KÖNIG JAKOB I ÜBER DEN TABAK

GEDICHT VON TORSTEN SCHWANKE



Damit man den Missbrauch des gift’gen Krauts versteht

Und sieht, wie schändlich es um diese Sitte steht,

Ist es zuerst wohl recht, dass man den Grund beschaut,

Und wie er kam zu uns, der ekle Tabaksrauch.

Denn Bräuche, deren Fund auf gutem Grund geschah,

Weil man in ihnen einst Gewinn und Tugend sah,

Und die ein großer Geist, ein Fürst von hohem Stand,

Zuerst getragen hat hinein in dieses Land,

Die hält ein weiser Sinn, ein Geist voll Tugendzucht,

Mit Recht in Ehren stets als eine gute Frucht.

Doch bringt es umgekehrt nur Spott und Schande ein,

Wenn Bräuche, deren Quell muss Hohn und Wildheit sein,

Durch Kinderei und Lust an Neuem ungehört

In unser Vaterland so töricht eingekehrt;

Und dies ist wahrhaftig des Tabaks Ursprung hier,

Und so kam dieses Gift ins Land zu uns und mir.


Der Tabak, Kraut gemein, das fast schon überall

(Wenn auch mit eignem Nam’) wächst in der Welten All,

Ward von den Wilden einst im Indio-Land entdeckt,

Als Mittel gegen Pest und Pocken, die versteckt

Dies Volk so oft befiehl – wie jedermann wohl weiß –

Weil ihr unreiner Leib, versengt von Sonne heiß,

Und ihr extremes Land die Seuche stark gebiert;

So dass, wie durch sie erst die Pest ward eingeführt

In unsre Christenwelt, so kam auch der Tabak,

Als stinkend Gegengift für jene Sündenplag'.

Den faulen Qualm davon nutzt jenes Volk noch heute,

Damit ein Gift das andre fresse und erbeute.


Und nun, ihr Brüder mein, sagt, welche Ehr’ und Pflicht

Treibt uns zu ahmen nach, was jene Brut beschwicht?

Warum kopieren wir die wilden, nackten Knechte

In diesem Brauch, der stinkt und wider alle Rechte?

Wir, die wir stolz verschmähn, das Frankreich nachzuahmen,

Das doch als Christentum zuerst trug seinen Namen?

Wir, die des Spaniers Geist nicht dulden und nicht schätzen

(Des Reich dem Türken gleicht in Ländern und Gesetzen)?

Wir, sag ich, die im Krieg unüberwindlich waren,

Im Frieden reich und klug seit vielen, vielen Jahren,

Wir, die dem Nachbarn stets mit Hilfe beigestanden

(Doch niemals bettelnd selbst um Hilf’ im Elend rannten),

Soll’n wir ohn’ Schamgefühl uns jetzt so niedrig beugen

Und von der Wilden Kunst als feige Sklaven zeugen?

Sie, Knechte Spaniens, Auswurf der Natur,

Die fremd dem Bunde Gottes folgen ihrer Spur!

Warum gehn wir nicht nackt, wie jene Knechte gehn?

Warum ist Glas und Feder uns als Gold ersehn?

Ja, warum leugnen wir nicht Gott in unsrem Sinn

Und geben uns dem Dienst des Teufels selber hin?


Der böse, schnöde Quell, aus dem dies Kraut entsprang,

Passt gut zu seinem Weg, auf dem es uns bezwang.

Es ist noch nicht so lang, dass dieses Laster schlich

In unser Königreich, man kennt es sicherlich;

Ein jeder, der noch lebt, erinnert sich recht gut,

Wer es zuerst gebracht und wie es kam zur Brut.

Kein König, Sieger groß, kein kluger Arzt der Welt,

Hat importiert den Dunst und Qualm für gutes Geld.


Als man von Sieg sprach und Entdeckung neuer Reiche,

Bracht’ man drei Wilde mit, und diesen Brauch desgleichen.

