Von Torsten Schwanke
1
Groningen ist ’ne edle Stadt,
wo manch Geschlecht gesessen hat.
Mitten in Friesland liegt sie gut,
wohlhabend, stark und hochgemut.
Folkmar Allena – reich und frei,
ein Mann von hohem Ansehn sei –
er ritt in stolzer, kühner Kraft
vor Kaiser Karls gewaltge Haft.
„O Kaiser Karl, nimm Friesen hin,
so bleibt dein Burgwerk stets Gewinn!“
„Nie geb’ ich Friesen in die Hand,
nicht für zehntausend Mark im Land!“
Die Burg war rings mit Wehr umstellt,
mit Schild und Speer, wie’s Krieg gefällt.
In Sankt-Petersnacht fiel sie dahin,
so Gott es wollte in seinem Sinn.
Und auf der Burg schlug man sie tot,
Frau Lysa, Kinder – jammervoll Lot!
Frau Lysa ist tot, die Kinder sind hin,
so fielen viele Fürsten dahin.
So soll's den Feinden immer geschehn,
die Friesland niederzwingen woll’n.
2
An Sankt Magnus’ hellem Tag
sah man, was dort vor Osterhusen lag:
die Hamburger mit Emder Macht,
in Waffen kühn, zum Sturm gebracht.
Doch Sibo, Junker von Esens frei,
ritt her und führte seine Reih’.
Er trieb die Feinde schnell und bang
zurück nach Emden, schmal der Gang;
mit Büchsen, Blei und Pfeilenschlag
vertrieb er sie in kurzer Frist,
daß niemand dort mehr sicher ist.
3
Bischof Heinrich kam ins Land,
legte Weener, Stapelmoor in Brand,
mit Knechten rauh, mit Kriegeslist,
die Beute groß, die Not gewiß.
Kommt er je wieder ins Reiderland,
dann scheren wir ohne Zögern ihn blank –
die Haut hinab bis auf die Bein’,
soll seine letzte Mahnung sein!
4
Da kommt der Herr von der Deken her,
verbietet Lachen rings umher,
verbietet Reden, jede Mien’,
will keine Hand, kein Zahn erspähn.
Ein Griff ans Ohr – o weh, o weh! –
und sieben Schläge außerdem.
5
Christus ist auferstanden frei,
drum muss nun Vyth aus diesem Land entzwei.
So freuen wir uns allzumal:
Graf Edzard, unser Trost zumal.
Kyrie eleison!
6
Der Graf von Oldenburg im Mai,
Christopher von Jever steht dabei,
Hero Omken in den Bohnen weit –
Graf Edzard lohnt’s euch später heut’.
7
Als Graf Edzard erreichte seine alten Tage,
da trug er Gottes Heil in Herz und Seele, ohne Klage.
Und sonderlich, als Martin Luther neu das Wort entfacht,
nahm Edzard selbst die Bibel vor sich – hat sie Tag und Nacht
gelesen und den Willen seines Herren wohl erwogen
und allen Menschenträumen, Wirren, Lehren abgesprochen.
Was ihm in jungen Jahren einst den Sinn verwirrt,
das hat er abgetan, sobald der rechte Geist ihn führt.
Er merkte bald, wie Papstes Satzung wankt und bricht,
und Gottes Geist allein die Seelen stärkt und richtet.
Er ließ in seiner Grafschaft predigen das reine Wort,
in allen Landen, Städten, Dörfern, jedem Ort –
zum Trotz der halsstarrigen Christen wider ihn,
zum Trotz der Widersacher, die voll Trotz und Zornes Sinn.
In jungen Jahren ist er auch zur See gefahren,
von Venedig nach Jerusalem in ernsten, schweren Jahren.
Dort kam er in Gefahr und manche große Not,
in Jerusalem, wo Christus selbst erduldete den Tod.
Er war auch in den Künsten wohlbewandert,
von niedrig wie von hohem Stand geehrt und anerkannt.
Ein jeder pries ihn sehr, im ganzen weiten Land,
denn seinesgleichen ward in Ostfriesland nie bekannt –
besonders da er viele Taten, mannigfach und groß,
für Friesland wirkte, lange stand das Land in einem Schoß:
Er führte seine Untertanen weise, stark und mild
und schützte sie mit kräft’ger Hand wie ein getreuer Schild,
zu Wohlfahrt und zu Nutzen all der seinigen im Land –
so führte er Ostfriesland fest in sicherer Hand.
Im Jahr, da man 1528 geschrieben,
hat Edzard seine Seele Gott vertrauend hingegeben,
nachdem er siebenunddreißig Jahre Herrschaft trug,
und sechsundsechzig Jahr sein ganzes Leben schlug.
Ich Pasquillus hätt’ dies wohl schöner ausgestaltet,
wär’ ich nicht durch viel Werk und andre Pflicht gehalten.
Drum bin ich durch die Lande selbst gezogen,
hab’ alles treulich nachgefragt und unverfälscht erwogen,
und setz es hier nun kurz in Reime, schlicht und frei,
damit man Edzards Taten frisch im Gedächtnis halte dabei.
Der Allmächtige woll’ den Ostfriesen Gnade geben,
dass sie solch einen Herrn doch wieder könnten erleben.
Dies alles sei gescheh’n im Namen unsres Herrn;
die ganze Gemein’, ob arm, ob reich, begehr’ nichts andres gern.
