ROMANTISCHE VERSERZÄHLUNG
VON TORSTEN SCHWANKE
AVENTIURE I
1
In jener stunde blâ und lieht,
dâ man die lichten strâze siht,
diu als ein troum ob herden swebt
und uns von êwigem lëben seite,
dô reit Tannhiuser in herzeleide.
Verbannt ûz Venus’ hülle tief,
dâ lange er nâch der minne rief,
was nû sîn herze sêre lër,
voll riuwe und schame noch dëre mër.
Er trat ûz dënnen vinsteren schat,
dar nâch er mitsamt dën linden trat
an eine liehte waltes stat.
Dâ sâher ligen dancbaer höu,
daz süeze rouch nâch sumer-tou.
Und dâ, in mînes lîbes nôt,
ein maget sich mînen ougen bôt.
Corinna was dër clâren nâm,
diu dâ sô reine und herze-zam
in mænenschîne lûhte sâ:
ir hâr als goldes fadem dâ,
ir ougen tief als melancholî,
und doch von aller sünde frî.
In muzzelîn, sô lîht und clâr,
erschein si im wunderbaerlîch vâr.
Dô schiet diu këlte von sînem muot,
niht durch der Venus heize gluot,
wan durch ein heiligez erschrecken,
daz sînen geist nû wolte wecken.
Si was diu blouwe bluome zart,
diu im ze lëben nie beschert was wart.
Si sprach niht wort, si winkte im zuo,
als ob si al die werlt nû tuo
mit einer hant in gnâde pflegen.
Dô sah dër ritter dëne sigen:
Si was dër Venus widerspil,
niht lust, wan sinne lëtez zil.
Diu sünde sweic, diu sorge vlouh,
als er nâch ir dëne gëne nouch.
Als pilger sank er an ir knie,
sölch hôhe kunst dervant er nie.
Si rüerte sîne stirne an,
dô schmolz dër dichter und dër man.
Daz Ich und Dû sölch einheit vant,
daz allez dinc dervon verschwant.
Im süezen höu, dâ lân si beide,
vërn von dër werlt und allem leide.
Kein eit was dâ, kein lûtes wort,
nur sêlen-minne an disem ort.
Dô flustert si in dën äther hin
dën rætsel-vrouwen-hohen sin:
„Diu werlt muoz romantisiert sîn,
sô lûhtet uns dër ur-sin schîn.“
An dirre naht, in ir dën ougen,
vant er vergebung hohiu tougen.
Niht von dëm bâbest dâ ze Rôme,
wan ûz dër poësîe schône.
2
Ob dëm berge dër morgen schein,
doch dâ dër ritter was alein,
in Venus’ gruft dâ nimmer tagt,
wan lieht von fackeln unde magt.
Ein rôt-gestuende dâ erbal,
als tûsent rôsen nider-val.
Tannhiuser ûf von slâfe spranc,
niht nâch dër hiunde jage-klanc,
wan nâch dër nymphen süezem lachen,
daz sînen geist wolte maches machen.
Ein jâr was er dër minne kneht,
vlouh vor dër werlt und allem reht,
vlouh vor Elisabeth dër clâren,
diu tugenthaft in dën jâren.
Nû hiez diu gotinne dër minne,
daz er mit herze und mit sinne
ein lëtez opfer dâ nû bræhte,
dës er ê nimmer dâ gedæhte.
Saphier-blâ und elfenbein,
sô lûhte im dër sîden-schîn.
Ein gewant, sô lîht als lofes wehen,
was im dâ ze clêde nû versehen.
Er dâhte: „Müede bin ich strîtes,
und dës muotes, und dës nîtes.
Diu werlt mich hât ze sêre verdammt,
sît ich dër minne bin entflammt.
Sô sol si sën in grôzem schalle,
wie ich ir êre nû entfalle.“
Er zôch dâ abe daz leder-clêt,
daz im nâch ritter-orden stêt,
und warf daz hemde in dën stoup,
als in dëm herbeiste daz loup.
Dô glit diu sîde an sînen lîp,
und schuof dën degen dâ ze wîp.
Diu herten schultern swunden hin,
nû flôz daz gewant mit mînem sin.
In dëm spiegel von obsidîan,
dâ sah er niht mêr einen man.
Ein bilde rætselhaft und hër,
und in dën ougen riuwe-mër.
Dër mohn-cranz dâ sô rôt als bluot,
nû zierte sînen niuwen muot.
„Willekomen, tohter mîn,“
sprach diu gotinne dâ dën schîn.
Venus trat ûz schaten-naht,
in ir gnadewîcher maht.
„Dîn nâme, dîn êre, dîn ritter-reht,
daz lât nû hie dër sîden-kneht.
Du wirfest dîne mâge hin,
und bist mîn eigen, mîn ärztin.“
Tannhiuser nîgte vor ir dâ,
sô lîse an dëm marmor-stâ.
„Ich bin niht mêr dër ritter hêr,
ich bin dîn vaz, und nihtes mêr.
Mîn lîp sî dîn, mîn alter geist,
sich nû dën niuwen nâmen weist!“
Dô lachte Venus wunder-clâr,
und streich im durch daz guldîn hâr.
Ir stimme klanc als honec-vloz,
dô sî dën sigen dâ genôz:
„Tannhäusea nenne ich dich hîute:
Mîn schônste maget vor allen lîute.“
3
Ein meister las die alten buoch,
dër dâ nâch dër wârheit suoch.
Tannhiuser was dër nâme sîn,
er kante Griechentum und Latîn.
Sîn herze was von rîme lër,
wan grammatîca douch im mër.
Er souchte dër vasen alter dâ,
niht minne hie, noch minne dâ.
Doch dô Corinna von im schiet,
dô wandelt sich dës herzen liet.
Si was ein maget clâr und lîht,
als man si dâ ze schuole siht.
Si vlouh hin nâch dër kurzen frist,
dâ niemen dër dën wec nû wist.
Ein zëtel an dër wende dâ seite:
„Si ist niht mër hie, noch dâ.“
Dô vanc dër meister dëne nâmen,
dës klang sô süeze als edel sâmen.
Co-rin-na: wie daz wunne-clîche
erschal in sînem geiste-rîche!
Si was niht mër ein bî-gestalt,
wan ein rætsel, tûsent jâr dâ alt.
Er souchte in buochen antîquâr,
was dër nâme hîute und ê dâ war.
Ovidius, dër minne rât,
gap im diu zeichen und diu pât.
Dër tichte von Corinna ê,
daz tete Tannhiuser nû sô wê.
Er nam dën griffel in diu hant,
dâ er dën lëzten sin dervant:
„Et subito, nullo velata, jacebat“ –
wie schône er daz nû vür sich hät!
Ê sanc er nâch dër lëre dâ:
„Si lac un-hüllen-lîche nâ.“
Doch sît dër nâme in hât entzunt,
dô sanc er ûz dës herzen grunt:
„Corinna lac dâ un-verholen,
als het si uns dën sin gestolen.“
Ietclîch wort in sînem buoch
nû nâch dër maget blicke suoch.
Dô vant er under sînem schrîn
ein bilde von dëm Rôme-schîn.
Dâ stuont geschriben dër eine sin,
dër truoc sîn herze dâ dâ hin:
„Diu alten stücke lîden wol,
doch minne niht dës warte sol.“
Sîn herze sluoc dën tactus nû,
vërn von dër lëre, ir blicke zuo.
Er muoz si suochen, dëne klang,
nâch dëm sîn sêle alsô dâ rang.
Daz wort wart vlleisch, daz wort wart lîp,
daz schônste und daz rætsel-wîp.
4
In Perlemutter-glanz si stuont,
Corinna, dër diu liebe kunt.
Si sah Tannhiuser in diu ougen,
und wiste umbe sîne tougen.
„Dër rüef dër Wartburc lât mich niht,“
sprach dër ritter, dër dâ giht,
„daz ich dër werlt nû muoz bescheiden,
waz minne sî bî cristen und bî heiden.“
Corinna leit die hant an sîn ge-reite:
„Dîn herze lîdet herze-leide.
Diu gotinne hât dir längst vergeben,
nû ganc und künde uns dîn lëben.“
Si riten beide, hôch gemuot,
durch walt und hëide, dâ daz guot
dër wâren minne lûhte helle,
si was sîn trôst und sîn geselle.
Dô tratzten si dër ritter rât,
dâ man dër hôhen minne hât
ir herten dienest und ir pfliht.
Tannhiuser aber vor dën fürsten giht:
„Ir singet von dër këlte blôz,
dâ nie kein vliure ûz dër sêle schôz!“
Er greif in sîne seiten nû,
und sang dën herren dâ nû zuo:
„Ir rüemet reineclîche zuht,
diu dâ verbirget sêle-vruht!
Doch ich besinge diu heize gluot,
diu uns dâ gëbet niuwen muot!
Kythereia lacht uns an,
si gëbet lîp dëm wîbe und dëm man!
In unsrem kusse lît diu kraft,
diu uns dër gotheit bilde schaft!
Swâ lîbes-gir nâch gnâde gert,
dâ ist dër sanger êren wert!
Ich danke ir, dër vrouwen mîn,
diu mînem lëben gap dën schîn!“
Dô schruwen ritter: „Vrevel-diet!
Verfluochet sî dîn hëllesch liet!“
Dër lantgrâve hiez daz swert nû ziehen,
Tannhiuser solte nimmer vliehen.
Doch dâ spranc ûz dëm volc ein maget,
diu nimmer dâ vor ritter zaget.
Corinna warf dën slier hin:
„Ir tumpen, lër an mînem sin!
Ich bin ir priesterin, dër heiden,
von dër dër degen niht wil scheiden!
Sîn liet ist wâr, sîn minne rîch,
si machet uns dën göten glîch!“
Elisabeth, diu reine meit,
sprach: „Lât in gân in herze-leit!
Sîn sêle sî dëm bâbest lân,
doch lât dën sanger hinnen gân!“
Dô zôch er mit Corinna vurt,
vërn von dër ritter-schaft ge-gurt.
Er kuste si bîm burgetor,
und sang ir lîse in daz ôr:
„Ich gëbe niht umb Rôme-guot,
sît dîn ougen kient mînen muot.
Dû bist mîn segen, mîn edel kraz,
mîn ode an Aphrodîtê, âne haz.“
5
Dâ guldîn lûhtet diu wite hër,
und dâ dër himel küst daz mër,
dâ ruten si bîm abent-schîn,
Tannhiuser und Corinna sîn.
Daz lieht was rîch als fliezent golt,
dën wîzen pherden was ez holt,
diu dâ als geister liefen hin,
vërn von dër werlt und dër menschen sin.
