HYMNE AN DIE SCHWARZE ISIS VON NUBIEN

VON TORSTEN SCHWANKE



O schwarze Isis, Licht im nächt’gen Sterngewand,

Du thronst in stiller Macht am heil’gen Nilus-Strand;

Im Schatten alter Zeit, wo goldne Säulen stehn,

Lässt du die Seelen tief in deine Mysterien sehn.


Von Nubien her weht dein dunkler Atem sacht,

Ein Hauch von Ewigkeit, geboren aus der Nacht;

Im Tempel von Philae erklingt dein heil’ger Name,

Wie ferner Donnerhall, wie Glut in stiller Flamme.


Du Hüterin des Lebens und des Todes Tor,

Hebst sanft den Schleier, führst die Suchenden empor;

Dein Blick ist wie der Strom, geheimnisvoll und weit,

Er trägt die Welt dahin in lautlosem Geleit.


O Mutter dunkler Kraft, o Königin der Zeit,

In deinem Schoß ruht Tod und wird zur Seligkeit;

Du webst aus Schmerz und Traum ein ewig Band der Macht,

Das Herz erkennt dich still im Schweigen tiefster Nacht.


So neige ich mein Wort vor deiner dunklen Pracht,

Ein Funke nur im Strom, den deine Hand entfacht;

Und möge mein Gesang, in Ehrfurcht dir geweiht,

Verhallen sanft in dir – Unendlichkeit der Zeit.


O Isis, schwarze Macht am heil’gen Nilgestade,

Wo Philae still erglüht im Abendgold der Gnade,

Dort steigen Völker auf aus Sand und Strom zugleich,

Die Blemmyer der Nacht, die Nobaden, stolz und reich.


Die Blemmyer ziehn her aus glutdurchwehten Fernen,

Vom roten Meereswind, geleitet von den Sternen;

Ihr Schritt ist wie ein Traum aus alter Zeit gemacht,

Ein Flüstern wilder Kraft, geboren aus der Nacht.


Sie tragen keinen Blick, wo Menschenaugen ruhn,

Und schauen doch die Welt in dunklem, tiefem Tun;

Ihr Antlitz, sagen sie, sei in die Brust gelegt –

Ein Sinnbild dessen, was im Innern sich bewegt.


Die Nobaden indes am breiten Strome wohnen,

Wo Palmen leise stehn und Könige sich thronen;

Ihr Reich erhebt sich stolz aus fruchtgetränktem Land,

Ein Gürtel grüner Kraft am Nil, von dir gebannt.


Sie schmücken sich mit Gold und tragen Kronen schwer,

Doch neigen sie ihr Haupt vor deines Heiligtums Ehr’;

Denn du bist Ursprung selbst von Ordnung und von Macht,

Die Könige erschafft und wieder niederbringt zur Nacht.


O Isis, eine Hand hält Wüste, Sturm und Brand,

Die andre führt das Reich mit sanftem, sichrem Band;

In dir versöhnt sich wildes Volk und stiller Thron,

Du bist der Zeiten Herz, ihr ew‘ger, dunkler Ton.


So klingen meine Worte durch Sand und Säulenhallen,

Wie fernes Opferlied, das leise darf verhallen;

Und Blemmyer wie Nobad’ in deinem Schatten stehn,

Um still in deinem Blick die Ewigkeit zu sehn.


O Dendur, stiller Hort am einst’gen Nilgestade,

Wo Isis’ Hauch verweht in spätrömischer Gnade,

Dein Tor aus hellem Stein trägt noch der Götter Spur,

Ein Flüstern alter Zeit in sterbender Kultur.


Als Augustus sich neigt im Bild als Pharao,

Und fremde Macht sich fügt den alten Göttern so,

Da webt sich leis ein Bund aus Adler und aus Thronen,

Ein letztes heil’ges Band im Wandel der Äonen.


Du Tempel kleiner Form, doch groß in deinem Schweigen,

In deinen Wänden ruht, was Worte nicht mehr zeigen;

Die Opfer sind verhallt, der Weihrauch längst verweht,

Doch lebt, was einst geglaubt, im Stein, der still besteht.


Zwei Brüder ruhn in dir, dem Wasser einst geweiht,

Vom Nil emporgehoben in göttlich-alter Zeit;

Ihr Name klingt noch fern durch Sand und Säulenklang,

Ein Nachhall jener Welt, versunken schon so lang.


O Isis, schwarze Macht, auch hier bist du noch nah,

Im letzten Lichtschein dort, wo einst dein Tempel war;

Du wandelst durch den Raum, den niemand mehr erkennt,

Als Glut, die tief im Stein, doch ohne Flamme brennt.


Nun fern vom alten Strom, in fremder Länder Hallen,

Lässt Dendur stumm und mild die Ewigkeit erschallen;

Ein Heiligtum, entrückt der Wüste heißem Lauf,

Bewahrt es doch den Traum des Nils in sich hinauf.


So singt mein Wort dir nach, o Tempel still und klar,

Ein Echo jener Zeit, die ewig, obgleich sie war;

Und was vergeht im Sand, bleibt doch im Herzen stehn—

Als Schatten heil’ger Macht, die niemals ganz vergehn.


O Isis, schwarz wie Nacht vor aller Sterne Glühen,

In deiner Tiefe ruht, was Zeiten nie verglühen;

Nicht Schatten bist du nur, noch bloß der Erde Kleid,

Du bist der Ursprung selbst, gebärst die Dunkelheit.


Die Haut wie schwarzer Stein, vom Nil bei Nacht benetzt,

Ein Glanz, der Licht verschlingt und neues Licht ersetzt;

Nicht Mangel ist dein Ton, nicht Leere, nicht Verzicht,

Er birgt den Keim der Welt, das ungeborne Licht.