8
Hätten wir einen Glauben all in Christ,
das gemeine Wohl vor Augen ist;
mit gutem Frieden, rechtem Recht,
und Maß und Elle gleich und gerecht,
dazu ein ehrlich Münzgepräge,
dann stünd’ es wohl auf aller Wege.
Denn hielten wir uns an die Sitten
der Alten, die uns wohl gelitten,
so brächten sie uns Glück zurück—
doch sind wir allzu leicht im Stück.
Und dächten wir nur stets daran,
wie Frisland einst zugrunde kam
durch Seidenstoffe fremder Art,
durch englisch Tuch und Kriegsgefahr,
durch Hamburger Tappenbier dazu—
das machte Schaden, nicht viel Müh.
Ein redlich Mann hat längst befunden,
dass Überfluss gebiert die Sünden.
Ließen wir also unser Prangen
und suchten nicht den Trunk mit Bangen
aus Krügen, Schalen, Kannen groß—
es stünde uns gleich besser los.
Würden wir endlich davon lassen,
es hülfe allen Ständen, Klassen.
Denn liefen sie in Frisland nicht
so oft zum Wirtshaus ins Gesicht,
so hätt’ ein jeder Gut und Geld
genug zum Leben in der Welt.
Betrug im Kauf, der Wucherlohn
und andres Unrecht rings davon
war in den alten Tagen fern
und galt in diesem Land nicht gern.
Was nützt dein Greifen, Grabben, Raffen?
Wir sollten’s lassen—ohne Strafen.
Ob Kaiser, König, Fürst und Graf:
Gleich sei der Mensch im letzten Schlaf.
Der Herr nehm’ unsre Seelen dann
in sein ewig Reich, so bitt’ ein Mann.
9
Hätten wir alle rechten Glauben
Und Gott und Volkswohl vor den Augen,
Gerecht Gericht und guten Frieden,
Ein Maß, das allen recht beschieden,
Ein Ellenmaß, Gewicht und Waage,
Münz’ ohne Falsch an jedem Tage –
Dann stünd’ es wohl in aller Welt,
Und Unheil wär’ hinweggestellt.
10
Ihr Richter, denkt an eure Pflicht,
Beratet, dass man Jedem Recht zuspricht;
Fürchtet Gott und sein Gericht,
O Richter hier in dieser Welt:
Gebt Seele, Ehr’ nicht hin für Geld!
Denkt stets an eure letzten Dinge;
Dann tut ihr Recht in kleinsten Dingen.
Richtet nach dem, was dieses Buch begehrt,
So wahrt ihr Leib und Gut und Ehr’.
11
Von falschen Richtern lernt man viel:
Sie nehmen Armengut zum Ziel
Und sprechen schnell ein mildes Wort,
Wenn Geld die Urteilskraft verdorrt.
12
„Tasche, was willst du geben mir?
Dann wird mein Spruch recht gnädig dir.
Tasche, willst du länger leben,
So musst du meinem Herrn was geben!“
13
Auf Land und Meer wird viel geraubt;
Doch rauben Tasch’ und Richter – unbelaubt –
Weit schlimmer noch und ohne Scheu:
Ihr Unrecht macht die Armen neu.
14
Der Frieden kann mit Ehr’ und Milde
Bewahren Länder, Dörfer, Wilde;
Der Krieg jedoch verderbt die Welt,
Ob reich sie ist, ob arm an Geld.
Fried’ ist mehr wert als Gold und Stein;
Ein weiser Mann begehrt nicht Feind und Pein.
Gottesdienst wird im Krieg gebrochen,
Geschrieben Recht und Sitt’ verdrossen.
Gewonnen Gut wird bald verzehrt,
Was gut und göttlich war – verkehrt.
Die Werkstatt steht in Staub und Bann,
Der Pflug bleibt rosten still sodann.
Der Kaufmann fürchtet Feindes Hand,
Ob er zu Wasser reist, zu Land.
Die Jungen mit den Alten sterben,
Die Jungfraun müssen Not ererben;
Ach, wie viel Witwen, Waisen mehr
Entstehen, wo Mars führt sein Heer!
Das sollen Fürsten wohl bedenken
Und ihren Rat dem Frieden lenken.
Ein Denkzettel der Klöster in Friesland
(hochdeutsche Knittelreime)
Weil, wie es geht hinauf, hinunter,
Vergisst man leicht und wird nur bunter,
Dass Kinder, Kindeskinder nicht mehr wissen,
Wie viele Klöster einst gewesen,
Wohin sie kamen, wo sie standen,
Die fromme Väter Gott einst sandten.
Und wenn dies manches Unrecht war,
So seh’ ich doch ganz offenbar,
Dass man sie nicht zum Bess’ren nützt,
Vielmehr verprasst und schlecht verschmitzt:
Herr und Knecht verzehren gleich,
Was Gottes Gut, was Gottes Reich.
Man mischt das Heil’ge mit dem Weltengut,
Und merkt nicht, wie das Eine das Andre tut—
Es frisst und zehrt’s zuletzt hinweg,
Und keinem bleibt ein guter Steg.
15
Man soll der Armen Gut nicht prassen,
Mit Pracht und Überfluss verprassen;
Noch alle Klöster, Kirchengut
Dem eignen Nutzen schlagen zu.
Wie Diebe jagen sie mit Pferden,
Mit Hunden, Jägern nah und ferne,
Obwohl die Güter nicht gestift’t
Von Grafen einst – wie’s heute trifft –
Sondern der armen, frommen Schar,
Der Untertanen Gaben war.
