KIRCHLICHE SONETTE

VON WILLIAM WORDSWORTH


DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE




ERSTE REIHE


I

Einleitung

Ich, der ich einst mit treuem Schritt geleitet

Den blauen Duddon aus der Wolken Schoß,

Und dessen Geist, gelenkt von ihm, beschloss

Zu singen, wie Natur die Stille breitet;


Ich, der des Stroms der Freiheit Lauf beschreitet,

Und schlug die Saite, bis der Sang verfloss,

Und jene Flut, die stolz sich wehrend goss,

Sich eine Ruhestatt für immer weitet:


Ich suche nun auf Zeitenhöhn die Quellen

Des Heil’gen Flusses, dessen Ufer schmücken

Der Weide zarte Blumen, Lorbeerzweige,


Die oft der Frevler stolze Stirn umwellen;

Und, dass der Wandrer froh sich tief verneige,

Unsterblich Amaranth und Palmen pflücken.


II

Vermutungen

Wenn Seher Geist von jener Kraft empfangen,

Die Künft’ges wie Vergang’nes offenbart,

So künden sie, wer jenen Quell gewahrt,

Aus dem dem wilden Eiland Heil ergangen.


Ist Paulus wohl im fernen West ergangen,

Der hier verweilte auf Britannias Fahrt,

Rief schlagend er den Quell nach Wunderart

Und ließ den jungen Strom im Glanz erfangen?


Oder war er’s, dem Fesseln jäh entfielen,

Als Gottes Engel öffnete das Tor?

Oder ein Schlucht-Verirrter, namenlos,


Dem Sturm verschlagen zu den wilden Zielen,

Der, treu dem Kelch, den sein Erlöser goss,

Den Strom bewacht, den er der Welt beschwor?


III

Die Angst der Druiden

Es schreit die Möwe weiß wie Menais Schäumen

Um des Erzdruiden Haupt; zum Ring der Macht,

Wo Auguren stehn und fragen in die Nacht,

Fliegt schwer der Kormoran aus düstren Bäumen.


Er kündet Fluch den Festen und den Träumen,

Die lang das Urwissen der Väterwelt

Mit Wahn und Flut-Legenden tief entstellt.

Kann diese milde Lehre je versäumen


Des Barden Stolz und sein heroisch Dichten?

Doch alles wird erfüllt; – des Cäsars Speer

Brach erst die Bahn; und mit der Römer Ketten


Kommt Christi Kreuz, um Sünden zu vernichten;

Es kommt, es wirkt, die Schwachen zu erretten,

Die gläubig nun auf Seine Gnade bauen.


IV

Druidischer Kirchenbann

Dir, Geist, begegnen Liebe nun und Gnade,

Du armer Ausgestoßner, dem der Bann

Das Feuer und das Brot nicht gönnen kann,

Voll Priesterzorn auf deinem finstren Pfade!


Doch fordert Ehrfurcht unsre Seele gerade,

Dass jene Diener, starr in ihrem Wahn,

Zum Ew’gen Vater riefen Untertan,

Als einz’gem Quell auf diesem Erdenpfade


Für Recht und Ordnung. Zitternd nur entwich,

Als ahnte sie den Sturm, der bald erwacht,

Die Kunde, die beim Sternenfall erblich;


Und tief im Wald, trotz Aberglaubens Nacht,

Das Ur-Licht noch durch falsche Formen bricht,

Das uns das Herz mit eitler Reue spricht.


V

Ungewissheit

Uns treibt das Dunkel: suchend gehn wir irre

Auf Snowdons Höhn, in West-Brigans Revier,

Oder wo einsam wandelt das Getier

Auf Sarums Plain, durch alter Zeiten Wirre,


Wo Nebel der Tradition das Aug’ verwirre,

Und wo der Schiffer auf den Inseln hier

Die Fahrt verlangsamt, um am Strand von ihr,

Der bleichen Iona, Klöster zu bewundern.


Doch weder sie, noch Monumente, alt,

Noch Taliesins Lied, das nie verging,

Noch Roms und Griechenlands berühmte Spur,


Führn uns zum Quell, der rein dem Grund entwallt;

Genug – wenn uns das Auge, das ihn suchte, nur

Am Bach erfreut, der wachsend uns umfing.


VI

Verfolgung

O klagt! Da Diokletians Flammenschwert

Wie Blitze wütet; doch von Bosheit voll,

Die niemals Gottes Wolke tief entquoll,

Noch ird’schen Waffen eigen war am Herd.


Es rast Genossen Seines Worts bescheert;

Der eine fällt im Feld, vom Stahl durchbohrt,

Der andre stirbt am eignen Zufluchtsort;

Und manchen wird ein Prunkvoll’ Tod gewährt


Nach grausam’ Frist. So ward auch er geprüft,

Albanus, Englands Erstling in dem Streit,

Der für den Freund das Leben willig gab;


Sein Name bleibt, solange Vögel rufen,

Auf jenem Hügel, den Natur geweiht,

Als Altar-Plattform für das Heilig-Grab.


VII

Erholung

Wie nach dem Sturm die Vögel hell erwachen,

Mit neuem Mut ihr kleines Nest bereiten

Und Lieder singen in des Äthers Weiten,

Wenn blaue Himmel auf die Fluren lachen:


So sieht man Überlebende nun machen

In manchem Tempel, den sie neu beschreiten,

Die alten Riten voll Dankbarkeit gleiten;

Und feierlich soll man das Fest entfachen,


Das preist des Höchsten rettende Gewähr.

Denn bangen Herzens lernten sie im Schmerz:

Verfolgung, blind in ihrer Wut und Wildheit,


Nährt dennoch, durch des Himmels milde Huld,

Das Heil der Welt und bricht den Trotz der Schuld;

Denn nichts ist schrecklich für ein gläubig’ Herz.


VIII

Versuchungen durch römische Verfeinerung

Wacht und seid fest! Denn Laster, seelenschwer,

Und weicher Luxus lauern euren Schritten.

Prachtvolle Bäder, Säle hoch inmitten,

Und Tempel, strahlend wie das Polarmeer


Durch dichte Wälder – ach, sie brechen sehr

Den herben Mut, den ihr im Kampf erstritten;

Und kühlen eure Liebe zu dem Einen,

Der Dornen trug, um euch vor Gott zu reinen,


Des Blut die Rettung war im Sündenmeer.

Flieht jene Kunst, die Rom euch listig reicht!

Habt vor dem Zorn des Feindes minder Acht


Als vor dem Lob, dem Kleid, das Friede heuchelt;

Denn Bildung, die dem Geist so lieblich schmeichelt,

Ist nur Werkzeug der tiefsten Sklavennacht.


IX

Zwiespalt

Dass Häresien tiefe Wurzeln schlagen

(Wenn Menschen stolz die Wahrheit kühl zerlegen),

Ist wie der Fiebertraum auf wilden Wegen.

Am Altar sieht man Zwietracht Funken tragen,


Die Brandfackel zum hohen Himmel jagen –

Als Priesterin, die neu-getauft sich regt!

Doch Strafe folgt auf Frieden, den man schlägt.

Der Pikten Wolke bringt den Briten Klagen,


Vom matten Land, das Rom im Stich gelassen.

Umsonst ist Flehn, umsonst das Bittgeschrei,

Dass Rom den Abschied wehmütig bereue;


Sie kehrt nicht um. Erschreckt vom eignen Schrei,

Wirft sie die Briten Fremden in die Hand,

Die schlimmer bald verwüsten dieses Land.


X

Kampf der Briten gegen die Barbaren

Auf! – Sie erwachten: fragt Aneurin nur,

Wie sie die alten Feinde schmerzhaft schlugen!

Caractacus’ Geist, den sie im Herzen trugen,

Beseelt die Patrioten auf der Flur.


Entsetzen weicht vor Arthurs Helmsignatur,

Der durch das Feld den Sturmesstürmen trotzt,

Weil auf dem Schild die heil’ge Jungfrau glotzt;

Im Sonnenlicht der Siege liegt die Spur


Des Heeres, das mit Urien schritt voran

Durch Leichenberge; aus dem Wales-Moor

Steigen Druiden zu des Kreuzes Bann;


Und Barden, still genährt an Bergeshöhn,

Ergreifen wild das Schwert statt Harfentön’,

Um Tat statt Wort dem Himmel darzubringen!


XI

Die sächsische Eroberung

Dem Kampfe fehlt nicht jener Schreckensschall

Von Hallelujas, die von Hügeln dröhnen –

Für schnellen Sieg. Doch nach des Höchsten Tönen

Erlaubt der Himmel einen zweiten Fall


In Heidennacht. Es flieht im Jammerschall

Der Rest des Schwerts zum Berg in wilden Tönen.

O armes Land! Wo Tränen Bäche speisen,

Wo Kunst und Ehre tief im Staub vereisen


Durch Menschen, die nur ird’schen Ruhm verschönen;

Die, weil der Wald sie einst ins Leben rief,

Dort wild ihr raues Schicksal auferbauen,

Zufrieden, wenn im Graben tief und rau


Und im Wall, der sich zieht durchs grüne Land,

Bezeugt wird, was ihr wildes Volk erfand.


XII

Das Kloster des alten Bangor

Des Aufruhrs Druck – der Zorn, der herbe Spott –

Die Trübsal und der Schwerter helles Blitzen –

Das ist der Geist, den wir in Liedern schnitzen,

Wenn Taliesin singt von Krieg und Tod.


