GEDICHT VON TORSTEN SCHWANKE
Am Tag des Herrn, da sich die Menge fand,
bracht’ man zu Petrus viele, die dort litten,
auf dass er sie von ihren Übeln heilte.
Da sprach ein Mann aus jener Schar ihn an:
„Du machtest Blinde sehend, Taube hörend,
den Lahmen gabst du Kraft zu neuem Gang,
hast jedem Schwachen aufgericht’t den Rücken.
Warum, o Petrus, ließest du dein Kind,
die Tochter, die an Gottes Namen glaubte,
in solcher Not? Sie liegt dort in der Ecke,
gelähmt, an einer Seite ganz verkrümmt.
Du heiltest Fremde, doch dein eignes Fleisch
hast du in seiner Qual vernachlässigt hier.“
Ein Lächeln glitt dem Apostel übers Antlitz:
„Mein Sohn, nur Gott allein ist dies bewusst,
warum ihr Körper nicht das Ganze fand.
Doch wisse: Gott ist keineswegs so schwach,
dass er der Tochter nicht die Gabe gäbe.
Damit dein Herz jedoch den Glauben fasst,
und diese Schar hier sieht, was Macht vermag“ –
er blickte auf das Mädchen: „Steh nun auf!
Kein Helfer sei dir nah, nur Jesus allein,
komm gesund zu mir vor all diesen Leuten!“
Sie stand empor und trat voll Kraft zu ihm,
und lauter Jubel hallte durch das Haus.
Da sprach er: „Seht, der Zweifel schwindet nun,
Gott lässt uns nicht an seiner Kraft verzagen.“
Doch als sie frohlockten, rief er sie wieder:
„Geh an den Ort zurück und leg dich nieder,
sei wie zuvor, in deiner alten Krankheit,
denn dies ist nützlich, so für dich wie mich.“
Sie tat es gleich, lag wieder stumm und wund.
Die Menge weinte, flehte um Erlösung.
Doch Petrus sprach: „So wahr der Herr auch lebt,
dies dient dem Heil. Als sie mir einst geboren,
da sah ich, wie der Herr ein Wort mir sandte:
‚Dies Kind wird für dich eine große Prüfung,
denn viele Seelen wird sie einst verderben,
wenn dieser Leib gesund und schönt bleibt.‘“
Zehn Jahre währte ihr verhülltes Dasein,
bis Ptolemäus, reich und mächtig einst,
sie sah und sie mit Gier begehren wollte.
Er sandte Boten, doch die Mutter wehrte,
bis er das Mädchen frech entführte schließlich.
Der Vater rief zu Gott in höchster Not,
und seine Bitte ward ihm bald erhört:
Sie kehrte heim, die eine Seite gelähmt,
vor Schande und der Schändung wohl bewahrt.
Die Diener, die sie vor die Schwelle legten,
sie flohen fort. Wir fanden sie in Schmerz,
doch priesen Gott, der sie vor Fleck bewahrte.
Und jener Ptolemäus, der so strafte,
verlor durch Tränen bald das Augenlicht.
Doch als er sich das Leben wollte nehmen,
erstrahlte Licht; eine Stimme sprach zu ihm:
„Gott gab dir nicht den Leib für Schmach und Sünde,
erkenne in ihr die Schwester, kehre um!
Geh zu dem Apostel, such bei ihm das Heil.“
Er tat es, fand den Glauben und die Sicht,
und als er starb, vermachte er sein Land,
auf dass es Petrus an die Armen gäbe.
So leitet Gott den Pfad, den wir nicht sehen,
obgleich wir wähnen, er vergaß uns schon.
Lasst uns nun wachen, beten, fest im Glauben,
dass Gottes Gnad’ uns einst ins Auge schaut.
Es war ein Gärtner, fromm und voller Sorge,
der Petrus bat: „O Herr, mein Kind, mein Leben,
das einzige, das mir geblieben ist –
bitte für sie!“ Der Apostel sprach zu ihm:
„Der Herr allein weiß, was der Seele nützt.“
Kaum war das Wort verklungen, sank das Kind
ins Reich des Todes, leblos auf die Erde.
O welch ein Gewinn, so früh der Welt zu entgehn,
dem Fleische, das so leicht in Irrung fällt,
und allem Prunk des Blutes zu entsagen!
Doch ach, der Vater, blind für Gottes Gnade,
flehte den Apostel unter Tränen an,
das Kind zurück ins Dasein zu berufen.
Er gab nach. Doch kaum war sie erweckt,
da schlich sich ein Verräter, ein Sklav’, ein Dieb,
an sie heran und raubte ihre Ehre;
beide verschwanden, wie der Wind verweht.
Petrus sprach zum Greis, der laut beklagte:
„Sie ist entflohen den Kämpfen dieser Welt,
den Katastrophen, die den Leib bedrohn.
Und du vergießt nun Tränen in der Blindheit,
erkennst das Gute nicht, das ihr geschah.“
In Rom, da Paulus viele im Glauben stärkte,
da war es Candida, des Quartus Frau,
die seine Lehre hörte und empfing.
Der Gatte, von dem Wort des Geistes tief
bewegt, entließ den Apostel aus der Stadt.
Doch Paulus, der drei Tage lang gefastet,
sah in der Schau den Herrn, der zu ihm sprach:
„Steh auf, geh hin, sei Arzt für deinen Leib,
zieh’ nach Spanien, bring das Heil den Menschen.“
Beim Abschied weinte laut die ganze Schar,
die Kleider rissen sie in ihrer Not,
als ob die Mutter sie nun ganz verließ’.
Da tönte vom Himmel her ein mächtig Wort:
„Paulus wird dienen bis ans Ende nun;
durch Neros Hand wird sein Werk hier vollendet.“
Die Stimme ließ vor Ehrfurcht sie erbeben,
und stärkte sie im Glauben, neu entflammt.
Sie brachten Brot und Wasser zum Gebet,
da trat Rufina vor, den Kelch zu empfangen.
Doch Paulus, vom heiligen Geist erfüllt,
sprach streng zu ihr: „Du trittst in Unreinheit
an diesen Tisch, an eines Fremden Seite,
der nicht dein Gatte, ein Ehebrecher ist.
