JUGENDBIBEL: MICHA

VON TORSTEN SCHWANKE


FÜR MICHA M.



MICHA, Kapitel 1: Der große Weckruf


1 Dies ist die Botschaft, die der Herr dem MICHA aus Moreschet gab. Er sah sie in einer Vision während der Regierungszeit von Jotham, Ahas und Hiskia, den Königen von Juda. Es ging um das, was mit Samaria und Jerusalem passieren sollte.


2 Hört zu, ihr Völker der ganzen Welt! Passt auf, ihr Menschen auf der Erde! Der Herr, Gott, spricht direkt aus seinem heiligen Palast im Himmel. Er ist bereit, gegen euch auszusagen.


3 Schaut her: Gott verlässt seinen Thron. Er kommt herab, er stampft über die Gipfel der Berge.


4 Unter ihm schmelzen die Berge wie Wachs vor einer Kerze. Die Täler reißen auf wie Land bei einem Erdbeben. Alles spaltet sich, als würde Wasser einen Abhang hinunterstürzen.


5 Warum passiert das alles? Weil Israel und Juda sich vollkommen von Gott abgewandt haben. Was ist der Grund für den Verrat in Samaria? Das ist der Götzendienst! Was ist die Sünde in Jerusalem? Das ist die moralische Verderbtheit.


6 Deshalb mache ich Samaria zu einem Trümmerhaufen auf dem Feld, zu einer Fläche, auf der man Weingärten pflanzt. Ich werde ihre Steine in das Tal schütten und die Fundamente komplett freilegen.

7 Alle ihre falschen Götterbilder werden zertrümmert, alles, was sie ihren Götzen geopfert haben, wird im Feuer verbrannt. Ich mache ihre Statuen kaputt, denn sie haben sie mit Geld gekauft, das sie sich durch Prostitution und Ausbeutung verdient haben. Deshalb wird auch alles wieder in den Schmutz zurückkehren.


8 MICHA sagt: Wenn ich das sehe, muss ich heulen und klagen. Ich laufe barfuß und in Lumpen herum. Ich heule wie ein Schakal und trauere wie ein Vogel, der seine Jungen verloren hat.


9 Denn die Wunde Samarias ist tief – sie ist bis hierher nach Juda gekommen, bis vor die Tore Jerusalems.


10 Erzählt es bloß nicht in Gat! Weint bloß nicht zu laut! In Bet-Le-Afra wälzt euch im Staub.


11 Ihr Bewohner von Schafir, zieht nackt und beschämt davon! Die Leute von Zaanan trauen sich nicht aus der Stadt. Die Klage von Bet-Ezel raubt euch den Mut, sich festzuhalten.


12 Die Leute von Marot warten voller Angst auf das Gute, doch das Unheil vom Herrn ist schon bei den Toren Jerusalems angekommen.


13 Ihr Bewohner von Lachisch, spannt die schnellsten Pferde vor eure Wagen! Ihr wart der Anfang der Sünde für die Tochter Zion, denn bei euch fing der Verrat Israels an.


14 Deshalb müsst ihr Abschiedsgeschenke nach Moreschet-Gat schicken. Die Häuser von Achsib sind für die Könige von Israel wie ein ausgetrockneter Bach – ein leeres Versprechen.


15 Ich werde einen neuen Besitzer für euch bringen, ihr Leute von Marescha! Der Stolz Israels wird sich in Adullam verstecken.


16 Schneidet euch die Haare ab, werdet kahl vor Trauer um eure geliebten Kinder! Macht euch so kahl wie ein Geier, denn eure Kinder müssen in die Verbannung gehen.


*


Was meinst du?


MICHA warnt hier sehr eindringlich vor gesellschaftlicher Ungerechtigkeit und davon, wie Menschen Gott durch ihr Handeln ignorieren. Welcher Teil dieses Kapitels erscheint dir in der heutigen Zeit am relevantesten?





MICHA, Kapitel 2: Wenn Macht missbraucht wird


1 Wehe denen, die nachts in ihren Betten liegen und sich ausmalen, wie sie andere übers Ohr hauen können. Sobald es hell wird, ziehen sie los und setzen ihre bösen Pläne in die Tat um, einfach weil sie die Macht dazu haben.