Wir aber weinen um die Schar vor Gott,

Die unbewaffnet rief zu Bangors Schutz,

Um römisches und altes Wissen trutz

Vor Asche zu bewahren in der Not.


Seht, wie die Welt aus ihren Bahnen weicht,

Wie alles schwindet wie ein Nebelhauch!

Ein neuer Strom der Sprache bricht sich Bahn;


Nur mancher Fluss, der sanft im Tale schleicht,

Und mancher Berg bewahrt den alten Namen,

Wenn Volk und Recht und Glaube ganz verfielen.


XIII

Zufällige Anregung

Ein blondes Volk von jungen Sklaven steht,

Als schöne Fremde, auf dem trau’ren Markt,

Wo feilgeboten wird, was Schönheit argt,

Dort, wo der Tiber Roms Gemäuer mäht.


„Angli“ ihr Name; doch kein Engel geht,

Der lieblicher vor Menschenaugen ragt,

Als jene Schar, die Gregor tief beklagt;

Der, da er jenen Namen wohl versteht,


Nach Heil für sie und für ihr Eiland fleht.

Der Vater fragt; im Gleichklang jener Worte

Erkennt sein Geist die tiefen Sympathien:


„De-iri“ – von Gottes Zorn soll man sie ziehen;

Und Ällas Volk, an diesem fernen Orte,

Soll Halleluja singen vor dem Thron!


XIV

Frohe Botschaft

Für immer heilig sei uns dieser Morgen,

Gesegnet sei der Strand, den ihr beschreitet,

Gesegnet auch das Silberkreuz, das leitet,

Statt wilder Fahnen in der Hand geborgen.


Das Kreuz geht Ihm voran, der frei von Sorgen

Im Äther schwebt, dem Heiland auf dem Bilde!

Augustin führt sie an, und voller Milde

Zieht ohne Furcht die Schar im frühen Morgen,


Und singt den Heiden vor ein flehend’ Singen,

Für sich und die, die sie vom Wahn befreien.

Ein reicher Sieg wird dieser Müh’ gedeihen:


Das stürm’sche Meer des Unwissens erbleicht,

Das wild und hoch den Schwertern nicht gewichen;

Ein schlichtes Wort der Frommen hat’s beglichen,

Weil Gottes Furcht die Seelen sanft erweicht.


XV

Paulinus

Doch wer tritt nun in Northumbrias Hallen,

Wo Edwin grübelt, den der Schmerz erzog,

Der, obgleich ihn des Heidentums Betrog

Noch hält, nun spürt ein neues Wort erschallen?


Seht ihn, von Wuchs so riesenhaft gefallen,

Mit krummer Schulter, dunklem Haar und Wangen,

Die mager sind; die Nase wie mit Zangen

Gleich einem Adlerschnabel vorgefallen.


Ein Mann, des Blick im ersten Augenblicke

Erschrecken macht und tiefe Ehrfurcht weckt.

Der König lauscht dem Boten, den er schickte,


Und prüft im Geist, was diese Lehre spricht,

Mit kluger Zögerung, bis er entdeckt

Der Räte Synode – hört ihr Wort im Licht!


XVI

Überredung

„Das Leben, König, gleicht dem Spatzen wohl,

Der – während ihr beim Mahle festlich sitzt

Am warmen Herd, der hell im Saale blitzt –

Entflieht dem Wintersturm, der draußen grollt.


Er fliegt herein, vom Wind herbeigerollt,

Und eilt sodann auf schnellen Schwingen fort,

Vom Frost zum Froste, an ein andres Ort;

Doch woher er kam, bleibt uns unverzollt,


Und wohin er geht, sieht kein Auge je.

So ist die Seele auch, das flücht’ge Wesen:

Nicht ganz unbekannt, solang sie warm genesen


Im Leib hier wohnt; doch welche Welt ihr droht,

Ob Weh, ob Wohl, wenn sie entflieht im Tod –

Kein Mund enthüllt das Rätsel uns im Weh.“


XVII

Bekehrung

Rasch wandelt sich die Welt durch diese Lehre;

Kaum schloss der Rat, sieht man den Priester reiten,

Ein rüst’ger Mann, der mit des Speeres Breiten

Den Tempel schändet, den er einst zur Ehre


In Torheit diente. Wodans Macht und Speere

Sind nun gestürzt, und Thor ist umgeworfen;

Die Keule, die man schwang in jenen Dörfern

Für stolzen Sieg, sinkt hin, dass niemand fehre


Den Gott mehr sieht. Altäre sinken nieder,

Um ihre Scham im Kraut der Zeit zu bergen.

„O kommt zu mir, die ihr beladen seid!“


So ruft die Stimme an den Wassern wieder;

Und Tausende, die sich im Taufkleid särgen,

Erhalten durch das neue Leben Seligkeit.


XVIII

Entschuldigung

Verachte nicht die Hilfe, die Phantasie

Der Seele ewigem Gewinn oft spendet:

Tod, Nacht und Furcht sind uns Natur, gewendet

Zu bösen Geistern, die uns spät und früh


Vielleicht umgehn – kein Weiser weiß je, wie.

Drum sei es guten Geistern gern erlaubt,

Dass man an ihre Himmelsklänge glaubt;

Ihr Duft umfließe die, die voller Müh’


Sich neu bekehrten; und ihr Glanz verbinde

Sich mit den Sternen, die am Himmel stehen,

Oder dem Mittag. Glaubt, dass goldne Seile


Von guten Werken, die im Traum erstehen,

Die Seele heben in die rein’re Weile;

Wer zieht die Grenze, wo die Kraft verschwinde?


XIX

Die frühe sächsische Geistlichkeit

Wie schön ist euer Gehn, wie voll von Segen,

Ihr Diener Gottes! Die ihr keinen Sinn

Der eitlen Welt schenkt, sondern nackt dahin

Wie Winterbäume schreitet auf den Wegen;


Und zeigt doch Früchte, die sich göttlich regen!

Ein solcher Priester, wenn das Amt ihn ruft

Hinaus ins Freie, in die Alltagsluft,

Scheint wie ein Heil’genbild, das sich bewegen


Und vom Altare stieg; o glücklich preisen

Sich Augen, die der Erscheinung hold begegnen;

Der böse Geist entflieht vor diesen Weisen,


Und tief gebeugte Nacken flehn im Glauben

Um einen Segen, den sie still erstrauben,

Der Herz und Willen ewig will ersegnen.


XX

Andere Einflüsse

Ach, wenn der Leib, den wir so treu umfingen,

Im Tod erkalten muss, bricht dann das Band?

Ist zarte Liebe ganz umsonst verwandt?

Und frommer Lippen inständiges Ringen


Ein eitler Trost? Aus diesem Quell entspringen

Die Riten, die dem Geist im Schmerz gefallen,

Wenn klüg’re Tröstung nicht will widerhallen;

So formt man falsche Bitten, Grabgesänge singen


Für Seelen, deren Los schon festbestimmt!

Der Weg ist leicht für Macht, die mit dem Herzen

Der Menschen zieht; Beichte heilt den Schmerz,


Wenn man vor Geistern eigner Schuld ergrimmt.

Ihr heil’gen Männer, ernst in euren Schmerzen,

Gebt Acht auf euer Werkzeug, das ihr trimmt!


XXI. Die Abgeschiedenheit (Seclusion)

Den Schild, die Lanze, das Rapier beiseite –

Ein Psalter nur, ein Buch in seinen Händen,

Ein schlichter Stab, wie ihn die Hirten wenden:

Der müde Held verlässt die Welt und Weite.

Er sucht den Ort, wo graue Mönche schreiten,

Im stillen Kreuzgang Schutz und Tuch zu finden;

Doch nicht, um sanft im Sessel zu entschwinden.

Wo stolzer Menschengeist einst sich erfreute,


Wächst nun im Zellendunkel tiefes Sinnen:

Am Morgen, Abend und zur Mitternacht

Umschlingt Reue den Stamm der alten Eiche.

Wie Efeu kriecht sie grausam und mit Macht,

Erwürgt die Pracht, die eitel war von innen –

Und schenkt als Lohn ein Laubwerk, ewig reiche.


XXII. Fortsetzung (Continued)

Mich zieht es eher zu der Einsiedelei,

Die tief im Felsgestein verborgen liegt,

Wo nah ein Bach, der stürzend sich bekriegt,

Von Stufe wild zu Stufe bricht frei.

Doch zähmt er mir zum Trost die Tyrannei

In einem Becken, klar und himmelsblau,

Und kriecht durch grüne Hallen, kühl im Thau,

Wo Geister schweben, herrlich und scheu,


Die meine Träume heben. Eine Schale

Aus Buchenholz, ein Teller mir vom Ahorn,

Ein Bett aus Laub, das gelb vom Baume fiel;

Der Kauz hält Wache, wenn die Sterne nahn.

Kein stolzer Hahn, kein Weckruf aus dem Tale

Stört mich, der müde ist von Welt und Spiel.


XXIII. Der Tadel (Reproof)

Wenn nun, wer so durch Hain und Wiesen geht,

Der Trägheit süßem Gifte ganz ergeben,

Begegnen würde deinem Geist im Leben,

O ehrwürdiger Beda, der da steht!

