DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE
ERSTES BUCH DER ODEN
I
Maecenas, aus altem Königshaus entsprossen,
du mein Hort und süßer Stolz,
es gibt welche, die es beglückt,
im olympischen Wagen den Staub aufzuwirbeln,
und das Wendemal, von den glühenden Rädern
knapp verfehlt,
und die edle Palme erheben die Herrscher der Erde
bis zu den Göttern;
den einen hebt die Menge der wandelbaren Bürger
jubelnd empor
zu dreifachen Ehren;
den anderen, der in die eigene Scheune geborgen hat,
was immer von libyschen Tennen
zusammengekehrt wird.
Wer sich freut, die väterlichen Äcker
mit der Hacke zu pflügen,
den wirst du durch keine Angebote aus Attika
jemals dazu bringen,
dass er, ein ängstlicher Seemann,
im zypriotischen Kahn das Myrtoische Meer durchfneidet.
Der Kaufmann fürchtet den Afrikwind,
der mit den ikarischen Fluten ringt,
lobt die Ruhe und die Felder seiner Heimatstadt;
doch bald flickt er seine zerschlagenen Schiffe aus,
unfähig, die Armut zu ertragen.
Da ist einer, der es nicht verschmäht,
Becher alten Massikers
und einen Teil des hellen Tages zu genießen,
jetzt den Körper gestreckt
unter einem grünen Erdbeerbaum,
jetzt an der sanften Quelle eines heiligen Wassers.
Viele erfreut das Feldlager
und der Klang, der sich mischt
aus Horn und Trompete,
und die Kriege, die Mütter verabscheuen.
Unter dem kalten Himmel verharrt der Jäger,
vergessend der zarten Gattin,
sei es, dass den treuen Hunden ein Hirsch erspäht ward,
sei es, dass ein marsischer Eber die runden Netze riss.
Mich machen Efeukranz, der Gelehrten Stirnbeschwer,
den Göttern oben gleich;
mich sondern der kühle Hain
und der Nymphen leichte Chöre samt den Satyrn
ab vom Volk,
wenn nur Euterpe die Flöten nicht zurückhält
und Polyhymnia nicht verschmäht,
die lesbische LeIer zu spannen.
Doch wenn du mich unter die lyrischen Dichter reihst,
werde ich mit erhobenem Scheitel die Sterne berühren.
II
Nun hat der Vater genug an die Erde
von Schnee und schrecklichem Hagel gesandt
und mit glühender Rechten,
auf die heiligen Burgen geschleudert,
die Stadt erschreckt,
die Völker erschreckt,
aus Furcht, das schwere Zeitalter der Pyrrha kehrte zurück,
die über neue Wunder klagte,
als Proteus die ganze Herde
auf die hohen Berge trieb
und das Geschlecht der Fische
oben auf der Ulme hängend blieb,
die zuvor der Wohnort der Tauben gewesen war,
und die ängstlichen Rehe
im übergossenen Meer umherschwammen.
Wir sahen den gelben Tiber,
während die Flut vom etruskischen Ufer
gewaltsam zurückgeworfen wurde,
davoneilen, um die Denkmäler des Königs
und die Tempel der Vesta zu vernichten,
während er sich, der allzu sehr klagenden
Ilia zum Rächer aufspielend,
als gefügiger Fluss
am linken Ufer verirrend dahingleitet,
obwohl Jupiter es missbilligt.
Der Bürger wird hören, dass das Eisen geschärft ward,
durch das die schweren Perser
besser umgekommen wären;
hören wird die Kämpfe
die an Nachkommen arme Jugend
durch die Schuld der Eltern.
Welchen der Götter soll das Volk
um den Zustand des stürzenden Reiches anrufen?
Mit welchem Gebet sollen die heiligen Jungfrauen
die Vesta ermüden,
die auf Gesänge nicht achtet?
Wem wird Jupiter den Auftrag geben,
die Freveltat zu sühnen?
Komm doch endlich, gehüllt in die Wolke
der glänzenden Schultern,
wachender Apoll,
oder, wenn es dir lieber ist,
lächelnde Erycina,
um die Scherz und Cupido flattern,
oder blickst du auf das vernachlässigte Geschlecht
und die Enkel zurück,
Urheber,
der du vom allzu langen Spiel satt bist,
den das Geschrei freut
und die leichten Helme,
und das blutige Antlitz des maurischen Fußsoldaten
gegen den Feind,
oder nimmst du, in veränderter Gestalt
ein geflügelter Jüngling auf Erden,
die Züge der holden Maia an,
und lässt dich geduldig
den Rächer Caesars nennen?
Spät mögest du in den Himmel zurückkehren
und lange froh dem Volk des Quirinus angehören,
und möge dich nicht,
unseren Lastern gram,
ein allzu schneller Hauch entführen;
hier wollst du große Triumphe,
hier wollst du Vater und Princeps genannt sein,
und wollst nicht dulden,
dass die Meder ungestraft umherreiten,
während du der Führer bist, Caesar.
III
So möge dich die Göttin,
die über Zypern herrscht,
so mögen dich die Brüder Helenae,
die leuchtenden Gestirne,
und der Vater der Winde behüten,
während die anderen gefesselt sind
bis auf den Iapyx,
Schiff, das du den dir anvertrauten
Vergil schuldest;
den attischen Grenzen
gib ihn heil zurück, so bete ich,
und bewahre die Hälfte meiner Seele.
Eiche und dreifaches Erz
lagen wohl um die Brust dem,
der das zerbrechliche Schiff
dem wilden Meere als Erster anvertraute,
und der den jähzornigen Afrik
nicht fürchtete, der mit den Aquilonen wetteifert,
noch die traurigen Hyaden
noch die Wut des Notus,
als den es keinen größeren Gebieter
über die Adria gibt,
sei es, um die Fluten zu erregen
oder zu glätten.
Welche Art von Tod hat der gefürchtet,
der mit trockenem Auge
die schwimmenden Ungeheuer sah,
der das aufgewühlte Meer sah
und die berüchtigten Klippen von Akrokeraunien?
Vergeblich hat der Gott
weise die Erde durch das Meer getrennt,
das man nicht vereinigen soll,
wenn doch frevelhafte Schiffe
durch die Furchen springen, die man nicht berühren darf.
Kühn, alles zu ertragen,
stürzt das menschliche Geschlecht
durch verbotenes Unrecht dahin;
kühn brachte das Geschlecht des Iapetus
das Feuer durch bösen Betrug den Völkern;
nach dem Feuer,
aus der ätherischen Wohnung geraubt,
lagerten sich Auszehrung
und ein neuer Zug von Fiebern auf der Erde nieder,
und das zuvor ferne,
träg zögernde Schicksal des Todes
raffte den Schritt zusammen.
Dädalus erprobte die leere Luft
mit Federn, die dem Menschen nicht gegeben sind;
durchbrochen hat den Acheron die Mühe des Herkules.
Nichts ist den Sterblichen zu schwer;
den Himmel selbst bestürmen wir in unserer Torheit,
und durch unseren Frevel
lassen wir nicht zu,
dass Jupiter seine zornigen Blitze ablegt.
IV
Es löst sich der strenge Winter
durch den willkommenen Wechsel von Frühling und Westwind,
und es ziehen die Seilwinden
die trockenen Kiele ins Wasser,
und weder freut sich das Vieh länger der Ställe
noch der Pflüger des Feuers,
und nicht mehr bleichen die Wiesen
von weißem Reif.
Nun führt Kytherea die Chöre an,
während der Mond droht,
und die anmutigen Grazien, verbunden mit den Nymphen,
erschüttern abwechselnd mit dem Fuß die Erde,
während der schwere, glühende Vulkan
die Werkstätten der Zyklopen besucht.
Nun ziemt es sich,
das glänzende Haupt mit grünem Myrtenstrauch zu schmücken
oder mit Blumen, die die gelöste Erde hervorbringt;
nun ziemt es sich auch,
dem Faunus in schattigen Hainen zu opfern,
sei er mit einem Lamm zur Stelle
oder ziehe er einen Bock vor.
Der blasse Tod pocht mit unvoreingenommenem Fuß
an die Hütten der Armen
und an die Türme der Könige.
O glücklicher Sestius,
die kurze Summe unseres Lebens
verbietet uns, eine lange Hoffnung zu hegen.
Schon wird dich die Nacht bedrängen
und die sagenhaften Schatten
und das dürftige plutonische Haus,
wo du, sobald du eingezogen bist,
weder das Königside der Weine durch das Los bestimmen
noch den zarten Lycidas bewundern wirst,
für den jetzt die ganze Jugend brennt
und für den bald die Jungfrauen erwarmen werden.
V
Welcher zarte Knabe drängt sich dir, Pyrrha,
in reichlichen Rosen,
getränkt mit flüssigen Düften,
in der lieblichen Grotte auf?
Wem bindest du dein blondes Haar zusammen,
schlicht in deiner Eleganz?
Ach, wie oft wird er den Glauben
und die gewandelten Götter beweinend
und das vom schwarzen Sturm aufgewühlte Meer
ungewohnt bestaunen,
der dich jetzt leichtgläubig genießt,
als eine goldene,
der immer hofft, du seiest frei,
immer liebenswert,
ohne zu wissen, wie trügerisch der Wind ist.
Armselige sind sie,
denen du glänzt, ohne dich erprobt zu haben.
Mich zeigt die Wand,
geweiht mit einer Votivtafel,
als den, der seine nassen Kleider
dem mächtigen Meeresgott aufgehängt hat.
VI
Du wirst von Varius beschrieben,
dem tapferen Sieger über die Feinde,
dem Geflügelten des mäonischen Gesangs,
welche Taten immer der wilde Soldat
zu Schiff oder zu Pferd
unter deiner Führung vollbracht hat.
Wir, Agrippa, versuchen weder dies zu besprechen
noch den grimmigen Zorn des Peliden,
der das Nachgeben nicht kannte,
noch die Fahrten des listigen Odysseus über das Meer
noch das grausame Haus des Pelops,
klein, wie wir sind, zu großem Stoff,
während Scham
und die Muse der zarten Leyra es verbieten,
die Lobeserfolge des erhabenen Caesars
und die deinigen
durch die Schuld eines schwachen Talents zu mindern.
Wer könnte Mars, mit adamantener Rune bedeckt,
würdig beschreiben
oder Meriones, schwarz vom trojanischen Staub,
oder, mit Pallas' Hilfe, den Tydiden,
den Göttern ebenbürtig?
Wir besingen Gelage, wir besingen die Schlachten
von Jünglingen, die durch geschnittene Nägel
auf junge Frauen losgehen,
frei von Sorgen, ob wir entbrannt sind,
vielleicht unbeschwert, wie es nicht anders ist.
VII
Die einen werden das helle Rhodos loben oder Mytilene
oder Ephesus oder die Mauern des zweigeteilten Korinth
oder Theben, das dem Bacchus gehört, oder Delphi dem Apollon
oder das thessalische Tempe;
es gibt einige, deren einzige Aufgabe es ist,
die Stadt der unberührten Pallas
in ununterbrochenem Gesang zu rühmen
und den von überall her abgepflückten Olymipen-Ölbaum
auf die Stirn zu setzen;
sehr viele werden zu Ehren der Juno
das pferdereiche Argos und das reiche Mykene rühmen:
mich hat weder das so ausdauernde Laktämon
noch das Feld des reichen Larissa so sehr getroffen
wie das Haus der rauschenden Albunea
und der steile Anio und der Hain des Tiburnus
und die Obstgärten, die von beweglichen Bächen benetzt sind.
Wie der helle Notus oft die Wolken
vom verdunkelten Himmel wischt
und nicht ununterbrochen Regenschauer hervorbringt,
so denkst du, o Plancus, weise daran,
die Traurigkeit und die Mühsal des Lebens
mit weichem Wein zu beenden,
sei es, dass dich das Lager hält, das mit Standarten glänzt,
sei es, dass der dichte Schatten deines Tibur dich halten wird.
Teucer, als er Salamina und den Vater floh,
soll dennoch, die von Lyaeus feuchten Schläfen
mit einem Pappelkranz umwunden,
so die traurigen Freunde angesprochen haben:
„Wohin uns auch immer ein Glück
führt, das besser ist als ein Vater,
dorthin wollen wir gehen, o Gefährten und Genossen.
Nichts ist unter Teucers Führung
und unter Teucers Vorzeichen zu verzweifeln:
denn Apollo hat gewiss versprochen,
dass es ein doppeltes Salamina in neuem Land geben wird.
O ihr Tapferen, die ihr oft Schlimmeres
mit mir ertragen habt,
treibt jetzt die Sorgen mit Wein weg;
morgen werden wir das große Meer wieder bereisen.“
VIII
Lydia, sag, bei allen Göttern
beschwöre ich dich, warum beeilst du dich,
den Sybaris durch deine Liebe zu verderben,
warum er den sonnigen Campus hasst,
der den Staub und die Sonne aushält,
warum er nicht als Soldat
unter den Gleichaltrigen reitet
und das gallische Maul
nicht mit Wolfszäumen zügelt?
Warum fürchtet er es, den gelben Tiber zu berühren?
Warum meidet er das Olivenöl
vorsichtiger als Schlangengift
und trägt er nicht mehr seine blauen Arme von Waffen,
er, der oft durch den Diskus,
oft durch den Speer,
der weit über das Ziel hinausgeworfen wurde, berühmt war?
Warum verbirgt er sich, wie man sagt, dass der Sohn
der Meeresgöttin Thetis sich unter dem tränenreichen Troja
vor dem Untergang versteckte,
damit die männliche Tracht
ihn nicht in das Gemetzel
und zu den lykischen Scharen reißt?
IX
Siehst du, wie das Soracte
weiß vom tiefen Schnee dasteht
und die müden Wälder
die Last nicht mehr tragen
und die Flüsse vor scharfem Frost erstarrt sind?
Löse die Kälte,
indem du reichlich Holz über das Feuer legst
und großzügiger den vierjährigen Sabiner Wein
aus der zweistämmigen Amphora herausholst,
o Thaliarchus.
Überlass das Übrige den Göttern,
die sogleich die Winde beruhigt haben,
die auf dem tosenden Meer miteinander ringen,
und weder die Zypressen
noch die alten Eschen werden bewegt.
Was morgen sein wird, frage nicht,
und welchen Tag immer das Schicksal bringen wird,
rechne ihn als Gewinn an,
und verschmähe nicht die süßen Liebschaften,
o Knabe, und auch nicht die Tänze,
solange die mürrische Graugemütigkeit
fern vom grünen Alter ist.
Jetzt werden Campus und Plätze
und leise Flüstern bei Nacht
zur vereinbarten Stunde wiedergesucht,
jetzt wird auch das süße Lachen
der sich aus der innersten Ecke versteckenden
Mädchen verraten
und das Pfand, das von den Armen
oder von dem kaum widerspenstigen Finger geraubt wurde.
X
Merkur, beredter Enkel des Atlas,
der du die wilden Sitten
der jungen Menschen
mit der Stimme und der Sitte
der schönen Palästra weise gebildet hast,
ich will dich besingen,
den Boten des großen Jupiter und der Götter
und den Erfinder der geschwungenen Leier,
der geschickt ist, was immer
es ihm gefiel, in scherzhaftem Diebstahl zu verbergen.
Dich, als du einst die Rinder,
durch List entfernt,
als Knabe mit drohender Stimme erschrecktest,
lächelte der des Köchers beraubte Apollo an.
Ja, sogar der hochmütige Atride
unter deiner Führung
entkam dem reichen Priamos,
als dieser Ilia verließ,
und den thessalischen Feuern
und den feindlichen Lagern Trojas.
Du bringst fromme Seelen
in die glücklichen Sitze zurück
und zähmst die leichte Schar mit dem goldenen Stab,
den Göttern oben
und denen unten angenehm.
XI
Du sollst nicht suchen – zu wissen ist frevelhaft –,
welches Ende mir, welches Ende dir
die Götter gegeben haben, Leuconoe,
und versuche nicht die babylonischen Zahlen.
Wie viel besser ist es, zu ertragen, was immer sein wird!
Ob Jupiter mehrere Winter gewährt
oder den letzten,
der jetzt das Tyrrhenische Meer
an den gegenüberliegenden Klippen bricht:
sei klug, gieße den Wein ab
und schneide auf kurze Sicht
eine lange Hoffnung ab.
Während wir reden, wird die neidische
Zeit entflohen sein:
nutze den Tag,
und vertraue so wenig wie möglich auf den morgigen.
XII
Welchen Mann oder Helden
nimmst du dir mit Leier oder scharfer Flöte
zu feiern, Clio?
Welchen Gott?
Wessen Namen wird die scherzhafte Echo
wiedererklingen lassen
entweder an den schattigen Ufern des Helikon
oder oben auf dem Pindus oder dem kalten Haemus?
Wo einst die Wälder den Sänger Orpheus
mit mütterlicher Kunst unüberlegt verfolgten,
der den schnellen Lauf der Flüsse
und die schnellen Winde aufhielt,
und gewandt war,
launige Eichen mit den lieblichen Saiten zu lenken.
Was soll ich zuerst erwähnen
nach dem gewohnten Lob des Vaters,
der die Angelegenheiten der Menschen und Götter,
der das Meer und die Lande
und die Welt mit den wechselnden Jahreszeiten lenkt?
Aus dem nichts Größeres
als er selbst hervorgebracht wird
und nichts Ähnliches oder Zweites blüht;
doch Pallas wird die nächsten
Ehren nach ihm einnehmen.
In den Schlachten kühn,
auch dich werde ich nicht verschweigen, Liber,
und die feindliche Jungfrau gegen wilde Bestien,
noch dich, o gefürchteter Apollon mit dem sicheren Pfeil.
Ich werde auch den Alkides
und die Söhne der Leda nennen,
von denen der eine für Pferde,
der andere für den Faustkampf berühmt ist;
sobald deren heller Stern
für die Seeleute erglänzt,
fließt das vom Wind gepeitschte Wasser von den Felsen,
die Winde legen sich und die Wolken fliehen,
und die drohende Welle,
die sie so wälzten, legt sich auf dem Meer nieder.
Romulus nach diesen
– ob ich zuerst die friedliche Herrschaft des Pompilius
erwähnen soll oder die hochmütigen Rutenbündel des Tarquinius,
weiß ich nicht –,
oder den edlen Tod des Cato?
Den Regulus und die Scauren
und den an großem Geist verschwenderischen Paulus
werde ich, während der Feind siegt,
dankbar mit der herausragenden Muse nennen
und den Fabricius.
Diesen und den Curius mit ungekämmtem Haar,
für den Krieg nützlich,
hat die strenge Armut hervorgebracht
und der väterliche Landgut
mit passendem Heim.
Es wächst wie ein Baum in verborgener Zeit
der Ruhm des Marcellus;
es glänzt unter allen
das julianische Gestirn,
wie unter den kleineren Feuern der Mond.
Vater und Hüter des menschlichen Geschlechts,
aus Saturn entsprungen,
dir ist die Sorge um den großen Caesar durch das Schicksal gegeben:
du sollst unter dem zweiten Caesar herrschen.
Er, sei es, dass er die Parther,
die Latium bedrohen,
in gerechtfertigtem Triumph vertrieben hat,
sei es, dass er die unterworfenen Sserer
und Inder des morgenländischen Küstenstreifens besiegt,
wird, dir untergeordnet,
die frohe Welt gerecht regieren:
du wirst mit schwerem Wagen
den Olymp erschüttern,
du wirst feindselige Blitze
auf die nicht keuschen Haine werfen, Caesar.
XIII
Wenn du, Lydia,
die rosenfarbene Zunft des Telephus
und die wächsernen Arme
des Telephus rühmst, wehe,
da schwillt mir die siedende Leber
vor schwerem Gallenzoll.
Dann bleiben mir weder Verstand
noch Farbe an sicherem Ort,
und heimlich gleitet eine Träne über die Wange,
und bezeugt,
wie tief ich von langsamen Flammen zermürbt werde.
Ich brenne, sei es,
dass zügellose Wein-Raufereien
deine makellosen Schulter getrübt haben,
sei es, dass der wütende Knabe
mit den Zähnen ein bleibendes Mal
in deine Lippen drückte.
Nein, wenn du mich genug hörst,
würdest du nicht hoffen,
dass der ewig bleibt,
der barbarisch die süßen Küsse verletzt,
die Venus vom fünften Teil
ihres Nektars durchtränkt hat.
Dreimal und noch mehr glücklich sind die,
welche ein unzerreißbares Band umschließt,
und die, von bösen Klagen
niemals getrennt,
ihre Liebe nicht früher
als der letzte Tag bricht.
XIV
O Schiff, dich treiben neue Fluten
wieder ins Meer. O was tust du?
