsmann nicht auch anders senden

Können als durch die Jungfrau, makellos?

Gewiss—doch wollte er den Weltlauf wenden

Durch sie, die vom Geist überschattet bloß

In reinem Schoß den Gottmenschen vollenden.

Drum führt kein Weg zu Christus fromm und groß

Als der, der aus Mariens Händen stammt—

Die Mutter, die das Heil uns mild entflammt.


Die Schrift zeigt sie, wo Heil sich vorbereitet:

Das Lamm, das herrscht, entsteigt der Felsenwand;

Die Blume, die aus Jesses Wurzel gleitet;

Den Dornbusch, den kein Feuer überwand;

Die Leiter, die die Himmelstrift geleitet;

Die Wolke, die vom Meer heraufgesandt.

All Wahrheit, die in Bildern einst erblühte,

Find’t neben Christus sich in ihrer Güte.


Wer dreißig Jahr den Sohn mit ihr vereint

Im stillen Haus von Nazareth betrachtet,

Der weiß: Kein andrer hat so tief gemeint,

Was Gottes Menschheit in Geheimnis sachtet.

Sie, die das Wort im Herzen stets vereint,

Hat jedes göttlich Wirken treu beachtet.

Drum ist sie Lehrerin zur Christuskenntnis—

Ein Weg, der führt in lichtgetauchte Werdnis.


Wer aber Christus ganz erkennt, gewinnt

Das Leben, das allein aus ihm entspringt;

Und weil wir ihn durch seine Mutter find’n,

Die uns in Glaubensnähe innig bringt,

Wird sie zur Führerin, die uns, ihr Kind,

In Christi Quell der Gnade wieder schwingt.

Denn wer durch sie zum Sohn sich neu erhebt,

Dem wird das wahre, ew’ge Leben webt.


Denn Mutter ist sie, die in heil’ger Weise

Uns alle neu in Christi Leben führt;

Und jeder, der sich ihr in Demut weise

Vertraut, wird sanft zum Sohn des Lichts gekürt.

Sie formt das Herz, das still in Glaubensreise

Zum Herrn empor in wahrem Frieden spürt.

So wirkt Maria, mild in Gottes Rate,

Als Mittlerin der reinsten Himmelsgnade.


Wie einst der Sohn an ihrer Seite ging

Und jede Regung seiner Mutter kannte,

So nimmt sie jeden auf, der gläubig ringt

Und suchend sich in ihre Nähe wandte.

Sie birgt im Schoß, was uns zum Heil gelingt,

Und reicht das Licht, das uns der Herr entsandte.

Durch sie wird Christi innerstes Geheimnis

Zum hellen Quell in unserm Glaubensinnern.


Wer Christus liebt, wird sie nicht minder ehren;

Denn was der Sohn im Geiste offenbart,

Hat sie zuerst empfangen, um zu lehren,

Wie Gottes Liebe unser Herz bewahrt.

In ihr hat Gott den Weg zu uns zu kehren

Gewählt—drum sei auch uns ihr Blick verwahrt.

Wer sie ergreift, den führt sie sicher weiter

Auf Christi Pfad, dem seligmachend heiter.


So hebt sich über jedes Menschenlos

Ein Trost, der nicht aus Erdenkraft entspringt:

Maria, die im Leid so still und groß

Den Sohn ans Kreuz und in die Welt hinbringt.

In ihr wird selbst das Dunkel licht und bloß,

Weil Gott durch sie die Herzen heimwärts zwingt.

Wer ihren Schritt in stillem Glauben wählt,

Dem wird der Sieg des Sohnes zugesellt.


Sie ist die Pforte, durch die Frieden flutet,

Wenn müde Seelen nach dem Heil sich sehnen;

Sie ist das Herz, das Christi Herz behütet,

Und schweigend trägt sie unser bittres Tränen.

Wer ihren Namen innig, treu und glutet,

Wird bald des Sohnes Nähe leise wähnen.

Denn wer zu ihr in kindlichem Vertrauen,

Darf bald des Herrn Erbarmen hell erschauen.


So bleibt sie unsre Mutter, Stern und Leiter,

Die sanft den Weg durch diese Welt erhellt;

Sie geht mit uns, ein stiller Schutzbegleiter,

Durch Not und Gnade, über Dorf und Feld.

Und alle Christen schreiten sicher weiter,

Wenn sie den Blick auf ihre Güte stellt.