Satan wird dein Herz nun heut’ verwirren,
damit die Welt erkennt, dass Gott die Herzen
erforscht und prüft, was in der Tiefe lebt.
Bereue – oder bleib in dunkler Nacht!“
Da fiel Rufina hin, das Glied gelähmt,
die Zunge stumm, kein Wort entwich dem Mund.
Die Menge sah, entsetzt von alter Schuld,
und schlug an ihre Brust. Da sprach der Heilige:
„Wer ablässt von der Bosheit, vom Ehebruch,
wer Demut, Güte, Weisheit in sich trägt,
dem wird der Herr verzeihen, was er tat.“
Er hob die Hände zum Gebet gen Himmel:
„O Gott, der du das Wort am Anfang legtest,
und durch den Sohn uns deine Gnade schenkst,
stärk unsre Seelen, die nun treu dir folgen!“
Und unter Tränen baten sie den Herrn,
er möge Paulus führen und bewahren.
Viel Volk, an Zahl nicht wenig, kniete nieder,
sie küssten seine Füße, weinten heiß
und zogen mit ihm bis zum Hafen hin.
Dionysius, der Ritter, Balbus auch,
sowie Demetrius, des Reiches Würdenträger,
sie wichen nicht von Paulus’ rechter Seite:
„Wir würden gehn, wenn uns das Amt nicht hielte!“
Auch aus dem Hause Caesars kamen sie:
Kleobius, Iphitus, Lysimachos
und Aristaeus, dazu zwei Matronen,
Berenike und Philostrate mit Narziss.
Als dann der Sturm aufbrauste auf dem Meer,
hieß er sie umzukehren in die Stadt,
auf dass man harre, bis sein Schiff entwich.
Doch kaum war Paulus fort, da wich der Friede.
Ein Mann, Simon genannt, aus Aricia,
erhob sich, prahlend als die Macht des Herrn.
„Ich bin der Gott!“, so schrie er durch die Gassen,
und morgen sollt’ man ihn am Tore sehn,
wie er als Wunder in der Luft verschwimmt.
Sie sahen Staub am Himmel, hell wie Rauch,
ein Glänzen, Strahlen, dann war er verschwunden –
und plötzlich stand er mitten unter ihnen.
Das Volk, in blindem Taumel, fiel ihm zu,
nannte ihn Retter, Gott von Italien.
Die Schar der Gläubigen war tief betrübt.
Kein Paulus war zur Stelle, kein Timotheus,
und Barnabas war fern in Mazedonien.
Der Abfall wuchs, die Treue schwand dahin,
nur noch Narziss und wenige Getreue
verharrten betend Tag und Nacht im Haus,
die Ankunft eines Boten zu erflehen.
Da sprach der Herr zu Petrus im Gebet:
„Zwölf Jahre sind erfüllt, die ich gebot.
Der Zauberer, den du einst aus Judäa
verbannt, der steht nun wieder vor dir auf,
er hat die Meinen in Rom schwer verführt.
Säume nicht länger! Morgen geh zum Hafen,
dort liegt ein Schiff, das Kurs nach Italien nimmt.
Ich schenke dir die Gnade, die nicht zürnt.“
Petrus, gehorsam, eilte nach Cäsarea,
bestieg das Schiff, das ohne Zögern abfuhr.
Theon, der Schiffsherr, sah den Apostel an:
„Was unser ist, das soll nun Dein auch sein!
Wir teilen alles, nur ein Ziel vor Augen:
dass uns die Reise sicher heimwärts führt.“
Und während Wind und Welle sie verschlangen,
fastete Petrus, schwer im Herzen zwar,
doch voller Trost, für seinen Herrn zu dienen.
Des Abends sprach der Schiffer, Theon, mild:
„Ich weiß nicht, wer du bist, doch Gott sandt’ dich.
Denn in der Nacht, da ich das Schiff gelenkt,
da rief eine Stimme: ‚Petrus sollst du ehren,
durch ihn wird Rettung euch gewiss zuteil.‘“
Petrus, erfüllt vom Geist, lehrte ihn dort
die Taten Gottes und das Wort des Herrn.
Als Stille auf dem Meer die Wellen glättete,
da bat ihn Theon, dass er ihn getauft,
in jener Stunde, da die Schar noch schlief.
Am Seil ließ Petrus ihn ins Meer hinab,
tauft’ ihn im Namen Jesu, des Erlösers.
Und als der Mann dem Wasser stieg empor,
erschien ein Jüngling, strahlend, wundervoll,
und sprach den Frieden ihnen beiden zu.
Petrus, in Dankbarkeit das Brot dann brach:
„O Gott, der Du uns hast dies Licht gesandt,
nimm diesen Diener an in deinem Siegel,
auf dass er makellos Dein eigen sei.“
Ein sanfter Wind, der sechs Tage und Nächte
sie trug, bis Puteoli sie erreichte.
Dort sprang der Schiffer schnell zum Land hinauf,
zu Ariston, dem treuen Gottesmann,
der, seit der Apostel Paulus war entflohen,
in Sorge lebte, denn der Zauberer Simon
verführte Rom mit Trug und falscher Macht.
„Ich floh aus der Stadt“, so rief der Greis beklommen,
„bis Paulus mir im Traum den Weg gewiesen,
auf Petrus zu harren, der uns Heil verheißt.“
Sie eilten zum Schiff. Als Petrus ihn erblickte,
da lächelt’ er, erfüllt vom heiligen Geist.
Ariston warf sich nieder, rief unter Tränen:
„O du, gesandt vom Herrn, stärk unser Herz!
Der Feind hat uns verstreut, die Saat verdorben,
doch Gott, er sandte dich, den Trug zu tilgen!“
Petrus, bewegt, hob ihn vom Boden auf:
„Der Satan ist es, der die Welt versucht,
doch der die Macht hat, wird das Werk vollenden
und diesen Betrug unter die Füße legen,
derer, die an den wahren Christus glauben.“
Als sie das Tor durchschritten, bat ihn Theon:
„Du ruhtest nicht auf der so weiten Fahrt,
so gönn dir Rast, bevor du weiterziehst!
Der Weg nach Rom, er ist so hart und rau,
ich fürchte, dass dein Leib den Schmerz nicht trägt.“
Doch Petrus sprach: „Was wäre, wenn der Herr,
der uns einst riet, den Mühlstein eher selbst
ins Meer zu werfen, als den Bruder kränken,
mich strafte, weil ich fern von jenen blieb,
die seinen Namen lieben und bekennen?