2 Wenn sie ein schönes Stück Land sehen, nehmen sie es sich. Gefällt ihnen ein Haus? Sie reißen es sich unter den Nagel. Sie zocken den Familienvater ab und bringen ihn um seinen Besitz.


3 Deshalb sagt der Herr: Ich plane auch etwas – etwas, das euch hart treffen wird. Ihr werdet euch aus dieser Nummer nicht so einfach herausziehen können. Ihr werdet nicht mehr so arrogant und stolz herumlaufen, denn es werden harte Zeiten auf euch zukommen.


4 In dieser Zeit werden die Leute über euch spotten und ein Klagelied singen: Alles ist vorbei! Gott hat das Land unseres Volkes einfach weggenommen. Er hat es den Leuten gegeben, die uns unterdrückt haben, und unser Erbe an andere verteilt.


5 Deshalb wird es niemanden mehr geben, der für euch das Los zieht, um euch Land in der Gemeinde des Herrn zuzuteilen.


6 Die Leute schreien: Hör auf mit dem Predigen! Erzähl uns nicht so einen Mist! So ein Unheil wird uns schon nicht treffen.


7 Aber der Herr antwortet: Glaubt ihr wirklich, der Herr hat keine Geduld mehr? Ist das meine Art zu handeln? Sind meine Worte nicht eigentlich gut für den, der aufrichtig lebt?


8 Doch ihr – ihr seid zu meinem Volk geworden wie Feinde! Ihr überfallt die Leute, die in Frieden an euch vorbeigehen. Ihr reißt ihnen die Kleider vom Leib, als wären sie Kriegsgefangene.


9 Ihr vertreibt die Frauen meines Volkes aus ihren gemütlichen Häusern und nehmt ihren Kindern für immer den Segen, den ich ihnen geben wollte.


10 Also: Packt eure Sachen und verschwindet! Hier ist kein Ort mehr, an dem ihr in Ruhe leben könnt. Ihr habt alles durch eure Sünde so verseucht, dass es euch vernichten wird.


11 Wenn jemand daherkommt, der euch den Kopf verdreht und Lügen erzählt wie: Ich prophezeie euch viel Wein und Bier!, dann seid ihr begeistert. Ja, das ist der Typ Prophet, den ihr hören wollt!


12 Aber ich sage euch: Gott wird die Überreste von Israel sammeln wie Schafe in einem Pferch. Sie werden wieder zusammenfinden wie eine große Herde, die laut vor Freude ist, weil sie endlich wieder in Sicherheit ist.


13 Einer geht voran und bricht durch die Mauern, die sie gefangen halten. Sie werden ausbrechen und in Freiheit ziehen, mit ihrem König an der Spitze. Der Herr selbst führt sie an.


*


Ein kurzer Gedanke dazu


MICHA kritisiert hier knallhart Leute, die rücksichtslos auf Kosten anderer leben und sich dann auch noch die Wahrheit verbitten. Er macht deutlich, dass das nicht gut ausgehen kann – aber er endet mit einem Versprechen auf Hoffnung und Befreiung.


Wie würdest du MICHAS Kritik an den „Mächtigen“ auf Situationen in deinem Umfeld oder in der heutigen Welt übertragen?




MICHA, Kapitel 3: Wenn die Führung versagt


1 Dann sagte ich: Hört mir zu, ihr Anführer von Jakob, ihr Verantwortlichen in Israel! Ihr solltet eigentlich wissen, was Gerechtigkeit ist.


2 Aber ihr hasst das Gute und liebt das Böse. Ihr reißt den Leuten die Haut vom Leib und das Fleisch von den Knochen, als würdet ihr sie ausschlachten.


3 Ihr fresst mein Volk auf, zieht ihnen die Haut ab, zerbrecht ihre Knochen und zerkocht sie wie Fleisch im Topf.


4 Eines Tages werdet ihr zum Herrn schreien, aber er wird nicht antworten. Er wird sein Gesicht vor euch verbergen, weil ihr so viel Mist gebaut habt.


5 So sagt der Herr über die Propheten, die mein Volk in die Irre führen: Sie erzählen den Leuten genau das, was sie hören wollen, wenn sie etwas zu essen bekommen. Aber wenn ihnen jemand nichts bietet, erklären sie ihm sofort den heiligen Krieg.


6 Deshalb wird es für euch dunkel werden, ohne jede Vision. Ihr werdet keine Antworten mehr bekommen. Die Sonne wird für euch untergehen, und der Tag wird finster werden.


