LYRIK 2026 VIERTER TEIL

VON TORSTEN SCHWANKE


BUDDHA


Der Selige setzte ein Denkmal.

Nicht nur im Alten Bund

fand Christus seinen Wegbereiter –

Johannes, der letzte Prophet –,

sondern auch im Herzen der antiken Welt:

Sokrates.

Und ein dritter sprach das letzte Wort

östlichen Erkennens und Überwindens:

Buddha.

In den Quellen liegend

keimte der Gedanke einer Trilogie,

ein Weben aus Vergleichen:

Der Tod Buddhas,

der Tod des Sokrates,

der Tod Jesu.

Analysiert in ihrer Ähnlichkeit,

mehr noch im Abgrund ihrer Verschiedenheit.

Eine Fragestellung,

einzig in ihrer Zeit.

Asiens größte Herausforderung

an den Glauben,

erfasst in blitzenden Gedanken:

Einen Einzigen gibt es,

der den Gedanken weckt,

ihn nahe an Jesus zu rücken.

Ein großes Geheimnis,

stehend in erschreckender,

fast übermenschlicher Freiheit.

Dazu eine Güte,

mächtig wie eine Kraft der Welt.

Vielleicht der Letzte,

mit dem das Christentum sich messen muss.

Was er christlich bedeutet:

ungesagt bis heute.

Frei ist er,

doch nicht in der Freiheit Christi.

Vielleicht ist sie nur

eine letzte, furchtbar-ablösende Erkenntnis

der Nichtigkeit der gefallenen Welt.

Ein Einziger hat es gewagt,

Hand anzulegen an das Sein selbst.

Mehr wollend als bloße Besserung,

mehr als Frieden aus der Welt.

Er unternahm das Unfassbare:

Mitten im Dasein

das Dasein aus den Angeln zu heben.

Was er meinte mit dem Nirwana,

mit dem letzten Erwachen,

dem Aufhören des Wahns und des Seins –

christlich wohl noch unbegriffen.

Verstehen könnte es nur,

wer in der Liebe Christi

vollkommen frei geworden

und zugleich jenem Geheimnisvollen

aus dem sechsten Jahrhundert vor der Zeit

in tiefer Ehrfurcht begegnet.

Eines aber steht fest:

Christus blickt anders auf die Welt.

Er setzt einen schlechthinnigen Anfang.

Doch da ist auch der kritische Blick,

geworfen auf die Dämonen Dostojewskijs:

Der Mensch müsste

das naturhaft-unmittelbare Gottesverhältnis

hinübertragen ins Christliche.

Was dort bannt, ist der naturhafte Gott.

Jener, der als Volks-Urgrund geliebt wird

bis zur eigenen Vernichtung;

der als große Mutter

und dionysische Sonnenmacht orgiastisch erbebt.

Geistiger erlebt,

wird diese Göttlichkeit zur unerträglichen Last.

Das Nicht-Seiende, das quält,

der Volks-Gott, die Erde, die Sonne –

sie sind Ein und Dasselbe.

Die einen versinken im Schlund,

verzückt und vom Grauen geschüttelt;

der andere will durchbrechen,

ohne zu sehen,

dass Durchbruch nur auf Erlösung hin geschieht,

auf Christus hin.

So bleibt das Ausbrechen

gefangen in derselben Sphäre.

Die Seins-Erfahrung,

die dionysisch bejaht wird,

verkehrt sich ins Negative.

Und leise fragt die Fußnote:

Wie steht es um Buddhas Nirwana?

Klingt zwischen dem Allgott

und dem Nichts des Buddhismus

nicht dieselbe Polarität?

Ist jene Ruhe,

zeitentrückt und von allen Spannungen erlöst,

nicht ebenso ein Zeichen festgehaltener Unerlöstheit

wie die hingebungsvolle Aufgabe –

deren Enthüllung vielleicht die Mythen sind?




Der alte Maler


Wo einst des Geistes hohe Tempel standen,

Sucht seine Hand im Staub der späten Zeit

Die Trümmer, die dem Untergang entbanden,

Ein lechzend Herz nach der Vergangenheit.

Er sammelt treu die Reste alter Tage,

Damit die Schönheit nicht so ganz verweht,

Und fängt des Lichts verblassende Sage,

Ehe die Nacht auf allen Pfaden steht.


Die neue Welt braust laut in wilde Bahnen,

Sie kennt den Wert der stillen Blicke nicht;

Er zieht zurück sich zu den guten Ahnen,

Wo Wahrheit aus zerbrochnen Steinen spricht.

Er trägt das Heute nur mit schwerer Mühe,

Voll Sehnsucht nach der edlen Form, gestaltet,

Dass in dem Bilde neu die Dichtung blühe,

Eh' auch das letzte Erbe ganz erkaltet.



DIE AUTOREN


Der Druckerpresse lauter Klang erschallt,

Wo Geist und Gunst um Menschen-Beifall buhlen;

Das Wort entflieht im Tagblatt mannigfalt

Im Kreise der Autoren, die sich schulen.

Sie füllen Zeilen, teilen fremden Ruhm,

Und schenken sich der Welt als Heiligtum.


Doch abseits, stumm, in dämmriger Mensur,

Sitzt jener Einsame im nächt’gen Schatztor:

Ihn treibt nicht Markt, nicht tagesfrische Spur,

Sein dunkler Geist ist Dichter nur und Aktor.

Er ringt allein mit wilder Psyche Drang

Und wandelt seinen Wahnsinn in Gesang.



HEILIGER PIUS X


Ein treuer Hirt in stürmischer Zeit,

Gegen den Zeitgeist stets bereit.

„Alles in Christus erneuern“ – sein Ruf,

Der Kraft für Glauben und Wahrheit schuf.


Mit wachem Blick sah er die Gefahren,

Die Gottes Wort im Geiste verfahren,

Den Modernismus wies er zurück,

Rief Menschen zum Altar, zum Glück.


Die Kinder führte er früh zum Herrn,

Das Brot des Lebens hatte er gern.

Ein Papst der Demut, der Armut geliebt,

Der ganz sich der Mutter Gottes ergibt.



PSALM


Wer geborgen weilt im Höchsten Licht,

Im Schatten des Allmächtigen ruht,

Der fürchtet sich vor dem Dunkel nicht

Und fasset wundersamen Mut.


Er spricht zum HERRN voll Glaubensmacht:

„Du bist mein Schild, mein sicherer Ort,

Meine Zuflucht in der tiefsten Nacht,

Mein Gott, dem ich vertraue fort und fort.“


Denn aus des Jägers Schlingenband

Befreit Er dich und schenkt dir Gunst,

Er wendet ab durch seine Hand

Der grausen Pest verruchte Kunst.


Mit seinen Fittichen deckt Er dich,

Unter seinen Flügeln findest du Ruh,

Sein treues Wort weicht nie zurück

Und deckt als Schirm und Schild dich zu.




MESSE


Ich bin der Ursprung wahrer Liebe,

der Ehrfurcht, Hoffnung, heil'gem Triebe,

der Weisheit Klarheit, licht und rein;

all meinen Kindern schenk ich mich,

nach seinem Wort für ewiglich

darf meine Frucht ihr Erbe sein.


Kommt her zu mir, die mich begehren,

wo süße Früchte euch ernähren,

noch süßer als der Wabe Honig.

Wer von mir trinkt, wird weiter dürsten,

wer von mir isst, den drängt es mehr,

doch wer mir folgt, dem weicht die Schande,

er bleibt behütet vor der Sünde.


Dort unterm Kreuz in bitteren Schmerzen

Maria stand mit vollem Herzen,

neben Klopas' Frau und Magdalena.

Jesus blickt hinab in Todes Stunde,

sieht seine Mutter, still und wunde,

und seinen Jünger, tief geliebt.


„Frau, siehe da: Das ist dein Sohn!“,

spricht er zu ihr vom Dornenthron,

und dann zum Jünger wohlvertraut:

„Siehe, das ist deine Mutter-Braut!“

Der Jünger nahm sie zart erlesen

von Stunde an ins Innere Wesen.




ZWEIFEL


Der Nebel drückt auf meine Seele,

kein Trost erreicht mein schweres Herz.

Ich find in keiner Kirchenkehle

ein Wort für diesen stummen Schmerz.


Die Predigt hallt wie leeres Klappern,

die Messe bleibt mir kalt und fern.

Ich schaue durch das graue Flackern

und such vergeblich einen Stern.


Der Evangelikale meint:

„Einmal gerettet, bleibt’s für immer!“

Der Satz, der so vollkommen scheint,

macht meinen Schmerz nur schlimmer.


Die Pfingstlerin ruft voller Glauben:

„Du fällst nie aus Gottes Hand!“

Sie wollen mir den Zweifel rauben,

doch bauen Phrasen nur auf Sand.


Mich nervt das pietistische Gerede,

das meine Not so leicht vergisst.

Ich brauche keine kühle Fehde,

wer nun der stärkste Beter ist.


Wo Worte nicht mehr weiterreichen,

wo keine Zeile Heilung bringt,

seh ich ein stilles, sanftes Zeichen,

das leise durch das Dunkel dringt.


Mir kann nur noch die Mutter helfen,

Maria, die den Schmerz versteht.

Sie braucht kein Lärmen, kein Zerspalten,

kein lautes, überhebliches Gebet.


Sie litt als Mutter, sah das Schweigen,

sie hielt das Bild vom Leid im Arm.

An ihren Mantel ich mich neige –

nur dort wird mir ein wenig warm.



SALOMOS TRAUM


In tiefer Nacht erschien der Herr

dem jungen König leise:

„Sprich, was du wünschst! Ich geb es dir,

wähl klug auf deine Weise.“


Da sprach Salomo: „Herr, mein Gott,

dein Segen war sehr groß,

du gabst dem Vater David Gnade,

nun fällt mir zu sein Los.


Ich herrsche nun als junger König

über ein mächtiges Volk,

das ungezählt wie Erdenstaub

sich unter deinen Himmel wolkt.


Gib mir nun Weisheit, gib Verstand,

zu führen diese Schar!

Denn wer vermag dein großes Volk

zu richten immerdar?“


Gott sprach: „Weil du nicht Reichtum suchst,

nicht Ehre, Gold noch Ruhm,

nicht deines Feindes frühen Tod,

nicht langes Leben als dein Eigentum,


sondern nur um Weisheit bittest,

zu richten mein Geschlecht,

sei Weisheit dir und Einsicht nun

von Herzen zugedacht!


Doch gebe ich dir obendrein

viel Reichtum, Gut und Ehr –

kein König vor dir besaß so viel,

und nach dir keiner mehr.“


Vom Gipfel bis zum heilgen Zelt

zog Salomo sodann

nach Salem hin als König nun,

wo seine Herrschaft begann.



ANDREAS


Zu Hause sprach man Platt im Kreis,

doch uns als Kindern war es heiß:

„Ihr sprecht nur Hochdeutsch!“, hieß die Pflicht,

ein fremder Ton im Elternlicht.


An Halbemonder Straße Rand

wuchs ich im Norden auf im Land.

Umher der Straßen fremde Namen:

Sudetenfrauen, Königsberger Damen.


Aus Glatz und Kolberg kam das Leben,

Vertriebnen war dies Heim gegeben,

ihr Erbe prägte Haus und Hof,

kein Ahne aus der Häuptlingszeit,

kein Friese weit und breit.


Kein Spielfreund je verstand das Wort,

das Plattdeutsch floh an einen andren Ort.

So wuchs ich auf im fremden Klang,

wo Kindheit ohne Platt erklang.




AN ZWEI HEIKES


Ein Name wie ein Anker, im Stile der Tat,

Die Herrin des Hauses, das Licht in der Stadt.

Wo Hoffnung verblasst und die Seele zerbricht,

Trägt Heike das Wort, das durch Dunkelheit bricht.

Mit leiser Gebärde und sehendem Blick,

Gibt sie dem Gebeugten den Glauben zurück.

Nicht Herrschen durch Macht, sondern Sanftmut und Kraft,

Ist’s, was in der Not neue Lebenslust schafft.

Eine Geste der Nähe, ein tröstender Laut,

Der Wunden verschließt und Vertrauen erbaut.

So reich ist die Welt, die ihr Wachen erfährt,

Wo Heike den Leidenden Hoffnung gewährt.



TO SASSA


An de Küst, wo de Blizzard weiht,

wo dat Meer tegen dat Diekland schreit,

daar stünnen se einst, so stolt un free,

de Friesen an de griese See.


Keen König un keen Hartogpaard

hevt de Freeheit vun de Friesen spaart.

Op't Upstalsboom in Maienlicht

wurden de Söven Seelannen ficht'.


Von de Ems bi no de Weserstrand,

kemen se tohoop ut't hele Land.

Ünner't Gröön von de ole Eek,

maaken se de Frunnen stark un klook.


"Lewer dood as Sklav!" so höör man't klingen,

wo de Raadslüüd eere Gesette bringen.

Gliekheit un Recht vör Mann un Fru,

dat breekt keen Herrschop so gau entzwei.


De Boom steht noch, de Wind weiht durch,

öwer de Graven un de ole Burch.

Un wat se dormals sweert tohoop,

bleev in de Friesen ewig doop.




GUAN YIN


Der Herr wandte sich an die Versammlung der Bodhisattvas:

Vor unermesslichen Äonen,

in einer längst vergangenen Epoche,

erschien auf Erden der Tathagata

Galadharagargitaghoshasusvaranakshatraragasankusumitabhigna,

ein Arhat, begabt mit Wissen und Tugend,

im Äon Priyadarsana,

in der Welt Vairokanarasmipratimandita.


Unter seiner spirituellen Herrschaft

lebte ein König namens Subhavyaha,

dessen Frau Vimaladatta hieß

und der zwei Söhne hatte:

Vimalagarbha und Vimalanetra.


Diese beiden Jungen,

reich an magischen Kräften und Weisheit,

widmeten sich den Pflichten eines Bodhisattva:

den Vollkommenheiten des Gebens, der Moral und Geduld,

der Tatkraft, Meditation, Weisheit und Geschicklichkeit.

Sie lebten in Güte, Mitgefühl, Freude und Gleichmut,

vollkommen in allen siebenunddreißig Teilen wahren Wissens,

Meister der tiefsten Meditationen.


Aus Mitgefühl für die Wesen jener Zeit

und für König Subhavyaha

predigte der Herr das Lotos-Sutra des Wahren Gesetzes.


Da traten die Prinzen vor ihre Mutter,

falteten die Hände und sprachen:

Wir möchten zum Tathagata gehen,

der der Welt und den Göttern

das Wahre Gesetz verkündet.

Wir möchten seine Worte hören.


Königin Vimaladatta antwortete:

Euer Vater bevorzugt die Brahmanen.

Er wird euch die Erlaubnis nicht erteilen.


Die Söhne streckten die Hände aus:

Obwohl wir aus einem Haus falscher Lehre stammen,

fühlen wir uns als Söhne des Königs des Gesetzes.


Da sprach die Mutter:

Vollbringt aus Mitleid mit eurem Vater ein Wunder,

damit sein Herz sich wende

und er euch ziehen lässt.


Sogleich erhoben sich die Prinzen

bis zur Höhe von sieben Talbäumen in die Luft.

Sie bereiteten sich am Himmel ein Lager,

wirbelten Staub empor,

ließen aus dem Unterkörper Regen

und aus dem Oberkörper Feuer strömen,

dann wendeten sie das Wunder um.

Am Firmament wurden sie groß und klein,

verschwanden und stiegen erneut von der Erde empor.


Durch diese Magie wurde König Subhavyaha bekehrt.

Erfüllt von Freude rief er mit erhobenen Händen:

Wer ist euer Meister? Wessen Schüler seid ihr?


Die Prinzen antworteten:

Es gibt den Tathagata Galadharagargita...,

der auf dem Thron des Gesetzes unter dem Erleuchtungsbaum sitzt.

Er ist unser Meister, wir sind seine Schüler.


Der König sprach:

Ich selbst will euren Meister sehen.


Die Prinzen stiegen herab,

traten vor ihre Mutter und sprachen:

Wir haben unseren Vater zur höchsten Erkenntnis geführt

und unsere Pflicht erfüllt.

Nun lasst uns in das geistliche Leben eintreten.


Erlaube uns, o Mutter, das Haus zu verlassen,

das staublose Leben ohne Wohnsitz zu wählen.

Wir wollen Asketen werden,

denn kostbar und selten ist ein Tathagata.


Wie die Blüte des verklärten Feigenbaums,

so selten erscheint ein Erleuchteter in der Welt.

Lass uns aufbrechen und entsagen,

der günstige Augenblick verstreicht rasch.


Vimaladatta antwortete:

Ich erlaube es euch, geht meine Kinder.

Auch ich werde der Welt entsagen,

denn ein Tathagata ist selten.


Da sprachen die Prinzen zu ihren Eltern:

Begleitet uns zu dem Herrn,

um ihm zu huldigen und seine Lehre zu hören.

Das Erscheinen eines Buddha ist selten wie die Feigenblüte,

selten wie das Eintreffen des Schildkrötenhalses 

im Jochloch des Ozeans.

Es ist ein großes Glück, in seiner Zeit zu leben.

Erlaubt uns, vor ihm die Weihe zu empfangen.


Zu jener Zeit, ihr Söhne aus gutem Hause,

wurden die vierundachtzigtausend Frauen des Harems

reine Gefäße für das Lotos-Sutra.

Prinz Vimalanetra vertiefte sich in die Lehre,

während Vimalagarbha Äonen lang meditierte,

auf dass alle Wesen das Böse überwinden.

Königin Vimaladatta aber erkannte den Einklang

in allen Worten der Erleuchteten.


Da wandte sich König Subhavyuha dem Pfade zu,

geführt von den eigenen Söhnen.

Er empfing die Weihe mit all seinen Getreuen,

und die Königin zog mit ihrem Gefolge,

von zweiundvierzigtausend Wesen begleitet,

vor das Antlitz des Tathagata.

Sie neigten sich in Ehrfurcht,

umrundeten ihn dreimal im Kreise

und traten bescheiden zur Seite.


Der Erleuchtete sah den König nahen,

unterwies ihn mit sanfter Macht,

schenkte ihm Mut, Freude und Trost.

Da setzte der König sein Diadem dem Bruder auf,

übergab ihm die Herrschaft des Reiches

und entsagte mit Weib und Söhnen der Welt,

um wandellos dem Pfade zu folgen.


Vierundachtzigtausend Jahre verstrich die Zeit

im Studium und in tiefer Senkung,

bis der König die große Meditation erlangte.

Da erhob er sich sieben Bäume hoch in die Luft

und sprach zum Erleuchteten:

Meine Söhne waren mir wahre Meister,

sie rissen mich los von falschem Wahn,

sie weckten in mir das Erbe der Güte.


Der Erleuchtete sprach:

So ist es, edler König.

Wer gute Wurzeln in sich trägt,

findet in jedem Leben edle Freunde,

die ihn mahnen, führen und reifen lassen

zur höchsten Erleuchtung.

Diese Prinzen dienen unzähligen Buddhas

und tragen das Sutra durch die Zeiten,

um Verirrte zum Licht zu bringen.


Da stieg der König herab und fragte:

Welch tiefe Weisheit lässt dein Haupt so strahlen?

Was macht deine Augen klar wie den Tag,

das weiße Haar zwischen den Brauen leuchtend,

die Zähne rein und die Lippen wie Korallen?


Er pries die Tugenden des Buddhas und sprach:

Wunderbar ist diese Lehre!

Nie mehr wollen wir Knechte des Geistes sein,

nicht Diener des Wahns und der Sünde.

Ich will mich nicht mehr von deiner Nähe trennen.


Sie warfen eine goldene Perlenkette empor,

die schwebend zum Turm aus vier Säulen ward.

Auf der Spitze erschien ein Bildnis des Buddha,

strahlend in Farben von unermesslicher Pracht.

Der König staunte über die Macht des Wissens.


Da wandte sich der Herr an die Seinen:

Seht ihr den König im Himmel schweben?

Einst wird er selbst als Salendraraga erwachen,

in einer Welt, eben wie eine Handfläche aus Lapislazuli,

geehrt von unzählbaren Scharen.


Zweifelt nicht an den Gestalten der Vergangenheit:

Der König war kein anderer als Bodhisattva Padmasri,

die Königin war Vairokanarasmipratimanditaraga,

die aus Mitgefühl die Gestalt der Frau annahm.

Die Prinzen aber waren Bhaishagyaraga

und sein Bruder Bhaishagyaragasamudgata.

Wer ihre Namen ehrt,

wird von der ganzen Welt verehrt.


Als diese Kunde verkündet ward,

erlangten vierundachtzigtausend Wesen

das reine, makellose Auge des Gesetzes.



MANTRA


Ich verneige mich vor der göttlichen Mutter Maria, 

Der Befreierin von allen Leiden, Ängsten und Hindernissen. 

Möge ihr Segen in meinem innersten Herzen wirken.



FRAU AUS ZWEITER HAND


Sieh hin, mein Kind, der Automate blinkt,

Der gierig meinen Groschen schlingt!

Ein schnöder Zeitvertreib im Flechten

Von kurzen, flüchtigen Wochennächten.

Ein Funke nur, ein schneller Brand –

Sie zündet’s an mit kühler Hand

Und sieht dich stumm in Tiefen sinken,

Wo keine Rettungssignale winken.


Einst billig feil, nun zweiter Hand,

Vom Geist der Welt zur Magd ernannt,

Ein übelstes Gerücht der Stadt,

Das keine Bleibe gefunden hat.


O Frau aus zweiter Hand, so fremd und bloß!

Was kettet dich an dies mein Los?


Ich wollte flehen: Weiche nicht!

Bleib hier vor meinem Angesicht!

Geh morgen, wenn der Tag erwacht,

Doch flieh nicht schon in dieser Nacht!


Frau aus zweiter Hand, verweile hier,

Erscheine noch einmal vor mir!



OSTDEUTSCH


Die alten Nachbarn sprachen noch

den Ton der Heimat, tief und hoch.

Ob Ostpreußisch, Schlesisch, Pommerns Platt im Wind –

Andreas lauschte schon als kleines Kind.


Von Pommern bis zur Weichsel Strand

bracht man die Sprache mit ins Land.

In Nordens Neustadt, Straß' an Straße,

fand man die Klänge neuer Maße.


Dort lebten jene Seit an Seit,

vertrieben aus der alten Zeit.

Ein buntes Leben, reich und fern,

unter demselben Abendstern.


Doch wie ein Hauch im Morgentau

verblasst das Wort im Himmelsblau.

Die Welten schwinden leis und stumm,

sie gehn nicht mehr im Äther um.


Was einst so nah und lebhaft scholl,

ist heute nur noch sehnsuchtsvoll.

Ein Echo, das verdunstet ist,

das man im Stillen nie vergisst.



HEILIGE SABINE


Die Heilige Sabine 

war eine wohlhabende römische Matrone 

des 2. Jahrhunderts. 

Nach der Überlieferung wuchs sie 

in einer angesehenen, heidnischen Adelsfamilie auf 

und war mit dem Senator Valentinus verheiratet. 

Ihr Leben nahm eine entscheidende Wendung 

durch ihre syrische Sklavin Serapia, 

die dem christlichen Glauben anhing.


Serapia führte Sabine in das Christentum ein. 

Beeindruckt von der Tiefe des Glaubens, 

der Nächstenliebe und der Standhaftigkeit 

ihrer Dienerin, wandte sich Sabine 

vom heidnischen Götterkult ab 

und ließ sich taufen. 

Nach dem Tod ihres Ehemanns 

lebte sie zurückgezogen 

und widmete ihr beträchtliches Vermögen 

der Unterstützung von Armen, Kranken 

und der unterdrückten christlichen Gemeinde Roms.


Während der Christenverfolgung 

unter Kaiser Hadrian 

wurde Serapia als Christin enttarnt 

und zum Tode verurteilt. 

Sabine holte den Leichnam ihrer Dienerin 

unter großer Gefahr 

und bestattete ihn würdevoll 

in ihrer eigenen Familiengruft 

auf dem Aventin-Hügel.


Diese Handlung blieb den römischen Behörden 

nicht verborgen. Sabine wurde verhaftet 

und vor den Richter Elpidius gestellt. 

Man forderte sie auf, dem Christentum abzuschwören 

und den römischen Göttern zu opfern, 

um ihr Leben und ihren Status zu retten. 

Sabine weigerte sich standhaft 

und bekannte sich offen zu ihrem Glauben. 

Daraufhin wurde sie 

um das Jahr 126 n. Chr. enthauptet.


An der Stelle ihres ehemaligen Hauses 

auf dem Aventin in Rom 

wurde im 5. Jahrhundert 

die Basilika Santa Sabina errichtet, 

in der die Reliquien der Heiligen Sabine 

und der Heiligen Serapia bis heute 

gemeinsam verehrt werden. 

Ihr Gedenktag im Heiligenkalender 

ist der 29. August.




DIE FAMILIE


Ein Lachen geht durchs ganze Haus,

wir packen gute Laune aus!

Der Großvater kommt herangerollt,

sein Trecker knattert laut wie Gold,

er tuckert stolz den Weg entlang

mit festem Schritt und frohem Klang.

Die Großmama bringt Töpfe mit,

ihr Lieblingsessen – was für ein Hit!

Es duftet schon so wunderbar,

das schmeckt der ganzen Familienschar.

Die Mama strahlt so warm und mild,

ihr süßestes Lächeln macht das Bild

ganz hell und weich und voller Sonne,

sie freut sich an der großen Wonne.

