SANKT BONIFATIUS, APOSTEL DER DEUTSCHEN

SEINE BRIEFE NACHGEDICHTET


VON TORSTEN SCHWANKE



Bonifatius berät Nithard (Wynfriths Mahnung)


Wahre Wunder der Verbundenheit,

kein schimmernd Gold, kein schmeichelnd Wort

schmiedete diesen Bund der Seelen.

Es ist der Gleichklang des Geistes,

der uns im Weltheil fest vereint.


Höre den Weisen, edler Jüngling:

Bedenke das Ende, ehe du handelst!

Wandle im Licht, solange es leuchtet,

bevor die Düsternis des Todes dich deckt.

Irdisches Eigentum schwindet eilends.

Silber und Seide, glänzendes Gold,

schmelzen wie Schatten, vergehen wie Rauch,

wie Schaum auf den Wogen des Meeres.

Der Mensch ist wie Gras, das im Winde verdorrt,

eine Blume auf dem Feld, die frostig fällt.


Mancher schuftet in schlaflosen Nächten,

webt schwache Gewebe aus Staub und Wind.

Sie sammeln Schätze mit gierigen Händen

und wissen nicht, wer sie einst erben wird.

Wenn der Tod an der Schwelle zähnefletschend bellt,

versinkt ihr Sinnen in bleicher Furcht.

Finstere Teufel packen die Seelen,

zerren sie abwärts in ewige Qual.


Darum erwecke die eigenen Gaben!

Ersticke den Geist nicht in Fleischeslust!

Meditiere den Text bei Tag und bei Nacht,

suche die Weisheit, die heilige Schrift.

Sie ist schöner als Silber, strahlender als Onyx,

kostbarer als alles, was das Herz begehrt.

Sie schützt dein Schiff vor dem Schiffbruch im Sturm

und führt dich sicher zum ewigen Strand.





Bischof Daniel empfiehlt Wynfrith

Herrschern und Herzögen, Bischöfen und Brüdern,

allen Söhnen Christi senden wir Gruß.

Gottes Gebote gebieten uns allen:

Öffnet die Türen dem wandernden Gast!

So fand Abraham die Engel des Himmels,

so entkam Lot den Flammen von Sodom.


Reicht nun Wynfrith die rettende Hand,

dem heiligen Priester, dem Diener des Herrn!

Wer Gottes Diener gastfreundlich aufnimmt,

empfängt Christus selbst, der die Treue belohnt.

Möge Gottes Gnade euch mächtig beschützen.





Papst Gregor III. sendet Bonifatius aus


Dein fester Glaube und dein heiliges Flehen

rufen dich auf zu dem Werk des Herrn.

Du hast die Schriften von Kindheit an studiert,

nun nutze das Talent für das heilige Wort!

Als Glied des Leibes folgst du dem Haupt,

so senden wir dich im Namen des Vaters,

des Sohnes und des Heiligen Geistes aus.


Brich die Fesseln der Heiden im Land!

Predige das Wort mit Weisheit und Milde,

wende Argumente an, die ihr Verstand begreift!

Tauche sie ein in das Taufwasser Roms,

folge den Riten des Apostolischen Stuhls.

Melde uns mutig, was immer dir mangelt.

Geh hin in Frieden unter dem Schutz des Herrn.




Äbtissin Bugga gratuliert ihrem Vater


Dank ohne Ende sende ich zum Himmel!

Gott hat dich gnädig auf Wegen behütet,

durch ferne Länder deine Schritte gelenkt.

Der Papst hat dir deinen Wunsch gewährt,

König Radbod beugte sich glanzlos vor dir,

und im Traum sahst du die goldene Ernte.


Kein irdischer Raum kann uns je trennen,

meine Liebe wächst durch dein treues Gebet.

Schicke mir Trost aus den heiligen Schriften,

lies eine Messe für meine tote Verwandte.

Fünfzig Schillinge und ein feines Altartuch

sende ich dir als Zeichen der Liebe.

Lebe wohl in der Welt, in unverfälschter Treue!




Der Eid des Bonifatius


Im Namen des Retters, im sechsten Jahr des Kaisers,

schwöre ich, Bonifatius, dem Fürsten der Apostel,

dir, heiliger Petrus, und deinem Vikar.

Ich wache über die Reinheit des Glaubens,

ich bleibe in der Einheit der Kirche fest.


Niemals weiche ich von der Wahrheit ab.

Wenn Bischöfe vom Pfad der Väter irren,

werde ich sie meiden, mahnen und melden.

Sollte ich jemals diesen Schwur brechen,

treffe mich die Strafe von Ananias und Sapphira.

Dies habe ich geschrieben mit eigener Hand,

gelegt auf deinen Leib vor dem Richter der Welt.




Papst Gregor II. empfiehlt Bischof Bonifatius den Christen in Deutschland


Brüder und Bischöfe, Diakone und Treue,

Grafen und Fürsten, die Gott wahrhaft fürchten!

Völker im Osten, weit hinter dem Rhein,

wandeln im Wahnsinn, vom Teufel betört.

Sie dienen Dämonen im christlichen Kleid,

während andere blind wie das Vieh noch verkümmern,

ungewaschen vom Wasser der heiligen Taufe.


Darum senden wir Bonifatius, den Bruder,

dass er das Wort des Glaubens verkünde,

den Weg zum ewigen Leben sie lehre.

Er soll die Verirrten vom Teufel befreien,

sie retten und rügen mit weisem Verstand,

sie führen zum Hafen des Heils und der Wahrheit.


Nehmt ihn nun auf im Namen des Herrn!

Spendet ihm Speise und Trank für den Weg,

gebt ihm Gefährten und schützt seine Schritte.

So sammelt ihr Schätze im Schoße des Himmels.

Wer diesen Diener des Glaubens unterstützt,

gewinnt die Gemeinschaft der Heiligen und Märtyrer.

Doch wer sein Werk böswillig behindert,

den treffe die Verdammnis, der Fluch des Gerichts!




Gregor verleiht Bonifatius die bischöfliche Vollmacht


Klerus und Volk in Thüringens Landen!

Wir weihten Bonifatius zum Bischof der Kirche.

Doch gaben wir Weisung für sein heiliges Amt:

Keinen Mann soll er weihen, der zweimal vermählt,

keinen, der eine Witwe zur Ehefrau wählte.

Wer ohne Wissen ist oder Makel am Leib,

wer Verbrechen beging oder Schulden noch trägt,

bleibe fern von den Weihen des heiligen Altars.


Weist ab die Afrikaner, die Ämter begehren!

Manche sind Manichäer, voll falscher Lehre,

andere tauften sich mehrfach aus Täuschung.

Der Bischof soll Güter und Zierrat der Kirchen

mehren mit Macht und niemals vermindern.


Teilt alle Einkünfte eisern in vier:

Ein Teil für den Bischof, das zweite für den Klerus,

das dritte für Pilger und hungernde Arme,

das vierte zum Bau und Bestand der Gebäude.

Darüber muss er Rechenschaft ablegen vor Gott.

Weiht Priester nur in den heiligen Quatembern,

tauft nur an Ostern und Pfingsten die Schar,

es sei denn, der Tod droht die Seele zu rauben.

Folgt seinem Befehl in bedingungslosem Gehorsam!




Papst Gregor II. lobt die Führer Thüringens


An Asulf und Godolaus, Wilareus und Gundhar,

an Alvold und alle, die Christus hier lieben!

Große Freude erfüllte mein päpstliches Herz,

als ich hörte, wie standhaft ihr Heiden widerstamt.

Lieber wolltet ihr sterben, als Christus verlassen!

Wir danken dem Schöpfer, dem Geber des Guten.


Sucht Trost und Schutz bei der römischen Kirche,

sie ist die Mutter aller Gläubigen auf Erden.

Gehorcht Bonifatius, dem geweihten Bischof,

den wir euch sandten als Lehrer des Glaubens.

Arbeitet mit ihm am Heil eurer Seelen!




Papst Gregor II. empfiehlt Bonifatius an Karl Martell


An den glorreichen Herrscher, den Herzog Karl!

Wir wissen, Sohn, um dein tiefes Gefühl,

und senden Bonifatius vor dein Angesicht.

Er ist ein Mann von festem Charakter,

geweiht nun zum Bischof für Deutschlands Regionen,

weit östlich des Rheins, wo das Heidentum herrscht.


Wir befehlen ihn deiner Huld und Güte,

schütze ihn mächtig vor Feinden und Schad’.

Was du ihm Gutes tust, tust du für Gott.

Wer die Boten des Himmels mit Liebe empfängt,

empfängt Christus selbst, den König der Welt.


10. Karl Martell nimmt Bonifatius unter seinen Schutz

Bischöfen und Grafen, Richtern und Freunden,

sendet Karl, der Hausmeier, herzlichen Gruß!

Wisset, dass Bonifatius vor uns erschienen ist

und uns bat um den Schutz unserer mächtigen Hand.

Es war unser Wille, ihm diesen zu wehren.


Wir siegeln diesen Befehl mit eigenem Ring:

Wohin er auch wandert, wo immer er weilt,

soll er ungestört bleiben unter unserem Schutz.

Er soll Recht bewahren und Recht auch empfangen.

Gibt es Fragen und Fälle, die das Gesetz nicht kennt,

bleibe er unverletzt, bis er vor uns erscheint.

Kein Mensch darf ihm schaden, solange er lebt!




Bischof Daniel von Winchester rät Bonifatius zur Methode der Bekehrung


Groß ist meine Freude, mein Bruder im Amt!

Mit dem Evangelium als Pflug in der Hand

brichst du den harten, steinigen Boden,

um ihn zu verwandeln in fruchtbares Feld.

Du bist eine Stimme, die in der Wüste ruft!

Doch auch jene verdienen den himmlischen Lohn,

die die Armut der Arbeiter lindern mit Gaben.

So erlaube mir Ratschläge, weise und gut,

wie du den Widerstand der Barbaren brichst.


Streite nicht anfangs über die Stammbäume der Götter!