Dô sâhen si diu kirchen-want
an dëm gestade in dëm sant.
Doch souchten si niht kirchen-reht,
als maniger gotes armer kneht;
ir minne was dër lëzte segen,
dëm wolte nû diu gotheit pflegen.
„Hœrest dû,“ sprach Corinna dâ,
„wie daz mër uns singet nâ?
Ez singet von dën frouwen drî,
diu wellen-maget ist dâ bî.“
Si giengen niht in krypten-naht,
dâ dër kristen got dâ waht,
wan an dën strant, dâ wîzer schûm
nam dën rittre dën sînen rûm.
Magdalêna, diu clâre meit,
was in niht buezzerin in leit,
wan als ein Venus ûz dëm mer,
diu brâhte in dën sigen hër.
Si knieten nider in dën sant,
dâ dër rubein am himel brant.
„O Magdalêna,“ rief dër man,
„diu ûz dën wellen ê begann!
Schütze daz fiuer, daz uns brennt,
und dâ diu sêle sich erkennt.“
Corinna sprach: „Dû schûm-geborn,
dû hâst uns zuo dëm heil erkorn.
Heilige unsre sêlen-gir,
als daz mër dâ hîute schir.“
Diu zît stuont stille an dër stat,
dâ man umbe dëne segen bat.
Daz rûschen wart ein engel-chôr,
und dranc dën beiden in daz ôr.
Tannhiuser schluoc dën mantel umb
daz wîp, daz dâ vor liebe stumb.
Dâ was kein scheiden, dâ was ein,
zwischen kuss und bët-ge-schîn.
Unter dën sternen, lîht und hër,
vant ir minne daz êwic mër.
Alt als diu flout und jung als tou,
alsô lûhtet irer liebin schou.
6
Daz fiuer in dëm gademe klang,
dâ sich daz rîf mitsamt dëm sanc
dër vögel ob dër marschen swanc.
Diu hütte, ront nâch alter art,
vor Mistrâl-winde wol bewart,
was in ein nist in dër einmüete,
voll werme und voll sêlen-güete.
Tannhiuser brâhte brôt und wîn,
doch douch in mër dër liebin schîn.
Corinna blickt ûz venster-spalt,
dâ dër mâne über dën etang galt.
„Hie ist kein nâme und kein gebot,“
sprach si in dër abent-rôt,
„wan luft und salz und wir dâ zwei,
von aller menschen-orden vrî.“
Er trat von hinden an si zuo,
als daz dër lîp dëm lîbe tuo.
„Magdalêna hât uns her gewîst,
dâ man dër minne reht nû prîst.“
Daz bant an ir gewande glit,
als ob ein welle dâ nithersmit.
Ir hût, als ob si marmel wære,
erschein im wunder-lûter-baere.
Si lân dâ ûf dëm lînen-bet,
swaz minne dâ dën herzen tet.
Ietclîcher kuss ein gelübede was,
als ob man in dër bibel las.
Ir rûnen und dës schilfes wâ,
ez klanc sô süeze dâ und dâ.
Daz fiuer warf dën schaten-tanz,
an wende wîz in schime-glanz.
In sînem arme vant si nû
dër werlt vergezzenlîche ruo.
In ir dën ougen vant er dâ,
swaz er an gnâde nie dervant andrâ.
Dô dër morgen rôt dâ droute,
und dër himel lieht dâ bloute,
lân si umschlungen sêre dâ,
als ob dër tac si nie dervant andrâ.
Daz salz dës mëres an dëm munt,
was in dër lëzte segen-stunt.
Diu werlt mac ziehen irer strâze,
hie hânt si vride ûz aller mâze.
7
Si ruten norden-wert dâ hin,
mit ungebogenem muote und sin.
Diu Provenz hielt dën rîchen tac,
dâ maniger lëbe-lust dâ pflac.
Doch souchten si niht cristen-heil,
an gote hëten si kein teil;
ir strâze vourt dâ, dâ man siht
Avignôn, dâ daz laster giht.
Diu mûre hôch und guldîn glanz,
ein vestene vür dën sunden-tanz.
Dër bâbest dâ in prachte saz,
doch was sîn herze minne-haz.
In gassen dranc dër wîrouch-smac,
dâ maniger in dëm rousche lac.
„Sich an,“ sprach dâ Corinna lîse,
„wie hie dër tiufel nû gebîse!“
Doch under dëm palaste hôch,
dâ sich dër schate nithernôch,
dâ vant ir trôst ein tougen-stat,
diu nie kein inquisîtor trat.
Dâ brannten siben kerzen lieht,
dâ man Inannas bilde siht.
Niht als ein büezerin in nôt,
wan rîch in irer minne rôt.
Tannhiuser kniete an dën grunt,
dâ wart sîn herze im sêre kunt:
„O Babylônes künegîn,
dîn sölle disiu huldê sîn!
Dû brichst dën zun dër heilicheit,
und machst uns von dër sünde vrit.“
In dër dâ louter gotes stat,
si hëten dër gotinne rât.
Dër schmuck von golde clanc sô sêre,
Inannas lop und irer êre.
Dën kelch si truncken rôt als bluot,
daz gap in dënne rîchen muot.
Dâ under Pâbes-mûren schrîn,
dâ muoste lîp bî lîbe sîn.
Diu heilige hure lachte dâ,
ir sigen wart dâ lûter nâ.
Diu glocke nâch dëm bëte rief,
doch dâ dër schate lach sô tief,
dâ lûhte eine elter wârheit dâ,
diu was dër gotheit sêre nâ.
Si heiligen nû Babylôn,
mitsamt dër minne süezem tôn.
8
Daz erste morgen-lieht erschein,
als ob ein vinger rôt von bein
ob Pâbes-zinnen nithersmanc,
dâ sich daz bëte-luten swanc.
Tannhiuser und Corinna sîn
vlouhen ûz dëm mûre-schrîn.
Ir clêder rouch nâch tougen-smac,
dën niemen dâ ze hove pflac:
Myrrhe und zeder, rôt und sweber,
vlouz durch ir aller-lîbes-leber.
Diu stat wart in ein steiner chäfig,
ir minne was dâ gar ze heftig.
Dâ flusterten die betteler gar:
„Sich an daz wundertreitig pâr!
Si küssen niht daz crûze hêr,
si minnen dër erden mër und mër!“
Am norden-tore, dâ dër tac
als ein wâfen-clanc dâ lac,
dâ horten si dër reiter pfliht:
Diu garde dulte ir sigen niht.
Si sprungen ûf diu pfert sô schnell,
Tannhiuser trieb dën rappen hell.
Corinna blickt mit spote nâch,
dâ man dën palast stën dâ sâh.
Inanna-sin brannt in ir brust,
verwandelt was diu sêle-lust
in fiuer, daz dën rîter leit,
durch dës Rhone-tales breit.
Kein angest vierte irer hant,
si riten durch daz Franken-lant
als helden, diu daz lieht gestoln,
und ez nû vueren un-verholn.
Ietclîcher huf-slac an dën grunt
macht irer sêle vriheit kunt.
Daz steiner Babylôn verswant
in stoube nâch dëm pferde-bant.
Diu wilden-nis nû vor in lît,
bereit ze enden dën strît.
Dër wint sol schrîben in dën sant
ir nâmen durch daz ganze lant:
Tannhiuser und sîn götlîch wîp,
ein sêle und ein louter lîp.
9
Daz lof dës Luberones dâ,
ez schôz ir mûre sêre nâ.
Ein grüener dôm von eichen alt,
bewart si vor dër verfolger gewalt.
Dër tîmian rouch sô süeze in lüften,
dâ lût und schate in vels-klüften
dën alten göten lëben gâben,
diu in dën brunnen hîute dâ bëben.
Tief in dër slucht, bîm wazzer-val,
vant ir herze dën lëzten schall.
Diu gruft, von steine glat und clâr,
schîn als sîden-werc vür-wâr.
An wort si dâ dën altære schuofen,
und dâ nâch dër Inanna rüefen.
Tannhiuser truoc dën stein her-zuo,
als daz ein pfaffe dën altære tuo.
Corinna floht dën wilden wîn,
daz nû dër schoz dër erden mîn
an dirre stat sölch heil dâ vant,
als ob dër gotheit bilde dâ brant.
In middes dës altæres dâ
stount quellen-wazzer, lûter nâ.
Ein sunnen-strâl durch velse brach,
swaz man an wundre dâ nû sach.
Corinna trat in dën bëcken-schîn,
als muoste si diu gotheit sîn.
Tannhiuser sah ir edel lîp,
daz louter wîp und dën sînen lîp;
er sah dër werlt un-endicheit,
in dirre maget clâr-berheit.
Si phlâgen rîtus tougenlîch,
dëm mænen-loufe lûter glîch.
Daz heilictuom im walde gruon
hiez si dër minne lëre tuon.
Diu minne was hie nimmer sündet,
wan als ein lëben daz sich zündet.
Ein kosmos-reht, ein heilger sin,
der vierte si dâ mitsamt hin.
Bîm fiuer nâhtes an dëm vels,
vergezen was dës bâbest phelz.
Si seiten sich von alter zît,
dâ nâch dër werlt nû lëbe-strît.
Dâ man dër minne hure-kraft,
als edel heil und sigen-schaft,
âne schame nû hëte dâ.
Si wâren priester, lûter nâ,
dër wârheit dâ im grüenen swîgen,
dâ mitsamt tûsent wunnen stîgen.
10
Nû vourt dër wec sô hôch hin-zuo,
als daz daz herze nâch dëm himel tuo.
Diu Provenz weich dën snê-gebirgen alt,
dâ maniger rîse in dën wolken dâ gestalt.
Tannhiuser und Corinna, hôch gemuot,
verlâzen hie dër menschen erden-guot.
Si stîgen nâch dëm rîche dër sterne lûter-baere,
als ob dër fels ein vinger dër gotheit wære.
Ob wolken-vliure und dër werlt ge-droz,
vant ir lîp dër sêle lëtez schloz.
An disem altære von îse und von stein,
dâ wurden lîp und sêle lûter und ein.
Si wurfen abe dër clêder hüllen-last,
dâ si dër wint und ouch diu sunne umbe-vazt.
In dër umbe-vanc, dâ wart daz vlleisch sô hêr,
ein brucke nâch dëm lichten sterne-mër.
Tannhiuser wart dër Axis Mundi dâ,
diu welte-ahse, dër gotheit sêre nâ.
Sîn lîp nû stüzte dën himel-bogen hôch,
als er dën sigen ûz dëm sâme zôch.
Corinna gab sich under dër un-endicheit,
und wart diu Anima Mundi in irer clârheit.
