VON TORSTEN SCHWANKE
KPD
Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) war in der Weimarer Republik von einer tiefen ideologischen Ablehnung geprägt. Diese Abneigung speiste sich aus dem fundamentalen Widerspruch zwischen dem marxistisch-leninistischen Weltbild und der christlichen Soziallehre.
Hier sind die zentralen Aspekte dieser ablehnenden Haltung:
1. Ideologische Unvereinbarkeit
Für die katholische Kirche stellte der Kommunismus in jeder Form – und damit auch die KPD als dessen deutscher Arm – eine „gottlose“ Bewegung dar.
Materialismus vs. Spiritualität: Der dialektische Materialismus des Kommunismus, der Religion als „Opium für das Volk“ ablehnte und Gott aus dem gesellschaftlichen Leben verbannen wollte, stand im direkten Gegensatz zum christlichen Gottesbild.
Klassenkampf vs. Solidarität: Die katholische Soziallehre (begründet durch die Enzyklika Rerum Novarum) setzte auf soziale Gerechtigkeit durch Harmonie und Zusammenarbeit der Stände sowie auf das Subsidiaritätsprinzip. Der kommunistische Klassenkampf wurde als destruktiv und gegen die natürliche Ordnung gerichtet empfunden.
2. Die Rolle der Zentrumspartei
Politisch war die katholische Bindung in Deutschland fest im Zentrum verankert. Das Zentrum sah sich als „Verfassungspartei“, die den demokratischen Staat der Weimarer Republik stützen wollte, um sowohl vor der „Barbarei der Rechten“ als auch der „Verantwortungslosigkeit der Linken“ (zu der die KPD gezählt wurde) zu schützen.
Warnung vor den „Gottlosen“: Katholische Geistliche warnten von den Kanzeln vor der KPD. Es galt als strikt verboten, diese Partei zu wählen oder ihre Bestrebungen zu fördern.
Abgrenzung: Man bemühte sich, die katholischen Arbeiter in den christlichen Gewerkschaften zu halten und sie vor dem Einfluss der KPD-nahen „Revolutionären Gewerkschaftsopposition“ (RGO) zu bewahren.
3. „Katholische Aktion“ gegen den Kommunismus
In den 1920er Jahren radikalisierte sich die kirchliche Abwehr. Angesichts der atheistischen Ausrichtung der Sowjetunion, die als Vorbild für die KPD diente, wurde die „Katholische Aktion“ gestärkt. Sie sollte ein Bollwerk gegen den „Roten Untergrund“ bilden und das katholische Milieu gegen kommunistische Unterwanderung immunisieren. Die Kirche betrachtete die KPD nicht nur als politischen Gegner, sondern als existenzielle Bedrohung für das Seelenheil ihrer Gläubigen.
4. Die „Apostasie“-Logik
Die katholische Kirche sah im Beitritt zu einer kommunistischen Partei faktisch einen Abfall vom Glauben. Diese Haltung verschärfte sich über die Jahre und mündete 1949 (nach dem Zweiten Weltkrieg, aber in der Tradition der Weimarer Zeit) in ein offizielles Dekret des Vatikans, das Katholiken, die sich der kommunistischen Lehre verschrieben, mit der Exkommunikation bedrohte.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die KPD aus katholischer Sicht das exakte Gegenmodell zu einer christlich geprägten Gesellschaft darstellte. Die Kirche sah in der Partei eine antikirchliche, staatsfeindliche Kraft, deren Ideologie keinen Raum für religiöse Freiheit ließ. Dieser Konflikt prägte das Verhältnis zwischen den katholischen Milieus und der KPD während der gesamten Weimarer Zeit und bildete die Basis für die spätere, oft angespannte Situation in der DDR.
SED
Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in der DDR war von einer komplexen Dynamik zwischen existenziellem Überlebenskampf, ideologischer Konfrontation und einer schwierigen „Nischenexistenz“ geprägt.
Nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD zur SED im Jahr 1946 sah die katholische Kirche in der SED den unmittelbaren Erben der radikalen antireligiösen Politik der KPD – nun jedoch mit der Macht eines totalitären Staatsapparates im Rücken.