Wie fruchtbar dunkles Land nach Überschwemmung steht,

Das Leben aus sich selbst in grüner Fülle sät,

So trägt dein schwarzer Leib die Schöpfung still in sich,

Ein Schoß aus Ewigkeit – geheim und königlich.


Die Völker sahen dich in dieser Farbe stehen,

Und lernten in der Nacht das wahre lichte Sehen;

Denn wer dein Dunkel schaut, erkennt im tiefsten Grunde,

Dass alles Licht entsteigt aus dir zu jeder Stunde.


Nicht fremd ist dieser Ton, nicht fern und nicht verbannt,

Er ist der Erde Herz, der erste Bund, der band;

Und Nubien trägt ihn stolz im heißen Sonnenraum,

Als Siegel alter Kraft, als unvergänglichen Traum.


O schwarze Isis, du, im Steinbild still verehrt,

Von Philae bis Dendur dein heil’ger Ruf sich mehrt;

In deiner dunklen Form, die alle Farben hält,

Ruht Anfang, Ziel und Sinn der atmenden Welt.


So neig’ ich mich vor dir, die schwarz und ewig thront,

In deren stiller Nacht das erste Leben wohnt;

Und preise deinen Leib, der alles in sich schließt—

Die Fülle, die aus Nacht in tausend Lichtern fließt.


O Isis, königlich in würdevoller Zier,

Du schreitest durch die Zeit – die Kronen folgen dir;

In nubischem Geschmeid erhebt sich dein Gewand,

Von Kusch gekrönt die Macht, von Ägypten anerkannt.


Die Geierhaube ruht auf deinem Haupt so hehr,

Ein Schutz aus Mutterkraft, uralt und doch so schwer;

Sie breitet ihre Schwingen um Stirn und Blick zugleich,

Als Zeichen dessen, was dich machtvoll macht und reich.


Dazu der Schmuck von Kusch, in Gold und Glut geformt,

Ein Glanz, der heiß wie Sand die dunkle Haut umnormt;

Armreifen, breit und stolz, umschließen deinen Leib,

Als ob die Zeit sich selbst in deinem Dasein schreib.


Du trägst die Doppelmacht von Süden und von Nord,

Vereinst in dir das Reich, das Bild, das heil‘ge Wort;

Der Nil beugt sich vor dir in seinem ew’gen Lauf,

Und hebt dein Königtum in stiller Ehrfurcht auf.


Nicht Kleid allein ist dies, was deinen Leib umzieht,

Es ist ein Zeichen, das die Welt im Innern sieht;

Ein Siegel deiner Kraft, die Völker übersteigt,

Und selbst im Wandel stets die Ewigkeit bezeugt.


O Isis, schwarz und schön in königlichem Schein,

In dir wird Macht zu Ruh, wird Herrschaft still und rein;

Und wer dich so erblickt, erkennt im tiefsten Grund:

Du bist das Reich der Zeit – und ewig ist sein Bund.


O Isis, Heilerin im Schleier dunkler Macht,

Die über Tod und Zeit mit stiller Weisheit wacht,

Du suchst, was einst zerbrach, im Staub der Welt verstreut,

Und fügst es neu zusammen, was Klage einst zerstreut.


Durch Wüste gehst du fort, durch Nacht und Sternenmeer,

Dein Herz kennt keinen Halt, dein Wille keinen Wehr;

Den Leib des Osiris sammelst du im Land,

Ein heil’ger, treuer Gang geführt von deiner Hand.


Wo Glieder einst zerfielen im Lauf der Zeiten Macht,

Hast du sie neu geformt in zaubergewirkter Nacht;

Dein Atem weckt erneut, was stumm im Dunkel lag,

Und hebt aus tiefstem Tod den ersten neuen Tag.


O treue Gattin du, die keine Grenze kennt,

Die selbst im Untergang noch Liebe glühend brennt;

In deinem Schmerz ward Kraft, im Verlust ein heil’ger Sinn,

Denn Leben kehrt zurück, wo du erscheinst darin.


Doch Nubien ruft dich auch als Hüterin der Flut,

Wo tief im Süden schon des Niles Ursprung ruht;

Du wachst an jenem Quell, verborgen, still und rein,

Und lenkst den Strom der Welt in seines Segens Sein.


So bist du doppelt groß: im Lieben wie im Schutz,

Im Heilen wie im Strom, im Opfer wie im Nutz;

Du bindest Herz an Herz und Land an Wassers Lauf,

Und richtest aus der Nacht die Welt zum Leben auf.


O Isis, deren Hand den Tod in Leben wandelt,

Die Zeit zerreißt und doch das Ew’ge neu verhandelt,

In dir erkennt die Welt, was nie verloren ist—

Dass Liebe stärker bleibt als jedes Finsternis.


O Isis, Mutter du der königlichen Saat,

Aus deren Schoß die Macht der schwarzen Kön’ge trat,

Du nährst den Thron im Stillen mit unsichtbarer Hand,

Und krönst, wen du erwählst, im heiligen Verband.


Die Fürsten Kuschs, erhoben im Glanz der Nilgestade,

Bekennen sich zu dir als Kinder deiner Gnade;

Nicht Blut allein verleiht das Recht auf Zepter, Thron—

Dein Blick erst heiligt Macht, macht Sterbliche zum Sohn.


Wie einst den Horusknabe an deiner Brust genährt,

Hast du auch Kön’ge dort im Süden still vermehrt;

Du reichst die göttliche Milch aus ewig dunkler Kraft,

Die Herrschaft formt und Recht im Innersten erschafft.


So tritt der Pharao vor Volk und Götterschar,

Nicht nur als Mensch, der ist—als dein Erwählter wahr;

In seinem Antlitz ruht ein Abglanz deiner Nacht,

Ein Siegel deiner Hand, das ihn zum Herrscher macht.


