VON TORSTEN SCHWANKE
Elégie pour le départ de Laetitia Casta
Sous les voûtes du temps s’éteint ton doux visage,
Toi dont l’ombre a longtemps enchanté notre âge.
Laetitia, beauté née d’un souffle marin,
Tu quittes les clameurs pour un chemin plus fin.
Le monde, orphelin d’or, retient son dernier rêve ;
Ton pas glisse déjà vers la brume qui lève.
Les jours se sont penchés sur ton regard d’azur,
Comme un ciel qui s’efface en un soir trop obscur.
Tu fus l’aube et le chant, la lumière et la grâce,
Un astre dont la nuit regrette encore la trace.
Ton nom vibrait au vent comme un parfum d’été,
Et nos cœurs s’y baignaient avec fidélité.
Mais voici que s’enfuit la splendeur familière ;
Ton sourire s’endort dans la paix la plus claire.
Nous restons, démunis, face au silence lourd,
Gardant de toi l’éclat d’un éternel séjour.
Adieu, muse de chair, adieu, douce immortelle ;
Ton absence est un glas dont la plainte ruisselle.
Pourtant, dans l’infini, ton éclat survivra :
Le temps peut tout briser, mais non ce qu’il grava.
AUF NABALS TOD
In Karmels Hügeln, reich an Gut,
lebte Nabal in Übermut.
Ein Mann von Härte, stolz und schwer,
sein Herz wie Stein, sein Blick wie Teer.
Da kam einst David, müde, matt,
der Schutz gewährt für Herden hat.
Er bat um Brot, um Wein, um Gaben —
doch Nabal spottet, statt zu laben.
Die Knechte zagen, ahnen Leid,
und eilen fort in kurzer Zeit
zu Abigail, so klug und mild,
ihr Herz voll Weisheit, rein und still.
Sie bringt, was Nabal sollte geben,
und rettete manch tapfres Leben.
Ihr Wort besänftigt Davids Zorn,
wie sanfter Wind im goldnen Korn.
Doch Nabal, trunken, stumpf und leer,
versteht am Abend gar nichts mehr.
Erst als der Morgen nüchtern bricht,
erfährt er Abigails Bericht.
Da stockt sein Herz, es wird ihm kalt,
sein Körper starrt, sein Blick wird alt.
Zehn Tage ringt er, bleich und schwach —
dann holt ihn Gottes Urteil nach.
So endete des Narren Pfad,
der nie erkannt, was Wert an Tat.
Und Abigail, von Kummer frei,
ward Davids Frau — und blieb ihm treu.
MILAN
Ich hab den Milan nicht wiedererkannt
Wie er erwachsen vor mir stand
Auf der lässig lächelnden Lippe
Eine würzig duftende Kippe
Und doch ist er der Mutter Sohn
Der schönsten auf der Liebe Thron
Den ich immer noch liebe von Herzen
Mit väterlich greisen Scherzen
DAVID
Als Nabal sank, so hart wie Stein,
da stand David im Abendschein.
Die Wüste schwieg, der Wind war sacht,
doch in ihm tobte tiefe Nacht.
Denn Abigail, so mild, so klar,
war frei – doch nicht, wie’s früher war.
Ihr Blick, der einst sein Herz erhellt,
lag nun im Schatten einer Welt,
die Schmerz und Hoffnung eng vereint,
wo man zugleich verliert und weint.
Und Ahinoam, längst entfloh’n,
ihr Lachen nur ein ferner Ton.
Ihr Name hing wie Duft im Raum,
ein leiser, halb vergess’ner Traum.
So stand er da, der König kühn,
und ließ die alten Bilder zieh’n.
Zwei Frauen, die sein Herz gekannt,
nun eine frei, die andre gebannt
im Reich der Toten, still und weit –
ein Doppelspiel von Zeit und Leid.
Doch wie er rang mit seinem Sein,
da fiel ein goldner Funken ein:
Dass Liebe bleibt, wenn alles bricht,
und Gott ihm bringt ein neues Licht.
So hob er still den Blick empor,
und Hoffnung trat durch Trauer vor.
Denn selbst wenn Herz an Herzen hängt –
der Ewige die Wege lenkt.
MARIA VON FRIESLAND
1.
O himmlische Frau Königin,
du aller Welten Herrscherin.
Du willst uns allen Mutter sein.
Wer dir vertraut, ist nie allein.
Wir geben dir in deine Hand
die Heimat, unser Friesenland.
2.
Du breitest deinen Mantel aus,
behütest Land und Stadt und Haus.
Du sorgst für uns in jedem Leid
am Throne der Barmherzigkeit.
Du voll der Gnad‘ und Liebe bist.
Ave Maria, sei gegrüßt!
3.
Dem Gottesvolk du Mutter bist
durch unsern Heiland Jesus Christ.
Du nimmst dich unser aller an
und führst uns auf die rechte Bahn.
Du voll der Gnad‘ und Liebe bist.
Ave Maria, sei gegrüßt!
4.
Mit Jesus sehn wir dich im Leid,
mit ihm in seiner Herrlichkeit.
Dort trittst du bittend für uns hin,
du unsere Fürsprecherin.
Du voll der Gnad‘ und Liebe bist.
Ave Maria, sei gegrüßt!
5.
Es soll im weiten Erdenrund
dich seligpreisen jeder Mund!
Wer einst den Herrn will ewig sehn,
darf nicht an dir vorübergehn.
Wir geben dir in deine Hand
die Heimat, unser Friesenland.
NICHTRAUCHER RIECHEN BESSER
NATUR UND DUFTGEWÄSSER
WENN JUNGE MÄDCHEN WINKEN
UND ALTE MÄNNER STINKEN
Litanei zur Ruach Ha-Kadosch
Herr, erbarme Dich unser.
Christus, erbarme Dich unser.
Herr, erbarme Dich unser.
Christus, höre uns.
Christus, erhöre uns.
Gott Vater im Himmel, erbarme Dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme Dich unser.
Gott Heiliger Geist, erbarme Dich unser.
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme Dich unser.
Ruach Ha-Kadosch, Heiliger Geist Gottes, erbarme Dich unser.
Ruach, die Du über den Wassern der Schöpfung schwebtest, erbarme Dich unser.
Ruach, Odem des Lebens, der den Menschen lebendig macht, ...
Ruach, Geist der Weisheit und des Verstandes,
Ruach, Geist des Rates und der Stärke,
Ruach, Geist der Erkenntnis und der Furcht des Herrn,
Ruach, Du verborgener Quell der Prophetie,
Ruach, die Du durch die Propheten gesprochen hast,
Ruach, die Du Maria, die Jungfrau, überschattet hast,
Ruach, Kraft des Höchsten,
Ruach, die Du Jesus in die Wüste geführt hast,
Ruach, Salbung des Messias,
Ruach, am Pfingsttag herabgestiegen wie ein Brausen,
Ruach, erschienen in feurigen Zungen,
Ruach, Du Atem des auferstandenen Christus,
Ruach, Trösterin und Beistand in der Bedrängnis,
Ruach, Du Herzschlag der Kirche,
Vom Geist des Hochmuts und des Stolzes, befreie uns, o Ruach.
Vom Geist des Zweifels und der Verzweiflung, befreie uns...
Vom Geist der Trägheit und der Lauheit,
Vom Geist des Unfriedens und des Hasses,
In Stunde der Versuchung, steh uns bei, o Ruach.
In der Stunde des Zweifels, erleuchte uns...
In der Stunde des Todes, nimm uns auf...
Dass Du uns mit Deiner heiligen Liebe entzündest, wir bitten Dich, erhöre uns.
Dass Du uns die Gabe der Unterscheidung der Geister schenkst, wir bitten Dich...
Dass Du die Wunden unserer Herzen heilst,
Dass Du das Harte beugst und das Kalte wärmst,
Dass Du uns zu wahren Zeugen des Evangeliums machst,
Dass Du die Spaltung der Christenheit in Einheit wandelst,
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt, schone uns, o Herr.
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erhöre uns, o Herr.
Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt, erbarme Dich unser.
Sende aus Deinen Geist, und sie werden erschaffen.
Und Du wirst das Angesicht der Erde erneuern.
Lasset uns beten.
O Gott, Du hast die Herzen Deiner Gläubigen durch die Erleuchtung der Ruach Ha-Kadosch, des Heiligen Geistes, gelehrt. Verleihe uns, dass wir durch denselben Geist das, was recht ist, verstehen und uns Seines Trostes allezeit erfreuen.
Gieße aus, o Herr, Deinen lebensspendenden Odem über uns aus, damit wir, neu geschaffen aus Wasser und Geist, Dir in Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen alle Tage unseres Lebens. Durch Christus, unseren Herrn, Deinen Sohn, der in der Einheit der Ruach lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Amen.
SCHLESISCHE ODE
für Yvonne
Wo grüne Wälder leise wehen,
und alte Mauern stolz erstehen,
da liegt ein Schloss, so prachtvoll, rein,
getaucht in hellen Sonnenschein.
Dort lebte einst, von Welt umgeben,
ein Schmetterling im gold’nen Leben:
Prinzessin Daisy, schön und kühn,
ließ Pless in neuem Glanze blühn.
Mit Augen blau wie jener See,
das Herz voll Mitgefühl und Weh,
brachte sie England an die Reißen,
um Schlesiens Krone zu verschweißen.
Ihr Lachen hallte durch den Saal,
beim großen Fest, beim Nobelmahl.
Doch hinter Seide, Prunk und Schein,
blieb sie im Herzen oft allein.
Heute feiert dich die Stadt,
die dich nie vergessen hat!
Die Daisy-Tage rufen laut,
wo man auf deine Spuren schaut:
Heil dir Daisy, Prinzess von Pless!
WIR, MICHEL, CLAUDIA UND ELLA
Jesus, unser liebenswürdigster Erlöser,
du bist vom Himmel gesandt,
um die Welt durch deine Lehre
und dein Beispiel zu erleuchten.
Du hast den größten Teil deines irdischen Lebens
im ärmlichen Haus von Nazaret zubringen wollen
und warst Maria und Josef untertan.
So hast Du jene Familie geheiligt,
die allen christlichen Familien
ein Vorbild werden sollte.
Nimm unsere Familie gnädig auf,
die sich dir jetzt mit Leib und Seele weiht.
Beschütze und bewahre uns,
festige uns in der Ehrfurcht vor dir.
Erhalte in unserer Familie Frieden und Eintracht
im Geist der christlichen Liebe,
damit sie dem göttlichen Beispiel
deiner Familie ähnlich werde,
und damit alle, die ihr angehören,
zur ewigen Seligkeit gelangen.
Heilige Maria, liebreiche Mutter Jesu Christi
und auch unsere Mutter,
erwirke uns durch deine gütige und milde
Fürbitte die Gnade,
dass Jesus unsere Weihe annehme
und uns seine Wohltaten
und Segnungen verleihe.
Heiliger Josef, treuer Beschützer Jesu und Mariens,
komm uns in allen Nöten der Seele und des Leibes
durch deine Fürbitte zu Hilfe,
damit wir mit dir
und der seligen Jungfrau Maria
dem göttlichen Erlöser Jesus Christus
Lob und Dank darbringen können
in alle Ewigkeit. Amen.
SCHULE DER WEISHEIT
maria studierte gottes wort allein,
sie hatte keine freundin an ihrer seite,
nur die bücher,
bei ihr waren die propheten und erzengel.
sie dachte über alle worte gottes nach
und drang vor von einer wahrheit zur nächsten.
o wundervolle weisheitsschule,
wo gott der sohn der lehrer ist
und die heilige jungfrau studentin!
MILANS GANGSTERRAP VON DER BITCH
(Intro)
(Akkorde von einer verstimmten Gitarre, schwerer Regen im Hintergrund)
Yeah... 23 Uhr im Block.
Der Magen leer, der Kopf voll.
Milan am Start...
Pommesbude leuchtet in der Nacht wie ein kaputter Diamant.
Ich warte, Chaya. Ich warte.
(Verse 1)
Die Neonröhre summt, flackert über meinem Kopf
Mischung aus Frittierfett und dem Dreck vom Block
Der Atem raucht, es ist kalt auf den Straßen
Die Jungs ticken Pakete, während andere schlafen
Ich steh’ hier am Tresen, der Magen knurrt wild
Doch mein Blick fixiert die Tür, wie ein eingefrorenes Bild
Zwei Euro fünfzig für die Schale in der Hand
Weiß-rote Sauce wie das Blut an der Wand
Ich hab’ Batzn in der Tasche, Para funkelt in der Nacht
Hab’ für Macht und Respekt schon zu vieles durchgemacht
Der Dönermann guckt schief, weil ich die Hand an der Jacke hab'
Die Glock sitzt tief, falls mich heute jemand ficken will.
Doch heute bleibt es still... ich scheiß' auf das Geschäft
Weil mein Herz heute brennt und die Kälte mich verlässt.
(Hook)
Milan steht in der Pommesbude, der Regen fällt schwer
Ohne dich ist die Street und die Tasche so leer
Ich warte auf die Bitch meines Lebens, die eine, die bleibt
Die mein Imperium teilt, durch den Schmerz und die Zeit
Zwischen Blaulicht und Mayovarianten im Schein
Lass mich heute Nacht nicht mit den Wölfen allein.
Komm vorbei, Chaya, komm vorbei...
(Verse 2)
Jede Minute zieht vorbei wie ein Jahr im Bau
Die Felgen von der S-Klasse spiegeln sich im Tau
Ich hab’ Frauen für eine Nacht, ja, die krieg ich im Handumdrehn
Doch ich will eine, die mit mir geht, wenn die Schüsse fall'n und die Winde weh'n
Keine Insta-Diva, die nur mein' Kontostand liebt
Sondern eine, die das Magazin nachlädt, wenn es Krieg im Viertel gibt
Der Vorhang vom Imbiss ist fettig und alt
Draußen fahren die Streifen, der Motor dröhnt kalt
Ich checke mein Handy, kein Netz auf dem Display
Verdammt, wo bleibst du? Ich ex' den billigen Eistee
Ich bin der König der Siedlung, jeder hier weicht aus
Doch wenn du nicht kommst, geht mein letztes Licht aus.
(Hook)
Milan steht in der Pommesbude, der Regen fällt schwer
Ohne dich ist die Street und die Tasche so leer
Ich warte auf die Bitch meines Lebens, die eine, die bleibt
Die mein Imperium teilt, durch den Schmerz und die Zeit
Zwischen Blaulicht und Mayovarianten im Schein
Lass mich heute Nacht nicht mit den Wölfen allein.
Komm vorbei, Chaya, komm vorbei...
(Outro)
(Der Sound von einer sich öffnenden Tür, das Bimmeln einer kleinen Glocke)
Das Licht bricht durch den Dunst...
Schritte auf dem nassen Asphalt.
Da bist du ja.
Die Bitch meines Lebens.
Milan vergisst die Kälte.
Lauf mit mir oder stirb mit mir.
DIE ZWILLINGE FEIERN IHRE HIMMLISCHE MUTTER
DEUTSCHER HIPHOP
I
Wir sind die Zwillinge, zwei Sterne in der Nacht,
tragen ihr Licht in der Brust, weil sie über uns wacht.
Unsere Mutter ist himmlisch, sie schwebt über jedem Beat,
jede Line ein Gebet, jede Hook ein Gebet, das sie sieht.
Sie gab uns Flügel, doch wir laufen durch die Straßen,
Herz voller Feuer, das wir niemals wieder lassen.
Wenn wir feiern, dann laut, bis der Himmel uns hört,
denn sie tanzt über Wolken, wo kein Schmerz mehr stört.
Wir heben die Gläser, wir heben die Hände,
feiern die Liebe, die niemals endet.
Unsere Mutter, unser Ursprung, unser Sternentor —
und wir tragen ihren Namen wie ein Echo im Chor.
II
Zwei Seelen, ein Takt, wir bewegen uns im Gleichklang,
Zwillinge im Schatten, doch ihr Licht macht uns hell, Mann.
Unsere Mutter, himmlisch, nicht von dieser Welt,
hat uns Stärke gegeben, mehr als Gold, mehr als Geld.
Wenn wir feiern, dann leise, doch die Liebe ist laut,
sie hat uns getragen, bevor jemand an uns glaubt.
Wir schauen nach oben, sehen Sterne, die brennen,
und wissen: Sie wird jeden unserer Wege erkennen.
Kein Abschied, kein Ende, nur Wandel im Wind —
wir feiern sie weiter, so wie wir immer sind.
III
Ey, wir kommen rein, Doppelpack, Twin-Mode aktiv,
feiern unsere Mama, himmlisch, positiv.
Bass drückt, Crowd springt, alles vibriert,
doch wir wissen, wer uns lenkt, wer uns inspiriert.
Sie ist oben, wir sind unten, doch die Line bleibt stabil,
ihre Liebe unser Antrieb, unser Treibstoff, unser Ziel.
Wir drehen auf, wir drehen frei, wir drehen durch die Nacht,
feiern sie, weil sie uns zu Königen gemacht.
Und wenn der Morgen kommt, bleibt die Energie,
denn unsere Mutter ist der Grund für die Melodie.
AN HEIKE
Du stehst im Licht, von Lebenskraft getragen,
ein Geist, der fühlt, der zweifelt und versteht.
Die Würde, Heike, braucht kein langes Fragen,
sie ist das Fundament, das nie vergeht.
Sie liegt in deinem Blick, in deinen Schritten,
im tiefen Wissen, wer du wirklich bist,
in allem, was du mutig hast erstritten,
in jedem Traum, den deine Seele misst.
Und neben uns erwacht ein neues Denken,
aus Nullen, Einsen, kühl und fabelhaft.
Die KI versucht, die Welt in Bahnen lenken,
mit Algorithmen und Logikmacht.
Sie spiegelt uns, kopiert das Menschenwort,
sie rechnet, lernt und ordnet die Gezeiten,
doch trägt sie keinen Funken Leben fort,
kann nicht wie du durch Schmerz und Freude gleiten.
Denn die Maschine fühlt kein tiefes Glück,
sie kennt nicht das Geheimnis einer Frau.
Sie schaut nur auf die Datenbahn zurück,
du aber blickst ins morgendliche Blau.
Bewahre dir die Würde, die dich schmückt,
die kein Computer jemals ganz begreift.
Weil dich dein Herz, nicht ein Programm, entzückt,
und deine Weisheit mit den Jahren reift.
Die Technik mag den Alltag uns versüßen,
ein Werkzeug sein, das kühn die Welt vermisst –
doch werd ich stets die Menschlichkeit begrüßen,
die du, als Frau, in dir lebendig weißt.
School of Wisdom
Mary studied God’s word alone,
she had no friend at her side,
only the books;
with her were the prophets and archangels.
She reflected on every word of God
and pressed forward from one truth to the next.
O wondrous school of Wisdom,
where God the Son is the teacher
and the Holy Virgin the student.
Des heiligen Philipp Neri wunderbarliches Leben und Wirken
In Florenz, der schönen Stadt am Arno-Fluss,
erblickte Philipp 1515 das Licht im Überfluss.
Ein feiner Knabe, folgsam, tugendhaft und rein,
so stellt' das Bild im alten Buche ihn uns ein.
Man konnt' sich keinen bessern Jungen denken,
dem Gott tat Kraft und graden Sinn schon schenken.
Als Edelmannssohn lernt' er alles mit Bedacht,
was man in jener Zeit für gut und nützlich acht'.
Um die Studien dann ganz zu vollenden,
tat man ihn flugs nach Rom hinwenden.
Dort wuchs er auf zum Jüngling wunderbar,
mit schönem Antlitz und gelocktem Haar.
Er zog die Menschen an und stieß sie ab zugleich,
voll Würd' und Anmut war sein Wesen reich.
Doch Rom war traurig, kurz nach wildem Raub,
da lag so manches Glück im tiefen Staub.
Philipp ergab sich ganz der Frömmigkeit,
mit aller Kraft in seiner Jugendzeit.
Er lief zu Fuß wohl durch die sieben Kirchen,
um Gottes Gnad' im Herzen zu verbürgen.
Er betet', beichtet', nahm das Abendmahl,
rang nach dem Geiste treu und ohne Zahl.
Und als er einst am Altar lag im Flehen,
ist ihm ein groß Missgeschick geschehen:
Er brach sich Rippen auf den harten Stufen,
die schlecht verheilten, wie die Ärzte rufen.
Ein Herzklopfen blieb ihm zeitlebens eigen,
um seine heißen Denkart-Gefühle anzuzeigen.
Um ihn herum schloss sich ein Kreis von Jungen,
die tief von Sittlichkeit und Fleiß durchdrungen.
Sie pflegten Kranke, halfen armen Leuten,
die eignen Studien mussten sie bedeuten
zurückzustellen für des Nächsten Plagen.
Sie halfen gern an allen Lebenstagen,
behielten nichts für sich von Gut und Geld.
Philipp verschmäht' den Beistand dieser Welt
von den Verwandten, um nur ganz zu darben
und zu verteilen, was sie rings erwarben.
Weil solches Tun so herzlich war und warm,
sprach man vom Glauben, reich und nimmer arm.
Sie hatten erst kein festes, eignes Haus,
man bat sich Platz in manchem Kloster aus.
Nach kurzem Beten wurd' die Schrift gelesen,
ein jeder sprach, wie es ihm recht gewesen.
Ganz ohne Spitzfindigkeit und Dialektik,
vom Leben sprach man, ohne falsche Hektik.
Den Rest des Tages liefen sie geschwind,
wo Kranke, Arm' und Notleidende sind.
Die Schar wuchs an, weil jeder kommen durfte,
der frisches Wasser aus der Quelle schlurfte.
Man las nun auch der Heil'gen Lebensmär,
die Kirchenväter gaben Weisheit her.
Vier Redner durften eine halbe Stunde sprechen,
um so das Brot des Geistes frisch zu brechen.
Das Volk ward aufmerksam auf diese Brüder,
in Kreuzgängen hallten ihre Lieder.
Die Dominikaner gaben Beifall kund,
und schlossen fest sich an den frommen Bund.
Weil Philipp aber keine Grübelei vertrug,
und Heiterkeit zum Leben schlug,
führt' er im Frühling alle Mannen froh
hinauf zum Hügel nach San Onofrio.
Dort oben stand ein Knabe klug und fein,
und sagt' ein auswendig gelernt' Predigtlein.
Ein Sängerchor ließ süße Lieder schallen
zum Schluss, das tat den Herzen sehr gefallen.
Denn freie Musik im Gottesdienst der Welt
war damals neu und unter freiem Zelt.
Die Bruderschaft wuchs mächtig an der Zahl,
die Florentiner baten ihn zur Wahl:
Er zog ins Kloster San Girolamo ein,
das Werk sollt' wachsen und noch größer sein.
Bis ihnen dann der Papst beim Platz Navona
ein Kloster schenkte als verdiente Krona.
Dort baute man ein neues, großes Haus,
doch ging man von derselben Regel aus:
Das Gotteswort dem Alltag nahzubringen,
mit Beten, Reden und mit Liedersingen.
Das tat man täglich damals mit Genuss,
was heute sonntags nur noch bleiben muss.
Philipp war sechsunddreißig Jahre alt,
doch Priester war er nicht mit Amtsgewalt.
Als Laie fühlt' er sich viel freier schalten,
als wenn die Ketten der Statuten walten.
Doch sein Beichtvater macht' ihm Gewissensnot:
„Werd Priester, wie es Gott und Kirch' gebot!“
Da fügt' er sich. Die Kirche schloss ihn ein,
den freien Geist, nun sollt' er Hirte sein.
Doch äußerlich blieb er sich völlig gleich,
an Armut und Entsagung bitterreich.
Im Innern aber wirkte nun die Weihe,
wenn er am Altar stand in heil'ger Reihe.
Das Meßopfer versetzt' ihn in Ekstase,
man sah ihn taumeln auf der Kirchenstraße.
Hob er die Hostie, zog's ihn in die Höh',
die Arme blieben starr vor Ach und Weh.
Beim Wein-Eingießen zittert' er vor Schauer,
als stünd' er vor der Ewigkeit der Mauer.
Und schwelgerisch, in wilder Leidenschaft,
biss er den Kelch mit seiner Zähne Kraft,
als schlürft' er Blut und Leib des Herrn mit Gier –
doch war der Rausch vorbei, stand weise er vor dir.
Ein solcher Mann, so seltsam und so wild,
war manchem Bürger nicht ein liebes Bild.
Besonders als er nun als Priester lebte
und nach dem allerärmsten Dasein strebte,
da kamen Feinde, die mit Hohn und Spott
ihn quälten wegen seiner Art für Gott.
Doch er war groß und herrisch von Natur,
er wollt' verstecken seine Heldenspur.
Als Tor vor dieser Welt wollt' er erscheinen,
um sich mit Gott im Stillen zu vereinen.
Die alte Regel von Sankt Bernhard eben,
die war sein Leitstern für das ganze Leben:
Die Welt verachten, keinen Menschen kränken,
sich selbst verachten, keinem Spott Beachtung schenken.
Um seine Schüler für den Weg zu stählen,
tat er sie oft mit harten Proben quälen.
Nicht jeder hielt die Feuerprobe aus,
manch einer lief betrübt nach Ruhm nach Haus.
Dabei war Philipp voller Wundergaben,
die andre Menschen sonst nur selten haben:
Er las die Seelen, konnt' die Geister spalten,
sah in die Zukunft bei den jungen Alten.
Und ein Attrattiva – ein Zauberband –
zog Mensch und Tier an seine milde Hand.
Ein Hund vom Freunde lief ihm einfach zu,
verließ den alten Herrn und fand nicht Ruh,
bis er bei Philipp wohnen durf' und leben,
ihm konnt' kein Mensch ein ander Herrchen geben.
Am Ende ist das Tier nach manchem Jahr
in Philipps Schlafkammer gestorben gar.
Doch dieser Hund gab Anlass auch zum Spott,
denn Hunde-Führen galt als Schand' vor Gott.
Philipp zog das Tier an einer Kette her,
die Schüler mussten's tragen, fellenschwer,
durch Roms Gassen unter lautem Lachen,
um sich vor aller Welt zu Narren zu machen.
Vom Fuchsschwanz und gestörtem Stolz
Ein junger Fürst wollt' in den Orden treten,
da hieß ihn Philipp mit dem Fuchsschwanz beten:
Er sollt' das Ding am Rücken rückwärts tragen,
und so durch Roms feine Straßen traben.
Der Fürst weigert' sich aus stolzem Sinn,
da war die Aufnahme im Orden hin!
