TRAGÖDIE VON RACINE
DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE
PERSONEN
ALEXANDER,
PORUS (König in Indien),
TAXILE (König in Indien),
ARIANE (Königin eines Teils von Indien),
CLEOPHILE (Schwester des Taxile),
HEPHAISTION Gefolge Alexanders.
Der Schauplatz ist am Ufer des Hydaspes, im Lager des Taxile.
ERSTER AKT
SZENE I.
TAXILE, CLEOPHILE.
CLEOPHILE
Wie? Ihr begehrt den Kampf mit einem stolzen Held,
Der uns das Himmelszelt zur Gegenwehr entstellt?
In Asien sah man die Könige schon weichen,
Der Glück und Sieg sich beugt in seinen Siegeszeichen.
Mein Bruder, öffnet doch den Blick auf Alexander,
Seht Trümmer ringsumher, ein flammend Wandereinander!
Die Völker sind verheert, die Könige in Banden,
O, flieht das harte Los, das andre schon empfanden!
TAXILE
Verlangst du, dass ich nun, von feiger Furcht bezwungen,
Den Nacken beuge dort, wo schon der Tod erklungen,
Dass meine Völker mir, die in dem Inderland,
Nur Schmach entgegenseh’n, geformt von meiner Hand?
Soll ich den Porus nun, die Fürsten hier verraten,
Die uns vereint zum Schutz auf hohen Heldentaten?
Sie werden, ohne Wahl, in stolzer Würde schweigen,
Und lieber als ein König stolz den Untergang zeigen.
Siehst du nur einen hier, der klein sich unterwirft,
Bevor der Name ihn mit Schreck und Angst verwirft?
Wer glaubt, er sei schon Herr der Welt in allen Zonen,
Soll er im Lager fleh’n um Sklaven-Lohn bei Thronen?
Nein, weit entfernt von Furcht vor seinem Ruhmesglanz,
Bieten wir ihm Paroli, inmitten vom Tanz.
Und du begehrst, mein Kind, dass Taxile heute, hier,
Um Gnade flehend bitt’, beim Feind, vor dem Revier?
CLEOPHILE
Er sucht nur Euren Bund, nur Ihr seid sein Begehren,
Er will allein für Euch sein Herz und Wort gewähren.
Wenn Blitze zucken schon, wenn das Verhängnis droht,
Will er Euch retten noch, bewahren vor der Not.
TAXILE
Warum bin ich allein, den sein Zorn nicht berührt?
Warum hat mich allein sein Mitleid hier geführt?
Verdient denn nur mein Haupt das Glück von seiner Gnade?
Bietet er Porus auch, als Freund, den Trost auf Pfade?
Nein, seine Seele ist zu edel und zu rein,
Als dass sie würde jemals sein beschämend Schein.
Er sucht eine Tugend, die sich leichter beugt,
Vielleicht ist er von mir, dem er sich jetzt geneigt?
CLEOPHILE
Sagt nicht, er suchte hier nur einen Knecht zu finden,
Er hält für tapfer Euch, in diesen heißen Gründen.
Wenn er entwindet Euch die Waffen aus der Hand,
Wird dann der Sieg gewiss, im ganzen weiten Land.
Sein Bund beschmutzt Euch nicht, es ist kein Schandmal-Zeichen,
Der Feigen Gunst wird nie dem stolzen Helden gleichen.
Mag er die Welt auch noch in Flammen gerne sehen,
Kein Sklave darf bei ihm in Freundschaftsreihen stehen.
Doch wenn sein Bund für Euch den Ruhm nur soll zerstören,
Warum wollt Ihr mir nicht den tiefen Schmerz gewähren?
Ihr wisst, wie er um mich, mit Sorgen täglich ringt,
Und welche Hoffnung er mir stetig neu vollbringt…
Es lag an Euch allein, den Lauf der Dinge hemmen,
Hier bin ich Herrin jetzt, das Feuer zu dämmen.
Hundert geheime Boten, die seine Glut mir künden,
Werden durch feindlich’ Heer, den Weg zu mir bald finden.
Statt mich zu hassen, nein, statt Zwang mir aufzubürden,
Habt Ihr, bei meiner Strenge, zu klagen nur auf Bürden.
Ihr habt mich überredet, die Liebe zu ertragen,
Vielleicht, mein Bruder, nun, sein Herz nicht mehr zu jagen.
TAXILE
Du kannst, ohne erröten, mit Macht von deinen Reizen,
Den großen Krieger dort, mit Waffen noch vernetzen.
Und ohne dass dein Herz, in Angst und Sorge bangt,
Hat dich der Weltbezwinger, schon friedlich angelangt.
Doch unser Staat folgt heut’, mein’m eignen Schicksalsbilde,
Ich halte mein Geschick, in einer Kette Milde.
Und was auch Eure Rat, mir zuzumuten sucht,
Ich bleibe frei, damit das Volk bald Ruhe bucht.
Ich weiß, die Unruh’ macht, Euch Sorgen in dem Sinn,
Doch folg’ ich, wie Ihr auch, der eignen Liebe Gewinn.
Die schönen Augen wohl, der Ariane, dort,
Bewaffnen sich mit Charme, an diesem stolzen Ort.
Königin aller Herzen, die sie zur Schmach verdammt,
Für die Freiheit, die ihr Blick, in helle Glut entflammt,
Sie schämt sich für die Haft, die man hierher gebracht,
Und will nur ihre Augen, als Tyrannen in der Nacht.
Man muss ihr dienen nun, dem edlen Zorn, mein Kind,
Wir müssen gehn…
CLEOPHILE
Wohlan, seid Ihr dem Tode lind?
Folgt dem Verhängnis nach, der Tyrannen, die Ihr liebt,
Dient ihnen, oder dem, den Eure Rivalität noch trübt.
Lasst sie mit Euren Lorbeern, den Feind schon bald bekrönen,
Kämpft nun für Porus, wie sie will, in ihren schönen Tönen.
Und durch Eure Taten, stützt ihre strenge Wahl,
Sichert dem Porus auch, das Herz, im Weltenstrahl.
TAXILE
Ah, Schwester, glaubst Du wohl, dass Porus…
CLEOPHILE
Doch Ihr selber?
Zweifelt Ihr im Ernst, ob sie ihn liebt, als Helfer?
Wie? Seht Ihr nicht mit Lust, mit welcher heißen Glut,
Die Undankbare dort, zur Schau trägt ihren Mut?
Wie tapfer einer sei, wenn wir ihr glauben wollen,
Wird nur um ihn der Sieg, im hellen Ruhme rollen.
Ihr plantet ohne ihn, ein unnütz’ Unterfangen,
Die Freiheit Indiens ist, in seinen Händen bangen.
Ohne ihn wären schon, die Mauern hier Asche nur,
Er hält den Alexander, auf seiner wilden Spur.
Sie macht zum Gott sich ihn, den Prinzen, so charmant,
Und Ihr bezweifelt noch, ihr liebend Herz im Tand?
TAXILE
Ich wollt’ es glauben nicht, oh grausame Cleophile,
Ach, festigt Taxile doch, im Irrtum mit dem Ziele.
Warum malt Ihr mir so, das Bild, das mich verzehrt?
Helft ihm, dass er dem Blick, die Wahrheit bald erklärt:
Sagt ihm, Ariane ist eine stolze Schöne,
Und jedem Sterblichen, als Schwester, hold in Töne.
CLEOPHILE
Hofft, ich stimme zu, doch hofft auf nichts nun mehr,
Von Eurer Kraft allein, kommt kein Sieg mehr daher.
Warum in Kämpfen sucht, Ihr den Triumph am Ende,
Den Alexander Euch, schon reicht in offne Hände?
Es ist nicht gegen ihn, dass man den Streit muss führen,
Porus ist der Feind, der Euch den Schatz will rühren.
Um nur ihn zu preisen, vergisst der Ruhm die Andren,
Und lässt das Heer, in Schmach, als Sklaven bald wandern.
Was man auch tut, er raubt den Glanz von jedem Streite,
Und führt Euch in den Tod, zur gleichen, trüben Seite.
Ah, wenn der Name Euch gefällt, und Ihr wollt ihn ertragen,
Die Griechen und Perser, werden Meister Euch wohl sagen.
Ihr findet hundert Könige, in Euren Ketten dann,
Porus wird kommen selbst, mit der Welt im Bann.
Doch Alexander, endlich, legt Euch kein Band mehr an,
Er lässt auf Eurer Stirn, die Krone, wie sie kann.
Die ein stolzer Rivale, hier zu verschmähen wagt,
Porus lässt Euch dienen, doch er das Reich Euch jagt.
Statt Sklave von Porus, zu sein als Opferlamm,
Werdet Ihr… Doch seht, der Rivale, im hellen Stamm.
TAXILE
Ah, Schwester, ich bin verwirrt, mein Herz in großer Pein,
Seh’ ich den Rivalen, muss er geliebt wohl sein.
CLEOPHILE
Die Zeit drängt nun. Adieu. Ihr müsst nun bald entscheiden:
Porus’ Sklave, oder Freund, den Alexander muss meiden.
SZENE II.
PORUS, TAXILE.
PORUS
Herr, entweder ich irr’, oder die Feinde dort
Sind weit weniger schnell, als an dem stolzen Ort.
Unsere Chefs und Soldaten, brennend vor Verlangen,
Lesen in ihrem Blick, das Schicksal, das wir hangen.
Sie ermutigen sich, jeder Krieger hier,
Verspricht sich goldne Ernt’, von Lorbeer, stolzes Tier.
Ich sah von Rang zu Rang, die Glut sich nun verbreiten,
Durch Rufe edler Art, die uns zum Sieg begleiten;
Sie klagen, dass sie nicht, das Herz nun prüfen können,
Des großen Heldenmut, den wir uns selber gönnen.
Der Müßiggang im Feld zehrt ihre Stärke auf,
Hält man die Helden nicht in ihrem freien Lauf?
Der Feind, er sucht, mein Herr, die Vorteile mit List,
Er merkt, dass unsre Kraft noch nicht gefestigt ist.
Hephaistion begehrt, mit uns ein Wort zu führen,
Um uns mit eitlem Spott den Geist wohl zu verführen.
TAXILE
Man muss ihn hören, Herr, wir wissen es noch nicht,
Was Alexander will, das noch im Dunkeln spricht.
Vielleicht ist es der Fried’, den er uns will bereiten.
PORUS
Der Friede? Aus der Hand? Willst Du den Schmach erstreiten?
Was? Haben wir ihn nicht durch manchen blut’gen Krieg
Geseh’n, wie er zerstört, im rausch’gen Göttersieg?
Wie er das Land bedroht, das Glück in Trümmer schlug,
Und Könige bekämpft, die ihn gar nicht betrug?
Wir sahen ihn geplündert, ganze Länder dort,
Sein Strom von Blut ergoss sich an der Flüsse Ort.
Und wenn der Himmel nun den Tyrannen uns lässt,
Soll ich ihm Gnade wohl gewähren, in dem Fest?
TAXILE
Sag nicht, dass Gott ihn lässt, die Gnade ist sein Lohn,
Ein König, der das Land erschüttert, auf dem Thron,
Ist nicht ein Feind, den man mit Stolz nur kann verachten.
PORUS
Ich achte seinen Mut, und will ihn wohl betrachten,
Ich zolle seinem Wert den Tribut, der ihm gebührt,
Doch will ich, dass mein Geist, den eignen Weg nur führt.
Ja, ich bin wohl bereit, den Ruhm ihm zuzugestehen,
Doch werd’ ich ihn vom Thron, wenn möglich, bald ersehen.
Ich greife ihn dort an, wo seine Altäre steh’n,
Wo Sterbliche vor ihm in Ängsten untergeh’n.
So schätzte Alexander wohl alle jene Fürsten,
Nach deren Land sein Geist begann, so sehr zu dürsten.
Hätt’ Darius bei ihm gezeigt ein Zittern nur,
Wär’ er nicht König noch, auf seiner eig’nen Spur?
TAXILE
Wenn Darius gewusst, wie er sich selbst erkennt,
Regierte er noch dort, wo jetzt der Fremde brennt.
Doch jener Stolz, der ihn in seinen Untergang trieb,
War fundiert auf Grund, der uns bei ihm noch blieb.
Man kannte Alexander noch kaum in seiner Macht,
Der Donner war versteckt, in dunkler Wolkennacht.
Darius war im Schlaf, im tiefen Ruhen noch,
Und kannte kaum den Feind, der brach das alte Joch.
Er kannte ihn alsbald, die Seele voller Graus,
Die Macht, sie wich von ihm, und floh zum Hause aus.
Er sah sich nun besiegt, vom Arm, der alles schlug,
Und sah die Wahrheit erst, als ihn der Blitz dort trug.
