MAGISCHE PHILOSOPHIE

VON TORSTEN SCHWANKE



I


Dreifach ist, wie wir wissen, die Welt, die das All uns umschließet:

Elementarisch die eine, die nächste ist jene der Sterne,

Geistig die dritte zuletzt, die alles im Innersten bindet.

Jede empfängt von der höheren Welt nun die Kräfte und Gaben,

So dass der Schöpfer selbst, durch die Engel und Himmel des Aufstiegs,

Bis zu den Steinen und Pflanzen die Kraft seines Namens herabsendet.


Darum erforscht der Magier klug die Naturen der Dinge,

Nutzt die geheimen Bezüge der unteren Welt zu der oberen,

Zieht die gewaltigen Kräfte herab, die im Verborgenen schlummern.

Wer nun die Ordnung versteht und die Leiter der Wesen erkenntlich,

Wird durch die Mischung der Stoffe und durch den Einfluss der Sterne

Wunder bewirken im Kleinen, die staunend die Menschheit erblicken.



II


Magie ist die höchste Gewalt, die voll von Geheimnis und Tugend,

Fasset das Wissen der Welt und die tiefste Erkenntnis der Dinge.

Alles, was schöpfend besteht, wird durch sie erst vollkommen begriffen.

Drei sind die Wege, die führen zum Gipfel der heiligen Kunst uns:

Physik, die lehrt uns den Stoff und der Elemente Vermischung,

Wirkung der Kräuter und Steine und was in der Erde verborgen.


Mathematik ist die zweite, die misst der Gestirne Bewegung,

Kennet die Maße und Zahlen, das Licht und die Bahnen am Himmel.

Aber die Dritte im Bunde, die göttliche, heilige Lehre,

Führet zum Geiste uns hin, zu den Engeln und ewigen Mächten.

Wer nun die drei sich vereint, der beherrscht die geheime Naturkraft,

Wird zum Magier erst, der die Wunder der Schöpfung vollendet.



III


Vierfach ist, wie wir lehren, der Grundstoff der sterblichen Dinge:

Feuer und Erde und Luft, und das Wasser, das alles durchfeuchtet.

Keines besteht für sich selbst in der Reinheit des ewigen Ursprungs,

Sondern sie mischen sich stets und durchdringen einander im Wechsel.

Feuer ist hitzig und trocken, die Erde ist trocken und kältest,

Feucht ist die Luft und auch warm, doch das Wasser ist feucht und von Kälte.

Gegner sind Feuer und Flut, wie die Luft und die schwere der Erde,

Dennoch verbindet sie Gott in der Eintracht des goldenen Maßes.

Aus dieser Mischung erwächst nun die Form und die Kraft aller Wesen,

Pflanzen und Tiere und Stein, ja der Mensch in der Mitte der Schöpfung.



IV


Nun verlassen wir schon das Gebiet der groben Naturen,

Steigen hinauf zu dem Licht, das in Zahlen und Maßen verborgen.

Denn die Mathematik ist der Schlüssel zu himmlischen Kräften,

Ohne ihr Wissen bleibt blind, wer die Wunder der Welt will ergründen.

Zahlen sind heilige Pfade, die Gott in die Schöpfung gezeichnet,

Ordnen den Lauf der Gestirne und messen die Tiefe der Meere.

Nichts ist im All, das nicht Zahl und Gewicht und ein Maß in sich trüge,

Alles durch Proportion wird in Eintracht und Schönheit gebunden.

Wer nun die Brücke versteht von der Erde zum geistigen Reiche,

Nutzt das Gesetz der Harmonik, um Wunder auf Erden zu wirken,

Zieht durch die Macht der Figur die geheimen Gewalten der Sterne

Nieder in Stoff und in Bild, wie es weise die Alten uns lehrten.



V


Eins ist der Ursprung von allem, das Maß und das Ziel der Naturen,

Unteilbar ruht sie in sich, ohne Anfang und Ende der Tage.

