VON TORSTEN SCHWANKE
Ahnenschaft und frühe Klage
Konsul war ihm der Ahn, Metellus Oheim der Mutter,
Aber der Vater verfiel dem Gerichte der eigenen Schande,
Caecilia folgte dem Laster. Es stand Lucullus als Jüngling,
Ehe er im Amte noch diente, voll Eifer auf gegen den Kläger,
Welcher den Vater bedrängte; Servilius hieß er, der Augur,
Der dem Staate gemildert das Recht. Das Volk bewunderte tapfer
Diesen mutigen Schritt, wie die Brut edelrassiger Hunde
Gern sich stürzt auf die Bestie. Doch wuchs da heftiger Unmut,
Blut fland reichlich im Kampfe, Servilius wurde freigesprochen.
Geist und Redekunst
Griechisch sprach er wie Latein, voll Zier und geschmeidig im Ausdruck;
Sulla vertraute das Werk der Erinnerung seiner Gestaltung,
Ehe er selber es schrieb. Es glänzte die Rede des Mannes
Nicht nur scharf auf dem Markte, wo brausende Wellen sie pfeilgleich
Teilte wie Flossen den Thunfisch; auch abseits blühte sein Geist noch,
Reich an edlem Geschmack, der Philosophie sich ergebend.
Später gab er der Seele den Frieden nach blutigen Mühen,
Hielt den Ehrgeiz im Zügel, der einst mit Pompeius entbrannt war.
Einst versprach er im Scherze, die Kriege der Marser zu schildern,
Lateinisch oder auf Griechisch; das Los entschied für die Griechen.
Treue bewies er dem Bruder: Er harrte des Marcus im Alter,
Bis sie gemeinsam als Ädilen das Volk im Staate gewannen.
Im Dienste Sullas
Mutig erwies er sich früh im Kampfe der Marser, doch Sulla
Schätzte die Treue vor allem und gab ihm das Wichtige ab:
Münzen zu prägen im Land, die Lucullischen hießen sie lange.
Als bei Athen das Heer durch Schiffe der Feinde gesperrt war,
Fuhr Lucullus gen Süden, zu holen die Flotte von Ägypten.
Trotz des Winters Gebrüll und feindlicher Schiffe im Meere
Siegte sein Mut; auf Kreta gewann er die Herzen der Bürger,
Und in Cyrene stellte er Ordnung und Rechte den Menschen,
Eingedenk, was Platon einst sprach vom Glücke der Städte:
Schwerlich lenkt man ein Volk, das stolz im Segen der Zeit lebt,
Leichter fügt sich dem Rechten, wen Unglück beugte zu Boden.
Flucht und Empfang in Alexandria
Seeräuber griffen ihn an, viele Schiffe versanken im Meere,
Doch er entkam und gelangte stolz in den Hafen des Königs.
Ptolemäus empfing ihn in Pracht, wie man Könige grüßet,
Wohnung gab er im Schlosse, versehend ihn reichlich mit Speisen,
Vierfach mehr als gewohnt. Doch Lucullus nahm nur das Nötige,
Wies Geschenke zurück und meidete Prunk und Ägypten;
Nicht dem Beschaureichen passte die Muße, da drüben der Feldherr
Unter freiem Himmel die Mauern des Feindes umlagerte.
Der Weg nach Rhodes und die Taten zur See
Ptolemäus gab Schiffe zur Reise, verabschiedete freundlich
Diesen Gast mit dem Ringe voll Gold und kostbarem Smaragd,
Wo das Bildnis des Königs erglänzte; Lucullus empfing es,
Fürchtend den Zorn des Führers auf hoher See. In Cyprus
Täuschte er klug den Feind, hielt fest die Flotte am Ufer,
Segelte heimlich bei Nacht mit vollen Segeln nach Rhodos.
Rhodos gab Schiffe dazu, und Lucullus befreite die Inseln,
Trieb die Feinde aus Chios und verjagte den Herrscher Epigonus.
Mitridas floh nach Pitane, bedrängt von Fimbria festlich.
Fimbria bat Lucullus, die Flotte zum Hafen zu steuern,
Dass der gefährlichste König nicht entwische im Schiffe.
Doch Lucullus schlug ab das Begehren – war es die Treue
Gegen Sulla, der Bedenken trug vor dem Mörder des Freundes,
Oder die Hand des Geschicks, die den König ihm selber behielt?