Maria führt in Christi Huld und Klarheit—

Durch sie wird hell, was dunkel war zur Wahrheit.


Denn Gott hat ihr ein Teil des Werkes gegeben,

Das Christus selbst in seiner Liebe übt;

Sie soll das Herz zur Fülle seines Lebens

Bereiten, die den Glaubenden durchglüht.

In ihr wird gläubig Wollen, Tun und Streben

Auf jenen Pfad gestellt, den Gott uns bietet.

So wird in ihr, der Gnaden Morgenröte,

Des Sohnes Reichtum milde, treu und große.


Drum wendet euch, ihr Völker aller Lande,

Zu jener Mutter, die uns Christus gab;

In ihrer Hand ruht Gottes Friedensbande,

Das er in unseren Herzen weben mag.

Sie führt uns hin zu Christi Liebesstande,

Zu seinem Kreuz, dem Leben aus dem Grab.

Wer ihr vertraut, der findet sich getragen

Von dem, der Tod und Nacht hat abgeschlagen.


Wie stark uns Hoffnung nährt in dunklen Stunden,

erwägen wir der Gnaden heil’ge Dinge:

Wie viele Gründe, tief in Gott gefunden,

dass Maria uns die Fülle Gottes bringe!

Hat sie nicht Christus selbst im Schoß gebunden,

so ist sie Mutter auch der Menschheitsringe;

in ihr erstand das Haupt, dem wir gehören,

drum muss aus ihr auch unser Sein sich nähren.


Denn Christus, Fleisch gewordenes Wort der Zeiten,

erlöst als Gottmensch unser ganzes Sein;

sein Leib, der mystische, ist der der Geleiten,

die glauben, dass er unser Haupt muss sein.

Im Schoß der Reinen ließ er beides schreiten:

den Leib aus Fleisch, den Leib aus Geist hinein;

so trug sie uns, die Glieder seines Lebens,

und wurde Mutter unsres Hoffens, strebens.


Drum ist sie Mutter Gottes, Mutter aller,

und mit dem Sohn in heil’ger Lieb vereint,

schenkt sie, dass Gnade wie ein lichter Schaller

die Glieder Christi nährt und uns erscheint.

Dass wir ihn kennen, dass, wenn Nacht befaller,

sein Leben uns durchströmt, das nie verweint:

das wirkt Maria, die in seinem Lichte

uns leitet hin zum göttlichen Gesichte.


Nicht nur, dass sie das Opferlamm getragen,

das aus ihrem Fleisch die Rettung einst gewann,

sie nährte es in stillen, heil’gen Tagen

und führte es zum Opferaltar dann.

Gemeinsam litten sie in allen Plagen,

ihr Leben floss wie eines Schmerzes Bann;

und als er starb, da stand sie unerschrocken,

bereit, mit ihm das Kreuz selbst mitzutragen.


In solchem Mitsein mit dem Leid des Sohnes

ward sie zur Mutter, die das Heil erneuert;

sie teilte Last und Willen seines Thrones

und hat, was Christus wirkt, uns zugesteuert.

Er bleibt die Quelle ewigen Vergöhntes,

und nur durch ihn wird Gnade uns beteuert;

doch sie, die Mittlerin in seinem Lichte,

reicht uns, was er gewann, in stiller Pflicht.


Wie Bernhard sagt, ist sie der reine Kanal,

der von dem Haupt zum Leibe Ströme leitet;

des Halses Gleichnis zeigt uns mild die Wahl,

wie göttlich Kraft durch ihre Hände gleitet.

Nicht eigene Quelle, Dienerin im Saal,

doch Hüterin, die gnädig uns begleitet;

durch sie wird, was der Herr im Tod errang,

zum Licht für uns – ein nie versiegender Klang.


Vom Haupte strömt das Licht in stillen Bahnen,

doch durch Maria wird es uns zuteil;

sie neigt sich mild den irrenden Gefahren,

und führt die Seelen heim zum heil’gen Heil.

Wie treue Wege hüten Wanderfahnen,

so hält sie uns auf Gottes Königssteig;

und wer im Dunkel tastet, matt und wehe,

den trägt ihr Herz wie eine Morgenhöhe.


Nicht eigene Macht ist’s, die sie uns verströmet,

doch was das Haupt ihr schenkt, reicht sie uns dar;

wie Mond zum Licht der Sonne sich bekömet,

so strahlt sie nur aus Christi Liebensaar.