O Mutter, die verleiht, was keine Welt gebiert,

Die Krone, die im Geist, nicht bloß im Golde ziert;

Du sprichst das stille Wort, das Königtum verleiht,

Und hebst den Niedrigen in ew’ge Würdigkeit.


So stehen sie vor dir, die Kön’ge schwarz und groß,

Und legen dir ihr Reich in deinen dunklen Schoß;

Denn alles, was da herrscht, was glänzt im Sonnenlicht,

Empfängt sein Recht von dir—und ohne dich besteht es nicht.


O Isis, Quell der Macht, der Throne heil’ger Grund,

In dir wird Herrschaft wahr, in dir wird Ordnung kund;

Und wer sich Sohn dir nennt in Ehrfurcht tief und rein,

Darf König durch dich sein—doch ewig bleibt er dein.


O Isis, Königin in selbstgeborner Macht,

Die keine Hand erhebt, die sie zur Herrschaft bracht’,

In dir erkennt sich stolz die Kandake der Zeit,

Ein Bild von Würde, Kraft und Freiheit weit.


Die Königin von Kusch, im Purpurglanz der Erde,

Erhebt sich wie ein Stern aus deiner dunklen Herde;

Nicht nur Gemahlin ist sie, nicht nur des Thrones Zier,

Sie herrscht aus eignem Recht—und dieses stammt von dir.


In deinem Antlitz liegt der unbeugsame Wille,

Ein Feuer, das nicht schweigt, auch in der tiefsten Stille;

Du lehrst die Frau, zu stehn in eigener Gewalt,

Ein Reich in sich zu sein, von ewiger Gestalt.


So tragen Kandaken dein heilig Bild im Blut,

Nicht sanft allein, doch stark in königlichem Mut;

Sie führen Heer und Land, sie richten, schützen, bauen,

Und spiegeln deine Kraft im mutigen Vertrauen.


O Isis, deren Macht nicht bittet, sondern schafft,

Die sich aus sich erhebt in unerschaffner Kraft,

In dir wird Weiblichkeit zur Krone, nicht zur Zier,

Zur Quelle aller Welt—und frei in sich und dir.


So klingt dein Name fort in Meroës Gefilden,

In Königinnen groß, die deinem Bilde bilden;

Und jede, die sich kennt in deiner dunklen Sicht,

Trägt Thron und Reich in sich—und beugt sich dennoch nicht.


O Isis, Urgestalt der freien, starken Frau,

In dir wird Nacht zur Macht, wird Tiefe hell und blau;

Und wer dich in sich trägt, erkennt in deinem Licht:

Die wahre Krone wächst—und fremde braucht sie nicht.


In nubisch heißem Sand, wo Löwenpranken gehn,

Bist du als wilder Zorn im Wüstenwind zu sehn.

Das Auge, das entwich, verließ des Vaters Licht,

Damit die Welt im Staub der Dürre jäh zerbricht.


Du bist die wilde Macht, die fern im Süden grollt,

Wo tief in rotem Fels der Donner gierig rollt.

Als Tefnut ungezähmt, als Hathor voller Glut,

Trägst du das Erbe Re‘s in deinem dunklen Mut.


Doch Thot, der weise Geist, mit Worten süß wie Wein,

Besänftigt deinen Grimm, lädt dich zur Heimkehr ein.

Vom Löwenhaupt befreit, wird dein Gesicht nun mild,

Des Lebens sanfter Quell, der Isis wahres Bild.


Vom ersten Katarakt bringst du die Flut herauf,

Der schwarze Schlamm erwacht in deinem Siegeslauf.

Die nubische Gestalt, die einst als Zorn entwich,

Schenkt Ägypten nun das Brot – wir preisen ewig dich!


Des Reiches Grenzen weichen, die Zeit fließt wie der Strom,

Dein Pfad führt aus dem Sande bis ins Herz von Rom.

Die Barke trägt dein Bild weit über die Gezeiten,

Dein Name hallt in Marmor durch Unendlichkeiten.


Nicht länger nur am Nil, wo dunkle Fluten steigen,

Sieht man vor deiner Pracht die Knie die Völker beugen.

Die Welt ist dein Altar, vom Ebro bis zum Rhein,

In Tempeln weiß wie Schnee ziehst du als Herrin ein.


Doch als die Götter sanken in alter Nacht Vergessen,

Hat man dein dunkles Antlitz mit neuem Maß gemessen.

Im Schatten der Gewölbe, wo Kerzen sacht verbrennen,

Mag man in dunklem Holz noch deine Züge kennen.


Als Mutter, schwarz wie Erde, die tief das Korn bewahrt,

Hast du dich in der Madonna der Christenheit gepaart.

Was früher Isis hieß, im nubisch fernen Land,

Hält nun als Schwarze Jungfrau das Kind in ihrer Hand.


Der Synkretismus webt ein Kleid aus tausend Fäden,

Du ruhst in Gold und Seide in fernen Klostergärten.

Die Kraft des fernen Südens erlischt in Europa nicht:

In deiner Dunkelheit verbirgt sich wahres Licht.


Wo Roms Legionen stehn, am Rand der heißen Welt,

Bist du das feste Banner, das uns zusammenhält.

Nicht Cäsars fremdes Recht, nicht Adlers harter Blick,

Drängt unser freies Erbe in Sklaverei zurück.


Du schwarze Herrin du, des Südens stolze Zier,

In deinen heil’gen Hallen am Grenzstrom trotzen wir.

Wenn Rom die Götter raubt und fremde Tempel baut,

Bleibt dein geheimnisvoll und dunkles Lied uns laut.


Auch wenn Byzanz erscheint mit Kreuz und hellem Stern,

Und will den alten Glauben in Marmorgruft einsperr‘n,

Bleibst du die Zuflucht uns, die Freiheit und das Licht,

Das vor der fernen Macht der Kaiser niemals bricht.