Und so entkam Mithridates. Doch schlug Lucullus die Feinde
Vor dem Kap von Lectum und siegte bei Tenedos tapfer:
Damagoras lenkte das Schiff voll Kunst durch die Wogen,
Fing den Stoß des Rammbocks stumm mit dem spitzigen Hintern,
Bis die Freunde erschienen und Feinde die Flucht ergriffen.
Rückkehr und Erbe
Sulla half er hinüber nach Asien, wo Frieden geschlossen.
Zwanzigtausend Talente verlangte der Feldherr als Buße;
Gute Gesinnung bewies Lucullus beim Sammeln des Geldes.
Mitylene bezwang er durch List im blutigen Kampfe,
Fällte den Widerstand scharf und nahm viel Beute zur Belohnung.
Von den Verbrechen des Bürgerkriegs blieb er ferne im Osten.
Darum liebte ihn Sulla und gab ihm den Sohn in die Pflege,
Überging Pompeius – und säte den Keim von Rivalität.
Das Konsulat und der Streit um den Befehl
Sulla war kaum dahin, da trat Lucullus das Amt an,
Neben ihm Cotta bestallt. Doch entbrannte von neuem der Zorn schon
Über den König im Ost; und Lucullus entging die Provinz nicht,
Welche der Gaullier Land ihm verhieß, das ihm weglos erschien.
Neidvoll blickte sein Aug' auf die Siege des Pompeius drüben,
Welcher in Hispanien kämpfte und drohte zurück auf die Heimat
Plötzlich zu marschieren mit Macht; da verschaffte Lucullus dem Gegner
Mittel zum Kriege voll Hast, um die Wiederkehr drängend zu hemmen.
Cethegus, welcher das Volk durch schmeichelnde Künste betörte,
Hasste Lucullus gar sehr, der des Schandlebens Makel ihm vorwarf.
Quintus beugte er klug, der der Ordnung der Ahnen entsagte.
Die List um Kilikien
Damals verstarb der Regent von Kilikien; viele Begehrer
Umschmeichelten Cethegus; Lucullus doch dachte im Stillen:
Fällt mir Kilikien zu, so erhalte ich rasch das Kommando
Wider den mächtigen Feind. Drum suchte er Abweg und Bündnis:
Praecia lebte in Rom, eine buhlerisch reizende Frau nicht
Minder als schlau im Geschäft; ihr verfiel auch Cethegus voll Liebe.
Sämtlicher Ratsbeschluss hing nun ab vom Gefallen des Weibes.
Diese gewann er durch Gaben und kluges Geschmeichel für sich,
Dass nun Cethegus den Freund für die fernere Heimat empfahl.
Als ihm die Würde gewährt, bedurfte er jener nicht weiter;
Einstimmig übertrug man den Krieg nun dem tüchtigen Manne.
Der Marsch nach Asien und die Rüstung des Königs
In Italien warb er ein Heer, fuhr rasch zu den Truppen;
Fimbria-Männer, verwöhnt von Zuchtlosigkeit und der Habsucht,
Zugleich erprobt in der Schlacht, Zog er streng zur Disziplin nun.
Mithridates indess hat das Schauwerk vergebener Tage
Abgelegt; nicht Prunk, nicht Vergoldung verblendete Schilde,
Sondern von Eisen das Schwert und die Schilde nach römischer Artung
Führte sein Heer; auch Tausende Reiter voll Drill und die Wagen.
Schiffe belastet mit Waffen, nicht üppigem Tand der Konkubinen,
Brachte er mit. Schon neigten die Städte Bithyniens wieder
Sich ihm voll Freude zu, weil die Zinsen der Römer sie drückten.
Cottas Niederlage und das Wunder von Otryai
Aber Cotta, voll Gier nach dem Triumph vor dem Freunde,
Wagte die Schlacht vor der Zeit und verlor seine Mannschaft und Schiffe.
Eingeschlossen im Stadtbereich rief er Lucullus zu Hilfe.
Mancher verlangte im Lager, den Toren zu lassen im Schicksal,
Aber Lucullus sprach edel: "Einen Römischen Bürger zu retten
Ist mir viel lieber als alle die Schätze des Feindes zu rauben."
Als die Truppen sich nahten, da rüstete Marius zur Schlacht schon;
Doch mitten im Treffen entzweite der Himmel sich plötzlich,
Und ein brennender Körper voll Glanz wie geschmolzenes Silber,
Geformt wie ein Kragestein, schlug nieder zwischen den Heeren.