Lass sie ruhig behaupten, die Götter zeugten Götter

durch die Paarung von Mann und von Weib.

Dann beweise ihnen: Da sie geboren wie Menschen,

sind sie Menschen und niemals allmächtige Götter!

Wenn die Götter begannen, wer schuf dann die Welt?

Ehe das Universum vom Schöpfer erschaffen,

gab es keinen Raum, wo ein Götze existierte.

Wer beherrschte die Welt, ehe Götter erstanden?

Zeugen sie heute noch? Wenn nicht, warum schwiegen sie?

Wenn ja, müsste die Zahl der Götter unendlich sein.


Frage sie ruhig: Warum opfert ihr ihnen?

Brauchen sie Opfer, wenn ihnen alles gehört?

Vergleiche ihre Mythen mit unserem Glauben,

nicht im Zorn, sondern zahm und mit Mäßigung.

Lass sie sich schämen für den absurden Sinn,

damit sie erkennen, dass wir den Irrwahn durchschauen.


Wenn die Götter so mächtig sind, warum strafen sie nicht

die Christen, die ihre Idole zertrümmern?

Die Christen besitzen die reichsten Länder voll Wein und Öl,

während den Heiden nur der frostige Norden verbleibt,

wohin man die ohnmächtigen Götter verbannt hat!

Zeige ihnen, wie klein ihre Minderheit ist,

während die christliche Welt die Erde beherrscht.


Diese Gedanken sende ich dir aus Liebe, mein Bruder.

Obwohl mein Körper von Krankheiten geplagt wird,

weiß ich, dass Gottes Urteil gerecht ist.

Betet für mich, dass der Herr mir verzeihe

und mein trauriges Herz mit Trost wieder fülle.

Bleibe behütet im Schutze des Herrn!




Papst Gregor antwortet auf einen Bericht von Bonifatius


Weit ging der Ruf deines Wirkens, mein Bruder!

Gott hat das Flehen um Arbeiter erhört,

die Ernte des Himmels wird reichlich gerafft.

Du zogst in die Lande wie damals die Boten,

hast frei nun gegeben, was frei du empfingst.


Die Menschen in Deutschland im Schatten des Todes

sahen das Licht durch dein heiliges Wort.

Du hast das Talent für den Schöpfer vermehrt,

viele Verirrte zum Glauben bekehrt.

Darum danken wir Gott für das Wachstum der Schar,

die mächtige Wende von Düsternis zu Licht.


Lass dich von Drohungen niemals erschrecken!

Kämpfe den guten, den heiligen Kampf!

Wer standhaft verbleibt bis zum bitteren Ende,

empfängt einst die Krone, den himmlischen Lohn.

Den faulen Bischof, der Diözesen begehrt,

wird Herzog Karl bändigen, wehren und zügeln.

Predige weiter bei Tag und bei Nacht,

baue die Kirchen in Thüringens Land!




Papst Gregor II. mahnt das Volk von Thüringen


Christus der Herr kam vom Himmel herab,

wurde Mensch für uns Sünder und litt am Kreuz.

Am dritten der Tage erstand Er vom Tod,

befahl Seinen Boten zu taufen die Welt

im Namen des Vaters, des Sohnes und Geistes.


Dass ihr ewig im Glanz mit uns jubeln könnt,

senden wir Bonifatius, den Bischof, zu euch.

Er reinigt im Wasser der heiligen Taufe,

er rettet die Seelen und raubt sie dem Irrweg.

Achtet ihn, liebt ihn als Vater und Führer,

er sucht keine Schätze, nur euer Heil!


Weicht von den Sünden, zertrümmert die Idole!

Blutige Opfer gefallen Gott nicht.

Folgt den Geboten des Bischofs mit Treue.

Baut ihm ein Haus, wo er heilig kann wohnen,

errichtet Kapellen zum Beten und Loben!




Papst Gregor II. beantwortet die Fragen des Bonifatius


Dein Bote Denual brachte uns Kunde,

dass der Brachpfad der Heiden nun herrlich erblüht,

gepflügt und gesät mit dem ewigen Wort.

Du suchst unseren Rat für die Sitten der Kirche,

wo Petrus einst wirkte und Rom treu regiert.

Höre nun, was die Tradition uns befiehlt:


Wer Blutsfreundschaft weiß, soll die Ehefrau meiden!

Doch weil diese Wilden noch grausam verharren,

erlaubt ihnen Ehen ab dem vierten Grad.

Ist eine Frau krank und verweigert das Recht,

bleibe der Mann keusch, wenn er es vermag;

kann er es nicht, darf er nochmals freien,

doch muss er die kranke Gefährtin beschützen.


Wird ein Priester verklagt ohne Zeugen und Schuld,

soll er schwören vor Gott und sein Amt treu behalten;

denn Weihen vollzieht man kein zweites Mal.

Beim Opfer der Messe gilt Jesu Befehl:

Ein einziger Kelch stehe auf dem Altar!

Götzenopfer-Speise soll kein Christ berühren,

wenn man ihn warnt, um des Gewissens willen.


Kinder, die Väter dem Kloster geweiht,

dürfen im Alter die Klausur nicht verlassen,

um weltlicher Lust und dem Fleische zu dienen.

Wer von sündigen Priestern getauft wurde im Glauben,

braucht keine Taufe zum zweiten Mal;

denn die Dreifaltigkeit spendete diese Gnade.

Findest du Kinder, getrennt von den Eltern,

taufe sie rasch, wenn der Nachweis fehlt.


Aussätzige Christen empfangen den Leib des Herrn,

doch meiden sie Versammlungen der Gesunden.

Flucht vor der Pest ist töricht und falsch,

niemand entgeht der richtenden Hand.

Mit sündigen Priestern darfst du speisen und sprechen,

mahne sie milde am Tisch bei dem Mahl;

oft bekehrt gute Gesellschaft die Seelen.

Geh hin in Frieden unter dem Schutz des Herrn!




Bonifatius berät Äbtissin Bugga wegen ihrer Romwallfahrt


Liebe Schwester, ich kann dir den Reiseweg weder

bieten noch bannen auf eigene Faust.

Doch höre mein Sinnen: Du verließest das Kloster,

um einsam zu beten im heiligen Schweigen.

Wie willst du dich nun weltlichen Menschen fügen,

ihren Launen und Sorgen auf staubiger Straße?

Findest du Heimat und Frieden im Lande nicht mehr,

dann suche die Freiheit durch Pilgerschaft fern.


Unsere Schwester Wilthburga fand diese Ruhe

am Grabe des Petrus, nach dem sie verlangte.

Sie rät dir zu warten, bis die wilden Sarazenen

weichen von Rom und die Drohung verfliegt.

Bereite die Reise, doch warte ihr Wort ab!


Verzeih, dass ich Schriften dir noch nicht kopierte,

Reisen und Predigen raubten die Zeit.

Ich danke für Gaben und heilige Gewänder!

Bete für mich, meine Mutter und Herrin,

mein Körper ist schwach, meine Seele betrübt.

Unsere Freundschaft wird niemals wanken.




Papst Gregor II. verleiht Bonifatius das Pallium


An Bonifatius, den Erzbischof der Deutschen,

der Licht bringt den Völkern im Schatten des Todes!

Wir lasen mit Freude von deiner Ernte,

die fünf alten Talente hast du herrlich vermehrt.

Darum senden wir dir das heilige Pallium,

nimm es und trage das Zeichen der Macht!

Nutze es nur beim Opfer der Messe

und wenn du neue Bischöfe weihst.


Weil die Schar der Gläubigen mächtig nun wächst,

weihe neue Hirten in Canons und Recht,

Männer von Würde, erprobt in der Tat!

Der sündige Priester, der Recommendationen ergaunerte,

wurde von uns nicht von Lastern gelöst;

straf ihn und meide sein schändliches Tun!


Wer von Heiden getauft ward, empfange die Taufe

neu im Namen der heiligen Dreifaltigkeit.

Verbiete den Menschen, wilde und zahme

Pferde zu essen; es ist ein abscheulicher Brauch!

Opfer für tote Christen sind würdig und recht,

doch für Sünder im Tode bete der Priester nicht.


Wer Vater oder Mutter, Bruder oder Schwester erschlug,

empfängt das Abendmahl erst im Sterben.

Er meide Fleisch und Wein sein Leben lang,

faste an Montagen, Mittwochen und Freitagen mit Tränen.

Verbiete den Sklavenhandel mit Heiden,

wer Menschen zum Opfer verkauft, büße wie für Mord!

Weihe neue Bischöfe nur mit zwei oder drei Brüdern.

Nimm dieses Privileg und bleibe behütet!




Die englische Nonne Leoba bittet um Bonifatius’ Gebet für ihre Eltern


An Bonifatius, den geliebten Bruder im Geist,

sendet die niedrigste Magd den Gruß des Heils.

Verwandt durch das Blut und verbunden im Herrn,

bitte ich dich: Bedenke die alte Freundschaft!

Du schlossest sie einst mit Dynne, meinem Vater,

im fernen Westen, ehe er von uns schied.

Acht Jahre schon deckt ihn die Erde des Todes,

so versage ihm nicht dein helfendes Gebet.


Gedenke auch Aebbes, meiner leidenden Mutter,

die krank und entkräftet seit Jahren schon harrt.

Ich bin ihr einziges, einsames Kind,

so nimm mich als Schwester in deine Sorge.

Kein anderer Mann in der Sippe verbleibt,

dem ich vertraue in trauriger Zeit.


Ein kleines Geschenk sende ich über das Meer,

ein Zeichen der Liebe, das dich an mich mahnt.

Schütze mich, Bruder, durch dein mächtiges Flehen

vor Versuchung und Sünde auf sündigem Pfad.

Korrigiere den kargen Stil dieser Zeilen,

sende mir Worte als leuchtendes Muster.

Die Verse im Metrum schuf ich zum Lernen,

Eadburga wies mir den Weg zu der Kunst.