Doch wer, vom Sturm geschlagen, kaum sich glömet,

find’t Trost in ihr, der stillen Wunderbar;

durch ihre Hände fällt auf uns hernieder

der Gnadentau, der weckt die toten Glieder.


O Mutter, die im Mittlerdienst der Gnaden

die bittre Schale Christi mitgekost,

du trägst in deinem Blick der Welt Zerspahen

und heilest dennoch unsres Lebens Frost.

In deinem Schweigen ruhen tausend Narben,

in deinem Dulden Gottes liebste Kost;

und wer in dir den Weg zum Sohn erkundet,

hat schon das Tor zum ew’gen Licht gefunden.


So steht sie, wie ein Stern auf stillen Höhen,

der über Nacht den Pilger weiterführt;

und selbst wenn Finsternis das Herz will säen,

zeigt sie das Licht, das nie zur Erde friert.

Wir dürfen durch ihr Antlitz Christus sehen,

weil Er sich selbst in ihrem Schoß gebührt;

drum ehret sie die Kirche aller Zeiten,

die mit dem Sohn die Herzen will bereiten.


Wie leise ihre Hände zu uns sprechen,

so wirkt sie Gnade ohne lautes Tun;

in ihrem Schweigen dürfen wir entdecken,

wie Gott in Demut seine Wunder ruh’n.

Kein Wille will ihr heilig Herz ertrecken,

es dient dem Sohn in stets gehorsamem Nun;

und was sie tut, strömt aus der ersten Quelle,

die sie umfing in jener Nacht so helle.


Am Kreuz, wo Schmerz und Liebe sich umschlungen,

stand sie als Hüterin des heil’gen Leid;

kein Zagen hat ihr treues Herz bezwungen,

doch litt sie mit in tiefer Seelenzeit.

Was Christus litt, hat auch in ihr geklungen,

als wär’s ihr eigen Leiden, eigen Streit;

und so ward sie, durch göttliches Erbarmen,

zur Mutter unsrer trauernden Alarme.


Denn wer den Kelch des Sohnes mit erwogen,

den bricht kein Sturm mehr aus der Gnadenlust;

ihr Herz ward wie ein heil’ger Baum gezogen,

der Wurzeln fasst in Christi Dornenbrust.

Durch ihren Blick sind wir zu Gott gebogen,

und Hoffnung keimt in unsrer Menschenlust;

so trägt sie uns, die Mutter aller Schmerzen,

und schreibt des Heil’s Gesetz in unsre Herzen.


O Mutter, Tor der himmlischen Geschicke,

du Hals, durch den der Leib die Kräfte zieht;

du reinste Mittlerin der Gnadenbrücke,

durch die der Strom des Ew’gen niederfließt.

In deinem „Ja“ liegt Gottes Welt zurücke,

die ohne dich im Dunkel stumm vergießt;

drum strömt durch dich des Hauptes erstes Leben,

das uns zum Licht und zu der Liebe heben.


Wie Öl, das still aus heil’gen Lampen rinnt,

so fließt durch dich die Kraft, die uns erneuert;

und wer im Glauben neu sein Herz beginnt,

dem wird durch dich das Heil in ihm befeuert.

Du bist die Mutter, die das Haupt verbind’t

mit jedem Glied, das tief im Schmerz erschauert;

drum ruft die Kirche, die seit Anbeginn

dein mildes Wirken kennt, dich zu sich hin.


Nicht ihr wird je die Gnad’ aus Gottesherrschaft zuteil,

denn nur der Ew’ge spendet übernatürliche Gaben;

doch weil sie Christus nahe stand in Leid und Heil,

durft’ sie sein Wirken mütterlich und treu umwaben.

Er sitzt zur Rechten über Zeit und Erdenweil,

sie steht als Königin, die schützt, wenn Stürme traben.

Wer unter ihrem Mantel ruht, muss nichts mehr fürchten,

sie leitet sanft, lässt keinen ihrer Kinder stürzen.


Hat sie von Nazareth bis Kalvaria gestanden,

dem Sohn vertrauter als ein Mensch zuvor,

so hält sie nun den Schatz von Christi heil’gen Spenden,

verwaltet ihn als Mutter in gerechtem Chor.

Und selig ist, wer sich an ihre Hand will wenden,

denn sie führt unvergleichlich zu dem Weltenvor.

Die Armen irren, die sie stolz beiseite schieben;

denn wo das Kind zu finden ist – dort steht auch sie, die Lieben.


