VON TORSTEN SCHWANKE
ERSTER GESANG
Brennende Sorge erfüllt uns und steigendes, tiefes Befremden,
Da wir den Leidensweg sehen der Kirche seit längerer Zeit schon.
Wachsend ist heute die Not der Getreuen in Glaube und Tat nun,
Mitten im Lande des Volks, dem einst Bonifatius brachte
Christi erlösende Botschaft des Lichts und das Reich Gottes auf Erden.
Nicht ist vermindert die Sorge durch jene Berichte der Brüder,
Die uns am Krankenbett pflichtgemäß riefen den Stand der Diözesen.
Neben dem Tröstlichen, das aus dem Kampfe der Gläubigen aufstrebt,
Konnten sie Bitteres, Schlimmes bei aller der Liebe zum Lande
Nimmer verschweigen. Wir danken dem Herrn mit dem Wort des Johannes:
„Größere Freude besitzt nicht mein Herz, als zu hören, es wandeln
Kinder im Lichte der Wahrheit.“ Doch fordert das Hirtenamt auch uns,
Dass wir hinzufügen schwer: Eine größere Sorge und Bitternis
Haben wir nicht, als zu sehn, wie so viele die Wahrheit verlassen.
Als wir im Sommer des Jahres dreiunddreißig den Vertrag nun,
Den uns die Reichsregierung in Anknüpfung früh‘rer Entwürfe
Darbot, geschlossen zur Freude von allen, da leitete Sorge
Uns um die Freiheit der Kirche und ihrer erlösenden Mission,
Dass sie den Seelen das Heil und dem Volke den Frieden bereite.
Trotz der Bedenken, die schwer uns bewegten, ergaben wir uns dann,
Gaben die Zustimmung gern, um den Söhnen und Töchtern zu sparen
Sämtliche Leiden und Not, die gedroht in den Tagen des Sturmes.
Zeigen doch wollten wir tatfroh: Wir reichen die Friedenshand allen,
Suchend nur Christus den Herrn, wenn man selbst sie nicht grausam zurückstößt.
Wenn nun der Baum, den in lauterer Absicht wir senkten zur Erde,
Nicht die ersehnten und herrlichen Früchte dem Volke getragen,
Sieht doch die Welt, dass die Schuld nicht die Kirche und nicht ihr Erhabner
Trägt, denn es zeigt das Erleben der Jahre die Ränke des Feindes.
In die Gefilde des Friedens streuten die Hasser des Guten
Samen des Unkrauts, des Neides, des Hasses, der offenen Fehde,
Welche die Herrschaft des Christus vernichten und brechen will grausam.
Niemals ermüdeten wir, vor den Folgen zu warnen die Führer,
Schützten des Wortes und Bundes geheiligte Pflicht vor den Taten,
Die das Vertrauen zerstören und jeglichen Glauben vernichten.
Wird einst die Wahrheit enthüllt vor den Augen der Völker, so weiß man,
Wer den Vertrag hat gehalten und wer ihn gebrochen mit Willkür,
Wo man das Recht hat verhöhnt und Verpflichtung zur Lüge gemacht hat.
Mäßigung leitet' uns stets, nicht aus Schwäche, noch irdischem Nutzen,
Sondern um nicht mit dem Unkraut das Gute im Keime zu brechen.
Auch in der Stunde des Kampfes um Schulen und Freiheit der Kinder
Suchen wir weiter das Recht und den Frieden als Hirte der Seelen,
Gegen die Mächte der Willkür, die Recht mit Gewalt nur erdrosseln.
Dieser Entwurf aber, Brüder, will Trost nun und Stärkung euch bringen.
Wie ihr am Lager des Kranken uns suchtet, so rufen wir euch zu:
Steht im Feuer der Prüfung dem Glauben getreu an den Mittler!
Hört das Wort, das dem ersten der Fischer der Heiland gesprochen:
„Beten will ich für dich stets, dass dein Glaube im Sturme nicht wanke;
Stärke du folglich die Brüder im Kampfe für Wahrheit und Leben!“
Habt nun acht, o ihr Brüder, dass stets der geheiligte Glaube,
Welcher die Grundlage ist und das Fundament jeder Religion,
Rein und unverfälscht bewahrt in den deutschen Gefilden erglänze.
Gottgläubig ist nicht, wer nur mit den Lippen den Namen des Schöpfers
Nennt, nur der, wer dem Worte den wahren Begriff auch verleihet.
Wer in pantheistisch verschwommener Art nun den Schöpfer des Weltalls
Gleichsetzt der Welt, und verweltlicht das Göttliche, welches im All weilt,
Oder die Erde vergöttert, gehört nicht zum Kreis der Getreuen.
Wer nach altgermanisch-vorchristlich-düsterer Wahnvorstellung
Jenes unpersönlich wahrsagende Schicksal an Stelle des Herrn setzt,
Leugnet die Weisheit und Vorsehung Gottes, der gütig und kraftvoll
Waltet von Ende zu Ende und alles zum Guten geleitet;
Niemals darf dieser sich zählen zum Volke des wahren Geblütes.
Wer nun die Rasse, das Volk oder Staatsform und Träger der Macht nun,
Welche im irdischen Leben den ehrenden Platz nur behaupten,
Löst aus der irdischen Ordnung und macht sie zur höchsten der Normen,
Ja, sie mit Götzenkult schändlich vergöttert, der fälscht die gegebne
Ordnung der Dinge und weicht von dem wahren Gebäude des Glaubens.
Habt nun acht auf den Missbrauch des dreimal geheiligten Namens,
Der in den Reden und Schriften als sinnleere Marke gebraucht wird
Für ein willkürliches Werk und Gebilde des menschlichen Suchens.
Unser Gott ist ein persönlicher, mächtiger, herrlicher Herrscher,
Einer in Dreiheit, dreipersönlich in dem göttlichen Wesen,
Schöpfer und König der Welt, der neben sich Götzen nicht duldet.
Dieser Gott hat in souveräner Macht Seine Rechte gegeben.
Frei von der Zeit und vom Raum, über Alles erstrahlt Sein Gesetz nun;
Gleich wie die Sonne erhellt, was ein menschliches Antlitz gerade
Trägt, so erkennt Sein Gebot keine Ausnahme, Adel noch Krone.