Doch ach, das Mitleid weint: Der wilde Mensch verstarb,

Der wilde Brauch jedoch lebt fort und viel erwarb;

Ja, frisch in seiner Kraft! Ein Wunder ists für mich,

Dass solch ein Unkraut hier so tief im Volk verglich,

Das von Verhassten kam und schlecht begründet steht.

Wenn jene, die es rauchen, dächten, wie es steht

Und wofür man es braucht’ im fernen Ursprungsland,

Sie scheuten sich gewiss, dass man durch diesen Tand

Die Pocken ihnen zuschreibt; denn kein Arzt der Welt

Gibt Gegengift dem Mensch, den nicht das Gift befällt.


Man sagt zwar oft mit Recht, dass mancher Brauch, der schlecht

Begründet eingeführt, sich wandelt im Geflecht,

Und dass er später bringt Nutzen dem Staat und Land;

Drum prüfen wir nunmehr mit klugem, scharfem Verstand,

Ob nicht ein Gleichmaß herrscht von Ursprung und vom Nützen,

Und ob dies stinke Kraut uns wirklich kann beschützen.


Ich bitte euch von Herzen, seht die Gründe an,

Auf deren falschem Fund man diese Sucht begann;

Und welche Sünd’ vor Gott und Eitelkeit der Welt

Ihr tut mit diesem Dunst, der euch gefangen hält.


Vier Hauptargumente, die man nun dafür nennt,

Will ich zerlegen hier, wie man sie draußen kennt:

Zwei rühren von der Schau betrogner Ratio her,

Zwei von erfahrener Praxis, die doch falsch und leer.


Zuerst glaubt ihr als Satz der Medizin ganz fest:

Weil kühl und feucht das Hirn den Menschen leben lässt,

Sei alles trocken-heiß für dieses Organ gut;

Weshalb der heiße Rauch nur gut dem Kopfe tut.

Doch These wie Beweis sind falsch in diesem Streit,

Und der Entschluss daraus entbehrt der Richtigkeit.

Denn dass, weil kühl das Hirn, ihm Hitze dient als Heil,

Ist falscher Trugschluss nur und dumm zu jedem Teil.

Der Mensch ist aufgebaut aus vierelei Naturen

(Die aus vier Elementen zogen ihre Spuren).

Und obgleich alles mischt sich in des Leibes Raum,

Muss jedes Teil im Mikrokosmos (man glaubt es kaum)

Nach seiner eignen Art zu Einem mehr sich neigen,

Damit aus Dissonanz sich Harmonien zeigen,

Die für den ganzen Leib das Leben fest bewahren.


Bringt Gegenteiliges man nun in diese Scharen,

So stört man die Natur in ihrer rechten Pflicht,

Was folglich der Gesundheit das Genicke bricht.

Als wenn ein Mensch (weil heiß die Leber als Organ

Und Ofen für den Magen) dächte nun im Wahn,

Er müsst’ ein Bleigewicht auf Bauch und Leber legen!

Er würde wohl sehr schnell im Grabe sich bewegen,

Und wär befreit zudem von Völlerei und Sünden.

Oder als ob man wollt’, um Kühlung zu entzünden

Im Herzen, das voll Geist sich regt in stetem Schlag,

Ein schweres Pfund aus Stein (das niemand tragen mag)

Auf seinen Brustkorb drauflegen, den Takt zu zähmen;

Die Brust würd’ durch Gewicht nur schlimmen Schaden nehmen,

Und nimmermehr das Herz durch solche Kur genesen.

Und genauso ist es mit dem Gehirn gewesen:

Wenn einer, weil das Hirn voll Feuchtigkeiten ist,

Es heiß und trocken räuchert mit des Tabaks Mist,

Gewinnt er gar nichts draus, als dass er bald wird toll,

Weil Schlaf und Rast entfliehn, wovon der Kopf war voll.

(Denn Feuchtigkeit und Kühle bringen Schlaf allein).