Zu Jesu Erkenntnis soll die Feier sich erheben,

nicht bloß zu äußrem Glanz in heil’ger Festlichkeit;

denn Herz und Wille sollen Maria wirklich geben,

was Lippen oft nur sprechen ohne Wahrhaftigkeit.

Die Königin begehrt nicht Pracht, nicht lautes Leben,

sie ruft: „Erkennt und liebt den Sohn in Ewigkeit!“

Wer prahlt mit Ehrung, aber seinem Wort nicht folgt,

der ehrt nur sich und baut ein Haus aus falschem Holz.


Verehrung ist nur echt, wenn sie das Herz bewegt,

wenn unser Will’ sich ihrem Willen still verbindet;

wenn man die Sünde meidet, die zur Finsternis hinträgt,

und böse Lust im klaren Licht der Gnade schwindet.

Was sie zu Kana sprach, das gilt, wenn sie uns trägt:

„Tut, was er sagt“, damit kein Herz sich selbst verblendet.

Nur wer die Gebote hält, geht ein zum Leben;

Maria führt den Weg – wir müssen willig streben.


Und wenn noch jemand Zweifel hegt an ihrem Sein,

so zeugt das Dogma klar von ihrer Lichtgestalt;

denn wie könnt’ je die, die Christi Mutter sollt’ sein,

von Sünd’ befleckt sein, auch nur einen Atem lang im Wald?

Gott steht der Sünde unvereinbar ewig fern und rein,

drum hielt die Gnade sie vom Fall in strenger Halt.

Noch ehe Christi Blut uns reinigte vom Bösen,

hat Gott die Mutter rein bewahrt in ihrem ersten Blößen.


Denn zwischen Gott und Sünde klafft ein tiefer Riss,

unendlich groß, kein Geist vermag ihn je zu fassen;

und wer begreift, wie rein der Sohn des Vaters ist,

der muss die Mutter frei von aller Schuld erlassen.

Der Fleischgeword’ne, der das Licht des Himmels ist,

konnt’ nur in jenem Schoß die Menschennatur erfassen,

den Gott zuvor bewahrt vor jedem dunklen Mal—

so wird die Reinheit selbst zu seines Reiches Saal.


Ehe sein Blut die Welt vom alten Makel wusch,

hat Gott in ihr den ersten Strahl der Gnade aufgetan;

ein Vor-Sonnenaufgang, der das Dunkel leise durch-,

ein Morgenrot, das neu die Schöpfung ahnen kann.

Der Sohn folgt ihr, doch dennoch geht sie ihm voraus im Busch,

denn Liebe macht, dass Gott die Zeiten wandeln kann.

So ward sie Mutter dem, der allem Ursprung gab,

und selbst erlöst durch ihn, der sie als Kind einst hab'.


In ihr erstrahlt der Glanz, der aus dem Himmel bricht,

doch wie der Mond empfängt sie alles nur vom Einen;

sie ist ein Spiegel, der das überweltlich’ Licht

in milder Güte neigt zu uns, den armen Kleinen.

Kein Strahl ist selbst aus ihr, doch was aus Gott anbricht,

wird, wenn durch sie, zu Trost für Weinende und Weinenden.

So schenkt ihr reiner Schein den Seelen stillen Mut;

denn wer sie schaut, ahnt Christi neu und reine Glut.


Wenn sie im ersten Hauch der Zeit schon rein erschien,

wie könnten wir, die später steh’n, die Sünde lieben?

Wenn Gott sie schützte, dass kein Schatten sie versah am Hin,

wie darf in uns die Nacht ihr dunkles Werk noch üben?

Ihr Beispiel ruft uns laut: „Tretet dem Bösen kühn entgegen hin,

lasst nicht den Geist von falschen Lüsten trüben!“

Denn wahre Ehrfurcht lebt nicht nur in frommen Worten,

sie zeigt sich ernst im Tun und in bewahrten Orten.


Wer sie verehrt, muss Christi Herz zugleich begehren,

denn nie führt sie zu sich, stets führt sie ihn allein;

und wer den Weg der Reinen sucht mit gläub’gem Ehren,

der wird von ihrem Licht zum Quell der Gnade gehn hinein.

In ihrem stillen Ja beginnt das große Lehren,

das bis zum Kreuz in letzter Treue blieb und rein.

Drum folgt dem Pfad, den sie im Glauben hat begonnen—

wer ihr vertraut, hat halben Weg zum Herrn gewonnen.