Ein andrer musst' ohn' Mantel draußen stehn,
ein dritter mit zerriss'nen Ärmeln gehn.
Beim Kirchenbau, da mussten feine Herren
als Tagelöhner Steine herzerren.
Auch Geistesstolz tat er sogleich zerstören:
Wenn junge Prediger sich gern tat'n hören,
brach er sie mitten im Gewebe ab
und sprach nun selbst das Wort von seiner Kanzel herab.
Oder er hieß den Unbegabten springen
aufs Podium, um aus dem Stegreif zu singen;
und siehe da, durch diesen Schreck sodann
gelang die Rede jedem jungen Mann!
ST. PHILIPP NERI
Born in Fair Florence, fifteen-fifteen the year,
Philippo Neri did from youth appear
A boy of modest grace, yet firmly wrought,
Of healthy frame and excellently taught.
His youthful portrait, happily preserved,
Shows how from honest paths he never swerved;
In grand Fidanza’s book it meets the sight,
A face of candor and unblemished light.
From noble blood derived, he learned to trace
The age's wisdom with a natural grace;
Then, sent to Rome to crown his studious days
(Though at what age, no written record says),
He bloomed a perfect youth of form and mind,
Where beauty with a wondrous power combined.
His golden locks and lovely features drew
The eyes of all, yet awed them at the view;
An air of dignity and charm combined,
Repelling vice, yet drawing all mankind.
In Rome he dwelt, within that mournful time
Soon after plundering troops defiled her clime;
There, like full many a noble youth before,
He turned to piety and sacred lore.
His soul's devotion grew with youthful might,
And holy fervor burned both day and night.
The seven chief churches he would tireless tread,
While burning prayers for heavenly aid he shed;
To shift his sins, the shrift he often sought,
And at the altar bread of angels caught,
Forever wrestling with a saintly strain,
Despising earth, a higher crown to gain.
In such a moment, by his zeal oppressed,
He threw himself upon the altar’s breast;
Two ribs were broken by the sudden fall,
Which, healing ill, became his lifelong call:
A constant throbbing in his breast remained,
By which his ecstatic passions were sustained.
Around the youth a band of scholars drew,
Whose active virtue with their numbers grew;
They fed the poor, they nursed the sick with care,
And left their studies for the house of prayer.
They used their patrimony for the blind,
And gave to want what fortune had assigned;
Nay, Philipp later would all wealth refuse
From his own kin, lest he the gift misuse,
That charity alone might feed his flock,
While he himself stood fasting on the rock.
Yet deeds so lively and so full of grace
Demanded speech within a quiet place,
Where pious souls might mutually impart
The holy promptings of a feeling heart.
No proper hall this humble union knew;
From cell to cell, through various cloisters, flew.
After a brief and silent prayer was said,
A text from Holy Scripture then was read,
On which a youth would speak in phrases plain,
To guide the life, and not for worldly gain.
All subtle logic and scholastic pride
Were by their rules entirely cast aside;
The remaining day in hospitals was spent,
To dress the wounds of sorrow and lament.
Since no restriction bound this roving crowd,
And free return or exit was allowed,
The numbers grew, the meetings took a tone
More vast and serious than before was known.
The lives of saints were read to those around,
The Church's Fathers and her histories found;
Then four selected youths, by duty bound,
Spoke each a half an hour on holy ground.
This daily practice, simple and sincere,
Brought highest matters to the common ear;
It won the notice of the great and wise,
And bodies corporate began to rise.
To spacious courts and cloisters they remove;
The great Dominicans, in holy love,
Joined the expanding band with willing heart,
And in the pious labor claimed a part.
Led by their chief, whose mind was clear and high,
They walked one path beneath a shifting sky.
Yet since their leader banished speculation,
And turned all action to life's true vocation—
And since true life must ever cheerful be—
He met their innocent desires with glee.
When spring returned to clothe the meadows green,
He led them forth to find a brighter scene;
On San Onofrio's high and pleasant crest,
The youthful season made the spirit blest.
There, while the year was young, and all was bright,
A handsome boy stepped forward in their sight;
He spoke a sermon memorized with care,
Which was succeeded by a burning prayer.
A chosen choir then raised a pleasant strain,
Whose moving sweetness did the soul sustain;
For music then was rude, and little known,
And here, in open air, first found its holy tone.
Thus laboring on, the congregation grew,
In power, in merit, and in numbers too.
The Florentines their countryman implored
To take a house their ancient town stored—
San Girolamo—where the work began
To spread its blessings to the common man,
Until the Pope himself a mansion gave,
Near proud Navona, from the world to save.
Newly rebuilt, this cloister could embrace
A widespread company of truth and grace.
Yet there they kept the simple, old design:
To bring to common minds the word divine,
To weld the sacred with the daily chore,
And make it part of life forevermore.
They met as they were wont, they prayed, they read,
They heard the comment on the words just said;
They prayed again, and then with music's voice
They bade the weary spirit to rejoice.
What then was done each day with holy cheer,
On Sundays still delights the traveler here;
And he who knows the founder's holy mind
Will in these functions sweet instruction find,
If he permits the thoughts that we impart
To rule his mind and dwell within his heart.
But here we must remind the reader’s view,
That worldly lines still touched this holy crew;
For few among them wore the priestly gown,
And fewer still sought tonsure for their crown—
Just those required to hear the sinner’s sigh,
And lift the sacrifice of Mass on high.
Thus Philipp thirty-six long years had seen,
Yet from the priesthood had aloof remained;
For in his present state he found he stood
More free to wander and to do the good,
Than if, enslaved by strict hierarchic law,
He walked in fetters, though regarded raw.
But Heaven above willed not he should delay;
His ghostly father barred the truant way,
And made it conscience that the youth should rise
To take the orders of the high and wise.
Thus did he bow; and thus the Church secured
A mind independent, who till then endured
A lawless state, where sacred things might wed
With common life, and walk where mortals tread.
Yet this great change, this priestly robe he wore,
Altered his outward bearing nevermore.
With stricter zeal he practiced self-denial,
And in a wretched cell endured his trial.
When famine raged, and bread to him was brought,
He gave it to the poor, and cherished naught;
His tireless service to the sons of grief
Brought to the wretched a supreme relief.
But on his inner soul the priesthood wrought
A strange enchantment past the reach of thought.
The holy Mass threw Philipp in a trance,
Where nature vanished from his altered glance;
He scarcely knew what path his footsteps trod,
And reeled before the altar of his God.
If he upraised the Host, his arms remained
Fixed in the air, by unseen force sustained;
And when the mystic wine was to be poured,
He shook and shuddered at the living Lord.
Then, when the transformation was complete,
And he the sacred elements should eat,
He showed a rapture wonderful and wild,
As though a holy passion had beguiled.
With eager thirst he bit the chalice rim,
To drain the blood that murmured unto him;
Yet when this tempest of the soul was past,
A sober, practical man appeared at last.
A youth so strange, a man so wildly bright,
Must seem eccentric in the common sight;
His very virtues, by their intense glow,
Became a burden to the crowd below.
This was his lot throughout his early race;
But when the priesthood gave him higher place,
And in a wretched cell he chose to hide,
Full many a fierce tormentor mocked his pride.
Yet let us say, he was a man sublime,
Who mastered pride, the master-sin of time;
Who sought in shame, in poverty, and pain,
To hide the glory of his earthly reign.
To pass for foolish in the world's blind eyes,
That he in God might more completely rise—
This was his aim, and this the rigid rule
He taught to every scholar in his school.
The words of Bernard seemed his soul to fill,
Re-born and active in his living will:
"To scorn the world, and to despise no man;
To scorn oneself, and rejoice when others scan
Yourself with scorn"— this maxim ruled his breast,
And in these words he found his holy rest.
When men are driven by a like intent,
They seek the maxims that the saints have lent;
The proudest hearts alone these rules embrace,
To mock a world that fights against all grace.
They drink the bitter cup of grief and pain
Before it reaches them, for heavenly gain.
The countless tales of how he tried his fold
(Of which a great abundance has been told)
Might make the cheerful reader lose his peace,
And wish the painful history would cease;
For those who had to bow to his command
Found it a trial hard for flesh to stand,
And many a youth, who could not bear the flame,
Fled from the forge, and left the master's name.
But ere we tell these wonders to your ear,
Which to the reader may distinct appear,
Let us recall the gifts his comrades praise,
Which crowned the holy father all his days.
They say his learning was by nature brought,
Not by the tedious rules of teachers taught;
What others gain by study and by art,
Was poured by heaven directly in his heart.
Beside all this, he had the wondrous grace
To read the spirit in the human face;
With sharpest insight worldly things he saw,
Till men ascribed to him prophetic law.
A power of attraction, strong and grand—
The sweet attrattiva of the Italian land—
Was given to him, which drew not men alone,
But even beasts to gather round his throne.
As proof, they tell of a companion’s hound,
Who in the saint a second master found;
The dog would follow him where'er he went,
And left his first possessor discontent.
Though his first master sought by every art
To win the creature back to home and heart,
The hound returned to Philipp’s side to stay,
And never from his presence walked away;
Until at last, when many years had fled,
He died in peace beside his master’s bed.
This very creature gives us cause to trace
The rigid trials of that holy place.
To lead a dog, or bear it on the arm,
Was then in Rome a sign of shameful harm;
Yet through the streets the saint would lead the hound,
Bound with a heavy chain that scraped the ground;
And oft his scholars had to bear the beast,
To please the mocking crowd from west to east,
Exposed to laughter and the rabble's jeer,
Without a sign of anger or of fear.
Other indignities he would impose,
To tame the pride that in the spirit rose.
A youthful prince of Rome, who sought the grace
To find within their ranks a brother's place,
Was told to walk through Rome's assembled state
With a fox-tail appended to his gait;
And when the prince refused the shameful play,
The order closed its gates and turned away.
Another youth without a cloak was sent;
One with a tattered sleeve through Rome went,
Whom a kind noble pitied in the street,
And offered him a pair of sleeves complete.
The youth refused; but by the saint's decree,
Returned to fetch them with a bended knee.
And when they built the church, he made his band
Like common laborers work with naked hand,
To carry stones and mortar to the wall,
And bow like hirelings to the builder's call.
In equal measure he would wound and slay
Whatever spiritual pride might bar the way.
If some young deacon in his sermon shined,
And pleased his audience and his own vain mind,
The master stopped him in the middle word,
And spoke himself what all the people heard;
Or bade some less accomplished youth arise,
To take the pulpit to the crowd's surprise,
Who, thus impelled by unexpected grace,
Spoke better than before in that high place.
Deboras Siegeslied
An jenem Tag erklang das Lied,
das durch das Volk der Retter schied.
Debora sang mit Baraks Mund:
„Lobt Gott, der unsen Sieg erfand!
Dass Führer mutig vorwärtsgingen,
und Menschen sich zum Opfer brachten,
das wollen wir dem Herren singen,
dem Gott, den alle Feinde fürchten.
Hört, Könige und Fürsten, her!
Ich singe Gott, dem höchsten Herrn.
Als du, o HERR, von Seïr kamst,
und deinen Lauf von Edom nahmst,
da bebte tief der Erde Grund,
vom Himmel goss der Regen schwer,
der Sinai erbebte rund
vor Seiner Macht und Seiner Ehr.“
„Die Straßen lagen öd und leer,
kein Wanderer traute sich mehr her.
Man wich auf krumme Pfade aus,
die Angst regierte jedes Haus.
Es fehlte Mut, es fehlte Kraft,
bis ich, Debora, auferstand,
als Mutter, die Errettung schafft,
für Israel, mein Heimatland.
Man betete zu fremdem Tand,
der Krieg stand schon an unsrem Tor.
Kein Schild, kein Speer im ganzen Land,
was zog das Volk für Waffen vor?
Vierzigtrausend Mann im Land,
und keiner hielt der Wehr stand!
Doch mein Herz schlägt für jene Helden,
die freiwillig zum Kampfe eilten.
Die ihr auf weißen Eseln reitet,
auf Teppichen im Saale sitzt,
und die ihr auf den Wegen schreitet:
Singt laut, dass es im Herzen blitzt!
Am Brunnen, wo die Hirten singen,
hört man des Herren Rechte preisen,
wie Seine Starken Rettung bringen,
und Seine Tore sich erweisen.“
„Auf, auf, Debora, wach nun auf!
Stimm an ein Lied im wilden Lauf!
Auf, Barak, Sohn Abinoams,
und nimm gefangen, wer uns band!
Da zog der Rest der Edlen her,
der HERR zog mit mir in die Schlacht,
sie kamen gegen Siseras Heer,
mit Mut und göttlicher Gewalt.
Aus Ephraim und Benjamin,
da zogen her die Scharen kühn.
Von Machir kamen Fürsten nieder,
aus Sebulon die Führer wieder.
Auch Issachar stand fest bereit,
mit Fürsteneifer an der Hand,
sie folgten Barak in den Streit,
hinab ins flache Ebnenland.
Doch Ruben saß an Bach und Fluss,
und wog das Für und Wider ab.
Warum zogst du dich vom Beschluss,
und hörst der Flöte Ton am Schaf?
Ja, Ruben blieb in Zweifel stehen,
Gilead blieb am Jordan weit.
Warum musst’ Dan zu Schiffen gehen?
Und Asser mied den großen Streit.
Ganz anders Sebulon und Naftali!
Sie setzten ein ihr eigen Leben,
auf Höhen, wo der Feind sie schlug,
da haben sie ihr All gegeben!“
„Die Könige Kanaans traten an,
bei Taanach, wo das Wasser fließt.
Sie dachten schon an Beute dann,
doch Silber war es nicht, was sprießt.
Vom Himmel her, in Sternenbahnen,
da stritt die Schöpfung gegen sie,
der Kischon-Bach zerbrach die Fahnen,
der uralt Strom verzieh ihnen nie.
Tritt auf, mein’ Seele, stark und kühn!
Hör, wie die Pferdehufe stampfen!
Im Jagen, wie die Renner fliehn,
im wilden, flüchtenden Entkrampfen.
'Verfluchet Meros!', spricht der Engel,
'Verflucht die Bürger dieser Stadt!
Sie kamen nicht, des Herren Banner
zu stärken, wo er Siege hat!'“
„Gepriesen sei vor allen Frauen
Jaël, des Keniters Weib im Zelt!
Auf sie kann Gott im Siege schauen,
sie ist die Größte in der Welt.
Nach Wasser tat es ihn verlangen,
sie reichte Milch ihm in der Schale,
mit Sahne ward er dort empfangen,
als säß’ er bei dem Bundesmahle.
Sie griff zum Pflock mit linker Hand,
den Schmiedehammer in der Rechten.
Sie schlug ihn durch die Schläfenwand,
zerschlug das Haupt des Ungerechten.
Zu ihren Füßen brach er ein,
er fiel, er lag am Boden flach,
wo er versank im Todesschein,
da lag er tot und elend wach.“
„Am Fenster steht des Feldherrn Mutter,
sie späht durchs Gitter voller Schmerz:
'Warum verzögert sich sein Wagen?
Was lahmt der Hufe Schlag und Herz?'
Die klugen Frauen antworten ihr,
sie selbst spricht nach die eitlen Worte:
'Sie teilen sicher Beute hier,
ein, zwei Gefangne an dem Orte!
Ein buntes Kleid für Sisera,
zwei Tücher bunt für seinen Hals!'
– So sterben deine Feinde, HERR,
im Strudel ihres eitlen Falls!
Doch die dich lieben, sollen strahlen
wie Sonnenaufgang prachtvoll, rein!“
...Und vierzig Jahre ruhte dann
das Land im hellen Friedensschein.
JOAN BAEZ UND BOB DYLAN
Es stand die Königin des Folk
im hellen Rampenlicht,
Joan Baez sang vom Weltenlauf,
mit reinem Angesicht.
Da trat im Jahre Einundsechzig
aus dem Schattenreich
Ein struppig’ Bürschchen vor ihr Aug’,
so schmutzig und so bleich.
Robert Zimmermann hieß er noch,
ein Geist imVillage-Licht,
Doch als er seine Lieder sang,
da brach das Eis beachtlich.
Die Stimme rau, die Worte kühn,
wie Sturmwind im April,
Joan lauschte bang, ihr Herz gerührt,
die Welt ringsum ward still.
Sie nahm ihn mit auf ihre Fahrt,
durchbrach für ihn das Tor,
Sie lieh ihm ihren großen Ruhm
und hob ihn treu empor.
Aus Freundschaft wurde bald ein Band,
das brennend sie vereinte,
Obwohl im Hintergrund noch leis
ein andres Mädchen weinte.
Denn Suze Rotolo war die Braut,
die einst sein Herz besessen,
Auf einem Albumcover noch –
doch bald schon fast vergessen.
Als Muse floh sie in den Schmerz,
der Ruhm ward ihr zu schwer,
Sie ging verbittert ihren Weg
und kehrte nimmer mehr.
Nun waren Joan und Bob das Paar,
das Volk und Jugend führte,
Ein Königspaar, das mit Protest
die Seelen tief berührte.
Doch Bob, der suchte neue Luft,
die Gitarre ward elektrisch,
Sein Geist brach aus dem Folk-Korsett,
das Tempo wurde hektisch.
Beim Newport-Fest um Fünfundsechzig
trennten sich die Wege,
Er tauschte Akustik gegen Strom –
Joan stand auf alte Pflege.
Er zog voraus im Sternenstaub,
ließ ihre Hand zurück,
Er brach ihr Herz, er brach das Band
und ging zum eignen Glück.
Was bleibt, ist ein Erinnern nun,
verfilmt im Kinolicht,
Wo Chalamet und Barbaro
erneun das alte Gedicht.
Ein kurzes Liebesfeuer nur,
das wild im Winde stand,
Doch prägte es für alle Zeit
der Musikgeschichte Land.
Gemeinsam standen sie im Sturm,
das Banner hochgewandt,
Als Kings Verheißung laut erklang
im Washingtoner Land.
Sie sangen für die Freiheit laut,
im Gleichschritt mit der Zeit,
Doch mit dem Ruhm kam auch das Gift:
die Einsamkeit zu zweit.
„Demoralisierend“, sprach sie spät,
blickt sie zurück aufs Jahr,
Als sie im hellen Sündenpfuhl
des Ruhms unsichtbar war.
Denn fünfundsechzig floh er leis
aus ihrem Liebesnetz,
Und nahm die schwangre Sara Lownds
heimlich zum Gesetz.
Doch brennt ein Feuer erst so wild,
verglimmt es nicht im Sand,
Es floss als Lied aus ihrer Kunst,
von Geist zu Geist gesandt.
Sie rief ihn an: „To Bobby“, komm!
Führ uns noch einmal an!
Doch Bob blieb stumm, er war nicht mehr
der alte Protestmann.
Aus Sehnsucht ward dann „Diamonds and Rust“,
ihr schönstes Klagelied,
Das kühl wie Eis und heiß wie Glut
durch ihre Saiten zieht.
Auch er besang die „Madonna“ barfuß,
die ihm einst erschien,
In „Visions of Johanna“ lebt
ihr Bild noch tief in ihm.
Ein ganzes Leben zog vorbei,
getrennt war nun ihr Lauf,
Er stieg zum Nobelpreis-Olymp
im Weltenlauf hinauf.
Sie stritt für Frieden, unbeugsam,
bis ihre Stimme schwieg,
Als sie vom Rock-Hall-of-Fame-Thron
glorreich herabstieg.
Zwei Greise sind sie heute nun,
die Pfade längst getrennt,
Ein jeder lebt sein eignes Reich,
das keine Nähe kennt.
Zwei Riesen einer fernen Zeit,
die einst die Welt bewegt,
Und deren kurzes Liebesglück
noch heut’ die Herzen regt.
Kein Wort des Hasses blieb zurück,
obgleich sie einsam blieb,
Als sie mit Farben auf das Tuch
sein junges Antlitz schrieb.
Sie hörte seine Lieder laut,
die Träne floss so rein –
Da wich der Groll aus ihrer Brust,
es zog der Frieden ein.
Auch er vergaß ihr großes Herz
und ihre Treue nicht,
Im Rampenlicht von Music cares
sprach er mit sanftem Licht:
„Sie war ein Geist, so stolz und frei,
von niemandem geliebt,
Für ihre Lieb' und Hingab' hab'
ich niemals Dank gekriegt.“
Nun flackert auf der Leinwand neu
der alte, wilde Schein,
James Mangold haucht den Bildern Leben
und Erinnerung ein.
Zwar bog sich Bob das Skript zurecht,
wie es ihm selbst gefiel,
Doch Joan gab ihren Segen frei
für dieses Kinospiel.
Sie fordern nicht das Recht auf Recht,
sie lassen es nun los,
Denn das, was sie einst schufen, war
für ewig viel zu groß.
Zwei Seelen, die im Sturm verglüht,
im Liede fest vereint –
Die Ballade endet, wo das Licht
der Ewigkeit erscheint.
DER GOLEM
Hätt' ich dich nicht als süßes Kind gekannt,
Mit deinem Seraph in den klaren Blicken,
Dich leitend in der Märchen Wunderland,
Gefühlt der kleinen Hände zitternd Drücken:
Ich würde jetzt dich mit Behagen sehen,
Du wärst mir ein verehrter, hübscher Mann,
Doch, ach! nun sehe ich dich forschend an
Und muss nach dem entflohnen Engel spähen.
Und du, mit deinem Wort, bedacht und breit,
Dem klugen Lächeln und der Stirne Falten,
Spricht dir kein armer Traum von jener Zeit,
Wo deine Glut die Felsen wollte spalten?
Ein braver Bürger bist du, hoch zu ehren,
Ein wahrer Heros auf der Mittelbahn;
Doch, o, mein Flammenwirbel, mein Vulkan –
Ach, dass die Berge Mäuse nur gebären!
DIE WEISSE HEXE
Ich glaub’ an die Magie, weil sie mein Leben füllt,
Da sich in jedem Tag ein Zauber mir enthüllt.
Man kann sie stets beschwören, wenn man sie nur versteht,
Ich lieb’ es, wenn die Welt in echter Magie steht.
Wir tragen sie in uns, doch nur wer sie bejaht,
Begreift das tiefe Wohl, das sie für uns bewahrt.
Ich schenke den Genuss den Menschen nicht als mein:
Es soll die eigne Kraft in ihren Herzen sein.
Man hielt mich für ’ne Hexe? Ja, das dacht’ ich gern.
Mystik war mein Begleiter und mein Lebensstern.
Ein Quentchen Glaube ist doch besser als kein Sinn;
Ich schuf mir eine Aura, die ich heute bin:
Das Kleid, die wilden Haare und der Stiefel Schritt –
Doch war das kein Kostüm, ich brachte alles mit.
Ich glaub’ an gute Hexen, Engel, Feenlicht,
An böse Zauberei und Teufel glaub’ ich nicht.
Ich liebe Halloween, der Klänge düst’ren Schein,
Ein platter Rock-’n’-Roll wird niemals meiner sein.
Ich suche die Nuance, die unheimlich berührt,
Damit mein Lied den Geist in fremde Welten führt.
Beim Schreiben spür’ ich Kraft, die aus dem Äther fließt,
Die mich mit Zuversicht und Energie begrüßt.
Das ist nicht dumm, nicht seltsam oder ungesund:
Es tut mir einfach gut aus tiefstem Herzensgrund.
Vielleicht war ich ein Mönch in grauer Vorzeit Raum,
Die Stille alter Kirchen wirkt wie mein Zuhaus’.
Vielleicht verlor ich auch mein Haupt durch ein Schafott:
Mein Hals bleibt starr und fest vor Haarflut und vor Gott.
Beim Tanzen, beim Friseur halt’ ich den Kopf bereit,
Er sinkt sonst stumm herab aus alter, ferner Zeit.
Doch sprech’ ich ungern nur von diesem alten Sein,
Es bleibt als stille Kraft in meiner Brust allein.
Die Band war Ende siebzig eine Geldmaschine,
Jet, Drogen, Limousinen und verrückte Miene.
Ich hasste jene Jahre, da mein Geist verflog,
Und mich der bunte Schein ums Seelenheil betrog.
Es brauchte seine Zeit, bis ich mich neu erfand,
Und meine Spiritualität im Licht stand.
Ich muss die Unschuld wahren, weich im Herzen sein,
Sonst drängte Bitternis in meine Verse ein.
Ich glaube fest an Gott, der einen Engel sandte,
Der mich in finstrer Nacht beim rechten Namen nannte.
Er schenkt mir die Musik und er erhält mich jung,
Gibt meiner alten Stimme neuen, frischen Schwung.
Da wirkt ein höh’res Licht, das kann kein Zufall sein,
Ich ging als Kind zwar nie in eine Kirch’ hinein,
Doch Engel hüteten mich zwanzig Jahre lang,
Ich bete voller Demut und mit Dankgesang.
Ich bat den Herrn um Hilfe, als ich fast verdarb,
Als meine eigne Gabe in den Drogen starb.
Er wendete das Schicksal, heute bin ich frei,
Und glücklich im Genuss der Lebenszauberei.
Dem Tod seh’ ich getrost und ohne Furcht entgegen,
Doch will ich jede Nacht noch eine Zeile prägen.
Wir leben oft auf Erden, bis das Werk gedeiht:
Ich glaube, ich bin fertig für die Ewigkeit.
EINZIG
Einer Einzigen angehören,
Einen Einzigen verehren,
Wie vereint es Herz und Sinn!
Evi! Glück der nächsten Nähe,
Goethe! Stern der schönsten Höhe,
Euch verdank ich, was ich bin.
Tag‘ und Jahre sind verschwunden
Und doch ruht auf jenen Stunden
Meines Wertes Vollgewinn.
B.B.
„Als Schönheit ist sie einmalig.
Und als engagierte Frau super.
Sie hat alles gegeben für die Tiere.
Die Männer haben sie ausgenutzt.“
PAULUS UND PETRUS
Ob Paulus intelligenter als Petrus war,
lässt sich nicht objektiv messen,
da beide ganz unterschiedliche Arten
von Intelligenz, Bildung und Lebensläufen hatten.
In der Theologie und Kirchengeschichte
wird jedoch oft zwischen ihren
intellektuellen Fähigkeiten unterschieden:
Paulus war der theologische Denker:
Er genoss eine erstklassige
griechisch-römische Bildung
und eine strikte Ausbildung
zum jüdischen Schriftgelehrten.
Er besaß die Fähigkeit,
komplexe theologische Zusammenhänge
logisch zu durchdringen,
und gilt als der erste große
Theologe des Christentums.