Ich leugne freilich nicht: Sollt’ ein Organ in Pein

Aus Gleichgewicht der Vier, der Elemente weichen,

Und hin zur rohen, schlimmen Extremität hinreichen,

Dass dann Konträr-Medizin – wenn weise zubereitet

Und vorsichtig dosiert – der Heilung Weg bereitet,

Um der Natur zu helfen gegen Feindeswut;

Denn dies allein ists, was die wahre Heilkunst tut.


Doch nutzt man solche Kur nur, wenn es nötig ist;

Ganz anders als ihr tut, die ihr voll Laster wisst,

Dass jeder Stand und Mensch, jedwede Komplexion,

Den Tabak täglich nutzt als schlechten Modethron.


Zudem vernein ich kühn das zweite Element

Der These, weil das Kraut nicht trocken-heiß man nennt;

Vielmehr ist ihm ein Gift, ein böses, beigesellt,

Das der Natur des Menschen feindlich widerspricht,

Wie es der ekle Duft dem klaren Geist verspricht.

Die Nase, die als Tor des Geruchs dem Hirne dient

(Das als die Quelle selbst für diesen Sinn ergrünt),

Bezeugt uns fehlerfrei, ob ein Geruch, der nah,

Gesund fürs Gehirn ist oder schädlich auf der Bahn

(Es sei denn, dass der Sinn durch Krankheit ist verdreht,

Weil im Gehirn ein Geist voll Unmut stetig weht).

Dass dieser gift'ge Qualm nicht trocknen kann den Leib,

Bedarf Beweises nicht für Mann und auch für Weib;

Denn Rauch und Dampf an sich sind feucht nach ihrer Art,

Da sie der Luft verwandt und weich und unbehaart,

Und leicht zu Wasser weiter sich wandeln im Moment;

Wie man es ganz genau an Meteoren kennt,

Die, weil die Sonn' den Dampf aus Meer und Erde zieht,

Aus nichts als Dunst entstehn, der in den Lüften glüht,

Und sich als dichter Rauch in Regen, Reif und Schnee,

In Tau und harten Frost verwandeln auf der Höh;

Wie umgekehrt auch oft die regenvolle Luft

Als stürmisch wilder Wind zerfliegt in Dunst und Duft.


Das zweite Argument, das scheinbar weise klingt:

Dass dieser schmutz'ge Rauch, der in die Glieder dringt,

Durch Hitze und die Kraft, die seiner Art gegeben,

Den Kopf und Magen reinigt, um gesund zu leben,

Weil man gleich nach dem Schmauch viel Schleim und Rotz ausspeit.

Doch dieser Trugschluss wird durch das, was ich bereits

Vom Wetter oben sprach, ganz leicht im Nu zerschlagen:

Denn wie des Himmels Dunst, den heiße Strahlen tragen,

In kalter Luft gerinnt, zu Wolken sich verdichtet,

Und dann als Regen fällt, der auf die Erde gerichtet:

So wird der stinke Rauch, den man per Nase saugt

Und im Gehirn einsperrt, das feucht und kühl nichts taugt,

Durch dessen eigne Kält' zu Wasser kondensiert,

Und dann als Rotz und Schleim nach draußen abgeführt.

Ihr reinigt euch von nichts, als was ihr selbst geladen!

Wer Tabak nimmt zur Kur, nimmt nur noch mehr an Schaden;

Es ist, als ob ein Mensch, um Koliken zu meiden,

Nur Blähspeisen genießt, um später frisch zu leiden;

Oder um Nierenstein und Grieseln zu verhindern,

Sich Sand und Schotter kauft, um großen Schmerz zu lindern,

Und wenn er Winde lässt und Steine uriniert,

Der Nahrung dankbar ist, die solches erst gebiert!

Was die Natur vertreibt, damit der Leib nicht bricht,

Preist er als große Kunst – und merkt die Torheit nicht.


