PARZIVAL

VON TORSTEN SCHWANKE



„...dass Wagner seine Kunst nun in den Dienst der Erlösung durch Mitleid und christliche Entsagung gestellt habe.“




Im Gralgebiet, im Wald so tief,

wo mancher Knappe müde schlief,

da wacht der alte Gurnemanz,

bevor die Sonne glänzt im Glanz.

Ein Hornruf hallt durchs weite Rund,

da weckt er schnell die junge Stund.


„Steht auf!“, so ruft er laut und helle,

„wir gehen nun zur Badequelle.

Der König kommt, sein Leid ist groß,

es lässt ihn nimmer ruhig los.“

Zwei Ritter kommen, fragen bang,

wie Amfortas sei heute dran.


„Das Kraut, das Gawan einst gebracht,

hat ihm die Linderung nicht verschafft“,

so spricht der Ritter, voller Gram,

weil kaum die Nacht ein Ende nahm.

Da senkt der Greis das graue Haupt

und hat nicht mehr an Heil geglaubt.


„Nicht Kraut noch Trank aus weiter Welt

ist’s, was den Kranken hier erhält.

Nur Einer hilft, das wisst ihr wohl,

der heilt das Leid, das Seelen stahl.“

Doch während sie noch ratlos stehn,

lässt sich ein wildes Weiblein sehn.


Auf einem Pferd, das kaum noch schnaubt,

hat Kundry sich den Weg erlaubt.

Sie stürzt vom Ross, das Haar so wild,

kein lieblich und kein zart Gebild.

Sie reicht ein Fläschchen, Balsam drin,

und sinkt erschöpft auf den Boden hin.


Nun wird der König hergetragen,

er stöhnt vor Qual aus tiefem Magen.

„Ein wenig Rast“, so fleht er leis,

„der Morgen macht den Schmerz mir heiß.“

Er fragt nach Gawan, der entfloh,

und wünscht, dass der bald kehrte froh.


„Durch Mitleid wissend“, murmelt er,

„der reine Tor kommt bald daher.“

Gurnemanz reicht ihm Kundrys Gab,

die sie so geheimnisvoll ihm gab.

Amfortas dankt der wilden Maid,

doch Kundry ruft: „Kein Dank für Leid!“


Sie windet sich am Boden sehr:

„Ich mag den Dank von dir nicht mehr!

Fort, fort zum Bad, das hilft euch wohl,

bevor das Schicksal uns noch hol!“

Der Zug zieht ab, das Bild verblasst,

nur Gurnemanz blieb hier zur Rast.


„He, du!“, so ruft ein Knabe barsch,

„was liegst du da wie ein Tier im Marsch?“

„Sind Tiere hier nicht heilig auch?“,

fragt Kundry trotzig, mit bösem Hauch.

„Ob heilig du, das ist die Frage“,

sagt mancher Knabe in dieser Tage.

„Mit ihrem Zauber, das wird schon klar,

verdirbt sie den Meister, das ist wahr!“


Doch Gurnemanz, der Greis, greift ein:

„Lasst doch das arme Weib mal sein!

Wenn wir in Not und Ratlosigkeit,

nach Boten suchen weit und breit,

wer stürmt dann los, durch Sturm und Wind,

als ob die Boten geflügelt sind?

Sie dient uns treu, verlangt keinen Dank,

sie ist nicht wie ihr, sie ist nicht krank.“


„Sie hasst uns doch!“, ruft ein Knabe laut,

„sie ist eine Hexe, der man nicht traut!“

Der Greis seufzt schwer: „Vielleicht ein Fluch,

ein Fehler aus früherem Lebensbuch.

Sie büßt hier Schuld, die sie einst brach,

vielleicht wird sie einst noch wach.

Tut sie uns Gutes, dient sie dem Gral,

dann hilft sie sich selbst aus mancher Qual.“


„Ist sie es, die uns das Unheil brachte?“,

fragt einer, der gar nicht gerne lachte.

Gurnemanz sinnt nach: „Titurel, er fand,

sie schlafend im dichten Waldesrand.

So war es auch, als der Speer entwich,

da lag sie dort – ich entsinne mich.

Sag, Kundry, wo warst du in jener Nacht,

als man uns den Speer hat abgebracht?“


Kundry schweigt düster, sie gibt nicht Preis,

was sie verbirgt im inneren Eis.

„Ich helfe nie!“, ruft sie kurz und schwer,

und die Knappen klagen: „So schick sie her,

hol uns den Speer, wenn sie so kühn!“

Doch Gurnemanz warnt vor dem Wahn der Kühn‘:

„Das ist verwehrt!“, ruft er voller Schmerz,

es zittert vor Weh sein altes Herz.


„Oh, heiliger Speer, du göttliches Licht,

jetzt schwingt ihn die Hand, die das Heil bricht!

Amfortas, in seinem Stolz so groß,

ließ den Speer in der Fremde los.

Ein schönes Weib hat ihn verführt,

bis er den Schmerz im Leibe spürt.

Klingsor hat lachend ihn geraubt,

wer hätt‘ an das Unheil jemals geglaubt?“


Die Knappen kehren vom See zurück,

der König fand dort ein kurzes Glück.