PORUS
Doch nenne mir den Preis, den Alexander fordert,
Wenn er den Frieden nun, so schändlich hier beordert?
Frag’ hundert Völker an, in ihrem Leid und Not,
Die falscher Friede brachte, den Untergang und Tod.
Nein, täuschen wir uns nicht, sein Gruß ist nur ein Hohn,
Freundschaft ist Sklavenjoch, als sein besond’rer Lohn.
Vergeblich hofft man wohl, zu dienen nur zum Teil,
Wer nicht sein Sklave ist, wird nicht erfahren Heil.
TAXILE
Man muss nicht feige sein, auch nicht vermessen, Herr,
Man kann mit falschem Schein, sich wehren dem Malheur.
Mit Ehrerbietung nur, schmeicheln dem Prinzen stolz,
Bis er weiterzieht, durch Wind und raues Holz.
Er ist ein wilder Strom, mit tosender Gewalt,
Der alles niedermäht, was ihm sich dort entfaltet;
Der, voll von Trümmern, dort, von hundert Völkern fein,
Mit seinem Lärm der Welt, will überall nur sein.
Lass uns nicht ziehen an, des Zorns gewalt’ge Macht,
Ehren wir ihn kurz, in dieser dunklen Nacht.
Und wenn wir Rechte wohl, für später uns bewahren,
Soll er den Dienst nur sehn, um Schlimmeres zu sparen.
PORUS
Nichts kosten, sagst Du das? Wagst Du es zu glauben?
Soll ich den Ruhm mir jetzt, so einfach wieder rauben?
Dein Reich und meines wohl, wär’ teuer dann bezahlt,
Wenn Porus Feigheit zeigt, dort, wo die Sonne strahlt.
Glaubst du, ein Prinz, der stolz, von kühnem Geist erfüllt,
Kein Zeichen hinterlässt, in seinem Lebensschild?
Wie viele Könige, an diesem Riff zerschellt,
Regieren nur noch dort, wie es der Stolz bestellt?
Die Krone ist für ihn, nur Beute in der Hand,
Sie wankt auf uns’rem Haupt, im unterworfen’ Land.
Und Zepter, die wir noch, in diesen Händen halten,
Sie fallen in den Staub, bei seinem Wortgestalten.
Sag nicht, er laufe nur, von Land zu Land geschwind,
Er löst kein Band der Macht, bei seinem edlen Kind.
Um Völker zu binden, in seine strengen Lehren,
Sucht er im Staub die Könige, um Ehre zu versehren.
Doch diese Sorge hier, rührt wenig meinen Mut,
Es ist Dein Eigennutz, der diesen Rat nur tut;
Porus hat keinen Teil, an solchem Wortverlauf,
Wenn Ruhm das Wort ergreift, gibt er die Sorge auf.
TAXILE
Ich höre, wie auch Du, was Ehre mir befiehlt,
Doch rettet sie mein Reich, das in der Gefahr nun spielt.
PORUS
Wenn Du das Reich willst retten, noch heute und hier,
Dann trotzen wir ihm bald, und ziehen aus vor Dir.
TAXILE
Verachtung und der Stolz, sind schlechte Führer stets.
PORUS
Die Scham folgt auf den Fuß, wenn man vor Feigheit geht.
TAXILE
Das Volk liebt Könige, die Schonen gut verstehen.
PORUS
Man schätzt den höher noch, der lässt die Macht sich sehen.
TAXILE
Dies gilt nur Seelen, die in Hochmut sich verzehren.
PORUS
Dies gilt nur Königen, und Königinnen, die sich mehren.
TAXILE
Die Königin, beim Wort, hat nur für Dich den Blick.
PORUS
Ein Sklave ist für sie, ein Quell von Zorn und Glück.
TAXILE
Dein Stolz, mein Herr, der stimmt, mit ihrem nun überein.
PORUS
Ich liebe Ruhm nur sehr; das ist ihr einz’ger Schein.
TAXILE
Ihr Herz ist Dir gewiss.
PORUS
Ich werde stets verhindern,
Dass ein fremder Meister ihr, das Licht kann mindern.
TAXILE
Glaubst Du, die Liebe gibt, Dir das Gebot zur Pflicht,
Dass Du das Volk mit Dir, in den Untergang nun bricht?
Nein, ohne Schmeichelei, gesteh’ es doch nun ein,
Du folgst nur Deinem Hass, soll Liebe nur Schein sein?
PORUS
Wohl denn, ich geb’ es zu: mein Zorn, der ist entbrannt,
Ich liebe Krieg so sehr, wie Du den Friedensrand.
Ich brenne vor Begier, im heißen, edlen Mut,
Gegen Alexander dort, zu prüfen meine Glut.
Sein Lärm in Asien, hat mich so lange gequält,
Dass ich auf diesen Tag, hab’ stetig schon gezählt.
Bevor er nach mir sucht, war er mein Feind im Geist,
Der nun in meinem Herzen, den Untergang verheißt.
Mein Herz, in Eifersucht, sah ihn auf dieser Reise,
Ich wollt’ ihn her hierher, auf diese stolze Weise.
Und selbst wenn er nun flieht, und einen Weg sucht aus,
Werd’ ich ihn stoppen dann, vor meinem eign’n Haus.
TAXILE
Ja, ohne Zweifel, so, ein Geist so hoch und fest,
Verdient in der Geschichte, den Platz, den man uns lässt;
Und selbst wenn du bei ihm, den Untergang nun siehst,
Fällst du doch lautstark dann, wenn du den Sieg vergießt.
Die Königin erscheint. Adieu. Verkauf Dein Ziel,
Zeig’ ihr den Stolz, der Dich verdient, im Lebensspiel.
Ich wollte nicht stören, Dein edles Wortgefecht,
Mein Herz ist wohl zu schwach, das wäre für mich schlecht.
SZENE III
ARIANE
Wie? Taxile flieht? Was ist der Grund, der Grund?
PORUS
Er birgt die Schande wohl, weit weg von Deinem Mund;
Da er nicht wagt, den Kampf, mit uns nun zu bestehen,
Wie könnte er wohl noch, in Deine Augen sehen?
Doch lass ihn, Madame, nun, und wenn er sich ergeben,
Soll er bei seinem Freund, nach Alexander streben.
Wir gehen aus dem Camp, wo mit dem Opferstein,
Der treue Taxile will sein’m Herrn nun dienstbar sein.
ARIANE
Doch, Herr, was sagt er wohl?
PORUS
Er zeigt zu viel von sich.
Der Sklave wagt es schon, zu preisen mich für dich;
Er will, dass ich ihm diene…
ARIANE
Ah! Ohne Zorn und Streit,
Lass meine Mühe doch, ihn halten, in der Zeit.
Sein Seufzen trotz dem Willen, zeigt mir, er liebt mich sehr.
Was immer auch geschieht, ich will ihn hören mehr;
Und zwingen wir ihn nicht, durch grausame Verachtung,
Zu einem Plan, der ihm, entging bei der Betrachtung.
PORUS
Was? Zweifelt Ihr noch gar? Und wagt es, Euch zu gründen
Auf eines Treulosen, der wird sich bald entwinden?
Der Euch an den Tyrannen ausliefern will mit List,
Und glaubt, durch Euren Raub, dass er nun Sieger ist!
Wohlan, so helft ihm doch, Euch selber zu verraten.
Er mag Euch rauben wohl, in seinen dunklen Taten,
Doch nimmermehr kann er, durch seine Eifersucht,
Mir nehmen den Ruhm des Kampfs, der mich ins Grab bald sucht.
ARIANE
Und Ihr glaubt wirklich noch, nach solchem frechen Sinn,
Dass meine Freundschaft wohl, sei ihm ein Lohn, Gewinn?
Ihr glaubt, mein Herz, das sich unter sein Recht will beugen,
Würd’ unterschreiben gar, was er uns will bezeugen?
Könnt Ihr, ohne Erröten, mich eines Verbrechens zeih’n?
Gab ich für diesen Prinzen, je solch ein Lobeschein?
Wenn ich entscheiden muss, zwischen Taxile und Euch,
Glaubt Ihr, ich schwanke wohl, im Schicksal, das so bleich?
Weiß ich nicht, dass Taxile, ein wankend Herz nur trägt,
Dass Liebe ihn zurückhält, wenn Angst ihn dann bewegt?
Weiß ich nicht, dass sein Mut, so schwach und ohne Kern,
Schon unterliegen würd’, der Schwester List so fern?
Ihr wisst, dass Alexander, sie machte zur Gefang’nen,
Und dass sie dann zurückkehrte, in ihren alten Fang-nen;
Doch sah ich bald, dass sie, den Plan gefasst hatte schon,
Ihn in den Fallstrick lockt, als ihrer Liebe Lohn.
PORUS
Und Ihr könnt dennoch noch, bei ihr verweilen hier!
Warum entflieht Ihr nicht, der Schwester, dem Revier?
Warum, mit solcher Sorg’, wollt Ihr wohl noch bewahren,
Einen Prinzen…
ARIANE
Es ist für Euch, um ihn für uns zu sparen.
Soll ich Euch sehen dort, erdrückt von dieser Last,
Wie Ihr allein den König, den Sieger nun erfasst?
Ich will, dass Taxile, ein Retter Euch nun sei,
Der Alexander schlägt, und mache uns wieder frei.
Warum habt Ihr für mich, nicht solch ein heißes Streben?
Doch Eure Seele scheint, nur für den Ruhm zu leben.
Wenn nur dies große Herz, den Heldentod erlangt,
Ist Euch das Schicksal gleich, das um mein Leben bangt.
Ihr wollt mich ausliefern, ganz ohne Schutz und Ort,
Dem Zorn von Alexander, und Taxiles Liebe dort.
Der, wenn er mich behandelt, als stolzer Sieger bald,
Für Euren Tod dann fordert, mein Herz, mit Urgewalt.
Wohlan, mein Herr, so geht. Füllt Eure Lust nun aus,
Kämpft, und vergesst das Leben, vor Eurem eignen Haus.
Vergesst, dass der Himmel, geneigt zu Eurem Flehen,
Euch vielleicht ein Glück, ließ in den Sternen sehen.
Vielleicht war Ariana, von Eurem Stolz entzückt,
Bereit… Doch nein, mein Herr, eilt zu dem Heer, entrückt.
Ein solch langes Gespräch, wird Euch nur lästig sein,
Es hält zu lange auf, Euch in diesem Schein.
PORUS
Ach, Madame, haltet ein, versteht mein Herz in Not,
Verfügt über mein Leben, gebt mir das Glück, den Tod.
Der Ruhm bedeutet viel, das will ich nicht bestreiten,
Doch was sind alle Reize, wenn sie den Geist begleiten?
Ich sag’ Euch nicht mehr, wie wir Alexander schlagen,
Und wie wir unsre Heere, in diesen Kampf bald tragen,
Dass es für Porus nur, ein Glück ohne gleichen war,
Zu siegen ganz allein, vor des Rivalen Schar.
Ich sag’ nichts mehr. Sprecht Ihr, als Herrin über mich,
Mein Herz legt Ruhm und Hass, zu Euren Füßen, sich.
ARIANE
Fürchtet nichts; dies Herz, das mir gehorchen will,
Ist nicht in Händen, die verräterisch und still.
Nein, ich begehre nicht, eifersüchtig auf den Ruhm,
Den Helden aufzuhalten, im Sieges-Heiligtum.
Gegen den stolzen Feind, eilt nur mit schnellem Schritt,
Doch nehmt die Bundesgenossen, doch alle mit.
Schont sie, mein Herr, und lasst, mit Seele still und weit,
Mir meine Sorge noch, für Taxiles Ewigkeit.
Zeigt ihm in seiner Gunst, Gefühle, die sanfter sind,
Ich bringe ihn dazu, dass er für Euch bestimmt.
PORUS
Wohl denn, Madame, so geht, ich stimme freudig zu;
Ich sehe Hephaistion, wenn er uns bringt die Ruh’.
Doch ohne Hoffnung zu verlieren, ihm bald zu folgen,
Erwart’ ich Hephaistion, und den Kampf, in den Wolken.
AKT II.
SZENE I.
CLEOPHILE, HEPHAISTION.
HEPHAISTION
Ja, während Eure Könige, beraten noch im Rat,
Und alles sich bereitet, für die geheime Tat,
Madame, erlaubt mir nur, dass ich zu Euch jetzt spreche,
Von den Gründen, die mich führen, durch die ich alles breche.
Getreuer Vertrauter, von meines Herrn heißer Glut,
Erlaubt, dass ich sie zeige, mit demütigem Mut.
Ich bitte um die Ruh’, die er Euren Königen schenkt,
Wie er für Euch allein, die Zukunft alles lenkt.