Möge der allmächtige Schöpfer der Welt,

der ewig im Reiche des Vaters erstrahlt,

wo Christi Herrlichkeit flammend regiert,

dich unversehrt schützen in ewigem Recht.




Bonifatius dankt Äbtissin Eadburga für die Zusendung von Büchern


An die geliebte Schwester Eadburga sendet

der Diener der Diener den Gruß ohne Ende.

Möge der Geber des ewigen Lohns

dich fröhlich erheben im Chore der Engel!

Du hast mir Licht in das Elend gebracht,

Bücher gesendet nach Germaniens Wildnis.


Kein Mensch kann die finsteren Schlupfwinkel lichten,

wo lauernde Heiden im Dunkeln uns drohen,

es sei denn, das Wort des Herrn leuchtet als Lampe,

ein strahlendes Licht auf dem steinigen Pfad.

Bete für mich in den Stürmen des Meeres,

dass Gott mir die Worte der Wahrheit schenke,

damit das Evangelium glorreich triumphiere.




Bonifatius bittet Erzbischof Nothelm von Canterbury um eine Kopie von Augustinus’ Fragen


An den geliebten Meister, Erzbischof Nothelm,

sendet Bonifatius den Gruß treuer Liebe.

Bringe mir Frieden durch dein heiliges Beten,

denn Sorgen bedrängen die Mission in der Fremde.

Schließe mich ein in den Bund der Brüder,

wie es dein Vorgänger Bertwald einst tat.


Besorge mir, Vater, die alten Dokumente:

Die Fragen des Augustinus an Papst Gregor den Großen.

Man sagt, darin seien Ehen erlaubt

für Blutsverwandte im dritten der Grade.

Suche im Archiv, ob die Schrift auch echt ist;

denn Roms Registratoren verneinen den Fund.


Auch suche ich Rat für eine Sünde, die ich tat:

Ein Mann stand als Pate beim Kinde des Bruders,

nach dessen Tode nahm er die Mutter zur Frau.

In Rom nennt man dies eine tödliche Sünde,

die Scheidung wird gefordert, mit Verbannung gedroht.

Zeige mir, Vater, wo geschrieben dies steht;

denn ich begreife nicht, warum geistliche Sippe

die Ehe behindert, da wir durch das Wasser der Taufe

alle Geschwister in Christus geworden sind.

Nenne mir auch das Jahr, da die Boten Gregors

einst baten um Einlass im englischen Land.




Bonifatius bittet seinen ehemaligen Schüler, Abt Duddo, um Handschriften


An den geliebten Sohn, den Abt Duddo,

sendet Wynfrith den Gruß des Herzens.

Vergiss nicht die Freundschaft, die in der Jugend wir formten,

schone den Vater, dessen Kraft nun schwindet,

der bald den Weg alles Fleisches geht.


Ich war ein armer Lehrer, doch voller Ergebenheit,

so fehle mir nicht in der thüringischen Not.

Sende mir Schriften der heiligen Väter,

Kommentare zum Apostel Paulus begehre ich sehr!

Ich besitze nur Briefe an die Römer und Korinther,

so schicke mir Schätze aus eurer Bibliothek.

Hilf mir als Sohn, dem die Unwissenheit graut!


Eoban, mein Bote, wird dir berichten

von der Ehe des Paten mit der Mutter des Kindes.

Suche in Büchern, ob Roms harte Strafe

auf göttlichem Rechte oder Canons beruht.

Bleibe behütet im Schutze des Herrn!




Bonifatius bittet Äbtissin Eadburga um eine Abschrift des Petrusbriefes in goldenen Buchstaben


An die geliebte Schwester, Äbtissin Eadburga,

sendet Bonifatius den Gruß treuer Liebe.

Gott lohne dir reichlich in den ewigen Zelten

deine Gaben an Büchern und Gewändern im Exil.


Ich bitte dich, Schwester: Schreibe mit Gold

die Briefe des heiligen Petrus mir auf!

Das glänzende Gold soll die Heiden beeindrucken,

ihr Auge gefangen nehmen für das heilige Wort.

Und mir sei es Trost, die Zeilen des Führers

täglich zu sehen auf dem Pfad, den er wies.

Das Gold für die Arbeit bringt Eoban dir mit.

Möge dein Werk in Lettern aus Gold erstrahlen

zur Herrlichkeit Gottes im Himmel auf Erden!




Bonifatius ordnet die Angelegenheiten der Abtei Fritzlar nach dem Tod von Abt Wigbert


An die Priester Tatwin und Wigbert,

an Bernard, Hiedde, Hunfrid und Sturm,

sendet Bonifatius den Gruß für alle Zeit.


Da Wigbert, unser Vater, nun friedlich entschlafen ist,

wahret die Regeln mit größerer Strenge!

Wigbert und Megingoz sollen die Regeln euch weisen,

die Stunden beachten, die Kinder belehren,

den Brüdern das Wort des Schöpfers verkünden.

Hiedde sei Prior und halte die Knechte in Ordnung,

Hunfrid helfe ihm, wenn Notwendigkeit droht.


Sturm soll die Küche weise verwalten,

Bernard die Häuser bauen mit Fleiß.

Fragt Abt Tatwin in allen Dingen um Rat!

Wahrt eure Keuschheit im gemeinsamen Leben,

bis ich im Frieden zu euch wiederkehre.




Bonifatius berichtet seinen Jüngern von seiner Aufnahme durch Gregor III.


An Geppan und Eoban, Tatwin und Wigbert,

an alle Brüder und Schwestern im Land!

Wisset und danket dem Schöpfer im Himmel:

Als wir die Schwelle des Petrus erreichten,

nahm uns der Papst mit Freuden auf.


Er verbot mir den Rücktritt, den ich begehrte,

befahl mir die Rückkehr zur Ernte des Herrn.

Nun warten wir hier auf das Konzil der Bischöfe;

sobald es vorbei ist, eile ich heim,

wenn Gott es so will und die Gesundheit mir bleibt.

Wartet voll Liebe, tragt des anderen Bürde,

so erfüllt ihr das Gesetz unseres Herrn!




Papst Gregor III. schreibt an Bonifatius über die Organisation der Kirche in Bayern


Alles hilft zum Guten denen, die Gott wahrhaft lieben!

So lehrte es einst Paulus, der Bote der Völker.

Große Freude erfüllte uns, als dein Bericht uns erreichte:

Hunderttausend Seelen wurden durch dich und Karl Martell

aus den Schlingen des Heidentums herrlich befreit.

Wir preisen den Schöpfer, den Geber des Guten,

der dem Westen die Tore der Barmherzigkeit wies!


Du zogst nach Bayern und fandest die Menschen dort wild,

lebend im Widerspruch zu den Rechten der Kirche.

Weil sie keinen Hirten außer Vivilo besaßen,

weihtest du mit Herzog Odilo und den Edlen des Landes

drei neue Bischöfe für die Regionen der Heimat.

Du teiltest das Land weise in vier Diözesen,

jeder Hirte beherrscht nun sein eigenes Feld.

Das hast du klug und richtig geordnet!


Lehre sie weiter die römischen Riten und Bräuche,

erleuchte die Unwissenden auf dem steinigen Pfad!

Findest du Priester, deren Weihe dir zweifelhaft scheint,

sollen die Bischöfe sie segnen und weihen aufs Neue,

wenn ihr Leben blüht ohne Makel und Schuld.

Wer mit heidnischer Zunge im Glauben getauft ward,

empfange das Chrisam und das Legen der Hände,

wenn die Taufe im Namen der Dreifaltigkeit geschah.


Zügle Vivilo, falls er abweicht vom orthodoxen Sinn!

Wir senden dich nun an die Donau zum großen Konzil,

wo du mit apostolischer Macht uns vertrittst.

Verweile nicht träge an einem einzigen Ort!

Wandle und wirke, wo immer die Rettung dir winkt.

Scheue keine weiten, beschwerlichen Wege;

denn schmal ist die Pforte, die zum Leben uns führt.

So wirst du am jüngsten der Tage vor dem Richterstuhl stehen:

„Hier bin ich und die Kinder, die der Schöpfer mir gab,

keines der Schafe ging im Dunkeln verloren.“




Bonifatius bittet die Engländer um Gebete für die Bekehrung der Sachsen


An alle Bischöfe und ehrwürdigen Priester,

an Diakone, Kanoniker, Äbte und Mägde,

an alle Katholiken des englischen Stammes auf Erden

sendet Bonifatius, der Legat des Apostolischen Stuhls,

den Gruß treuer Liebe in Christus dem Herrn.


Wir bitten euch demütig: Gedenkt unser im Gebet!

Dass wir den Schlingen des Teufels entgehen

und das Wort des Schöpfers glorreich triumphiere.

Fleht zu Gott, dass er die Herzen der heidnischen Sachsen

bekehre zum Glauben, sie befreie vom teuflischen Wahn!

Habt Mitleid mit ihnen, denn ihr eigener Ruf erschallt:

„Wir sind vom selben Blut und von denselben Knochen!“

Bedenkt, dass wir alle den Weg alles Fleisches gehen

und in der Hölle kein Mensch mehr den Schöpfer lobt.


Zwei Päpste aus Rom gaben mir Segen und Recht,

so helft mir, dass euer Lohn im Himmel sich mehre.

Der allmächtige Schöpfer bewahre eure Einheit in Ewigkeit.




Bonifatius bittet den Hausmeier Grifo um Schutz für seine Mission in Thüringen


An Grifo, den Sohn des gewaltigen Karl,

sendet Bonifatius den Gruß Christi im Glauben.

Ich beschwöre dich, Jüngling, im Namen der Dreifaltigkeit,

beim Vater, beim Sohne und beim Heiligen Geist:

Wenn du zur Macht gelangst im Frankenreich,

schütze die Priester, Mönche und Mägde in Thüringens Land!

Schütze die Christen vor der Grausamkeit der Heiden,

damit das Volk des Herrn nicht vernichtet wird.

So gewinnst du den ewigen Lohn vor dem Richterstuhl Gottes.

Wir beten für dich, wie dein Vater es wünschte.