„Das Bad erfrischt“, so melden sie froh,

doch Gurnemanz weiß: „Es bleibt doch so,

die Wunde, die nie sich schließen mag,

sie brennt uns wohl bis zum letzten Tag.“


„Wer ist dieser Klingsor?“, fragen die Knaben,

die tief in der Neugier sich laben.

„Titurel, der den Gral einst empfing,

als Gottes Boten ein Wunder vollbrin‘:

Den Kelch, daraus das Blut einst floss,

und auch den Speer, der es vergoss,

das gab man uns in die heilige Hut,

zum Schutz für unser edles Blut.“


„Klingsor wollte einst auch dazu,

doch fand er im Geiste niemals Ruh‘.

Er konnte sein Fleisch nicht bewingen,

wollte mit Gewalt das Heil erzwingen.

Man stieß ihn aus, das war sein Groll,

der nun mit Zauber uns quälen soll.

Er schuf sich Gärten, voll Trug und Schein,

um Ritter in Sünde zu locken ein.“


„Wer einmal verfällt in Klingsors Netz,

verliert sein Herz und auch das Gesetz.

Amfortas wollte das Unheil jagen,

musste doch selbst die Wunde ertragen.

Der Speer ist weg, in Klingsors Hand,

er droht uns nun mit Untergang!“

Kundry wälzt sich im Gras so wild,

sie ist ein ruhelos, schreckliches Bild.


„Ach, könnt’ der Speer nur wiederkommen!“,

haben die Knappen schnell vernommen.

„Wer ihn uns brächte, dem sei Ruhm,

ein Retter für das Heiligtum!“


Gurnemanz schweigt, der Blick ist weit:

„Amfortas flehte in tiefer Leid.

Da gab der Gral ein helles Licht,

ein Traumgesicht sprach die Pflicht:

‚Durch Mitleid wissend, der reine Tor,

harre sein, den ich erkor!‘“


Die vier Knappen sprechen das Wort wohl aus,

doch plötzlich tönt Lärm aus dem Wald heraus.

Ein Schwan, ein wilder, er flattert matt,

kein Leben mehr in dem weißen Blatt.

„Wer schoss den Schwan?“, ruft Gurnemanz,

bevor er erkennt den Frevler ganz.


Da kommt ein Jüngling, stolz und frei,

mit Bogen und Pfeil, im schnellen Vorbei.

„Ich war’s!“, ruft er dreist, „was fliegt, das treff ich,

warum so starr? Ich bin doch trefflich!“

Gurnemanz blickt ihn zornig an:

„Was hast du getan, du törichter Mann?

Im heiligen Wald, wo Frieden regiert,

hast du das Leben so jäh angeführt?

Schau doch den Blick, das brechende Auge,

was nützt dir nun deine wilde Lauge?“


Der Knabe stutzt, der Stolz entweicht,

als er den Pfeil zur Seite reicht.

Er bricht den Bogen, wirft ihn weit,

er fühlt nun tief das bittere Leid.

„Ich wusste es nicht“, sagt er betrübt,

dass man hier nicht das Töten übt.


„Woher kommst du?“, fragt der Greis ihn sacht,

„Wer hat dich in diese Welt gebracht?

Dein Name, dein Vater, sag mir das!“

Doch Parzival blickt nur ins grüne Gras:

„Ich weiß es nicht, ich weiß es kaum,

ich lebte nur in einem Traum.“


Gurnemanz seufzt: „So dumm wie du,

ist nur die Kundry, schau ihr zu.“

Die Knappen ziehen mit dem Schwan nun fort,

es herrscht ein stiller, ernster Ort.

Nur Gurnemanz, der Greis, bleibt stehn,

um Parzivals Geheimnis zu erspähn.


„Ich hab eine Mutter, Herzeleide ihr Name,

wir lebten einsam, ohne Schande und Trame.“

Der Bogen, den er sich selber schnitt,

war nur ein Schutz, ein kurzer Schritt.

Doch Kundry, die dort im Schatten wacht,

mit rauer Stimme die Wahrheit lacht:


„Den Vaterlosen, den gebar die Mutter,

als Gamuret starb, ganz ohne Futter.

Sie wollte ihn schützen vor Heldennot,

zog ihn als Toren fernab vom Tod.

Die Törin!“, lacht sie und blickt ihn an,

der nun die Welt erst lernen kann.


„Ich sah sie ziehn, auf Tieren schön,

da wollt’ ich ihren Wegen gehn!

Ich jagte nach, durch Berg und Tal,

bis tief in die Nacht, mit bittrer Qual.“

„Und Riesen traf er!“, ruft Kundry geschwind,

„Die Bösen fürchten das wilde Kind!“

„Wer ist denn gut?“, fragt Parzival,

Gurnemanz antwortet: „Die Mutter, die jetzt im Tal,

voller Kummer um dich verweilt.“

Doch Kundry ruft: „Ihr Gram ist geheilt!

Die Mutter ist tot, ich ritt vorbei,

als sie starb, noch schrie sie: ‚Mein Sohn sei frei!‘“


Parzival bebt vor Schreck und Leid,

er stürzt auf Kundry, vor Wut nicht gescheit.