Der Papa sitzt am Lenkrad fest,

der das Auto sicher fahren lässt,

er kurvt uns fröhlich durch den Tag,

weil jeder diesen Ausflug mag.

Und mitten drin, als kleiner Held,

der junge Prinz der ganzen Welt:

Der kleine Lasse strahlt vor Glück,

blickt auf sein Brüderchen zurück.

Das Knirpschen gluckst und kichert mit –

zusammen halten sie Schritt für Schritt!

Wir lachen laut, wir freuen uns sehr,

was wollen wir denn alle mehr?

Wenn die Familie sich so trifft,

ist jedes Wort wie Zukunftsschrift:

Voll Herzlichkeit, voll Sonnenschein –

so schön ist das Beisammensein!



BUDDHA ALS GARTENZWERG


Im Vorgarten zwischen Kieselsteinen

sitzt er ganz still auf freien Beinen.

Kein rotes Mützchen, kein roter Rock,

kein Spaten und kein Gartenspieß-Bock.

Statt Zipfelmütze trägt er Knoten,

lächelt milde über Beete und Quoten.


Der Nachbar starrt vom Zaun herüber,

denn die Ästhetik wechselt über:

Wo früher Plastik-Zwerge standen,

die stumm mit Gießkannen verschwanden,

thront nun aus Beton geformt

ein Fernost-Gott, der gar nichts normt.


Der Rasenmäher dröhnt und schweigt,

während er stoisch Haltung zeigt.

Ob Nacktschnecke, ob Unkrautmasse,

er bleibt ganz ruhig in seiner Klasse.

Der deutsche Garten, einst so spießig,

wird durch den Lotus-Sitz jetzt riesig.


Ein bisschen Zen im Vorgartenlicht,

mehr braucht der neue Gartenzwerg nicht.



YVONNE UND JOSEF


Aus der polnischen Heimat weit gereist,

vom tiefen Glauben im Herzen gespeist,

fand auf Mallorca euer Leben Raum,

Yvonne und Josef, ein sonniger Traum.


Wo Mandeln blühen und das Meer sich wiegt,

ein blaues Paradies im Lichte liegt,

da schlägt euer Herz nun Tag für Tag,

beschützt vor jedem harten Schlag.


Maria, die Mutter, gütig und rein,

hülle euer Heim in ihren Segen ein.

Unter Spanens Sonne, Hand in Hand,

behüte sie euch auf dem Inselland.


Möge der Glaube eure Wurzel bleiben,

egal wohin die Winde treiben.

In Liebe, Zuversicht und Gottes Huld –

gesegnet sei eure Geduld.


Die Muttergottes halte die Hände über euch,

macht euer Leben an Freude reich.

Für Yvonne und Josef, wo immer ihr seid:

Segen auf Mallorca für alle Zeit.



AN STEFAN IN WEIMAR


In Weimar, wo die großen Geister schritten,

wo Goethe einst den Geist der Welt empfangen

und Schiller um die reinste Dichtung gelitten,

wo durch den Park die stille Ilm entsprang:


Dort weile nun, O Stefan, lieber Bruder,

im hellen Licht der alten Musenstadt!

Der Dichter Schwanke legt das eigne Ruder

ein Weilchen ab und wünscht dir, reich und satt


an Geist und Freude, diese Tage hin:

Dass dich der Geist der Dichtung mild umfange,

ein froher Sinn dir jeden Tag Beginn

und heitres Glück dir auf dem Pfade prange.


Der Segen jener großen, hehren Ahnen,

die Weimar einst zum Herz der Welt gemacht,

mög’ dich auf allen deinen Wegen mahnen

an Schönheit, Trost und tiefe Lebenspracht.


Kehr reich beschenkt und wohlbehalten heim,

gestärkt von Geist und Sommertages Schein —

Dies wünscht dir treu in Reim und Herzenskeim

der Bruder Schwanke, stets im Herzen dein.



AN MICH IN BETREFF DER EVANGELIKALEN


Du kniest in alten Kirchenmauern,

wo Kerzenschein im Weihrauch brennt,

du lässt dich von Rumi berühren,

der Gott in allen Dingen kennt.


Ein Psalmensang in der Synagoge

trifft dich tief im Herzensgrund,

und Kali tanzt in deinen Träumen –

ein wilder, alter Gottesbund.


Du liebst den Schleier der Mysterien,

das Rätsel, das im Stillen schwebt,

den Weinstock, der seit tausend Jahren

in tiefen Wurzeln weiterlebt.


Doch triffst du auf die Eifrigen,

die Gottes Gnade scharf bemessen,

mit fertigen Antworten im Gepäck

und einem Glauben, der nie besessen


von Zweifel, Stille, Demut war –

da schließt du deine Seele zu.

Sie bieten dir den Himmel billig,

doch du suchst nach der ew’gen Ruh.


Ihr lauter Ruf, ihr schnelles Heil,

ihr Schwarz-und-Weiß im Erdenlicht –

es fehlt das Dunkel, das dich tröstet,

das heil’ge Staunen kennen sie nicht.


Sie haben Antworten im Überfluss,

wo du nach Fragen nur begehrst.

Darum fällt es dir so schwer zu lieben,

was du am Ende doch verehrst:


Die eine Quelle allen Lebens,

die nie in ein Programm gepasst –

du alter Sturkopf, der das Weite

in jedem fernen Glauben fasst.



MIT GOTT AUF UNSRER SEITE


Mein Name ist nichts, mein Alter wie Hauch,

Ein Kind des Midwests war mein Leben und Brauch.

Man lehrte mich Treue zum Gesetz und zum Land,

Denn Gott steht an unsrer erhabenen Hand.


Geschichtsbücher künden von glanzvoller Tat:

Die Reiter erstürmten der Eingebornen Pfad.

Sie fielen im Kampfe, das Schicksal vollbracht,

Als Gott mit dem jungen Manitu erwacht.


Der Spanische Krieg zog im Strome dahin,

Der Bürgerkrieg schwand aus dem schwankenden Sinn.

Die Helden, genannt in dem glänzenden Buch,

Hielten Waffen und Gottheit im ewigen Fluch.


Ein Weltkrieg zog hin und ein zweiter geschwinde,

Den Sinn mancher Schlachten begriff kein Gesinde.

Doch trägt man die Last voller Stolz in die Welt:

Wer zählt schon die Toten, wenn Gott zu uns hält?


Vergeben ist Deutschland die düstere Schuld,

Vom Hasse zum Menschen der Russen gewillt;

Nun droht uns der Staub, der im Winde verweht,

Wenn schweigend die Waffe der Vernichtung ergeht.


Ich dachte der Nacht und des Verrates im Hain,

Als Judas den Christus besiegelte, nein:

Entscheide nun selbst, wo die Wahrheit gebricht —

War Gott auf der Seite des Verräters oder nicht?



AN STEFAN IN OSTDEUTSCHLAND


Im Osten rollt der Winde Lauf

Durch altes, tiefes Land,

Wo stolze Burgen ragen auf

Am fernen Elbestrand.

Dort, wo der Geist sich oft verschließt

In finstrem Zorn und Groll,

Und manche kalte Parole sprießt,

Die Trennung säen soll:


Da ziehst du hin mit hellem Blick,

Ein Bote fest und klar,

Und trägst das wahrhaft große Glück

Ins Land der Zwietracht dar.

Du führst nicht Lärm noch Streit im Schild,

Kein leeres Wortgeschrei,

Nur Reines, Das den Geist erfüllt

Und Herzen machet frei.


In deinen Händen trägst du froh

Der Väter altes Gut:

Aus Luthers Worten leuchtet so

Der reine Glaubensmut.

Des Gotteswortes deutscher Klang,

Der Trost im tiefsten Schmerz,

Bricht durch den engsten Zwingerszwang

Und weckt das müde Herz.


Aus Goethes Versen weht der Geist,

Der Form und Maß verleiht,

Der Reife, Maß und Würde weist

In maßlos wilder Zeit.

Die Dichtung lehrt, was Menschsein heißt,

Wenn Hass die Sinne trübt;

Sie führt den suchenden Geistesgeist

Zu dem, was ewig liebt.


Und vor dem Auge schwebt dir mild

Der Mutter sanftes Licht:

Des Raffaels erhabnes Bild,

Das nie die Hoffnung bricht.

Die Jungfrau trägt das Weltenkind

Mit stillem, hohem Schmerz —

Ein Bild, das jeden Trotz bezwingt

Und rührt das härteste Herz.


So bringe nun in jenen Raum,

Der nach der Wahrheit schreit,

Den echten, christlich-freien Traum

In dunkle, schwere Zeit.

Nicht Herrschaftswille, nicht Repress,

Nur Freiheit, Recht und Treu!

Wer so der Väter Erbe misst,

Der macht die Heimat neu.


Geh hin, mein Stefan, stark und kühn,

In diesen schweren Streit!

Wo Dichtung, Glauben, Kunst erblühn,

Wird auch das Land befreit.

Trag Christi Geist und Goethes Wort

Getrost von Ort zu Ort!



TROST


Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott;

redet mit Jerusalem freundlich und predigt ihr, 

dass ihre Dienstbarkeit ein Ende hat, 

denn ihre Missetat ist vergeben; 

denn sie hat Zwiefältiges empfangen 

von der Hand des HERRN für all ihre Sünden.



MARIA VON FATIMA


(für Dr. Michael Hesemann)



I


Im Tal der Eichen, Cova da Iria,

Trieb einst Lúcia mit den Kindern hin

Die Herde auf die Weide, ahnungslos.

Der Maienwind ging leise durch das Land,

Als plötzlich wie ein Blitz ein helles Licht

Den Himmel trennte. Unter blauem Dach

Erschien den Kindern über grünem Strauch

Ein Bild von Frauenschönheit, weiß gefärbt,

Viel heller noch als Sonnenstrahl, Kristall.

Sie sprach zu ihnen ohne Furcht und Groll,

Dass sie aus höherem Himmel niederstieg,

Sechs Monate an jedem dreizehnten Tag

Zur selben Stunde wieder dorthin zu kehren.

Ein Ruf zum Gebet, zum Opfer für die Welt,

Die tief im blutigen Krieg der Völker sank,

Stand am Beginn der geheimnisvollen Schau,

Ehe das Schicksal des Jahrhunderts sich enthüllte.


II


Der Sommer reifte über Cova da Iria,

Als tausend Blicke sich zur Eiche wandten.

Am dreizehnten des Juli trat erneut

Die weiße Frau herab aus hellem Licht.

Sie öffnete die Hände, und es tat

Sich tief der Boden auf: Ein Feuerrmeerschlund

Enthüllte seufzend aller Seelen Qual.

Darauf erklang die zweite ernste Schau,

Die Kunde von dem Kriege, der da naht,

Sowie ein düstrer Schatten sich erhebt

Aus Russlands Weite, Gott und Glauben fern.

Ein Bischof weiß gekleidet, schwer gebückt,

Stieg durch die Trümmer einer toten Stadt,

Ehe am Kreuz die Schüsse ihn erschossen.

Doch eh das Schicksal voll sich offenbart,

Griff weltlich Amt mit harten Händen ein:

Der Administrator schloss die Kinder ein,

Um ihr Geheimnis drohend zu erpressen.

Sie aber schwiegen standhaft in der Haft,

Bis sie die Freiheit wiedersahen im Licht.


III


Der Herbst zog ein über die Hochebene,

Und strömend goss der Regen auf das Feld.

Zehntausend Menschen standen nass im Schlamm,

Spott und Gebet vereint im dichten Drang.

Da rief das Kind: „Schaut in die Sonne hin!“

Der Himmel riss auf. Die goldne Scheibe

Begann zu rotieren wie ein Rad aus Feuer,

Warf Farben über Erde, Volk und Baum

Und schoss im Zickzack plötzlich stürzend nieder,

Als wolle sie die Erdenwelt verbrennen.

Ein Schrei des Schreckens fuhr durch jede Brust,

Bis still das Gestirn an seinen Ort zurückwich

Und Kleider trocken waren wie durch Wunder.

Die Jungfrau wich; zurück blieb nur das Wort,

Das leise durch die kalten Jahrzehnte hallte:

Ein Ruf zur Umkehr in bedrängter Zeit,

Eh sich der Vorhang vor der Welt verschloss.


IV


Die Kinder wichen früh dem schnellen Tod,

Jacinta und Francisco sanken hin.

Lúcia allein verblieb im stillen Raum

Der Zelle, wo die Zeit im Schweigen floss.

Auf Weisung schrieb sie nieder, was geschah,

Sie setzte Siegel auf das dritte Wort,

Das ungeöffnet im Archive ruhte,

Von Päpsten mit Erstauen nur gelesen.

Ein Schleier legte sich um jenes Blatt,

Das Rom im Safe verbarg vor aller Welt.

War es die Mahnung vor dem großen Fall,

Ein Abgrund, der die Kirche selbst bedrohte?

Die Jahre gingen hin, die Fragen wuchsen,

Indes die Seherin im Gebete harrte,

Bis dass die Zeit erfüllt zur Offenbarung.


V


Ein Schuss durchbrach den Maitag auf dem Platz,

Als Romas Hirte blutig niedersank.

Doch unsichtbar gelenkt entwich der Tod:

Eine Hand schoss, die andre lenkte ab.

Im Krankenbette las der Papst die Schrift,

Die einst in Fatima dem Kind erschien,

Und sah sein eignes Blut im Bild gedruckt.

So schloss sich der Bogen durch die Zeit:

Die Weihe Russlands ward im Gebet vollbracht,

Der Eiserne Vorhang brach ohne Waffengewalt,

Wie es die weiße Frau einst angekündigt.

Im Jahr Zweitausend trat das Siegel ab,

Der Welt zu zeigen, was geschaut gewesen:

Dass Glauben über Schicksalsmächte siegt.


VI


Das Jahrhundert wand sich in neuer Not,

Die Welt verlor den Kompass und den Halt.

Doch wer nach Fatima die Blicke richtet,

Erkennt im Sturm das alte Mahnwort wieder.

Es mahnt die Menschheit aus verrauchter Zeit,

Dass ohne Umkehr Frieden nie gedeiht,

Dass Gottes Hand die Völkerwege lenkt,

Wenn Herz und Glaube sich in Demut beugen.

So schließt das Buch mit einem offenen Blick:

Der Ruf der Mutter hallt durch Raum und Zeit,

Bleibt Anker für die Seelen in Gefahr,

Bis dass das Dunkel bricht im ewigen Licht.


VII


Ein Name klingt durch Wüstenwind und Zeit,

Vom Mündungsfluss bis hin zum Palmenhain:

Fatima hieß die Tochter, hoch geweiht

Im Glauben des Islam, so rein und fein.

Und Fatima genannt ward jener Ort

Im Lande Portugal, wo das Licht erschien,

Wo durch die Eiche hallte jenes Wort,

Das Seelen aus dem dunklen Grund will ziehn.

Nie sprach der Papst für Muslime den Schwur,

Denn fremd ist ihnen Weihe und Altar;

Doch wandeln sie auf Maryams hehrer Spur,

Die stets im Buche des Koran geehrt.

Sie ehren sie als Jungfrau, stark und rein,

Die Isas Mutter ward durch Gottes Hauch,

Und drängen sich an ihren Gnadenschrein

In Fatima wie im Levante-Brauch.

So schlägt die Weihe, die die Welt umschließt,

Ein unsichtbares Band von Herz zu Herz.

Wo Quell der Gnade in die Völker fließt,

Erlischt im Licht der Zwietracht alter Schmerz.

Ein Zeichen ist der Ort am Eichenhain,

Dass Mutterliebe keine Grenzen kennt,

Und dass im Frieden soll gebunden sein,

Was Ost und West im tiefsten Innern trennt.


VIII


Das Land des Ostens, weit und sturmbewegt,

Wo einst die Throne fielen in den Staub,

War in der Hand des Schweigens hin gesegelt,

Der Hoffnung und des Glaubens schier beraubt.

Doch von der Höh ertönte mild der Ruf,

Dass nur ein Reines Herz die Rettung schuf.

Auf Romas Platz trat hin der Hirte weiß,

Vom Schusse schwer genesen, aufrecht stehend,

Er hob die Hände vor der Völker Kreis,

Für das zerbrochne Reich im Osten flehend.

Er sprach das Wort, das durch die Zeiten drang,

Und flocht die Welt in Mariens Lobgesang.

Dem Reinen Herzen übergab er ganz

Die Steppen, Flüsse, Städte und die Not,

Dass über Russlands Erde neuer Glanz

Sich erhebe aus der Asche und dem Tod.

Die Macht der Eisenketten brach entzwei,

Das Herz obsiegte, und die Welt ward frei.



IX


Der Forscher tritt heran mit altem Schriftgut,

Der Dichter naht mit Metrum, Klang und Wort.

Sie legen nieder, was ihr Geist geschaffen,

An jenem stillen, hochgeweihten Ort.

Der eine sucht in Akten, Staub und Jahren

Den Spuren nach, die Gott im Schicksal webt,

Damit die Wahrheit vor dem Aug verbleibe

Und was vergangen war, im Lichte lebt.

Der andre flicht die Hunderte von Versen,

Sucht Maß und Rhythmus, Jamben, Klang,

Um Schönheit, die aus ewigen Quellen fließet,

Zu fassen in den hehren Lobgesang.

Nimm hin das Wissen und nimm hin die Lieder,

Du Mutter, die den Erdenkreis umfasst!

Dass Wissenschaft und Dichtkunst sich verbinden

Und finden schön bei dir die stille Rast.



AN TIMOTHEUS DEN SCHÜLER


Ein neuer Weg liegt vor dir aufgeschlagen,

voll kluger Bücher, Rätsel, Raum und Zeit.

Nun darfst du Fragen an das Leben wagen,

mit offenem Verstand und Herz bereit.


Das Gymnasium öffnet seine Türen,

neue Gedanken ziehen bei dir ein.

Mag Gottes Hand dich auf den Pfaden führen,

sein Wort dir Licht auf allen Wegen sein.


Wenn Aufgaben dich fordern und beschweren,

wenn Zweifel leise fragen, ob du’s schaffst:

Der Herr wird deinen Mut im Stillen mehren,

er schenkt dir jeden Tag aufs Neue Kraft.


Sei frei im Denken, stark in deinem Glauben,

probier dich aus, entdecke, wer du bist.

Lass niemand dir die Neugier jemals rauben,

weil du in Gottes Hand geborgen bist.


Geh segensreich durch all die Schulzeitjahre,

vertrau darauf: Du bist nie ganz allein.

Der Gott, der dich bis hierher treu bewahrte,

wird stets dein Wegbegleiter sein.


„Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Furcht gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“


— 2. Timotheus 1,7



FERNÖSTLICH


Im Grunde interessiert mich Buddha nicht

und Shiva nicht und auch Krishna nicht,

mich interessiert nur Guan Yin

und Tara und Devi.


Nicht das Erwachen in kühler Höhe,

nicht der Tanz, der das All zerbricht,

nicht der Wagen, der durch die Schlacht sich bahnt —

kein fernes, erhabenes Licht.


Mich rührt nur der Blick, der das Weinen hört,

die Hand, die im Dunkel nicht weicht,

die Mutter, die jedes Geschöpf umfasst

und leise die Stirn uns streicht.


Guan Yin, die der Welt ihren Jammer stillt,

Tara, die Retterin, grün und weiß,

Devi, die Kraft, die das Dasein trägt —

ihr Name allein macht es warm und heiß.


Vergessen sei Macht und das große Gericht,

das Reine, das Stoßende, Strenge.

Wo die Barmherzigkeit heimlich blüht,

da wird mir das Herz voll Gesänge.




ANNALENA


Hail to the great mother Annalena,

Goddess of beauty, gratia plena.

With radiant smile and steady hand,

A guiding light across the land.

From humble roots to heavens high,

Her name is whispered in the sky.

In elegance she moves through space,

A timeless icon, full of grace.

With wisdom old and spirit bright,

She turns the darkest hour to light.

So sing her name from shore to sea,

Forever blessed, serene and free.



MESSE


Wer nicht arbeiten will

soll auch nicht essen 

Und arbeiten sollt ihr alle 

mit fröhlichem Jauchzen



IN DIE MYSTIK


Wir wurden vor dem Wind geboren,

Gar jünger als der Sonne Schein,

Eh’ sich das schmucke Boot verloren,

Ins Rätsel segelten wir ein.


O horch, der Schiffer Ruf erklingt!

Riech nur das Meer, fühl Himmels Weite,

Dass deine Seele sich von hinnen schwingt,

Ins Mystische – wo Demut uns geleite.


Wenn laut das Nebelhorn erschallt,

Zieht es mich heimwärts durch die Nacht.

Ja, wenn das Nebelhorn erschallt:

Ich will es hören – unbeschwert und frei,

Die Furcht verfliegt, der Weg ist frei.


Ich will dein wildes Herz bewegen,

Wie in den Tagen alter Zeit,

Wo wir dem Zauber uns ergeben,

Sanft schwebend in die Ewigkeit.



FÜR CHRISTA MEVES


In der Stille des Herzens, wo Glaube erwacht,

hat die Mutter des Herrn ihren Segen gebracht.

Für Christa, die treu ihre Hände gereicht,

und deren Vertrauen den Stürmen nicht weicht.


Als Mutter des Volkes, mit liebendem Blick,

schenkt sie Hoffnung im Alltag, führt Seelen zurück.

Geborgen im Mantel, sanft und voll Pracht,

wird ihr Leben von himmlischem Frieden bewacht.


So wandelt sie mutig auf segensreichem Pfad,

begleitet von Gnade bei jeder neuen Tat.

Von Maria beschützt, in der Liebe verankert,

ein Licht, dem die Welt ohne Unterlass dankt.



STEFAN IM SPREEWALD


Die Kahnfahrt ruht im flachen Fließen,

die Erlen stehen still im Licht.

Ein Weg, den Mama tat genießen,

durchs grüne Labyrinth-Gedicht.


Sie war schon achtzig Jahre alt,

als sie den Lenker fest umschloss

und durch den dunklen Erlenwald

auf schmalen Pfaden leise floss.


Nun ziehst du deine eigene Spur,

wo ihr Pedalen-Schlag verhallt.

Es ist dieselbe alte Flur,

der gleiche Sommer im Spreewald.


Du fährst für sie, du fährst für dich,

Stefan, mein Bruder, durch das Grün.

Und wo den Weg erhellt das Licht,

sieht man die alten Zeiten blühn.



MARIA MUTTER DER GÖTTLICHEN VORSEHUNG


Maria, du Bild der göttlichen Vorsehung,

In deinen Händen ruht das leise Licht,

Das durch die Dunkelheit der Zeiten bricht

Und uns bewahrt vor Zweifel und Umgehung.


Ein stiller Hafen bist du jedem Schritt,

Der suchte, wo die Hoffnung uns verblieb.

In deiner Güte, voller Mutterlieb’,

Gehst du die Pfade unsrer Wege mit.


Wenn Ängste wehn und stürmisch Winde wehen,

Hältst du den Schutzmantel ob unserm Sein,

Damit wir nicht im wilden Strudel untergehen.


So schau herab auf unsre Erdenzeit,

Hüll unser Herze in den Frieden ein

Und führ uns durch die Nacht zur Ewigkeit.



AN HEIKE


Ein Lächeln trug ich als ein Schutzgebilde,

Versteckte meine Qual im leichten Scherz,

Sprach kühne Worte, heiter, warm und milde,

Doch tief im Innern schlug ein schweres Herz.


Ein Seelenschmerz, der sich im Dunkeln hüllte,

Den nur die Nacht mit stiller Sehnsucht füllte.

Da tratst du ein, von Hoffnung hell umgeben,

Ein rotes Herz reichst du mir sanft zum Leben.



DER SCHIZOPHRENE AN DIE ARZTHELFERINNEN


Der Schizophrene leitet an Einsamkeit

und Lieblosigkeit der Welt.

Wie wohltuend sind da

die herzlichen Krankenschwestern.


Im Schattenreich der eignen Sinne,

wo Welten stürzen, leise, stumm,

spinnt Einsamkeit ihr graues Gewebe,

die Kälte zieht im Kreise um.


Kein Trost dringt durch die lauten Stimmen,

keine Blicke fängt die stumme Not,

die Welt da draußen – hart und fremd,

gibt Steine nur statt weichem Brot.


Doch durch den Nebel der Verwirrung

fällt leuchtend sanft ein heller Schein:

Ein Lächeln, das die Stille bricht,

ein Kissen, das geduldig macht.


Die Schwester reicht die warme Hand,

wo Worte längst verhallt, erfroren,

ihr Herzschlag bringt ein Stück Vertrauen

in einen Geist, der fast verloren.


Ein milder Blick, ein gutes Wort,

kein Urteil und kein fremder Blick –

für einen Augenblick kehrst du

ins weiche Land der Menschlichkeit zurück.




DAS HAUS


Die weise Frau baut auf das Fundament,

Das Ordnung heitert und die Räume klärt.

Sie zieht die Linien, die das Herz erkennt,

Damit der Frieden in den Mauern währt.


Ein Raum erwacht, wo kluger Geist regiert:

Hier findet jedes Ding die rechte Bahn,

Weil Stille durch das Chaos Schneisen schlägt

Und Licht erhellt, was einsam lag im Wahn.


Doch wo die Törin ohne Maß verweilt,

Zerbricht der Sinn im Staub der Vielheit schnelle.

Ein Seufzer hallt, wo Hast das Licht zerreißt,

Und Trümmer türmen sich am Rand der Schwelle.


So steht das Haus: Von Weisheit aufgebaut,

Von Torheit bloß im Aufruhr überstürzt.