Sie steht vor Gott, doch nimmt nicht selbst die Macht,

der Herr allein verleiht, was Seelen stärkt und leitet;

doch wer durch sie das Herz zur Heiligkeit entfacht,

empfängt, was Gottes Hand dem frommen Leben bereitet.

Als Mittlerin wird sie zur Quelle, still und sacht,

die über uns die Flut der himmlischen Gaben breitet.

So zeigt sich Glaube nicht im bloßen Lippenwort,

sondern in treuem Tun an jedem Lebensort.


Von Nazareth bis Golgatha ihr Weg voll Treue war,

und wie die Mutter wacht, bewahrt sie Christi Schatz;

sie lehrt uns, dass die Gnade nicht nur nah, sondern klar,

den Pfad erhellt für jene, die in Sünde schwatz.

Wer ihr vertraut, erfährt, was fern doch offenbar,

dass Jesu Liebe uns erhält in jedem Satz.

Kein Schritt zur Ewigkeit ist ohne sie gegangen,

denn wer Maria ehrt, lässt sich von Christus fangen.


Nicht äußrer Prunk, nicht Festlichkeiten allein,

entscheiden über wahre Ehrfurcht und Verehrung;

nur wer sein Herz in Liebe hebt zu ihr, zu Sein,

erfährt die Frucht, die Heil und göttliche Belehrung.

Denn Christus will, dass wir sein Wort in Tat hinein

verwandeln, nicht nur schauen mit frommer Bewegung.

Wer ohne Wandel feiert, bleibt im Schatten stehn,

der Glaube ist dann nur ein Spiegelbild, nicht schön.


Von Anbeginn an rein, dem Makel stets entrückt,

bewahrt durch Gottes Gnade, unbefleckt und klar;

so zeigt die Jungfrau, wie der Himmel uns beglückt,

wenn Gottes Plan sich offenbart und offenbar.

Kein Schatten konnte sie je trüben, keine Pflicht,

sie war der reine Tempel für das göttlich’ Paar.

Das Fleisch des Sohnes, heilig, unversehrt empfangen,

lässt uns an dieser Reinheit Glauben neu umfangen.


Wer ihre Wege ehrt, flieht Sünde und Gefahr,

und lernt, dass wahre Heiligkeit im Tun besteht;

das Herz muss offen sein, der Geist dem Licht so nah,

nur so der Mensch dem göttlich’ Willen sich verschreibt.

Wer Lippen nur erhebt, verliert sich bald sogar,

und wird von falscher Frömmigkeit ins Nichts getrieben.

Drum folge Maria, Christo treu im Tun und Streben,

und finde so im Leben Gottes rechte Gnadeneben.


Weil Gott die Sünd so tief im Herzen hasst, 

Dass er die Mutter seines Sohnes rein 

Nicht nur von persönlicher Verfehlungs-Last, 

Sondern von Erbsünd’ auch, die allen Adams Pein 

Anhaftet, nahm, durch Christi Gnad’ gefasst, 

So muss ein Diener Mariens erst sich nein 

Zu schlimmem Tun und sündhaft Leben sagen, 

Sowie die Neigung stets in Zucht ertragen.


Wer aber vollkommener sie ehren will, 

Und solches Sehnen in der Seele trägt, 

Der muss als nächsten Schritt, ganz ernst und still, 

Nachahmen, was ihr Leben uns geprägt. 

Denn Gott will, dass man Christi Vorbild Ziel 

Der Heiligkeit sich tief ins Inn’re legt. 

Doch sind wir schwach – die Höh’ entmutigt leicht, 

Drum ist ein kleinres Bild uns zugereicht. 


Ein andres Bildnis, das uns Gnade schenkt, 

Das Christo nahe steht, so weit es geht, 

Doch Schwäche teilt, weil’s menschlich mitbedenkt, 

Das ist Maria, die uns gegenüber steht. 

„Ihr Leben ist die Schule“, wird vermerkt, 

So Ambrosius bezeugt und dort erklärt: 

„Als Spiegel dient sie euch der Keuschheit prachtvoll,

Der Tugend Schönheit strahlend und kraftvoll.“ 


Die Kinder solch heiliger Mutter sollten gern

Sie nachzuahmen suchen, Tag für Tag. 