Nein, ich muss hin, zu meinem Volk zurück!“
Kein Flehen hielt ihn auf, kein Wort der Ruh’.
Theon verkaufte eilig Hab und Gut,
folgte dem Apostel treu nach Rom hinein,
wo Narziss sie empfing im Haus der Gnade.
Die Nachricht ging wie Feuer durch die Stadt:
Der Apostel sei zurück, der Simon Trug
nun bald entlarvt. Ein großes Volk erschien,
am ersten Tag der Woche, als Petrus sprach:
„Ihr, die ihr glaubt, die ihr so viel erlitten,
erkennt den Grund, warum der Sohn des Herrn
aus Maria ward geboren in die Welt.
Nicht nur, um Heil zu bringen, nein, auch um
des Teufels Netze, seine Macht zu brechen,
mit der er einst die Menschenwelt umfing.
Ich war bei ihm, sah ihn auf Wasser gehn,
und bin sein Zeuge, der dies Wunder preist.
Ich beichte euch, geliebte Brüder hier:
Ich hab ihn selbst verleugnet, dreimal gar!
Doch er, der Herr, vergab mir meine Schwäche,
die ich in meiner Blindheit einst beging.
Wenn Satan selbst mich stürzte, der ich ihm
so nah gewesen – wie viel mehr versucht
er euch, die ihr noch jung seid im Glauben?
Fallt nicht zurück! Seid stark, seid fest im Geist!
Denn wer der Hoffnung auf den Herrn entsagt,
der wird zum Sohn des Untergangs für immer.“
Die Brüder weinten, baten Petrus flehend:
„O Bruder, hilf uns wider Simon Magus!
Er hat Marcellus uns, den Edlen, auch
mit seinem Zauber ganz von uns entfremdet.
Marcellus, der die Witwen einst genährt,
die Armen stützte, Fremde bei sich aufnahm,
der Kaiser selbst hat ihm sein Gut geneidet –
er flucht nun Gott, zertritt die eigne Güte,
schlägt mit dem Stock die Armen vor dem Tor,
weil er sein Gold bei Betrügern vermutet.“
Als Petrus dies vernahm, da schrie sein Herz:
„O du, des Satans vielgestalt’ge List!
Du Wolf, der du die Lebenssaat zerstreust!
Du bandest einst den ersten Mensch’ in Gier,
du zwangest Judas, unseren Herrn zu verraten,
du machtest Herod hart und Pharao taub,
gabst Kaiphas den Mut zur bösen Tat!
Verflucht sei deine Finsternis, du Feind!
Zurück in deinen Schlund, ins bodenlose Meer,
weg von den Dienern Christi, die er schützt!
Dies Haus ist nicht dein Eigentum, du Wolf,
es gehört dem Herrn, der seine Schafe weidet!“
Petrus, von Trauer um die Seelen schwer,
ging eilig hin zu des Marcellus Haus,
wo Simon wohnte, prahlend in der Macht.
Den Pförtner rief er: „Sage deinem Herrn:
Petrus ist hier, vor dem du einst entflohst!“
Der Diener sprach: „Ich hab den strengen Befehl:
Sei er bei Tag, bei Nacht, sag, er ist fort.“
Petrus erwiderte: „Du sagst es recht.“
Zum Volk gewandt, rief er ein Wunder aus:
Er sah ein’ Hund, an starker Kette fest,
löste die Bindung, gab ihm Menschenwort.
„Geh ein!“, sprach Petrus, „sag dem Bösen dort:
Petrus, des Herrn Apostel, wartet hier!
Komm raus, du Trugbild, du Betrüger du!“
Der Hund lief ein, sprang mitten in die Schar,
erhob die Pfoten, bellte laut sein Wort:
„Simon! Petrus, der Diener Christi, steht
draußen am Tor! Komm endlich aus dem Haus!“
Simon erblasste, sprachlos vor der Schar,
die seine Lügen nun in sich zerfallen sah.
Das Wunder der Statue
Marcellus eilte, warf sich in den Staub,
zu Petrus’ Füßen, unter heißer Reu’:
„O heiliger Diener, ach, verzeih die Schuld!
Ich baute Simon ein’ Statue sogar,
nennt’ ihn ‚den jungen Gott‘ in meiner Blindheit.
O Petrus, nimm mein Gold, nimm all mein Hab,
ja, meine Söhne würd’ ich opfern gern,
wenn nur der wahre Gott mich wieder fänd’!“
Petrus erbat für ihn des Herrn Erbarmen:
„Sei frei, Marcellus, nimm den Frieden an!“
Da lachte schrill ein Jüngling in der Menge,
von bösem Geist gepeinigt, voller Spott.
Petrus befahl dem Geist, sich nun zu zeigen.
Der Jüngling schrie, stürmt’ in des Hauses Hof,
zerbrach des Caesars Marmorbild in Trümmer,
dass alle starrten. Marcellus rief entsetzt:
„Das ist ein Verbrechen, Cäsar wird uns strafen!“
Doch Petrus sprach: „Ist dein Glaube nur ein Schein?
Willst du die Seele retten, fürchte nichts!
Nimm Wasser, sprenge es auf diesen Schutt,
glaubst du von Herzen, wird der Stein ganz werden.“
Marcellus zweifelte nicht, hob die Hand:
„Ich glaube an Dich, Herr Jesus Christus, wahr!
Lass diesen Stein sich wieder fügen, wenn
Du willst, dass ich in Deinem Dienste bleib’.“
Er netzte sie – und siehe, aus dem Staub
wuchs die Gestalt, makellos, wie zuvor.
Da jubelte Petrus, und des Reichen Geist
ward neu erhoben durch die Kraft des Herrn.
Im Haus, da schrie der Simon zum Tier:
„Sag Petrus, dass ich nicht im Hause bin!“
Doch der Hund antwortete, scharf und klar,
vor Marcellus’ Augen, mit menschlichem Laut:
„Du Böser, du Schamloser, Feind der Seelen!
Ein stummes Tier muss dir die Wahrheit sagen,
dass du ein Lügner bist und ein Betrüger.
