VON TORSTEN SCHWANKE
MEINER ÄRZTIN GEWIDMET
Von der Knechtschaft des Rauchs: Ein Lehrgedicht
Das Rauchen, Freund, ist nicht ein bloßer Zeitvertreib,
Es fesselt den Verstand und quält den müden Leib.
Was man als „Angewohnheit“ allzu gern benennt,
Ist eine Krankheit, die man als Sucht im Innern kennt.
Ob Kauen, Schnupfen oder Dampf aus der Apparatur:
Das Nikotin versklavt des Menschen Grundnatur.
Die Diagnose nach der Regel
Die Weltgemeinschaft hat im Buche festgeschrieben,
Den Tabakgebrauch als ein Leiden oft beschrieben.
Sechs Zeichen sind es, die der Arzt genau beschaut,
Damit er der Diagnose sein Urteil anvertraut:
Wenn drei davon im Jahr die Freiheit Dir geraubt,
Dann ist der Suchtverdacht als Diagnose erlaubt.
Zuerst das Craving, jener Drang, der heftig brennt,
Der keinen Aufschub und auch keine Ruhe kennt.
Dann fehlt die Kontrolle, man mindert nicht die Zahl,
Vergebliche Versuche sind eine bittre Qual.
Bleibt dann der Tabak aus, regiert der Entzug schwer,
Man ist gereizt und leer, der Schlaf kommt auch nicht mehr.
Die Toleranz steigt an, man braucht viel mehr vom Gift,
Damit die Wirkung noch die Nervenbahnen trifft.
Andre Interessen lässt man achtlos nun beiseite,
Weil nur die Zigarette im Leben Sucht verbreite.
Zuletzt der Fortbestand, obgleich der Schaden groß,
Man lässt das Laster nicht, kommt von ihm nimmer los.
Der Weg in die Bindung
Wie fängt es an? Erinnre Dich ans erste Mal:
War es ein Hochgenuss oder die reine Qual?
Der Körper wehrt sich erst mit Übelkeit und Schwindel,
Doch Nikotin betäubt das warnende Gebündel.
In zwanzig Sekunden fliegt der Stoff zum Gehirn,
Ergreift die Botenstoffe hinter Deiner Stirn.
Dopamin wird frei, Entspannung zieht sogleich ein,
Doch dieses Glück ist kurz und trügerisch im Schein.
Kaum zwanzig Minuten hält der Friede im Gemüt,
Dann fordert das Verlangen, dass das Kraut erneut glüht.
Die Rezeptoren wachsen, sie gieren nach dem Stoff,
Und fehlt die Zufuhr, gibt es im Innern harten Zoff.
Die Macht der Gewohnheit
Nicht nur der Leib ist schwach, die Seele lernt die Muster,
In festen Ritualen wird die Sehnsucht bewusster:
Zum Kaffee in der Früh, beim Bier nach getaner Tat,
Wenn man in froher Runde sich zum Plaudern naht.
Die Konditionierung macht den Geist zum treuen Knecht,
Man raucht aus Langeweile – und meint, es sei gerecht.
Manch einer glaubt, es sei wie Kokain so schwer,
Vom Tabak wegzukommen, das Herz ist oft so leer.
Das Gift allein ist schwach, doch im Gemisch des Rauchs
Entfaltet sich die Kraft des Sucht- und Teufelshauchs.
Drum hüte Dich vor Dampf und bunter Inhalation,
Wer einmal darin feststeckt, erntet kargen Lohn.
Von Giften und der List der Fabrikanten
Man mischt dem Tabak Stoffe bei mit kluger List,
Damit das Gift für Deine Lunge milder ist.
Zusätze machen nun den harten Qualm zum Schmaus,
Sie löschen Reize und den Hustenreiz fast aus.
So flutet Nikotin noch schneller in das Blut,
Vermehrt die Gier und schürt der Sucht gefährlich’ Glut.
Die Pausen schwinden hin, man greift zum nächsten Stiel,
Verstrickt sich tiefer noch in diesem grausame Spiel.
Der Leib im Würgegriff des Rauchs
Betracht’ den Körper nun, wie er am Gifte leidet,
Wenn er den reinen Pfad der Gesundheit entscheidet.
Fünftausend Stoffe ziehst Du mit dem Atem ein,
Davon soll’n neunzig gar des Krebses Ursprung sein.
Das Herz, es schlägt im Takt von Angst und schwerer Not,
Bei jedem siebten Toten bringt das Kraut den Tod.
Wie ein Passagierjet, voll besetzt mit Menschenleben,
Muss täglich diese Zahl dem Rauchen Tribut geben.
Die Adern werden eng, der Fluss des Bluts stockt bald,
In Händen und in Füßen wird es zügig kalt.
Die Lunge, einst so frei, verliert die feinen Haare,
Die Schleim und Staub entfernt’ durch all die Lebensjahre.
Nun sitzt der Husten fest, die Atemnot wird schwer,
Man schleppt sich mühsam fort, die Kraft ist lange leer.
Auch ungebornes Glück wird durch den Qualm bedroht:
Zu klein, zu schwach Geborne sind des Rauchens Lot.
Der Weg zur Freiheit und die harten Tage
Doch höre: Du kannst gehn, die Fessel bricht entzwei,
Setz jetzt den letzten Punkt, dann bist Du endlich frei!
Die Dopamine gehn, das Gehirn ruft nach dem Kick,
Es fleht um Nikotin und schaut auf Dich zurück.