7 Die Seher werden sich schämen und die Wahrsager vor Scham die Lippen zusammenkneifen, weil Gott ihnen einfach nicht antwortet.


8 Aber ich? Ich bin voller Kraft, voller Geist des Herrn, voller Gerechtigkeit und Mut. Ich habe den Auftrag, dem Volk Jakob seine Vergehen vorzuhalten und Israel seine Sünden ins Gesicht zu sagen.


9 Hört gut zu, ihr Chefs von Jakob und ihr Anführer von Israel! Ihr verabscheut die Gerechtigkeit und verbiegt alles, was gerade ist.


10 Ihr baut Zion mit Blut auf und Jerusalem mit Verbrechen.


11 Die Anführer lassen sich bestechen, um Urteile zu fällen. Die Priester lehren nur gegen Bezahlung, und die Propheten verkaufen ihre Visionen für Geld. Und dann behaupten sie auch noch: Der Herr ist doch bei uns! Uns kann gar nichts passieren.


12 Wegen genau dieser Einstellung wird Zion wegen euch wie ein Feld umgepflügt werden. Jerusalem wird zu einem Trümmerhaufen und der Tempelberg zu einem verwilderten Wald.


*


Was bleibt hängen?


MICHA zeigt hier eine bittere Wahrheit: Wenn diejenigen, die Verantwortung tragen (egal ob in der Politik, in der Religion oder in der Gesellschaft), ihre Macht nur noch für den eigenen Vorteil nutzen, zerstören sie das Fundament, auf dem sie stehen. Er nennt das beim Namen, auch wenn es unangenehm ist.


Glaubst du, dass man heute noch Menschen findet, die wie MICHA mutig genug sind, solche Missstände bei den „Mächtigen“ direkt anzusprechen, oder ist es heute schwieriger geworden, die Wahrheit zu sagen?




MICHA, Kapitel 4: Die Vision vom Frieden


1 Doch eines Tages wird es passieren: Der Berg, auf dem der Tempel des Herrn steht, wird über allen anderen Bergen thronen. Er wird die Hügel überragen, und die Menschen aus allen Völkern werden wie ein Strom dorthin strömen.


2 Viele Nationen werden kommen und sagen: Kommt, lasst uns zum Berg des Herrn gehen, zum Tempel des Gottes Jakobs! Er wird uns zeigen, wie wir leben sollen, und wir werden auf seinen Wegen gehen. - Denn in Jerusalem wird die Weisung des Herrn ihren Ursprung haben.


3 Gott wird zwischen den Völkern richten und Streitigkeiten zwischen starken Nationen schlichten. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen umschmieden und ihre Speere zu Winzermessern. Kein Volk wird mehr gegen das andere in den Krieg ziehen, und niemand wird mehr lernen, wie man kämpft.


4 Stattdessen wird jeder in Ruhe unter seinem eigenen Weinstock und seinem eigenen Feigenbaum sitzen, und niemand wird sie mehr in Angst versetzen. Das hat der Herr, der Allmächtige, versprochen.


5 Auch wenn heute jedes Volk noch seinem eigenen Gott folgt – wir bleiben beim Herrn, unserem Gott, für immer und ewig.


6 An jenem Tag, spricht der Herr, sammle ich die, die verletzt wurden. Diejenigen, die ich bestraft habe, werde ich zu mir holen.


7 Aus denen, die völlig am Ende waren, mache ich einen neuen Anfang. Sie werden mein Volk sein, und ich werde für immer ihr König sein, dort auf dem Berg Zion.


8 Und du, Wächterturm, du Festung der Tochter Zion: Die frühere Macht wird zu dir zurückkehren, das Königreich wird wieder bei dir sein.


9 Aber warum schreist du jetzt so laut? Hast du keinen König mehr? Ist dein Berater weg, dass du dich krümmst wie eine Frau bei der Geburt?


10 Windet euch vor Schmerz, ihr Bewohner von Zion! Denn ihr müsst die Stadt verlassen, auf dem Feld wohnen und bis nach Babylon ziehen. Aber dort wird euch der Herr befreien. Er wird euch aus der Hand eurer Feinde retten.


11 Jetzt haben sich viele Völker gegen dich zusammengerottet. Sie sagen: Wir werden Zion entweihen und uns daran ergötzen!