Schämst du dich nicht, dem Diener Christi so
mit schwachen Worten auszuweichen, Simon?
Kannst du dich vor dem Herrn verborgen halten,
der mir den Mund geliehen, dich zu richten?
Fluch sei auf dir, du Störer des Pfades,
denn ewig brennt das Feuer, das dich prüft!“
Nachdem der Hund die Wahrheit ausgeschrien,
verließen ihn die Leute, ließen Simon
allein in seinem Zorn, in seiner Schmach.
Das Tier lief fort, zu Petrus, der dort saß,
umgeben von der staunenden Menge Schar.
Er trat vor ihn, sprach leise seine Botschaft:
„O Apostel Gottes, harter Kampf steht bevor,
der Feind wird weichen, viele werden glauben,
und Gott wird dir den Lohn der Arbeit schenken.“
Als dies gesagt war, sank das Tier zur Erd’,
fiel Petrus zu den Füßen und verschied.
Da rief das Volk, von heil’ger Scheu ergriffen,
in lautem Jubel über das Geschehene:
„Ein Gott ist dieser, der die Tiere lehrt!
Ein mächt’ger Bote, der die Wahrheit bringt!“
Sie knieten nieder, baten um Verzeihung,
und Simon, der nun isoliert im Haus,
sah seine Macht wie Morgendunst vergehen.
Am Fenster hing ein Hering, längst verdorrt.
Petrus nahm ihn, sprach zur Menge schlicht:
„Wenn ihr nun seht, wie dieser Fisch im Nass
sich wieder regt, glaubt ihr dem Herrn, den ich
euch heut’ verkünde?“ „Ja!“, riefen sie all.
Petrus warf ihn ins Bad: „Im Namen Jesu,
lebe und schwimme nun vor aller Blick!“
Und wahrlich, lebendig begann das Tier zu ziehn,
schwamm seine Bahnen, nicht als Trugbild bloß,
sodass das Volk mit Staunen Brot ihm warf
und Petrus folgte, glaubend an den Herrn.
Marcellus, nun vom Glauben ganz erfüllt,
lief hin zum Speisesaal, wo Simon saß:
„Du Feind der Seelen, du Pest des Hauses mein,
verschwinde!“ Er stieß ihn aus dem Tor hinaus.
Die Diener, die er einst so schwer gekränkt,
vergalten ihm mit Stein, mit Stock und Hohn,
sie schütteten Unrat auf sein freches Haupt.
Geschlagen rannte Simon hin zum Haus,
wo Petrus weilte, schrie am Tor laut auf:
„Komm raus, du Petrus! Ich überführe dich,
dass du an einen Zimmermannssohn nur glaubst!“
Petrus sandte eine Frau mit Kind,
ein sieben Monate altes Wesen nur,
und sprach: „Schweig still, lass nur den Säugling reden.“
Das Kind, vom Geist ergriffen, rief zum Mann:
„Du Abscheu Gottes, du Frucht der Verderbnis!
Nur kurz noch wirst du auf der Erde gehn,
dann wartet Strafe, ewig und schwer.
Dich tadelte der Hund, doch du bist blind –
jetzt spricht ein Kind, und noch schämst du dich nicht?
Verschwinde aus der Stadt bis zum Sabbat!
Der Herr befiehlt: Verstumme nun, geh fort!“
Und Simon verstummte, floh in einen Stall.
In jener Nacht erschien der Herr im Licht,
strahlend und lächelnd, sprach zu Petrus sanft:
„Viel Volk bekehrt’ ich durch die Zeichen schon,
doch am Sabbat wird der Kampf erst recht beginnen.
Ich stehe bei dir, fürchte dich nicht vor ihm,
sein Trug wird schwinden vor der Wahrheit Kraft.“
Petrus gedachte dann der alten Zeit,
wie er den Zauberer einst in Judäa
schon einmal trieb aus der Eubula Haus:
Sie war sehr reich, mit Gold und Perlen schwer,
doch Simon stahl ihr alles, ganz geheim,
mit zwei Gesellen, die das Auge nicht sah.
Die Frau klagte laut, ihr Gold sei nun geraubt,
und wusste nicht, dass dieser falsche Mann
den Namen des Herrn wie einen Köder trug,
um ihre Habgier sanft zu hintergehn.
Drei Tage fastet’ ich und betete,
bis mir der Herr in einer Schau erschien:
Italicus und Antyllus, treu belehrt,
und ein gefesselt’ Kind, das mir ein Brot
des Lebens reichte, sprach: „Nur zwei Tage noch,
dann siehst du Gottes mächt’ge Werke hier!“
Mir ward enthüllt: Durch Zauberspruch und Trug
stahl Simon einst mit zwei Gehilfen sacht
dein Gold aus deinem Haus, Eubula, du!
Am dritten Tag, zur neunten Stund’, wird er
am Neapolis-Tor, für zwei Pfund Gold,
einen Satyr, mit Edelstein geschmückt,
einem Goldschmied namens Agrippinus dann
zum Kauf anbieten. Geh, schick deine Leut’,
sie sollen ihn dort fassen, nicht aus Gier,
doch damit Gottes Name offenbar
der Welt erschalle und die Wahrheit siegt.
Ich ging zu ihr. Sie saß in bitt’rem Leid,
mit zerrissenem Kleid und Haar, das wild und stumpf
vor ihrem Antlitz hing. „Eubula, hör!“,
so rief ich ihr zu, „wisch Tränen dir vom Blick,
leg ab die Trauer, schmücke dich mit Mut,
und bete zu dem einen Sohn des Herrn!
Er richtet jede Seele, rettet sie,
wenn aufrichtig die Reu’ das Herz durchdringt.
Der Herr verspricht dir: Was dir einst entwand,
das kehrt zurück! Doch such das ew’ge Licht,
entsage dieser Welt, die bald vergeht.“
Ich sprach ihr von dem Tag, als sie den Tisch
mit Götterbild und Schmuck bedeckt, und wie
der falsche Zauberer durch dunkle List
zwei Geister rief, die niemand sonst gesehn,
um alles zu entwenden, was sie trug.
„Sein Plan war kurz, sein Sieg wird bald vergehn!
Gott hat mir seine Bosheit kundgetan.