Bedenke, mein Sohn, das Wort des Psalgmeisters:

„Des Menschen Leben ist wie das Gras, das im Winde verdorrt.“

Und der Retter spricht selbst im Evangelium zu uns:

„Was nützt es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt,

aber Schaden nimmt an seiner eigenen Seele?“

Handle so, Sohn, dass dein Ruhm im Himmel erstrahle!




Bonifatius an Papst Zacharias zu dessen Thronbesteigung


An unseren geliebten Herrn, Papst Zacharias,

sendet Bonifatius den Gruß des gehorsamen Dieners.

Wir knien zu deinen Füßen, heiliger Vater,

und jubeln, dass Gott dich zum Führer der Kirche berief.

Wie wir deinen Vorgängern treu gedient haben,

so wollen wir dir in kanonischem Gehorsam folgen.


Wisse, Heiliger Vater: Wir weihten drei Bischöfe im Land,

teilten das Gebiet in drei Diözesen auf.

Wir bitten dich inständig: Bestätige die Sitze mit Macht!

Würzburg und Buraburg und Erfurt, die einstige Heidenstadt,

sollen als Bistümer ewig durch dein Privileg erstrahlen,

damit keine zukünftige Generation die Ordnung zerstöre.


Karloman, der Fürst der Franken, rief mich zu sich;

er will ein Konzil berufen in seinem Bereich,

um die Disziplin der Kirche, die seit siebzig Jahren verfällt,

wieder aufzurichten mit eiserner Hand.

Seit achtzig Jahren hielten die Franken kein Konzil mehr,

sie haben kein Recht und keinen Erzbischof im Land.

Die Bischofssitze wurden an gierige Laien gegeben

oder von sündigen Klerikern schändlich missbraucht.

Sende mir Weisung und Urteil aus Rom für dieses Werk!


Was soll ich tun mit jenen Diakonen und Priestern,

die seit der Kindheit in Unzucht und Ehebruch leben?

Sie schlafen nachts bei vier oder fünf Konkubinen,

doch lesen sie frech das Evangelium und halten die Messe.

Sie steigen auf in höhere Ämter, werden gar Bischöfe!

Sende mir ein schriftliches Urteil, um diese Verbrecher zu richten!

Manche Bischöfe trinken im Übermaß, jagen im Wald,

ziehen bewaffnet in die Schlacht und vergießen Christenblut.

Dein Wort in Rom und mein Spruch hier müssen übereinstimmen.


Auch suche ich Rat für die Nachfolge in meinem Amt.

Dein Vorgänger befahl mir, einen Priester zu wählen;

doch dessen Bruder erschlug nun den Onkel des Herzogs,

und der tödliche Streit lässt sich nicht schlichten.

Erlaube mir, mit den Brüdern einen anderen Nachfolger zu wählen.


Ein schwerer Skandal quält uns und macht uns Schande:

Ein mächtiger Laie behauptet, Papst Gregor hätte ihm erlaubt,

die Witwe seines Onkels zur Ehefrau zu nehmen.

Diese Frau ist im dritten Grad mit ihm verwandt,

floh einst aus dem Kloster und warf den Schleier weg!

Roms Boten forschen vergeblich nach solch einem Recht.

Beim Konzil von London, das Augustinus berief,

wurde solch eine Ehe als Blutschande verdammt!

Sende mir die Wahrheit, um den Irrwahn zu brechen.


Die unwissenden Alemannen, Bayern und Franken

sehen die Laster in Rom und nehmen sich ein böses Exempel.

Sie schmähen uns und sagen: In Rom, nahe der Peterskirche,

ziehen im Januar Scharen johlend durch die Straßen!

Sie singen heidnische Lieder, schlemmen von Morgen bis Nacht,

kein Nachbar leiht dem anderen Feuer oder Gerät.

Frauen tragen heidnische Amulette und bieten sie feil.

Das zerstört unsere Predigt! Paulus rief schon voll Zorn:

„Ihr beobachtet Tage und Monde, ich fürchte, meine Arbeit war vergeblich.“

Und Augustinus lehrt: Wer an Zauber und Amulette glaubt,

gewinnt nichts, selbst wenn er fastet und Almosen gibt.

Mache diesen Bräuchen in Rom ein Ende, Vater!


Sündige fränkische Priester kehren aus Rom zurück

und lügen, der Papst hätte ihnen die Ämter erlaubt.

Wir wehren ihnen und sagen: Rom bricht niemals das Recht!

Hilf mir unter deiner Führung gegen die reißenden Wölfe.

Wir senden dir Decken, etwas Silber und Gold als Zeichen der Liebe.

Bleibe behütet und lebe lang in Christus, dem Herrn!




Die Antworten des Papstes Zacharias an Bonifatius (April 743)


Zacharias, der Sklave der Sklaven,

grüßt den heiligen Hirten Bonifatius,

den treuen Bruder im Bischofsamt.

Dein Brief, durch Denehard gebracht,

brachte uns Botschaft von deinem Bestehn.

Wir danken Gott, der deine Werke segnet,

der die Herzen der Heiden wendet

und Seelen zur heiligen Mutter führt, zur Kirche.


Du meldest uns, dass drei Männer nun

als Bischöfe walten über das bekehrte Volk.

Du bittest uns, diese Sitze zu stärken,

doch prüfe wohl, ob Volk und Ort

solcher Würde würdig sind.

Die heiligen Regeln der Väter weisen:

Kein Bischofstuhl stehe im kleinen Weiler,

damit das Ehrenamt nicht entehrt werde.

Doch deinem Drängen geben wir nach:

Wir weihen und bestätigen kraft apostolischer Macht

die festen Festungen für den Glauben:

Würzburg soll wachen, Buraburg bestehen,

und Erfurt die Herde des Herrn belehren.

Wer dies bricht, dem droht der Bann Petri.


Carloman rief dich, das Reich zu richten,

denn die Zucht der Kirche zerfiel im Schmutz.

Lange ruhten die Räte der Bischöfe,

Priester vergaßen, was Priestertum ist.

Trittst du nun an des Fürsten Seite,

so strafe die Sündigen ohne Scheu!

Wer als Priester im Ehebruch lebt,

Weiber wechselt und Hurerei treibt,

wer Christenblut vergießt oder Heiden mordet,

den jage vom Altar mit apostolischer Macht!

Sie sind schlimmer als Laien, die im Laster leben.

Wie wagen sie es, das Wort zu künden,

dass der Priester nur eine Frau erwehle,

wenn sie selbst in Schandbünden schwelgen?

Ihre Hände sind besudelt mit Blut und Befleckung,

wie können sie opfern für des Volkes Sünde?

Gott verabscheut den Mörder und den Meineidigen.

Wehre ihnen, die Mysterien zu berühren!


Einen Nachfolger willst du dir wählen,

einen Erben bestimmen noch zu Lebzeiten.

Dies verbieten wir ganz, es bricht das Recht!

Kein Mann setzt den Ersatz für sich selbst.

Einen Gehilfen im Glauben gewähren wir dir,

der das Evangelium mit Eifer verkündet.

Wir Menschen sind sterblich und schwach,

keiner weiß, was der Morgen bringt.

Wenn aber dein Ende naht und du den Tod fühlst,

dann nenne vor Zeugen den rechten Mann,

und schicke ihn nach Rom, dass ich ihn weihe.

Dies Privileg sei allein dir gegeben.


Vom Mann, der des Oheims Witwe begehrt,

wisse: Die Frau war Gott geweiht,

brach den Schleier und schlief mit dem Vetter.

Niemals hat mein Vorgänger diese Schande erlaubt!

Der Heilige Stuhl schützt das Recht der Väter.

Warne sie, wehre ihnen, die Sünde zu treiben,

damit sie nicht ewig im Abgrund enden.

Sie sind erlöst durch Christi Blut,

sie dürfen sich nicht dem Teufel ergeben!


Das Neujahrsfest, das falsche Vorzeichen-Suchen,

Zauberzeichen und finstere Gesänge,

die mancher noch frech in Rom verübt,

verdammen wir ganz als schwere Sünde!

Israel braucht keine Wahrsager mehr.

Wir haben diesen Wust von Beginn an bekämpft,

wie schon Gregor, der heilige Lehrer vor uns,

die Saat des Satans aus der Herde tilgte.


Die Briefe für die Bischöfe senden wir mit,

auch Carloman mahnen wir mit harten Worten.

Steh fest im Werk, zu dem Gott dich rief!

Der Lohn des Himmels wartet auf dich.

Petrus, der Fürst der Apostel, sei dein Schutz.

Gott erhalte dich gesund, heiliger Vater.


Gegeben im April, im Jahre des Kaisers Konstantin.




Die Akten der Synode vom 25. Oktober 745 (Verdammnis von Aldebert und Clemens)


Im Namen Christi, des Königs des Himmels,

tagte die Synode im Lateran.

Zacharias, der Papst, präsidierte der Runde,

Bischöfe und Priester saßen im Kreis,

die heiligen Evangelien lagen in der Mitte.

Da sprach Gregor, der Notar der Kirche:

„Denehard, der Bote aus deutschem Lande,

gesandt von Bonifatius, wartet vorm Vorhang.

Er bittet um Einlass.“ Der Papst befahl:

„Lasst ihn eintreten in unsere Mitte.“


Denehard trat vor und neigte sich tief.

Der Papst fragte: „Was bringt dich her,

da wir doch neulich erst Briefe lasen?“

Der Priester sprach: „Mein Herr Bonifatius

fand im Frankenreich falsche Propheten,

Ketzer und Spalter der heiligen Kirche:

Aldebert und Clemens ist ihr Name.

Man nahm ihnen die Würde, man warf sie in Haft,

doch sie tun keine Buße, sie betören das Volk!

Darum bringe ich diesen Brief meines Meisters,

dass er verlesen werde vor diesem Rat.“

Der Papst sprach: „Nehmt das Schreiben und lest.“


„Dem obersten Vater, der Petri Macht hält,

sendet Bonifatius, der geringste Knecht, seinen Gruß.