Nach so viel Seufzern, was muss er noch hoffen?
Wartet Ihr noch länger, nach dem Bekenntnis, offen?
Wollt Ihr, dass sein Herz, unsicher und verwirrt,
Sich niemals ganz verschenkt, weil es vor Abfuhr irrt?
Muss er zu Euren Füßen, die Erde alles legen?
Soll Frieden er nun geben? Oder den Krieg bewegen?
Sprecht Ihr. Alexander ist bereit, den Lauf zu nehmen,
Um Euch sich zu verdienen, oder um sich zu bequemen.
CLEOPHILE
Kann ich wohl glauben, dass ein Prinz, auf seinem Glanz-Thron,
Sich meiner schwachen Reize, erinnert, als sein Lohn?
Dass er, der Siege nachzieht, mit Schrecken und mit Not,
Sich herablässt zu seufzen, für mich, vor dem Gebot?
Gefangene wie er, zerreißen schnell die Banden,
Für höhere Ziele, die sie im Ruhm erstanden.
Die Liebe in den Herzen, gestört und voller Pein,
Wird unter Last der Lorbeeren, bald nur ein Schatten sein.
Während dieser Held mich, hielt als seine Gefangene,
Berührte ich sein Herz, mit einer leichten Spanne;
Doch ich glaube, Herr, dass er, als er die Ketten brach,
Alexander selbst sich löste, und ließ die Liebe nach.
HEPHAISTION
Ach! Wenn Ihr ihn gesehen, vor Ungeduld entbrannt,
Wie er die traur’gen Tage, zählte im fernen Land,
Ihr wüsstet, dass die Liebe, ihn stetig hat geleitet,
Dass er nur Euch gesucht, im Kampf, wo Blut bereitet.
Für Euch hat man ihn geseh’n, als Bezwinger von so viel,
Wie er durch Eure Provinzen eilte, im Sieges-Spiel.
Und brach auf seinem Wege, unter der Kraft der Schläge,
Alles, was ihn hinderte, auf seinem Liebens-Wege.
Man sieht auf gleichem Feld, Eure Flaggen und die unsern,
Er sieht von seinen Schanzen, das, was wir bald versuchen;
Doch nach all diesen Taten, der scheue Sieger bangt,
Dass er noch fern von Eurem Herzen, in Qualen hangt.
Was nützt ihm das Laufen, von Land zu Land so weit?
Wenn Ihr ihm vor dem Herzen, die Türe schließt für alle Zeit?
Wenn Ihr auf seine Wünsche, nicht antworten wollt mit Licht,
Wenn Ihr täglich sucht, zu zweifeln, in der Pflicht?
Wenn Euer Geist bewaffnet, mit tausend Sorgen bangt…
CLEOPHILE
Ach! Solche Zweifel sind nur ein Schutz, der schnell verlangt,
Und unsere Herzen, in tausend Sorgen nun versunken,
Zweifeln an dem Gut, das sie am meisten haben wollen.
Ja, da dieser Held will, dass ich das Herz entfalte,
Höre ich mit Freude, wie sein Feuer sich gestaltete.
Ich fürchtete, die Zeit hätt’ seinen Lauf begrenzt;
Ich wünsche, dass er mich liebt, wie er es stetig grenzt.
Ich sage mehr: als sein Arm, erzwang die Grenze schon,
Und in Omphis Mauern, hielt mich im Gefangenschafts-Lohn,
Mein Herz, das ihn sah, als Herrscher der Welt, im Schein,
Tröstete sich schon, in seinen Banden zu sein.
Und weit entfernt zu murren, gegen ein hartes Los,
Gewöhnte ich mich dran, mein Herz wurde davon groß.
Und meine Freiheit verlierend, in der Erinnerung,
Fürchtete ich sogar, sie wieder zu erlangen, im Sprung.
Urteilt, ob seine Rückkehr, mich muss erfüllen mit Freud’.
Doch will er, dass ich ihn sehe, bedeckt mit Blut, im Kleid?
Kommt er als ein Feind, um sich hier zu zeigen?
Sucht er mich nur, um mich zu quälen, in diesem Schweigen?
HEPHAISTION
Nein, Madame: bezwungen, von der Macht Eurer Zier,
Hält er heute inne, mit seinem Schrecken hier.
Er bietet den Frieden, den Königen, die blind,
Und zieht die Hand zurück, die sie schlagen könnt’ geschwind.
Er fürchtet, dass der Sieg, der ihm zu leicht wird wohl,
Seine Schläge lenkt, in Taxiles Herz, so voll.
Sein Mut, empfindsam gegen Euren Schmerz und Leid,
Will keine Lorbeeren, getränkt in Eurer Einsamkeit.
Begünstigt die Sorgen, die seine Liebe hier bekennt;
Befreit seine Tapferkeit, von dem Schicksal, das brennt;
Und verfügt über die Könige, die sein Zorn hier schont,
Dass sie ein Gut empfangen, das Euch als Einzige lohnt.
CLEOPHILE
Zweifelt nicht, Herr, meine Seele, in ihrer Pein,
Ist von dieser Sorge, stetig bewegt im Schein:
Ich zittere für meinen Bruder, und fürchte sein Ende,
Dass ein so teurer Feind, verblute meine Hände.
Doch vergeblich widersetz’ ich, dem Feuer, das ihn brennt,
Ariane und Porus, bestimmen, was sein Herz jetzt nennt;
Der Reiz einer Königin, und das Beispiel eines Königs,
Sobald ich sprechen will, erheben sie sich, des Wenigs.
Was habe ich zu fürchten, in dieser Ordnung schwer?
Ich fürchte für ihn, ich fürchte für Alexander, immer mehr,
Ich weiß, dass beim Angriff, hundert Könige vergingen,
Ich kenne all seine Taten, doch ich weiß, was Porus will, in den Dingen.
Unsere Völker, die man sah, triumphierend in seinem Zug,
Widerstanden dem Perser und dem Skythen, im Flug,
Und stolz auf die Lorbeeren, die er ihnen hat gebracht,
Werden sie siegen wie er, oder rächen sich in der Nacht;
Und ich fürchte…
HEPHAISTION
Ach, lasst die Furcht, sie ist so eitel und so klein.
Lasst Porus doch im Unglück, in seinem eignen Schein;
Mag Indien ihn stützen, mit aller Staaten Macht,
Taxile allein hat seinen Sinn schon umgebracht.
Doch seht, sie kommen schon.
CLEOPHILE
Herr, vollendet Euer Werk:
Mit Eurem weisen Rat, macht unsern Mut nun stark,
Und wenn der Sturm entbrennt, so denkt an unser Wohl,
Dass er nicht niederfällt auf uns, wie glühend Kohl.
SZENE II
PORUS, TAXILE, HEPHAISTION
HEPHAISTION
Bevor der Kampf, der nun das Haupt Euch wohl bedroht,
Euch stürzt in Trümmer, Elend und in bittere Not,
Will Alexander noch einmal den Zorn verschieben,
Um Euch den Frieden noch ein letztes Mal zu lieben.
Euer Volk, das durch den Stolz sich hat verblenden lassen,
Meinte, den Eroberer der Euphrat-Stadt zu fassen;
Doch der Hydaspes sieht, trotz Eurer Reiter Schar,
Nun uns’re Fahnen wehen, sie sind uns jetzt ganz nah.
Ihr sähet sie auf Euren Schanzen stolz errichtet,
Das Feld mit Blut und Toten, das vom Tode berichtet,
Hätte nicht der Held, den Lorbeerkranz auf dem Haupt,
Den Zorn der Krieger selbst, der Kampfeslust beraubt.
Er kommt nicht hierher, besudelt mit dem Fürstenblut,
Um zu erschrecken Provinzen, in barbarischer Wut;
Er sucht nicht zu glänzen, in einem traur’gen Schein,
Auf Königsgräbern baut er keine Größe ein.
Doch Ihr, getäuscht vom eitlen Ruhm, der Euch umgibt,
Geht nicht in jene Arme, wo die Vernichtung liebt;
Und da sein Zorn noch ruht, in dieser Schicksalsstunde,
Genügt es, Prinzen, dass Ihr waret in der Runde.
Versäumt nicht länger, den Tribut ihm zu erweisen,
Den Eure Herzen, trotz des Stolzes, müssen preisen,
Und nehmt den Schutz an, den sein Arm Euch bietet hier,
Ehrt Eure Reiche durch den Helfer im Revier.
Dies ist, was ein König Euch sagen lässt, ganz frei,
Bereit das Eisen abzulegen, oder neu dabei.
Ihr kennt sein Ziel. Wählt heute, was Ihr wollt ertragen:
Alles zu verlieren, oder sein Teil zu wagen.
TAXILE
Herr, glaubt doch nicht, dass uns ein blinder Hass regiert,
Dass uns ein falscher Hochmut hier zum Kampf verführt,
Und dass im Stolz, der unser Volk so tief durchdringt,
Es gegen Euch als Feind, in den Untergang nun springt.
Wir zollen dem, was edel, den Respekt, der Pflicht,
Ihr betet Götter an, doch wir sind Euer Licht.
Helden, die bei Euch galten als nur sterblich fein,
Fanden bei uns Altäre, in dem Götterschein.
Doch vergebens will man, bei einem Volk so kühn,
Statt Anbetung, Sklavenketten in der Sonne glühn.
Glaubt mir, egal welcher Glanz sie mag berühren,
Sie weigern sich dem Weihrauch, den sie nicht wollen spüren.
Geht zu den Staaten, die Ihr unterworfen habt,
Ihre Könige sind unter Eurem Joch nun trabt.
Nach all den Ländern, die Alexander unterzog,
Ist’s Zeit, dass er nach Freunden sucht, im Lebensbogen.
Das gefang’ne Volk, das bei des Meisters Namen bebt,
Versteht die Macht nicht, die erst ganz am Anfang lebt;
Sie haben, um sich zu befrei’n, die Augen weit,
Euer Reich ist voller Feinde, in der Heimlichkeit.
Sie weinen heimlich ihre Könige, ohne die Kron’,
Eure Ketten, zu weit, zerfallen alsbald schon;
Und in ihrem Herzen, die Skythen im Aufstand,
Werden die Ketten brechen, im ganzen weiten Land.
Versucht, mit uns’rer Freundschaft als ein Unterpfand,
Was Treue kann, die kein Vertrag führt in das Band;
Lasst mir ein Volk, das ab und an, in seinem Glück,
Applaudiert Euren Taten, ohne Zornesblick.
Ich nehme zu dem Preis die Freundschaft nun entgegen,
Erwarte ihn wie ein König, in seinem Segen,
Einen Helden, dessen Ruhm begleitet seinen Gang,
Der mein Herz hat, doch mein Reich bleibt frei, ein Leben lang.
PORUS
Ich dachte, als der Strom die Provinzen hier vereinte,
Und jeden Fürsten hier, zu meiner Hilfe steinte,
Dass er mit mir, in Plänen, so erhaben und so groß,
Nur Könige verband, die des Tyrannen Schicksals-Los.
Doch da ein König, schmeichelnd der Hand, die uns bedroht,
Unter den Alliierten sucht ein Platz in der Not,
Ist es an mir, zu antworten für mein Land,
Und zu sprechen für die, die Taxile überwand.
Was sucht der König hier, der Euch zu uns gesandt?
Welche Hilfe bringt sein Arm, für unser Lebensband?
Mit welchem Stolz wagt er, unter seinem Schutz zu nehmen,
Völker, die keinen Feind haben, als ihn, in ihren Themen?
Bevor die Wut, die Welt zerstörte mit Gewalt,
Ruhte Indien im Frieden, in friedlicher Gestalt;
Und wenn ein Nachbar störte, die Sanftmut unsrer Zeit,
Fanden wir Verteidiger, bereit für alles Leid.
Warum uns angreifen? Durch welche Barbarei,
Hat Eures Meisters Wut, geweckt die Tyrannei?
Sah man bei ihm jemals, unser Volk im Zornesflug,
Ein fremdes Land verheeren, das uns nicht betrug?
Muss man so viele Staaten, Wüsten und auch Flüsse,
Haben als Barriere, vor Eures Herrn Geflüssen?
Kann man nicht leben, am Ende dieser Welt,
Ohne seinen Namen, und das Joch, das er bestellt?
Welch fremde Tapferkeit, die nur auf Schaden sinnt,
Entflammt die Welt, sobald ihr Glanz beginnt?
Die nur den Hochmut kennt, als Regel und als Sinn,
Die aus dem Universum macht ein Gefängnis hin,
Und als absoluter Herr, von allen, die wir sind,
Sklaven zählen will, so viel, wie Menschen sind?