Die andren Gründe nun, die auf Erfahrung bauen:

Zuerst, das ganze Volk würd' nicht dem Kraut vertrauen,

Wenn man nicht selbst gesehn, wie gut es wirkt im Leben.

Wie leicht der Pöbel sich der Torheit hingegeben,

Wenn eine Neuheit kommt, und wie er blind ihr glaubt,

Das sieht ein kluger Geist, dem man die Sicht nicht raubt.


Sehn wir nicht täglich selbst: Bringt einer übers Meer

Ein neues Kleidungsstück, ein neues Gewand her,

Gilt der als geistlos bald, der es nicht nachgemacht?

Und so von Hand zu Hand wird es zur großen Pracht,

Nicht weil es Nutzen bringt, nein, weil es Mode ist!

Denn so regiert im Mensch die Selbstsucht und die List,

Und Neid brennt in der Brust von fast der ganzen Welt,

Dass man es wie der Freund und Nachbar schicklich hält,

Damit man gleichermaßen fähig scheint und groß;

Wie Affen ahmen wir die andren nach sinnlos

Und stürzen uns dadurch ins eigne Herzeleid.

Wenn an den Universitäten, die berühmt und weit,

Zwei Meister der Mathesis an einem hellen Tag

Behaupten, dass am Himmel ein Wunderzeichen lag,

Wird bald der größte Teil Studenten ihnen folgen,

Und schwören, dass sie sehn das Zeichen in den Wolken!

So ungern stehn sie nach an Sehkraft und Verstand;

Und so kommt dieser Brauch, der dumm, in unser Land:

Nur aus der Sucht nach Neuem und dem Volkswahn her,

Von dem ich oben sprach, wird diese Torheit mehr.


Der eigne Trugbeweis, der auf Erfahrung schwört,

Ist nur die Einzelform, die zu dem Wahn gehört;

Weil man behauptet hier, dass viele Menschen schon

Durch Tabak heilten Krankheiten und Schmerzenshohn,

Und niemand je erlitt durch ihn ein herbes Leid.

Hier herrscht ein großer Irrtum, Absurdität so breit!

Denn ists nicht falscher Schluss, den man in Logik lehrt,

Wenn man Non causam pro causa nimmt und ehrt?

Weil wohl ein kranker Mann, als seine Not war groß,

Den Tabak rauchte schnell, und ward die Sorge los,

Als die Natur sodann den Lauf zur Besserung nahm?

O, dann wars der Tabak, durch den das Wunder kam!

Dabei weiß jeder Arzt, dass Glaube und Einbildung

Die Lebensgeister weckt zu froher Milderung

Und so der Natur hilft, Krankheiten zu vertreiben.

Als Gegenbeweis für diesen Trug, den viele treiben:

Welch dummer Junge nicht, welch einfältige Maid,

Welch altes, tölpisch Weib, welch Bauer weit und breit,

Ist nicht als Arzt bereit bei Zahn- und Magenweh?

Ein jeder, den du triffst, rät dir zu einem Tee

Oder zu eigner Kur, und schwört bei Leib und Leben,

Dass es ihm oder Freunden Heilung hat gegeben?

Doch hoff ich, dass kein Mensch so töricht ist zu glauben

Solch Zeug, das uns den Sinn und den Verstand will rauben.

All dies kommt nur vom Trug, den ich schon nannt im Text:

Man nimmt als Ursach' das, was keinen hat behext.

Wenn einer mal Genesung findet nach dem Rauchen,

Muss der Tabak als Retter für alles Gute taugen.

Doch wenn im Rauch erstickt ein Mensch den Tod erfährt

(Wie es schon oft geschah), wird rasch ein Grund erfunden,

Ein andres Siechtum trug die Schuld an jenen Stunden!

So dankt die alte Metze dem Laster ihre Jahre,

Und sagt, die Unzucht reinige die Nierenpaare,

Vergisst jedoch, wie viele sterben an den Pocken

Im Lenz der Jugend schon, bevor die Knochen trocken.