12 Doch sie haben keine Ahnung, was der Herr wirklich vorhat. Sie verstehen seine Pläne nicht. Er hat sie nur wie Getreide auf die Tenne versammelt, um sie zu dreschen.


13 Steh auf und drisch, Tochter Zion!, sagt der Herr. Ich mache deine Hörner zu Eisen und deine Hufe zu Bronze. Du wirst viele Völker zermalmen und ihren Reichtum dem Herrn, dem Besitzer der ganzen Erde, weihen.


*


Ein inspirierender Kontrast


Dieses Kapitel ist legendär, besonders der Teil mit den „Schwertern zu Pflugscharen“. MICHA zeigt hier, dass Gottes Ziel nicht Zerstörung ist, sondern ein globaler Neuanfang, in dem Menschen sich nicht mehr gegenseitig bekämpfen, sondern in Frieden leben.


Wenn du dir die Welt heute ansiehst – was müsste sich in unserem Denken ändern, damit die Vision vom „Umschmieden der Schwerter zu Pflugscharen“ ein Stück weit Realität werden kann?




MICHA, Kapitel 5: Der Retter aus der Provinz


1 Doch du, Bethlehem-Efrata, du bist zwar eine der kleinsten Städte in ganz Juda. Aber aus dir wird derjenige hervorgehen, der für mich über Israel regieren wird. Er stammt aus uralten Zeiten, aus den Tagen der Ewigkeit.


2 Deshalb wird der Herr sein Volk nur so lange in der Hand der Feinde lassen, bis die Frau, die ein Kind erwartet, entbunden hat. Dann werden die, die noch von seinen Brüdern übrig sind, zu den Menschen in Israel zurückkehren.


3 Er wird kommen und seine Herde mit der Kraft des Herrn führen, mit der ganzen Autorität seines Gottes. Sein Volk wird in Sicherheit leben, denn seine Macht wird bis ans Ende der Welt reichen.


4 Und genau dieser Mann wird unser Friede sein. Wenn die Assyrer in unser Land einfallen und unsere Paläste stürmen, werden wir ihnen sieben Hirten entgegenstellen, ja, acht Anführer aus dem Volk.


5 Sie werden das Land Assur mit dem Schwert abwehren und das Land Nimrods an seinen Toren stoppen. Er wird uns vor den Assyrern retten, wenn sie in unser Land kommen und unsere Grenzen überschreiten.


6 Die Übriggebliebenen aus dem Volk Jakob werden dann mitten unter vielen Völkern sein – wie der Tau, der vom Herrn kommt, oder wie der Regen auf dem Gras. Sie werden auf niemanden warten und von niemandem abhängen.


7 Die Überlebenden aus Jakob werden unter den Völkern sein wie ein Löwe unter den Tieren im Wald, wie ein junger Löwe unter einer Schafherde. Er trampelt alles nieder und zerfleischt es, und niemand kann sie retten.


8 Deine Hand wird sich gegen deine Feinde erheben und all deine Gegner werden vernichtet werden.


9 An jenem Tag, spricht der Herr, werde ich deine Pferde aus deiner Mitte ausrotten und deine Streitwagen zerstören.


10 Ich werde die Städte deines Landes vernichten und alle deine Festungen in Schutt und Asche legen.


11 Ich werde den Zauberei-Kram, den du betreibst, beseitigen; es wird keine Wahrsager mehr bei dir geben.


12 Ich werde deine Götzenbilder und deine heiligen Säulen vernichten. Du wirst dich nicht mehr vor dem verbeugen, was du dir selbst mit deinen Händen gebaut hast.


13 Ich werde deine heiligen Pfähle ausreißen und deine Städte dem Erdboden gleichmachen.


14 An den Völkern, die nicht gehorchen wollen, werde ich mich in meinem Zorn und meiner Wut rächen.


*


Was ist hier die Botschaft?


MICHA richtet den Fokus auf einen Retter, der aus dem „Nichts“ kommt (Bethlehem war damals völlig unbedeutend). Die Botschaft ist klar: Echte Veränderung kommt nicht durch die „Big Player“ oder durch militärische Aufrüstung, sondern durch jemanden, den man gar nicht auf dem Zettel hatte. Zudem macht MICHA deutlich, dass ein Neuanfang erfordert, sich von allem „falschen Stolz“ (Götzen, Waffensysteme, Aberglaube) zu trennen.