Die sollten wiederum im Land
Zum allgemeinen Nutzen stand
Und niemand drum sich grämen soll;
Wer darum bittet, treu und voll,
Dem gebe Gott den Landesherrn
Mit Glück gesegnet nah und fern.
Das Land, das Klöster, Meierhöfe
Besessen einst – in alter Schove
Der Friesen zählt’ man fünfzigtausend
Demten, Grasen, Maß zutrauend –,
Alles zum Nutz der Armen nur
Und Geistlichen auf ihrer Spur.
Was ist es heute? Frag die Zeit –
Entwichen ist die Mildigkeit.
16
Störtebeker und Michel, beide
Trieben Raub in gleicher Weise,
Zu Wasser wie zu Lande frei,
So lang, bis Gott vom Himmel droh
Ihr Tun verdroß – da war’s vorbei.
Da mussten sie viel Schande leiden,
Gefangenschaft und harte Zeiten.
Was sie geraubt bei Nacht und Tag,
Das brachten sie nach Marienhavg;
Dort stand ein Turm, wohl stark gebaut,
Dort rieten sie wie Tier in Laut,
Hamburger Tappen tranken sie gern,
Bei Feuer, Wind und Himmel fern.
Störtebeker sprach unverwandt:
„Die Nordsee ist mir wohlbekannt;
Ich will sie uns zu Beute machen.
Die reichen Hamburger Kaufherrn kühn,
Die sollen unser Zechen zahlen.“
Sie schifften ostwärts längs dem Deich:
„Hamburg, Hamburg, Stadt so reich,
Du kannst an uns nichts gewinnen;
Was wir nun mit dir wollen tun,
Das wollen wir beherzt beginnen.“
Das hörte wohl ein kühner Mann,
Der kam nicht lang ums Nachsinn’n an;
Er lief nach Hamburg schnell hinüber,
Er fragte nach des Bürgermeisters Haus,
Zu warnen Rat und Oberhüter.
„Ihr lieben Herren in Gottes Ehr,
Haltet dies Botschaft nicht zu schwer,
Die ich euch will verkünden:
Der Feind liegt euch so nahe bei,
Ihr könnt ihn leicht ergründen.
Der Feind liegt hart vor eurer Tür,
Nun habt ihr Edlen die Wahl dafür –
Sie liegen dort an den Gestaden:
Lasst sie in Frieden weiterziehn,
Sonst fällt auf Hamburg Schmach und Schaden.“
Der älteste Bürgermeister sprach:
„Guter Freund, wir kennen dich schwach,
Was kannst du uns an Sicherheit geben?“
Er sprach: „Was ich verbürgen kann,
Sind meine treuen Eide eben.
Ihr sollt mich setzen aufs Vorderkastell,
Dort helf ich euch nach Kräften schnell.
Kommt dann der Feind herangelaufen
Und zeigt ihr Falschheit gegen mich,
So mögt ihr mich ersaufen.“
Die Herren von Hamburg zogen aus,
Sie gingen an Bord mit Flott und Tross;
Die Schiffe krachten manches Mal
Hart an den Sandbänken überall;
Vor Tag sie sahen die Seezeichen schmal.
Doch brach das Sonnenlicht durchs Grau,
Und heller ward das Wetter blau.
Da mussten die Räuber verderben;
Bald sah man Feinde in der Sicht:
Störtebeker und Micheel – im Sterben.
Ein Holk mit Wein, den hatten sie,
Und kamen so die Weser hin,
Dem Kaufmann Schaden zu bereiten;
Sie wollten damit nach Flandern ziehn –
Doch mussten sie ihr Leben lassen.
„Halt an, Gesellen, trinkt nicht mehr!
Drei Schiffe nahen übers Meer,
Bemannt mit Hamburgs Söhnen.
Kommen sie uns am Schiff zu nah,
So müssen wir uns redlich fröhnen.“
Sie brachten Büchsen und Pfeile heraus,
Sie schossen mit Pulver und Blei hinaus,
Dass weit und breit es schallte;
So mancher stolze Kämpfer dort
Fühlt, wie sein tapfres Herz zerspalt’te.
Sie schlugen sich bei Tag und Nacht,
Nicht enden wollt die wilde Schlacht.
Hamburg, sende dein bestes Schiff!
Die Räuber rangen bis aufs Blut,
Denn nahte schon der Henkergriff.
Die „Bunte Kuh von Flandern“ kam,
Sobald sie recht die Nachricht nahm,
Mit starkem Mann und Segeln.
Sie stürmte stolt durchs raue Meer,
Den Holk wollt sie bezwingen sehr.
Der Kapitän sprach zum Steuermann:
„Drück du das Ruder hart nach Steuerbord ran,
Wir wollen den Holk uns erkämpfen;
Wir brechen ihm sein Vorderkastell,
Das soll uns Mut und Hoffnung schenken.“
Sie brachen das Vorderkastell ihm ein.
„O weh!“ sprach Micheel da im Pein,
„Nun ist verraten unsre Sache.
Wir müssen kämpfen um unser Leben,
Ob’s nun zum Heil gereicht oder Schmach!“
Störtebeker rief ohne Scheu und Schand:
„Ihr Herren von Hamburg, tut uns kein Schand’:
Wir wollen euch unser Gut übergeben,
Wenn ihr bei Eid versichert uns,
Uns jungfrisch weiterleben zu lassen.“
„Ja wohl“, sprach Simon von Utrecht klar,
„Gebt euch gefangen nach Kriegsrecht dar,
Lasst euch das nicht verdrießen.