Alles, was Vielheit erscheint, muss im Grunde der Einheit entspringen,

Gleichwie der Punkt ist der Vater von Linien, Flächen und Körpern.

Gott ist die höchste Monade, die alles im Geiste umschließet,

Einer allein ist der Schöpfer, der Licht aus der Finsternis rufet.

Eins ist der Geist in der Welt, der die Glieder des Alls nun belebet,

Eins ist die Sonne am Himmel, die strahlend die Schatten vertreibet.

Wer nun die Macht der Zusammenkunft kennt und die Wurzel der Dinge,

Findet den Weg zu dem Einen, der alle Geheimnisse bindet.



VI


Folget die Zwei nun der Eins, so beginnt schon das Werden der Dinge,

Denn die Bewegung entspringt aus dem Abstand der Punkte im Raume.

Zwei ist die Zahl der Polarität, der Spannung und Reibung,

Abbild der Materie selbst, die sich spaltet vom göttlichen Urgrund.

Licht und der Schatten im Kampf, so auch Leben und sterbliches Ende,

Männlich und weiblich gepaart, um das Neue der Welt zu gebären.

Zwei sind die Tafeln des Rechts, zwei die Lichter am Himmelsgewölbe,

Sonne und Mond in dem Lauf, die das Jahr und die Zeiten uns ordnen.

Doch wer die Zwei nur betrachtet, der findet den Streit und den Zweifel,

Böses und Gutes im Ring, bis die Drei sie im Frieden verbindet.



VII


Heilig erscheinet die Drei, die den Zwiespalt der Zwei nun beendet,

Anfang und Mitte und Ende verbindet sie fest zur Vollendung.

Dreifach erstrahlet der Gott in der Einheit der ewigen Wesen,

Vater und Sohn und der Geist, die die Welt aus dem Nichts heraufriefen.

Dreifach ist auch die Natur, die der Magier forschend betrachtet:

Körper und Seele und Geist sind die Leiter des menschlichen Lebens.

Drei sind die Reiche der Welt, die der Schöpfer in Ordnung geordnet,

Drei sind die Zeiten des Seins: Was da war, was da ist und was kommen wird.

Wer nun die Drei in sich trägt und die Macht der Trinität erkennet,

Findet den Schlüssel zum Licht, der die Tore des Himmels uns öffnet.



VIII


Vierfach ist nun das Fundament, das die Schöpfung befestigt,

Vier sind die Angeln der Welt und die Winde aus allen Richtungen.

Osten und Westen gepaart mit dem Norden und Süden der Erde,

Ordnen den Raum und die Zeit in dem ewigen Kreislauf der Jahre.

Frühling und Sommer und Herbst und der Winter, der alles erstarren lässt,

Vier sind die Alter des Menschen vom Kinde zum greisenhaften Ende.

Vier sind die Säfte im Leib, die die Mischung des Lebens bestimmen,

Galle und Blut und der Schleim mit der Schwermut der schwarzen Galle.

Gleichwie der Name des Herrn aus vier heiligen Lettern gebildet,

Trägt auch die Welt das Quadrat als das Siegel der göttlichen Ordnung.



IX


Fünffach erscheinet die Zahl, die das Leben der Wesen verkündet,

Denn aus der Zwei und der Drei ist die heilige Pentas entsprossen.

Gleichwie der Mensch in Gestalt sich erhebt mit den fünf Gliedmaßen,

Breitet er aus seine Hand und die Finger am Ende des Armes.

Fünf sind die Sinne im Leib, die die Welt in das Innere leiten:

Sehen und Hören und Duft, auch der Geschmack und das Fühlen.

Alles, was lebend sich regt, trägt das Siegel der Fünf auf der Stirne,

Fünf sind die Wunden des Herrn, die das Heil der Erlösten besiegeln.

Wer nun das Zeichen versteht, das als Stern in die Nacht hineinleuchtet,

Bändigt die Geister der Luft durch die Kraft der lebendigen Ordnung.



X


Sechs ist die Zahl des Ertrags, die vollkommene Mitte der Ordnung,

Denn ihre Teile vereint ergeben das Ganze der Summe.