Aus dem Gebiet Seiner Schöpfermacht folgt der Gehorsam von Allen.
Nur oberflächliche Geister verfallen dem irrigen Wahne,
Dass es ein national Göttliches gäbe, ein völkisch Religiöses,
Wobei man Gott, vor dem Völker wie Tropfen am Eimer erscheinen,
In eine blutmäßige Enge der Rasse will einkerkern, binden.
Hüten und wachen drum müssen die Bischöfe Jesu der Kirche,
Dass nicht solch giftiger Irrtum den Boden der Herde verseuche.
Amtspflicht ist ihnen, zum Schweigen zu bringen das Lästern der Feinde,
Dass vor dem trotzenden Geiste Prometheus’ das Sühnegebet nun
Stunde um Stunde wie Rauchwerk zum Höchsten emporsteige gütig.
Danken wir euch und den Priestern und allen Getreuen im Lande,
Die vor dem neuheidnisch drohenden Wahn ihre Christenpflicht wahren.
Innig und voll der Bewunderung gilt dieser Dank auch vor Allem
Jenen, die opferbereit um Gottes willen Leiden ertragen.
Keinerlei Glaube an Gott wird auf Dauer rein und unverfälscht stehen,
Wenn er nicht fest auf den Glauben an Christus gegründet und stark ist.
„Niemand erkennt ja den Vater, als nur der geborene Sohn tut,
Und wem der Sohn es offenbart.“ Es gilt keine herbeigeholte Ausflucht:
Wer nun den Sohn leugnet, hat auch den göttlichen Vater verloren.
In Jesus Christus erschien uns die Fülle göttlicher Offenbarung.
Heilige Bücher des Alten Bundes sind ganz Gottes Wort uns,
Wenn auch die Dämmrung der Vorzeit auf manchen Geschichten noch lastet.
Wer sie verbannen will, lästert den Allmacht-Heilsplan des Schöpfers,
Leugnet den wirklichen Christus, der Fleisch aus dem Volke bekam einst.
Er setzte gegen die Mördertat seiner kreuuzigenden Feinde
Jene hohepriesterlich göttliche Tat des Erlösertods gütig.
Endlich und für immer gilt der im Evangelium erreichte
Höhepunkt göttlicher Schau, verpflichtend für alle Geschlechter.
Keinen Zusatz von Menschenhand kennt sie und keinen Ersatz je
Durch die willkürlichen Sprüche, die heute aus Blut und aus Rasse
Wortführer wahnhaft erfinden. Seit Christus am Stamme des Kreuzes
Unser Erlöser geworden, ist unter dem Himmel den Menschen
Keinerlei Name gegeben zum Heil als der Name von Jesus.
Wer nun gegen Ihn stellt einen Sterblichen, sei er der Größte,
Ist ein Wahnprophet, und Gott im Himmel verlachet den Toren!
Keinerlei Glaube an Christus besteht ohne Glauben zur Kirche,
Die als die Säule und Grundfeste steht für die göttliche Wahrheit.
Eine nur ist diese Kirche für alle die Völker und Lande;
Unter dem Kuppelbau, der das Gefüge der Erde umwölbet,
Findet ein jedes Geschlecht seine Heimat, das Mutterherz weitet
Sich vor dem Reichtum der Völker. Doch grenzt das göttliche Recht sie.
Wer an der Einheit nun rührt, der beraubt sie der himmlischen Krone,
Baut auf vergänglichem Sand ohne Vollmacht des ewigen Vaters.
Zwar wird das göttliche Licht in der Kirche zuweilen verdunkelt
Durch das allzumenschliche Wesen, das wächst wie das Unkraut.
Wer aber deshalb vergisst all den Opfersinn, welcher in allen
Herzen der Heiligen glüht, der beweist nur Gewissens-Erblindung.
Nicht nur zu zählen zur Kirche genügt; ein lebendiges Glied nur
Wandelt im Lichte des Herrn, und in aufrichtig tätiger Buße.
Reinigt die Herzen vom Staub und entwöhnt euch jeglicher Weltlust!
Nur eine Christenheit, die sich besinnt auf die göttlichen Pade,
Wird in der Krankheit der Zeit noch als Führerin retten vor Niedergang.
Jede gesunde Reform ging von jeher erst vom Heiligtum
Aus, durch die Menschen, die ganz von der Liebe zu Gott entflammt waren.
Wo nicht die Lauterkeit führte, da brachte der Eifer nur Irrweg.
Gottes Geist weht, wo Er will, doch Er bricht nicht das eigene Bauwerk:
Wer von dem Geiste getrieben, bewahrt die gebührende Haltung
Zu der Kirche, die Edelfrucht ist an dem Stamme des Kreuzes.
Lauter ertönt in den Gauen der Heimat das Rufen der Feinde,
Dass man die Kirche verlasse; es nutzen die Träger der Ämter
Ihn als ein Zeichen der Treue zum Staate und zwingen die Bürger.
Doch an dem Punkt ist erreicht das Entscheidende: Haltet dem Feinde
Jenes Gebot nun entgegen: „Weich, Satan! Gott allein sollst du dienen!“
Wer Ihn verleugnet vor Menschen, den wird auch der Herr einst verleugnen.
Niemals besteht auch der Glaube der Kirche ohn’ Jenen gerade,
Den Gott gesetzt auf den Felsen des Petrus als höchsten Primaten.
Wenn sie euch locken und rufen zum Trugbild der völkischen Kirche,
Wisst: Sie ist nur der Abfall vom Auftrag der mächtigen Weltkirche!
Trennt sich der Zweig von dem Weinstock, erstarrt er und stirbt in der Knechtschaft.
Wer hier ein unbeugsam Nein spricht, der schützt die Kraft seines Volkes.
Wachenden Auges beobachtet, Brüder, die schändliche Irrung,
Wo man beraubt die geheiligten Worte des göttlichen Sinnes.
Offenbarung ist das Wort, das der Schöpfer gesprochen zum Menschen;
Falsch ist die Münze, die dies nun begutheißt für Blut und für Rasse.