Nicht sollst du in der Hölle Qualen gehn
für Sünden, die in Gottverlassenheit
begangen wurden. Nur im Herrn allein
ist Hoffnung auf das Leben, wahr und hell!
Gewinne nun, Eubula, deine Seele,
bevor der Richter über Tod und Leben
sein endgültig Urteil über alles spricht!“
Eubula warf sich nieder, voller Schmerz:
„Ich nahm ihn auf als Diener Gottes, ach!
Warum hat er mein Haus so schwer bedrängt?“
Petrus erwiderte: „Der Glaube ruht
nicht in den Worten, nein, in Taten nur.“
Er wies den Goldschmied an, dem Trug zu lauern.
Am nächsten Tag, zur neunten Stunde schon,
da fielen Simons Knechte in die Falle,
mit dem Satyr aus Gold, dem Edelstein.
Die Obrigkeit, durch Eubulas Geschrei
herbeigerufen, ließ die Buben foltern,
bis sie gestanden: Simon schickte sie.
Das Gold lag tief verborgen in der Erd’,
in einer Höhle bei dem Stadttor dort.
Als Simon sie in Ketten kommen sah,
da floh der Feige, ward nie mehr gesehn
in jenem Land; doch Eubula, befreit,
gab alles Gold den Armen, Witwen, Greisen,
und fand im Herrn den Frieden ihrer Seele.
„Lasst uns nun fasten“, sprach Petrus zu den Brüdern,
„der Herr, der ihn vertrieb, wird wieder siegen!
Am Sabbat wird er vor das Forum kommen,
dort wird der Herr ihn richten, wie er ist.“
Marcellus trat hervor: „Ich hab das Haus
mit heil’gem Wasser nun von Staub gereinigt,
von Simons Spur, von seinem bösen Geist.
Die Witwen sind versammelt, harren dein,
dass du für sie und uns das Brot nun brichst.“
Petrus ging ein, sah eine Blinde dort,
die Tochter führte sie mit zarter Hand.
Er sprach: „Mutter, komm her! Der Herr gibt dir
die rechte Hand, das Licht, das niemals weicht.“
Er legte Hand auf sie – sie sah das Licht,
und staunend schritt sie nun den Weg allein.
Er las das Wort, schloss dann das heil’ge Buch
und sprach zur Schar: „Ihr Lieben, hört nun zu!
Wie Gott in Menschengestalt die Welt besucht,
um aus dem Fehler uns zum Heil zu führen.
Ich sah ihn auf dem Berge, hell wie Licht,
fiel nieder, tot dem Geist, doch seine Hand
hob mich empor, ich sah ihn, wie ich konnte.
Er ist der Gott, der alle Lasten trägt,
der Große, Kleine, Schöne, der sich demütigt,
der leidet, stirbt und wieder aufersteht!
Er ist der Weg, das Brot, die Tür, das Licht,
die Perle, die man findet, wenn man sucht.
Kein Größerer ist da als Jesus Christ,
ihm sei der Ruhm, von Ewigkeit zu Ewigkeit!“
Als neunte Stunde voll anbrach, begann das Gebet.
Da saßen Witwen, blind und voller Zweifel,
sie riefen: „Petrus, schenk uns doch Erbarmen!
Wir glauben, doch das Auge sieht nur Nacht.“
Petrus erwiderte: „Wenn Glauben wohnt
in euch, dann schaut mit eurem Geiste tief!
Denn diese Augen hier, die Fleisch und Blut,
sie sehen nur das Vieh, den Stein, den Stab,
doch Christus bleibt dem ird’schen Blick verborgen.
Herr, rühr sie an, öffne die Geister weit!“
Ein Licht erstrahlte, nicht von dieser Welt,
unaussprechlich, wie Wolken, die sich öffnen,
ein Glanz, vor dem der Mensch in Ehrfurcht bebt.
Wir lagen nieder, riefen nur: „Erbarm dich!“
Und als die Schau verebbte, standen sie,
die blinden Witwen, sehend, voller Freud’.
Die eine sah den Greis in hoher Anmut,
die andre einen Jüngling, sanft und mild,
der ihre Lider berührte mit der Hand.
Petrus pries Gott: „Du bist weit über unser Denken,
du zeigst dich jedem, wie sein Herz dich braucht.“
Marcellus lud die Jungfrauen des Herrn
in sein gereinigtes Haus zur Ruhe ein:
„Der Streit beginnt am Sabbat, Simon harrt
am Forum schon, das Volk wartet gespannt.“
Marcellus schlief, doch bald erwacht’ er schreckhaft:
„O Petrus, hör! Ich sah dich in der Schau
auf hohem Thron, das Volk zu deinen Füßen.
Ein Weib erschien, so schwarz wie tiefste Nacht,
in Lumpen tanzend, Eisen um den Hals,
mit Ketten schwer an Händen und an Füßen.
Du riefst: ‚Das ist die Macht, die Simon dient,
enthaupte sie!‘ Doch ich, als Senator,
ich scheute mich, das Blut an mich zu lassen.
Da riefst du laut: ‚O Jesus, wahres Schwert,
zerstückle diesen Teufel vor der Schar!‘
Und einer, der dir so entsetzlich glich,
zerschlug das Weib in Stücke, Glied für Glied.“
Petrus, der dies vernahm, war neu gestärkt,
denn in der Vision des Freundes lag das Wort:
Christus selbst wird den Sieg am Sabbat führen.
Mit freiem Geist, getröstet und bereit,
machte er sich auf, den Kampf zu bestehn.
Das Forum füllte sich mit Volk und Stand,
mit Senatoren, Präfekten, großem Glanz.
Inmitten stand Petrus, festen Mutes Blick,
während Simon, trüben Sinns, zur Seite wich.
Die Menge rief: „Nun zeig uns, Petrus, du,
wer ist dein Gott? Was gibt dir diese Kraft?
Wir sahen Simons Kunst, nun wollen wir
den Vergleich mit deinem eigenen Werk!“
Petrus begann: „Ihr Männer Roms, ihr seid
die Richter heute! Ich bekenne mich
zum lebend’gen Gott, dem wahren Herrn der Welt.
Seht Simon hier – er schweigt, denn er erkennt
die Schande seiner Flucht aus Judäa,
wo er Eubula täuschte durch den Trug.