Erobere tapfer den Hafen. Siehst du nicht,
wie die Seite ohne Ruder
und der Mast, vom schnellen Afrikwind verletzt,
und die Rahen ächzen und die Kriebe
kaum ohne Seile
das allzu gebietende
Meer ertragen können?
Dir sind die Segel nicht ganz,
nicht die Götter,
die du nochmals in der Bedrängnis anrufst.
Obwohl du eine pontische Kiefer bist,
eine edle Tochter des Waldes,
und prahlst mit Geschlecht und nutzlosem Namen:
der ängstliche Seemann vertraut
auf gemalte Hecks nichts.
Du, wenn du nicht den Winden
zum Spiel gehörst, hüte dich.
Die du mir neulich Sorge und Überdruss warst,
bist mir nun Sehnsucht
und nicht leichte Sorge:
meide die Wasser,
die sich zwischen den glänzenden Kykladen ergiessen.
XV
Als der treulose Hirte
die fremde Helena
auf ideischen Schiffen durch die Meere zog,
zwang Nereus die schnellen Winde
zu unwilligem Stillstand,
um grausige Schicksale zu weissagen:
"Du führst ein Haus heim unter schlechten Vorzeichen,
das Griechenland mit vielem Heer aufsuchen wird,
verbündet, deine Hochzeit
und das alte Reich des Priamos zu brechen.
Weh, weh, welcher Schweiß
steht den Pferden, welcher den Männern bevor!
Welches Verderben bereitest du
dem trojanischen Geschlecht!
Schon rüstet Pallas Helm
und Ägide und Wagen und Raserei.
Vergeblich wirst du,
durch den Schutz der Venus stolz,
dein Haar kämmen
und den Frauen gefällige Lieder
auf der wehrlosen Zithern teilen;
vergeblich wirst du im Schlafgemach
schwere Lanzen
und die Pfeile des knossischen Bogens meiden
und den Lärm und den schnell folgenden Ajax:
doch wirst du, wehe, spät
das buhlerische Haar mit Staub beschmutzen.
Denktest du nicht an den Laertiden,
das Verderben deines Geschlechts,
nicht an den pylischen Nestor?
Es drängen dich furchtlos
der salaminische Teucer,
dich Sthenelus, kundig im Kampf,
und, wenn es gilt, Pferde zu lenken,
kein träger Lenker;
auch Meriones wirst du kennen lernen.
Siehe, es wütet, dich zu finden,
der grimmige Tydides,
besser als sein Vater,
vor dem du, wie ein Hirsch
im anderen Tal
den gesehenen Wolf
vergessend des Grases,
mit hohem Atem schmachtend fliehn wirst,
nicht das hast du deiner versprochen.
Die zornige Flotte des Achilleus
wird den Tag für Ilium
und die phrygischen Matrosen verschieben;
nach bestimmten Wintern
wird das achäische Feuer
die trojanischen Häuser verbrennen."
XVI
O Tochter, schöner als die schöne Mutter,
welches Maß du immer wollen wirst,
wirst du meinen schmähenden Iamben setzen,
sei es im Feuer
oder im adriatischen Meer.
Weder Dindymene noch der pythische Bewohner
erschüttert in den Heiligtümern
den Sinn der Priester so,
weder Liber gleichermaßen,
noch schlagen die Korybanten
die scharfen Becken so doppelt,
wie der traurige Zorn,
den weder das norische Schwert
noch das schiffbrüchige Meer
noch das grausame Feuer
aufhält,
noch Jupiter selbst,
der mit gewaltigem Sturme herabstürzt.
Man sagt, Prometheus,
gezwungen, dem ersten Lehm
ein Teilchen, von überall her abgeschnitten,
hinzuzufügen,
hat die Kraft des wütenden Löwen
unserem Magen zugefügt.
Der Zorn hat Thyestes
zu schwerem Untergang gestürzt
und war für die höchsten Städte
die letzte Ursache,
warum sie völlig zugrunde gingen
und das feindliche Heer
über die Mauern
den frechen Pflüger trieb.
Zähme deinen Sinn:
auch mich hat in der süßen Jugend
die Glut des Herzens versucht
und in die schnellen Iamben
rasend getrieben.
Nun suche ich das Traurige
durch Milde zu ersetzen,
damit du mir,
nachdem die Schimpfworte zurückgenommen sind,
freundlich wirst
und mir meinen Sinn wiedergibst.
XVII
Oft wechselt der schnelle Faunus
den lieblichen Lucretilis
mit dem Lykaeus
und schützt meine Ziegen
vor der feurigen Sommerhitze
und vor den regnerischen Winden.
Ungestraft suchen die Weiber
des duftenden Bockes
durch den sicheren Hain
sich versteckende Erdbeerbäume
und Thymian,
und fürchten weder grüne Schlangen
noch marsische Zicklein,
sooft, Tyndaris,
die Täler und die glatten Felsen
des schlafenden Ustica
von der süßen Flöte widerklingen.
Die Götter beschützen mich,
den Göttern ist meine Frömmigkeit
und meine Muse lieb.
Hier wird dir die Fülle
aus dem reichen Horn
des ländlichen Schmucks
bis zum Rand fließen;
hier wirst du in abgeschiedenem Tal
der Hundssternhitze ausweichen
und zur teianischen Leier
die um einen einigen Mann ringende
Penelope besingen
und die gläserne Kirke;
hier wirst du die Becher
des unschuldigen Lesbiers
unter dem Schatten leeren,
und der semelische Thyoneus
wird nicht mit Mars
die Schlachten vermischen,
und du wirst nicht den frechen
Cyrus verdächtig fürchten,
dass seine zügellose Hand
dir ungleich zupackt
und den den Haaren anhaftenden Kranz
und die unschuldige Kleidung zerreißt.
XVIII
Keinen Baum sollst du vor dem heiligen Weinstock säubern,
Varo, um den weichen Boden
des Tibur und die Mauern des Catilus;
denn alles Harte
hat der Gott den Durstigen auferlegt,
und anders entfliehen
die nagenden Sorgen nicht.
Wer redet nach dem Wein
von schwerem Kriegsdienst oder Armut?
Wer dich nicht vielmehr, Vater Bacchus,
und dich, anmutige Venus?
Und damit niemand
die Gaben des mäßigen Liber überschreite,
mahnt der Kampf der Zentauren
mit den Lapithen über dem Wein,
den sie auskämpften;
es mahnt der nicht sanfte Euhius
die Sithonier,
wenn sie gierig Recht und Unrecht
durch eine kleine Grenze der Lüste unterscheiden.
Nicht werde ich dich,
glänzender Bassareus,
wider deinen Willen erschüttern,
noch das mit verschiedenen Blättern Bedeckte
ans Tageslicht reißen.
Halte die grausamen Pauken
mit dem berekyntischen Horn zurück,
denen der blinde Selbsthass
und die den leeren Scheitel
allzu sehr erhebende Ruhmbegierde
und die Treue folgt,
die geizig mit Geheimnissen
und durchsichtiger als Glas ist.
XIX
Die grausame Mutter der Knaben
und der thebanische Sohn der Semele
und die ausgelassene Licentia
befehlen mir, das Herz
wieder den beendeten Lieben zuzuwenden.
Es brennt mich der Glanz Glyceras,
die heller strahlt als parischer Marmor;
es brennt mich die anmutige Frechheit
und das Antlitz, das allzu glatt ist,
als dass man es anschauen könnte.
Auf mich stürzt sich die ganz entblößte Venus,
hat Zypern verlassen, und duldet es nicht,
von den Skythen oder von dem Parther zu sprechen,
der mit gewendeten Pferden mutig ist,
noch von dem, was gar nichts zur Sache tut.
Hier, ihr Knaben, errichtet mir
einen lebendigen Rasen, hier das heilige Kraut
und Räucherwerk mit einer zweijährigen
Schale purem Wein:
das geopferte Opfertier wird milder erscheinen.
XX
Du wirst mäßigen Sabiner Wein
aus bescheidenen Bechern trinken,
den ich selbst im griechischen Gefäß
eingemauert und verkorkt habe,
damals, als dir im Theater der Beifall gespendet wurde,
werter Ritter Maecenas,
sowie das Ufer des väterlichen Flusses
sowie das scherzhafte Echo
des vatikanischen Berges dir Lobeshymnen darbrachte.
Caecubum und die vom calenischen Kelch
gezähmte Traube wirst du trinken;
meine Weinberge bewahren weder Falerner
noch die Becher der formianischen Hügel.
XXI
Besingt Diana, ihr zarten Jungfrauen,
besingt, ihr Knaben, den ungeschnittenen Cynthius
und Latona,
die vom höchsten Jupiter
tief geliebt wird;
ihr sollt die preisen, die sich an Flüssen freut
und an der Laube der Haine,
welche entweder auf dem kühlen Algidus hervorragt
oder in den schwarzen Wäldern des Erymanthus
oder des grünen Gragus;
ihr sollt Tempe mit ebenso vielen Lobeserfolgen erheben
und das Geburtsland des Apollo, Delos,
und die geschmückte Schulter mit dem Köcher
und der brüderlichen Leier, ihr Männer.
Diese wird, durch euer Bitten bewegt,
tränenden Krieg, diese miserablen Hunger
und Pestilenz vom Volk
und vom Prinzen Caesar
zu den Persern und Briten lenken.
XXII
Wer unbescholten im Leben
und frei von Schuld ist,
braucht keine maurischen Speere
und keinen Bogen
und keinen Köcher,
voll von giftigen Pfeilen, o Fuscus,
sei er im Begriff, durch die glühenden Syrten zu reisen
oder durch den inhospitalen Kaukasus
oder durch jene Orte,
die der sagenhafte Hydaspes bespült.
Mich nämlich floh ein Wolf
in dem sabinischen Wald,
während ich meine Lalage besang
und über die Grenze hinaus
ohne Sorgen umherstreifte,
unbewaffnet,
ein solches Ungeheuer,
wie weder das kriegerische Daunien
in seinen weiten Eichenwäldern ernährt
noch die Erde des Juba erzeugt,
die trockene Nährerin der Löwen.
Setze mich auf jene trägen Felder,
wo kein Baum
durch den sommerlichen Hauch erquickt wird,
welche Seite der Welt
auch immer Nebel und ein böser Jupiter bedrängt;
setze mich unter den Wagen
der allzu nahe stehenden Sonne
in ein Land, das den Häusern versagt ist:
die süß lachende Lalage werde ich lieben,
die süß sprechende.
XXIII
Du meidest mich, Chloe,
einem Knaben gleich,
der auf unwegsamen Bergen
seine ängstliche Mutter sucht,
nicht ohne eitle Furcht
vor Wind und Wald.
Denn sei es, dass die Ankunft
des Frühlings durch bewegliche Blätter erschauerte,
sei es, dass grüne Eidechsen
den Brombeerstrauch bewegten,
so zittert sie an Herzen und Kien.
Aber ich verfolge dich nicht,
um dich zu zerbrechen,
wie eine grausame Tigerin
oder ein gätulischer Löwe;
höre endlich auf,
der Mutter nachzulaufen,
da du reif für einen Mann bist.
XXIV
Welche Scham oder welches Maß
soll es für die Sehnsucht
nach einem so teuren Leben geben?
Bestimme die klagenden Lieder,
Melpomene, der der Vater
eine klare Stimme samt Zither gegeben hat.
Erwacht also Quintilius
zu einem ewigen Schlaf?
Wann wird Scham und der Gerechtigkeit Schwester,
die unbestechliche Treue
und die nackte Wahrheit
irgendeinen Seinen gleichen finden?
Er starb, von vielen Guten
bewint,
von keinem mehr als von dir, Vergil.
Du bittest, ach, vergeblich
die Götter um Quintilius,
der ihnen nicht so anvertraut war.
Was, wenn du die Leier,
die von den Bäumen gehört wurde,
sanfter als der thrakische Orpheus stimmtest?
Sollte das Blut
zu dem leeren Schatten zurückkehren,
den einmal Merkur,
der nicht sanft ist,
die Schicksale mit dem schrecklichen Stab
zu öffnen,
in die schwarze Herde getrieben hat?
Das ist hart:
aber was zu korrigieren ein Frevel ist,
wird durch Geduld leichter.
XXV
Spärlicher erschüttern
die übermütigen Jünglinge
die verbundenen Fenster
mit häufigem Werfen
und rauben dir nicht den Schlaf,
und die Tür liebt die Schwelle,
die zuvor die Angeln
sehr leicht bewegte.
Du hörst immer weniger:
„Schläfst du, Lydia,
während ich, dein Lieber,
lange Nächte verbringe?“
Wiederum wirst du, ein altes Weib,
die arroganten Ehebrecher
leicht in einer einsamen Gasse beweinen,
während der thrakische Wind
unter der Neumondzeit stärker tobt,
wenn die brennende Liebe
und die Wollust,
welche die Pferde-Mütter wütend zu machen pflegt,
um die geschwürige Leber rasen wird
nicht ohne Klage,
weil sich die frohe Jugend
lieber an dem grünen Efeubehang
und der dunklen Myrte erfreut
und die trockenen Blätter
als Genossen des Winters
dem Eurus widmet.
XXVI
Den Musen als Freund
will ich Traurigkeit und Ängste
den frechen Winden übergeben,
auf dem kretischen Meer zu tragen,
wer unter dem Arktos
als König der kalten Küste gefürchtet wird;
von Sorgen befreit,
was Tiridates ängstigen mag.
O du, die du dich an reinen Quellen erfreust,
flechte sonnige Blumen,
flechte meinem Lamia eine Krone,
süße Piplea.
Nichts nutzen meine Ehren ohne dich;
ihn mit neuen Saiten,
ihn mit lesbischem Plektron zu weihen,
geziemt sich für dich und deine Schwestern.
XXVII
Auf die dem Gebrauch der Freude
geborenen Becher zu schlagen,
ist Sache der Thraker;
schafft die barbarische Sitte ab
und haltet den ehrbaren Bacchus
von blutigen Raufereien fern.
Vom Wein und von den Lampen
weicht das medische Krummschwert
gewaltig ab;
besänftigt den unheiligen Lärm,
ihr Gefährten,
und bleibt auf dem Ellbogen gestützt.
Wollt ihr, dass auch ich
einen Teil des strengen Falerners nehme?
Es soll der Bruder der opuntischen Megylla
sagen, durch welche Wunde er glücklich ist,
durch welchen Pfeil er vergeht.
Zögert der Wille?
Ich werde unter keinen anderen
Bedingungen trinken.
Welche Venus auch immer dich bezwingt,
sie brennt dich mit Feuern an,
der man sich nicht zu schämen braucht,
und du sündigst stets
mit edler Liebe.
Was immer du hast, wohlan,
vertraue es sicheren Ohren an.
Ach! Armer, in welcher Charybdis
warst du verstrickt,
du Knabe, der eine bessere Flamme verdient!
Welche Haga, welcher Magus
wird dich mit thessalischen Giften
lösen können, welcher Gott?
Kaum wird Pegasus dich,
der du an die dreigestaltige
Chimäre gefesselt bist, befreien.
XXVIII
Dich, der Meere und Erde
und des zähllosen Sandes
Messer, beschränkt, Archytas,
nahe beim breiten Matinum
die Gabe von wenig Staub,
und es nützt dir in nichts,
die luftigen Wohnungen versucht zu haben
und den runden Pol mit dem Geist
als Sterblicher durchlaufen zu haben.
Es starbst auch des Pelops
Erzeuger, der Tischgenosse der Götter,
und Tithonus, in die Lüfte entrückt,
und Minos, in Jupiters Geheimnisse
eingeweiht, und das Tartarus hat
den Panthoiden abermals zum Orkus
hinabgesandt, wiewohl er,
nachdem das trojanische Schild
abgenommen war,
die Zeiten bezeugt, nichts weiter
als Sehnen und Haut
dem schwarzen Tode überlassen hatte,
nach deinem Urteil kein unbedeutender
Urheber der Natur und der Wahrheit.
Aber eine einzige Nacht erwartet alle,
und einmal muss der Weg des Todes
beschritten werden.
Die Furien geben andere
dem grimmigen Mars zur Schau,
das gierige Meer ist den Matrosen der Untergang;
die Bestattungen alter und junger Menschen
mischen und verdichten sich, kein Haupt
entrinnt der grausamen Proserpina.
Mich hat auch der reißende Gefährte
des herabneigenden Orion,
der illyrische Notus, in den Wellen vernichtet.
Aber du, Seemann, spare nicht boshaft,
dem wankenden Sande
für meine Gebeine und das unbestattete Haupt
ein Teilchen zu geben:
so möge, was immer der Eurus
den Hesperischen Fluten droht,
von den Wäldern der Venus gewissermaßen
gezähmt werden,
und viel Gewinn, woher er kann,
dir herabfließen von dem gerechten Jupiter
und Neptun, dem Wächter des heiligen Tarent.
Vernachlässigst du es,
eine Freveltat zu begehen,
die bald den unschuldigen Nachkommen
schaden wird? Vielleicht erwarten
sogar dich selbst das gebührende Recht
und die stolzen Wechselfälle:
ich werde nicht mit ungerachten Gebeten
zurückgelassen werden,
und keine Sühneopfer werden dich erlösen.
Obgleich du eilst, es ist keine lange Frist;
es wird dir erlaubt sein,
nachdem du dreimal Staub eingeworfen hast,
zu eilen.
XXIX
Iccius, beneidest du jetzt
die reichen Schätze der Araber
und bereitest einen scharfen Feldzug
gegen die zuvor unbesiegten
Könige der Sabäer
und den schrecklichen Meder
und schmiedest Ketten?
Welche Barbarin wird dir
als Sklavin dienen,
nachdem ihr Bräutigam getötet wurde?
Welcher Knabe aus dem Königshaus
wird mit eingeölten Haaren
am Mischkrug aufgestellt werden,
der gelernt hat,
sermonische Pfeile
mit dem väterlichen Bogen zu spannen?
Wer kann leugnen, dass herabfließende Bäche
von steilen Bergen
wieder zurückfließen können
und der Tiber sich umkehrt,
während du, der du von überall her
teure Bücher des Panaitios
und das sokratische Haus erkauft hast,
darauf aus bist,
sie gegen iberische Panzer zu tauschen,
nachdem du Besseres versprochen hattest?
XXX
O Venus, Königin von Knidos
und Paphos,
verschmähe dein geliebtes Zypern
und begib dich in das schmucke Heiligtum
der Glycera,
die dich mit viel Weihrauch ruft.
Es sollen der glühende Knabe
und die Grazien mit gelösten Gürteln
und die Nymphen eilen
und die wenig freundliche Jugend ohne dich
und Mercurius.
XXXI
Was bittet der Dichter
den geweihten Apollo?
Was betet er, wenn er aus dem Becher
neuen Wein gießt?
Nicht die ertragreichen Ernten
des reichen Sardiniens,
nicht die willkommenen Herden
der glühenden Kalabriens,
nicht Gold oder indisches Elfenbein,
nicht die Ländereien,
die der stille Fluss Liris
mit ruhigem Wasser benagt.
Es mögen mit kalischer Sichel
diejenigen bearbeiten,
denen Fortuna den Weinstock gegeben hat,
und der reiche Kaufmann
soll aus goldenen Pokalen
Weine austrinken,
die durch syrische Ware erkauft sind,
den Göttern selbst lieb,
da er dreimal und viermal im Jahr
das atlantische Meer
unbeschadet besucht:
mich ernähren die Oliven,
mich die Zichorien
und die leichten Malven.
Zu genießen, was erworben ist,
und das bei gesundem Verstand,
gib mir, o Sohn der Latona,
und, so bete ich,
mit unversehrtem Geist,
und lass mich nicht ein schändliches Alter
zubringen
und nicht eines ohne Leier.
XXXII
Wir werden gefordert.
Wenn wir etwas müßig
unter dem Schatten mit dir gespielt haben,
das sowohl in dieses Jahr hinein
als auch in weitere lebt,
wohlan, sprich ein lateinisches Lied,
du Leier,
die zuerst von dem lesbischen Bürger
gestimmt wurde,
der, im Kriege wild,
dennoch unter den Waffen,
sei es, dass er das geschüttelte Schiff
am nassen Ufer festgebunden hatte,
den Liber und die Musen
und die Venus und den ihr
immer anhängenden Knaben
und den Lycus, der mit schwarzen Augen
und schwarzem Haar geschmückt war, besang.
O Schmuck des Phoebus
und süßes Schildkrötengehäuse
des allerhöchsten Jupiter,
o süße Linderung der Mühen,
sei mir gegrüßt,
sooft ich dich rituell rufe.
XXXIII
Albius, trauere nicht allzu sehr
und gedenke nicht der unbarmherzigen Glycera,
und singe keine jämmerlichen Elegien,
warum dir eine jüngere
durch verletzten Glauben überlegen glänzt.