1. Das Feindbild: „Atheistischer Staat“
Die SED definierte den Sozialismus als wissenschaftlich begründeten Atheismus. Für die Kirche bedeutete dies:
Systematischer Druck: Die SED versuchte, das öffentliche Leben vollständig zu säkularisieren. Die Kirche wurde aus dem Bildungswesen, der Jugendbetreuung und dem öffentlichen Diskurs systematisch verdrängt.
Die Jugendweihe: Eines der schärfsten Konfliktfelder war die Einführung der Jugendweihe als sozialistisches Gegenstück zur Konfirmation und Kommunion. Die SED setzte Jugendliche unter Druck, an der Jugendweihe teilzunehmen, um deren Karrierechancen nicht zu gefährden; die Kirche wertete dies als gezielten Versuch, die jungen Menschen dem Glauben zu entfremden.
2. Strategie der Kirche: „Distanzierte Koexistenz“
Im Gegensatz zum offenem Widerstand (wie er teilweise in den 1930er Jahren gegen den Nationalsozialismus praktiziert wurde), wählte die katholische Kirche in der DDR gegenüber der SED meist eine Strategie der „Loyalität zum Staat, aber nicht zur Ideologie“.
Rechtliche Absicherung: Die Bischöfe bemühten sich, durch Verhandlungen mit dem SED-Staat ein Minimum an pastoraler Arbeit (Gottesdienste, Religionsunterricht im kirchlichen Raum) zu sichern.
Keine politische Opposition: Die katholische Kirche wollte kein „politischer Akteur“ sein, um nicht als „Konterrevolutionär“ verfolgt zu werden. Sie betrachtete sich primär als eine Gemeinschaft der Glaubenden in einer säkularen Umgebung.
3. Spannungsfelder
Bespitzelung: Die SED und ihr Ministerium für Staatssicherheit (MfS) sahen in der katholischen Kirche eine potenzielle Gefahr, da sie über eine übernationale Bindung (Rom) verfügte, die sich der staatlichen Kontrolle entzog. Die Infiltration durch Stasi-Spitzel in kirchlichen Gremien und unter Priestern war eine ständige Belastung.
„Kirche im Sozialismus“: Während die evangelische Kirche in den 1970er und 1980er Jahren teilweise als Schutzraum für Oppositionelle fungierte, blieb die katholische Kirche deutlich vorsichtiger und defensiver. Dies lag auch an der strafferen hierarchischen Struktur, die eine offene Konfrontation mit der SED-Führung oft vermied, um die noch bestehenden religiösen Freiräume nicht zu gefährden.
4. Das Ende der DDR
In den 1980er Jahren änderte sich die Rolle: Auch wenn die katholische Kirche zurückhaltender blieb als die evangelische, wurde sie ab 1989 zunehmend zu einem Ort, an dem sich Menschen trafen, um ihre Unzufriedenheit zu artikulieren. Dennoch blieb das Verhältnis zur SED-Ideologie bis zum Schluss unvereinbar. Die katholische Soziallehre bot den Gläubigen eine ideelle Alternative zum sozialistischen Kollektivismus, die durch den Zusammenhalt der Kirchengemeinden praktisch gelebt wurde.
Fazit: Während die KPD für die Kirche vor 1933 vor allem eine „theoretische Bedrohung“ darstellte, war die SED für die katholische Minderheit in der DDR ein „realer Machtfaktor“, dem man mit einer Mischung aus Anpassung im Äußerlichen und Standhaftigkeit im Inneren begegnete. Der katholische Glaube funktionierte in dieser Zeit als eine Form des kulturellen Widerstands, die den Anspruch der SED auf den „ganzen Menschen“ untergrub.
DKP
Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP), die 1968 als Nachfolgeorganisation der 1956 verbotenen KPD gegründet wurde, betrachtete die katholische Kirche aus einer vollkommen anderen Perspektive als die SED in der DDR. Während die SED als Staatsmacht die Kirche unterdrücken und kontrollieren konnte, war die DKP in der Bundesrepublik eine marginalisierte außerparlamentarische Kraft, die versuchte, die Kirche ideologisch zu „unterwandern“ oder für ihre Ziele zu instrumentalisieren.