Drei Tage sind die schwersten, dort ist die Not am größten,
Kein Kraut und keine Glut wird Dich in dieser Zeit trösten.
Doch bleibe standhaft nun, der Körper baut schon ab,
Nach zwei, drei Wochen lässt das bittre Sehnen ab.
Dein Puls wird ruhig nun, der Blutdruck sinkt sogleich,
Doch in der Seele bleibt das Feld noch lange weich.
Denn die Gewohnheit ist ein Gast, der zögernd weicht,
Zwölf Wochen braucht es fast, bis man das Ziel erreicht.
Manch einer wird gereizt, manch einer isst viel mehr,
Der Schlaf ist unruhig oft, der Kopf ist wirr und leer.
Doch all dies geht vorbei, wenn Du den Mut bewahrst
Und Deiner Lunge wieder reines Leben sparst.
Der Geist im Netz der alten Sitten
Wenn auch der Leib genesen und das Gift entwich,
So ruht der Geist noch oft im alten Sitten-Stich.
Die Sehnsucht kehrt zurück in manchen Augenblicken,
Will Dich mit Kaffee oder Bier erneut umstricken.
„Konditionierung“ nennt man diese dunkle Macht,
Die aus dem Alltag eine Raucher-Falle macht.
Die Kippe nach dem Mahl, der Stress, der einsam quält:
Hier zeigt sich, ob Dein Wille feste Ziele wählt.
Doch wisse: Craving ist ein Sturm, der schnell verfliegt,
Wer fünf Minuten standhält, hat bereits gesiegt!
Such Dir neue Wege, brich die Routine auf,
Und nimm für Deine Freiheit neue Mühen in Kauf.
Frage Dich klug: Wo lauert die Gefahr im Tag?
Damit Dein fester Vorsatz nimmer wanken mag.
Von Hilfe, Heilung und dem Goldstandard
Du musst den schweren Pfad nicht ganz alleine gehen,
Es gibt Programme, die Dir helfend beistehen.
Das Nichtraucher-Helden-Wort, durch Forschung nun bewährt,
Hat schon so manchem Geist die Freiheit neu erklärt.
Drei Monate Begleitung – Wissen, Rat und Tat,
Damit die Rückfall-Gefahr keinen Boden hat.
Der „Goldstandard“ vereint zwei Wege zum Erfolg:
Die Therapie des Geistes führt das tapfre Volk,
Gepaart mit Pflastern oder Kaugummis aus Gras,
Damit das Hirn vergisst, was einst so wichtig was.
Seit Kurzem zahlt die Kasse gar das Medikament,
Wenn man sich ernsthaft von der schweren Sucht nun trennt.
Ob Spray, ob Tablette – lass Dich ärztlich leiten,
Um sicher durch die Flut der Sehnsucht zu gleiten.
Des Dichters letzter Rat für Deinen Sieg
Bevor Du startest, schreib die Gründe tapfer nieder,
Warum Du frei willst sein – lies sie Dir immer wieder!
Wähl einen Tag mit Bedacht, wenn wenig Sorgen drohn,
Und wirf den Plunder weg – das ist der Freiheit Lohn!
Ascheimer, Feuerzeug, die Sünden im Versteck:
Was Dich verführen könnte, muss unwiderruflich weg.
Belohne Dich für Siege, seien sie noch so klein,
So kehrt das Glücklichsein ganz ohne Qualm nun ein.
Und solltest Du mal straucheln, steh sogleich wieder auf,
Setz fort den rauchfreien Weg im Lebens-Wanderlauf.
Die Sucht ist nur ein Schatten, der dem Licht erliegt,
Wenn Deine Kraft der Seele über das Kraut obsiegt.
Halt durch, es lohnt sich sehr – Dein Körper dankt es Dir,
Vom Nikotin befreit, im Jetzt und heute: Hier!
WEIHE DES NEUEN NICHTRAUCHERS AN MARIA, UNSERE LIEBE FRAU VOM TABAK
O Jungfrau, die Du thronst im reinen Himmelslicht,
Wo kein Gestank und Dampf die klare Sicht zerbricht,
Ich trete vor Dich hin, gezeichnet von der Not,
Vom grauen Suchtgespinst, das mir Verderben bot.
„Liebe Frau vom Tabak“, nimm diese Ketten an,
Die ich aus eigenem Will’ nicht länger tragen kann.
Ich weihe Dir den Atem, der nun wieder frei,
Vom Teer und Moderduft, von schwerer Sklaverei.
Nimm hin das Feuerzeug, die Asche und das Kraut,
Das meine Lebenskraft so tückisch hat verdaut.
In Deine milden Hände leg ich meinen Drang,
Wenn mich das Craving packt mit finstrem Zwang.
Sei Du mein Schild, wenn mich die alte Gier befällt,
Wenn beim Glas Schnaps der Teufel mir die Falle stellt.
Reich mir den Becher Wasser, die Luft so kühl und rein,
Lass mich in Todes-Stille nie mehr gefangen sein.
Wo früher blauer Dunst mein Angesicht umschlang,
Ertöne nun der Freiheit heller Lobgesang.
Ich schwöre hier vor Dir, dem Laster abzusagen,
Und die Entzugspein ganz mit Würde zu ertragen.
Denn unter Deinem Schutz, da weicht der Nebel bald,
Und Gottes Schöpfung glänzt in reinster Wohlgestalt.
O Mutter der Gesundheit, bewahr’ mir diesen Sinn,
Dass ich ab heute nur noch Nichtraucher – und Deiner – bin.