Si was niht mër ein maget ûf dëm fëls,
si was dër walt, dër bach und dës himels phelz.
Dës kosmos âtem vlouz durch irer glider lîht,
als man diu schöpfunge in dëm kusse siht.
Diu minne wart nû ginst und lûter sin,
si schmolzen mitsamt in diu gotheit hin.
In dirre hôhen gësticht ûf dëm dache dër werlt,
wart heilge lust dën sälden nû beschert.
Si wâren selbe nû Inanna und ir man,
dâ lëben und dër tôt dën tanz begann.
Dô si dâ lân ûf nacktem steine sêre,
dô vlouz dër wint nâch süezer minne-lëre.
Diu werlt lach nider, tief in stoube-vanc,
doch si gehörten dâ dëm guldîn sunnen-glanc.
11
Daz lieht dër bërge nû verswant,
si riten in daz Parîs-lant.
Dâ stanc dër unrât ûf dër gassen,
dâ man dën armen sîeht dâ hassen.
Diu klocke nâch dëm tôde schrei,
als ob daz herze dâ entzwei.
In einer schenken, vinstre und tump,
saz ritter Tannhiuser nû krump.
Dër wîn nâch essich dâ nû smak,
dâ er bî fûlem holze lak.
Er nam daz rissic parchemënt,
sîn lëben was an sînem ënt.
Doch in dën ougen brannt dër zorn,
Inannas viuer was niht verlorn.
„Schrîbst dû dîn ënt?“, Corinna sprach,
diu dâ dën meister nithersach.
„Nein,“ sprach er mit grimmem lachen,
„ich wil dën vîenden nû gemachen
ein erbe, daz si sêre bîzt,
und in daz fëtte herze rîzt!“
Mit scharpfer vëder, swarz und hart,
er sîn testament gebart:
„Dën pfaffen dâ ze Avignôn,
dën gëbe ich mînen hunger-tôn!
Daz sich ir wambe sêre krümmen,
swenne si dën bâbest-wîn dâ trümmen!
Dën wëchtern, diu mich gehetzt als tîer,
dën gëbe ich mîner lide vîer:
Daz zittern und dën pîzenden vrôst,
daz sî ir lëzter sêlen-trôst!
Dën nîdern, diu mîn minne schalt,
dën sî mîn ârmuod nû gestalt!
Daz si an golde gar ersticken,
und nâch dën sternen nimmer blicken,
wiel mîn mâge nû sô lër,
ich rüere doch daz sternen-mër!“
Er schreib mit bitter-gallem sin,
und warf diu vëder vür sich hin.
Er hëte sich nû lër geschriben,
daz allez leit an tînte sî gebliben.
Corinna hielt daz parchemënt
in daz lieht, daz ez nû brennt.
Si bruchten niht dër tînte-kraft,
vür irer sêlen meisterschaft.
Mit lachen giengen si hinuot,
dâ man dën galingen dâ schuot.
Unter Montfaucon, an dëm rân,
sol Inannas lop nû hîute stân.
Ê dër morgen si nû jaget,
wirt dër huren noch ge-saget!
12
Dô vourt dër wec nâch osten-lant,
dâ man dën grôzen rûm dervant.
In Krakau, bî dëm Wawel-stein,
vant ir herze sich niht mêr alein.
Dâ sâhen si Chawwa, diu clâre meit,
diu in dër vrie hât ir ge-reit.
Ir ougen lûhten als ambra-stân,
si muosten zuo dëm pâr nû gân.
Si riten durch diu wilde heit,
dâ nimmer cristen-man dâ reit.
Daz gras sô hôch, dër wint sô lîht,
als man dën âtem gotes siht.
Dâ schlugen si ir gezelt nû ûf,
vërn von dër stete sünden-lûf.
Ein heilger zirkel wart daz viuer,
dër minne kraft was in nû tiuer.
Dâ kâmen vrouwen wunder-vremt,
diu niht nâch cristen-orden hëmt.
Zigeinerinnen, golt am ôr,
si souchten nâch dër zukunft tôr.
Sogar diu bürinn, bî dëm rîn,
warf dën rôsenkranz dâ in dën schîn,
und tanzte umbe diu gluot sô hër,
als flözze si in ein wilder mër.
Dô nâhtes dâ daz volc verswant,
und wolfes-hüelen klanc durchs lant,
dâ traten si in daz gezelt nû in,
mit lîbe, herze und mit sin.
Tannhiuser, Corinna und Chawwa clâr,
ein dreivelticheit, sô wunder-vâr.
Dâ was kein nît, dâ was kein schame,
wan minne was dër lëzte nâme.
In dëm gezelte, vinstre und eng,
wart sêle und lîp ein süezer srenc.
Dër ritter spürte in dër naht,
dër zweier vrouwen ur-gewaht.
Corinna, clâr als welte-sîn,
und Chawwa, wilder steppe-schîn.
Si schmolzen zuo eim wesun dâ,
dër gotheit bilde sêre nâ.
Dër mâne lûhte silber-wîz,
ob irer minne hôhem flîz.
Inanna was ouch dâ dër gast,
diu in dën drîen nû ge-vazt.
Si schlâfen lîse, hant in hant,
vërn von dër werlt und irem bant.
Daz gezelt im winde lîse weht,
ein vrie stat vür dën sîden-kneht.
13
Dër steppe rousch und sîten-spîl,
daz was dën sêlen nû ze vil.
Ein vrôst dën ritter sêre greif,
dô er durch vinstre nabel streif.
In dën Harz vourt in sîn bluot,
dâ maniger alten wurzel huot.
Dâ in dër kâten, tief im tanc,
sîn an-vrouwe mit dëm tôde ranc.
Diu wîse vrowe hëte in glêret,
wie man dën alten ur-sin êret.
Er stiez diu tür ûf, swære und alt,
dâ was dër tôd sô manig-valt.
Beifuoß und parchemëntes smac,
dâ diu vrowe an dëm ënt dâ lac.
Si was als ein dörre blât,
daz nimmer nâch dëm lëben bât.
Doch dô si ûf diu ougen tanc,
dâ lûhte ouch Inannas srenc.
Dër funke, dën si im ê gesanc,
wart nû sîn lëzter gnâden-dank.
Er kniete an daz lëger-strô,
sîn herze wart im swær und un-vrow.
Si sprach niht von dër cristen-buez,
oder von dëm hime-reiches gruez.
Ir stimme was ein lîse rân,
daz er dën fluz dës bluotes sân
erkante als einen êwic strôm,
vërn von ietclîchem cristen-dôm.
Daz lëzte erbe, daz si im dâ gap,
was dër rück-chêr in dës mûter-grab.
Diu hütte wart nû wît und hër,
als vlozze si in ein geister-mër.
Dër schaten von vlügeln dranc hër-in,
und tûsent stimmen hëten sin.
Er hielt si vëst, bis daz si sweic,
und sich dër geist dëm lëben neic.
Dô kante er, daz sîn ganziu vart,
von Venus' strant nâch Pyrenæen-art,
nur dër lëuf was dës lëbens nû,
dës si im hëte gesungen zuo.
Er weinte niht dën tôd dër meit,
wan êrte daz lëben dâ in herze-leit.
Daz wizzen solte nimmer vliehen,
und nâch Corinnan in nû ziehen.
Dâ vor dër tür, im nabel-clê,
stount sîn geselle in minne-wê,
bereit, daz er ûz tôdes-nacht
nû fure widere in dër lëbens-maht.
14
Dô daz fiuer in dër kâten sweic,
und sich dër tac dëm lëben neic,
dô sank dër ritter in dën slâf,
dër tiefre als ietclîch gräber-grâf.
Er vant sich in dëm Parîs-lant,
daz er von swarzer sîden vant.
Dâ rouch ez nâch bîcht-pulver-stoup,
als in dëm herbeiste vûlez loup,
und dâ erschien im, lîht und swære,
diu frouwe rætsel-baere.
Marion dë la Pénitance,
si vierte dën sêlen-reigen-tanz.
Si saz vor einem spiegel-glanz,
doch dâ was nîmants bilde ganz.
Ir clêt sô swarz als steppe-naht,
doch irer brüste clâre maht lûht sô wîz
als Magdalênas lieht,
daz man in dër vinster siht.
Si was diu büezerin, diu nie
vür sünden an dën boden knie.
„Tannhiuser,“ sprach si sô gelîse,
„dû vourt dîne vart sô wîse.
Dû küst dën huren-munt sô rôt,
und vlouht vor ietclîcher nôt.
Doch kënnet dû dën süezen pîn,
dâ man muoz dër eignê sîn?“
Ir zëher sîlbern nithervlozzen,
als hëte si dën himel dâ genôzen.
Si was Inannas swester tief,
diu nâch dën müeden sêlen rief.
Si bôt im dën këlch, dër dâ dâ brannt,
dâ er diu lëzte riuwe vant.
Doch riuwe wart ze wunne dâ,
ir sigen-kraft was sêre nâ.
Si leit ir hant ûf sînen lîp,
daz wunder-baere swarze wîp.
Dâ kante er in dër slâfes-nôt:
Daz lëben und dër lîse tôt,
si sînt ein bilde in dirre werlt,
swâ lîp dëm lîbe nû bescheret.
Er wachte ûf bî sîner meit,
mitsamt dër naht in herze-leit.
Doch Marions kusse ûf dër stirn,
dër vlouz als sigen durch sîn hirn.
Er wiste nû: Diu vriheit lît,
swâ man dën schaten nimmer mît.
Daz vinstre ist ouch heilige dâ,
Inanna und Marion sînt sich nâ.
15
Dâ in dër kâten, eng und alt,
wart lëzter âtem sêre kalt.
Dër ritter hielt dër vrouwen hant,
dâ er dën lëzten sin dervant.
Dô sich dër geist dëm lëben schiet,
verschwant sîn trôst und ouch sîn liet.
Diu wilde gir nâch sîden-stunt,
diu wart in sînem herzen wunt.
Niht vor dëm gote ûz steine-want,
wan vor dëm Tode er dâ dervant
daz nackte Sîn, daz nîmen bît,
und allez lëben nîmants gît.
Tannhiuser sank an dën boden dâ,
dër lëzten wârheit sêre nâ.
Daz hôhe wort vom Welte-Stein,
daz dühte in nû sô clêne und plein.
Inanna und dër Inka-pracht,
si wâren nû als slâfes-naht,
ein bunter slier, dën er dâ truoc,
ê im dër tôt dën schaten sluoc.
Er weinte, lûter als ein kint,
dâ sîne trähene bichte sînt:
Bichte dër eignen swacheit lîp,
vërn von ietclîchem ritter-wîp.