Der Heil’ge, Gelehrte, der dem Kreis entfleht

Der Riesenarbeit, um am Ort zu weilen,

Wo wild die Wogen an die Küste eilen,

Als raue Mahner, dass man nie aussetzt,


Zu wirken ohne Rast! Rebell’sche Seele,

Die du die Pflicht des Menschen kühn willst meiden:

Vergiss zuerst, wie er den Fleiß gepflegt,

Sein langes Leben treu und ohne Neiden;

Und wie er sterbend, schwach aus rauer Kehle,

Den letzten Dienst im letzten Hauch bewegt!


XXIV. Sächsische Klöster (Saxon Monasteries)

Durch solch Exempel treu zum Werk getrieben,

Arbeitet nun das Volk wie Bienenstaaten;

Sie baun die Festung für die frommen Taten,

Weil Segen, wie sie glauben, dort geblieben.

Der Himmel schenkt den Regen, den sie lieben,

Den Sonnenschein, das Glück bei kühnem Wagen,

Recht und den Frieden; — Mut in jenen Tagen!

Doch heil’ge Mauern mehr noch uns beschrieben:


Der Sinnenmensch blickt ehrfurchtsvoll zum Lohn,

Den keusche Seelen hinterm Grab erwerben;

Wird Buße Geld, strömt Almosen herab,

Dem Sklaven Freiheit und dem Armen Brot.

Und schützt das Kloster auch den Sündenlohn,

So dämpft es doch die Wildheit vor dem Tod.


XXV. Missionen und Reisen (Missions and Travels)

Nicht alle sitzen still: Es gibt die Einen,

Die Samen auf den wilden Ufern streuen,

Die ihren Betstuhl meiden, um zu schauen,

Wo Christenmärkte in der Welt erscheinen.

Von dort, wie reiche Kaufleute, vereinen

Sie sich mit ihrer Zelle; — oder reitet

Der Kreuzesritter, den die Wahrheit leitet,

Dass Una, die Unsterbliche, im Reinen


Den Sieg erfährt? Das weise Babylon

Ging unter, und kein Wort blieb dem Verderben,

Das eine Klage kleiden könnt' in Schmerz;

Auch Memphis, Tyrus mussten einsam sterben

Mit ihrer Kunst — doch klassisch Wissen schon

Bewahrt der Mönch für jedes Nachwelt-Herz.


XXVI. Alfred (Alfred)

Seht hier den Schüler aus dem Mönchskleide,

Den frommen Alfred, König für das Recht!

Der Harfe Herr, im Kampfe nicht geschwächt,

Ein Spiegel aller Fürsten, uns zur Freude!

Der Ruhm, der mittellos im Sternenkleide

Nach Kronen sucht, fand keine seiner Gleichen.

Er teilt wie das Jahr aus seinen reichen

Und milden Segen auf der weiten Heide.


Kein Augenblick stiehlt diesem Geizhals Zeit,

Kein Schmerz verengt die Sorge seines Strebens.

Ist auch sein Reich wie ein Juwel so klein,

Rühmt ihn Jerusalem voll Dankbarkeit,

Und Indiens Kirche zeugt vom Glück des Lebens,

Das Alfreds Gaben webt in ihr Gedeihn.


XXVII. Seine Nachkommen

Als deine große Seele brach die Ketten,

Du Liebling Englands, fiel so mancher Schauer

Auf dein Augustustrab; doch Kraft und Dauer

Floss durch dein Blut, um Alfreds Stamm zu retten.

Sein stolzes Erbe ringt auf Kampfesbetten,

Wenn neue, wilde Wetter drohend nahn,

Und dunkle Stürme brechen sich die Bahn!

Doch Männersitte weiß den Thron zu betten;


Die Wurzel treu, die Zweige kühn im Streiten

Mit rauem Sturm, indessen in dem Kreise

Von ihrem Schutz die sanften Tugenden blühen;

Wie oft, im grünen Hain auf freier Wiese,

Soweit die Eiche breitet Schattenweiten,

Die Hyazinthen sanft in Purpur glühen.


XXVIII. Missbrauchter Einfluss 

Vom Ehrgeiz blind getrieben, der mit Listen

Die Wege wechselt, steigt der Schwärmer auf,

Nimmt als Betrüger tiefsten Demuts lauf,

Und nutzt das Gute nur für böse Fristen,

Um leichtgläubiges Volk im Netz zu fristen.

So Dunstan: — aus dem Benediktinerhaus

Fliegt dieser Geist, und bricht mit wildem Graus

Der Keuschheit zarte Bande bei den Christen.


Seht hier die Macht des Geistes, festgeschrieben!

Sein ganzes Sinnen, Träumen und Begehren

Ist in der Überwelt nur fest verankert;

So rühmt die Schar der Jünger ihn in Ehren,

Stolz auf die Tugend, die er übertrieben,

Und auf ein Wissen, das im Zauber schwankt.


XXIX. Dänische Eroberungen 

Weh jener Krone, die der Kutte weicht!

Der Zwist, der matte Arme noch bezwingt,

Die wilden Räuber, die das Meer verschlingt,

Hilft, dass der Heide neu sein Ziel erreicht:

Doch bald des Evangeliums Wahrheit gleicht

Der Wildheit Wut; der grausam kühne Däne

Fühlt, wie durch sanfter Lehre milde Träne

Der Väter alter Aberglaube weicht.


So oft, wenn dichte Finsternis im Osten,

Erscheint der Vollmond, langsam und allein,

Um still des Himmels schwere Wolken wegzubrennen;

Wie — weiß kein Mensch; doch sieht das Auge rein

Den Raum um ihn von leichtem Äther kosten,

Der wächst, während die Lüfte leis verklingen.


XXX. Knut 

Ein süßer Klang schwebt überm weiten See

Von Mönchen, die in Ely Lieder singen,

Als König Knut lässt seine Ruder klingen:

„Ihr Männer“, spricht der Held im sanften Weh,

„Kommt näher, dass ich ganz das Lied versteh!“

Er lauscht (all alter Sieg und künft’ger Traum

Vergeht wie leerer Schaum im Weltenraum),

Im Herzen tief gerührt, mit Tränen jäh.


Der königliche Sänger, eh im Chore

Das Lied verhallt, lässt auf der glatten Flut

Sein Boot dahingleiten im sanften Winde

Und dichtet selbst ein Lied mit reichem Mute.

O Erde, danke! Selbst am rausten Tore

Beugt wildste Zeit sich diesem Sang geschwinde.


XXXI. Die normannische Eroberung 

Der weichgestimmte Herrscher selbst bereitet

Das Ende vor für Sachsens stolzen Stamm.

Horch! Die Ausgangsglocke schlägt verdammt!

Die Sterne strahlen, doch kein Lichtlein gleitet

Mehr durch das Haus, wo Festlichkeit sich breitet,

Kein Funke wagt nach diesem Streiche mehr

Zu blühen; — Werkzeug einer Macht so schwer,

Die von der Themse bis zum Tyne hin schreitet!


Doch wie der Schrecken dieser großen Glocke

In Hütt’ und Burg das Feuer ganz bezwingt,

Rührt er die Kerzen im Altarraum nicht;

So bleibt die Knechtschaft, die das Recht durchdringt

Und alte Sitte bricht mit wildem Schocke,

Dem Glauben fern — und schont sein heil’ges Licht.


XXXII. Kalt sprachen wir...

Kalt sprachen wir. Die Sachsen, ganz bezwungen

Vom Unrecht, das durch eignen Überfluss triumphiert,

Vom wüsten Feld, vom Haus, das ganz verliert

Sein Hab und Gut, von Flammen wild verschlungen,

Sehn auf zum Herrn, von dem das Recht besungen,

Zur ew’gen Justiz Gottes. Gnadenlos

Sind Menschen oft, doch Engel weinen groß

Um Wunden, die im Tod erst ausgeklungen,


Um Reue und der Unschuld tiefes Leiden.

Und ist ein Held im Kampf für uns gestorben,

Der für sein Land gestritten und nun ruht,

Wird er im Volk als Heiliger erworben;

Und teurer als das Gold aus tiefen Scheiden

Ist ihnen Staub, wo seine Asche ruht.


XXXIII. Das Konzil von Clermont 

„Soll Bosheit denn“, so fragt der Papst geschwinde,

„Von Nazareth — der Quelle reiner Pflicht,

Vom Berge, wo des Heilands Auge bricht,

Und von Bethlehem wehn im rauen Winde?

Ihr Krieger, geht, dass man den Pfad euch winde

Mit Segen; haltet hoch wie Moses’ Hand

Die unsre, bis ihr weit aus jedem Land

Die Söhne Amaleks vertreibt zur Sünde!“


„Gott will es so!“, ruft laut die Schar zusammen,

Ein Schrei, der die Unmengen ganz erschreckt!

Das Dach, die Türme Clermonts Antwort geben;

„Gott will es so!“, hallt wider aus den Flammen

Von Berg zu Berg, und weit und breit erweckt

Das hohle Rund der Welt ein neues Beben.


XXXIV. Kreuzzüge 

Es drängt das Volk mit Turban sich in Scharen

Nach Westen hin; vertrieben aus dem Land

Aquitaniens, glänzt doch am Spaniens Strand

Der Halbmond wild auf Türmen im Gefahren;

Italien fühlt die Angst aus alten Jahren;

Der Krummdolch, der vor süßer Ruh nicht weicht,

Hat bald den engen Bosporus erreicht;

Kein Hügel Griechenlands kann sie bewahren.