Keine Staaten mehr, keine Könige. Seine Hand,
Legt alle Menschen unter dasselbe, schwere Band.
In seinem gier’gen Stolz, verschlingt er uns, ich weiß.
Von so vielen Souveränen, sind wir der letzte Preis.
Was sag’ ich? Wir allein? Es bleibt nur noch mein Haupt,
Wo man noch Spuren sieht, eines Königs, nicht beraubt.
Doch für meinen Mut ist dies ein herrlicher Stoff,
Ich seh’ mit frohem Aug’, die Welt beben, am Hoff,
Damit durch mich allein, die Sterblichen, befreit,
Wissen: frei sind sie, durch Porus’ Tapferkeit.
Und dass man überall, im tiefen Frieden spricht:
Alexander siegte, doch er bezwang die Welt nicht;
Denn ein König erwartete ihn, am Ende der Welt,
Durch den die Welt die Ketten brach, wie’s ihm gefällt.
HEPHAISTION
Euer Plan zeigt zwar einen großen, edlen Mut,
Doch, Herr, es ist zu spät, gegen die Flut.
Wenn die Welt nur noch diesen Halt kann finden hier,
Dann beklag’ ich sie, und auch Euch, in diesem Revier.
Ich halte Euch nicht auf. Zieht aus gegen meinen Herrn.
Ich wünschte nur, man hätt’ Euch gezeigt, ihn von fern,
Und der Ruhm hätte gewollt, aus Mitleid an dem Ort,
Euch die Hälfte der Taten zu erzählen, als Wort.
Ihr sähet…
PORUS
Was sähe ich? Was könnt’ ich noch erfahren,
Das mich niedriger stellt, als Alexander in den Scharen?
Wäre es der Perser Sieg, ohne große Not,
Und Eure Arme, ermüdet vom Morden, als Gebot?
Welcher Ruhm ist es doch, die Schwäche zu erdrücken,
Eines Königs, der besiegt war, in seinen eig’nen Blicken?
Eines Volkes, ohne Kraft, fast leblos in der Hand,
Das unter Gold erstickte, in seinem eig’nen Land,
Und das in Massen fiel, statt sich zu verteidigen,
Nur Leichen bot, dem großen Alexander-Reigen?
Die anderen, geblendet von diesen kleinen Taten,
Sind auf die Knie gesunken, um Gesetze zu erbraten,
Und ihre Furcht, Orakeln lauschend, in dem bangen Ort,
Glaubten nicht, dass ein Gott fand Widerstand, als Wort.
Doch wir, die anders richten, über Eroberer-Sinn,
Wir wissen, Götter sind keine Tyrannen, im Gewinn,
Und egal wie ein Sklave, ihn nennen mag am Ende,
Der Sohn des Jupiter, geht als Mensch durch uns’re Hände.
Wir streuen keine Blumen, auf seinen Pfad geschwind,
Er findet uns überall, wo Waffen scharf sind.
Er sieht bei jedem Schritt, seine Eroberung gehemmt,
Ein Fels hier kostet ihn mehr Köpfe, ungezähmt,
Mehr Sorgen, mehr Angriffe, und fast mehr an Zeit,
Als das ganze Reich der Perser, in seiner Herrlichkeit.
Feinde der Ruhe, die jene Infamen verlor,
Das Gold, das unter uns wächst, korrumpiert uns nicht, im Tor.
Ruhm ist das einzige Gut, das uns kann verlocken,
Und das einzige, das mein Herz will, ihm zu entlocken.
Es ist er…
HEPHAISTION
(ihn unterbrechend)
Und das ist auch, was Alexander sucht,
Sein Herz sinkt nicht auf kleinere Ziele, verflucht;
Das ist’s, was ihn aus dem Sorgen seines Staates riss,
Zu Cyrus’ Thron ihn führte, mit seinem Wagnis, gewiss,
Und des mächtigsten Reiches Säulen ließ er beben,
Anzugreifen, zu erobern, und Kronen neu zu geben.
Und da Euer Stolz wagt, ihm zu bestreiten
Den Ruhm der Gnade, die er bietet, in den Weiten,
Werden Eure Augen heute, Zeugen seines Sieges sein,
Vom Eifer, mit dem er kämpft, um Ruhm, im Sonnenschein.
Bald mit dem Eisen in der Hand, seht Ihr ihn marschieren.
PORUS
Geht also, ich erwarte ihn, oder werde ihn aufspüren.
SZENE III
PORUS, TAXILE
TAXILE
Wie? Ihr wollt also gehen, im Drang der Ungeduld?
PORUS
Nein, ich will nicht zerstören Euer Bündnis-Huld.
Hephaistion, der nur gegen mich ergrimmt wohl ist,
Wird seinem Herrn berichten, was Ihr nicht vergisst.
Arianes Truppen, die mir folgen in den Streit,
Erwarten dort den Kampf, in voller Kampfes-Zeit,
Ich stütze ihren Glanz und meines Reiches Pracht,
Ihr werdet Richter sein, in der Entscheidung Nacht.
Es sei denn, Euer Herz, in stolzem Eifer hell,
Schließt sich den neuen Freunden an, und das sehr schnell.
SZENE IV
ARIANE, PORUS, TAXILE
ARIANE
(zu Taxile)
Was hört man von Euch, Herr? Die Feinde, sie berichten,
Sie zählten Euch zum Kreis, in ihren Sieges-Schichten!
Sie prahlen schon, ein König, der sie achtet dort…
TAXILE
Des Feindes Treue ist ein fragwürdiges Wort,
Madame; mit der Zeit wird man mich besser kennen.
ARIANE
So müsst Ihr diesen Ruf, der schändlich ist, verbrennen!
Zerschmettert den Hochmut derer, die Euch loben,
Geht, wie Porus es tut, und lasst den Stolz erproben!
Lasst fühlen durch den Zorn, ein gerechtes, hartes Leid,
Dass kein Feind schlimmer ist als Ihr, in Ewigkeit.
TAXILE
Madame, ich gehe nun, mein Heer hier zu entfalten.
Hört weniger auf das, was Sorgen lässt erkalten,
Porus tut seine Pflicht, und ich tu auch die mein’.
SZENE V
ARIANE, PORUS
ARIANE
Diese dunkle Kälte lässt mich nicht ruhig sein!
Er ist feige, mein Herr, und das ist nicht der Schritt
Eines Königs, der den Ruhm in seinem Siege litt.
Man darf nicht zweifeln mehr. Wir sind nunmehr verraten.
Er opfert seine Ehre, für seine Schwester-Taten.
Der Hass, mein Herr, der Euch zu Boden bringen will,
Wartet auf Euren Kampf, dort hält er sich noch still.
O Götter!
PORUS
Sein Wandel raubt mir eine Stütze nun,
Die ich zu gut wohl kannte, um bei ihm noch zu ruh’n.
Ohne Beben sah ich, die Unbeständigkeit,
Ich fürchtete viel mehr, die zögernde Zeit.
Ein Verräter, der uns flieht, um seiner Schwester Gunst,
Ist schwächer als ein Feigling, in seiner Lebens-Kunst.
ARIANE
Und dennoch, Herr, was wollt Ihr nun beginnen?
Ihr geht, ohne zu zählen, Alexander von innen.
Und rennt fast ganz allein, in seinen Schlag hinein,
Gegen so viele Feinde, wollt Ihr das Opfer sein?
PORUS
Was? Wollt Ihr, dass ich nun, dem Beispiel folgend blind,
Durch Furcht ihm gebe Macht, die unsre Freiheit bindet?
Dass Porus in dem Lager sich lässt halten fest,
Und den Kampf verweigert, der uns den Ruhm nun lässt?
Nein, nein, ich glaube nichts. Ich kenne besser, nun,
Den Geist, der in Eurer Seele, lässt den Ruhm erst tun.
Ihr seid’s, die durch den Reiz, die Macht der Liebe weckt,
Die alle Könige, in den Kampf nun hat gestreckt,
Und deren Hochmut nicht, sich dem Sieger beugen will,
Der nur des Alexander Bezwinger braucht, ganz still.
Ich muss siegen, ich eile, weniger aus der Not,
Den Namen „Gefangner“ zu meiden, als für den Tod.
Ja, Madame, ich gehe, in meiner heißen Glut,
Siegend oder tot, ich verdiene Euren Mut.
Und da meine Seufzer, vergeblich waren all,
Für dieses Herz, das nur dem Ruhm folgt, in dem Fall,
Gehe ich, durch den Glanz, den ein Sieg nur kann verleihen,
Den Ruhm an meine Person, fest und nah zu reihen,
Dass ich vielleicht vermag, Euer Herz dann zu bekehren,
Von der Liebe zum Ruhm, zum Sieger, den zu ehren.
ARIANE
Wohl denn, Herr, so geht. Taxile hat vielleicht im Heer,
Untertanen, die tapfrer sind als ihr Herr.
Ich werde sie anspornen, mit letzter, großer Kraft.
Dann warte ich im Lager, was das Schicksal schafft.
Fragt nicht nach meinem Herz. Siegt, und lebt für mich.
PORUS
Was erwartet Ihr, Madame? Warum kann ich nicht,
In diesem Augenblick, von Eurer Seele wissen,
Ob meine traur’gen Seufzer, haben Euch zerrissen?
Wollt Ihr (denn das Los, o holde Ariane,
Verdammt mich vielleicht, dass ich nicht wiedersehe, das Geplante),
Wollt Ihr, dass ein Prinz, in seinem letzten Leid,
Nicht weiß, für welchen Ruhm, er schwand in die Ewigkeit?
Sprecht.
ARIANE
Was soll ich sagen?
PORUS
Ah, göttliche Prinzessin!
Wenn Ihr für mich empfindet, ein klein’ Gefühle-Essen,
Dieses Herz, das mir heut’, soviel Achtung gibt,
Könnte vielleicht versprechen, dass es mich bald liebt.
Gegen so viele Seufzer, kann es sich wehren?
Kann es…
ARIANE
Geht, Herr, marschiert gegen Alexander!
Der Sieg ist Euer, wenn dieser Sieger-Wandrer
Sich nicht besser wehrt, gegen Euch, als mein Herz nun tut.
AKT III
SZENE I
ARIANE, CLEOPHILE
ARIANE
Wie, Madame, man hält mich hier in diesem Haus gefangen?
Kann nicht zum Kampfe sehn, meine Armee in Gängen?
Und beginnend mit mir, der schwarze Verrat nun,
Macht Taxile aus dem Lager, mein Gefängnis-Tun?
Ist das der Eifer, den er mir hat vorgegaukelt?
Dieser demüt’ge Diener, der nun die Macht erschaukelt?
Und seine Liebe, der Strenge müde wohl,
Hält gefangen meine Person, da das Herz nicht voll?
CLEOPHILE
Erklärt besser die Sorge, die Angst und das Leid,
Eines Königs, der nur Eure Reize sieht, in Ewigkeit,
Und betrachtet, Madame, mit Güte und mit Sinn,
Den Eifer für Eure Sicherheit, im Gewinn.
Während um uns herum, zwei mächt’ge Heere stehen,
Voll stolzem Mut, und in den Untergang nun gehen,
Mit ihrer Wut, die überall Funken schlägt hervor —
Wohin wolltet Ihr, an welchem andern Ort, im Tor?
Wo könntet Ihr anders, dem Sturm entkommen?
Ein voller Friede ist, für Euer Haupt vernommen,
Alles ist ruhig…
ARIANE
Und diese Ruhe ist es,
Die ich nicht dulden kann, dies unwürd’ge Netz!
Wie? Während meine Untertanen sterben auf dem Feld,
Unter Porus’ Schritten, für ihre Königin der Welt,
Dass für den Preis ihres Blutes, sie die Treue zeigen,
Dass der Schrei der Sterbenden, fast kommt zu meinem Schweigen,
Man spricht mir vom Frieden? Und Taxiles Lager nun,
Behält in diesem Chaos, ein friedliches Tun?
Man schmeichelt meinem Schmerz, mit einem Hohn-Gefühl,
Auf Freude-Objekte, hält man mein Auge kühl.
CLEOPHILE
Madame, wollt Ihr, dass meines Bruders Liebe nun,
Euer teures Haupt, lässt in den Gefahren ruh’n?
Er kennt zu gut die Gefahr…
ARIANE
Und um mich zu wenden ab,
Sperrt dieser edle Liebende, mich in sein Grab?
Und während für mich, sein Rivale sich nun wagt,
Dient seine friedliche Tapferkeit, als Wache mir, die klagt?
CLEOPHILE
Wie glücklich Porus ist! Die kleinste Trennung hier,
Ist eine Qual für Eure Ungeduld, im Revier.
Und glaubte man Euch, der Sorge, die Euch brennt,
Suchtet Ihr ihn selbst, wo das Schlachtfeld nun brennt.