Die durch ihre schmale Stirn ausgezeichnete
Lycoris wird von der Liebe zu Cyrus gebrannt,
Cyrus wendet sich
der rauen Pholoe zu:
doch eher werden sich apulische
Rehkitze mit Wölfen paaren,
als dass die schändliche Pholoe
mit einem Buhler sündigt.
So schien es der Venus zu gefallen,
der es gefällt, ungleiche
Gestalten und Gemüter
unter eiserne Joche
mit wildem Spaß zu senden.
Mich selbst, als eine bessere Venus
mich suchte,
hielt die freigelassene Myrtale
in angenehmer Fessel fest,
wilder als die Fluten der Adria,
die die kalabrischen Buchten krümmen.
XXXIV
Als spärlicher und seltener Verehrer
der Götter,
während ich schwärmte,
beraten von einer wahnsinnigen Weisheit,
werde ich jetzt gezwungen,
die Segel rückwärts zu richten
und die verlassenen Wege
zu wiederholen:
denn der Tagvater,
der die Wolken mit blitzendem Feuer teilt,
hat seine donnernden Pferde
und den geflügelten Wagen
meist durch den klaren Äther gelenkt,
durch den die plumpe Erde
und die wankenden Flüsse,
durch den der Styx
und der abscheuliche Sitz des schrecklichen Tänars
und das Ende des Atlas
erschüttert werden.
Es steht in seiner Macht,
das Niedere mit dem Hohen zu tauschen,
und der Gott schwächt den Ausgezeichneten
und bringt das Verborgene hervor;
von hier hat die gierige Fortuna
mit spitzem Schrei den Ehrenkranz erhoben
und freut sich, ihn dort hingesetzt zu haben.
XXXV
O Göttin, die du das angenehme Antium regierst,
die du gegenwärtig bist,
um den sterblichen Körper
aus der untersten Stufe zu erheben
oder stolze Triumphe
in Bestattungen zu verwandeln,
dich bittet der arme
Landmann mit ängstlichem Gebet,
dich als Herrin des Meeres
jeder, der das karpathische Meer
mit bithynischem Kiel herausfordert.
Dich fürchtet der raue Daker,
dich die flüchtenden Skythen
und die Städte und Völker
und das wilde Latium
und die Mütter der barbarischen Könige
und die purpurnen Tyrannen,
damit du nicht mit verletzendem Fuß
die stehende Säule umstürzest,
damit nicht die drängende Menge
die Zögernden zu den Waffen,
zu den Waffen aufruft
und die Herrschaft bricht.
Vor dir geht immer
die sklavische Notwendigkeit einher,
die eisernen Nägel
und Keile mit bronzener Hand
tragend,
und der strenge Haken fehlt nicht
und das flüssige Blei;
dich pflegt die Hoffnung
und die seltene Treue mit weißem Tuch
verschleiert,
und sie verweigert nicht die Gefährtenschaft,
sooft du, nachdem das Gewand gewechselt ist,
die feindlichen Häuser
der Mächtigen verlässt;
aber der treulose Pöbel
und die verschworene Dirne
weichen zurück,
die Freunde entfliehen,
nachdem die Krüge samt Bodensatz
ausgetrunken sind,
die das Joch gleichermaßen
zu tragen unfähig sind.
Beschütze den Caesar,
der in die äußersten
Britannen des Erdkreises ziehen wird,
und die frische Schar der Jünglinge,
die den östlichen Teilen
und dem Roten Meer
zu fürchten ist.
Weh, weh, der Narben
und des Frevels
und der Brüder schämen wir uns.
Was haben wir,
harte Jugend, gemieden,
was haben wir
an unberührtem Frevel gelassen?
Wovon hat die Jugend
die Hand aus Furcht vor den Göttern
zurückgehalten?
Welchen Altären hat sie verschont?
O wenn du auf einer neuen Esse
das stumpfe Eisen
für die Massageten
und Araber umschmiedetest!
XXXVI
Mit Weihrauch und Saitenspiel
ist es eine Freude,
die Schutzgötter des Numida
zu versöhnen mit dem gebührenden Blute
des Opferkalts,
der nun, unversehrt aus dem fernen Hesperien,
vielen seiner lieben Gefährten,
keinem jedoch mehr Küsse zuteilt
als dem süßen Lamia,
eingedenk der Jugendzeit,
die von keinem anderen König gelenkt wurde,
und des gleichzeitigen Wechsels der Toga.
Es fehle der schöne Tag nicht
an einem kreidigen Merkzeichen,
es fehle nicht das Maß der aufgemachten Amphora,
es ruhe der Fuß nicht von der Weise der Salier,
und Damalis im Dur auf viel Wein
besiege den Bassus im thrakischen Umtrunk,
und es fehlen beim Mahle die Rosen nicht,
weder der ausdauernde Eppich
noch die kurze Lilie.
Alle werden träumerische Blicke
auf Damalis richten, und Damalis
wird sich nicht trennen lassen
von ihrem neuen Buhler,
ehrgeiziger als die schmeichelnden Efeuranken.
XXXVII
Jetzt muss man trinken,
jetzt mit leichtem Fuß
die Erde stampfen,
jetzt war es an der Zeit,
das Ruhebett der Götter
mit Salischen Festmahlen zu schmücken,
ihr Gefährten.
Zuvor war es ein Frevel,
das Caecubum aus den alten Kellern
zu holen, während die Königin
für das Kapitol wahnsinnige Trümmer
und den Untergang des Reiches bereitete
mit ihrer geschändeten Schar
von Männern, die durch Seuchen entehrt waren,
unbändig, alles zu hoffen
und trunken von süßem Glück.
Doch ihren Wahn minderte
kaum ein einziges Schiff,
das vor den Bränden gerettet war,
und Caesar führte den vom mareotischen Wein
verwirrten Geist in die wahren Ängste zurück,
während er sie, als sie aus Italien floh,
mit Rudern bedrängte,
wie der Habicht die weichen Tauben
oder der schnelle Jäger den Hasen
in den Feldern des schneebigen Hämoniens,
um das verhängnisvolle Ungeheuer
in Ketten zu schlagen.
Sie, die edler zu sterben
suchte und weder weichlich
das Schwert fürchtete
noch mit schneller Flotte
sich verborgene Küsten gewann,
und es wagte, den darniederliegenden
Palast mit heiterem Antlitz zu besuchen,
tapfer genug, um mit rauen
Schlangen zu spielen,
damit sie das schwarze Gift
in ihren Körper tränke,
durch den beschlossenen Tod noch wilder:
missgünstig gewiss den grausamen Liburnern,
dass sie als Privatperson
in den stolzen Triumph geführt werde,
keine demütige Frau.
XXXVIII
Den persischen Aufwand verabscheue ich, Junge,
die mit Bast verknüpften Kränze missfallen mir;
unterlasse es, danach zu suchen,
an welchem Ort die späte Rose verweilt.
Ich befehle dir, dass du dich nicht
emsig abmühst,
etwas zur einfachen Myrte hinzuzufügen:
weder entehrt die Myrte dich als Diener
noch mich, der ich unter dem dichten Weinstock trinke.
ZWEITES BUCH DER ODEN
I
Vom Bürgerkrieg im Konsulat
des Metellus erzählst du,
von den Ursachen, Sünden und Weisen des Krieges,
dem Spiel des Schicksals,
der Fürsten gewichtigen
Bündnissen und den Waffen,
noch ungesühnt mit frischem Blut, –
ein Werk voll gefahrvoller Glut,
betrittst du glühende Kohlen,
versteckt unter trügerischem Asch.
Lass die ernste Muse der Tragödie
fern den Theatern; bald,
wenn du die Staatsgeschäfte ordnest,
kehrst du mit dem großen Amt
auf dem attischen Kothurn zurück,
als leuchtender Hort für traurige Angeklagte
und die beratende Kurie, Pollio,
der den Lorbeer ewigen Ruhms
im dalmatischen Triumph einbrachte.
Schon jetzt reizen drohende
Horngesänge das Ohr,
schon schmettern Trompeten,
schon schreckt das Glänzen
der Waffen fliehende Rosse
und die Mienen der Reiter.
Ich meine, ich höre schon große Feldherren,
schmutzig im nicht unrühmlichen Staub,
und die ganze unterworfene Erde
außer dem starren Sinn Catons.
Juno und welcher Gott auch immer
der Afrikaner hold war,
war ungesühnt zurückgewichen,
machtlos auf dem Land,
brachte nun der Enkel der Sieger
dem Iugurtha als Totenopfer dar.
Welches Feld, gedüngt mit lateinischem Blut
und Gräbern, bezeugt den ruchlosen Kampf
und den von den Medern gehörten
Schall des Hesperischen Sturzes?
Welcher Strom oder welche Flüsse
wissen nichts vom unglückseligen Krieg?
Welches Meer haben daunische
Schlächterseiten nicht entfärbt?
Welche Küste entbehrt unseres Blutes?
Doch um nicht, vorwitzige Muse,
vergessene Scherze zu lassen,
suche nicht die Weihen des keïschen Totenlieds;
suche mir unter dionysischer Grotte
Gesänge mit leichterem Plectrum!
II
Keinen Glanz hat das Silber,
verborgen in der geizigen Erde,
du Feind des barren Metalls,
Crispus Sallustius,
es glänzt nur durch mäßigen Gebrauch.
Über die Zeit hinaus lebt Proculeius,
bekannt für väterlichen Sinn gegen die Brüder;
ihn trägt der Ruhm, der das Schwinden nicht fürchtet,
mit unvergänglichem Fittich.
Herrsche weiter durch Bändigung
des gierigen Geistes,
als wenn du Libyen an die fernen Gades
bändetest und beiderlei Punier
einem einzigen dienten.
Wächst, wer sich selbst vergibt,
der grausame Wassersucht,
und stillt den Durst nicht,
bis die Ursache des Übels aus den Adern flieht
und die wässrige Mattigkeit
vom blassen Körper schwindet.
Den Prahates, dem Thron des Cyrus zurückgegeben,
dem uneinigen Volk,
hebt die Tugend aus der Zahl der Seligen heraus
und lehrt das Volk ab,
falsche Worte zu nutzen,
indem sie das Reich und das sichere Diadem
dem einen zuteilt
und den eigenen Lorbeer jedem,
der die gewaltigen Haufen
mit ungerührtem Blick betrachtet.
III
Achte darauf, im schweren Schicksal
die Seele gleichmütig zu wahren,
ebenso in glücklichen Tagen
fern von anmaßender Freude,
sterblicher Dellius,
sei es, dass du traurig allezeit lebst
oder dich im abgelegenen Gras
an Festtagen
gelagert beglückst
mit innerem Vorrat an Falerner.
Wozu lieben mächtige Kiefer
und die weiße Pappel sich mit Zweigen
zu gastlicher Schattenlaube zu einen?
Warum müht sich das flüchtige Wasser
im gewundenen Bach zu zittern?
Hierher tragt Wein und Salben
und viel zu kurze Blüten
der lieblichen Rose,
solange Gut und Alter
und der Schwestern drei schwarze Fäden
es zulassen.
Du wirst weichen von erkauften Gütern,
dem Haus und der Villa,
die der blonde Tiber wäscht;
du weichen, und in die Höhe getürmter
Reichtum wird den Erben erfreuen.
Ob reich, vom uralten Inachus stammend,
ist einer gleichgültig,
oder arm und aus unterster Schicht
unter freiem Himmel weilt,
als Opfer des mitleidlosen Orcus;
alle werden wir an denselben Ort getrieben,
von allen schwingt die Urne,
früher oder später bricht das Los hervor
und wird uns in das ewige Exil
auf die Barke setzen.
IV
Dass die Liebe zur Magd dir keine Schande sei,
Phokaer Xanthias:
Vorher bewegte die freche Briseis
mit schneeweißer Haut
den ungestümen Achill;
es bewegte den Ajax, den Sohn des Telamon,
die Gestalt der gefangenen Herrin Tecmessa;
es entbrannte der Atrides mitten im Triumph
um die geraubte Jungfrau,
nachdem die barbarischen Scharen
durch den thessalischen Sieger gefallen
und der entrissene Hector
die ermüdeten Pergamon-Türme
den Griechen leichter zur Beute gab.
Wer weiß, ob dir als Schwiegersohn
der edle Elternkreis
der blonden Phyllis Ehre bringt;
gewiss, königliches Geschlecht klagt
über ungerechte Götter.
Glaub nicht, sie sei dir
aus frevelhaftem Pöbel gewählt,
noch so treu, so abgeneigt dem Gewinn,
könne sie geboren sein
von einer beschämten Mutter.
Arme, Antlitz und wohlgeformte Waden
lobe ich ungetrübt; hör auf zu vermuten,
deren achtes Lustrum
die Zeit zu vollenden zittert.
V
Noch vermag sie nicht mit ungebändigtem Nacken
das Joch zu tragen, noch die Pflichten
der Gefährtin auszugleichen
oder die Last des in die Liebe
stürmenden Stiers zu ertragen.
Um grüne Wiesen kreist der Sinn
deiner jungen Kuh,
die jetzt die schwere Sommerglut
in Bächen lindert,
jetzt im feuchten Weidengesträuch
mit Kälbern tollen möchte.
Vertreibe das Verlangen
nach der herben Traube:
bald wird dir der Herbst die dunkelblauen
Trauben mit purpurner Farbe
bunt färben;
bald wird sie dir folgen;
denn es läuft die ungestüme Zeit
und wird ihr die Jahre zurechnen,
die sie dir nimmt;
bald wird mit frecher Stirn
Lalage den Ehemann suchen,
geliebt, so sehr wie nicht die fliehende Pholoe,
nicht Chloris, die mit weißer Schulter so glänzt,
wie die reine Mondin
auf nächtlichem Meer strahlt,
oder der knidische Gyges,
den, würdest du ihn in den Chor der Mädchen reihen,
vor wunderbar scharfem Blick
die verborgene Unterscheidung täuschte
mit losem Haar
und mehrdeutigem Antlitz.
VI
Septimius, der du mit mir nach Gades gehst,
zum unzähmbaren Kantabrer,
der unser Joch nicht trägt,
und zu den barbarischen Syrten,
wo immer die maurische Welle siedet:
Tibur, von argivischem Siedler gegründet,
sei meiner alternden Siedlung
hoffentlich Heimat,
sei das Ende für den müden
Mann von Meer, Wegen und Krieg.
Woher, wenn die ungerechten Parzen
es verwehren,
werde ich den Fluss des Galaesus
mit den fellbedeckten Schafen suchen
und die von Phalanthus
dem Lakedämonier beherrschten Flur.
Jener Winkel der Erde
lächelt mir vor allen,
wo dem Hymettos der Honig
nicht nachsteht
und mit dem grünen Venafrum-Öl wetteifert,
wo ein langer Frühling
und milde Winter Jupiter bietet
und der dem fruchtbaren Bacchus
fromme Aulon
am wenigsten den falernischen Trauben neidet.
Jener Ort und die seligen Höhen
fordern dich und mich; dort
wirst du auf die warme Asche
des befreundeten Dichters
die geschuldete Träne streuen.
VII
O oft mit mir in den letzten Kampf
geführt, als Brutus Feldherr war,
wer hat dich zurückgegeben als Bürger
den vaterländischen Göttern
und dem italischen Himmel,
Pompeius, der erste meiner Gefährten,
mit dem ich den zögernden Tag oft
mit Wein zerbrach,
bekränzt das glänzende Haar
mit syrischem Malobathrum?
Mit dir erlebte ich Philippi
und die rasche Flucht, als ich den Schild
nicht gut zurückließ,
da die Tapferkeit brach
und die drohenden Männer
schändlich den Boden mit dem Kinn berührten;
doch mich hob durch die Feinde hindurch
der schnelle Merkur im dichten Nebel
zitternd empor,
während dich wieder in den Krieg
zurückschleppend
die Welle in tosende Fluten trug.
Darum bringe das geschuldete Mahl dem Jupiter dar
und lege den von langem Krieg
müden Leib
unter meinen Lorbeer, spare nicht
der Kränze, die für dich bestimmt sind.
Fülle die glatten Becher
mit vergessenem Massiker, gieße
aus weiten Schalen Salböl aus.
Wer kümmert sich darum, Kränze
aus feuchtem Eppich oder Myrthe
zu eilen? Wen wird Venus
zum Zecher bestimmen? Ich nicht
werde vernünftiger backchan als die Edonen:
süß ist mir das Tosen mit wiedergewonnenem Freund.
VIII
Wenn dir irgendeine Strafe
für den gebrochenen Eid, Barine,
je geschadet hätte,
wenn du durch einen schwarzen Zahn
oder einen einzigen Nagel
hässlicher geworden wärest,
würde ich glauben; aber du,
sobald du dein treues Haupt
mit Ewigen Wünschen bandst, erglänzst
viel schöner und gehst einher
als öffentliche Sorge der Jünglinge.
Es lohnt sich, die bedeckte Asche
der Mutter zu betrügen
und die schweigenden Zeichen der Nacht
samt dem ganzen Himmel
und den Göttern, die der kalte Tod nicht kennt.
Darüber lacht, sage ich, Venus
selbst, es lachen die schlichten Nymphen,
und der wilde Cupido, der immer
seine brennenden Pfeile
an einem blutigen Wetzstein schärft.
Hinzu kommt, dass dir die gesamte Jugend
wächst, eine neue Sklaverei
wächst, und die früheren
lassen das Haus der frevelhaften Herrin
trotz mancher Drohung nicht.
Vor dir zittern die Mütter
wegen ihrer Söhne,
vor dir die kargen Greise
und die armen, kürzlich
verheirateten Jungfrauen,
damit deine Aura nicht die Ehemänner aufhält.
IX
Nicht immer fließen Regengüsse
aus Wolken auf die rauen Felder,
noch quälen unbeständige Stürme
das Kaspische Meer
durchgehend, und auch an den armenischen Ufern,
Freund Valgius, ruht nicht
das starre Eis durch alle Monate
oder plagen Aquilone
die Eichenwälder des Garganus,
und Escen berauben ihrer Blätter:
Du treibst immerfort
in klagenden Weisen
den entrissenen Mysten,
weder weichen dir deine Liebesguten
bei aufgehendem Vesperstern
noch vor der fliehenden Sonne.
Aber nicht weinte der Greis,
der dreimal das Menschenalter durchlief,
um den liebenswürdigen Antilochus
alle Jahre lang,
noch beweinten die Eltern
den unmündigen Troilus
oder die phrygischen Schwestern immer.
Endlich höre auf mit den weichen Klagen
und lass uns lieber
die neuen Trophäen des Kaisers Augustus
besingen und den starren Niphaten
und den mederfluss,
gezwungen für die besiegten Völker,
kleinere Windungen zu rollen,
und innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen
die Gelonen auf engem Feld reiten.
X
Richtiger wirst du leben, Licinius,
weder immer die Tiefe suchend
noch, während du vorsichtig Stürme
scheust, allzu sehr das feindliche Ufer
bedrückend.
Wer die goldene Mitte
liebt, ist sicher frei
vom Schmutz des veralteten Hauses,
ist nüchtern frei
von neidenswerter Halle.
Öfter wird vom Wind
die riesige Kiefer gerüttelt,
und hohe Türme stürzen
mit schwererem Fall
und treffen die höchsten Berge.
Er hofft im Unglück,
er fürchtet im Glück
das andere Schicksal: ein gut gerüstetes
Herz. Gestaltlose Winter bringt
Jupiter zurück, derselbe
schafft sie weg. Nicht, wenn es jetzt
schlecht steht, wird es einst so sein:
einst weckt die Zither
die schweigende Muse, und nicht immer
spannt den Bogen Apollo.
In schweren Zeiten
erscheine mutig und stark;
weise wirst du ebenso
bei allzu starkem Rückenwind
die geschwollenen Segel einholen.
XI
Was der kriegerische Kantabrer
und der Skythe, Quinctius Hirpinus,
denkt, getrennt durch das dazwischenliegende
Adriatische Meer, lass ab
zu fragen, und zittere nicht
für den Gebrauch des wenige Dinge
fordernden Alters: es flieht zurück
die leichte Jugend und die Schönheit,
während das graue Haar
die spielenden Lieben und den leichten
Schlaf vertreibt.
Nicht immer ist dieselbe Ehre
den Frühlingsblumen,
noch glänzt der rote Mond
mit gleichem Gesicht: was strengst du
den kleineren Geist
mit ewigen Plänen an?
Warum nicht unter einer hohen Platane
oder dieser Kiefer liegend,
einfach so, mit Rose
die grauen Haare duftend, solange es erlaubt ist,
und mit assyrischer Narde
bestrichen, trinken wir?
Der Euhius vertreibt die nagenden Sorgen.
Welcher Knabe wird eilig
die Becher des brennenden Falerner
mit vorbeifließendem Wasser löschen?