So tadelt nicht, wer mit dem größten Hebel

Der Geisteswelt, der Einbildungskraft, rührt

Und ganz Europa aus den Angeln hebt:

Sie ziehn dahin (kein Heer ward je geführt

So riesig!) — um im dichten Kampfesnebel

Das Grab zu retten, dem ihr Herz nachstrebt.


XXXV. Richard I. 

Du kühner König mit dem Löwenmute,

Ich seh dich, Richard! Eifrig im Bereiten

Für deinen Leib mit Stab und Tasche schreiten;

Ich seh dein Schiff auf blauer Mittelmoote;

Im Sieg auf Cypern neigt in Liebesglute

Die Braut ihr Antlitz, Schwüre auf den Lippen,

Und Liebeszeichen wehn an euren Klippen,

Wenn ihr nach Palästina zieht im Boote.


Mein Lied, ein treuer Diener ohne Zagen,

Folgt deiner Streitaxt gern im Schlachtenlärm;

Doch drängt die Pflicht mich fort von diesen Tagen,

Um zu berichten — wie aus diesem Schwarm

Und wilden Drang der Schwärmer mit den Jahren

Der Papstthron stieg zu ungeahnten Höhen.


XXXVI. Ein Interdikt 

Das Reich erbebt: Als Richterin der Gnaden

Schließt nun die Kirche, die im stolzen Wahn

Die Himmelspforte meint zu halten an,

Die Tore jedes Hauses vor dem Schaden.

Vom Licht der Sonne und der Luft entladen,

Wird alles Heil’ge zugedeckt mit Nacht;

Der Morgen trauert, keine Tracht hat Pracht,

Kein Antlitz darf dem andren mehr genahen


Mit frohem Gruß. Die Glocken schweigen still;

Der Graben wird zum Grab — kein Ritus spricht;

Nur auf dem Gottesacker hält Beraten,

Wer heiraten im schweren Dunkel will!

Voll trüber Ahnungen verliert das Licht

Das matte Herz, von Kälte ganz umfangen.


XXXVII. Päpstliche Missbräuche 

Wenn wir die Fahrt mit diesem Strome wagen,

Zeigt uns der Erde grobe Wirklichkeit

Ein Wunderwerk von wilder Zufallszeit;

Das Alt’ und Neue sich im Streit zerschlagen;

Verwandlungen, die kühner noch behagen,

Als alles, was des Himmels Wolkenbild,

Wenn es am reinsten scherzt und wechselt wild,

Dem Auge je in Nächten vorgetragen.


Sahn wir nicht Heinrich vor dem Schreine büßen?

Seht Johann selbst, der Kron’ und Szepter bricht,

Den Mantel, Ring und Schwert im Staube lässt

Vor eines Legaten stolzem Angesicht!

Die Speere in den Hallen tief verdrießen

Den Schimpf; das Meer tobt eitel am Palast.


XXXVIII. Szene in Venedig 

Mit Dämonen, die das Haupt im Kreise fangen,

Sprach nun der Pontifex zum Cäsarensohn:

„Eh ich dich segne, beuge dich dem Lohn,

Dass dieser Fuß darf an den Nacken langen!“

Da beugte der, der einst zum Thron gelangt,

Dess starker Arm den Orient bezwang,

Der vor dem Sultan keinen Schrecken fand,

Sich tief, von aller Herrlichkeit verbannt,


Und selbst der Würde, die dem Menschen eigen!

Die Menge staunt: Ein Teil wendet den Blick

In Trauer ab, ein andrer brennt im Grimme

Und fleht Natur um Rache für das Glück;

Doch bei den Meisten will der Geist sich neigen

In stumpfer Ehrfurcht vor der Herrscherstimme.


XXXIX. Päpstliche Herrschaft 

Wenn nicht der Wind vor Petrus’ Stuhle weilen

Und bitten muss, eh er zu blasen wagt,

Welch Reich begehrt er noch, das ihm zusagt?

Da nun ein Geistreich ohne Grenzen weilen

Und herrschen darf — gleich Liebesgötterpfeilen,

Wie Dichter träumen —, um den Schwachen groß

Zu machen und den Starken im Schoß

Zu stürzen; Erd' und Himmel zu erteilen!


Widersprich — und der Donner schlägt dich nieder!

Krieche — und Tritte werden dir gegeben!

Von Land zu Land sind Throne nur ein Spiel

Für eines Zauberstabes wildes Weben,

Den nun der Papst führt über unsre Glieder:

Ob rauh, ob sanft — die Welt bleibt sein Ziel!


XLIII — Die Jungfrau und der Rheinfall bei Schaffhausen

Die Jungfrau dort, gekrönt wie eine Reine

Mit einem Reif aus ewig hellem Schnee,

Stürzt Trümmer von sich; und in banger Säh’

Staunt mancher unten, wie im milden Scheine


So hehrer Ruh’ sich solches Elend eine.

Und sanft und grün, aus ferner Dichterschähe

Scheinbar gemach, bewegt in stiller Nähe

Der Rhein sich fort; doch bald im wilden Rheine


Wird er erbittert, schäumend, bricht die Bahn,

Bis helle Wut die Flut ganz reißt darnieder,

Zum Ungetüm, das Sturmesodem schnaubt —


Ein Dunstschwall, der ihn birgt vor unserm Blick

Und doch nur dehnt. Er krümmt sich, tief betäubt

Vom eignen Zorn, das Land im Mißgeschick.


XLIV — Die Leiden Karls des Ersten

Solch ein Kontrast tritt uns auf allen Wegen

Vor das des Geistes Aug’, wenn Glaubenspflicht

Sich uns erweist; bald sucht sie still das Licht,

Mit eignem tiefen Frieden rein gesegnet;


Bald, gleich dem Berg, der stürmend schlägt entgegen

Den alten Fichten, bis das Holz zerbricht,

Und Ärmsten raubt, was Trost im Alltag spricht.

Nun blickt ihr Geist verwandelt dem entgegen,


Was keine Erde hemmt. O wildes Wagen

Des Eigensinns! Kann das noch Frömmigkeit

Und Tugend sein? Nein, Raserei im Lande


Nahm ihren Namen ein; schlägt England wund,

Das frei will sein! Ihr Frieden liegt in Banden,

Ihr Segen flucht, ihr Ruhm versinkt im Schlunde!


XLV — Laud

Vom Feind verdammt, der keine Gnade kennt,

Ein schwacher Greis, der Rache preisgegeben,

Hat Laud gelernt, im Sterben noch zu leben

(Gleich einem Vogel, den die Schlinge trennt


Vom freien Flug, der Herzensunruh’ nennt,

Doch dessen Flügel keinen Schlag mehr weben

In mattem Kampf); er sah sein Hoffen schweben

Auf Unschuld, die im Innern hellbrennend brennt,


Und atmet Kerkerluft wie Himmelswind.

Was zaudert dann dein Wagen? Brich die Bahn,

O Tod! Des Triumphs blutgewohntes Rad,


Das du bereitest oft, um fortzutragen

(Wenn wilder Aufruhr schüttelt Staat und Pfad)

Den Heil’gen dorthin, wo der Schmerz zerrinnt.


XLVI — Englands Heimsuchungen

O Harfe! Wagtest du auf kühner Saite

Den leis’sten Ton zu spiegeln, den der Wind

Vom Berg Sinai trug, wo Mose blind

Dem Herrn gelauscht, od’ vom dem Hirtenkönige


Am Bach Siloah, der dem Schöpfer tönte

Von Gott Jehova; dann im fernen Lande

Erschölle jener Name, doch verbannt

Wär’ alle Gnad’ in unwegsamer Weite,


Derer der Herr nun müd’. O weine, weine,

Wein mit den Guten, sehend Fürst und Priester

Verschmäht von jenem Gott, zu dem sie flehen;


Doch heilig ist das Fest, das er bereitet;

Gleich wie das Firmament ist sein Bestehen,

Sein Recht wie Meeresgrund im tiefen Scheine.




ZWEITE REIHE



I: „Ich sah die Form von einer holden Maid“

Ich sah die Form von einer holden Maid,

Sie saß allein unterm verdunkelten Baume,

Dessen Geäst, herabgeneigt im Raume,

Ihr helles Leuchten hob im Schattenkleid.


Kein Geist war sie; mein Herz schlug voll Geleit,

Weil ich sie liebte wie im schönsten Traume;

Doch als ich hingab mich dem süßen Raume

(Oder war’s Schlaf, der Phantasie verleiht?),


Schwand die gestaltliche Präsenz geschwind —

Ihr Antlitz, das noch deutlich vor mir stand,

Wird dünn und rar wie Nebel in der Sonne;


Bis endlich auch das goldne Haar am Ende,

Die Glieder, Züge, schmelzend in die Winde,

Vergingen und der Luft sich ganz verbanden.


TEIL III — II: Patriotische Gefühle

Die Vision sprach nachts, ganz ohne Wort,

Mir Furcht ins Herz und Traurigkeit hinein,

Die fremd dem Thema dieses Buchs zu sein

Schien; dennoch, teures Vaterland, zieht fort


Ein gleiches Beben mich an jenen Ort,

Da du so oft im Traum mir nimmst den Schein;

Dein Ruhm begegnet mir im ersten Rein

Des Tageslichts, das weckt den Morgen dort.


Wenn etwas deine Schönheit bricht und stört,

Oder Verderben droht an deinen Grenzen,

Beklag’ ich kindlich den Verlust der Pracht;


Doch wenn du fällst und Gott dich wieder hebt,

Wird mir der Frühling neu im Herz entfacht,

Und großer Jubel ist mir neu beschert.