Glaube bedeutet das sichre Fürwahrhalten von allem,
Was Gott gezeigt hat; das stolze Vertrauen auf Irdisch-Geschehnes
Ist ein ganz anderes Ding und verwischt nur die heiligen Grenzen.
Unsterblichkeit besagt das Fortleben nach irdischem Tode
Als ein persönlich Geschöpf nun zu ewigem Lohn oder Strafe.
Wer nur das Volk meint im Weiterbestand der vergänglichen Erde,
Fälscht die Gesetze des Glaubens und stört die geheiligte Ordnung.
Erbsünde ist die Geschlechtsschuld von Adam her, Verlust der Gnade,
Welche durch Christi Erlösertod wieder den Menschen geschenkt ward.
Spottet der Feind auch der Wahrheit: Sie bleibet der Schatz der Getreuen.
Christi geheiligtes Kreuz, mag es vielen ein Ärgernis sein auch,
Bleibt uns das Zeichen des Heils und das Banner der sittlichen Größe.
In seinem Schatten wir leben, im Kusse des Kreuzes wir sterben.
Demut im Geiste des Herrn und das Beten um göttliche Gnade
Schließen den heldischen Sinn und den Mut der Bekenner nicht aus hier.
Niemals bedarf nun die Kirche, die tausende Blutzeugen zählet,
Lehre von solchen, deren eitel Hochmut sich selbst nur verspottet.
Gnade im weiteren Sinne mag alles genannt werden, was uns
Gott als Geschöpfen geschenkt hat; doch gilt sie im christlichen Sinne
Als ein erhabener Ausfluss der Liebe, die göttlich uns aufhebt,
Dass wir als Kinder des Vaters in heiligster Gemeinschaft nun wandeln.
Wer dies verwirft aus dem Wahn einer eigenen völkischen Wesenheit,
Kämpft gegen Kernwahrheiten; drum wahret das Heiligtum gütig!
Auf dem Gefüge des Glaubens nur ruht die Sittlichkeit aller;
Wer sie vom Felsen des Wortes entfernt und auf Flugsand der Menschen
Baut, führt das Volk und den Einzelnen schnell in den tiefen Abyssus.
Keine Gewalt und kein irdisches Ideal kann auf Dauer ersetzen,
Was aus dem Ewigen kommt als Antrieb für die Pflicht und das Gute.
Aus dem Gebot Gottes fließt die Zucht und die Kraft für die Herzen;
Wer Ihn verbannt aus der Schule, verarmt die Gemeinschaft der Kinder
Und gibt die Sitten der Willkür der wechselnden Zeiten zur Beute.
Auch die Gesetze des Rechtes entfremden sie heute dem Schöpfer,
Lösen das Naturrecht von den Tafeln des menschlichen Herzens,
Welches der Finger des Ewigen selbst einst so herrlich geschrieben.
Menschlich Gesetz, das im Widerspruch steht zu dem göttlichen Rechte,
Krankt am Geburtsfehler schwer, den kein Zwang der Gewalt kann sanieren.
Falsch ist der Satz: „Recht ist, was dem Volke zum Nutzen gereicht nur“,
Wenn man das Sittliche trennt; denn nur das, was auch gut ist, erfreut uns.
Gott gab dem Einzelnen Rechte, die niemals der Staat darf erdrosseln.
Frei hat der Gläub‘ge das Recht, seinen Glauben zu zeigen und beten;
Jedes Gesetz, das ihn hemmt, verstößt gegen göttliche Ordnung.
Eltern gehört das ursprüngliche Recht, ihre Kinder im Geiste
Wahren Geblütes und Glaubens zu ziehen; gewaltsame Maßnahme
Schaltet den Willen der Eltern in Schulfragen aus voller Willkür,
Steht im Konflikt mit Naturrecht und ist im Tiefsten unsittlich.
Darum erklärt die Kirche, als Hüterin heiligen Rechtes,
Dass der Gewaltakt der Schuleinschreibungen der jüngsten Vergangenheit
Völlig ungültig und frei von dem Charakter jeglichen Rechtes.
Stellvertreter des Herrn, der im Evangelium dem Jüngling
Einstmals gesprochen: „Willst du nun zum Leben eingehen, so halte
Jene Gebote!“, so richten auch wir an die Jugend das Wort nun.
Tausende Zungen verkünden vor euren Gehören ein Evangelium,
Welches nicht göttlicher Herkunft; es schreiben im Dienst eines Scheins nun
Federn gegen die Gemeinschaft; es stürzet das Radio Tag aus
Tage auf euch das Verderbliche, greifend das Heiligste an hier.
Wie viele leiden als stille Soldaten des Heilands in Schmach jetzt,
Weil sie im Bunde der Kirche der Heimat die Treue bewahren.
Drohen auch neue Gefahren, so rufen wir: „Wenn euch ein andres
Evangelium verkündet wird, als ihr empfinget am Schoße
Frommer der Mutter, so sei es verbannt und verflucht von den Lippen!“
Gründet der Staat eine Jugendpflicht, müssen die Eltern verlangen,
Dass man von kirchenfeindlichem Geiste sie säubere vollends,
Ehe man Gott raubt, was Gottes ist, zwingend in schwere Konflikte.
Niemand will Steine der Jugend hier legen im Dienst für das Volk hin;
Singet die Freiheitslieder, doch wahret die Freiheit der Kinder
Gottes, und brecht nicht die Ketten im Dienst der vergänglichen Sünde!
Wer dem vaterländischen Bieder die Treue gesungen,
Darf nicht an Gott zum Verräter werden, zum schändlichen Flüchtling.
Heldentum lebt im sittlichen Kampf und im Schutze der Reinheit;
Ertüchtigt zwar auch den Leib, doch vergesst die Seele im Sturm nicht!
Wahrt am Sonntag die Weihe und siegt im Rennen des Lebens!
Worte des Dankes und Mahnung ergehn an die Priester im Lande,
Die in der Unterordnung den Bischöfen folgen getreulich,
Weisend der Herde den Weg in der Lehre, mit göttlicher Langmut.