Simon! Gedenkst du nicht Jerusalems?
Du fielst uns zu Füßen, batst uns um die Macht,
für Geld, das wir verfluchten, stetig gierig.
Ich bin Petrus, der für den Herrn sich rüstet,
ich werde deine Künste nun zerbrechen!“
Simon jedoch rief höhnisch in die Menge:
„Ihr Römer, seid nicht dumm! Ein Zimmermann,
der dort in Judäa geboren ward –
soll dies ein Gott sein? Gott wird nicht gezeugt!
Wer einen Herrn besitzt, der ist kein Gott!“
Das Volk rief: „Wohl gesprochen, Simon, wahr!“
Doch Petrus sprach: „Verflucht sei dein Geläster!
Kennst du die Schriften nicht, die von ihm künden?
‚Wer wird sein Geschlecht erklären?‘ steht geschrieben.
Ein Kind vom Geist, die Mutter bleibt unberührt,
ein Stein, der ohne Hand aus Fels gehauen,
wurde zum Eckstein aller Bauherrn Wunsch.
O Römer, hättet ihr die Schrift gelesen,
ihr wüsstet: Dies ist alles Gottes Plan!
Doch Simon, komm! Vollbring nun deine Tat,
die dich berühmt gemacht – ich mache sie
im Namen Christi, meines Herrn, zunicht’!“
Der Präfekt, der die Wahrheit prüfen wollte,
rief einen Diener vor und sprach zu Simon:
„Befieh’ diesem Knaben den Tod!“ Dann sprach er weiter:
„Und Petrus, erwecke ihn zum Leben nun!“
Simon hauchte dem Knaben leis ins Ohr –
und plötzlich sank er tot zur Erde nieder.
Da schrie eine Witwe, eine derer, die
bei Marcellus Speis’ und Trost gefunden hatten:
„O Petrus, mein Sohn! Mein einziger Sohn,
er, der mich stützte, trägt nun keine Last!
Wer reicht mir nun die Hand, wer trägt mich fort?“
Petrus sah sie an: „Geh, hol den Toten her!
Zeugen sollen sehn, wie Gottes Macht
den Sohn erweckt, und Simons List zerfällt.“
Dreißig Jünglinge, die dem Glauben nah,
machten sich auf, den Leichnam zu erheben.
Sie prüften den Atem, ob der Tod gewiss,
und sahen: Ja, das Leben war entflohn.
„Mutter“, sprachen sie, „vertraust du auf den Gott,
den Petrus predigt? Wir tragen ihn zum Ort,
dass er ihn dir lebendig wiedergibt!“
Der Präfekt sah auf Petrus, angstvoll, bleich:
„Mein Sohn ist tot! Ich wollte dich nur prüfen,
ob dein Gott wahr ist – nun ist er dahin.“
Petrus erwiderte: „Gott bleibt kein Spielball,
den man wie einen Knecht zur Prüfung zwingt.
Doch weil mein Herr, der Christus, Liebe ist,
wird er sich zeigen, wenn man ihn erfleht.
Geh hin, o Vater, nimm die Hand des Knaben,
ruf ihn beim Namen, denn der Herr ist hier!“
Agrippa lief, ergriff die kalte Hand,
der Knabe schlug die Augen auf – er lebte!
Ein Jubelruf erscholl: „Ein Gott ist Petrus!
Sein Gott ist wahr, kein andrer neben ihm!“
Indes brachten die Knechte das Bett herbei,
darauf die Witwe ihren Sohn beweinte.
Petrus sah auf zum Himmel, flehte heiß:
„O Vater Christi, du, der Licht verheißt,
erleuchte diese Seelen, die dich suchen!
Junger Mann, steh auf! Geh mit der Mutter fort,
dien ihr noch eine Weile auf der Welt,
doch dann erwart’ ich dich im Dienst des Herrn.“
Kaum sprach’s der Apostel, da regte sich der Leib,
der Tote stand, das Volk war starr vor Staunen.
„Du Gott der Retter!“, riefen sie im Chor,
„Unsichtbar bist du, doch deine Macht ist hier!“
Eine Senatorin trat aus der Menge vor,
warf sich zu Boden: „Gib mir meinen Sohn!
Nikostratus ist tot, mein einig’ Kind.
Ich glaube, Petrus! Ich glaub’ an deinen Herrn!“
Das Volk schrie mit: „Gib ihr den Sohn zurück!“
Petrus, voll Mitleid, sprach: „Bringt ihn hierher!
Nicht meine Kraft ist es, die hier nun wirkt,
es ist die Macht des Herrn, der Leben schenkt.“
Mit Fackeln, Glanz und stolzem Prunk der Freien,
die Mützen auf dem Haupt als Zeichen neu,
trug man den toten Edelmann heran.
Der Senat sah zu, das ganze Forum schwieg.
Petrus rief Simon: „Tritt nun vor den Richter!
Dies ist der letzte Kampf: Wer hier versagt,
ist bloß ein Gaukler, dessen Trug zerrinnt.
Wenn du ihn weckst, dann bist du Gottes Engel!
Wenn nicht, dann seid ihr alle nun gewarnt:
Er ist ein Gift, das Roms Ehre verzehrt!“
Simon erstarrte. Stille hielt das Volk.
„Simon!“, so riefen sie, „Warum verharrst du?
Zeig deine Macht! Oder wir richten dich!“
Der Zauberer, in Enge nun getrieben,
schrie voller Tücke, seine Angst verbergend:
„Wenn Petrus diesen Toten nun erweckt,
wollt ihr ihn jagen? Wollt ihr ihn verbrennen?“
Und Roms Volk schrie: „Nicht jagen nur – nein, Feuer!
Verbrennt den Mann, der uns so lang betrog,
wenn er des Lebens Wunder nicht vollbringt!“
Simon trat vor, er bückte sich zum Haupt,
er sprach drei Worte, und der Körper hob
das Haupt ein wenig, öffnete den Blick,
als schaut’ er Simon an. Das Volk begann
nach Holz und Fackeln wild zu schreien laut,
um Petrus endlich in dem Feuersturm
dem Tod zu weihen. Petrus, fest im Geist,
erhob die Stimme, donnernd gegen sie:
„O Römer! Wie verblendet ist das Herz,
wie seid ihr alle so vom Trug berückt!
