VON TORSTEN SCHWANKE
Dem Historiker Dr. Michael Hesemann gewidmet
ERSTER TEIL
ERSTER GESANG
Dunkel umzieht den Palast, da der Sturmwind Europa erschüttert,
Düstere Schatten bedrohn Petri erhabenen Stuhl.
Schon brennt ringsum die Welt, es verbleichen die Hoffnungen alle,
Als das Kardinalskolleg schweigend im Saale sich füllt.
Elf Jahre herrschte der Frieden, nun bricht die Epoche des Blutes,
Tot liegt der elfte Pius, einsam die Kirche nun wacht.
Wer wird das Steuerrad halten im rasenden Malstrom der Zeiten?
Wer trotzt dem wilden Dämon, der aus dem Norden ersteht?
Einstimmig rufen die Väter den Namen des weisen Pacelli,
Er, der Diplomatie kundig und gütig zugleich.
Zitternd vernimmt er den Ruf, die Last auf den Schultern zu tragen,
Weiß er doch wohl um die Macht, die das Verderben gebiert.
„Pius“ so nennt er sich selbst, dem Vorgänger dankbar verpflichtet,
Doch auf dem Antlitz des Herrn lagert die Sorge der Welt.
Draußen johlt laut die Menge, sie feiert den neuen Regenten,
Drinnen im Herzen der Macht keimt schon die bittere Not.
Hitler, der Würger der Welt, erhebt das Tyrannenzepter,
Hakenkreuz-Banner entweihn heute des Glaubens Gebiet.
Schon schickt der Diktator die Späher, zu prüfen den göttlichen Hirten,
Hoffend auf feigen Verzicht, hoffend auf schweigenden Pakt.
Doch im Vatikanischen Raume, da reift ein geheimer Entschluss schon:
Nicht mit dem Schwerte des Kriegs, sanft mit des Geistes Gewalt
Wird der Papst sich dem Wüterich stellen, im Stillen zu retten,
Was von der Menschheit noch blieb in der Bedrängnis der Zeit.
Schwer ist das Kreuz, das er trägt, und es schweigen die Lippen des Vaters,
Weil jeder laute Protest leider die Opfer vermehrt.
Wahre Geschichte enthüllt, was der Nebel des Hasses verbarg uns,
Hinter der Mauer aus Stein wirkte die rettende Hand.
So hebt das Buch an zu künden vom Kampf in den finstersten Jahren:
Wie ein einsamer Mann trotzte dem tödlichen Reich.
ZWEITER GESANG
Blicke nun wenden sich rückwärts, zu prüfen die Wurzeln des Geistes,
Wie der Diplomat einst lernte des Nordens Gesicht.
Früh schon sandte die Kirche Pacelli zu deutschen Gestaden,
Wo nach dem großen Krieg taumelte blindlings das Land.
München empfing den Gesandten, da raste der Aufruhr der Straße,
Rot war die Flagge gehisst, angstvoll das Bürgertum wich.
Dort, vor den Läufen der Waffen der rücksichtslos Roten Garden,
Stand er mit Mut und Verstand, wehrte dem drohenden Tod.
Tief grub die Sorge sich ein vor dem Geist des gottlosen Sturmes,
Der aus dem Osten herbei fraß das lebendige Fleisch.
Doch in den Schatten der Städte im Westen erwuchs schon ein neues,
Gleichsam verderbliches Gift, braun wie der herbstliche Schlamm.
Hitler erfand seine Phrasen, die Massen im Taumel zu fangen,
Und der Nuntius sah, wie sich der Abgrund vermehrt.
Briefe blockierten den Äther, nach Rom schrieb die warnende Feder:
Hier bricht ein Heidentum aus, das die Kultur uns bedroht.
Als dann das Schicksal sich wendete, Weimar im Blute versunken,
Rief man Pacelli zurück, Rom war der wirkende Ort.
Kardinalstaatssekretär nun, umgeben von eisigen Winden,
Sucht' er mit Paragraphen Schutz für die Herde zu bau'n.
Zäh war das Ringen im Sommer, da Deutschland den Pakt hat gefordert,
Reichskonkordat hieß das Recht, das die Bedrängten bewahrt.
Nicht um den Mörder zu ehren, so schreibt es das Buch in den Seiten,
Sondern als Schild für die Kirch‘ schloss er den bitteren Bund.
Kaum war die Tinte getrocknet, da brachen die Knechte des Reiches
Jegliches Wort und Gesetz, folterten Priester und Geist.
Bittere Tränen vergoss der Stratege im Vatikanischen Raume,
Sah er das Blendwerk doch klar, das den Vertrag nun entstellt.
Dennoch verblieb ihm das Recht, zu protestieren im Stillen,
Weil der geschriebene Text Basis des Widerstands war.
So schließt das zweite Kapitel: Es zeigt uns den klugen Regenten,
Der in der Täuschung der Welt sucht' das Unsterbliche nur.
DRITTER GESANG
Dunkler erheben die Wolken sich nun über deutsche Gefilde,
Jegliches Recht ist gebeugt, Wahrheit im Kerker erstickt.
Da bittet heimlich der Papst die getreuesten Hirten nach Rom hin,
Dass man gemeinsam berat', wie man dem Drachen entgeht.
In den Gemächern des Vatikans schlaflos im Lichte der Lampe
Schreibt der Kardinal Worte aus Feuer und Geist.