Werdet nicht müde, dem ewigen Hirten zu folgen im Dienst nun,
Seid ihr die Führer der Treue und Tröster der trauernden Seelen!
Liebe ertraget die Bitternis, doch ohne Weichen vom Rechte;
Erste der Gaben des Priesters ist stets ja der Dienst an der Wahrheit,
Ganz und unteilbar; ihr Schweigen wäre Verrat an dem heiligen Rufe.
Allen, die leiden im Kerker und Lager um Christus Gesetz willen,
Folgt nun der Dank und der Segen des Vaters der Christenheit gütig.
Väterlich danken wir auch den Getreuen in Klöstern und Orden,
Die man durch schändliche Maßnahm’ entfernte von lieblicher Arbeit.
Wenn auch ein einzelner fehlte, so mindert das nicht das Verdienst nun
Jener Gewaltigen, die in der Armut dem Nächsten dienten.
Ruhigere Zeiten erkennen den Segen der heiligen Zucht einst;
Verdoppelt den Eifer im Beten, so folgt auch der Segen des Höchsten!
Vor unserm Auge erscheint die große und herrliche Schar nun,
Deren Treue das Leid nicht beraubt von der Hingabe Gottes,
Nicht von der Liebe zum Vater; sie bleiben dem Erbe getreulich,
Das sie empfingen von Ahnen; wir senden den väterlich’ Gruß euch!
Allen voran den Mitgliedern der Bunde, die tapfer und stark hier
Christus die Treue bewahrten und sturmfest am Rechte gestanden.
Inniger Gruß gilt den Eltern, deren erziehendes Recht nun
Mitten im Kampf steht, wie schicksalsvoll kaum ein Geschehn auf der Erde.
Wenn man die Seele der Kinder entweiht und den Glauben entreißt ihr,
Wird es zur Pflicht für den Christen, das eigene Herz zu bewahren.
Misstraut den dunklen Versprengen, bewahrt die Wachsamkeit glühend!
Keine Gewalt kann euch lösen vom Band vor dem ewigen Richter.
Fragt Er: „Wo sind meine Kinder?“, so möget ihr antworten stolz dann:
„Keinen von denen, die Du mir gegeben, verlor ich im Sturm hier.“
Brüder, wir wissen, die Worte der Sorge entflammen die Taten;
Mögen sie rufen die Herzen auch derer, die beben im Zweifel,
Die sich von Drohungen finstrer Bedränger berücken lassen.
Jedes der Worte erwogen wir gütig auf Waage der Wahrheit,
Liebe geleitet’ uns stets, um den Irrenden Wege zu zeigen.
Wenn auch der Tag kommt, wo Grauen der Gottesfern’ schlägt über ihnen,
Treibt sie das Heimweh zurück zu dem Gott, der die Jugend erfreute,
Und zu der Kirche, deren Mutterhand segnend sie lehrte.
So wie in alten Jahrhunderten wird auch die Prüfung zur Läutrung,
Wenn wir der physischen Macht nur den Glauben entgegengestellt han.
Fasten- und Osterzeit predigen Buße und richten den Blick uns
Auf das Geheiligte Kreuz und den Sieg des erstandenen Herrn nun.
Bald schon erkennen die Feinde, sie jubelten völlig zu früh hier;
Statt ihrer Siegesgesänge ertönt das Te Deum feierlich,
Wenn sich das deutsche Volk wieder beugt vor dem König der Zeiten:
Jesus, dem Heiland der Welt, in der Ewigkeit hochgelobt! Amen.
Er, der das Herz und die Nieren durchforscht, ist uns Zeuge im Himmel,
Dass wir den Frieden ersehnen von Herzen für Kirche und Staat nun.
Wenn er verwehrt uns bleibt, werden wir mutig die Freiheit verteid'gen,
Denn des Allmächtigen Arm ist auch heute noch stark und verkürzt nicht.
Beten und rufen wir stets für die Kinder der Kirche im Sturme,
Dass sie bewährt den Glauben; und auch für die Feinde erflehn wir
Jene Damaskusstund’ gütig vom Vater des Lichts zur Erkenntnis.
Mit diesem Flehgebet reichen wir euch nun als Unterpfand himmlisch
Hilfe und Stärkung im Kampf und als Trost in den Tagen des Leides,
Euch, den Bischöfen, den Priestern und allen im Ordensgewände,
Laienaposteln der Aktion, den Kranken und jenen im Kerker,
Voll der erhabenen Liebe den Apostolischen Segen.
ZWEITER GESANG
Gerade im Jahr, das viermal zehn der Jahre vollendet,
Seitdem die Menschheit geweiht dem Heiligsten Herzen des Retters,
Hat uns des Herrn unerforschlicher Ratschluss, ohne Verdienste,
Diese erhabene Würde und Last des Pontifikates
Auferlegt, die Leo, der hehre, unsterbliche Ahnherr,
Einst zu Beginn des heiligen Jahres feierlich ausrief.
Damals grüßten wir frisch, als neugeweihter Levite,
Der zum Altare des Gottes zu treten soeben bereit war,
Jene Enzyklika froh, wie eine Botschaft des Himmels.
Heute danken wir Gott, dass Er das beginnende Amt uns
Knüpft an die teure Erinnerung jener priesterlichen Jugend,
Opfernd dem König der Könige dieses Erstlingsgebet nun.
Blicken wir heute zurück auf vierzig Jahre der Erde,
Sehn wir die Kraft der Weihe, das Licht, das Seelen emporhebt,
Gegen den Geist dieser Welt, der nur dem Vergänglichen nachjagt,
Fern von dem Glauben an Christus und fern von Seinen Gesetzen,
Dem die Botschaft vom Kreuz nur Torheit scheinet und Ärgernis.
Wie der Vorläufer einst den Suchenden rief: „Seht das Lamm Gottes!“,
So rief Christi Statthalter laut den Suchenden allen,
Zaudernden, Wankenden zu: „Seht euren König hier stehen!“,
Dass sie dem Heiland folgen, der stets in der Kirche lebendig.
Aus der Liebe zum Herzen des Retters blühten uns Segen,
Ströme voll Freude, die Gottes heilige Stadt nun erquicken.