Aus katholischer Sicht blieb die DKP – wie ihre Vorgängerin KPD – ein unversöhnlicher Gegner, doch die Taktik des Konflikts änderte sich.
1. Die Strategie der DKP: „Bündnispolitik“
Anders als die frühe KPD der Weimarer Republik setzte die DKP ab den 1970er Jahren vermehrt auf die sogenannte „Bündnispolitik“.
Öffnung zum Dialog: Die DKP versuchte aktiv, christliche Arbeitnehmer, Friedensbewegte und linke Katholiken anzusprechen. Man wollte das Bild der „gottlosen Kommunisten“ revidieren, indem man betonte, dass man nicht den Glauben an sich bekämpfe, sondern das „kapitalistische System“.
„Dialog mit den Christen“: Die DKP lud regelmäßig zu Veranstaltungen ein, um Schnittmengen bei sozialen Themen (soziale Gerechtigkeit, Kampf gegen Arbeitslosigkeit, Abrüstung) zu finden. Dies war ein taktischer Versuch, die moralische Autorität der Kirche für kommunistische Ziele zu nutzen.
2. Die Reaktion der katholischen Kirche: „Kein Dialog auf Augenhöhe“
Die katholische Kirche reagierte auf die Avancen der DKP mit einer klaren Abgrenzung, die auf den Erfahrungen mit dem Marxismus basierte:
Ablehnung der Bündnisangebote: Die Deutsche Bischofskonferenz ließ keinen Zweifel daran, dass eine Zusammenarbeit mit der DKP ausgeschlossen sei. Die ideologische Unvereinbarkeit des christlichen Menschenbildes mit dem dialektischen Materialismus wurde immer wieder betont.
Warnung vor Unterwanderung: Die Kirche warnte ihre Gläubigen, insbesondere in den katholischen Arbeitnehmerorganisationen (wie der KAB – Katholische Arbeitnehmer-Bewegung), vor der „Tarnkappenstrategie“ der DKP. Man sah in der Bündnispolitik lediglich einen Versuch, christliche Strukturen zu schwächen.
Das „Unvereinbarkeitsdekret“: Die grundsätzliche Haltung der Kirche, dass ein überzeugter Christ kein Marxist sein könne, blieb bestehen. Wer in der DKP aktiv war, begab sich in einen schwerwiegenden Konflikt mit seiner kirchlichen Identität.
3. Der Fokus auf den „Dritten Weg“
In der Zeit der DKP (70er und 80er Jahre) war die katholische Kirche stark auf die Sozialenzykliken (z. B. Laborem exercens von Papst Johannes Paul II. 1981) fokussiert. Diese boten ein eigenes, drittes Modell jenseits von ungezügeltem Kapitalismus und kommunistischem Sozialismus an:
Die Kirche argumentierte, dass die DKP die Würde des Individuums und die Freiheit der Person zugunsten einer kollektivistischen Utopie opfere.
Die DKP wiederum versuchte in ihren Publikationen oft, diese Enzykliken selektiv zu zitieren, um eine Nähe zur katholischen Sozialkritik zu suggerieren – was von kirchlichen Theologen regelmäßig als „verfälschend“ zurückgewiesen wurde.
4. Einordnung: Randerscheinung vs. moralische Instanz
DKP: War in der Bundesrepublik politisch weitgehend isoliert. Ihre Versuche, in katholische Milieus einzudringen, blieben weitgehend wirkungslos, da das katholische Milieu durch die Bindung an die CDU/CSU und die starke kirchliche Sozialarbeit bereits politisch und sozial „beheimatet“ war.
Katholische Kirche: Sah die DKP als eine „ideologische Irrläuferin“. Der Konflikt war in den 70ern und 80ern weniger durch staatliche Unterdrückung geprägt (wie in der DDR), sondern durch einen kulturellen Diskurs, bei dem es darum ging, wer die Deutungshoheit über die „soziale Gerechtigkeit“ innehatte.