Seht ihr nicht ein, dass dies nur Gaukelei?
Ein Toter, der nicht sich, wohl aber ihn,
den Zauberer, wohl grüßen kann – ist das
ein Wunder Gottes? Nein! Lasst ihn doch auf,
lass ihn den Kiefer lösen, uns ansehn,
lass ihn die Mutter rufen, uns ein Zeichen
mit seiner Hand nun geben! Weicht zurück,
ihr Simon-Knechte, tretet von der Bahre!
Wenn dieser Tote dann noch immer weilt
in seiner Starre, wisst ihr, dass ihr seid
von dunklen Künsten blind und taub gemacht!“
Agrippa stieß nun Simon barsch beiseit’ –
der Tote sank, er war nur lebloser Stein.
Das Volk, erbittert, wandte sich vom Trug:
„Simon soll brennen! Er hat uns verblendet!“
Doch Petrus sprach: „Habt Geduld! Nicht Böses noch
mit Bösem heimzahlen, das ist unser Weg.
Wenn er sich bessert, Gott vergisst die Schuld,
wenn nicht – so bleibe ihm sein finst’rer Lohn.“
Petrus wandt’ sich zum Leichnam, sprach zum Volk:
„Die Sklaven, die ihr freigelassen habt
im Namen dieses Sohnes, bleiben frei!
Ihr Gold soll an die Witwen nun verteilt,
denn Gottes Liebe kennt nicht Knechtschaft mehr.“
Er blickte lang in Gottes Licht, dann sprach er:
„Im Namen Jesu Christi, steh nun auf,
Nikostratus! Dein Herr verlangt nach dir!“
Ein Beben ging durch ihn. Er schüttelte
das Leichentuch von sich, er stand, er sprach:
„Ich sah den Herrn, er wies mir diesen Pfad,
ich gehöre ihm! Ich weiche nicht von dir!“
Das Volk, von heil’gem Staunen ganz ergriffen,
fiel auf die Knie und pries den einen Gott.
Am Tag des Herrn, als Petrus dann erneut
das Wort des Heils verkündete der Schar,
kam Chryse, reich und wohlbekannt in Rom,
mit zehntausend Goldstücken in der Hand.
„Im Traum erschien mir Christus“, sprach sie still,
„ich sei es schuldig, gab sie hier nun ab.“
Da murrten einige: „Nimm nicht ihr Gold!
Sie ist besudelt durch ein schändlich Leben,
ein unreiner Tisch ist ihr Besitztum wohl.“
Doch Petrus lachte, sprach zu ihnen mild:
„Was sie im Leben tat, das weiß ich nicht,
doch diese Gabe ist an Christus selbst
bezahlt, als Schuld, die er ihr hat erlassen.
Was sie mir brachte, dient den Armen nun,
dass sie erquickt in ihrer Not den Herrn
in diesen Gaben täglich neu erleben.“
„Wie kannst du Gold“, so riefen sie, „von ihr
entgegennehmen? Sie ist voller Schand’,
in ganz Rom ist ihr Name ein Geschrei,
ein Pfuhl der Unzucht, voller böser Tat!
Halt dich vom Tisch der Chryse fern, o Petrus,
gib ihr das Gold zurück, bewahr den Ruf!“
Petrus, er lachte, sprach zu ihnen mild:
„Was sie im Leben treibt, das weiß ich nicht,
doch dass ich dieses Gold von ihr empfing,
geschah nicht aus Unwissenheit, ihr Brüder.
Sie zahlte Schuld an Christus, nicht an mich,
und dieser Geber selbst hat für sie Sorgt.
Das Gold dient nun den Armen, die in Not,
denn Gott verwandelt Schmutz in Lebensbrot.“
Nach Tagen sprach der Zauberer voller Groll:
„Ihr Römer, Petrus hat mich nicht besiegt!
Ihr seid getäuscht. Ich werde morgen gehn,
zu meinem Vater fliegen, hoch hinauf!
Ich bin ein Gott, der steht, während ihr fallt,
ich kehre heim zu jener Macht, die ich bin.
Ihr seid gefallen, ich jedoch bin Licht!“
Der nächste Morgen kam. Die Straße voll,
das Volk drängt’ sich, das Wunder nun zu sehn.
Simon, auf hohem Fels, rief Petrus zu:
„Sieh her! Wenn dein Gott fähig ist, dann zeig
die Macht, die deine Brüder einst verlor’n,
als sie der Juden Stein verwarf! Sieh zu,
wenn ich nun aufsteig’, zeig’ ich, wer ich bin!“
Er stieg empor, man sah ihn über Roms
Tempeln und Bergen schweben in der Luft.
Die Gläubigen erzitterten. Da rief
Petrus zum Herrn, die Hände fest erhoben:
„O Jesus Christus, wenn dieser Mann vollbringt,
was er sich wünscht, dann ist der Glaube tot!
Beschleunige dein Wort! Lass ihn herab,
lass ihn nicht sterben, doch sein Hochmut breche
in drei Stücken sein Bein, dass er erwache!“
Und siehe: Aus der Höhe stürzte er,
zerschmettert in der Mitte, Bein gebrochen,
das Wunderbild der Macht zerfiel in Staub.
Das Volk, das erst gestaunt, erhob die Hand,
ein jeder nahm ’nen Stein und warf ihn zu –
der Betrüger lag im Schmutz, sein Trug am End’.
Die Menschen gingen heim, das Herz nun frei,
und glaubten Petrus und der Wahrheit Weg.
Gemellus, der dem Zauberer einst vertraut,
sah ihn gebrochen, elend, voller Schmerz,
und sprach: „Wenn Gottes Macht nun Scherben ist,
ist dann dein Gott nicht längst schon blind und taub?“
Er wandte sich von ihm, lief Petrus nach,
der ihn in seine Gemeinschaft freundlich nahm.
Simon indes, auf Bahren fortgebracht,
nach Aricia, nach Terracina hin,
dort, wo ein Arzt ihn quälte mit dem Schnitt,
verblich der Engel Satans – einsam, tief.
Doch Petrus blieb in Rom. Sein Wort durchdrang
die Paläste. Agrippas Frauen auch,
Nicaria, Euphemia, Doris, stolz,
begehrten Reinheit vor des Gatten Lust.