Staunend trennte der Schrecken die Streitenden rasch voneinander.
Die Belagerung von Kyzikos
Weil nun Lucullus verstand, dass Vorrat den Feinden bald fehle,
Hielt er die Truppen zurück und besetzte die Wege voll Umsicht.
Mithridates entwich in der Nacht, Kyzikos zu bedrängen;
Auf den Höhen von Adrasteia bezog er das Lager.
Flugs folgte Lucullus ihm nach und sprach zu den Seinen voll Stolz:
"Ohne Blutvergießen schenk ich den Sieg euch in Tagen!"
Rings von zehn Lagern umstellt war die Stadt, doch die Bürger
Hielten die Treue zu Rom, wiewohl sie den Retter nicht sahen.
Feinde täuschten sie gar: "Seht dort die Meder und Truppen
Tigranes' zur Hilfe erschaffen!" Doch Boten drangen durch Nächte,
Und ein Knabe bezeugte voll Lachen das Nahen der Römer.
Göttliche Zeichen
Auch die Unsterblichen sandten den Bürgern erhabene Zeichen:
Fehlte zum Opfer das Rind, so formten sie eines aus Teigwerk;
Doch die geheiligte Kuh schwamm selbst durch die Fluten zum Altare.
Persephone erschien Aristagoras nachts in dem Traume:
"Lybischen Pfeifer bring ich hinwider den pontischen Bläser!"
Morgens brach nun ein Sturmwind los von den Höhen des Südens,
Zerschmetterte Belagerungsmaschinen des Königs am Walle
Und stürzte den hölzernen Turm, voll Hundert von Elen gerundet.
Auch Pallas Athene erschien den Schläfern in Ilium schwitzend,
Zeigte den Mantel zerrissen und sprach von Kyzikos' Hilfe.
Der Fluch des Hungers und die Jagd am Rhyndakos
Als der Hunger das Heer Mithridates’ schrecklich verzehrte,
Flohen die Reiter voll Hast; doch Lucullus folgte im Schimmer
Schneebedeckter Gefilde, trotz Kälte und stürmender Winde.
Am Rhyndakos traf er die Schar und schlug sie vernichtend,
Dass die Frauen selbst den Erschlagenen Raubgut entrissen.
Tausende Pferde und Männer gerieten in Roms Gefangenschaft.
Sallust meldete kühn, dass Kamele den Römern da erstmals
Rings erschienen; doch kannten sie längst die erhabenen Tiere.
Die Seeschlacht bei Lemnos und das Schicksal des Marius
Mithridates entkam; doch Lucullus rüstete Flotten.
Aphrodite erschien ihm im Schlaf und sprach zu dem Helden:
„Warum schläfst du, o Löwe? Es harren die Rehe des Jägers!“
Morgens fand er die Schiffe des Feindes beim Vorgebirg ruhend;
Scharf umzingelt im Hafen bezwang er die Flotte voll Kühnheit.
Marius, der vom Sertorius kam, geriet in die Hände;
Einäugig war der Gemarterte; grausam traf ihn das Schicksal.
Sturm auf dem Meere und der Weg durch Galatien
Mithridates entwich auf den Fluten, doch stürzte der Unmut
Göttlicher Artemi nieder; die Wogen zerschmetterten Schiffe.
Rettung fand er kaum auf dem Kutter von wilden Piraten.
So siegte Lucullus zur See ohne Kosten des Staates.
Nun durchzog er Galatien; reichlich bot sich die Beute,
Dass ein Sklave vier Drachmen nur galt und Nahrung im Überfluss da war.
Murena blieb vor Amisos; Lucullus zog weiter gen Osten.
Die Gefechte bei Kabira
Mithridates versammelte Reiter voll Stolz bei Kabira.
Als die Römer zu weichen begannen im stürmenden Treffen,
Trat Lucullus den Fliehenden entgegen und hielt sie im Zügel.
Rasch gewendet schlugen die Seinen die Feinde zur Umkehr;
Strafend ließ er die Weichenden Gräben dann schaufeln im Lager.
Olthacus aber, ein Fürst aus den Stämmen der wilden Dandarier,
Sann auf den Mord des Lucullus, um Gunst beim König zu ernten;
Als Flüchtling getarnt erschlich er des Feldherrn Vertrauen.
Mordanschlag und Errettung durch den Schlaf
Schlaf, der schon manchem Regent das erhabene Leben gerettet,
Hielt auch Lucullus behütet. Der Meuchelmörder Olthacus nahte
Mittags dem Zelte voll Gier, ein erlogenes Bündnis zu melden.