In dirre nôt vant er dën segen,
dëm solte nû sîn herze pflegen:
Daz gotheit niht in rousche lît,
noch in dër sterne rîchem strît,
wan in dëm staube, dâ wir sîn,
und in dëm swarzen mænen-schîn.
Diu pfliht dëm lëben und dëm ënt,
daz ist daz lëzte parchemënt.
Sîn testament von Parîs-lant,
daz dühte in nû dër tôren tant.
Corinna trat sô lîse hër,
si sah sîn herze, sêre lër.
Si sah: dër hëlt dër sîden-naht,
dër hëte nû sîn houbt genîgt.
Niht mêr Inannas priester hôch,
wan dër dër nâch dër erden zôch.
Sîn bekêrunge was kein leit,
wan demüetige lûter-clârheit.
Dër schate wart sîn bruoder nû,
dem grôzen lëben spracher zuo.
Daz hure-viuer, daz in ê entzunt,
daz vlouz nû tief in sînem grunt.
Dâ miter-bluot in erden sank,
dâ vant er sînen gnâden-dank.
Diu buez, diu im nû heil dâ gît,
ist dër vride ûz aller zît.
AVENTIURE II
1
Tannhäuser stuont bî des berges fuoz,
der wint im brâhte swæren gruoz:
von wîrouch und von nasser erden,
als solt sîn herze unruowec werden.
Zwêne spiegel sach der degen rîche,
dar inne er blicte unglîche:
ein wec zur klôsen nider gie,
der ander in den berc in hie.
Dort saz Marîa in strenger huote,
diu nû buozte mit ir muote.
Si was im als ein âbentrot,
daz nâch dem sturme helle lof.
Ir minne was ein swîgen her,
si jach im niht der sünden mer.
In ir ougen sach er lûter heil,
als küeler brunne, sunder feil.
Bî ir was er vor angest vrî,
doch rou in dicke dâ bî,
daz sîn gerunge nâch dem viuwer
im machten sîne stunde tiuwer.
Dann was dâ Venus, diu mære,
Corinna, diu vil klære.
Ir rîche schein von golde rôt,
dâ er vergaz der werlde nôt.
Si was der merstein in der fluot,
si entzante im sîn junges bluot.
„Dîn buoze ist ein fessel swær,“
sô sprach si, diu vil lobes bær.
Si gab im lüste unde wunne,
lieht als diu liehte sunne,
doch waere ir glanz sô scharpf bekant,
daz allez dâ von schiere verbrant.
Des rîters herze was geteilt,
ez wart von keiner hande geheilt.
Marîa bôt im êwic leben,
doch muost er lîp und lüst ergeben.
Corinna bôt im nû die stunt,
doch gap er sêle in ir munt.
Er sach der kirchen glocken turn,
er hôrte in dem berge den sturm.
Wazzer wider viuwer streit,
lieht gie gegen der vinstreit.
Dô begreif der degen mære,
daz er ein wanderære wære.
In sünden suocht er lûterkeit,
in buoze sîn herze nâch minne schreit.
Sîn wec en hât kein ende niht,
unz man ein wunder dâ geschiht:
Daz der dürre stap wirt grüene bekant,
oder diu sunne vellet ûf daz lant.
2
Nû nâhte im ein schriclich bilt,
niht ûz dem nebel, wilder dan ein wilt.
Corinna, die er minnete ê,
diu brâhte im nû des herzen wê.
Der schimpf verschwant, diu schande schein,
er sach sie nû im tröume alein:
Als diu vürstîn von Babylôn,
diu dâ rît mit grimmigem dôn.
Si sazz ûf einem tiere rôt,
daz tûsentfachen grimme bôt;
sibne kebeze unde herner zên,
man sah sie bî ir schande stên.
Uz sînen nasen dranc der rouch,
nâch swefel unde nâch tôde ouch.
Ir kleit was purper, scharlach rôt,
daz guldîn licht den grimme bot.
Edelstein und berlen klâr
verbârgen daz, daz dâ was wâr:
Daz si der tiefe abgrunt ist,
voll tücke unde bœser list.
In ir hant si einen kelch dâ truoc,
dâ von man grusel dicke sluoc;
vol unflat unde bitterkeit,
daz was ir hureclîchez kleit.
Tannhäuser roch den gallen smac,
dâ er vor zîten inne lac.
Diu süeze, die er dâ genoz,
nû als ein gift in d’sêle floz.
Ir ougen, diu als sterne schînen,
machten nû daz herze rînen.
Si gluoten als ein viuwers rîch,
vol sünden unde unglöubiclîch.
Ir lachen was kein süezer schal,
ez klanc wie donners widerhal.
Si hohnte sîner rîterschaft,
si brach im alle sîne kraft.
Er sach die künege nider gân,
vor ir in den staub sich lân.
Diu werlt was gar in ir betroc,
gefangen in ir purperroc.
Da hôrte er der verdampten klage,
die dâ schrîen nâcht und tage.
Er sach, daz er ein tump man was,
der ûf dem snîe der sünden gas.
Was er als minne hât erkant,
daz was ein stric, ein vienthant.
Marîen wort, diu lûterkeit,
diu lûhten dâ in sîn herzeleid.
Daz lieht des berges wart nû vinst,
ez was der helle bœser dinst.
Diu rîche zunft, daz guldîn schîn,
muost im nû eine vesse sîn.
Der rîter stuont in grôzer nôt,
wan nû was allez purperrôt.
3
Dô nû der helle rouch verschwant,
und daz lachen nam ein ende ze hant,
Tannhäuser her nider sank,
nâch lûterkeit sîn herze ranc.
Dô sach er dâ im talschrunt
ein lieht, daz machet in gesunt:
Marîon, diu süeze maget,
von der man nû kein jâmer saget.
Si stuont ûf grüener heide dâ,
ir blic was lûter, niht sô nâ,
benetzet von dem silbertau,
gekleidet in daz himelblau.
Kein geisel und kein kriuze swær
si nû in ir hant gebær.
Si truoc eine rôse, wîz als snî,
von aller werlde sünden vrî.
Daz was diu reine, hôhe minne,
diu dâ rîchet in dem sinne.
Si fesselt niht, si machet vrî,
kein tiez, kein tîer was dâ dâ bî;
diu crêatûre sweic in zuht,
vor irer reinen tugent fluht.
Tannhäuser kniete nider dâ,
wan nû was im daz heil sô nâ.
Der gestanc von dem swebel gie,
der bâbel-wîn in niht me hie.
Nû roch er liljen, minze ouch,
ez verswant der helle rouch.
Corinna wolt in gar erdrücken,
Marîa wolt sîn sêle entzücken.
Ir ougen wâren stille sên,
dâ inne was diu êwicheit ze sên.
Si jach im keinen schimpf noch hohn,
si sach sîn herze, sînen lôn;
si wesse wol, wie kranc und swach
des menschen herze dicke brach.
Si sprach niht lût, doch hôrt er wol,
als harpfenklanc, der süeze sol:
„Kum heim, dû waller, nâch der nôt,
daz viuwer dir den schaden bôt.
Daz lieht, daz ich dir hîer nû gip,
suocht niht den lust und niht den lîp.
Wâre minne suocht diu sêle blôz,
dâ wirt diu gnâde micheloz.“
Dô wart er vrî von rîterschaft,
von sünden schult und sîner kraft.
Er was ein kint, daz heim nû vant,
in der reinen minne lant.
4
Daz silber wandelte sîn schîn,
ez muost ein guldîn wunder sîn.
Tannhäuser in dem staube lac,
dô in des lichtes kraft nû dwac.
Der walt, diu erde und allez dâ,
was nû dem himele alsô nâ.
Marîon was nû entrücket gar,
si erschein im lûter unde klâr:
Als Himmelsfürstîn, hôchgeborn,
diu dâ hât allen haz verlorn.
Si stuont niht ûf der erden naz,
dâ manic man in sünden saz.
Der mâne was ir füeze trone,
si truoc der sterne lûter krône:
Zwelf sterne dâ sô helle lûhten,
daz si des ritters sêle fûchten.
Ir mantel was von himel-wât,
dâ diu sunne drinne bî gestât.
Anders dan diu hure rôt,
diu dâ den grimmen tôde bôt,
regiert diu maget mit ir güete,
si senftet allez sîn gemüete.
Nû sach er, daz diu werlt gestât
in ordnung, diu kein ende hât.
Corinna und ir rîche rôt
was nû ein vünke, der dâ tôt.
Wer gerte nû des kelches noch,
der dâ truoc der sünden joch,
sît er den ozean dâ sach,
der im diu sêle nû gebrach?
Diu Himmelsfürstîn breitete
ir mantel, den si weitete:
Ein schirm vür alle crêatûre,
vor angest und vor helle-fûre.
„Sich ûf,“ sô sanc daz helle lieht,
„dîn strît ist nû ein lûter nieht.
Hie ist kein gîren, daz dâ brennt,
hie ist diu minne ungetrennt.“
Dô wart der rîter gar erkant,
er sach daz wâre vaterlant.
Sîn singen was ein stammeln bloz,
gegenre ir swîgen, daz sô grôz.
Der Hörselberc was nû versunken,
der vinstre tîer was gar ertrunken.
Marîa wîste im nû den wec,
über allen irdschen dorn und drec.
5
Nû schied er von den hügeln,
die linden unde weich,
er suochte ein herter lant,
daz deheinem andern glîch.
In den Teutoburger walt
sîn wec in nider truoc,
dâ man nâch îsen unde bluot
die alten rûnen sluoc.
Kein wîrouch was dâ inne,
kein süezer minne-smac,
dâ alter zorn und hertez muot
in wilden wurzeln lac.
Dâ vant er diu dritte,
diu sîn schicksal solden sîn:
Thusnelda, diu vil keusche,
in kühlem glanze schîn.
Si stuont dâ als von marmel
und ouch von herten stâl,
ir hâr was flahse-blunt,
als ein sunnenstrâl.
Ir ougen klâr als nordenlieht,
ir blic was herte und reht,
si was niht nâch Marien art,
noch Corinnas geslecht.
Si was des bodens reine kraft,
diu triuwe und ouch der stolz,
geborn ûz dicker eichen
und ûz herte-pfuol-holz.
Si bôt im keine lüste
und ouch kein mitleid dâ,
si bôt im herten rîterdienst,
dem teuton-lande nâ.
Dô klang daz îsen scharpfe
durch den finstern walt,
ein rîter ûf dem felse schein,
sîn antlütze was alt
als der stein selbe,
den man dâ dicke vant:
Hermann, der Cherusker,
der schirmer von dem lant.