Er packt sie an, bis Gurnemanz,

ihn hält zurück aus dem wilden Tanz.

„Verrückter Knabe! Gewalt im Hain?

Sie sagte nur Wahrheit, sie ist nicht gemein.“

Das Kind, es zittert, die Seele brennt,

bis Kundry ihm Wasser aus dem Quell nun schenkt.

„So recht!“, spricht der Greis, „die Gnade siegt,

wer Gutes für Böses dem Nächsten wiegt.“


Kundry jedoch, vom Schicksal schwer,

zieht sich ins Dickicht, es drängt sie sehr:

„Nur Ruhe! Nur schlafen!“, raunt sie im Graun,

will sich nicht mehr in den Tag hier schaun.

Sie sinkt in den Schlaf, während im fernen Licht,

der König zum Mahle sich langsam bricht.


„Nun komm, mein Sohn“, sagt Gurnemanz,

„wir gehen zum Gral, in den großen Glanz.“

„Was ist der Gral?“, fragt der Knabe still,

„Wenn ich es wissen soll, wenn ich es will?“

Gurnemanz schreitet, die Zeit wird weit:

„Wer ihn sucht, findet zum Raum die Zeit.“

Die Wälder schwinden, die Mauern stehn,

sie lassen den Wald nun hinter sich gehn.


Ein prächtiger Saal mit Kuppel und Stein,

die Ritter ziehn stolz zum Mahle ein.

„Zum letzten Mahle“, singen sie hell,

„wir stehen bereit, an der heiligen Quell.“

Amfortas wird auf der Sänfte gebracht,

er leidet so sehr in der langen Nacht.

Aus einer Nische, wie aus dem Grab,

Titurels Stimme ertönt nun ab:


„Mein Sohn, bist du am Amte noch?

Siehst du den Gral, befreist du mich doch?

Oder muss ich sterben, ohne das Licht?“

Amfortas stöhnt: „Ich kann es nicht!

Vatert, erlöse mich aus der Qual,

das Amt ist zu schwer in diesem Saal!“

Doch Titurel ruft, aus dem Grabeswall:

„Enthüllet den Gral! In diesem Fall!“


„Nein!“, ruft Amfortas, „lasst ihn zu!

Keiner versteht die Qual, die Ruh,

die mir der Anblick, den ihr liebt,

nur bittre Höllenpein noch gibt!

Ein Sünder bin ich, ich allein,

muss Hüter dieses Schatzes sein.

O Strafe ohnegleichen Schmerz,

das Blut entfließt aus meinem Herz!“


Er klagt sein Leid, das nie verebbt,

in dem die Sünd’ der Welt doch lebt.

„Erbarmen!“, schreit er, „Gott, allein,

nimm mir mein Erbe, lass mich sein!

Schließ endlich diese Wunde zu,

gib mir im Tod die letzte Ruh!“

Vom Himmel klingt es aus der Höh’:

„Durch Mitleid wissend lindert Weh!“


Titurel ruft: „Enthüllet nun!“

Die Knaben lassen ihr Werk nun tun.

Ein Strahl aus Licht, ein Purpurglanz,

erfüllt den Raum im Geistertanze.

Amfortas schwenkt den Kelch mit Not,

er segnet Wein und auch das Brot.

Ein jeder kniet, im Glauben tief,

während er sanft die Gnade rief.


„Nehmet den Leib, nehmet das Blut“,

so klingt es hell, mit Mitleidsglut.

Der Kelch erglüht, wird dann wieder blass,

die Ritter teilen Speis’ und Maß.

„Nehmt von dem Brot, nehmt von dem Wein,

verwandelt ihn, ihr Brüder mein!

Seid treu bis in den letzten Tod,

bewahrt des Heilands Liebesgebot!“


Sie essen nun, sie trinken auch,

folgen dem heiligen, stillen Brauch.

Nur Parzival steht starr und bleich,

wie ferne in einem Geisterreich.

Er rührt nichts an, er schweigt so still,

als ob er nicht begreifen will.

Amfortas sinkt, die Wunde brennt,

bis man ihn wieder von dannen trennt.


Der Zug verlässt den großen Saal,

das Mahl ist aus, es schwindet das Strahl.

Die Türen fallen, es wird so schwer,

nur Gurnemanz steht nun daher.

Er rüttelt Parzival, der starr noch steht,

während die Zeit so langsam vergeht.

„Warum so dumm? Was hast du gesehn?

Hast du das Wunder nicht verstehn?“


„Was stehst du noch da?“, ruft der Alte in Zorn,

„war all deine Mühe nun ganz verlor’n?

Weißt du denn gar nicht, was du hier sahst?“

Doch Parzival schweigt, weil er zagend erblasst.

Er fasst sich ans Herz, schüttelt traurig das Haupt,

da hat Gurnemanz an kein Wunder geglaubt.


„Du bist und du bleibst nur ein Tor, wie ich seh!“,

er öffnet die Pforte und raunt voller Weh:

„Dort hinaus, deiner Wege, und lass uns in Ruh,

die Schwäne gehören dem Himmel ja zu!