Wer wird die abgeirrte Dirne
Lyde aus dem Haus locken?
Komm, sag ihr, sie soll sich beeilen
mit der elfenbeinernen Lyra,
das Haar nach lakedätmonischer Art
in einen schicken Knoten gebunden.
XII
Nicht will ich, dass die langen Kriege
der wilden Numantia,
weder der harte Hannibal
noch das Sizilianische Meer,
vom punischen Blut purpurn,
an die weichen Maße der Zither
angepasst werden,
noch die grausamen Lapithen
und der von allzu viel Wein
Hylaeus und die durch die Hand des Herkules
bezwungenen Söhne der Erde,
weshalb das glänzende Haus
des alten Saturn
erschrak;
und du wirst in Prosahistorien
die Schlachten Caesars erzählen,
Mäcenas, besser
und die durch die Straßen geführten
Hälse drohender Könige.
Mich wollte die Muse
der süßen Herrin Licymnia
besingen, mich ihre hell
glänzenden Augen
und die treue Brust
für wechselseitige Liebe;
der es weder schlecht stand,
den Fuß im Chor zu tragen,
noch im Scherz zu wetteifern
noch Arme zu reichen,
während sie spielend mit den glänzenden Jungfrauen
am heiligen Tag der gefeierten Diana tanzte.
Würdest du das, was der reiche
Achaemenes besaß,
oder die Mygdonischen Schätze
des reichen Phrygiens,
tauschen wollen gegen das Haar Licymnias,
oder die vollen Häuser der Araber,
wenn sie den Hals
zu brennenden Küssen
wendet oder mit leichter
Schärfe das verneigt,
worüber sie mehr freut,
dass es entrissen wird,
und manchmal rasch es zu rauben beginnt?
XIII
Wer dich an unheilvollem Tag
pflanzte, wer immer zuerst,
und mit sakrilegischer Hand
dich heranzog, du Baum,
zum Verderben der Enkel
und zur Schande der Flur;
ich möchte glauben, dass er seines Vaters
Hals brach und das Innere
mit nächtlichem Blut
des Gastes bespritzte; er, der kolchische Gifte
und jegliches Verbrechen, das irgendwo
ersonnen wird, behandelte, der auf meinem Feld
dich hinstellte, trauriges Holz,
dich, fallend auf das Haupt
des unschuldigen Herrn.
Was ein jeder meiden soll,
ist dem Menschen niemals
genug für die Stunden vorgesorgt:
Der punische Schiffer
scheut den Bosporus
und fürchtet nicht länger
blinde Schicksale von anderswo,
der Soldat die Pfeile
und die rasche Flucht
des Parthers, der Parther Ketten
und das italische Eichenholz;
aber die unvorhergesehene Gewalt des Todes
hat Völker geraubt
und wird sie rauben.
Wie nah sahen wir die Reiche
der finsteren Proserpina
und den urteilenden Aeacus
und die geordneten Sitze der Frommen
und auf äolischen Saiten
klagend
Sappho über die Volksmädchen
und dich, der du voller mit dem goldenen,
Alkäus, plectrum tönst:
die Härten der Schifffahrt,
die Härten der Flucht,
die Härten des Krieges.
Beide staunen die Schatten,
würdigem Schweigen zu sagen,
aber noch mehr trinken die Kämpfe
und vertriebenen Tyrannen
dicht mit Schultern
das goldene Ohr des Volkes.
Was ein Wunder, wenn bei jenen Liedern
staunend das hundertköpfige Ungeheuer
die schwarzen Ohren senkt
und die in die Haare geflochtenen
Schlangen der Eumeniden
sich erholen?
Ja, auch Prometheus
und des Pelops Vater
wird durch den süßen Klang der Mühen
getäuscht,
und Orion kümmert sich nicht
darum, Löwen
oder schüchterne Luchse zu jagen.
XIV
Ach, flüchtige Jahre,
Postumus, Postumus,
sie gleiten dahin, noch Frömmigkeit
bringt Aufschub
den Runken und dem drängenden Alter
und dem ungezähmten Tod,
nicht, wenn du dreihundert,
so viele Tage vergehen,
Freund, den unberührbaren
Pluto besänftigst mit Stieren,
der den dreifach großen Geryon
und Tityos mit trauriger Welle
im Zaum hält,
die freilich alle,
so viele wir uns vom Geschenk
der Erde ernähren,
übersegelt werden müssen,
ob Könige
oder mittellose Kolonen wir sein werden.
Vergebens werden wir den blutigen
Mars meiden
und die gebrochenen Fluten
des raunenden Hadria,
vergebens werden wir durch die Herbste
den den Körpern schädlichen
Auster fürchten:
zu sehen ist der schwarze
Cocytos, der in trägem Fluss irrt,
und das berüchtigte Geschlecht des Danaus
und der verurteilte Sisyphus,
Sohn des Aeolus,
seiner langen Mühe.
Zu verlassen sind Erde und Haus
und die gefällige Ehefrau,
noch wird von diesen Bäumen, die du pflegst,
außer den verhassten Zypressen
irgendeine den kurzen
Herrn begleiten;
der Erbe wird den Caecuber
verbrauchen, der würdiger ist,
geschützt durch hundert Schlösser,
und mit edlem Wein das Pflaster trinken,
das kostbarer ist als die Mahlzeiten
der Pontifices.
XV
Bald werden wenige Joch
mit dem Pflasterwerk königliche
Massen übrig lassen,
von überall her weiter
ausgedehnt
werden die Teiche am Lukrinischen See
zu sehen sein,
und die ehedem unverheiratete Platane
wird Ulmen verdrängen; dann werden Veilchenbeete
und Myrthe und jede Menge Düfte
den mit Oliven fruchtbaren
Bäumen Duft streuen
für den früheren Herrn;
dann wird mit dichten Zweigen
der Lorbeer die heißen
Schläge ausschließen. Nicht so
war es nach den Vorschriften
des Romulus und des ungeschnittenen Cato
und der Norm der Alten.
Bescheiden war für jene
der private Besitz,
das Gemeingut groß;
keine durch die Zehn-Fuß-Rute
abgemessene private
Schattenhalle
empfing den dunklen Bär,
noch erlaubten die Gesetze,
den zufälligen Rasen
zu verschmähen,
indem sie befahlen, Städte
auf öffentliche Kosten
und die Tempel der Götter
mit neuem Stein zu schmücken.
XVI
Ruhe bittet bei den Göttern im offenen
Aegaeos, wer festgehalten wird,
sobald eine schwarze Wolke
den Mond verborgen hat
und keine sicheren Sterne
für die Seefahrer leuchten;
Ruhe bittet die kriegswütige Thrakien,
Ruhe die Meder, geschmückt mit dem Köcher,
Grophus, nicht durch Edelsteine
noch Purpur
zu kaufen und nicht durch Gold.
Denn weder Schätze noch der konsularische
Liktor schafft aus dem Weg
die elenden Unruhen des Geistes
und die Sorgen,
die um die mit Kassetten versehenen
Dächer fliegen.
Es lebt sich gut mit wenigem,
wem das väterliche Salzfass
auf dem schlichten Tisch glänzt,
und dem nicht leichter Schlaf
durch Furcht oder schmutzige Gier
geraubt wird.
Warum werfen wir Starken
in kurzer Lebenszeit
viele Dinge vor? Warum tauschen wir
Länder, die von anderer
Sonne gewärmt werden?
Welcher Verbannte der Heimat
ist vor sich selbst
geflohen?
Es erklimmt die bronzenen
Schiffe die schädliche Sorge,
noch verlässt sie die Scharen
der Reiter,
schneller als Hirsche
und schneller als der Wolken
treibende Eurus.
Ein glücklicher Geist für das Gegenwart
soll das, was darüber hinaus ist,
nicht zu sorgen wissen
und das Bittere mit mildem Lächeln
mischen: nichts ist
von jeder Seite glücklich.
Es nahm den klaren Achilles
ein rascher Tod,
das lange Alter schmähte Tithonus,
und mir vielleicht,
was dir verweigert wurde,
wird die Stunde reichen.
Dir brummen Herden hundert
sizilianische Kühe entgegen,
dir hebt das Wiehern
die für Viergespanne geeignete Stute,
dich kleiden mit doppelt
afrikanischem Purpur gefärbte
Wolle; mir gab
die kleine ländliche Flur
und den schlichten Hauch
der griechischen Muse
die nicht lügende Parce
und die neidische Menge
zu verschmähen.
XVII
Warum tötest du mich
mit deinen Klagen?
Weder ist es den Göttern lieb
noch mir, dass du zuerst stirbst,
Mäcenas, der großen Ehre
und der Säule meiner Angelegenheiten.
Ach! Wenn ein früherer Sturm
den Teil meiner Seele raubt,
warum zögere ich, der andere,
weder gleichermaßen lieb
noch intakt überlebend?
Jener Tag wird für uns beide
den Sturz einleiten.
Nicht habe ich einen treulosen
Eid geschworen:
Wir werden gehen, wir werden gehen,
wie immer du vorangehst,
als Gefährten bereit,
den letzten Weg zu beschreiten.
Mich wird weder der Odem
der feurigen Chimära
noch, wenn der hundertarmige Gigant
wiederersteht,
je trennen: so war es
der mächtigen Gerechtigkeit
und den Parzen gefällig.
Ob mich die Waage
oder der furchterregende Skorpion
ansieht, der gewaltsamere Teil
der Geburtsstunde,
oder der Tyrann
der hesperischen Welle,
der Steinbock,
der Stern von uns beiden
stimmt auf unglaubliche Weise
überein; dich hat der Schutz Jupiters
vor dem unfrommen Saturn
wiederglänzend entrissen
und die flüglerischen Flügel
des Verhängnisses
verlangsamt, als das dichte Volk
dreimal den frohen Ton
in den Theatern klatschte;
mich hatte der auf den Kopf
gestürzte Baumstamm getötet,
wenn nicht Faunus den Schlag
mit der Rechten gelindert hätte,
der Hüter
der Männer des Merkur.
Denke daran, die Opfergaben
und das gelobte Gebäude
zu erbringen;
wir werden ein bescheidenes
Lamm schlagen.
XVIII
Kein Elfenbein noch goldene
Kassettendecke
glänzt in meinem Haus;
keine Balken aus Hymettos
stützen Säulen,
die vom äußersten Afrika
abgesägt wurden, noch habe ich als unbekannter Erbe
des Attalus einen Palast eingenommen,
noch spinnen ehrbare Klientinnen
mir lakonische Purpurgewänder.
Aber Treue ist da
und des Genies freigebige Ader,
und der Reiche sucht den Armen auf;
ich fordere von den Göttern
nichts darüber hinaus
und dränge den mächtigen Freund
nicht nach mehr,
glücklich genug in meinem einzigen Sabinergut.
Es treibt Tag den Tag
und neue Monde eilen
dem Untergang entgegen;
du gibst Marmor zum Hauen in Auftrag
knapp vor dem Tod
und baust Gräber,
vergessen des Grabes,
und drängst dich, das Ufer
des ans brausende Meer stoßenden Strandes
zu verrücken,
wenig reich an dem Ufer, das dich hält.
Was, dass du unaufhörlich
die nächsten Grenzen des Feldes
einreißst und gierig
über die Grenzen der Klienten
springst?
Es wird vertrieben der Mann
und die Frau, die väterliche
Götter im Schoß tragen,
samt ihren schmutzigen Kindern.
Keine sicherere Halle
erwartet jedoch den reichen Herrn,
bestimmt durch die Grenze
des gierigen Orcus.
Was drängst du weiter?
Die gleiche Erde wird dem Armen
und den Söhnen der Könige geöffnet,
noch hat der Trabant des Orcus
den klugen Prometheus
zurückgebracht, von Gold erbeutet.
Dieser zähmet den stolzen Tantalus
und das Geschlecht des Tantalus,
dieser, gerufen oder nicht gerufen,
hört auf, den vollendeten Armen
von Mühen zu befreien.
XIX
Den Bacchus sah ich in felsenfernen
Klüften lehren,
glaubt es, ihr Nachkommen,
und die Nymphen, die lernen,
und die gespitzten Ohren
der bockfüßigen Satyrn.
Euhoe! Der Mut zittert vor frischem Schrecken
und mit bacchenvoller Brust
freut sich die Seele verworren.
Euhoe! Schone, Liber,
schone, du mit dem schweren
Thyrsus zu Fürchtende.
Festhalten darf ich der unzähmbaren
Thyiaden Quelle des Weins
und den milchreichen Fluss
und die aus hohlen Baumstämmen
geflossenen Honige
zu wiederholen;
festhalten auch der seligen Gemahlin
zu den Sternen gefügte Ehre
und das Dach des Pentheus,
zerstört durch nicht milde Trümmer,
und den Untergang des thrakischen Lycurgus.
Du wendest die Ströme, du das barbarische Meer,
du bändigst auf abgelegenen Höhen, feucht,
mit Schlangenknoten
die Haare der Bistonidinnen
ohne Schaden.
Du, als der unfromme Chor der Giganten
die Reiche des Vaters
durch die Höhe erklomm,
hast den Rhoetus zurückgeworfen
mit den Krallen des Löwen
und dem schrecklichen Maul;
obwohl du zu Tänzen
und Scherzen und Spielen bestimmt
und für den Kampf
nicht gut genug gehalten wurdest;
aber derselbe warst du
mitten im Frieden und mitten im Krieg.
Dich sah der unschuldige Cerberus,
geschmückt mit goldenem Horn,
sanft den Schwanz streichelnd
und mit dreizüngigem Maul
die weichenden Füße
und die Beine berühren.
XX
Mit ungewohnter und nicht zarter
Feder werde ich als zweiseitiger Dates
durch die lichte Ätherluft getragen
und werde nicht länger
auf Erden verweilen
und, größer als der Neid,
die Stadt verlassen.
Ich, Spross armer
Eltern, ich, den du nennst,
geliebter Mäcenas, werde nicht sterben
noch durch die Stygische Welle
zurückgehalten werden.
Schon jetzt setzen sich raue Häute
auf die Beine,
und oben werde ich in einen weißen
Vogel verwandelt,
und leichte Federn sprießen
durch Finger und Schultern.
Schon schneller als der dädalische Icarus
werde ich die Küsten des stöhnenden Bosporus sehen
und die gätulischen Syrten,
als singender Vogel die hyperboreischen Felder.
Mich wird der Kolcher kennen
und der die Furcht verstellende Daker
der marsischen Kohorte
und die letzten Gelonen,
mich wird der erfahrene Hiber
und der Trinker der Rhone kennen.
Bleiben fern dem eitlen Begräbnis
die Klagelieder
und schändlicher Schmerz
und Wehklagen;
zähme den Lärm
und erlasse die überflüssigen
Ehren des Grabes.
DRITTES BUCH DER ODEN
I
Ich verabscheue die rohe Menge und halte sie fern.
Schweigt und lauscht!
Nie zuvor gehörte Lieder singt der Priester der Musen
den Jungfrauen und Knaben.
Über die Herrscher gefürchteter Völker waltet ihr eigener Stamm,
doch über die Herrscher selbst herrscht Jupiter,
der strahlend im Sieg über Giganten
alles mit einem Wimpernschlag bewegt.
Da pflanzt der eine im Graben die Reben
weiter als der andere;
hier steigt ein adligerer Bewerber ins Feld,
dort ringt einer,
der an Sitten und Ruf der Bessere ist,
einem anderen folgt eine größere Schar von Klienten:
Doch unbestechlich lost die Notwendigkeit
unter Vornehmen und Geringsten,
die geräumige Urne bewegt jeden Namen.
Wem das bloße Schwert über frevelndem Nacken hängt,
dem bieten weder sizilianische Gerichte
süß ausgearbeiteten Geschmack,
noch bringen Vogelgesang und Zithern
Schlaf zurück:
Der sanfte Schlaf schmäht nicht
die Hütten der Bauern,
nicht das schattige Ufer
und nicht die von Zephirwinden bewegten Täler.
Wer sich mit dem begnügt, was genug ist,
den schreckt weder das aufgewühlte Meer,
noch der wütende Ansturm des untergehenden Arcturus
oder des aufsteigenden Haedus,
nicht die vom Hagel geschlagenen Weine
und der trügerische Grund,
wo die Bäume bald den Regen beklagen,
bald die das Land versengenden Gestirne,
bald die ungerechten Winter.
Die Fische spüren die eingeengten Meere,
wenn ins Tiefe Blöcke geworfen sind:
Dorthin lässt der emsige Bauunternehmer
mit den Knechten Schutt herab,
und der Herrenmensch ist des Landes überdrüssig –
doch Furcht und Drohungen
klettern denselben Weg hinauf wie der Herr,
und weder weicht die erzene Trireme,
noch sitzt hinter dem Reiter die schwarze Sorge.
Wenn nun weder phrygischer Marmor
noch die an Glanz die Gestirne übertreffende Purpurnutzung,
weder der falernische Weinstock
noch achämenidisches Salböl
den Schmerzenden besänftigen:
Warum sollte ich mir Säulen, die Neid erwecken,
und ein Atrium auf hohe, neuartige Art erbauen?
Warum gegen ein römisches Sabinertal
schwerere Reichtümer eintauschen?
II
Die karge Armut lerne im harten Kriegsdienst
standhaft ertragen der kräftige Jüngling,
und den wilden Parther bedrohe er
als Reiter mit furchtbarem Speer,
indem er unter freiem Himmel
und in bangen Lagen sein Leben verbringt.
Ihn erblicke von feindlichen Mauern
die Gemahlin des kämpfenden Tyrannen
und die heranwachsende Jungfrau,
und sie seufze ach,
dass der in der Kriegführung unerfahrene
königliche Bräutigam
nicht den rauen Löwen im Griff herausfordere,
den blutige Wut mitten durch das Gemetzel reißt.
Süß und ehrenvoll ist es, fürs Vaterland zu sterben:
Der Tod verfolgt auch den Fliehenden
und schont nicht die Knie des Feiglings
oder den verzagten Rücken.
Die Tugend, die schändliche Niederlage nicht kennt,
erstrahlt in unbefleckten Ehren
und nimmt die Beile weder auf
noch legt sie ab
nach dem Willen der Volksgunst.
Die Tugend, die Unsterblichen den Himmel erschließt,
versucht einen verwehrten Weg
und verschmäht mit fliehendem Schwingen
die gemeine Schar und den feuchten Boden.
Gibt es doch für treues Schweigen einen sicheren Lohn:
Ich verbiete, dass, wer das Geheimnis
der geheimnisvollen Ceres verrät,
unter demselben Dach weilt
und mit mir dieselbe brüchige Schale löst;
oft hat der vernachlässigte Jupiter
den Schuldlosen dem Ruchlosen zugesellt,
selten lässt die lahmfüßige Strafe
den vorausgehenden Verbrecher im Stich.
III
Den gerechten und im Vorsatz standhaften Mann
beugt in seiner festen Gesinnung
weder der Aufruhr der Bürger, die Unrechtes befehlen,
noch das Antlitz des drängenden Tyrannen,
noch der Auster, der unruhige Herrscher des aufgewühlten Adriatischen Meeres,
noch die mächtige Hand des blitzenden Jupiters:
Stürzte auch die gebrochene Welt in Trümmer,
furchtlos werden ihn die Trümmer treffen.
Durch diese Kunst errang Pollux
und der wandernde Herkules
und erreichte die feurigen Höhen;
unter ihnen wird Augustus,
der sich zurücklehnt,
mit purpurnem Mund Nektar trinken;
durch diese Kunst haben dich, Vater Bacchus,
deine Tiger emporgetragen,
während sie das Joch mit widerspenstigem Nacken zogen;
durch diese Kunst entkam Quirinus
auf den Pferden des Mars dem Acheron,
als Juno den Göttern, die Rat hielten, Holdes erwiderte:
»Ilion, Ilion
hat das schicksalhafte und schandbare Gericht
und die fremde Frau in Staub verwandelt,
seitdem Laomedon den Göttern
den vereinbarten Lohn vorenthielt,
verfallen mir und der keuschen Minerva
samt dem Volk und dem betrügerischen Anführer.
Nun glänzt der berüchtigte Gast
der lakonischen Ehebrecherin nicht mehr,
und das eidbrüchige Haus des Priamus
bricht nicht mehr die kämpfenden Achäer
mit der Kraft Hektors,
und der durch unsere Zwietracht geschürte
Krieg hat sich gelegt.
Sofort werde ich auch den schweren Hass
und den ungeliebten Enkel,
den die trojanische Priesterin gebar,
dem Mars schenken;
ich werde dulden, dass er die lichten Sitze betritt,
die Säfte des Nektars kostet
und den ruhigen Rängen der Götter zugeteilt wird.