ARIANE
Ich täte mehr, Madame. Ein schönerer Impuls,
Ließe mich ihn suchen, bis in den Tod, im Kults,
Alles verlieren, und mit ruh’gem Blick nun sehn,
Wie Alexander zahlt, für das, was soll geschehn.
CLEOPHILE
Wenn Ihr Porus sucht, warum verließ er uns nun?
Alexander wird ihn bringen, mit seinem Sieges-Tun.
Erlaubt, dass wir wachen, um Euer Haupt nun hier,
Dass man die Eroberung bewahrt, in diesem Revier.
ARIANE
Ihr triumphiert, Madame, und Euer Herz schon bald,
Fliegt zu Alexander, den Sieger nennt Ihr alt,
Doch auf das Wort der Liebe, die Euch schmeichelnd brennt,
Ist dieser Stolz vielleicht, zu früh, der sich nun nennt.
Ihr treibt Eure Wünsche, ein wenig zu weit nun vor,
Und glaubt zu früh das, was Ihr wollt, im Tor.
Ja, ja…
CLEOPHILE
Mein Bruder kommt, wir werden lernen nun,
Wer von uns beiden, Madame, sich wähnte in dem Tun.
ARIANE
Ah, ich zweifle nicht mehr, und diese bleiche Stirn,
Sagt meinen Augen genug, vom Porus’ Untergangs-Zirn.
SZENE II
TAXILE, ARIANE, CLEOPHILE
TAXILE
Madame, hätte Porus, weniger voll von Zorn,
Die Freundschaft wohl geachtet, fern von diesem Dorn,
So hätte er erspart mir das bittere Geschick,
Euch selbst zu melden nun, sein Unglück, Stück für Stück.
ARIANE
Wie? Porus…
TAXILE
Es ist aus. Sein Mut, er ward betrogen,
Die Not, die ich geahnt, ist über ihn gezogen.
Nicht etwa, dass sein Arm, im Kampf um Sieg und Recht,
Den Feinden nicht gezeichnet, ein blutiges Gefecht;
Dass Ruhm, der an sein Tun, so fest gebunden war,
Nicht schwankte zwischen ihm und Alexander gar;
Doch gegen mich, in Wut, sein Zorn so blind entbrannte,
Dass er sich viel zu schnell ins Unglück stürzte, nannte.
Ich sah die Scharen dort, geschlagen und zerstreut,
Soldaten in Unruh’, die um ihr Leben heut’,
Und ihn am Ende selbst, in ihrer Flucht gefangen,
Dem Sieger aus dem Weg, in Ängsten nun gegangen.
Sein Zorn, zu spät erwacht, er bat in seiner Not,
Um jene Hilfe noch, die er mir einst verbot.
ARIANE
Er bat! Und für das Land, dein eigen Volk, dein Reich,
Da wartest du auf Bitte? Dein Mut ist feig und bleich!
Du musst, trotz deines Willens, zum Kampfe dich erst quälen,
Und dich zum Retter selbst, mit Mühe erst erwählen?
Das Beispiel, das er bot, als er den Kampf gewagt,
Hat dir nicht laut genug, ins Ohr das Wort gesagt?
Der Held in großer Not, die Herrin in Gefahr,
Der Staat in Untergang – war das nicht offenbar?
Geh, diene deinem Herrn, dem dich die Schwester gab,
Vollende deine Tat, schick mich in’s dunkle Grab!
Behandle die Besiegten, wie’s dir der Herr befiehlt,
Kette deine Herrin an, während der Rivale spielt.
Doch wisset: Sein Verfall, und dein verbrech’risch’ Tun,
Hat ihn im Herzen mein, als Helden lassen ruh’n.
Ich lieb’ ihn, und bevor, der Tag zum Abend neigt,
Sei Haß und Lieb’ von mir, der Welt nun aufgezeigt!
Ich schwöre ihm die Treu’, vor deinen Augen hier,
Und schwöre dir den Haß, für alle Zeit mit dir.
Leb wohl, du kennst mich nun. Lieb’ mich, wenn’s dir gefällt.
TAXILE
Ach, hoff’ von mir nur das, was aufrichtig sich stellt.
Madame, erwartet nicht von mir des Kettenschlags,
Alexander weiß, was man, als König, würdig mag.
Erlaubt, dass Milde Euch, das Zepter lässt bewahren,
Das Porus leichtfertig, ließ in den Kampf entfahren,
Und selbst ich, blind vor Zorn, würde kämpfen gegen den,
Der diese heil’ge Hand, wollt’ schändlich untergeh’n.
ARIANE
Wie? Soll mein Zepter nun, gestärkt durch Eure Hand,
Ein Geschenk des Feindes sein, in meinem eignen Land?
Soll ich auf eignem Thron, durch einen Tyrannen sitzen,
Der mich verjagte erst, um dann die Macht zu stützen?
TAXILE
Könige und Königinnen, besiegt durch seine Tat,
Fanden durch seine Sorg’, Linderung für den Staat.
Seht Darius’ Weib und Mutter, in ihrem bangen Leid,
Die eine nennt ihn Sohn, die andre Bruder, weit.
ARIANE
Nein, nein, ich verkaufe nicht, mein Herz für einen Preis,
Einen Tyrannen lieben, im Untertanen-Kreis?
Denkst du, ich ahme nach, eine schwache Person?
Dass Ariane bleibt, an Alexanders Thron?
Und mit meinem Besieger, die Welt ich eilen muss,
Um seiner Ketten Süße, zu preisen mit Genuss?
Wenn er die Reiche gibt, soll er die uns’ren schenken,
Er soll sich and’rer Raub, zur Eroberung lenken.
Regiere! Porus, ich, wir sind nicht neidisch nun,
Und du wirst Sklave mehr, in deinem Könige-Tun.
Ich hoffe, Alexander, in Liebe zu dem Ruhm,
Erzürnt, dass deine Tat, befleckt sein Heiligtum,
Wird sich reinigen bald, durch deinen eig’nen Fall,
Verräter wie du, ernten meist Undank nur im Knall.
Leb wohl.
SZENE III
TAXILE, CLEOPHILE
CLEOPHILE
Gib nach, mein Bruder, doch, dem Zorn, der sie entflammt,
Alexander wird die Zeit, heilen, was dich verdammt.
Sein Zorn, was sie auch sagt, wird sich am Ende legen,
Er wird nicht starr beharren, auf ihrem Widerstreben.
Herr ihrer Schicksale, bist du ihr Herz nun auch.
Doch sag, sahst du den Sieger? In seinem Lebenshauch?
Was ist von ihm zu erwarten? Was hat er wohl gesagt?
TAXILE
Ja, Schwester, ich sah ihn, der alle Welt nun jagt.
Zuerst, der junge Glanz, der aus den Zügen spricht,
Schien kaum der Zahl der Taten, gerecht in seinem Licht.
Mein Herz, voll von dem Namen, wagte kaum zu glauben,
Dass Jugend solchen Ruhm, könne den Göttern rauben.
Doch diese Majestät, der Blick voll Heldensinn,
Verraten Alexander, als Sieger im Gewinn.
Gewiss, sein Angesicht, kündet von Größe schon,
Und seine Gegenwart, ist seines Willens Lohn.
Er kam aus dem Gefecht. Geblendet von dem Glanz,
Sah ich den Sieg in ihm, im Siegestaumel-Tanz.
Doch vergessend seinen Stolz, sah ich auf seine Art,
Die Güte in dem Blick, die er für uns bewahrt.
Sein Drang war nicht verstellt, er sprach mit Zärtlichkeit:
„Kehr zurück zur Prinzessin, in dieser Gnadenzeit,
Bereite ihr die Augen, den Sieger nun zu sehn,
Der seine Lieb’ und Sieg, wird vor sie niederstehn.“
Er folgt auf meinen Schritten. Ich hab’ nichts mehr zu sagen,
Schwester, dein eigenes Schicksal, musst du nun selber tragen.
CLEOPHILE
Du wirst alle Macht haben, oder ich nichts mehr.
TAXILE
Ich gehe nun… Doch man kommt. Er ist es, so ist’s schwer.
SZENE IV
ALEXANDER, TAXILE, CLEOPHILE, HEPHESTION
ALEXANDER
Geht, Hepheistion. Sucht Porus, mit Bedacht,
Schont sein Leben und das Blut, das man zur Flucht gebracht.
SZENE V
ALEXANDER, TAXILE, CLEOPHILE
ALEXANDER
(zu Taxile)
Herr, ist es also wahr, eine Königin, so blind,
Zieht vor Eure Tugend, die, die Porus nun bestimmt?
Doch fürchtet ihn nicht mehr. Sein Reich ist nun das Eure,
Besänftigt ihren Zorn, im Liebes-Feuer-Scheuer.
Herr zweier Staaten nun, Schiedsrichter ihrer Pflicht,
Geht, bietet drei Diademe, im hellen Sonnenlicht.
TAXILE
Ach, das ist zu viel, Herr, seid ein wenig sparsamer.
ALEXANDER
Ihr werdet meine Sorge erkennen, ohne Jammer.
Zögert nicht. Geht, wo die Liebe Euch nun ruft,
Krönt Euren Eifer, in der edlen Blumen-Duft.
SZENE VI
ALEXANDER, CLEOPHILE
ALEXANDER
Madame, ich gab dem Eifer, mein Wort und meine Kraft,
Kann ich nichts für mich tun, wo ich für andere schafft?
So freigebig mit Siegen, für meine Freunde bloß,
Bleibt mir nur steriler Ruhm, als mein erbärmlich Los?
Die Zepter, die ich gebe, vor Euren Augen hier,
Meine Lorbeeren, gekrönt auf Freunde im Revier,
Die Güter, die ich erobert, verbreitet auf ihr Haupt,
Zeigen, dass ein Sieg, mir nur den Frieden raubt.
Ich versprach Euch, dass mein Arm, in seinem Heldenlauf,
Euch nahe brächte, in den Göttern stetem Kauf,
Doch in demselben Moment, erinnert Euch, Madame,
Dass Ihr einen Platz mir verspracht, in Eurem Seelenstamm.
Ich bin gekommen. Die Liebe hat für mich gestritten,
Der Sieg selbst hat mein Wort, als Zeichen nun erlitten.
Alles weicht vor Euch. Nun müsst Ihr Euch ergeben.
Euer Herz hat’s versprochen, will es nun weiterleben?
Könnte es entkommen, dem Eifer, der nun glüht,
Eines Siegers, der nur nach Euch, in seiner Seele sprüht?
CLEOPHILE
Nein, ich behaupte nicht, dass dieses Herz nun bangt,
Sich gegen Eure Macht, als unbesiegt verlangt.
Ich zolle dem, was gebührt, der Macht Eurer Tugend,
Die unter Euren Füßen, bändigt die Lebens-Jugend.
Die Inder, sie sind schwach, vor Eurer Heldenmacht,
Sie fürchten Euren Mut, in der dunkelsten Nacht.
Wenn Ihr es wollt, wird Güte, in ihre Herzen dringen,
Und Liebe, selbst im Härtesten, zum Klingen bringen.
Doch, Herr, dieser Glanz, diese Siege, dieser Schein,
Sie machen mir Sorge, soll ich die Einzige sein?
Ich fürchte, einmal erobert, wird das Herz nun kalt,
Und Ihr verlasst es bald, mit Eurer Sieges-Gewalt.
Ein Held wie Ihr, dem Ruhm ist das höchste Gut,
Vielleicht ist der Sieg über mich, nur neuer Siegesmut.
ALEXANDER
Wie schlecht kennt Ihr die Wut, des Verlangens in der Brust,
Einer Liebe, die nach Euch, hat die größte Lust!
Ich gestehe, früher, inmitten der Armee,
Pochte mein Herz nur für den Ruhm, auf jedem Schnee,
Die Völker und Könige, als Untertanen nur,
Waren meine Ziele, auf meiner Sieges-Spur.
Die Schönheiten der Welt, sie schienen mir besiegt,
Wenn mein Herz, vor Hochmut, den fremden Reizen entflieht.
Verliebt in den Ruhm, unbesiegbar im Ganzen,
Sah ich mein Glück nicht, in den menschlichen Tänzen.
Doch ach, Eure Augen, diese liebenswerten Tyrannen,
Haben mein Herz, in neue Gefühle nun gespannt!
Dieser große Name „Sieger“ ist nicht mehr mein Ziel…
(Alexander hält inne)
SZENE VI
ALEXANDER, CLEOPHILE
ALEXANDER
Er bekennt mit Vergnügen, dass er nun unterlag,
Glücklich, wenn Euer Herz, in diesem letzten Tag,
Durch das Mitleid bewegt, auch Eure Macht gesteht,
Und Euer Blick dem Sieger nun als Macht ersteht.