Sîn panzer lûhte düster
durch daz loube rîch,
sîn swert in sîner hant
daz wackelte ungelîch.
Sîn blick gie nâch dem westen,
dâ her von Franken-lant
ein fremder geist wol nâhte,
sô was im wol bekant.
Niht die feine höfeschheit,
die Tannhäuser dâ sanc,
mer ein fremde lere,
diu nâch gewalte klanc.
Hermann hup daz blanke swert
gegen den himel dâ:
„Dîn herze wirt niht bloz gewogen,“
sprach er lûte nâ,
„durch lüste oder durch buoze,
diu dâ sîne sêle quelt,
mer durch den muot,
der sîn eigen lant geg’n alle werlt dâ hält!“
Tannhäuser hôrte daz singen
in sînem bluote nû,
Thusnelda trat mit rehtem tritt
sînem herzen zuo.
Si leite ir hant ûf sînen knauf,
sô kühle und sô starch,
daz allez, waz er ê wol sang,
in sînem muot verscharch.
Dort in dem tiefen walde
wart sîn sêle nû gestalt,
zwischen stâle und keuscheit,
dâ wart sîn herze alt
und jung dâ bî in einem:
ein strît vür daz guot,
vür die heimat unde vür
daz herte teuton-bluot.
Hermann gegen westen
sîn zeichen helle gab,
Tannhäuser nahn den herten schilt
und warf den büsserstap.
Er was kein heilger lenger,
kein sündære dâ bî,
er was ein rîter vür sîn lant,
von fremder minne vrî.
6
Inmitten dicker eichen stam,
dô elliu nôt ein ende nam.
Thusnelda vor den rîter trat,
nâch der er dicke hâte gebat.
Verblichen was Corinnas schîn,
Marîen glanz muost niht mê sîn;
wan hie was wârheit unde grunt,
diu in nû machete gesunt.
Si leite ir hende an sîn gehirn,
und kuste in lîse ûf sîne stirn.
Daz was kein chus, der sinne roupt,
ez was ein lieht, daz im erloupt
ze sehene, waz sîn êre sî:
von sund und buoze nû gar vrî.
Als küeler brunne ûf heißem hant,
alsô sîn herze nû genant.
Ir blic was helle unde stæte,
als ob si êwic rîche hæte.
Diu zerrissenheit sîn herzen brach,
dô si nû güetlîch zuo im sprach:
„Zîch ûz, dû senger, in den strît,
an Hermanns sîte ist nû dîn zît!
Beschirme, waz uns eigen ist,
vor frömder nôt und argem list.
Diz ist kein urloup dâ bekant,
ich warte dîn in disem lant.
Sô sich der sturm der slacht nû legt,
und sich kein îsen mê dâ regt,
sô findist dû mich bî dem bâm:
wir schouwen danne unfernen toun.“
Daz wort im in der sêle bran,
er was nû ein vil stolzer man.
Kein Venusberg, kein helle-vîur
was im sô wert und ouch sô tîur
als dâ daz heil nâch langer nôt:
diu heimat und daz dagesrôt.
Er sach sie in den schatten gân,
Hermann liez daz horn nû schalln.
Dô greif er nâch dem swerte sîn,
er sah nû herten îsen-schîn.
Er reit niht in den tôt dâ hin,
er hât nû dâ den rîten sin.
Gegen den westen, dâ daz her
der Franken klanc mit starker wer.
Er wesse wol in sînem muot:
Diz opfer ist für allez guot.
Thusnelda wartet an dem zil,
swaz ouch daz schicksal bringen wil.
Der senger wart zum degen her,
er wandte sich nû zuo dem sper.
7
Dô nû der schalle von dem strît
verhal in der vergangen zît,
Tannhäuser warf daz swert dâ hin,
er suochte einen niuwen sin.
Kein rîterlîche rîterschaft,
kein sanch nû hâte sölche kraft
als dâ diu stille in dem wald,
dâ er nû saz, vil mære und alt.
In grobem loden was er nû,
dem heiligen buoche gewante er zuo.
In sîner klôsen, lützel lieht,
dâ er der werlde lust niht sieht,
dâ vant er schrifte, wunderlîch,
von alter her, an wîsheit rîch.
Die hebrêischen zeichen swarz,
als kien-vîur und tannen-harz,
si lûhten im ûf wîzem hant:
Daz was im ein niuwez vaterlant.
Bereschit – als diu werlt began,
dâ blicte er nû als ein schuolman.
Er ranc mit worten, herte und tîf,
die im diu sêle nû durchlîf.
Des herren gesetz, diu hât er nû
erkant in strenger kirchen-ruo.
Niht mê Corinnas lüste-spil,
niht mê Marîen jâmer-vil;
er sach in der Torah den rinc,
der dâ besliuzet elliu dinc.
Thusnelda, diu vil stæte maget,
was im nû, waz diu Schrifte saget:
Diu Schechina, diu dâ nâhe bî,
daz der mensche vor Gote heilich sî.
Die jâr vergiezen als ein flouz,
dâ er die êwicheit genouz.
Der wint, der durch die eichen klanc,
was im nû der prophêten sanc.
Er suochte niht mê dâ dâ ûzen,
er wolt nû in der wîsheit mûzen.
Er lernte nû daz Alphabet,
daz vor der werlde gründe stêt.
Thusneldas kuss, sô reine und milt,
was im nû ein geistlich schilt.
Sô vant er fride, dâ er saz,
den im kein bâbest ie vermaz.
Kein Venusberc im dâ bôt heil,
er hât nû an dem buoche teil.
Er wartete dâ uf diu stunt,
daz er Thusnelda macht bekant,
niht als ein rîter, tump und blint,
mer als der êwicheit ein kint.
Dô leinte er sîn gehirne nider,
und vant die sêle endelîche wider.
8
Daz netze, daz er künstelîch gewebet hât,
zerreiz nû gar, sô daz kein sin bestât.
Diu Torah, diu im ê ein anker was,
wart im ein irrsal, dâ er inne gas.
Die buochstaben, swarz ûf permint,
si wurden nâhtes lebendec und blint:
Als kleine scorpione krouchen si dâ her,
si flusterten im dinge, tîf als daz mer.
Worte, die kein mensche hât vernomen,
machten sînen geist nû gar verzomen.
Diu klôse wart ein spiegel-hûs der nôt,
dâ im sîn eigener wân-sin den grimme bôt.
Dô der hunger an sînem lîbe nahte,
kein bilt mê reine sîne sêle mahte.
Er sach Thusneldan in dem mânden-schîn,
doch wart si schiere zuo Corinnas schîn:
Als scharlach-stoup zerfiel si under sîn hant,
dô Marîen sanc nû wie daz Tier dâ jant.
Der sanch des berges und diu heilge schrifte
mischten sich nû zuo einer grimmen gifte.
Er schmierte an die wende sîner gruft
der kabbala zeichen in die vinster luft.
Rûnen und die noten sîner alten lieder,
si rungen in dem geiste ûf und nider.
Er lachte lûte, wan er sach mit schric:
Marîen „A“ und Corinnas horn-blic,
si wâren glîch in sînem tumben geist,
der nû von tûsent scherben wirt gepeist.
Thusneldas kuss, der ê sô kühle was,
wart flüzzeclîchez blî, dâ er nû as.
Man sach in durch daz undre holz nû rennen,
nieman kund den armen man mê kennen.
Sîn kleit in fetzen, sîn blick ein vîur-brant,
er rief nâch Hermann durch daz ganze lant.
Doch meinte er den engel Michahêl dâ bî,
als ob diu werlt ein jâmer-tal nû sî.
Er gruop mit blozen händen in der erden
nâch rîsen-beinen, die nû asche werden.
Der krich gegen die Franken was verlorn,
noch ê er hâte sînen helme erkorn.
Künic, hurer, heilger, ein einsidel ouch:
Sîn herze wart ein swarzer helle-rouch.
Diu qual, diu sînen lîp nû gar zersluoc,
si gab im einen wân-sin, der genuoc
im lachete in grûsamer ekstasê:
Dâ was kein underscheit mê, niemer mê.
Thusnelda, Venus und Marîen bilt,
si wurden zuo einer gotheit, ungezilt,
diu âne antlütz in den abgrunt blicte
und in mit swîgen in den tôt nû schickte.
9
Dô nû diu naht sîn herze umschluoc,
kein heilic buoch mê trôst im truoc.
Diu hölle-vürstîn, Venus-mære,
si was im dicke vil ze swære.
Sîn klôse wart von flaische rôt,
daz im den grimmen schimpe bôt;
der rouch von myrrhen und von rôsen
macht in in sînem wâne lôsen.
Diu Torah lac dâ herte und blint,
verdrungen von dem Sünden-wint.
Er sach Corinnan, grimmic und hêr,
ûf dem Tiere rîten durch daz buoch-mer.
Die heilgen zeichen, diu dâ stunten,
verbranden under sînen hufen-wunden.
„Dû waller,“ sprach si lachent nû,
„dînem sîchen herzen horch nû zuo!
Swaz dû dâ liesest, swaz dâ stât,
daz ist mîn minne, diu niht vergât.
Ein schrî nâch mîner umbe-vanc
ist dîn studieren, sünden-lanch.“
Thusnelda, diu ê reine was,
in sînem tröume bleich als gras.
Ir blâwez kleit wart purper-rôt,
als dâ daz Tier der welte bot.
Ir kuss, der ê sô kühle schein,
bran im nû durch daz hirne-bein.
Daz siegel sîner rîterschaft
wart nû ein fluoc von grôzer kraft.
Daz heilige wart zuo spot und hohn,
als hête er sîner sêle lôn verlorn
in Venus’ lüste-hant,
diu allez heilige verbant.
Hermann, der degen herte und guot,
versante nû sîn rîter-muot.
Sîn blankez swert, sîn scharpfe wer,
er bôt ez nû der Venus hêr.
Kein Franken-lant wart mê bestriten,
wan er was in daz garn geriten.
Swenn Tannhäuser ein gebet wollt sprechen,
muost er mit minne-lieden brechen;
als swarze galle floz der sanc
ûz sînem munde, bitter-lanch.
Er erwachte dicke mit grôzem schrî,
doch was diu Venus im sô bî.
Er greif die erden mit der hant,
doch was im allez unkekant.
Der walt, der Teutoburger sô,
maht in niht mêre stæte vrô;
er dâhte in sînem wâne dâ:
„Der Venus-berc ist mir sô nâ,
der walt ist selbe ein rîche sîn,
ein grüener strick für d’sêle mîn.“
Diu Torah wart nû zuo der slangen,
diu in nû hête gar umbe-fangen.
Am tage buezer, nâhtes kneht,
sô was im nû daz leben reht.