Eins und die Zwei und die Drei sind der Sechs ihre heiligen Glieder,

Gleichwie der Schöpfer die Welt in sechs Tagen zum Dasein gerufen.

Sechs sind die Richtungen auch, die den Raum in der Tiefe durchmessen:

Oben und Unten gepaart mit dem Vorne und Hinten des Ganges,

Rechts und die Linke dazu, so erstreckt sich das Maß in die Weite.

Sechs sind die Flügel des Geists, der vor Gottes Angesicht schwebet,

Sechs auch die Kreise am Himmel, die wandernd die Zeiten bestimmen.

Wer nun das Siegel der Sechs in der Form des Dreiecks verbindet,

Findet den Makrokosmos, der alles im Geiste umschließet.



XI


Heilig erscheinet die Sieben, die alles im Kreise vollendet,

Reich an Geheimnis und Kraft, die das Schicksal der Menschen regieret.

Sieben Gestirne am Himmel, sie wandern in ewigen Bahnen,

Sonne und Mond und der Mars mit dem Merkur und Jupiter-Lichte,

Venus, die lieblich erstrahlt, und der Saturnus, der kälteste Wandrer.

Sieben sind Tage der Woche, die Gott uns zum Maße gegeben,

Sieben die Gaben des Geists, die die Seele mit Weisheit erfüllen,

Sieben die Stimmen im Chore, die tönend die Sphären durchdringen.

Wer nun die Sieben versteht und die Siegel der Sterne zu binden,

Wandelt im Lichte der Zeit und beherrscht die Gewalten des Glückes.



XII


Acht ist die Zahl der Gerechtigkeit, fest wie ein Würfel gegründet,

Gleich in den Teilen und wahr, in der Waage des Rechtes gewogen.

Über die sieben Gestirne, die kreisend das Schicksal uns weben,

Steigt sie zum achten Gewölbe, wo ruhig die Fixsterne leuchten.

Acht sind die Seligkeiten, die Christus den Menschen verkündet,

Acht war die Schar in der Arche, die Noah vom Tode gerettet.

Sie ist das Siegel der Fülle, das über die Zeitlichkeit reichet,

Ordnet die Windrose klug und die Wege der Seefahrt auf Erden.

Wer nun die Acht zu gebrauchen versteht in der magischen Ordnung,

Findet die Ruhe im Sturm und das Heil in der ewigen Wahrheit.



XIII


Neun ist die Zahl der Vollendung, das Siegel der geistigen Welten,

Dreifach die Drei nun vereint, um die Spitze des Seins zu berühren.

Neun sind die Chöre der Engel, die Gott in der Höhe besingen,

Seraphim, Cherubim auch, und die Throne in feurigem Glanze,

Herrschaften, Mächte und Kräfte, und dann die gewaltigen Fürsten,

Erzengel folgen darauf, und die Engel, die Menschen behüten.

Neun sind die Musen am Parnass, die Künste und Wissen beflügeln,

Neun sind die Sphären der Welt, die in kreisender Eintracht sich drehen.

Wer nun die Neun zu beschwören versteht mit dem heiligen Worte,

Öffnet das Tor zu dem Geist, der die Grenzen des Stoffes durchbricht nun.



XIV


Zehn ist die Krone der Zahlen, das Ziel und das Maß aller Dinge,

Denn sie umschließet die Welt und führt uns zur Einheit zurücke.

Nichts ist im Denken der Menschen, das über die Zehn hinausreichet,

Alles, was weiter wir zählen, beginnt mit der Eins von dem Neuen.

Zehn sind die heiligen Namen, in denen der Schöpfer sich offenbart,

Zehn die Gebote des Rechts, die auf Steinen dem Volke gegeben.

Zehn sind die Sephiroth-Zweige am Baum der geheimen Erkenntnis,

Die von der Krone des Lichts bis zur Erde die Kräfte verteilen.