Aber der Diener versagte den Eintritt: „Groß ist die Ruhe,
Welche der Feldherr bedarf!“ Und er stieß den Barbar von der Schwelle.
Schreck befiel da den Täter, er floh zu dem Königslager.
Die Flucht des Mithridates
Sornatius schlug und Adrianus zerstörte die Reiter,
Welche die Nahrung geraubt. Von Verzweiflung ergriffen beschlossen
König und Heer nun die Flucht; doch des Herrschers Verwandte und Diener
Rafften das Eigentum rasch und versperrten die Wege des Lagers.
Wut entbrannte im Volk, sie erschlugen die Diener und Raubgut
Wurde im Tumult zerstreut; Dorylaos verlor da das Leben.
Mithridates entwich auf dem Rücken des königlichen Pferdes;
Nahe schon nahten die Römer, doch Geiz hielt die Verfolger gebunden:
Mule geladen mit Gold warf der König zur Beute den Knechten,
Und im Gerumpel nach Gold vergaßen die Krieger den Sieger.
Das Grausamkeitswerk in Pharnakia
Kybira fiel und die Burgen voll Schätze; Lucullus befreite
Gefangene Griechen voll Mildtätigkeit. Doch Mithridates,
Ehe er fliehend entkam, gab den Befehl den Verwandten zu sterben:
Roxana, Statira, den Schwestern, wie Monime und Berenike,
Welche der König als Gattinnen einst in die Fremde getragen.
Monime riss das Diadem vom Haupt, um den Hals es zu schnüren;
Als es vergebens zerriss, spie sie aus und bot dem Henker die Kehle.
Mutter und Berenike tranken den Becher des Giftes gemeinsam,
Statira aber verscheid ohne Groll auf den Bruder im Tode.
Tiefen Schmerz empfand da der edle Lucullus im Herzen.
Das Schicksal von Amisos
Bis nach Talaura verfolgte er jenen, dann wandte er Schritte
Gegen Amisos die Stadt, die Callimachus tapfer verteidigte.
Aber Lucullus gewann durch die List das Gemäuer des Walles.
Fliehend zündete jener die Heimat an; Flammen ergriffen
Häuser und Mauern voll Pracht. Es weinte Lucullus voll Trauer:
„Sulla bezwang wohl sein Volk, doch mein ist das Schicksal des Mummius!“
Linderung schenkte er rasch den Vertriebenen, baute die Stadt auf,
Und den Tyrannio ließ er in Freiheit ohne Demütigung wandeln.
Gerechtigkeit in der Provinz Asien
Nun wandte er sich dem Recht in den Städten Asiens wieder:
Wucher und Raub der Pächter bedrängten die Bürger aufs Schwerste,
Eltern verkauften die Kinder, die Städte die heiligen Bilder.
Zinsen begrenzte er kühn auf ein Centum, tilgte die Schulden,
Welche durch Sullas Buße die Wucherer riesig vermehrten.
Hass der Geldverleiher verfolgte den Feldherrn in Rom nun,
Aber die Völker des Ostens gepriesen das Walten des Retters.
Der Stolz des Tigranes
Appius Clodius zog als Gesandter zum König Tigranes;
Trügerisch leiteten Guides ihn weit durch die Länder des Ostens,
Bis ein Syrer den Pfad ihm wies über Fluten des Stromes.
In Antiochia harrte er stolz des gewaltigen Herrschers.
Dieser bezwang die Parther, versetzte die Völker der Griechen,
Könige dienten ihm Knechten gleich, liefen am Wagen im Kittel,
Wenn er geritten kam; stolz und voll Hochmut waltete jener.
Appius Clodius und die Absage des Königs
Vor dem Stolze des Königs stand Appius ohne Erschrecken,
Forderte kühn Mithridates zurück für den Siegeszug Roms
Oder entbot ihm den Krieg; da verlor der Gewaltherrscher Haltung,
Welcher seit Fünfundzwanzig der Jahre kein freies Wort hörte.
Nein war die Antwort des Königs, doch sandte er Geschenke dem Boten;
Appius nahm nur die eine Schale und kehrte zum Feldherrn.
Das Opfer des Metrodorus und das Fest zu Ephesus
Mithridates rüstete neu; Metrodorus verfiel der Bestrafung,
Weil er den König verraten im geheimen Rate des Fremden.