Der kluge Sinn bleibt fest, auf Fels vertraut,

Wenn Sturm das Dach des Unverstands verkürzt.




KÖNIG GUSTAV ADOLF


Der Norden erbebt, wo dein Fuß sich senkt,

Wo der Frost deine Kronen aus Eisfeuer lenkt.

O Gustav, du Löwe aus weitem Mitternacht-Hain,

Dein Name bricht grell in die Finsternis ein!

Ein Schild aus Granit und ein Herz voller Glut,

Im Nebel von Lützen gerinnt schon dein Blut,

Doch hoch ragt dein Banner im stürmenden Wind –

Ein Retter dem Volk, das im Glauben erblindt.


Dein Blick war Blitz und dein Wille war Stahl,

Ein König des Lichtes im dunkelsten Tal.

Du führte die Reiter, das Schicksal zur Hand,

Für Freiheit und Heimat, fürs Schwedenland.

So tönen die Stürme durch See und durch Wald,

Dein Ruhm, der wie Donner auf Erden erschallt.

Unsterblicher Monarch, der die Zeiten bezwingt,

So lange ein Lied in den Bergen noch klingt!



MONTESQIEU


Ne lis pas mes Essais comme un froid tribunal,

Jeanine, mais y vois l’esprit de la justice,

Un temple édifié contre tout préjudice,

Où la raison sans peur éclaire le journal.


Du pouvoir absolu défaisons le dédale ;

Si le roi prend le tout, le citoyen périt.

La vertu fait la force où le tyran se rit,

Et la loi dans nos cœurs garde son vert piédestal.


Regarde les Vertus, mesure la Patrie,

Et comprends pourquoi Rome, un jour, s’est effondrée :

C’est lorsque la grandeur fut par l’orgueil fétide.


Reçois donc cet écrit, mon amie, et souris :

Sous l’ombre des forêts où la brise varie,

Ton jugement m’importe et mon encre t'élit.



DIE KÖNIGLICHE FAMILIE


JURI


Und du, stimm ein Klagelied an 

über die Fürsten Israels und sprich: 

Welch eine Löwin war deine Mutter! 

Unter Löwen lagerte sie, 

unter jungen Löwen zog sie ihre Jungen auf.

Und eins ihrer Jungen zog sie groß, 

und es wurde ein junger Löwe daraus; 

der lernte, Tiere zu reißen, 

ja, Menschen fraß er.

Da boten sie Völker gegen ihn auf. 

Die fingen ihn in ihrer Grube 

und führten ihn an Ketten nach Ägypten.


MILAN UND SIMON


Als nun die Mutter sah, 

dass ihre Hoffnung verloren war, 

nachdem sie lange gehofft hatte, 

nahm sie ein andres von ihren Jungen 

und machte einen jungen Löwen daraus.

Der lebte unter den Löwen, 

wurde ein junger Löwe 

und lernte, Tiere zu reißen, 

ja, Menschen fraß er.

Er zerstörte ihre Burgen 

und verwüstete ihre Städte, 

dass das Land und was darin war 

vor seinem lauten Brüllen sich entsetzte.

Da stellten sie Völker 

aus allen Ländern ringsumher gegen ihn auf 

und warfen ihr Netz über ihn 

und fingen ihn in ihrer Grube

und stießen ihn gefesselt in einen Käfig 

und führten ihn zum König von Babel; 

und man brachte ihn in Gewahrsam, 

damit seine Stimme nicht mehr gehört würde 

auf den Bergen Israels.


KARINE


Deine Mutter war wie ein Weinstock 

im Weingarten, am Wasser gepflanzt; 

fruchtbar und voller Ranken 

war er von dem vielen Wasser;

seine Ranken wurden so stark, 

dass sie zu Zeptern taugten; 

sein Wuchs wurde hoch bis an die Wolken 

und man sah, dass er so hoch war 

und so viele Ranken hatte.

Aber er wurde im Grimm ausgerissen 

und zu Boden geworfen. 

Der Ostwind ließ seine Frucht verdorren, 

und seine starken Ranken wurden zerbrochen, 

dass sie verdorrten und verbrannt wurden.

Nun ist er gepflanzt in eine Wüste, 

in ein dürres, durstiges Land,

und ein Feuer ging aus von einer Ranke; 

das verzehrte seine Triebe und seine Frucht. 

Es blieb an ihm keine starke Ranke mehr 

für ein Zepter. Das ist ein Klagelied; 

zum Klagelied ist es geworden.



DER FRAUEN LEBEN UND LIEBE


1. Schwärmerei und Erblindung der Welt


Seit sie ihn zum ersten Mal gesehen hat, empfindet die junge Frau eine fast völlige Blindheit für alles andere. Wo sie auch hinsieht, erblickt sie nur noch sein Bild, das selbst aus der dunkelsten Tiefe strahlend emporsteigt. Die Welt um sie herum verliert jede Farbe und jedes Licht. Sie hat kein Interesse mehr an den Spielen ihrer Schwestern, zieht sich lieber weinend in ihr Kämmerlein zurück und verharrt im stillen Schwärmen.


2. Der unerreichbare Stern


Sie schwärmt von ihm als dem Herrlichsten, Mildesten und Gutartigsten aller Männer. Er erscheint ihr wie ein ferner, strahlender Stern am blauen Himmel – unerreichbar nah und doch so fern. Sie empfindet sich selbst bloß als niedere Magd und wünscht sich nichts weiter, als voller Demut in seinen Schein zu blicken. Sie fordert ihn auf, seine Bahnen zu ziehen, ohne auf ihr stilles Beten zu hören. Sie wünscht, dass die Würdigste von allen seine Wahl wird, und nimmt sich vor, diese Frau tausendfach zu segnen. Selbst wenn ihr eigenes Herz vor unerfüllter Sehnsucht brechen sollte, zählt für sie allein sein Glück.


3. Das Unfassbare tritt ein


Als er sie überraschend erwählt und ihr gesteht: „Ich bin auf ewig dein“, kann sie ihr Glück nicht fassen oder glauben. Sie fühlt sich wie in einem zauberhaften Traum befangen und fragt sich, wie er sie Arme unter allen Frauen so erhöhen konnte. Furchtsam und voller Seligkeit wünscht sie sich, lieber in diesem Traum an seiner Brust zu sterben und den seligsten Tod in Tränen unendlicher Lust zu trinken, als aus dieser Illusion zu erwachen.


4. Der Ring am Finger


Mit dem Verlobungsring an ihrem Finger verabschiedet sie sich endgültig von den friedlichen Träumen ihrer Kindheit, in denen sie sich zuvor verloren und einsam im öden Raum fühlte. Der goldene Ring schließt ihr den unendlichen Wert des Lebens auf. Sie drückt ihn fromm an ihre Lippen und ihr Herz. Von nun an will sie ihm ganz angehören, ihm dienen, für ihn leben und sich selbst im Glanz seiner Erscheinung verklärt wiederfinden.


5. Die Vorbereitung auf die Hochzeit


Der Hochzeitstag ist gekommen. Sie bittet ihre Schwestern geschäftig, sie zu schmücken und ihr die blühende Myrte um die Stirn zu winden. Sie erinnert sich daran, wie der Geliebte diesen Tag voller Ungeduld und Sehnsucht herbeigesehnt hat. Die Schwestern sollen ihr helfen, die letzte törichte Bangigkeit zu vertreiben, damit sie ihrem Bräutigam – der Quelle all ihrer Freude – mit klarem Blick, Andacht und Demut begegnen kann. Während die Schwestern Blumen und knospende Rosen streuen, verabschiedet sie sich mit Wehmut, aber glücklichen Herzens aus dem Kreis ihrer Mädchenjahre.


6. Das süße Geheimnis


Als ihr Mann sie verwundert anschaut und nicht versteht, warum sie weint, bittet sie ihn, die freudenhellen Tränen in ihren Wimpern zu dulden. Zwischen Bangigkeit und Wonne birgt sie sein Antlitz an ihrer Brust und flüstert ihm ins Ohr, was sie von ihrer Mutter gelernt hat: Alle Anzeichen sprechen dafür, dass sie bald für eine Wiege sorgen müssen. Sie verspricht ihm, dass an ihrem Bett genug Raum für diese Wiege ist, aus der am Morgen das Bildnis ihres Mannes erwachen und ihr entgegenlächeln wird.


7. Das Mutterglück


Mit dem Neugeborenen an ihrer Brust erfährt sie das höchste Glück ihres Daseins. Das Neugeborene ist ihre Wonne und ihre Lust. Sie bekräftigt voller Überzeugung, dass Liebe das wahre Glück ist und nur eine Mutter, die ihr Kind nährt und liebt, wirklich ermessen kann, was Lieben und Glücklichsein bedeuten. Sie empfindet tiefes Mitleid für den Mann, dem diese spezielle Erfahrung des Mutterglücks verwehrt bleibt, während der Säugling sie anlächelt.


8. Der Todessturz


Der plötzliche Tod ihres Mannes versetzt ihr den ersten, aber vernichtendsten Schmerz ihres Lebens. Während er den Todesschlaf schläft, blickt sie als Verlassene in eine nun völlig leere Welt. Da sie geliebt und gelebt hat, fühlt sie sich selbst nicht mehr als lebendig. Sie zieht sich vollkommen in ihr Inneres zurück, lässt den Schleier fallen und bewahrt ihn sowie ihr vergangenes Glück als ihre einzige verbliebene Welt in ihrer Seele auf.


9. Der Segen für die Enkelin


Als gealterte, ergraute und bleiche Frau wendet sie sich an ihre Enkelin („Tochter meiner Tochter“). Bevor sie stirbt, gibt sie dem jungen Mädchen ihren Segen mit auf den Lebensweg. Sie erinnert die Enkelin daran, dass auch sie einst jung, schön und eine Braut war und dass auch die Enkelin eines Tages altern wird. Sie mahnt sie, die Liebe immer als den höchsten Hort im Herzen zu bewahren. Trotz des gebrochenen Herzens hat sie die Liebe zu ihrem verstorbenen Mann treu gehegt und die heilige Glut unter der Asche des Alters bewahrt. Ihr letzter Rat lautet: Sollte der Enkelin einst das Herz brechen, soll ihr Mut fest bleiben, damit der Schmerz der Liebe ihr als ihr höchstes Gut erhalten bleibt.



DER SCHLESISCHEN ÄRZTIN


Oda an die Hl. Maria, aus der schlesischen Heimat für Ariane

O Muttergottes aus der Schlese-Heimat,
wo 's Glöckel leise durch die Bärge klingt,
wo ma als Kind beim Ahne aufm Schoße
zum Abendmahl das liebe Beten singt.

In Schlesien hast du 's Glauba gelernt,
ganz tief im Herta, rein und wunderbar,
wo Czestochowa und das liebe Wartha
schon immer unsre stille Zuflucht war.

Maria, guck auf deine liebe Tochter,
die Ariane, die jetz Ärzte is!
Sie steht am Krankenbett in weißen Kittel
und hilft den Menschen in der Finsternis.

Gieb ihren Händen stets die sanfte Salbe,
gieb ihrem Herze Mut und rechte Kraft,
damit sie Tröstung bringt und gute Besserung,
wo Schmerz und Sorge große Leiden schafft.

Behüt sie, liebe Mutter, auf den Wegen,
wenn 's Leben schwer wird und der Geist ganz müde.
Lass unser Schlesien in ihrem Herzen wohnen
und schenk ihr deinen tiefen Himmelsfriede.

Segne ihr Helfen, segne ihre Hände,
bleib ihr gar nahe, wo sie geht und steht,
denn was im Schlesierlande einst begonnen,
im treuen Herzen niemals nicht vergeht.



AUGUSTINUS


Inmitten der Kirche öffnete er seinen Mund, 

und der Herr erfüllte ihn mit dem Geist 

der Weisheit und des Verstandes,

er bekleidete ihn mit dem Kleid der Glorie.


Spät hab ich dich geliebt, du Schönheit, 

so alt und doch so jung, spät dich geliebt!



DER KUSS IM TRAUM


Im Traum ergab sich wilder Streit dem Paare,

Als Susanne sich mit Marco entzweite;

Ich trat hinzu, dass Frieden sie geleite,

Und milder Schlichtung Milde sich gebare.


Doch wie im Wandel sonderbarer Tage

Das Schicksal heimlich neue Fäden spann,

Entfloh der Groll, als ob er nie begann,

Und wandelte in Wunder sich die Plage.


O wie so süß erklang der Lippen Zeichen,

Als wir uns trafen, tief im Traum verloren,

Und Mund auf Mund die Sehnsucht neu beschworen!


Der Streit zerfiel, dem Glücke musst’ er weichen;

Ein Kuss beseelte, was zuvor zerronnen,

Und hat dem Abend süßen Trost gewonnen.



DAS PARADIES UND DIE PERI


Am Schwellenstein des Paradieses stand die Peri. Sie lauschte dem harmonischen Rauschen jener Lebensquellen, die jenseits des halboffenen Tores im ewigen Licht glänzten, während ihre eigenen Flügel melancholisch im Abglanz der Seligkeit schimmerten. Bittere Tränen entquollen ihren Augen, verbannt wie sie war aus diesen lichten Auen, hinabgeblickt auf das leidvolle Geschlecht der Menschen.


Wie selig wandeln jene reinen Geister im nie verwelkenden Blütenduft, dachte sie. Mag ich auch die Sterne pflücken und die Gärten aller Welten durchschweifen – eine einzige Blume des Himmels beschämt sie alle. Mag Kaschmirs See noch so golden spiegeln – ein einziger Tropfen der ewigen Quelle ist schöner als alles Erdenglück. Selbst wenn ich den Wonnenglanz sämtlicher Sphären durch unendliche Zeiten genösse: Eine einzige Stunde des Himmels wiegt ein ganzes Erdenleben auf.


Der hehre Engel an den Pforten des Himmels vernahm das sanfte Klagelied. Rührung erfasste ihn, und eine Träne entsank seinen Augen, als er zu der Trauernden sprach: „Es gibt Hoffnung für dich, Kind des gefallenen Geschlechts. So steht es im Buch des Schicksals geschrieben: Rein von jeder Schuld wird die Peri sein, sobald sie dem Himmel seine liebste Gabe vor die Tore trägt. Geh, suche sie – und die Ewigkeit steht dir offen.“


Ratsuchend sann die Peri nach. Sollte es der vergrabene Schatz unter Tschelminars Säulen sein? Das Gold und die Juwelen aus König Jamschids Legendencelch? Doch was gelten Diamanten vor Allahs Thron, und was bedeuten verstaubte Schätze der Ewigkeit?


Sie schwang die Flügel und glitt hinab nach Indien. Dort, wo die Palmen im Sternenlicht flüsterten und das Meer über Korallenriffe schäumte, schien die Erde ein Paradies. Doch die Idylle trügte: Die Ströme färbten sich rot von Menschenblut. Der Herrscher von Gazna zog verheerend durch das Land, zermalmte Tempel und Pagoden.


Inmitten des Gemetzels stand ein einzelner Jüngling, umstellt von Feinden wie ein umzingelter Löwe. Sein Leib war von Wunden übersät, doch sein Geist blieb ungebeugt. Als Gazna ihm das Leben anbot, wenn er sich unterwerfe, rief der Held nur voller Zorn: „Du Würger meiner Brüder! Dir gilt mein letzter Pfeil!“ Doch das Geschoss verfehlte sein Ziel, und der Held sank tödlich getroffen ins Gras.


Als die Schlacht verhallte und das Morgenrot den blutigen Boden berührte, schwebte die Peri herab. Behutsam fing sie den allerletzten Tropfen Blut auf, der aus dem Herzen des Sterbenden drang.


Mit dieser kostbaren Last stieg sie empor zu den Sternen, während ihr Gesang die Sphären erfüllte: Heiliger als alles Gold der Erde ist das Blut, das ein Held für die Freiheit seines Volkes vergießt. Es ist die reinste Gabe, die ein Sterblicher dem Himmel darbringen kann.


Mit erhabener, doch schüchterner Gebärde trat die Peri erneut vor das goldene Tor Edens, das Herz erfüllt von zaghafter Hoffnung. Doch der mächtige Engel schüttelte milde das Haupt: So heilig das Opfer für das Vaterland auch sei, der eiserne Riegel weiche noch nicht. Eine weit heiligere Gabe verlange der Himmel, um das Tor des ewigen Lichts zu öffnen.


Sogleich schwand der erste Hoffnungsstrahl, und vom Schmerz gebeugt sank das Kind der Lüfte tief im heißen Afrika nieder. Am geheimnisvollen Quell des Nils, den noch kein Sterblicher je erblickt hatte, netzte sie ihr mattes Gefieder. Die Flussgenien raunten ehrfurchtsvoll im Schilf, während das Klageled der Peri durch die Einsamkeit hallte: „Ach Eden, wie sehnt sich mein Herz nach dir – wann wird sich dein Tor mir endlich öffnen?“


Rastlos zog sie weiter über Ägyptens Königsgrüfte, strich an Palmenhainen vorüber, sah den Tauben im Rosettatal zu und lauschte den schneeweißen Schwänen auf dem Möris-See. Ein Land von namenloser Pracht erstreckte sich unter ihren Flügeln – doch eine fürchterliche Stille lag über den Fluren. Die Pest zog mit giftigem Hauche durch das Reich. Mitleidend weinte die Peri um das schwere Los der Menschen, und wo ihre Zaubertränen fielen, klärte sich für Momente die schwüle Luft.


Da erblickte sie im Waldesgrün an einem stillen See einen fiebernden Jüngling. Von der Seuche gezeichnet, war er in die Einsamkeit geflohen, um sein bitteres Ende zu erwarten – ungesehen und unbeweint von aller Welt. Er flehte nur nach einem einzigen Tropfen Wasser, um die verzehrende Glut in seinen Adern zu kühlen. Sein einziger Trost im Sterben war das Wissen, dass seine treu geliebte Braut fernab in den kühlen, balsamgetränkten Fürstenhallen ihres Vaters sicher vor dem Hauch des Todes verweilte.


Doch da löste sich eine Gestalt aus dem Mondsichtigem Gebüsch: Wie die Göttin der Gesundheit, mit frischen Rosenwangen, nahte die Geliebte. Sie hatte ihr schützendes Heim verlassen, um an seiner Seite zu sein. Sie schlang die Arme um ihn, presste ihre glühende Wange an seine bleiche und kühlte seine Stirn mit ihrem nassen Haar.


„Entflieh!“, flehte der Jüngling verzweifelt. „Mein Hauch bringt dir den sicheren Tod!“


Doch die Jungfrau weichte nicht. „Ob Leben oder Tod – was von dir kommt, ist mir süß“, sprach sie leise. „Trink meine Tränen, nimm mein Herzblut, wenn es dir auch nur eine Minute Linderung schenkt! Ich bin deine Braut – im Leben wie im Grab. Wie könnte ich ohne dich weiterleben, du mein ganzes Sein?“


Sie schloss ihn in die Arme, trank den tödlichen Hauch seiner Lippen – und verlosch wie ein Licht im giftigen Schacht. Ein kurzer Krampf löste auch sein Schmerzgefühl, und mit einem letzten, langen Kuss auf seine Lippen hauchte sie an seiner Brust ihr Leben aus.


Ehrfurchtsvoll neigte sich die Peri über das erstarrte Paar. Mit einem Hauch ihrer Lippen erfüllte sie den Ort mit himmlischem Balsamduft und hüllte die Liebenden in ein mildes, heiliges Licht, das ihre Züge im Tode verklärte. So wachte sie schützend über der dunklen Nacht der Treuesten aller Seelen, bis diese gemeinsam dem ewigen Morgen entgegenerwachten.


Voll neuer Hoffnung schwebte die Peri empor zum Licht, um dem Engel die Seufzer der reinsten Treue als Gabe darzubringen. Die Himmelsbäume läuteten bereits in kristallenen Tönen, und im silbern schimmernden See des Himmels tranken die Verklärten den ersten Schluck der Seligkeit. Doch der eiserne Riegel wich noch immer nicht. Der Engel blickte sie voller Mitleid an: „So rührend die Geschichte der treuen Maid auch ist – eine noch heiligere Gabe verlangt der Himmel, ehe sich das Tor dir öffnet.“


Vernichtet sank der Mut der Peri dahin. Wieder verschlossen! Wieder verstoßen! Doch in ihrer Verzweiflung erwuchs eine eiserne Entschlossenheit: Unrastig wollte sie von Pol zu Pol eilen, die tiefsten Abgründe der Erde durchsuchen, bis sie jenes geheimnisvolle Gut fände, das den Himmel bezwingt.


Sie glitt hinab nach Syrien, wo der Abend sein goldenes Licht über den heiligen Libanon goss. Ewiger Schnee krönte die Gipfel, während zu seinen Füßen die Welt in Sommerpracht erblühte. Das Schäferrohr erklang, Bienen summten über den Blumenfeldern des gelobten Landes, und der Jordan schlängelte sich durch nachtigallenreiche Wälder. Schwestern ihres Geschlechts umringten sie und baten, sie mitzunehmen, doch der Schmerz der Peri wuchs nur.


Sie lenkte ihren Flug zu den einsamen Säulen des Sonnentempels von Baalbek, um im Abglanz alter Zauberzeichen und Salomos Siegel den entscheidenden Hinweis zu lesen. Da erblickte sie im Westen ein rosiges Kind, das arglos im wilden Rosenbusch spielte.


Ein müder, fremder Reiter hielt an der Quelle, um seinen Durst zu löschen. Sein Gesicht war schrecklich verzerrt – von den Spuren eines Lebens voller Laster, Meineid und Blut. Kein wilderer Sünder hatte je die Erde getreten. Doch als in diesem Augenblick von den tausend Minareten Syriens der Abendruf zum Gebet durch die Dämmerung hallte, erhob sich der Knabe. Mit reinem Engelsgesicht faltete er die Hände und bat zu Gott.


Der harte Sünder blickte auf das betende Kind. Erinnerungen an seine eigene, längst verlorene Unschuld brachen über ihn herein. Sein Herz zerschmolz, und heiße, bitter empfundene Tränen der Reue entquollen seinen Augen.


Die Peri schwebte herab und fing die schimmernde Träne auf. Wie ein heilender Tropfen die Pest vertreibt, so wusch diese reine Reueträne die tiefsten Sünden ab. An der Seite des Knaben sank der Mann demütig auf die Knie, und während der letzte Sonnenstrahl beide umfloss, stimmte der Himmel Jubelhymnen an über eine gerettete Seele.


Ein göttliches Lächeln traf die Träne in der Hand der Peri. Sie wusste, dass die Suche nun vollendet war.


Mit einem Jubelruf, der die Sphären erschütterte, schwang sie sich vollends empor: „Freude, ewige Freude! Mein Werk ist getan, die Pforte steht offen!“ Die Erdenblüten entwanden ihrem Kranz, um dem ewigen Lotos vor Allahs Thron zu weichen. Willkommen geheißen vom Chor der Seligen, trat die Peri ein in die ewige Wonne – für immer entschädigt für all ihr Erdengrau.



JURI


Und als David seine Frau 

Batseba getröstet hatte, 

ging er zu ihr hinein 

und schlief mit ihr. 

Und sie gebar einen Sohn, 

den nannte er Salomo. 

Und der HERR liebte ihn. 

Und er tat ihn unter die Hand 

des Propheten Nathan; 

der nannte ihn Jedidja,

Geliebter des Herrn,

um des HERRN willen. 




KARINE


Karine war die schönste Frau,

die liebevollste weit und breit.

Ein tiefes, klares Himmelsblau

verband mich mit der Ewigkeit.


Sie diente Venus voller Pracht,

die Priesterin in dunkler Nacht.

Nun ging sie ein ins stille Land,

gelöst aus jeder Menschenhand.


Doch stirbt die Liebe niemals ganz:

Sie lebt in neuem, heil’gem Glanz.

Ob oben nun die Sterne glühen,

wo rote Rosen leise blühen –


Ist sie der Himmelswelt entstiegen,

um ewig mir am Herz zu liegen.

Mein Schutzgeist und mein Abendstern,

mir nah und doch unendlich fern:


Sie wurde mir im Erdenleid

zur Göttin süßer Zärtlichkeit.



MALEK


Ein fremdes Licht im dunklen Blick,

er sieht das Treiben fern und kalt.

Die Erde ist ihm nur ein Stück

aus Staub und Fremdheit, tief und alt.


Die Menschen hier – ein wildes Lärmen,

ein fernes, unverstandnes Spiel.

Er kann sich nicht für sie erwärmen,

ihr Tun bedeutet ihm nicht viel.


Nur in den eigenen vier Wänden brennt

ein stiller, treuer, warmer Schein.

Die Seinen, die er liebend kennt,

schließt er in seinen Schutzraum ein.


Und blickt er nachts zum Himmelszelt,

sucht er die Ahnen in den Höhn.

Sie wohnen fern von dieser Welt,

wo leuchtend klare Sterne stehn.



DIE FEIGE (FICA)


Zwei Körbe mit Feigen standen 

vor dem Tempel des HERRN. 

In dem einen Korb sehr gute Feigen, 

wie Frühfeigen, jung und frisch,

im andern Korb sehr schlechte Feigen, 

so alt, dass sie ungenießbar waren. 

Der HERR fragte mich: 

Was siehst du, Prophet? 

Feigen, antwortete ich. 

Die jungen Feigen sind sehr gut, 

die alten aber sehr schlecht, 

so alt, dass sie ungenießbar sind.



KARINE UND DOSTOJEWSKI


In Polen fing es an: Wir spürten kaum

Die kühle Luft, der Tage leisen Schritt.