Nicht in lateinischer Sprache, wie sonst es die Kirche gewohnt ist,
Nein, in der Sprache des Volks soll es ertönen als Schrei.
„Mit brennender Sorge“ – so heben die flammenden Sätze nun an, die
Treffen den mördrischen Geist, welcher die Rasse verklärt.
Klar wird gebrandmarkt der Wahn, der das Blut auf den Altar erhebt und
Gottes unendliches Recht höhnisch im Staube zertritt.
Sanftmut und Gnade des Christus verteidigt die scharfe Klinge
Gegen das neue Heidentum, das aus den Wäldern erwuchs.
Jeder Paragraph wird zum Schild für die Schwachen und Alten,
Welche der rücksichtslose Staat opfern und tilgen will.
Doch wie gelangt das Dokument durch die eisernen Grenzen des Reiches,
Wo doch der Späher der Macht jeglichen Briefverkehr prüft?
Heimlich, in Koffern versteckt, getragen von mutigen Boten,
Wandert das heilige Wort nachts durch den finsteren Wald.
Drucker in Kellern und Kammern riskieren ihr Leben und Schicksal,
Bis dass der Palmsonntag bricht über das wartende Land.
Plötzlich, von tausend Kanzeln, erschallt die Stimme des Hirten,
Donnernd vernimmt die Gemeinde, was der Tyrann hat verwehrt.
Rasend schäumt der Diktator, es beben die Knechte in Berlin,
Dass die Zensur versagt, dass sie betrogen nun sind.
Klöster und Druckereien beschlagnahmt die wütende Horde,
Priester wirft man ins Verlies, Rache durchzieht nun das Reich.
Doch das Kapitel bezeugt: Es war das unsterbliche Zeugnis,
Dass Rom die Maske zerriss, eh noch der Weltkrieg begann.
Und an der Wiege des Wortes stand steuernd Eugenio Pacelli,
Der nun als Papst bald erwacht in einer brennenden Welt.
VIERTER GESANG
Drohend am Horizont nun ballen sich blutige Wolken,
Ganz Mitteleuropa erzittert, Polen im Visier des Tyrann'n.
Pius, der neugewählte Regent auf dem Stuhle des Fischers,
Sieht das Verderben genaht, das die Völker verschlingt.
Tag und Nacht glüht der Draht im vatikanischen Raume,
Boten entsendet der Papst, flehend um weltweiten Rat.
London und Paris, selbst den Duce im neuen Italien
Sucht er im Bunde zu halten, gegen den rasenden Geist.
Spät im August, da die Hitze des Sommers die Erde bedrückte,
Tritt der Pontifex selbst vor das Mikrofon aus Metall.
Seine Stimme, getragen von Trauer und göttlicher Vollmacht,
Schwingt durch den Äther der Welt, dringt in die Stuben hinein:
„Nichts ist verloren im Frieden!“, so ruft er den Mächtigen warnend,
„Aber durch grausamen Krieg, ach, wird uns alles geraubt!“
Doch die Diktatoren der Welt, sie lachen des Flehens der Kirche,
Weil sie das Eisen verehren, nicht das lebendige Wort.
Kaum ist September erwacht, da donnern die eisernen Ketten,
Blitze zerreißen die Nacht, Polen versinkt nun in Blut.
Schonungslos würgt das Regime das gläubige Volk an der Weichsel,
Stalin im Osten gesellt sich zu dem braunen Kumpan.
Zutiefst im Herzen getroffen weint nun der Vater der Christen,
Als die Berichte ihn treffen, wie man die Herde zerschlägt.
Priester und Bürger fallen im Kugelhagel der Schergen,
Und die Ohnmacht des Geists zeigt ihr erbärmlich Gesicht.
Dennoch verstummt er nicht ganz: In herbstlicher Kälte des Jahres
Schreibt er das erste Dokument, das seine Absicht erklärt.
„Summi Pontificatus“ verdammt das Vergöttern des Staates,
Welcher den Menschen entrechtet, Pflichten und Glauben vergisst.
Das vierte Kapitel bezeugt des Hirten vergebliche Mühen,
Als er den Damm wollt' errichten gegen die sündige Flut.
Nun, da der Damm gebrochen, beginnt das geheime Agieren,
Schweigend im Schmerze der Welt rettet er, wen er noch kann.
FÜNFTER GESANG
Kalt liegt der Winter der Schande über den Feldern Europas,
Hinter den Fronten im Westen wartet das eiserne Heer.
Doch in der Stille der Nacht verlässt der Regent seine Pfade,
Pius betritt nun den Raum, wo die Verschwörung regiert.
Deutsche Generäle, entsetzt von den Taten des Wüters,
Suchen ein Zeichen aus Rom, das ihnen Sicherheit gibt:
Fällt der Tyrann durch das Schwert der eigenen Männer im Lande,
Wird dann der Brite im Westen halten den Frieden der Welt?
Ein Mann des Rechtes bricht auf, getarnt als Agent in den Schatten,
Josef, genannt „Ochsensepp“, reist an den heiligen Stuhl.
Er bringt die Botschaft der Warner, die Hitler zu stürzen gedenken,
Suchend den göttlichen Hirten als den geheimen Kanal.
Schwer ist das Wagnis für Rom, die Krone des Fischers zu setzen
Auf ein konspiratives Spiel, das die Neutralität bricht.