Such dir, du Knabe, die Gänser im Land,

du bist für den Gral wahrlich nicht schlau bewandt!“

Er stößt ihn hinaus, schlägt die Türe jäh zu,

und drinnen im Saale, da herrscht wieder Ruh.


Aus oberster Höhe ein Singen erschallt:

„Durch Mitleid wissend...“, so tönt es mit Gewalt.

„Selig im Glauben!“, klingt feierlich nach,

bevor nun das Licht und der Vorhang einbrach.


Im finsteren Turm, wo die Hexerei thront,

wo Klingsor, der böse Gewalthaber, wohnt,

da sitzt er am Spiegel aus blankem Metall,

und blickt in die Ferne, weit über den Wall.

„Die Zeit ist gekommen! Der Tor ist schon nah,

er jauchzt und er wandert, bald ist er nun da!

Die Kundry, sie schläft noch im ewigen Bann,

doch ich bin der Meister, der sie wecken kann!“


Er zündet das Kraut an, ein bläulicher Dampf

erfüllt nun die Tiefe, bereit für den Kampf.

Er ruft in den Abgrund mit schrecklicher Macht:

„Herauf, Urteufelin, aus finsterer Nacht!

Herodias warst du, Gundryggia im Land,

als Kundry bist du mir am besten bekannt!

Herauf nun zu mir, denn dein Meister ruft laut!“

Da steigt sie empor, des Dämons alte Braut.


Sie schreit in dem Schlummer, so grässlich und wild,

ein klagendes Wimmern, das durch den Turm schillt.

„Erwachst du?“, lacht Klingsor, „mein Bann hält dich fest,

weil du dich zur rechten Zeit blicken lässt!

Wo triebst du dich rum bei der Ritterschaft wert,

wo man dich wie Vieh und wie Knechte ernährt?

Gefällt es dir nicht bei mir oben viel mehr?

Was liefst du vom Gral und von mir wieder her?“


„Ach!“, raunt sie so heiser, „die Nacht ist so tief...

Der Wahnsinn... die Wut...“, als sie zagend erwacht.

„Der Schlaf und der Tod... oh, der Jammer ist groß!“

Doch Klingsor, der lacht nur: „Wer ließ dich denn los?

Ein anderer Wecker hat dich wohl berührt?“

„Mein Fluch!“, ruft sie aus, „der zum Sehnen mich führt!“

„Haha!“, höhnt der Zauberer, „sehnt dich dein Herz

nach jenen keuschen Rittern, trotz all ihrem Schmerz?“


„Dort dient’ ich“, spricht Kundry, mit rauer Gewalt.

„Ja, ja!“, lacht der Meister, „ihr Schutz ist schon alt!

Du wolltest vergüten den Schaden und Spott,

doch fallen sie alle vor meinem Gebot!

Wenn ich sie verlocke, wenn du sie berührst,

und du sie in sündige Arme erst führst,

dann fallen sie leicht vor dem heiligen Speer,

den ich ihrem König entwandte so hehr.

Doch heute gilt’s einen, der mächtig und kühn,

den Schild seiner Torheit will vor mir verblüh’n!“


„Ich will nicht! Oh, nein!“, ruft die Unglücksmagd aus.

„Du willst, denn du musst!“, bringt der Hexer heraus.

„Du kannst mich nicht halten!“, so trotzt sie ihm hier.

„Ich fasse dich fest!“, grollt das magische Tier.

„Aus welcher Macht denn?“, fragt Kundry voll Spott.

„Weil meine Kraft bricht dein eigenes Gebot!“

Da lacht sie ganz grell: „Bist du selber denn rein?

Bist du etwa keusch in dem finsteren Schein?“


Da packt ihn die Wut und der schreckliche Neid:

„Was fragst du mich das, du verfluchtes Weib?

Furchtbare Not! Ja, der Teufel lacht mein,

weil einst ich verlangte, ein Heiliger zu sein!

Des Sehnens Pein und der Triebe Gewalt,

die ich mir zum Tode bezwungen so kalt,

sie höhnen mich nun durch dein sündiges Wort!

Hüte dich, Weib, an dem finsteren Ort!

Amfortas verfiel mir, sein Stolz ist gebrochen,

ich habe das Urteil der Hüter gesprochen.

Bald halte ich selbst den Gral in der Hand!

Wie gefiel dir der König, den ich dir gesandt?“


„Oh, Jammer!“, stöhnt sie, „schwach sind sie alle,

gefangen in meinem und ihrem Falle.

Oh ewiger Schlaf, du heilst mich allein,

wie kann ich endlich bei dir geborgen sein?“

Klingsor, der spottet: „Wer trotzte, befreit!

Versuch’ es mit ihm, der sich nähert, bereit!“

„Ich will nicht!“, ruft Kundry. „Er kommt schon empor!“,

Klingsor stürmt zum Mauerwerk, blickt ins Tor.


„Er ist schön, der Knabe!“, so ruft er ins Rund,

„Er schwingt schon das Schwert, er ist kerngesund!“

Kundry lamentiert: „Erwacht’ ich dazu?

Muss ich nun wieder den Frieden der Ruh?“

Klingsor stößt ins Horn, die Wächter, sie beben,

„Ritter, herbei! Euer Leben, das Leben!