Doch wie bedarf unsre Zeit, trotz Technik und bürgerlichem Fortschritt,
Dieser Gnade, da innere Armut Seelen gequält hat,
Wie die Apokalypse es sagt: Du wähnst dich so reich hier,
Weißt doch nicht, dass du elend und arm und nackt und erblindet.
Ist es nicht Pflicht, Christi Reichtum heute den Menschen zu künden?
Sein ruhmreiches Banner zu hissen vor irrenden Brüdern?
Wer von den Streitern des Herrn wird nicht zur Wachsamkeit brennen,
Wenn er die Feinde sieht, die Gottes Gebote zertrümmern,
Eigene Tafeln errichten, wo Kreuz und Liebe verbannt sind?
Wer sieht ohne Schmerz die Ernte des Abfalls der Christen,
Die in der Stunde der Prüfung dem herben Kelche entflohen?
Möge das Fest unsres Königs, das diese Enzyklika bringt euch,
Tage der Erneuerung schenken, da Völker und Stämme
Treue schwören dem Herrn und Seinem Gesetze der Liebe.
Möge das Feuer entflammen, das Christus brachte der Erde,
Licht den Suchenden sein, den Müden die Jugend erneuern,
Dass sie zum Heiland kehren, der dürstend am Throne des Kreuzes
Ruft: Ich selber bin euch der Weg, die Wahrheit, das Leben!
Voll von Vertrauen legen wir dies in die Hände des Königs,
Wissend, die Herde steht fest in Zeiten der Not und Gefahren.
Trostvoll sahen wir selbst den Bund der katholischen Brüder,
Als wir den Stuhl des Petrus bestiegen mit zitterndem Schritte.
Dankbar gedenken wir all der Liebe und Treue der Kinder.
Nicht Uns galt dieser Jubel, der heiligen Würde des Amtes,
Das uns als Fels in dem Sturm der feindlichen Mächte gegeben.
Auch den Getrennten sei Dank, die, fern von der sichtbaren Kirche,
Liebe zu Christus bekunden; wir beten für alle voll Eifer,
Dass sie das Leben besitzen und Fülle des Segens empfangen.
Dank auch den Fürsten der Welt für ihre Zeichen der Ehrung,
Besonders dem lieben Italien, dem Garten des Glaubens,
Das durch die Verträge vom Lateran nun Frieden gefunden.
Als wir vom hohen Balkon der Basilika segneten Rom und
Alle Völker der Welt, erstrahlte die Einheit der Herzen.
Als des Statthalter Dessen, der Zeugnis gab von der Wahrheit,
Müssen wir mutig und frei die Irrtümer tadeln und heilen.
Nichts hält Uns auf diesem Weg, kein weltlich Bedenken, kein Zaudern,
Väterlich reichen wir Heilung, in Liebe die Wahrheit erfüllend.
An dem Beginne des Absturzes steht der Versuch, den Erlöser
Vom Thron zu stürzen, Sein Wort der Liebe zu meiden.
Einzig die Rückkehr zu Ihm bringt Rettung den Völkern und Vätern.
Während wir schreiben dies nieder, erbebt schon die Erde vom Kriege,
Stürme der Gewalt und des Hasses zerreißen die Herzen.
Doch gerade im Unglück richten wir Augen und Seelen
Auf den Erlöser allein, der Stürme zu schweigen gebietet.
Möge die Stunde der Not – so schenke es Gott uns im Himmel –
Wandeln den Sinn und den Blick derer, die blindlings gewandelt
Auf den Irrwegen moderner Kultur, ohn’ den Boden zu prüfen.
Mancher, der früher die warnende Stimme der Kirche verspottet,
Sieht nun im Strudel des Irrtums des Antichristentums Verderben.
Stunden des Schmerzes sind oft auch Stunden der göttlichen Gnade,
Gleichsam ein Durchzug des Herrn, wenn Tore sich öffnen dem Heiland,
Der an die Pforte nun klopft und rufet: „Ich stehe und warte!“
Liebe empfindet das Herz für die Suchenden, betend zum Vater,
Dass Er ein Lichtstrahl sende, der Saulus zu Paulus verwandelt,
Wie in den Zeiten der Not Seine Macht am stärksten erglänzte.
Unsere Zeit hat die alten Irrtümer weiter getrieben,
Bis in das Chaos hinein. Denn die tiefste Ursache aller
Übel, die wir beklagen, ist dies: Man leugnet die Normen,
Die das Gewissen uns lehrt, das Gesetz, das in Gott ist gegründet,
Der als allweiser Richter das Tun der Menschen betrachtet.
Wird Gott gehasst, so wankt das Fundament der Moralität;
Stumm wird die Stimme im Innern, die Guten und Bösen den Weg weist.
Als man den Heiland ans Kreuz schlug, sank eine Finsternis nieder
Über die Erde; so bricht das Heidentum heute herein nun,
Wo man den Christus verbannt aus dem Leben des Staats und der Völker.
Viele folgten verblendet dem Glanz von eitlen Phrasen,
Wähnten sich frei und wurden doch Sklaven des menschlichen Dünkels;
Fortschritt nannten sie Sturz, und Erhebung das Sinken im Staube.
Schwindet der Glaube an Gott und an Seinen gesegneten Sohn hin,
Wankt auch der Frieden im Innern, das Fundament unsrer Staaten.
Einstmals einte Europa das Band christlicher Predigt;
Zwar gab es Kriege auch damals, doch blieb das Gewissen lebendig,
Welches die Leidenschaft zähmte; heut bricht das Chaos sich Bahn hier.
Zwei der Irrtümer ragen empor aus dem Sumpf des Agnostischen:
Erstens vergaß man das heilige Band der christlichen Liebe,
Das uns verknüpft durch den Ursprung und Christi Erlösung am Kreuze.
Gottes Schöpfung erschuf den Menschen nach Seinem Gebilde,
Segnete ihn und bestimmt’ ihn zu ewiger Seligkeit oben.
Später verkündete Paulus den Griechen die herrliche Wahrheit:
Gott schuf aus Einem das ganze Geschlecht, auf der Erde zu wohnen,
Eins im Ursprung und Ziel, in der unsterblichen Seele,
Eins im Erlöser, der Mittler ward zwischen Gott und den Menschen.