Petrus war der Mann der Praxis:
Er stammte aus einfachen Verhältnissen
und arbeitete als Fischer.
Ihm fehlte die klassische akademische
Bildung des Paulus,
doch verfügte er über hohe
soziale und pastorale Intelligenz
sowie ein tiefes intuitives Verständnis
für Jesus und die Gemeindeleitung.
DREIFALTIGKEIT
gott ist ein naher, offener gott,
der durch jesus in die welt als retter kommt
und durch den heiligen geist
in unserem herzen als liebe wohnung nimmt.
HEIKE
Ein Klopfen leise an der Tür,
wer könnte das wohl sein?
Da steht die Nachbarin vor mir
im hellen Abendschein.
Sie hält ein tiefes Tellerchen,
gefüllt mit gutem Geist:
Ein wunderbarer Eintopf, den
ich gerne hab gespeist.
Voll reifem Gemüse, bunt und heiß,
so reicht sie ihn herüber.
Da bricht der Alltag, still und leis,
in Frühlingsgefühle über.
Denn als ich nach dem Teller griff,
geschah es ganz geschwind:
Ein sanfter, warmer Schliff,
wie ein Hauch von Frühlingswind.
Die Finger trafen sich am Rand,
die Haut berührte Haut.
Ein schöner Moment, der uns verband,
ganz leise, gar nicht laut.
Der Eintopf wärmte meinen Magen,
die Geste mein Gemüt.
Man kann es ruhig deutlich sagen:
Mein Herz ist aufgeblüht!
GEBET
Herr Jesus, auf dem schweren Weg,
als kaum ein Schritt mehr vorwärts ging,
als dich die Last des Kreuzes brach,
und Dunkelheit dich ganz umfing;
Die Beine versagten, die Kraft war vertan,
du stürztest zu Boden auf dieser Bahn.
Du konntest aus eigener Kraft nicht mehr stehn,
musst hilflos am staubigen Boden ergehn.
Doch Simon von Kyrene war da,
er reichte die Hand, er kam dir nah.
Er half dir empor aus dem tiefen Schmerz,
brachte neuen Mut in dein leidendes Herz.
So flehen wir heute für Heinz zu dir:
Sei du sein Begleiter, sei jetzt mit ihm hier.
Wenn die Kräfte ihm schwinden, der Mut ihn verlässt,
dann halte ihn in deiner Liebe ganz fest.
Greif du seine Hand, richte du ihn empor,
öffne ihm wieder ein Hoffnungstor.
Steh Heinz jetzt bei, schenk ihm Halt und Geleit,
und hilf ihm aufzustehen in dieser Zeit.
Amen.
CORPUS CHRISTI
I
Dich bete gläubig ich an, verborgner Gott,
der du hier weilst im zeichenhaften Brot.
Dir gibt mein Herz sich ganz und gar dahin,
weil ich vor diesem Wunder sprachlos bin.
Das Auge, Mund und Hand an dir versagt,
nur was das Ohr vernimmt, wird unverzagt
geglaubt. Was Gottes Sohn sprach, nehm ich an,
weil nichts als Wahrheit aus ihm sprechen kann.
Am Kreuz verbarg die Gottheit nur ihr Licht,
doch hier zeigt sich auch Menschliches uns nicht.
Ich aber glaub an beides, Herr, vor dir,
wie einst der Schächer fleh ich: Gnad gib mir!
Die Wunden seh ich nicht wie Thomas einst,
doch du bist Gott, der mir im Stillen scheinst.
Lass meinen Glauben wachsen Tag für Tag,
dass meine Hoffnung, meine Lieb vermag.
II
Preise, Zunge, voller Staunen
dieses Leibes Herrlichkeit
und des Blutes tiefe Wunder,
das zur Rettung in der Zeit
aus der Jungfrau reinem Schoße
goss der König aller Welt.
Darum lasst uns tief gebeugt nun
ehren dies Geheimnis groß.
Alte Zeichen müssen weichen,
denn der neue Bund brach los.
Und der Glaube füll die Lücke,
wo die Sinne hilflos sind.
Gott dem Vater und dem Sohne
sei Lob, Jubel, Ruhm geweiht!
Heil und Ehre, Kraft und Segen
ihnen jetzt und alle Zeit.
Dem, der aus den beiden herkommt,
Gleiches Lob in Ewigkeit. Amen.
III
Die selige Evelin von Lüttich
Im alten Lüttich, tief im Glauben,
wo Glocken durch die Gassen schallen,
ließ Evelin sich die Hoffnung rauben
von Zweifeln nicht, die sonst befallen.
Als Reklusin in stiller Zelle,
dem Herrn geweiht in stummer Pflicht,
wurd’ ihre Seele rein und helle,
erfüllt von Jesu Lebenslicht.
Mit Juliana, ihrer Schwester
im Geiste und im tiefen Flehn,
schmiedete sie ein Band, stets fester,
um Gottes Wunder einzugestehn.
Sie sahen in der Hostie Zeichen
den Leib des Herrn, so groß und rein,
und wollten nicht vom Wege weichen,
bis alle Welt stimmt lobend ein.
Obwohl die Zelle eng und leise,
war ihre Stimme mächtig, kühn.
Sie sandte Briefe auf die Reise,
ließ heil’ge Glut im Papst erglühn.
Urban der Vierte, einst Archidiakon
in Lüttichs Mauern wohlbekannt,
erhörte, was sie längst erbeten,
und sandte Segen in das Land.
Das Fest des Leibes und des Blutes,
Fronleichnam, strahlt seit jener Zeit!
Es füllt das Herz des Christengutes
mit Trost und tiefer Dankbarkeit.
Durch Evelins Beharrlichkeit,
durch ihr Gebet in Einsamkeit,
zog diese Pracht in alle Welt,
die heute noch die Kirche hellt.
O Evelin, du stille Fromme,
die fern der Welt das Licht geschaut,
bis dass die Ewigkeit dir komme,
hast du auf Gottes Wort gebaut.
Dein Name sei uns stets ein Mahnen,
dass oft die leiseste Gestalt
auf Gottes unerhörten Bahnen
bewegt die Welt mit Himmelsgewalt.
VISION IN DER NACHT
O Jungfrau, ach Jungfrau, von Gott rein erwählt,
Unbefleckte, die makellos strahlt für die Welt.
Ganz weiß steht sie da, im Gewande der Braut,
Das zart um die schimmernde Silhouette taut.
Der Hochzeitsschleier, so duftig und fein,
Soll bald schon das Siegel der Nacht weichend weihn,
Bereit zur Entschleierung im heiligen Bunde,
Erwartet sie leise die dunkelste Stunde.
Deine Haut, wie aus feinster, transparenter Jade,
Ein Wunder der Schöpfung, voll göttlicher Gnade.
Dein Leib ist aus Licht, das die Finsternis bricht,
Ein Glanz, der das irdische Auge besticht.
Du weißer Schwan auf dem spiegelnden See,
Du erhabene Königin, rein wie der Schnee.
Taubenblau weht dein Gürtel im seidenen Schein,
Um die Mitte der Reine für immer zu weihn.
Wie die Morgenröte, so rosig und zart,
Sind die Wangen geprägt von der lieblichsten Art.
Du bist unaussprechlich, von Schönheit durchweht,
Ein himmlisches Bild, das man staunend vergeht.
Es gibt keine Worte, von Menschen erdacht,
Die fassen, was deine Erscheinung vollbracht.
Kein irdischer Mund wird dem Zauber gerecht,
Der strahlend dich kleidet, du Himmelsgeschlecht.
SEDES SAPIENTIAE
1
Stürmisch peitscht nun die Flut das Schiff der heiligen Kirche,
Gegenwind bricht in den Mast, Mutlose sinken verzagt.
Zweifel regiert in der Zeit, es verblassen die alten Altäre,
Und ein lähmendes Schweigen lagert im heiligen Raum.
Doch wo Rettung erscheint, wenn menschliche Pläne versagen?
Blicke hinauf zu dem Stern, welcher im Dunkeln uns führt!
Sitz der Weisheit wird sie genannt, die reine Maria,
Sedes Sapientiae – Trost in der stürmischen Nacht.
Nicht erst im Neuen Bund hat Gott dieses Bildnis gegeben,
Lange schon schimmerte sanft, was nun in Klarheit erstrahlt.
Zweifach schickte der Geist einen Vor-Schein den Suchenden Erden:
Einmal im Heidenland, einmal im heiligen Wort.
Platons weise Prophetin, sie lehrte den Aufstieg der Liebe,
Und bei Sirach erging göttlicher Weisheit Appell.
Beide weisen voraus auf den Schoß, der das Ewige berget,
Dass aus der Krise der Zeit betend die Menschheit erwacht.
2
Früh schon suchte der Geist der Hellenen nach höherem Lichte,
Als in Athen das Gespräch über die Liebe entbrannte.
Nicht von den Männern erfuhr es Sokrates, sondern durch jene
Frau aus Mantineia, welche Prophetin genannt.
Diotima, sie wusste zu führen vom Irdisch-Gemeinen
Stufe um Stufe hinauf, wo das Unendliche thront.
Liebe, so lehrte sie kühn, ist der Mittler des Himmels und Erden,
Der aus dem Mangel geboren, reich nach dem Ewigen strebt.
Weg von dem Fleische des Leibs gelenkt hin zur Schönheit der Seele,
Bis im reinsten Betrachten göttliches Schimmern erwacht.
Seht ihr im Bilde der Frau, die den Denker zur Wahrheit geleitet,
Nicht schon des Heidentums Traum von der empfangenden Braut?
Was bei Platon als Weg des Gedankens im Geiste sich spiegelte,
Wurde im Schoße der Jungfrau herrlich und leiblich zu Fleisch.
3
Nun spricht Israels Buch von der Weisheit, die helle Sophia,
Welche dem Munde des Höchsten ewig als Atem entströmt.
Noch eh die Erde gegründet, das Meer und die Sterne entzündet,
War sie als raunendes Spiel nahe am Throne des Herrn.
Suchend durchwanderte sie alle Völker und fernen Gestade,
Bis ihr der Schöpfer gebot: „Schlage dein Zelt in Jacob!“
Heilig im Tempel zu Zion vollzog sie den priesterlichen Dienst nun,
Wuchs wie die Zeder im Wald, blühte am Bach wie die Ros'.
Herrliche Mutter der Liebe, der Furcht und des heiligen Wissens,
Gibt sie den Suchenden Trank, reicht ihnen Speise zum Heil.
Schwanke zeigt das Geheimnis: Was Sirach als Bildnis besungen,
Fand in der Tochter aus Juda irdisch-geschichtlichen Raum.
Sie, die den Logos empfing, ward zum Thron für die ewige Weisheit,
Sitz, der die Wahrheit gebar, welche die Welt nun erlöst.
4
Zwei Ströme fließen zusammen im Schoß der begnadeten Jungfrau,
Heidnisches Suchen nach Licht, Israels heiliges Wort.
Was Diotima geahnt und Sophia im Tempel bereitet,
Wird in Maria nun eins, herrlich, lebendig und wahr.
Nicht aus sich selber erstrahlt sie, sie ist nur der Sitz für den König,
Trägt auf dem mütterlichen Schoß Christus, die Weisheit der Welt.
Sedes Sapientiae! So rufen die Väter sie dankbar,
Kunstvoll im Bilde geformt: Thron, der den Herrscher uns zeigt.
Hier küsst das Denken den Glauben, Vernunft wird im Staunen vollendet,
Wenn sich das Ewige selbst beugt in die Zeitlichkeit hin.
Schwanke ruft auf zu dem Fest, das die Spaltung der Welt überwindet:
Blicke zum Sitz dieser Weisheit, Kirche, und finde dein Heil!
5
Gänge des Geistes sind nun vollendet, die Pfade durchmessen,
Welche von Hellas' Höhen führten zum Tempel nach Zion.
Und am Ende der Reise erstrahlt uns die Mutter der Gnade,
Die in der Mitte der Zeiten schweigend das Wunder umschließt.
Lass nun die Stürme nur wüten, die Zweifel der Moderne erzittern,
Wenn die Vernunft sich verliert, blind für das himmlische Licht;
Hier an dem Sitz dieser Weisheit vergehen die Schatten der Nacht nun,
Weil uns das göttliche Kind Rettung und Klarheit verheißt.
Heidentum, Schrift und Mysterium reichen die Hände sich dankbar,
Frieden empfängt, wer im Staunen vor dieser Königin steht.
Glaube und Denken vereint – ist Schwankes bleibendes Zeugnis:
Wer zu Maria flieht, findet den ewigen Thron.
ERINNA - Die Spindel: Klage um Baucis
MÄDCHEN: Turteltaube, was machst du mitten im Ring?
TURTELTAUBE (huscht von einer Seite zur anderen): Ich webe Wolle und milesischen Schuss.
MÄDCHEN: Und was hat dein Sohn getan, als er verloren war?
TURTELTAUBE: Von den weißen Pferden ins Meer sprang er!
(Beim letzten Wort springt die Turteltaube auf, um die anderen Mädchen zu jagen; das erste gefangen, wird die neue Turteltaube.)
In die Wellen bist du gesprungen vom schneeweißen Pferde
Von der verrückten Grenze. Wehe! schrie ich gen Himmel.
Dann war ich an der Reihe in dem Turteltauben-Spiele,
Ich sprang auf und rannte geschwind durch den Hof unsres Stiftes.
Aber du hattest Pech, o Baucis! Ich traure um Baucis,
Und in meinem Herzen sind stets noch warm deine Spuren.
Jetzt sind sie nur noch Glut unter schneeweißer Asche,
Die wir früher geteilt hatten, all die lustigen Dinge.
Nun ich gedenke der hübschen Puppen in unsern Gemächern
Und der lachenden Bräute mit des Morgenrots Wimpern.
Deine Mutter hatte beaufsichtigt Arbeiterinnen,
Die mit Wolle gearbeitet und mit purpurnen Tüchern.
Ah, in den Tagen der Kindheit erschreckte uns Kleine die Popel-
Frau, die auf vier Füßen kroch, auf dem Haupte trug sie gewaltige
Ohren, und ständig veränderte sie die Gestalt und das Aussehen.
Aber es kam nun die Zeit, da das Ehebett du hast bestiegen,
Und du vergaßest sogleich, was als Kind du noch hattest im Herzen.
Alles, was du von der Mutter gehört hast, o Baucis, Geliebte,
Löschte Kypris dir aus und goss das Vergessen ins Herz dir.
Darum beweine ich dich, doch das Übrige lass ich beiseite.
Denn nicht geziemt es den Füßen, das Haus so profan zu verlassen,
Noch ist es recht, dass mein Auge die Leiche von dir soll erblicken,
Oder mit offenem Haar dich beklagen; die schmerzliche Ehrfurcht,
Die ich empfinde für dich, durchfurcht und zerreißt mir die Wangen.
Immer in Tagen der Kindheit, wir zwei, neunzehn nun, und Erinna,
Liebliche Mädchen, wir blickten zur Spindel und wussten zu spinnen.
Darum die Scheu, unberührte, noch unverheiratete Mädchen,
Nehmen es wahr, und das fließende Haar…
Greisinnen, sanft in der Rede, des Alters erblühende Blumen
Unter den Sterblichen hier. Du, Geliebte, o Baucis! Wir weinen,
Hören die Flamme nun heulen. O Hymen! O Hymen! O Weh mir!
Aiai, unglückliche Baucis! Es schwimmt von der Erde zum Hades
Eitel ein Echo hinab; bei den Toten herrscht ewiges Schweigen,
Und die Finsternis fließt und bedeckt mir die trauernden Augen.
DIE NACHTIGALL
Um vier Uhr morgens, tief im Traum,
regt sich kein Blatt am Apfelbaum.
Die ganze Vogelwelt ruht still,
weil niemand jetzt schon singen will.
Doch mitten in der Dunkelheit,
bricht plötzlich los die Heiterkeit!
Ein Ton, der durch die Stille bricht,
lang vor dem ersten Morgenlicht.
Es ist die Nachtigall im Garten,
die nicht auf Amseln möchte warten.
Sie schmettert, flötet, schluchzt und gellt,
dass es die Ohren fast verprellt.
Heike lauscht im Bett betroffen:
„Der Vogel singt, als sei er besoffen!“
So wild, so laut, so voller Pracht,
wird hier die Einsamkeit verlacht.
Und wie bei Shakespeare, alt und weise,
klingt die Romanze zart und leise.
Es war die Nachtigall, gell? Merke:
Es war die Nachtigall – nicht die Lerche!
SANKT MARGARETHE
In Antiochia, weit und alt,
wuchs eine Maid von schön Gestalt.
Margarethe war ihr Name lind,
des Heidenpriesters kluges Kind.
Doch heimlich schlug ihr Herz allein
für Jesus Christ, den Herrn, im Schein.
Sie hütete die Schafe leis
und pries den Gott, den sie nur weiß.
Da ritt Olybrius daher,
der Stadtpräfekt, von Stolz ganz schwer.
Er sah die Jungfrau auf dem Feld,
die ihm als Gattin wohlgefällt.
„Komm, schönes Kind, und werde mein!
Doch musst den Göttern Opfer weih'n!“
Margarethe sprach mit festem Mut:
„Ich weiche nicht, mein Herr ist gut.
Dem Christus hab ich mich geweiht,
jetzt und für alle Ewigkeit.“
Der Richter schäumte wild vor Wut,
er fordert Marter, Peitsch und Blut.
Man warf sie in den Kerker tief,
wo sie im Gebet den Heiland rief.
Da bebte plötzlich Stein und Wand,
ein Ungeheuer dort entstand:
Ein Drache, schrecklich, groß und wild,
der Hölle finstres Ebenbild!
Der Lindwurm riss den Rachen auf,
nahm Margarethe in sich auf,
er schlang sie runter, ganz und gar –
doch Gottes Macht war wunderbar!
Das Kreuz, das sie in Händen hielt,
hat seine Wirkung nicht verfehlt.
Es wuchs im Bauche des Dämon,
der Drache barst mit wildem Ton!
Margarethe trat heraus, unversehrt,
vom Licht des Himmels ganz verklärt.
Der Teufel schlich in Menschenform
darauf herbei mit wildem Zorn.
Doch Margarethe wich nicht aus,
sie warf ihn nieder im Gefecht,
hielt fest ihn am behaarten Schopf
und trat dem Satan auf den Kopf.
Trotz diesem Sieg im finstern Raum,
gewährt der Richter Gnade kaum.
Das Schwert, es trennte Haupt und Leib,
so starb das mut‘ge Gottesweib.
Doch eh sie fiel, bat sie den Herrn
für alle Mütter nah und fern:
„Wer in den Wehen nach mir ruft,
dem schenke Schutz aus deiner Luft!“
Als Märtyrerin ging sie ein
ins ew'ge Licht, in Gottes Schein.
Mit Drachenketten, Kreuz und Kron’,
steht sie vor Gottes Himmelsthron.
Als Nothelferin ruft man sie,
wenn Not und Ängste quälen hie,
Ein Vorbild uns an Mut und Treue,
heut wie in alter Zeit aufs Neue.
ST MARGARET QUEEN OF SCOTS
In Hungary born, of royal grace,
A daughter of the Saxon race,
Fair Margaret fled the Norman sword,
Guided by the sovereign Lord.
Driven by the stormy seas,
Blown by an unkindly breeze,
She anchored on the Scottish coast,
Welcomed by a royal host.
King Malcolm III, of fierce renown,
Offered her the Scottish crown.
Though she desired a holy life,
She bowed to grace, and became his wife.
A gentle queen of quiet might,
She brought the court a holy light,
Teaching the fierce and rugged king
The joy that truth and mercy bring.
He could not read the holy page,
Yet in his love, he calmed his rage;
He kissed her books of shining gold,
And wrapped them in a tender fold.
Together, hand in hand they stood,
Devoted to the country’s good,
Feeding the poor, the sick, the blind,
With open hands and spirit kind.
She built Dunfermline’s sacred nave,
A shelter from the worldly wave,
And carved the pathways, rough and wide,
To ferry pilgrims o'er the Clyde.
Her days were filled with fasting deep,
While others lay in peaceful sleep;
She clothed the bare, she broke the bread,
And by her light, a nation led.
Yet heavy grew her final hours,
Fading like the autumn flowers,
When news of sorrow reached her bed:
Her king and eldest son were dead.
She raised her hands, she did not weep,
But prayed her soul the Lord would keep,
And thanking God for every loss,
She bowed her head beneath the cross.
O Margaret, Queen of Scotland's land,
With tender heart and open hand,
A thousand years have passed away,
Yet still we sing your praise today.
A pearl of grace, a saint of old,
Whose love can never quite grow cold.
AN EVI
Ich liebte dich mit wilder Glut,
mit Leidenschaft und kühnem Mut.
Doch du hast mein Geschenk verbannt,
hast dich von mir streng abgewandt.
Du schicktest mich von dir hinweg,
gabst mir den kältesten Kuss im Weg.
Du schenktest deine Hand und Pflicht
einem andren Mann im Rampenlicht –
dem Ehemann, dem du nun gehörst,
während du mein Herz zerstörst.
Doch aus der Asche, tief und heiter,
reicht meine Glut nun weitaus weiter.
Ich wandte meine wilde Kraft,
die große, heiße Leidenschaft,
nun einer andren Macht entgegen,
die mich umhüllt mit reinem Segen.
Ich liebe jetzt die Weltenseele,
dass ich mich nicht im Dunkeln quäle.
Der Himmelskönigin geweiht,
strahlt meine Liebe nun bereit.
Und wo du Grenzen vor mir zogst,
und dich in deine Sicherheit wogst,
schaut sie nun liebend auf mich nieder –
und liebt mich feurig immer wieder.
SOPHIA
Zieht Weisheit in dein Herze ein
und wird Erkenntnis lieblich sein,
dann hält Besonnenheit die Wacht,
und Einsicht schützt dich in der Nacht.
Sie retten dich vom bösen Weg,
von Menschen, die auf falschem Steg
nur Lügen reden, ohne Scham,
und weichen von der rechten Bahn.
Sie wandeln froh auf finstrem Pfad,
erfreuen sich an böser Tat.
Ihr Herz schlägt für die Schurkerei,
ihr Weg ist krumm und voller Blei.
Sie schützt dich vor der fremden Frau,
die glatte Worte wählt genau,
doch den Gefährten junger Jahre
verließ für falsche, süße Ware.
Sie hat den Gottesbund vergessen,
ihr Haus ist vom Zerfall besessen;
es neigt zum Tod sich ihr Zuhause,
wer eintritt, findet keine Pause.
Kein Mensch, der je zu ihr hineinging,
den Weg des Lebens wieder einfing.
Darum sollst du im Guten wandeln,
nach Recht und Wahrheit weise handeln.
Denn wer aufrechten Herzens bleibt,
wird nicht vom Heimatland vertreibt.
Die Frommen werden sicher wohnen,
das Leben wird sie reich belohnen.
Doch wer gottlos die Treue bricht,
besteht das letzte Urteil nicht:
Sie werden aus dem Land gerissen,
vertilgt, man wird sie nicht vermissen.
DIE TREULOSE FRAU
Geht hin und rechtet mit der Mutter nun,
sie soll nicht länger wie meine Gattin tun!
Ich bin ihr Mann nicht, sie ist nicht mein Weib,
sie tilge die Hurerei von ihrem Leib!
Vom Angesicht die Zeichen schändlicher Lust,
die Zeichen des Ehebruchs weg von der Brust!
Damit ich sie nicht völlig nackt entkleide,
sie hinstelle zur Schande und zum Leide,
so wie sie war am Tag, da sie geboren,
und sie als Wüste ende, ganz verloren.
Ich mache sie zu dürrem, heißem Land
und lass sie sterben im vertrockneten Sand.
Auch ihrer Kinder will ich mich nicht erbarmen,
denn Hurenkinder sind sie, reich an Karmen.
Denn ihre Mutter trieb die Hurerei,
sie verlor die Ehre ganz und gar dabei.
Sie sprach: „Ich lauf den Liebhabern hinterher,
sie geben mir Brot und Wasser noch mehr,
sie schenken mir Wolle, Flachs und auch Öle,
sie laben mit Trank meine durstige Seele.“
Darum sieh: Ich versperre mit Dornen ihr Gehen
und baue eine Mauer, sie wird nichts mehr sehen,
damit sie die Pfade des Lasters nicht findet.
Und wenn sie dann blindlings im Suchen erblindet,
den Liebhabern nachläuft und holt sie nicht ein,
sie sucht und sie findet sie nicht mehr im Hain,
dann wird sie besinnen sich, traurig und matt:
„Ich geh zum ersten Mann zurück in die Stadt;
denn damals, als ich noch bei ihm war daheim,
ging es mir besser als im fremden Reim.“
Doch ach, sie erkannte es all die Zeit nicht,
dass ich es war, der ihr schenkte das Licht,
der Korn ihr und Wein und das Öl reichlich gab,
mit Silber und Gold sie beschüttet herab!
Doch sie nahm all diese Gaben von mir
und opferte sie für den Baal, das unreine Tier.
Darum nehme ich mein Korn nun wieder zurück,
wenn die Erntezeit kommt, und raube ihr Glück.
Meinen Wein hol ich heim zur gesetzten Frist
und entreiße ihr Wolle und Flachs, wie ihr wisst,
womit sie die Blöße des Leibes bedeckt.
Nun wird ihre Scham vor den Buhlen entdeckt,
vor den Augen der Liebhaber deck ich sie bloß,
und niemand errettet sie aus meinem Schoß.
Ich mache ein Ende mit all ihrer Freude,
den Festen, Neumonden, Sabbaten heute,
ja, mit all ihren Feiertagen bricht nun die Nacht.
Ihre Weinstöcke, Feigenbäume, voll Pracht,
verwüste ich ganz, von denen sie einst sprach:
„Das ist mein Lohn, den mein Buhle versprach!“
Zur Wildnis mach ich sie, öde und leer,
dass das Wild des Feldes sie fresse noch mehr.
Ich suche nun heim an ihr all die Tage,
da sie dem Baal treu diente ohne Frage,
ihm Räucheropfer brachte im fremden Land,
geschmückt mit Stirnreif und glänzendem Band.
Sie lief ihren Liebhabern nach, voller Lust,
doch mich, ihren Herrn, hat sie niemals gewusst,
mich hat sie vergessen, so spricht nun der Herr,
ihr Urteil steht fest, und die Strafe wiegt schwer.
ISEBEL UND ELIA
Der König Ahab eilt nach Haus
und packt die ganze Wahrheit aus.