Wie empfindest du den Gedanken, dass große Veränderungen oft von den kleinsten, eher unscheinbaren Orten oder Menschen ausgehen können?




MICHA, Kapitel 6: Die Anklage Gottes


1 Hört jetzt mal zu, was der Herr zu sagen hat: Steh auf und erhebe deine Klage vor den Bergen, lass die Hügel deine Stimme hören!


2 Hört, ihr Berge, die Anklage des Herrn! Ihr festen Fundamente der Erde, hört zu! Denn der Herr führt einen Prozess gegen sein Volk. Er bringt seine Anklage gegen Israel vor:


3 Mein Volk, was habe ich euch getan? Womit habe ich euch überfordert? Sagt es mir!


4 Ich habe euch aus Ägypten herausgeholt, ich habe euch aus der Sklaverei befreit. Ich habe Mose, Aaron und Mirjam geschickt, um euch den Weg zu zeigen.


5 Erinnert euch, mein Volk: Was hatte König Balak von Moab vor, und was hat Bileam, der Sohn Beors, ihm geantwortet? Denkt an den Weg von Schittim bis Gilgal. Wenn ihr euch daran erinnert, erkennt ihr endlich die gerechten Taten des Herrn.


6 Das Volk fragt: Mit was soll ich eigentlich vor den Herrn treten? Soll ich mich vor dem Gott in der Höhe verbeugen? Soll ich mit Brandopfern zu ihm kommen, mit einjährigen Kälbern?


7 Hat der Herr Freude an tausenden Widdern oder an zehntausenden Strömen von Öl? Soll ich mein erstes Kind für mein Verbrechen opfern? Meine eigene Tochter für meine Sünde?


8 Doch Gott antwortet: Mensch, er hat dir doch längst gesagt, was gut ist! Und genau das erwartet der Herr von dir:


Handle gerecht.


Liebe die Treue und Zuverlässigkeit.


Und geh bescheiden mit deinem Gott um.


9 Die Stimme des Herrn ruft der Stadt zu – und wer weise ist, hat Ehrfurcht vor seinem Namen: Hört auf die Warnung, denn sie kommt von ihm, der alles bestimmt!


10 Wie kann ich die Schätze vergessen, die ihr durch Betrug angehäuft habt? Wie soll ich die verfluchten falschen Maße und Gewichte übersehen?


11 Kann ich jemanden für rein halten, der betrügerische Waagen und gefälschte Gewichtssteine in seinem Beutel hat?


12 Eure Reichen sind gewalttätig, eure Leute belügen einander, ihre Zungen sind voll von hinterlistiger Sprache.


13 Deshalb habe ich beschlossen, euch hart zu bestrafen und euch wegen eurer Sünden in den Ruin zu treiben.


14 Ihr werdet essen, aber nicht satt werden. Ihr werdet arbeiten, aber nichts erreichen. Was ihr zu retten versucht, werde ich dem Schwert preisgeben.


15 Ihr werdet säen, aber nicht ernten. Ihr werdet Oliven pressen, aber kein Öl zum Einreiben haben. Ihr werdet Wein keltern, aber den Wein nicht trinken können.


16 Ihr habt die Regeln von Omri übernommen und handelt wie Ahab und seine Leute. Ihr folgt ihren falschen Ratschlägen. Deshalb werde ich euch vernichten und eure Stadt zum Gespött machen. Ihr werdet die Schmach meines Volkes tragen.


*


Ein Punkt zum Nachdenken


Vers 8 ist für viele Menschen ein Leitfaden für ein gelungenes Leben: Gerechtigkeit, Liebe und Demut. MICHA macht hier Schluss mit dem Gedanken, dass man Gott mit „religiösem Programm“ oder großen Opfergaben beeindrucken kann. Für ihn zählt nur die Haltung im Alltag.


Was denkst du: Ist es für dich einfacher, „religiöse Regeln“ einzuhalten, oder das zu tun, was MICHA hier beschreibt – also im täglichen Umgang gerecht, treu und bescheiden zu sein?




MICHA, Kapitel 7: Hoffnung im Scherbenhaufen


1 Alles ist zum Verzweifeln! Ich fühle mich wie jemand, der nach der Ernte durch den Weinberg geht und absolut keine Früchte mehr findet. Keine Trauben, keine Feigen – einfach nichts, was man essen kann.