Doch der Pontifex nickt: „Die Pflicht für das Leben der Völker
Zwingt uns zu handeln im Dunkeln, wo uns kein Auge schaut.“
Heimlich empfängt nun der Papst den britischen Boten Osborne,
Flüstert im vatikanischen Garten Worte von höchster Gefahr.
„Hört auf den Widerstand drüben, sie wollen den Führer beseitigen!“,
So spricht die Stimme des Herrn, die sonst im Lichte nur lehrt.
London vernimmt das Signal aus dem Munde des Stellvertreters,
Zögernd bewegt sich das Rad, misstrauisch prüft man den Plan.
Wochenlang webt der Staatssekretär an dem seidenen Faden,
Der die Vernichtung der Welt vor dem Finale noch hemmt.
Doch das Schicksal ist hart, die Stunde des Umsturzes zögert,
Zaudernd verstreicht die Zeit, ehe die Führung erwacht.
Hitler befiehlt den Stoß nach dem Westen im Frühling des Jahres,
Und der geheime Pakt bricht wie ein gläsernes Band.
Was im Dunkeln gesponnen, verweht in dem Donner der Panzer,
Dennoch bezeugt das Kapitel: Pius riskierte sein Haupt.
Nicht als ein schweigender Zeuge, als mutiger Mittler im Schatten
Stritt er im Winter der Not gegen den teuflischen Geist.
SECHSTER GESANG
Nun reißt der Abgrund sich weit auf, es rasen die eisernen Wagen,
Ostwärts rollt nun der Sturm, fraß das unendliche Land.
Barbarossa genannt ist der Feldzug des mördrischen Geistes,
Zwei Totalitäre im Kampf brechen das menschliche Maß.
Und aus dem fernen Westen erhebt sich der mächtige Dollar,
Roosevelt lenkt das Volk über den ozeanischen Raum.
Mittendrin steht der Palast der Apostel, umstürmt von den Winden,
Während der jüdische Bruder ringt mit dem Würger des Tods.
Flüsternd erreichen Berichte den Stuhl des gequälten Regenten:
Züge im Osten verschwinden, Tod in den Lagern regiert.
Rauch steigt zum Himmel empor aus den Schloten der eisigen Stätten,
Es wird das Volk Abrahams grausam im Blute erstickt.
London und Washington rufen: „O sprich ein verdammendes Urteil!
Blitze des Himmels entsende gegen das braune Regime!“
Doch der Pontifex schwankt im furchtbarsten Zwiespalt der Seele,
Weil er das Schicksal der Opfer durch ein Wort nur erschwert.
Brutale Wahrheit beweist das Exempel im holländischen Lande:
Als die Bischöfe dort erhoben die Stimme mit Macht,
Schlug der Diktator sofort zu, holte die gläubigen Juden,
Auch Edith Stein ward geraubt, weil der Protest erschallt.
Sehend das Elend der Rache, verbrennt der Gepeinigte nachts schon
Eigene Reden im Feuer, die er mit Eifer verfasst.
„Schweißen im Schweigen“ – so nennt er die Taktik der rettenden Hände,
Wenn das laute Wort nur tiefer ins Verderben uns stößt.
Dennoch erglänzt in der Nacht ein Signal bei der Feier der Weihnacht,
Als im Radio der Papst spricht zu der weinenden Welt.
Hunderttausende Menschen, so klagt er, die ohne Verschulden,
Nur wegen Herkunft und Volk weiht man dem Tode des Grabs.
Zwar nennt er Hitler nicht namentlich, wie es die Mächtigen fordern,
Doch der Tyrann in Berlin wusste genau, wer gemeint.
So schließt das sechste Kapitel: Im Dunkeln der grausamsten Jahre
Wählt er den schmerzvollen Weg, rettend im Stillen zu sein.
SIEBTER GESANG
Schwer fällt der Würfel des Krieges, es wankt der Verbündete Hitler,
Mussolini gestürzt, Rom ist vom Schutze befreit.
Doch die Vergeltung des Nordens lässt nicht auf sich warten im Herbste,
Deutsche Soldaten marschieren, Eisen besetzt nun die Stadt.
Marionetten, Späher der SS bewachen die heiligen Mauern,
Pius ist einsam umstellt, Gefangner im eigenen Haus.
Über dem Grab des Apostels schwebt nun die dunkelste Stunde,
Als das mördrische Reich greift nach der Ewigen Stadt.
Grausam erwacht der Oktober, am sechzehnten Tage des Monats,
Als in der Frühe des Lichts bricht der Dämon ins Haus.
Judengemeinden im Schatten von Petri erhabener Kuppel
Reißt man vom Bette hinweg, Kinder und Mütter gequält.
Kappler, der schreckliche Kommandant, treibt die Opfer zusammen,
Züge des Todes stehen bereit für den jüdischen Stamm.
Fieberhaft handelt der Papst, er schickt den Gesandten zum Mörder:
„Haltet die Razzia ein, oder der Hirte spricht laut!“
Zwar wird der Zugriff gehemmt, doch die Verschleppung ist bittere Wahrheit,
Tausende suchen flüchtend Rettung vor greifbarem Tod.
Da bricht der Vater das Recht der Jahrhunderte alten Statuten,
Öffnet die Klausur der Orden, bricht das geheiligte Tor.
Mönche und Nonnen empfangen im Dunkeln die jüdischen Brüder,
In den Konventen der Stadt lagert die flüchtende Schar.