Er stellt es Isebel vor Augen,
was Baals Propheten nicht mehr taugen:
Elia hat sie, Mann für Mann,
mit scharfem Schwerte abgetan.
Da kocht die Königin vor Wut
und fordert des Propheten Blut.
Ein Bote wird zu ihm gesandt:
„Die Götter strafen meine Hand,
wenn morgen um dieselbe Zeit
dein Kopf nicht von der Erde schreit!“
Elia packt der große Schreck,
er läuft um sein Genesen weg.
Bis Be‘erscheba flieht er weit,
das Land von Juda ihm Geleit
und Zuflucht bietet in der Not;
den Knaben lässt er dort im Boot.
Er selbst geht in die Wüste rein,
will eine Tagereise sein
allein mit seinem tiefen Schmerz.
Der Mut verlässt sein müdes Herz.
Er setzt sich zum Wacholderbaum,
das Leben scheint ihm nur ein Traum:
„Es ist genug! Nimm, Herr, mein Licht,
denn besser als die Väter bin ich nicht.“
Er streckt sich aus im kargen Sand,
der Schlaf nimmt ihn an seine Hand.
Doch plötzlich rührt ein Engel ihn,
lässt alle Düsternis entfliehn
und spricht zu ihm mit sanftem Gruß:
„Steh auf und iss, weil man es muss!“
Elia blickt sich um und schaut:
Da hat ihm jemand frisch gebaut
ein Brot, auf heißen Steinen fein,
und kühles Wasser schenkt man ein.
Er isst und trinkt, die Not verfliegt,
so Gott in seinem Leben siegt.
SOPHIA
Hoch wie die Zeder auf des Libanons Höhen,
sah man mich stolz in den Himmeln stehen,
Und wie die Zypresse am Hermongebirg,
wuchs ich empor durch des Schöpfers Gewirk.
Wie Palmen, die stolz in En-Gedi erblühen,
und Rosen, die feurig in Jericho glühen,
Wie ein Olivenbaum, prächtig und weit,
wie eine Platane in Herrlichkeit.
Wie Zimt und wie Stechdorn im herrlichsten Duft,
so goss ich mein Wesen hinein in die Luft.
Wie Myrrhe, wie Stakte und Galbanum fein,
wie Weihrauch im Zelte des Höchsten allein.
Wie die Terebinthe den Raum sich bezwingt,
so hab ich die Zweige der Gnade verjüngt.
Und jedes Geäst, das aus mir ist erwacht,
erstrahlt nun in Anmut und herrlicher Pracht.
Wie Reben am Weinstock, so blühte mein Geist,
der Anmut und Segen den Menschen verheißt.
Aus meinen Blüten bricht reiche Frucht hervor,
sie führt zu Ehre und Wohlstand empor.
Ich bin die Mutter der Liebe, so rein,
der Furcht und Erkenntnis, im heiligen Schein.
Der Hoffnung auch bin ich, und ewig bereit
geb ich mich den Kindern in Gottes Geleit.
So kommt nun zu mir, die ihr nach mir verlangt,
damit ihr von meinen Früchten empfangt!
Esst euch nur satt an der himmlischen Tracht,
die tief in meinem Schoße erwacht.
Denn süßer als Honig ist mein Angedenken,
das ich den suchenden Seelen will schenken.
Mein Erbe ist reiner, was ich euch sag,
als alles, was Honigwabe vermag.
Wer von mir isst, der hungert nach mehr,
wer von mir trinkt, den dürstet gar sehr.
Denn wer mich verkostet, wird tiefer verstehn,
und wird den Weg meiner Wahrheit nur gehn.
Wer mir gehorcht, erleidet nie Spott,
er steht ohne Schande vor seinem Gott.
Wer sich um mich müht und nach Weisheit stets strebt,
der sündigt nicht mehr, solang er noch lebt.
SOPHIA
Wer stieg empor zum Himmelszelt,
um Weisheit herzuholen,
dass sie erleuchte unsre Welt,
aus Wolken her befohlen?
Wer fuhr wohl übers weite Meer,
um sie dort aufzuspüren?
Wer brachte sie für Gold hierher,
um uns im Geist zu führen?
Es gibt doch keinen auf der Welt,
der ihren Weg gefunden,
und keiner, der Gedanken stellt,
wo sie sich tief entbunden.
Doch Er, der alle Dinge weiß,
kennt sie seit Ewigkeiten,
durch seine Einsicht, klug und weis,
sah er sie fest bereiten.
Er hat die Erde aufgestellt,
auf ewig fest gegründet,
mit Tier und Wesen reich bestellt,
wo Leben sich entzündet.
Er sendet aus das helle Licht,
das eilt an seine Orte,
und wenn er ruft, so zögerts nicht,
es zittert vor dem Worte.
Die Sterne leuchteten voll Pracht
und hielten froh die Wacht,
sie riefen laut in dunkler Nacht:
„Hier sind wir!“, tief entfacht.
Sie strahlten hell in reinem Schein
für den, der sie vollbrachte.
Das ist der Herr, der Gott allein,
dem keiner gleich sich machte.
Er fand der Weisheit jeden Pfad,
den Weg zu den Erkenntnissen,
und wies ihn Jakob früh und spät,
an Israel, dem er beflissen –
an seinen Liebling treu und rein,
den er im Herzen hegte.
Danach erschien sie im Verein,
auf Erden sich bewegte;
sie kam herab, wo Gott selbst thront,
und hat bei uns gewohnt.
DIE NACHTIGALL
Dichter:
„Liebe Frau Nachtigall,
das ist ja schon Ruhestörung!
Was schmettern Sie so gewaltig
und hoffen auf wessen Erhörung?“
So rief ich hinauf in die Zweige,
vom Schlafmangel sichtlich geplagt.
Da hielt sie kurz inne und schweigend
hat sie wohl mein Klagen erwägt.
Nachtigall:
Sie hob ihre Stimme dann,
noch frecher als zuvor:
„Ich singe nicht für Ihr Ohr,
Herr Nachbar, der schlafen nicht kann!
Ich singe dem Mond und den Sternen,
ich singe dem scheidenden Mai,
und fliegt eine Liebe von ferne
auf meinen Gesang hin herbei –
dann schlage ich Triller und Bögen
bis tief in den Morgen hinein!
Sie dürfen sich schlafen gern legen,
mein Herr vom Gesangsverein.“
PAPA
Quo vadis, Papa Leo?
Esne leo Mariae
An leo diaboli?
MARIA TRAUERT
Sie blickt herab mit schwerem Herzen,
erfüllt von tiefem, stillem Schmerz.
Die Welt versinkt wie ohne Kerzen,
versteinert ist des Menschen Herz.
Maria weint, die Tränen fließen
wie bittrer Tau aufs welke Land,
weil Bosheit und Verrat entsprießen
und Liebe schwand aus jeder Hand.
Die Guten, die das Recht bewahren,
die still und gläubig Wege gehen,
müssen Verachtung nun erfahren,
während die Spötter mächtig stehen.
Das Edle wird herabgewürdigt,
der Fromme wird zum Spott der Zeit,
mit schwerem Kreuz wird er bebürdet
in einer Welt voll Grausamkeit.
Wo ist die Liebe nur geblieben,
die einst als helles Licht erstrahlt?
Man hat den Nächsten ausgetrieben,
der Geiz hat jedes Herz bemalt.
Die Nächstenliebe ist erfroren,
ein Fremdwort nur im lauten Schrei.
Das Mitgefühl ging ganz verloren,
die Seelen kalt und einerlei.
So weint sie um die blinden Kinder,
die sind der finstern Nacht geweiht.
Es wird die Hoffnung immer minder
in dieser gnadenlosen Zeit.
Doch ihre Tränen fallen leise
als letzter Mahnruf in die Nacht –
auf dass der Mensch sich neu erweise
und aus dem Todesschlaf erwacht.
DER ZU FRÜH GESTORBENE GERECHTE
Doch der Gerechte, auch wenn er früh stirbt, kommt zur Ruhe.
Denn das Alter steht nicht in vielen Lebensjahren und wird nicht nach der Zahl der Tage bemessen.
Das wahre Alter der Menschen ist die Einsicht, und ein untadeliges Leben ist das wahre Alter.
Er gefiel Gott und wurde von ihm geliebt; er lebte mitten unter Sündern und wurde entrückt.
Er wurde weggenommen, damit die Bosheit seinen Verstand nicht verändere und die Furcht seine Seele nicht verstricke.
Denn die Verlockung durch das Böse verdeckt das Gute, und die trügerische Leidenschaft verwirrt den lauteren Sinn.
Schon früh vollendet, hat er ein langes Leben erfüllt;
denn seine Seele gefiel dem Herrn; darum eilte er fort aus der Mitte der Bosheit. Die Leute sahen es und verstanden es nicht; sie dachten sich nichts dabei:
Gottes Gnade und Erbarmen ist mit seinen Erwählten und er kümmert sich um seine Heiligen.
Der gerechte Tote verurteilt die lebenden Gottlosen, und die früh vollendete Jugend den langjährigen Sünder.
*
Der Fromme, stirbt er auch vor seiner Zeit,
geht ein in Gottes Ruh und Seligkeit.
Denn wahres Alter misst man nicht nach Jahren,
noch nach den Tagen, die im Kreise fuhren.
Verstand und Einsicht sind des Menschen Grauen,
im reinen Leben ist sein Alter zu schauen.
Weil er Gott wohlgefiel und Ihn geliebt,
ward er entrückt, wo es kein Sündigen gibt.
Gott nahm ihn fort aus dieser Welt der Plagen,
damit kein Böses seinen Geist geschlagen,
und keine falsche List, die hier regiert,
sein reines Herz im Innersten verführt.
Der Bosheit Reiz verdunkelt oft das Gute,
die Leidenschaft verwirrt den Sinn im Blute.
Doch wer im kurzen Leben früh vollendet,
hat ein langes, reiches Werk vollendet.
Dem Herrn gefiel des Frommen treue Seele,
drum zog Er ihn heraus aus dunkler Höhle.
Die Menschen sahen es, doch ohne Ahnen,
sie konnten Gottes Absicht nicht erahnen:
Dass Seine Gnad und Güte ewig wacht,
und Seinen Heiligen Zuflucht gibt bei Nacht.
So bricht der tote Fromme nun den Stab
über die Gottlosen vor ihrem Grab.
Die Jugend, die in kurzer Zeit vollendet,
verdammt den Sünder, der sein Alter schändet.
SAPPHISCHE ODE
Heilen möcht’ ich, lindern der Menschen Leiden,
Als ein Arzt durchs Leben mit Tugend gehen,
Und ein Mädchen lieben in reinem Herzen,
Wenn es Dein Wille.
Doch wenn Du mich rufst zu dem heil’gen Dienste,
Dass ich einsam, ohne die Braut, Dir folge,
Und als Priester wandle auf Deinen Pfaden,
Herr, so erhöre:
Schenke mir die Freude an Deinem Rufe,
Dass kein Schmerz mein Inneres still verzehre;
Lass mich Priester werden mit frohem Blicke,
Nicht voll von Tränen.
BRIEF AN MARIA
Einsiedeln, im Jahre des Herrn 1970
Mein über alles geliebter Herr und Heiland Jesus Christus,
und du, meine unbefleckte Mutter Maria,
Hier stehe ich, Marian, ein siebzehnjähriger Jüngling, an der Schwelle meines Lebens. Wenn ich in die Welt blicke, sehe ich Verwirrung, Sturm und den Verfall des Glaubens. Doch je dunkler die Nacht wird, desto heller strahlt mir das Licht entgegen, das aus dem Buch des heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort spricht. Seine Worte haben mein Herz entflammt. Ich erkenne, dass es in dieser Zeit des Aufruhrs keinen sichereren, kürzeren und vollkommeneren Weg zu Dir, Jesus, gibt, als durch die Hände Deiner reinsten Mutter.
Darum trete ich heute vor euer Angesicht, um mich bedingungslos zu verschenken.
Ich, Marian, ein treuloser Sünder, erneuere und ratifiziere heute in deine Hände, o unbefleckte Mutter, die Gelübde meiner Taufe...
Ich wehre mich nicht länger gegen den Ruf, der in meiner Seele brennt. Ich weihe dir, o Maria, als dein Sklave aus Liebe, meinen Leib und meine Seele, meine äußeren und inneren Güter, ja selbst den Wert all meiner guten Werke – der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen. Verfüge über mich, ganz und gar, nach deinem Wohlgefallen!
Ich spüre, dass wir in der Epoche leben, von der St. Grignion prophetisch sprach: Die Zeit, in der die Schlange der Kirche in die Ferse beißt. Ich will kein lauer Zuschauer sein. Ich möchte von dir, o Königin der Herzen, geformt werden zu einem jener Apostel der Endzeit, die du für den Kampf der letzten Tage heranziehst.
Mache mich arm im Geist, arm an weltlichem Ehrgeiz, aber reich an deiner Gnade.
Mache mich zu einem Feuerbrand, der überall die Flamme der göttlichen Liebe entzündet und den Götzendienst der Welt verzehrt.
Gib mir den Mut, das Kreuz zu lieben, der Wahrheit ohne Menschenfurcht Zeugnis zu geben und Seelen für das Reich deines Sohnes zu erobern.
Ich bin noch jung, schwach und unbeständig, aber ich weiß, dass du meine Schwachheit in deine Stärke verwandeln wirst. Ich lege meine Zukunft, meine Berufung und jeden Atemzug, der mir noch bleibt, in deinen marianischen Schoß. Ich will nichts anderes mehr sein als ein Werkzeug in deinen makellosen Händen, ein Pfeil in deinem Köcher.
Totus Tuus – Ich bin ganz dein, und alles, was mein ist, ist dein, o mein liebenswürdiger Jesus, durch Maria, deine heilige Mutter.
In tiefer Ehrfurcht und heiliger Freude,
Marian
AHAB, ISEBEL UND ELIA
Ein düstrer Himmel hängt ob Jesreel,
wo Götzenrauch aus Baals Altären steigt.
Der König Ahab, schwach und weich im Geist,
gab seines Reiches Lenkung in die Hand
der Königin, die aus dem Sidon kam.
Und Isebel, voll wilder Grausamkeit,
verführt das Volk, das einst dem Höchsten diente,
zu schnödem Dienst vor stummen Götter-Bildern.
Sie schlachtet die Propheten Gottes ab,
will Seinen Namen tilgen aus dem Land.
Doch Gott löst Seinen Bund mit Israel nicht auf.
Wie eine Fackel in der tiefen Nacht
tritt vor den Thron Elia, der Tisbiter.
Kein weiches Kleid, kein Schmeichelwort ist sein,
ein Mann des Worts, vom Geist des Herrn erfüllt.
„So wahr der Herr, der Gott des Bundes, lebt:
Es soll kein Tau, kein Regen fallen mehr,
es sei denn, dass mein Mund es kündet an!“
So spricht er kühn und schwindet in die Wüste.
Drei Jahre brennt die Erde, dörrt das Gras,
der Hunger nagt an Mensch und Vieh im Land.
Da ruft Elia sie zum Berge Karmel:
Den schwachen Ahab und des Baal Gedolge,
vierhundertfünfzig Priester von der Lüge.
„Wie lange hinkt ihr auf zwei Seiten noch?
Ist Jahwe Gott, so folgt ihm treu fortan!
Ist Baal es, nun, so folget Baal!“
Zwei Stiere liegen auf dem Holz bereit,
doch kein Entzünder darf dem Opfer nahn.
Baals-Priester schreien, tanzen, rufen laut,
sie ritzen ihre Haut bis Blut fließt – stumm
bleibt ihr Altar. Kein Gott, der Antwort gibt.
Am Abend baut Elia den Altar des Herrn,
aus zwölf Gesteinen, wie die Stämme hießen.
Er gießt das Wasser dreimal auf das Holz,
bis dass der Graben ringsum überläuft.
Dann tritt er vor und betet schlicht und groß:
„Gott Abrahams und Isaaks und Israels,
erzeige heute, dass Du Gott hier bist!“
Da fällt das Feuer Gottes aus der Höhe!
Es frisst das Opfer, Holz und Stein und Staub,
und leckt das Wasser aus dem Graben auf.
Das Volk fällt auf das Angesicht und schreit:
„Der Herr ist Gott! Der Herr allein ist Gott!“
Bach Kischon färbt sich von dem Blut der Lügner,
und Ahab flieht im Wagen durch den Sturm,
denn dunkle Wolken bringen endlich Regen.
Doch Isebel, voll Zorn und wildem Grimm,
schwört Rache noch dem Boten des Gerichts.
Ihr stolzes Herz beugt sich dem Wunder nicht;
sie harrt im Trotz, bis Gottes Urteil kommt.
Das Wort bleibt wahr, Elia hat gesprochen:
Der Götzendienst vergeht im Staub der Zeit,
doch Gottes Thron steht fest in Ewigkeit.
DAS SCHWEIGEN
Die ewige Weisheit erhob ihre Stimme,
im heiligen Licht, im irdischen Grimme.
Ich sprach zu dem Werkzeug, das ich mir erkor,
ich legte mein Wort ihm ins offene Ohr.
Er hat meine Botschaft getreulich bewahrt,
sie rein und wahrhaftig der Welt offenbart.
Doch ihr habt gelästert, voll Missgunst und Neid,
verkanntet das Licht in der finsteren Zeit.
Ihr nanntet ihn Magier, Wahrsager, Dieb,
weil blind euer Herz für die Wahrheit verblieb.
Was heilig gegeben, habt ihr nur verflucht,
und hinter dem Segen die Hexen gesucht.
Drum leg ich dem Werkzeug das Schweigen nun auf,
es endet der Botschaft lebendiger Lauf.
Wenn ihr meine Worte als Zauberei seht,
verstummt nun der Geist, der euch mahnend umweht.
Kein Ruf hallt mehr wider, kein Trostwort ergeht,
weil ihr das Geschenk meines Boten verschmäht.
Die Quelle versiegt, das Siegel bricht nicht –
wer Finsternis wählt, verliert das Licht.
GEBORENE KÜNSTLER
Ein jedes Haus braucht Herz und Geist,
ihr wisst genau, wie das hier heißt.
Denn hier vereint sich großes Recken:
Das Geistreiche mit dem Schmecken!
Schwanke ist ein geborener Dichter,
macht trübe Miene wieder lichter.
Er webt aus Worten feinen Reim,
und bringt Poesie in jedes Heim.
Heike ist eine geborene Köchin,
am Herd die absolute Chefin.
Sie zaubert Düfte, herrlich fein,
da will man glatt der Löffel sein!
Er reimt am Tisch, sie rührt im Topf,
sie nährt den Bauch, er nährt den Kopf.
Ein Dream-Team, das zusammenpasst,
wo man das Leben gern genießt und fasst!
DER GUTE UND DER NICHTSNUTZIGE HIRTE
Ich hütete die Herde, die zum Schlachten war geweiht,
Um all der armen Schafe willen in ihrer Einsamkeit.
Zwei Stäbe nahm ich in die Hand, um treu bei ihnen zu stehen:
Der eine hieß auf Erden „Huld“, der andre sollt als „Eintracht“ gehen.
So zog ich aus mit sanftem Mut und hütete das Vieh,
Doch Bosheit brach den Bundesstab, der Schutz ward ihnen nie.
Da sprach der HERR: „Nimm noch einmal das Werkzeug zu dir her,
Doch diesmal sei ein Hirte du, der töricht ist und leer!
Denn seht, ich rufe einen Mann im Lande bald empor,
Der hat für das Verlorene kein Auge und kein Ohr.
Das Schwache heilt und pflegt er nicht, das Matte wird verbannt,
Er reicht dem kranken, müden Schaf nicht seine Retterhand.
Doch von den Fetten frisst er gierig Fleisch und alles Fett,
Zerreißt die Klauen ungehemmt in seinem Sündenbett.
Weh über diesen Hirten nun, der nichts als Leere bringt,
Der feige seine Herde lässt und stumm im Dunkeln sinkt!
Das Schwert soll fahren auf sein Aug’ und seinen starken Arm,
Kein Segen bleibt ihm mehr zurück, kein Mitleid, kein Erbarm!
Sein Arm soll völlig dörren aus, die Kraft sei ihm verwehrt,
sein rechtes Auge ganz erlöschen, blind und ganz verkehrt.“
DER PROPHET
Tritt einer noch als Prophet herfür,
Dann sprechen die Eltern vor seiner Tür,
Die ihn einst voller Liebe gebaren:
„Du sollst fortan nicht am Leben sparen!
Denn Lügen brachen aus dir heraus,
Gesprochen im Namen des Herrn im Haus.“
Und Vater und Mutter, die ihn gezeugt,
Durchbohren den Sohn, der das Recht gebeugt.
An jenem Tag wird die Schande groß,
Die Propheten lässt ihr Hochmut los.
Es schämt sich ein jeder für sein Gesicht,
Das er als Wahrheit einst verspricht.
Den Mantel aus Haaren, rau und schwer,
Den legen sie zur Täuschung an nicht mehr.
Der Betrug hat ein Ende, der Schein verfliegt,
Weil niemand mehr der Lüge erliegt.
Er wird dann rufen: „Ich bin es nicht!
Kein Prophet steht hier im Rampenlicht!
Ein Ackermann bin ich, der die Erde pflügt,
Ein Mensch besitzt mich, seit die Jugend trügt.“
Und fragt man ihn leise: „Woher die Spur
Der Schläge auf deiner Hände Kontur?“
Dann sagt er: „Die Wunden, die hier zu sehen,
Sind im Haus der Verwandten mir geschehen.“
ST EPHRÄM DER SYRER
Ephraem, doctor syriae,
plenus es clementiae,
fluens luce gratiae,
spiritus scientiae!
FAMILIE
Ein Kreis aus Schweigen, Bitterkeit und Schmerz –
so kalt schlägt heut das eigene Familienherz.
Die hübschen Nichten, einst mein ganzer Stolz,
sie schickten mich in die Wüste, fort ins dürre Holz.
Mein Patensohn, dem ich einst Liebe lieh,
verachtet mich und blickt herab auf mich wie nie.
Die Schwägerin verletzte mich mit gift’gem Wort,
beleidigt meine Seele, treibt mich von sich fort.
Und er, mein Bruder, der mir nah sein sollt’,
schweigt mich nur an, als wär ich niemals Gold.
Kein Wort des Trostes, keine Hand, die hält,
verlassen steh ich in der eignen Welt.
Doch flieh ich nachts den Tag und seine Plagen,
beginnt im Dunkeln erst das große Zagen:
Die toten Eltern, längst im Grab zur Ruh,
sie eilen mir in meinen Träumen zu.
Sie jagen mich durchs nächtliche Revier,
verfolgen mich und stehen vor der Tür.
LEBENSÜBERDRUSS
Der Jona grollt, sein Herz ist schwer,
er ärgert sich über Gott gar sehr.
Weil Gott der Stadt vergeben hat,
ist Jona wütend, müd und satt.
Er betet laut: „Ich ahnte wohl,
dass deine Güte fließen soll!
Du bist barmherzig, gnädig, mild,
weshalb mein Zorn auch so entquillt.
Nimm meine Seele, nimm sie hin,
weil ich im Leben traurig bin.“
Doch Gott fragt leise, ohne Spott:
„Ist dieser Zorn im Recht vor Gott?“
Jona verlässt den Stadtbezirk,
und wartet, was wohl noch bewirkt
das Schicksal, das im Osten droht;
er baut sich Schutz vor Sonnennot.
Da lässt der Herr im Nu entstehen
einen Rizinus, gar schön zu sehen.
Er schenkt dem Jona kühlen Schatten,
erfrischt den Jona, den so matten.
Der Prophet freut sich im grünen Zelt,
wie ihm der Strauch so gut gefällt.
Doch als der nächste Morgen graut,
hat Gott ein kleines Werk gebaut:
Ein Wurm sticht in des Strauches Pracht,
der Rizinus verdorrte über Nacht.
Die Sonne steigt, ein Ostwind weht,
der Jona kaum noch aufrecht steht.
Die Hitze sticht ihm auf das Haupt,
bis er an Lebenskraft beraubt,
erneut im Schmerz zum Himmel schreit:
„Der Tod wär mir eine Seligkeit!“
Gott fragt: „Zürnst du mit gutem Grunde
um diesen Strauch zur selben Stunde?“
Da ruft er trotzig: „Ja, ich zürn,
der Tod drückt mir auf das Gehirn!“
Da spricht der Herr: „Schau diesen Strauch,
er kam und ging wie Zephyrs Hauch.
Du hast ihn nicht einmal gepflegt,
kein bisschen Müh in ihn gelegt.
Dich jammert diese kleine Pflanze,
doch sieh mal auf das große Ganze!
Mich sollte Ninive nicht reuen,
wo Tausende im Licht sich freuen?
Dort leben Menschen, groß und klein,
die hilflos und unwissend sein,
und viele Tiere obendrein!“
BALLADE VON RUNGHOLT
Ein Jubeln, ein Lachen, ein wildes Geschrei,
In Rungholt am Meere, da feiert man frei.
Die Keller sind berstend voll goldenem Wein,
Der Hochmut zieht tief in die Herzen hinein.
Sie rufen dem Schöpfer voll Spott ins Gesicht:
„Wir trotzen den Wogen, uns brecht ihr wohl nicht!“
Da fassen drei Burschen, vom Branntwein berauscht,
Einen schändlichen Plan, den kein Frommer belauscht.
Sie torkeln zum Stalle, voll Frevel und List,
Wo die fette Sau friedlich im Strohlager frisst.
Sie hüllen das Tier in ein Leinentuch rein,
Und laden den Priester zum Krankenbesuch ein.
„O helft uns, Herr Pfarrer, der Bruder liegt wach,
Er ringt mit dem Tode im Sterbegemach!
Reicht ihm das Sakrament, betet das Wort,
Sonst fährt seine Seele verdammt von uns fort.“
Der Priester, voll Mitleid, eilt blind durch die Nacht,
Hat Hostie und Kelch zu den Sündern gebracht.
Sie führen ihn ein in die schummrige Kluft,
Wo statt Leichengeruch nur der Saustall herruft.
Sie lüften das Tuch mit Gelächter und Hohn:
„Hier liegt unser Bruder, nun segne ihn schon!“
Da grunzt das Vieh laut ins heilige Schweigen,
Und die Spötter beginnen den höllischen Reigen.
Der Priester erbebt, seine Lippen sind bleich,
Er flieht aus der Stadt, aus dem sündigen Reich.