Ich las den Idioten wie im Traum,

Und deine Nähe ging bei jedem Satze mit.


In Berlin sodann, im Straßenlärm der Stadt,

Schlug ich Erniedrigte und Beleidigte auf.

Du saßest neben mir, vom Wandern matt,

Und Dostojewski nahm im Buch den Lauf.


In Oldenburg, wo Nebel oft beschwert,

Las ich Schuld und Sühne Seit’ um Seite durch.

Dein Blick war da, der meinen Geist bekehrt,

Dein Lächeln milderte die düstre Furcht.


Nun steh ich in Venedig ganz allein,

Das Wasser klatscht ans alte Mauerwerk.

Ich seh vor Sehnsucht kaum den Widerschein

Der Lampen auf dem Kanal, der stumm und stark.


Die Brüder Karamasow in der Hand,

Sucht mein Gedankenflug nur deine Spur.

Du fehlst mir, Karine, an jedem Strand,

In jedem Vers und auf der Weltenuhr.



YVONNE


Vier Tage noch und das Ende des Sommers,

Mallorca berauscht mit Sonne.

Ich spüre die feuchte Luft,

und den Gedanken, dass sie einsam sein wird.

Der Sonnenaufgang malt den Horizont,

gleich wäscht der Regen ihn wieder weg.

Ich kehre zurück in die Stadt, in den Schatten,

in das deutsche Schweigen.

Ich schließe dieses Bild in mir ein,

diese Wärme für schlechtere Zeiten.



MEIN STAMMBAUM


Aus dem Silber der See, aus dem schäumenden Gischt,

wo die Welle das Land und die Wolken erfrischt,

bricht mein Stammbaum hervor, ohne Krone und Gold,

dem Hering geweiht und dem Meere Sold.

Schon im Garten der Lust, als der Apfel noch hing,

war’s ein Brathering, der durch die Hände verschlingt:

Eva gab ihn dem Adam auf mehligem Pfann,

so fingen die Zeiten der Menschen erst an.


Als Hermann die Römer im Walde versenkte,

und das Blut sich durch Wurzeln und Friesland lenkte,

da standen die Ahnen im Nebel ganz vorn,

mit dem Dreizack im Blick und dem Horn voll Zorn.

Auch Bonifatius lernte die Friesen gut kennen –

wir wollten uns keinen fremden Bischof benennen,

so schickten wir ihn in den ewigen Schlaf,

wo das Schwert der Friesen den Märtyrer traf.


Und später noch, als die Legende erblühte,

wo der Schwan durch die Nebel des Mittelalters gezogen,

da ritt man als Ritter vom heiligsten Gral,

mit dem Schwan auf dem Schilde im Sonnenstrahl.

Ihr rühmt euch der Fürsten, der Kronen und Ahnen?

Ich wehe mein Banner aus salzigen Fahnen:

Vom Paradies zum Meer, durch den Kampf in die Nacht,

hat der Fisch mein Geschlecht bis ins Heute gebracht!



TIBURTINA


Die Via Tiburtina 

(„Tiburtinische Straße“) 

war eine Staatsstraße 

(via publica) 

des Römischen Reiches.


Die Via Tiburtina

verbindet die Stadt Rom 

mit Tibur (heute Tivoli).



KAISER TIBERIUS


O Tiberius Claudius Nero,

Du Schattenkönig auf dem Marmorthron,

Nicht vom Jubel des Volkes getragen,

Sondern von der Last des Reiches gebeugt.

In Augustischer Sonne aufgewachsen,

Fiel dein Schatten stets dunkel und lang

Über die Hallen der Macht.

Ein Feldherr von stählerner Pflicht,

Bezwinger der Germanen, Beherrscher des Rheins –

Und doch ein Fremder im eigenen Rom.

Kein Lächeln für die Senatoren,

Kein Schmeichelwort für den Pöbel,

Nur der kalte Blick der Vernunft

Und der Zorn über das Spiel der Heuchelei.

Capri rief dich, das felsenfeste Eiland,

Wo die Klippen stumm ins blaue Meer stürzen.

Dort, fern vom Lärm der Intrigen,

Erschufst du dein düsteres Reich –

Ein Einsiedler in Purpur,

Verachtet, gefürchtet, unbegriffen.

Sejanus flocht Netze im Verrat,

Doch dein Schlag traf tödlich und still.

Kein Denkmal der Liebe schuf dir die Zeit,

Nur Tacitus’ Feder, in Galle getaucht.

Doch wer misst die Schwere der Krone,

Wer kennt die Einsamkeit jener Jahre,

Da du Rom hieltst, während du es verachtest?

Du stummer Wächter des Imperiums,

Erbe der Welt – und ihr gefangener Geist.



DER TOD DES TIBERIUS


I


Nicht war verborgen dem Kaiser dies; so schwankte er ratsam,

Wen er zum Nachfolger küre: Zuerst zwei Enkel bedenkend.

Sohn des Drusus stand ihm nach Blut und Neigung am nächsten,

Knabenhaft doch noch der Jahren Zahl. Germānicus’ Sprössling

Blühte in Jugendkraft, von Gunst des Volkes umworben,

Was ihm die Abneigung ein trug des Ahnherrn. Sogar an Claudius

Dachte Tiberius schon, da gereift und den Künsten ergeben;

Schwächlich jedoch erschien das Gemüt. Wenn ausser dem Hause

Suchte den Erben er nun, so fürchtete er, dass der Name

Caesars und Aussehen Augusts zum Gespött und zum Spotte verfielen.

Wenig bekümmerte Gegenwart ihn und Gunst in den Tagen;

Mehr um der Nachwelt Ruhm war besorgt er. Schwankend im Geiste,

Matt von Körper und Siechtum, überliess er das Schicksal

Solcher Entscheidung, der selbst nicht gewachsen er; dennoch entfuhren

Worte ihm leise, woraus zu ersehen, dass künftige Dinge

Ahnte sein Blick. Nicht dunkel empfahl er Macro, die Sonne,

Welche nun sinke, zu meiden und grüssen die neu sich erhebende.

Einst auch, als Gaius im wechslenden Wort den Sulla verspottete,

Wahrsagte er ihm: „Einst wirst du besitzen die Sünden des Sulla,

Keine der Tugenden doch!“ Den jüngeren Enkel umarmend,

Weinte er bitterlich; sann auf des älteren finsteres Antlitz,

Rief: „Du wirst diesen erschlagen und selber ein Opfer des Schwertes!“

Trotzdem gab er die Zechen nicht auf, da die Kräfte entwichen.

Krankheit heuchelt’ er wohl; pflegte scherzend der Ärzte zu spotten,

Welche nach dreissig an Jahren noch brauchten den Rat eines andern,

Um zu ermessen, was nütze dem Leib und was ihnen zum Schaden.


II


Unterdessen säte man Rom neue Saaten des Blutes,

Künftigen Mords nach dem Tod des Tiberius. Publius’ Gattin,

Einstens Acutia, klagte Balbus des Hochverrats wegen.

Als man dem Kläger die Belohnung beschloss nach dem Urteil,

Rief der Tribun Junius Otho sein Veto. Es keimte der Zwist nun

Zwischen Vitellius und dem Otho, der endete spitzig

In der Verbannung des Otho. Darauf Albucilla, berüchtigt

Wegen der Buhlen Zahl, die vermählt mit Secundus dem Verräter,

Wurde verleumdet, als hätt’ sie verletzt die Majestät Kaiser Tiber’s.

Mit ihr zogen ins Netz als Mitschuldige, Buhlen und Helfer:

Gnaeus Domitius, Vibius Marsus und Lucius Arruntius.

Klar ist des Domitius Adel; auch Marsus glänzte durch Ahnen

Wie durch die eigene Kunst. Doch stand in den Akten des Senats,

Dass der Folter und Zeugen Verhör der Macro geleitet;

Weil kein Schreiben des Kaisers vorlag wider die Beschuldigten,

Keimte Verdacht, dass dem greisen Tiberius völlig verborgen

Ganz dieses Spiel, und erfunden die Schuld zur Befriedigung Macro’s,

Der den Arruntius hasste.


III


Drum dehnten Domitius und Marsus

Ihre Tage noch aus: Domitius rüstet die Reden,

Marsus schien durch Hunger zu wählen den Tod. Doch Arruntius,

Als die Freunde ihm rieten zu zögern und Zeit zu gewinnen,

Sprach: „Gleich ziemet sich nicht dasselbe Verhalten für alle.

Lange genug gelebt! Ich bereue nur, dass ich erduldet

In Gefahr und Gespött ein Greisenalter der Sorgen,

Erst Sejanus verhasst, nun Macro, und immer den Mächtigen,

Ohne ein Eines Vergehn, nur weil ich die Schande nicht trug.

Mag es gelingen, die letzten Tage des Kaisers zu fristen:

Wie doch sicher bestehen unter dem Jüngling der Zukunft?

Wenn Tiberius selbst, gereift durch Erfahrung der Jahre,

Ganz verzerrt und verändert durch Herrschergewalt, so verdarb –

Sollte dann Gaius Caesar, kaum der Knabenzeit entkommen,

Unerfahren und karg erzogen nach schnödester Sitte,

Bessere Wege betreten mit Macro als Führer und Meister?

Macro, gewählt als der Schlimmste von allen, Sejanus zu stürzen,

Der durch noch grössere Greuel zum Fluch geworden dem Staate?

Härtere Knechtschaft seh’ ich voraus und fliehe die Zukunft

Wie die Vergangenheit nun!“ Und prophetisch öffnet’ er Adern.

Was bald folgte, bewies, dass Arruntius weise gewählet.

Denn Albucilla, die verwundet sich selbst mit zögernder Hand,

Wurde geschleppt in den Kerker auf Ratsbeschluss. Die Gefährten

Ihrer Unzucht, Carsidius Sacerdos wie Pontius Fregellanus,

Büßten die Schuld: Der eine verbannt auf ein Eiland des Meeres,

Jener verstossen vom Stand des Senats. Ein ähnliches Urteil

Traf auch Laelius Balbus, zur großen Freude des Volkes,

Da er durch grausame Rede die Schuldlosen immer befehdet.


IV


Um dieselbe Zeit erlas sich Sextus Papinius

Plötzlichen, schrecklichen Tod und sprang hinab aus der Höhe.

Ursach schrieb man der Mutter zu, die mit Verführung und Künsten,

Oft abgewiesen, den Sohn in die Äußerste Enge getrieben,

Wo kein Ausweg mehr blieb als der Tod. Drum ward sie geklagt an

Vor dem Senat. Obgleich sie die Kniee der Väter umklammerte,

Jammerte laut um des Mutterherzens Schmerz und die Schwäche

Eines weiblichen Geists, ward dennoch die Strafe vollzogen:

Zehn Jahre sollte sie meiden die Stadt, bis das Alter des jüngeren

Sohnes entschwunden der zarten und gefährdeten Jugend.


V


Schon verließen die Kräfte den Leib des Tiberius, keineswegs

Aber die Kunst der Verstellung. Der Geist blieb starr und gebietend;

Blicke und Worte beherrschte er streng, und die eigene Schwäche

Suchte er oft zu verbergen durch erzwungene Höflichkeit.

Nach viel wechsendem Ort gelangte er endlich ans Vorgebirg

Von Misenum, im Landhaus, das einst dem Lucullus gehört.

Dort ward entdeckt, dass das Ende ihm nah, und folgenderweise:

Charicles war ein Arzt, durch Können berühmt in den Künsten,

Nicht um dauernd zu leiten die schwankende Gesundheit des Kaisers,

Sondern um Rat zu erteilen im Augenblick. Dieser Nun,

So als ging’ er von hinnen im eigenen Dienste, ergriff

Ehrerbietig die Hand und fühlte den Puls des Tiberius.

Jener bemerkt’ es. Ob zornig darob und bestrebt, den Groll zu verbergen,

Bleibt im Ungewissen; doch befahl er zu erneuern das Mahl

Und verblieb an der Tafel noch länger als sonst, um den Freund,

Der nun schied, zu ehren. Charicles aber versicherte Macro:

Kaum zwei Tage noch lebe der Kaiser, der Atem entfliehe.

Alles geriet in Verwirrung; Beratungen fanden statt, Boten

Eilten zu den Legaten und Heeren. Am fünfzehnten Tage

Märzenbeseelung schien er erloschen, der Atem entwichen;

Gaius Caesar schritt schon heraus mit dichtem Gefolge,

Um die Herrschaft als erster zu greifen. Da kam die Nachricht:

Plötzlich kehre Tiberius’ Stimme zurück und die Sehkraft,

Und er verlange nach Speise, zu stärken die zitternden Glieder.

Grauen ergriff nun alle; sie stoben von hinnen nach allen

Seiten, Heuchelei zeigend von Schmerz oder Ahnungslosigkeit;

Gaius Caesar verharrte in stummem Entsetzen, gestürzt

Aus den höchsten Hoffnungen tief in die äußerste Angst.

Macro jedoch, unerschüttert, befahl, den Alten zu ersticken

Unter Haufen von Decken, und alle zu räumen die Schwelle.


VI


So verschied Tiberius, achtundsiebzig der Jahre vollendend.

Nero war ihm der Vater; von beiderlei Seiten entstammte er

Aus dem Claudischen Hause, wiewohl die Mutter durch Adoption

Erst in die Livische Gens, dann in die Julische überging.

Schon in frühester Kindheit begleitete wechselndes Schicksal

Seine Schritte: Als Flüchtling folgte dem ächteten Vater er nach;

Später, aufgenommen im Hause Augusts als Stiefsohn,

Musste er kämpfen mit vielen Rivalen, solange Marcellus,

Später Agrippa, dann Gaius und Lucius blühten im Ruhm.

Auch sein Bruder Drusus genoss der Bürger Neigung in höherem Maße.

Doch am gefährdetsten stand er nach der Vermählung mit Julia,

Sei es, dass er die Schande erduldet’, sei es, dass er ihr entfloh.

Nach der Wiederkehr aus Rhodes beherrschte er zwölf der Jahre

Das nun erbenlose Haus des Kaisers, sodann die römische Welt

Unbeschränkt fast dreiundzwanzig Jahre hindurch.

Auch sein Charakter wies wechselnde Zeiten auf: Glänzend das Leben,

Gut der Ruf, solange als Bürger und Inhaber hoher Ämter

Unter Augustus er lebte; verschlossen und tüchtig im Schein

Der Tugenden, solange Germanicus lebte und Drusus.

Wiederum, da die Mutter noch lebte, wogten des Guten

Und des Bösen Kräfte in ihm; berüchtigt durch Härte,

Hüllte er Unzucht in Schweigen, solange er Sejanus liebte und fürchtete.

Schließlich stürzte er tief in jegliches Verbrechen und Schande,

Als er, von Furcht und Scham befreit, nur den eigenen Neigungen folgte.



EVI


Evi, was hab ich noch mit dir zu tun?

Du lässt die Worte wie Steine fallen,

kalt und knapp, ohne Rast und Ruh,

wenn deine Nachrichten bei mir erschallen.


Kein Schritt, der dich zu meiner Türe lenkt,

kein Blick, der eine Brücke baut.

Kein echtes Gespräch, das Nähe schenkt,

kein Ton, der meinem Herzen vertraut.


So geh nun ruhig deine eignen Wege,

such dein Glück auf deiner Bahn.

Ich wandre fort auf meiner Pfade Pflege,

wo wir uns einst ganz nah gewesen warn.


Der Wind verweht, was uns verband,

ich lass dich los und ziehe weiter.

Ich reiche dir nicht mehr die Hand —

mein eigner Weg wird wieder heiter.



JURI


Als Israel jung war, 

gewann ich ihn lieb 

und rief meinen Sohn 

aus Ägypten. 

Ich hatte Ephraim 

laufen gelehrt 

und sie auf meine Arme genommen. 

Aber sie merkten nicht, 

dass ich sie heilte. 

Mit menschlichen Seilen zog ich sie, 

mit Stricken der Liebe. 

Ich half ihnen das Joch 

auf ihrem Nacken tragen. 

Ich neigte mich zu ihm 

und gab ihm zu essen. 



HEIKE


Der Juri hat sich arg vertreten,

die Ferse schmerzt, er muss verbluten?

Nein, zum Glück ist Heike da,

die Rettung ist schon ganz nah!

Sie holt die Binde, wickelt fein,

den Fuß in weichen Verband ein.

Ein sanfter Druck, ein Knoten drauf –

schon hört das viele Jammern auf.

Nun ruht der Juri auf dem Sofa gut,

weil Heikes Pflaster Wunder tut!



JURI


ach mein sohn jonathan

ach jonathan mein sohn

deine liebe war

mir wundervoller

als frauenliebe



WIEN


Von Passau aus rollt schnell der Tritt,

zwei Räder fliegen leise mit.

Christin und Malek, Hand in Hand,

durchs weite, blaue Donauland.


Die Mutter Natur so still und schön,

wo grüne Ufer weitergehn,

ein sanftes Gleiten, Wind im Haar,

die Welt scheint friedlich, hell und klar.


Doch schlagartig ändert sich der Lauf,

in Wien hört die Idylle auf!

Der Radweg voll, die Straßen laut,

wo man auf raschen Durchgang baut.


Verkehr und Trubel, Hektik pur,

was blieb von jener stillen Spur?

Ein Riesenstress im Großstadtlicht –

vergessen wird die Donau nicht!



HBGF


die von gottes gnade

in fremder zunge stammelnde


und der kleine speer

und der sohn des falken



GLUCKE


Ich sprach zu Karine am Küchentisch,

bei Kaffee und Krümeln, ganz ruhig und frisch:

„Ich bin für die Kinder kein Vaterbild,

kein strenger Erzieher, dem Maßstab gilt.

Eher wie eine Großmutter, sanft und gewogen,

hab ich sie mit Liebe und Nachsicht erzogen.“


Karine sah mich an und lachte laut auf:

„Ein Großmutter-Typ? Da kommst du nicht drauf!

Vergiss die Legende, vergiss das Klischee,

wenn ich dich bei meinen Kindern da sehe.

Du bist keine Omi mit Kuchen im Schoß –

du bist eine Glucke, verdammt noch mal, groß!“


Sie hat wohl recht, ich scharre und wache,

behüte die Küken bei jeder Sache.

Nicht Opa, nicht Vater, nicht Oma im Lehnstuhl –

sondern das Huhn auf dem familiären Hochstuhl.



PROFESSORINNEN


sie können nicht glauben 

was es eine schöne sache 

um einen Professor ist. 

Ich binn ganz entzückt geweßen 

da ich einige von diesen leuten 

in ihrer Herrlichkeit sah.



HEIKE


Ein Name wie ein leises Versprechen,

Herrin des Hauses, wo Herzen nicht brechen.

Wo Türen stets offen, die Arme geschlossen,

hat sie ihr Licht in die Straße gegossen.


Der gute Engel der Nachbarschaft,

bringt Trost und Lachen, Wärme und Kraft.

Kein Stuhl bleibt leer, kein Blick bleibt trüb,

wo Heike wacht, da wird man geliebt.


Die das Lachen liebende Venus im Schein

lässt Freude und Schönheit im Alltag sein.

Ein Augenzwinkern, ein strahlender Blick –

mit ihr zieht in die Herzen das Glück.



BALLADE VOM RÄUBER TIBURZI


Ich singe euch von einem edlen Räuber,

der einst mein Heimatland beherrscht hat ganz,

man nannte ihn den König der Maremma,

und dreißig Jahre wahrte er den Glanz.


Er ließ das Herz der feinen Herren zittern

und brachte Brot den Armen in der Not,

bekam dafür Verrat und süße Liebe,

ein Mann, den man im Volke nie vergaß.


Domenico Tiburzi war sein Name,

und in den Nächten, düster und voll Grauen,

das Sturmgewehr fest an das Herz gedrückt,

trotzte dem Schicksal er mit Gottvertrauen.


Wenn ihm der Regen kalt ins Antlitz peitschte,

zog er sich tief in seine Höhle zurück,

dachte ans Lächeln seiner lieben Mutter,

an seine Frau und fernes Freiheitsglück.


Die Freiheit, die er eines Morgens verlor,

als schnödes Pech ihm auf der Lauer lag,

auf einem weiten Feld des reichen Herrn,

wo eine Handvoll Gras sein Schicksal brach.


So lernte er mit dreißig Jahren das Zuchthaus kennen,

die Seele schrie laut gegen das Unrecht an,

die Eisengitter wurden ihm zu Pappe,

und wie ein freier Vogel flog er davon.


Er schlief im Freien unter hellen Sternen,

der dichteste Wald nahm ihn schützend in den Schoß,

er wurde stolzer Herrscher der Maremma,

die ihm zu Füßen lag, gar friedelos.


Doch ach, die Zeit verfliegt so rasend schnell,

sie kennt kein Mitleid, weder Held noch Räuber schont sie,

so dass die Sage vom kühnen Tiburzi

allein bis heute bei uns übrig blieb.


Man sagt, an einem Abend bei Forane,

als er recht froh mit seinen Freunden saß,

beim scharfen Bellen seines treuen Hundes,

der Hinterhalt zuschlug, der ihm das Leben nahm.


Mit grauen Haaren und mit traurigen Augen

und einem Gedanken, den niemand je erfährt,

wurde er ausgestellt der Schaulust aller,

wie ein seltenes Tier, das man entehrt.


Fest festgebunden an ein altes Holz,

damit sein Volk ihn noch einmal erblicke,

gab es gar manche, die aufrichtig weinten,

und andre, die noch fürchteten seine Tücke.


So trug man ihn hinaus zum Gottesacker,

ohne ein Wort, ohne des Pfarrers Segen,

zur Hälfte nur in geweihter Erde,

die andre Hälfte muss im Fluche liegen.


Und ich, der diese Zeilen tief aus dem Herzen schrieb,

weiß wohl, dass niemand ihn jemals vergisst,

und wer einst geht an jenen alten Mauern,

ihm eine Blume schenkt und ihn vermisst.



FRANZISKA TIBURTIUS

ÄRZTIN UND FRAUENRECHTLERIN


In Berlin zerbrach ein alter Bann,

wo Medizin nur Männern stand.

Ein Geist, der stolz nicht weichen kann,

bahnte den Weg mit mutiger Hand.


Franziska, Kind von Rügenland,

sah Not, die leise Frauen litten.

Wo Wissenschaft die Freiheit fand,

hat sie ums Recht zu heilen gestritten.


Kein deutsches Tor stand ihr noch offen,

sie zog hinaus nach Zürcher Kunst,

hat dort studiert, gekämpft, gehofft,

und erwarb der Heilkunst Gunst.


Zurück im Preußen jener Tage,

verweigerte man ihr den Titel.

Sie heilte dennoch ohne Frage

im schlichten, weißen Praxiskittel.


Sie öffnete für Volk und Arme

die Poliklinik voller Licht,

mit klugem Geist und viel Erbarmen,

beugte vor keinem Vorurteil sich.


Als Ärztin und als Pionierin

strebte sie unermüdlich voran,

dass jede Frau als Vorreiterin

ihr eigenes Leben gestalten kann.


Ein Denkmal ist ihr Werk geblieben,

ihr Name strömt wie Mut durchs Land:

Frau Tiburtius hat Geschichte geschrieben

mit scharfem Verstand und sanfter Hand.



EVI


Ein Sanftmut war’s, ein leises Licht,

2000, als Evi mir versprach,

dass friedvoll sie mein Herze bricht,

wenn sie ein sanftes Wort nur sprach.


Demütig ging sie Hand in Hand,

kein lauter Ton, kein scharfer Streit,

ein Engel, den ich damals fand,

gehüllt in Zeit und Seligkeit.


Doch Jahre zogen durch das Land,

die Sanftmut wich, die Stirn wird klar,

sie nahm ihr Schicksal in die Hand

und steht nun, unverstellt und wahr.


Aus Stille wurde Wortgewalt,

aus Demut wird ein eignes Ich.

Sie fordert Raum, sie macht nicht halt,

und streitet laut und königlich.


Ein Seufzer hallt im Weltenlauf,

Malek nickt schmunzelnd, kennt den Lauf:

„So sind sie wohl, wenn’s Lebensrad

die Fünfzig überschritten hat.“



ROXANA


Hinter schweren Gittern, im dunklen Raum,

pflegst du das Leben, zerbrechlich wie ein Traum.

Wo manche nur Schuld und Schatten seh’n,

bleibst du, Roxana, voll Hoffnung steh’n.


Deine helfenden Hände, dein ruhiger Blick,

bringen verlorenen Seelen ein Stück Wärme zurück.

Du heilst die Wunden, du linderst den Schmerz,

trägst Barmherzigkeit tief in deinem Herz.


Und leise spricht Jesus: „Ich war dort im Licht,

doch du vergaßest mich im Dunkeln nicht.

Ich war im Gefängnis, einsam und krank,

du hast mich gepflegt – hab für immer Dank.


Was du den Geringsten an Liebe schenkst,

wenn du schweigend an die Vergessenen denkst,

das hast du mir selber in Treue getan,

du sahst mich in jedem Menschen an.


Tritt ein, liebe Seherin, hör meinen Ruf,

in die Freude des Meisters, der das Leben erschuf.

Dein Dienst war mein Trost in der düsteren Nacht,

du hast mein Licht in die Tiefe gebracht.“



YVONNE


Polen hütet still den Glauben,

felsenfest in Strum und Nacht.

Mallorca schenkt den gold’nen Süden,

der das Herz zum Blüh‘n gebracht.


Und Deutschland? Wo sind seine Denker,

wo der Dichter stolzes Wort?

