PENTHESILEA

VON TORSTEN SCHWANKE




Eifrig die Amazonen nun streben, den Kampf zu entscheiden,

Dringen vorwärts sie drängend, die Griechen mit Wut zu bekämpfen.

Penthesilea, die Königin, lenkt ihre Rosse geschwind hin,

Suchend mit brennendem Blick, den den sie liebt, ihren Achilles.

Überall wütet das Schwert, und die Lanzen durchbohren die Leiber,

Doch ihr Auge verharrt nur bei dem, dem ihr Herz ist ergeben.


Dichte des Staubes erhebt sich am Boden, die Rosse sie schnauben,

Kampflust erfüllt nun die Reihen der Frauen, die kühn vorwärts drängen.

Mitten im Wirbel des Krieges, da lenkt die Gebieterin Lenker,

Penthesilea, die stolze, sie späht in die Menge der Feinde.

Nicht um den Sieg nur allein, nein, um den Helden sie ringet,

Der ihr im Geiste erscheint, wie ein Gott in dem Glanz ihrer Träume.


"Wo ist er?", ruft sie gebietend und peitscht ihre Tiere nach vorne,

"Wo ist Achilles, der Sieger, der meine Gelüste entflammet?"

Ringsum fallen die Männer, die Griechen sie weichen dem Ansturm,

Doch der Gesuchte, er fehlt ihr, das Herz ihr vor Sehnsucht erzittert.

Ach, wie die Krieger sie fällen, die Lanze, sie bohrt sich ins Fleisch ein,

Königin selbst, sie ist Feuer, ein Sturm, der die Reihen durchwütet.


Zornig sie flucht dem Getümmel, das ihr ihn zu finden verwehrt noch,

"Weg mit den Feiglingen hier, die den Weg mir zum Einzigen sperren!"

Kalt ist ihr Blick für die Leichen, die achtlos am Wege nun liegen,

Nur das Verlangen, den Griechen, den großen, den einen zu fangen.

Sieht sie ein Bild des Verlangten, so wirbelt ihr Wagen im Kreise,

Doch ist es Trug, nur ein Schatten, und tiefer der Schmerz in ihr wächst nun.


Schon wird die Schlacht umgelenkt, denn die Griechen, sie spüren die wilde

Kraft, die die Frauen entfesseln, und weichen dem Zorn der Regentin.

Aber Penthesilea, sie achtet der Flucht nicht der Griechen,

Fest in dem Geiste gefangen, das Bildnis des einen Geliebten.

Will ihn bezwingen, die Beute, sie soll ihn nun endlich ihr führen,

Trophäe, der er soll werden, geliebtes, gejagtes Verderben.


Ruhe kehrt ein für den Augenblick, fern nur das Tosen der Schlachten,

Männer der Griechen sie zagen, sie schauen verwirrt auf das Treiben.

„Was für ein Volk ist das Weib?“, so fragen sie voller Entsetzen,

„Kriegt wie die rasenden Furien, von Schmerz und von Wollust durchdrungen.“

Odysseus spricht nun zu ihnen, er mahnet zur Vorsicht und Klugheit,

Doch in den Herzen der Männer, da wächst nur der Zweifel und Ängste.


Stille nun senkt sich hernieder, die Waffen sie ruhen ein wenig,

Staub auf den Lippen der Griechen, die schwer an den Schilden nun lehnen.

König Odysseus, er tritt aus dem Kreis der Berater, der Männer,

Blickt auf das Feld, wo die Frauen mit Eisen die Wunden noch graben.

„Hört mir zu, Freunde!“, so ruft er, die Stimme sie hallt durch die Runde,

„Dass wir nun stehen vor Amazonen, die wilder als Löwinnen kämpfen!“


„Nicht um die Ehre der Troer, sie kämpfen aus eigenem Willen,

Jede von ihnen, sie sucht sich den Mann, den sie schlagen will nieder.

Doch ihre Königin, seht sie, wie sie wie ein Geist durch die Reihen

Jagd hinter dem, den sie liebt, und den sie doch hassen will morgen.“

Staunend die Männer sie lauschen, der Schweiß rinnt vom Antlitz der Helden,

„Ist dies ein Krieg oder Wahn?“, fragt einer mit bebender Stimme.


„Wahn ist das Schwert, das sie schwingt“, antwortet der Listige ruhig,

„Denn sie begehrt, was sie stürzt, und sie stürzt, was ihr Herz doch begehret.

Schlimm ist das Los, das den wartet, der ihr in die Arme nun fället,

Denn ihr Verlangen ist Tod, und ihr Kuss ist ein Hauch des Verderbens.“

Gierig die Krieger sie schauen, wo fern in dem Staub noch der Wagen

Rast, wie ein Blitz, der das Feld, unerbittlich, auf ewig zerreißet.


Wieder ertönt nun das Horn, das Zeichen zum erneuten Gefechte,

„Auf denn!“, ruft einer der Griechen, „wir weichen dem Weib nicht im Felde!“

Doch im Geheimen sie spüren die Macht, die der Frau ist verliehen,

Furcht vor dem fremden Gesetz, das die Amazonen nun leitet.

Wieder das Klirren der Waffen, das Schreien der Rosse, der Kämpfer,

Wieder das Suchen der Königin, blind für das Schicksal, das nahet.


Endlich die Wege sie kreuzen, die Heere, sie stoßen zusammen,

Griechen und Amazonen in wildem, entfesseltem Kampfe.

Schilde sie krachen und splittern, das Blut es besudelt die Erde,

Doch Penthesilea, die Königin, sieht nur den einen, den Helden.

Dort, wo der Glanz seines Helms in der Sonne des Mittags erstrahlet,

Da lenkt sie ihre Gespanne, den Tod und die Liebe im Herzen.


Schrecklich, o schrecklich das Tosen, das nun die Gebirge durchbebet,

Denn sie begegnen sich endlich, die Heere der Frauen und Männer.

Mitten hinein in das Zentrum, wo Achilles, der Sohn des Peleus,

Führet das Heer der Achaier, da bricht nun die Furie einwärts.

Penthesilea, die Herrin, sie peitscht ihre Rosse, die weißen,

„Dort!“, ruft sie aus und sie deutet, wo goldene Rüstung erglänzet.


Keiner der Griechen vermag nun, den Ansturm der Amazonen

Lange zu halten, sie weichen, die Reihen sie brechen entzwei nun.

Aber die Königin achtet der Fliehenden nicht und der Beute,

Gierig ihr Auge, es sucht nur den einen, den strahlenden Helden.

Sieht sie Achilles dort stehen, ein Bildnis aus Stahl und aus Stärke,

Stoppt sie den Wagen, das Herz ihr in schrecklicher Sehnsucht erbebet.


„Komm mir, du Beute, du einziger Preis, den die Götter mir sandten!“,

Ruft sie mit Stimme, die klingt, wie das Grollen der nahenden Wetter.

Achilles wendet sich um, und er staunt über dieses Gebaren,

Sieht er das Weib, das ihn sucht, mit dem Blick einer Liebenden, Hasserin.

Lanzen sie fliegen und kreuzen, die Schilde sie stöhnen vor Schlage,

Doch ist kein Kampf dies, es ist ein Entflammen in eisernem Kleide.


Schon wird der Ring nun um Achilles, den Helden, der Griechen,

Enger gezogen, die Frauen sie stürmen von allen den Seiten.

Wilde Verzückung erfasst sie, die Königin schreit ihre Lust aus,

Während das Eisen der Kämpfer die Luft mit dem Tod nun durchfurcht.

Alles versinkt vor ihr, nur noch das Ziel, ihn zu binden, zu fangen,

Schicksal, es webt nun die Fäden, das Ende, es nahet im Wirbel.


Waffenruhe für Augenblicke, das Ringen hat kurz nur geendet,

Denn vor der Königin steht nun Achilles, der Starke, der Kühne.

Staub auf der Rüstung, er blickt sie an, forschend und voller Erstaunen,

Fragend, wer wohl dieses Weib sei, das ihn mit dem Feuer der Augen

So durchdringt, als ob sie ihn äße, noch ehe das Schwert ihn berühret.

Schweigen herrscht nun, und der Wind trägt das Keuchen der Rosse herüber.


Plötzlich, als hätte ein Gott das Getümmel der Schlacht unterbrochen,

Tritt nun der Grieche Achilles dem Wagen der Königin näher.

Schweiß auf der Stirne, das Haupt stolz erhoben, so steht er vor ihr da,

Hält in der Hand noch den Speer, doch der Arm, er sinkt abwärts vor Staunen.

„Wer bist du, Weib?“, so fragt er, die Stimme sie hallt durch die Stille,

„Die du den Tod mir verheißt, mit Blicken voll flammender Sehnsucht?“


Penthesilea, sie bebt, ihre Hände sie klammern die Zügel,

Sieht sie den Mann, der ihr Schicksal besiegelt, den göttlichen Kämpfer.