Habt ihr dem Kaufmann wenig Leid getan,
Dann mögt ihr eure Unschuld genießen.“
Und als sie zur Richtstatt kamen hin,
Viel Gutes sie nicht vernahmen darin:
Die Köpfe standen auf den Staken.
„Ihr Herren, das sind unsre Gesell’n“,
So hört man Störtebeker klagen.
Man führte nach Hamburg sie streng und hart,
Gab Brot und Wasser die letzte Nacht,
Dann mussten sie das Leben lassen.
Ihr mutig Sterben wurde beklagt
Von Frauen, Mägden, Blassen.
„Ihr Herren von Hamburg, wir bitten euch sacht,
Verweigert uns diese Bitte nicht,
Und tut uns keine Schande:
Dass wir den Tränenberg ersteigen dürfen
In unsrem besten Gewande.“
Die Herren von Hamburg gewährten’s eh’r,
Sie bestellten Trommeln und Pfeifen her,
Noch mehr hätten sie wohl begehrt,
Dass sie wieder in Freiheit wären
Und ihren Holk samt Wein verzehren.
Der Scharfrichter hieß Rosenfeld,
Er schlug gar manchen starken Held
Mit seiner frischen Klinge;
Er stand mit hochgeschnürtem Schuh
Bis an die Knöchel im roten Ringe.
Hamburg, Hamburg, dir sei der Preis,
Die Seeräuber waren nicht so weis’:
Um deinetwillen mussten sie sterben.
Nun magst du goldne Kronen tragen,
Und Räubergut als Erbe erben.
17
Störtebeker mit Micheel Godeke,
die raubten gleich auf Land und See.
So lange, bis Gott droben sprach:
„Das Treiben wird Mir allzusehr“ –
da kam auf sie die große Schmach.
Nicht minder frech, im selben Sinn,
traf’s auch die Friesen her und hin;
sie stahlen ihrem eignen Herrn
zu Aurich Stadt wie Hof und Saal –
zu ewig Schande, Spott und Gefährn.
Dem Herren hoch mit Schulden stuck,
die lang kein Jahr mehr reichte zuck,
lief’n sie wie toller Hundeshauf’
von Emden fort nach Norder Tor –
fand’n keinen Feind – und rissen drauf.
Sie raubten dort, was nur bestand;
ob schwer, ob leicht, ob schlecht im Stand –
sie nahmen alles ohne Scheu.
Des Herren Diener schlugen sie,
die Ratherren führten sie nun frei.
Das taten all’ die Landcollectoren,
die armen Mann zur Gier erkoren,
verführt in Not und bittre Last.
Nun werden sie geschunden gar,
von ihres eigenen Volkes Hass.
Willst wissen du der Räuber Tück’,
ihr Tun, ihr Werk, ihr bös Geschick?
Ich will dir alles offenbaren,
wie sie das Land mit Schinderei
verheerten rings mit ihren Scharen.
Schwer von Dehlen, Jost Grimersum,
Schotto von Uphus’, Enno von Midlum –
vier Männer aus dem alten Adel.
Und schinden sie noch weiter fort,
so treiben sie uns zum Kriegsverhandel.
Ubbo Remetz, Focke Crumminga,
Heinrich Fuers und Otto Loringa –
die vier aus Städten ohne Scham;
dazu noch acht aus Bauernstand,
darunter zwei nur Spott und Gram.
Ubbo Folrichs und Hero Brienna,
Wileff Circks und Hero Unkenna –
das sind vier lose Burschen schlicht;
dazu gehört der Hellebrand,
mit Hewe Uden im Gericht.
Als nächst zwei Narren folgen dann,
die springen, tanzen allerwann:
Sualrich Schattenbergen
mit einem Aug’ – und Luwert Claes,
die Narren hält man gern verborgen.
Zwei mal acht, sechzehn sind es gar;
leg’ noch zwei drauf – so wirst gewahr:
achtzehn der Buben insgesamt.
Reinold Reiners zählt man bei,
mit Geck Gerdes und Violant.
Bedenk doch, junger Friesenknab’:
War’s nicht dein Vater dumm und schwach,
der solches Volk zum Herrn erkoren,
das Land zum Schatten sich gemacht,
die Armen drückt und treibt verloren?
18
Wenn einst in Ostfriesland zwei Herren wachen,
wird Enno, dritter dieses Namens, nimmermehr’s vollbringen, zu machen.
Dann kommt der Kummer über Land und Leute schwer,
denn Ödland wird zu Acker, guter Boden wüst und leer.
Die Fluten steigen hoch, die Deiche liegen bloß,
die Männer werden unrecht, und das Klagen ist groß.
Der Hörige, der Erbe, kann die Freiheit nicht halten,
und Herren werden prassen, fremde Weisen die Welt entfalten.
Aus Rat und Kunst erwächst manch Übel bald,
und wir armen Friesen verlieren Freiheit bald.
Dann kommen Herren Fremde, werden Länder lenken,
und was geschehen ist, wird uns das Ende schenken.
O, Friesen, trauert tief, denn ungehalten steht das Heer:
Ein fester Herr regiert euch nimmermehr.