Selbst im Palast von Castel Gandolfo, in päpstlichen Betten,
Finden Verfolgte ein Asyl, Nahrung und rettenden Schutz.
Mehr als achttausend Seelen besaß die Gemeinde der Gejagten,
Größte Zahl ward bewahrt durch die verschwiegene Hand.
Während das laute Protestieren die Züge nur schneller getrieben,
Hat das Verstecken im Raum Leben und Zukunft geschenkt.
So schließt das siebte Kapitel: Es zeigt in der Schande der Zeiten,
Wie die verborgene Macht trotzte dem blutigen Zweck.
Hinter den Mauern aus Stein, im Herzen des göttlichen Hirten,
Fand der bedrängte Bruder Zuflucht im bitteren Krieg.
ACHTER GESANG
Endlich entweichen die Schatten, es weicht der Tyrann aus den Gassen,
Als im Juni das Heer der Alliierten erscheint.
Rom ist gerettet vor Feuer und Blut, die Trümmer vermieden,
Und auf den Petersplatz strömt jauchzend die menschliche Flut.
„Defensor Civitatis“ – so rufen die Massen dem Hirten
Dankbar entgegen, der standhaltend die Heimat bewahrt.
Pius erscheint auf dem Balkon, gezeichnet von Jahren der Sorge,
Segnet das Volk, das dem Schlund des Verderbens entkam.
Als dann der Weltkrieg verstummt ist, die Lager der Schande sich öffnen,
Tritt der gerettete Stamm vor den erhabenen Thron.
Goldmann und Meir und die Führer der jüdischen Weltgemeinde
Sprechen den Dank für den Schutz, den das Asyl ihnen bot.
Rom war der Fels in der Brandung, so künden die Zeugen der Jahre,
Als in Europa kein Recht, kein Mitgefühl mehr regiert.
Selbst des Vatikans Kassen, sie flossen für hungernde Kinder,
Ohne zu fragen nach Volk, Glaube und Herkunft und Stand.
Doch wie das Schicksal oft wandelt, da kühlte die Asche des Krieges,
Und eine neue Epoche forderte rücksichtslos Recht.
Jahrzehnte vergingen im Fluge, da hob sich ein düsterer Vorwurf,
Dass der Pontifex schwieg, als das Verbrechen geschah.
Dichter erfanden das Schauspiel, die Wahrheit im Theater zu beugen,
Aus dem verschwiegenen Helfer machten sie feigen Verzicht.
Nebel des Hasses umzog das Andenken an jene Tage,
Welche der Augenzeuge völlig im Lichte doch sah.
So schließt das Buch seine Seiten, die Wahrheit im Streit zu verteidigen,
Gegen den flüchtigen Zeitgeist, der das Vergangene bricht.
Nicht ein unfehlbarer Engel, doch mutig im Zentrum des Sturmes
Wirkte Pacelli als Mensch, rettend mit klugem Verstand.
Wahre Geschichte enthüllt, was im Dunkeln der Lüge verborgen:
Dass er dem Hitler getrotzt, schweigend, doch mächtig im Tun.
ZWEITER TEIL
ERSTER GESANG
Einstmals erglänzte der Name des Hirten im Lichte der Rettung,
Als aus dem rauchenden Blut dankbar die Menschheit erwacht.
Keiner bezweifelte damals das Wirken des weisen Pacelli,
Der in der Tyrannei Nächten als Zuflucht gedient.
Stimmen der Führer Israels schallten durch Länder und Meere,
Lobend den mutigen Mann, welcher die Brüder beschützt.
Einstein erhob seine Stimme, zu preisen die römische Kirche,
Weil sie als Einzige stand, da das Jahrhundert versagt.
Golda Meir rief trauernd, als später der Vater gestorben:
„Als uns das Schicksal geschlagen, war er uns Retter und Trost!“
Tausende Juden, die lebend dem Schlund der Fabriken entkamen,
Pilgerten dankend nach Rom, küssten des Fischers Gewand.
Nahrung und Kleidung und Pässe flossen aus päpstlichen Kassen,
Niemand erfand damals noch Vorwürfe, bitter und kalt.
Er war der Vater der Gejagten, der Fels in den Fluten der Schande,
So stand es fest in der Welt, eh die Legende begann.
Doch das Kapitel beschreibt, wie das Bildnis der Wahrheit verdunkelt,
Als aus dem Osten ein Sturm schleuderte Lüge und Hass.
Kalt im Theater erfand man die Rolle des schweigenden Papstes,
Der aus Berechnung und Furcht zusah dem jüdischen Tod.
Plötzlich vergaß das Gedächtnis der Völker die Taten des Guten,
Und die Polemik ersetzt das, was das Auge gesehn.
Aus dem Defensor der Stadt machten Schreiber ein feiges Phantom nun,
Das den Tyrannen geschont, das die Gebeugten verriet.
Gegen den Nebel des Zeitgeists rüstet der Forscher die Feder,
Ruft in dem ersten Kapitel Zeugen der Wahrheit herbei.
Nicht auf Gerüchte zu hören, die Spätergeborene schufen,
Sondern zu hören das Wort, das aus der Rettung geborn.
So öffnet das Buch seine Pforten, das Unrecht der Jahre zu tilgen:
Dass man den Helfer erkennt, den die Geschichte einst pries.
ZWEITER GESANG
Suche die Wurzeln des Baums, eh du richtest die reifenden Früchte,
Blicke zur Jugend zurück, wo sich der Charakter geformt.