Worte sie fehlen ihr, doch in den Augen, da spricht ihre Seele:

„Ich bin das Weib, das dich jagt, um dich endlich mein Eigen zu nennen!“

Doch statt der Worte, sie hebt ihre Lanze, die Spitze sie leuchtet,

„Beute!“, so schreit sie nun auf, und das Wort ist ein Fluch und ein Segen.


Achilles lacht, denn er spürt die Gewalt, die von ihr nun ausgehet,

„Wohl denn!“, er ruft es, „wenn Kampf dir das Einzige ist, was dich bindet,

Dann soll das Ringen entscheiden, wer Sieger und wer auch Gefang’ner!“

Schon schwingt er aufwärts das Schwert, und die Sonne, sie spiegelt den Stahl sich,

Während die Königin wild ihre Rosse nun lenkt auf ihn nieder,

Eisernes Treffen, ein Tanz, in dem Liebe sich wandelt in Grauen.


Ringsum die Heere, sie halten den Atem, sie starren gebannt hin,

Sehen die Zwei, wie sie ringen, einander fast zärtlich, fast mörderisch.

Jeder der Schläge ein Kuss, jede Parade ein Sehnen nach Nähe,

Wahnwitzig treibt es sie beide, das Schicksal, es spinnt an den Fäden.

Keiner kann weichen, und keiner kann siegen, solang sich die Herzen

Gegen die Vernunft noch stemmen, das Ende ist fern, doch geschrieben.


Wieder entbrennt nun die Schlacht, doch das Schicksal, es neigt sich dem Ende,

Denn die Achaier, sie drängen nun vor, um den Helden zu retten.

Männer der Griechen, sie stürmen herbei mit den Schwertern in Händen,

Wollen den Kampf, der sich wandelt zum Duell, nun gewaltsam beenden.

Doch die Amazonen, sie halten den Wall, um die Königin schützend,

Während der Wahn in der Seele der Frau nun zum Siedepunkt aufsteigt.


Laut durch das Feld nun erschallt das Geklirr der erneut sich verkeilten

Waffen, die griechischen Krieger, sie wüten, den Anführer suchend.

Achilles selbst ist versunken im Ringen, das er nun begonnen,

Sieht nicht den Feind, der von hinten heranrückt, voll Zorn und voll Eifer.

Nur das Gesicht der Gebieterin, bleich vor Entzücken und Hasse,

Hält ihn gefangen, ein Bild, das die Welt um ihn gänzlich auslöschet.


Doch die Amazonen, sie wanken, sie sehen die Übermacht nahen,

„Flieh, meine Königin!“, ruft eine Stimme, die durch den Lärm dringt.

Doch Penthesilea, sie hört nicht, die Sinne sind stumpf gegen Mahnung,

Will sie den Göttern den Helden nun opfern auf blutigem Felde.

„Niemand entreißt mir die Beute!“, so ruft sie, ein Schrei der Verzweiflung,

Während sie wendet den Wagen, und mutig dem Schicksal entgegen.


Dicht um den Wagen der Königin schließt sich das Heer der Achaier,

Speere sie zischen wie Schlangen durch Lüfte, ein Regen von Eisen.

„Weicht mir!“, so schreit sie den Griechen nun zu, und ihr Zorn wird zum Feuer,

Stürzet sich mitten ins Getümmel, das Schwert in der Rechten erhoben.

Doch ach, die Kraft der Amazonen, sie schwindet, das Glück ist entflohen,

Schon wird der Wagen zerschlagen, die Rosse sie scheuen und bäumen.


Sieht sie Achilles nun ferner, das Drängen der Menge, es trennt sie,

Wut in der Brust, die ein Brennen entfacht, das kein Regen kann löschen.

„Du sollst mein sein!“, ruft sie ihm nach, doch die Stimme sie verweht im Winde,

Während die Kämpfer sie packen und ihr den Weg nun versperren.

Akt eins nun schließt mit dem Toben, das Schicksal, es nimmt seinen Lauf schon,

Vorbereitet ist nun der Untergang, der den Liebenden drohet.


Nach dem Getümmel der Schlacht kehrt nun Stille ins Lager der Frauen.

Tief ist die Wunde der Niederlage, die Scham brennt in jeder.

Penthesilea, die Königin, weilt in dem Zelt, nun von Zweifeln zerrissen,

Während die Obersten, besorgt um das Heil ihres Volkes, sich sammeln.

Düster die Mienen, sie fürchten den Wahn, der die Herrin ergriffen,

Wissen sie doch, dass der Sieg ihr entglitt durch die Jagd nach dem Einen.


Dämmrig das Licht in dem Zelt, nur ein Schein von der Fackel erhellt es,

Wo die Gebieterin sitzt, auf dem Lager, den Blick in die Ferne.

Königin, schweigend, die Hand auf der Wange, sie sinnt über Beute,

Den sie bezwungen im Geiste, doch körperlich ihr noch entkommen.

„War es ein Traum?“, murmelt sie leise, „ein Trugbild, das Götter gesendet?

Oder ist Wahrheit das Sehnen, das mich in den Abgrund nun ziehet?“


Prothoe, treu ihr zur Seite, sie wagt es, das Schweigen zu brechen,

Schaut auf die Königin, mitleidsvoll, voller Sorge und Liebe:

„Herrin, o Herrin, das Heer, es ist müde, die Kräfte sind schwinde,

Und die Achaier, sie rüsten bereits, um den Schlag zu erwidern.

Lass uns den Rückzug nun antreten, Schutz in den Bergen zu suchen,

Ehe das Schicksal, das grausam uns droht, uns gänzlich zerschmettert!“


Penthesilea, sie schreckt auf, ein Blitzen erhellt ihre Augen,

„Rückzug?“, so ruft sie, „vom Jäger zum Wild, soll ich mich nun verwandeln?

Nein!“, und sie ballt ihre Faust, „er entkommt mir nicht, niemals Achilles!

Ist er mein Schicksal, so ist er mein Preis, den ich binden muss festlich.

Nicht als ein Sieger, als Beute soll er in mein Lager nun kommen,

Dass ich ihn halte, umfangen, den Stolz von den Griechen erlösend!“


Prothoe bebt, denn sie sieht den Abgrund, der klafft in der Seele,

Worte der Mahnung, sie sterben ihr ab auf den zitternden Lippen.

Denn in dem Blick der Regentin, da glüht nur das Feuer des Wahnsinns,

Unbeirrbar, das Ziel vor Augen, die Liebe zum tödlichen Kriege.

Draußen der Wind, er heult durch die Zeltwand, ein Vorbote kommenden Unheils,

Während im Inneren fest sich das Netz um die Liebenden webt nun.


Meroe tritt nun voran, die Anführerin, ernst in den Blicken,

Sammelt die Frauen, sie mahnt sie zur Ordnung und strengem Gesetze.

„Seht, wie der Wahnsinn die Herrin verzehrt, wie sie fern unserm Volke,

Nur noch dem Griechen, dem Feind, ihre Sinne mit Hingabe weihet.“

Grollend die Frauen, sie hören ihr zu, denn das Gesetz der Amazonen,

Es ist ihr heilig, ihr Anker, in Stürmen des blutigen Krieges.


Meroe spricht nun zur Schar, und die Stimme, sie donnert wie Wetter:

„Schwestern! Wo ist das Gesetz, das die Ahnfrau, die große, uns gab nun?

Liebe, sie darf nicht das Schwert uns entführen, der Zorn uns verblenden,

Dass wir den Feind, den wir töten nun sollten, am Busen uns halten!“

Schweigen im Lager, nur fern ist das Klirren der Waffen zu hören,

Jede der Frauen sie spürt, wie die Pflicht gegen Wünsche nun kämpft hier.


„Hat sie die Herrschaft vergessen?“, so fragt eine Kriegerin bitter,

„Ist die Gebieterin Sklavin geworden des griechischen Helden?“

Meroe nickt, und ihr Haupt es ist schwer von der Last der Gedanken:

„Nicht mehr die Königin führt uns, der Rausch hat ihr Denken umwölbet,

Wenn wir nicht handeln, so führt sie das Volk in das Ende, das schrecklich,

In den Ruin, den der Grieche uns bringt mit der Hand und dem Herzen.“


„Doch sie ist unsre Gebieterin!“, wendet eine Jüngere ein nun,

„Dürfen wir richten, was Götter bestimmt und das Schicksal entfaltet?“

„Götter, sie fordern das Maß!“, antwortet Meroe, den Speer fest

Haltend, als gälte es morgen den Feind, oder auch sich zu stellen.

„Will sie den Weg, den die Liebe ihr bahnt, so wird sie uns führen

In die Verdammnis, das wissen wir wohl, wenn der Sieg uns entgleitet.“


Unruh’ durchzieht nun die Reihen, ein Murmeln, wie Wellen im Meere,

Zwiespalt der Treue zur Herrin und Treue zum uralten Rechte.