So glaubt der alte Trunkenbold, das Saufen schütze ihn,

Und ließe seine Tage wie im Schweineeifer blühn;

Doch denkt er niemals dran, wie viele trunken sanken

Ins Grab, weit vor der Zeit, weil sie im Schnaps ertranken.


Welch größre Torheit gibts, als kühnlich zu befehlen,

Dass eine einz’ge Kur soll tausend Plagen stehlen,

Die doch verschieden sind und feindlich sich verhalten?

Denn jeder Arzt weiß gut, wie die Naturen walten:

Es gibt kein Heilmittel, kein Essen auf der Welt,

Das nicht in eigner Art dem Leibe widerbellt;

Weil jedes Teil im Menschen eigne Wege geht,

Dass – wie das Sprichwort sagt, das alt und weise steht –

Was für das Haupt ist gut, dem Halse Schaden bringt

Und auf den Schultern schwer und unerträglich klingt.

Denn gleichwie ein Soldat, der eine Festung bricht,

Zwar rings die Mauern belagert im Gefecht und Licht,

Doch seinen Einbruch wagt an jener schwachen Stell’,

Die er als morsch erkannt, um einzudringen schnell:

So greift die Krankheit auch das Glied im Körper an,

Das durch Gebrechen schwach dem Feind nicht wehren kann;

Obgleich der ganze Leib durch Mitleid heftig spürt,

Wie jene kranke Stell’ den Geist in Schmerzen rührt,

Weil durch die Nervenbahn das Leiden sich ergießt,

Und durch die Glieder all in stetem Strome fließt.

Drum drängt der kluge Arzt mit Mitteln, die bewährt,

Dass nur das kranke Teil gereinigt wird, genährt,

Was nur für diese Plag’ und jenen Saft erdenkt;

Doch wenn man solches Kraut in andre Leiden lenkt,

Bringt es so großen Schmerz, wie es sonst Heilung gab.

Ja, nicht nur wählt der Arzt die Kur mit Fleiß vorab,

Er prüft auch jeden Stand und alle Umwälzungen,

Damit die Arzenei wird passend aufgezwungen:

Das Klima, wo man lebt, der Sterne Lauf und Schein,

Die Phase von dem Mond, des Jahres Jahresreihn,

Des Kranken Alter auch, den Saft und die Natur,

Und ob der Leib ist schwach oder voll Kräfte nur.

Man darf für eine Plag’ nicht blind dasselbe wählen,

Man muss nach Umstand stets das rechte Mittel zählen.


Doch seht, wie umgekehrt durch Wunderzaubermacht

Der scharf geschmackte Rauch des Tabaks alles sacht

Zu heilen sich vermag (was keinem Kraut gelang),

Zu jeder Zeit und Stund’, bei jedes Alters Rang!

Er heilt den Schleimfluss ganz im Magen und im Haupt

(Wenn man den Dogmen blind und ihren Phrasen glaubt),

Obgleich er das Gehirn verdirbt und voller Wahn

Den Magen füllt mit Schleim durch allzu schnellen Plan.

Er heilt das Gichtgeschwür in Füßen, und als Wunder:

Im selben Augenblick fliegt sacht der Rauch darunter

Als Leichtes in das Haupt, dieweil die Heilkraft schwer

Hinab zum Zehlein rennt und hilft dem Kranken sehr!

Er bannt das Fieber rasch, macht nüchtern den, der trank,

Erfrischt den müden Mann und macht den Magen krank

Vor Hunger; und wenn man zu Bett zu gehn gedenkt,

Bringt er den tiefsten Schlaf, den uns der Himmel schenkt;

Doch wenn man schläfrig ist, so weckt er das Gehirn

Und schärft den Geist geschwind von Hinterhaupt bis Stirn!

Was nun die Pocken betrifft, so heilt er diese Pest

Nur bei den Indios, die Sklaven man dort lässt.