Fazit:
Die katholische Sicht auf die DKP war eine Mischung aus politischer Distanzierung und ideologischer Abwehr. Während die DKP versuchte, die Kirche als Partner für soziale Proteste zu gewinnen, beharrte die Amtskirche darauf, dass ein kommunistisches Programm, das den Menschen auf materielle Aspekte reduziert, dem christlichen Auftrag diametral entgegensteht.
PDS
Mit der Gründung der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) im Jahr 1990, die aus der SED hervorging, änderte sich die Perspektive der katholischen Kirche grundlegend. Der Konflikt verlagerte sich von der direkten Systemkonfrontation (DDR) hin zu einer Auseinandersetzung mit der Vergangenheitspolitik und der moralischen Glaubwürdigkeit einer Partei, die sich als Erbin der SED-Diktatur legitimierte.
1. Das Problem der moralischen Integrität
Aus katholischer Sicht war die PDS lange Zeit keine „normale“ politische Partei. Die Kirche betrachtete sie durch eine moralische Brille:
Erblast der SED: Die katholische Kirche sah in der PDS die direkte Nachfolgerin der SED, die jahrzehntelang Christen diskriminiert, Kirchen unterdrückt und die Freiheit des Individuums beschnitten hatte. Eine moralische Distanzierung von dieser Vergangenheit wurde von der Kirche als notwendige Voraussetzung für einen Dialog eingefordert.
Fehlende Aufarbeitung: Viele Bischöfe und kirchliche Würdenträger kritisierten, dass die PDS sich nicht glaubwürdig genug von den Verbrechen des DDR-Regimes distanzierte. Man misstraute der Transformation der Partei: War der „Demokratische Sozialismus“ ein echter Wandel oder nur eine taktische Fassade, um in der Demokratie zu überleben?
2. Die „Sperr-Haltung“ der Kirche
In den ersten Jahren nach der Wende gab es eine fast einhellige Ablehnung der PDS durch kirchliche Amtsträger:
Keine Akzeptanz: In vielen Regionen, besonders in Ostdeutschland, mahnten katholische Amtsträger die Gläubigen, eine Partei, die den „totalitären Geist“ der SED in sich trage, nicht zu unterstützen.
Politisches Engagement: Die Kirche unterstützte primär Parteien, die den demokratischen Rechtsstaat und die christliche Ethik explizit als Basis hatten. Die PDS wurde als „systemfremd“ und ideologisch belastet eingestuft.
3. Pragmatischer Wandel: Vom Feind zum parlamentarischen Akteur
Im Laufe der 1990er und 2000er Jahre änderte sich der Umgang, ohne dass sich die ideologische Ablehnung auflöste:
Demokratische Integration: Da die PDS in vielen ostdeutschen Bundesländern hohe Wahlergebnisse erzielte und in Parlamente einzog, musste die Kirche einen pragmatischen Umgang finden. Ein „Totalboykott“ war in einer pluralistischen Demokratie für die Kirche langfristig kaum aufrechtzuerhalten, wenn man weiterhin als gesellschaftlicher Akteur ernst genommen werden wollte.
Soziale Interessen: Auf kommunaler Ebene gab es mitunter punktuelle Zusammenarbeit, wenn es um soziale Belange (Armutsbekämpfung, Unterstützung von Bedürftigen) ging. Hier zeigte sich eine „ökumenische Schnittmenge“ im sozialen Engagement, die jedoch niemals eine inhaltliche Anerkennung der Parteiprogrammatik bedeutete.
4. Ideologische Restbestände
Trotz der Transformation blieb das katholische Urteil kritisch:
Wahrnehmung als „linksaußen“: Die PDS (und später die Fusion zur Partei Die Linke) wurde von der Kirche weiterhin als eine Partei wahrgenommen, die den Sozialstaat oft ideologisch überhöhte und den Einzelnen in Abhängigkeit vom Kollektiv sah.
Diskurs über Gerechtigkeit: Während die Kirche die soziale Ader der PDS/Linken in der Theorie als „christlich anschlussfähig“ hätte bewerten können, lehnte sie die marxistische Begründung dieser Politik ab. Für die Kirche blieb die PDS eine Partei, die die christliche Unterscheidung zwischen „Seele“ und „Materie“ ignorierte.