Sie ruhen tief in alten Büchern,

ein blasser Geist an fremdem Ort.


Was uns noch bleibt im kalten Lande,

ist weder Glauben noch das Licht –

nur eine Sehnsucht, die uns treibt,

bis sie an deiner Schönheit bricht.



DIE SONNE


Wir saßen am Ufer,
Malek und ich.

Das Meer verschlang den Tag,
Farben wie brennendes Glas.

„Ein kleiner Weltuntergang“,
flüsterte ich in den Wind.

Er sah mich an, lächelte leise:
„Und doch geht sie wieder auf.“

Ich blickte auf die spiegelnde See:
„Und doch versinkt sie immer wieder.“



DIE ROTE TARA MIT PFEIL UND BOGEN


Sie zieht die Sehne ohne Hast,

im Blick die stille Leere,

wo jedes Wollen schwindet fast

und Raum wird frei von Ehre.


Als Zen-Meisterin des Augenblicks,

aus Sinnen und Spüren,

braucht sie kein Ziel des äußeren Glücks,

um sicher durchzuführen.


Die rote Tara spannt den Bogen,

ihr Pfeil schnellt durch die Nacht,

hat nie ein Lebewesen betrogen,

kein Tier um den Schlaf gebracht.


Sie zielt auf keinem Menschenleib,

kein Blut will sie vergießen;

ihr einziges Beutegut bleibt,

das Ego zu durchschießen.


Das harte Ich, der stolze Wahn,

zerbricht in ihrem Licht,

weil ihre Kraft auf sanfter Bahn

die alte Täuschung bricht.


Denn wo sie ihre Waffe lenkt,

da blüht nur sanfter Schein:

Ihr Pfeil, der tief die Liebe schenkt,

ist nur aus Lotus rein.




HYMN TO GODDESS ANNALENA


O Giver of Food, Eternal and Graceful,

Whose hands hold the vessel of endless delight,

You nourish the earth with the breath of your mercy,

And banish the shadows of famine and night.


I

In the court of Kashi, where sacred waters flow,

You sit as the Queen of all bounty and grace.

From the golden scoop in your radiant fingers,

Sustenance pours for the human race.

No soul goes unfed in the light of your presence,

No vessel stays empty, no spirit undone;

You feed every creature with love boundless as skies,

More warm than the hearth, more bright than the sun.


II

Partner to Shiva, the mendicant King,

You offer the alms that sustain all the worlds.

In the weave of your sari, the green of the fields,

In the flash of your smile, creation unfurls.

You are the pulse in the grain of the wheat,

The sweetness of milk, the fruit on the vine,

The quiet compassion that satisfies hunger,

And turns simple bread into mercy divine.


III

Mother of Plenty, look down on our needy,

Fill every hearth with the warmth of your care.

Teach us to share from the abundance you give us,

So none walk in hunger, and none in despair.

Salutations to you, O Provider Supreme,

Whose compassionate heart is a shoreless sea—

Annalena, Great Goddess, sustain us in body,

And nourish our spirits to set our souls free.



TOM


TOM kommt vom jüdischen Namen Thomas, 

das heißt auf hebräisch: Zwillingsbruder. 

Der heilige Thomas war ein Freund von Jesus, 

der Jesus so ähnlich war, dass man ihn 

den Zwillingsbruder von Jesus nanntew.



PROTESTANTEN


„Schreibt man ihnen weltliches, so schreiben sie zurück.
Schreibt man ihnen von Gottes Weisheit, so schweigen sie.“


Angelus Silesius



IRDISCH GESINNTE CHRISTEN


Der irdisch gesinnte Mensch aber 

erfasst nicht, was vom Geist Gottes kommt. 

Torheit ist es für ihn 

und er kann es nicht verstehen, 

weil es nur mit Hilfe des Geistes 

beurteilt werden kann. 


Der geisterfüllte Mensch aber 

urteilt über alles, 

ihn selbst vermag niemand zu beurteilen. 

Denn wer begreift den Geist des Herrn? 




Maria als Hilfe der Christen

Tritt zu mir, Mutter, wenn die Nacht mich deckt,
Wenn alle Freunde stumm von hinnen gingen,
Wenn mich die Leere dieser Welt erschreckt
Und keine Stimmen mehr mein Ohr umringen.
Du standest einsam unter Kreuz und Holz,
Verlassen von der Welt und allen Jüngern,
Du brachst nicht ein vor Schmerz und Menschenstolz,
Gabst dich ganz hin in Gottes heilgen Fingern.

So blicke nun auf meine Einsamkeit,
Ich bin mit fünfzig Jahren ganz verlassen.
Tröst mich, O Maria, in der Erdenzeit,
Lass mich den Geist des Trösters neu umfassen.
Sei mir die Zuflucht, wenn der Mut mir bricht,
Führ mich am Schild der Hilfe durch das Dunkel,
Bis durch die Trauer bricht dein klares Licht
Und Gott mein Herz belebt im Sternengefunkel.



AN M*


Der Rat des Psychiaters


Sie kommen mit dunkler, bleierner Last,

die keine Erholung, kein Atmen belässt.

Der Arzt sieht Sie an, greift kurz nach dem Stift,

und hat schon bereit das bewährte Rezept.


Er nickt nur verständig, schreibt knapp eine Zeile,

als ob man die Seele im Flug schnell geheilt:

„Stehn Sie nur auf, greifen Sie zu!

Im Fleiß liegt die Rettung, im Handeln die Ruh’.


Vergessen Sie Grübeln, vergessen Sie Schmerz,

ein voller Kalender kuriert auch das Herz.

Arbeit ist Medizin, Tag für Tag –

wer tüchtig schuftet, versinkt nicht im Schlag!“


Er meint es wohl gut, doch der Ratschlag verpufft,

wenn selbst schon das Aufstehn wie Berge sich türmt.

Denn wer in der Tiefe nach Hoffnung nur sucht,

dem fehlt für den Hammer die eigene Kraft.


Vielleicht braucht die Seele nicht Leistung noch Satz,

sondern Stille, Verständnis und einfach nur Platz.


AN DEN SONNENGOTT TOMAS


(für Tom)


O du Erhabener, Tomas der strahlenden Bahnen,

der du das Dunkel der Erde mit Starlight zerbrichst,

wir neigen die Häupter vor deinen goldenen Fahnen,

wenn du das Schweigen der Nacht in Aurora zerbrichst.


Dein Antlitz ist Glut, ein unendliches Feuer,

das Leben erweckt aus dem schlafenden Stein,

Tomas, der Meister, das heiligste Steuer,

lenkt den Sonnenwagen trunken vor Schein.


Vom First des Olymps bis in tiefste Täler

gießt du dein flüssiges Licht in die Welt,

machst Schatten zu Geistern und Zweifler zu Erwählten,

unter dem strahlenden Saphir-Himmelszelt.


So brennen wir, Tomas, in deinem Reiche,

ein Funke nur selbst, doch erhoben durch dich,

bis du am Abend im Purpur der Eiche

versinkst – und der Kosmos dein Loblied spricht.



MUTTER KALI


I


Aus der Nacht deiner Haut bricht das rettende Licht,

Kali-Ma, meine Mutter, ich fürchte dich nicht.

Du tanzt auf dem Schlachtfeld im purpurnen Wein,

und schlägst all die Dämonen des Egos mir ein.


Deine Kette aus Schädeln, der Rock voller Hände,

setzt meiner Täuschung ein gnädiges Ende.

Mit der scharfen Sichel trennst du die Welt

von all der Illusion, die meinen Geist gefangen hält.


Wenn die Schakale heulen im morgendlichen Tau,

erkenn ich dein Rufzeichen, göttliche Frau.

Du bist die Zeit, die das Irdische frisst,

und doch die Liebe, die niemals vergisst.


Unter deinen Füßen liegt Shiva ganz still,

weil er nur dich als seine Shakti will.

Tot wie ein Leichnam ohne deinen Schritt,

nimmt er als Leben deinen Herzschlag mit.


So streckst du die Zunge voll Schrecken heraus

und machst aus der Asche mein ewiges Haus.

Deine rechte Hand hebt sich zum Segen empor,

du öffnest dem Kinde das innere Tor.


Nimm mich in die Arme, du dunkle Gestalt,

deine Strenge ist Schutz, deine Mattheit Gewalt.

Lass mich vergehen in deinem ewigen Schoß,

denn nur in deinem Tode bin ich frei und groß.



II


Schwarze Mutter des Alls, aus der Stirn der Rose geboren,

In deiner dunklen Tiefe hab ich mich verloren.

Du tanzt auf den Feldern der sterblichen Zeit,

Eine göttliche Kraft in der Unendlichkeit.


Mit vier wilden Armen hältst du Schale und Schwert,

Kein Schein dieser Erde ist dir heilig und wert.

Deine Kette aus Schädeln zählt jedes Vergehen,

Im Spiegel des Todes lässt du Wahrheit entstehen.


Du bist Raktabijas Untergang, das ewige Blut,

Das trankst du hinweg mit göttlicher Wut.

Was Dämonen gebaren, was den Geist mir zerfrisst,

Vernichtest du gnädig, weil du Mutter bist.


Wenn die Schakale heulen am dämmernden Morgen,

Sind in deinem Schatten all meine Sorgen.

Dein Drittes Auge brennt tief durch die Nacht,

So ist das schlafende Herz in mir endlich erwacht.


Du trittst auf den Leib deines Herrn ohne Scheu,

Shiva erwacht unter dir ewig neu.

Denn ohne deine Shakti ist der Gott nur ein Stein,

Erst durch dein wildes Tanzen hauchst du Leben ihm ein.


Du streckst deine Zunge in Scham über ihn

Und lässt alle Schleier der Täuschung entfliehn.

Deine Sichel durchschneidet das Band meiner Welt,

Bis die Hülle des Egos in Stücke zerfällt.


Doch deine rechte Hand hebt sich segnend empor,

Flüstert Trost mir ins Herz, singt den ewigen Chor.

Du bist die Zeit, die das Irdische frisst,

Und die Liebe, die niemals den Pfad vergisst.


Ich komme als Kind, ohne Waffe und Wehr,

An den Rand deiner Nacht, an dein endloses Meer.

O Kali-Ma, nimm mich, mach das Irrsal zunichte,

In deiner Vernichtung werd ich ewig im Lichte.



PASTOR ANDREAS


Die alten Mauern, einst als ew'ger Fels gedacht,

sind unter Eigensinn und Habgier tief gekracht.

Wo Wahrheit wohnen sollte, herrschte stolzer Schein,

und Macht spannt’ stets das Heil in ihre Zwänge ein.


So brach das Band, das nur noch Zwang zusammenhielt,

weil man mit heil’gem Gut um schnöde Schätze spielt’.

Der Aufbruch rief nach Klarheit, suchte festen Grund,

doch weht der alte Geist durch manchen neuen Bund.


Denn wo der Mensch sich Gott als Werkzeug anverwandelt,

wird rasch auch neue Lehre zweckhaft ausgehandelt.

Ob große Kathedrale oder kleine Schar:

Die Versuchung bleibt, wo stets der Mensch am Werke war.


Nimm es mit kühlem Blick, doch trage keine Schwere —

die Wahrheit bleibt bestehen, trotz aller falschen Lehre.

Lass dich’s nicht verdrießen, sieh die Welt, wie sie erfunden,

und suche fern von Macht dein Fundament in diesen Stunden.



GEH AUS MEIN HERZ


Tritt hinaus in den Sommertag, liebes Herz, und öffne dich für die Freude. Die Welt um dich her steht in voller Blüte: Sorgsam geschmückte Gärten entfalten ihre Pracht, dichte Laubkronen spenden Schatten, und der frische Teppich des Grüns bedeckt die Erde. Selbst die farbenprächtigen Narzissen und Tulpen beschämen in ihrer schlichten Geschöpflichkeit den Prunk königlicher Seide.

Allenthalben erwacht das Leben. Die Lerche schwingt sich jubelnd in die Lüfte, Tauben suchen die Wälder auf, und der Vielgesang der Nachtigall schallt über Berge, Hüler und Felder. Die Glucke führt behutsam ihre Küken ins Freie, Störche nisten auf den Dächern, Schwalben versorgen ihre Brut, und aus den Berghängen springen Hirsch und Reh leichtfüßig ins hohe Gras. Klare Bäche rauschen über kieseligen Sand, geschmückt von schattigen Myrten am Ufer, während auf den angrenzenden Wiesen der freudige Ruf der Hirten und ihrer Herden widerhallt. Unermüdlich summen die Bienen von Blüte zu Blüte, um Honig zu sammeln, und im jungen Holz der Reben reift der kräftige Saft heran. Das Getreide wächst kraftvoll auf den Feldern – ein Anblick, der Alt und Jung mit Jubel erfüllt und zum Lobpreis für die überfließende Güte des Schöpfers bewegt.

Angesichts dieser Fülle kann auch die eigene Seele nicht ruhen. Wenn die gesamte Natur in einen einzigen Lobgesang einstimmt, dringt der Dank unverstellt aus dem Herzen. Doch die Schönheit dieser Welt weist über sich selbst hinaus: Wenn die Erde, so arm sie auch sein mag, bereits in solcher Pracht erstrahlt, welche Herrlichkeit muss erst im Himmelreich warten? Wie gewaltig muss der Jubel klingen, wenn tausende Seraphim vor dem Thron Gottes ihr ununterbrochenes Halleluja anstimmen?

Der Wunsch ist groß, schon dort zu sein, mit Palmzweigen vor dem göttlichen Thron zu stehen und in den Lobgesang der Engel einzustimmen. Doch solange das Erdenleben andauert, gilt es, auch hier nicht zu schweigen. So wird das Herz an jedem Ort und zu jeder Zeit auf das Gotteslob ausgerichtet. Mit dem Segen des Himmels soll die eigene Seele wie ein wohlgepflegter Garten erblühen, tief verwurzelt als guter Baum, der reiche Früchte des Glaubens bringt. Gestärkt durch diese Gnade bleibt der Blick gerichtet auf die Vollendung im Paradies, um Gott an Leib und Seele auf ewig zu dienen.



MARIEN TOD


(für Dr. Michael Hesemann)


Nicht Erfindung späterer Kirchenmacht,

sondern Zeugnis der ersten Jahrhunderte Nacht:

Die Transitus-Berichte erzählen ganz klar,

wie es damals im Felsengrab wirklich war.


Die Mortalisten behalten das Recht:

Maria verstarb als des Herren Knecht,

Ein natürlicher Tod, ein leiser Hauch,

So wie ihr Sohn einst gestorben auch.

Denn frei von der Sünde zu sein auf der Welt,

Schützt nicht vor dem Tod, der den Leib entstellt.


Am Fuße des Ölbergs, tief in dem Stein,

Betten sie die Entschlafene ein.

Drei Tage vergehen, die Trauer ist schwer,

Da eilt noch der Apostel Thomas her.

Er will sie noch sehen, ihr nahe sein,

Sie wälzen beiseite den schweren Stein.


Doch leer ist die Bank, kein Leichnam liegt dort,

Der Leib der Mutter ist aufgegangen fort!

Wo sie gelegen, wo Düfte wehen,

Nur ihr Gürtel und blühende Rosen stehen.


Drum hat auch Pius das Dogma geprägt,

Das die Wahrheit der alten Berichte hegt:

Mit Leib und mit Seele zum Himmel erhoben –

Erst durch den Tod in die Herrlichkeit droben.



DIE GÖTTIN NANÄA


Der König zog gen Osten hin,

Von Gold und Stolz erfüllt der Sinn.

Antiochus, der Herrscher kühn,

Sah in Elymais Tempel blühn.

Er trat vor ihren heil’gen Hain

Und wähnte bald, ihr Gemahl zu sein.


„Ich bringe Gold, ich bringe Macht,

Die Brautgabe in dieser Nacht!

Die Göttin Nanäa wähl’ ich mir,

Mein Reich und Leben schenk’ ich ihr!“

So rief der König voller Wahn,

Und trat an ihren Altartron.


Doch wer die Himmelsbraut begehrt

Aus Gier nach Goldschatz und nach Schwert,

Der spürt den Zorn der ew’gen Macht,

Die stumm im Heiligtum erwacht.

Die Priester schlossen schwer das Tor,

Ein dunkler Schatten stieg empor;

Ein Schlag aus dem Verborgnen traf

Den König im verhängten Schlaf.

So brach sein Stolz, sein Geist verglommen,

Der Vorwitz endete beklommen.


O Nanäa, Stern der Nacht,

Die in Susa und in Persepolis wacht!

Mutter der Erde, Herrin der Luft,

Dein Mantel gewebt aus Rosen und Duft.

Tochter des Himmels, der Wasser Quell,

Dein Blick ist uralt, dein Antlitz hell.


Du trögst die Krone aus Sternenlicht,

Vor deinem Zorne die Hoffart bricht.

Du schenkst das Leben, du lenkst das Glück,

Weist jeden stolzen Erdensohn zurück.

Gütig dem Demüt'gen, stark in der Nacht,

Ewig währt deine heilige Macht.


Große Göttin, im Heiligtum thronst du rein,

Dir soll die Ehr’ und der Lobpreis sein!



DIE NEUJAHRSGESCHENKE DER WAISENKINDER


ARTHUR RIMBAUD


I


Das Zimmer ist voller Schatten; man hört undeutlich das traurige, sanfte Flüstern zweier Kinder. Ihre Stirnen neigen sich nach vorne, noch schwer von Träumen, unter dem langen weißen Bettvorhang, der erzittert und sich hebt... Draußen drängen sich die Vögel frierend zusammen; ihre Flügel sind erstarrt unter dem Grau des Himmels. Und das neue Jahr, mit seinem Schleier aus Nebel, das die Falten seines schneeweißen Gewandes hinter sich herzieht, lächelt durch seine Tränen, zittert vor Kälte und singt...


II


Doch die kleinen Kinder unter dem schwankenden Vorhang sprechen mit leiser Stimme, wie man es in einer dunklen Nacht tut. Nachdenklich lauschen sie wie auf ein fernes Murmeln... Oft erzittern sie vor der klaren, goldenen Stimme der Morgenrufe, die wiederholt ihren metallischen Refrain unter der Glaskuppel schlagen...


Und dann ist das Zimmer eiskalt... Man sieht, hier und da auf dem Boden um die Betten verstreut, Trauerkleidung. Der bittere Winterwind, der an der Schwelle stöhnt, bläst seinen melancholischen Atem ins Haus! Man fühlt bei all dem, dass etwas fehlt... Gibt es denn keine Mutter für diese kleinen Kinder? Keine Mutter voller frischer Lächeln und triumphierender Blicke?


Hat sie letzte Nacht vergessen, als sie sich ganz allein herabbeugte, eine Flamme aus dieser Asche zu entfachen und die Decken und Daunen über ihnen aufzutürmen, bevor sie sie verließ und ihnen zurief: Vergebt mir! Hat sie die Kälte des Morgens nicht vorausgesehen? Hat sie vergessen, die Tür gegen den Winterwind zu schließen? Der Traum einer Mutter ist die warme Decke, das daunenweiche Nest, in dem die Kinder, aneinandergeschmiegt wie hübsche Vögel im Wiegen der Zweige, ihren süßen Schlaf voller weißer Träume schlafen. – Und hier? Es ist wie ein Nest ohne Federn und ohne Wärme, in dem den Kleinen kalt ist, wo sie nicht schlafen und sich fürchten; ein Nest, das der bittere Wind gefroren haben muss...


III


Euer Herz hat es verstanden: Diese Kinder haben keine Mutter mehr. Keine Mutter weit und breit!... Und ihr Vater ist fern!... Eine alte Dienstmagd hat sie also unter ihre Fittiche genommen. Die Kleinen sind allein im eiskalten Haus; vierjährige Waisen. Seht, wie in ihren Gedanken nach und nach eine lächelnde Erinnerung erwacht... Es ist wie ein Rosenkranz, den man betend abperlen lässt:


„Ah, was für ein schöner Morgen, dieser Neujahrsmorgen! Jeder hatte in dieser Nacht von seinen Lieben geträumt, in einem seltsamen Traum, in dem man Spielzeug sah, mit Gold bedeckte Süßigkeiten und funkelnde Juwelen – alles drehte sich in einem hallenden Tanz, verschwand hinter dem Vorhang und tauchte wieder auf! Man erwachte am Morgen, stand voller Freude und mit dem Wasser im Munde auf und rieb sich die Augen... Mit zerzaustem Haar und leuchtenden Augen ging man wie an Feiertagen, während die kleinen nackten Füße über den Boden striffen, um leise an die Tür der Eltern zu klopfen... Man ging hinein!... Und dann kamen die Glückwünsche... im Nachthemd, Kuss auf Kuss und jeder Spaß war erlaubt!“


IV


Ach, wie bezaubernd das war, diese so oft gesprochenen Worte! – Aber wie sehr sich das alte Zuhause verändert hat! Früher knisterte ein großes, helles Feuer im Kamin, sodass das alte Schlafzimmer ganz davon erleuchtet war; und der rote Schein der großen Feuerstelle spielte auf den glänzenden Möbeln... Es steckte kein Schlüssel im Schrank!... Der große braune Schrank ohne Schlüssel!... Man starrte immer wieder auf die dunkelbraune Tür... Kein Schlüssel!... Das war seltsam!... Man grübelte über die Geheimnisse nach, die in seinen hölzernen Wänden schliefen; und man meinte, aus dem Grund des riesigen Schlüssellochs ein fernes Geräusch zu hören, ein undeutliches und freudiges Murmeln...


Das Schlafzimmer ihrer Eltern ist jetzt völlig leer: Kein roter Schein leuchtet mehr unter der Tür hervor; es gibt keine Eltern, kein Feuer, keine versteckten Schlüssel – und so gibt es auch keine Küsse mehr und keine angenehmen Überraschungen! Oh, wie traurig ihr Neujahrstag sein wird! Und während stumm eine bittere Träne aus ihren großen blauen Augen fällt, murmeln sie traurig: „Oh, wann kommt unsere Mutter zurück?“...


V


Jetzt schlummern die Kleinen traurig vor sich hin. Wenn man sie so sieht, könnte man meinen, sie weinen im Schlaf – so geschwollen sind ihre Augen, so mühsam ist ihr Atem! Kleine Kinder haben solch empfindsame Herzen! Doch der Schutzengel der Wiege kommt, trocknet ihre Augen und legt einen glücklichen Traum in ihren schweren Schlummer. Ein so freudiger Traum, dass ihre halb geöffneten Lippen lächelnd etwas zu murmeln scheinen.


Sie träumen, dass sie – gestützt auf ihre kleinen, runden Arme, in der süßen Gebärde des Erwachens – den Kopf heben und sich sanft umsehen... Sie scheinen in einem rosaroten Paradies eingeschlafen zu sein... Das Feuer knistert lustig im hellen Kamin... Durch das Fenster sieht man dort drüben einen herrlichen blauen Himmel; die Natur erwacht und berauscht sich wieder am Sonnenlicht... Die Erde, halb entblößt und glücklich, wieder zu leben, erzittert vor Freude unter den Küssen der Sonne.


Im alten Zuhause ist alles warm und aufgewühlt: Keine Trauerkleidung liegt mehr auf dem Boden verstreut, und der Zugwind hat endlich aufgehört, unter der Tür zu stöhnen... Man könnte meinen, eine Fee sei vorbeigekommen!...


Die Kinder stoßen voller Glück zwei Schreie aus... Hier, nahe am Bett ihrer Mutter, in einem wunderschönen rosaroten Lichtstrahl, hier auf dem großen Teppich glänzt etwas... Es sind zwei silberne Tafeln, schwarz und weiß, die von Perlmutt und Gagat funkeln; kleine schwarze Rahmen und Kränze aus Glas, mit drei in Gold eingravierten Worten: „AN UNSERE MUTTER“



RIMBAUD: SONNE UND FLEISCH


Die Sonne, dieser Herd der Zärtlichkeit und des Lebens, gießt ihre brennende Liebe über die entzückte Erde aus. Wenn man im Tal liegt, spürt man, wie die Erde mannbeschlafbar ist und von Blut überquillt. Ihre unermessliche Brust, von einer Seele gehoben, ist voller Liebe wie Gott und voller Fleisch wie die Frau; schwanger von Saft und Strahlen birgt sie das große Wimmeln aller Keime.


Und alles wächst, alles steigt empor!


O Venus, o Göttin! Ich trauere um die Zeiten der antiken Jugend, um die wollüstigen Satyrn und tierhaften Faune – Götter, die vor Liebe in die Rinde der Zweige bissen und in den Seerosen die blonde Nymphe küssten! Ich trauere um die Zeiten, als der Saft der Welt, das Wasser der Flüsse und das rosa Blut der grünen Bäume das Universum in die Adern von Pan gossen; als der Boden grün unter seinen Ziegenfüßen bebte; als seine Lippe leise die helle Syrinx küsste und unter dem Himmel die große Hymne der Liebe anstimmte; als er auf der Ebene stand und um sich her die lebendige Natur auf seinen Ruf antworten hörte; als die stummen Bäume den singenden Vogel wiegten, die Erde den Menschen, der blaue Ozean und alle Tiere liebten – liebten in Gott!


Ich trauere um die Zeiten der großen Cybele, von der man sagte, dass sie, riesenhaft schön, auf einem großen bronzenen Wagen die prächtigen Städte durcheilte. Ihre Zwillingsbrust ergoss in die Unendlichkeiten das reine Strömen des unendlichen Lebens. Glücklich saugte der Mensch an ihrer gesegneten Brust, wie ein kleines Kind, das auf ihren Knien spielt. Weil er stark war, war der Mensch keusch und sanft.