Lucullus stiftete Ordnung im Land und erfreute die Städte
Durch Wettkämpfe, Feiern und Glanz; Lucullea benannten
Sie die Feste voll Dankbarkeit. Dann bezwang er Sinope,
Wo Autolykos ihm im Traume als Bildnis erschienen,
Welches der Sthenis geformt und am Ufer des Meeres geblieben.
Der Fluss Euphrat und die heilige Kuh
Machares sandte eine Krone voll Gold, und der Frieden war nahe.
Zweiundzwanzigtausend nur führte Lucullus zum Kriege
Wider Tigranes ins Feld; im Lager zwar murrten die Krieger,
Doch er durchschritt das Gebirge voll Hast und bezwang die Gewässer.
Sanft sank der Strom des Euphrat, als wollte er Fügung erweisen,
Und die geheiligte Kuh der Artemis nahte dem Felsen,
Neigte das Haupt ohne Zwang und bot sich als Opfer dem Sieger.
Der Blindheit Lohn und die Schlachten in Armenien
Köpfen ließ Tigranes den Boten, der Rechten ihm kündete;
Mithrobarzanes erst sprach ihm die Wahrheit voll kühner Gesinnung,
Wurde geschickt, um die Römer zu fällen und lebend zu bringen.
Sextilius schlug die Legionen des Gegners vernichtend;
Mithrobarzanes verblutete rasch in dem feurigen Gefecht.
Fliehend entwich da Tigranes vom Wall Tigranocertas;
Sextilius bezwang die Araber, Murena die Truppen
Mitten im Passe des Berges, und Beute fiel reichlich den Römern.
Die Belagerung von Tigranocerta
Lucullus zog zur Prachtstadt Tigranocerta rasch hin,
Wo viele Völker gewaltsam vereint im Elend gewohnt.
Der Hass der Unterdrückten loderte tief in den Mauern;
Doch Tigranes nahte mit unermesslicher Heeresgewalt,
Begleitet von Königen, Phalanxen und stolzen Reitern,
Lachte der kleinen Schar, die der Römer Feldherr geführt.
„Zu viele für Gesandte, zu wenige für den Kampf!“
Rief der Herrscher voll Spott, als er herabsah vom Berge.
Die glorreiche Schlacht am 6. Oktober
Doch Lucullus schritt kühn über die Fluten des Flusses;
„Den schwarzen Tag mach ich glücklich für Roms Legionen!“
Rief er den Seinen zu, riss blitzend das Schwert aus der Scheide.
Auf die Höh' stürmte er selbst, und den Panzerreitern voll Eisen
Galt der gezielte Stoß in die Schenkel und Beine der Männer.
Verwirrung ergriff die Barbaren; sie stürzten auf eigene Reihen,
Tausende fielen im Fliehen, unzählige Opfer entseelt.
Tigranes entwich voll Schande, die Krone verliert er im Tumult;
Ein gewaltiger Sieg erstrahlte dem Römischen Manne.
Mithridates’ Ankunft und der Fall der Stadt
Mithridates nahte zu spät, sah das Trümmerfeld liegen,
Weinte gemeinsam mit dem Besiegten um jegliches Glück.
Lucullus bezwang die Stadt, gab das Gold seinen Kriegern zur Beute,
Doch die gefangenen Völker entließ er voll Güte nach Hause;
Aus der Zerstörung der Einen erblühten viel Heimatstadt-Mauern.
Auch Zarbienus ehrt' er mit fürstlicher Leichenverbrennung,
Dem treuen Verbündeten Roms, und speiste das Heer aus den Schätzen.
Der Versuch gegen Parthien und der Marsch nach Artaxata
Lucullus verhandelte mit dem Partherkönig, erkannte jedoch dessen zweideutiges Spiel um Mesopotamien. Er beschloss daraufhin, Parthien selbst anzugreifen, musste diesen Plan jedoch wegen Aufruhrs unter den Truppen in Pontus aufgeben. Stattdessen wandte er sich erneut gegen Tigranes und zog durch rauere Klimazonen gegen die armenische Hauptstadt Artaxata. Am Fluss Arsania stellte sich Tigranes zur Schlacht. Die römischen Truppen schlugen die gegnerischen Reiter und Söldner schnell in die Flucht; die drei verbündeten Könige wichen erneut zurück, und Rom errang einen weiteren bedeutenden Sieg.