Fazit:
Die katholische Sicht auf die PDS war ein schmerzhafter Lernprozess. Von der kategorischen Ablehnung der SED-Nachfolgepartei entwickelte sich ein nüchterner, bisweilen distanzierter Umgang mit einer demokratisch legitimierten, aber historisch belasteten Kraft. Die Kirche fungierte hierbei oft als „Gewissen der Geschichte“, indem sie die PDS immer wieder an ihre Verantwortung für das Leid in der DDR-Zeit erinnerte, während die Partei gleichzeitig versuchte, sich als Anwältin der „kleinen Leute“ in einem vereinten Deutschland zu etablieren.
DIE LINKE
Die Entwicklung von der PDS zur Partei DIE LINKE (ab 2007 durch die Fusion mit der WASG) markiert aus katholischer Sicht den Punkt, an dem der ehemalige Ost-West-Konflikt des Kommunismus in Deutschland in eine „normale“, wenngleich immer noch spannungsreiche Auseinandersetzung mit einer linken Volkspartei überging.
Hier ist die Einordnung aus katholischer Perspektive:
1. Von der „Erblast“ zur „Programmatik“
Während die Kirche bei der PDS primär auf die SED-Vergangenheit schaute, rückten bei der LINKEN zunehmend inhaltliche Themen in den Vordergrund. Die „Erblast“ der DDR blieb zwar ein bleibendes Distanzierungsmoment, doch die Partei wurde zunehmend als Teil des demokratischen Spektrums behandelt.
Abbau der Stigmatisierung: Die Kirche stellte weitgehend die direkte moralische Ausgrenzung ein, da DIE LINKE spätestens nach der Fusion mit der WASG (die viele enttäuschte Sozialdemokraten aus dem Westen integrierte) als Teil der pluralistischen Parteienlandschaft akzeptiert wurde.
Historische Skepsis: Dennoch blieb eine grundlegende Skepsis gegenüber dem „demokratischen Sozialismus“ bestehen. Die katholische Amtskirche sah darin weiterhin eine Verschleierung marxistischer Wurzeln, die mit dem christlichen Menschenbild (das Freiheit und Eigentum als schützenswerte Güter betrachtet) in Konflikt steht.
2. Die „ökumenische“ Übereinstimmung in der Sozialpolitik
Das ist das wohl spannendste Kapitel: Es entstand eine Art „Zweckbündnis bei sozialen Fragen“.
Schnittmengen: In vielen sozialethischen Fragen, wie dem Kampf gegen soziale Ausgrenzung, Armutsbekämpfung, Kritik am radikalen Neoliberalismus oder bei der Ablehnung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr, gab es inhaltliche Überschneidungen zwischen den Positionen der LINKEN und den kirchlichen Sozialverbänden (z. B. Caritas).
Soziallehre vs. Klassenkampf: Die Kirche begrüßt das soziale Engagement der LINKEN, lehnt aber deren zugrunde liegende Analyse (Klassenkampf, Enteignungsfantasien) ab. Für die Kirche ist Soziales kein Ergebnis von Klassenkampf, sondern ein Gebot der Nächstenliebe und der sozialen Verantwortung innerhalb einer freiheitlichen Ordnung.
3. Der verbliebene Dissens: „Das Menschenbild“
Trotz der politischen Normalisierung blieb der Kernkonflikt bestehen. Die katholische Kirche kritisiert an der LINKEN weiterhin:
Säkularismus: Die Partei vertritt eine konsequent säkulare Position, die der Kirche oft zu weit geht (z. B. in Fragen des Schwangerschaftsabbruchs, der Sterbehilfe oder der Trennung von Kirche und Staat).
Materialismus: Aus Sicht der Kirche bleibt DIE LINKE eine Partei, die den Menschen primär über seine ökonomische Funktion und seine materiellen Bedürfnisse definiert. Der „spirituelle Mensch“ und die transzendentale Dimension des Lebens finden im Programm der Partei keinen Platz.