Feinde sind da!“, brüllt er voller Hohn,

draußen ertönt schon der Kampfes-Ton.


Er schaut in den Garten: „Er fürchtet sich nicht,

dem Ferris die Waffe aus Händen er bricht!

Er führt sie nun freislich gegen den Schwarm,

wie er sie niederwirft, mit starkem Arm!“

Kundry, sie lacht nun, ein unheimliches Gellen,

während die Wunden die Tölpel nun fällen.

Sie fliehen, sie weichen, die Mauer wird leer,

nur noch der Knabe steht dort – was für ein Heer!


„Haha!“, lacht Klingsor, „da steht er nun stolz,

ein junger Spross aus dem stärksten Holz.

Die Rosen der Wangen, das kindliche Spiel,

er weiß nicht, er kennt nicht, sein näheres Ziel.

He, Kundry! An’s Werk! Deine Dienste, sie gelten,

du musst ihn nun fangen in fremden Welten!

Die Reinheit entrissen, dem Gral nun entfremdet,

bleibst du mir treu, bis dein Schicksal vollendet!“


Der Turm versinkt schnell, und der Garten entsteigt,

wo sich die Pracht in den Blumen nun zeigt.

Parzival steht auf der Zinne, ganz still,

staunend, ob das, was er sehen nun will.

Da stürzen die Mädchen, zartschleierig, her,

wie aus dem Schlaf, ein buntes Gewehr.

„Wo ist der Frevler?“, sie rufen voll Zorn,

„Wer hat unsre Liebsten so hart nun durchbohrt?“


„Er steht da! Seht ihn!“, sie zeigen auf ihn,

„Meines Ferris Schwert – er hat es im Sinn!

Du dort! Was hast du uns angetan?

Verwünscht sei dein Weg und dein ganzer Plan!“

Parzival springt in den Garten herab,

die Mädchen weichen, ein jagendes Trab.

„Ihr schönen Kinder“, sagt er voll List,

„musst’ ich sie schlagen, da ihr es doch bist?

Ihr wehrtet den Weg, ich wollte nur her.“


„Zu uns wolltest du? Sahst du uns schon so schwer?“

„Noch nie sah ich solche ein zieres Geschlecht,

nenn’ ich euch schön, dünkt euch das recht?“

„So willst du uns nicht mehr schlagen im Streit?“

„Das möcht’ ich nicht, dafür hab’ ich keine Zeit!“

Sie lachen, sie kichern, das Lachen klingt hell,

sie spielen nun auf, an der blumigen Quell.


„Bist du uns hold, so bleib uns doch nah,

wir spielen um Minne, das ist doch klar!

Willst du uns trösten, willst du uns sehn,

musst du den Lohn für das Spiel nun verstehn!“

Sie schmücken sich, Blumen, sie werden zu Zier,

stürzen sich auf ihn: „Er gehört doch nur mir!“

„Nein! Nein!“, rufen andere, „er ist doch mein!“

Sie drehen sich um ihn, im blumigen Schein.


Sie streicheln die Wange, das Kinn so sanft,

ein Spiel, das die Seele des Knaben nun hanft.

„Komm, holder Knabe, lass mich dir blühen,

dir zur Labe soll mein Minnen sich mühen!“

Parzival, ruhig, steht mitten im Zelt:

„Wie duftet ihr hold! Seid ihr Blumen der Welt?“


„Des Gartens Zier, wir Geister fein,

im Lenz, da pflückt uns der Meister ein.

Wir wachsen hier in Sommerpracht,

für dich erblüht, für dich bewacht.

Nun sei uns freund, sei uns doch hold,

nicht karge uns den Liebeszoll!

Kannst du uns nicht lieben, nicht minnen,

wir müssen welken und zerrinnen.“


Die eine ruft: „An deinen Busen mich!“

„Lass kühlen mich die Stirn für dich!“

„Lass meine Wange dich sanft berühren!“

„Lass meine Lippen den Kuss dir spüren!“

Sie streiten, sie zanken, wer wohl die Schönste ist,

wer Parzival nun wohl am süßesten küsst.

„Ich bin die Schönste!“, „Nein, ich dufte mehr!“

Sie drängen sich eng um ihn, ringsherum, sehr.


Parzival wehrt sich, sanft und doch fest:

„Ihr wildes Gedränge, seid doch mein Gast!

Wenn ich mit euch spiele, so lasst mich in Ruh,

die Enge, sie macht mir die Sinne nicht zu!“

„Was zankst du?“, fragen sie. „Weil ihr streitet!“,

er spricht, „weil ihr nur Unfrieden bereitet.“

„Wir streiten um dich!“, „Lass ihn doch los, er will mich!“,

„Mich lieber!“, „Nein mich!“, schreien sie innerlich.


„Du wehrest mich ab?“, „Du scheuchest uns fort?“,

„Bist du wohl feige an diesem Ort?“

Sie spotten, sie lachen, sie nennen ihn „Zager“,

der Knabe wird zornig, der Jüngling wird mager

an Lust, doch da – ein Ruf durch die Luft!

„Parzival!“, ruft es, wie aus einer Gruft.


Er hält inne. Die Mädchen, sie fahren zurück,

denn Kundry erscheint, mit verändertem Blick.