Die Priester von Philae, sie hielten treu die Wacht,

Trotzten der neuen Zeit mit deiner alten Macht.

Du warst der Widerstand, die Wurzel tief im Stein,

Kein fremdes Joch der Welt soll unsre Herrin sein.


An deiner Seite steht der Herr, den Nacht umschließt,

Doch aus des Todes Schoß das grüne Leben sprießt.

Osiris, dunkler Gott, des Schlammes reicher Hort,

Er wacht im tiefen Fels und lebt in jedem Wort.


Wo deine Träne fällt und sich mit Strom vereint,

Er als der Lebenssaft im Halm aufs Neu erscheint.

Des Untergrundes Fürst, der Ernte stummer Quell,

Macht durch dein Opfer uns die dunkle Erde hell.


In Nubiens Gestein, wo Fluten tobend gehn,

Lässt er das junge Korn in goldner Pracht erstehn.

Du bist der Ruf des Stroms, er ist des Wassers Leib,

Auf dass im Weltenrad kein Keim verloren bleib.


Gemeinsam seid ihr eins, im Tod und im Beginn,

Gebt unsrer kargen Welt den fruchtbar tiefen Sinn.

Der König, schwarz wie Torf, die Königin wie Nacht:

Ihr habt den Wüstensand zum Garten uns gemacht.


Aus deinem Schoß entsprang der Falke, stolz und frei,

Damit auf Erden stets die Ordnung sicher sei.

In Miam und in Buhen schlägt er die Schwingen weit,

Der Gott, der Kön’ge krönt in ihrer Herrlichkeit.


Er ist das goldne Kind, das du im Schilf versteckt,

Das nun in Nubiens Glanz das Zepter kühn erstreckt.

Vom Schöpfergeist beseelt, von deinem Blut genährt,

Wird ihm von Berg und Strom die Huldigung gewährt.


Die Fürsten Kuschs empfingen aus seiner Hand die Macht,

Weil dein mütterlich’ Herz bei ihrer Krönung lacht.

Kein Pharao regiert, den Horus nicht erwählt,

Wenn er in deinem Dienst die Völker treu gezählt.


O Isis, Mutter du des Gottes und der Welt,

In deinem Sohn sich uns die Zukunft hell darstellt.

Vom Norden bis zum Rand, wo rote Wüsten wehen,

Wird durch des Falken Kraft dein Name ewig stehen!


An deiner Brust allein erwächst des Herrschers Kraft,

Aus deiner heil’gen Milch wird wahre Macht geschafft.

Kein König führt den Stab, den du nicht erst gesäugt,

Vor deiner Mutterhuld sich jedes Haupt verbeugt.


Du bist der Thron selbst, Göttin! Dein Schoß ist unser Land,

Das Schicksal jedes Reichs liegt tief in deiner Hand.

Vom Kuschiten-König bis hin zum Pharao,

Wer dein Erbarmen trinkt, wird seiner Herrschaft froh.


Du schützt mit deinen Schwingen den Erben vor der Nacht,

In deinem Schatten ist das Zepter erst erwacht.

Nicht Gold, nicht harter Stahl gibt uns die Sicherheit,

Nur deine Liebe währt durch alle Ewigkeit.


In Naqas rotem Stein, wo heiß die Sonne brennt,

Erscheint der Löwengott, den nur der Süden kennt.

Apedemak, der Herr, mit Mähne wild und dicht,

Tritt neben deinen Thron in gleißend hellem Licht.


Du webst das Zauberwort, das Welten sanft umschließt,

Er schwingt den Bogen kühn, wenn Feindesblut verfließt.

Was deine List erdacht, beschützt sein starker Arm,

Vor seinem Zorn erbebt der Feinde finstrer Schwarm.


Zwei Mächte, eins im Geist, des Südens stolzes Paar,

Am Löwentempel wird die Kraft des Landes wahr.

Die Ordnung, die du bist, der Zauber, der uns führt,

Wird durch sein Schwert gefestigt und mit Sieg geziert.


Nicht nur des Nils Gedeihn liegt in der Götter Hand,

Auch Stärke braucht das Volk in diesem weiten Land.

So herrscht ihr Hand in Hand, der Löwe und die Braut,

Der Herrschaft festes Schloss, auf Stein und Mut gebaut.


Am Jebel Barkal thront in Gold und fernem Licht

Der Vater, dessen Wort die Welten erst erricht‘.

Amani, Widderhaupt, des Südens höchster Geist,

Der seine Söhne nun nach Napata verweist.


Er ruft den König aus im tiefen Heiligtum,

Doch du, o Isis, schenkst ihm Leben, Kraft und Ruhm.

Was er als Geist ersann, wird Fleisch in deinem Schoß,

Durch deine Mutterhand wird erst ein Herrscher groß.


Der Widder und die Braut, sie weben das Geschick,

Vom heil'gen Berge schaut ihr heil‘ger Doppelblick.

Er gibt den Namen ihm, du gibst ihm Halt und Brot,

Gemeinsam rettet ihr das Land aus jeder Not.


So wurzelt alle Macht in dieser Doppelkrone,

Wo Vatergeist und Mutterhuld besiegeln alle Throne.

Das Blut von Napata, es fließt durch dich allein,

Nur wer an dir genas, darf wahrer König sein.


Wenn nun das Sistrum klingt in deiner zarten Hand,

Zieht süßer Jubelschall durch das erhitze Land.

Du bist die goldne Frau, der Liebe tiefer Quell,

Wo du dein Haupt erhebst, wird selbst die Nacht uns hell.


Das Horn der heil’gen Kuh trägt nun das Sonnenlicht,

Das sanft den harten Fels in goldne Splitter bricht.

Als Hathor lachst du uns aus jedem Becher zu,

In Tanz und Saitenspiel find’t unsre Seele Ruh’.