Wer nun die Zehn in sich fasst und die Ordnung der Schöpfung begreifet,

Findet den ewigen Ring, der das Ende dem Anfang vermählet.



XV


Drei ist die Zahl des Saturn, des Hüters der einsamen Schwelle,

Darum ordne das Feld in drei Zeilen und dreifache Spalten.

Neun sind die Plätze im Gitter, die Zahlen von Eins bis zur Neune

Füllen den heiligen Raum, doch die Summe bleibt ewig dieselbe:

Fünfzehn erscheint im Gewicht, wenn du waagerecht, senkrecht sie zählest,

Fünfzehn auch quer durch die Mitte, so bindest du schwere Gewalten.

Blei ist das Metall seiner Wahl, auf das du die Zeichen sollst graben,

Wenn er am Himmel regiert und die Schatten der Nacht uns umschließen.

Dieses Quadrat bannt den Streit und es festigt das Glück in dem Hause,

Schützt vor dem Neid und dem Tod, wenn du klug seine Namen beschwörest.



XVI


Vier ist die Zahl des Jupiters, herrschend in Milde und Segen,

Zinn ist das glänzende Erz, das die Gunst des Olymp uns gewähret.

Vier mal die vier ist das Feld, sechzehn Zahlen besetzen die Plätze,

Dass in der Summe das Maß von vierunddreißig erscheine.

Wo du es waagerecht liest oder senkrecht die Glieder betrachtest,

Immer erwächst dieser Wert, der den Frieden und Wohlstand besiegelt.

Trage dies Bildnis bei dir, wenn der Stern in der Höhe kulminiert,

Dass es den Zorn der Gewaltigen sänftigt und Liebe dir schenket.

Hasser vertreibt es mit Macht und es mehrt dein Geschick in den Dingen,

Dass dir das Schicksal gewogen im Lichte des Vaters der Götter.



XVII


Fünf ist die Zahl nun des Mars, der in feuriger Rüstung erscheinet,

Eisen, das harte Metall, ist dem Streiter am Himmel gewidmet.

Fünf mal die fünf ist das Feld, fünfundzwanzig die Zahlen im Ganzen,

Dass in der Summe der Wert von fünfundsechzig entspringe.

Was du auch zählst in dem Plan, es ergibt die Gewalt des Gebieters,

Der in dem Kriege den Sieg und dem Mutigen Stärke verleihet.

Trage dies Siegel aus Erz, wenn du Feinde und Schrecken willst bannen,

Dass es den Hochmut bricht und das Schwert in der Scheide lässt ruhen.

Doch sei gewarnt vor dem Zorn, denn die Kraft, die im Eisen verborgen,

Wendet sich gegen den Geist, wenn die Mäßigung klug du vergissest.



XVIII


Sechs ist die Zahl nun der Sonne, die herrscht in dem Zentrum der Sphären,

Gold, das edelste Erz, ist dem göttlichen Lichte geheiligt.

Sechs mal die sechs ist das Feld, sechsunddreißig die Zahlen im Ganzen,

Dass in der Summe der Wert von einhundertelf nun erscheine.

Was du auch zählst in dem Plan, es ergibt die Vollendung des Tages,

Der die Finsternis bricht und die Schatten der Seele vertreibet.

Trage dies Bildnis aus Gold, wenn du Gunst bei den Mächtigen suchest,

Dass es den Namen dir ehrt und den Glanz deines Wirkens vermehret.

Schönheit und Ansehen schenkt es und macht dich zum Liebling der Menschen,

Füllet das Herz mit dem Licht, das die Sorgen der Welt überwindet.



XIX


Sieben, die heilige Zahl, ist der Venus im Himmel gegeben,

Kupfer, das sanfte Metall, dient der Herrin der Liebe als Spiegel.

Sieben mal sieben das Feld, neunundvierzig die Plätze im Ganzen,

Dass in der Summe der Wert von einhundertfünfundsiebzig

Überall dort nun erscheint, wo du waagerecht, senkrecht sie zählest.