Solange ein breites Meer
zwischen Ilion und Rom wütet,
mögen die Vertriebenen
glücklich in jedem beliebigen Teil herrschen;
solange auf dem Grabmal des Priamus und des Paris
das Weidevieh springt
und wilde Tiere ungestraft ihre Jungen bergen,
möge das Kapitol strahlend stehen
und das wilde Rom
den bezwungenen Medern Gesetze geben können!
Weithin möge es seinen schrecklichen Namen
bis an die äußersten Ufer ausdehnen,
dorthin, wo der mittlere Strom
Europa vom Afrikaner trennt,
und dorthin, wo der geschwollene Nil die Felder bewässert;
das unentdeckte Gold aber,
das besser dort liegt,
wo die Erde es verborgen hält,
soll es tapfer verschmähen,
anstatt es für menschliche Zwecke
mit raubgieriger Hand zusammenzuraffen.
Welches Ende auch immer der Welt gesetzt ist,
das wird es mit den Waffen erreichen,
da es sehnsüchtig zu sehen bucht,
wo das Feuer wütet
und wo die Wolken und der Regen tauen.
Aber den kriegerischen Quiriten
verkünde ich das Schicksal unter dieser Bedingung,
dass sie nicht in allzu großer Frömmigkeit
und allzu großem Vertrauen auf die eigene Sache
die Wohnsitze Trojas wiederaufbauen wollen.
Trojas wiederaufblühendes Glück
wird unter trügischem Vorzeichen
durch traurige Niederlage wiederholt werden,
da ich, die Gattin und Schwester Jupiters,
die siegreichen Scharen anführe.
Sollte die eherne Mauer
dreimal unter der Führung des Phoebus auferstehen,
dreimal soll sie durch meine Argiver
zerstört untergehen;
dreimal soll die gefangene Gattin
die Männer und Söhne beklagen.«
Passt das zu einer spielerischen Leier?
Wohin treibst du, Muse?
Hör auf, du Eigensinnige,
die Reden der Götter zu wiederholen
und das Große mit kleinen Maßen zu schmälern.
IV
Steig vom Himmel herab
und sprich, gebieterische Tibia,
o Königin Calliope, das lange Lied,
entweder willst du jetzt mit heller Stimme singen
oder mit den Saiten und der Lehre des Phoebus.
Hört ihr es? Oder täuscht mich
ein lieblicher Wahnsinn?
Ich scheine zu hören und durch fromme Haine zu irren,
denen anmutige Wasser und Lüfte entgegenströmen.
Mich, das Kind, das vom Spielen und Schlaf ermattet war,
bedeckten auf dem sagenhaften Berg Vultur in Apulien
außerhalb der Schwellen der Amme Pullia
mit neuem Laub Tauben –
was allen ein Wunder sein musste,
so viele da auch den Nistplatz
des hochgelegenen Aceruntia
und die Waldungen von Bantia
und das fruchtbare Feld des niedrigen Forentum bewohnen –,
dass ich, von schwarzen Vipern und Bären
unberührt an meinem Körper, sicher schlafen konnte,
dass ich mit heiligem Lorbeer
und zusammengelegter Myrte bedeckt war,
als ein Kind, das nicht ohne die Götter mutig ist.
Euer, ihr Camenen,
ja euer bin ich, wenn ich mich in die steilen Sabinerberge erheben lasse,
ob mir das kalte Praeneste,
ob das geneigte Tibur
oder ob die klaren Baiae gefallen;
durch die Freundschaft mit euren Quellen und Chören
hat mich nicht die umgewendete Schlachtreihe von Philippi zurückgeworfen,
hat mich nicht der verfluchte Baum ausgelöscht
und nicht die sizilianische Welle des Palinurus.
Solange ihr bei mir sein werdet,
werde ich als Seemann
willig den tosenden Bosporus
versuchen
und als Wanderer den brennenden Sand
des assyrischen Ufers;
ich werde die für Gäste grausamen Briten besuchen
und den sich am Blut von Pferden erfreuenden Concaner,
ich werde die mit Köchern versehenen Gelonen besuchen
und den skytischen Strom, unversehrt.
Ihr erfrischt den erhabenen Cäsar,
nachdem er die vom Kriegsdienst müden Kohorten
in den Städten verborgen hat
und ein Ende seiner Mühen sucht,
in der pierischen Grotte;
ihr gebt milden Rat
und freut euch über den gegebenen, ihr Nährenden.
Wir wissen, wie jener, der die trägere Erde,
der das windige Meer
und die Städte und traurigen Reiche
und die Götter und die sterblichen Scharen
einzig mit gerechtem Befehl regiert,
die impios Titanen
und die ungeheure Schar
mit herabgeworfenem Blitz vernichtete.
Jene von ihren Armen entsetzte Jugend,
die ihren Kräften vertraute,
und die Brüder, die darauf ausgingen,
den Pelion auf den dunklen Olymp zu setzen,
hatten jenen großen Schrecken
über Jupiter gebracht.
Aber was konnten schon Typhoeus
und der gewaltige Mimas
oder Porphyrion mit drohender Haltung,
was Rhoetus
und Enceladus, der kühne Schleuderer
ausgerissener Stämme,
ausrichten, als sie anstürmten
gegen den ertönenden Ägis der Pallas?
Hier stand der eifrige Vulkan,
hier stand die matronale Juno
und jener, der niemals seine Schultern vom Bogen entlasten wird,
der seine offenen Locken
mit dem reinen Tau von Castalia wäscht,
der das Gebüsch von Lyzien
und den heimatlichen Wald besitzt,
der delische und patarische Apollo.
Kraft ohne Verstand stürzt durch ihre eigene Masse in sich zusammen;
die gezähmte Kraft aber
fördern auch die Götter zum Besseren;
dieselbe verabscheut die Kräfte,
die jegliches Verbrechen im Sinn bewegen.
Zeuge meiner Urteile ist der hundertarmige Gigant,
und der bekannte Frevler Orion,
der Versucher der unversehrten Diana,
der von der jungfräulichen Pfeilspitze besiegt wurde.
Die Erde trauert über ihre auf die Ungeheuer geworfenen Söhne
und betrauert den Nachwuchs,
der durch den Blitz zum fahlen Orcus gesandt wurde;
auch hat das schnelle Feuer
das ihm auferlegte Ätna nicht verzehrt,
und der Vogel,
der als Wächter der Maßlosigkeit hinzugefügt wurde,
hat die Leber des Tityos nicht verlassen;
dreihundert Ketten halten
den Liebhaber Pirithous gefangen.
V
Wir haben geglaubt,
dass der donneregelnde Jupiter im Himmel herrscht:
Als gegenwärtiger Gott wird Augustus gehalten werden,
nachdem die Briten
und die schweren Perser
dem Reich hinzugefügt sind.
Hat etwa der Soldat des Crassus
als schändlicher Ehemann
mit einer barbarischen Gattin gelebt
und der Feinde –
ach, ihr Senat und ihr verdrehten Sitten! –
unter den Waffen der Schwiegereltern die Grauen verbraucht
unter einem medischen König,
ein Marsus und Apulus,
vergessen der Schilde,
des Namens, der Toga
und der ewigen Vesta,
während Jupiter und die Stadt Rom unversehrt waren?
Davor hatte sich der weitsichtige Sinn des Regulus gehütet,
der sich den schändlichen Bedingungen
und dem Beispiel widersetzte,
das dem kommenden Zeitalter
das Verderben bringt,
falls nicht das mitleidlose
Gefangenenheer zugrunde ginge:
»Ich habe«, sprach er,
»die in punischen Tempeln angebrachten Feldzeichen
und Waffen gesehen,
die den Soldaten ohne Blutvergießen entrissen waren;
ich habe die Arme von Bürgern gesehen,
die auf den freien Rücken zurückgebunden waren,
und nicht verschlossene Tore
und Felder, die von unserem Krieg
verwüstet bebaut wurden.«
Wird etwa der Soldat,
mit Gold losgekauft,
schärfer zurückkehren?
Ihr fügt dem Schande den Verlust hinzu.
Weder bringt die mit Purpur gefärbte Wolle
die verlorenen Farben zurück,
noch kümmert sich die wahre Tugend,
wenn sie einmal entschwunden ist,
darum, sich von Schlechteren ersetzen zu lassen.
Wenn die aus dichten Netzen befreite Hirschkuh kämpft,
dann wird jener tapfer sein,
der sich den treulosen Feinden anvertraut hat,
und er wird die Puniker im zweiten Kriege niedertreten,
wer die Riemen
an den festgehaltenen Armen
schwach empfunden
und den Tod gefürchtet hat.
Dieser hier hat,
wisch und weg,
ohne zu wissen, woher er das Leben nehmen sollte,
den Frieden mit dem Krieg vermischt.
O Schande! O großes Karthago,
höher aufgerichtet durch die schändlichen Ruinen Italiens!
Man überliefert, er habe den Kuss
der keuschen Gattin
und die kleinen Söhne
wie ein, der seine Bürgerrechte verloren hat,
von sich gewiesen
und den männlichen Blick finster auf die Erde geheftet,
bis er mit seinem nie zuvor gegebenen Rat
die wankenden Väter
kräftigte
und als außergewöhnlicher Exilant
unter trauernden Freunden
voranstürmte.
Und doch wusste er,
was ihm der barbarische Folterer bereitete;
nicht anders schob er jedoch
die im Weg stehenden Verwandten
und das die Rückkehr aufhaltende Volk beiseite,
als wenn er die langwierigen Geschäfte seiner Klienten
nach beendetem Rechtsstreit verlassen würde
und sich in die venafrianischen Felder
oder ins lakonische Tarent aufmachte.
VI
Die Verfehlungen der Vorfahren wirst du unschuldig büßen,
Römer,
solange du nicht die Tempel
und die wankenden Gebäude der Götter
und die vom schwarzen Rauch entstellten Bildnisse
wiederhergestellt hast.
Weil du dich den Göttern unterordnest, beherrschst du die Welt:
Von hier aus nimmt alles seinen Anfang,
hierher musst du das Ende richten.
Die Götter haben der traurigen Hesperia,
weil sie vernachlässigt wurden, viele Übel beschert.
Schon zweimal haben Monaeses und die Schar des Pacorus
unsere unglückseligen Angriffe zerschlagen
und lächeln darüber,
dass sie ihre spärlichen Halsketten mit Beute bereichert haben.
Die von inneren Kämpfen fast besetzte Stadt
hat der Dakier und der Äthiopier vernichtet,
jener durch Schiffe gefürchtet,
dieser gewandter im Wurf von Pfeilen.
Sündenreiche Jahrhunderte haben
zuerst die Ehen
und das Geschlecht und die Häuser geschändet:
Aus dieser Quelle abgeleitet
ist das Verderben in das Vaterland
und in das Volk geströmt.
Ionische Bewegungen zu lernen
freut die reife Jungfrau,
und sie wird durch Künste geformt,
schon jetzt plant sie
unchäste Liebschaften
von den zarten Kindesbeinen an.
Bald sucht sie jüngere Ehebrecher
wischen den Bechern des Ehemanns,
und wählt nicht aus,
wem sie die unerlaubten Freuden
eilig bei abgewandten Blicken schenkt,
sondern sie erhebt sich offen
auf Geheiß nicht ohne den wissentlichen Ehemann,
sei es, dass ein Händler ruft
oder der Kapitän eines spanischen Schiffes,
der teure Käufer von Schandtaten.
Nicht aus solchen Eltern
ist jene Jugend entsprungen,
die das Meer mit punischem Blut infizierte
und Pyrrhus
und den gewaltigen Antiochus
und den schrecklichen Hannibal niederwarf;
sondern es war der männliche Nachwuchs
bauernhafter Soldaten,
gelehrt, mit sabinischen Hacken
die Schollen zu wenden
und auf den Wink der strengen Mutter
die zurechtgeschnittenen Scheite
zu tragen, wo die Sonne
der Berge Schatten wechselte
und den müden Ochsen die Joche abnahm,
während sie die freundliche Zeit
beim dahineilenden Sonnenwagen gestaltete.
Was verringert nicht der schädigende Tag?
Das Zeitalter der Eltern,
schlechter als das der Großvater, hat
uns, die noch Nichtswürdigeren, hervorgebracht,
die bald einen noch lasterhafteren Nachwuchs
hervorbringen werden.
VII
Was weinst du, Asterie, um Gyges,
den dir die hellen Frühlingswinde,
reich an Bithyniens Waren,
treu und gesund im ersten Lenz zurückbringen?
Vom Notus an Oricum getrieben,
verbringt er nach den stürmischen Sternen des Bockes
kalte Nächte,
schlaflos und unter vielen Tränen.
Aber der Botengänger der besorgten Wirtin
schürt die Glut:
Er sagt, Chloe seufze,
und brenne in armseliger Qual nach deinen Feuern,
und versucht sie mit tausend listigen Künsten.
Er erzählt, wie die treulose Frau
den leichtgläubigen Proetus angetrieben habe,
dem allzu keuschen Bellerophon
durch falsche Verleumdung
einen schnellen Tod zu bereiten;
er berichtet, wie Peleus fast dem Tartarus übergeben ward,
während er der magnesiumhaltigen Hippolyte
keuschen Fußes entfloh,
und warnt mit betrügerischen Geschichten,
die das Fehlgehen lehren.
Umsonst: Denn tauber als die Klippen von Icarius
hört er das unerschütterlich an.
Doch hüte du dich,
dass dir der benachbarte Enipeus
nicht allzu sehr gefällt;
obgleich kein anderer, der sein Pferd zu lenken weiß,
so glänzend im Marsfeld zu sehen ist,
noch jemand so geschwind
durch das toskanische Flussbett schwimmt.
Schließe bei Anbruch der Nacht dein Haus
und blicke nicht hinab auf die Gassen
beim Gesang der klagenden Flöte,
und bleibe hart,
wenn er dich oft die Harte nennt.
VIII
Du wunderst dich, was ich, der Unverheiratete,
an den Kalenden des Mars beginne,
was die Blumen wollen,
das mit Weihrauch gefüllte Gefäß
und die auf dem lebendigen Rasen
aufgeschichtete Kohle,
du, der in den Reden beider Sprachen bewandert ist.
Ich hatte süße Mahlzeiten
und einen weißen Bock dem Liber gelobt,
nachdem ich durch den Schlag eines Baumes
dem Tode nahe war.
Dieser Festtag im wiederkehrenden Jahr
wird den fest mit Pech verschlossenen Korken
aus der Amphora heben,
die dazu bestimmt war, Rauch zu trinken,
unter dem Konsul Tullus.
Nimm, Maecenas,
hundert Becher des Freundes,
der gerettet ist,
und lass die wachen Lampen
bis zum Morgen brennen;
fern sei jegliches Geschrei und der Zorn.
Lege die staatlichen Sorgen um die Stadt ab.
Das Heer des dakischen Cotison ist gefallen,
der medische Feind bekämpft sich selbst
in schmerzhaften Waffen,
es dient der alte Feind des spanischen Ufers,
der Cantaber, durch späte Fette gebändigt,
schon planen die Skythen mit schlaffem Bogen,
die Felder zu räumen.
Sorge dich als Privatmann nicht zu sehr,
ob das Volk irgendwo leidet,
nimm fröhlich die Gaben der Gegenwart an
und lass das Ernsthafte ruhen.
IX
»Solange ich dir lieb war
und kein anderer Jüngling
seine Arme um deinen schimmernden Nacken legte,
lebte ich glücklicher
als der König der Perser.«
»Solange du nicht in einer anderen Glut branntest
und Lydia nicht hinter Chloe stand,
war ich, die berühmte Lydia,
glänzender als die römische Ilia.«
»Mich regiert jetzt die thrakische Chloe,
geschickt in süßen Weisen
und kundig der Kithara,
für die ich nicht zu sterben fürchte,
wenn die Scharen das Leben der Überlebenden schonen.«
»Mich brennt gegenseitige Liebe
zu Calais, dem Sohn des Ornytus aus Thurii,
für den ich zweimal sterben will,
wenn die Scharen den Knaben am Leben lassen.«
»Was aber, wenn die alte Venus zurückkehrt
und die Entzweiten unter ein ehernes Joch zwingt,
wenn die goldhaarige Chloe verstoßen wird
und die Tür der abgewiesenen Lydia sich öffnet?«
»Obgleich jener schöner ist als die Gestirne,
du aber leichter bist als Kork
und zorniger als das wütende Adagium –
mit dir möchte ich leben,
mit dir will ich sterben voller Freude.«
X
Selbst wenn du am äußersten Tanais tränkest, Lyce,
verheiratet mit einem grausamen Mann,
so würdest du doch beklagen,
dass man mich, ausgestreckt vor deinen kalten Toren,
den Nordwinden der Einheimischen überliefert.
Hörst du, wie die Tür,
wie der Hain, der zwischen den schönen Gebäuden wächst,
unter den Winden dröhnt,
und wie Jupiter den gefallenen Schnee
mit reiner Majestät gefriert?
Lege den Stolz ab, der Venus verhasst ist,
damit das Rad nicht rückwärts läuft:
Dein tyrrhenischer Vater
hat dich nicht als eine Penelope
geboren, die den Freiern schwerfällt.
O wenn dich weder Geschenke noch Bitten
noch das mit Veilchen gefärbte Blassbaden der Liebenden
noch der durch eine pierische Buhlerin verwundete Mann
beugt –
schone deine Flehenden,
du, die du weder weicher bist als die starre Eiche
noch milder im Sinn als maurische Schlangen:
Nicht ewig wird diese Hüfte
die Schwelle und den Himmel tragen können.
XI
Merkur, – denn unter deinem lehrenden Meister
hat Amphion durch seinen Gesang die Steine bewegt, –
und du, Schildkröte,
die du sieben Saiten erklingen lässt,
einst weder redefertig noch angenehm,
jetzt aber sowohl den Tischen der Reichen
als auch den Tempeln lieb und teuer:
Gib mir Lisen an die Hand,
mit denen Lyde ihre störrischen Ohren verschließen kann,
die wie ein dreijähriges Fohlen auf weiten Feldern
übermütig spielt
und sich vor Berührung fürchtet,
unerfahren in der Ehe
und noch unreif für den wilden Mann.
Du kannst Tiger
und begleitende Wälder führen
und reißende Flüsse aufhalten;
dir wich der riesige Wächter
der schmeichelnden Halle,
Cerberus, obwohl hundert Wütende
sein Schlangenhaupt bewACHEn
und ein finsterer Odem
und giftiger Eiter von seiner dreizüngigen Zunge rinnt.
Sogar Ixion
und Tityos lächelten mit widerstrebtender Miene,
der Krug stand für einen Moment trocken,
während du die Töchter des Danaus
mit liebem Gesang erfreutest.
Höre Lyde das Verbrechen
und die bekannten Strafen der Jungfrauen
und das leere Fass,
das bis zum tiefsten Grunde
vom Wasser entrinnt,
und das späte Schicksal,
das die Sünden selbst im Orcus erwartet.
Die Frevlerinnen (denn was hätten sie Grässlicheres tun können?)
die Frevlerinnen konnten ihre Bräutigame
mit dem harten Schwert töten.
Eine unter vielen,
des hochzeitlichen Kranzes würdig,
war vor ihrem treulosen Vater
glänzend lügnerisch
und für alle Zeiten eine berühmte Jungfrau,
die zu ihrem jungen Ehemann sprach:
»Steh auf, steh auf,
damit dir kein langer Schlaf zuteil wird,
von dort, wo du es nicht fürchtest;
täusche den Schwiegervater und die frevelhaften Schwestern,
die wie Raubkatzen,
die Kälber erbeutet haben,
die Einzelnen zerreissen.
Ich, sanfter als jene,
weder werde ich dich schlagen
noch dich hinter Gitter halten.
Mein Vater mag mich in grausame Ketten legen,
weil ich dem armen Gatten barmherzig verschonte,
er mag mich in die fernsten Felder der Numider
mit einer Flotte verbannen.
Geh, wohin deine Füße dich tragen
und die Winde,
solange Nacht und Venus gewähren,
geh unter gutem Omen
und ritze in mein Grab
eine gedenkende Klage.«
XII
Es ist das Los der armen Mädchen,
weder der Liebe Spiel zu geben
noch die Sorgen im süßen Wein zu baden
oder vor den Schlägen
der brüderlichen Zunge der Tante
zu erblassen.
Dir nimmt den Wollkorb,
o Neobule,
der geflügelte Knabe der Cytherea,
dir nimmt das Studieren
der mühevollen Minerva
der Glanz des Hebrus aus Lipara,
sobald er seine geölten Schultern
in den Wellen des Tiber gewaschen hat,
ein Reiter, besser als Bellerophon selbst,
weder im Faustkampf
noch im schnellen Fuß besiegt;
schlau ist derselbe,
wenn er im offenen Feld flüchtende Hirsche
durch eine gehetzte Herde schießt
und flink den wilden Eber
aus dem engen Buschwerk herausholt.