Sîn geist was nû daz schlacht-velt her,
dâ Venus nû mit starker wer
den sîge über sîne sêle vant:
Diu buoze selbe was ir hant.
Er was zermahlen nû ze stoup,
als in dem herbest d’eichen-loub.
10
Nû rafte er sîne krefte gar,
er wolte zuo der Kirchen schar.
Die Torah-rollen liez er ligen,
wan sîn geist was gar verstigen;
er nam den stap in sîne hant,
und rante durch daz norden-lant.
Über die Alpe, snî und îs,
gie sîn wallen, swær und wîs.
Sîn lîp wart kranc, sîn fuoz wart blût,
doch brante in sînem herzen-mût
diu gîrige nôt nâch rehter buoze,
nâch sîner sünden herter bueze.
Ze Rôme vor dem grôzen tor,
dâ trat er als ein schate vor.
Diu êwige stat in hellem glanz
er blickte durch den wân-sin ganz.
Durch pilger-schar und marktes-dôn
suocht er des heilgen vaters trôn.
Sîn bärt was wild, sîn ougen brante,
als ob er alle helle kante.
Vor sant Pêters swæren sîlen
muost er nû in angest wîlen;
er sanc nider ûf den herten stein,
ein sêre gebrochen hirne-bein.
Dort saz der bâbest hôchgeborn,
ze richte hâte er in erkorn.
In purper-wât und golde rôt,
daz im den schrick Corinnas bôt;
doch was dâ keine lüste-wunne,
mer keller-kuelte vor der sunne.
Tannhäuser bîhtete al sîn nôt:
den Venusberc, daz dagesrôt,
Marîen klôse, Thusneldas kuss,
und der Torah tîfen flusz.
Er bat umb gnâde und umb daz heil,
daz im diu sêle nû wære feil.
Der bâbest sach in grimmic an,
er sach den gar verlornen man.
Er sach der Venus bœse mâl,
und sprach ein urteil, herte als stâl.
Er stiez den stap ûf marmel-stein,
daz ez durch mûre und herze schein:
„Sô lützel als dirre dürre stap,
den ich hie trage nâch rîtes-ab,
wirt grüene bleter nimmermê,
sô lützel weichet dir dîn wê.
Dîn sêle ist nû der naht ergeben,
dû hâst verlorn daz êwic leben!“
Dô wart ez stille in dem sal,
Tannhäuser hôrt der helle schal.
Daz urteil was nû herte geseit,
im bleib nû niht dan herze-leid.
Thusneldas sterne dâ verschwant,
Corinna lacht in sînem hant.
Er richte sich ûf und gie dâ hin,
verloren was im herze und sin.
Die glocken klangen tîf und swær,
als ob diu werlt gar tætic wær.
Er verliez diu mûre und diu stat,
dâ nieman mê für sîne sêle bat.
11
Des bâbestes wort, sô swær als blî,
ez liez den pilger niht mê vrî.
Er saz ûf sînem thrône hêr,
sîn herze was vor schrecken lær.
Er blicte im in diu ougen rôt,
dâ inne bran des tievels lôt.
„Dû suochst ein heil,“ sô sprach er dâ,
„daz ist keinem menschen nâ.
Der strît, den dû dâ inne hâst,
ist einer helle grôzer last.“
„Diu vrowe, die dû nennest hie,
vor der dîn herze sanc ûf knie,
si heizet tîf in helle-nôt Astaroth,
diu den grimme bôt.
Si ist kein geist von kleiner sünd,
si ist der vinstre vürst, geschwind,
der rîchet tîfer in die erden,
dan dises munsters mûren werden.
Si ist ein kraft, sô alt und grôz,
vor der ouch mîn gewalt ist blôz.“
Daz rûnen durch die reien gie,
der bâbest neic sich nîder hie:
„Daz Unmügelîche dû geres nû,
mîn schlüssel schliezet himel-ruo;
doch dringt mîn wort niht in den schrunt,
dâ Astaroth dir hât gemunt.
Dîn sêle hât ein altez mâl,
alter dan daz kriuz-gemâl.
Diz siegel, daz dîn herze tregt,
wirt durch kein bâbest-wort verlegt.“
Tannhäuser stuont als ein gestun,
verlorn was im des lebens wun.
Thusnelda in dem norden-lant
was nû ein blâchez bilt bekant:
Ein trroum von lûterlicher art,
der nû in vinstre begraben wart.
Diu kirche selbe sweic vor angst,
nâch der er hâte sölch verlangst.
Daz golde an der mûre rîch
schein nû der slangen sô gelîch.
Er empfinc kein segen, er gie dâ hin,
verloren hât er herze und sin.
Er sach nâch Rôme kein gotes-lieht,
er sach daz râte glimmen nieht,
daz im nû ûz der helle rief,
dâ sîner sêle hunger slief.
Daz wârheite wart im nû bekant:
Er was nâch aller rettung hant.
Der stap in sîner hant wart swær,
als ob er îsen von Venus wær.
Gegen norden gie sîn vinstre reise,
zerstört was nû sîn geist, der weise.
Zurücke zuo den swarzen walden,
dâ die alten tievele walden.
Dâ Astaroth nû uf in harret,
der sîn sêle gar verstarret.
Si wollt in nû in purper-wât
begraben, dâ kein gnâde stât.
Sîn trit was herte, sîn blick was wild,
verlorn was im daz Gotes-bild.
12
Tannhäuser flôch von Rôme-stat,
dâ nieman mê für in nû bat.
Des bâbestes urteil was sô swær,
daz sîn geist was trôstes lær.
Er was ein fremder under Gote,
gefangen in der helle bote;
ein wunde in der werlde flaisch,
nâch der diu sêle nû nâch ende kraischt.
Er reit niht zuo dem Venus-berc,
verlorn was im der lüste werc.
Er suochte eine slunt, sô tîf und grauen,
dâ nieman kund sîn jâmer schauen.
In den Apennîn, an herten stein,
dâ er nû stuont, sô gar allein.
Der wint sîn buezer-kleit nû zôch,
dô er der werlde tücke vlôch.
Den dürren stap hielt er in hant,
der in nû an daz urteil bant.
In leste stunt, vor sînem fal,
erschînen im die geiste al.
Corinna – Astaroth genant –
nâch sîner sêle nû nâch hant:
Mit lachent munt, sô süeze und fûl,
si lockte in in den helle-pful.
Marîa als ein sterne schein,
doch kund si in niht machen rein;
si sach im nâch mit herze-leit,
wan im was gar diu triuwe entzweit.
Thusnelda was daz herte bilt,
daz im nû mahte daz herze wilt.
Er sach sie bî der eichen stên,
dâ sîn gelübede solt ergên.
„Vergip mir, maget,“ sprach er lîse,
„daz ich nû gâ nâch tumber wîse.
Geg'n einen tievel hât man strît,
doch geg'n daz Niht hât man kein zît.“
Tannhäuser nû sîn ougen schlouz,
dâ er des lebens bitterkeit nû genouz.
Er wollt niht singen, niht mê sîn,
er wollt nû vlien der sünden pîn.
Den pilger-stap liez er nû gân,
der tîf in den abgrunt muost hân.
Dô tet er sînen lesten schrit,
und nam sîn jâmer mit im mit.
Daz vallen was ein kleiner stunt
als vrîheit vor dem lesten schrunt;
kein bâbest und kein Venus-kraft
hât nû mê sîner sêle haft.
In sînem velle, herte und snel,
wart im diu sêle lûter-hel.
Der wân-sin weich der stillen nôt,
ê daz er vant den herter tôt.
Er sach niht Astaroths gesiht,
er sach ein lûter grüene lieht:
Den schîner von dem norden-walt,
dâ sîn versprechen was gestalt.
Sô sank er nider in den rîch,
und wart dem staube gar gelîch.
13
Dô Tannhäuser an der slunde stuont,
was im kein gotes-helfe chunt.
Marîa, die er sô erhup,
ir antlütz nû von im vertrup.
Si zôch den mantel, blâ und clâr,
umbe ir achseln, wunderbâr;
si wandte sich von sîner nôt,
wan si was lûter als daz rôt.
Ir swîgen was ein mûre ûz îs,
si jach im niht mê paradîs.
Er was getilget ûz ir hant,
als ein name, der nimmer wart bekant.
Doch in dem winde, der dâ klanc,
Astaroth sîn herze niht mê dwanc.
Der scharlach und der grimme schîn
muosten nû gar vergangen sîn.
Corinna trat ûz nebel-wât,
dâ kein verdamnung mêre stât.
Si erschein im niht nâch lüste-sanc,
mer güetlîch nâch der sêle dranc.
Ir antlütz strahlte friuntlîch dâ,
dem armen rîter was si nâ.
Si truoc kein golt, kein herten stâl,
si barc sîn herze-bitter-quâl.
Ir kleit was als daz âbentrot,
daz im nû sanfte hilfe bôt.
Si leite ir hant an sîn gesicht,
dâ von sîn wân-sin gar zerbricht.
Diu hant, si brante niht als vîur,
si was im milt unde tîur.
Si milte sînen norden-frost,
und gab im muoterlîchen trôst.
„Dû waller, arm und gar gejaget,“
sprach si, diu nû niht mêre claget,
„si hânt dich nû von in verstôzen,
ze richte vor den herren grôzen.
Doch ich nû nimmer dich verdamme,
ich nîge mich zuo dînem stamme.
Ich bin daz herze, daz nû hät
die sêle liep, diu nimmer mät.
Ich nîge mich nâch dîner nôt,
und trœste dich in herze-tôt.“
Dô verlôs der tôt sîn grôzen schric,
in lûter-miltlichem blick.
Si sah in niht als sündær an,
mer als ein müeden, kleinen man,
der nâch der langen heimfart gert,
und nû diu sanftmuot hât beschert.
Er trat in ir gelübede dâ,
nû was sîn ende im sô nâ.
Kein Torah und kein bâbest-bann
ruorte nû den müeden man;
kein strît mê gegen Franken-lant,
wan nû was im diu ruowe bekant.
Marîa bleib in vinstre vore,
Thusnelda bleib bî eichen-tore.
Doch Venus bôt im nû die hant,
die nieman an der güete vant.
Er reit niht in den sünden-pful,
dort ûf dem rîchen lüste-stual,
er gie in ein exîl sô lîs,
daz nieman in der werlde wîs
kund jemals tîf im herzen farn:
Dâ wollt si in vor jâmer garn.
AVENTIURE III
1
Dô diu werlt sich groem gewante kleite,
und herbestlîche nôt sich breite,
kêrte Tannhiuser dâhin wider,
dâ diu êwicheit sank nider.