19
Wenn Nordwind wild herab sich stürzt aufs Land,
kein Glück mehr bleibt, kein Segen in der Hand;
wenn Unkraut wuchert über Flur und Feld,
die Tage trüben, Nacht das Grauen hält;
wenn Bettlerkindern kaum das Leben bleibt
und Großes niemand mehr vor Recht und Gott sich neigt;
wenn man von Dürre hört, von Krieg und blut'gen Schlachten,
und keiner mehr erhofft, was Lohn und Mühen machten –
dann kommt mit Macht, was lang ihr fleht und sucht,
wenn Unkraut reif ist, neues Land die Saat versucht,
und auf dem Feld das Weizenkorn schon steht,
der Wagen rollt, wo heut noch Wasser geht,
wenn Eisenkerle aus dem Rathaus treten:
Dann hofft! Die goldnen Zeiten kommen, nicht zu spät.
20
Der Mansfelder hält kein Zuckerfest,
er nagt an Rinden, wenn ihn’s hungern lässt.
21
Buhske von Remmer, du loser Mann, du falscher Hahn,
du sagtest Frieden Jahr um Jahr, doch kam er nie heran.
Und als die Jahre rückwärts liefen, blieb doch kein Frieden hier;
Buhske von Remmer, lose Seele, du spielst ein falsches Tier.
Um deinetwillen kam ich her, mit Herzensglut entbrannt;
doch treue Lieb von deiner Hand – sie blieb mir nie bekannt.
Bekäm ich nicht ein Treuewort, so stürb ich wohl vor Leid,
so sprach ich dir, doch kalt und fern blieb deine Zärtlichkeit.
Der Hahn auf deinem Rück’ schon saß und krähte hoch hinan –
da kamst du wieder, Buhske nur, der lose, falsche Mann.
Mit großem Feuer prahlt dein Mund: „Ich bring euch Frieden bald“,
doch nichts als Lug und leere Pracht bleibt von der großen Walt.
Die Ochsen standen in dem Stall, sie brüllten laut davon:
„Um deinetwillen kam ich her“ – doch blieb’s ein leerer Ton.
Die Katze auf der Ofenbank, sie miaute leis und klug,
doch rührte dich kein Laut der Welt aus deinem alten Trug.
Die Hühner auf der Schwelle schrien, die Taube auf dem Balk’,
sie alle klagten über dich, und jedes Tier ward alt.
„Um deinetwillen kam ich her“, so jammert alles Vieh –
doch Treue gabst du nimmermehr, du brachtest nur Müh.
Heer Buhske, du von Remmer-Tal, du falscher Vogel, du!
Du hast mich betrogen, angelogen – nun lass mich endlich ruh.
Denn ohne Treue deiner Hand vergeh ich mir im Leid;
so stürb ich tausend Tode lang – und doch bist du nicht treu.
22
Es lebte einst in fries’schem Land
Ein Buhske namens Remmer, rand
Von Lug und List, von falschem Mut –
Der Buhle tat der Mädchen Blut.
Er hielt ein Dirnlein sieben Jahr
Mit süßer Rede, trug sie gar
Auf schwachen Armen, leerem Schwur –
Und alle Ehe blieb nur nur.
Sie sprach: „O Remmer, falscher Mann,
Wie lang hältst du mich weiter an?
Gib mir dein Wort, das feste Band,
Sonst sinkt mein Hoffen in den Sand!“
Doch Remmer lachte schlank und hohl,
Versprach ihr nichts als Lust und Wohl;
Was sie in sieben Jahren nahm,
War all ihr Lohn – und bittres Gram.
Da klagt die Maid: „Du trügst mich schwer;
Kein rechter Treu wohnt mehr in dir.
Du nahmst mein Herz, mein junges Blut –
Nun gib zurück, was du mir gut!“
Der Hahn auf seines Rückens Brett
Kräht laut: „Das ist nicht recht und nett!
Um deinetwillen kam sie her –
So tu ihr Treue, Lumpenbär!“
Der Ochse brüllt im dunklen Stall:
„Ich hör, was nachts hier werden soll.
So oft du kamst zur Maid hinein,
Erzitterten die Balken dein.“
Die Katze maunzt im Abendstroh:
„Mir graut vor deiner Buhler-Roh!
So lang sie hoffte, warst du nah –
Nun flieh nicht wie ein Räuber da.“
Der Hund auf der Scheuer bellt dazu:
„O Remmer, lass der Maid in Ruh!
Was frommt die List, was frommt der Spott?
Du stehst vor Recht, vor Mensch und Gott!“
Die Taube auf dem Bucke ruft:
„Huh-ha, huh-ha!“ – gleich klagt die Luft.
„Was du versprachst, das halte nun,
Sonst wird der Himmel’s Zorn dich tun.“
„Hör Remmer, Buhske, falscher Fuchs!
Du brachst mein Herz, du stahlst mein Glücks.
Krieg ich von deiner Hand nicht Treu –
So sterb ich tot vor Gram und Reu.“
23
Den Vürsten will wy vangen,
De Commissie will wy hangen,
De Cantzler up dat Rad –
So hebben wy Oostvreesland platt.
Kriet, Cramer, kriet
Norden büst du quiet
Hage hest du lage lägen
Grimersum hest du blaue Bohnen krägen.
Kriet, Cramer, kriet.
24
Den Fürsten wollen wir fangen,
Die Kommission wollen wir hängen,
Den Kanzler auf das Rad –
So haben wir Ostfriesland platt.
Weine, Cramer, weine!
Norden bist du los,
Hage lagst du unten,
Grimersum hast du blaue Bohnen gekriegt.