Trage dies Bildnis bei dir, wenn du Gunst bei den Frauen begehrest,

Oder wenn Zwietracht und Hass du in Freundschaft und Lust willst verwandeln.

Heilung dem Körper es schenkt und vertreibet die dunkle Erstarrung,

Machet das Leben zum Fest und die Herzen der Menschen dir offen,

Dass in dem Tanze der Welt sich die Eintracht der Seelen vollende.



XX


Acht ist die Zahl des Merkur, der flink auf den Schwingen des Geistes

Eilet durch Welten und Zeit als Verkünder der göttlichen Wahrheit.

Acht mal die acht ist das Feld, vierundsechzig die Zahlen im Ganzen,

Dass in der Summe der Wert zweihundertsechzig erscheine.

Wo du auch suchest im Plan, es erwächst die Gewalt des Verstandes,

Der die Geschäfte des Markts und die Künste der Rede beflügelt.

Trage dies Bildnis bei dir, wenn du Wissen und Klugheit begehrest,

Oder wenn Reichtum durch Handel und List du im Leben willst finden.

Gedächtnis es stärkt und den Witz, und es schützet den Boten auf Reisen,

Dass vor dem Trug der Welt die Vernunft dir als Leuchte erstrahle.



XXI


Neun ist die Zahl nun des Mondes, der nächtlich die Schatten regieret,

Silber, das reine Metall, ist dem wechselnden Lichte gewidmet.

Neun mal die neun ist das Feld, einundachtzig die Zahlen im Ganzen,

Dass in der Summe der Wert dreihundertneunundsechzig

Überall dort nun erscheint, wo die Kräfte des Kreises sich binden.

Trage dies Bildnis bei dir, wenn du Schutz auf den Wassern begehrest,

Oder wenn Heilung du suchst für den Leib, der im Wechsel erkranket.

Günstig macht es das Volk und es mehrt die Erträge der Ernte,

Scheu macht es böse Gewalt und vertreibet den Neid aus dem Hause,

Dass in dem Rhythmus der Nacht sich das Glück deiner Wege vollende.



XXII


Nun erhebt sich der Geist zu den Gipfeln der göttlichen Klarheit,

Denn kein Wissen allein durchbricht die Schranken des Fleisches.

Heilig muss sein, wer die Mächte des Himmels zu rufen vermöget,

Rein das Gebet und das Herz von der Schlacke der Erde gereinigt.

Gott ist der Quell aller Kraft, der die Engel und Geister beseelet,

Ohne den Glauben ist Kunst nur ein Schatten, der wirkungslos schwindet.

Opfer und Ritus und Wort sind die Brücken zum ewigen Throne,

Dass die geheime Gewalt aus der Höhe zum Menschen herabsteigt.

Ehre das Göttliche stets, wenn du Herrschaft über Geister begehrest,

Denn nur der Diener des Lichts wird als Meister der Welten erkannt nun.



XXIII


Verschließe die Lippen mit Fleiß und bewahre das heilige Wissen,

Denn das Geschwätz der Menge zerstört die Gewalt der Beschwörung.

Gleichwie ein Schatz, den man offen am Wege der Wanderer zeiget,

Raubt die Vernunft dem Mysterium Kraft und den göttlichen Schimmer.

Nur im verborgenen Raum, in der Stille des einsamen Geistes,

Keimt das geheime Gebet und entfaltet die Flügel zum Himmel.

Wer das Geheime verrät an die Ohren der Unwürdig-Frechen,

Lockt den Verderber herbei und verliert die Begnadung der Höhe.

Hüte das Wort wie dein Blut und die Zeichen vor neugier’gem Blicke,

Dass dir das Werk wohl gelingt in der heiligen Nacht der Verschwiegnheit.



XXIV


Höre die Namen des Herrn, die in heiligen Lettern geschrieben,

Welche die Welt einst erschufen und heute die Ordnung bewahren.

Jeder Buchstabe trägt ein Geheimnis, ein Feuer, ein Leben,

Das aus dem Ewigen stammt und das Dunkel der Materie durchleuchtet.