Winterstürme, Aufstand und die Belagerung von Nisibis
Der frühe Wintereinbruch mit Eis und Schnee erschwerte den weiteren Vormarsch massiv. Das Heer verweigerte den Dienst, weshalb Lucullus nach Mygdonia auswich und die reiche Stadt Nisibis belagerte. Unter dem Kommando von Callimachus hielt die Stadt stand, fiel jedoch schließlich. Lucullus begnadigte Gouras, verurteilte Callimachus aber wegen dessen früherer Taten in Amisos. Trotz dieser Erfolge wuchs die Unzufriedenheit unter den Soldaten, genährt durch die Unnahbarkeit des Feldherrn und politische Hetze aus Rom, wo man ihm Bereicherung und künstliche Längung des Krieges vorwarf.
Publius Clodius und die Meuterei der Legionen
Publius Clodius stachelte die verärgerten Fimbria-Veteranen gezielt gegen Lucullus auf, indem er auf die ungleichen Belohnungen im Vergleich zu den Truppen Pompeius' hinwies. Die Soldateska verweigerte den Dienst, während Mithridates in Pontus wieder an Boden gewann und die Römischen Einheiten unter Triarius vernichtend schlug. Als Lucullus versuchte, seine Truppen persönlich zu beschwichtigen, stieß er auf Demütigungen: Die Soldaten warfen ihm leere Beutel vor die Füße und forderten ihn auf, alleine zu kämpfen. Der Feldherr blieb weitgehend handlungsunfähig, während die Feinde das Umland verheerten und die abberufenen Soldaten nach Ablauf der Frist das Lager verließen.
Der Machtwechsel und das Treffen in Galatien
Roms Senat zürnte laut über Pompeius’ gelungene Tücke;
Nicht den Triumph nur entband man dem Feldherrn, das Werk war gestohlen.
Beide begegneten sich auf dem Boden der Landschaft Galatiens,
Grüßten voll Schein sich mit Kranz, doch im Herzen erlosch die Verbundenheit.
Pompeius tilgte das Recht und entzog ihm die Streitkraft der Krieger,
Ließ nur ein Häuflein zurück für den Zug durch die Straßen der Heimat.
Die Wiederkehr und der feierliche Triumph
Gaius Memmius klagte den Helden vergebens in Rom an,
Wollte verwehren den Festzug voll Glanz vor dem Volke der Bürger.
Doch durch der Edlen Gesuch erstritt sich Lucullus die Ehre:
Waffen und Kronen erstrahlten voll Pracht auf den Wagen des Siegers,
Schiffe und Gold und das Bildnis des Königs aus schimmerndem Metalle.
Reichlich beschenkt' er das Volk und die Veteranen der Schlachten.
Das Leben im Luxus und die späten Jahre
Servilia stieß er hinweg und entsagte den Händeln des Staates,
Wählte die Muße fortan und erbaute sich herrliche Sitze,
Wo er die Berge durchbrach und das Meer in die Teiche geleitet.
„Xerxes im Mantel!“ so rief voll Erstaunen der Philosoph Tubero.
Speisen voll Kostbarkeit bot er den Gästen im Saal des Apollo,
Wo er als reicher Bezwinger des Ostens im Wohlstand verweilte.
Die Bibliothek und die Liebe zur Philosophie
Eifrigen Geist bewies er im Schaffen der reichlichen Bücherei,
Offen für jeden Gelehrten erstand ein Pallast für die Musen.
Dort verweilte Lucullus voll Freuden im Kreise der Denker;
Antiochus aus Askalon ward ihm ein teurer Begleiter,
Der für die Alte Akademie mit Beredsamkeit stritt.
Der politische Rückzug und die Ränke Roms
Dennoch betrat er das Forum, wenn Gefahr drohte dem Senat,
Kreuzte die Pläne des Pompeius kühn an der Seite des Cato.
Darum erfanden die Gegner den Schelm Vettius voller Tücke,
Welcher Lucullus beschuldigte, Mord an dem Gegner zu planen;
Balg verriet die Entlarvung die Lüge der niedren Verräter.
Umnachtung und das Ende des Helden
Gänzlich entsagte er bald dem Getriebe; Verstand und Gedächtnis
Schwanden ihm hin durch den Trank, den der Knecht Callisthenes reichte.
Trauer ergriff das Volk bei dem Tod des erhabenen Siegers;
Auf dem Landgut bei Tusculum fand er die heilige Ruhe,
Wo ihm der Bruder rasch folgte im Tode voll liebender Treue.