Draußen der Wind, er peitscht auf die Zelte, das Schicksal, es dränget,

Denn die Entscheidung, sie reift, wie die Frucht an dem Baume des Unheils,

Während die Frauen im Stillen den kommenden Untergang wittern,

Der ihre Welt, ihre Ordnung und sie selbst in Trümmer nun schlägt bald.


Wieder kehrt nun die Szene zurück, wo die Herrin, allein noch,

Tief in den Träumen versunken, den Namen des Helden beschwöret.

Doch Prothoe tritt wieder ein, sie führt Meroe, die Stolze,

Dass sie die Königin mahne, das Volk und die Pflicht nicht zu kränken.

Schwer liegt die Last der Verantwortung, schwer ist der Druck der Entscheidung,

Denn was im Herzen sie brennt, ist ein Feuer, das alles verzehret.


„Herrin!“, so ruft Meroe aus, und sie tritt vor den Thron der Gebieterin,

„Hör auf das Volk, das erzittert, die Kriegerinnen, sie klagen!“

Penthesilea, sie blickt auf, aus den Schatten des Inneren tauchend,

„Was wollt ihr heute von mir?“, spricht sie kühl, mit der Stimme des Frostes.

„Ist mein Verlangen euch fremd, oder seid ihr zu feige, zu folgen,

Wenn ich den Helden, den stärksten der Griechen, als Beute begehre?“


Meroe schüttelt das Haupt, und der Zorn in ihr lodert, verhalten:

„Nicht um die Feigheit geht’s, Herrin, es geht um das Recht und das Bestehen!

Darf eine Königin, die uns das Gesetz der Amazonen

Vorgab, nun brechen das Wort, für ein Kind, das die Liebe ihr raubte?“

„Liebe?“, so lacht sie, die Herrin, ein Klang, der wie Scherben nun klirret,

„Was ihr als Liebe bezeichnet, ist Kampf, ist der Sieg, ist die Ehre!“


„Nein, es ist Wahnsinn!“, entgegnet Prothoe, die Treue, die sanfte,

„Siehst du denn nicht, wie dein Zorn dich entfremdet von uns und dem Volke?

Wenn du Achilles besiegst, willst du ihn dann im Kriege zerfleischen,

Oder in Ketten ihn legen und führen als Gatten nach Hause?“

Stille, so tief wie das Grab, erfüllt nun das Zelt für Sekunden,

Penthesilea, sie bebt, denn die Frage, sie schneidet wie Stahl ein.


„Ich werde ihn binden!“, sie schreit, und sie greift nach dem Helm, der am Tische

Liegt wie ein Mahnmal, ein Zeichen des Krieges, das glänzt in der Sonne.

„Ob er als Gatte nun kommt oder Toter, das Schicksal entscheidet,

Doch meine Hände, sie werden ihn halten, das schwöre ich allen!“

Meroe weicht nun zurück, denn sie sieht, dass die Worte versagen,

Dass der Verstand, er ist fort, und der Wahn nun die Herrin regieret.


Kühle durchdringt nun die Nacht, doch das Blut in den Adern der Frauen

Wallt in der Erwartung des Kampfes, der endgültig alles entscheidet.

Waffen sie schärfen im Dunkeln, ein Scharren, ein Schleifen von Eisen,

Während die Königin, einsam, ihr Ross, das treue, nun sattelt.

Keine der Frauen wagt nun zu sprechen, das Schicksal, es dräuet,

Und in den Augen der Menge, da spiegelt sich Bangen und Untergang.


Lautlos verlassen sie nun das Gezelt, in den Schatten der Zelte,

Penthesilea, sie schreitet voran, wie ein Geist, der die Leere

Füllt mit dem flammenden Blick, der das Ziel in der Ferne noch suchet.

Hinter ihr folgen die Frauen, ein Heer, das dem Schicksal sich weihet,

Obwohl sie ahnen, dass heute der Tod sie mit eisigen Armen

Fassen wird, wenn die Herrin das Spiel, das gefährliche, fortführt.


Meroe tritt zu ihr hin, sie legt ihr die Hand auf die Schulter:

„Herrin, bedenk doch das Wort, das du gabst, als wir Eide geschworen,

Dass unser Leben dem Volk und dem Schutz unserer Grenzen gewidmet!

Willst du den Untergang aller, nur weil ein Grieche die Sinne

Dir nun verwirrt hat mit Glanz und mit Stärke, die nur eine Täuschung?“

Starr bleibt der Blick der Regentin, sie hört nur den Ruf der Verlockung.


„Weg von mir, Meroe!“, spricht sie, die Stimme so fest wie ein Hammer,

„Was ich beschlossen, das steht, wie die Felsen, die stürmische Winde

Trotzen, so trotzt mein Verlangen dem Rat, den die Schwachen mir geben.

Heute, wenn morgen die Sonne erwacht, wird der Grieche mein Eigen,

Oder ich finde den Tod in den Armen des Mannes, den ich liebe!“

Grauen ergreift nun die Menge, sie spüren die Macht des Verderbens.


Still ist es nun auf dem Felde, das Heer, es formiert sich zum Aufbruch,

Rosse sie wiehern, und Rüstungen klirren im nächtlichen Winde.

Keiner der Sterne, er leuchtet, die Nacht, sie verschlingt die Gestalten,

Während der Pfad sie nun führet, hinab in den Schlund des Verderbens.

Penthesilea, sie ahnt nicht, wie nah ihr das Ende nun kommet,

Nur das Verlangen, das blinde, es treibt sie dem Untergang entgegen.


Grau nun schimmert das Licht, und der Morgen, er bricht mit dem Grauen,

Über das Feld, das gezeichnet von Leichen und Trümmern der Schlachten.

Kalt weht der Wind aus der Ferne, die Geister des Feldes, sie schweigen,

Wartend auf das, was nun kommen muss, wenn die Sonne sich zeiget.

Penthesilea, sie lenkt ihr Gespann in das blasse Gelichter,

Fest in der Hand nun die Zügel, das Herz voller wilder Entschlossenheit.


Dort, wo der Horizont sich erhebt, in dem Nebel der frühen

Stunden, da zeigen sich Umrisse, Schatten der griechischen Heere.

Wieder, so scheint es, beginnt das Spiel, das den Tod uns verheißet,

Wieder das Ringen, das brennt, und das Streben nach unmöglicher Liebe.

„Sieh!“, ruft die Herrin, und zeigt mit dem Speer auf das Lager der Feinde,

„Dort in der Mitte, er steht, wie ein Turm, der die Stürme bezwinget!“


Keine der Frauen wagt nun ein Wort, sie folgen ihr schweigend,

Denn in dem Blick der Regentin, da lodert das Feuer der Hölle.

Jede der Amazonen, sie fühlt, wie das Schicksal die Fäden nun spinnet,

Dass dies der letzte der Tage sein wird, für das Volk und die Herrin.

Kalt ist der Tau auf den Rüstungen, kalt auch das Blut in den Adern,

Während das Ross, das unruhige, stampft auf den feuchten Gefilden.


„Hör mich!“, ruft sie den Göttern nun zu, „ich verlange die Beute,

Einen der Männer, den Besten, den Helden, der Sonne gleich leuchtend!

Soll er mein Gatte nun werden, so gebt ihn mir heute, ihr Mächte,

Oder nehmt mich, und das Leben dazu, in den Schoß der Verdammnis!“

Stille antwortet ihr, nur das Rauschen der Fahnen im Winde,

Während die Sonne, die rote, nun aufsteigt, das Feld zu bescheinen.


Wieder das Horn, es erschallt, und die Schlacht, sie entbrennt nun aufs Neue,

Wilder als zuvor, mit der Wut, die nur Liebende kennen.

Penthesilea, sie stürzt sich hinein, wie ein Blitz in die Erde,

Suchend den einen, den Einzigen, den sie zu fangen gedenket.

Doch in dem Wirbel des Kampfes, da mischen sich Hoffnung und Grauen,

Denn das Verhängnis, es ist nun gesetzt, in dem Licht des Beginns.


Stille ist eingekehrt, doch sie täuscht, denn der Schmerz, er durchzieht sie.

Penthesilea, sie irrt durch den Wald, fern dem Lärm der Gefechte.

Prothoe folgt ihr, die Treue, sie fürchtet den Zustand der Herrin,

Die nun im Fieber der Seele, von Zweifeln und Wünschen gejagt wird.

Schatten der Bäume sie werfen ein Netz, das die Irrende bindet,

Während der Geist ihr entgleitet, in Welten des Wahns und des Traumes.


„Hier ist der Ort, wo die Stille mich heilt“, so murmelt die Königin,

„Hier, wo der Grieche mich nicht finden kann mit den Augen der Gier noch.“

Sie setzt sich nieder auf Moos, ihre Rüstung, sie drückt auf die Schulter,

Löset die Schnallen nun auf, und das Eisen, es fällt zu dem Boden.