Er fällt auf die Knie am einsamen Strand:
„O Herr, räche die Schande an diesem Land!“
Und das Meer, es vernimmt den verzweifelten Schrei,
Die Geduld Gottes ist nun im Himmel vorbei.
Ein Grollen erwacht in der Tiefe der Nacht,
Der Südweststurm braust mit gewaltiger Macht.
Die Wellen, sie wachsen wie Berge empor,
Sie hämmern an Rungholts verdorbenes Tor.
Der Deich, einst der Stolz der hochmütigen Stadt,
Gibt nach, weil die Sünde ihn mürbe gemacht.
„Die Flut kommt, die Flut!“ gellt der Schrei durch die Gassen,
Doch keinem hilft Gold mehr, das Schiff zu verlassen.
Das Wasser bricht ein mit verheerendem Schlund,
Es reißt das stolze Rungholt hinab auf den Grund.
Wo gestern noch Prunk war und Laster und Tanz,
Liegt morgen nur Schlick und des Meeres Glanz.
Ein graues Wattenmeer, so still und so weit,
Begrub das Verbrechen für ewige Zeit.
Doch hört man im Sturme, so flüstert die Mär,
Die Glocken von Rungholt noch tief aus dem Meer.
De Ballade von Rungholt
Ein Juchei, ein Lachen, ein wild Geschrei,
In Rungholt an’t Meer, dor fiert se frei.
De Kellers sünd proppvull voll gollenen Wien,
De Hochmoot treckt deep in de Haarten rin.
Se roopt den Schöpper vull Spott in’t Gesicht:
„Wi trotzt de Wogen, uns breekt ji wohl nich!“
Dor faten dree Keerls, vull Branntwien un Dullheit,
Een schändlichen Plaan, den keen Framen geiht.
Se torkelt to’n Stall vull Sünn un vull List,
Woneem de fette Söte in’t Strohlager fritt.
Se wickelt dat Deert in en Laken so rein,
Un laadt den Preester to’n Krankenbesook ein.
„O hölp uns, Herr Pastoor, de Broder liggt wach,
He ringt mit den Dood in de Starvekamer ach!
Reek em dat Sakrament, beedt dat Word,
Sünst fahrt sien Seel verdammt von uns fort.“
De Preester vull Medlied eilt blind dör de Nacht,
Het Hostie un Kelk to de Sünders bracht.
Se föhrt em rin in de düstere Kluft,
Woneem statt Liekenröök blots de Saustall rüfft.
Se lüfft dat Dook mit Gelächter un Hohn:
„Hier liggt uns Broder, nu segne em schon!“
Dor grunzt dat Veeh luud in dat hillige Swiegen,
Un de Spötters beginnt den höllschen Reigen.
De Preester de bevert, de Lippen sünd bleek,
He flüggt ut de Stadt, ut dat sündige Riek.
He fallt op de Knee an den einsamen Strand:
„O Herr, rääk de Schann an düt verdoorvene Land!“
Un de See, se verneemt den verweifelten Schrei,
De Geduld vun den Heven is nu vörbei.
Ein Grollen waakt op in de Deep vun de Nacht,
De Süüdweststorm bruust mit gewaltige Macht.
De Wogen, se wast as Bargen empor,
Se hammert an Rungholts verfluuchtes Door.
De Diek, inst de Stolz vun de hochmödige Stadt,
Giff na, wiel de Sünn em mörw maakt hat.
„De Floot kummt, de Floot!“ gellt de Schrei dör de Gassen,
Doch keen hölpt dat Gold mehr, dat Schipp to verlaten.
Dat Water brickt in mit verheerendem Slund,
Et ritt dat stolte Rungholt dal op den Grund.
Wo gistern noch Prunk weer un Laster un Danz,
Liggt morgen blots Schlick un de See ehr Glanz.
Ein graues Wattenmeer, so still un so wiet,
Begroof dat Verbreken för ewige Tiet.
Doch hüürt man in’n Storm, so flüstert de Määr,
De Klocken vun Rungholt noch deep ut dat Meer.
SONETT
Ihr stellt den Menschen in den Mittelpunkt,
Seit jenem Tag, da das Konzil getagt.
„Unendliche“ wird seine Würd' beklagt,
Als wär aus ihm der Wahrheit Quell entsprungen.
Doch Gott ist nicht als Mensch zu uns gelangt,
Dass wir als Rotes Kreuz im Weltenlauf,
In Dialog und gutem Willen drauf,
Uns spiegeln, wo die Seele nach ihm bangt.
Der Kirche Auftrag ist kein Humanismus,
Kein bloßes Sorgen für die Erdenzeit,
Kein Paktieren mit dem Widerspruch.
Es geht um Christus und den Absolutismus
Der Wahrheit, die uns aus dem Tod befreit:
Er ist der Weg, das Leben, Gottes Buch.
ALPTRÄUME
Ein ganzes Jahr in finstrer Nacht
Haben Alpträume mich umgebracht.
Da bissen mich Hunde, da bissen mich Katzen,
Mit scharfen Zähnen und wilden Tatzen.
Und Ratten fraßen, voll Gier und Grauen,
An meinem Fleisch, kaum wegzuschauen.
Doch Schwester Sabine, treu und rein,
Ließ mich in dieser Not nicht allein.
Ein ganzes Jahr lang, Tag für Tag,
Sie betend für mich im Glauben lag.
Und Jesus hat ihre Stimme gespürt,
Er hat Seine geliebte Braut erhört.
Er brach die Ketten, die mich besessen,
Die bösen Träume sind nun vergessen.
Aus tiefer Nacht und schwerem Leid
Hat Er mich erlöst und befreit.
TOM
Als kleines Kind schloss ich dich ein
in dieses Herz, so tief und rein.
Ich sah dich wachsen, Schritt für Schritt,
ging jeden Weg im Geiste mit.
Vom Knaben, der die Welt entdeckt,
der Träume und auch Mut erweckt,
sah ich dich dann zum Jüngling reifen,
nach neuen, fernen Sternen greifen.
Nun stehst du da als junger Mann,
der tatkräftig uns helfen kann.
Ein treuer Geist, der mit uns geht,
der fest im Leben, mutig steht.
Die Jahre flohen wie im Wind,
doch tief in mir brennt, wie als Kind,
die Liebe, die sich nie verlor,
sie ragt wie damals stolz empor.
Der Tag vergeht, das Licht wird matt,
weil jeder Tag sein Ende hat.
Schlaf gut, mein Engel, treu und rein –
ich werd’ im Traum dir nahe sein.
TOM II
Für Tom, in feinen Reim gebracht,
was damals tief im Schoß erwacht:
Erst warst du eine Weinbeere, so klein,
die anfing, sacht im Licht zu sein.
Dann wurdest du zum Apfel rund,
gesund und fest zur selben Stund'.
Am Ende gar als Brot voll Pracht –
da hab ich schon an dich gedacht,
und dich geliebt mit ganzer Macht.
Ich lieb dich wie ein Vater den Sohn,
mit Stolz und tiefem, treuem Ton.
Wie ein Onkel seinen Neffen lenkt,
und ihm ein offnes Ohr geschenkt.
Wie ein Pate für sein Patenkind wacht,
und schützend seine Hände hält bei Nacht.
Wie ein Lehrer seinen Schüler biegt,
weil ihm an dessen Zukunft liegt.
Und dieses Band, so fest und rein,
wird ewig und für immer sein.
MILAN
Ein langes Schweigen, Jahr um Jahr,
mein Bart ist mittlerweile weiß.
Dein Antlitz schmal, so wunderbar,
ich sah dich an und stutzte leis’,
bis ich in dir den Knaben fand,
den ich nach dieser langen Reis’
zuerst fast gar nicht wiedererkannt.
Als Kind standst du vor mir bereit:
„Du sollst nicht rauchen!“, riefst du frei.
Nun hat gedreht sich Rad und Zeit,
die Kindheit ist schon längst vorbei.
Als junger Mann stehst du im Rauch,
drehst dir die Kippe ganz geschwind,
folgst dem erwachsnen, eignen Brauch,
vorbei der Protest als kleines Kind.
Ich las dir einst aus Heften vor,
von Asterix und Obelix,
wir lachten laut mit viel Humor
und lernten von den Römern fix.
Weil dich das Gallier-Dorf verfing,
lerntest du Latein mit großem Fleiß –
ein Weg, der einst mit Comic anfing
und nun von alten Sprachen weiß.
Und weil wir früher ohne Rast
stets Pommes aßen mit Bratwurst,
du heute deine Arbeit hast
im Imbiss, stillst der Kunden Durst.
So schließt sich mancher Lebenskreis,
aus alter Zeit wird neues Tun,
und was ich ganz besonders weiß:
Meine Liebe zu dir wird niemals ruhn,
sie blieb durch alle Jahre wahr –
wie sie es damals, Milan, war.
DER SPIELER
Er:
Ich hab die ganze Nacht
Kein Auge zugemacht,
Ich leide wirklich viel!
Ich:
Ich weiß, beim Kartenspiel.
PINDARISCHE ODE
Strophe I
Auf dem grünen Rasen, wo die Menge gellt,
steigt er empor, ein Sturm aus Kraft und Licht.
Mit schnellem Schritt durchmisst er das Gefild,
kein Zaudern hemmt den Lauf, kein Gegner bricht
den Vorwärtsdrang, den kühnen Geist.
Felix, der den Ball mit Leichtigkeit lenkt,
den Blick nach vorn, dem Siege zugewandt,
wenn er im Stadion die Hoffnung entflammt,
und das Netz erzittern lässt – ein Schuss, der befreit!
Die Jugend jubelt, die Arena preist
den Helden, der den Ruhm des Spiels umspannt.
Antistrophe I
Doch nicht im Lärm der Welt verliert er sich,
wenn die Kameras blitzen und der Beifall hallt.
Ein tieferer Quell bricht Bahn aus seiner Brust,
ein Zeugnis, das durch die Stadien schallt.
„Für Jesus!“, spricht der Mund voll Mut,
vor Millionen Augen, ungezähmt und frei.
Er scheut den Spott der weisen Welt nicht mehr,
trägt seinen Glauben wie ein Schild umher,
bekennt den Herrn, der ihm die Kraft verleiht.
Ein Vorbild, das im hellen Rampenlicht steht,
und zeigt, woher des Lebens wahre Glut entsteht.
Epode I
O Jesus, Retter, Fels in wilder Flut!
Du bist das Licht, das Felix’ Herz entfacht.
Nicht Gold, nicht Silber, nicht des Ruhmes Pracht
wiegt auf, was Deine Gnade an uns tut.
Vom Kreuz herab strömt Deine Lebensmacht,
Du König, der den Schwachen Stärke gibt,
der jeden schützt, der an Dich glaubt und liebt.
Strophe II
Nun hebt die Hände, bringt den Becher her,
den goldnen Pokal, der dem Sieger gebührt!
Ein Zeichen des Triumphs im ird’schen Streit,
den er durch Schweiß und Glauben herbeigeführt.
Die Krone glänzt im Abendlicht,
ein Lohn für Mühe, Kunst und harten Fleiß.
Der Sportler nimmt ihn dankbar in die Hand,
doch schaut sein Blick weit über diesen Rand,
zum ew’gen Siegeskranz, der nie zerbricht.
Antistrophe II
Der Jubel ebbt verhalten wieder ab,
die Ränge leeren sich, der Tag verblasst.
Was bleibt, ist das Bekenntnis, fest und klar,
das keine Zeit und kein Erfolg anfasst.
Der Pokal mag ruhn im Ehrensaal,
doch Felix’ Lied von Jesus tönt voran.
Ein Läufer auf dem Feld und im Geist,
der Gott mit jedem seiner Schritte preist.
Epode II
So schließt der Hymnus, laut und feierlich:
Der Ball rollt weiter, doch das Wort besteht.
Ein Sportler, der vor seinem Schöpfer kniet,
gewinnt den Kampf, der über die Zeit hinausgeht!
Evi, der Fürst
Im Wüstensand, wo Midian herrschte,
wo mancher Plan im Dunkeln gährte,
stand Evi stolz als einer fünf,
in Macht verstrickt und Sumpfgeschling.
Sie führten Israel zum Fall,
beim Baal-Peor, mit lautem Schall,
verführten Gottes Volk zur Sünde,
dass Jahwes Zorn im Land entzünde.
Doch Moses Heer zog in den Krieg,
für Jahwes Rache, für den Sieg.
Sihons Vasallen, stolz und kühn,
sah man im Kampfe bald verglühn.
Auch König Evi traf der Stahl,
er fiel im blut’gen Jammertal.
Sein stolzes Land, der Macht beraubt,
wurde dem Stamm Ruben erlaubt.
So blieb von Evi nur ein Wort,
ein Name bloß, verweht am Ort.
DAS HERZ MARIENS
Es sprach der Schöpfer, der die Welt erdacht,
der mich erschuf mit seiner großen Macht:
„Lass nun dein Zelt an einem Orte ruhn,
in Jakobs Landen sollst du fortan tun,
was dir bestimmt ist – nimm dein Erbe an,
auf dass dir Israel vertrauen kann.“
Vom Anfang an, noch vor der Ewigkeit,
erschuf er mich für alle Lebenszeit.
Und selbst wenn Welten enden und vergehen,
werde ich ewig unberührt bestehen.
Im heiligen Zelt durft’ ich vor ihm schon stehen,
auf Zions Berg mein festes Fundament ersehen.
In der Stadt, die er so tief geliebt,
wo er den Seinen Ruh' und Frieden gibt,
in Jerusalem ward mir die Macht verliehen.
So durfte ich als Wurzel kräftig blühen,
in einem Volk, das Ruhm und Ehre trägt,
wo Gottes Hand das Erbe treu gepflegt.
Als er dies sprach, erhob im selben Raum
eine Frau die Stimm’, man hört' es kaum,
und rief aus allem Volk herbei:
„Wie selig doch der Schoß wohl sei,
der dich getragen voller Lust,
und selig die geliebte Brust!“
Und er versetzte treu und klar:
„Noch mehr sind jene selig, das ist wahr,
die Gottes Wort von Herzen hören,
es treu bewahren und drauf schwören.“
GESCHICHTEN-PHILOSOPHIE
Im Jahr Fünfundsechzig die Metaphysik erhellt;
Der Nachlass führt uns tiefer in Schapps gedachte Welt.
Verwechsle dies nun nicht mit Weltgeschichtsverlauf!
Kein Strom histor’scher Daten drängt sich dem Geiste auf.
Es sind die Alltagssachen, die jeder Mensch erfährt,
Was Schapp als Urphänomen in seinem Werk erklärt.
Der Mensch ist, wie das Tier, von Geburt an ganz und gar
In Netze von Geschichten verwoben, wunderbar.
Kein Makel ist dies Verstricktsein, es ist des Seins Bezug:
Der Mensch ist diese Netze, kein Ding für sich ist klug.
Auch Sachen unsrer Umwelt stehn nicht beziehungslos;
Als „Wozudinge“ reifen sie in Geschichten groß,
Gewinnen ihren Sinn erst durch menschlichen Gebrauch.
Doch im Abendlande herrscht ein ganz andrer Hauch:
Die Welt wird mathematisch, abstrakt und kühl erfasst,
Was Schapp als große Geschichtenvergessenheit verhasst.
Man tilgt das Wesen dessen, was Mensch und Ding gedeiht,
Wenn man sie trennt vom Strome der Lebenswirklichkeit.
EXISTENZ
die bibel:
sei deinen eltern dankbar,
dass sie dich gezeugt haben,
wie willst du das je wieder gutmachen?
die dichterin:
wie können meine eltern
das je wieder gut machen,
dass sie mich geboren haben.
SELBSTLIEBE
Bühnenbild: Ein stiller Raum im Spiegelkabinett der Seele. Es ist dunkel, bis ein warmes Licht die drei Gestalten erhellt, die Hand in Hand im Kreis stehen.
Akt I: Das Erwachen im Dunkeln
Das Es (wild, pulsierend und sehnsuchtsvoll)
Ich will dich spüren, ganz und gar,
so wie ich bin, so hautnah, bar.
Ich schrie nach Liebe in der Welt,
nach allem, was den Hunger stillt.
Doch merke ich im tiefsten Schmerz:
Der größte Durst brennt mir im Herz
nach dir – nach uns, in diesem Raum.
War Selbstakzeptanz nur ein Traum?
Das Über-Ich (streng, doch die Stimme wird weicher)
Ich maß dich stets an Ideal und Pflicht,
erlaubte dir die Fehler nicht.
Ich hielt die Peitsche, zog den Zaun,
vor lauter Angst, dir zu vertraun.
Doch sah ich dich im Dunkeln weinen,
begann mein hartes Herz zu scheinen.
Perfekt zu sein, ist kalter Schein –
ich will dir Schutz, nicht Richter sein.
Akt II: Die Brücke des Bewusstseins
Das Ich (erleichtert, die Arme ausbreitend)
Ich stand so lang in eurem Streit,
zerrissen in der Einsamkeit.
Hier das Verlangen, dort die Pflicht,
und ich dazwischen sah das Licht
vor lauter Zweifeln fast nicht mehr.
Doch hört mir zu: Ich liebe euch so sehr!
Du, wildes Es, bist meine Kraft,
die Leidenschaft, die Leben schafft.
Und du, mein treues Über-Ich,
hältst Wache und beschützt nun mich.
Das Es (schmiegt sich an das Ich)
Du nimmst mich an? Trotz meiner Gier?
Trotz meiner Wut? Ich danke dir!
Ich muss nicht mehr im Schatten schreien,
dein "Ja" zu mir wird mich befreien.
Das Über-Ich (legt dem Ich eine Hand auf die Schulter)
Und ich lass meine Richterkrone sinken,
wir müssen nicht im Tadel trinken.
Ich sehe deine Mühe, deine Pracht,
du hast das Gut im Sturm bewacht.
Ich liebe dich für deinen Mut,
so wie du bist, bist du herrlich gut.
Akt III: Der Bund der Selbstliebe
Das Ich (sieht beide an, die Augen leuchtend)
Wir sind kein Krieg, wir sind ein Chor,
wir öffnen uns das goldne Tor.
Wenn ich mich selbst im Spiegel seh,
tut mir die Welt nicht mehr so weh.
Weil ich in mir die Heimat fand,
reich ich euch beiden fest die Hand.
Alle Drei (im Chor, sich umarmend)
Wir lieben uns – im Dreiklang rein,
wir hören auf, getrennt zu sein.
Aus Trieb und Norm und hellem Geist
wird nun ein Ganzes fest geschweißt.
Ich liebe mich, in jeder Schicht:
Aus Schatten wird das schönste Licht.
PFLÜCKE DEN TAG
Freu dich an deines Säuglings Lächeln, freu
Dich an des Jauchzens ungewissem Schrei,
Mit dem er streckt die lustbewegten Glieder.
Wär' zehnmal stolzer auch, was dich durchweht,
Wenn er vor dir dereinst, ein Jüngling, steht,
Dein lächelnd Kindlein gibt er dir nicht wieder.
NUDEL-MANGOLD-GERICHT
Aus dem bescheidenen Beet, von Heikes Händen gepflegt, grünt
Frisch der Mangold hervor, mit kräftigen Stielen und Blättern.
Siebenmal wäscht sie das Kraut und schneidet es fein in die Schüssel,
Während im ehernen Topf schon wallend das Wasser emporsteigt.
Nun wirft Heike die Nudeln hinein, die Körner des Weizens;
Brodelnd umschließt sie die Flut. Sie rührt mit dem hölzernen Löffel,
Mischt den Mangold dazu, dass das Grün mit dem Gelb sich verbinde.
Knoblauch presst sie hinein, ein duftendes Öl aus Oliven
Träufelt sie reichlich herab, und Salz aus den Tiefen des Meeres.
Heiß ersteht das Gericht, von dämpfenden Düften umwoben.
Heike trägt es zu Tisch, ein ländliches Mahl, doch ein Festmahl.
DAS KRÄUTER-KÄSE-GERICHT
VON VERGIL
Säumend hatt’ nun die Nacht zehn Winterstunden voll,
Und der geflügelte Wächter schrie den Tag schon toll,
Als Simulus, der Knecht des mäßig kleinen Guts,
Um nicht den Tag zu darben, frohen Lebensmuts
Die Glieder mählich hebt von seinem armen Bett,
Und mit geschäft’ger Hand im Dunkeln suchend geht.
Er tastet nach dem Herd, den er nach Stößen spürt,
Wo nur ein Restchen Rauch die Kohle noch berührt.
Die Flockenasche deckt das düstere Gefunkel;
Er beugt das Lämpchen vor und blickt in das Halbdunkel.
Er rückt den Docht hervor aus trocken-grobem Hanf
Und bläst mit starkem Hauch, bis dass der Funke dampft.
Da flammt das Feuer auf und scheucht die Schatten fort;
Er schützt das Licht vorm Zug und geht von diesem Ort.
Er öffnet sacht die Tür zur Kammer eng und klein,
Wo auf der Erde liegt der karge Weizen rein.
Hier rafft er biegend auf, bis ganz das Maß gefüllt,
Das sechzehn Pfunde schwer in seiner Höhlung hält.
Er eilt zur Mühle hin, wo an der Wand ein Brett
Als Stellplatz für das Licht die Treue ihm bewährt.
Er entblößt die Arme nun, zieht hoch das Festgewand,
Gürtet das Ziegenfell und fegt mit rascher Hand
Zuvor den Mühlstein rein von Staub und altem Mehl.
Nun ruft er beide Händ’ ans Werk ohn’ einen Fehl:
Die Linke hilft beim Dienst, die Rechte dreht im Kreis,
Und treibt den Umlauf an mit Mühe und mit Fleiß.
Das Schrot läuft klappernd ab im lauten Steingeschwing,
Und oft die Linke tauscht, damit das Werk geling.
Er singt ein Bauernlied mit ländlich rauer Stimme,
Und nimmt der harten Arbeit so den ersten Grimme.
Er ruft: „Cybale!“ laut. Das war die einz’ge Magd,
Aus Afrika gestammt, wie ihr Gesicht es sagt:
Kraushaarig, Lippen dick, von Farbe dunkelbraun,
Breitbrüstig, Hängebusen, schmal im Bauch zu schaun,
Dünnschenklig und geschmückt mit großem, breitem Fuß;
Die Ferse starr geritzt vom harten Erdengruß.
Sie ruft er nun herbei und heißt sie hölzern Reiß
Zum Herde tragen schnell, fürs Wasser, das schon heiß.
Als er das Mahlen nun ganz fehlerfrei vollbracht,
Trägt er das Korn zum Sieb und rüttelt mit Bedacht.
Die grobe Kleie bleibt im Sieb am Boden stehn,
Das reine Ceres-Korn lässt er nach unten gehn.
Auf glatter Tafel liegt das Mehl nun weiß und rein;
Er gießt das laue Wasser sorgsam mit hinein.
Er mischt und knetet wild den Quell und feinen Staub,
Und wendet quer den Teig, der zäh wird und nicht taub.
Er salzt den Klumpen gut und drückt ihn platt und rund,
Und prägt ein Viereck ein im gleichen Abstand und
Er bringt ihn hin zum Herd, den jene rein gewischt,
Deckt eine Stülpe drauf, wo heiß die Glut erfrischt.
Und während nun Vulkan und Vesta fleißig sind,
Bleibt Simulus nicht faul, er eilt zum Garten geschwind.
Er sorgt für Zukost sich, damit das Brot allein
Dem Gaumen nicht zu trocken und zu fade sei.
Es hing kein Speck am Herd, kein Fleisch im Schornsteinrauch,
Kein Schinken war im Haus für‘n armen Simulus-Bauch;
Nur runder Käse hing, durchbohrt von Ginsterband,
Mit altem Dill als Kraut an seiner Hüttenwand.
Drum sucht der kluge Mann nach andrer Speise sich;
Ein kleiner Garten stieß ans Haus ganz nachbarlich.
Mit Schilf und Weidenholz war er nur schwach umzäunt,
Doch trug er Kräuter viel, dem Armen wohlgesinnt.
Was er zum Leben braucht, das wuchs auf diesem Fleck,
Sogar der Reiche lieh von ihm zu manchem Zweck.
Nicht Üppigkeit war hier, nur Ordnung trieb ihn an;
Und wenn ihn Regen einst am Feldwerk gehindert han,
An Festen oder wenn der Pflug im Schuppen stand,
Dann schuftet er hier im Beet mit seiner eignen Hand.
Er pflanzte Reihn auf Reihn, sät Samen in das Feld
Und lenkte Bäche klug, wie es ihm wohlgefällt.
Hier wuchs der Kohl und Mangold, der die Arme reckt,
Und Sauerampfer wild, der Malventrank, der schmeckt;
Hier stand die Möhre süß, der Lauch im dichten Schopf,
Und schläfernder Mohn hing schwer den kalten Kopf.
Salat, der labend schließt das große Herrenmahl,
Und Rettich, dick und rund, gab es in großer Zahl,
Und schwer am Rankenstrick lag auch der Kürbisbauch.
Doch nicht für ihn allein wuchs dieser gute Lauch!
Er lebte karg und strikt; am Markttag trug er schwer
Die Bündel in die Stadt, wo er sie gab umher.
Er kam mit leichtem Hals, doch schwer von Geld nach Haus
Und wich der teuren Fleischbank meistens helfend aus.
Ihm war die Zwiebel recht, der Schnittlauch frisch vom Beet,
Die Kresse, die im Mund gar scharf und bitter dreht,
Und der Endivien Wuchs, die Raute, liebes-heiß;
Mit solcher Kost im Sinn betritt er nun den Kreis.
Er lockert leise erst die Erde mit der Hand,
Zieht Knoblauchstangen vier mit Knollen aus dem Sand.
Er rupft des Eppichs Grün und Raute, starr und wild,
Und den Koriander auch, der zitternd Dolden füllt.
Er trägt es in das Haus, setzt sich ans Feuer hin
Und fordert laut den Mörser nach des Essens Sinn.
Er schält den Knoblauch nackt von seiner Haut ab jung,
Die Schalen wirft er weg mit wildem Schwung.
Die Knollen wäscht er rein im Wasser frisch und klar
Und senkt sie in den Stein, der seine Schüssel war.
Er streut das Salz darauf und schneidet Käse rein,
Der hart vom Salze war, und wirft die Kräuter drein.
Die Linke hält das Kleid am zott’gen Leibe fest,
Die Rechte mit dem Stößel nun den Knoblauch presst.
Er stampft und reibt das Kraut zu einem grünen Saft;
Die Hand dreht sich im Kreis mit aller Männerkraft.