Du bist der Rausch des Seins, der Wein, der uns belebt,

Wenn sich zum Festgesang das ganze Volk erhebt.

Nicht nur als Mutter wachst du über unsre Not,

Du schenkst uns auch die Lust und linderst das Verbot.


Die Schönheit ist erwacht! Im nubisch heißen Wind,

Wo Liebe und Magie ein einzig Bündnis sind.

Wir preisen dich im Tanz, wir ehren dich im Wein,

Denn wo die Freude herrscht, wird deine Wohnung sein.


Am Barkal, steil und hoch, im heil’gen Felsenschrein,

Zieht mit der Mutter Mut die Herrschaft herrlich ein.

Zwei Frauen, stark und kühn, des Südens Doppelmacht,

Die über Thron und Volk in treuer Liebe wacht.


Die Geierhaube glänzt auf Muts erhabnem Haupt,

Dass keinem Fremden mehr den Königsthron erlaubt.

Du, Isis, webst den Schutz, sie hält den weiten Raum,

Gemeinsam seid ihr zwei des Lebens heil’ger Baum.


Was Amun einst beschloss in seinem weisen Rat,

Vollendet ihr im Bund durch Wort und kühne Tat.

Die Herrin von Theben und du, die Nubierin,

Ihr gebt der Krone Kuschs den göttlich hohen Sinn.


Kein Feind, der euch besiegt, kein Sturm, der euch bezwingt,

Wenn euer Doppelhauch durch alle Lande dringt.

Die Mutter und die Braut, des Amun stolze Zier:

In eurer Einheit nur bestehn als Völker wir!


Wo sich der große Strom durch enge Felsen zwängt,

Und weiße Gischt den Fels mit wilder Kraft besprengt,

Dort thronst du als Anuk’, die Schöne mit der Krone,

Und lenkst das Wasser wild von deinem Inselthrone.


Die Federhaube ragt empor zum Himmelszelt,

Wenn dein Umarmen nun den Lebensstrom erhält.

In Elephantine und auf Sahals Stein

Schließt du als Isis-Kraft das Land im Segen ein.


Du presst den Nil herauf aus tiefem Urgestein,

Damit die Felder grün und voller Früchte sei’n.

Der Strom, der uns ernährt, ist deines Leibes Kind,

Das durch die Felsentore uns Freiheit nun gewinnt.


Anuket, flutbereit, der Katarakte Zier,

In jeder Welle Stolz begegnen wir nun dir.

Die Umarmende bist du, die uns das Leben gibt,

Die jeden Tropfen Strom mit Mutterhuld geliebt.


In Talmis, wo der Fels den blauen Strom umschließt,

Dein Glanz als Mandulis in goldne Bahnen fließt.

Der junge Sonnengott mit Federn auf dem Haupt,

Der uns den Schatten nimmt und uns der Furcht beraubt.


Er ist das Morgenlicht, das Nubiens Weite weckt,

Und seinen Strahlenarm weit über‘n Norden streckt.

Als deiner Gottheit Kind, als Licht aus deinem Schoß,

Wird er im Tempelglanz von Kalabsha so groß.


Du leitest seinen Lauf, du bist der Nacht Geleit,

Damit sein Sonnenrad den Erdenkreis befreit.

Was Mandulis erhellt mit seinem jungen Blick,

Kehrt durch dein Zauberwort zum Ursprung stets zurück.


An deiner Seite schreitet der Freund, der niemals weicht,

Der durch die glüh‘nde Wüste dir sanft die Hände reicht.

Arensnupis, der Jäger, des Südens treuer Sohn,

Begleitet dich aus Fernen bis hin zum Inselthron.


Er ist der gute Gefährte, der deinen Grimm versteht,

Wenn heißer Staub der Wüste um deine Schläfen weht.

In Philae und in Dendur bewahrt er deinen Schritt

Und bringt die ferne Herrin zum Nilstrom wieder mit.


Was einsam einst entflohen in wilder Löwengestalt,

Wird durch sein sanftes Werben zur Segenskraft geballt.

So herrscht ihr nun gemeinsam im Licht der Ewigkeit:

Die Göttin und ihr Wächter in tiefer Einigkeit.


In Meroë erwacht der Frauen stolzer Geist,

Der sich in Shanak’s Kraft vor aller Welt beweist.

Die erste, die den Thron in eignem Namen hält,

Und als Kandake nun das Schicksal uns bestellt.


In Stein gehauen steht ihr Bild in heil’ger Pracht,

Wo Isis’ Segen sie zur starken Herrin macht.

Sie trägt den Doppelschild, sie führt das Volk zum Licht,

Vor ihrer Majestät der Feinde Mut zerbricht.


Du bist ihr Vorbild, Göttin! In ihr wird Fleisch dein Wort,

Sie trägt dein göttlich’ Blut in ihrem Herzen fort.

Vom Tempel bis zum Grab in rotem Wüstensand,

Hält Shanak’ für die Welt dein Zepter in der Hand.


In Meroë erglänzt das Zepter in der Hand,

Da Pelkh als Herrin führt das nubisch weite Land.

Sie ist der Fels im Strom, der Ruhe uns verleiht,

Ein Ebenbild der Macht in goldner Ewigkeit.


An Isis’ heil’ger Statt lenkt sie des Reiches Lauf,

Und blickt zum Sternenzelt mit stolzem Auge auf.

In Gold und Purpurlicht, von Göttern auserwählt,

Hat sie mit Weisheit nur die Tage uns gezählt.


Ihr Name hallt im Stein, wo Sand die Zeit besiegt,

Und jedes Erdenleid in deiner Huld verfliegt.

Als Tochter deiner Kraft, Kandake deiner Welt,

Hat sie den Thron von Kusch in Ehren uns bestellt.


Vom Nil her rückt das Heer der Legionen vor,

Doch Amanirenas öffnet nicht das Tor!