Das Tetragrammaton, jenes Wort aus vier heiligen Zeichen,

Bindet die Elemente und lenkt die Gestirne der Höhe.

Wer diese Namen mit Ehrfurcht im Herzen und Reinheit der Seele

Richtig zu rufen versteht, dem gehorchen die Geister der Lüfte.

Wunder geschehen durch Wort und durch Glaube, die fest sich vereinen,

Denn in dem Namen des Höchsten liegt alles, was ist und was sein wird.



XXV


Dreifach ist nun die Ordnung, in der sich die Geister bewegen,

Neun sind die Chöre im Ganzen, die Gott in der Höhe umringen.

Oben die erste der Gruppen, im Feuer der Nähe entzündet:

Seraphim brennen in Liebe, und Cherubim leuchten in Weisheit,

Throne, sie stützen den Gott und verkünden das Ende der Zeiten.

Mitte der Ordnung bewahren die Herrscher, die Mächte und Kräfte,

Welche die Sterne regieren und Wunder auf Erden vollbringen.

Unten, dem Menschen am nächsten, da wirken die Fürsten und Engel,

Erzengel künden das Große, die Engel behüten den Wandrer.

Alles ist Stufe um Stufe gefügt in der heiligen Leiter,

Dass durch die Boten des Lichts uns der Segen des Schöpfers erreiche.



XXVI


Suche den Stern, der am Tage der Geburt hoch im Aufgang gestanden,

Prüfe die Grade des Lichts und die Häuser im Kreise des Tieres.

Denn in den Zeichen der Sterne verbarg der Schöpfer den Namen,

Der dir als Wächter bestimmt, seit das Leben den Odem empfangen.

Nimm die Buchstaben klug aus dem Grade, wo Luna und Sonne,

Und der Beherrscher des Hauses sich treffen im Bunde der Kräfte.

Füge die Endung hinzu, die den Geist als den Boten des Höchsten

Kennzeichnet oben im Licht, und so rufst du den eigenen Führer.

Er ist der Spiegel der Seele, er lenkt dich in Fährnis und Dunkel,

Hüte sein Siegel mit Fleiß, dass die Hilfe des Himmels dir bleibe.



XXVII


Nicht nur im Wort und im Klang ruht die Macht der himmlischen Boten,

Auch in dem Bilde, dem Zeichen, das kunstvoll der Magier zeichnet.

Nimm die Buchstaben nun, die den Namen des Geistes bedeuten,

Ordne sie klug im Quadrat, das den Planeten ist eigen.

Zieh dann die Linie vom Ersten zum Zweiten und weiter zum Dritten,

Bis sich die Form offenbart, die das Wesen des Geistes umschließet.

Dies ist sein wahres Gesicht, sein Charakter, das heilige Siegel,

Welches die Seele erkennt und die Mächte des Äthers bezwinget.

Grab es in Erz oder Wachs, wenn die Stunde des Sterns ist gekommen,

Dass durch das Bildnis die Kraft aus der Höhe im Stoffe sich binde.



XXVIII


Wie ein Siegel entsteht

Agrippa beschreibt verschiedene Wege, um ein solcStehe nun fest im Kreise und rufe mit mächtiger Stimme,

Dass die Gewalten der Luft dein Gebot und dein Flehen vernehmen.

Nicht mit dem Zweifel im Herzen, nein, herrschend mit göttlicher Vollmacht,

Nenne die Namen der Macht, die das Siegel des Geistes umschließen.

Fange bescheiden nun an, die lichten Intelligenzen zu bitten,

Dass sie den Boten dir senden, der Wahrheit und Antwort dir bringet.

Doch wenn der Geist sich verweigert und finster im Schatten verharret,

Nutze die heiligen Worte, die bindend den Äther durchdringen.

Rauchwerk erfülle den Raum und der Wille sei scharf wie ein Eisen,

Bis sich die Form dir enthüllt und der Geist dir die Ehre erweiset.