In den Gassen der Ewigen Stadt, nah den Wellen des Tiber,
Wuchs Eugenio auf, rein und von Tugend geprägt.
Nicht in der Festung des Hochmuts - im Herzen des wirklichen Lebens,
Wo auch der jüdische Stamm wohnte seit ältester Zeit.
Freundschaft schloss der Knabe mit Söhnen des anderen Glaubens,
Offen das Herz und der Blick, frei von dem Gift der Zensur.
Guido, der jüdische Knabe, ward ihm zum treuen Gefährten,
Gemeinsam lernten sie nachts, was uns die Weisheit verheißt.
Oft saß Pacelli am Tisch im Hause der gastlichen Freunde,
Aß das koschere Brot, teilte die Sorgen der Zeit.
Lernte die Psalmen Israels ehren in hebräischer Sprache,
Spürte das heilige Band, das die Religionen vereint.
Diese Erfahrung der Kindheit, so kündet das zweite Kapitel,
Blieb ihm als ewiges Mal tief in die Seele geprägt.
Als er als Priester und Denker die Stufen der Kirche gestiegen,
Zeigte er früh schon der Welt, wo seine Haltung verblieb.
Gegen den dumpfen Pogrom, der im Osten die Brüder erschüttert,
Hob er die Stimme im Amt, suchte zu lindern die Not.
Als Diplomat in den Jahren des Vatikans wirkte er milde,
Dass man den jüdischen Kult schütze vor weltlicher Macht.
Niemals war er ein Fremder dem Schmerz der geplagten Gemeinde,
Die er von Kindheit an schon liebte wie eigenes Blut.
So legt der Forscher dar, was Kritiker gerne verschweigen:
Hinter dem bleichen Gesicht wohnte ein glühender Geist.
Nicht aus politischem Kalkül - aus der Liebe der Jugend geboren,
Wuchs der Entschluss in dem Mann, Retter im Sturme zu sein.
Das zweite Kapitel bezeugt: Wen die jüdische Freundschaft gespeist hat,
Sieht in dem späteren Leid Brüder, die Gott ihm vertraut.
DRITTER GESANG
Weiter zieht nun die Chronik des Lebens, nach Norden gerichtet,
Wo in dem kriegsmüden Land lauerte bitterer Groll.
Als der Gesandte des Friedens betrat nun Pacelli die Hallen,
München empfing den Monsignore im Taumel der Zeit.
Dort, wo die Räte regierten, da sah er die Fratze des Hasses,
Doch noch viel schwärzer erwuchs drüben ein neues Phantom.
Rechts auf den Straßen der Stadt formierten sich völkische Horden,
Suchten den Sündenbock schon für das verlorene Reich.
Früh schon erblickte sein Auge den Führer der braunen Bewegung,
Hitlers hysterischer Schrei drang an das Ohr des Geweihten.
In den Depeschen nach Rom, so enthüllen die Akten des Vaters,
Warnte Pacelli die Welt, nannte das Gift beim Statut.
„Gegen die Juden gerichtet und gegen den Glauben der Väter
Rast dieser heidnische Wahn!“, schrieb er mit scharfem Verstand.
Niemals erlag er der Täuschung, die andere Herzen betrog noch,
Dass dieser völkische Bund Ordnung und Sicherheit brächt.
Als in den Straßen von München die ersten Pogrome entflammten,
Blieb der Gesandte nicht stumm, schauend dem Unheil nur zu.
Heimlich empfing er die Führer der tief verängstigten Juden,
Schenkte im Namen von Rom Beistand und schützende Hand.
Gegen die Vorurteile der Massen und dörfliche Sitten
Setzte er Recht und Gesetz, welches die Schwachen bewahrt.
Selbst als er später nach Berlin in die Hauptstadt gezogen,
Blieb er der jüdischen Schar treu im Gefahrengebiet.
So legt der Forscher Zeugnis im dritten Abschnitte des Buches:
Lange vor Dreiunddreißig sah er das Schicksal genaht.
Nicht erst im Kriege begann sein Kampf für die jüdischen Brüder,
Schon in der Weimarer Zeit stand er als Schild in der Not.
Wer die Depeschen nun liest, die er damals nach Osten gesendet,
Weiß, dass im Herzen des Papsts niemals das Schweigen regiert.
VIERTER GESANG
Heimwärts berufen nach Rom, zu lenken des Vatikans Steuerrad,
Steht Kardinal Pacelli nun an der Spitze der Macht.
Da bricht das Unglück herein im Norden, das Schicksal sich wendet,
Hitler ergreift das Regiment, Recht wird in Fesseln gelegt.
Zäh nun verhandelt der Denker, zu retten, was noch zu erretten,
Schließt den Vertrag mit dem Reich, welches die Kirche bedroht.
Nicht um den Mörder zu ehren – als Schutzschild für Gläubige baute
Er das Konkordat im Sturm, welches den Zugriff noch hemmt.
Kaum ist die Tinte getrocknet, da brechen die Knechte des Führers
Jegliches Wort und Gesetz, Fluten von Bosheit erstehn.
Rassenwahn herrscht in den Straßen, verdammt ist Abrahams Samen,
Doch im Verborgenen Rom reift der Gegenstoß schon.
Gemeinsam mit Pius dem Elften entwirft der Staatssekretär nun
Sätze aus Feuer und Geist gegen das braune Regime.