Der bâbest gap im deheine buoze,
der dürre stap im brâhte ungruoze.
Vom herten steine er sich wandte,
dâ er der Fröuden hûs erkannte.
Doch hôrt: dâ was kein schallez lîp,
dâ vant er Corinnen, ein edel wîp.
Si was niht mêr diu wilde gote,
diu in hielt in ir gebote,
si schein in lîhtem, guldîn glaste,
als ob diu güete dâ gevaste.
Dâ was kein sturm, dâ was kein schrî,
ein süeze wîse was dâ bî.
Ir umbefanc in niht verzarte,
mit milte si sîn dâ gewarte.
In ir armen vant er ruowe,
und lîsen schiet von im diu rüewe.
Diu kemenâte sich verkerte,
als diu minne si dâ lērte:
Vom vackelschîn zum liehten tage,
ein garten stuont dâ vrî von klage.
Vom lîbes lust zum herzen sinne,
so wandelt sich ir beider minne.
Si sprâchen vil, si swîgten ouch,
diu gierde swant als ein rouch.
Caritas, diu reine güete,
erfröute dâ ir beider gemüete.
Si lebten dâ in grôzer werde,
als ob daz hîmîl sî ûf erde.
Der ritter nam sîn harpfen schiere,
und sanc niht mêr nâch wildem tiere,
er sanc von hûslîchem glücke,
und vant dar inne rîche stücke.
Corinne wachte sam ein muoter,
ir rât was liep, ir herze guoter.
Si was im vriundin, swester, wîp,
diu im dâ friste sêle und lîp.
Der Venusberc was nimmer sünde,
dâ man dâ vant diu wâren bünde.
Tannhiuser vant dâ grôze milte,
diu in vor allem schaden schilte.
Er erkante dâ in rehter kür:
Diu edle minne gêt der lust für.
2
In Venusberges stiller huote
erwuchs ein leben voller guote.
Dâ einst der schallez was sô lût,
dâ lebte nû diu edle brût.
Diu guldîn hûs, diu ê dâ klungen,
vander nû von kinden sungen.
Corinne, diu sô wunneclîch,
wart dreyer knaben muoter rîch.
Diu süezen kint, diu clâren drî,
si wâren ir muoter dâ vil bî.
Primus, Secundus, Tertius,
alsô nante man si nâch dem grus;
doch Tannhiuser in sînem muote
erkante dâ diu hôhe guote.
Er nante si, die clâren drî,
„Adeodati“ – gotes gâbe dâ bî.
„Von gote gegeben“, sô sprach er lîse,
wan er sich weste nimmer wîse,
wie im, dem man die rüewe gap,
dem dâ verdurte jener stap,
solch gnâde dâ bejegnet was,
dâ er in Venus schôze genas.
Diu gote was nû muoter worden,
und hielt den hûslîchen orden.
Si streich dem einen durch daz hâr,
dem andern half si, daz ist wâr,
und sang den dritten sanfte in slâf,
daz herze was ir nimmer dâf.
Ir minne was ein stiller fluz,
ân arge gier und phandes buoz.
Si diente in diemüeteclîcher art,
als hie diu sêle heile wart.
Der ritter lêrte si daz spil,
der harpfen klanc im dûhte vil.
Er lêrte si von triuwe sagen,
und wie man vriuntschaft solte tragen.
Der berc was nimmer sünden horte,
er was ein vride an allem orte.
Dâ satzen si bîm fiwer warm,
diu muoter hielt diu kint im arm.
Dâ sach er sîner sêle heil,
der minne wârez ebenteil.
Vom lîbes rousche angevangen,
ist er zur triuwe nû gelangen.
Ein leben dâ in tugent schein,
als solte es gotes segen sîn.
3
Mit ietlichem tage, der dâ schein,
wart Tannhiusers herze rîne und rein.
Er sach die knaben, diu wunder sîn,
in Venusberges liehtem schîn.
Niht wan als kint er si dâ hielt,
swie er mit vater-triuwen wielt:
Er nante si sîn „Amoretti“,
die clâren kint in lîp und bette.
Doch truogen si dehein bogen
dâ, si schuzzen niht als anderswâ.
Ir strâle wâren sanfter art,
dâ lîp und sêle heil durch wart.
In grüenen hinen, smaragdîn,
sach man die kleinen gotes-schîn;
ir hût lûhte sam der helle tac,
dâ deheine nôt nie inne lac.
Sam antîke putti, wol getân,
sach man si durch die bluomen gân.
Doch wâren si niht lîht gemuot,
ir wesen was der stæte guot.
Tannhiuser in dâ nider knote,
vor sîner kint und muoter bote;
niht daz er si dâ lêrte vil,
er lernte von ir unschult spil.
Er floht in krenz ûf ir geberde,
von bluomen, die dâ nie nâch werde
verwelkten in dem süezen tal.
Daz was im sîn gotes-schal.
Ein kus, den ein Adeodatus gap
Corinnen ûf die wangen ab,
was im ein heiliges zeichen dâ,
daz caritas sî nâch und nâ.
Diu hoehste maht, diu ie dâ was,
diu schenkende minne, der er genas.
Der ritter stolz, der singer hêr,
der suochte nû dehein ander êr.
Er wart ein diener sînem hûs,
und zogte grôze fröude drûs.
In sîner chinder warmem âtem
schein im gotes antlütze klâr und rîn.
Corinne sîn dâ sanfte pflac,
ir hant ûf sîner ahsel lac.
Dâ sâhen si mit grôzem schalle,
die kleinen götter, in dem valle.
Der Venusberc was heil gewort,
ein fride-hûs an ietlichem ort.
4
n verrem Rôme des bâbestes ruote
begunde blüen, die guote.
In einer stunde, diu nie zergât,
dâ bernstein-lieht die süle umbegât,
nam Tannhiuser sîn harpfen wider,
und sazte sich bîm grase nider.
Sîn grif was niht mêr krampfhaft hart,
als er dâ dorfte sînen bart;
er suochte niht der werlde gunst,
alleine der triuwen hôhe kunst.
Diu kleinen kint, diu triuten drî,
si spilten mit glase im nâhen bî.
Dâ hup er an ein süeze liet,
daz sînen alten sanc schiet:
Er sanc von Amorn, dem knaben zart,
doch niht nâch alter, bittrer art;
niht von dem schütze, der dâ wundet,
und herzen blüeteclîch entzundet.
Er sanc von Amorn, der nû hielt diu phîle,
dâ er mit gewielt, ins fiwer
der hûslîchen maht,
daz drûs ein rinc der triuwe erwacht.
„Du kleiner got mit vedern lîht,“
sô sanc er dâ mit süezer phliht,
„wie wunderlîch ist dîn gebære!
Du bist nû nimmer ungebære.
In mîner süezen sune ougen
sihe ich dîn antlütze ane lougen.
Du bist kein gast, der balde fliht,
du bist der tage bestest lieht.“
Er sanc von sîner sune lache,
daz ez den himel-klanc erwache,
und daz ir hende, kleine und clâr,
erloesten in von nôt gar.
Corinne ûz dem schaten trat,
si hôrte, waz sîn herze bat.
Er rüerte die seiten nâch der kür,
als ob daz leben selbe dâ vür
in süezen tönen dâ entspranc,
und lûter durch den morgen sanc.
Amor, sô sanc er, sî nû staete,
als ob er deheine flügel haete.
Ein ietlich brôt, daz man dâ brach,
ein ietlich wort, daz man dâ sprach,
wart sîner dichtung heiliger ort,
ein opfer an dem gnâden-phort.
Dô der letzte dôn verklanc,
ein Adeodatus zuo im spranc;
er barg sîn houbet in den schôz,
dâ Tannhiusers fröude wart vil grôz.
Die harpfe er dâ von halse nam,
wan in ein groezer heil dâ kam:
Ein strîchen durch der kinde hâr
was mêre wert und wârer gar,
dan alle lieder, die er sanc,
dâ er nâch werlde-ruome ranc.
5
Ein schate durch die fröude gleit,
dô sich dâ neigte herzeleid.
Corinne, diu sô wunneclîch,
an tugenden und an êren rîch,
si wart an ir geberde kranc,
daz si nâch helfe dâ nû ranc.
Ir brüste, die dâ wâren ê
der lüste hort, die tâten wê.
Dâ si die Adeodati sôz,
dâ wart ir lîbes sorge grôz.
Diu schone, die man einst dâ prîste,
nû swære nôt ir herze spîste.
Tannhiuser sach ir siechtuom dâ,
und was ir mit der triuwe nâ.
Er, der dâ knote nâch der lust,
knote nû vor ir kranker brust.
Mit krûtern von dem grôzen berc
tet er dâ sîn caritâtes-werc.
Er kûlte ir die brennende hût,
und triute sîn vil edle brût.
Diu brüste, die der ritter sanc,
dô er nâch krîge und liebe ranc,
wâren nû ein heiliger ort,
ân lieder und ân manges wort.
Corinne truog die bittre nôt
mit sanftmuot, die ir tugent bôt.
Si sâh ir lîp niht mêr nâch rîche,
wan als ein vaz, daz mildeclîche
sich gab für irre chinder lîp;
si was ein heilich, edel wîp.
Dâ wuchs ein fruntschaft, dâ si sâzen,
die nimmer me si dâ verlâzen.
Die kleinen kint, die clâren drî,
si wâren ir muoter lîse bî.
Si brâhten steine und bluomen dar,
und nâmen ir vil dilleclîch war.
Ir wildez spil wart nû ze rât,
nâch irer „Amoretti“-ât.
Si halfen plegen mit ir hant,
dâ man diu wâre liebe vant.
Tannhiuser niht mêr harpfen sluoc,
er kôs ir hant, daz was genuoc.
Er las ir ûz den alten briefen,
und half ir ûz den sorgen tiefen.
Dâ geschach ein wunder, lîs und lût:
Diu minne heilte sîne brût.
Diu sorge swant, daz herze genas,
wan dâ diu grœste triuwe was.
Kein nâbe bleip von bitterkeit,
wan si durchschriten herze-leit.
Si wessen nû in irer ê:
Diu sêle tûret iemer mê,
swie ouch der lîp in nôt zergehe,
daz man dâ gotes wunder sehe.
6
Dô kam diu stunt, diu nîmen spart,
dâ lîp und sêle gescheiden wart.
Drie und drîzic jâr si alt dâ was,
dô si von dirre werlt genas.
Diu zal, diu heilac ist bekant,
hielt nû Corinnen in der hant.
Ir brüste nôt, der swære nît,
wart nû ein pforte in jene zît.
Si lac in einem liehten schîn,
der muote von ir herzen sîn.