XIII
O Bandusias Quelle,
glänzender als Glas,
des süßen Weins wert, nicht ohne Blumen,
morgen wirst du mit einem Bock beschenkt,
dessen Stirn,
geschwollen mit den ersten Hörnern,
sowohl Liebe als auch Kämpfe bestimmt.
Vergeblich: denn mit rotem Blut
wird er dir die kalten Bäche färben,
der spielende Spross der Herde.
Dich vermag die grausame Stunde
der brennenden Hundssterne
nicht zu berühren;
du spendest liebtönende Kühle
den vom Pflug ermatteten Stößen
und dem schweifenden Vieh.
Werden wirst du auch du
unter den edlen Quellen,
während ich die Steine besinge,
die über die hohlen Felsen gesetzte Eiche,
von wo deine plätschernden Wellen
herabspringen.
XIV
Nach der Art des Herkules,
so wird gesagt, o Volk,
hast du, Bürger,
gesucht den durch den Tod erkauften Lorpreis;
Caesar sucht die Penaten heim
als Sieger vom spanischen Ufer.
Froh über ihren einzigartigen Ehemann
trete die Gattin hervor,
die den gerechten Riten gedient hat,
sowie die Schwester des klaren Feldherrn
und mit schmückendem Opferband
die Mütter der Jungfrauen
und der Jünglinge, die neulich gerettet wurden.
Ihr, o Knaben und Mädchen
und ihr, die ihr schon Männer kennt,
schont verleumderischer Worte.
Dieser Tag wird mir, dem wahrhaft festlichen,
die finsteren Sorgen nehmen;
ich werde weder Aufruhr
noch das Sterben durch Gewalt fürchten,
da Caesar die Erde beherrscht.
Geh, hole Salböl, Jüngling,
und Kränze und eine Amphora,
die des marsischen Krieges gedenkt,
falls irgendein Krug
dem umherirrenden Spartacus entkommen konnte.
Und sprich, sie möge eilen,
die reizende Neaera,
ihr bernsteinfarbenes Haar im Knoten zu bändigen;
wenn eine Verzögerung durch den verhassten Pförtner
entsteht, so gehe fort.
Das ermatten, ergrauende Haar mildert
die Gemüter,
die nach Streit und frecher Rauferei dürsten;
das hätte ich mir nicht gefallen lassen,
von Jugend an erhitzt
unter dem Konsul Plancus.
XV
Ehefrau des armen Ibycus,
setze endlich deinem Treiben ein Ende
und deinen verrufenen Mühen;
nahe dem reifen Tod
höre auf, unter den Jungfrauen zu spielen
und den weißen Sternen Nebel zuzustreuen.
Nicht was Pholoe genügt,
schickt sich auch dir, Chlori.
Die Tochter erobert richtiger
die Häuser der Jünglinge,
wie eine durch das geschlagene Tympanon
aufgeregte Thyade.
Ihn zwingt die Liebe zu Nothus,
wie eine spielende Rehkitzin zu scherzen:
Dich zieren Wolle,
nahe dem edlen Luceria geschoren,
weder Kitharen
noch die purpurnen Rosenblüten
noch die bis zum Bodensatz geleerten Krüge einer Greisin.
XVI
Die eingeschlossene Danae
hätten ein eherner Turm
und robuste Tore und traurige Wachposten
treuer Hunde ausreichend geschützt
vor nächtlichen Ehebrechern,
hätten nicht Jupiter und Venus
über Acrisius, den ängstlichen Wächter
der versteckten Jungfrau, gelacht:
Denn sicher und offen sei der Weg
für einen Gott, der sich in Gold verwandelt hat.
Gold liebt es, durch die Mitte der Trabanten zu gehen
und Felsen zu durchbrechen,
mächtiger als ein Blitzschlag;
untergegangen ist das Haus des argivischen Sehers
wegen des Gewinns,
versunken ins Verderben;
aufgesprengt hat die Tore von Städten
der makedonische Mann
und hat die rivalisierenden Könige
durch Geschenke unterworfen;
Geschenke fangen die grausamen Schiffsführer ein.
Der wachsenden Menge folgt die Sorge
und der Hunger nach mehr.
Mit Recht habe ich mich davor gegraut,
ein weithin sichtbares Haupt zu erheben,
o Maecenas,
Glanz der Ritter.
Je mehr sich jeder versagt hat,
desto mehr wird er von den Göttern empfangen;
nackt suche ich das Lager der Nichtsbegehrenden
und brenne darauf,
als Überläufer die Partei der Reichen zu verlassen,
als Herr über eine verachtete Sache
glänzender,
als wenn man sagen würde,
dass ich alles, was der unermüdliche Apulier pflügt,
in meinen Scheunen verberge,
inmitten großer Reichtümer arm.
Ein Bach reinen Wassers
und ein Wald von wenigen Jochen
und die sichere Treue meiner Ernte
lassen mich den fruchtbaren Boden
des glänzenden, von Macht erfüllten Afrika
glücklicher übertreffen.
Obgleich die kalabrischen Bienen keinen Honig bringen
und mir kein Wein in laestrygonischer Amphora reift
und keine fetten Vliese
auf gallischen Weiden wachsen,
ist doch eine lästige Armut fern,
und wenn ich mehr wollte,
würdest du nicht verweigern zu geben.
Mit einem zusammengezogenen Verlangen
werde ich kleine Einnahmen besser ausdehnen,
als wenn ich das Reich des Alyattes
mit den mygdonischen Feldern verknüpfen würde.
Den viel Begehrenden fehlt vieles;
wohl ist dem, dem Gott
mit sparsamer Hand genug gegeben hat.
XVII
O Aelius, vom alten Lamus edel abstammend
– da ja auch die früheren Lamias
von ihm benannt sein sollen
und die gesamte Nachkommenschaft
durch die erinnernden Fasten –,
du führst deinen Ursprung
von jenem Urheber her,
der als erster die Mauern von Formiae
und den in die Ufer von Marica fließenden Liris
besessen haben soll,
ein weithin herrschender Tyrann –:
morgen wird ein von der Morgenröte gesandter Sturm
das Gehölz mit vielen Blättern
und das Ufer mit nutzlosem Seetang bestreuen,
es sei denn, die wasserkundige
alte Krähe täuscht sich.
Solange du kannst, sammle trockenes Holz;
morgen wirst du deinen Genius
mit Wein und einem zweimonatigen Schwein pflegen,
zusammen mit den von der Arbeit befreiten Knechten.
XVIII
Faunus, Liebhaber der fliehenden Nymphen,
schreite milde durch meine Grenzen
und die sonnigen Flur
und ziehe davon,
den kleinen Zöglingen gewogen,
wenn ein zarter Bock fällt
beim vollen Jahr
und dem Weinkrater, dem Genossen der Venus,
der Wein nicht fehlt,
und der alte Altar mit vielerlei Geruch dampft.
Die ganze Herde spielt auf dem grasigen Feld,
wenn dir die Nonen des Dezembers wiederkehren,
der festliche Gau weilt in den Wiesen
mit dem müßigen Rind;
unter mutigen Lämmern wandert der Wolf,
die heimatliche Wälder streuen dir Blätter aus,
der Gräber freut sich,
dreimal mit dem Fuß
die verhasste Erde geschlagen zu haben.
XIX
Wie sehr sich Kodrus,
der für das Vaterland zu sterben nicht fürchtete,
von Inachus unterscheidet,
erzählst du,
und das Geschlecht des Aeacus
und die unter dem heiligen Ilion gekämpften Kriege.
Zu welchem Preis wir einen chiotischen Krug
erstehen, wer das Wasser mit Feuer erwärmt,
wer das Haus zur Verfügung stellt
und zu welcher Stunde ich der pelignischen Kälte entkomme,
verschweigst du.
Bring dem neuen Mond eilends,
bring der Mitternacht,
bring, Jüngling, des Sehers Murena.
Soll man die Becher
mit drei oder neun Cyathen mischen?
Wer die ungleichen Musen liebt,
wird als Begeisterter dreimal drei Cyathen fordern,
drei verbietet die Grazie,
die den Streit fürchtet,
samt ihren nackten Schwestern zu berühren.
Es tut gut zu toben ...
Warum schweigen
die Bläser der berekyntischen Tibia?
Warum hängt die Flöte mit der Lyra stumm da?
Ich verabscheue die geizigen Hände:
streue Rosen aus;
der neidische Lycus soll den wahnsinnigen Lärm hören
und die dem alten Lycus ungeeignete Nachbarin.
Dich, den Glänzenden,
mit dickem Haar,
dich, dem reinen Vesper ähnlich,
Telephus, sucht Rhode zur rechten Zeit auf:
Mich verzehrt die träg machende Liebe
zu meiner Glycera.
XX
Siehst du denn nicht, mit welch großer Gefahr
du, Pyrrhus, die Jungen einer gätulischen Löwin anredest?
Bald schon wirst du als furchtsamer Raubvogel
vor dem unerbittlichen Kampf fliehen,
wenn er durch die Scharen der drängenden Jünglinge
einhergeht
und Nearchus zurückfordert:
Ein großes Ringen –
ob die größere Beute dir zufällt
oder ihm.
Unterdessen, während du die schnellen Pfeile
hervorholst,
wetzt diese ihre furchterregenden Zähne;
der Schiedsrichter des Kampfes
soll sich die Palme unter den nackten Fuß
gelegt haben,
während er mit sanftem Wind
seine von duftendem Haar bestreuten Schultern
erfrischt,
ganz wie Nireus
oder jener, der einst
vom wässrigen Ida geraubt wurde.
XXI
O du unter dem Konsul Manlius mit mir geborene
heilige Tonne,
sei es, dass du Klagen birgst
oder Scherze,
sei es Raufereien und wahnsinnige Liebschaften
oder den sanften Schlaf:
unter welchem Namen du auch den auserlesenen Massicus
aufbewahrst,
würdig, an einem guten Tag bewegt zu werden –
steig herab,
da Corvinus gebietet,
weichere Weine hervorzuholen.
Er wird dich, obgleich er von sokokratischen
Lehren durchtränkt ist,
nicht spöttisch verschmähen:
Man erzählt, dass auch die Tugend
des alten Cato sich oft am Wein
erwärmt hat.
Du übst eine milde Folter
auf meist starre Geister aus;
du enthüllst die Sorgen
und den verborgenen Rat
der Weisen im scherzhaften Lykaeon.
Du gibst ängstlichen Herzen
die Hoffnung zurück
und Kräfte,
und verleihst dem Armen neue Hörner,
sodass er nach dir weder die zornigen
Kronen der Könige
noch die Waffen der Soldaten fürchtet.
Dich werden Bacchus und, falls die fröhliche Venus
dazuweilt,
sowie die den Knoten der Grazien
lösenden Nymphen
und die lebendigen Lampen
bis zu der Zeit emporführen,
da der zurückkehrende Phoebus
die Sterne vertreibt.
XX2
Hüterin der Berge
und Jungfrau der Haine,
die du die vom Wochenbett geplagten
Mädchen,
dreimal gerufen, erhörst
und vom Tode errettest,
du dreigestaltige Göttin:
Die Kiefer an meiner Villa
sei dir geweiht,
die ich nach vollendeten Jahren
als Froher dem Eber,
der den schrägen Stoß übt,
mit Blut opfern will.
XXIII
Wenn du die offenen Hände zum Himmel
erhoben hast
bei werdendem Mond,
du ländliche Phidyle,
wenn du die Lares mit Weihrauch besänftigst
und mit diesjähriger Frucht
und einem gierigen Schweinchen,
wird weder der pestilenzialische Afrikus
die fruchtbare Rebe schädigen
noch die Getreideähren der sterile
Rost,
noch die süßen Zöglinge
die schwere Zeit des obstreichen Jahres.
Denn das Opferlamm,
das auf dem verschneiten Algidus
zwischen geweihten Eichen und Steineichen
oder auf albanischen Wiesen heranwächst,
wird den Hals
unter den Beilen der Pontifices
mit Blut färben;
dich aber kümmert es keineswegs,
die kleinen Götter
mit dem mäßigen Schlachten von Opferrindern
zu umkränzen,
während du sie mit Rosmarin
und brüchiger Myrte schmückst.
Wenn eine unschuldige Hand
den Altar berührt hat,
hat er die abgewandten Penaten
nicht durch ein prunkvolles Opfer
besser besänftigt
als durch frommes Mehl
und knisterndes Salz.
XXIV
Reicher als die unberührten
Schätze der Araber
und des reichen Indiens,
mögest du auch mit Bruchsteinen
jeden Flecken Erde
und das offene Meer überbauen:
Wenn die grausame Notwendigkeit
ihre adamantinen Nägel
in die höchsten Gipfel schlägt,
wirst du weder dein Herz von Furcht
noch dein Haupt von den Stricken des Todes
befreien.
Die Skythen in der Steppe,
deren Wagen ihre wandernden Wohnungen
ordnungsgemäß ziehen,
leben besser,
und die starren Geten,
denen ungeteilte Acker
freie Früchte
und Ceres bringen,
denen kein längerer Landbau
als ein Jahr gefällt:
Nach vollbrachten Mühen
löst ein anderer sie
durch gleichem Los ab.
Dort schont die unschuldige Stiefmutter
die Kinder, die keine Mutter haben,
weder regiert die mit Mitgift versehene Frau
ihren Mann,
noch vertraut die Ehefrau
einem glänzenden Ehebrecher;
die große Mitgift der Eltern
ist die Tugend
und die durch einen festen Bund
vor einem anderen Mann
schreckhafte Keuscheit;
Sünde zu begehen ist Frevel
oder wird mit dem Tod bestraft.
O wer immer
die frevelhaften Morde
und die bürgerliche Wut
beseitigen will,
wer sich rühmen möchte,
als Vater der Stadt
auf Statuen aufgeschrieben zu werden,
der wage es,
die unbezähmbare Zügellosigkeit
zu zügeln,
berühmt für die Nachgeborenen;
da wir – ach, welcher Frevel! –
die unversehrte Tugend hassen
und neidisch suchen,
wenn sie den Augen entzogen ist.
Was nützen traurige Klagen,
wenn die Schuld nicht durch Strafe
ausgemerzt wird?
Was nützen leere Gesetze
ohne Sitten,
wenn weder der von glühender Hitze
eingeschlossene Teil
der Welt noch die dem Boreas
nahe Seite
und der vom Boden gefrorene Schnee
den Kaufmann abhalten,
und die klugen Seefahrer
die schrecklichen Meere besiegen?
Die große Armut, eine Schande,
befiehlt,
alles zu tun und zu erleiden,
und verlässt den Pfad
der steilen Tugend.
Wollen wir nicht
aufs Kapitol,
wohin das Geschrei und die Schar
der Zustimmenden ruft,
oder ins nächste Meer
Edelsteine und Steine,
das unnütze Gold –
den Stoff des höchsten Übels –
werfen, wenn wir unsere Sünden
wahrhaft bereuen?
Die Keime der verkehrten Gier
müssen ausgerottet werden,
und die allzu zarten Gemüter
müssen durch härtere
Studien gebildet werden.
Der ungeübte freie Knabe
weiß sich nicht am Pferd
zu halten
und fürchtet die Jagd,
gelinder im Spiel,
sei es, dass du den griechischen Reif
befiehlst
oder das nach den Gesetzen verbotene
Würfelspiel,
während die treulose Treue
des Vaters
den Mitgesellschafter
und die Gäste täuscht
und das Geld für einen unwürdigen
Erben zusammenrafft.
Freilich wachsen die unrechtmäßigen
Reichtümer,
dennoch fehlt der kargen Habe
immer noch ein Irsinn.
XXV
Wohin reißest du mich, Bacchus,
der ich von dir erfüllt bin?
In welche Haine oder in welche Schluchten
werde ich mit neuem Sinn
vorangetrieben?
In welchen Grotten werde ich
beim Planen des ewigen Ruhms
des erhabenen Cäsar
gehört,
wie ich ihn unter die Sterne
und in den Rat Jupiters einfüge?
Ich werde etwas Großartiges, Neues,
bisher von keinem Mund Unbesungenes verkünden.
Nicht anders staunt
auf den Höhen die schlaflose Mänade,
den Hebrus erblickend
und das vom Schnee weiße Thrakien
sowie das von barbarischem Fuß
betretene Rhodope,
als es mir freut,
abseits die Ufer und den leeren Hain
zu bewundern.
O Herr der Najaden
und der starken Baccharis,
die mit ihren Händen
hohe Eschen umstürzen können:
Nichts Geringes oder auf dem Boden kriechendes,
nichts Sterbliches werde ich sprechen.
Süß ist die Gefahr,
o Lenäus,
einem Gott zu folgen,
der seine Schläfe
mit dem grünen Weinstock umwindet.
XXVI
Ich habe neulich für die Mädchen
als geeignet gelebt
und nicht ohne Ruhm gekämpft;
nun werden diese Waffen
und die des Krieges überdrüssige Leier
diese Wand
besitzen,
die die linke Seite
der meeresgeborenen Venus
beschützt.
Hier, hier
setzt die glänzenden Fackeln
und die Brechstangen
und die gegen die gegenüberstehenden
Türen drohenden Bögen hin.
O Herrscherin, die du
das selige Zypern besetzt
und Memphis, das frei ist
von sithonischem Schnee:
Triff mit der erhabenen Peitsche
die einmal arrogante Chloe.
XXVII
Den Frevlern möge ein schreiender Eichelhäher
als Vorzeichen vorangehen
und eine trächtige Hündin oder eine vom lanuvinischen Feld
gelbbraun herabrennende Wölfin
und eine trächtige Fuchsin;
und eine Schlange durchbreche den begonnenen Weg,
wenn sie schräg wie ein Pfeil
die Pferde erschreckt hat:
Ich aber werde für den, den ich behüte,
als vorausschauender Augur
vom Aufgang der Sonne her
den singenden Raben im Gebet erwecken,
bevor der Sehervogel der drohenden Regen
in die stehenden Sümpfe zurückkehrt.
Mögest du glücklich sein,
wo immer du lieber weilst,
und eingedenk meiner leben, Galatea,
und weder möge dir ein linker Specht
noch eine schweifende Krähe
den Weg verwehren.
Aber siehst du, mit welch großem Tumult
der herabgeneigte Orion zittert?
Ich weiß, was die schwarze Bucht des adriatischen Meeres bedeutet
und wie der weiße Iapyx sich versündigt.
Die Ehefrauen der Feinde und die Knaben
sollen die blinden Stürme
des aufsteigenden Austers spüren
und das Tosen des schwarzen Meeres
und die vom Schlag zitternden Ufer.
So hat auch Europa ihr schneeweißes
der trügerischen Tücke des Stiers anvertraut
und, kühn, vor dem von Ungeheuern wogenden Meer
und dem doppelten Trug gebangt.
Neulich noch, in den Wiesen, der Blumen befliessene
und der den Nymphgeweihten geschuldeten Krone
Erschafferin,
sah sie im dämmernden Nachtlicht
nichts außer Gestirnen und Wellen.
Kaum dass sie das an Städten reiche Kreta berührt hatte:
»Vater«, sprach sie,
»o der Name und die Pflicht der Tochter,
durch den Wahnsinn besiegt!
Woher bin ich wohin gekommen?
Ein leichter Tod ist für den Fehler von Jungfrauen zu kurz.
Weine ich wachend das schändliche Vergehen
oder spielt ein eitler Traum,
den, von Fehlern frei,
die entfliehende elfenbeinerne Pforte herbeiführt,
mit mir?
War es besser, durch die langen Fluten zu reisen
oder frische Blumen zu pflücken?
Wenn jetzt jemand das schändliche Rind
mir, der Erbitterten, übergäbe,
ich würde mich bemühen, mit Eisen
die Hörner des eben noch so sehr geliebten
Ungeheuers zu zerbrechen.
Unverschämt habe ich die väterlichen Penaten verlassen,
unverschämt halte ich den Orcus hin.
O wer immer von den Göttern dies hört,
ach, dass ich nackt unter Löwen irrte!
Bevor eine hässliche Auszehrung
die ansehnlichen Wangen einnimmt
und der Saft der zarten Beute schwindet,
begehre ich,
wunderschön, Tiger zu weisen.
Armselige Europa, der abwesende Vater drängt:
Was zögerst du zu sterben?
Du kannst an dieser Esche,
durch deinen folgsamen Gürtel wohlgesinnt,
deinen Hals verletzen.
Oder wenn dir Klippen und spitz auf den Tod
ausgerichtete Felsen gefallen,
wohlan, vertraue dich dem schnellen Sturm,
es sei denn, du ziehst es vor,
das herrscherliche Spinnwerk zu pflücken,
königliches Blut,
und als Söhne einer barbarischen Herrin
als Buhlerin übergeben zu werden.«
Es nahte sich der Klagenden
die lächelnde Venus mit Trug
und der Sohn mit entspanntem Bogen.