Seit dreißig Jahren diene ich diesem Stuhl,

bringe Freuden und Brüche vor dein Angesicht.

Heiliger Vater, hilf mir im Kampf!

Falsche Bischöfe und lasterhafte Kleriker

schmähen mein Werk und stören den Glauben.

Zwei Wölfe brechen in die Herde ein:

Aldebert, der Gaule, und Clemens, der Ire.

Sie irren verschieden, doch im Fehler sind sie gleich.

Schütze mich, Vater, mit deiner Macht,

wirf sie ins Gefängnis, trenne sie ab,

damit nicht das ganze Volk verdirbt!


Vom Aldebert sagen die Toren im Lande,

ich hätte ihnen einen Heiligen genommen.

Doch höre die Wahrheit über diesen Wolf:

Er täuschte das Volk mit falschen Reliquien,

die angeblich ein Engel vom Ende der Welt ihm brachte.

Er schlich in die Häuser, betörte schwache Frauen,

er kaufte sich Bischöfe für eine unheilige Weihe.

Er weigerte sich, Kirchen den Aposteln zu weihen,

er sprach: ‚Was sucht ihr an den Gräbern der Märtyrer?‘

Er baute sich eigene Kapellen auf Feldern und an Quellen,

dort strömte das Volk zusammen und rief:

‚Die Meriten des heiligen Aldebert werden uns retten!‘

Seine Haare und Nägel gab er den Menschen,

dass man sie wie Reliquien im Festzug trage.

Die größte Lästerung aber beging er im Beichtstuhl:

Fiel ihm einer zu Füßen, sprach er vermessen:

‚Ich kenne deine Sünden, dein Inneres ist mir offen.

Du brauchst nicht zu beichten, geh hin in Frieden,

deine Schuld ist vergeben, ich spreche dich frei!‘

So äffte er heuchlerisch die Heiligen nach.


Der andere Ketzer, Clemens mit Namen,

bricht die Kanones und verspottet die Väter:

Hieronymus, Augustinus und Gregor missachtet er ganz.

Er zeugte zwei Kinder im Bischofsamt

und rühmt sich frech, er bleibe im Recht.

Er lehrt, dass ein Christ seines Bruders Witwe heiraten darf.

Er behauptet, Christus sei zur Hölle gefahren,

um alle zu retten, Gläubige und Heiden,

die dort im finstern Gefängnis saßen.

Dazu hält er verdammliche Meinungen über die Vorbestimmung.

Lass ihn einsperren durch Herzog Carloman,

damit nicht ein räudiges Schaf die Herde vergifte!“


Als der Brief verhallt war, sprach Papst Zacharias:

„Ihr habt gehört, wie diese Männer sich Apostel nennen,

zu ihrem eigenen, ewigen Verderben.“

Die Bischöfe und Priester riefen laut:

„Es sind keine Apostel! Es sind Knechte des Satans,

Vorläufer des Antichrists, voll von Gift!

Welcher Apostel verteilte je Haare und Nägel?

Bestrafe sie, Vater, wie es ihr Verbrechen verdient!“

Da sprach der Papst: „Die Stunde ist spät.

Morgen wollen wir ihre Schriften prüfen,

ihre falschen Gebete und ihren Betrug,

um dann ein einmütiges Urteil zu fällen.“




Die zweite Sitzung (Das Kalb und der Himmelsbrief)


Im Namen Christi, des Königs der Könige,

kam das Konzil erneut zusammen.

Kaiser Konstantin herrschte im Osten,

als Zacharias den Vorsitz führte

in der Basilika, die nach Theodor benannt ist.

Bischöfe und Priester besetzten die Bänke,

die heiligen Schriften wachten im Kreis.

Da rief Gregor, der Notar der Runde:

„Denehard, der Priester, wartet vorm Vorhang.

Wie befiehlt es Eure Heiligkeit?“

Der Papst sprach: „Lasst ihn eintreten in den Saal.“


Denehard trat vor. Da sprach der Papst:

„Bring das Buch des Schandbuben Aldebert,

das wir neulich schon in Händen hielten.

Lest die Worte vor diesem Rat!“

Theophanius nahm das Schriftstück und las:

„Im Namen Jesu Christi. Hier beginnt das Leben

des heiligen Dieners Gottes, des Bischofs Aldebert.

Von einfachen Eltern geboren, von Gott gekrönt.

Schon im Mutterleib wirkte die Gnade:

Ein Kalb brach hervor aus der rechten Seite der Mutter,

bevor sie den Knaben gebar.

Dieses Kalb war das Zeichen der himmlischen Kraft,

die ein Engel ihm sandte vor seiner Geburt.“


Als das Buch verlesen war, fragte der Papst:

„Was sagt ihr zu dieser Lästerung und Schande?“

Epiphanius, der Bischof von Selva Candida, sprach:

„Vom Heiligen Geist wurdest du geleitet, Vater,

als du Bonifatius befahlst, die Bischöfe zu rufen!

Zu lange blieben diese Sünden im Verborgenen,

nun kommen die Lügen ans Licht vor deinem Stuhl.“

Der Papst sprach: „Hat Denehard noch mehr zu melden?

So bringe er es vor, damit wir es prüfen.“


Denehard sprach: „Hier ist ein Brief,

den er im Volke als Gotteswort verkündete.

Er behauptete frech, Jesus selbst habe ihn geschrieben.“

Theophanius nahm das Blatt und las die Lügen vor:

„Im Namen Gottes. Hier beginnt der Brief Jesu Christi,

der zu Jerusalem vom Himmel fiel.

Der Erzengel Michael fand ihn am Tore Ephraims.

Ein Priester namens Ikore las ihn zuerst,

sandte ihn zu Talasius in die Stadt Jeremias.

Dieser gab ihn Leoban in Arabien weiter.

Leoban schickte das Schreiben nach Westfalen,

wo Macrius es empfing und zum Berge Michael sandte.

Zuletzt brachten Engel den Brief nach Rom,

an die Gräber der Apostel, wo die Schlüssel des Reiches sind.

Dort fasteten zwölf Würdenträger drei Tage und Nächte…“


Zacharias, der heilige Vater, sprach:

„Dieser Aldebert hat den Verstand verloren!

Nur ein Kind oder ein tölpisches Weib

würde solchen Fabeln Glauben schenken.

Doch damit er die Einfältigen nicht weiter betört,

müssen wir richten und das Urteil fällen.“

Die Bischöfe riefen: „Gott gibt dir die Weisheit!

Verkünde die Strafe für diese Schandbuben.“

Der Papst sprach: „Wir wollen gemeinsam beraten.

In der nächsten Sitzung soll das Urteil ergehen,

gegründet auf Gerechtigkeit und Gottes Wort.“




Die dritte Sitzung (Die Dämonen und das Urteil)


Wieder tagte die Synode im Lateran,

die Bischöfe saßen im Kreise des Papstes.

Die Evangelien zeugten in der Mitte des Raums.

Gregor meldete: „Denehard steht wieder am Tor.“

Der Papst befahl: „Lasst den Priester herein.“

Als er eintrat, fragte Zacharias:

„Hast du noch Schriften der schändlichen Männer?“

Denehard sprach: „Ja, mein Herr, ein Gebet,

das Aldebert für sich selbst gedichtet hat.“

Theophanius nahm es und las die Worte laut:

„O allmächtiger Gott, Vater Christi, Alpha und Omega,

der du thronst auf dem siebten Sessel über den Chören,

deine Süßigkeit ist ohne Ende.

Ich rufe dich an in meiner Not!

Du hast versprochen: Was ihr bittet in meinem Namen,

das will ich euch geben. Ich empfehle dir meine Seele…“

Der Notar las weiter, bis er an die Stelle kam,

wo die Namen der Geister gerufen wurden:

„Ich bitte und beschwöre dich, Engel Uriel,

Raguel, Tubuel, Michael, Adinus, Tubuas, Sabaoc, Sirniel…“


Der Papst sprach: „Was sagt ihr zu diesem Frevel?“

Die Bischöfe und Priester riefen voll Zorn:

„Werft diese Schriften ins Feuer!

Verdammt die Autoren mit dem harten Bann!

Die Namen, die er im Gebet beschwört,

sind – außer Michael – keine Engel des Himmels!

Es sind finstere Dämonen, die er zu Hilfe rief.

Die Kirche lehrt uns durch heilige Macht:

Nur drei Engel dürfen wir nennen:

Michael, Gabriel und Raphael.

Er aber tarnt Teufel als Boten des Lichts!“


Der Papst sprach: „Weise habt ihr entschieden,

die Schriften zu verbrennen. Doch lasst uns ein Stück

im Archiv bewahren zur ewigen Schande für sie.

Nun verkünden wir das endgültige Urteil.“

Die ganze Versammlung rief einmütig aus:

„Aldebert, der sich einen Apostel nannte,

der Haare und Nägel dem Volke gab,

der Dämonen rief statt der Engel Gottes:

Er sei entsetzt aus dem Bischofsamt!

Er soll Buße tun für seine Sünden.

Verharrt er im Irrtum und betört die Herde,

so treffe ihn der Bann und Gottes ewiges Gericht!

Verdammt sei auch jeder, der ihm folgt.


Ebenso Clemens, der die Väter verspottet,

der die Regeln bricht in blinder Frechheit,

der zwei Kinder im Bischofsamt zeugte,

der die Ehe mit der Witwe des Bruders erlaubt,

und behauptet, Christus hätte alle Verdammten

und alle Heiden aus der Hölle erlöst:

Er werde der Würde des Bischofs beraubt!

Ausgestoßen sei er aus der Gemeinschaft der Kirche,

getroffen vom ewigen Gericht des Allmächtigen,

er und alle, die seiner Irrlehre folgen!“




Bonifatius an Bischof Daniel (742–746): Die Last des Amtes


Wenn Sorge und Seufzer die Seele drücken,

sucht der Wanderer Trost beim weisen Freund.

So komme ich zu dir, Daniel, geliebter Bruder,

und schütte mein Herz vor dir aus.