Wollt Ihr denn immer noch, an ihrem Siege zweifeln?
Und meine Heldentaten, mir als Hochmut schleifen?
Als ob die schönen Bande, die mich fest umschließen,
Nur schwache Geister könnten in den Schlaf entlassen.
Durch neue Taten will ich Euch nun bald belehren,
Was die Liebe vermag, Alexanders Herz zu ehren.
Jetzt, da mein Arm, gebunden unter Eurem Gesetz,
Meinen Namen und den Euren hält, als festes Netz,
Werde ich durch den Glanz des Krieges berühmt machen,
Völker, die unbekannt, in fernen Erden lachen,
Und Euch Altäre weihen, dort, wo die wilde Hand,
Den Göttern ihre Opfer verweigert im ganzen Land.
CLEOPHILE
Ja, Ihr werdet den Sieg, dorthin gefangen tragen,
Doch zweifle ich, Herr, dass Liebe wird dort wagen,
Zu folgen. So viele Staaten und Meere dazwischen,
Werden bald mein Bild, aus Eurem Sinn verwischen.
Wenn der Ozean, gepeitscht, Euch sieht auf seinen Wellen,
Um die Eroberung der Welt, einst zu erhellen;
Wenn Ihr die Könige seht, an Euren Knien flehen,
Und die Erde vor Euch, in Schweigen wird vergehen,
Werdet Ihr denken, Herr, dass eine junge Fürstin,
In ihren Staaten fern, Euch noch vermisst, als Künstin,
Und in ihrem Herzen ruft, die Momente voll Glück,
Wo dieser große Eroberer, gab ihr den Blick?
ALEXANDER
Was? Glaubt Ihr, dass ich, mir selbst ein Barbar gleich,
Euch lasse an diesem Ort, in diesem einsamen Reich?
Wollt Ihr selbst eher verzichten, auf den Thron Asiens,
Wo ich Euch platzieren will, in Eures Lebens-Sens?
CLEOPHILE
Herr, Ihr wisst, ich hänge ab, von meinem Bruder sehr.
ALEXANDER
Ach! Wäre er allein, des Glücks Herr, das ich begehr’,
Das ganze indische Reich, geknechtet unter Euer Recht,
Würde bald meine Wahl wählen, in einem Gefecht.
CLEOPHILE
Meine Freundschaft zu ihm, ist nicht aus Eigennutz.
Beschwichtigt nur die Königin, die braucht Euren Schutz,
Und erlaubt nicht, dass ein Rivale, heut’ in der Not,
Weil er Euch trotzte, glücklicher sei als das Gebot.
ALEXANDER
Porus war zweifellos, ein großmütiger Rivale,
Nie zog so viel Tapferkeit, mich in die Wahl-Strahle.
Im Eifer des Gefechts sah ich ihn, traf ihn auch,
Und ich kann sagen, er wich mir nicht aus im Lebens-Hauch.
Wir suchten einander. Ein so edler Stolz,
Sollte zwischen uns enden, das Kampfes-Holz,
Als eine Menge Soldaten, sich warf zwischen uns,
Und begrub in der Masse, unsere Kraft-Kunst.
SZENE VII
ALEXANDER, CLEOPHILE, HEPHESTION
ALEXANDER
Wird dieser tollkühne Prinz uns endlich zugebracht?
HEPHESTION
Man sucht ihn überall. Doch was man auch versucht, in der Nacht,
Herr, bis hierher, sein Tod oder seine Flucht,
Verbirgt den Gefangenen, vor der Soldaten Sucht.
Doch ein Rest seiner Leute, im Flug eingekreist,
Scheint dem Sieger den Weg, zu versperren, wie’s heißt,
Bereit, den Tod zu verkaufen, mit letzter Pflicht.
ALEXANDER
Entwaffnet die Besiegten, brecht ihr Hoffen nicht.
Madame, lasst uns beugen, eine stolze Prinzessin,
Damit Taxile sich findet, in meiner Liebe-Essen;
Und da meine Ruhe, von der seinen muss hängen,
Vollenden wir sein Glück, um das meine zu besingen.
AKT IV
SZENE I
ARIANE allein
ARIANE
Hören wir niemals nur der Siege Schrei allein,
Die meine Feinde preisen, in ihrem stolzen Schein?
Kann ich nicht einmal, in solch’ tiefem Leid,
Mich unterhalten mit meinem Schmerz, in Einsamkeit?
Von einem verhassten Liebhaber, ständig verfolgt,
Muss ich am Leben bleiben, wie man mir nun grollt.
Man beobachtet mich. Doch Porus, glaube nicht,
Dass man mich hindern kann, zu folgen deinem Licht.
Zweifellos ist dein Herz, dem Unglück nicht entkommen,
Vergeblich sind Soldaten, die dein Leben haben vernommen.
Man fände dich im Lärm, deiner letzten Kraft,
Und wenn man dich sucht, nur unter den Toten schafft.
Ah, als du mich verließest, deine Glut verdoppelt,
Schien sie das Unheil zu ahnen, das mich nun hoppelt,
Als deine Augen, meine Schwäche entdeckt,
Und mich fragten, welchen Rang dein Herz in mir weckt;
Dass ohne Sorge um den Ausgang deiner Waffen,
Die Sorge um deine Liebe, ließ dich so ängstlich schaffen.
Warum verbarg ich dir, mit so vielen Umwegen,
Ein Geheimnis so fatal, für deines Lebens Segen?
Wie oft, deine Augen, meinen Widerstand brechend,
War mein Herz nahe daran, zu schweigen, nicht sprechend!
Wie oft, empfindsam für dein heißes Verlangen,
Entflohen mir Seufzer, in deiner Gegenwart gefangen!
Doch ich wollte zweifeln, an deinem Sieges-Sinn:
Ich erklärte meine Seufzer, für den Ruhm als Gewinn,
Ich glaubte nur ihn zu lieben. Ah! Vergib, großer König,
Ich fühle heute, dass ich nur dich liebte, wenig… nein, wenigstens nur dich!
Ich gestehe, der Ruhm hatte Macht über mich;
Ich sagte es dir hundertmal. Doch ich musste dir sagen,
Dass nur du mich zwangst, unter seine Gesetze zu tragen.
Ich lernte ihn kennen, als ich deine Taten sah,
Und egal mit welch’ Feuer, er mich lodernd nah,
Bei einem anderen als dir, hätt’ ich ihn weniger geliebt.
Doch wozu Seufzer, die sich in der Luft verlieren,
Die du nicht mehr hörst, in deinem Sieges-Zieren?
Es ist Zeit, dass meine Seele, zum Grabe fährt,
Und dir die Treue schwört, die so lange sich wehrt;
Es ist Zeit, dass mein Herz, als Pfand für sein Wort,
Zeigt, dass es nicht leben kann, an einem anderen Ort.
Denn glaubst du, ich wollte, leben unter dem Gesetz,
Eines Siegers, dem dein Tod, ausliefert das Netz?
Ich weiß, er will kommen, um mit mir zu sprechen,
Indem er mein Zepter gibt, will er das Schweigen brechen.
Er glaubt vielleicht, er glaubt, mein Hass sei nun vergangen,
Und diene seinem süßen Trost, als Sieges-Gefangenen.
Lass ihn kommen. Er wird mich sehen, deiner würdig noch,
Sterbend als Königin, wie du starbst im königlichen Joch.
ARIANE
Ach! Dass ein solch’ edler Geist, in solchem Lauf,
Gab seine ganze Lebenssorge nun auch auf,
Da er, von überall verraten und verfolgt,
Sich gegen Feinde stürzte, die nun sind gewollt!
Doch Ihr, wenn wahr es wäre, dass sein heißer Sinn,
Euch ebnete die Bahn, zum Ruhmes-Gewinn,
Warum, Herr, habt Ihr nicht, als Helden Ihr bestritten?
Musstet Ihr durch List, seine Tugend erst ermüden?
Und fern davon, zu tragen einen wahren Sieg,
Den Ruhm zu erwarten, aus eines And’ren Krieg?
Triumphiert! Doch wisst, Taxile in seiner Brust,
Streitet Euch schon ab, des Siegers Sieges-Lust,
Dass der Verräter sich, mit Recht noch rühmen mag:
Nur durch seine List, kam dieser Siegestag.
Und für mein Leid, ein Schauspiel doch recht grau:
Euch beide zu sehen, geteilt in der Schau.
ALEXANDER
Vergeblich wappnet sich, Euer Schmerz gegen mein Licht,
Man sah mich niemals rauben, das, was mir gebricht,
Und durch solch’ feige Sorge, die man mir zuschreibt,
Täuschen die Feinde, während der Sieg mir verbleibt.
Obwohl es scheint, ich sei durch Zahlen fast erdrückt,
Hab’ ich mich nie, in Schatten oder List zurückgezogen;
Sie sahen meine Faust, den Sieg nur in der Schlacht,
Und jeder Tag hat hell, mein Kämpfen dargebracht.
Es ist wahr, ich klagte, das Los Eurer Provinzen,
Ich wollte retten Euch, vor dem Fall Eurer Prinzen.
Doch hätten sie gefolgt, dem Rat, den ich bot fein,
Ich hätte sie gerettet, oder besiegt beide sein.
Ja, glaubt…
ARIANE
Ich glaube alles. Ich glaube, Ihr seid unbesiegbar.
Doch, Herr, reicht es, dass alles für Euch ist erreichbar?
Ist’s nur das Ziel, so viele Könige zu knechten?
Und ungeahndet, das Universum zu erbrechen?
Was taten Euch die Städte, gefangen und verheert,
Die Toten, deren Blut, den Hydaspes hat beschwert?
Was tat ich, dass Ihr kommt, um mich zu unterjochen,
Einen Helden, an den ich, mein ganzes Herz gebrochen?
Hat er Euer Griechenland, mit Fluten wohl bedroht?
Haben wir Völker erhoben, in Eurem Todesnot,
Und gegen Euren Ruhm, den Zorn erst ausgebrütet?
Ach! Wir bewunderten ihn, ohne Neid, wohl behütet.
Zufrieden mit dem Staat, aneinander unser Glück,
Erwarteten wir Bess’res, als Euren Siegesblick.
Porus begrenzte Wünsche, auf das Erobern eines Herzens,
Das ihn vielleicht heut’ nannte, den Sieger seines Schmerzes.
Ach! Hättet Ihr vergossen, nur solch’ edles Blut,
Wenn man Euch nichts vorwürfe, als diese eine Wut,
Fühlt Ihr Euch nicht, mein Herr, unglücklich in der Welt,
So fern gekommen zu sein, was uns zusammenhält?
Nein, trotz Eurer Sanftmut, die Eure Seele schmückt,
Ihr seid nur ein Tyrann, der uns das Leben drückt.
ALEXANDER
Ich sehe wohl, Madame. Ihr wollt, in Eurem Zorn,
Dass ich in Schimpfworten, entbrenne wie ein Dorn.
Vielleicht hofft Ihr, dass meine Geduld, nun müde,
Einen Riss bekommt, in meine Sieges-Güte.
Doch selbst wenn Eure Tugend, mich nicht hätte charmiert,
Madame, Ihr greift den Sieger an, der schon entwaffnet agiert.
Meine Seele, trotz Eures Hasses, empfindet Euer Leid,
Respektiert das Unglück, das Euch hält in Ewigkeit.
Es ist die Trübung nur, die Euch die Augen bindet,
Dass Ihr in mir, nur einen Tyrannen findet.
Ohne sie würdet Ihr, die Tränen und das Blut,
Nicht immer sehen als Befleckung, meines Ruhmes Glut.
Ihr würdet…
ARIANE
Ah, Herr, kann ich sie nicht sehen, diese Tugend-Pracht?
Die mich verzweifeln lässt, im Angesicht der Macht?
Sah ich nicht überall, den Sieg, der bescheiden schien,
Sich Eurer Arroganz, anzupassen, im Bemühen?
Seh’ ich nicht Skythen, Perser, unter Eurem Joch,
Sie preisen Eure Tugend, in ihrem Knechtschaft-Loch?
Doch wozu dient das Herz, das Ihr nun unterdrückt,
Zu sehen, dass man andernorts, Eure Güte schmückt?
Denkt Ihr, dass mein Hass, dadurch nun kleiner wird,
Weil man die Hand küsst, die mein Leben hier verirrt?
Tant’ Könige gerettet, durch Eure Hand befreit,
Tant’ Völker glücklich – machen sie mir Porus nicht bereit?
Nein, Herr, ich hasse Euch, umso mehr, je mehr man liebt,
Umso mehr, da ich bewundern muss, was mich betrübt,
Da das Universum, mir das Gesetz diktiert,
Und niemand außer mir, den Hass auf Euch anführt.