Hier wird er raffiniert im Engellande heut

Wo er nur feine Herrn von Edel-Not befreit.

O Allmacht des Tabaks! Und könnt’ sein Qualm vertreiben

Die Teufel aus dem Haus, dass sie nicht länger bleiben

(Wie Tobias’ Fisch getan, der sicher nicht mehr stank),

So wär’ er als Reliquie wertvoll, Gott sei Dank,

Für Priester voll von Wahn und stolze Puritaner,

Als Teufelsbannermittel für eitle Zeitenplaner.


Selbst wenn es wahr nun wär’ (was ich doch nie gesteh),

Dass dieser Rauch vertreibt so manches Krankheit-Weh:

Soll man ihn nutzen drum bei jeder Krankheit Not?

Soll ihn ein jeder Mensch rauchen bis an den Tod?

Zu allen Stunden gar? Und soll der junge Mann,

Der stark und kerngesund, sich hängen an den Bann?

Arznei hat jene Kraft, dass sie den Mann im Leben

Nie in dem Zustand lässt, der ihm zuvor gegeben:

Sie macht den Kranken heil, doch macht sie Kranke frei

Aus dem Gesunden erst durch ihre Tyrannei.

Wie nun Arznei der Natur hilft in der Not der Zeit,

So schwächt und nützt sie ab, wenn man sie nutzt im Streit

Als Dauergift und Zwang. Was sprech ich von Arznei?

Wenn man zu jeder Stund’ (wie hier die Mode frei

Den Tabak rauchen lässt) die beste Speise treibe,

Und feinsten Trank und Wein sich stetig einverleibe,

So würd’ durch diesen Brauch der Magen schwach und leer,

Das Haupt voll Trägheit sein, die Glieder matt und schwer;

Die Geister stünden still, und wie ein fauler Gott

Des Bauchs, verfällt man ganz der Schlafsucht und dem Spott.


Aus dieser Schwachheit kommt’s, dass viele hier im Land

Den eklen Schmauch so sehr genutzt mit Fleiß und Hand,

Dass sie ihn jetzt nicht mehr vermögen zu entbehren;

Gleichwie ein Trunkenbold sich nimmer kann erwehren,

Dass er nicht lange bleibt ohn’ Branntwein nüchtern-krank,

Weil seine Kraft verfällt ohn’ diesen Sünden-Trank.

Denn steter Brauch ward Pflicht, habitus – eigne Art;

Wie jene, die von Geburt an Gift nur aufgespart

Zur Nahrung, Gift allein als Speise gut vertragen,

Dieweil gesunde Kost bringt Tod in ihren Magen.


Nun ich die Gründe all, so denk’ ich, widerlegt,

Die man zum Schutz von diesem Laster vorgetragen,

Bleibt nur zu zeigen noch, wie ihr in diesen Tagen

Sünd’ und Eitelkeit begeht im schmutz’gen Dunstgebäu.

Zuerst: Seid ihr nicht voll von Geilheit ohne Reu’?

(Denn Geilheit wohnt im Sinn, nicht nur im Fleisch allein).

Wenn ihr im Wirtshaus sitzt bei gutem Essen, Wein,

Oder im Hurenhaus wollt lüstern Spiele treiben,

Könnt ihr ohn’ Tabakrauch nicht froh und lustig bleiben,

Weil er die Wollust weckt – wie Israel voll Gier

Nach Wachteln in der Wüste schrie im Wahnrevier?

Zum zweiten ist dies Kraut, wie ihr es schändlich raucht,

Ein Zweig der Trunkenheit, die alle Sünden braucht

Als Wurzel; denn die Lust, die man beim Weine spürt,

Kommt nur vom scharfen Geist, der in das Hirn aufbricht.

Kein Trinker liebt den Trank, der süß und ohne Gewicht!

Und sind es nicht genau die Hitze und der Rauch,

Die den Tabak so süß machen für euren Brauch?