„Prothoe“, spricht sie und blickt in das Laub, das die Sonne zersplittert,

„Glaubst du, der Held, der den Sieg sucht, er kennt auch die Sprache des Herzens?“


„Herrin“, antwortet die Treue, „er sucht nur die Ehre im Kriege,

Denn er ist Grieche, er kennt nur das Maß, das die Tat ihm vorgibt.“

Penthesilea, sie schließt nun die Augen, ein Lächeln erscheint ihr,

„Aber mein Herz, es ist mehr als nur Taten, es ist das Verlangen!

Wünschte, ich könnte ihn führen an einen Ort, wo die Waffen

Ruhen und nur noch die Liebe, das Schicksal der Menschen bestimmt nun.“


Doch in der Ferne, da hallt nun ein Ruf, ein metallisches Klingen,

Schrecken durchfährt sie, die Königin springt von dem Lager empor schon.

„Hörst du es?“, schreit sie, „er sucht mich! Er will mich bezwingen im Kampfe!

Nein, ich entziehe mich ihm, nicht soll er mich finden, die Beute,

Die er nun wähnt zu besitzen, er, der den Stolz meiner Ahnen

Hohnvoll verlacht, in der Rüstung, die glänzt wie das Licht der Verdammnis.“


Wieder das Suchen, die Flucht vor dem Mann, der sie gleichzeitig anzieht,

Penthesilea, sie stürzt durch das Dickicht, ein Reh, das von Hunden

Gejagt wird durch Wälder, die dunkel den Ausweg ihr gänzlich verwehren.

Prothoe eilt ihr nach, doch die Königin, sie ist im Wahn nun,

Glaubt sie, der Wald, er sei Zeuge der Liebe, die niemals kann blühen,

Während das Schicksal, es lacht in den Wipfeln, der Untergang nahet.


Helle der Tag nun erstrahlt, doch im Herzen der Königin dunkelt's.

Sehet, es eilt die Gebieterin nun, die stolze Penthesilea,

Wütend des Zorns, der ihr glühendes Herz in den Fesseln der Sucht hält.

Zornig verlangt sie das Ross, das sie trägt in den tödlichen Kampfplatz,

Denn sie erblickte von ferne den Griechen, den Helden Achilles,

Hinter ihm her nun zu jagen, den Liebsten sich endlich zu beuten.


„Wehe!“, so ruft sie, „entfliehet er mir? Soll der Beute ich ledig,

Tatenlos hier nun verharren, wo Ruhm und das Schicksal mich rufen?“

Meroe, treu an der Seite der Herrin, sie mahnt zur Besonnenheit,

„Bleibet doch!“, fleht sie, „die Schlacht ist noch fern, noch ist Zeit uns zu ordnen,

Stürmet nicht blind in die Reihen, die tödlich den Feind uns umschließen!“


Doch ach, die Königin hört nicht auf Worte der weisen Beratung,

Wilde Entschlossenheit brennt in den Augen, sie kennt nur ein Ziel nun:

Nicht mehr den Sieg für das Volk, nein, das Herz des Geliebten zu zwingen,

Selbst wenn der Tod sie ergriffe, sie will ihn, den mächtigen Krieger.

„Sattelt die Rosse!“, befiehlt sie dem Chor der gehorsamen Frauen,

„Folget mir nach in die Schlacht, denn heute entscheidet die Liebe,

Ob ich ihn binde an mich, oder ob ich im Staube zerschelle!“


Über den Boden sie peitscht nun das Ross, das in Angst unter ihr bebt,

Rauschend entflieht sie dem Lager, der Staub deckt den Pfad ihrer Flucht zu.

Zurück nur die Amazonen verbleiben, in bangem und zweifelndem Staunen,

Ahnen das Ende, das schrecklich und blutig am Horizont schimmert,

Denn diese Liebe ist Krieg, und der Krieg ist ein Schlund, der die Seelen

Frisst, ohne Gnade und Rast, bis das Opfer am Boden verblutet.


So in die Schlacht sie nun stürmt, die verlor'ne, verliebte Gebieterin,

Ganz auf das Ziel nur fixiert, das ihr Schicksal auf ewig besiegelt.

Hinter ihr klingt noch der Schrei ihrer Schar, doch sie hört nur das Pochen,

Das in der Brust ihr erbebt wie das Donnern von stürzenden Wassern.

Gott, welch ein Wahn ist das Lieben, das alle Vernunft in den Tod reißt!


Siehe, es prallen die Heere nun aufeinander, ein wüstes Getümmel,

Pfeile sie fliegen wie Hagel, das Eisen es singt in der Luft nun.

Mittendrin stürmt sie, Penthesilea, die Königin, suchend den Einen,

Der ihr den Frieden des Herzens geraubt und den Geist ihr verwirret.

Doch wo Achilles? Er weicht ihr, er sucht das Gefecht mit ihr nimmer,

Denkt er wohl, dass es nur Spiel sei, dies Kämpfen der schönen Gebieterin?

Lacht er der Liebe, die ihn, wie ein Netz, nun zu fangen gedenket?


„Stehe!“, so ruft sie ihm nach, doch er spottet der leidenden Frau nur,

Wendet das Ross und er spottet der Waffen, die zierlich sie schwinget.

Zorn, eine heilige Wut, sie ergreift nun die Seele der stolzen,

Denn ihre Liebe, sie wandelt sich jetzt in den tiefsten der Hass-Gefühle,

Wenn sie den Mann, den sie liebt, nun als Feind, als den trotzigen sieht hier.

„Willst du nicht mein sein als Liebster, so sollst du als Beute mir fallen,

Zerrissen sollst du mir liegen, ein Opfer, das meine Gerechtigkeit fordert!“


Amazonen, sie dringen nun vor, wie ein Strom, der die Dämme durchbricht nun,

Und die Griechen, sie weichen zurück vor dem Ansturm der wütenden Frauen.

Doch im Gefechte, da sieht man Achilles, wie spielend er führt das Geschoss nun,

Weder den Tod sucht er hier, noch den Sieg, nur die Frau, die ihn jaget,

Die ihn mit Blicken verfolgt, die so heiß wie das Feuer der Unterwelt brennen.

Ach, wie sie irrten, die Beiden! Das Schicksal, es spinnt seine Fäden

Dicht um sie beide, und bald schon wird alles in Schande versinken.


Staub, der die Sonne verschlingt, und das Blut, das die Erde nun tränket,

Mischen sich grausam hier unten, wo Liebe den Untergang suchet.

Hörst du den Schrei der Verzweiflung, der aus dem Gefechte hervorhallt?

Es ist die Königin selbst, die den Tod nun zur Helferin rufet,

Denn ihre Sehnsucht, sie findet kein Ziel, nur die Leere des Krieges.

So wird die Schlacht zur Arena der Qual, wo die Herzen zersplittern,

Und wo die Ehre der Kämpfer im Schlamm ihre Deutung verlieret.


Unter dem blendenden Licht der Sonne entbrennt nun das Unheil.

Siehe, da wirft sich die Königin, ganz von der wütenden Sehnsucht

Vollkommen gänzlich befangen, dem Feind entgegen, dem Hellen.

Doch ach, es täuscht sie der Blick; denn der Grieche, er wendet sein Ross nun,

Meidet den Kampf mit der Frau, die ihn liebt, doch im Zorn ihn verfolget.

Will er den Sieg ihr entreißen, die Trophäe, die sie sich erhoffte?

Oder verspottet er, blind vor dem Hochmut, das Weib, das ihn suchet?


„Halt!“, ruft sie aus, und ihr Speer, er durchschnellt nun die Luft mit dem Todes-

Hauch einer Seele, die nur noch Vernichtung und Liebe dort kennt.

Doch der Achilles, er weicht aus, er tänzelt in spielender Anmut,

Läßt sie ins Leere hinein ihre Wut und ihr Eisen nun werfen.

Spott liegt auf seinem Gesicht, das die Sonne der Schlacht noch beleuchtet,

Während der Schweiß auf der Stirn der Gebieterin brennend hinunterrinnt.


„Bist du ein Gott, der dem Pfeil meiner Qualen mit Hohn nur entgegentritt?“,

Schreit sie den Mann nun an, der sich fern ihrer Reichweite wendet.

Wut, eine peinigende, frisst sich nun tief in das Herz der Amazone,

Denn ihre Beute, sie flieht sie, sie lacht ihrer Liebe ins Angesicht.

Und in dem Innern des Busens, da wallt nun das dunkle Verderben,

Groll über Groll, wie die Brandung, die tosend die Felsen umzingelt.


„Wärst du mein!“, flüstert sie leise, doch lauter das Tosen des Streits nun

Übertönt ihres Herzens Gebete, die klagend zum Himmel hinaufsteigen.

Nicht mehr das Recht der Gesetze, nein, nur noch die Gier ihrer Sinne

Leitet ihr Handeln, die Zügel sie lösen sich, wild stürmt der Wahnsinn

Auf sie nun nieder, die Königin, einsam im Heer ihrer eigenen.