Streit stürmt von außen, Ängste nagen innen,

Fehden im Feld und Furcht in der Brust!

Falsche Priester und heuchlerische Hirten

spotten Gottes und stürzen in den Schlund.

„Friede, Friede!“, rufen ihre Lippen,

doch es gibt keinen Frieden für diese Welt.

Unkraut säen sie mitten in den Weizen,

vergiften das Wort, das die Kirche uns gab.

Was wir pflanzen mit Mühe und Fleiß,

wollen sie brechen und entwurzeln mit List.


Sonderbare Sekten stiften sie an:

Mancher verweigert die Speise, die Gott uns schenkte,

andere schwelgen in Milch und Honig und hassen das Brot.

Doch am schlimmsten wüten die Wölfe am Altar,

die Mörder und Ehebrecher zum Priestertum weihen!

Das Volk wird müde der gesunden Lehre,

es sucht sich Lehrer nach eigener Lust.


Gehe ich zum Hofe des fränkischen Fürsten,

um Schutz zu suchen für Gottes Kirche,

kann ich den Umgang mit ihnen nicht meiden.

Doch niemals teile ich das Brot des Herrn mit ihnen,

ich nehme keinen Rat und kein Wort aus ihrem Mund.

Ohne die Macht des fränkischen Prinzen

kann ich die Herde nicht hüten noch schützen,

kann die Götzen und den heidnischen Greuel

in deutschen Landen nicht niederwerfen.

Der Bann des Fürsten bringt ihnen Furcht!

So stehe ich im Zweifel, gebunden durch den Eid,

den ich am Grabe Petri dem Papste schwor:

Die Sünder zu meiden, wenn sie nicht büßen.

Doch meide ich den Hof, so stirbt die Mission!

Löse meine Zweifel mit deinem weisen Rat.


Ein großes Geschenk erbitte ich von dir:

Sende mir das Buch der Propheten,

das Winbert, mein Lehrer, mir einstmals hinterließ!

Sechs Propheten stehen darin geschrieben,

mit großen, klaren Buchstaben gefüllt.

Nichts kann mein Alter mehr erfreuen als dies!

Kein solches Buch gibt es hier im Lande,

und meine Augen erblinden, das Alter drückt mich,

ich kann die kleine, gedrängte Schrift nicht mehr lesen.

Als Zeichen der Liebe sende ich dir heute

ein raues Tuch aus Ziegenhaar für deine Füße.


Man meldete mir, dass auch du dein Licht verlorst.

Doch wisse: Gott züchtigt, wen er liebt!

Wenn wir schwach sind, sind wir stark im Herrn.

Deine inneren Augen sind wie die des Didymus:

Sie schauen Gott und die Engel des Himmels,

sie sehen das strahlende Jerusalem droben!

Die Augen des Leibes sind im Irdischen oft nur Fenster der Sünde,

durch die wir das Böse begehren und fallen.

Lebe wohl, mein Vater, und bete für mich.




Papst Zacharias an Bonifatius (Juli 746): Der Streit um das Tauflatain


Zacharias, der Sklave der Sklaven Gottes,

grüßt Bonifatius, den heiligen Bruder.

Kunde kam zu uns von Virgilius und Sedonius,

frommen Männern aus bayrischem Land:

Du hättest befohlen, Christen erneut zu taufen,

was uns in Erstaunen und Sorge versetzt!


Ein Priester dortselbst, unkundig der Sprache,

sprach bei der Taufe in schlechtem Latein:

„Baptizo te in nomine patria et filia et spiritus sancti.“

Weil er die Grammatik brach, hieltest du die Taufe für ungültig.

Doch höre, Bruder, unser Wort:

Wenn der Geist des Mannes frei von Häresie war,

wenn er nicht irren wollte, sondern nur die Zunge stolperte,

dann darf das Sakrament nicht wiederholt werden!

Selbst wer von Ketzern im Namen des Vaters,

des Sohnes und des Geistes die Taufe empfing,

wird nicht neu getauft, sondern durch Handauflegung entsündigt.

Wehre solchen Weisungen in der Zukunft,

und folge dem Vorbild der heiligen Väter!


Gott halte dich gesund. Gegeben im Jahre des Kaisers Konstantin.




Bonifatius mahnt König Äthelbald von Mercia (746–747)


Dem geliebten König Äthelbald von Mercia,

sendet Bonifatius mit seinen Mitbischöfen Gruß.

Wir freuen uns vor Gott und den Engeln,

wenn Herolde uns melden, dass dein Reich blüht,

dass du Diebe jagst und Räuber strafst,

Witwen schützt und den Armen Brot gibst.

Friede herrscht in deinen Grenzen,

und der Herr wird dich segnen am Tage des Gerichts.


Doch eine finstere Kunde hat uns erreicht,

die unser Herz mit Trauer erfüllt!

Du hast niemals eine rechtmäßige Frau gefreit.

Hättest du die Keuschheit aus Liebe zu Gott gewählt,

wir würden dich loben mit lautem Schall.

Doch man sagt, dass dich die Lust regiert,

dass du in Hurerei und Ehebruch lebst!

Und was noch schwerer wiegt:

In den Klöstern treibst du Schande mit geweihten Jungfrauen,

befleckst die Bräute des Königs des Himmels!

Weißt du nicht, dass dein Leib der Tempel Gottes ist?

Wer den Tempel schändet, den wird Gott vernichten.

Der Hurer wird das Himmelreich nicht erben!


Selbst die Heiden, die Gott nicht kennen,

halten die Ehe heilig und strafen die Sünde!

In Altsachsen treibt man die Ehebrecherin zum Strang,

sie muss sich erhängen mit eigener Hand,

und über ihrem Scheiterhaufen knüpft man den Verführer auf!

Oder Weiber jagen sie nackt durch die Gassen,

schlagen sie mit Ruten und stechen sie mit Messern,

bis sie blutig und tot am Boden liegt.

Auch die Wenden halten die Treue hoch:

Stirbt der Mann, geht die Frau freiwillig in den Tod,

und brennt mit ihm auf dem gleichen Feuer.

Wenn nun die Heiden das Gesetz im Herzen tragen,

wie kannst du als Christ in der Wollust versinken?

Du bist ein König, gesetzt als Vorbild für viele,

doch du ziehst dein Volk mit dir in den Pfuhl!


Wenn die Engländer die Ehe verachten

und leben wie das Volk von Sodom,

dann wird ein entartetes, lasterhaftes Geschlecht geboren!

Das Volk wird schwach werden im Kriege,

wankend im Glauben und ehrlos vor der Welt.

So erging es den Reichen in Spanien und Burgund:

Sie huren, bis Gott die Sarazenen sandte,

die ihr Land mit Feuer und Schwert verheerten.

Dazu kommt der Mord an den Kindern:

Die Metzen, ob Nonnen oder Laien,

erwürgen die Frucht, die in Sünde empfangen ward,

und füllen die Hölle mit unglücklichen Seelen!


Man sagt auch, du raubst den Kirchen ihr Gut

und deine Grafen bedrücken die Priester mit Gewalt.

Wer die Kirche beraubt, ist ein Mörder im Geist,

er stiehlt das Erbe der geistlichen Mutter!

Bedenke das Ende deiner Vorfahren:

Ceolred von Mercia und Osred von Deira

brachen die Klöster und schändeten Nonnen.

Gottes Gericht traf sie mit plötzlichem Tod!

Ceolred saß feiernd beim Mahle der Großen,

als ein böser Geist ihn mit Wahnsinn schlug:

Ohne Buße, fluchend und winselnd vor Dämonen,

fuhr er direkt in den Abgrund der Hölle.

Osred wurde von seinen Feinden erschlagen,

als er im Rausch die Jungfrauen jagte.


Darum, geliebter Sohn, hüte dich vor der Grube,

in die deine Ahnen vor dir stürzten!

Fliehe die Pfeile des alten Feindes,

reforme dein Leben, solange noch Zeit ist.

Die Reichtümer dieser Welt helfen dir nicht am Tage des Zorns,

wenn die Seele nackt vor dem Richter steht.

Kehre um zur Tugend, so wirst du herrschen im Licht.


Möge der allmächtige Gott dein Herz wenden!




Bonifatius an Erzbischof Egbert von York: Briefe und Bücher


Wenn Gaben des Bruders den Wanderer erreichen,

steigt Dank auf zu Gott aus ferner Einsamkeit.

Egbert, du Hirte im Norden der Insel,

deine Freundschaft ist Trost in einsamen Tagen!

Nimm mich auf in den Kreis deiner Bündnisse,

hilf mir mit Rat im Recht der Kirche.

Nicht aus Stolz oder Torheit frage ich dich,

sondern als Knecht, den Rom auf die Reise schickte.

Die Päpste sandten mich zu den wilden Sachsen,

die Irrenden zu rufen, die Lügen zu brechen,

und die Herde zu wenden zum wahren Heil.


Deshalb sandte ich Worte der Warnung und Strafe

an Äthelbald, den König, der in Wollust versinkt.

Lies den Brief, den die Boten dir bringen,

bessere aus, was die Zunge schlecht formte!

Und brennt diese Schande auch in deinen Grenzen,

so richte das Volk, eh die Frucht verdirbt!

Sie leben in Lastern wie Sodom und Gomorrah,

ihr Wein ist das Gift von Ottern und Drachen.

Ein Greuel geschieht, ungehört in den Zeiten:

Christen fliehen das Ehebett, brechen die Treue,

und huren frech mit geweihten Nonnen!


Sende mir Schriften von Beda, dem Weisen,

den Gott mit Erkenntnis im Norden segnete!

Lasst uns leuchten das Licht, das bei euch erglänzte.

Ich schicke dir Briefe des heiligen Gregor,

die ich im Archiv von Rom erbeutete.

Dazu einen Mantel und Tücher zur Waschung,

dass du die Füße der Brüder trocknest.


Grün sei dein Leben und wachse an Tugend!