Kein Mensch liebt starken Trank am allerersten Tag

(Kein Mensch wird ganz und gar verrucht auf einen Schlag),

Doch Stück für Stück verlockt die Sitte ihn zum Saufen,

Bis er nach Trunkenheit hat Durst im großen Haufen,

Wie ein gesunder Mann nach frischem Wasser schreit:

Ist dies nicht das Geschick der Raucher weit und breit?

Weshalb sie selber sagen, ein Zauber liegt im Kraut.

Zum dritten: Ists nicht Sünd’, dass ihr, die Gott vertraut,

Aus allen Ständen hier im großen Königreich,

Die ihr geschaffen seid, dem Fürsten treu und gleich

Gut und Blut zu weihn für Ehre, Land und Thron,

Euch selbst unfähig macht für diesen Ehrenlohn?

Am Leibe seid ihr schwach durch diesen Schandgebrauch,

Dass ihr nicht reiten könnt ohn’ euren Tabaksrauch

Die kurze Meile weit, die man am Sabbat geht,

Wenn nicht ein armer Knecht mit Kohlen Einsatz steht,

Um euch den Topf zu zünden! Wer im Kriege dient,

Muss Hunger, Durst und Schlaf entbehr’n, wenn Eisen grünt,

Und umso mehr den Rauch! In jener großen Zeit,

Als unsere Nation gewann manch stolzen Streit,

Sprach niemand vom Tabak. Doch wenn jetzt Krieg ausbricht,

Und man den Feind angreift im schnellen Ritt und Licht,

Und einer bliebe stehn, weil er erst rauchen muss –

Mich reute nimmermehr sein Tod durch Feindesschuss!

Sich Bräuche anzueignen, die man nicht lassen kann,

Bringt Verderben nur für jeden Staat und Mann.

Weichlichkeit und Pracht waren jener Sturz und Fall,

Der Perser und Rom warf hin ins Totenall.

Und dieser Tabaksrauch, von dem die Rede ist,

Gilt selbst den Wilden dort, wo man die Menschen frisst,

Als so verweichlicht-dumm, dass man auf dem Basar

Keinen Groschen gibt für einen Sklaven gar,

Den man als Raucher kennt und der am Qualme hängt.


Wie nun durch diesen Brauch das Gut euch wird entwendet,

Bezeuge uns der Adel, der das Geld verschwendet:

Drei-, vierhundert Pfund gibt mancher hin pro Jahr

Für diesen teuren Gestank, der doch von Nutzen bar;

Man schaffte Bessres an mit diesem großen Schatze!

Ich las von einem Höfling einst auf frechem Platze,

Der Severus’ Kaisergunst schändlich missbraucht für Geld,

Weil er Bestechung nahm, um Herrschaft in der Welt

Dem Kaiser einzureden (doch schwieg er wie ein Stein);

Der ward erstickt im Rauch zur Strafe für die Pein,

Mit dem Urteilsspruch: „Wer Rauch verkauft im Leben,

Soll nun im Rauche selbst den Geist nach oben geben!“

Doch dass so viele Käufer von Rauch im Lande hausen,

Davon las ich noch nie, und es erregt mir Grausen.


Und was an Eitelkeit in diesem Brauch ersteht!

Ist es nicht Schmutz und Tand, wenn man zu Tische geht,

An einem Ort voll Respekt, Modestie und Sitte,

Dass Männer sich nicht schämen in ihrer Freunde Mitte,

Die Pfeifen hin und her zu reichen voller Lust,

Und Dampf zu blasen frei aus der geschwollnen Brust?

Sie treiben diesen Dampf quer über alle Speisen,

Verpesten Luft und Raum auf ihren Sündenreisen,

Wenn oft ein andrer Gast, dem es gar sehr missfällt,

Dort sitzt bei seinem Mahl und sich im Hunger hält!