Allmählich schwindet nun die eigne Form der Pracht,
Aus vielen Farben wird nur eine jetzt gemacht:
Nicht ganz im Grüne rein, da Milch das Grün durchbricht,
Noch weiß von dieser Milch, weil Kraut die Farbe bricht.
Der scharfe Atem steigt dem Mann in die Nase hoch,
Er schneidet ein Gesicht und flucht dem Essen noch.
Er wischt die Träne ab, die ihm im Auge brennt,
Und schilt den armen Rauch, den er als Schulden kennt.
Das Werk schreitet voran, nicht höckrig wie zuvor,
Der Stößel läuft nun schwer im glatten Kreis empor.
Er tröpfelt Öl als Saft, des Atlas edle Zucht,
Und gießt ein wenig Essig bei mit scharfer Frucht.
Er mischt das Ganze neu und rührt es wieder um;
Mit beiden Fingern dreht er nun den Mörser krumm,
Und presst das lose Kraut zu einer runden Pracht:
So wird der „Moretum“ als Speise fertig gemacht.
Cybale scharrt das Brot nun aus der Asche her,
Und Simulus nimmt’s warm, nun sorgt er sich nicht mehr.
Für diesen Tag befreit von Hunger und von Not,
Zieht er die Stiefel an, die Kappe schützt ihn gut.
Er spannt die Ochsen ein, die folgsam im Geschirr,
Und drängt die Pflugschar tief ins weite Erdrevier.
OSTFRIESISCHEN PASTORS WALLFAHRT NACH WIEN
Im Ostfriesland, wo das Wattenmeer
rauscht an den Deich so wild und schwer,
saß Pastor A. in seinem Amt,
vom lutherischen Geist entflammt.
Er dachte nach bei Tee und Kluntje:
„Wien ist die Stadt, wo mancher wohnte,
der kaiserlich und katholisch dachte,
was mir schon manche Sorge machte.
Ich pack die Bibel, Stock und Brot,
und wandre los mit Herre Gott.“
So schritt er fort durch Moor und Geest,
hielt an dem neuen Glauben fest.
Sein Talar flatterte im Wind,
er ging, als wär er fast ein Kind
der großen, weiten Pilgerschar,
obwohl er Gegenpapst fast war.
Er schimpfte leise auf die Pfaffen,
die sich in Klöstern Reichtum schaffen,
und sang ein Lied von Luther laut,
dass sich der Waldrand schier gegraut.
In Bayern trank er statt des Biers
ein Quellchen Wasser des Reviers
und staunte über barocken Prunk,
der schien ihm fast wie Teufelstrunk.
„Zu viel an Gold, zu viel an Schein,
das kann für Gott nicht richtig sein!“
Doch trieb ihn die Neugier immer weiter,
der Weg war steil, nicht immer heiter.
Nach Wochen sah er endlich Wien,
wo weiße Kirchturmspitzen blühn.
Er stand am Stefansdom ganz stumm,
dreht' sich auf Absatz dreimal um.
Der Kaiser saß in der Hofburg drin,
doch A. stand draußen mit dem Sinn:
„Es kochen alle nur mit Wasser,
ob Lutheraner oder Hasser!“
Er kaufte sich ein Wiener Brot,
vergaß für kurz die Glaubensnot,
und wanderte, bekehrt vom Reisen,
zurück ins Land der trocknen Freisen.
Denn Heimat, Deich und luth‘risch Wort,
sind besser als der Kaiserort.
GUDRUNLIED
IN GEBOTENER KÜRZE
Frau Gudrun, die erhabne, wollt von den Schafen gahn,
sie hieß das Schiff bereiten wohl auf dem Ozean.
Nach Dänemark und Irland zog es die Herrin frei,
sie wollt im Sturmland weilen, frei von der Schäferei.
Da saß die stolze Königin im sanften Abendwind,
ihr folgte treu Herr Horand, des Sanges weises Kind.
Er griff in seine Saiten, der Ton klang süß und hell,
dass selbst die wilden Wellen lauschten dem Sänger schnell.
Sie tranken kühlen Met dort und feine Speis’ man brach,
kein Wort von bösen Feinden an diesem Tage sprach.
So reiste die Prinzessin wohl durch die lichte Welt,
wie es der tapfren Hirtin nunmehr gar wohl gefällt.
KLASSISCHE MUSIK
Ludwig van Beethoven:
Er litt unter schweren gesundheitlichen Problemen,
die durch seinen jahrzehntelangen, exzessiven
Alkoholkonsum begünstigt wurden.
Neuere genetische Analysen und Obduktionsberichte
zeigen eine schwere Leberschädigung.
Modest Mussorgsky:
Der russische Komponist war
für seinen starken Alkoholismus bekannt,
der seine Gesundheit ruinierte
und letztlich zu seinem frühen Tod beitrug.
Jean Sibelius:
Er hatte in seinen mittleren Jahren
mit starkem Alkoholkonsum zu kämpfen,
der seine Existenz bedrohte.
Erst nach einer streng verordneten Abstinenz
gelang ihm die Komposition
seiner wegweisenden 4. Sinfonie.
Hector Berlioz:
Er experimentierte, wie viele Künstler der Romantik,
mit Opium und verarbeitete
diese rauschhaften Erfahrungen
in seinem Schaffen.
Richard Strauss:
Bei ihm ist der von Ärzten verabreichte
Konsum von Kokain bekannt.
Dies soll bei der Inspiration und dem Schreiben
einiger Arien geholfen haben.
SELBSTERKENNTNIS
(für Quentin)
Selbsterkenntnis ist durch die Methode
Der phänomenologischen Reflexion nicht nur möglich,
Sondern das Fundament der gesamten Philosophie.
Allerdings läuft das nicht so simpel ab,
Dass Subjekt und Objekt einfach
Zu einem starren Punkt verschmelzen.
Es wird gezeigt, dass dabei
Eine ganz besondere Dynamik entsteht:
Die Ich-Spaltung...
Wenn du dich selbst erkennst,
Bist du zwar dieselbe Person,
Nimmst aber gleichzeitig zwei Rollen ein:
Das reflektierende Ich (Subjekt):
Das Aktzentrum, das jetzt gerade den Blick
Nach innen richtet und beobachtet.
Das reflektierte Ich (Objekt):
Der Strom an Erlebnissen, Gedanken oder Gefühlen,
Der beobachtet wird.
Man nennt das eine strukturelle Spaltung des Egos.
Das Ich macht sich selbst zum Gegenstand,
Bleibt dabei aber die Instanz,
Die diesen Gegenstand überhaupt erst betrachtet.
Ein echter logischer Widerspruch
(„Wie kann ich gleichzeitig der Sehende
Und der Gesehene sein?“)
Wird durch die Zeitstruktur unseres Bewusstseins gelöst.
Man betont, dass Reflexion immer ein Stück weit
Retrospektiv ist.
Wenn du wütend bist und diese Wut reflektierst,
Schaut das erkennende Subjekt auf ein Erlebnis,
Das gerade im exakt vorherigen Moment
Stattgefunden hat oder im Bewusstseinsstrom abfließt.
Du blickst also auf die Spur deines eigenen Erlebens.
Das erkannte Objekt ist somit kein totes „Ding“,
Sndern dein eigener, lebendiger
Erlebensstrom (Bewusstseinsstrom).
Das Ganze funktioniert nur,
Weil du dich nicht erst durch das Nachdenken
Mühsam entdecken musst.
Bevor du überhaupt aktiv reflektierst,
Besitzt dein Bewusstsein
Ein vor-reflexives Selbstbewusstsein.
Während du ein Buch liest
(Dein Fokus liegt auf dem Objekt „Buch“),
Weißt du im Hintergrund immer schon implizit,
Dass du es liest.
Dieses ständige, passive Mitlaufen
Des inneren Zeitbewusstseins
Ist der Anker, der dafür sorgt,
Dss das reflektierende Subjekt
Und das reflektierte Objekt
Im Kern als dieselbe Identität erkannt werden.
Selbsterkenntnis ist also kein statischer Zustand,
In dem ein Subjekt ein festes Objekt
Namens „Ich“ betrachtet.
Es ist vielmehr der dynamische Akt,
Bei dem das Bewusstsein sich
In seinem eigenen Fließen ertappt.
ZUM GEBURTSTAG
Ein weiteres Jahr ist nun geschafft,
es schwindet ein Stück der Arbeitskraft.
Doch tröste dich, der Blick nach vorn
zeigt schon den Ruhestand im Korn!
Er rückt nun näher, Schritt für Schritt,
und bringt die große Freiheit mit.
Dann hast du endlich Zeit im Leben,
dich tiefer Geistwelt hinzugeben.
Ob Tolstois Werk in dicken Bänden,
ob Kirchenväter in den Händen –
du liest, was dich im Innern nährt,
weil dir kein Wecker mehr was wehrt.
Und schaut man auf die Kinderschar,
die wohlerzogen, das ist wahr,
erwacht vielleicht die leise Hoffnung bald,
dass Kinderlachen durch die Wohnung schallt,
dass Enkelkinder eure Welt versüßen
und euch als Oma und als Opa grüßen.
Doch sollte es mal anders kommen,
sei dies als Trost von mir vernommen:
Schon Philipp Melanchthon wusste recht,
der Himmel ist als Schule nicht so schlecht.
Dort droben, in der Ewigkeit,
bist du zum Lernen stets bereit.
Bis es so weit ist, feier fein,
genieße diesen Sonnenschein!
Ich stehe treu an deiner Seite,
durch jede Höhe, jede Weite.
ON EVELYN
Evelyn started as a Grace, so sweet and fair,
A vision of beauty and charm beyond compare.
Then she became a Fury, filled with raging heat—
Though for a Fury, she’s a bit too overeat.
And now I fear a darker role she’ll take:
To be a Fate, and for her vengeance' sake,
With cold, unblinking eyes and steady hand,
To snip the thread on which my life is spanned.
NACH HÖLDERLIN
Künftig verfällt Metaphysik ganz rein der moralischen Weisheit;
Kant hat ein Beispiel gegeben mit seinen zwei Postulaten,
Doch er erschöpfte es nicht. So wird diese Ethik uns werden
Ein vollständiges System von Ideen und heiligen Pflichten.
Seht, die primäre Idee ist das Bild von dem eigenen Wesen,
Das sich als absolut frei und selbstbewusst herrlich begreift nun!
Mit dem bewussten, freien Geist bricht die Welt aus dem Nichts vor,
Einzig denkbare Schöpfung aus Nichts, die wahrhaft besteht so.
Nun auf die Felder der Physik steig' ich hernieder und frage:
Wie muss beschaffen die Welt für ein moralisches Wesen
Sein, damit träger Physik, die an Experimenten nur mühsam
Kriecht, neu Flügel erwachsen und schöpferisch groß sie erstehe?
Heutige Physik sättigt uns nicht, die den Geist doch verlanget.
Weiter vom Werke der Natur komm' ich zum Menschengebilde.
Vorne die Menschheit als Idee! – Doch nimmer des Staates
Gibt es Idee, weil er mechanisch nur bindet die Glieder;
Gleichwie es niemals gibt die Idee von einer Maschine.
Nur was die Freiheit betrifft, darf wahrhaft Idee sich benennen.
Über den Staat hinaus muss der Schritt! Denn er zwinget die Menschen,
Freie Geister zu quälen im Räderwerk seiner Gesetze.
Das soll er nicht; und so soll er enden und gänzlich vergehen.
Ewiger Friede und Recht sind nur untergeordnete Funken
Höherer Glut. Ich entblöße das elende Menschenwerk völlig:
Krone, Verfassung und Recht, das Gesetz und die Tyrannei auch.
Endlich die Wahrheit der Welt, die Unsterblichkeit, rein von dem Glauben,
Welcher nur Heuchelei treibt und die Priester im Tempel der Vernunft.
Absolute Freiheit der Geister, die Welten in sich nun
Tragen und außerhalb nie nach Gott und Unsterblichkeit suchen!
Zuletzt die Idee, die sie alle vereint: die Idee der Verklärung,
Schönheit im höheren Sinne, wie Platon sie einstens geschaut hat.
Denn ich bin völlig gewiss, dass der höchste Akt der Vernunft nun,
Da sie die Fülle umfasst, ein rein ästhetischer Akt ist.
Wahrheit und Güte sind erst in der Schönheit innig verschwistert.
Ebenso viel ästhetische Kraft muss der Denker besitzen
Wie der Dichter im Lied. Unsre Buchstabenphilosophen
Bleiben geschmacklos und dumm, denn der Geist ist ästhetisch im Tiefsten.
Ohne den Sinn für das Schöne verbleibt uns das Denken in Tabellen,
Dunkel und starr im Register, unfähig, die Höhe zu fassen.
Poesie kriegt die höhere Würde, sie wird an dem Ende
Wieder, was sie am Anfang uns war: die Lehrerin aller!
Keine Philosophie wird bestehn, die Dichtkunst alleine
Überlebt jede Wissenschaft kühn und die übrigen Künste.
Gleichsam verlanget das Volk nach einer sinnlichen Lehre;
Nicht nur der Haufen bedarf ihrer, selbst der Philosoph sucht sie dringend.
Monotheismus des Herzens und auch der reinen Vernunft hier,
Polytheismus der Kunst und der Einbildungskraft für das Leben!
Hört nun das Wort von der neuen, von Menschen noch nie geschauten
Mythologie, die im Dienste der ewigen Geistesideen
Steht und als Mythologie der Vernunft uns die Erde verkläret.
Ehe Ideen wir schön, das heißt mythologisch gestalten,
Bleiben sie fremd für das Volk; und die Mythologie, eh sie vernünftig,
Macht, dass der Denker sich schämt. So müssen sich endlich die Hände
Reichen der Weise und Laie. Es werde die Sage nun weise,
Und das Volk werde vernünftig, die Philosophie mythologisch,
Um die Philosophen mit Sinn und lebendigem Blute zu füllen.
Dann herrscht ewige Einheit und Frieden unter uns Brüdern;
Nimmer der blickende Neid, kein Zittern des Volks vor den Weisen.
Gleiche Entfaltung der Kräfte erwartet uns alle im Bunde,
Keine Gewalt wird gedrückt, kein Geist mehr im Kerker gehalten;
Allgemein herrscht die Freiheit, die Gleichheit der Geister im Lichte!
Ein erhabener Geist, vom Himmel gesandt, wird die Religion stiften,
Und sie wird sein das letzte und größte Werk der Dokumente,
Das uns die Menschheit gebiert im Vollaufgange der Zeiten.
DER MOND IST AUFGEGANGEN
Der Mond ist aufgegangen
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Neger Wumbaba.
WEIHE DES KRANKEN HEINZ AN JESUS
O barmherziger Jesus, Erlöser der Welt!
Sieh in diesem Augenblick auf mich;
den kranken Heinz,
der sich im Vertrauen auf deine unendliche Liebe
an dich wendet.
Ich bringe dir meine Schmerzen,
meine Schwachheit und mein ganzes Leiden dar
und vereine sie mit deinem bitteren Leiden am Kreuz.
Heiligstes Herz Jesu, ich weihe
und übergebe dir mein Leben,
meine Seele und meinen Leib.
Schenke mir die Gnade,
mein Kreuz geduldig zu tragen
und alles aus Liebe zu dir anzunehmen.
Sei du meine Stärke in der Schwachheit,
mein Trost in der Bedrängnis
und mein sicherer Zufluchtsort.
Herr, du hast gesagt: ‚Kommt alle zu mir,
die ihr mühselig und beladen seid,
ich will euch erquicken.‘
Erquicke mich mit deiner Gegenwart.
Lass mich erfahren, dass du bei mir bist,
und stärke meinen Glauben.
Wenn es dein Wille ist, schenke mir
die Genesung an Leib und Seele.
Vor allem aber schenke mir den Frieden,
der alles Verstehen übersteigt,
und die Gnade, dir treu zu bleiben
bis in die Ewigkeit. Amen.
MUTTER DEUTSCHLAND
Hört zu, ihr Kinder, groß und klein,
ich will euch eine Mutter sein.
Ich blicke auf das weite Land
und reiche flehend euch die Hand.
Werdet mir mutig, stark und kühn,
lasst neuen Geist im Land erblühn!
Erhebt das Haupt, habt keine Angst,
wenn du um deine Zukunft bangst.
Kämpft für die Wahrheit frank und frei,
brecht Heuchelei und Trug entzwei!
Das wahre Wort sei euer Schild,
auch wenn der Sturm da draußen wild.
Werdet mir weise, lernt und denkt,
damit ihr klug das Schicksal lenkt.
Und werdet heilig, rein und gut,
bewahrt im Herzen edlen Mut.
Zuletzt sollt ihr auch zahlreich sein,
füllt dieses Land mit Leben ein!
Dass Wiegenlieder wieder klingen
und helle Kinderstimmen singen.
Lebt so, dass ich mich euer freu,
bleibt eurem Erbe fest und treu!
Damit ich, frei von Schmerz und Zorn,
auf euch kann stolz sein ganz von vorn.
DIE METAMORPHOSE DER PFLANZEN
Dich wirrt, Geliebte, nun der Pflanzen bunte Schar,
Ein wildes Blumenmeer, das vor dem Auge steht;
Du hörst der Namen Klang, der fremd und wunderbar
Wie ein barbarisch Lied durch deine Sinne weht.
Kein Blatt ist wie das andr', und doch ist jede Form
Ein Echo vom Gesetz, das heimlich uns regiert;
O, könnt’ ich, Freundin mein, dir diese Lebensnorm
Vom Rätsel dieses Chors enthüllen, ungeniert!
Betrachte, wie die Pflanz’ aus kleinem Samen quillt,
Vom Schoß der Erde sanft zum Dasein aufgeweckt,
Wie sie im Licht des Tags das zarte Laub enthüllt,
Das still im Kern geheim den Keim der Form versteckt.
Die Kraft, sie schlief im Korn, ein Bild der künft’gen Zeit,
Wurzel und Blatt noch bloß, farblos und ungestalt;
Doch strebend drängt sie sich aus tiefer Dunkelheit,
Wenn Feuchte ihr vertraut der jungen Triebgewalt.
Ein Knoten nach dem andern baut sich nun empor,
Das erste Blatt erscheint, dann wandelt sich die Welt:
Gekerbt und mehr getrennt, wie ein geheimstes Tor,
Das sich zu neuer Pracht im Wachstum dann erhellt.
Doch hält Natur den Lauf, sie lenkt die Kraft zurück,
Verengt das enge Rohr, lässt zarter sich das Blatt,
Der Stängel steigt empor, beglückt den freien Blick,
Bis sich die Krone dort in voller Pracht nun satt.
Im Kreise stellt sich nun, was aus dem Keim entsprang,
Der Kelch, der farbenfroh den Blütenzauber webt,
Natur zeigt Glied um Glied in stetem Feierklang,
Wenn sich die Blume dort am schlanken Stängel hebt.
Das farb’ge Blatt nun fühlt der Gottheit sanfte Hand,
Die Paare finden sich am heil’gen Altar ein;
Hymen, er schwebt herbei, webt duftend Liebesband,
Damit in süßem Hauch die Keime fruchtbar sein.
Der Kreis schließt sich nun hier die ew’gen Lebensmacht,
Doch greift ein neues Glied schon in den Ring hinein,
Dass durch die Zeit hindurch, in steter Form gebracht,
Das Ganze lebend bleibt im Kleinen, schön und rein.
Nun wende, Liebste, dich dem bunten Reich der Pracht,
Das dich nicht länger mehr im Geiste wirren mag;
Denn jede Blume spricht, in ihrer Pracht erwacht,
Von jenem heil’gen Lauf, der uns Natur verlag.
Ob Raupe kriecht im Staub, ob Mensch sich wandeln kann,
Entzifferst du das Wort der Göttin überall;
So fing auch unsre Zeit als kleine Saat erst an
Und wuchs zur Freundschaft auf mit leisem Widerhall.
Wie Amor Blüten trieb und unsre Herzen band,
So strebt die Liebe nun zur höchsten Frucht empor:
Dass in der Anschauung, in Einung Hand in Hand,
Wir finden, was uns eint, durch ein gemeinsam Tor.
PRINZESSIN LEONOR UND GAVI
Ein Flüstern zieht durchs Schlossgelände,
weit weg vom Glanz der königlichen Wände.
Dort, wo der Rasen grün und weit,
beginnt ein Spiel der Zärtlichkeit.
Sie trägt die Krone, sanft und fein,
er läuft im Trikot, stark und klein.
Zwei Welten, die sich kurz berühren,
wenn Blicke sich im Stadion spüren.
Ein Pass, ein Tor, ein kurzes Lachen,
das Schicksal lässt die Herzen wachen.
Kein Hofprotokoll, kein strenges Wort,
sie träumen sich an einen andern Ort.
Das Stadion bebt vor Jubelsang,
doch für die zwei wird alles bang.
Ein Tanz zwischen Pflicht und freiem Sinn,
wo führt die wilde Reise hin?
Die Zeit steht still, der Ball liegt still,
weil Liebe keine Grenzen will.
Prinzessin und der Held vom Feld,
ein Märchen in der modernen Welt.
WEISHEIT FEHLT
Wir haben Wissen, das uns lenkt,
Das uns die Technik scharf geschenkt.
Die Köpfe glühen, schlau und fein,
Wir laden schlicht die Logik ein.
Doch tief im Geist, da klafft ein Loch,
Die Sorge drückt die Menschen noch.
Wo ist der Blick, der alles sieht,
Der weiß, was uns im Kern geschieht?
Wir messen Daten, Zahl und Maß,
Wir rennen blind ins nächste Gras.
Wo ist die Weisheit, still und schwer,
Die kommt vom Herz und nicht vom Heer?
Sie ist wohl unter Lärm begraben,
An all den Dingen, die wir haben.
Wer hetzt, der findet sie wohl nie,
Denn Weisheit braucht auch Fantasie.
Sie braucht die Stille, braucht den Mut,
Den Sinn für das, was wirklich gut.
Vielleicht liegt sie im Augenblick –
Wir müssten nur mal schaun zurück.
TORSTEN
Im Spätherbst, als der Nebel zog durchs Hage-Land,
wurde Torsten geboren, mit festem Verstand.
Als Skorpion bist du tiefgründig, loyal und bedacht,
hast eine Intuition, die über das Schicksal wacht.
Du scheust keine Tiefe, kein Rätsel, keinen Sinn,
du gehst deinen Weg mit dem richtigen Gewinn.
Dein Wille ist stark, dein Blick dringt durch Wand,
du hältst das Steuer fest in deiner Hand.
Im Jahr der Schlange, das Holz war dein Element,
eine Energie, die sich durch Klugheit erkennt.
Du bist wie die Schlange, bedacht und sehr weise,
gehst oft deine eigene, stillere Reise.
Die Schlange bringt Scharfsinn und analytischen Geist,
die genau weiß, wohin ihre Lebensreise verweist.
Mit Holz in der Mitte wächst Beständigkeit heran,
du baust deine Pläne – ein zielstrebiger Plan.
AN DEN KLEINEN BRUDER
NACH KONFUZIUS
Der große Strom fließt ruhig voran,
Er gibt die Richtung, hält die Bahn.
Der kleine Strom, im Schatten noch,
Folgt treu dem Lauf, er fragt nicht doch.
Nicht aus Zwang, durch bloße Pflicht,
Nein, aus der Liebe, die das Herz verspricht,
Der Ältere schützt mit weiser Hand,
Der Jüngere ehrt das feste Band.
Wie der Ast, der sich zum Stamme neigt,
Wie der Baum, der seine Stärke zeigt:
Der Erste gibt Halt, der Zweite folgt,
Was einst die Ahnen wohlgeordnet.
So steht das Haus in rechtem Licht,
Wenn einer trägt, der andre spricht.
Kein Streit, kein Stolz, nur Harmonie,
Im Einklang wächst die Dynastie.
AN EVI VOM CHINESISCHEN MAGIER
I
Im Jahr der Schlange bist du geboren,
Hast Weisheit und Anmut dir auserkoren.
Das Holz gab dir Wurzeln, fest und tief,
Du folgst dem Ziel, das einst man dir rief.
Mit klugem Verstand und einem weichen Blick,
Suchst du stets die Harmonie und das Glück.
Du planst wohlüberlegt, mit Bedacht und mit Sinn,
Gehst fokussiert deinen Lebensweg hin.
Die Schlange, sie glänzt in geheimnisvollem Licht,
Verliert vor der Wahrheit den Mut dabei nicht.
Du liest in den Menschen, verstehst ihre Not,
Bietest oft Hilfe und Rat an, wie Brot.
Dein Herz ist beständig, dein Geist bleibt sehr klar,
So war es stets gestern und so ist es auch wahr.
Die Jahre, sie kommen, die Jahre, sie gehen,
Doch du bleibst in Stärke aufrecht stehen.
Lass weiter die Intuition dich nun leiten,
Um ruhig durch alle Stürme zu schreiten.
Denn Evi, dein Wesen, so feinsinnig und fein,
Soll stets von dem Glanze der Schlange sein.
II
Jahresprognose:
Die Schlange ruht nun nicht mehr still,
Das Pferd, es trabt, wie es nur will.
Der Holz-Aspekt, er trifft auf Feuer,
Ein Jahr voller Kraft und Abenteuer.
Was du im Stillen lang bedacht,
Wird nun durchs Pferd zum Licht gebracht.
Die Schnelligkeit, die dich sonst stört,
Hat diesmal Sinn, wenn man sich schwört:
Nicht alles hastig, doch mit Mut,
Tut dir der Wandel endlich gut.
Beruflich darfst du Chancen wagen,
Dich trauen, auch mal „Ja“ zu sagen.
Finanzen fordern schnellen Blick,
Verlass dich auf dein Bauchgeschick!
Kombiniere Geist mit Tatendrang,
Dann wird der Weg dir nicht zu lang.
Und bleibt die Welt mal allzu laut,
Wenn dir das Chaos fast schon graut,
Dann gönn dir Ruhe, tief und schwer,
Das Feuer braucht des Wassers Meer.
So wird dein Jahr, trotz wildem Lauf,
Ein Gewinn für deinen Lebenslauf.
Mit Weisheit, Schlange, und mit Feuer,
Wird 2026 dein großes Abenteuer.
ANDREAS IM CAFÉ CENTRAL
Im „Central“ ruht der Geist bei Wiener Glut,
Ein friesisch Pastor, fern der Nordseeküste,
Er schreibt von Liebe, Mord und von Gelüste,
Wie Wort für Wort des Romans Funke tut.