Bonifatius an Abt Huetbert von Wearmouth: Die Sehnsucht nach dem Licht


Dem lieben Abt Huetbert und den Brüdern im Kloster

sendet Bonifatius Grüße der Bruderschaft.

Betet für uns im fernen Brachland,

wo wir die Saat des Schöpfers streuen!

Fleht, dass der Feuerofen der Babylonier uns nicht verbrennt,

dass die Furchen sich füllen mit reicher Ernte!

Nicht der Pflanzer, nicht der Wässerer gilt vor der Welt,

sondern Gott allein, der das Wachstum gibt.


Kopiert mir die Bücher von Beda, dem Mönche,

der die Schriften erforschte und als Leuchte erstrahlte!

Auch einen Mantel erbitte ich für meine Reisen,

er soll mich wärmen auf windigen Wegen.

Ich sende dir heute eine Decke aus Ziegenhaar,

ein geringes Geschenk, doch ein Zeichen der Liebe.


Die Dreifaltigkeit schütze dein heiliges Leben,

bis du strahlst im Chore der Engel!




Bonifatius an Erzbischof Cuthbert von Canterbury: Das Steuer des Kirchenschiffs


Salomon sagt: „Selig ist der Mann,

der einen Freund fand, mit dem er wie mit sich selber spricht.“

Dein Diakon brachte mir Briefe und Gaben,

Worte voll Liebe über das Band unserer Bruderschaft.

Lass uns raten und reden, solange wir leben!

Eine goldene Kette soll uns verknüpfen.

Uns beiden ist gleiche Sorge gegeben,

Kirchen zu hüten und Völker zu weisen,

denn das Pallium drückt uns mit größerer Last

als die Bischöfe, die nur ein Bistum regieren.


Höre die Rechte, die wir hier beschlossen:

Wir wollen den Glauben und die Einheit wahren,

untertan der römischen Kirche bleiben bis zum Tod.

Petrus und seinem Vikar schwören wir Treue.

Jedes Jahr soll die Synode sich sammeln,

und die Metropoliten erbitten das Pallium in Rom.

Wir verbieten den Klerikern das Jagen im Walde,

Hunde zu halten und Falken zu füttern!

Jeder Priester soll in der Fastenzeit melden,

wie er getauft und den Glauben verkündet hat.

Jeder Bischof soll jährlich sein Bistum bereisen,

Wahrsager jagen, Zauberzeichen brechen

und heidnischen Unrat aus den Dörfern vertreiben.

Niemand im Gottesdienst trage Waffen oder stolze Gewänder.


Die Last des Amtes drückt meine Schultern.

Es ist, als steuerte ich ein Schiff durch die stürmischen Wellen,

ich kann es kaum lenken – und darf es doch nicht verlassen!

Die Väter vor uns – Clemens, Cornelius und Cyprian –

hielten das Steuer im Sturm der Tyrannen,

sie litten und vergossen ihr Blut für die Kirche.

Ich aber klage mit den Worten der Schrift:

„Meiner Mutter Söhne kämpften gegen mich,

sie machten mich zum Hüter des Weinberg-Hains,

doch meinen eigenen Weinberg habe ich nicht gehütet.“

Ich grub den Boden, ich düngte die Erde,

doch statt süßer Trauben wuchs nur Herling.

Meine Arbeit ist wie das Bellen eines Hundes,

der Diebe und Räuber ins Haus brechen sieht,

doch weil niemand ihm hilft, kann er nur winseln!


Ein Wächter ist der Priester, ein Hirte der Herde!

Schweigt der Lehrer vor den Sünden des Volkes,

so haftet das Blut der Verlorenen an seinen Händen!

Er muss leben, dass die Tat dem Wort nicht widerspricht,

und die Sünder warnen vor Gottes Zorn,

damit er nicht büße für fremde Schuld.


Ich verschweige dir nicht, was die Weisen hier raten:

Wehrt den Frauen und Nonnen die Reise nach Rom!

Die meisten verderben auf diesen Wegen.

Es gibt kaum eine Stadt in Gallien oder der Lombardei,

in der nicht eine Metze aus englischem Stamme lebt!

Das ist eine Schande für eure ganze Kirche.


Wenn Laien und Könige Klöster rauben

und sich selbst als Äbte über die Mönche setzen,

so sind sie Kirchenräuber und sakrilegische Wölfe!

Tönt die Posaune gegen diese Tyrannen!

Wehrt auch der stolzen Pracht der Gewänder,

den breiten Streifen aus Purpur auf den Röcken.

Das sind Zeichen des Antichrists, die seinen Einzug künden!

Sie bringen Wollust und Trägheit in die Zellen,

und rauben den Jünglingen die Lust am Gebet.


Man sagt, die Trunkenheit wüte in deinen Gemeinden.

Sogar Bischöfe trinken, bis sie taumeln,

und zwingen andere zu tiefen Zügen!

Das ist ein Greuel vor Gott und den Vätern.

Weder Franken noch Gallier, weder Römer noch Griechen

kennen diese Schande – sie ist allein unserer Rasse eigen!

Brecht dieses Laster durch die Macht der Synode,

damit unsere Seelen rein bleiben vom Blut der Verdammten.

Auch das Frondienst-Hämmern der Mönche an königlichen Hallen,

das man sonst nirgends hört außer in England,

müsst ihr verdammen mit lautem Protest!


Gottes Hand halte dich gesund, geliebter Bruder.




Bonifatius berichtet dem Papst von der Gründung Fuldas (751)


Zum heiligsten Vater, dem Herrn auf dem Stuhle,

den ich in Demut und Ehrfurcht verehre,

sendet Bonifatius, der Bote im Norden,

Grüße der Treue an Papst Zacharias.

Ich schicke dir Lullus, den gläubigen Priester,

er bringt dir geheime Worte im Briefe.

Höre ihn an und rate dem Greise,

dass Trost mir werde im schwindenden Alter!

Was du gebietest, will ich befolgen,

sei es Buße oder der Segen des Vaters.


Als Gregor der Zweite mich weihte zum Bischof

und mich sandte ins Land der wilden Sachsen,

schwor ich beim Schöpfer, die Guten zu schützen,

die Falschen zu meiden und Ketzer zu brechen.

Den Eid hielt ich wach im glühenden Geiste,

doch im Fleische konnt’ ich den Umgang nicht fliehen:

Wenn Pflicht mich trieb an den fränkischen Hof,

traf ich oft Männer, die ich lieber gemieden.

Die Franken versprachen das Pallium aus Rom,

doch zögern sie träge und schieben es auf –

wäre es mein Werk, der Schwur wäre wahr!


Nun höre vom Walde im weiten Ödland,

mitten im Volk, dem das Wort ich verkünde:

Dort bauten die Mönche ein Haus für den Heiland,

sie leben nach Benedikts heiliger Regel.

Karg ist ihr Leben, kein Wein und kein Fleisch,

sie meiden die Knechte und schaffen mit Händen.

Carloman half mir, das Erbe zu kaufen,

Bochonia heißt der schattige Hain.

Dort will ich rasten im matten Alter,

und dort soll mein Leib in der Erde schlafen.

Vier Völker wohnen im Kreise umher,

ihnen will ich dienen, solang ich noch wehre.

Wer den Vater ehrt, dem schenkt Gott die Tage,

sein Segen baut der Kinder Haus!




Das päpstliche Privileg für das Kloster Fulda (November 751)


Papst Zacharias an Bischof Bonifatius

und alle Äbte, die nach ihm folgen:

Ein frommer Wunsch soll Erhörung finden,

wenn ein Streiter Christi ein Bethaus stiftet.

Weil du erbatest für das Kloster am Fluss,

das in Bochonia am Strome der Fulda steht,

den Schutz und Schirm der römischen Kirche,

lösen wir es aus aller anderen Gewalt!


Kein Priester und Fürst, kein Bischof noch Vogt

darf Rechte fordern in diesem Hause!

Niemand feiere dort die Messe am Altar,

außer der Abt hat ihn selber gerufen.

Wer dieses Recht bricht, den treffe der Bannfluch,

vor dem Richterstuhle des ewigen Gottes!


Leb wohl in Frieden.




Bonifatius bittet Egbert erneut um Bedas Schriften


Dem treuen Freunde, dem Bruder im Geiste,

Erzbischof Egbert, dem Hirten in Pracht,

sendet Bonifatius Grüße der Liebe.

Die Bücher und Gaben erfreuten mein Herz,

die Engel im Himmel mögen dich lohnen!

Bete für mich im finsteren Streite,

die Last meines Amtes drückt mich zu Boden!

Sende mir Schriften von Beda, dem Priester,

einen Funken des Lichts, das bei euch erglänzte:

Die Auslegung der Sprüche und Predigten für das Jahr,

sie sind mir ein Schwert auf der Kanzel im Feld!


Ich brauche dein Urteil in schwerer Not:

Ein Priester fiel einst in schwere Sünde,

tat Buße bei den Franken und dient nun im Lande.

Es gibt keinen zweiten Hirten im Kreis –

wenn ich ihn jage, sterben die Kinder

ohne das Wasser der heiligen Taufe!

Richte nun du zwischen mir und dem Volk:

Ist es besser, den Sünder am Altar zu dulden,

oder die Menschen als Heiden zu verlieren?


Und find’ ich einen, dessen Sünde geheim ist,

soll ich ihn stoppen und Schande enthüllen?

Das Volk würde fliehen, die Kirche verfluchen,

und alle Priester als Heuchler verachten!

Ich dulde ihn lieber, um Seelen zu retten,

schreibe mir bald, was dein Weisheit mir rät!

Zwei Fässer Wein schick’ ich dir im Wagen,

trinkt sie in Fröhlichkeit mit den Brüdern.




Dem lieben Fulrad, dem Priester des Königs,

sendet Bonifatius Grüße des Friedens.

Dank sei dir für deine Hilfe im Streite!

Grüße mir Pippin, den glorreichen König,

sag ihm mein Sterben und Schwachheit voraus.