Sie ist nun ein Weib, von Schönheit so rein,

sie liegt auf dem Lager im blumigen Schein.

„Weicht, kindische Buhlen!“, befiehlt sie dem Chor,

„Er war nicht für euch, er trat durch das Tor.

Geht heim, pflegt der Wunden, dort harrt euch ein Held!“

Die Mädchen, sie fliehen aus dieser Welt.


„Leb wohl! Du Tor!“, rufen sie mit Gelächter,

Parzival steht nun in dieser Geschlechter

Wandlung, er starrt auf das Weib, das da liegt,

dessen Schönheit ihn nun in die Fänge wohl wiegt.

„Riefst du mich, Namenlosen?“, fragt er nun bang.

„Ich nannte dich, Parzival, den Klang,

den dein Vater Gamuret in Arabien sprach,

bevor er im Sterben das Leben gebrach.“


„Nie sah ich, nie träumte mir, was ich jetzt schau,

entblühtest du auch diesem Blumenbau?“

„Nein, tör’ger Reiner“, antwortet sie lind,

„ich sah dich einst, als du warst noch ein Kind.

Ich sah deine Mutter, Herzeleide ihr Name,

sie lebte für dich, fern von Krieg und von Schame.

Sie schützte dich sorgsam vor Waffen und Not,

und fürchtete doch nur den frühen Heldentod.“


Sie erzählt von den Tagen, der Sorge, dem Weinen,

von den Nächten, die ihr so endlos erschienen,

als er fortlief, den Männern zu gleichen,

ihr Herz zu zerbrechen, den Schmerz zu erreichen.

„Sie wartete, hoffte, ihr Gram war so schwer,

bis die Klage verstummte, sie konnte nicht mehr.

Ihr brach das Leid, die Sorge, der Tod,

Herzeleide starb – in ihrer Not.“


„Wehe!“, schreit er, „Was tat ich nur?

Vergaß die Mutter, irrte nur!

Mutter! Süße, holde Frau,

dein Sohn, ein Mörder im grauen Bau!“

Er sinkt zu Boden, der Tor, der taumelt,

während Kundry um ihn so liebesgierig schaukelt.

„Du kanntest Schmerz nie, nie das Leid,

doch Trost bringt dir die Liebe heut!“


„Mutter konnt’ ich vergessen?“, er klagt,

„Was hab ich noch alles im Geist wohl versagt?

Nur dumpfe Torheit, sie lebt in mir,

kein Wissen, kein Halt, kein Weg zu dir!“

Kundry beugt sich, die Hand auf der Stirn,

ein sanftes Versprechen in seinem Hirn.

„Die Liebe lerne, die Gamuret einst kannte,

als Herzeleide in Sehnsucht entbrannte.“


Sie neigt sich tief, ihr Mund auf dem sein’,

ein Kuss, so lang, im blumigen Schein.

Doch plötzlich – er bebt, er stößt sie zurück,

das Herz brennt auf, im tödlichen Glück.

„Amfortas! Die Wunde!“, er krallt sich das Herz,

ein Schrei aus der Tiefe, ein beißender Schmerz!

„Sie blutet in mir, das Sehnen, der Brand,

die Qual der Liebe, das Sündenland!“


Die Vision des Grals, sie leuchtet ihm klar,

das heilige Blut, so göttlich und wahr.

„Erlöse, rette!“, die Klage, sie hallt,

„Aus schuldbefleckten Händen!“, mit Gewalt.

Er stürzt auf die Knie: „Erlöser, Herr!

Wie büß ich die Schuld, wie wiegt sie so schwer?“


Kundry will nahen, doch er stößt sie von sich,

„Verderberin! Weiche! Ewiglich!

Den Kuss, den erkenn’ ich – er war der Verrat,

der Amfortas einst in die Tiefe trat!“

„Grausamer!“, ruft sie, „fühlst du meinen Schmerz?

Seit Ewigkeiten lechzt mein Herz!

Ich sah Ihn am Kreuz und lachte voll Hohn,

seitdem irrt mein Geist, als sein einziger Lohn.“


„Lass mich weinen an deinem Busen, nur eins,

ich büße, ich leide, des Todes keins!“

Doch Parzival spricht: „In Ewigkeit

wärst du verdammt, für alle Zeit!

Auch dir bin ich Heil, wenn du vom Wahn

dich wendest ab, auf dem rechten Plan.

Die Brüder dort leiden, sie quälen den Leib,

ich suche den Quell, du verlorenes Weib!“


Sie hofft noch im Wahnsinn: „Mein Kuss macht dich hell,

du wirst zum Gott an diesem Quell!

Erlöse die Welt, sei mein Gott für die Stunden,

verdammt sei ich ewig, heil’ nie meine Wunden!“

„Erlösung, Frevlerin, biet ich auch dir“,

spricht er fest, „doch du musst gehorchen mir:

Willst du, dass Liebe dir Heil doch noch schenkt,

dann zeig mir den Weg, wo Amfortas nun kränkt!“


„Nie!“, schreit sie wütend, „sollst du ihn finden!

Lass ihn verderben, lass ihn schwinden!

Den Unsel’gen, den ich verlachte – haha!