Keiner versteht ihren Schmerz, denn sie jagt nur den Schatten des Helden,

Der ihre Seele, sie weiß es noch nicht, in den Abgrund der Tiefe führt.


Stille nun sinkt auf das Feld, doch im Innern der Kämpferin bebt es,

Denn ihr Verstand, er entflieht ihr, vom Sturme der Leidenschaft fortgerafft.

Meroe, mahnend, sie tritt nun herzu, um die Herrin zu lenken,

„Lasse den Griechen doch ziehen! Das Schicksal hat heute geendet,

Kehre zurück in die Heimat, bevor dich der Zorn ganz verzehret.“


Doch Penthesilea, sie starrt in den Staub, wo der Grieche verschwunden,

Ihre Gedanken, sie kreisen wie Vögel, die hungrig nach Beute nun spähen.

„Habe ich ihn denn verloren?“, so fragt sie mit bebender Stimme,

„Ist mir die Beute entronnen, mein Leben, das einzig ich wollte?“

Nicht der Triumph des Heeres, nein, nur der Triumph ihres Herzens,

Das in dem Panzer des Krieges nach Zärtlichkeit schmachtet, verloren.


Da, in dem Wahnsinn, der schleichend ihr Denken in Scherben nun zertrümmert,

Fasst sie den Entschluss, der das Ende des Lebens und Glückes bedeutet.

„Nicht mehr die Schlacht soll entscheiden, was Götter uns einst nun gegeben,

Nein, meine Hand, sie soll greifen, was mir, so beschloss ich, gebühret!“

Düster und stumm sind die Blicke, die sie nun zum Lager hinrichtet,

Denn in dem Kopf der Gebieterin brennt nur das Bild des Geliebten,

Den sie zu binden gedenkt, oder blutig in Stücke zu reißen.


Keiner vermag nun zu halten, was Gott in den Wahnsinn getrieben,

Denn die Liebe, sie ist nur ein Abgrund, der wartet, die Seelen zu schlucken.

So steht sie da, die verlor'ne, im Lichte des Tages, der grausam

Auf ihr Gesicht nun herniederblickt, während die Schatten sich mehren.

Tragisch der Lauf der Geschichte, der hier in den Händen der Frau liegt,

Die, um zu lieben, den Tod und die Zerstörung zur Dienerin wählet.


Schon ist die Sonne am Sinken, der Tag neigt sich müde dem Ende,

Doch in dem Herzen der Königin lodert die Fackel des Wahnsinns.

Rüstung und Waffen, sie wirken ihr nun wie ein hindernd Gewebe,

Denn sie will frei sein, um endlich den Helden im Staube zu fesseln.

„Meroe“, ruft sie, und bebend entweicht ihr das Wort aus dem Busen,

„Hörst du den Ruf, der mich lockt, aus der Ferne, die dunkel und fern ist?

Nicht mehr die Sitte, die Ordnung, sie sollen mich länger bewahren,

Heute, da will ich das Schicksal, das grausam mein Herz mir zerfleischet,

Zwingen, den Mann mir zu geben, der alles an Glück mir versprochen!“


Hastig sie prüft nun die Sehne des Bogens, das Eisen der Pfeile,

Doch in dem Blick liegt ein Feuer, das nicht mehr nach Siege nur trachtet.

„Soll er mir ausweichen? Nein!“, tönt sie, „Ich werde ihn finden,

Sei es im Lager der Feinde, wo Tod nur den Fremden empfänget,

Sei es im Reich der Schatten, wohin ich ihn gerne nun folge.“

Meroe schweigt, denn sie ahnet, dass nun kein Rat mehr sie erreiche,

Dass diese Seele, in Flammen des Schmerzes, dem Abgrund entgegen

Eilt, ohne Halt und in blinder Zerstörung, die alles verzehret.


Düster die Schatten der Zelte nun wachsen, der Abend ist stumme

Zeuge des Unheils, das keimend in Penthesileas Sinnen nun reift.

Ist es das Opfer, das sie nun verlanget, oder der Liebsten

Stunden, die ewig in einem Moment nun zu bannen sie hoffet?

Ach, diese Liebe, ein Fluch, der das Leben in Stücke nun bricht,

Und die Königin, einsam, sie schmiedet die Fesseln der eigenen Pein auf,

Wissend, dass sie, wenn der Morgen erwacht, schon im Blute wird waten,

Nur um den Mann, den sie liebt, in den Armen des Todes zu halten.


Dunkelheit hüllt nun das Lager in Schatten, der Mond will nicht scheinen,

Als sie die Pläne nun wälzt, die dem Schicksal den Trotz endlich bieten.

Meroe, bleich vor Entsetzen, sie sieht, wie die Königin sinnet,

Wie sie mit blutigem Ernst den Verrat an den Gesetzen der Ahnen

Plant, um das Ziel ihrer Begierde, den Griechen, sich gänzlich zu beugen.

„Hörst du, o Meroe?“, haucht sie, „Der Tag, der mir morgen erstrahlet,

Wird ihn mir bringen! Ich werde ihn fangen, die Sklaven, sie sollen

Ihn mir herbeischaffen, lebend, in Ketten, dass endlich er mein sei!“


Doch in dem Plan, der sich formt, liegt die Saat der Zerstörung verborgen;

Denn nicht als Liebende will sie ihn rauben, sie will ihn als Beute,

Will ihn zerren herbei, wie ein Raubtier das Reh in die Höhle

Schleppt, um das Leben ihm aus dem Leib zu erzwingen, vor Gier blind.

„Wehe!“, entfährt es der Dienerin Mund, doch die Herrin ist taub nun,

Hört nur den Schlag ihres Herzens, das wild in der Brust ihr nun hämmert,

Ganz auf das Bild des Achilles fokussiert, der, ahnungslos, fernab

In der Geborgenheit seiner Gedanken den kommenden Untergang wähnt.


„Schmiedet die Ketten!“, befiehlt sie mit Stimme, die scharf wie das Erz ist,

„Heute noch wird sich die Welt, wird sich das Schicksal der Herrin unterwerfen!“

So in der Stille der Nacht wird das Unheil nun sorgsam bereitet,

Während der Geist der Gebieterin, losgelöst von der Vernunft nun,

Durch die Gefilde des Wahnsinns schon irrt, nach dem Opfer nun spähend.

Niemand hält sie mehr auf, denn der Damm, der den Fluss noch gebunden,

Ist nun zerbrochen, und alles, was kommt, wird in Fluten versinken,

Wenn sich am Morgen die Krieger im tödlichen Tanze erneut sehn.


Lange schon schweigen die Sterne, der Nachtwind er haucht nur die Warnung,

Doch in der Brust der Gebieterin tobt nun ein Sturm, der den Frieden

Völlig zerreißet. Die Frauen, sie treten nun zagend zum Lager,

Wissend, dass Unheil ihr folgt auf dem Fuße, das niemand mehr aufhält.

Meroe, sie sucht noch das Wort, um das Herz der Gebieterin zu erreichen,

Fasst ihre Hand, doch die Haut, sie ist kalt wie das Eis der Gebirge,

Und in den Augen der Herrin, da brennt nur der Abgrund des Todes.


„Halt ein!“, fleht Meroe, „Bedanke dich! Denn was du planst, ist das Ende,

Nicht nur der Liebe, die du doch ersehnst, nein, das Ende der Ahnen,

Das der Gesetze, die heilig uns schützen vor Chaos und Wirrnis.“

Doch Penthesilea, sie lacht nur, ein Lachen, das schneidend wie Eisen

Durch die Stille der Nacht nun erzittert, ein Laut, der das Mark friert.

„Was sind Gesetze? Ein Hauch! Ein Gespinst, das im Sturm nur zerreißet,

Wenn eine Liebe, so mächtig wie diese, den Geist nun besetzet!“


Wilde Entschlossenheit formt ihre Züge, die Maske der Königin

Fällt, und das Antlitz, es zeigt nur den Schmerz, der in Schichten begraben,

Lange geruht hat, bis heute, da alles in Flammen nun aufgeht.

„Geh!“, weist sie Meroe ab, „Ich brauche nur Waffen, nicht Worte des Zweifels,

Denn in dem Kampf, der nun naht, da wird endlich die Wahrheit sich zeigen:

Er oder ich – doch vereint in dem Tode, wenn das Leben versaget!“

So steht sie einsam, die Königin, unter dem Himmel der Ahnen,

Und während die Welt noch in Schlummer verweilt, bricht der Wahnsinn

Schon aus der Hülle des Schicksals, das alles in Schande nun stürzet.


Einsam verweilt nun die Königin noch in der Stille des Zeltes,

Während der Morgen, ein fahler, am Saume des Himmels erwachet.

Keiner, der ihr noch zu helfen vermag, da die Bande der Sitte

Längst sind zerrissen, sie steht in der Leere, den Blick in die Ferne,

Dorthin, wo Achilles den Schlaf in den Armen der trügerischen Ruhe

Findet, nicht ahnend, dass morgen das Schicksal die Rechnung ihm ausstellt.