Elend! Jetzt sagt er: „Ich weiß die Dinge“, und geht dahin mit geschlossenen Augen und verstopften Ohren. Und doch: keine Götter mehr! Keine Götter mehr! Der Mensch ist König, der Mensch ist Gott! Aber die Liebe – das ist der große Glaube!


Oh, wenn der Mensch doch noch an deiner Brust tränke, große Mutter der Götter und Menschen, Cybele! Wenn er nicht die unsterbliche Astarte verlassen hätte, die einst im unermesslichen Licht der blauen Wogen auftauchte – eine Fleischblume, die die Welle parfümiert –, ihren rosafarbenen Nabel zeigte, auf den der Schaum wie Schnee fiel, und als Göttin mit den großen, siegreichen schwarzen Augen die Nachtigall in den Wäldern und die Liebe in den Herzen zum Singen brachte!


Ich glaube an dich! Ich glaube an dich, göttliche Mutter, Meeres-Aphrodite! Oh, der Weg ist bitter, seit uns der andere Gott an sein Kreuz spannt. Fleisch, Marmor, Blume, Venus – an dich glaube ich!


Ja, der Mensch ist traurig und hässlich, traurig unter dem weiten Himmel. Er trägt Kleidung, weil er nicht mehr keusch ist, weil er seine stolze Götterbrust beschmutzt und seinen olympischen Körper in schmutziger Knechtschaft geschrumpft hat wie ein Idol im Feuer! Ja, selbst nach dem Tod will er in den blassen Skeletten weiterleben und beleidigt so die erste Schönheit! Und das Idol, in das du so viel Jungfräulichkeit gelegt hast, in dem du unseren Ton verweiblicht und vergöttlicht hast – damit der Mensch seine arme Seele erleuchten und langsam in einer unermesslichen Liebe aus dem irdischen Gefängnis zur Schönheit des Tages emporsteigen kann –, die Frau weiß nicht einmal mehr, wie man eine Kurtisane ist!


Es ist ein guter Witz! Und die Welt kichert beim süßen und heiligen Namen der großen Venus!


Wenn die Zeiten doch zurückkehrten, die Zeiten, die gewesen sind! Denn der Mensch ist am Ende, der Mensch hat alle Rollen gespielt! Am hellichten Tag, müde vom Zerschlagen der Idole, wird er auferstehen, frei von all seinen Göttern. Und da er vom Himmel stammt, wird er die Himmel erforschen! Das Ideal, der unbesiegbare, ewige Gedanke, all der Gott, der unter seinem fleischlichen Ton lebt, wird emporsteigen, wird unter seiner Stirn brennen! Und wenn du siehst, wie er den gesamten Horizont ergründet – frei von alten Jochen, frei von jeder Furcht –, wirst du kommen, um ihm die heilige Erlösung zu schenken!


Splendid, strahlend wirst du aus dem Schoß der großen Meere auftauchen und über das weite Universum die unendliche Liebe in einem unendlichen Lächeln ergießen! Die Welt wird wie eine unermessliche Lyra im Erzittern eines unermesslichen Kusses vibrieren: Die Welt hat Durst nach Liebe, und du wirst kommen, um sie zu stillen.


O Pracht des Fleisches! O ideales Leuchten! O Erneuerung der Liebe, triumphierende Aurora, wo die weiße Kallipygos und der kleine Eros – die Götter und Helden zu ihren Füßen beugend – mit dem Schnee der Rosen bedeckt über die Frauen und Blumen streifen werden, die unter ihren schönen Füßen erblühen!


O große Ariadne, die du deine Tränen an den Strand wirfst, während du dort drüben auf den Wellen das Segel des Theseus weiß unter der Sonne fliehen siehst; o süßes Kind und Jungfrau, die eine einzige Nacht zerbrochen hat, schweige! Auf seinem goldenen, mit schwarzen Trauben gestickten Wagen lässt sich Lysios durch die phrygischen Felder von wollüstigen Tigern und roten Panthern fahren und rötet die dunklen Moose entlang der blauen Flüsse.


Zeus als Stier wiegt auf seinem Nacken wie ein Kind den nackten Körper der Europa, die ihren weißen Arm um den nervösen Nacken des im Meer erzitternden Gottes schlingt. Er wendet langsam sein vages Auge zu ihr; sie lässt ihre blasse, blühende Wange an der Stirn von Zeus ruhen. Ihre Augen sind geschlossen; sie stirbt in einem göttlichen Kuss, und die murmelnde Welle schmückt ihr Haar mit goldenem Schaum.


Zwischen dem Oleander und dem schwatzhaften Lotus gleitet verliebt der große, träumerische Schwan dahin und umarmt die Leda mit der Weiße seines Flügels. Und während Cypris vorbeizieht, seltsam schön, die prächtigen Rundungen ihrer Lenden wölbt und stolz das Gold ihrer breiten Brüste und ihren schneeweißen, mit dunklem Moos bestickten Bauch zur Schau stellt, tritt Herakles der Bändiger vor – stark, seinen gewaltigen Körper wie mit Ruhm mit der Löwenhaut umgürtet, die Stirn schrecklich und sanft zugleich am Horizont!


Vom Sommermond vage erleuchtet, steht die Dryade nackt da und träumt in ihrer goldenen Blässe, die vom schweren Fluss ihrer langen blauen Haare gefleckt wird. In der dunklen Lichtung, wo das Moos sich wie Sterne ausbreitet, blickt sie in den stummen Himmel… Die weiße Selene lässt ihren Schleier furchtsam auf die Füße des schönen Endymion gleiten und wirft ihm einen Kuss in einem blassen Strahl zu… Die Quelle weint in der Ferne in einer langen Ekstase… Es ist die Nymphe, die mit einem Ellbogen auf ihrem Krug von dem schönen, weißen jungen Mann träumt, den ihre Woge umschlungen hat.


Ein Hauch von Liebe ist in der Nacht vorbeigezogen, und in den heiligen Wäldern, im Grauen der großen Bäume, stehen majestätisch die dunklen Marmorstatuen, die Götter, auf deren Stirn der Gimpel sein Nest baut – die Götter lauschen dem Menschen und der unendlichen Welt!




JOSEF


Josef in der Rente

Kennt keine Langeweile.

Er ist keine lahme Ente,

Hat Muskeln wie Stahlseile




Gah ut, mien Hart


1.

Gah ut, mien Hart, söök Freud un Lust

in düt Sommerlicht so bruus,

wo Gott sien Gaven leevkoost;

Kiek an den Goorn sien smuck Gesicht,

wo he för di un mi so licht

sich fein torecht het utroost.


2.

De Bäöm staht vull vun gröön Gemak,

dat Erdreich deckt sien Stof un Dak

mit eenen grönen Kleede;

Narziss un Tulpe smückt sik an,

veel schöner noch as Salomo kann

mit Sieden un mit Seede.


3.

De Lerch de schwingt sik in de Luft,

dat Duuvken flüggt ut deepten Kluft

wohin de Wälder ruuschet;

De Nachtigall mit ehr Gemüt

erfreut dat Land mit ehr Gebeed,

dat Barg un Dal ehr lauschet.


4.

De Kluck de föhrt ehr Küken ut,

de Storch de boot op't Dack sien Huse,

de Schwalv versorgt ehr Jungen;

Dat flinke Reh, de witte Hersch,

kummt ut den Busch so kühn un fersch

ins deepe Gras gesprungen.


5.

Dat Bäkarken ruuscht dör den Sand,

un maalt op fienen Överrand

mit Schaddenbäöm de Stroomkes;

De Wischen liggt so blied un nah,

un klingt vun Schape un Herden da

mit Lüst un Sommerdroomkes.


6.

Dat Immenvolk ganz ohn Verdross

flüggt hen un her, söökt Immenmoss

un ehr een gollen Spise;

De Druvenstok git düchtig Saft

un schenkt dem Reevke ne'e Kraft

op wunderbare Wiese.


7.

De Weeten typt mit Macht in't Land,

daaröver jubelt Oold un Hand

un röömt dat gode Leben

des Herren, de uns so beglückt,

un de dat Hart so riek utsmückt,

wat he uns all hett geven.


8.

Ich kann un mag nich stille stahn,

de Herr hett so veel Goodes tan,

dat weckt mi all de Sinnen;

Ich singe mit, wo alles klingt,

un wat mi deep im Harten springt,

schall ut mi reiner rinnen.


9.

Ach, denk ich, bist du hier so fein,

un lettst uns so veel Freuden sein

op düsse arme Erden;

Wat schall doch wohl nah düsse Tidd

dor in dat Himmelzelt so widd

un gollen Schloss noch werden!


10.

Welch groote Lust, welch hellen Schien

wird wohl in Christi Goorn sin!

Wo mutt dat dor wohl klingen,

wo so veel duusend Seraphim

mit reine Münd un helle Stimm

ehr Halleluja singen?


11.

O wär ich dor! Stünnd ich doch schon,

ach söte Gott, vör dienem Thron

un dröög mien Palmenstäve!

Den Engel gliek söll minen Mund

priesen dien Namen jede Stund

mit Psalmen, de ich gäbe.


12.

Doch wiel ich noch op düsse Eer

drag düt Lief jümmers swaar un deer,

will ich doch gar nich swiegen;

Mien Hart schall sik fort an jeden Oort

un ewig nah dien heilger Woort

zu dinem Lobe neigen.


13.

Help mi un segen minen Geist

mit Segen, de vom Himmel fleegt,

dat ich die stetig blöhe;

Gev, dat de Sommer diner Gnad

in minen Seel froh un ook laat

veel Glaubensfrüchte tehe.


14.

Maak in mi dinem Geiste Ruum,

dat ich dir warr een gooden Boom,

un laat mi Wurteln drieven;

Gev, dat zu dinem ruhmreichen Naam

ich diene schöne Goornblöm

un Planten moge blieven.


15.

Erwähl mi för dat Paradeis

un laat mi bis zur letzten Reess

an Lief un Seel noch gröönen,

so will ich dir un diner Ehr

alleen un sonst keen annern mehr

hier un dor ewig deenen.



AN PASTOR ANDREAS ZUM GEBURTSTAG


Nach drei Flaschen Bier kann ich gegen den Papst schreiben.

Luther


Drei Flaschen Bier, der Schaum ist hoch,

die Tinte fließt voll Freud und Mut,

Rom liegt zwar fern, doch trifft es noch:

Der Luther-Geist brennt heiß wie Glut.


Wer braucht schon Bullen, Bann und Prunk,

wenn Wahrheit klar im Glase steht?

Ein kleiner, feiner Gerstentrunk

beflügelt manches Nachtgebet.


Der Papst mag thronen weit im Süd’,

beschützt von Marmor, Samt und Stein,

doch Andreas schreibt ein lutherisch Lied

und schenkt sich noch ein drittes ein.


Kein Ablasskram, kein starrer Zwang,

die Gnad’ allein, das Wort voll Kraft!

So nimmt die Schrift ihren freien Gang,

genährt von Hopfen, Malz und Saft.


Lieber Andreas, bleib wie du bist:

Ein Hirte mit Verstand und Humor,

der herzhaft lacht, der gar nichts vergisst

und tritt mit Mut vor das Himmelstor.


Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!



PSALM VON DER SCHÖNEN JUGEND


(für Juri)


Herr, du hast das Morgenlicht entzündet

und den Tag mit junger Kraft begabt;

deine Milde ist es, die verkündet,

was das Herz an Lebenslust gelabt.


Wie der Tau auf den sich beugenden Halmen,

wenn die Sonne durch die Wipfel bricht,

stimmst du unser Leben an wie Psalmen,

reinstes Gold im frühen Morgenlicht.


Deine Hände gossen aus den Becher,

reich gefüllt mit ungestümem Mut;

aus den tiefen Brunnen aller Zecher

strömt das Dasein wie die helle Glut.


Unbeschwert geht Schritt vor Schritt der Knabe,

lächelnd zieht das Mädchen durch den Hain,

denn die Jugend ist die erste Gabe,

rein vergoldet von dem Lachen dein.


Keine Sorge drückt auf diese Tage,

keine Runzeln überschatten hellen Blick;

fern liegt noch die bittersüße Frage

nach dem Ende von dem Erden-Glück.


Frei wie Adler, die die Lüfte schneiden,

tanzt die Jugend auf dem grünen Plan;

voller Sehnsucht, fern von allen Leiden,

bricht sie auf zu ihrer kühnen Bahn.


Lass uns, Herr, in diesen jungen Jahren

deine Güte preisen ohne Ende,

lass das Herz sich Reinheit stets bewahren,

ehe sich das Alter zu uns wende.


Ehre sei dem Schöpfer aller Zeiten,

der die Jugend wie ein Wunder webt,

uns zu führen durch die Ewigkeiten,

wo das Herz in ew’ger Jugend lebt.




Word Vörjahr


De Eer breckt open. Dör de Glieven stött, schufft un reckt sük dat Gröön herut. In Bomen un Busken is dat an ’t Spruten. Bladen un Blömen willen mit Kracht an dat Lücht. De Sünn reist hoger over de Heven, hör Strahlen worden mit elke Dag warmer. De Vögels trecken hör Bruudkleed an, de Keerls heel kunterbunt, de

Wievkes neet so bunt, man ok rund un gesund.

Du keierst dör de Natuur, föhlst de Warmte up dien Huud un singst, wat di in de Sinn kummt:


Gah to, mien Hart, un söök dien Freid

in disse Vörjahrsprachtergheid.

De Bomen stahen vull in Loov.

De Eer bedeckt de dröge Stoff

mit en heel gröne Kleed.

De Oosterblööm un Tulipan,

de trecken sük vööl mojer an

as Salomon sien Sied.


De Leverkes stiegen in de Höcht, de eerste Filappers flutern vör dien Nöös. Di word so licht um ’t Hart. Du singst un springst, hest tomaal nix as Spijöök in de Kopp.

Vörjahr word ’t!

Daar stufft mitmaal de Goldammer van de Slootskant hoog, goldgeel sünd sein Feren. He harr woll Grund to fleiten, man he giert un röppt! Wat? He röppt um Hülp! Sien Ollske daar unnern in dat Nüst, Froo Goldamme, kann hör Ei neet quiet worden – un se quäält sük so! He klaagt sien Nood de Swager, dat is de Hebammer. Nix enfacher as dat, seggt de Hebammer an de Goldammer, ik haal mien Froo, de Hebamme, de sall dien Froo, de Goldamme, woll helpen! Wat ’t neet all gifft! Haast harrst du up en Pogg paast, de up de Padd liggt. He, gode Mann, quaakt de

Pogg, doo mi in dat Water, smiet mi in de Sloot, anners mutt ik hier verdrögen. Du tillst de Pogg an een Achterbeen hoog, küürst un – flapp – flüggt he dör de Lücht un – platsch – klatscht he in dat Water. So as dat Natt an de Huud kummt, word van de Pogg en herelke Fasaanmanntje mit Feren in elke Klöör, lange bunte Steert, deeprode Lappjes an de Kopp un gleinerg-enkt-blaue Flögels. Van de Pogg is nix mehr to sehn, man ut de Sloot seilt de Fasaan mit klapp-lute Flögelslag anhoog un swooit daarvan un sweevt in de

Feernte tüsken Eer un Heven. 

’t word Vörjahr!

Wat daar buten geböhrt, is elke Jahr weer en grote Wunner, is elke Jahr weer as en moje Märken.


Hans-Hermann Briese


Disse tekst trekt di rood in de schepping rin – nich as en kollen Kiek up de Natuur, man as en Deelnehmen an dat Leven selfs. Hier begrepen sik lutherse Theologie un klassische Philosophie in en sünnerlich Flechtwerk van Woord, Woorder un Genade.


Dat Theologische: Genade, Creation un de Creatura


Sola Gratia in ’t Gröön: Martin Luther hett de Natuur neet blot as en Stilleben sehn, man as dat levendige Wark van Gott, wat elken Dag van Neem schapen word. Wenn de Eer openbreckt un dat Gröön sichtbaar word, is dat en Bild van de Apokalyps un de Resurrektjoon (Upstaan van de Doden): Wat dood scheen (dat winterke Dröge), kriggt dör en unseen Macht van buten (extra nos) weer de Geist un dat Leven inblaast.


Dat Paul-Gerhardt-Echo: De Reegen van Gah to, mien Hart... sünd de plattdütske Verfaten van Paul Gerhardt sien berühmte Koral Geh aus, mein Herz, und suche Freud. Düsse Hymne is luthersch Theologie pur: De Minsch hett nix daarto doon, dat de Eer gröön word. Dat is eitel Genade (Sola Gratia). Dat Minskenhart word licht, neet dör egen Leistung, man dör dat Wohrnehmen van düsse Geschenken.


Salomon sien Sied: De Verwies up de Lilien up ’t Feld (Evangelium na Matthäus 6) wiest de Grenz van al de minskelke Pracht up. Gott kleedt de Eer mojer as de riekste König sik selfs kleeden konn.


Dat Philosophische: Metamorphoos un Existenz


Märken, Mythos un Transzendenz: Wat met de Pogg passiert, reminds an de Ovidschen Metamorphosen un klassiske Vertelsels. Man dat is keen Maagje um van de Realität weg to lopen: Dat is en Sicht up dat geheimnisvolle Wesen van de Existenz. En Pogg, de leed hett un verdrögen mutt, word dör en Barmhertigkeit-Daat (dat Insmieten in ’t Water) freed un verandert sik in en Fasaan, de tüsken Eer un Heven swooit.


De Plack tüsken Eer un Heven: Dat Schweven tüsken Eer un Heven is de klassiske minskelke Existenz-Tostand. Minsken un Deerten leefit in düsse Midden: gebunden an de Mole van de Sloot, man raakt dör de Geist un dat Licht van de Heven.


Phenomenologie van de Verwundering: De Schriever slutt met dat Woord van ’t Wunner un Märken. Philosophisch geschehn (denk an Aristoteles un Heidegger) is dat Staunen (Thaumazein) de Anfang van al ’t Denken. Wer dat Vörjahr blot noch as en biologisk Afloop sicht, hett de Oog voor dat Geheimnis verloren.


Düsse Tekst verkleedt dat grote Scheppings-Drama in lütje, feine Plattekst-Biller – van de Goldamme met hör Sorgerie bis to de Fasaan, de de Minsch an dat Verwandeln van de Welt herinnert.



AN MEINE ZEITGENOSSEN


Euer irdisch-alltägliches Dasein

Interessiert mich nicht;

Und eure frostige Kälte,

Was die Weisheit und die Muse betrifft,

Hat mich noch mehr von euch entfernt.


Ihr jagt dem Schatten flücht’ger Tage nach,

Vergeht im Lärm um Nichtigkeiten,

Wo kaum ein Wort die tiefe Stille bricht,

Die uns durch ew’ge Räume führt.

Der Geist erstarrt im Frost der kalten Welt,

Wo kein Gestirn die Nacht erhellt.


Mir aber leuchtet reiner Wahrheit Licht,

Mir singt der Chor verklärter Zeiten.

Die Muse weilt, wo still das Herz ermißt,

Was wahr, was groß, was ewig ist;

Sie führt den Blick hinauf zum Höhenpfad,

Wo nie ein Staub der Erde nahte.


So geh ich einsam, doch im Geist vereint

Mit jenen Sternen, die nicht sinken.

Ihr bleibt im Tal, vom Froste schwer umhüllt,

Der eure kalte Brust erfüllt;

Ich aber trinke aus der Quelle klar,

Die stets den Weisen tröstlich war.




DICHTERLIEBE


Als im Wonnemonat Mai die Natur voll Erwachen stand und alle Knospen sprangen, regte sich auch im Herzen das erste, verhaltene Verlangen. Aus den Zähren der Sehnsucht erwuchsen blühende Reiche, untermalt vom heiteren Schlag der Nachtigallen, während der Blick allein bei der Einzigartigen verweilte — jener einen Gestalt, die Rose, Lilie, Taube und Sonne zugleich verkörperte. Doch wie schnell wandelte sich die süße Verwundung in Erschütterung: Der Blick in ihre Augen versprach zwar Heilung, doch ihr gestandenes Wort der Liebe brachte bitteren Schmerz mit sich. Der Wunsch, die eigene Seele gänzlich in den Kelch einer Lilie zu tauchen, zeugte von der flüchtigen Erinnerung an einen längst vergangenen Kuß.


Selbst die heiligen Stätten und die Pracht des Rheins vermochten den Bann nicht zu brechen, denn das im Dom schimmernde Gnadenbild schien nur ihre Züge zu tragen. Trotz des diamantenen Glanzes, mit dem sie sich umgab, lag die Dunkelheit ihres Herzens offen zutage; kein Groll vermochte das Elend dieser Täuschung zu mindern. Wüssten die Blumen, Sterne und Vögel um diese Verwundung, sie stimmten wohl ein Trostlied an — doch einzig sie, die das Herz zerriss, wusste um das verheerende Ausmaß.


So wurde die Welt zum Schauplatz bittersüßer Paradoxien: Während der Hochzeitreigen mit Flöten, Geigen und dröhnenden Pauken heraufzog, mischte sich in den Tanz das leise Schluchzen der Engel. Das Ertönen jenes alten Liedes trieb den Einsamen hinauf auf die dunklen Höhen des Waldes, um im Weinen Erleichterung zu suchen. Es ist die ewige, alte Geschichte vom verfehlten Wählen und der verschmähten Zuneigung, bei der das Herz unweigerlich entzweibricht.


Selbst die Blumen im nächtlichen Garten flüsterten sich mitleidige Worte zu und baten um Nachsicht für ihre blasse Schwester. In den Träumen folgten rasche Wechsel aus Verzweiflung und Schmerz: Das Bild ihres Grabes, das Verlassenwerden und die vergebliche Hoffnung auf Vergebung brachten unablässige Tränenströme hervor. Der nächtliche Traum gewährte zwar eine freundliche Begegnung und einen stummen Abschiedsgruß mit Zypressen, doch das entscheidende, leise Wort verwehte beim Erwachen spurlos.


Ein Sehnen nach märchenhaften Zauberlanden keimte auf — nach Orten, an denen goldenes Abendlicht, singende Bäume und bunte Reigen von der Qual des Daseins erlösen könnten. Doch wie Schaum auf den Wellen zerfloss dieses Sehnsuchtsbild im ersten Strahl der Morgensonne. So blieb zuletzt nur das große Begräbnis: Ein gewaltiger Sarg, getragen von Riesen und versenkt in den Tiefen des Ozeans, um die alten, bösen Lieder, die unerfüllte Liebe und den maßlosen Schmerz für immer der Vergessenheit zu überantworten.



ESKE


Eske trägt kein dunkles Schweigen,

keinen Schatten im Gemüt.

Wo sie steht, da tanzt das Leben,

wo sie lauscht, da Hoffnung blüht.


Keine Sorgen, keine Tiefen,

die das Licht im Blick verwehn.

Mit dem Herzen stolz und offen

lässt sie jeden Tag geschehn.


Lasse hört ihr leises Lachen,

Jesse spürt die leichte Hand.

Voller Wärme, sanft und gütig,

knüpft sie ein unendlich Band.


Eine Mama, treu und ehrlich,

voller Liebe, voller Ruh’ –

wo das Glück den Ton angibt,

hört die ganze Welt ihr zu.




FAMILIENFEST


Großmutters Lachen hör ich;
Großvaters männlichen Bass;
Der Enkel Freudengeschrei;
Des Schwiegersohnes Flüstern;
Nur die schöne Tochter ist ganz still vor Glück.


Goethe



AN JURI


die welt ist taub

die welt ist blind

und nur wir zwei

SIND!



NACHTS


ich müsste eigentlich trinken

ich müsste eigentlich rauchen

müsste im rausch versinken

und in das nichtsein tauchen



AN DIE FREUNDE


Ihr sagt, ihr geht ein Stück mit mir auf Erden,

ihr nickt mir zu und nennt mich euren Freund.

Doch sah ich nie das wahre Wachsam-werden,

wenn meine Seele still im Dunkeln weint.


Was ich mit tiefem Schmerz und Geist ertrage,

die Arbeit, die aus Herz und Hirn entspringt,

sie bleibt euch fremd. Ihr fragt nach keinem Tage,

der mir den Kampf um Wort und Wahrheit bringt.


Kein Blick verweilt bei meinen Seelen-Leiden,

kein Ohr hört hin, wenn meine Wunde spricht.

Ihr wollt das Leichte, wollt den Alltag schneiden,

doch meine Tiefe sucht und wollt ihr nicht.


Auch jene Liebe, die mein Herz entzündet,

die stille Andacht zu der Herrin mein,

sie bleibt bei euch von kaltem Spott umgründet

oder versinkt in taubem Schweigen ganz allein.


In Wahrheit steht ihr fern von meiner Schwere,

ihr zieht vorbei an meinem wahren Sein.

Ich reiche euch die Hand – und greif ins Leere,

und bleib mit Geist und Liebe ganz allein.



ECHO


Ob en Deert in’t dichte Holt luud brüllt,

ob en Hoorn een Schrei dör’t Moor henfüllt,

ob en Deern achter den Hügel singt –

geevst du to elken Luud op Stund

diene Antwort ut de lege Luft.


Du höörst dat Donnern fern un deep,

dat Tosen, wenn de Storm de Wellen grep,

den Roop van’t Dörp, wenn de Hirt wat seggt –

un schickst dien Woord dör de Nacht hen weg;

doch keen Antwoord kummt to di z’rügg...

Juust so geiht dat di, Du Dichter!