III — Karl der Zweite

Wer naht — begrüßt mit lautem Jubelschrei,

Mit wilder Liebe — um sein Reich zu erben?

Ihn nahm die Not, der Tugend Amme, herben

Und eis’nen Blicks auf; doch sie zog vorbei


Und lehrte umsonst, was stark und edel sei,

Durch Schmerz und Mangel; all das edle Werben

Zerrinnt im Augenblick zu fahlen Scherben,

Oder es dient als Würze nur, damit frei


Die Wollust feiert. Fort, zirzeischer Tanz!

Doch was gewinnt’s? Wenn England bald versinkt

In jenen Schlund, der jeden Rang beraubt —


Daß blinde Wut den guten Namen trinkt

Und mit dem Trank das Lebensblut uns raubt:

Vom Dichter Fluch, dem Forscher Grauen ganz!


IV — Latitudinarismus

Doch Wahrheit wird gesucht, und durch die Winde

Zieht reiches Wort, des Denkens kühner Schild;

Ob nun die Kirche diese Pracht gebiert,

Ob Frömmigkeit, platonisch und gelinde,


Im einz’gen Tempel inn’rer Geister glimmt;

Und Einer ist, der baut unsterblich Singen,

Obwohl verdammt, auf eins’men Pfaden dringen

Voll Finsternis, wo Drohung rückwärts stimmt.


Doch nicht allein, noch hilflos abzuwehren

Den trüben Geist; denn aus der Sterne Sphäre

Kommt nachts Geheimnis ihm ins Ohr getragen;


Und reines Licht des Himmels glänzt im Innern

Durch seine Seele — daß er sehend sage

Von Dingen, die dem Erdenaug’ versagen.


V — Waltons Buch der Lebensbeschreibungen

Kein Maler zeigt im schönsten Himmelsbogen

So lichte Farben. Jene Feder, die

Das Leben dieser guten Männer lieh,

Ist einem Engelsschwung herabgeflogen.


Mit feuchtem Aug’ sehn wir uns hingezo’en

Zu Glauben, reinster Lieb’ und Harmonie

In Priester, Staatsmann, Bürger; ach, wie nie

Möcht’ man die milde Tugend nacherproben!


Mich dünkt, ihr Name strahlt noch still und weit:

Wie Glühwürmchen in einer Sommernacht;

Wie eins’mes Licht, das durch die Ferne wacht,


Als Führer; oder wie am Himmelszelt

Ein lichter Ring aus Sternen beigesellt,

Der mild um Waltons Himmelsdenken einreicht.


VI — Klerikale Integrität

Die Ehrentafel soll auch jene nennen,

Die unbefeindet, doch am harten Tag,

Sich selbst vertreibend, folgten einem Schlag

In Armut, Gram und schmerzliches Verkennen.


Manch einer darbt — wie Schiffe, die da brennen,

Vom Sturm zerschellt an wilder Klippe lag;

Wie hilflos! Wenn ihr Herz nicht spüren mag,

Daß das Gewissen niemals uns wird trennen,


Daß Seelenfrieden stets der Tugend Lohn.

Sie weichen vom Altar, dem Heimatbort,

Vom lieben Feld, vom täglich frohen Gang,


Und legen ihre Zukunft in Gottes Hand;

Als Menschen, deren inn’rer Sinn bezwang

Die Welt; kein Trug lenkt sie von Gottes Wort.


VII — Verfolgung der schottischen Covenanters

Als jene Täler schrien im Alpenschnee,

Griff Englands Majestät ins Zeitgeschehen,

Das Schwert hielt ein; die Wunden konnt’ man nähen,

Und alter Glaube rein verblieb in Höh’.


Wie wenig hilft dies Beispiel gut und hehr,

Verachtet und vergessen! Zeuge du,

O Schwesterreich, zu Englands Schand’ und Weh!

Vom Wald, vom Moor, wo kopflos liegt im Meer


Der Märtyrer des Bundes Schar gestreckt,

Erschlagen von Protestanten, Brüdern, die

Aus blindem Rat die Vollmacht sich geholt.


Der Körper fällt durch wildes Schwertgefecht;

Doch wer die Seele zwingt, kämpft wie ein Tor

Mit Stroh gegen den Helden, stahlbescholt.


VIII — Freispruch der Bischöfe

Ein Ruf, gesandt aus tausend bangen Herzen,

Zerreißt die Luft und schüttelt Turm und Dach;

Denn das Gericht sprach frei von Schuld und Schmerz,

Und die Tyrannen weichen der Schmach.


Die Themse auf und ab — geschwind und jach

Wie Feuer, das der Pulversur entgegenrennt —

Lief das Gerücht, das jede Straße kennt,

Bis laut die Stadt als ein Choral erwacht.


Die Väter bitten: „Haltet Frieden, still!“,

Mit Hand und Wort flehn sie die Menge an — umsonst!

Ja, mancher, der für Bischofsmütze sonst


Nur wenig Ehr’ und Glauben hegen will,

Und dem Religion kein Freund erschien,

Fleht auf den Knien um den Segen nun.


IX — Wilhelm der Dritte

Still wie ein Unterstrom, der mächtig zieht

Viel tausend Wellen in sich selbst und rinnt

Von See zu See, verdeckt dem Sonnenwind

Und Pflug des Sturms: Der Geist Nassaus entflieht


Nie seinem Ziel — wie selig, wenn er glüht

Voll heil’ger Ehrfurcht, die ihm Kraft gewinnt,

Daß er der Welt Erschütterung bezwingt —

Vom festen Zweck, den kein Zufall verriet.


Hatt’ sterblich Handeln je ein edler’ Ziel?

Es kommt der Held zu befreien, nicht zum Streit;

Und während er mit fester Hoffnung schreitet,


Geliebter Sieger, den man bang ersehnt,

Weicht jener Knecht des Papsts im Wankelspiel

Vorm ernsten Blick, der ihn zur Ferne mahnt.


X — Die Pflichten der bürgerlichen gegenüber der religiösen Freiheit

Undankbar Land, wenn du die Söhne je

Vergissest, die für dein bürgerlich Recht geblutet!

Wie Romner Sidney einst das Haupt beugte,

Und Russells mildes Blut das Beil benetzte.


Doch diese wären nur im Schmerz gefallen

Zu nutzlos traurigem Gedenken hier,

Hätt’ deine Kirche nicht als Schild und Zier

Ihr’ eignen Kämpfer in den Streit gesandt


Und Ansprüche aus and’ren Welten nun

Der Freiheit Stern zum Aufgang inspiriert.

(Präg’ dies in dein Herz!): Wenn Geistesdinge


Durch Gleichgültigkeit, Spott und Furcht vergehn,

Wirst du auch nied’re Rechte nicht bewahren,

Wie teuer auch erkauft vor den Gefahren.


XI — Sacheverel

Ein plötzlicher Konflikt bricht aus dem Schwellen

Stolzer Sklaverei, die auf Sätze stößt,

Die kühn für Freiheit streiten. Unabgelöst

Geht Angst durch alle Ränge, und an Stellen,


Wo laut der Wächter von der Kanzel gellt,

Steht er vorm Richter; doch von Frauenaugen

Freigesprochen, deren Blicke taugen

Zu ernstem Schmeicheln, das um ihn sich stellt —


Daß England meutere gegen alte Pflicht.

„Hoch“ oder „Niedrig“, Wort der Parteiungen,

Ist auf den Zungen allerwelt bereit,


Als ob die Kirche, obgleich gottentsprungen,

Aus Gegensätzen leb’ und wildem Streit —

Nicht aus dem Mittelweg, der Haß zerbricht.


XII — Einem schnellen Strome folgend

Den schnellen Strom hinab, ein kühn Beginnen,

Sind wir gefolgt mit froh bewegtem Mut,

Mehr als der Mann, der auf des Rheines Flut

Die Landschaften sieht grüßen und zerrinnen;


Sieht Türme sinken — um emporzuspringen!

Und zählt die Burgen, die im fahlen Licht

Am Steilufer stehn, oder im Horizont,

Wo Trümmerkronen ihm das Aug’ durchdringen.


So eilten wir voran mit bangem Glücke;

Von nun an, wie auf eines Stromes Brust,

Der breiter wird und sacht im Bette flutet,


Mögen auch wir, gar gern verweilt im Blicke,

Die Schritte mäßigen, und mit stiller Lust

Bedenken, was das Thema uns bedeutet.


XIII — Aspekte des Christentums in Amerika

I. Die Pilgerväter

Wohl wert, gepriesen zu werden, sind jene,

Die traurigen Herzens von Freund und Land

Nahmen den Abschied, die Heimat verbannt,

Und heiligen Boden, wo der Väter Reste.


Dann suchten sie zur neuen Welt die Bahn,

Daß eine Kirche, frei und unbedrängt

Von Ritus-Zwang, in stiller Bucht empfängt

Das Wort des Herrn und betet frei Ihn an.


Es waren Männer, die sich nimmer bogen;

Gesegnete Pilger, da sie sich erwählt

Ein Gewissen, das Gott geheiligt hält;


Gesegnet, wenn aus Wäldern tief im Tal

Ihr Geist aufsteigt zur Sternenbahn im All,

Zu Seiner Herrlichkeit, der uns gewogen.