„Komm nur, du Tag!“, ruft sie leise, die Stimme von Wahnsinn umflöret,

„Bring mir das Eisen, das morgen das Herz mir des Helden soll öffnen,

Oder mich selber zu Boden soll strecken, in blutigem Siege!“

Nicht mehr das Volk der Amazonen, noch Ehre, noch Ruhm ihrer Ahnen,

Zählen nun etwas; nur er, dieser Grieche, ist alles, was existiert.

Wie ein Gespenst in der Dämmerung steht sie, die Rüstung schon angelegt,

Stahl gegen Stahl, doch das Herz, es ist weich wie das Wachs in der Sonne,

Die nun, noch fern, den Horizont färbet mit Scharlach des Untergangs.


So in der Frühe, die schaudernd den kommenden Tag nun begrüßet,

Wartet die Herrin. Die Welt um sie her scheint in Stille zu sterben,

Alles bereit für das Ende, das blutig den Kreis nun vollendet.

„Morgen!“, so denkt sie, „entweder in Armen, die ewig mich halten,

Oder als Beute, zertrümmert und kalt, in der Öde des Feldes.“

Keine Erlösung ist möglich, denn Liebe ist hier ein Verderben,

Und der Verrat an sich selber wird morgen die Ernte des Zorns sein.

Stumm sinkt der Kopf ihr auf d’Brust, die Erwartung sie presst wie ein Eisen

Auf das Gewissen, das längst schon im Schlund der Begierde begraben ist.


Nun ist die Sonne erwacht und sie wirft ihre Strahlen voll Hohn schon

Nieder auf alles, was heute im Blute des Feldes soll enden.

Auf springt die Königin jetzt, von dem Schlaf, der ihr keine Erquickung

Brachte, denn Bilder von Ketten und Sieg und von Schmerz sie verfolgten.

„Auf!“, ruft sie aus, und die Stimme, sie gellt durch das Lager der Stille,

„Sattelt die Rosse! Die Stunde, sie schlägt, und das Schicksal, es wartet!

Nicht mehr in Zelten, da suchen wir Ruhe, nein, draußen, wo Krieger

Sich nun begegnen, da werde ich ihn, diesen Griechen, mir beuten!“


Frauen, die furchtsam im Schatten der Zelte nun stehen, sie zagen,

Sehen die Herrin, die bleich und mit Blicken, die brennen vor Wahnsinn,

Ihre Gefährten zum blutigen Ritt nun in Eile versammlet.

Keine der Amazonen wagt es, den Willen der Herrin zu brechen,

Denn ein Verhängnis, es liegt auf der Schar, das sie alle nun mitreißt,

Tief in den Abgrund, wo Liebe und Tod sich die Hände nun reichen.

Draußen, im Morgengrauen, da wartet das Schlachtfeld, das hungrig

Schon seine Lippen nun leckt für das Opfer, das heute dort fallen wird.


„Folget mir!“, schreit sie, und springt auf das Ross, das unruhig nun tänzelt,

Schwingt den geschliffenen Speer, der im Lichte der Sonne nun aufblitzt.

Wie eine Furie, entfesselt vom Bann der verbotenen Liebe,

Stürmt sie nun aus dem Gehege, das Haupt ihr mit Zorn nun umwölket.

Hinter ihr tobt nun das Heer, eine Welle aus Stahl und aus Wehruf,

Die auf das Ziel nun zueilt, wo das Ende des Lebens sie findet.

Alles ist nun auf der Spitze des Messers, der Augenblick nahe,

Wo sie dem Griechen, dem Helden Achilles, im Tode sich einen wird,

Blind für die Welt, die dahinter versinkt in dem Dunst des Verderbens.


Wiederum tobt nun das Schlachtfeld, von Schreien der Kämpfer durchschüttert,

Staub in den Lüften, der brennend die Sonne in Finsternis tauchet.

Suchend die Augen der Königin schweifen, sie suchen den Einen,

Den sie mit Eisen und Liebe zu binden nun fest sich verschworen.

Wo nur, o Götter, versteckt er sich, Achilles, der trotzige Kämpfer?

Ist er entflohen dem Netz, das sie knüpfte mit Wahnsinn und Sehnsucht?


„Wo ist der Held?“, ruft sie aus, und ihr Speer, er durchfährt nur die Leere,

Denn ihre Beute, sie scheint vor der wütenden Frau nun zu fliehen.

Amazonen, sie stürzen hervor, in dem blutigen Ringen befangen,

Doch ihre Herrin, sie achtet auf Siege der Anderen nimmer;

Nur auf den Mann, der ihr Schicksal besiegelt, ist all ihr Verlangen,

Nur diese Beute, die einzige, soll ihr den Frieden nun schenken.


„Zeigt mir den Griech’, wo er weilt!“, so befiehlt sie mit bebender Stimme,

Denn ihr Verstand, er ist nun, wie ein Schiff, das die Anker verloren,

Treibend auf Wogen der Wut und der Gier in den Abgrund der Kämpfe.

Schon ist das Feld übersät von den Leichen, die stumm ihre Kälte

In den Sand der Arena nun senken, doch sie sieht nur die Spur ihm,

Die, in der Hitze des Tages, das Ziel ihrer Qualen verheißet.

Naht nun der Augenblick, da sich die Blicke der Liebenden treffen,

Um in dem tödlichen Tanz ihre endliche Weihe zu finden?


Endlich, da taucht er nun auf, wie ein Gott aus dem Wirbel des Staubes,

Achilles, der Grieche, er suchet die Frau nun mit Blicken der Neugier.

Sieht er sie nahen, die Königin, stürmend auf feurigem Rosse,

Lächelt er milde, er glaubt, dass ihr Streben nur Spiel sei und Werbung.

„Sieh!“, so ruft er ihr zu, „die Penthesilea, die stolze Gebieterin,

Will sie sich endlich mir stellen, die Waffen nun friedlich zu senken?“


Doch ach, sie hört nicht die Worte des Spotts, denn ihr Geist ist in Nebel

Tiefer Verblendung gehüllt, sie sieht nur den Feind und die Beute.

„Falle!“, so schreit sie, „du Sklave der eigenen Hochmut, nun falle!

Heute noch werde ich dich, an die Kette der Liebe geschmiedet,

Führen zum Lager der Frauen, als Pfand meiner heißesten Sehnsucht!“

Und schon entsendet der Bogen den Pfeil, der zischend die Luft teilt,

Doch der Grieche, er weicht, er bespottet den Zorn der Gebieterin.


„Was ist die Liebe?“, so lacht er, „Ein Kampf, der das Eisen nur fordert!“

Und mit dem Schilde, er weist er den Pfeil in den Sand des Getümmels.

Zorn, ein noch glühenderer, fährt ihr in Mark und in Bein nun hinein,

Dass sie das Ross nun anstachelt, mit Peitsche und Sporn es zu quälen,

Um den Achilles zu stellen, den Mann, der ihr Schicksal nun höhnt.

Ist es noch Liebe? Oder ist es der Hass, der die Grenze durchbrochen?

Stumm in dem Wahnsinn, die Königin jagt nun das Ziel ihrer Träume,

Nicht mehr den Liebenden suchend, nein, nur noch das Opfer, das blutig

Enden soll, um den Pakt, den sie schmiedete, endlich zu weihen.


Siehe, sie stürmt nun heran, die Entfesselte, fern jeder Mäßigung,

Waffen in Händen, die zucken, vom Rausch ihrer Gier nun befeuert.

Achilles, er sucht nur das Spiel, noch immer verkennt er das Grauen,

Das in dem Blick ihr nun glüht, wie ein Feuer, das alles verschlinget.

„Komm nur!“, ruft er ihr zu, „Willst du mich binden, so komm und versuche es!“

Doch als er den Speer nun hebt, um den ihren im Fluge zu hemmen,

Da bricht der Bann, und die Welt, sie versinkt ihr in blutigem Dunkel.


Nicht mehr der Mann, den sie liebt, nein, der Feind, der das Glück ihr verweigerte,

Steht nun vor ihr, und ihr Zorn, er entlädt sich in Stößen des Stahls nun.

Pfeile sie pfeifen, ein Hagel des Todes, der um sie herumtanzt,

Während das Ross, das sie trägt, unter Schweiß und dem Drucke der Herrin

Wild in den Kampf nun sich wirft, durch die Reihen der schreckenden Griechen.

„Hörst du mein Rufen, Verräter?“, so schreit sie, die Stimme verzerrt nun,

„Heute noch endet dein Stolz, denn die Liebe, sie fordert ihr Opfer!“


Meroe, zitternd von weitem, sie schlägt ihre Hände zusammen,

Denn sie erblickt das Verhängnis, das über den Beiden nun schwebet.

Keiner, der Einhalt gebieten kann, denn das Schicksal, es spinnt schon

Dicht um das Paar seine Fäden, die bald ihre Kehlen umschlingen.