Christus sprach in der Nacht des Mahles das bleibende Wort aus:
„Liebet einander von Herzen, so wie ich euch habe geliebt hier.“
Unter dem Lichte der Einheit sind wir nicht einsame Körner
Sandes im Wind, sondern Glieder im harmonischen Ganzen.
Völker zerstören das Band nicht, sie schmücken es reich durch die Gaben,
Welche sie teilen im Geiste der Liebe und göttlichen Gnade.
Niemals verachtet die Kirche des Herrn die Bräuche der Völker,
Die sie als Erbe bewahren mit Stolz; sie suchet die Einheit,
Welche von innen heraus durch die göttliche Liebe uns bindet.
Freudig gesegnet sei jede Entfaltung der völkischen Kräfte,
Sofern sie dem göttlichen Recht und dem Ursprung der Menschheit nicht trotzen.
Vielfach bewies es die Kirche im eifrigen Werke der Botschaft,
Dass dies ihr Leitstern bleibt im weltweiten Amt der Apostel.
Forschen und Suchen der Väter, voll Opfer und Liebe getragen,
Diente dem tieferen Blick in die Kulturen der Erde,
Um ihr geistiges Gut für das Wort des Erlösers zu nutzen.
Alles, was Sitte und Brauch, und nicht an den Irrtum gekettet,
Wird sie mit Milde betrachten, bewahren und sorgsam entwickeln.
Diesem erhabenen Pfad, den der heilige Ahnherr geebnet,
Folgen auch Wir ohne Zaudern. Wer eintritt zur Kirche des Herren,
Welcherlei Herkunft er sei, soll die gleichen Rechte genießen.
Klerus aus eigenem Blut und Bischöfe eigener Stämme
Bildet die Kirche heran; und am Feste des Königs der Völker
Weihn wir am Grabe des Petrus zwölf Männer aus fernen Nationen,
Zeugend inmitten des Streits für das ewige Wort des Apostels:
Hier gibt es Griechen noch Juden, nicht Knechte noch Freie im Leben,
Sondern es Christus allein, der in allen wahrhaftig regiert nun.
Keineswegs streitet der Geist dieser weltweiten Brüderlichkeit hier
Gegen die Liebe zur Heimat, noch hemmt er das irdische Wohlstand.
Lehrt doch der Glaube uns selbst, in der Ordnung der Liebe zu stiften,
Dass wir den Nächsten zuerst mit Wohltat und Treue begleiten,
Wie auch der Meister geweint über Salem, die heilige Heimat.
Doch die geordnete Liebe verschließe die Augen uns niemals
Vor dem allumfassenden Licht der christlichen Milde.
Heilige Boten des Friedens, bewegt von der göttlichen Liebe,
Pflügten den Boden der Welt und heilten die Kranken im Elend,
Bauten Paläste und Tempel als lebende Wohnungen Gottes,
Reichten den kommenden Enkeln den Schatz der antiken Weisheit,
Weil das Vergessen der Liebe nur Zwietracht bringt und Verderben.
Aber ein anderer Irrtum bedroht das Wohlsein der Völker,
Welcher die weltliche Macht von der Bindung an Gott will befreien.
Gott, der die Quelle des Rechts und der absolute Gebieter,
Wird aus den Reichen verbannt; und die Willkür der menschlichen Satzung
Macht sich zum höchsten Gesetz, das dem Wandel der Zeiten gehorcht nun.
Leugnet man Gottes Gewalt, so erhebt sich der Staat auf den Thron hier,
Wähnt sich autonom und stellt sich an Stelle des Allmächtigen selber,
Macht sich zum Endzweck des Seins und zum Richter über Gewissen.
Doch wie gebrechlich und schwach ist ein Bund auf rein menschlichem Boden,
Der nur auf Äußerem ruht und der Nutzbarkeit Segen verspricht nur!
Mag solch ein Werk auch für Stunden den Beifall der Menge erringen:
Einstmals triumphiert das Recht und zertrümmert den Hochmut,
Wo man die Schranken missachtet, die Gott den Herrschern gesetzt hat.
Leo, der weise Regierer, gelehrt in unsterblichen Worten,
Dass die Gewalten der Erde das soziale Gefüge so ordnen,
Dass sich der Einzelne bilde zu Tugend und ewigem Heile.
Edles Gewand ist dem Staate gegeben, zu lenken und schützen,
Dass alle Kräfte der Bürger zum Wohle des Ganzen sich einen;
Doch wenn der Staat sich zum Götzen erhebt, dem alles sich beugt nun,
Schadet er schwerer und tiefer dem wahren Gedeihen der Völker.
Dann wird die erste und heiligste Zelle des Lebens, die Ehe,
Nur noch als Werkzeug der Macht und der staatlichen Stärke betrachtet,
Obgleich der Mensch und Familie dem Staate vorausgehn von Natur aus.
Wird dann die Jugend erzogen allein für den Nutzen des Staates,
Schwindet der Duft von Humanitas, Ehrfurcht und Adel des Geistes.
Schmerzlich erblicken Wir heute die Not der christlichen Eltern,
Welche im Strudel der Zeit und im Mangel am bittersten leiden;
Mütter vergießen im Stillen die Tränen, und Väter verzagen,
Während die Mächte des Chaos schon lauern im Dunkel der Gassen.
Niemand verweigert dem Staate in Zeiten der Drangsal und Sorge
Weiteres Recht zu dem Schutz und der Rettung des hungernden Volkes;
Doch das Gesetz des Allmächtigen fordert die Prüfung der Maßnahmen,
Ob sie dem Gemeinwohl dienen und rein aus Notwendigkeit stammen.
Fordert der Staat auch das Gut und das Blut in den Stunden der Prüfung:
Niemals berühre er frech das Gewissen, das Christus erkauft hat!
Eltern ist Pflicht und das Recht von dem Schöpfer im Himmel gegeben,
Ihre Kinder zu erziehn in dem Geiste der heiligen Religion.