Als Kandake des Kusch tritt sie ins blut’ge Feld,

Die stolze Kriegerin, die Trutz den Römern hält.


Ein Auge gab sie hin im heißen Schlachtgetümmel,

Doch blieb ihr Blick geschärft zum nubisch freien Himmel.

Trotz Wunde, Schmerz und Not wich sie dem Feind nicht aus,

Und trieb das Adlerheer aus ihrem Land hinaus.


Vor Petronius stand sie fest und ungebeugt,

Bis dass das stolze Rom sich ihrem Willen neigt.

Den Frieden rang sie ab, den Freiheit uns beschert,

Weil sie als Löwin sich des Kaisers Macht erwehrt.


O Isis, schau herab! In ihr brennt dein Gericht,

Das einäugig und stark der Römer Stolz zerbricht.

Ihr Name ist der Schild, ihr Mut ist unser Schwert,

Solang ein freier Fuß den Sand des Südens ehrt.


In Wad ban Naqa strahlt der Palast im Sonnenlicht,

Wo Amanishakhet das Recht der Völker spricht.

Von Gold und Edelstein umflossen ihr Gewand,

Die reichste Herrscherin im nubisch weiten Land.


Auf ihren Siegeln prangt dein Bild, o heil’ge Maid,

Das Reichtum ihr verspricht in dieser Erdenzeit.

Sie schlägt den Feind mit Wucht, die Hand am Opferschwert,

Weil Isis ihre Macht mit Siegesglanz beehrt.


Der Schmuck an ihrem Arm, das Gold in ihrem Haar,

Macht deine Herrlichkeit vor aller Welt nun wahr.

Als Kandake des Lichts, als Tochter deiner Gnade,

Geht sie den stolzen Weg auf deinem Götterpfade.


In Naqa wächst der Stein zum Himmel steil empor,

Wo Amanitore öffnet der Götter heil’ges Tor.

Als Kandake des Baus, als Herrin jeder Pracht,

Hat sie das Land von Kusch zum Garten neu gemacht.


An Musawwarats Wand steht groß ihr Bild im Licht,

Wo sie als starke Hand der Feinde Gier zerbricht.

Mit Natakamani herrscht sie im Doppelglanz,

Und webt für Isis’ Haupt den neuen Blumenkranz.


Sie baute dir ein Haus aus rotem Wüstensand,

Damit dein Segen fließt durch das erneute Land.

Als Pfeiler deiner Macht, als Mutter und als Braut,

Hat sie auf Ewigkeit auf deinen Schutz gebaut.


Vom Nil her weht ein Ruf, ein Wort aus fremdem Land,

Das Amantitere im fernen Süden fand.

Ihr Diener, der den Schatz des Reiches treu verwahrt,

Hat sich im Wüstensand dem neuen Geist gepaart.


Er las den Propheten auf seiner Heimkehr Pfad,

Und fand im heil’gen Quell die göttlich neue Saat.

Von Kusch bis Gaza weit schlingt sich das Band der Zeit,

Das deine alte Macht für neue Wege weiht.


In Meroë am Hofe hallt das Wort nun wider,

Und senkt sich leise ab auf die antiken Glieder.

Als Kandake der Schrift, als Herrin der Geduld,

Steht sie im Zwielicht schon von neuer Gotteshuld.


Wenn weit im Norden nun der Krieg die Erde schreckt,

Hat Amanichataschan den Löwenmut geweckt.

Sie sandte ihre Schar mit Bogen und mit Speer,

Bis an Jerusalems Wand zog ihr berühmtes Heer.


Die Bogenschützen Kuschs, die niemals fehl’n das Ziel,

Sind ihrer Stärke Pfand im großen Welten-Spiel.

In Meroë am Nil hält sie das Zepter fest,

Während ihr ferner Ruf die Feinde bleich verlässt.


O Isis, gib ihr Kraft! Beschütze ihren Gang,

Dass in der Fremde auch erschallt dein Lobgesang.

Als Kandake des Kriegs, als Herrin fernem Land,

Hält sie für deine Ehr’ den Bogen in der Hand.


In Meroës goldnem Glanz hält sie den Stab empor,

Amanitaraqide öffnet das Göttertor.

Sie ist die ruhige Flut, die nun das Land benetzt,

Und jedes Zauberwort in heil’ge Steine setzt.


An Isis’ Seite geht sie durch den Tempelhain,

Und hüllt das ganze Reich in reinen Segensschein.

Kein Sturm, der sie erschreckt, kein Feind, der sie bedroht,

In ihrer Hand vergeht des Volkes bittre Not.


Sie wahrt das alte Recht, das Kusch zum Ruhme führt,

Und hat mit Diamant dein Erbe nun geziert.

Als Kandake der Treu’, als Licht aus deinem Schoß,

Wird sie im Gebet und wird im Bauen groß.


Im späten Sonnenlicht von Meroës heil’ger Stadt,

Hält Amanipilad’ die Macht noch nimmer satt.

Sie ist der Abendstern, der vor der Nacht noch glüht,

Und sich um Isis’ Schutz in letzter Treue müht.


Die Mauern wanken schon, der Osten rüttelt wild,

Doch sie hält hoch empor den gottgeweihten Schild.

In einer Welt im Wandel, wo alte Götter gehen,

Lässt sie das kuschit’sche Wort noch einmal stolz erstehen.


Als Kandake der Nacht, als letzte Wacht am Nil,

Spielt sie mit Schicksalsmacht das letzte große Spiel.

Ihr Name ist der Hauch, der durch Ruinen weht,

Und als ein fernes Echo in Ewigkeit besteht.


O Isis, Nachtgestalt, der Sterne hohes Licht,

Die durch den dunklen Schleier zu uns Suchenden spricht.

In Ägyptens heißem Sand warst du der Welt Beginn,

Der Lebensspenderin und weiser Zauberin Sinn.