Hörst du das Schluchzen der Welt, die den Untergang dieser zwei Helden

Bange erwartet? Die Sonne, sie bleicht, und die Erde, sie bebet,

Wenn sich die Zornigen treffen, in blutiger Eile vereint nun,

Wo doch das Herz nur nach Zärtlichkeit hätte verlangen nun sollen.


Ringsumher schwindet das Feld, in den Nebeln des Wahnsinns versinkend,

Nur noch der Gegner erscheint ihr als Ziel, das der Rache nun harret.

Achilles, der Grieche, nun merkt er das Zittern der Welt und der Sinne,

Weicht nun zurück, denn der Hauch des Verderbens umweht ihn mit Kälte,

Wendet das Ross, doch die Jägerin lässt ihn nicht mehr aus den Augen.

„Flieh nicht!“, so hallt ihr Gebot, „denn der Tod, er wird schneller dich fassen,

Als du im Geiste die Rettung, die trügerische, konntest erfassen!“


Stahl gegen Stahl, eine Garbe von Funken, die sprühend verglühet,

Während das Herz der Gebieterin hämmert wie Donner in Schluchten.

Nicht mehr das Werben, das Spiel, das Achilles sich einst wohl erhoffte,

Ist es, was hier nun geschieht; denn der Krieg ist zur Ordnung geworden,

Die sie, die Frau, in den Abgrund der Finsternis stürzt, unaufhaltsam.

Tief in dem Innern, ein Riss, der das Wissen vom Sein nun zerspaltet,

Lässt sie die Zügel nun los, und der Wahn, er ergreift nun die Lenkung.


„Bist du es, Liebster?“, so fragt sie in Klängen, die grausam nun beben,

„Oder ein Schatten, der höhnisch mein Leben zu rauben gedenket?“

Nicht mehr das Schicksal der Amazonen, die Ehre der Ahnen,

Sondern das glühende, tödliche Licht der Verzweiflung, es leitet

Nun ihre Hand, die den Bogen nun spannt mit der Kraft des Verrates.

Und als der Grieche, den Blick nun erschrocken auf sie nur gerichtet,

Endlich begreift, welch ein Ungeheuer den Geist ihr nun frisst auf,

Da ist es spät, denn der Pfeil, er ist schon aus der Sehne gesprungen.


Sieh, wie sie stürmisch den Wagen, den glänzenden, lenkt durch das Schlachtfeld,

Wut in den Augen und Rache, die heiß in den Adern ihr brennet.

Einst war der Liebe Verlangen der Pfad, der zum Helden sie führte,

Heute, durch Zorn nur verblendet, verkennt sie den Liebsten, den Achill.

Sieh, wie sie, wild von der Furie gejagt, nach den Waffen nun greifet,

Nicht um den Helden zu küssen, sie will ihn im Staube bezwingen!


„Halt nun, du Feiger!“ so ruft sie, und schwingt ihre goldene Peitsche,

„Wähnst du, du könntest der Königin, mir, so die Beute entreißen?“

Achill, der Edle, er lächelt, er ahnet des Schicksals Verhängnis,

Doch sein Verstand ist getrübt durch den Stolz und das Spiel, das er wagt nun.

„Komm nur, du Schöne!“ so antwortet er ihr mit der Stimme des Siegers,

Wissend, die Liebe ist stärker als Zorn, der in ihr doch entbrennt noch.


Doch Penthesilea, sie hört nicht das Wort, das aus Liebe entspringet,

Nur das Getöse der Waffen, der Schlachtruf, der hallt in dem Herzen.

Hunde, die Meute, sie hetzt sie nun auf, die zerreißenden Tiere,

Gierig auf Fleisch und auf Blut, wie sie selbst, von der Raserei packt.

„Faßt ihn!“ so schreiend, sie spornt ihre Rosse zu tödlichem Laufe,

Keiner der Männer umher kann den Zorn dieser Furie zügeln.


Achill, er steht nun verloren, das Schicksal hat ihn schon gezeichnet,

Sich nicht verteidigend, lässig, er glaubt, es ist Scherz, nur ein Liebesspiel.

Aber der Speer, er entfliegt nun der Hand der erzürnten Gebieterin,

Nicht mehr als Zeichen der Sehnsucht, als Waffe, die Leben nun raubet.

Furchtbar durchbohrt er die Brust, und der Held, er entsinkt seinen Sinnen,

Stille kehrt ein auf dem Felde, doch grausam ist nun das Erwachen.


Penthesilea, sie sieht nun das Blut, das den Helden besudelt,

Nicht mehr die Feindin, die Siegerin ist sie – die Liebende, weinend.

Doch durch den Schleier der Tränen, da bricht noch der Wahn sich die Bahnen,

Nicht den Geliebten, sie glaubt es, sie glaubt, es ist Rache vollbracht nun.

Grausam das Schicksal, das beide in Dunkel und Abgrund nun reißet,

Liebe, zum Tode verdammt, in dem Hexameter hier nun verhallend.


Stille, die todbringend ist, hat das Feld nun mit Schatten umfangen,

Wo noch das Rauschen der Kämpfe erklang, ist jetzt Schweigen der Gruften.

Penthesilea, sie sinkt nun hernieder, die Waffen entgleiten,

Zitternd ihr Leib, wie das Rohr, das der Wind in den Stürmen gebeugt hat.

Was hat sie getan? Ihre Sinne, sie kehren in Qual nun zurücke,

Wie aus dem Schlummer, der böse, dem Traume, der alles verschlang nun.


Sieh, ihre Hunde, sie lecken das Blut, das den Boden beflecket,

Achills Leichnam, er liegt vor ihr da, in der Stille des Todes.

„Sag mir,“ so fragt sie die Dienerin, angstvoll, mit bebender Stimme,

„Was ist geschehen? Warum ist das Feld hier mit Dunkel umwoben?“

Meroe weint, und sie hält sie zurück, denn das Schreckliche ahnt sie,

Doch die Gebieterin fordert die Wahrheit, den Blick in die Abgründe.


„Wo ist er, Achill?“, ruft sie aus, in der Stimme ein letztes Verlangen,

„Bringt ihn mir her, ich will ihn umarmen, die Liebe beweisen!“

Doch was sie erblickt, als der Blick auf das Schlachtfeld, das blutige, nieder-

Sinket, das lässt ihr das Herz nun erstarren, das Mark ihr erfrieren.

Nicht den Geliebten, zerrissen, entstellt, liegt das Opfer vor ihr da,

Eigenes Werk ihrer Wut, von den Hunden zerrissen, geschändet.


Aufschrei der Seele, die nun erst begreift, welch ein Unheil sie anrichtet,

„Habe ich das?“, stößt sie hervor, und der Wahnsinn, er packt sie von neuem,

Doch nun ist’s Schmerz, der die Sinne zersetzt, eine Qual ohne Ende,

Denn nun erkennt sie: Die Liebe, die eigentlich Leben erwecken

Wollte, hat nur den Tod, den gewaltsamen, bitteren, bracht ihr.

Sterne, sie verblassen im Angesicht dieser unendlichen Schande.


Starr nun der Blick, und die Welt, sie versinkt ihr in Nacht und Verderben,

„Küsse, die Bisse, sie waren es wohl“, so murmelt die Königin,

„Achill, mein Achill!“ – und sie weiß nun, das Ende ist nahe gekommen,

Weder im Himmel noch hier auf der Erde wird Ruhe sie finden,

Nur noch der Untergang bleibt, der das Leid dieser Liebe besiegelt,

Wenn sie den Dolch nun zieht, um den Kreis dieses Schicksals zu schließen.


Furchtbar, der Nebel, er weicht von dem Geist der gequälten Gebieterin,

Wie wenn ein Sturm, der den Wald in der Nacht grausam schüttelte, schweigt nun,

Lässt er die Trümmer nur sehen, die Äste, geknickt und gebrochen.

Penthesilea, sie schauet nun hin auf das Feld der Verwüstung,

Sieht nun das Werk ihrer Hände, das blutige, grausige Denkmal,

Achills zerrissenen Leib, den die Wut, die besinnungslose, schändete.


„Meroe, sag mir,“ so fleht sie, und klammert sich fest an die Dienerin,

„Träum ich noch immer? Entfliehe ich endlich dem Alptraum des Wahnsinns?“

Doch ihre Augen, sie irren nicht mehr, sie erfassen die Wahrheit,

Die, wie ein Blitzstrahl, die Seele ihr spaltet, das Herz ihr zermalmet.

„Habe ich ihn – ach, sag es mir, Freundin! – mit eigenen Händen,

Wie ein Raubtier, das gierig auf Beute nur ausgeht, zerfetzet?“


Stumm ist die Dienerin, Tränen nur antworten ihr auf die Frage,

Denn was geschehen, es sprengt alle Worte, den menschlichen Verstand.