Zwar soll die Jugend auch lernen, die irdische Heimat zu lieben,
Ihr mit Begeisterung dienen und Treue im Leben beweisen;
Doch wer den Blick der Unmündigen fern von dem Himmelreich lenket,
Sündigt am Rechte der Kinder, am Rechte der christlichen Väter,
Und fügt dem Staate selbst Schaden und schweres Verderben im Sturz zu.
Wähnt auch mancher Regierer, es bringe dem Staate Erhöhung,
Wenn er die Jugend entfremdet dem Glauben, so irrt er gewaltig;
Bittere Früchte gebiert der Verrat an dem König der Könige.
Wer das erhabene Wort des Erlösers verkehret ins Gegenteil:
„Lasset die Kleinen zu mir!“, der ruft sich das schwere Gericht her.
Heilig ist uns die Seele des Kindes, im Taufquell versiegelt;
Furchtbares Wehe gedroht hat der Heiland den Jenigen allen,
Welche den Kleinen ein Ärgernis sind und vom Lichte sie wenden.
Christus regiert auf dem Thron, Ihm ist alle Gewalt ja gegeben,
Länder und Völker zu lenken, zu kürzen und dehnen das Leben.
Wer Seine Pfade verlässt und der Ehe Fundamente zertrümmert,
Dessen Name wird bald in den Staub dieser Erde geschrieben.
Schädlich ist diese Gewalt, die sich grenzenlos dünkt in den Reichen,
Nicht nur im Innern des Volks, sie bricht auch das Recht zwischen Völkern,
Raubt dem Vertrauen den Grund und zerstört die Gemeinschaft der Erden.
Gottes geordneter Wille verteilte das menschliche Ganze
In Gemeinschaften, Staaten und Stämme, die frei sich regieren;
Dennoch verbleiben sie alle verknüpft durch die Bande des Rechtes,
Dienstbar dem Wohle des Alls und geleitet von heiligen Gesetzen.
Niemand verkenne, wie sehr die Autonomie der Gewalten
Diesem Gefüge der Geister entgegensteht, alles gefährdet,
Weil sie den Frieden der Welt nur der Willkür der Herrscher überlässt.
Wahrhaftes Wohlsein bedarf des Vertrauens der Völker von innen,
Dass ein jedwedes die Treue bewahrt dem geschworenen Worte.
Weisheit ist besser als Waffen des Kriegs, um den Zwiespalt zu heilen,
Der aus dem Wandel der Zeiten und wechselnden Lagen entspringen mag.
Reißt man das Völkerrecht los von den göttlichen Satzungen oben,
Sackt es im Strome des Eigennutzes und kollektiver Sucht ab.
Wird ein Vertrag mit den Jahren den Völkern zur drückenden Last hier,
Sucht man im offenen Wort die Erneuerung; wer ihn jedoch bricht
Einfach nach eigenem Nutzen, zerstört das Vertrauen der Staaten,
Gräbt nur den Graben des Hasses, den niemand zu füllen vermag mehr.
Schrecken voll blicken die Menschen hinab in den Abgrund der Sünden,
Eitle Illusionen von endlosem Fortschritt sind heute zerronnen.
Höre, du Tauber, und sieh, wie die Ordnung im Innern gefehlt hat,
Seitdem die menschliche Willkür sich trennte vom göttlichen Willen.
Mächtige dieser Welt versprechen uns Frieden und Wohlstand
Nach diesem blutigen Ringen; doch wird jene Zukunft auch besser?
Oder wiederholt sich das Leid und der Irrtum der Väter?
Hoffnung allein auf den Ausgang des Krieges zu setzen, ist eitel.
Denn die Stunde des Sieges ist immer die Stunde der Prüfung:
Grausam verhärtet das Herz sich des Siegers im Taumel des Triumphs,
Mäßigung scheint ihm Schwäche, und laut tönt der Ruf: „Weh den Besiegten!“
Aber die Rettung entspringt nicht dem Schwerte, das Frieden erzwingt nur;
Kräfte, die Erde zu wandeln, entspringen allein aus dem Geiste.
Nicht auf dem Treibsand moderner Ideen soll Frieden sich gründen,
Sondern auf Felsen des Naturrechts und göttlicher Offenbarung.
Nur wer die Grenzen der Macht nach dem göttlichen Maße betrachtet,
Bleibt vom Eigennutz frei und bewahrt sein Gewissen vor Fehlern.
Liegt auch die Drangsal der Welt in den wirtschaftlichen Nöten begründet,
Liegt doch die Wurzel noch tiefer: im Abfall vom Glauben der Kirche.
Christus ist Fundament der Erziehung zu Tugend und Sitte;
Sein Reich zu stiften, ist Pflicht für ein jedes getaufte Gewissen,
Selbst wenn die Feinde des Kreuzes sich mächtiger rüsten denn jemals.
Trostvoll erblicken Wir heute im Schoße der heiligen Kirche,
Wie sich die Scharen der Laien vereinen im mutigen Kampfe.
Wenn auch die Ernte gar groß und der Arbeiter wenige sind hier,
Hilft die Katholische Aktion doch den Priestern voll Eifer und Treue,
Massenvölker zu führen zurück zu dem Heiland der Welt nun.
Ihnen in dieser so kritischen Stunde der Welt und der Kirche
Gilt Unser väterlich Gruß und der Dank und die glühende Hoffnung.
Unter das Banner des Königs der Könige stellten sie freudig
Leben und Wirken, und sprechen zum Herrscher die Worte des Psalms nun.
Gleichwie Augustinus gelehrt hat: Wenn ihr vom Knechte des Herren
Hört im Wort, so gedenkt nicht bloß an die Priester und Bischöfe!
Jeder ist Diener des Christus, der gütig im eigenen Hause
Mahnt, belehrt, ermahnt und die Sitten der Kinder geordnet
Leitet zum ewigen Wohl; so erfüllt er das geistliche Amt dort.
Bleibt die Flamme des Glaubens bewahrt an dem heimischen Herde,
Wird auch die Jugend bereit sein, dem Heiland die Treue zu halten.
Werden die Kirchen geschlossen und Kreuze verbannt aus den Schulen,
Bleibt die Familie die Festung, der Zufluchtsort christlichen Lebens.