Mein Leben schwindet, die Tage sind kurz,

er soll mir sagen, noch ehe ich sterbe,

was mit den Jüngern im Grenzland geschieht.


Sie sind fast alle Fremde im Lande,

Priester im Ödland und lernende Kinder,

Männer, die jahrelang mit mir stritten.

Ich sorge mich tief, dass nach meinem Tode

die Herde zerstreut wird wie Schafe im Sturm,

und dass die Grenzvölker den Glauben verlieren.

Darum bitte den König mit lauter Stimme:

Lullus, mein Sohn, soll mein Nachfolger werden!

Er sei den Priestern ein strenger Meister,

den Mönchen ein Lehrer nach Benedikts Wort,

dem christlichen Volke ein treuer Hirte.


Meine Priester an der Grenze der Heiden

leben in Armut und nackter Not:

Sie haben wohl Brot, doch es fehlt ihnen Kleidung,

bisher gab ich ihnen, was ich erstritt.

Wenn Gottes Gnade den König bewegt,

so sende mir Botschaft, dass ich im Frieden sterbe.




Geleitbrief für einen Boten an Graf Reginbert


An den lieben Sohn, den Grafen Reginbert,

sendet Bonifatius Grüße im Herrn.

Ich bitte dich um eine Gunst für meinen Boten:

Er reist nach Rom mit Briefen der Kirche,

lass ihn sicher durch deine Lande ziehen!

Hilf ihm in Not, wie du früher schon halfst,

dass dein Lohn im Himmel reichlich wachse.


Leb wohl in Christus!




Bonifatius an Äbtissin Leoba von Bischofsheim 


Zu der ehrwürdigen Magd in dem Hause des Herrn,

die ich in treuer Liebe im Geiste umfange,

sendet Bonifatius, der Knecht der Knechte Gottes,

herzliche Grüße an Schwester Leoba!

Torhtat, der Priester und Bruder im Glauben,

brachte mir Kunde von deinem Entschluss:

Du willst ein Mädchen zur Lehre empfangen,

wenn mein Wort und mein Wille es erlauben.

So wisse, geliebte Schwester im Norden:

Was immer du tust für das Wachstum der Tugend,

das segne ich heute mit frohem Gemüt!


Leb wohl in Christus!




Bonifatius nimmt einen Knecht in Schutz


Dem treuen Priester Denehard sendet Bonifatius

Grüße des Friedens im Namen des Heilands.

Ich empfehle dir Athalere, den Knecht, der nun wandert:

Hilf ihm in Not und schütze sein Recht,

als wäre er frei und kein Sklave des Hofes!

Bürge für ihn vor den Freunden der Braut,

denn er will sich ein Weib nach dem Rechte wählen.

Ich will nicht, dass Furcht seine Seele bedrückt

wegen der Fesseln des dienenden Standes.


Leb wohl in Christus!




Priester Wigbert schreibt den Mönchen in Glastonbury 


Den Brüdern in Glastonbury sendet Wigbert Bericht!

Als Bonifatius hörte, dass wir die Küste erreichten,

kam er uns weit auf den Wegen entgegen

und nahm uns mit Freuden im Hause auf.

Glaubt mir, die Arbeit ist reich an Ernte,

auch wenn Hunger und Durst uns die Kehle schnüren!

Kälte und Feindschaft der Heiden bedrängen uns täglich,

doch Gott gab dem Werk einen glücklichen Sieg.

Betet für uns, dass das Wort uns gegeben werde,

die Botschaft des Schöpfers mit Kühnheit zu künden!

Grüßt mir den Abt Ingold und die Brüder der Heimat,

und meldet der Mutter Tetta die glückliche Reise.


Die Gnade des Höchsten halte euch wach im Gebet!




König Äthelbert von Kent bittet um Jagdfalken


Dem heiligen Erzbischof Wynfrith, den man Bonifatius nennt,

sendet Äthelbert, König von Kent, seinen Gruß.

Die Äbtissin Bugga kehrte von Rom in die Heimat zurück,

sie erzählte mir am Tisch von eurer Begegnung:

Du hast ihr versprochen, auch mir fernem König

mit Rat und Gebet in den Stürmen zu helfen.

Darüber erfreute sich mein herrscherlich Herz!

Ich sende dir heute als Zeichen der Liebe

einen Becher aus Silber, mit Golde geschlagen,

drei Pfund ist er schwer, dazu Decken aus Wolle.

Nicht irdischen Lohn erhoffe ich mir,

sondern die Macht deiner heiligen Worte.


Doch eine Bitte noch habe ich an deine Güte:

Sende mir Falken aus deinem Revier!

Schnell sollen sie sein und voll feurigem Mut,

die Krähen zu schlagen und zur Erde zu stürzen.

Bei uns in Kent gibt es wenige Habichte dieser Art,

die sich zähmen und jagen lassen im Wind.

Schreibe mir bald, ob die Gaben dich erreichten.


Die göttliche Gnade schenke dir Tage im Licht!




Bonifatius an König Pippin: Die Warnung vor den Lügnern 


Dem edlen König Pippin sendet Bischof Bonifatius Gruß.

Dank steigt auf zu Christus im Himmel,

weil du dem Greise Trost hast gegeben!

Ich bin bereit, dir aufs Neue zu dienen,

sag mir, ob ich zur Versammlung soll kommen.

Doch höre von Ansfrid, dem Knecht meiner Kirche:

Ein Meister der Lüge ist er, der heimlich entwich!

Nun kehrt er zurück mit einem Befehl deiner Hand,

ich solle ihm Recht und Gerechtigkeit geben.

Ich schicke ihn dir samt dem Briefe zurück,

da wirst du sehen, wie frech er dich täuschte!

Schütze mich, König, vor solchen Betrügern,

und schenke den Lügen kein gläubiges Ohr.




Bonifatius grüßt den neuen Papst Stephan 


Zum edlen Papst Stephan, dem Hirten der Welt,

sendet Bonifatius, der Schüler aus Rom, seine Liebe.

Aus tiefstem Herzen flehe ich um deine Huld,

dass ich dir diene in Treue und Pflicht,

wie ich drei Vätern vor dir schon gedient habe:

Den beiden Gregorien und Zacharias dem Weisen.

Sechsunddreißig Jahre währt meine Fahrt nun im Norden –

was ich recht tat, will ich mehren, was falsch war, beugen.

Verzeih mir, heiliger Vater, das Zögern der Briefe!

Nicht Faulheit hielt meine Boten zurück,

sondern brennende Not: Die Heiden brachen herein,

dreißig Kirchen brannten sie nieder in Schande!

Die Trümmer zu bauen, trieb mich zur Eile.




Der Streit mit Köln um den Sitz in Utrecht


Heiliger Vater, höre meinen Bericht über Friesland!

In den Tagen des Sergius kam einst ein Priester nach Rom:

Willibrord, den man auch Clemens nannte, ein heiliger Mann.

Der Papst weihte ihn und sandte ihn an das westliche Meer.

Fünfzig Jahre schlug er die Götzen der Heiden,

er baute Kirchen und taufte das Volk,

und gründete in Utrecht den Stuhl des Erlösers.

Als er im Alter verstarb, gab Carloman mir die Gewalt,

einen Nachfolger auf den Thron zu setzen.


Doch nun fordert der Bischof von Köln diesen Sitz!

Er sagt, das Land gehöre seit Dagoberts Zeiten ihm,

weil dort einst die Trümmer einer Kapelle standen.

Dagobert gab das Kastell den Kölnern zur Pflicht,

die Friesen zu taufen – doch sie taten es nicht!

Sie ließen sie Heiden, sie predigten nie an der Küste,

bis Sergius den Willibrord sandte ins Feld!

Nun will Köln den Bischofsstuhl rauben, damit kein Hirte

unter dem Papst mehr die Friesen regiere.

Ich sagte ihm: Das Wort des Sergius gilt schwerer

als alte Steine, die von Heiden zertrampelt und von Bischöfen verlassen wurden!

Doch er hört nicht auf mein Wort.


Sprich du nun das Urteil, heiliger Vater Stephan!

Sende mir Briefe aus dem Archiv deines Hauses,

die Sergius einst dem Willibrord gab,

damit ich die Gegner mit Wahrheit bezwinge!


Gottes Hand halte dich rein und gesund!




Bischof Milret von Worcester an Lullus: Die Klage über das Martyrium 


Zum gütigen Meister und Bruder in Christus,

zum Bischof Lullus, sendet Milret sein Wort.

Kaum ein Jahr ist entflohen im Wandel der Zeiten,

seit ich euch verließ und die Heimat erreichte,

da brachte ein Bote uns bittere Kunde:

Der heilige Vater Bonifatius schied aus dem Kerker des Fleisches!

Wir weinen am Boden in bitteren Tränen,

weil uns der Trost dieses Lebens entrissen ist,

wir hungern im Elend des irdischen Tales,

das voller Versuchung und Finsternis liegt.


Und doch weicht die Trauer dem göttlichen Lichte:

Als Zeuge des Schöpfers vergoss er sein Blut!

Er ist nun die Krone und Zierde des Landes,

das ihn einst aussandte zur Fahrt in die Welt.

Sein Pilgern ist vollendet mit mächtigem Siege,

er sitzt nun im Glanze des neuen Jerusalems

und bittet als Mittler für all unsere Sünden.

Ich flehe dich an: Sende mir bald im Briefe

den Bericht seines Lebens und das Ende im Sturm!


Gedenke des Bundes, den der Vater uns lehrte,

als er uns vereinte mit gütigen Worten!

Ich knie im Geiste vor deinen Füßen:

Lass uns die Treue bewahren bis an das Grab,

solang noch der Atem dies Sterbliche rührt!

Die Schrift soll sich füllen in unserer Liebe:

„Sie hatten alle Dinge gemeinsam.“

Die Boten im Wagen bringen dir Worte,

dazu ein geringes Geschenk meiner Hand.

Das Buch kann ich heute dir noch nicht senden,

weil Cuthbert es hält und noch nicht gab zurück.


Der Herrgott sei mit uns auf all unseren Wegen!