Vor allem jene Tugenden, die als Stern 

Das Zentrum sind, aus dem das Denken schlug:

Glaube, Hoffnung, Liebe, von Nah und Fern 

Zu Gott und Mensch – kein Makel sie umzog.

Am Kreuz bewiesen sie ganz besondre Helle, 

In ihrem Leiden an der letzten Stelle.


Als Jesus hing am Kreuz, von Schmähung tief 

Verwundet, als man rief: „Er ist der Sohn!“

Hielt Maria fest an ihm und unter Lied

Des Glaubens betete sie dort auf ihrem Thron.

Den Leichnam dann zu Grabe man verlief,

Doch zweifelt’ sie nicht an der Auferstehung Kron.

Die Liebe ließ sie teilnehmen am Schmerz,

Und bat für Mörder mit verzeihend Herz. 


Doch kehren wir zur Unbefleckten Huld

Der Jungfrau Empfängnis wieder hin,

Das Geheimnis, das die Rundschreib uns enthüllt:

Welch starker Grund, dass wir die Tugend zieh’n!

Die Glaubensfeinde suchen mit Geduld,

Den Fall des Menschen zu verleugnen drin.

Sie leugnen Erbsünd’, Mängel, Verderben, Not,

Und nennen alles Märchen und Lug und Droh’n. 


Die Folge ist, es braucht kein Erlöser mehr,

Kein Christus, Kirche, Gnade, übersinnlich Sein.

Das Glaubensgebäude wird zerstört und leer,

Der Grund entzogen, fällt es jederzeit hinein.

Doch glauben Menschen, dass Maria hehr

Von Sündenmakel frei war, rein und rein,

So nehmen sie die Erbsünd’ mit Klarheit an,

Und Christi Erlösung wird verstanden dann. 


Das Evangelium, die Kirche, Leiden schwer

Wird glaubhaft und bekannt in allem nun.

Der Rationalismus findet keinen Herd,

Der Materialismus hat nichts mehr zu tun.

Die christliche Weltsicht rühmt sich hoch und wert,

Die Wahrheit zu verteidigen huldvoll und schön.

Die reine Mutter zeigt den Weg zum Sieg,

Im Kampf des Glaubens in der Welt und Krieg. 


Die Glaubensfeinde suchen heut' mit List,

Den Glauben zu zerstören tief im Herzen;

Es wird der Kirche Autorität vergisst,

Man scheut gehorsam nicht mehr vor den Schmerzen,

Man kündigt selbst der Menschheit Macht und Frist,

Und führt zum Anarchismus mit Beschwerden.

Die Pest, die schlimmer schädigt alle Ordnung

Ist Feind der Immakulata – Forderung.


Denn diese Lehre bindet fest den Geist,

Der Kirche Einfluss auch auf ihn zu geben;

So wird der Widerstand als Falsches weist,

Und nimmt der Christ den Verstand in Zucht zum Leben.

Mit Jubelruf, der durch die Zeiten kreist,

Grüßt man die Mutter Gottes hoch erhaben:

"Ganz schön bist du, Maria ohne Makel,

Du brachst der Irrlehre bitteren Zweifel."


Der Apostel sagt, der Glaube ist ein Band

Auf das, was man erhofft, ein festes Bauen;

Wird er durch Marias Unschuld neu entfacht,

So muss die Hoffnung umso stärker schauen.

Sie wurde doch von jeder Sünde freigemacht,

Weil sie Christi Mutter wurde zum Vertrauen;

Er kam in ihr, dass wir das Ew’ge wollten,

Die Hoffnung neu erweckt, wo sie erst sollten


Zur Liebe Gottes sind kaum Worte nötig mehr,

Doch regt die Jungfrau uns zu einem an,

Das Gesetz der Liebe, macht die Seele hehr,

Wie Jesus uns geliebt, so jeden andern Mann.

Der Seher sah ein Zeichen auf dem Meer

Des Himmels Glanz, die Sonne, die sie spannt:

Die Frau mit Mond und Sternen als der Krone,

Die unversehrt gebiert dem höchsten Sohne. 


Die Frau im Himmel schreit in Weh und Schmerz,

Obwohl sie dort schon selig ist und rein;

Maria leidet noch mit liebendem Herz,

Geboren werden müssen wir noch hinein

In Gottes Liebe, durch ihr Seelen-Scherz,

Noch sind wir in der ird’schen Verbannung klein.

Auf Thron im Himmel wacht sie unverdrossen,

Bis aller Erwählter Zahl ist ausgegossen. 