XXIX


Reinige nun dein Fleisch und die Seele von jeglichem Makel,

Wenn du die Schwelle betrittst, wo das Licht der Ewigkeit leuchtet.

Meide den Wein und die Speisen, die schwer den Verstand nur betrüben,

Hunger und Wachen sind Waffen, die schärfen den Blick in das Geist’ge.

Wasche den Körper mit Wasser, das klar aus der Quelle entspringet,

Dass auch der äußere Mensch dem inneren Glanze nun gleiche.

Kleide dich weiß und in Leinen, das ohne den Flecken der Erde,

Denn nur der Reine darf nahen dem Thron der erhabenen Mächte.

Stille die Gier der Sinne und richte den Geist in die Höhe,

Dass in der Leere des Leibes die Fülle des Gottes erwache.



XXX


Hauche den Geist in den Stoff, der leblos und stumm vor dir lieget,

Denn durch die Weihe allein erwacht die verborgene Tugend.

Wasche den Stahl und das Gold mit dem Wort und dem heiligen Wasser,

Dass jede fremde Gestalt aus dem Inneren weiche und fliehe.

Rufe die Namen des Lichts über Ringe und schimmernde Klingen,

Zieh mit dem Finger das Kreuz und das Siegel der ewigen Ordnung.

Glaube allein ist der Quell, der das Irdische heilig verwandelt,

Dass ein Metall nun befiehlt und die Geister dem Zeichen gehorchen.

Weihe den Ort und das Werk mit dem Feuer und duftenden Harzen,

Bis dass die göttliche Kraft in das Werkzeug des Magiers einzieht.



XXXI


Reinige gründlich den Leib und die Seele von jeglichem Makel,

Wenn du die Schwelle betrittst, wo das Licht der Unendlichkeit leuchtet.

Meide den Wein und das Fleisch, die den Geist nur beschweren und trüben,

Fasten und Wachen sind Waffen, die schärfen den Blick für das Geist’ge.

Wasche den Körper mit Wasser, das klar aus der Quelle entspringet,

Dass auch der äußere Mensch dem inneren Glanze nun gleiche.

Kleide dich weiß und in Leinen, das ohne den Flecken der Erde,

Denn nur der Reine darf nahen dem Thron der erhabenen Mächte.

Stille die Gier der Sinne und richte das Denken nach oben,

Dass in der Stille des Herzens die Stimme des Gottes erwache.



XXXII


Hauche den Geist in den Stoff, der leblos und stumm vor dir lieget,

Denn durch die Weihe allein erwacht die verborgene Tugend.

Wasche den Stahl und das Gold mit dem Wort und dem heiligen Wasser,

Dass jede fremde Gestalt aus dem Inneren weiche und fliehe.

Rufe die Namen der Macht über Ringe und schimmernde Klingen,

Zieh mit dem Finger das Kreuz und das Siegel der ewigen Ordnung.

Glaube allein ist der Quell, der das Irdische heilig verwandelt,

Dass nun ein Eisen befiehlt und die Geister dem Zeichen gehorchen.

Weihe den Ort und das Werk mit dem Feuer und duftenden Harzen,

Bis dass die göttliche Kraft in das Werkzeug des Magiers einzieht.



XXXIII


Nun ist das Werk vollbracht, das die Welten im Geiste vereinet,

Von den Atomen des Staubs bis zum Thron in den höchsten der Sphären.

Doch sei gewarnt, o Wanderer, der du die Pfade nun kennest:

Wissen allein ist nur Schein, wenn die Liebe im Herzen dir fehlet.

Suche das Licht nicht im Stolz und die Macht nicht zum Schaden der Brüder,

Denn wer den Himmel bestürmt, wird vom eigenen Feuer verzehret.

Gott ist das Ziel und der Quell, dem die magische Kunst nur ein Diener,

Alles ist eins in dem Wort, das die Ewigkeit schweigend umschließet.

Gehe in Frieden nun hin und bewahre das heilige Siegel,

Bis sich der Schleier verliert und die Seele das Wahre erschauet.