„Mit brennender Sorge“ – so schallt es von tausend Kanzeln im Reiche,
Pacellis Feder zerriss hier das germanische Recht.
Als die Gesetze von Nürnberg die Brüder der Freiheit beraubten,
Wurde der päpstliche Hof Zuflucht im bitteren Leid.
Pässe und Visa besorgte Pacelli für Tausende Flüchtende,
Öffnete Tore der Welt, wo man die Rettung versprach.
Ohne zu fragen nach Taufe und Glauben, so künden die Akten,
Galt seine schützende Hand jedem, den Unrecht gejagt.
Gegen den rassistischen Geist, der die Menschen in Rassen unterteilte,
Setzte er Christi Gebot, welches die Nächstenliebe preist.
So schließt das vierte Kapitel: Es zeigt den Strategen im Vatikan,
Der in der Täuschung der Welt standhaft als Warner verblieb.
Lange vor seinem Aufstieg zum Papsttum hat er bewiesen,
Dass er die Tyrannei hasste aus tiefster Natur.
Wer die Dokumente betrachtet, die er in den Jahren geschrieben,
Sieht den unendlichen Kampf, den er im Stillen geführt.
FÜNFTER GESANG
Als nun der Vater verschieden, da riefen die Purpurträger
Eugenio auf den Thron, welchen der Fischer gesetzt.
Pius der Zwölfte nun heißt er, ein Name voll Schwere und Bürde,
Da schon am Horizont Wetter des Krieges sich türmt.
Zähneknirschend vernahm man im Norden die Wahl des Gelehrten,
„Judenpapst“ nannten die Knechte des Führers ihn feig.
Denn sie kannten den Mann, der die Freiheit der Seelen verteidigt,
Wussten, dass Rom nun besetzt mit dem schärfsten Quadranten.
Kaum war die Krone gesetzt, da entflammten die Feuer des Krieges,
Polens gequältes Gefild sank in das Dunkel der Nacht.
Doch aus dem Vatikan tönte das Wort des Erhabenen mächtig,
Summi Pontificatus brach durch das Schweigen der Welt.
Dort schrieb er nieder das Recht aller Völker und Stämme der Erde,
Brach mit dem rassistischen Wahn, welcher die Menschheit zerteilt.
Niemand durfte nun weichen aufgrund seiner Herkunft und Väter,
Brüder im Fleische des Herrn waren sie alle fortan.
Hinter den Mauern des Vatikans spann er die rettenden Fäden,
Gründete heimlich ein Amt, welches die Zuflucht verwahrt.
Visa für ferne Gestade, Brasilien, jenseits des Meeres,
Schuf er für Tausende schnell, eh das Exil sich verschloss.
Nicht nach der Taufe gefragt, nur das nackte Verlangen nach Leben
Zählte im päpstlichen Hof, wo man die Pässe verteilt.
Gegen den eisernen Ring, den die Schergen im Norden geschlossen,
Öffnete Pius das Tor, rettend aus tödlicher Glut.
So legt das fünfte Kapitel das Fundament für die Jahre,
Da die Barbarei herrschte mit grausamem Fleiß.
Pius stand nicht als Zuschauer fernab der blutigen Bühne,
Als der Krieger des Geists griff er im Stillen zum Schild.
Wer die Anfänge sieht, die der Forscher hier uns berichtet,
Weiß, dass der thronende Hirte rettend den Brüdern genaht.
SECHSTER GESANG
Furchtbar entbrennt nun der Krieg, Europa versinkt in den Trümmern,
Doch in der Ewigen Stadt webt der Faden im Geist.
Pius wird selbst zum Agenten, vermittelt im tiefsten Verborgenen
Zwischen dem britischen Thron und der Verschwörung im Reich.
Männer des Widerstands suchen den Sturz des Tyrannen zu wagen,
Canaris und Oster vertrauen dem unerschrockenen Hirt.
Er leitet die Botschaften weiter, riskiert die Zerstörung des Stuhles,
Dass man den Unhold beseitigt, eh noch die Welt ganz verbrennt.
Mächtig ersteht die Debatte: Warum bricht das Schweigen er nicht gänzlich?
Der Forscher zeigt uns die Not, die den Regenten bedrückt.
Als in den Niederlanden die Hirten die Stimme erhoben,
Wüteten Schergen des Reichs schlimmer als jemals zuvor.
Juden, die Christus erwählt, und jene im Glauben der Väter
Wurden zum Schlachthof geschleppt als des Protestes Tribut.
Da sah Pius mit Schrecken: Das laute Gewitter der Worte
Rettet kein einziges Kind, bringt nur den tötenden Fleiß.
Dennoch erlischt nicht sein Wort, am Feste der heiligen Weihnacht
Tönt durch den Äther ein Ruf, welcher die Welt bewegt.
Hunderttausende Menschen, so sprach er mit bebender Stimme,
Werden dem Tode geweiht ohne ein eigenes Fehl.
Nur wegen ihrer Herkunft und wegen des Blutes der Ahnen
Trifft sie der herrschende Bann, finden sie Grab im Exil.
Jeder, der hören wollte, verstand die Chiffre des Vaters:
Rom klagt die Mörder nun an, zeigt auf den rassistischen Wahn.
So schließt das sechste Kapitel und bricht mit den Mythen der Neuzeit:
Pius schwieg nicht aus Angst, nicht aus des Herzens Frost.