Weine, Cramer, weine!
25
In diesem Buch, Landsleute, könnt ihr deutlich seh'n,
Wie es hier im Land vor dieser Zeit gewesen.
Auch könnt ihr großen Zwist und Zwietracht lesen,
Der zwischen Edelmann, Bauer und Bürger ist geschehn.
Was hat es ihnen geholfen? Nichts. Denn alle, die das taten,
Sind nun all tot. Doch dient dies uns zur Lehr',
Dass wir seitdem friedlich untereinander, und Gott die Ehr'
Von allem geben, auf dass er doch lasse schein'n,
Dass Glück und Wohlstand stets bei uns wohne
Und uns den Friedensweg auch immer bahne.
Gib Frieden, Herr! Ich wünsche nicht mehr.
26
Maria bin ich geheißen,
Die Gemeinde von Wiesede hat mich lassen gießen.
Hilf Gott aus aller Not!
Gerd Klinge, der mich gegossen hat,
Gott gebe seiner Seele Rat.
27
Man soll mich alle Freitage läuten,
Das soll uns die Passion bedeuten,
Dass Christus litt am Freitag den Tod:
Des helfe uns Gott aus aller Not.
28
Dem ich die letzte Stunde schlage,
Ach Gott, errette den aus aller Plage.
29
Der Papst sagt: Ich will haben meinen Tribut per force.
Der Kaiser sagt: Ich will haben meinen Zins per force.
Der Priester sagt: Ich will nichts geben.
Der Bettler sagt: Ich kann nichts geben.
Der Bauer, der sagt: Ich muss geben,
Wovon ihr alle müsst leben.
30
Fürchte Gott den Herrn
Und mehr spare,
Sorge nicht zu sehr,
Du bist zur Armut geboren.
All dein Sparen
Und Sorgen ist verloren;
Denn Gott ist der Mann,
Der dich arm und reich machen kann.
31
Ich sehe, ich höre, ich schweige und vertrage,
Also weiß niemand, was ich sage;
Denn Gott ist allein der Mann,
Der geben und falsche Zungen wegnehmen kann.
32
Wie es Gott behagt:
Es ist besser beneidet als beklagt.
33
O Neider, lass dein Neiden sein,
Was Gott mir gönnt, das ist mein.
Wie es Gott behagt:
Es ist besser beneidet als beklagt.
34
Halte dich rein, niedrig und klein,
Denke an den Tag, dem niemand entgehen mag.
35
Die Wahrheit ist gen Himmel gezogen,
Die Treue ist über das Meer geflogen,
Die Gerechtigkeit ist allenthalben vertrieben,
Die Untreue ist in der Welt geblieben.
O Gott, mein Herr, wie sehr geht Geld vor Ehr',
Gewalt vor Recht –
Das klage ich armer Knecht.
36
Lass Hasser hassen und Neider neiden!
Was Gott uns gönnt, das müssen sie leiden.
Wenn alle Hasser und Neider brächen ein Bein,
So säh' man manch einen hinken ein.
37
Vertraut nicht auf euer Geld,
Noch auf Fleisch oder Blut;
Denn wenn euer Geld und Gut
Beginnt zu mindern,
So verlassen euch alle Menschenkinder.
38
Hier ist gerichtet recht, hier liegt der Herr bei dem Knecht,
Alt, jung, Mann, Frau, Knecht, Magd, arm und reich:
Ein Knochen ist hier dem anderen gleich.
Kommt, ihr Wohlweisen, alle herbei
Und sagt, welcher der beste sei.
39
Eule, was tust du mit Speise in deinem Maule?
Katze, das musst du wissen:
Missgunst-Brot wird am meisten gegessen.
40
Wir, Ricklefs fünf liebe Kinder,
Schlafen hier mit allen Heiligen gelind
Und liegen in unserer Ruh' und Rast,
Nun sind wir unseres Herrn Gottes Gäste.
Kinder des Todes waren wir fürwahr,
Aus sterblichem Samen uns unsere Mutter gebar.
Nun leben wir und sind reich in Gott,
Des danken wir Christi Blut und Tod.
41
Als Ette war alt 50 Jahr,
Wurde sie zur Priorin gekürt;
Achtzig alt in 76 Jahren
Am Gallustag gen Himmel gefahren.
42
Vor dem Tod ist kein Schild,
Darum lebet, wie ihr sterben wollt.
43
Fürchtet Gott,
Haltet sein Gebot,
Tut ihm Ehr',
Sündigt nicht mehr:
Der Tag des Sterbens hastet sich sehr.
44
Ganz bitter ist der Tod, doch tröstlich für die Frommen,
Weil sie durch den Tod in das ewige Leben kommen,
Wo jeder tragen soll Gottes Bild in Herrlichkeit,
Der das Christenkreuz hier trägt mit Beständigkeit.
45
»Schimpfe nicht« heiße ich,
Scharfe Schüsse schieße ich.
Hätte ich meine beiden Brüder an der Hand,
Ich wollte verteidigen ganz Harlingerland.
46
Ein Kind ist uns geboren heute,
Der Regent der Engel,
In diese Welt wird er geführt,
Ein Herr über alle Herren.
In eine Krippe wird er gelegt,
Auf das harte Heu der Bestien gebracht.
Sie haben erkannt Herrn Jesus Christ,
Der König über dem Himmel ist.