Agrippa tobte, sandte Spione aus,
und als er sah, dass Petrus sie belehrt,
schwor er: „Ich brenne ihn bei Leben nieder!“
Auch Albinus, dem Xanthippe fern blieb nun,
suchte den Pakt mit Agrippa, voller Wut:
„Rache an Petrus! Bringt ihn um, den Händler,
damit die Frauen wieder unser sind!“
Xanthippe warnte Petrus vor dem Rat.
Die Brüder flehten ihn zum Fliehen an:
„Geh fort, Petrus! Dein Dienst ist noch nicht aus!“
Er fügte sich, die Kleidung schlicht und fremd,
verließ die Stadt. Da sah er – helles Licht –
den Herrn ihm entgegenkommen, stolz und ernst.
„Herr“, sprach er, „wohin gehst du?“, und die Antwort klang:
„Ich gehe nach Rom, mich kreuzigen zu lassen.“
„Bist du erneut am Kreuz?“, so fragte er,
da sah er den Herrn zum Himmel aufsteigen.
Petrus verstand: Das Kreuz war sein Gebot.
Er kehrte um, mit Jubel, frei von Angst.
Als er den Brüdern das Gesicht erzählt,
da weinten sie, doch Petrus sprach nur sanft:
„Was Gott beschließt, dem kann kein Mensch entgehn.
Seid stark im Glauben, pflanzt das Wort der Welt,
ich freue mich, wenn er mich nun heimholt.“
Da griffen ihn Soldaten, führten ihn
vor den Präfekten, der im Wahnsinn schrie:
„Kreuzigt den Mann, der Gotteslästerung treibt!“
Das Volk, es strömte her, ein wilder Strom,
er wollte Petrus retten vor der Qual.
Doch Petrus hob die Hand: „O Soldaten Christi,
denkt an die Wunder, die der Herr gewirkt!
Grollt Agrippa nicht, er dient nur seinem Herrn,
denn so muss es geschehn, wie es mir ward verkündet.
Warum zögere ich? Die Zeit ist nun erfüllt,
ich gehe zum Kreuz, das mich zum Himmel führt.“
Am Holz nun stehend, hob er an das Wort:
„O Kreuz, du Geheimnis, das die Welt verbirgt!
Was ihr hier seht, ist nicht des Christus Leid,
es ist ein Abbild, das den Geist befreit.
Verlasst die Sinne, seid dem Trug entfremdet,
die Welt ist Schein, der wahre Geist ist blind
für das, was eure Augen eitel suchen.
Doch hört mein Bitten, Henker: Kehrt mich um!
Mit meinem Haupt nach unten hängt mich auf,
denn so ist Recht, was euch als Umkehr gilt.“
„Der erste Mensch, aus dessen Stamm wir stammen,
fiel kopfabwärts, als er das Licht erblickt’.
Er brachte Ordnung in das Chaos ein,
indem er, wie am Kreuz, das Oben, Unten,
das Links und Rechts, das Böse und das Gute
in neuer Weisheit ganz vertauschte hier.
Wer nicht das Oben wie das Unten weiß,
wer nicht das Gestern wie das Heute zählt,
der wird das Reich des Vaters nie erkennen.
So bin ich nun ein Bild der ersten Schöpfung,
die in der Umkehr erst den Weg zurück,
zum Worte Christi, zur Erlösung findet.“
„Nicht mit der Zunge, die dem Fleisch verhaftet,
nicht mit den Lippen, die der Lüge nah,
dank’ ich dir, Herr, in dieser letzten Stunde.
Ich danke dir mit einer stillen Stimme,
die nur der Geist vernimmt, die nicht verweht,
die nicht geschrieben steht in Büchern leer.
Du bist mein Vater, Mutter, Bruder, Freund,
du bist mein Alles, das in mir nun ruht.
Du bist das Sein, das keine Trennung kennt,
in dir ist alles, und außer dir ist nichts.“
Das Volk, von dieser Lehre tief ergriffen,
schrie: „Amen!“, wie aus einer Seele Mund.
Mit diesem Ruf, als letzte Gabe Gottes,
gab Petrus seinen Geist dem Herrn zurück.
Das Kreuz war Holz, doch sein Gesicht war Licht,
der Apostel ging, vollendet in der Pflicht.
Als Petrus dann den Geist dem Herrn gegeben,
da nahm Marcellus ihn vom Holz herab.
Mit Milch und Wein wusch er den heil’gen Leib,
mit Myrrhe, Aloe und Balsam wohl bedacht,
bettete er ihn in den Marmorsarg,
gefüllt mit Honig, aus des Grabes Schutz.
Doch in der Nacht, da Petrus ihm erschien,
war sein Gesicht voll Ernst und mahnend Wort:
„Marcellus, hast du nicht das Wort gehört:
‚Lass Tote ihre Toten selbst begraben‘?
Was du für mich, den Toten, hast getan,
ist in der Welt verloren und verweht.
Du lebst im Herrn, doch sorgtest dich wie jener,
der in des Todes Schatten noch verweilt.“
Neros Zorn und die göttliche Schranke
Der Kaiser Nero, als er dies vernahm,
erzürnt’ auf Agrippa, da er ohne Rat
den Apostel tötete – er wollt’ ihn selbst,
mit Qualen schlimmer als der Kreuzestod,
zu Boden zwingen, da er seine Diener
durch Petrus’ Wort dem kaiserlichen Thron
entfremdet sah. Er sann auf deren Tod.
Doch in der Nacht, in bangem Traumgesicht,
erschien ein Geist, der ihn mit Züchtigungen
schlug und sprach: „Nero, wage es nicht mehr,
die Diener Christi nun zu unterdrücken!
Lass ab von ihnen, deine Macht ist Schranke.“
Erschrocken wich der Kaiser vom Entschluss,
die Jünger ließ er fortan ungeschoren.
Von da an jubelten die Brüder froh,
in Einigkeit, im Geiste stark vereint,
sie priesen Gott, den Vater, und den Sohn,
und den Erlöser, der in ihnen wirkt.
Ein Heiliger Geist erfüllte ihre Herzen,
ein Lobgesang, der durch die Zeiten hallt,
bis in die Ewigkeit, so sei es kund:
Dem Einen, der uns trägt – nun und auf ewig.