XIV — II. Fortsetzung

Vom Ritus und Gesetz, das man mißbrauchte,

Flohen sie in die Wildnis ganz hinein;

Doch nicht war ihnen durch die Vorsehung

Gezeigt, welch Gut man mißt im fernen Schein,


Welch Übel wächst, wenn man den Gottesdienst

Weder erhebt noch einschränkt, ganz allein

Nach eignem Willen. Seht, vom fernen Strand

Wird Frömmigkeit für Ritus und Gesetz


Zurückgeführt ins alte Heimatland,

Das jene Pilger einstens aufgegeben —

Geleitet von freier Wahl. So kehren nun


Wahrheit und Liebe, vom Gewissen treu

Gelenkt, zurück. O Väter, eure Tugend

Zeigt so im Kind den Geist aus jener Jugend.


XV — III. Schluß. Die amerikanische Episkopalkirche

Patrioten, die im apostolischen Lichte

Erstrahlten, waren sie; als frei das Land,

Beugten sie sich vorm alten Glaubensband

Und blickten auf der Kirche Englands Rechte,


Bestrebt in Sohnesliebe zu vereinen,

Was Kraft getrennt. Von dort holten sie den Samen

Christlicher Einheit und gewannen Amen

Und Lob vom Himmel. Dir, o White, dem Reinen,


Patriarch einer weitverzweigten Schar,

Wird fernste Zeit und Enkel sich noch neigen,

Ob sie erneuern oder bauend steigen —


Zu Dir, der lehrte, wie die Glut soll brennen,

Der aus des Glaubens heiligstem Gefäß

Den reinsten Strom geduld’ger Kraft ließ rinnen.



XVI. Bischöfe und Priester

Bischöfe, Priester, herrlich seid ihr dran,

Wenn tief (wie euer Amt so hoch erhoben)

Im Herzen euch die Pflichten treu umwoben,

Die Christus selbst euch heilig anvertraut:

Die Schafesherde, die ihm hold vertraut,

Vor wilden Wölfen wachsam zu behüten;

Im Lichte eures Meisters stets zu glühen,

Dass schwerste Müh’ als schönste Lust erscheint,

Bis euch im Himmel reicher Lohn vereint! —

Doch wenn im Amte, das ihr selbst begehrt,

Das Wirken sich als faul und hohl erweist,

Wenn Untreu’ euch im tiefsten Sinn versehrt:

Bischöfe, Priester, seht, wie tief der Geist

Des Abgrunds droht, wenn jene Recht gelehrt,

Die stifteten, was euer Leben speist!


XVII. Stätten der Andacht

Wie Sterne, die an andern Sternen hangen,

Am Himmel stehn, blickt man in Liebe auf;

Wie Schiffe auf dem Meer in weitem Lauf

Als festgewurzelt fernem Aug’ erlangen;

Wie Quellen, die im Wüstensande prangen,

Beschattet von der Palmen grünem Dach,

Wo reife Frucht dem müden Wandrer nach

Vom Streifen oder wilden Kampf gefallen —

So sind die Kirchen, die in Britannien hallen,

Einander nah durch heiliges Geleite;

Ihr Turm, ihr Helm mit hellem Windbeifange,

Die Kapelle, die im Walde Schutz erflehte,

Wo Dörfler knien im stillen Kirchenraume

Und Trost empfahn, den diese Welt verbeugte.


XVIII. Das Hirtenamt

Ein trauter Herd, ein gastlich offnes Tor

Und ländliche Raffinesse geziemen

Dem schmucken Haus, wo unter seinen Lieben

Der weise Hirte wacht als Schutz und Hort.

Sein Wort ist Frieden, sanft ist sein Akkord,

Geduldig wie ein Schwert in seiner Scheide;

Da Stolz dem Menschen nur zum Schaden reichte,

Wohnt Milde ihm im Herzen fort und fort.

Kann diese Erde höh’ren Stand verleihen,

Als wenn er, reich an Christi Vollmacht nun,

Die Hand erhebt, um Segen auszustreuen?

Wenn er beschwört, erfleht mit allem Tun,

Den harten Sinn des Menschen zu erneuern

Und ihn in Gottes Willen zu erfreun?


XIX. Die Liturgie

Ja, wenn die Kraft von Hoffen und von Zagen

Uns treibt, und edler Sinnen kühner Flug,

Liegt klar der Weg vor uns in reichem Zug,

Bezeichnet durch des Jahres heil’ge Sagen,

Die Englands Kirche durch den Tierkreis tragen;

Gewalt’ge Mysterien! Wer in ihrem Schoß

Sich glücklich schätzt, dem wird im Leben groß

Und feierlich das Herz an jenen Tagen.

Auf diesen Kreis aus heiliger Geschichte

Wagen wir nur ein flücht’ges Aug’ zu lenken,

In Hoffnung, dass sich Berufr’e versenken

Mit reinem Geist in Gottes ew’ges Lichte:

Vom milden Kommen, bis sein Angesicht

Das graue Meer und starre Berge bricht.


XX. Die Taufe

Gesegnet sei die Kirch’, die schützend wacht

Ob zarter Kindheit, spendend jenen Regen,

Der sünd’ger Natur verkümmertem Bewegen

Die Kraft der Christenschönheit neu entfacht!

Am besten wird im Sakrament vollbracht

Das Werk im Gotteshaus; die Eltern schauen

In Liebe hin, und Gnad’ ergießt Vertrauen,

Indem der Dienst das Pfand der Treue weiht.

Sollte der Geist in eitler Fröhlichkeit

Zu künft’gen Festen seine Flügel breiten,

Mahn’ das Grab — das diesen Schrei der Erden,

Des Kindes Neugeburt, gehört vor Zeiten —

Die Seele, sich dem Himmel zuzuwenden,

Und bang vor ird’schen Fährnissen zu schreiten.


XXI. Die Taufpaten

O Vater! Selbst dem Höchsten können wir

Kein’ höh’ren Namen geben! Trage nicht

Die Doppelwürde leicht; es sei dir Pflicht,

Zu wahren deines Schützlings Seelen zier.

Noch feinfühl’ger, als zweite Mutter, schier

Als Gegenwehr zur lauen Sitte Pflicht,

Wachst du in Liebe, dass im Lebenslicht

Die junge Pflanze blühe für und für

Zum ew’gen Glanz. Das Amt ist rein und mild,

Ob es Ersätzliches von neuem fülle,

Versäumtem helfe, Mängel sanft verhülle,

Dass sich des Bundes Sicherheit erfüllt.

Schmach, wenn das heil’ge Wort als Tand verhallt,

Und das Gelübde bleibt ohn’ Allgewalt!


XXII. Der Katechismus

Vom Großen bis zum Kleinsten, wohl gereiht,

Um den Pastor, im neuen Festgewand,

Ein Frühlingsstrauß auf jeder Brust entbrannt,

So standen wir, voll Scheu und Ernst bereit!

Ein leises Murmeln, wie von Bienen weit,

Kam von den Ein’gen, die aus Furcht gebangt;

Und mancher Antwort Mut war unerschrankt:

Wie schlug dein Herz in jener bangen Zeit,

Geliebte Mutter! Deren Hand so lind

Die Blumen mir mit treuer Schleife band!

O Blumen, deren stumme Macht geschwind

Dein Antlitz ruft, das schattenhaft erstand:

Zu früh Verlorene, um die Tränen rinnt,

Der nun mein Seufzer folgt zum fernen Land!


XXIII. Die Konfirmation

Die Jugend kam von Hügeln und aus Talen,

Auf jeder Stirn des Festes helle Lust;

Doch das vergeht; nun regt sich in der Brust

Ein andrer Sinn; des Taufbunds heil’ge Qualen

Und Schwüre gehn aus eignem Munde nun

Als ernste Pflicht. Die stärkste Kraft muss weichen,

Und manche Wange, sonst von Rosenzeichen,

Wird blass vor Gottes Ehrfurcht und vor Scheu;

Indem die Hand in reinem Linnenneu

Der Diener Gottes segnend auf sie legt,

Und im Gebet den Bund des Herrn besiegelt.

Der Allmächt’ge wird die schwache Seele heben,

Und trägt den Schmerz des Dichters, der bewegt

Hier sieht, dass mit dem Tag ihr Kindsein endet.


XXIV. Die Konfirmation (Fortsetzung)

Ich sah der Mutter Blick ganz tief gewendet

Auf ein erzitternd Mädchen, das dort kniete;

Für das der Mutter frommer Sinn erglühte

In Dingen, die uns irdisch kaum gesendet.

Sag, sternengekrönte Muse, was vollendet,

Was strömte ein, wovon ward sie befreit,

Als auf dem Kind die Hand der Heiligkeit

Lag und die Mutter ganz im Trost vollendet,

Dass Tränen brachen aus? Sah sie ein Licht?

Tat sich die Wohnung jener Sel’gen auf,

Wo eine Schwester-Seele glücklich wacht?

Ward Kraft geschenkt, im heiligen Gericht

Der Toten Glanz zu sehn im Erdenlauf?

Sie kniete so — und starb vor Herbstesnacht.


XXV. Das Sakrament

Mit stärk’rer Kette sei der Geist gebunden:

Ein Dienst noch fehlt, die höchste Stufe hier,

Die führt zum Mahle, Sakrament, nun dir

Das Kind, das an der Eltern Seit’ gefunden;

Doch nicht, bevor sie mit den Sel’gen oben

Die Herzen hoch erhoben zu dem Herrn,

Zu preisen Gottes Namen nah und fern,

Der Gnadenguell, der Sünder Schuld gehoben.