Wo einst dein Tempel stand, in Roms verdecktem Schoß,

Wuchs Gottes Mutter auf, im Glanze wundergroß.

Auf Trümmern alter Macht ragt nun das Kreuz empor,

Doch schimmert noch dein Blick durch jedes Kirchentor.


Maria, schwarzgestalt, im fernen Abendland,

Du hältst das Gotteskind mit deiner dunklen Hand.

Wie Isis einst den Horus barg in ihrem Schoß,

So hast auch du uns heut’ von bittrer Not erlöst.


Die Minerva wich dem Bau, der deinen Namen trägt,

Wo sich das Erbe tief in Stein und Herz einprägt.

Die Farbe deiner Haut erzählt vom Ur-Gestein,

Vom tiefen Mutterschoß, worin wir alle sein.


Du bist die Wandlung selbst, die Zeit und Raum besiegt,

In der das Alte still im neuen Kleide liegt.

Ob Isis, ob Madonna, die Welt beugt tief das Knie,

Vor deiner Ewigkeit und deiner Harmonie.


O Isis, die du einst den Kiel durch Wellen lenktest,

Und Pelagia genannt den Schiffern Hoffnung schenktest.

Wenn Südwind peitscht das Meer und bittre Gischt aufspritzt,

Warst du der lichte Stern, der auf dem Mastkorb sitzt.


Die Segel blähten sich vor deinem sanften Hauch,

Vom Pharos bis nach Rom galt dieser heil’ge Brauch.

Doch als die Tempel fielen in der Zeiten Lauf,

Ging über dunklen Wogen ein neuer Stern uns auf.


Maria, Meeresstern, in schwarzem Seidengewand,

Du führst die Seele sicher zum fernen Heimatstrand.

Was Isis einst versprach im Schutze ihrer Macht,

Vollendest du als Trost in unsrer Lebensnacht.


Die Kirche auf dem Fels, wo einst der Marmor stand,

Reicht heute wie ein Leuchtfeuer die milde Hand.

Ob Pharao, ob Pilger, das Herz sucht stets das Licht,

Das durch den Nebel bricht und uns das Heil verspricht.


Zwei Namen, ein Gebet, getragen von der Flut,

In deinem dunklen Antlitz der ew’ge Friede ruht.

Du Stern am Himmelszelt, der nie im Meer versinkt,

Dem jeder müde Wandrer sein letztes Loblied singt.


O Königin der Nacht, in Sternengold gehüllt,

Die du mit deinem Glanz das Weltenall erfüllst.

Wo Isis einst den Thron am Firmament bestieg,

Und über Tod und Zeit den ew’gen Glanz errang.


Den Stab der Macht in Hand, das Haupt von Licht umloht,

Besiegst du jede Angst und jede Lebensnot.

In Syrien und Rom pries man dich als das All,

Der Sphären Harmonie und süßen Widerhall.


Maria, Himmelsfrau, in dunkler Pracht thronst du,

Und schenkst der müden Welt die göttlich-stille Ruh’.

Dein Mantel, tief wie Nacht, birgt Galaxien schwer,

Du herrschst als Königin weit über Land und Meer.


Was einst im Tempelglanz den Priestern offenbart,

Ist nun im Kirchenschiff auf neue Weise gewahrt.

Die Krone, die du trägst, zeigt uns der Sterne Lauf,

Du ziehst die Herzen sanft zum lichten Pol hinauf.


Ob Ur-Kraft oder Gnade, ob Ishtar, Isis, Maid,

Du bleibst die Herrscherin in Ewigkeit bereit.

Der Kosmos beugt sich tief vor deinem dunklen Thron,

O Mutter aller Welt, der Schöpfung höchster Lohn.


O Mutter jedes Herrn, die Fleisch dem Geist verlieh,

In deinem Schoß erwacht der Welten Harmonie.

Als Isis nannten dich die Priester stolz und frei,

Dass durch dein heil’ges Wort der Gott geboren sei.


Du hieltest Horus fest, den Falken an der Brust,

Von Opfern tief gezeichnet und von Mutterlust.

In Philae stieg der Rauch zu deinem Ruhm empor:

„Du Mutter eines Herrn!“ klang es im Priesterchor.


Maria, Theotokos, im dunklen Gnadenbild,

In dir hat sich das Wort der Ewigkeit erfüllt.

Was Isis einst begann im fernen Nilland-Licht,

Vollendest du in Demut vor dem Weltgericht.


Die schwarze Erdenkraft, die alles Leben trägt,

Hat sich in dein Gesicht und deinen Blick geprägt.

Du bist das Tor der Welt, durch das das Licht erschien,

Vor dem die Mächte tief in Ehrfurcht niederknien.


Ob Horus, ob der Sohn, das Wunder bleibt sich gleich:

Du schenkst der Menschheit Halt im ew’gen Gottesreich.

O dunkle Gottesmutter, Quell, der niemals versiegt,

In deren Schoß der Heiland und die Hoffnung liegt.


Im Schilf des Nil-Deltas, wo kühler Schatten ruht,

Barg Isis einst ihr Kind vor Sets rasender Wut.

Der Mörder suchte Horus, den Erben auf dem Thron,

Doch in den dunklen Sümpfen sicher blieb ihr Sohn.


Sie wich dem bösen Blick des Bruders grausam Macht,

Und hütete das Leben in tiefer Sumpfesnacht.

Die Muttergöttin wich ins Dickicht voller List,

Bis dass die Zeit des Sieges für Horus gekommen ist.


Jahrtausende vergingen, doch das Schicksal blieb,

Als Angst vor dem Herodes die heil’ge Sippe trieb.

Ausgerechnet Ägypten wird nun zum Fluchtsymbol,

Dort sucht das Gotteskind der Welt geheimes Wohl.