2 Es gibt keine aufrichtigen Menschen mehr im Land. Niemand ist mehr ehrlich. Alle warten nur darauf, anderen Fallen zu stellen. Sie jagen ihre eigenen Brüder wie mit einem Netz.


3 Sie sind Profis, wenn es darum geht, Böses zu tun. Die Anführer fordern Bestechungsgelder, die Richter lassen sich kaufen, und die Reichen bestimmen, wo es langgeht. Sie alle stecken unter einer Decke.


4 Selbst der Beste von ihnen ist so stachelig wie eine Hecke aus Dornen. Der Tag deiner Abrechnung, der Tag, den die Wächter angekündigt haben, ist da. Jetzt herrscht bei euch das Chaos.


5 Vertraue niemandem! Traue keinem Nachbarn, verlasse dich nicht mal auf deinen besten Freund. Pass auf, was du deiner Partnerin erzählst.


6 Denn in diesen Zeiten achten Kinder ihre Eltern nicht mehr, die Tochter lehnt sich gegen die Mutter auf, die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter. Deine eigenen Hausgenossen werden zu deinen Feinden.


7 Aber ich? Ich gebe nicht auf. Ich schaue voller Hoffnung auf den Herrn. Ich warte auf Gott, meinen Retter. Mein Gott wird mich hören.


8 Freu dich nicht zu früh über mein Unglück, meine Feindin! Auch wenn ich gestürzt bin, werde ich wieder aufstehen. Auch wenn ich jetzt im Dunkeln sitze, wird der Herr mein Licht sein.


9 Ich habe gegen den Herrn gesündigt, deshalb muss ich jetzt die Konsequenzen tragen. Doch er wird meinen Fall übernehmen und mein Recht vertreten. Er wird mich aus der Dunkelheit führen, und ich werde sein Licht sehen und seine Gerechtigkeit erleben.


10 Und wenn meine Feindin das sieht, wird sie vor Scham vergehen. Sie hat mich gefragt: Wo ist er denn, dein Gott? - Nun wird sie zusehen müssen, wie sie im Dreck landet – genau wie sie es mit mir versucht hat.


11 Die Zeit kommt, um deine Mauern wieder aufzubauen! Die Grenzen deines Volkes werden weit gesteckt sein.


12 Menschen werden von überall zu dir kommen – von Assyrien bis Ägypten, von den Städten bis zu den Flüssen, von Meer zu Meer und von Berg zu Berg.


13 Doch das restliche Land wird erst einmal zur Wüste, weil die Menschen, die dort gelebt haben, so viel Unheil angerichtet haben.


14 Herr, hüte dein Volk wie ein Hirte seine Herde! Sie leben einsam in einem Waldgebiet, mitten auf fruchtbarem Land. Lass sie auf den Weiden von Baschan und Gilead grasen wie in den alten Tagen.


15 So wie damals, als ich euch aus Ägypten befreit habe, sagt der Gott, werde ich euch wieder Wunder zeigen.


16 Die anderen Völker werden es sehen und sich vor Machtlosigkeit schämen. Sie werden den Mund halten und stumm vor Staunen sein.


17 Sie werden sich im Staub winden wie Schlangen, die aus ihren Löchern kriechen. Sie werden voller Angst vor dem Herrn, unserem Gott, erzittern.


18 Wer ist ein Gott wie du? Du vergibst Schuld und verzeihst das Verbrechen des Überrestes deines Volkes. Du hältst deinen Zorn nicht für immer fest, denn du liebst es, barmherzig zu sein.


19 Du wirst dich wieder über uns erbarmen. Du wirst unsere Schuld mit Füßen treten und all unsere Sünden in die tiefsten Stellen des Meeres werfen.


20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham die Gnade erweisen, die du unseren Vorfahren vor langer Zeit geschworen hast.


*


Warum ist dieser Abschluss so besonders?


MICHA endet nicht mit dem Untergang, sondern mit einem Loblied auf Gottes Barmherzigkeit. Das Bild in Vers 19 ist legendär: Gott wirft die Sünden nicht einfach in den Müll, wo man sie wiederfinden könnte, sondern er versenkt sie im tiefsten Ozean. Es ist ein starkes Zeichen für einen Neuanfang.