Ihr, die ihr wägt den Ruf, o zaudert nicht,

Ihr, die zum Heil der Altar nun geladen;

Kommt früh zum Bund, der euch Gesetze gibt,

Die sicher führen durch ein Pfad voll Licht,

Durch dunkle Nacht; tragt ohne Furcht den Schild,

Die Rüstung Gottes, die den Sieg ergiebt!


XXVI. Die Trauung

Der Priester steht im Ornat vor dem Altar;

Kommt freudig, ihr Bereiten, vor das Licht

Gottes und eurer Freunde, das Versprechen

Mit dem Symbol des Rings und Hand im Paar

Feierlich zu besiegeln. Segne, Vater, nun

Den Bund! Schenk den Vermählten deinen Segen,

Dass sie sich gegenseitig Hilf’ erweisen

Und dir gehorsam durch das Leben gehn.

So betet nun die Kirch’, um zu geweihen

Den Bund, der ew’ge Ehe stiften soll;

Gemeinschaft, die ein Mysterium bezeugt,

Das mächtig ist, die Liebe zu befreien

Mit Himmelsglanz, der beide reich beglückt;

Wein nicht, du Braut, blick auf und sei erquickt!


XXVII. Danksagung nach der Geburt

O Weib! Die Macht, die ihren Thron verließ,

Und gnädig unsre Fleischeskleidung trug,

Die Macht, die als ein Kind in Mutters Schoß

Abhängig war von sanfter Hände Flug,

Teilt ihre Menschheit gern mit deinem Bund,

Erfreut vom Dank, den du vor allem Volk

Ihr opferst für die Rettung aus der Not,

Aus der Geburt gefahrvollem Geschick.

Und sollte je der Erbe deiner Liebe

Auf Wegen wandeln, die ein Mutterherz

Bereuen lassen, dass er je geboren,

Mag die Erinn’rung an dies heil’ge Werk

Den Willen bessern; und im Geistesblick

Auf dich im Knien, findet er sein Glück.


XXVIII. Die Krankenvisitation

Der Glocken Klang erneuert frohen Schall,

O süße Musik! Doch manch einer liegt,

Von Schmerz und Krankheit schwer herabgebeugt,

Und lauscht in Trauer auf den Widerhall.

Mit Muttereifer sendet nun die Kirche

Ihr’ Diener aus, am Krankenbett zu knien,

Mit dem Gebet den Geist emporzuziehen,

Den Trost zu spenden, den die Beichte zeugt —

Dass Gottes Gnad’ Vergebung ihm verleiht

Als wahrem Büßer. Wenn der Atem weicht

Von dem, der so getröstet und befreit,

Grüßen ihn Engel; und uns bleibt die Hoffnung,

Dass, wenn der Kranke aufersteht vom Bett,

Er Kraft gewinnt, der Welt zu widerstehn.


XXIX. Der Bußgottesdienst

Flieh diesen Dienst nicht, den so mancher scheut

Und unbedacht verabscheut, weil er meint,

Dass Mensch den Menschen hier verflucht und feind

(Ein Gräuelwort, das nur das Herz bereut).

Geh hin und höre, was der Herr verweiht;

In seinem Tempel sieh sein Schwert bereit,

Das auf des Sünders Haupt in Zorne fällt,

Auf deines selbst, wenn keine Reue hält

Die Schuld gefangen und um Gnad’ nicht fleht.

Zwei Seiten hat die Wahrheit, die uns rettet;

Wer weiß das nicht? Doch diese weiche Zeit

Blickt nur aufs Evangelium, das erfreut:

Lass Licht und Dunkel unsre Sinne lenken,

So wird des Banns verhasstes Wort am End’

Uns Frieden, Lieb’ und reiche Früchte schenken.


XXX. Gebetsformen auf See

Für jene, die im Gebete knien, gibt es

Keinen heilig’ren Boden als das Deck

Vom Sturm zerschlag’ner Schiffe, die dem Wrack

(Als Menschenkraft nicht mehr zu helfen wusste)

Entgingen durch den Herrn, der Stürme dämmt:

Wohl dieser Mannschaft, die dies tief empfand

Und nun für seine Gnad’, wie vorgeschrieben,

Demütig dankt. Auch flehen sie nicht blind,

Die für gerechte Sache jene Worte

Der Kirche sprechen, die die Lippe führt

Aus Herzensgrund, bevor von Schiff zu Schiff

Der Kampf beginnt, der Schmerz und Tod gebiert.

Ihr Flehenden! Der Gott, dem ihr vertraut,

Wird euch erhörn, weil er Gerechtigkeit schaut.


XXXI. Die Bestattung

Vom Taufbund an, durch Wehe und durch Wohl,

Wacht über Tat und Denken unsre Kirche;

Sie lässt den Leib nicht, wenn des Geistes Stärke

Entflohn, die Erdenlast im Grabes-Schoß.

Gesegnet, wer im Glauben hört das Wort:

„Ich weiß, dass mein Erlöser lebt“, und lauscht

Dem Nachklang, der im tiefen Herzen rauscht,

Voll Dankbarkeit; — doch Tränen rinnen fort.

Der Mensch ist wie das Gras am frühen Morgen,

Das grünt und blüht und abends abgemäht

Verwelkt — ein Wahres, das nach Seufzern fleht;

Doch Hoffnung wird aus Jesu Wort geboren.

Wir jubeln laut: „O Tod, wo ist dein Pfeil?

O Grab, wo ist dein Sieg und unser Heil?“


XXXII. Ein ländlicher Brauch

Das heil’ge Buch, das lange uns genährt,

Schließen wir nun und weihn dem Jahrestag

Der reinen Freude einen kleinen Schlag;

Heut, wo vom Dorfkonzert der Zug geführt,

Die Kinder, wenn der Himmel rötlich glüht

Im Abendlicht, in langem Zuge gehn

Durchs stille Kirchhofsgrün, und herrlich stehn

Die Kränze, die wie Zepter hoch bemüht

Das Haupt des stolzen Trägers überragen.

Zum Kirchentor, beladen mit den Gaben,

Die schon die Väter in der alten Zeit

Zur Zierde brachten in kathol’schen Tagen,

Zieht die unschuld’ge Schar voll Fröhlichkeit:

Laud freut sich droben, Hookers Stimm’ ist weit.


XXXIII. Das Bedauern

O hätten unsre Väter doch bewahrt

Ein größ’res Maß der schönen, alten Bräuche,

Deren Wiederkehr im Geist erzeuge

Ein regen Sinn, der wahrer Herkunft Art;

Der dem Gedächtnis hilft, wenn es verflicht

Der Hoffnung Krone! — Doch ich scheu’ das Licht,

Das stolz sich rühmt und oft als Brand vernichtet

Die junge Knospe, die uns stumm verpflichtet.

Geh, suche, wenn des Winters Schnee uns drückt,

Den Gegengeist in mancher Kirche Hallen,

Grün von Stechpalmen, wo im Schutz vor allen

Der Hänfling oder auch die Drossel schlägt,

Froh, laut und sicher vor des Spähers Blick,

Ihr Lied allein dem Lenz zum großen Glück.


XXXIV. Vergänglichkeit

Vom Niedrigen zum Hohen steigt die Not,

Und sinkt vom Hohen wieder tief hinab,

Auf einer Skala, die kein Gott begrub,

Ein Tongespinst, das Melancholie gebot;

Das jene hören, die von Sünde frei,

Vom Geiz und überbanger Sorge schwer.

Die Wahrheit bleibt; doch ihre Formen, sehr

Veraltet, schmelzen wie der Reif im Mai,

Der morgens noch den Hügel weiß bedeckte

Und nun vergeht; stürzt wie der stolze Turm

Von gestern, der die Unkrautkrone reckte,

Doch nicht mal standhielt einem kleinen Sturm,

Dem lauten Ruf, der jäh die Luft erschreckte,

Oder der Zeit unmerklich leisem Wurm.


XXXV. Alte Abteien

Mönchische Dome! Auf dem Abwärtswege

Sah ich einst euren Fall ohn’ Schmerz und Reu;

Nun rufen Ruinen, Stille, Alter neu

Ein mildes Urteil wach, das ich sonst pflege

Mir selbst zu geben in des Lebens Neige:

Denn wie wir, durch die Zeit erst klug und weise,

Die Fehler andrer dulden auf der Reise —

So sanft wie möglich —, und der Lehrer zeige

Auch unsrer eignen Schuld ein mild Vergeben,

Das uns lehrt, sie zu missen im Gedächtnis.

Warum, von falscher Neugier wild getrieben,

Brechen wir dann der Zeit geheimes Siegel?

Einst wart ihr heilig, heilig bleibt ihr drüben;

Lasst mich aus eurem Geist voll Demut leben!


XXXVI. Emigrierte französische Geistliche

Noch während ich hier spreche, stürzt das Dach

Der Kirchen Frankreichs in den Staub; verbannt

Von den Altären, die man wild verbrannt,

Wandern die Diener Gottes, dem Geschick, das nach

Ihnen greift, folgend, wo ein Weg sich zeigt

Fürs Leben oder wo der Glaube ruft.

Kein Land empfängt sie lieber in die Kluft

Als dieses Britenland, das helfend neigt

Sich den Geflohn’chen zu mit weisem Blick.