Als er begriff, dass das Wort nur die Flammen des Hasses noch schürte,
Wählt er das schweigende Werk, welches im Dunkeln gedeiht.
Lieber zehntausend Gerettete ohne den Ruhm auf den Plätzen,
Als ein heroischer Schrei, welcher die Brüder zerstört.
SIEBTER GESANG
Finsterer Herbst bricht herein, die Schergen des Reichs haben nunmehr
Rom mit den Waffen besetzt, Recht ist in Fesseln gelegt.
Früh in der Frühe des Tages dröhnen die Stiefel im Ghetto,
Kappler entfesselt den Raub, reißt die Kinder vom Schoß.
Unter den Augen des Hirten, unweit von Peters erhabenen Hallen,
Werden die Brüder gejagt, welche dem Stamme entstammt.
Schreie durchmessen die Gassen, das Blut der Unschuldigen fordert
Gegen die Mörder der Nacht himmlischen Beistand und Mut.
Als die Nachricht des Schreckens den päpstlichen Palast erreichte,
Zögerte Pius nicht lang, rief den Gesandten des Reichs.
Kardinal Maglione erhob die Stimme im Namen des Vaters,
Drohte mit offenem Bann, wenn man das Morden nicht stoppt.
„Schonen Sie diese Gemeinde!“, so sprach er mit papsthaftem Ernste,
„Eh sich der Stellvertreter wendet an alle die Welt!“
Und der Gesandte erschrak, er meldete eilends nach Norden:
„Stellt die Aktion sofort ein, eh uns der Vatikan bricht!“
Doch nicht im Wort nur allein erwiest sich die Treue des Retters,
Pius erließ den Befehl, welcher die Mauern durchbrach.
Heil‘ge Klausuren der Nonnen und Hallen der mönchischen Orden
Öffneten weit nun die Tür, nahmen die Flüchtlinge auf.
Tausende fanden im Schutze der Orden ein sicheres Lager,
Selbst im Palaste von Rom, wo man das Recht sonst bewahrt.
Jüdische Speise gepflegt im Inneren christlicher Klöster,
Liebe vertrieb hier den Hass, welcher das Leben bedroht.
So zieht der Forscher Bilanz von dem dunkelsten Tag in der Chronik:
Mehr als viertausend Seelen rettete Pius im Sturm.
Während das Ghetto geleert, blieb Rom doch die Zuflucht der Meisten,
Weil der Geheimnisbefehl schirmte die Brüder vor Ort.
Wer die Legende noch nährt, der Papst habe tatenlos zugeschaut,
Weicht vor den Fakten der Zeit, die uns die Wahrheit bezeugt.
ACHTER GESANG
Nicht nur an Tibers Gestaden erstreckt sich die schützende Sorge,
Über Europa hinweg webet der Vater das Netz.
Überall, wo die Gesandten des Papstes im diplomatischen Rang stehn,
Wird die Nuntiatur nunmehr zum Zufluchtsorte im Krieg.
Briefe voll dringender Mahnung ergehen nach Osten und Süden,
Dass man dem Rassenwahn wehre, welcher die Völker zerfrisst.
Pius dirigiert die Diplomaten wie Streiter im Geiste,
Dass sie den Herrschern der Welt halten den Spiegel des Rechts.
Als nun das Unglück auch Ungarn erreichte im späten Verlaufe,
Flutete dorthin die Macht seines Befehls voller Eil'.
Angelo Rotta, der Nuntius, furchtlos im Angesicht Eichmanns,
Teilte Schutzbriefe aus, tausende, wider den Tod.
Häuser des Vatikans wurden erklärt zu befreiten Gebieten,
Wo unter päpstlicher Flagge keiner die Brüder mehr fällt.
Selbst an den Zügen des Jammers stand er und forderte Menschen
Aus den Waggons in die Freiheit, weil sie der Papst reklamiert
Auch in Rumänien und dort, wo Bratislava im Sturm liegt,
Führte der päpstliche Stuhl Proteste von brennender Kraft.
Tiso, dem Priester auf Abwegen, schrieb der Regent mit Entsetzen,
Dass sich das Priestertum nie mit solchem Blute befleckt.
Hunderttausende Leben im Süden und Osten der Grenzen
Danken das Bleiben im Licht diplomatischer Wehr.
Zwar konnt' der Hirt nicht das Wüten der teuflischen Mächte ganz brechen,
Doch wo ein Spalt noch verblieb, drang seine helfende Hand.
So schließt das achte Kapitel die Akten der weltweiten Hilfe,
Zeigt uns den globalen Plan, den der Stratege verfolgt'.
Wer von dem Schweigen noch spricht, hat die Berichte der Länder
Niemals mit Augen gesehn, die nun im Archiv offen stehn.
Pius stand fest als der Anker im weltweiten Sturm der Vernichtung,
Rettete, was zu erretten, bis das Dämonische wich.
NEUNTER GESANG
Als nun das Morden ein Ende gefunden, die Waffen verstummten,
Zogen die Völker der Welt Bilanz aus der finsteren Zeit.
Aus den Ruinen des Ostens und jenseits des großen Ozeans
Kam der Geretteten Schar, suchend den heiligen Thron.
Dankbar erhoben die Führer Israels laut ihre Stimme,
Priesen den thronenden Hirt, der in der Not sie beschützt.