Darum Herodes sich befürcht't
Mit so großem Hass, dass er
Alle junge Frucht schlug tot
Mit so großen Schmerzen.
Der da ist geboren heute
Von einer Jungfrau rein,
Der muss uns bringen zum obersten Gut;
Gut der Freude singt alleine:
47
Lasst uns alle wesen froh
Und singen dem Herrn, unserem Gott,
Ja, stets ohne all Verdross!
Vor so großer Freude gut
Singet froh dem Herrn
In Saitenspiel und Orgelklang
Zu seinem Lob und Ehren!
48
Der Vater der Barmherzigkeit
Hat uns ein Abendmahl bereit't
Und gegeben solch ein Heil,
Daran wir nimmer hatten Teil.
(Lukas 14)
Jesus Christus ist der Heiland,
Er selbst wird das rechte Brot genannt,
Das wir sollen essen geistlich
Und dabei leben ewiglich.
(Johannes 6)
Sonst kann nicht gefunden werden
Im Himmel noch auf Erden,
Was die Seele kann sättigen
Und von den Sünden entledigen,
(Psalm 73)
Ausgenommen dies Wort Gottes,
Das vom Himmel ist gekommen
Und geworden Fleisch und Blut,
Für uns gegeben in den Tod.
(Johannes 1 und 6)
Damit ist die Sünde vergeben
Und geschenkt das ewige Leben
Allen wahren Christgläubigen,
Die dieselbe Speise genießen.
(Johannes 6)
Der Glaube ist das rechte Essen,
Sonst mögen wir uns nicht vermessen,
Zu genießen auf leibliche Weise
Solch eine heilsame Speise.
(Johannes 6)
Der Glaube nimmt Christum selbst an
Und alles, was er für uns getan,
Sein Fleisch und Blut, sein Leib und Seele,
Ja, in ihm Gott selbst ganz und gar.
(Johannes 6)
Wie mag uns denn noch hungern,
Wenn wir sind von seinen Jüngern,
Hören unseres Meisters Stimme
Und bleiben allewege bei ihm?
(Johannes 6)
Wohin sollten wir weichen?
Wir finden nirgends seinesgleichen.
Er allein ist der Seele Trost,
Die er selbst hat erlöst.
(Johannes 6)
Er selbst ist heißen
Das Zeichen Jonas, des Propheten;
Durch seinen Tod macht er gewiss,
Dass uns Gott gnädig ist.
(Matthäus 12)
Wie sind wir denn noch so verschmachtet?
Unser Passa-Lamm ist geschlachtet!
Warum greifen wir nicht zu?
Lasst uns essen und sein froh!
(1. Korinther 5)
Dies hochwürdige Abendmahl
Ein jeder nötig halten soll
Allzeit zu seiner Seligkeit,
Der im Glauben und in Christo steht.
Das andere ist vom Herrn gehalten,
Dabei wir seiner denken sollten;
So ist es des ersten Denkmal
Und nicht dasselbe überall.
(1. Korinther 11; Markus 14; Lukas 22)
Hier sind des Herren Brot und Wein
Sein Fleisch und Blut genannt so fein
Und sind wahrlich Sakramentes Weise;
Das ist deutlich solch eine Speise.
(Matthäus 26; Markus 14)
Die rechte Speise ist Fleisch und Blut,
Ja selbst der Herr und all sein Gut.
Das Sakrament ist Brot und Wein
Und was da selbst hat Leib und Schein.
(Johannes 16)
Dies müssen wir unterscheiden
Und uns nicht verleiten lassen:
Jenes macht fromm und selig allein,
Dies ist einem jeden gemein.
Wer sich an jenem nicht lässt genügen,
Der mag sich zu diesem nicht fügen.
Wer ohne Glauben das Zeichen nimmt,
Derselbe mit dem Herrn spotten tut.
(1. Korinther 11)
Des sollen wir uns selbst prüfen,
Was wir glauben und wie wir üben
Brüderliche Liebe an jedermann
Und also zu Tische geh'n.
(1. Korinther 11)
Da sollen wir uns lassen lehren,
Verkündigen den Tod des Herren,
Preisen und verbreiten seinen Namen,
So lange, bis er selbst wiederkomme.
(1. Korinther 11)
Das gönne uns der himmlische Vater,
Nimm von uns weg den Hader,
Der auf dieser Sache steht,
Und gib uns Eintracht.
Amen.
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Psalm 128
Selig wird der gepriesen,
Der Gott den HERRN fürcht't
Und geht in seinen Wegen
Rechtschaffen in der Zucht.
Die Arbeit deiner Hände
Dir wohl wird können fron'n,
Und wirst in deinem Stande
Glücklich sein im Tun.
Dein Weib soll fruchtbar wesen
Wie ein Weinstock fruchtbar,
Der deinem Hause anklebet;
So sollen auch fürwahr
Deine Kinder gedeihen,
Gar viel gesund und frisch,
Wie Pflanzen von Oliven
Rundringsum deinen Tisch.
Sieh, so wird er gesegnet,
Der Gott dem HERRN fürcht't;
Aus Zion auch gepriesen
Seinen Segen er dir gibt,
Dass du durch all dein Leben
Das Glück Jerusalems anseh'st
Und daneben
Gott preisest mit Herz und Stimm'.
Und wirst aus deinem Samen
Ein großes Geschlecht seh'n;
In Israel Gnade
Und Friede über dem!
Sei du, o HERR, gepriesen,
Lob sei dir in Ewigkeit,
Gib, dass wir mögen wesen
Zu deinem Dienst bereit.