Der Glaube schwindet vor dem reinen Bund

Der Menschlichkeit; — betrübt im Missgeschick

Kamen sie an; und während Stürme toben

Im Land, das sie verließen, gibt ihr Glück

Auf unsern Ufern festen Halt von oben.


XXXVII. Glückwunsch

So führt uns alles hin zur Mildtätigkeit,

Gesichert durch des Himmels sanften Wind,

Der jenes großen Retters Segel lind

Zum Ufer trieb, bis in der Bucht bereit

Die Flotte lag! O sturmbefreite Zeit!

Hätten auch wir, wie sie, in schwerem Bangen

Und krank von Unrecht,月 um Monat gehangen,

Zitternd vor Schlimmerem in Dunkelheit,

Wie hätten wir gejubelt! Doch wir spüren

Als teures Gut, was ihnen Zukunft war:

Das Heil, das sie nicht hofften, wird uns klar;

Ein Staat, den edle Pflichten weise führen,

Ein Staat — der zwischen Knechtschaft und Zensuren

Und wilder Freiheit kühn die Mitte wahrt.


XXXVIII. Neue Kirchen

Doch Freiheit und die Siege auf den Meeren,

Und Lorbeerheere, die kein Feind bezwingt —

Was nützen sie, wenn man nach Reichtum ringt,

Und nur auf flücht’ge Güter will begehren?

Wenn nun der Staat (der nicht umsonst bewahrt!)

Vergisst, dem Strom der Wahrheit Bahn zu breiten,

Dass er das weite Reich in allen Zeiten

Durchfließe, wie der Nil die Ägypterfahrt?

Nicht mehr — die Zeit ist sich des Mangels klar;

Durch Englands Grenzen steigen im Verein

Die Tempel auf, nach denen man verlangte!

Ich höre ihrer Glocken Melodie

Im Winde schweben — süßer als sie je

Vom Berg und Tal im Echo widerklangte!


XXXIX. Eine zu errichtende Kirche

Dies sei der Ort; der unberührte Grund,

Den Abendtau seit Alters feucht umfloss,

Weicht nun zurück, und dankbar nimmt der Schoß

Der Erde auf den Stein für Gottes Bund.

Die Weißdorne, gestählt im Wintersturm,

Die dennoch fröhlich neue Knospen treiben,

Die alten Eichen der Druiden bleiben

Noch lange Zeit, zu schirmen diesen Turm

Des wahren Glaubens. Wo im Gänseblümchenkleide

Einst Hirten saßen und im Maienlicht

Die Kränze woben, steh’ im hellen Scheine

Der Altar nun zur Andacht; — während oben

Sichtbar gemalt die Taube uns verspricht,

Dass Gottes Schutz auf diesem Lande ruhe.


XL. Fortsetzung

Mein Ohr hat gelernt, mein Geist sank tief bezwungen,

Da ich den großen Drang der Menge teilte,

Als bleiche Stirn beim Hosianna weilte

Und Weihrauchwolken um das Kreuz geschlungen,

Das dämmerte wie eine Fichte fern

Im Alpenschleier. Solch ein Ritual

Bereitet unsre Kirche nicht; sie wählt zumal

Der schlichten Wahrheit Macht und Gnad’ des Herrn;

Doch wollen wir das teure Kreuz nicht bergen,

Als schämten wir uns: Wenn die Sonne lacht,

Begrüßt ihr erster Strahl das sanfte Zeichen;

Und frische Luft der weihrauchzarten Nacht

Wird es umarmen; und das Moos der Erden

Wird durch Jahrhunderte die Arme speisen.


XLI. Der neue Kirchhof

Das weite Feld, im grünen Rasenkleid,

Ist nun durch ernste Weihe ganz gegeben

Dem Bund der Menschen und dem Himmelsleben;

Wo junge Fohlen spielten frei von Leid

Und wilde Hirsche durch die Wälder sprangen,

Ungehemmt, wie vom Geächteten gejagt,

Soll Lobgesang ertönen, wenn es tagt,

Und bald, ach bald, wird nach dem Grün verlangen

Des Totengräbers Spaten. Kleiner Kreis,

Doch unendlich im Fassen von Glück und Weh!

Ein ew’ges Auf und Ab, das niemand weiß;

Der Braut Erzittern, und das „Staub zu Staub“,

Gebet, Reuekampf, und der Glaube frei,

Der auf den Vater blickt in jedem Weh.


XLII. Kathedralen u. a.

Öffnet die Tore, ew’ge Monumente!

Ihr Abbild der Gemeinde, die Gott schuf;

Nicht ungern folgen wir dem Weiheruf

Vom schlichten Altar hin, dass man sich wende

In eure Prachtgänge, wo Säulen ragen,

Um durch das Schiff im ernsten Schritt zu gehn;

Und aufwärts blickend, hoch den Turm zu sehn,

Der wächst mit jedem Schritt in jenen Tagen,

Beseelt — das Herz zu wecken und den Willen

Auf heller Leiter in das Licht zu führen.

Öffnet die Tore, Monumente stillen

Göttlichen Vorgangs! Lincoln, hoch auf Höhen!

Stolz York! Und ihr, die Cam und Isis zieren,

Wo Wissenschaft und Fleiß im Bunde stehen!


XLIII. Im Innern der Kapelle des King’s College, Cambridge

Klag nicht den Heil’gen an wegen Verschwendung,

Noch den Architekten, der dies Land durchdacht —

Obgleich er nur für eine Schar gedacht

Von weißgewandten Schülern diese Sendung

Und dies gewalt’ge Werk des Geists vollbracht!

Gib, was du kannst; der Himmel lehnt es ab,

Zu zählen kleinlich, was man Gott gab ab;

So dacht’ der Mann, der diese Pracht vermacht:

Die hohen Pfeiler, dieses Dach, das schwebt,

Von selbst gehalten, in zehntausend Zellen,

Wo Licht und Schatten ruhn, wo Musik lebt,

Verweilend — und im Wandern zögernd stirbt;

Gleich jenen Sinnen, deren Süßigkeit belebt

Den Beweis, dass sie für die Unsterblichkeit erstrebt.


XLIV. Dieselbe

Welch ernste Perspektive! Während weicht

Aus unserm Blick ganz allmählich das Licht

Der Seitenfenster, deren Bild zerbricht,

Schimmert ihr Maßwerk, das dem Schatten gleicht,

Gefärbt vom sanften Spiel des müden Lichts.

Märtyrer, König oder Einsiedler rein,

Wer ihr auch seid, die ihr, für uns allein

Unsichtbar, strahlt im Gitter des Gerichts,

Leuchtet nur fort, bis euch die Nacht bezwingt! —

Doch aus dem Arm der Stille — hört! O hört!

Die Musik bricht in zweites Leben ein;

Die Töne schwelgen, jeder Stein beschwört,

Vom Klang geküsst, im Labyrinth zu sein;

Ein Lied, das tief das Herz des Frommen rührt

And ihn im Schleier der Ekstase führt!


XLV. Fortsetzung

Sie dachten nicht an ein vergänglich Haus,

Die so hier bauten. Sei es mein Gewinn

In banger Stund’ und flücht’gem Erdensinn,

Hier Schutz zu suchen vor der Welt Geflaus;

Oder durch Westminsters Hallen zu wandern,

Wo Blasen platzen und der Torheit Schaum

Zerschmilzt am Tor; wo Ehrfurcht wie im Traum

Den Kranz der Weisheit beugt vor allen andern:

Oder mein Pfad führt zu dem jüng’ren Bau,

Dessen Kuppel, gleich dem weiten Himmelsblau,

Der kühnen Kunst Unendlichkeit umschloss;

Dessen heil’ges Kreuz, im Sternenglanz so grau,

Die Arme streckt, wie jetzt, da in den Schoß

Das reiche England seine Toten goss.


XLVI. Stoßgebet

Gott sei die Ehre! Und der Macht, die kam

In Sohnespflicht, gekleidet in die Liebe,

Dass seine Menschheit hell im Lichte bliebe,

Wie Ozeane brennend in Purpurflamm’;

Oder wie jener Berg, der seinen Namen

Vom Rosenhause nimmt, gesehn von fern,

In Friedensstunden oder wenn des Herrn

Gewitter stürmen durch den nied’ren Rahmen!

Die Erde treibt — der Himmel drängt; das Licht

Lasst uns nun suchen, jenen Bund zu pflegen,

Der uns als Kind geschenkt im Taufgericht;

So wie der Berg, lasst uns im Glanz bewegen

Durch freien Handel mit der Sonne Licht,

Wenn nah die Nacht allumfassend bricht.


XLVII. Schluss

Warum schläft Zukunft wie die Schlange ein,

Gewunden Ring in Ring am Mittagstisch?

Denn Gottes Wort gibt, suchen wir es frisch

Im Glauben, jene Kraft, die ganz allein

Des Faulen Ringe weckt. Blick auf! Und schau

Den Strom dort an, auf dessen Sanftmut wir

Dahinbäumten, während Völker hier und dort

Vergingen, und der Tod holt’ in den Bau

Lang’ Reihen mächt’ger Könige — blick auf, o Geist!

(Und traue diesem Bilde ohne Beben)

Das Lebenswasser, das von Schuld befreit

Und reiner wird, glänzt auf im weiten Lauf,

Bis es die ew’ge Stadt erreicht, geweiht

Für der Gerechten Geist in Ewigkeit!