Welche Ströme von Segen erlöst eine freie Bewegung
Unserer Kirche, da Gott ihr das heilige Mandat gegeben!
Welches Verderben entfiele der Welt, wenn das Wort des Evangeliums
Durch die Völker nun dränge, den kollektiven Stolz zu zertrümmern!
Keineswegs streitet das Recht der Getreuen mit Humanitas;
Darum ergeht Unser Ruf an die Herrscher und Führer der Erde:
Lasset der Kirche die Freiheit, die Jugend in Wahrheit zu formen!
Menschlicher Klugheit Gesetz und politische Kniffe versagen,
Wenn sie alleine versuchen, das Elend der Menschen zu heilen.
Darum erblicken so viele mit neuerer Hoffnung den Felsen,
Petri erhabenen Stuhl, der die göttliche Einheit bewahrt hat.
Zwei Jahrtausende stand die Hierarchie in den Stürmen,
Gütig dem Armen sich neigend, doch fest in der Stunde der Prüfung,
Wo sie den Herrschern der Erde ein mutiges „Non licet!“ zuruft.
Dennoch verdächtigt man Uns, als bedrohten Wir irdische Rechte;
Gegen den Argwohn erklären Wir treu mit apostolischem Munde:
Fern ist solch Streben der Kirche, sie sucht zu dienen, nicht herrschen,
Breitet die Arme als Mutter und folgt dem göttlichen Meister.
Gehorsam lehrt sie den Reichen, getreu dem Befehle des Herren:
„Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist!“, singend im Liede:
Keineswegs raubet Er irdische Reiche, der Himmlische schenket.
Gleichwie die Engel gesungen der Welt an der Krippe des Wortes:
„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden den Menschen auf Erden!“
Diesen erhabenen Frieden hinterließ uns der göttliche Retter;
Wer sich dem Schöpfer widersetzt, wird niemals den Frieden erlangen.
Christus alleine bleibt Eckstein, auf dem die Gemeinschaft sich gründet;
Höllische Pforten vermögen die Kirche des Herrn nicht zu beugen.
Jedes Gebäude dagegen, das rein auf dem Sande errichtet,
Muss im Strudel der Zeiten erbärmlich und elend versinken.
Diese Enzyklika nun erreicht euch im Schatten der Nächte;
Grausam zerreißt uns das Herz ob der Leiden der gläubigen Kinder.
Völker im Strudel des Krieges erleiden erst Anfänge des Schmerzes,
Dennoch regieren schon Tod und Verzweiflung in Tausenden Häusern.
Blut von Unschuldigen schreit aus dem Boden des teuren Polens,
Das für die Treue zur Kirche und Rettung christlicher Bildung
Brüderlich Mitleid verdient und der Auferstehung harrt nun.
Alles, was heute geschieht, sahn Wir kommen und suchten mit Fleiß nun,
Waffen des Krieges zu hemmen; doch blieb Unser Rufen vergebens,
Und mit dem Guten Hirten wiederholen Wir traurig die Worte:
„Hättest auch du doch erkannt, was zum Frieden dir dient in den Tagen!
Aber nun bleibt es verborgen vor deinen erblindeten Augen.“
Dennoch, im tobenden Sturm geht die Braut des Erlösers entgegen
Jener kommenden Welt, die sich gründet auf Liebe und Wahrheit.
Unterdessen jedoch soll die Welt und wer immer im Kriege
Schweres erleidet, erfahren, dass Liebe kein leeres Begriffswort,
Sondern lebendige Tat im erhabenen Reiche des Heilands.
Groß ist das Feld, das sich öffnet der christlichen Milde von neuem.
Fest vertrauen Wir drauf, dass die Söhne, vom Kriege verschonet,
Dem Samariter gleich, den Bedrängten mit Beistand begegnen.
Gottes erhabene Stadt, deren König die Wahrheit, Gesetz liebt,
Deren Maß Ewigkeit, steht gesegnet im Sturme der Zeiten,
Wartend der Stunde, da Christi allmächtige Hand uns den Frieden
Schenkt, und bannt den Geist des Verderbens und elender Zwietracht.
Alles, was Uns nur vermag, um den Tag des Triumphes zu nahen,
Werden Wir tun, im Vertraun auf die Lenker und Millionen der Seelen,
Aber zumeist auf den Herrscher, zu dem Wir im Gebete nun rufen:
Unter dem Schatten der Flügel erhoffe ich Schutz vor dem Übel!
Alles vermag ja der Herr; Er regiert das Schicksal der Völker,
Lenket die Ratschläge süß und beugt sie nach Seinem Gefallen;
Selbst das Hindernis wird Seiner Macht zum vollkommenen Werkzeug.
Betet dann, Brüder, von Herzen und ohne Unterlass beim Altare,
Wenn ihr das Opfer der Liebe darbringt; und auch ihr, die ihr leidend
Zeugnis des Glaubens bewahrt und im Schmerze das Kreuz habt genommen,
Opfert das Flehen dem Herrn, der Aufrichtung schenkt den Gefallnen,
Dass Er die Tage der Prüfung verkürze nach Seiner Erbarmung.
Auch ihr, Kinder, als weiße Legionen dem Heiland so teuer,
Wenn ihr das Brot des Lebendigen nehmt im heiligen Mahle,
Hebt die Unschuld empor und vereint das Gebet mit der Kirche;
Denn das göttliche Herz widersteht nicht dem Flehen der Kleinen.
So erfüllt ihr treu das erhabene Wort des Erlösers,
Seines Herzens Vermächtnis: „Dass alle in Einem sich fügen!“,
Dass in der Einheit des Glaubens die Welt Seine Sendung erkenne.
Schon die Urkirche betete einst in den Tagen der Väter,
Und Wir verbinden Uns heut mit den Worten der heiligen Zwölfe:
„Denke der Kirche, o Herr, sie zu lösen von jeglichem Übel,
Mache sie vollkommen in Liebe und sammle von Winden der Erde
Sie in Dein Reich, das Du herrlich bereitet von Ewigkeiten!“
Voll des Vertrauens auf Ihn, den Stifter und Wahrer des Friedens,
Geben Wir euch aus der Fülle des väterlichen Herzens den Segen.