SZENE III
ARIANE, TAXILE
ARIANE
Naht Euch, mächt’ger König, Monarch von diesem Land!
Man spricht hier viel von Euch, man reicht Euch die Hand:
Man will für Euch bekämpfen, meinen heiligen Zorn;
Man sagt, Eure Wünsche seien mir zugeschworen,
Dass meine Strenge nur, Eure Liebe erst festigt;
Mehr noch: Man will, dass ich Euch lieb’, wie’s man mir bestätigt.
Doch wisst Ihr, welches Wagnis, Eure Flamme sucht?
Wisst Ihr, welcher Geheimnisse, mein Herz sich verbucht?
TAXILE
Ah! Madame, erfahrt nur, was mein Herz vermag,
Mit Hoffnung, so bezaubernd, in jedem neuen Tag.
Was muss ich tun?
ARIANE
Man muss, wenn man mich liebt,
Den Ruhm so sehr wie ich, in seinem Herzen webt;
Nicht mit Worten, sondern mit Tausend Taten beweisen,
Und Alexander hassen, wie ich ihn muss preisen.
Man muss marschieren, ohne Angst, im Alarm-Gewitter,
Man muss kämpfen, siegen, sterben, als stolzer Ritter.
Werft den Blick auf Porus, dann auf Euer Tun,
Und urteilt, wer von beiden, verdiente mein Ruh’n.
Ja, Taxile, mein Herz, im Zweifel offenbar,
Machte den Unterschied, zwischen Sklav’ und König, wahr.
Ich lieb’ ihn, ich verehr’ ihn. Und da ein eifersüchtig’ Los,
Ihm verwehrt den Genuss, so großartig und groß,
Seid Ihr mein Zeuge, für seinen Ruhm im Licht,
Meine Tränen werden wecken, sein Gedächtnis-Pflicht.
Ihr werdet mich sehen, in meinem Leid am Ende,
Stets von ihm zu sprechen, bei Euch, in Eurem Wende.
TAXILE
Also brenn’ ich vergeblich, für eine Seele aus Eis?
Porus’ Bild aus dem Herzen, keine Kraft, die es verweiß?
Wenn ich für Euch, den Tod such’ in der Schlacht,
Verlier’ ich mich, Madame, und Ihr lacht bei der Nacht?
Ich kann also nicht…
ARIANE
Ihr könnt meine Achtung gewinnen!
Im Feindesblut, könnt Ihr das Verbrechen entrinnen.
Die Gelegenheit lacht! Porus, im Grabe nun,
Sammelt die Soldaten, für sein letztes Tun.
Sein Schatten allein, scheint ihren Flug zu hemmen,
Die Euren selbst, beschämt, sich dem Verrat zu entfleuchen.
Geht, schürt das Feuer, das sie in sich noch tragen,
Rächt unsere Freiheit, die noch wagt zu klagen!
Von meinem Thron und Eurem, werdet ihr Wächter sein,
Gebt Porus einen Nachfolger, im Sonnenschein.
Ihr antwortet nicht. Ich seh’ an Eurem Gesicht,
Dass ein solch’ edler Plan, Euren Mut wohl bricht.
Ich schlage Euch vor, das Beispiel eines Helden –
Ihr wollt dienen? Geht, dient, und lasst mich, im Stillen zu melden.
SZENE IV
TAXILE, CLEOPHILE
CLEOPHILE
Ach! Lass diese Prinzessin, deren Hass uns nur plagt,
Die es als ihr Vergnügen sieht, wenn dein Herz klagt.
Vergiss sie…
TAXILE
Nein, Schwester! Ich will sie verehren.
Ich lieb’ sie. Und selbst wenn meine Blicke, die sich verzehren,
Nur ewigen Hass ernteten, trotz ihres Spotts,
Trotz deiner Worte, trotz meines Schicksals-Gottes,
Muss ich sie lieben, selbst gegen meinen Willen.
Ihr Zorn überrascht mich nicht – sie wird ihn stillen.
Es liegt an mir, an dir, die du mich hast verraten;
Wär’ ich nicht geliebt, wär’ ich nicht Opfer ihrer Taten.
Ich sähe sie, durch meine Sorge wohl verteidigt,
Zwischen Porus und mir, im Zweifel wohl bereinigt.
Wär’ das nicht Glück, ein bezaubernd’ Augenblick,
Sie zum Zweifel zu bringen, in ihrem kühlen Blick?
Nein, ich kann nicht mehr leben, unter ihrem Hass,
Ich werfe mich zu ihren Füßen, in das nasse Gras.
Ich eile. Ich biete mich an, um ihren Zorn zu stillen,
Gegen Alexander, gegen dich, nach ihrem Willen.
Ich weiß, wie sehr ihr brennt, füreinander heiß,
Doch ich vergaß meine Ruh’, um euren Preis.
Und ohne Sorge, was aus eurem Feuer wird,
Muss alles untergeh’n, bis mein Glück sich neu ziert.
CLEOPHILE
So geh’, kehr’ zurück zum Schlachtfeld, unverzagt,
Lass nicht erkalten, was dich innerlich jagt.
Warum stockt dein Mut, der eben noch so laut?
Lauf! Sie kämpfen bereits. Porus hat dich geschaut.
TAXILE
Was, Schwester? Man kämpft? Ist Porus wieder da?
CLEOPHILE
Er ist’s. Die Schläge klingen, er ist uns schon nah.
Er hat’s geahnt. Das Gerücht von seinem Tod,
Hat den Sieger wiegt in Sicherheit, in seiner Not.
Er kommt, zu überraschen den schlafenden Sinn,
Den Sieg zu stören, in seinem Sieges-Gewinn.
Er kommt – zweifle nicht – als Liebender, voller Wut,
Die Herrin zu entführen, oder zu vergießen sein Blut.
Was sag’ ich? Dein Lager, von ihr verführt,
Ist bereit zu folgen, von Porus’ Mut berührt.
Geh, als großmütiger Liebender, in den Streit,
Zum Schutz des Rivalen, in dieser Kampfes-Zeit. Leb wohl!
SZENE V
TAXILE allein
TAXILE
Was? Das Schicksal, beharrlich, mir Schaden zu bringen,
Lässt den Rivalen auferstehen, um mich zu bezwingen?
Wird er jene Augen sehen, die um ihn geweint,
Die ihn, selbst im Tode, mir noch vorgeeint?
Ah! Es ist zu viel. Sehen wir, was das Los mir noch weist,
Wem diese noble Eroberung schlussendlich verheißt.
Gehen wir! Warten wir nicht, in feiger Wut,
Dass dieser große Streit, endet ohne mein Blut.
AKT V
SZENE I
ALEXANDER, CLEOPHILE
ALEXANDER
Wie? Fürchtet Ihr Porus, selbst nach seiner Niederlage?
Schien Euch mein Sieg unvollkommen, in dieser Klage?
Nein, nein, er ist ein Gefangener, der mir nicht entgeht,
Den mein Befehl überall, in Fesseln schon dreht.
Statt ihn zu fürchten, solltet Ihr Mitleid nur zeigen.
CLEOPHILE
Gerade in diesem Zustand, muss Porus uns schweigen.
So tapfer er war, der Ruf seiner Tat,
Sorgt mich mehr, als sein Unglück, in seinem Staat.
Solange man ihn sah, mit einer Armee an der Seite,
Fand ich Trost in seinem Stolz, in der Sieges-Weite;
Doch nun ist er ein König, unglücklich und matt,
Ich zähle ihn nun zu den Freunden, in meiner Stadt.
ALEXANDER
Das ist ein Rang, den Porus nicht mehr verdient:
Er hat Alexanders Hass, zu sehr sich bedient.
Er weiß wohl, dass ich nur widerstrebend gesiegt,
Doch ich hasse ihn nun, wie er es bei sich wiegt.
Ich muss ein Exempel statuieren, auf Erden,
Ich muss durch ihn, den Krieg rächen, in allen Beschwerden.
Zweimal besiegt, von meiner Prinzessin gehasst…
CLEOPHILE
Ich hasse ihn nicht, Herr, das sei nicht verpasst.
Wenn es mir erlaubt wäre, auf sein Leid zu hören,
Würde ich sagen, er war der Größte, in unseren Chören.
Sein Arm war die Stütze, unserer Provinzen Not,
Vielleicht wollte er nur, im Kampf gegen Euer Gebot,
Dass man ihn würdig hält, unter Euren Schlägen zu fallen,
Und sein Name soll nun, wie der Eure hallen.
Doch wenn ich ihn verteidige, trifft der Sorge Blitz,
Meinen Bruder, und zerstört seinen Liebes-Sitz.
Solange Porus lebt, was wird aus ihm werden?
Sein Fall ist gewiss, und mein Ende auf Erden.
Ja, ja, wenn seine Liebe nichts erlangen kann,
Wird er mich schuldig nennen, dieser unglückliche Mann.
Und nun, da Euer Herz, bereit ist zu gehen,
Von Eroberung zu Eroberung, um die Welt zu verstehen,
Wenn der Ganges fließt, zwischen Bruder und Euch,
Wer hält seinen Zorn auf, in diesem Bereich?
Meine Seele wird fern von Euch, einsam verwehen.
Ach! Wenn er meine Seufzer verbietet zu sehen,
Was wird aus diesem unglücklichen Herzen dann?
Wird der Sieger es achten, dem ich es gewann?
ALEXANDER
Ah, es ist genug, Madame! Wenn sich dies Herz gibt,
Werde ich es hüten, egal was Taxile betrübt,
Viel besser als Staaten, die ich eroberte für Euch,
Nur um sie Euch zu schenken, in diesem Bereich.
Noch ein Sieg, und ich kehre zurück, mein Kind,
Mein Ruhm soll sein: Eure Seele regieren im Wind,
Euch zu gehorchen, und in Eure Hände zu legen,
Das Schicksal Alexanders, in Eurem Segen.
Die Mallier erwarten mich, zur Huldigung nun.
So nah am Ozean, was ist noch zu tun,
Als sich zu zeigen, diesem stolzen Element,
Als Weltbezwinger, der Eure Liebe nur kennt? Dann…
CLEOPHILE
Aber wie, Herr? Immer Krieg auf Krieg?
Sucht Ihr Untertanen, fernab von diesem Sieg?
Wollt Ihr für die Zeugen, Eurer glänzenden Tat,
Völker, die nicht kennen, Euren Ruhmes-Pfad?
Ihr werdet kämpfen in Klimaten so schwer,
Sie werden Euch entgegensetzen, ein leeres Meer,
Wüsten, die die Sonne verweigert zu erhellen,
Wo die Natur selbst, scheint in den Tod zu schwellen.
Und vielleicht wartet das Schicksal, mit geheimer Gier,
Auf Euch an diesem Ort, und will, dass Ihr dort, hier,
In Vergessenheit sterbt, begraben im Sand.
Wollt Ihr mitschleppen, die Reste der Armee in diesem Land,
Zwanzigmal erneuert, zwanzigmal verzehrt?
Eure Soldaten, deren Elend, das Mitleid belehrt,
Die Hälfte ist schon fort, an hundert Orten geblieben,
Ihre Klagen zeigen, wohin Ihr seid getrieben.
ALEXANDER
Sie werden marschieren, Madame, ich muss nur erscheinen.
Diese Herzen, die nun klagen, in den Reihen der Kleinen,
Werden wieder aufleben, um mir zu folgen,
Und stolz auf neue Wunden, aus den alten Wolken.
Doch nun, Taxiles Seufzer lass uns unterstützen,
Sein Rivale kann nicht mehr, seine Wege verletzen.
Ich habe es gesagt…
CLEOPHILE
Herr, die Königin kommt herbei.
SZENE II
ALEXANDER, ARIANE, CLEOPHILE
ALEXANDER
Nun wohl! Porus lebt! Der Himmel scheint, Madame,
Eure Wünsche zu hören, er kehrt zurück, in diesem Programm…
ARIANE
Ach! Er nimmt ihn mir für immer! Keine Hoffnung mehr,
Sein Tod war zweifelhaft, nun ist er gewiss und schwer.
Er stürzt in den Kampf! Vielleicht um mich nur zu sehen,
Um mir zu helfen, in diesen letzten Wehen.
Doch was vermag er allein, gegen eine Armee?
Vergeblich haben seine Taten, erweckt den Schnee
Der Furcht im Lager des Siegers, kurz nur einmal.
Er muss unterliegen, im Helden-Qual.
Könnte ich doch nur, beim Verlassen der Welt,
Ihm Ariane zeigen, wie es ihm gefällt…
Doch Taxile hält mich gefangen, und währenddessen,
Geht der Verräter, sich an seinem Blute zu messen.