Penthesilea, sie sinkt auf die Knie, auf die Erde, die schweiget,

Jedes Gebet, es erstirbt auf den Lippen, die eisig nun werden.

„Hunde! Die Hunde!“ so ruft sie, und Schrecken ergreift ihre Glieder,

„Habe ich meine Hunde, die treuen, auf ihn nur gehetzet?“


Nun ist der Wahnsinn gebannt, doch das Leid, das nun in sie einziehet,

Ist wie ein Ozean, bodenlos, dunkel, der alles verschlinget.

Keine Verzeihung gibt’s mehr für die Tat, die das Schicksal besiegelt,

Liebe, so grenzenlos groß, hat sich selbst in den Abgrund gerissen.

Stehend, ein Schatten nur noch, die Königin, einsam und bebend,

Sieht sie den Tod nun als einziges Heil für die Seele, die brennet.


„Achill! Geliebter!“ so flüstert sie nun in die Stille der Dämmerung,

„Bald, in den Reichen des Hades, da werde ich Buße wohl leisten,

Dort, wo kein Zorn mehr uns trennet, kein Schwert uns die Herzen entzweißt,

Nur noch die Stille des Todes, in der wir uns ewiglich finden.“

Aufblickend sucht sie den Himmel, doch findet nur Leere und Dunkel,

Schon in dem Geiste bereitet sie nun sich auf Abschied und Ende.


Einsam auf blutigem Feld steht die Königin, starr vor Entsetzen,

Um sie die Dienerin, bleich, und die Amazonen, die schweigen.

Alles, was eben noch tobte, ist jetzt in ein Schweigen versunken,

Wie wenn der Donner verhallt und die Wolken die Sonne verhüllen.

Achills Leichnam, er liegt auf der Bahre, entstellt und gebrochen,

Doch aus den Augen der Herrin ist nun auch der Wahnsinn gewichen.


„Seht ihn nur an“, spricht sie leise, mit Stimme, die kaum noch vernehmbar,

„Ist er es wirklich, der Held, der den Krieg und die Welt überwand nun?“

Keiner antwortet ihr, denn das Grauen, es lähmt die Gedanken,

Jeder der Blicke, er flieht vor der Schändung, die dort auf der Erde

Liegt, ein Mahnmal der Liebe, die selbst sich im Dunkeln verzehrte,

Liebe, die, statt zu beglücken, das blutige Messer nun führte.


Penthesilea, sie schreitet zum Leichnam, die Schritte sind schwer nun,

Keine Bewegung des Zorns ist in ihr, nur die Kälte des Todes.

„Bist du es, Liebster?“, so fragt sie, und beugt sich hernieder zum Antlitz,

Das, nun entstellt von den Wunden, den einstigen Glanz noch bewahret.

„Hast du den Kuss denn gespürt, als die Zähne sich grimmig verschlangen?

War es mein Kuss oder war es das Ende, das dir ich bereitet?“


Tief in ihr Innres sie blicket, und sieht nur den Abgrund, den weiten,

Kein Gott, der Gnade nun schenket, kein Trost, der die Wunden verbindet.

Alles, was Leben ihr war, ist in diesem Momente erloschen,

Wie eine Flamme, die plötzlich im Wirbelsturm gänzlich verweht ist.

„Hör mich, du Schatten Achills!“, so ruft sie zum Himmel voll Schwärze,

„Bald schon folg ich dir nach, um das Urteil des Schicksals zu finden.“


Schon in den Zügen der Königin zeichnet sich deutlich der Schluss ab,

Weder der Thron der Amazonen noch Sieg wird sie jemals nun trösten.

Alles, was blieb, ist der Wille, den Kreis dieses Schicksals zu schließen,

Denn wer die Liebe so tief in den Staub und das Blut hat gezogen,

Findet den Frieden nur dort, wo die Zeit und der Schmerz nun erlöschen.

Stille herrscht ringsum, nur ferne ein Raunen des kommenden Endes.


Einsam im Lager, wo einst der Gesang und der Jubel erklangen,

Stehet sie, bleich wie ein Geist, die einst stolze, die mächtige Königin.

Amazonen, sie schweigen und weichen, ihr Blick voller Grauen,

Denn das Gesetz, das sie einte, es ist in dem Blute zerronnen.

„Geht!“, so befiehlt sie mit Stimme, die kühl wie der Wind in den Bergen,

„Geht aus den Augen mir alle! Ihr könnt mein Verderben nicht mindern.“


Meroe, die treue, sie wagt noch, das Wort an die Herrin zu richten,

„Königin, schone dich doch! Das Schicksal hat hart uns getroffen.“

Doch Penthesilea, sie lacht nur, ein Lachen, das durch Mark und durch Bein geht,

„Schonen? Die Schale, sie bricht, doch der Kern ist schon längst ja zersprungen.

Seht ihr denn nicht, wie die Welt um uns her in die Abgründe stürzet?

Alles, was gültig einst war, ist in diesem Momente vergangen.“


Keine Gebote, kein Volk, keine Pflichten, sie halten sie länger,

Nur noch das Bild, das der Tote ihr schenkt, in der Seele verankert.

„Amazonen!“, so ruft sie, und hebt nun die Hand in die Lüfte,

„Zieht ihr nach Hause, begrabt eure Träume im Staub der Geschichte.

Ich, die ich alles verlor, da ich alles gewinnen wohl wollte,

Bleibe zurück bei dem Schatten, der dort auf der Bahre nun wartet.“


Keine Rüstung mehr zieret den Leib, der nun weich und entblößt ist,

Denn in der Nacktheit der Seele, da sucht sie die letzte Erlösung.

Fern in den Zelten, da hört man das Wimmern, das leise Verzweifeln,

Doch für die Herrin, es klingt wie ein Lied aus der Welt der Vergangnen.

Stille nun senkt sich herab, eine Stille, so schwer wie ein Felsen,

Und die Natur, sie erstarrt im Gewahrsein des nahenden Endes.


Hinter den Zeltwänden ahnt man den Tod, der schon leise nun einzieht,

Denn wer die Liebe, die reine, so schändlich im Zorne zerteilte,

Findet den Trost nur im Dunkel, das kein Morgenlicht jemals mehr kennet.

„Achill!“, so haucht sie, der Name, er glüht in der Dämmerung einsam,

Während die Sonne, sie sinkt und das Land in das Purpur nun tauchet,

Zeichen des Blutes, das bald schon die Erde noch einmal besudelt.


Sieh, wie sie steht in der Stille, den Blick auf den Helden gerichtet,

Nichts ist ihr fremd mehr, die Wahrheit, sie steht ihr in Zügen geschrieben.

Keine Waffe sie braucht mehr, kein Schwert, um die Tat zu vollenden,

Denn in der Kraft ihres Willens, da liegt nun die Macht der Vernichtung.

„Wunden“, so flüstert sie leise, „sie heilen, doch diese, sie bleiben,

Stimmen, die rufen zum Hades, sie klingen in Ohren, die horchen.“


Schaut, wie sie sucht in der Nähe, nach etwas, das Ende ihr bringet,

Keine Waffe der Schlachten, kein Dolch, der vom Eisen geschmiedet,

Nein, es ist Liebe, die rein sich nun zeiget, in trotziger Klarheit.

„Küsse, die Bisse, sie waren’s, nun soll die Versöhnung geschehen“,

Spricht sie und fühlt in das Innere, wo Schmerz sich zur Stille nun wandelt,

Herzschlag, er stockt, wie der Fluß, der vor Winter im Eise gefriert nun.


„Achill!“, so ruft sie, das Wort ist der letzte, der heilige Atem,

„Ich komme nach, in das Dunkel, wo keine Gebote uns trennen.“

Stark ist ihr Geist in dem Augenblick, wo sich der Schleier nun lüftet,

Kein Zittern mehr in den Gliedern, die Ruhe des Todes umfängt sie.

Wie eine Blume, die welkend ihr Haupt zu der Erde nun senket,

Sinkt sie auf ihn, an das Herz, das nun endlich den Frieden gefunden.


Stille, so tief wie das Meer, ist auf einmal das Lager erfüllet,

Alles ist tot, das Begehren, der Zorn und das wilde Verlangen.

Amazonen, sie treten herein, doch sie finden nur noch die Körper,

Die, in der Umarmung des Todes, nun ewiglich eins sind geworden.

Was sie getrennt hat im Leben, der Stolz und der Pflicht strenge Ordnung,

Hat nun der Tod, der erbarmende, gnädig im Dunkel geeinet.


Trauer, sie legt sich wie Schatten auf alle, die schweigsam nun stehen,

Denn in dem Ende, da liegt auch die Größe der Liebe verborgen,

Die, wie ein Blitz, das Gewölbe des Himmels zerrissen hat einst nur,

Um nun als Asche zu ruhen, wo keine Erwachen mehr wartet.

Alles, das Werk von Kleist, hat sein Ende nun würdig gefunden,

Stille – das letzte Wort, das im Raume noch ewiglich nachhallt.