Bald, als sie genug gespielt hatte:
»Enthalte dich«, sprach sie,
»der Klagen und des heißen Streits,
wenn dir der unsichtbare Stier
die zu zerreißenden Hörner zurückgibt.
Du weißt nicht, dass du die Gattin des unbesiegten Jupiters bist.
Lass das Schluchzen,
lerne das große Glück ertragen;
deine Welt wird den geteilten Namen tragen.«
XXVIII
Was soll ich an dem festlichen Tag
Neptuns Besseres tun?
Hole das versteckte Caecuber hervor, Lyde,
du Eifrige,
und wende die Kraft der gerüsteten Weisheit an.
Du fühlst, dass der Mittag sich neigt,
und als ob der geflügelte Tag stünde,
sparst du es dir, aus der Scheune
die zaudernde Amphora
des Konsuls Bibulus herabzureißen?
Wir wollen abwechselnd singen:
Neptun und das grüne Haar der Nereiden;
du wirst auf der gekrümmten Lyra
Latonas erwidern
und die Pfeile der schnellen Cynthiae;
im höchsten Lied wird jene besungen,
die Knidos
und die glänzenden Kykladen und Paphos besitzt
und mit angeschlossenen Schwänen besucht;
erwähnt wird auch die Nacht
als gebührendes Klagelied.
XXIX
O Abkömmling tyrrhenischer Könige,
unberührter reiner Wein wartet schon lange bei mir
mit Rosenduft
und der auf dein Haar gepressten Narde,
Maecenas:
Entrisse dich dem Zögern,
und betrachte nicht immer
das nasse Tibur
und das abfallende Feld von Aefula
und die Höhen des parzidischen Telegonus.
Verlasse die überdrüssige Fülle
und die den Wolken nahe Masse,
unterlasse es,
den Rauch und die Reichtümer
und den Lärm des glücklichen Roms zu bewundern.
Meistens erlösen die den Reichen angenehmen Abwechslungen
und die sauberen Mahlzeiten unter kleinem Lar
der Armen ohne Vorhänge und Purpur
die besorgte Stirn.
Schon zeigt der helle Vater der Andromeda
das verborgene Feuer,
schon wütet Procyon
und der Stern des wahnsinnigen Löwen,
während die Sonne
trockene Tage bringt;
schon sucht der Hirte mit der ermatteten Herde
die Schatten
und den Bach
und das Gestrüpp des grausamen Silvanus
und die vom Winde verlassenen,
schweigenden Ufer.
Du sorgst dafür,
welcher Zustand für den Staat schicklich ist,
und fürchtest dich besorgt für die Stadt,
was die Serer
und die von Cyrus beherrschten Baktrer
und der zwieträchtige Tanais planen.
Der weise Gott drückt
den Ausgang der zukünftigen Zeit
in dunkle Nacht
und lacht, wenn ein Sterblicher
mehr als erlaubt zittert.
Was da ist, bedenke
gerecht zu ordnen;
das Übrige wird nach Art eines Flusses getragen,
das sich jetzt in der Mitte des Meeres
inmitten des Friedens
in das etruskische Meer hinabsenkt,
jetzt aber ausgefressene Steine
und geraubte Stämme
und Herden und Häuser,
die miteinander fliegen,
nicht ohne das Geschrei der Berge
und des benachbarten Waldes,
wenn die wilde Flut
den ruhigen Fluss reizt.
Er, der seiner selbst mächtig ist
und sich freut, wird der leben,
dem es erlaubt ist, zu sagen:
»Ich habe gelebt:
Morgen mag der Vater den Pol
entweder mit einer schwarzen Wolke
oder mit klarem Sonnenschein einnehmen;
er wird das,
was immer dahinter ist,
doch nicht ungültig machen
und weder ungeschehen machen
noch zurückgeben,
was die entfliehende Stunde
einmal getragen hat.«
Fortuna, froh über ihr wildes Geschäft
und hartnäckig darin,
das unverschämte Spiel zu spielen,
verwandelt die ungewissen Ehren,
mal mir, mal einem anderen gewogen.
Ich lobe die Bleibende;
wenn sie ihre schnellen Schwingen schüttelt,
gebe ich das zurück, was sie gab,
und hülle mich in meine Tugend
und suche die ehrliche,
unterstandlose Armut.
Es ist nicht meine Art,
wenn der Mast unter den afrikanischen Stürmen dröhnt,
zu erbärmlichen Gebeten
zu eilen
und durch Gelübde zu pachten,
dass die zypriotischen
und tyrischen Waren
dem gierigen Meer keine Reichtümer hinzufügen;
dann wird mich das Boot mit den zwei Rudern,
geschützt durch die Last
über die ägäischen Tumulte,
die günstige Brise
und der doppelte Pollux tragen.
XXX
Ich habe ein Denkmal vollbracht, dauerhafter als Erz
und höher als die königliche Anlage der Pyramiden,
das weder der fressende Regen
noch der ohnmächtige Aquilon zerstören kann
oder die unzählbare Reihe der Jahre
und die Flucht der Zeiten.
Nicht ganz werde ich sterben,
und ein großer Teil von mir
wird die Libitina meiden;
fortwährend werde ich durch das Lob der Nachwelt
frisch wachsen,
solange der Pontifex mit der schweigenden Jungfrau
das Kapitol erklimmt.
Man wird von mir sagen:
Dort, wo der reißende Aufidus rauscht
und wo Daunus, wasserarm,
über ländliche Völker geherrscht hat –
ich, aus der Niedrigkeit mächtig geworden,
habe als Erster den äolischen Gesang
zu italienischen Weisen geführt.
Nimm den Stolz an,
der durch Verdienste errungen ist,
und umwinde mir, Melpomene,
willig das Haar mit delphischem Lorbeer.
VIERTES BUCH DER ODEN
I
Venus, du rufst
die kriegerischen Spiele
nach langer Pause
wieder auf?
Verschone mich, ich fleh dich an,
fleh dich an!
Nicht mehr der Mann bin ich,
der ich unter der Herrschaft
der gütigen Cinara war.
Hör auf, du grausame
Mutter süßer Amoreken,
mit nunmehr fast fünfzig Jahren
meine weichen, von Jugend
auf starren Zügel
zu lenken! Geh dorthin,
wo die schmeichelnden Bitten
jüngerer Männer dich zurückrufen!
Viel zeitiger wirst du in das Haus
des Paulus Maximus
auf purpurnen Schwänen
ein schmausendes Fest feiern,
wenn du eine geeignete Leber
zu versengen suchst;
denn er wird, edel und ansehnlich
und nicht schweigsam
für bedrängte Angeklagte
und ein Knabe von hundert Künsten,
weit die Zeichen
deines Feldzugs tragen,
und wenn er, mächtiger geworden,
über die Gaben des lachenden,
wetteifernden Reichen triumphiert,
wird er dich nahe den albanischen Seen
aus Marmor unter duftendem Zedernholz
aufstellen.
Dort wirst du in deiner Nase
viel Rauch von Weihrauch einziehen,
und du wirst an der Leyra
und der beryzintischen Flöte
nebst den Tönen der Syrinx
an gemischten Gesängen deine Freude haben;
dort werden Knaben zweimal täglich
zusammen mit zarten Jungfrauen
deine Gottheit rührend,
mit weißem Fuß
nach Art der Salier
dreimal die Erde erschüttern.
Mich erfreut weder Frau noch Knabe
noch länger der Glaube an erwiderte Liebe,
mich erfreut weder der Wettstreit im Wein
noch das Bekränzen der Schläfen
mit frischen Blumen.
Aber ach, Ligurinus, warum,
warum fließt mir
eine seltene Träne über die Wangen?
Warum bricht die redegewandte Zunge
mitten in den Worten
in unschicklichem Schweigen ab?
In nächtlichen Träumen
halte ich dich bereits gefangen,
schon folge ich dir, dem Entflohenen,
über die Wiesen des Marsfeldes,
dich über die strömenden Gewässer,
du Harter!
II
Wer immer sich bemüht,
Pindar nachzueifern,
Iullus, stützt sich auf Flügel,
die mit Wachs nach Daedalus' Art
befestigt sind,
und ist dazu bestimmt,
dem gläsernen Meer seinen Namen zu geben.
Wie ein Strom,
der vom Berg herabströmt,
den die Regengüsse
über die vertrauten Ufer hinaus
anschwollen ließen,
braust und stürzt Pindar
mit gewaltigem Mund in die Tiefe,
würdig, mit der apollinischen Lorbeere
gekrönt zu werden,
sei es, dass er kühne Dithyramben
in neue Worte ausströmen lässt
und in von Gesetzen freien
Versen fortgetragen wird,
oder ob er Götter besingt
und Könige, das Blut der Götter,
durch die die Centauren
einen gerechten Tod fanden,
die Flamme der schrecklichen
Chimära verschied,
oder ob er jene rühmt,
die die elische Palme himmlisch
nach Hause zurückführt,
sei es den Faustkämpfer oder den Reiter,
und sie mit einer Gabe beschenkt,
die hundert Denkmälern überlegen ist,
während er den Jüngling beweint,
der seiner trauernden Braut entrissen wurde,
und Kräfte, Geist und goldene Sitten
in die Sterne emporhebt
und dem finsteren Orkus vorenthält.
Eine mächtige Brise hebt den dirkäischen Schwan,
Antonius, so oft er sich
in die hohen Regionen der Wolken aufschwingt;
ich aber, nach Art und Weise
der Biene vom Mount Matinus,
die mit größter Mühe
schmackhaften Thymian pflückt
um den waldigen Hain herum
und die Ufer des feuchten Tibur,
forme als Kleiner
arbeitsame Gedichte.
Du wirst mit größerer Plectre-Kunst
als Dichter Caesar besingen,
wann immer er die wilden Sygamber
gezähmt
durch den heiligen Weg zieht,
geschmückt mit dem verdienten Laub;
als den nichts Größeres oder Besseres
den Erden die Schicksale geschenkt haben
und die guten Götter,
und nichts Besseres geben werden,
selbst wenn die Zeiten
in das alte goldene Zeitalter zurückkehren.
Besingen wirst du auch die frohen Tage
und die öffentlichen Spiele der Stadt
über die erbetene
glückliche Rückkehr des tapferen Augustus
und das von Prozessen
befreite Forum.
Dann wird auch mein bester Teil der Stimme,
wenn ich etwas Sagbares spreche,
hinzukommen, und: „O schöner Tag,
o preisenswerter!“ will ich singen,
glücklich über den empfangenen Caesar;
und während du voranschreitest,
wollen wir, nein, die ganze Bürgerschaft:
„Io Triumphe!“ nicht nur einmal rufen,
„Io Triumphe!“,
und wir werden den gnädigen Göttern
Weihrauch darbringen.
Dir gehören zehn Stiere
und ebenso viele Kühe;
mich wird ein zarter Stierkalb ablösen,
das, von der Mutter getrennt,
in saftigen Gräsern
für meine Gelübde heranwächst,
dessen Stirn,
die geschwungenen Feuer
der dritten, diekehrten Mondes gleicht,
dort gezeichnet, wo es weiß erscheint,
im Übrigen aber braun ist.
III
Wen du, Melpomene,
einmal bei der Geburt
mit gütigem Blick angesehen hast,
den wird nicht der isthmische Wettkampf
als Sieger im Faustkampf berühmt machen,
nicht das unermüdliche Ross
wird ihn im achaischen Wagen
als Sieger dahinführen,
noch wird die Kriegstat
ihn, geschmückt mit den delischen Blättern,
als Feldherrn,
weil er die drohenden Forderungen
der Könige zerschlagen hat,
dem Kapitol zeigen;
sondern die Wasser,
die das fruchtbare Tibur umströmen,
und das dichte Laub der Haine
werden ihn durch äolische Dichtung
berühmt machen.
Der Adel der Stadt,
der Herrscherin Rom,
würdigt sich, mich
in den Kreis der liebenswerten Dichter
aufzunehmen,
und schon werde ich
vom neidischen Zahn weniger gebissen.
O du Mus,
die du den süßen Klang
der goldenen Leyra leitest,
o du, die du selbst stummen Fischen,
wenn es dir gefällt,
den Ton des Schwans verleihst:
Das alles ist das Geschenk deiner Hand,
dass ich von den Vorübergehenden
mit dem Finger gezeigt werde
als der Sänger der römischen Lyra;
dass ich atme und gefalle –
wenn ich denn gefalle –, ist dein Werk.
IV
Wie den Boten des Blitzes,
den Adler,
dem der König der Götter
die Herrschaft über die schweifenden Vögel
übertragen hat,
nachdem er ihn, den er in Ganymed
als treu erprobt hatte,
auf die Probe gestellt hatte;
ihn, den einst die Jugend
und die väterliche Kraft
aus dem Nest der Mühen
hervorbrachten,
der, noch unerfahren im Fliegen,
vom Frühlingswind
nach dem Abzug der Sturmwolken
in ungewohnte Anstrengungen
eingewiesen wurde;
bald stürzte der lebendige Ungestüm
als Feind in die Hürden,
nun trieb ihn die Liebe zur Beute
und zum Kampf
in die widerspenstigen Drachen;
oder wie den Löwen,
den die kecke Löwin,
von der Milch entwöhnt,
mit neuem Zahn zu sterben sah,
als er in saftigen Weiden
auf eine Hirschkuh blickte:
So sahen die Räter
den Drusus Kriege führen
unter den Alpen,
und die Vindeliker –
deren Brauch und Herkunft zu ergründen
ich durch all die Zeiten
mit der amazonischen Axt
die Hände zu rüsten,
ich mir verboten habe,
denn es ist nicht erlaubt,
alles zu wissen –,
aber die lange Zeit
und weithin siegreichen Scharen
spürten, vom Verstand
des jungen Mannes besiegt,
was ein Geist,
was ein an gütigen Orten
gepflegter Charakter vermögen,
was der väterliche Sinn des Augustus
für die Kроне Nerones bedeutet.
Tapfere werden aus Tapferen
und Guten geboren;
in den Stieren,
in den Pferden liegt die Kraft der Väter,
und grausame Adler
zeugen keine zahme Taube;
aber die Bildung
fördert die angeborene Kraft,
und rechte Kultur
stärkt die Brust;
wann immer die Sitten fehlen,
schmücken die Schuldgeborenenschlechter
das edle Blut ab.
Was du Rom,
den Neronern verdankst,
davon zeugt der Fluss Metaurus,
der besiegte Hasdrubal
und jener schöne Tag,
der nach dem Vertreiben der Finsternis
das Latium anlächelte,
der als Erster
in seelischer Siegesfreude aufstrahlte,
seit der grausame Afer
durch die italienischen Städte
ritt wie eine Flamme
durch Föhren oder der Eurus
über die sizilischen Wellen.
Nach diesem wuchs
die römische Jugend
in stetigem Erfolg heran,
und die Tempel,
die durch den gottlosen Aufruhr
der Puniker verwüstet waren,
fanden ihre gerechten Götter wieder;
und endlich sprach
der verräterische Hannibal:
»Wir Rehe, die Beute
raubgieriger Wölfe,
jagen freiwillig jenen nach,
die zu täuschen und zu entkommen
ein herrlicher Triumph ist.
Das Volk, das, tapfer
aus dem zerstörten Ilium
durch toskanische Meere geschleppt,
heilige Stätten,
Kinder und gereifte Väter
bis in ausonische Städte gerettet hat,
gleicht der Steineiche,
die von harten Beilen
am waldreichen Hang des Algidus
beschnitten wird:
Durch Schaden,
durch Morde gewinnt es
aus dem Eisen selbst
Kraft und Mut.«
Nicht kräftiger wuchs
die Hydra mit abgeschnittenem Körper
gegen den leidenden Herkules heran,
noch brachten die Kolcher
oder die thebanischen Spartoi
ein größeres Ungeheuer hervor.
Wende es in die Tiefe,
schöner geht es daraus hervor;
kämpfe mit ihm,
es wird den unversehrten
Sieger mit viel Ruhm zu Boden ringen
und Kriege führen,
die von Ehefrauen besungen werden.
Karthago, ich werde
keine stolzen Boten mehr senden;
untergegangen, untergegangen
ist alle Hoffnung
und das Glück unseres Namens,
nachdem Hasdrubal gefallen ist.
Nichts werden die Hände
der Claudier unvollendet lassen,
die Jupiter mit gnädigem Beistand
beschützt
und deren kluge Sorge
durch die Klippen des Krieges führt.
V
Du von guten Göttern Entsproßter,
bester Wächter des romulanischen Geschlechts,
du fehlst nun schon viel zu lange;
nachdem du deine baldige Rückkehr
dem heiligen Rat der Väter versprochen hast,
kehr zurück!
Gib deinem Vaterland das Licht zurück,
guter Anführer!
Denn wenn dein Antlitz
dem Volk wie der Lenz erstrahlt,
geht der Tag freudiger dahin
und die Sonne scheint schöner.
Wie eine Mutter ihren Jüngern,
den der Notus mit neidischem Hauch
über die Wogen des karpathischen Meeres
länger als die Frist eines Jahres
von der süßen Heimat fernhält,
mit Gelübden, Omen und Gebeten ruft
und ihr Gesicht vom gebogenen Ufer
nicht abwendet,
so sucht das Vaterland,
von treuem Verlangen getroffen,
nach Caesar.
Denn sicher streift das Rind
durch die Felder,
Ceres und die gütige Fülle
nähren die Fluren,
Schiffer eilen über das befriedete Meer,
die Ehre scheut Tadel,
kein schändlicher Ehebruch
schändet das keusche Haus,
Sitte und Gesetz haben das makellose Unrecht gebändigt,
Mütter werden wegen ähnlicher Kinder gelobt,
Strafe folgt auf dem Fuß
als Begleiterin der Schuld.
Wer könnte die Parther fürchten,
wer den eisigen Skythe,
wer die Brut, die das raue Germanien
bei unversehrtem Caesar gebärdet?
Wer sich um den Krieg
des wilden Hiberiens sorgen?
Ein jeder bringt den Tag
in seinen eigenen Hügeln zu
und führt die Rebe
zu den unbewaubten Bäumen;
von dort kehrt er fröhlich zum Wein zurück
und ruft dich beim zweiten Gang
wie einen Gott an;
dich ruft er mit vielen Gebeten,
dich besingt er mit ausgegossenem Wein
aus Schalen
und mischt deine Gottheit
unter die Laren,
wie Griechenland sich des Castor
und des großen Herkules erinnert.
"O möchten wir doch,
guter Anführer,
Hesperien lange Feiertage
bereiten!"
so sagen wir morgens,
wenn der Tag noch frisch und nüchtern ist,
so sagen wir, wenn wir trunken sind,
während die Sonne
im Ozean versinkt.
VI
Gott, den der Sproß der Niobe,
der Rächer der großen Sprache,
und der Raubgierige Tityos
und der dem Fall der hohen Stadt Troja
nahe Sieger,
der phthiotische Achilles,
erlebte,
der größer war als die übrigen,
für dich ein ungleicher Soldat,
obwohl der Sohn der Meeres-Thetis
die dardanischen Türme
mit schrecklichem Speer
kämpfend erschütterte.
Er stürzte,
wie eine Fichte,
die vom nagenden Eisen getroffen
oder vom Eurus umgeworfen wird,
weit hin
und legte seinen Nacken
in den teutonischen Staub;
er würde nicht, eingeschlossen
in das Pferd, das Minervas heilige Riten
heuchelte,
die schlecht feiernden Trojaner
und den an Toren frohen Palast des Priamos
betrügen;
sondern offen, schwer für die Gefangenen,
ach ein Frevel, ach!
die noch sprechunfähigen Kinder
würde er mit achäischen Flammen
verbrennen,
selbst die im Schoß der Mutter
noch Verborgene,
wenn nicht, gebeugt
durch deine und der holden Venus
Bitten,
des Vaters der Götter
Vater zugestimmt hätte,
dass Aeneas' Mauern
unter glücklicherem Vogel geführt würden.
Arzt der schlagfertigen Thalia,
Sänger, Phoebus,
der du im Xanthos-Strom
deine Haare wäschst,
schütze den Ruhm der daunischen Muse,
du behendes Agyieus!
Den Atem hat Phoebus mir,
Phoebus die Kunst des Gesangs
und den Namen des Dichters gegeben.
Ihr ersten Jungfrauen
und ihr Jünglinge,
die ihr von edlen Vätern abstammt,
unter dem Schutz der delischen Göttin,
die die flüchtigen Luchse
und Hirsche mit dem Bogen zähmt,
bewahrt den lesbischen Schritt
und den Schlag meines Daumens,
während ihr rituell den Knaben der Latona besingt,
rituell die mit der Fackel wachsende
Nächtliche Leuchterin,
die Fruchtbringende
und die schnelle Läuferin
der herabrollenden Monate.