Dies höchste Ziel der Liebe sei das Ende

Der Feier jetzt der Unbefleckten Frau!

Wie grimmig heute Christus man auch schände,

Wie viel in Irrnis wandeln, grau und lau!

Wer steht, der sehe zu, dass er sich wende

Zum Licht, bevor die Seele fällt zum Bau!

Zum Beten rufen Wir mit demutsvollem Munde,

Durch Maria findet Einsicht in der Stunde. 


Ein liebendes Gebet aus reinem Quell

Auf ihre Fürsprech wird nie ohne Hören sein;

Der Kampf und Leiden kommen früh und schnell,

Damit die Bewährten klar erscheinen rein.

Doch steht die Jungfrau bei uns, licht und hell,

Selbst in der Not, wir sind nicht mehr allein.

Der Kampf, begonnen in ihrer Empfängnis wieder,

Erfüllt das Wort: Sie tritt die Schlange nieder.


Um Gnadenhilfe reichlich zu empfangen nun,

Die Ehre Marias mit Tugend zu verknüpfen,

Zu tun die Werke, die Wir Uns vorgenommen tun,

Das Motto, alles in Christo aufzufrischen:

Wie Unsre Vorgänger pflegten anzufangen nun,

Bevor die Ablass- Regeln nun entschlüpfen,

Gewähren Wir ein Jubiläum auf der Erden,

Damit die Gnaden allen zuteil werden. 


Ehrwürd’ge Brüder, dies Schreiben schließen wir 

Mit einem Wunsch, der fest im Herzen ruht; 

Denn dieses Jubiläum, das Wir hier 

Der Jungfrau weihen, rein von allem Blut, 

Bringt jene heim, die fern von Jesu Zier 

Und Seinem Licht verirrt im dunklen Wut. 

Die Liebe soll zu Frömmigkeit und Tugend 

In Christo neu erblühen, frisch wie Jugend.


Wie Pius, unser Vorgänger, es tat, 

Der vor fünfzig Jahr’ den Satz verkündet rein, 

Schien Gnadensegen über alle Stadt, 

Die ganze Erd’ von Himmlischem durchschein’. 

Des Volkes Frommheit stieg in Tat und Rat, 

Vertrauen ließ die Hoffnung größer sein; 

Warum nicht Ähnliches auch in dieser Zeit? 

Für eine Zukunft, die viel Höh’res weit.


Zwar sind die Tage, die wir heut’ durchleben, 

Von tiefem Dunkel und von Trübsal voll. 

Mit dem Propheten muss man Zeugnis geben: 

Es fehlt die Wahrheit, Gotteskund’ und Zoll 

Des Herzens, Lüg’, Raub, Mord, die Kräfte heben 

Das Haupt im Land, es klingt ein finstrer Groll. 

Doch seht! Inmitten dieser Flut von Plagen 

Erscheint die Jungfrau, die den Frieden tragen.


Wie einst der Regenbogen, gütig, mild, 

Sie ist der Friedensstifterin Gestalt, 

Die Gott versöhnt und unser Los enthüllt. 

„Den Bogen setz’ ich ins Gewölk mit Halt, 

Als Bundeszeichen zum Schutz von Mensch und Wild, 

Das zwischen Erd’ und Mir die Einheit wallt.“ 

Mag schwarze Nacht den Himmel auch umfassen, 

Wir brauchen nicht zu zittern und zu erblassen.


Denn blickt man nur auf Maria mit Bedacht, 

Ist Gott versöhnt und wendet ab die Pein. 

„Der Bogen wird im Wolkenmeer gemacht, 

Ich schau’ ihn an und gedenk’ des Bundes rein.“ 

Die Fluten werden nicht mehr durch die Nacht 

Die Erde tilgen, alles Fleisch nicht sein. 

Auf sie vertrau’n wir, ist es doch nur billig, 

Da wir Ihr Fest heut’ ehren, freudig, willig.


Wir werden sehn, dass diese starke Maid 

Den Fuß auf’s Haupt der Schlange fest gesetzt, 

Die Macht der Bosheit so für alle Zeit 

Mit reiner Stärke zornig hat zerfetzt. 

Ihr Brüder nun, zum Zeichen dieser Freud’ 

Und Unterpfand der Gaben, hochgeschätzt, 

Euch und den Gläub’gen, die ihr habt im Schutz, 

Erteil’ ich Segen, rein vor allem Schmutz.