Ihn traf der eigene Speer, er ist nah!“

„Wer durfte ihn wunden mit heiliger Wehr?“,

fragt Parzival streng, sein Blick ist schwer.

„Er war’s, der mein Lachen bestrafte!“, sie schreit,

„Ich ruf’ die Wehr gegen dich in dieser Zeit!“


Sie fleht und sie droht: „Nur eine Stunde mein!

Und ich zeige dir den Weg, du musst bei mir sein!“

Sie will ihn umschlingen, doch er stößt sie zurück:

„Vergeh, unseliges Weib, im Augenblick!“

Sie ruft ihre Wächter, sie ruft ihren Herrn,

„Haltet den Frechen, wehrt ihm den Stern!

Verwünscht seien Pfade, die dich nun führen,

auf dass du den Weg zum Gral nicht kannst spüren!“


Klingsor tritt auf, die Lanze schwingt er,

„Dich bann ich nun, Tor, ich bin der Herr!“

Er schleudert den Speer – doch der Speer bleibt stehn,

Parzival fängt ihn, lässt Wunder geschehn.

„Mit diesem Zeichen bann ich den Trug,

der Zerstörung folgt nun deinem Zug!“

Er schlägt ein Kreuz – der Turm bricht zusammen,

der Garten verdorrt in den höllischen Flammen.

Parzival blickt zurück, wie ein ferner Schein:

„Du weißt, wo du mich wiederfindest, allein!“


Es ist ein Frühling, so mild und so rein,

auf dem Boden des Grales, im Sonnenschein.

Gurnemanz, alt, ein Einsiedler nun,

lauscht auf das Stöhnen, das ihn lässt nicht ruhn.

Er reißt das Gestrüpp, die Dornen beiseite,

da liegt sie, die Kundry, in alter Leite.

„Auf, Kundry! Der Lenz ist da, erwache!“,

er zerrt sie hervor, aus der winterlichen Sache.


Sie starrt ihn an, ihr Blick ist so leer,

doch Wildheit fehlt ihr nun gänzlich sehr.

Sie ordnet die Kleidung, sie neigt das Haupt,

an das Leben hat sie wohl selbst kaum geglaubt.

„Dienen – dienen“, bringt sie hervor,

Gurnemanz schüttelt das Haupt im Chor:

„Das müh’ dich nicht, wir leben vom Wald,

wer weiß, ob dies Wunder die Gnade uns bald…“


Kundry geht Wasser holen, sie sieht einen Gast,

der durch den Wald auf den Hügel fast.

Ein Ritter in Schwarz, mit gesenktem Speer,

er kommt aus dem Schatten, so müde und schwer.

Gurnemanz staunt, er tritt auf ihn zu:

„Heil dir, mein Gast! Hast du keine Ruh?

Bist du verirrt, soll ich dich weisen?

Oder willst du mit Schweigen den Tag uns preisen?“


„Was trägst du Waffen?“, ruft der Greis,

„An diesem Tag, auf heil’gem Kreis?

Heut ist der Tag der stillen Ruh,

da deckt der Herr die Sünden zu.

Kein Schwert, kein Speer, kein Kriegerlied,

das sich am heiligen Tage zieht!

Leg ab die Wehr, die kalte Pracht,

es ist die Zeit der größten Nacht.“


Parzival folgt dem Wort ganz still,

weil er dem Frieden dienen will.

Er stößt den Speer in das Gelände,

die Waffen sinken aus den Hände.

Der Greis erkennt ihn, halb in Not:

„Du bist der Schütze, der den Schwan bedroht?

Du bist der Tor, der einst entwich,

und nun – oh Wunder – find’ ich dich!“


Parzival reicht die Hand dem Greis,

sie fühlen beide, was dies heißt.

„Ich irrte weit durch jedes Land,

hab manche Qual und Not gekannt.

Ein Fluch hat mich so lang geführt,

bis ich das Ziel nun endlich spür’,

den Gral zurück, den Speer so hehr,

ich bringe Heil euch nun daher.“


„Ach, Herr“, so spricht der Greis mit Weh,

„was ich hier seh, das tut mir weh.

Amfortas sehnt sich nur zum Grab,

er stieß den Gral und uns hinab.

Titurel ist tot, die Kraft entwich,

die Ritterschaft sie ängstigt sich.

Der Gral ist zu, kein Mahl, kein Licht,

wir starben fast, beim Angesicht.“


Parzival beugt das Haupt voll Schmerz,

ein schwerer Stein liegt auf dem Herz.

„Ich bin es, der das Unheil schuf,

ich folgte nicht dem Lebensruf!

Wie büß ich nur die Sündenschuld,

bevor ich find’ des Heilands Huld?

Die Rettung, die ich bringen wollt’,

hat mich im Irren eingerollt.“


Gurnemanz winkt, sein Blick ist mild:

„Das Wasser, das die Quelle füllt,

soll heut der erste Segen sein,

wäscht alle Irrfahrt von dir rein.

Ein hohes Werk, das heut’ noch droht,

erlöst Amfortas aus der Not.

Komm, lass den Staub der Welt nun gehn,

bevor wir in die Burg nun sehn.“


„Werd ich zu Amfortas noch heut geleitet?“,

fragt Parzival, der müde nun schreitet.