Der Rauch passt in die Küch’ weit besser als in Säle,

Und doch macht er zur Küch’ des Menschen eigne Kehle,

Befleckt das Innenleben mit ölig-fettiem Ruß,

Wie man bei manchem Raucher nach dem Tode muss

Bemerken, wenn man ihn seziert nach seinem Sterben.

Nicht nur die Essenszeit will dieser Brauch verderben,

Kein’ andre Handlung bleibt von diesem Schimpf befreit;

Wenn Dieppes Weiber nun in puncto Höflichkeit

Mit unserer Nation um guten Anstand stritten,

Wär’ ihr schlechtestes Benehmen viel feiner gelitten

Als unsres hierzulande! Der öffentliche Zwang

Zu jeder Stund’ und Ort schuf solchen Untergang,

Dass mancher kluge Geist und Mann von gutem Blute

Gezwungen rauchen muss, obgleich ihm nicht zu Mute;

Weil er sich schämt, dass er als einz’ger widerstrebt

(Wie jene Weisen zwei, als Regen hat gelebt,

Die sich im Schlamm durchnässten, um so dumm zu sein

Wie all das andre Volk in seinem Narrenreihn).

Es ist, als wenn man Knoblauch isst ohn’ eigne Lust,

Damit man nicht den Dunst riecht aus des Nachbars Brust.

Ist es nicht Eitelkeit, dass man den treuen Freund

Nicht anders grüßen kann, als dass man rauchend scheint?

Anstatt als Medizin gilt es als Bruderschaft;

Und wer die Pfeif’ verwehrt in kühner Eigenkraft

(Obgleich er lieber wollt’ an einer Gosse riechen),

Gilt als ein grober Gnom, der mürrisch weggekrochen –

Ganz wie beim Saufen man im kalten Osten tut.

Ja, selbst die Edeldame hält es für fein und gut,

Wenn sie dem Diener reicht aus ihrer schönen Hand

Die Pfeife voll Tabak als süßes Liebespfand!

Doch dies ist eitler Tand und schwere Gotteslästerung,

Des Schöpfers edler Gaben freche Niederlästerung:

Dass unsres Atems Süße, die Gott uns hat geschenkt,

Durch diesen Schandgestank wird bösartig gekränkt!

Ich gebe gerne zu, der Rauch wirkt hier zu stark,

Er frisst der Urnatur das beste Lebensmark;

Was Schmuck der Schöpfung war, durch Kunst nicht zu erwerben,

Und, wenn es erst verlor’n, für immer muss verderben,

Wird schändlich nun verpestet mit unheilbarem Stank.

Dies bricht die falsche These vom Nutzen Gott sei Dank;

Denn wie Verwesungsgift dem Leben widerstrebt,

So bricht der faule Qualm das Gut, wodurch man lebt.


Zudem, was Sünde ist und wider Menschlichkeit:

Der Ehemann schämt sich nicht in dieser eitlen Zeit,

Dass er sein zartes Weib, das rein und wohlgestaltet,

Zu jener Not zwingt, wo ihr süßer Atem veraltet,

Weil sie den Rauch mitschmeckt in ihrer Lippen Glut,

Oder im Qualm erstickt, der stete Qualen tut!


Habt ihr nicht Grund genug, euch tief und fest zu schämen,

Und Abstand ganz und gar von dieser Sucht zu nehmen?

Sie kam aus niedrem Grund, ward töricht aufgenommen,

Und wird im Missbrauch nun von jedermann beklommen!

Ihr sündigt gegen Gott, fügt Leib und Gut nur Schaden

Durch eitle Schande zu, mit der ihr euch beladen.

Ihr macht euch durch den Brauch zum Spott der fremden Staaten,

Ein jeder Fremde lacht ob euren Narrentaten!


Ein Brauch, dem Aug’ ein Gräuel, der Nase voller Hass,

Schädlich für das Gehirn, der Lunge giftig Fass,

Und der im schwarzen Qualm, der stinkend uns bedroht,

Dem Schlund des Styx gleicht aus dem Abgrund und dem Tod!