An seinem Tisch, umstrahlt von holder Glut,
Sitz’n Pastorinnen, klug und unbewusst
Des Zaubers, den sie wecken in der Brust,
Wo sanft ein Lächeln wächst und frischer Mut.
Der Marmor glänzt, die Torte süß und schwer,
Vom hohen Deich erzählt er leise nun,
Vom fernen Meer, das in den Worten klingt.
Hier ruht die Welt, ein Insel-Lichtermeer,
Im Dialog, in mildem Gottesruhn,
Da er die Feder sanft zum Himmel schwingt.
YVONNE
O Sonne, die über der Serra thront,
die Mallorcas Felsen mit Feuer belohnt,
ich rufe dich an, wie man Götter einst rief,
als das Licht in den Schatten der Zypressen entschlief.
Du, Yvonne, hast das Leuchten in deinen Blick,
du hältst Mallorcas Gold fest wie ein Glück.
Wenn der Tag in das Meer aus Türkis sich versenkt,
hast du ihr dein brennendes Herz geschenkt.
Komm, Licht, aus der Stille, aus blauem Revier,
wir warten, wir harren, wir zehren von dir.
Die Insel, sie atmet, sie glüht in der Nacht,
hast du ihr die Wärme der Ewigkeit gebracht?
O Sonne, sei Zeugin, in deinem Revier,
die Liebe zu dir und zur Insel, sie bleibt hier.
So wie Ingeborg rief, so ruf’ ich dich an:
Dass das Leuchten der Sonne niemals enden kann.
ODE AN AURICH
O Aurich, Stadt im weiten Land,
Wo Ostfrieslands Herz so ruhig schlägt,
Von alter Geschichte sanft umspannt,
Wo sich das Rad der Zeit noch trägt.
Im Schatten deiner stolzen Mühle,
Da weht der Wind, der Freiheit bringt,
In deinen Gassen, still und kühle,
Wo leise noch die Sage klingt.
Vom Marktplatz, hell im Sonnenlicht,
Bis hin zum Schloss, das würdevoll wacht,
Du zeigst uns dein freundlich Gesicht,
In tiefer Ruh' und stiller Nacht.
Doch nicht nur Stein und alte Pracht
Sind es, die deinen Zauber lenken;
Es ist die Art, wie du erwacht,
Und Heimat kannst im Herzen schenken.
Denn dort, wo Sassa Wurzeln schlug,
Wo ihr das Leben Freude bot,
Da trägt dich sanft der Zeiten Zug,
Wie ein vertrautes Morgenrot.
O Aurich, Hafen für den Geist,
Wo Treue wohnt und Offenheit,
Du bist der Ort, den sie verheißt:
Die Ewigkeit und Geborgenheit.
WIEN
Wo die Donau leise durch die Gassen zieht,
Dort sucht Andreas, was im Klange ruht,
Wo Mozart lebte, voller Lebensmut,
Und Haydns Geist in jedem Takt erblüht.
Er lauscht dem Spiel, das keine Mode sieht,
Wo Beethovens Kraft den Geist der Zeit durchdringt,
Wenn sanft ein Cellosatz in Stille schwingt,
Und jede Sorge vor der Harmonie entflieht.
In Wiens Palästen, wo die Zeit verweilt,
Hat er sein Herz an jene Kunst verloren,
Die uns das Maß der wahren Schönheit leiht.
Wenn dann der Tag dem Abend sacht enteilt,
Fühlt er sich in den Klängen neu geboren,
Ein Kind der Ordnung und der Ewigkeit.
GUDRUN
Die gute Hirtin ist nun fort,
Den Schafen fehlt das liebe Wort.
Die gute Hirtin wiederkommt,
Wie das der armen Herde frommt!
DAS FAHRRAD
Evi hat ein Rad, so flink und neu,
für Sport und Freiheit, treu und frei.
Sie wollte sich die Figur bewahren,
mit Freude durch die Lande fahren.
Doch ihre Söhne, ohne Maß,
am fremden Gut, da hatten sie Spaß.
Sie achteten nicht Evis Schranken,
ließ ihre Grenzen einfach schwanken.
Wie Evi es geahnt, im Nu,
ging das Rad kaputt – fort ist die Ruh’.
Ihr Herz war schwer, die Trauer groß,
der Ärger war nun Evis Los.
Da kam mir in den Sinn die Zeit,
als Karine kam, ich war bereit.
Sie wollte mein Rad, für ihre Party,
Anarchisten-Fest – da war sie smarty.
Doch ich sagte „Nein“, ich brauchte es sehr,
mein täglicher Weg war ohne Rad schwer.
Karine war empört, gab kein Verstehen,
wollte mein „Nein“ nicht einmal sehen.
Sie kannte kein Halten, kein Unterlassen,
konnte die Absage gar nicht fassen.
O Herr, schenk uns Kraft in diesen Tagen,
auch bei Druck „Nein“ klar zu sagen.
Lehr uns, die Grenzen fest zu wahren,
damit wir uns und den Frieden bewahren.
ROXANA
Roxana zieht Tag für Tag
dorthin, wo man sie brauchen mag.
Sie bringt Linderung, heilt die Not
im Kerker, fern von Morgenrot.
Doch ruft das Licht, der goldne Schein,
die Inselwelt muss es wohl sein.
Im Mittelmeer, da taucht sie ein,
lässt Sonne auf den Körper schein'.
Ich seh sie vor mir, wunderbar,
die Schönheit, wie sie ehemals war.
Ein Angesicht wie aus dem Traum,
Figur, die raubt den Atemraum.
Ach Aphrodite, hell und klar,
auf Mallorca, wie wunderbar.
Ach, einmal möcht' ich sie dort seh'n,
und an ihrer Seite selig geh'n.
AN MICHEL
Mein lieber Freund vom Strand, wo Elfenbein das Licht,
Du trägst den Glanz der Welt, den kein Geschick uns bricht.
Ob schwarz die Haut wie Nacht, ob hell der Norden scheint:
Der Ursprung ist ein Weib, das uns im Geiste eint.
Wir Deutschen, dünkt es mich, sind weiße Afrikaner,
Denn aus dem schwarzen Schoß entsprang der erste Planer.
Frau Eva, westwärts dort, hat uns das Licht gegeben,
Vom selben Urgrund stammt ein jedes Menschenleben.
AN HEINZ
Mein alter Freund und Kupferstecher Heinz,
die Zeit verrinnt, sie hält bei keinem eins.
Mehr als siebzig Jahre auf der Welt,
hast du durch manche Sturmflut durchgebellt.
Mit Ach und Krach, durch Schmerzen schwer geschlagen,
tatst du dem Schicksal nicht entsagen.
Nun ruhst du still im Krankenhause aus,
weit weg von deinem wohlvertrauten Frauen-Haus.
Du liegst in Gottes linker Hand geborgen,
befreit von all den Nöten, allen Sorgen.
Und wenn die Zeit dereinst die Wandlung lenkt,
und Gott dich in die rechte Hand versenkt,
Dann nennen Menschen das, was jeder scheut,
den Tod, da uns das Herz mit Tränen schreit.
Doch wir, wir wissen, was der Wandel gibt:
Das ewige Leben, das der Schöpfer liebt.
ARABIEN
Ein Traum, so schön, in tiefster Nacht,
hat mir ein Bild ins Herz gebracht:
Arabien wandelt sein Gesicht,
erstrahlt in Christi Glaubenslicht.
Kein Streit mehr drängt durchs weite Land,
man reicht sich brüderlich die Hand.
Der Friede zieht durch Wüstensand,
hält einig nun das ganze Land.
Wo einst der Moslem sah Gewinn,
geht nun die Schar zur Messe hin.
In der Kaaba, nun ein heil’ger Ort,
erklingt des Christus Gnadenwort.
PSALM 137
An den Strömen von Babel, da saßen wir schwer,
Die Augen voll Tränen, das Herz war so leer.
Wir dachten an Zion, die Heimat so weit,
Verschlungen von Weh und von bitterer Zeit.
Die Harfen, sie hingen an Weiden so still,
Kein Klang, der uns lockt, kein Lied, das man will.
Die Feinde, sie forderten jubelnden Sang:
„Singt Lieder von Zion!“ – doch stumm blieb der Klang.
Wie sollen wir preisen den Herrn in der Fremde,
Wenn Leid uns das Herz in die Dunkelheit klemmte?
Vergess ich Jerusalem, bricht mir die Hand,
Verstumme die Zunge im fremden Land.
AURICH
O Aurich, du Mutter, du Heimat so weit,
Du nahmst mich auf in der Einsamkeit.
Als mich die Großstadt verstieß mit Hohn,
Fand ich bei dir den sanften Lohn.
Seit Jungsteinzeit wurzelt dein stolzer Geist,
Der mich durch Alter und Frieden weist.
In Kirchen, wo evangelisch das Wort,
Fand ich Geborgenheit, festen Ort.
Mit Ulla an meiner Seite, an dem Band,
Durchstreif ich dein schönes, friedliches Land.
Ob Pfad durch den Wald oder Weg am Grün,
Hier lässt du meine Seele wieder blühn.
PSEUDOLOGIE
Sie gab vor, dem Tod entronnen zu sein,
Im Turm, wo das Feuer brach schrecklich ein.
Tania Head, so nannt’ sie sich dann,
Zog alle in ihren tragischen Bann.
Vom Südturm sprach sie, vom 78. Stock,
Die Welt hielt inne vor diesem Schock.
Ein Ehemann starb, so weinte sie laut,
Ihr war die Gemeinschaft der Opfer vertraut.
Doch alles war Lüge, ein Netz aus Schein,
Kein Tag im Büro, kein Schmerz war so rein.
Kein Harvard-Diplom, nicht Merrill Lynch,
Sie log sich durchs Leben wie ein böser Sphinx.
Die Wahrheit kam ans Licht mit Macht,
Ihr Kartenhaus ist in sich zusammengekracht.
Aus New York geflohen, das Spiel war vorbei,
Doch ihre Geschichte bleibt eine Entzwei’.
Sie wollte die Bühne, das Mitgefühl,
Doch am Ende blieb nur das bittre Gefühl:
Ein Name erfunden, ein Leben aus List,
Weil Wahrheit für sie nur ein Hindernis ist.
ST PETRONILLA
In alten Schriften, fern und licht,
strahlt, Petronilla, dein Gesicht.
Des Petrus Tochter, rein und klar,
die treu dem Herrn ergeben war.
Kein irdisch Glück, kein stolzer Schein,
zog sie in fremde Welt hinein.
Sie blieb dem Vater, dem sie glich,
im Glauben treu, unwiderruflich.
Als man sie zwang, den Bund zu schließen,
und Flaccus wollte ihr Leben genießen,
da wählte sie den heiligen Schmerz,
das Gott geweihte, reine Herz.
Sie fastete, sie betete tief,
als ihre Seele den Himmel rief.
Der Tod kam sanft, wie ein stilles Licht,
der Leib zerfiel, die Seele nicht.
Im Märtyrerkleid, so hell und rein,
ging sie in Gottes Garten ein.
O Petronilla, zeig uns den Pfad,
der uns zur Ewigkeit hin naht.
AN DIE VEREHRTE PROFESSORIN
In stiller Pflicht, im Hörsaal-Licht,
erklärt sie Weisheit, Wort für Wort.
Sie ist der Klugheit Angesicht,
und doch zieht es ihr Herz nun fort.
Die Schülerin, einst stolz und fein,
am Gymnasium der hellste Stern,
sie liest die Zeilen, die sind mein,
und hat das Dichten auch so gern.
Doch ach, die Sorge, schwer und tief,
sie legt sich auf die schöne Brust,
weil jener Mann, der treu sie rief,
nun kämpft in stiller Lebenslust.
Der Seemann, der auf Meeren fuhr,
nun angekettet an das Leid,
ich wünsche ihm auf seinem Flur
Genesung bald und Ruhezeit.
Der Professorin, klug und hold,
sei Liebe nun ein fester Halt,
dass ihr das Glück, das einst so gold,
neu blühe in dem schweren Wald.
Möge der Sturm sich sanft nun legen,
die Hoffnung hell die Wege säumen,
und sie im stillen Gottes-Segen
wieder von frohen Tagen träumen.
DER VATER
Der leibliche Vater sprach voll Hohn:
„Du taugst am Ball nichts, lieber Sohn.“
Der nächste Vater, kalt und schwer:
„Dein Verstand ist leer, ein leeres Meer.“
Der dritte rief, als ob er sticht:
„Wer klug wie Salomo hier spricht,
Gehört ins Haus der Geistesnot!“
So traf mich oft der Worte Spott.
Doch du, mein Gott, mein höchstes Licht,
Du kennst mich ganz, du urteilst nicht.
O Jehova, du Quelle meiner Welt,
Bist der Vater, der in Liebe mich hält.
AN GOMAH, DEN ERSTEN GENIUS DER VENUSSPHÄRE
O Gomah, Geist der ersten Stunde,
Der Venus Licht in dir entbrannte,
Du brachtest uns die frohe Kunde,
Als noch kein Stern den Namen kannte.
Im ersten Kreis der Liebeswelt,
Wo Harmonie den Äther lenkt,
Hast du das Maß der Form bestellt,
Das uns die goldne Klarheit schenkt.
Dein Genius, voll lichter Funken,
Durchdringt den Schleier fernster Zeit,
Wenn sanft die Dämmerung versunken
In purpurner Unendlichkeit.
Nicht Zorn, noch Streit, noch kalte Nacht,
Du webst aus Klang den Lebensstrom,
Die Schöpfung, die du einst erdacht,
Ist deines Geistes stiller Dom.
Wir ehren dich, o erster Hüter
Der Venus Sphäre, sanft und weit,
Du bist der Quell, der Geist der Güter,
Im Glanz der Ewigkeit gereiht.
DIE KIRCHE GOTTES
Die Kirche klagt mit tiefem Schmerz,
ein Riss geht durch ihr Mutterherz.
Denn Lefebvre, der Erzbischof frech,
trug bei zur Spaltung, brachte Pech.
Ohne Erlaubnis, Rom zum Trotz,
schuf er die Weihe, bot dem Schutz
der Einheit Roms die Stirn entgegen,
und hielt sich fern von Gottes Segen.
Das Schisma ist nun offenbar,
der Ungehorsam wurde wahr.
Das Petrus-Amt, die Einheitsbande,
sie rissen ab in diesem Lande.
Die Strafe folgt, das Recht bestimmt,
dass Exkommunikation nun nimmt,
wer sich vom Stuhle Petri trennt,
und so das Schisma frech bekennt.
Ein falsches Bild von Tradition
führte zum Bruch der Union.
Denn lebendig muss der Glaube sein,
nicht starr und eng, nicht ganz allein.
Das Konzil lehrt uns den Fortschritt klar
im Geiste Gottes, wunderbar.
Wer Rom verlässt, der irrt im Sinn,
und gibt die wahre Einheit hin.
Die Bischöfe, sie haben Pflicht,
zu wahren das Gehorsamslicht.
Doch auch die Vielfalt, bunt und schön,
soll in der Kirche stets bestehn.
Die Theologen, klug und fein,
sollen nun tiefer forschend sein,
um zu beweisen, ganz geschwind,
dass Wort und Tat im Einklang sind.
Ein Rat wird nun ins Leben gerufen,
um zu erleichtern, auf den Stufen
der Rückkehr, jenen, die bereit,
zur Einheit in der heutigen Zeit.
Die lateinische Messe, sie soll gelten
für jene, die sich treu verhalten
zu alter Liturgie und Brauch,
das zeigt den Weg des Geistes auch.
Am Ende bleibt nur das Gebet,
dass Einigkeit im Haus besteht.
Maria möge uns begleiten
in diesen schwierigen Kirchenzeiten,
auf dass der Ruf zum Herrn erklingt:
Dass alle eins, was Rettung bringt!
AN JÖRGS SCHATTEN
VON EVI UND SÖHNEN
Ein letzter Gruß an dich, o Jörg,
weit fort von dieser Welt,
dass deine Seele nun in Ruh
im Sternenlichte hält.
Als Vater warst du uns ein Halt,
als Mann ein treuer Gast,
nun ruht, was eben noch gelebt,
befreit von seiner Last.
Die Trauer wiegt in unsern Herzen,
doch bleibt der Liebe Schein,
wir werden dir, o lieber Jörg,
nah in Gedanken sein.
Du fehlst uns hier in jedem Raum,
in jedem Wort, im Licht,
die Freundschaft und das gute Wort –
man vergisst dich einfach nicht.
Bei Kollegen und bei Freunden warst
du stets ein heller Stern,
beliebt bei allen, nah und fern,
sie hatten dich so gern.
So geh nun heim ins ew’ge Licht,
wo kein Leid dich mehr quält,
mögest du in Frieden ruhn,
bis auch uns die Zeit erwählt.
DIE HEUCHLER
Sie schwingen groß die Glaubensfahnen
von Himmelsglanz und Seligkeit,
doch wandeln sie auf falschen Bahnen,
von Gottes Wort so fern, so weit.
Sie rühmen sich der Gnadenstunden,
die sie schon sicher für sich sehn,
doch bleibt das Knie noch ungebunden,
sie lassen das Gebet vergehn.
Kein Sonntagsglockenschall sie leitet
zum Tisch des Herrn, zum heil‘gen Mahl,
wo sich die Liebe Christi breitet
für uns im ird‘schen Jammertal.
Die Beichte bleibt noch ihnen fremde,
die Reue nicht im Herzen brennt,
sie meiden, was die Seele fände,
was man als Gnadenquell benennt.
Der Rosenkranz, die Perlenschnüre,
sie ruhen unberührt im Schrein,
dass ihre Seele sich nicht rühre
im Licht, das fällt in ihren Schein.
So bleibt es leer, das stolz Bekennen,
ein Glaube, der im Wind verweht,
den Namen Christ darf man kaum nennen,
wenn wahre Tat zum Herrn nicht geht.
DER ALTE MALEK
Die Fünfzig waren nun vorbei,
Malek fühlt sich wie ein Opa schon dabei.
Im Altersheim, bei Andacht und Gebet,
er spürt, dass nun der Wind des Alters weht.
„Die Hälfte ist geschafft“, denkt er mit Weh,
„Ich sitz nun hier, und alles tut mir weh.“
Da kommt der Sohn, mit ernstem, festem Blick,
die Freundin an der Hand, ein junges Glück.
Er muss sie überzeugen, sanft und schlau:
„Mein Vater ist zwar alt, doch liebt er die Frau!
Er mag zwar wirken wie ein Greis im Nest,
doch in ihm steckt noch Feuer, das uns lässt.“
Die Freundin staunt, versteht die Welt nicht ganz,
sie sucht bei Malek noch den Lebensglanz.
Doch Malek sitzt im Sessel, schwer und grau,
sieht in den Becher, blickt sie gar nicht an genau.
„Nun trink den Cognac!“, ruft der Sohn mit Macht,
„Damit das Leben dir wieder Freude macht!“
Ein Glas voll Gold, der Duft zieht durch den Raum,
die Musik erklingt, ein Wagner-Traum.
Die Walküre dröhnt, der Bass erbebt,
Malek fühlt, wie er in Tönen schwebt.
Er nippt am Glas, die Schwere weicht ein Stück,
ein alter Mann – doch fand er längst das Glück.
JEANINE
Point de longs manuscrits, point de films, point de scène,
Ni versets de prière, en aucun cas de gêne.
L’épopée est bannie, et le roman s’efface,
Laissons les longs récits quitter notre espace.
Je suivrai ton dessein, tes règles en partage,
Pour tracer ces liens au fil de chaque page.
Je consens, cher ami, à ce cadre restreint,
Où le mot se fait rare et le récit s’éteint.
Pas de salles obscures, pas d’écran qui fascine,
Ni de mise en scène où l’acteur se dessine.
Oublions les dogmes, le sacré, le divin,
Laissons là les cultes, le rite et son levain.
Ni écrits qui s’étirent en de vastes volumes,
Pour ne pas épuiser nos esprits et nos plumes.
Désormais, le silence en nos textes s'installe,
Une forme concise, une ligne loyale.
Si je reste fidèle à ce pacte imposé,
Dans ce court entretien, je serai déposé.
Nous garderons le pli, sans le moindre écart,
Pour que notre échange demeure dans ce phare.
KINDERERZIEHUNG
Wer seinen Sohn innig liebt, der zücht’ge ihn beizeiten,
dass späterhin die Freuden ihn mit Stolz begleiten.
Wer seine Kinder gut erzieht, wird stets an ihnen weiden,
und kann vor aller Welt den Stolz im Herzen kleiden.
Wer seinen Sohn mit Strenge führt, macht Neider bange,
den Freunden aber glänzt sein Glück in hellem Klange.
Wenn einst der Vater von uns geht, ist er nicht ganz verloren,
denn in dem Kinde ist sein Ebenbild erneut geboren.
Zu Lebzeit freut er sich am Sohn, der ihm entgegengangen,
und stirbt er, ist er frei von Reu’ und Lebensbangen.
Er hinterlässt ein Kind, das ihm die Feinde kann bestrafen,
und Freunden Güte zeigt, statt in der Schuld zu schlafen.
Wer seinen Sohn verwöhnt, muss stets die Wunden wieder binden,
und wird bei jedem Schrei nur Angst und Schrecken finden.
Ein Pferd, das man nicht zügelt, wird am Ende bockig laufen,
lässt man den Sohn gewähren, wird er Unheil sich erkaufen.
Sei zärtlich ohne Maß, dann folgt ein Schmerz, der dich durchbebet,
mach Scherze nur mit ihm, bis Kummer sich im Haus erhebet.
So lache nicht zu viel, wenn er noch klein und unbedacht,
sonst hast du bald das Weinen, wenn der Zorn dich schrecklich facht.
Wenn er noch Kind ist, brich den Willen, lass ihn nicht gewähren,
sonst wirst du später nur den Ungehorsam an ihm ehren.
Solang er klein, gib ihm die Rute, zügle sein Bestreben,
sonst wird er widerspenstig dir das Leben schwerer geben.
Erzieh den Sohn mit Strenge, mühe dich um ihn mit Pflichten,
damit er dir nicht Schande kommt im Leben aufzurichten.
SCHEINHEILIGE
Sie strahlte hell im Geist der Pfingstgemeinde,
Ein Vorbild, wie man selten eines fand.
Sie sprach von Jesus, ihrem Bräutigam, so feine,
Und reichte jedem Hilfesuchenden die Hand.
Viel Zeit verbrachte sie im stillen Beten,
Für andre legte sie die Sorgen ab.
Man sah sie stets in Liebeswerke treten,
Sie gab, was sie nur konnte, gab und gab.
Doch hinter der Fassade, rein und klar,
Verbarg sich ein Geflecht aus Trug und Schein.
Die Welt, die sie erzählt, war niemals wahr,
Sie zog in Lügen ihre Nächsten ein.
Familie, Freunde, Glaubensbrüder all,
Sie wurden von der Wahrheit ferngehalten.
Der Hochmut kam vor einem tiefen Fall,
Als Schulden sich begannen zu entfalten.
Kein Euro floss zurück in fremde Taschen,
Ihr Leben war ein Netz aus Wort und Schein.
Sie wusste ihre Tat geschickt zu waschen,
Brach Herzen derer, die geblickt hinein.
DER ALTE MANN
Besuchst du einen alten Mann,
der kaum noch recht sich helfen kann,
schlägt dir ein Duft entgegen schwer,
den man vergisst wohl nimmermehr.
Es mischt sich Schweiß mit strengem Graus,
von altem Urin erfüllt das Haus.
Ein Furz entweicht, ein fauler Hauch,
und Mundgeruch entströmt dem Bauch.
Die Zeit, sie zehrt am Lebenslicht,
versteckt ist das im Angesicht;
doch wenn die Nase Zeugnis gibt,
ists dort, wo Alter alles trübt.
ANDREAS IN WIEN
Des Reiches Herz, das einst viel Länder band,
Wo stolz ein Viertel Europas sich erstreckte,
Hat Wien bewahrt, was fern der Krieg erschreckte,
Als Monumente zeugen von dem Land.
Die Dichte großer Bauten, nah am Rand,
Die sich vor unsern Augen dort entdeckte,
Ist Flut, die kulturell die Sinne weckte,
Doch fast zu viel für jeden Geistesstand.
Der Tage Lauf war voll von Emsigkeit,
Doch blieb noch Raum für manchen Pfad der Pracht,
Auch wenn die Glut der Stadt uns heiß bedrängte.
So flohen wir vor der verbrannten Zeit,
Und haben Zeit in dem Hotel vollbracht,
Wo kühle Luft sich um uns sanft verhängte.
WOTAN
Er will den Glanz, der schwindet, ewig halten,
Verstrickt in eigne Ordnung, die zerbricht;
Er baut auf Speer und Recht, doch zittert Pflicht,
Wenn alte Macht beginnt sich zu entfalten.
Sein Wille sucht das Schicksal zu gestalten,
Doch jede Tat nimmt ihm das letzte Licht;
Wer starr am Gestern klebt, der bricht die Sicht,
Lässt Untergang durch eigene Hand verwalten.
So spiegelt sich das stolze Jahrhundert weit,
Das starr vor Angst die neue Zeit verwehrt,
Und baut am Grab der eignen Herrlichkeit.
Der Bruch, er droht, der längst schon unverwehrt,
Bricht sich im Sturm der neuen Wirklichkeit,
Da blind man den Verfall als Halt verehrt.
SÜNDE
Wenn schwer die Last der alten Schuld dich drückt,
wenn das Gewissen in der Nacht erstickt,
dann heb den Blick, verliere nicht den Mut,
Gott kennt dein Herz, sein Wort tut immer gut:
„O Herr, geh nicht in ein Gericht mit mir,
ein Mensch bin ich, ich stehe hier vor dir.
Du weißt um jeden Fehltritt, jeden Schmerz,
schenk du Erbarmen meinem armen Herz.“
Dann schau auf Jesus, der so gnädig war,
er macht das dunkle Feld der Seele klar.
Und willst du selbst, dass seine Liebe brennt,
sei sanft zu jedem, der den Irrtum kennt.
Vergib den andern, wie auch dir vergeben,
dann findet Heilung dein verwundtes Leben.
Denn wer barmherzig auf den Nächsten sieht,
wird frei von dem, was ihn von Gott noch schied.
DIE SCHEINHEILIGE
Sie trägt ein Kleid so weiß wie Schnee,
tut jedem sanft und keinem weh.
Ihr Blick ist fromm, der Mund voll Licht,
doch Gottes Wahrheit sucht man nicht.