Gurnemanz legt ihm den Harnisch ab,

nimmt ihm die Last, die er einst erst gab.

„Wir gehen zur Burg, die Totenfeier

ruft uns herbei, in diesem Schleier.

Amfortas will heut, zum letzten Mal,

uns zeigen den Gral, im heiligen Saal.“


Kundry, sie badet ihm sanft die Füße,

schenkt ihm die letzten, dienenden Grüße.

Parzival blickt auf ihr Haupt nun nieder,

tauft sie mit Wasser, sie findet sich wieder.

„Mein erstes Amt: die Taufe nimm,

und glaub an den Erlöser, wie es dir stimmt!“

Sie weint, sie sinkt, die Wildheit entweicht,

als Frieden ihr Herz nun sanft umschleicht.


„Wie schön ist die Aue!“, Parzival spricht,

„Im zarten Grün, im Frühlingslicht.“

„Das ist der Zauber, der heute uns lenkt,

da Gott seine Liebe den Blumen schenkt“,

sagt Gurnemanz leise, „die Kreatur

folgt heute des Heilands holder Spur.

Kein Fuß tritt sie hart, man schont das Gras,

das Sünden-Vergessen, das endet den Hass.“


Parzival segnet den Boden, das Feld,

da weint Kundry still, das Weinen erhellt.

Er küsst ihre Stirn, die Glocken erklingen,

sie müssen nun fort, zum letzten Vollbringen.

Gurnemanz reicht ihm den Mantel, den schweren,

sie ziehen nun los, um den Gral zu verehren.

Der Wald schwindet hin, die Mauern stehn fest,

der Gralssaal empfängt nun den letzten Gast.


Zwei Züge sie treffen, die Ritter, sie klagen,

den Sarg von Titurel sie traurig nun tragen.

„Wer hat ihn gefällt?“, so fragen die Einen,

die Anderen, sie antworten unter dem Weinen:

„Des Alters Last, er sah nicht den Gral,

verwehrt durch den Hüter, in tiefer Qual.“

Amfortas, er liegt auf dem Bett, so matt,

er sehnt sich nach Tod, er ist es nun satt.


„Wehe!“, ruft er, „Ich ruf’ mit euch!

Der Tod wäre Sühne, im Gralssaal-Bereich!“

Der Sarg wird geöffnet, ein Wehruf erschallt,

der Anblick des Toten – die Trauer, sie wallt.

Nun liegt es an Parzival, Heil zu bereiten,

um die Sünden des Hüters endlich zu leiten.


„Mein Vater!“, ruft Amfortas mit schwerem Sinn,

„Du Reiner, im Glanz, nun zieh mich hin!

Ich gab dir den Tod durch meine Tat,

nun fleh für mich, für des Sohnes Saat.

Erflehe vom Herrn, dass sein Blut, so rein,

mir endlich den Tod, die Ruh’ lässt sein.

Sterben, die Gnade, das Ende der Pein,

erlöse den Sohn, lass ihn bei dir sein!“


Die Ritter sie drängen, sie rufen voll Macht:

„Enthülle den Gral! Beende die Nacht!

Dein Vater mahnt dich, das Amt ist dein,

du musst uns erlösen, du musst es sein!“

Amfortas, er springt auf, in wilder Verzweiflung,

zerreißt sein Gewand, in voller Enthüllung:

„Hier ist die Wunde! Hier fließt das Gift!

Tötet den Sünder, der Gott einst beschimpft!“


Da tritt aus der Menge, still und voll Licht,

Parzival hervor, mit strahlendem Gesicht.

Er streckt den Speer aus, berührt sanft die Seite,

wo einst das Leid fand sein bitteres Gleite.

„Nur eine Waffe taugt, um zu heilen,

der Speer, der sie schlug, soll den Schmerz nun enteilen.

Sei heil und entsündigt, sei endlich gesühnt,

weil nun meine Hand das Amt hier bedient!“


Amfortas er strahlt, er sinkt in die Ruh’,

die Wunde, sie schließt sich, das Leben hört zu.

Parzival hebt den Speer nun empor:

„Ich bring’ euch den Gral, durch das Himmelstor!

Oh Wunders Glück! Das Blut, es erglüht,

nach dem heiligen Quell, der den Frieden erblüht.

Nicht bleibe der Schrein mehr verschlossen und klein:

Enthüllet den Gral – öffnet den Schein!“


Er kniet an dem Tisch, er schaut in das Licht,

das aus dem Gefäß so göttlich nun bricht.

Vom höchsten Himmel, ein Jubel erschallt:

„Höchstes Heiles Wunder – Erlösung, mit Gewalt!“

Die Taube, sie schwebt, ein Zeichen so weiß,

für Parzivals Haupt, in diesem Beweis.

Kundry, sie sinkt, ihr Leben entweicht,

als Frieden ihr Herz nun endgültig erreicht.


Die Ritterschaft kniet, die Welt wird nun neu,

dem König, dem Retter, dem Heiland so treu.

Der Gral, er erstrahlt, das Heil ist vollbracht,

und Parzival wacht über Tag und Nacht.