Als Braut wirst du einst sprechen:
"Ich habe,
als die glücklichen Feste des Jahrhunderts
wiederkehrten,
dem dank der Lehren
des Dichters Horatius
den Göttern freundlichen Gesang zurückgegeben."
VII
Der Schnee ist verweht,
schon kehren das Gras auf den Feldern
und den Bäumen die Blätter zurück;
die Erde tauscht die Jahreszeiten
und die abnehmenden Flüsse
ziehen an den Ufern vorbei;
die Grazie wagt es mit den Nymphinen
und den Zwillingsschwestern,
nackt die Reigen zu führen.
Dass du auf Unsterblichkeit hoffst,
mahnt dich das Jahr
und die Stunde,
die den nährenden Tag raubt.
Die Kälte mildert sich
durch Zephyre,
der Frühling wird vom Sommer vertrieben,
der zugrunde geht,
sobald der früchtreiche Herbst
seine Früchte ausschüttet,
und bald kehrt der träge Winter zurück.
Den himmlischen Schaden
jedoch machen die schnellen Monde wett:
wir aber,
wo wir dahingeschieden sind,
wo Vater Aeneas,
wo der reiche Tullus und Ancus,
sind Staub und Schatten.
Wer weiß,
ob die himmlischen Götter
dem heutigen Tag noch morgige Frist
hinzufügen?
Alles wird den gierigen Händen des Erben
entfliehen,
was du deinem freundlichen Sinn gegeben hast.
Wenn du einmal gestorben bist
und Minos prächtige Urteile
über dich gefällt hat,
wird dich, Torquatus,
weder deine Herkunft,
noch deine Beredsamkeit,
noch deine Frömmigkeit
wiederherstellen;
denn weder befreit Diana
den keuschen Hippolytus
aus der Unterwelt,
noch vermag Theseus
die letheischen Bande
für seinen lieben Pirithous zu zerreißen.
VIII
Ich würde Schalen
und gefällige Bronzen schenken,
Censorinus,
meinen Gefährten,
ich würde Dreifüße schenken,
die Preise der tapferen Griechen,
und auch du würdest
nicht die schlechtesten Geschenke erhalten,
wenn ich reich an jenen Künsten wäre,
die entweder Parrhasius
oder Scopas hervorgebracht hat,
dieser gewandt in Stein,
jener in flüssigen Farben,
jetzt einen Menschen,
jetzt einen Gott dazustellen.
Aber ich habe dazu nicht die Kraft,
noch ist deine Lage
oder dein Sinn
bedürftig nach solchen Genüssen.
Du freust dich an Gedichten;
Gedichte können wir schenken
und den Wert der Gabe nennen.
Nicht in öffentlichen Notizen
eingemeißelter Marmor,
durch den Geist und Leben
zu den guten Anführern
nach dem Tode zurückkehren,
nicht die schnellen Fluchten
und die zurückgeworfenen Drohungen
des Hannibal,
nicht die Brände
des frevelhaften Karthago
von jenem,
der nach dem gezähmten Afrika
mit einem Namen zurückkehrte,
zeigen deutlicher
die Lobeserhebungen als die kalabrischen
Pieriden;
und auch wenn die Schriften schweigen,
was du Gutes getan hast,
hättest du keinen Lohn davongetragen.
Was wäre der Sohn der Ilia
und des Mars,
wenn neidische Wortkargheit
den Verdiensten
des Romulus im Wege stünde?
Den den stygischen Wellen entrissenen Aeacus
weiht Tugend,
Gunst und die Zunge
mächtiger Dichter
den glücklichen Inseln.
Den des Lobes würdigen Mann
verbietet die Muse zu sterben,
die Muse beglückt mit dem Himmel.
So nimmt der unermüdliche Hercules
an den ersehnten Gastmählern
Jupiters teil,
die Kinder des Tyndareus,
ein helles Gestirn,
reißen zerschlagene Schiffe
aus den untersten Meeren,
geschmückt mit grünem Weinstock
führt Liber die Wünsche
zu einem guten Ende.
IX
Glaube ja nicht,
daß die Worte, die ich,
am weithin tönenden Aufidus geboren,
nach zuvor noch nicht verbreiteten Künsten
spreche,
um sie mit den Saiten zu verbinden,
untergehen werden:
Nicht, wenn der mäonische Homer
die ersten Sitze innehat,
sind die pindarischen,
keianischen und des Alcaeus drohenden,
oder des Stesichorus
schwere Camenen verborgen;
und auch wenn Anakreon
einst etwas scherzte,
hat die Zeit es nicht ausgelöscht;
es atmet noch die Liebe
und es leben
die an die Saiten der äolischen Jungfrau
vertrauten Gluten.
Nicht die spartanische Helena
brannte als einzige
nach den glattgestrichenen Haaren
des Ehebrechers und nach Gold,
das in die Kleider eingearbeitet ist,
und bewunderte den königlichen Prunk
und die Gefährten;
nicht Teucer
richtete als Erster Pfeile
aus cydonischem Bogen;
nicht einmal wurde Ilios
heimgesucht;
nicht kämpfte der gewaltige Idomeneus
oder Sthenelus
als einziger
in Schlachten,
die von den Musen besungen werden müssen;
nicht der wilde Hector
oder der scharfe Deiphobus
nahm als Erster schwere Schläge
für keusche Ehefrauen
und Kinder entgegen.
Es lebten tapfere Männer
vor Agamemnon
viele;
aber alle werden von einer langen Nacht
ungewient
und unbekannt bedrängt,
weil ihnen ein heiliger Dichter fehlt.
Wenige Spannen
unterscheidet sich verborgene Tugend
von begrabenem Nichtstun.
Ich werde dich, Lolli,
in meinen Schriften
nicht ungeschmückt schweigen
noch dulden,
daß deine Mühen
unbestraft
von neiderfülltem Vergessen
zerfetzt werden.
Du hast einen Sinn,
der klug in den Dingen
und sowohl in glücklichen
wie in schwierigen Zeiten gerichtet ist,
ein Rächer gierigen Betrugs
und enthaltsam
von dem Geld,
das alles zu sich zieht,
und Konsul
nicht für ein Jahr,
sondern sooft
ein guter und treuer Richter
das Anständige
dem Nützlichen vorzog,
die Geschenke der Schuldigen
mit hohem Antlitz von sich wies
und im siegreichen Feldzug
seine Waffen durch die im Weg stehenden
Scharen entfaltete.
Du würdest den, der viel besitzt,
nicht mit Recht glücklich nennen;
mit mehr Recht nimmt
den Namen des Glücklichen der in Anspruch,
der weise die Gaben der Götter
zu nutzen
und harte Armut zu ertragen weiß
und Schande,
die ärger ist als der Tod, fürchtet,
und der für liebe Freunde
oder das Vaterland zu sterben
nicht zaghaft ist.
X
Du, die du noch grausam bist
und durch Venus‘ Gaben mächtig:
Wenn erst unerwartet die Flaumfedern
deines Stolzes kommen
und die Locken herabfallen,
die jetzt noch über die Schultern flattern;
und wenn die Farbe,
die jetzt noch schöner ist
als die Blüte der purpurnen Rose,
sich verwandelt und das Gesicht
des Ligurinus in ein borstiges kehrt –
dann wirst du, ach, so oft du dich
im Spiegel als einen anderen siehst, sprechen:
»Warum war die Gesinnung von heute
nicht dieselbe, als ich ein Knabe war,
oder warum kehren
bei diesen Gedanken nicht
die unversehrten Wangen zurück?«
XI
Ich habe einen fast neun Jahre
alten, vollen Krug albanischen Weins,
Phyllis, im Garten ist Epheu,
um Kränze zu binden,
es gibt eine Menge Efeus,
mit dem dein Haar gebunden erglänzt;
von Silber lacht das Haus,
der Altar, mit keuschen
Verbenae umwunden, brennt darauf,
mit einem geopferten Lamm besprengt zu werden;
jede Hand beeilt sich,
hierhin und dorthin laufen
zwischen Knaben gemischte Mädchen,
die Flammen zittern
und wirbeln den schmutzigen Rauch
vom Gipfel.
Damit du jedoch weißt,
zu welchen Freuden du geladen bist:
Die Iden musst du begehen,
der Tag, der den Monat
der meeresgebundenen Venus,
den April, teilt,
ein mir von Rechts wegen feierlicher
und fast heiliger
als mein eigener Geburtstag,
weil aus diesem Tag
mein Maecenas
seine reichen Jahre zählt.
Telephus, den du begehrst,
wurde von einem Mädchen gefangen,
das nicht deines Schlages ist,
einer reichen und lasziven,
und sie hält ihn
mit willkommener Fessel gebunden.
Der versengte Phaethon erschreckt
gierige Hoffnungen,
und ein schweres Beispiel bietet
der geflügelte Pegasus,
der den irdischen Reiter
Bellerophon leid ist,
damit du immer das dir Würdige
suchst und, über das
zu hoffen erlaubt ist,
als Frevel betrachtend,
eine ungleiche Verbindung meidest.
Wohlan nun,
das Ende meiner Lieben
(denn danach werde ich nicht mehr
für eine andere Frau glühen):
Lerne die Melodien,
die du mit lieblicher Stimme wiedergibst;
die düsteren Sorgen
werden durch den Gesang gemindert.
XII
Schon sind die Gefährten des Frühlings,
die das Meer mäßigen,
die thrakischen Winde,
die die Segel treiben;
schon starren die Wiesen nicht mehr,
und die Flüsse rauschen nicht mehr,
von schmelzendem Winter-Schnee geschwollen.
Ein Nest baut
und Itys kläglich beklagt
der unglückliche Vogel,
die ewige Schande des Hauses des Cecrops,
da er die barbarischen Lüste
der Könige übel rächte.
Auf dem zarten Gras
der fetten Weiden singen
die Hüter der Schafe
Lieder mit der Flöte
und erfreuen den Gott,
dem die Herden und die dunklen Hügel
Arkadiens gefallen.
Die Jahreszeit hat Durst gebracht,
Vergilius;
doch wenn du gierst,
in Cales gekelterten Wein zu trinken,
du Klient edler Jünglinge,
wirst du den Wein mit Narde aufwiegen.
Ein kleines Onyxgefäß voll Narde
wird den Krug hervorlocken,
der jetzt in den sulpizischen Speichern ruht,
reich daran, neue Hoffnungen zu schenken
und das Bittere der Sorgen
zu abzuwaschen.
Zu diesen Freuden, wenn du eilst,
komme mit deiner schnellen Ware;
ich gedenke nicht, dich
ohne Gegenleistung aus meinen Bechern
zu trinken,
als wäre ich reich in einem vollen Haus.
Wahre jedoch keine Zögereien
und keinen Trieb nach Gewinn
und, der dunklen Brände gedenk,
solange es erlaubt ist,
mische die kurze Torheit
unter die Vernunft:
Es ist süß,
zur rechten Zeit zu torheiteln.
XIII
Die Götter haben meine Bitten gehört, Lyce,
die Götter haben gehört, Lyce:
Du wirst alt,
und dennoch willst du schön erscheinen
und spielst und trinkst unverschämt
und erregst mit zitterndem,
von Wein trunkenem Gesang
den langsamen Cupido.
Er wacht auf den schöngesichtigen Wangen
der blühenden und im Zitherspielen
erfahrenen Chia.
Denn der Unbarmherzige
überfliegt die dürren Eichen
und flieht dich,
weil fahlgelbe Zähne,
weil Runzeln
und der Schnee des Hauptes dich entstellen.
Nicht die purpurnen Gewänder von Kos
noch wertvolle Edelsteine
geben dir die Jahre zurück,
die einmal die geflügelte Zeit,
eingeschlossen in bekannte Fasten,
versiegelt hat.
Wohin ist die Venus geflohen, weh,
wohin die Farbe,
wohin die anständige Bewegung?
Was hast du von jener, von jener,
die Liebesgluten ausatmete,
die mich mir entrissen hatte,
nach Cinara die glückliche
und durch gute Künste
bekannte Gestalt?
Aber den kurzen Jahren Cinaras
haben die Schicksale ein Ende gesetzt,
während sie Lyce lange
den Jahren einer alten Krähe
gleich bewahren wollen,
damit die glühenden Jünglinge
nicht ohne vieles Lachen
eine zu Asche zerfallene Fackel
besuchen können.
XIV
Welche Sorge der Väter
oder der Quiriten
kann durch volle Ehrenämter
deine Tugenden, Augustus,
auf ewig durch Inschriften
und gedächtniswerte Fasten
verewigen,
o du, den, wo die bewohnbare Sonne
die Küsten erleuchtet,
als Größten der Fürsten
die Vindeliker,
die die Gesetze Lateiniens nicht kannten,
neulich erst erfahren haben,
was du im Kriege vermagst?
Denn mit deinem Soldaten
hat Drusus die Genaunen,
ein ungezähmtes Geschlecht,
und die schnellen Breunen
und die auf schrecklichen Alpen
errichteten Burgen
schroff niedergeworfen
mit mehr als einfachem Ausgleich.
Der größere der Neronen
lieferte bald eine schwere Schlacht
und schlug die gewaltigen Räter
unter glücklichen Vorzeichen,
anzuschauen im Kampfe des Mars,
wie sehr er die dem freien Tode
geweihten Brüste
durch die Trümmer ermüdete,
ungefähr so, wie der ungezähmte Auster
die ungestümen Wellen
beim Chor der Plejaden aufwühlt,
der die Wolken zerreißt,
unermüdlich, die Scharen der Feinde
zu quälen
und das schnaubende Pferd
mitten durch die Feuer zu jagen.
So wälzt sich der stiergestaltige Aufidus,
der die Reiche des apulischen Daunus
umströmt,
wenn er wütet
und eine schreckliche Überschwemmung
über die bepflanzten Äcker plant,
wie Claudius die eisernen Heerscharen
der Barbaren mit gewaltigem Ansturm vernichtete
und, die Ersten und Letzten niedermähend,
den Boden bedeckte
als Sieger ohne eigene Niederlage,
während du deine Truppen,
du den Rat
und deine Götter zur Verfügung stelltest.
Denn an dem Tag,
da Alexandria dir den Hafen
unterwürfig und die leere Halle öffnete,
gab dir die Fortuna
im dritten Lustrum
die glücklichen Ausgänge des Krieges zurück
und sprach dir Ruhm
und die nach vollendeten Herrschaften
ersehnte Ehre zu.
Dich bewundert der vorhin
nicht zu zähmende Kantabrer
und der Meder und der Inder,
dich der flüchtige Skythe,
o gegenwärtiger Schutz
Italiens und der herrschenden Roma;
dich bewundert der Nil,
der die Ursprünge der Quellen verbirgt,
und der Ister,
dich der rasche Tigris,
dich der Ozean, der mit Ungeheuern
bei den entlegenen Briten tobt,
dich hört das den Tod
nicht fürchtende Gallien
und die harte Erde des Iberiens,
dich verehren die beim Morden
frohlockenden Sygambrer
mit abgelegten Waffen.
XV
Phoebus schalt mich mit der Lyra,
als ich von Schlachten
und besiegten Städten
zu sprechen wünschte,
damit ich mit kleinen Segeln
nicht das tyrrhenische Meer befahre.
Deine Zeit, Caesar,
hat den Äckern reiche Früchte zurückgebracht
und unserem Jupiter
die Feldzeichen wiedergegeben,
die den stolzen Pfosten
der Parther entrissen wurden,
und den von Duellen freien
Janus des Quirinus geschlossen
und dem Zügel der Ausschweifung,
die den rechten Weg verließ,
Einhalt geboten
und die Verfehlungen vertrieben
und die alten Künste zurückgerufen,
durch die der lateinische Name
und die italischen Kräfte wuchsen
und Ruhm und die Majestät des Reiches
von den Sonnenaufgängen
bis zum hesperischen Lager ausgedehnt wurden.
Da Caesar der Wächter der Dinge ist,
wird weder die wütende Bürgerschaft
noch Gewalt die Ruhe fordern,
noch der Zorn, der die Schwerter schmiedet
und elende Städte
zu Feinden macht.
Nicht jene, die den tiefen
Donaufluss trinken,
werden die julischen Edikte brechen,
nicht die Geten,
nicht die Seren
und die treulosen Perser,
nicht die am Strom Tanais
Entsprungenen.
Und wir, sowohl an Werktagen
wie an heiligen Festen,
unter den Gaben des scherzhaften Liber,
nachdem wir ordnungsgemäß
zuerst mit unserer Nachkommenschaft
und unseren Matronen
zu den Göttern gebetet haben,
werden die Feldherren,
die ihre Pflicht mit Tugend nach Art der Väter erfüllt haben,
in einem mit lydischen Flöten
vermischten Gesang
sowie Troja und Anchises
und den Sproß
der holden Venus besingen.
CARMEN SAECULARE
Phoebus und du, Herrin der Wälder, Diana,
ihr glänzenden Zierden des Himmels,
o stets anzubethende
und angebetete,
gewährt, was wir in der heiligen Stunde
erbitten,
zu der die Sibyllinischen Bücher
die auserwählten Jungfrauen
und keuschen Knaben
angewiesen haben,
den Göttern, denen die sieben Hügel
gefielen,
ein Lied zu singen.
Nährender Sol, der du mit glänzendem Wagen
den Tag hervorbringst und verbirgst
und, ein anderer und derselbe,
wiedergeboren wirst,
mögest du nichts Größeres sehen können
als die Stadt Rom.
Sanft, reife Geburten
zu öffnen, Ilithyia,
beschütze die Mütter,
sei es, dass du Lucina
geruhest genannt zu werden,
sei es Genitalis:
Göttin, bringe die Nachkommenschaft
der Väter hervor
und segne die Verordnungen der Väter
über die Verheiratung
der Frauen und das eheliche Gesetz,
das neue Nachkommenschaft
fruchtbar macht,
damit der feste Kreis
in dreimal zehn mal elf Jahren
den Gesang und die Spiele
dreimal am hellen Tag
und ebenso oft in der holden Nacht
wiederhole.
Und ihr, wahrhaftig
in euren Weissagungen, Parzen,
so wie es einmal ausgesprochen wurde
und der feste Halt der Dinge bewahrt,
fügt den bereits vollbrachten Taten
gute Geschicke hinzu.
Tellus, reich an Früchten
und Vieh,
schenke der Ceres eine Ährenkrone;
salubres Wasser
und Jupiters Lüfte
nähren die Früchte.
Demutsvoll und friedlich,
nachdem der Bogen niedergelegt ist,
höre die flehenden
Knaben, Apollo;
Königin der Gestirne,
hör auf, du Zweigehörnte,
Luna, die Mädchen.
Wenn Rom euer Werk ist
und die ilischen Scharen
das etruskische Ufer
besetzt hielten,
die auf Geheiß die Lares
und die Stadt
bei heiler Fahrt tauschten,
denen durch das brennende Troja
ohne Schaden
der keusche Aeneas,
der die Heimat überlebte,
einen freien Weg bereitete,
da er mehr geben wollte
als das Zurückgelassene:
Götter, verleiht der lenksamen Jugend
bessere Sitten,
Götter, dem friedlichen Alter
Ruhe,
dem romulanischen Geschlecht
Macht und Nachkommenschaft
und jeglichen Ruhm;
und was immer der berühmte
Blutstrom des Anchises
und der Venus
beim Opfer weißer Rinder erfleht,
das möge er erlangen,
über den Kämpfenden stehend,
sanft gegen den darniederliegenden Feind.
Schon fürchtet zu Lande und zu Meere
die mächtige Hand des Meders
die albanischen Beile;
schon erbitten die Skythen
Antworten,
und neulich die stolzen Inder;
schon wagt es
Treue und Frieden und Ehre
und die althergebrachte Schamhaftigkeit
und die vernachlässigte Tugend
wiederzukehren,
und es erscheint die selige
Copia mit vollem Horn;
und der Augur und der im strahlenden Bogen
geschmückte Phoebus
und der den neun Musen liebe,
der mit heilender Kunst
die ermüdeten Glieder des Körpers
erleichtert,
wenn er gütig
die palatinischen Burgen erblickt,
verlängert er das römische Wesen
und das glückliche Latium
auf ein neues Lustrum
und zu immer besserer Zeit;
und jener, der den Aventin
und den Algidus innehat,
die Diana,
die sich der Bitten von zehn Männern annimmt
und den Wünschen der Knaben
die freundlichen Ohren neigt.
Dass Jupiter dies spürt
und alle Götter,
bringe ich, der gelehrte Chor
des Phoebus und der Diana,
als sichere und gute Hoffnung
nach Hause,
um Loblieder zu singen.