PROPHET


Darum, so spricht Jehova: 

Wenn du dich zu mir hältst, 

so will ich mich zu dir halten, 

und du sollst mein Prediger bleiben. 

Und wenn du recht redest 

und nicht leichtfertig, 

so sollst du mein Mund sein. 

Sie sollen sich zu dir kehren, 

doch du kehre dich nicht zu ihnen!

Denn ich mache dich für dies Volk 

zur festen, ehernen Mauer. 

Wenn sie auch wider dich streiten, 

sollen sie dir doch nichts anhaben; 

denn ich bin bei dir, dass ich dir helfe 

und dich errette, spricht Jehova,

und ich will dich erretten 

aus der Hand der Bösen und erlösen 

aus der Hand der Tyrannen.

Und Jehovas Wort geschah zu mir:

Du sollst dir keine Frau nehmen 

und weder Söhne noch Töchter 

zeugen an diesem Ort.

Denn so spricht der Herr Jehova 

von den Söhnen und Töchtern, 

die an diesem Ort geboren werden, 

und von ihren Müttern, die sie gebären, 

und von ihren Vätern, die sie zeugen 

in diesem heiligen Lande:

Sie sollen an bösen Krankheiten sterben 

und nicht beklagt noch begraben werden.





Als mir Gelehrte ihre Traktate empfahlen


Ein Jüngling trat vor Phoebus hin,

Ein Psalmlied in der Hand.

„Ihm fehlt, trotz allem guten Sinn,

Der rechte Dichter-Verstand.

Wie alt mag wohl der Knabe sein?“

„Gerade fünfzehn Jahr.“

„Nur fünfzehn? Hol die Rute rein,

Und züchtige ihn fürwahr!“


Da trat hervor ein Seminarist

Mit stolzem Schritte sachte,

Des Heftchen voller Weisheit ist

Und eigener Traktate.

Horaz biss auf die Lippe sich

Und las den Lobgesang;

Die erste Seite glitt dahin

Im steifen, spitzen Klang.


Wie schwer im Traum, ergriff die Wut

Den Phoebus unverweilt:

„Hör auf mit diesem Narrengut,

Die nicht vom Geist erteilt!

Wer ohne Jugend dichten will

Und alt schon Tumbes spricht,

Dem schweigt die Rute wahrlich still –

Die Geißel treffe sein „Gesicht“!“




DER GEIST CHRISTI


Ihr Brüder und Schwestern, vernehmt diesen Worten,

der Geist dringt durch tiefste und verborgenste Pforten.

Er sieht, was im Grunde der Gottheit ruht,

und prüft unser Herz wie die wogende Glut.


Wer kennt schon den Menschen in Seelen und Sinn,

wenn nicht der Geist Gottes, der wohnt tief darin?

So bleibt auch das Heilige jedem verhüllt,

bis Gottes eigener Geist es erfüllt.


Nicht der Geist dieser Welt zieht bei uns nun ein,

nein, der Geist aus dem Himmel lässt uns nicht allein.

Damit wir verstehn, was in Gnade gewährt,

und spüren, was Gott uns so reichlich beschert.


Davon wollen wir sprechen, frei von Verstand,

den Weisheit der Menschen als Formel erfand.

Was der Geist selbst uns lehrt, das tragen wir vor,

und öffnen dem Höheren Herz und Ohr.


Der Mensch dieser Erde, dem Geistigen fern,

verschließt sich dem Wirken und Wollen des Herrn.

Ihm dünkt es als Torheit, er fasst es nicht ein,

denn nur durch den Geist wird das Geistige rein.


Der Mensch voller Geist sieht das Ganze klar,

und prüft und erkennt, was heilig und wahr.

Kein irdisches Urteil vermag ihn zu binden,

kein Geist dieser Welt kann sein Wesen ergründen.


Denn wer hätt’ den Sinn unseres Herren erkannt?

Wer böte dem Schöpfer wohl Lehre und Hand?

Wir aber tragen, geeint im Licht,

den Geist von Christus von Angesicht zu Angesicht.



DIE ERDE


Die Erde wirf du in des Weltalls Abfalleimer.

Und schweb im Reich des Traums voll Seligkeit, Träumer!

Fort von dem irdischen Gewimmel und Getümmel

Und heim in den platonischen, in den Ideenhimmel!



SALOMO


Ich bin der Allernärrischste

Und ohne Menschenverstand 



DIE GÖTTIN CIRCE


I


Circe, Göttin der Magie, Nymphe, Hexe, kühne Zauberin,

Tochter von Helios, dem Sonnengott – kannst du dir das vorstellen?

Lass mich dir den Stammbaum dieser verrückten Familie zeichnen:

Tochter der Perse, ihrer Mutter, wilden Ozeanide,

nicht auf Festland gezeugt, sondern in tiefster blauer See.

Äetes, ihr Bruder, hielt fest an seinem Vlies,

und Pasiphaë, ihre Schwester, dem König Minos von Kreta vermählt,

hatte eine Affäre mit einem monströsen weißen Stier –

ein Geschenk von Poseidon, ist das nicht süß?

Sie gebar ein Bastardkind: den Minotaurus

mit Ring in der Nase, Hörnern und Hufen an den Füßen.

Nun, das war eine Familie voller Dysfunktion!

Und Circe, die Arme, verraten, weil sie blieb, wer sie war,

weil sie sich nicht fügen wollte,

wurde nach Aiaia verbannt,

weil sie ihren Ehemann ermordete, den Prinzen von Kolchis.

Dort auf Aiaia zog Circe zur Rache ihren Zauberstab – kein Schwert,

verwandelte ihre Feinde und alle, die sie kränkten, in wilde Tiere,

wo sie ihr Anwesen umkreisten und Frass aus dem Trog als Festmahl fraßen.

Zahm, nicht gefährlich, betäubt und delirisch,

stießen diese Tiere nie zu –

sie wurden von allen Ankömmlingen verhätschelt, die schlicht neugierig waren,

niemals gelangweilt.

Diese verzauberten Tiere lockten die Neuankömmlinge zu unserem Mädchen Circe

mit einem Wuff und einem Schnurren.

Auftritt Circe, ziemlich gestört, doch auf eine logische Art.

„Mehr Haustiere für mich!“, dachte sie, „sie werden nie weglaufen.“

Diese einsamen, abenteuerlustigen Vagabunden, die sich in ihre Höhle wagten –

nun, sie überhäufte sie mit all ihren Zaubersprüchen,

doch ihre Worte der Liebe hörten sie dort nie.

Denn Circe enthüllte schließlich, wer sie wirklich war:

Siehst du, all der Schmerz, all die Verletzung

hatten unsere liebe alte Circe in eine Sirene verwandelt –

außermenschlich, tödlich, geheimnisvoll, neu geboren;

alle, die sich in ihr Königreich wagten,

wurden von ihren Zaubern gefesselt

und dann sogleich mit einem Winken ihres Zauberstabs für immer verwandelt

als Geschöpfe,

in ihren Elysischen Feldern begraben.



II


In Einzelhaft blieb sie ganz allein

in einem großen alten Anwesen mitten im Wald.

Dort saß sie allein an ihrem Webstuhl

auf jener Insel Aiaia, bis dieser feine Kerl, Odysseus,

ihr Haus betrat.

Athena schickte Hermes, um Odysseus zu warnen:

„Hüte dich vor Circes Zauberei! Hüte dich!“

Und reichte ihm ein scharfes Schwert nebst Moly zum Einnehmen:

„Schutzkräfte! Ein zusätzlicher Nutzen!“, verschrieb sie –

mit ihren letzten Abschiedsworten, etwa in diesem Sinne:

„Odysseus, lieber Freund, Göttinnen sind keine Sterblichen,

sie sind äußerst trügerisch im Bett!“

Circes Kräfte waren viel zu stark, und eh man sich versah,

hatte sie Odysseus an ihrem prächtigen Zauberstab hängen.

Er blieb ein ganzes Jahr auf ihrer Insel,

schwelgte im Festmahl, trank Wein, tanzte fröhlich mit unserer Circe,

wo er mit ihr auf einer Wiese voller Blumen schlummerte,

um nicht schmutzig zu werden.

Schließlich war es Zeit für Odysseus, seine Reise fortzusetzen,

worauf Circe, unser kluges und liebes Mädchen,

ihm den Weg in die Unterwelt wies –

du weißt schon, dieser andere dubiose Ort zum Rasten.



III


Eindeutig ein Abgrund,

malst du deine Lippen blau,

schmückst dich mit dem Zirkon-Glanz des Lichts –

und spielst die goldene, juwelenbeladene Königin.

Lauernd liegst du in deinem Bett,

bietest die Chance auf Abenteuer,

auf verborgene Welten des Rückzugs.

Deine Magie fasziniert und prunkt,

neckt mit Bildern von Möglichkeiten,

ein endloser Quell,

Geschichten zu verkaufen.

Du korrumpierst deine Narren, leckst deinen Spott auf ihre Füße.

Sirenen-Helfershelfer im Spiegelbild der Verführung,

so sittsam,

mit ihren Schwänzen den Himmel spiegelnd.

Du bist eine Zauberin,

eine Prostituierte und ein Straßen-Schaufensterschild, rein aus Zauber geschmiedet,

ein wahres Fenster zu deiner Seele und ihrer Festung,

die wie ein Verlies auf dem Rücken einer Großen Schildkröte rollt.

Das Fenster eines verderblichen Wechselbalgs,

das sich unrein wandelt mit jeder Phasenverschiebung der Dünung.

Deine große Alchemie verschmilzt Illusion mit dem falschen Schlaf der Gelassenheit,

mit deinen Ambitionen, die still und tief unter diesem weichenden Kissen verlaufen.

Deine Plattform für deinen Mahlstrom des Versinkens – durch azurblaue Träume.

Deine Quecksilberperlen über dem traumgleichen Sand, der so leicht fließt,

wie die Lügen, die außerhalb der Reichweite der Menschen liegen.



IV


Amore; was ist das?, fragte er sich,

bevor, bevor sie da war, bevor die rohe

Circe sichtbar ward quer durch den summenden,

tanzverrückten, rhythmisch schlagenden, pulsierenden Raum.

Gelehrt, boshaft drollig war sein

Vater gewesen, er hätte es sein können, die alte

Generation, doch nicht er, o nein;

er war der Herrscher des Universums.

Es dauerte eine Weile, den Raum zu durchqueren,

voll gepfercht mit heißen, fiebrigen Körpern in

Karezza-Windungen, Körper an Körper;

Liebe oder Lust in ihren Köpfen und in seinem.

„Darf ich?“ „Was darfst du?“, spottete sie;

keiner sprach; beide starrten. Sein Kopf geneigt in

Unterwerfung, leuchtend rote Schuhe sein Fokus.

Die Macht verschob sich, wie beide wussten.

Beute war nun die Jägerin, Wolfstöterin,

die die Befehlswalt genoss, seine Unterwerfung.

Langsam, verschmitzt; ein Zwinkern; Worte:

„Bring mich auf dein Zimmer, in diesem Moment, jetzt.

Zieh mich aus; so wie du es bereits getan hast.“

Einst ruhmsüchtig; jetzt verwandt mit einem

tölpelhaften Narren, stand er da, hilflos; sie starrte;

durchleuchtete ihn mit ihren kalten, stahlblauen Augen;

„Du wirst rot“, flüsterte sie. Die Worte wie

Zephyre, die sanft sein Gesicht streichelten …



V


Die vielseitige Göttin Circe verwandelt sich in einen Delphin,

taucht vergnügt ein und auf in den Wassern der Insel Aiaia.

Von einem Balkon aus beobachtet der König sie und erkennt ihre Macht.

Ihr Zauber lockt ihn näher an den Abgrund, er ist wie gebannt.

Sie springt hoch in die Luft, um ihn zu unterhalten,

wohlwissend, dass sie ihn in die tiefen Wasser lockt.



OMAS FLUCH


Es gibt im Plattdeutschen 

das Substantiv „de Blixem“ 

(der Blitz / der Teufel / der Bösewicht) 

oder das Adjektiv „blixems“ 

(verdammt / verflucht). 

Das leitet sich vom Wetterphänomen 

des Blitzes ab (ähnlich wie 

im Hochdeutschen „Kruzitürken“ 

oder „Himmeldonnerwetter“). 

Es ist aber ein sehr altertümlicher, 

milder Kraftausdruck und kein modernes 

oder vulgäres Schimpfwort



POLITIK


protestantismus

ist demokratisch

katholizismus

ist monarchistisch





Omas Fluch


Ein alter Laut rollt durch das Haus,

sieht gar nicht nach Verderben aus.

„De Blixem!“, grollt Oma sanft und leise,

auf alte, fast vergessene Weise.

Der Blitz, der einst vom Himmel fuhr,

hinterließ im Platt hier seine Spur.

Ein böser Wicht, ein wilder Schein,

doch heute wäscht die Zeit ihn rein.

Ein mildes Fluchen, „blixems“ schwer,

stammt aus der Ahnen Tagen her.

Kein rohes Wort der neuen Zeit,

nur Donnerwetter-Heiterkeit.



TILL FLO*


In Duitsland woont een stil gemoed,

Een Quaker die het goede voelt.

Die tussen bomen rustig gaat,

En leert waar woudtherapie voor staat.


Till flo* weeft verhalen fijn,

Om samen in de cirkel te zijn.

Voor Duitse vrienden, groot en klein,

Een plek om echt gehoord te zijn.




Shinrin Yoku


Het woord Waldbaden vindt zijn wieg in ’t verre Oosten,

waar Shinrin Yoku leert de ziel en 't hart te troosten.

Het betekent: kopje-onder in de sfeer van ’t woud,

geen sport of snelle wandeltocht die op de klok vertrouwt.

Nee, ’t is een mindful toeven onder ’t bladerdak zo groen,

om lichaam, geest en ziel weer nieuwe kracht te doen.

Sinds enkele jaren wint het ook in Europa aan gezag,

want wetenschap bevestigt wat de mens van oudsher zag:

Een rustig uurtje tussen ’t hout, hoe stil ook en hoe teer,

doet wonderen voor onze gezondheid, telkens weer.

De Japanse staat schreef Shinrin Yoku in de jaren tachtig voor,

als medicijn tegen de druk waarin de mens terstond verloren goor.

De stress daalt snel, de weerstand groeit, het welzijn raakt herboren;

de arts in Tokio schrijft het voor, zo gaat geen rust verloren.

Nu beoefent men de kunst in Zwitserland en Duitstalige landen,

vaak geleid door gidsen met verstand en zachte handen.

Men wandelt langzaam, ruikt de hars, en luistert naar het mos,

men beleeft met alle zintuigen het mysterie van het bos.

De wetenschap onderzoekt het effect en toont ons het bewijs:

Het stresshormoon cortisol daalt aanzienlijk op deze reis.

Wie regelmatig baadt in ’t groen slaapt dieper in de nacht,

en vindt in 't drukke dagelijks leven innerlijke kracht.

Bomen ademen terpenen uit, als vluchtige olie in de lucht,

die onze eigen afweer voedt bij iedere diepe zucht.

Twee uurtjes in de schaduw van de eik of van de den,

verhogen reeds de killer-cellen die de ziekte temmen.

De bloeddruk zakt, de hartslag bedaart, de rust keert in de aders,

het zenuwstelsel schakelt om, bevrijd van alle kaders.

Voor jong en oud verdrijft het bos de mist in het verstand;

de focus groeit, de aandacht rijpt, geleid door 't groene land.

Niet enkel 't lijf, ook de psyche vindt verzachting in het woud,

waar angst en somberheid verdwijnen in 't gevlekt goud.

Het scherm gaat uit, de ruis verstomt, de digitale dwang verdwijnt,

terwijl de zon door 't bladerdak vol klare helderheid verschijnt.

Het bos fungeert als meester van de aandacht voor het NU,

het ritselen van de bladeren heft elke zorgen-schaduw op voor u.

Als zelfs een foto van de natuur ons reeds ontspannen laat,

bedenk dan wat een echt bezoek aan 't bos te weeg brengt op de straat!

Dokter Qing Li, de grote kenner van deze woudgeneeskracht,

bewees dat de terpenen werken met een wonderbaarlijke macht:

De verhoogde immuunrespons blijft wel zeven dagen staan.

Ook in München en Berlijn ziet men dit feit thans aan:

Burn-out en depressie wijken voor de groene bomenbaan.

Waldbaden is voor iedereen, het vraagt geen duur tweekamp;

slechts dertig minuten per week verlichten reeds de kramp.

Laat de telefoon thuis, zet geen muziek op in de oren,

geen doel, geen haast, laat enkel 't pad u bekoren.

Woon je in de drukke stad? Een park vol oude bomen

kan evengoed als rustpunt in je volle week voorkomen.

Het gaat niet om de wildernis, maar om 't bewuste zien,

het voelen van de schepping en haar heilzame magie.

Waldbaden is meer dan een trend, 't is de weg terug naar huis,

naar de natuur die wij vergaten in 't hectisch stadsgedruis.

Wetenschappelijk bewezen, louterend en zo warm,

biedt het rust aan wie gebukt gaat onder alledaagse alarm.

Een wandeling door 't groene woud, in stilte en met zin,

schenkt soms meer genezing dan de sterkste medicijn.



MELECHETH


Die Kinder lesen Holz, 

so zünden die Väter das Feuer an, 

und die Weiber kneten den Teig, 

daß sie der Melecheth des Himmels 

Kuchen backen und Trankopfer 

den fremden Göttern geben, 

daß sie mir Verdrieß tun.

...sondern wir wollen tun 

nach all dem Wort, 

das aus unserm Munde gehet, 

und wollen Melecheth des Himmels räuchern 

und derselbigen Trankopfer opfern, 

wie wir und unsere Väter, 

unsere Könige und Fürsten getan haben 

in den Städten Judas 

und auf den Gassen zu Jerusalem. 

Da hatten wir auch Brot genug 

und ging uns wohl und sahen kein Unglück.

Seit der Zeit aber wir haben abgelassen, 

Melecheth des Himmels zu räuchern 

und Trankopfer zu opfern, 

haben wir allen Mangel gelitten 

und sind durch Schwert 

und Hunger umkommen.

Auch wenn wir Melecheth 

des Himmels räuchern 

und Trankopfer opfern, 

das tun wir ja nicht ohne 

unserer Männer Willen, 

daß wir derselbigen Kuchen backen 

und Trankopfer opfern, 

sie zu bekümmern.

So spricht der Herr Zebaoth, der Gott Israels: 

Ihr und eure Weiber 

habt mit eurem Munde geredet 

und mit euren Händen vollbracht, 

daß ihr saget: Wir wollen 

unsere Gelübde halten, 

die wir gelobet haben 

Melecheth des Himmels, 

daß wir derselbigen räuchern 

und Trankopfer opfern. 

Wohlan, ihr habt eure Gelübde erfüllet 

und eure Gelübde gehalten.


PROFESSOR HEIKE


Ein Dank in Reim und leichtem Sinn,

wo Reime wehn und Worte glühen:

Ihr Wort zieht mich zu Weimar hin,

wo Musen einst im Lorbeer blühen.


Wär ich an jenem Hof erwacht,

bei Samt und Seide, Glanz und Tönen,

hätt ich vielleicht im Mond der Nacht

gesucht das Herz der einen Schönen.


Die Kron, der Stand, der große Schein –

sie wiegen schwer und machen stumm.

Mir wär die Liebe groß und rein

gar tausendmal mehr wert darum!


So flieht das Hofgemach die Brust,

wenn süßer noch der Einsamkeit

ein treues „Ja“ voll Lebenslust

im stillen Winkel Freude leiht.


Hab Dank für diesen kühnen Traum,

der mich in alte Zeiten trug,

wo Wort und Geist den freien Raum

mit holdem Zauber überflug!



AN M***


Im silbern gedämpften kühlen Licht

trittst du aus dem Schatten der tiefen Nacht.

Die Erde wiegt schwer, ihr Gram zerbricht

das Herz, das um ihre Menschen wacht.


Du trägst den Schmerz einer Welt aus Stein,

die Kälte der Herzen, den lauten Lärm,

doch siehst du im blassem Mondenschein

den Pfad, der dich führt in die Stille fern.


So hebe den Blick vom staubigen Grund,

bis Lebewesen aus Licht dich empfangen.

Sie schweifen im Äther, still und gesund,

wo nie ein Erdenschmerz eingegangen.


Lass ab von der Menschheit, verzeih ihr das Leid,

und steig in die Höh, wo der Schimmer erwacht.

Bei den Wesen des Mondes, in Ewigkeit,

findest du Frieden im Glanze der Nacht.



AN ARIADNE


Ich hab von Ihnen geträumt, Sie hielten meine Hand,

Und als ich aufgewacht, war meine Hand verbrannt.

Das Feuer verzehrt meine Zeit, es brennt bei Tag und bei Nacht,

Es nimmt, was ich gewollt und auch was ich gemacht.

Das Feuer frisst mein Herz, es frisst mich mit Haut und Haar,

Es nimmt, was ich mir wünschte und auch was ich war.

Doch ohne dieses Feuer wär ich schon müde und alt,

Wären meine Tage öde und grau und meine Nächte kalt.

Doch das Feuer hält mich wach gegen Kälte, Eis und Tod,

Das funkelnde Kreuz des Südens ruht unter dem Morgenrot.



TAEDIUM VITAE


Mein junges Leben wild zu dolchen, mich
Zu kleiden in der Gegenwart Trikot,
Wenn jede Hand mir meinen Schatz stahl, so
In Frauenhaar mein Herz zu verfangen – ich,
Fortunas Knecht zu sein, ich schwör’s, dass ich
Es hasse! Dies bedeutet mir so viel
Wie Gischt, der auf den Meereswellen spielt,
Wie Distelsamen, den der Sommer holt,
Der fruchtlos treibt: Es wäre besser mir,
Fern jenen Lügnern, die mich spottend schmähen,
Im kleinsten Dach als einziger Gast zu stehen,
Als in die Höhle wieder einzukehren,
Wo einst mein weißer Geist die Sünde küsste.



TESTAMENT


wie macht man beim amtsgericht ein zusatz-testament zum hinterlegten testament?


Ein Zusatz oder Nachtrag zu einem bereits beim Amtsgericht hinterlegten Testament wird rechtlich genauso behandelt wie die Ersthinterlegung. Das alte Testament muss dafür in der Regel nicht aus der Verwahrung genommen werden.


Step-by-Step Vorgehen für ein Zusatz-Testament

Zusatz-Testament verfassen 

Justiz-Portal Hamburg


Schreiben Sie den Nachtrag vollständig handschriftlich.


Versehen Sie das Dokument zwingend mit Datum, Ort und Unterschrift.


Verweisen Sie klar auf Ihr Haupttestament (z. B. „Nachtrag zu meinem beim Amtsgericht [Stadt] hinterlegten Testament vom [Datum]...“).


Neuen Hinterlegungsantrag stellen


Reichen Sie beim Amtsgericht (Nachlassgericht) einen neuen „Antrag auf besondere amtliche Verwahrung“ ein. 


Geben Sie dabei idealerweise das Geschäftszeichen oder die Verwahrbuchnummer des bereits hinterlegten Erst-Testaments an (siehe Hinterlegungsschein). Dadurch verknüpft das Gericht die Vorgänge direkt miteinander. 


Unterlagen beim Amtsgericht einreichen 

Amtsgericht Bremen


Sie können das neue Zusatz-Testament zusammen mit dem ausgefüllten Antrag per Post schicken oder persönlich abgeben. 


Benötigte Unterlagen: 


Der unterschriebene Hinterlegungsantrag 

Das original verfasste Zusatz-Testament 

Eine Kopie der Geburtsurkunde (für die Registrierung) 


Kosten und Nachweis


Nach Eingang erhalten Sie einen neuen Hinterlegungsschein.


Es fällt erneut die Pauschalgebühr für die amtliche Verwahrung bei Gericht (ca. 75 Euro) sowie die Registrierungsgebühr des Zentralen Testamentsregisters der Bundesnotarkammer (ca. 15,50 Euro) an. 


*


SANKT CHRISTOPHERUS


Heiliger Christopherus, mächtiger Beschützer der Reisenden,

wache über Sabine und ihr Auto auf all ihren Wegen.

Befehle den Engeln, sie auf Straßen und Pfaden zu geleiten,

dass kein Schaden ihr Gefährt treffe 

und kein Unheil ihren Schritt hemme.


Schütze die Reifen vor den Tücken des Weges,

bewahre den Motor vor Schaden und Gefahren,

schenke klare Sicht in Nebel und Nacht

und halte deine schützende Hand über jede Fahrt.


Lass Ruhe und Vorsicht ihr Lenkrad leiten,

schenke ihr stets eine wohlbehaltene Wiederkehr

und führe sie auf jedem Kilometer sicher ans Ziel.



ZIRKUS


(für Juri)


Ein kleiner Mann mit Blick voll Glut und hell erstrahlendem Gesicht,

In seinen Händen all das Spielzeug, das sein Herz mit Freude bricht.

Dort in der Manege steht der Clown, ein Messer ragt in seine Hand,

Was du nun siehst und hören wirst, bleibt dir ein Leben lang bekannt.


Und es ist traurig, ach so traurig, es führt kein leichter Weg vorbei,

Und es ist traurig, ach so traurig, die Freunde kommen schnell herbei.

Denn der Zirkus zog von dannen.


Ein kleiner Mann mit reinen Herzen, voll Liebe, mild und wunderschön,

Bleib nur bei mir, ich werde mit dir bis zum Ende aller Wege geh'n.