Maria eilt nach Süden, den Weg, den Isis wies,

Dass sie in Chems Gefilden den Mörder hinterließ.

Was einst der Pharaonen alter Glaube besang,

Wird nun in Marias Armen zum rettenden Empfang.


Zwei Mütter, eine Flucht, durch Wüstensand und Not,

Sie retten beide Male das Leben vor dem Tod.

Im dunklen Schoß des Nilstroms verborgen und bereit,

Bewahren sie das Licht für alle Ewigkeit.


An Sequanas Gestirn, wo Lichts und Schatten Spiel,

Dort wuchs ein Name auf, der Gelehrten gefiel.

Par-Isis riefen sie in staub’ger Bücher Pracht:

„Nahe bei Isis“ liegt die Stadt der Stolz und Macht.


In Saint-Germain, dem Dom, im fahlen Kerzenschein,

Stand lang ein dunkles Bild aus uraltem Gestein.

Vom Schliff so zart und fremd, von Schwärze tief geschont,

Wie eine fremde Frau, die in der Abtei wohnt.


Die schwarze Königin, im gotischen Gewand,

Hielt schweigend ihr Geheimnis in ihrer hohlen Hand.

Warst du die Gottesmutter, die uns zum Heil gereicht?

Oder die ägypt’sche Maid, die durch die Hallen schleicht?


Manch Pilger kniete nieder, den Blick zu dir gewandt,

Und sah in deinem Antlitz sein fernes Heimatland.

Ob Isis oder Maria, der Name schwand im Wind,

Doch blieb die dunkle Schöne dem Glauben stets gelind.


Was Gelehrte einst erdachten am Ufer sanfter Flut,

Ist Zeugnis einer Sehnsucht, die tief im Volke ruht.

Die Göttin und die Jungfrau am selben Ort vereint,

Bis dass ein neues Licht durch bunte Fenster scheint.


Wo einst der Rhenus floss an Romas festem Wall,

Dort fand die Göttermutter der Welten Widerhall.

In Mainz, dem Grenzposten, im fernen Germanien,

Pries man die Herrscherin aus fernem Arkadien.


Doch tief im Erdenschoß schlief still das Heiligtum,

Vergessen war der Name und der Priester Ruhm.

Bis Stahl und Eisen kamen, um Hallen aufzubauen,

Wo heute Menschen hasten und nach Waren schauen.


Aus Schutt und dunklem Lehm trat Isis nun ans Licht,

Mit Mater Magna teilt sie sich das Angesicht.

Ein Fluch auf Bleitafeln, ein Opfer für das Glück,

Holt uns die alte Welt für einen Tag zurück.


Was oben glänzt und lärmt in bunter Krämerlust,

Ruht unten tief und schwer in heil’ger Mutterbrust.

Die schwarze Erdmutter wacht über Mainz am Strom,

Wie einst in Ägypten und später dann im Dom.


So webt sich fein der Faden von Isis zu der Maid,

Durch Länder und durch Fluten und durch die ganze Zeit.

In Mainz wie auch in Rom bleibt uns das eine Pfand:

Die Mutter hält die Welt in ihrer dunklen Hand.


Auf Lyons hohem Berg, wo einst Lugdunum stand,

Blickt heute die Madonna weit über das Gallierland.

Doch eh’ die Basilika den Himmel kühn berührt,

Hat Isis’ dunkler Kult die Seelen dort geführt.


Auf Fourvières Rücken, dem Hügel vor dem Licht,

Gab man der Großen Mutter ein priesterlich Gesicht.

Wo heute Pilger knien in gläubigem Vertrauen,

War einst der Isistempel aus Marmor anzuschauen.


Die schwarze Himmelsfrau, im Herzen dieser Stadt,

Die für die Not der Menschen stets Trost und Hilfe hat.

Vom Staatskult Roms getragen, von Mysterien umgeben,

Schenkt sie seit tausend Jahren dem Volke neues Leben.


Die Steine wurden Zeugen von Wandlung und von Macht,

Wie sich das alte Wissen zur neuen Form gebracht.

Was einst am Nil entsprang und über Lyon zog,

Ist jener Funke Wahrheit, der niemals uns betrog.


Ob unterm Namen Isis, ob als die reine Maid,

Sie thront auf diesem Felsen in Ewigkeit bereit.

Die Mutter von Fourvière hält schützend ihre Hand,

Vom Hügel der Mysterien herab auf Stadt und Land.


Im Herzen Bayerns thront in stiller Wallfahrt Pracht,

Die Frau, die uns das Licht aus dunkler Erde bracht’.

In Altöttings Kapell’, wo tausend Kerzen glühen,

Lässt sie für Pilgerschar die Hoffnung neu erblühen.


Ihr Antlitz, schwarz und tief wie fruchtbar Nil im Schlamm,

Trägt sie das Gotteskind, das heil’ge Opferlamm.

Wie Isis einst den Thron für Horus’ Haupt bereit’,

Schenkt sie uns Mut und Trost in unsrer Erdenzeit.


Aus Lindenholz geschnitzt, vom Ruß der Zeit geschwärzt,

Hat sie das Leid der Welt in ihrem Herz beherzt.

Was einst in Nubien sang, was Meroë verehrt,

Hat sich im Abendland zur Mutter nun verklärt.


Die Königin des Rats, in Silber und in Gold,

Ist jedem, der sie fragt, mit Mutterhuld nun hold.

Vom Jebel Barkal her bis an den Inn-Strom weit,

Reicht ihre Gnadenhand durch alle Ewigkeit.


Kein Thron, der sie vergisst, kein Herz, das sie nicht kennt,

Wenn man in tiefer Not den Namen „Maria“ nennt.

Doch wer die Wurzel sucht, die tief im Dunkeln ruht,

Der spürt in ihrem Blick der Isis heil’ge Glut.