In die Arme des Todes, wird er ihn führen,
Wenn er wagt, den Helden, noch einmal zu berühren.
ALEXANDER
Nein, Madame, meine Sorge hat sein Leben bewahrt.
Seine Rückkehr wird bald erfüllen, Eure Art.
Ihr werdet ihn sehen.
ARIANE
Eure Sorge für ihn? Der Arm, der ihn erschlug,
Wird Stütze ihm? Dass Alexander ihn nun trug?
Soll ich sein Heil von Eurer Hand erwarten?
Welch’ Wunder muss ich von dem Sieger noch starten?
Ich weiß es noch, Herr, Ihr habt es mir versprochen:
Dass ein Sieger nicht mehr stünde in den Schlachten, den verbrochenen.
Oder vielmehr: Dieser Krieger war niemals der Eure.
Der Ruhm, er waffnete beide, in gleichem Feuer.
Gegen so hohen Mut wollt’ er sich nur erproben,
Und Ihr griffet ihn an, nur um ihn zu loben?
ALEXANDER
Sein trotzig’ Schweigen, das meine Wut nur schürt,
Hätte einen strengeren Sieger wohl geführt.
Sein Stolz, im Falle, scheint nur noch zu wachsen.
Doch ich will aufhören, sein Feind zu sein, in den Achsen.
Ich lege, Madame, den Hass und den Titel nun ab,
Ich mache Taxile zum Richter, der Euch nun gab,
Die Wahl, ihn zu verderben oder zu verschonen;
Er allein entscheidet, wem die Gnade soll lohnen.
ARIANE
Ich? Ich sollte zu seinen Füßen um Asyl wohl flehen?
Und Ihr schickt mich zu Taxiles Güte, um zu sehen?
Ihr wollt, dass Porus eine solch’ niedr’ge Hilfe sucht?
Ach, Herr, Euer Hass hat seinen Tod nun verflucht.
Nein, Ihr suchtet ihn nur, um ihn zu vernichten.
Wie leicht lässt sich ein edles Herz doch verrichten!
Schon war mein Herz bereit, den Zorn zu vergessen,
Bewunderte Tugenden, die in Euch nicht gemessen.
Waffnet Euch also, Herr, mit Eurer grausamen Macht,
Blutig das Ende, einer so schönen Lebensnacht.
Nach so vielen Feinden, die Ihr habt erhoben,
Verliert nun den einen, den Ihr hättet gelobt.
ALEXANDER
Nun gut! Liebt Porus, ohne den Fall zu wenden,
Schlagt aus die Gunst, die Ihr habt in Euren Händen.
Argwöhnt mein Mitleid, als wäre es Neid nur,
Doch stirbt er, ist’s Eure Schuld, in Eurer Spur.
Er kommt. Ich will ihn selbst nun befragen,
Porus soll sein Schicksal, im eigenen Munde tragen.
SZENE III
ALEXANDER, PORUS, ARIANE, CLEOPHILE, HEPHESTION
ALEXANDER
Nun, Porus, da ist sie: Eures Stolzes Frucht!
Wo sind die Erfolge, die Ihr in Eurer Sucht?
Euer Stolz ist gebrochen, Eure Hoheit verfällt.
Ich schulde meinem Ruhm, ein Opfer, das er hält.
Nichts kann Euch retten. Doch ich will nochmals bieten,
Die Gnade, die Ihr schlugt, in allen Gebieten.
Ariane allein, rebellisch gegen mein Gebot,
Will Euch treu sein, bis in den Heldentod,
Und ohne Zögern wollt Ihr sterben, in dieser Pein,
Um nur ihr Geliebter, im Grabe zu sein?
Kauft nicht so teuer, einen Ruhm, der doch nicht zählt.
Lebt! Doch seid Taxile, in seinem Glück vermählt.
PORUS
Taxile!
ALEXANDER
Ja.
PORUS
Du tust wohl, und ich billige dein Handeln.
Was er tat für dich, muss sich in Lohn nun wandeln;
Er entriss mir den Sieg, mit Verrat und List,
Er verkaufte seine Schwester, die seine Ehre ist,
Er lieferte Porus aus. Was kannst du je tun,
Um seine Wohltaten zu tilgen, in deinem Ruhm-Tun?
Doch ich kam dir zuvor, bei deinem mühevollen Sorgen:
Geh, sieh ihn sterben, an diesem Schlachtenmorgen!
ALEXANDER
Was? Taxile?
CLEOPHILE
Was hör’ ich?
HEPHESTION
Ja, Herr, er ist tot.
Er stürzte sich selbst, in sein schicksalhaft’ Gebot.
Porus war besiegt, doch statt sich zu ergeben,
Schien er anzugreifen, um sein Ende zu beheben.
Seine Soldaten, zu seinen Füßen gefallen und bleich,
Schützten ihn mit ihren Körpern, im Tode nun weich.
Dort, wie in einer Festung, hielt sein Mut stand,
Gegen eine ganze Armee, mit seinem Schwert in der Hand,
Und mit einem Arm, der Tod und Schrecken brachte,
Verteidigte er den Zugang, während man auf ihn achtete.
Ich schonte ihn immer. Seine Kraft, sie schwand,
Bald wäre sein Leben gefallen in meine Hand,
Da stürmte Taxile, auf dieses Feld, in den Streit:
„Halt ein! Dieser Gefangene gehört mir, in dieser Zeit!
Es ist aus“, rief er, „dein Ende ist gewiss,
Porus: Stirb, oder gib mir die Königin, als Riss.“
Porus, bei diesem Wort, entflammt in seinem Zorn,
Hob den Arm, müde von Schlägen, wie ein Dorn,
Suchte seinen Rivalen, mit stolzem Blick, so fern:
„Hör’ ich nicht den Verräter Taxile, den Ungetreuen, so gern?
Diesen Verräter an mir, an der Liebsten, an mir selbst?
Komm, Feigling, Ariane ist dein, wenn du dich wölbst:
Ich will dir überlassen, diese illustre Beute,
Doch dein Arm muss sie nehmen, mit meinem Kopfe, heute.
Komm her!“ Bei diesen Worten, stürzten die Rivalen,
Ineinander, in einem Schlag, wie in Qualen.
Wir drängten uns dazwischen, um den Wahn zu beenden;
Doch Porus brach durch, in seinen wütenden Händen,
Erreichte Taxile, traf ihn, mitten ins Herz,
Zufrieden mit seinem Sieg, endet nun sein Schmerz.
CLEOPHILE
Herr, nun ist es an mir, meine Tränen zu weinen,
Das Gewicht Eurer Waffen, muss sich mit mir vereinen.
Mein Bruder suchte vergebens Eure Stütze, mein Herr,
Euer Ruhm ist ihm tödlich, er traf ihn zu sehr!
Was nützt ihm im Grabe, Alexanders Freundschafts-Schein?
Werdet Ihr ihn dort sehen, ohne Rache zu sein?
ARIANE
Ja, Herr, hört die Tränen der Cleophile an.
Ich beklage sie. Sie hat das Recht, Taxile zu bannen.
All ihre Anstrengung, ihn zu retten, war umsonst;
Sie machte ihn feige, in ihrer falschen Gunst.
Porus griff ihn nicht an; er bot sich selbst dar,
Dem Zorn, der gerecht, in seinem Ende war.
Was kam er zu suchen, inmitten der Schlacht?
Wollte er ihn retten, vor des Siegers Macht?
Er kam, um zu zermalmen, in seinem extremen Leid,
Einen König, den der Sieg selbst achtet in Ewigkeit.
Doch warum Euch berauben, eines solch’ schönen Vorwands?
Was wollt Ihr mehr? Taxile ist tot, im Land des Verstands:
Opfert ihm, Herr, dieses große Opfer nun,
Rächt Euch! Doch wisst: Ich teile sein Verbrechen in meinem Tun.
Ja, ja, Porus, mein Herz liebt nicht zur Hälfte.
Alexander weiß es, Taxile litt unter dieser Welle.
Ihr wusstet es nicht. Doch meine Freude ist groß,
Dass ich es sterbend sagen kann, in diesem Los.
PORUS
Ach! Madame, lasst ihre Schläge auf mich nun fallen.
Stört nicht das Schicksal, das Siegesrufe lassen hallen.
Ihr werdet mich vermissen. Welche größere Ehre,
Meinen Seufzern zu schenken, die Sieges-Leere?
Alexander, es ist Zeit, dass du bist befriedigt.
Besiegt, wie ich war, hast du das Ende erledigt.
Fürchte Porus! Fürchte diesen entwaffneten Arm,
Der die Niederlage rächt, in der Armee, so warm.
Mein Name kann neue Feinde nun erwecken,
Und hundert Könige, aus ihrem Schlaf wohl erschrecken.
Ersticke in meinem Blute, die Reste der Schlacht;
Geh, besiege sicher, die Erde, in deiner Pracht.
Doch erwarte nicht, dass ein Herz wie das meine,
Einen Sieger erkennt, oder bittet um reine –
Sprich! Und ohne zu hoffen, dass ich meine Ehre verletze.
Sehen wir, wie du zu nutzen weißt, die Sieges-Gesetze.
ALEXANDER
Dein Stolz, Porus, er lässt sich nicht beugen.
Bis zum letzten Hauch willst du mir trotzen, zeigen.
Wahrlich, mein Sieg muss vor dir erzittern,
Dein Name kann mehr, als Armeen zersplittern,
Ich muss mich wappnen. Sprich, sage mir frei:
Wie soll ich dich behandeln, in deiner Tyrannei?
PORUS
Als König.
ALEXANDER
Nun gut, als König will ich dich behandeln.
Mein Sieg soll sich nun endlich vollends wandeln.
Du hast es gewollt, du sollst nicht klagen,
Regiere weiter, Porus, ich gebe zurück dein Tagen,
Empfange mit meiner Freundschaft auch Ariane,
Zu solch’ süßen Banden verurteil’ ich euch, im Wahne!
Lebt, regiert beide, als Einzige von vielen Königen,
Bis an den Ganges sollt ihr Gesetze nun bringen!
(zu Cleophile:)
Dieses Urteil, Madame, mag Euch wohl überraschen?
Doch so rächt sich Alexander, ohne zu haschen.
Ich liebe Euch, und mein Herz, von Euren Seufzern berührt,
Wollte den Verrat rächen, der Euch zum Weinen führt.
Doch selbst Ihr würdet es als Beleidigung sehen,
Ließe ich einen wehrlosen Feind im Tode vergehen.
Er würde triumphieren, meinen Zorn besiegen,
Und als Sieger im Grabe, vor mir liegen.
Erlaubt, dass ich meine Bahn vollende, mein Leben,
Um Euren Augen meine Tugend ganz zu geben.
Lasst Porus regieren, gekrönt durch meine Hand,
Und befiehlt selbst dem Rest der Welt, im ganzen Land.
Nehmt an, was dieser Rang Euch nun diktiert,
Lasst Euer Reich bewundern, wie es floriert,
Und blickend auf den Glanz, der Euch nun umfließt,
Vergesst den Zorn, der aus Taxiles Schwester gießt.
ARIANE
Ja, Madame, regiert, und erlaubt auch mir,
Dass ich den Geist eines Helden bewundere hier.
Liebt und besitzt den charmanten Vorteil,
Dass die ganze Welt anbetet, Euren Helden als Heil.
PORUS
Herr, bis zu diesem Tag zwang mich die Welt zum Beben,
Euren Ruhm zu bewundern, in Eurem Streben.
Doch nichts zwang mich so sehr, wie diese Angst, zu sehen,
Dass Eure Tugend lässt meine eigene verwehen.
Ich ergebe mich. Ich gebe Euch den Sieg, den vollen.
Eure Tugend, ich gestehe, ist Eurem Ruhm verschollen.
Geht, Herr, unterwerft das Weltall Eurem Recht,
Ich werde selbst unterstützen, Euer Werk, als Knecht.
Ich folge Euch, bereit, alles zu unternehmen,
Euch einen Herren zu geben, wie Alexander, in allen Systemen.
CLEOPHILE
Herr, was kann ein Herz sagen, traurig und matt?
Ich murre nicht gegen Eure Tugend, in dieser Stadt.
Ihr gebt Porus das Leben und die Krone zurück,
Ich will glauben, dass Euer Ruhm ordnet solch’ Glück.
Doch drängt mich nicht. Im Zustand, den ich trage,
Kann ich nur schweigen und beweinen meine Klage.
ALEXANDER
Ja, Madame, beweinen wir einen Freund, so treu,
Lassen wir unsern Eifer zeigen, aufs Neu,
Und ein Grab, prächtig, soll die Zukunft lehren,
Von Eurem Schmerz und meinem Gedenken, in Ehren.