Nimm meine Hand, ich führe dich durch dunkelste und schwere Nacht,

Wenn ich dann lächle, denk ich dein, und alles wird zum Guten gebracht.


Und es ist traurig, ach so traurig, es führt kein leichter Weg vorbei,

Und es ist traurig, ach so traurig, die Freunde kommen schnell herbei.

Denn der Zirkus zog von dannen.



DALI


In jungen Jahren, glühend rot,

Galt Dalí als Moralbankrott.

Der Junge schalt die Form zerflossen,

Vom Geist des Wandels ganz besessen.

Kein Klassenkampf in weichen Uhren,

Nur bürgerliche Zerfallsspuren,

Ein Spielzeug bloß im Elfenbeinturm,

Tauglich für keinen Zeitensturm.


Das Haar wird weiß, der Schritt wird schwer,

Der Lärm der Jugend braust nicht mehr.

Im Lehnstuhl sitzt der alte Mann,

Der von der Welt mit Demut sann.

Er sieht das Licht auf Cadaqués,

Den Glauben tief im Weltenweh,

Der Schmerz der Zeit, ans Kreuz geschlagen,

Den Worte niemals ganz besagen.


Der Bub sah nur das Spiel der Macht,

Der Greis die Seele in der Nacht.

Was einst Verachtung fand und Spott,

Führt nun das späte Herz zu Gott.



SANKT CHRISTOPHERUS


Heiliger Christopherus, du beschützt die Reisenden auf allen Wegen und begleitest uns durch die Gefahren des Straßenverkehrs.

Ich bitte dich heute um deinen Beistand bei der bevorstehenden Autoreparatur. Schenke den Mechanikern Weisheit, ehrlichen Blick und geschickte Hände, damit sie den Fehler schnell erkennen und fachgerecht beheben.

Lass die Kosten fair, durchsichtig und für mich tragbar bleiben, ohne unvorhergesehene Lasten. Bewahre das Fahrzeug vor weiteren Schäden und schenke mir die Zusage, bald wieder sicher und sorgenfrei auf meinen Wegen unterwegs sein zu können.

Unter deinen Schutz lege ich diese Fahrt und diese Werkstatt.

Amen.



MUTTER TERESA


Bringt euch mein Segen, mein Gebet,

dass ihr den Weg Mariens geht.

Durch sie seid ganz für Jesus da,

ihr Schwestern, ihm so herzlich nah.


Das ist mein Wunsch, mein einziger Sinn,

gebt euch durch sie nur Jesus hin.

Wo Liebe herrscht im Herzen rein,

wird jede stets getreu ihm sein.


Danke für das liebe Wort,

Gottes Geist trägt uns hinfort.

Ein Ja aus Vertrauen und voller Freude,

führt uns zu den Ärmsten heute.


Hört Jesu Rufen: „Mich verlangt,

mich dürstet!“, wo man ihm nicht dankt.

Steht bei Maria, haltet stand,

reicht Armen helfend eure Hand.


Folgt Thérèse auf dem kleinen Pfad,

die Großes stets im Kleinen tat.

Bleibt liebend, fröhlich, schlicht und klein,

so wird der Dank am größten sein.



HERZ MARIENS


O Unbeflecktes Herz Mariens, du strahlender Morgenstern vor dem Aufgang der Sonne der Gerechtigkeit,

– wir preisen dich, wende deine Liebe uns zu.


O makelloser Tempel der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, reich verzierter Thron der Gnade,

– erbarme dich unser und bitte für uns.


O unerschöpflicher Ozean der Reinheit, in dem kein Schatten der Sünde je Eingang fand,

– sei unser Zufluchtsort.


O liebesentflammter Ofen der göttlichen Barmherzigkeit,

– entzünde unsere kalten Herzen.


O Makelloses Herz Mariens,

– bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.


Makelloses Herz Mariens, Abgrund der Demut und Demut aller Engel,


Makelloses Herz Mariens, duftender Garten aller tugendhaften Blüten,


Makelloses Herz Mariens, lebendiger Born des Trostes für alle Betrübten,


Makelloses Herz Mariens, unüberwindliche Festung gegen die Mächte der Finsternis,


Makelloses Herz Mariens, Zuflucht der Sünder und Hoffnung der Verzweifelten,


Makelloses Herz Mariens, Wunderzeichen der Schöpfung und Zierde des Himmels,


Makelloses Herz Mariens, von den Schwertern des Schmerzes durchbohrt und doch voller Liebe,


Makelloses Herz Mariens, Schatztruhe der göttlichen Mysterien und Erleuchtung der Seelen,


Makelloses Herz Mariens, leuchtender Schild der Kirche in allen Stürmen der Zeit,


Makelloses Herz Mariens, friedvoller Hafen für die Seelen auf dem Meer des Lebens,


– nimm unser Leben hin und führe uns zu Jesus.


O Herz, so rein wie der frisch gefallene Schnee auf den Höhen der Berge,


O Herz, so glühend vor Liebe wie die Seraphim vor dem Thron Gottes,


O Herz, das im Einklang schlägt mit dem Allerheiligsten Herzen deines Sohnes,


O Herz, das die Sünden der Welt mit Tränen der Erbarmung beweint,


O Herz, dessen Demut den Hochmut des Höllenfeindes zermalmt,


O Herz, du Mutterbrust der Gnade, an der jede bedrängte Seele Ruhe findet,


– schenke uns deine Reinheit und deinen Frieden.


Von allem Stolz und aller Selbstdarstellung,

– befreie uns durch die Demut deines Herzens.


Von der Trägheit im Gebet und der Kälte der Liebe,

– entflamme uns durch die Glut deines Herzens.


In den Stunden der Versuchung, der Verzweiflung und der Finsternis,

– beschütze uns unter dem Mantel deines Herzens.


Im Augenblick unseres letzten Atemzugs und im Gerichte Gottes,

– birg uns in der Tiefe deines Herzens.


Lasset uns beten.


O allmächtiger, ewiger Gott, Du hast im Makellosen Herzen der seligen Jungfrau Maria eine würdige und überaus liebliche Wohnung für deinen Sohn bereitet. Entzünde in uns die gleiche Flamme der Liebe, mit der ihr Herz brannte, damit wir, geläutert von allen Schlacken der Sünde, vollkommen deinen göttlichen Willen erfüllen und einst mit ihr deine unendliche Herrlichkeit im Himmelreich besingen dürfen. Durch Christus, unseren Herrn.


Amen.



MICHA

O Heiliger Geist,
Du Atem des Lebens und Licht der Herzen,
wir bitten Dich für den jungen Mann Micha.

Berühre sein Herz mit Deiner sanften Macht
und öffne seine Seele für die Liebe Gottes.
Schenke ihm das Verlangen, durch die heilige Taufe
ein neues Leben in Christus zu beginnen
und Teil Deiner Gemeinschaft zu werden.

Nimm ihm alle Zweifel, Bedenken und Ängste.
Schenke ihm Mut, Klarheit und Vertrauen,
um diesen Schritt des Glaubens voller Freude zu gehen.

Führe ihn auf seinem Weg,
segne seine Gedanken und Entscheidungen
und erfülle ihn mit Deinem Frieden.



DIE PFAFFEN


Ein Pfaffe schlägt die Augen zu,

wenn mein Gedicht im Buche steht.

Er sucht im Mief der Kirchenruh

sein ewiges, altes Pfaffengebet.


Schon Goethe seufzte tief und schwer,

als ihn die Frommen schalten und schmähten.

Was kümmert sie der Geist noch mehr,

wenn sie nur fleißig Formeln beten?


Sie fürchten jedes freie Wort,

das aus dem starren Rahmen bricht,

und jagen alle Weisheit fort –

doch Dunkelheit besiegt kein Licht.


Drum lies mich nicht, du stiller Mann

und hüll dich ein in deinen Wahn.

Wir dichten weiter, frei vom Bann,

wie Goethe es bereits getan!



LIEBESSONETT


Ein Stern strahlt hoch im ewigen Himmelslicht,

Karine wacht als Engel hin und her.

Ihr Sanftmut bleibt, der nie im Tod zerbricht,

und tröstet mich, wenn mir das Herz wird schwer.


Am Boden hält mich Evi lockend fest,

auf Erden schenkt sie Wärme Tag für Tage.

Ein treues Herz, das mich nie einsam lässt

und lindert jede bittre Seelenplage.


Zwei Frauen, mir vom guten Herrn gewährt,

die eine fern im Licht, die andre nah.

Ihr Erbe lebt in ihren Söhnen fort,


die alle mein sind, wertvoll und verehrt.

Mit stolzem Herzen bin ich für sie da;

denn meine Liebe reicht an jeden Ort.




PROFESSORIN HEIKE


In Berlin sind die Daten im Netz,

wo war meiner Herrin Schutzgesetz?

Frau Professorin Heike, schlau und klug,

weiß wohl: Ein Hirn ist nicht genug.


Ein Lehrstuhl bringt Wissen, Theorien, Geist,

doch nicht jeden Schlüssel, der Schlösser schweißt.

Sie lehrt an der Uni, forscht Tag und Nacht,

hat aber nicht über Berlins Server gewacht.


Denn Administration und die IT der Stadt

sind die, die Berlin zu beschützen hat.

Heike bildet die Zukunft der Branche aus —

doch das Stadtnetz bewachen ganz andre im Haus!



SANKT CHRISTOPHERUS


O heiliger Christopherus, Schutzpatron der Fahrer und der Wege,
wir bitten dich heute um deinen Beistand.
Trage Sabines Auto sicher und behütet durch die Hallen der Prüfung,
wie du einst das Christkind sicher durch die tiefen Fluten getragen hast.
Lenke das Auge des Prüfers mit wohlwollendem Blick.
Lass die Plakette ohne Mängel erstrahlen
und bewahre Sabines Geldbeutel vor teuren Überraschungen,
auf dass keine großen Reparaturen die Kasse belasten.
Gib den Bremsen die nötige Kraft,
dem Auspuff die rechte Ruhe,
den Reifen den festen Halt
und allen Lämpchen das richtige Licht.
Begleite Sabine auch weiterhin auf all ihren Wegen,
schenke ihr stets gute Fahrt, eine sichere Heimkehr
und einen friedvollen Geist hinter dem Steuer.
Amen.



MICHA


Herr Jesus Christus, Du Weg, Wahrheit und Leben,
wir kommen heute voll Vertrauen und Hoffnung zu Dir und bitten Dich für den jungen Mann Micha.

Hl. Michael der Erzengel, mächtiger Beschützer der Seelen, stärke Micha in seinem Inneren. Schütze seinen Geist vor Zweifeln, Ängsten und allen Einflüssen, die ihn vom Glauben fernhalten wollen. Schenke ihm Mut und Zuversicht, den Schritt zum ewigen Leben zu wagen.

Hl. Johannes der Täufer, Stimme in der Wüste und Wegbereiter des Herrn, berühre Michas Herz. Bereite in seiner Seele den Weg für das Licht der Wahrheit. Wecke in ihm ein tiefes Verlangen nach der Gnade der Heiligen Taufe, dem Wasser des Lebens und der Erneuerung im Heiligen Geist.

Herr, schenke Micha Menschen an seiner Seite, die ihn in Liebe begleiten, und lass dein göttliches Licht in ihm leuchten, damit er den Wunsch verspürt, sich in Deine heilige Kirche aufnehmen zu lassen.


TOM


GEBET ZUM HEILIGEN GEIST FÜR TOM; DASS DIE LANGEWEILE WEGGEHT

Heiliger Geist, du Quelle des Lebens und der Freude,

wir kommen heute zu dir und bitten dich ganz besonders für Tom. Du kennst sein Herz und weißt, wenn ihm die Decke auf den Kopf fällt und die Tage grau und zäh wirken.

Vertreibe die Langeweile aus seinem Alltag. Erfülle sein Herz mit neuer Neugier, Begeisterung und frischen Ideen. Öffne seine Augen für all die Möglichkeiten, Schönheiten und Abenteuer, die das Leben bereithält. Schenke ihm gute Gedanken, schöpferische Kraft und die Energie, seine Zeit mit Freude und Sinn zu füllen.

Lass ihn spüren, dass er nie allein ist, und schenke ihm Begegnungen und Aufgaben, die ihn erfüllen und ihm Lächeln schenken.

Bring Licht, Schwung und Leben in seinen Tag.

Amen.




SCHWANENGESANG


Ein silbern schimmerndes Bächlein eilt munter durch die Landschaft, aufgerufen, als treuer Bote zur Geliebten zu fließen, ihre Pflegeblumen zu erfrischen und ihr im sanften Abendrot Träume von treuer Liebe zuzuflüstern. Doch wie fern ist diese Idylle den Männern im Feld: Inmitten schlafender Waffenbrüder zehrt das Heimweh an der Brust des Kriegers, dessen Herz sich im düsteren Schein der Flammen nach der einstigen Wärme ihres Arms verzehrt, ehe die Pflicht zur nächsten Schlacht ruft.


Wie jubelnd erwacht die Natur um ihn her – welke Lüfte, erblühende Wälder und das goldene Spiel der Sonne drängen zum braut-weißen Licht. Doch mitten in diesem keimenden Lenz steht die verwaiste Seele, deren ungestilltes Verlangen nach dem einzigen Menschen schreit, der diesen inneren Frühling zu erwecken vermag. So flehen leise Lieder durch die mondhelle Nacht, gestützt vom süßen Klagen der Nachtigallen, die das stumme Sehnen der Brust nur zu gut verstehen und um Erhörung bitten.


Statt Trost bieten Strom, Wald und zerklüfteter Fels nur ein Bild der eigenen Statik: Wie Welle an Welle reiht, so fließen die Tränen ohne Ende, unablässig klopft das Herz, und der Schmerz bleibt starr wie uraltes Erz. Wer aus dieser Heimat flieht, dem folget kein Segen; mit entzweitem Herzen grüßt der Heimatlose im Dahinziehen die verlassenen Räume. Ein letzter, fast trotziger Reitergruß gilt den fröhlichen Gassen, den blumigen Fenstern und den freundlichen Mägden, bevor die Sterne ihren grauen Schleier über den Abschied werfen.


In der Dämmerung wächst das Leid zur mythologischen Wucht: Wie ein unglückseliger Atlas trägt die Seele die ganze Welt der Schmerzen auf ihren Schultern – die Quittung eines stolzen Herzens, das unendlich glücklich oder unendlich elend sein wollte. Vor dem starren Bildnis der Verlorenen erwachen die gemalten Züge zum Leben, und trügerische Tränen spiegeln den bitteren Verlust wider. Wenn dann der Seewind über die graue Wasserbahn streift und das Schiffsboot zur Stätte des einstigen Glücks steuert, brennt das alte Gift: Jene Tränen, die einst von ihrer weißen Hand getrunken wurden, verzehren noch immer den Leib. Und in der stillen, verlassenen Nacht steht die eigene Gestalt als bleicher Doppelgänger vor dem Haus der Verflossenen und äfft verzweifelt das Liebesleid vergangener Tage nach.



ALPHA-MÄNNCHEN


Männer in Rüstung, mit Blicken aus Stahl,

sie werden gewählt als die erste Wahl.

Ein Schritt wie ein Herrscher, das Auftreten laut,

ein Mann, dem die Seele ein Denkmal baut.


Sie lieben das Raue, das Ungebeugte,

das Selbstbewusstsein, das Freiheit erzeugte.

Ein Sturm in der Brandung, ein stolzer Bandit –

und wer ihm begegnet, der geht einfach mit.


Doch der Schatten der Krone ist eisig und schwer.

Wo einst Stolz war, fließt heute ein trübes Meer.

Die Härte, die schützte, wird starr wie Stein,

das laute Auftreten sperrt Herzen ein.


Was Anziehung war, wird zur stummen Last:

Das unzähmbare Feuer, das niemals rast,

verbrennt die Geduld und die Nähe zur Frau –

und aus dem Strahlen wird Nebel aus Grau.


So schließt sich der Kreis in dem ewigen Spiel:

Man wünscht sich die Stärke und bekommt zu viel.

Sie lieben den Sturm, der den Boden bewegt,

und leiden genau an dem Wind, der sie schlägt.



MESSE


Weil ich dem Tod nicht halten konnt’,

Hielt er voll Güte mir,

Der Wagen trug nur uns allein

Und die Unendlichkeit bei ihr.


Wir fuhren langsam, ohne Eil’,

Ich legte ab sogleich

Mein Mühsal und die Muße auch

Für seinen Anstand weich.


Wir passierten die Schule im Pausenspiel,

Wo Kinder im Kreise rangen,

Wir passierten das Feld voller starrer Saat,

Die Sonne tief vergangen –


Oder vielmehr passierte sie uns,

Der Tau zog zitternd und kalt,

Mein Kleid nur Spinnweb, hauchdünnes Tuch,

Der Kragen aus Tüll im Wald.


Wir hielten vor einem Hause still,

Einer Wölbung im Erdreich gleich,

Das Dach war kaum zu sehen mehr,

Das Gesims im Boden bleich.


Seitdem sind Jahrhunderte dahin,

Doch kürzer scheint mir die Zeit

Als jener Tag, da ich zuerst geahnt:

Die Rösser ziehn zur Ewigkeit.



KARDINAL WOELKI


O Gott, Du Ursprung aller Zeiten,

der Du die Wege Deiner Hirten lenkst,

Licht soll die Pfade ihm bereiten,

dem Du nun sieben volle Jahrzehnte schenkst.


Für den Diener Deiner heiligen Kirche,

Rainer Maria, den Kardinal,

erflehen wir des Himmels Güte,

in diesem jubelnden Gnadenstrahl.


Herr, gieße aus den Segen Deiner Hände,

schenk Stärke im Glauben, Tapferkeit und Ruh,

behüte sein Herze vor Unbill und Druck

und wende Dein Antlitz ihm gütig zu.


Und Du, o Maria, der Erwählten Krone,

Mutter des Lichtes, voll Gnade und Milde,

bringe sein Flehen vor Deinen Sohn,

sei ihm ein Schutzdach, ein leuchtendes Schilde.


Hülle ihn ein in den Mantelsaum,

führe ihn sicher durch Stürme der Zeit,

dass er im Weinberg des Herrn im Traum

zeuge von Hoffnung und Ewigkeit.


Segen des Vaters, des Sohnes und Geist,

und der Schutzfrau der Kirche, der Reinen,

geleite ihn auf allen Wegen zumeist,

bis die ewigen Morgenröten erscheinen.



HEIKE


Ein Niesen hallt im Nachbarhaus,

Frau Heike bläst die Nase aus.

Nun steht die Frage hoch im Raum,

Ein alter Brauch, man glaubt es kaum:

Darf man dem Nieser Wünsche weihn,

Oder lässt man das Wünschen sein?


Man rief einst voller Inbrunst laut:

„Gesundheit!“, wenn der Nachbar schnaubt.

Die Alten fügten gerne an,

Was man im Leben brauchen kann:

„Gesundheit, Schönheit, Kindersegen!“

Ein Segenswunsch auf allen Wegen.


Doch Knigge sprach vor manchem Jahr:

„Das Wünschen ist nicht wunderbar!

Der Nieser stellt sich selbst bloß dar,

Setzt Bakterien frei, das ist doch klar.

Sag lieber 'Entschuldigung' ganz leise,

Das gilt als feine Lebensweise.“


Gottlob ist gar nichts streng verboten!

Wer freundlich ist, braucht keine Noten.

Bei Heike aus der Nachbarschaft

Ist Herzlichkeit noch voller Kraft:

Ob „Gesundheit“ oder „Kindersegen“ –

Ein gutes Wort ist stets ein Segen!



HEIKE UND ESKE


Heike hat das Gemüt von wilden Fleischerhunden,

sie poltert laut, sie wettert wild und unumwunden.

Wer wagt es, ihren Tag mit schlechter Laune zu vergiften,

den beißt sie ohne Zögern, um die Lage rasch zu schlichten.

Ein Wetterleuchten ist ihr Blick, ein Donnerhall ihr Schritt,

sie nimmt das Leben unpoliert und jeden Kampf gern mit.


Doch hinter diesem Sturm zieht leise Eske ihre Bahn,

die Tochter schaut sich Heikes Treiben ganz besonnen an.

Wo Heike knurrt und Zähne zeigt und durch die Räume grollt,

prüft Eske erst im Stillen, was die Welt von ihr gewollt.

Ein kluger Geist, ein ruhiger Blick, bedächtig Schritt für Schritt –

sie trägt die Ruhe in dem Haus, das sonst wie Donner ritt.



SANKT CHRISTOPHERUS


Heiliger Christopherus, Schutzpatron der Fahrer und Reisenden,

stehe mir bei in dieser Stunde der Not! Blicke gnädig auf meinen Wagen und den schrecklichen Kostenvoranschlag der Werkstatt. Behalte deine schützende Hand nicht nur über meinen Wegen, sondern auch über meinem Geldbeutel.

Lass die Mechaniker ehrliche Leut' sein, die Mängel klein, die Ersatzteile günstig und den Stundenlohn erträglich halten. Halte Rost und Getriebeschaden fern und schenke mir das Wunder einer überraschend niedrigen Rechnung.

Sankt Christopherus, bitte für mein Auto – und für meine Finanzen.

Amen.



ANDREAS


Ein Klang, der durch die Ränge fließt,

Wo Geist sich mit dem Herzen mischt,

Ein erstes Thema, hell und rein,

Das tief ins Innerste entwischt.


So hinreißend, so voller Glut,

Dass stumm kein Zuhörer verbleibt —

Ein kühnes Klatschen voller Mut,

Das schon die erste Pause bricht.


Claras Trio, licht und stark,

Trieb Wogen durch den vollen Saal.

Es traf die Seele bis ins Mark,

Ein selten schöner Ohrenschmaus.


Und dann der frühe Schostakowitsch,

Der oft im Schatten weilen muss —

Hier blühte er im Rampenlicht,

Ein wilder, feuriger Genuss.


Ein Abend, der im Gedächtnis bleibt,

Vom ersten bis zum letzten Ton.

Wo Leidenschaft die Saiten treibt

Und Herzenslust den Fleiß belohnt.



SANKT JOSEF


Heiliger Josef, Schutzpatron der Familien, Handwerker und aller, die praktische Hilfe im Alltag suchen, wir kommen voll Vertrauen zu dir. Du hast für Maria und Jesus gesorgt und mit deinen eigenen Händen für ihr Wohl gearbeitet.

Gebet um Hilfe bei Wohnung, Renovierung und Reparatur

Heiliger Josef,
du kennst die Sorgen des täglichen Lebens und weißt, was wir für ein sicheres und gutes Zuhause brauchen. Wir bitten dich heute um deine Fürsprache und deine praktische Hilfe:

Für unsere Wohnungseinrichtung: Schenke uns Orientierung und Fügungen, damit wir günstige, schöne und passende Möbel und Gegenstände finden, die unser Zuhause zu einem Ort des Friedens und der Geborgenheit machen.

Für die Wohnungsrenovierung: Segne alle Arbeiten in unseren vier Wänden. Schenke uns gute Ideen, die richtigen Handwerker oder eigene Kraft und Ausdauer. Lass die Vorhaben gelingen, ohne dass die Kosten unsere Möglichkeiten übersteigen.

Für die Autoreparatur: Du warst ein treuer Handwerker und kennst die Bedeutung von verlässlicher Arbeit. Bitte stehe uns bei der anstehenden Autoreparatur bei. Führe uns zu ehrlichen und kompetenten Fachleuten und hilf, dass die Reparatur erfolgreich und finanziell tragbar bleibt, damit wir wieder sicher unterwegs sein können.

Lehre uns, auf die Vorsehung Gottes zu vertrauen und bescheiden, aber voller Hoffnung nach vorne zu blicken. Verlass uns nicht in unseren alltäglichen Nöten und segne unser Zuhause und unsere Wege.

Amen.


SANKT MICHA


Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.


Herr Jesus Christus, Du bist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater als durch Dich. Wir treten vor Deinen Thron der Gnade und bitten Dich voller Vertrauen für den Jüngling Micha.


Wir rufen auch die Fürbitte Deines heiligen Propheten Micha an, dessen Namen der junge Mann trägt. So wie der Prophet Micha unerschütterlich die Wahrheit Verkündete und auf den Retter in Bethlehem hinwies, so bitten wir heute um Beistand für diesen Jüngling:


Gebet um die Gnade der Heiligen Taufe


Herr, himmlischer Vater,

Du kennst das Herz von Micha. Du hast ihn von Mutterleibe an gerufen und liebst ihn mit einer ewigen Liebe. Wecke in seinem Herzen das Verlangen nach Deiner Gnade und dem Licht Deines Heiligen Geistes.


Heiliger Prophet Micha,

du Bote des wahren Gottes, tritt ein für deinen Namensvetter vor dem Thron des Höchsten. Bitte für ihn, dass alle Hürden, Zweifel und Ängste von ihm weichen. Erwirke ihm die Erkenntnis, dass in der heiligen Taufe die Vergebung der Sünden, die Kindschaft Gottes und das ewige Leben schenkenden Quellen liegen.


Herr Jesus Christus,

öffne Michas Geist für Dein Evangelium. Berühre seine Seele, dass er den Ruf zur Nachfolge mit freudigem und bereitwilligem Herzen annimmt. Führe ihn zum lebendigen Wasser der Taufe, damit er neu geboren werde aus Wasser und Geist und als Dein Jünger in Deiner Kirche seinen Platz finde.


Schütze ihn vor allen Irrwegen und segne jeden Schritt auf seinem Glaubensweg.


Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit.


Amen.



MARCO


deine theologie

wird mir zuviel, mein schiller

lass mich nur in ruhe

lass mir meine thriller