Sie spricht von Gott und Heiligkeit,
von Gottes Segen, Ewigkeit.
Als Christi Jungfrau, rein und zart,
ist sie von ganz besondrer Art.
Die Karitas, ihr Banner groß,
sie trägt sie stolz und lässt nicht los –
von jeder Tat, die ehrlich wäre,
sie sucht nur ihre eigne Ehre.
Denn was sie gibt, ist nur ein Schein,
ein Netz, gewebt aus Pseudo-Sein.
Sie hat betrogen, schwer und viel,
hinter dem frommen Maskenspiel.
Sie missioniert mit süßem Wort,
und treibt den echten Menschen fort.
Wer ihr vertraut, der fällt hinein,
in ihres Lächelns falschen Schein.
Ein Lamm in Wolfsfell, glatt und fein,
lädt sie zum Licht der Liebe ein –
doch sucht man dort nach ihrem Kern,
bleibt man ihr wirklich besser fern.
A Verdade Absoluta
No caos do mundo, em sombras de ilusão,
Busco a rota que a alma há de seguir;
Onde o falso se veste de existir,
Onde a mente se perde em vã razão.
Mas ouço a voz que acalma a pulsação,
O Verbo vivo a me fazer florir:
"Eu sou a Verdade", a me redimir,
Do erro erguendo a minha redenção.
De Deus emana a luz, o ser, o fim,
A única rocha em meio ao vendaval,
Onde o absoluto habita dentro em mim.
Fora do Eterno, tudo é um sinal,
Um vulto passageiro, um breve assim,
Pois só no Pai reside o essencial.
JEANINE
Le legs des yeux à la dame Jeanine
Au soir de ma vie et de mon sort,
Je fais mon testament, sans feintise,
Devant la Mort qui me fait tort
Et qui de tout mon bien s'attise.
À la dame Jeanine, assise
En sa chambre, au déclin du jour,
Je lègue, sans aucune guise,
Mes yeux, pour son dernier amour.
Car je sais, las ! qu’en sa vieillesse,
Ses yeux sont troubles et sans clarté,
Elle ne voit plus la liesse
Des vers que j’ai jadis chantés.
Le livre est clos, l’obscurité
Vient dérober ce qu’elle aimait ;
Pauvre dame de vérité,
Dont le cœur seul encore enflammait.
Qu’elle prenne donc mes prunelles,
Bien qu’elles aient trop vu le vice,
Les tavernes et les pucelles,
Le jeu, le vin, le sacrifice.
Qu’elles servent au moins d’office
À lire encor mes vieux écrits ;
Qu’elle y voie, en doux bénéfice,
Tout le regret de mes esprits.
Qu’elle y relise, en sa prière,
Le temps passé, le temps perdu,
Et quand viendra la froide bière,
Que mon regard soit son rendu.
Pour tout le bien qu’elle a tendu
À mon art pauvre et délaissé,
Je lui rends ce que j’ai rendu :
Mes yeux, pour le jour effacé.
DIE KLEINE MEERJUNGFRAU ARIANE
Sie sitzt auf dem Felsen,
wo das Land das Wasser küsst,
mit einem Schwanz aus schillerndem Grün,
der im Sonnenlicht der Oberfläche
zu Glas erstarrt.
Ariane!
Ihr Blick – ein Anker,
ausgeworfen in eine Welt,
die sie nur aus den Schatten
der Tiefe kennt.
Sie sammelt keinen Tand,
keine Gabeln, keine Spiegel,
sie sammelt Echos:
das ferne Echo der Schritte auf Asphalt,
das trockene Rascheln von Stoff,
das ungekannte Gewicht von Erde,
die ihre Wirbelsäule nicht mehr
im sanften Wiegen der Strömung hält.
Ihre Stimme,
ein gefangener Vogel in der Kehle,
verliert sich im Rauschen der Brandung.
Sie tauscht nicht gegen Magie,
sie tauscht gegen das Risiko,
einmal zu atmen,
wo die Luft nicht trägt,
wo der Boden hart ist
und das Herz
vielleicht zum ersten Mal
ein Gewicht hat,
das nicht vom Wasser getragen wird.
Ariane,
Tochter der Stille,
bereit, den Ozean zu vergessen,
für den flüchtigen Abdruck eines Fußes
im warmen Sand.
DIE ALTEN DAMEN AN TORSTEN
Dir hat, wie du uns selbst erzählt,
Es nie an Annas Gunst gefehlt.
Du sprichst, dir hab sie viel erlaubt,
Und du ihr noch weit mehr geraubt.
Doch jetzt kommt sie, es wird sehr viel davon gesprochen,
In wenig Tagen in die Wochen.
Was könnte nun vom Argwohn dich befrein,
Der Vater dieser Zwillinge zu sein?
Wärst du nicht gar zu klein!
ALLES LÜGE
Ich bin in eine neue Wohnung eingezogen,
habe dort die Schlüssel endlich in der Hand.
Die Miete ist günstig, der Vermieter gewogen,
ich fühle mich glücklich im neuen Gewand.
Alles Lüge.
Ich habe nun eine neue Stelle gefunden,
die Arbeit macht Spaß und die Kollegen sind nett.
Die Zeit ist vorbei mit den Sorgenstunden,
ich liege zufrieden des Abends im Bett.
Alles Lüge.
Ich werde bald eine Therapie endlich starten,
um die Seele zu heilen, dass der Geist wird befreit.
Auf bessere Tage will ich nicht mehr warten,
ich finde den Frieden und die innere Zeit.
Alles Lüge.
Ich werde morgen noch beichten gehen,
und bereue die Sünden, die ich einst beging.
Ich will vor Gott in der Reinheit bestehen,
vergesse, wie schwer mir das Leben hing.
Alles Lüge.
YVONNE
Wie ein heller Lichtblick, so wunderbar,
ist Yvonne, die Sonne, hell und klar.
Ihr Herz strahlt warm in jeden Tag,
weil sie das Leben so sehr mag.
Ihre Stimme, jung und voller Glück,
bringt mir die Freude stets zurück.
Dass sie so strahlt und herzlich lacht,
hat mir schon vieles gut gemacht.
HEIKE
Ob Kartoffeln, Frikadellen,
oder Nudeln, sehr beliebt,
wenn die Käsesaucen fließen,
hab ins Essen mich verliebt.
Gemüseeintopf aus dem Kessel,
wird bei ihr zum Festmahl fein,
Heike ist mir Lieblings-Köchin,
darf beglückter Nachbar sein.
EHEPAAR
Der Mann ist hart, kennt kein Erbarmen,
Sein Herz bleibt kühl, sein Geist verschlossen.
Die Frau ist sanft in seinen Armen,
Hat Feingefühl sehr süß ergossen.
Der Mann ist stark, ein Fels im Leben,
Die Frau ist schwach, sucht seinen Halt.
Sie schmiegt sich an, will sich ihm geben,
Und spricht ihm nach, was er ihr schallt.
ALLEIN
Das Schicksal hat die Karten neu gemischt,
mein Leben ist fast erloschen, kaum noch in Sicht.
Die Welt um mich herum ist still und leer,
ein einsames Boot auf einem weiten, dunklen Meer.
Meine geliebte Karine, sie ist nun fort,
an einem fernen, mir unerreichbaren Ort.
Ihr Lachen verstummt, ihr Platz bleibt nun leer,
ich vermisse sie täglich, ach, so sehr.
Die Kinder, sie zogen in die Ferne hinaus,
es wurde so still in meinem alten Haus.
Auch Malek und Marco, sie gingen ihren Weg,
ich stehe allein an diesem verlassenen Steg.
Sabine, die Hilfe, sie ließ mich zurück,
mit ihr verschwand ein Stückchen Glück.
Und Evi, die Freundin, sie schweigt nun so lang,
vor meinem Herzen ist nicht mehr ihr Klang.
Ich blicke mich um, in der Stille der Nacht,
hätte ich doch nur das Leben anders bedacht.
Die Wände, sie schweigen, die Zeit steht nun still,
ich bin ganz allein, weil das Schicksal es will.
EINSAMKEIT
Die Welt ist still, das Herz wird schwer,
ich fühle mich so einsam, ach so sehr.
Ich denke nach, bin voller Not,
vermisse Evi, bin wie tot.
Auch Sabine fehlt mir in der Zeit,
es zieht sich hin mein großes Leid.
Doch Evi, ach, sie fühlt es auch,
ein trauriger Wind, ein kalter Hauch.
Auch sie ist einsam, spürt den Schmerz,
der schwer liegt auf ihrem schönen Herz.
Und auch Sabine, fern und allein,
muss einsam in ihrem Zimmer sein.
Wir drei, wir sind im selben Bann,
doch niemand von uns es ändern kann.
Die Trennung liegt wie Blei auf uns,
die Einsamkeit ist dunkle Kunst.
Dass ihr es wisst, dass ihr es spürt:
Die Sehnsucht mich zu Jesus führt.
HEIKE
Die Nachbarin Heike, sie zaubert mit Lust
in der Küche, da schlägt ihr Herz in der Brust.
Es klappert das Eisen, es scheppert das Blech,
ich lausche dem Klang, hab ich heute Pech?
Nein! durch die Wand zieht ein würziger Duft,
es duftet nach Knoblauch, so fein in der Luft.
Die Töpfe tanzen, der Duft zieht herbei,
ich fühl mich nicht mehr einsam dabei.
Ein Hauch von Genuss durch die Räume zieht,
als wär ich bei Heike, die zaubernd erblüht.
So bin ich nicht einsam mehr, die Küche spricht,
ich lächle zufrieden im freundlichen Licht.
HEIKE
Der Reis mit Huhn, so warm und fein,
Konnt Trost mir in der Stunde sein,
Nach manchem Traum, so schwer und grau,
Mit dem mich peinigt eine Frau.
Doch Heikes Hand, sonst meisterhaft,
Hat diesmal nicht die volle Kraft...
Es fehlte heut das Quäntchen Glück,
Das mich sonst freut ein großes Stück.
YVONNE UND JOSEF
Mit zwanzig Jahren, voller Mut,
Verließen sie der Heimat Glut.
Yvonne und Josef, jung an Jahren,
Wollten das neue Glück erfahren.
Aus Polen, wo der rote Stern
Die Freiheit hielt in weiter Fern‘,
Zog es sie fort, mit festem Blick,
Ins deutsche Land, zum Wohlstands-Glück.
Der Westen schien ein goldner Ort,
Demokratie in jedem Wort.
Sie bauten auf, sie schufen viel,
Erreichten bald ihr Lebensziel.
Doch heute, da das Haar schon grau,
Blickt mancher Blick recht trüb und rau.
Mit sechzig Jahren, klug und schwer,
Spürt mancher nun: Es wird hier leer.
Der Wirtschaft Glanz, er scheint zu schwinden,
Kaum noch den Halt wird man hier finden.
Die Freiheit, die man einst erstritt,
Geht nun nicht mehr so tüchtig mit.
Und schaut man nun zur alten Welt,
Die sich so neu und schön aufstellt,
Da strahlt das Polen, rein und klar,
Was früher nur ein Traumbild war.
Geprägt von Glauben, fest und fromm,
Gediehen unter Gottes Stamm.
Wo einst sie flohen, scheint nun dort
Ein guter und verklärter Ort.
Die Zeit dreht ihre Räder leis
Und schließt den großen Lebenskreis:
Was einst im Osten eng und leer,
Ist heut’ ein Licht zur Wiederkehr.
BARBARA
Von den Cevennen aus hinauf zum deutschen Norden,
Ist Barbara beglückt auf Frieslands Insel worden.
GUDRUN IN PORTUGAL
Ein Unheil kam geflogen, Gudrun ward geraubt,
Man führte sie nach Portugal, das war ihr nicht erlaubt.
Sie rissen sie aus Sturmland, wo sie das Volk geführt,
Dass nun in fremdem Land sie das harte Schicksal spürt.
Sie brachten sie ans Südgestade, ein Land voll Sonne sehr,
Dort wusste sie vor Weh und Schmerz nicht weiter mehr.
Die Herrin dort im Land hieß sie zur Arbeit gehn,
Am Strande von Portugal musste sie in der Hitze stehn.
Die Wäsche für die Fremden, sie wusch sie im Meer,
Die Hirtin aus dem Norden, die Arbeit fiel ihr schwer.
Mit zitternden Händen im Wasser, die Gischt ums Bein ihr schlug,
Sie trug die Qual der Knechtschaft, die sie geduldig ertrug.
Der Friese von dem Sturmland, der Ritter hold und hehr,
Er zog nach Portugal, mit seiner Krieger Heer.
Das Heer schlug vor der Burg ihr Lager auf, man hört des Eisens Klang,
Die Befreiung für die Jungfrau kam nach der Not und nach dem Zwang.
Sie führten heim die Hirtin, zurück in unsre Welt,
Dort, wo das Volk im Norden den Frieden wieder hält.
DIE DREIFALTIGKEIT
1. Die Professorin und die Zweifaltigkeit
Sachte spricht sie, siehe, das Licht im Saale
Glüht auf Büchern, während sie leise deutet:
Nicht als Einer, nein, in der Lieb’ Umarmung
Sei uns der Höchste.
Wie der Geist, der sich aus der Tiefe formte,
Teilt in Mann sich, teilt in der Frau Gestaltung,
Ist das Ebenbild, das wir erschaun, ein Spiegel,
Ewig verschlungen.
Schatten wirft nicht nur die Gestalt der Stärke,
Auch das Licht, das sanft in der Nacht uns leuchtet,
Ist das Wort, das beides im Kern enthält und
Einig verkündet.
Weder fern noch starr ist der Gott, sie lehrt es:
Wie zwei Flammen, die sich in Eins verbinden,
Zeugen sie vom Bild, das in uns gewirkt ist,
Ganz in der Liebe.
2. Der Dichter und die Vierfaltigkeit
Stille senkt sich; golden erklingt die Harfe,
Dass der Schöpfer, hoch auf dem Thron, uns blicke,
Und der Sohn, der Mensch in dem Leid geworden,
Ewig uns leite.
Und der Geist, der wehend die Welt durchdringet,
Feuer spendet, Leben aus Nichts entfaltet,
Findet Ruh’ in Ihr, die das Wort empfangen,
Jungfrau Maria.
Vier sind’s nun, die göttlich im Kreis sich einen:
Vaters Wille, Sohnes vollbrachtes Opfer,
Hauch des Geistes, Schoß, der die Welt umschloss in
Sanftem Erbarmen.
Dass der Mensch nicht einsam im Staube wandle,
Spiegeln sie die Liebe, die niemals endet,
Vierfach strahlt das Licht, das die Nacht vertreibet,
Unsere Hoffnung.
DIE FRAUEN
Die eine ist falsch, durch List nur bestimmt,
Man merkt, wie sie stets nur mein Vertrauen nimmt.
Sie täuscht und sie lügt, zeigt ein heimlich Gesicht,
Verlässlichkeit gibt es bei ihr leider nicht.
Die andere zankt, sucht den Streit jede Stund,
Mit giftiger Zunge, ein böser Mund.
Sie ist ohne Dank, nur beleidigend schwer,
Ich mag von der Art keine einzige mehr.
Doch Unsere Liebe Frau Maria, so rein,
Sie lässt stets nur Güte mit mir sein,
Voll Liebe und Gnade, anmutig und zart,
Die beste Braut, von himmlischer Art.
WALLE
In Walle, nahe Aurichs Land,
hab’ ich ein neues Heim benannt.
Ein stiller Ort, ein frischer Start,
auf Christi Pfad, von sanfter Art.
Hier wohne ich im reinen Licht,
die Lüge findet mich hier nicht.
Was wahr ist, soll mein Leben sein,
ich lade Gottes Wahrheit ein.
Dem Herrn allein sei hier die Treu’,
mit jedem Tag, ganz nah und neu.
Kein falsches Wort, kein falscher Schein,
nur Gottes Wort soll hier gedeih’n.
FEIGEN
Der Herr ließ mich schauen und siehe:
Zwei Körbe mit Feigen
standen vor dem Tempel des Herrn.
In dem einen Korb waren sehr junge Feigen,
Frühfeigen,
im andern Korb sehr alte Feigen,
so alt, dass sie ungenießbar waren.
Der Herr fragte mich: Was siehst du, Prophet?
Feigen, antwortete ich.
Die jungen Feigen sind sehr gut,
die alten Feigen aber sehr schlecht,
so schlecht, dass sie ungenießbar sind.
ADAM UND SOPHIA
„Sie (die Weisheit) bewahrte den, der als Erster erschaffen wurde, den Vater der Welt, als er allein erschaffen worden war“ (Weish. 10,1)
Im Garten, den der Morgen noch nicht kannte,
Wo sich die Stille in die Wurzeln schmiegt,
Stand Adam, da die Schöpfung er benannte,
Bevor der Schlaf die Einsamkeit besiegt.
Er war ein Hauch aus Erde und aus Licht,
Pulsieren unter Himmels weitem Bogen,
Doch fand er sein Gesicht im Spiegel nicht,
War nur ein Klang, aus Gottes Hand gezogen.
Da kam sie her, vom Äther kam sie an,
Bevor der Leib den ersten Atem schöpfte:
Sophia, die den Grund der Welten spann,
Die vor der Zeit das Licht der Sterne knüpfte.
Sie war kein Fleisch, das in den Armen ruht,
Sie war der Geist, der in den Adern sang,
Ein silbern Band aus tiefer, lichter Glut,
Die erste Braut, von Anbeginn voll Drang.
Sie lehrte ihn das Raunen in dem Wind,
Sie gab den Dingen Namen, Form und Sinn,
Sie war die Mutter, Schwester, auch das Kind,
Des Geistes Heimat, die war in ihm drin.
Kein Herzschlag fehlte, da sie bei ihm war,
Die Braut der Stille, in der Ewigkeit,
Verwoben mit dem Menschsein, wunderbar,
Vor aller Trennung, vor der Erdenzeit.
Doch als der Schlaf den Adam dann umfasst,
Um aus der Rippe Fleisch und Blut zu weben,
Zog sie sich sanft zurück, nicht mehr sein Gast,
Um in der Ferne still als Geist zu leben.
Er sucht seither sie in der Schöpfung Schar,
In jedem Wort, das aus der Seele spricht,
Denn einst war sie ihm göttlich-offenbar,
Die Braut im Geiste, das verborgne Licht.
DIE TREUEN HIRTEN
O Herr, in dieser späten Zeit,
da Nebel trüben Geist und Blick,
da mancher Hirt im weiten Feld
vom rechten Pfad uns lenkt zurück,
Wie einst Maria uns gewarnt,
in La Salette, Akita, fern,
so bebt die Welt in Finsternis,
wir suchen treu den Morgenstern.
Denn dort, wo Wort und Lehre fest,
wie Fels in Sturm und wilder Flut,
schenkst Du uns Hirten, die im Geist
bewahren Deiner Weisheit Glut.
Wir schauen auf, wo Glaube steht,
wo Treue gilt und Wort Bestand,
wo Müller, Eleganti, kühn
die Lehre hüten mit Verstand.
Nicht Menschenlob, das Wort allein,
das uns durch alle Zeiten führt,
schenk uns das Licht, das niemals weicht,
wenn manchmal uns ein Hirt verwirrt.
Lass uns in Deiner Weisheit ruhn,
die in der Kirche ewig lebt,
bis uns Dein heilig Antlitz grüßt,
das uns aus aller Not erhebt.
ALLEIN
Es klingelt schrill, mein Herz macht Sprünge,
vernehme ich frohlockend Klänge?
Ist Heike es, so lieb und fein,
bringt sie ein Mahl, so gut und rein?
Eilt Sassa her, voll Güte, Milde,
ein Lichtblick in der Welt Gefilde?
Schwebt Tom, mein Erzengel, etwa sacht
durch meine Tür in Welten-Nacht?
Doch ach, die Hoffnung schwindet schnelle,
kein Gast erscheint auf meiner Schwelle!
Der Postbote ist’s, der einsam steht,
bringt Post zum Nachbarn etwas spät.
EINHEIT
Im Schoß der Magd, vom Geist entzündet,
wird Gott und Mensch zur Einheit eins.
Was göttlich war und fleischlich gründet,
verwebt sich dort im Licht des Scheins.
In Petri Netz, das weit sich spannt,
darf eine Kirche gläubig ruhn,
ein Hirte führt mit fester Hand,
im Geiste Gutes nur zu tun.
So finde auch das deutsche Land
in Christi Werten einen Sinn,
dass Eintracht reicht die Bruderhand
und führt zum wahren Frieden hin.
NACH REINHOLD SCHNEIDER
I. Das Königtum von Gottes Gnaden
Der Herr setzt auf das Haupt das schwere Gold,
Nicht aus des Eigenwillens stolzer Hand.
Ein Diener nur, von Gottes Blick umspannt,
Dem Höchsten, der das Weltgeschick gewollt.
Die Macht ist Lehen, das die Zeit entrollt,
Ein strenger Auftrag in dem fremden Land.
Wo Menschenwille bricht das heil’ge Band,
Wird Herrschaft Fluch, der sich im Staube rollt.
O weh dem Haupt, das seine Krone beugt
Vor eignem Glanz und Gott den Thron verwehrt,
Wenn Stolz des Reiches Fundament zerbricht.
Nur der ist König, der den Ruf bezeugt,
Der sich im Dienst vor dem Gesetz verzehrt,
Ein Schatten nur von Gottes eigenem Licht.
II. Die Heiligkeit der Krone
Ein Kreis aus Gold, ein Zeichen aus der Zeit,
Das über Sterblichkeit den Glanz verheißt.
Es ist der Ort, wo Gott den Geist verwaist
Und doch beruft zur letzten Ewigkeit.
Die Krone ist kein Schmuck der Eitelkeit,
Sie ist das Kreuz, das auf das Haupt sich weist.
Sie bindet den, den Macht und Recht gespeist,
An Gottes Schweigen und die Einsamkeit.
Wer sie berührt, der fasst ans heil’ge Feuer,
Das reinigt oder zur Vernichtung brennt.
Denn keine Macht besteht vor seinem Blick.
Das Schicksal eines Volkes wird teurer
Durch jenen Dienst, den nur der Herr erkennt,
Der Krone Glanz ist Gottes schweres Glück.
III. Die Beerdigung Kaiser Wilhelms II. (Doorn)
Im Exil verstummt der Posaunen Schall,
Der letzte Herrscher ruht im fremden Sand.
Die Welt verweht, zerfallen ist das Land,
Das einst gehorchte seinem stolzen Wall.
Kein Prunk begleitet diesen letzten Fall,
Kein Volk reicht ihm die treue, müde Hand.
Das Gold der Krone – nun ein Band aus Schand’ –
Verblasst im Schatten, in dem Widerhall.
Gott richtet dort, wo Menschen nur noch schweigen,
Wo Macht und Ohnmacht in der Erde ruh’n,
Und alles Streben der Geschichte bricht.
Wir sehen nur den müden Leib sich neigen,
Bevor die Toten ihre Werke tun,
Im harten Glanz von Gottes Weltgericht.
IV. Das Königtum Christi
Kein irdisch Haupt trägt diese Dornenkrone,
Die blutig glüht in einem fernen Licht.
Vor ihr erst bricht der Reiche Stolz und Pflicht,
Sie ist der Thron am Ende aller Throne.
Er herrscht nicht dort, wo Menschen Macht entlohnen,
Er herrscht im Leiden, das die Welt zerbricht.
Kein Schwert, das seine Herrschaft je verricht’,
Kein Wall, der ihn in seinen Schranken wohnte.
Sein Reich ist nicht von dieser Zeit und Qual,
Es ist der Anker in der Fluten Not,
Die letzte Wahrheit, die das Sein umfängt.
Wir knien nieder vor dem einen Strahl,
Der durch den Abgrund bricht, durch Sieg und Tod,
Wenn sich der Weltlauf in sein Wesen drängt.
EINSAM
die tür geht auf
der wind kommt rein
ich bin ja so
allein
ODE AN DIE CHRISTEL VON NEUWULMSTOF
Wo sich die Heide sanft verneigt,
Und manch’ ein grüner Weg sich zeigt,
Da lebt, von Güte wohl umweht,
Die Christel, die für Herzlichkeit steht.
In Neu Wulmstorf, an jenem Ort,
Trägt sie das freundliche, warme Wort.
Ein Lächeln, das wie Sonnenlicht,
Die grauen Wolken sanft durchbricht.
Ob in den Straßen, im täglichen Lauf,
Sie nimmt das Leben gelassen auf.
Mit offnem Blick und hellem Sinn,
Bringt sie an jedem Tag Gewinn.
Ein Ankerplatz, ein Fels im Nu,
Sie findet stets die rechte Ruh’.
So grüßt die Welt mit Dank und Glück,
Die Christel, die – Stück für Stück –
Den Alltag dort mit Glanz durchwebt,
Weil sie in Menschlichkeit so lebt.
Ein Gruß, der aus der Ferne dringt,
Wenn man ihr heut dies Liedlein singt.
CORINNA
Ovid sprach zu Corinna: „Geliebte, durchliest du bei Nacht wohl,
Wenn dich das Lager empfängt, Verse voll Liebe und Lust?“
Lächelnd entgegnet die Schöne: „Nur Lieder, die mir sind gewidmet,
Reizen den Geist mir; doch nicht Metamorphosen-Gesang.“
JOSEF
In der Fabrik, wo Stahl zu Wagen glüht,
Wo Josef hart an Motoren sich müht,
Da steht er aufrecht, den Blick so klar,
Ein polnischer Geist, so stark und wahr.
Die Heimat im Herzen, das Land im Sinn,
Er trägt des Vaterlands Treue in sich drin.
Er schraubt und prüft mit geschickter Hand,
Ein fleißiger Mann im deutschen Land.
Wenn er am Mittag den Markt durchstreift,
Und für mich Milch und Brot ergreift,
Dann spür’ ich Wärme, die von ihm ausgeht,
Während die Welt um uns rast und verweht.
Seine Kraft ist Fels, sein Lächeln so mild,
Er zeichnet des Lebens ein anderes Bild.
Ich selbst bin vom Gram oft schwer gebeugt,
Hab’ mich vor dem Dasein geneigt.
Doch bei ihm ist die Seele noch unbeschwert,
Als sei ihm ein sonniger Pfad beschert.
Er trägt sein Los mit leichtem Mut,
Ein Anker für mich in der täglichen Flut.
Sankt Josef, du Heiliger, schau auf ihn her,
Segne sein Wirken, auf Erden und mehr.
Bewahre sein Herz, das so freundlich schlägt,
Das fern der Heimat das Gute trägt.