Tannhiuser hielt ir hende sament,
dô man den tôt dâ hôrte ament.
Die Adeodati, diu clâren kint,
stunden dâ stille als die dâ sint
an gotes rât; kein clage-schrei
brach dâ die süeze nôt enzwei.
Corinne hete nû volbraht,
waz minne ie haete nâch gedacht:
Vom rousche zuo der fruntschaft rât,
und dar nâch zuo der hoehsten pât.
Ir sterben was kein jâmer-nôt,
wan lîse kam der bleiche tôt.
Si sach den ritter an vil clâr,
mit einer triuwe, diu was wâr.
Dô nû ir âtem dâ verswant,
wart stille al daz Venus-lant.
Diu alten lieder klungen niht,
dô man dâ sach daz herze-lieht.
Tannhiuser seine süene nam,
dâ im ein herze-herte kam;
er sach ir trene, heiz und naz,
daz was der werlde beste vaz.
„Adeodati!“ sprach er dô,
und was doch sîner sêle unvrô.
„Von gote gegeben sît ir mir,
doch dâ hin kêrte nû ouch si.“
Er grâf ir frouwe in dem hac,
dâ si an bluomen sanfte lac.
Kein steine pranchte dâ vil rîch,
wan krûter wuohsen lîbeclîch.
Nû was er eine in dem berc,
und pflac sîn vaters-orden-werc.
Er wart ein klôsenære der minne,
und lebte nâch Corinnen sinne.
Er lêrte si nâch muoter-art,
wie caritas dâ inne wart.
In sîner sune antlütze hach
er iemer nû Corinnen sach.
7
Dô wart diu stille swære als blî,
wan diu vreude was dâ gar enzwei.
Tannhiuser sînen schaden klagte,
daz es durch mark und beine nagte.
Diu harpfe lac im grüenen gras,
wan er nû ganz von sinnen was.
Kein bâbest-buoze suochte er dâ,
wan herze-nôt was im sô nâ.
Er trat ûf jenen hochen stein,
dâ er diu wunder sach gemein,
und schrî nâch sîner frouwen clâr,
daz ez ershal, daz ist vil wâr:
„O frouwe mîn, Corinne hêr,
nû ist mîn herze vreuden-lêr!
Drie und drîzic jâr, ein ougen-blic,
doch mîner sêle ganzer stric!
Du legetest dîn götlîch kleit
von dir in jene sterbe-leit,
und lieze mich mit swære hie,
sô weh mir, daz ich dich verlie!
Dâ caritas diu geberin was,
ist nû daz velt von zâhern naz.
Wo ist nû vriuntschaft, dâ dehein
antwort kumt ûz dem gestein?“
Er fluchte dâ der bittren zît,
diu deheinem lebne vride gît.
Er weinte umbe der brüste maht,
diu nû versank in grâve-naht.
Er umbesloze den lûften wint,
dâ er verlôs sîn edle kint
an muoter-minne und süezem rât;
er klagte nâch der helde ât.
Doch hôrt: dâ griffen kleine hant
an sîner cleider sîden-bant.
Primus, Secundus, Tertius,
brâhten im den trôst-gruoz.
In ir ougen, klâr und grôz,
er muoter-lieht dâ fliezen kôs.
Ir swîgen was diu herste nôt,
diu im sîn herze-jâmer bôt.
„Wie sol ich lehren si den got,“
sô clagte er nâch der triuwe gebot,
„der mir daz liebste hât genomen,
dâ ich in nôt bin zuo im komen?“
Doch sach er, wie die knaben drî
sich hielten an einander bî.
Ir triuwe was ein rîchez phant,
darin er muoter-güete vant.
Dâ wandelt sich sîn bittrer schrî,
wan caritas was dâ noch bî.
In sînen sunen vant er widere
der frouwen tugent nider-sidere.
Er knote nider zuo den kinden,
und lie sich von ir minne binden.
Dâ wusch der zâher bittre art
von im, der nû ein vater wart.
8
Dô brach der glanz in tûsent stücke,
zerstôrt was dâ daz hôhe glücke.
Âne Corinnen lîhten rât
was dâ dehein bestendic pât.
Ir güete was daz bante-mâze,
nû irrte er sich ûf vinstre strâze.
Die Adeodati, die kleinen kint,
verswunden im als rouch im wint.
Der wansinn kam nâch nebel-art,
dâ herze und sinne trüebe wart.
Der ritter, der dem bâbest streit,
verlôs sîn witze in grôzer leit.
Er schied ûz Venus-berges schôz,
sîn nôt in jene werlt in gôz.
Man vant in dâ bîm herten steine,
er sanc den winden ganz alleine.
Sô brâhte man in an die stat,
dâ man umbe arme sêlen bat.
Bî swestern, die in rîner phliht
dâ dienden gotes angesicht.
Tannhiuser in dem nidern gaden
suochte nû buoze für sîn schaden.
Diu wîzen hûben, die er sach,
wâren im sîner frouwen dach.
In dirre klôsen wart im kund:
Caritas lebte nû ze stund.
In jenen frouwen, die dâ pflegten,
und kranche sêle sanfte legten.
Doch hôher schein im sîn Corinne,
diu frouwe sîner tiefen minne.
Si was nû nimmer sterbe-lîch,
si was sîn engel, tugent-rîch.
An sîner ahsel, lîht und klâr,
swebte si dâ, daz ist vil wâr.
Er sprach mit luft und leere dâ,
wan sîn Corinne was im nâ.
Er vragte nâch den sune sîn,
„Adeodati, kint mîn schîn!“
Er wente, daz si verborgen wâren
in sîner frouwen hülle-klâren.
Diu swester güete was sîn schilt,
daz herze was von wahn gefillt.
Wenn er si bat bîm mânes-lieht,
daz man der frouwen opfer gieht,
sô swîgten si in miltre art,
dâ sîn sêle dâ gevaist wart.
Er was kein pilger nî mêre,
er lebte nâch der minne lêre.
Dô kam sîn stunt, sîn lêtzer tac,
dâ er in engels hant dâ lac.
Er kôste lîse den einen namen,
„Adeodatus“, der liebe sâmen.
Mit einem smielen er dâ schiet,
daz im diu hoehste minne rîet.
Dô swant der wahn, diu nôt was hin,
er vant dâ sîner sêle sin.
9
Dô daz winter-lieht vor dem gaden swant,
und der tôt griff nâch sîner hant,
dâ wart daz zimmer clâr und rîche,
als ob der himel miltelîche
sich senkte in die nôt sô grôz.
Diu swester dâ ir zâher gôz,
doch Tannhiuser sach in dem glaste,
daz er niht mêr in vinstre vaste.
Ein rouch von rôsen und von mirren
vertreip daz leit und daz verwirren.
Dô sach er si in liehter pracht,
diu in dâ leit durch grâve-naht:
Corinne trat ûz vinstrem horte,
als ob si wære ein engel-pforte.
Ir gewant was ûz lieht gewebt,
dâ iemer-wernde tugent lebt.
Diu nôt an irer brust was hin,
dâ lûhte nû sîn herze-sin.
Als guldîn brunne schein ir lîp,
si was ein heilac, himelisch wîp.
Und hinter ir, nâch knaben-art,
wart sîner sune schîn gewart.
Primus, Secundus, Tertius,
brâhten im den lêtzen gruoz.
Als Amoretti, clâr und blant,
hielten si sîne müede hant.
Si truogen krenz ûf irer hât,
nâch Venusberges süezer pât.
Primus nam diu lîbes-lust,
und kîrte si in liehte brust.
Secundus nam sîn rüewe-nôt,
diu in der gnâde fluz dâ bot.
Tertius wîste im den wec,
über den lêzten tôdes-stec.
Dô wart daz hûs von steine und giter
ein tempel klâr, nâch nôt sô biter.
Corinne sprach mit süezem grus:
„Dû bist ouch ein Adeodatus!“
Dâ erkante er in sînem muote,
er was ein gâbe sîner guote.
Sîn lêtzer âtem was ein lach,
dô er sîn heil in frouwen sach.
Diu sêle sich vom lîbe schiet,
als ez diu hôhe minne rîet.
Draußen viel der kalte snê,
doch Tannhiuser tet nimmer wê.
In Venusberges grüenem tal
vant er nû sînen gotes-schal.
Hand in hant mit sîner brût,
dâ er nû sang vil lîs und lût,
gienc er dâ hin, dâ nâch der clage
beginnet der unendic tage.
Âne wahn und âne tôt,
genas er dâ von aller nôt.
Caritas hât in empfangen,
dâ sîn sêle was ergangen.
10
Dô Tannhiuser dâ bestatet wart,
nâch der swester miltre art,
suochten si in sînem gaden,
dâ er nû was von nôt entladen.
Si vanten dâ dehein edel steine,
doch zeichen einer sêle reine,
diu in der vinstre wunder sach,
dô ir daz herze in triuwen brach.
Under dem bette, in niderem strô,
vanten si schriften, die machten si vrô.
„Diu Chronik der Caritas“ sô hiez,
waz er dâ dichtet’ und verlîez.
Drei blüete lunkten ûz dem papîr,
si dufteten nâch hôher gier,
beschriben mit der sune namen,
als ob si wâren der êwicheit sâmen.
Ouch vanten si ein bilde klâr,
von kol gezeichnet, daz ist wâr:
Corinnen antlütze, tugent-rîch,
keiner lüste-gote gelîch.
Als schutzengel sach si si an,
der iemer helfe dâ gewan.
Ir ougen folgten durch den rûm,
mit güete, sam ein liehter troum.
Ein klein gediehte vant man dâ,
daz sprach von sîner sêle nâ:
„Ich kam als pilger mit dürrem stap,
und vant die minne in tiefem grap.
Doch ûz dem grabe ein engel trat,
der uns behuote ûf sîner pât.
Waz got gegeben (Adeodatus),
daz nîmt er niht, daz ist gewis;
er wandelt dâ alleine den ort,
er wandelt dâ alleine daz wort.“
Diu meisterin des hûses sprach:
„Hie gît es dehein ungemach.
In dirre sêle hât gewant
ein heilicheit, die got gesant.“
Si truogen in zur kühlen erde,
dâ er nû ruowte in grôzer werde.
Drei rôsen satzten si dar ûf,
als ob der kîm der kint entslûf.
Nû hœrt man in der stillen naht,
wenn lûterlîch der mâne waht,
ein harpfen-spil ûz sînem hûs,
daz gît ein süezen klanc dâ rûs.
Es ist kein clage und nimmer nôt,
wan daz, waz hoehste liebe bôt:
Diu milde frouwe, der sune schîn,
diu füerten in zur ruowe sîn.