Golda und Moshe bezeugten vor allen den helfenden Schatten,
Den der Palast an der Tiber über die Brüder gelegt.
Selbst der Gelehrte im Westen, der tief in den Formeln der Welt las,
Einstein, der Denker des Lichts, reichte dem Vater das Lob.
„Einzig die Kirche stand fest“, so rief er mit staunendem Ernste,
„Wo die Parteien der Welt beugten das Knie vor dem Raub.“
Tausende Briefe der Liebe erreichten die Hallen von Leipzig
Und des Vatikans Kern, wo man die Wunden nun heilt.
Pius empfing die Gesandten, gereinigt vom Schmutze der Jahre,
Sah in den Augen der Kinder, dass sich das Schweigen gelohnt.
Doch nicht im Frieden verblieb der Regent auf dem Stuhle des Fischers,
Schon zog am fernen Horizont neuer Gewitterwind auf.
Moskaus gewaltiger Herrscher entfesselte Lügen und Geißeln,
Weil der Stellvertreter Christi wider den Kommunismus stand fest.
Dort, in den Hallen des Kremls, erfand man die giftige Chronik,
Nannte den Retter der Welt plötzlich des Nazitums Freund.
So ward der Samen gesät für das spätere Drama der Bühne,
Welches das Erbe des Hirten schwärzte mit bösem Verstand.
So schließt das neunte Kapitel und zeigt uns das Ende der Reise:
Pius verließ diese Welt reich an dem Segen der Tat.
Wer jene Jahre studiert, eh der Vorhang des Theaters gefallen,
Findet den reinsten Triumph über rassistischen Wahn.
Erst als die Zeugen verblassten, konnt' wachsen die finstere Fabel,
Die uns der Forscher hier bricht mit den Akten der Zeit.
ZEHNTER GESANG
Nun schließt das Buch seine Tore, es schlagen die Stunden der Wahrheit,
Zahlen treten ans Licht, brechen des Vorurteils Macht.
Achthunderttausend und mehr, so künden die nüchternen Akten,
Fanden das Leben erneuert durch die verschwiegene Hand.
Kein anderer Thron auf der Erde, kein Fürst und kein weltlicher Führer
Riss so viele Gefährten aus dem mördrischen Schlund.
Zwar blieb der Schmerz um die Toten als ewige Wunde im Herzen,
Doch ohne Pius' Befehl wäre kein Rest mehr erwacht.
Schluss mit den Phrasen der Bühne, die Wahrheit zerreißt die Legenden,
Hochhuths düsteres Werk sinkt in den Staub der Zensur.
Denn das Archiv hat gesprochen, die Kisten der Jahre sind offen,
Nacktes Papier hat gezeigt, was der Regent hat gewollt.
Nicht ein unfehlbarer Engel, doch mutig im Zentrum des Sturmes
Wirkte Pacelli als Mensch, rettend mit klugem Verstand.
Gegen den Nebel des Hasses und modische Strömungen heute
Steht das historische Recht fest wie der Fels in der Flut.
So kehrt der Name des Hirten zurück in das Licht der Gerechten,
Wo ihn die Zeugen der Zeit einstmals mit Tränen geweiht.
Er war der Vater der Gejagten, der Schirm in den Nächten der Schande,
Als in Europa kein Gott, als kein Erbarmen mehr galt.
Israel ehrt sein Gedenken im Stillen, trotz mancher Debatten,
Weil seine helfende Tat über die Lüge triumphiert.
So endet die Chronik des Kampfes: Im Buch der Unsterblichen leuchtet
Pius der Zwölfte fortan, Retter im bitteren Krieg.
EPILOG
In den Gärten des Vatikans, im Schatten der stillen Zypressen,
Wandelt der einsame Hirt, Sorgen des Erdkreises schwer.
Pius, den Stürmen der Zeit und dem Grauen des Krieges entronnen,
Hebt sein gläubiges Herz auf zu den Höhen des Lichts.
Da zerreißt das Gewölk; ein Glanz, unirdisch und golden,
Fließt auf den heiligen Hain, heller als irdischer Tag.
Siehe, die Königin naht, im Kleide der Sonne gewoben,
Muttervoll wendet sie sich, segnend den betenden Mann.
Ihr Gewand ist wie Schnee, von Sternen die Krone erleuchtet,
Und das Mysterium spricht leise zum Papst in der Nacht:
„Künde der Welt, was du schaust, das Dogma der leiblichen Aufnahme!“
Und im Herzen des Hirts ankert der göttliche Trost.
Jahre entfliehen im Flug, und der Geist des Bekenners verlässt uns,
Doch sein Wachen erlischt nie für die Kirche des Herrn.
Weit im rheinischen Land, wo die Glocken von Sievernich rufen,
Öffnet der Himmel sich neu, strahlend in herrlicher Pracht.
Dort, wo die Mutter erscheint und die Herzen der Pilger entzündet,
Zeigt sich die lichte Gestalt, heilig und würdig im Kleid.
Pius, der gütige Geist, im Ornat der himmlischen Chöre,
Tritt aus dem ewigen Licht nahe zum irdischen Kreis.
Nicht als ein Toter erscheint er, es strahlt sein verlassener Leib nun,
Zeuge der Gnade zu sein, die er einst selber gelehrt.
Und er mahnt uns im Geist, an der Mutter der Liebe zu halten,
Bis der irdische Lauf weicht vor der Ewigkeit Glanz.