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Ich glaub' an Gott, den Vater wert,
Der durch sein Wort Himmel und Erd'
Aus Nichts, ganz gut, was lebet,
Geschaffen hat zu seiner Ehr':
Erhält die Welt, regiert das Meer,
Sich mir zum Vater gebet
In Christo. Drum bin ich gewiss,
Dass er mit Gnad' stets bei mir ist,
Mein' Leib und Seel' erquicke;
Durch seine Allmacht mein Kreuz und Gefahr,
Dazu auch all Anfechtung schwer,
Zur Seligkeit mir schicke.
Ich glaub' an Jesum Christum mein,
Den eingeborenen Sohn sein,
Eines Wesens mit dem Vater,
Ein wahrer Gott von Ewigkeit;
Nach seiner Person für sich besteht,
Verordnet ist vom Vater,
Dass er allein der Mittler sei,
Der anfangs hat geschaffen mich,
Seine Gnade zu mir lenke;
Der alten Schlange zertrat den Kopf,
Mich wiederbracht' zu Fried' bei Gott,
Die Kindschaft mir auch schenke.
Ich glaub', dass zu der rechten Stund'
Der Sohn Gottes ohne alle Sünd'
Leib und Seele angenommen
Von Maria, der Jungfrau schön,
Durch Geistes Kraft, doch eine Person,
Sei Gott und Mensch vollkommen.
Seine Person ist ungetrennt,
Beide Naturen unvermengt,
Ihre Eigenschaft behalten,
Auf dass er sei mein Bruder recht,
Das Lämmlein Gottes recht und schlecht,
Das meine Sünd' tragen wollte.
Ich glaub', dass Christ hat ohne seine Schuld
Pilati Urteil mit Geduld,
Viel Spott am Kreuz getragen;
Am Fleisch gelitten hat den Tod,
Doch ward es nicht getrennt von Gott,
Sein Leib ist auch begraben;
An seiner Seele vor seinem Tod
Geschmeckt hat die höllische Glut,
Dass er all meine Sünde
Auf einmal ewig bezahlt,
Mich aus dem Gericht der Hölle holt',
Vom Zorn Gottes entbunde.
Ich glaub', dass Christ durch seine Allmacht
Erstanden ist am dritten Tag
Vom Tod, den er verschlungen;
Hat mir gebracht nach seinem Leid
Eine ewige Gerechtigkeit,
Sich fest mit mir verbunden,
Dass er beides allein ausricht't:
Mein' Sünd' versöhnt, sein' Gnad' mir gibt,
Zur Heiligkeit mich treibe;
Dass ich mit Christo hier aufersteh',
Hiernach mit ihm zum Leben geh'
Und in dem Grab nicht bleibe.
Ich glaub', dass Christus von der Erd'
Seinen Leib gen Himmel hat geführt,
Gesetzt zu des Vaters Rechten,
Wo er das Haupt, durch Geist und Wort,
Sein Volk regiert an allem Ort,
Bittet, wenn mich anfechten
Der Teufel, Welt, mein sündlich Fleisch;
Schickt mir herab von seinem Geist,
Dass ich im Himmel folge
Mit Herz, Will', Sinn und Gemüt,
Erwarte seiner Hilfe gut
Wieder den Feind verbolgen.
Ich glaub', dass Christus hoch geehrt
Am End' der Welt einst kommen wird,
Alle Menschen zu richten;
Dann will er wahrlich machen schlecht
Alles, was hier geschieht unrecht
An denen, die ihn vernichten;
Dann will er seine Jünger all'
Gänzlich befreien von Unfall,
Sein Zusagen gar vollbringen,
Die Gottlosen verstoßen all',
Mit den Teufeln in ewiger Qual
Im höllischen Feuer sie zwingen.
Ich glaub' an Gott den Heiligen Geist,
Der nach dem Wesen einig ist
Mit Gott Vater und Sohne,
Nach seiner Person ein anderer ist,
Den mir mein Vater schenkt gewiss,
Dass er mich ziere schone,
Zu Gottes Bild verneue mich,
In Angst und Not mein Tröster sei
Und Christo mich einleibe;
Lehr' mich an ihn glauben recht,
Gib wahre Lieb' und Hoffnung aufrecht
Und ewig bei mir bleibe.
Ich glaub', dass Gott eine Gemein'
Aus den Menschen in Christo allein
Zur Seligkeit erwählet,
Von Anfang sie versammelt hat
Durch seinen Geist und Wortes Saat,
Dadurch Christus noch zeugt
Heilige Kinder dem Vater sein,
Sein Gutes macht er ihnen gemein,
Den Weizen vom Kaff scheidet;
Lässt nicht die Schaf' aus seiner Hand,
Hat mich der Kirchen eingeplanzt,
Mit seiner Stimme mich weidet.
Ich glaub', dass Gott all meine Sünd'
Ohne mein Verdienst zu dieser Stund'
Aus Gnad' mir hat vergeben;
Gedenkt nicht mehr meiner Missetat,
Vergibt, was sie verschuldet hat;
Züchtigt mich hier im Leben,
Als ein Vater seine Kinder pflegt.
Das macht, dass Christus Gottes Recht
Für mich ewig erfüllet.
Werd' nun geachtet vor Gott so fromm
Als Christ, da er vom Tode kam;
Das Gericht hat er gestillet.
Ich glaub', dass nicht allein meine Seel'
Unsterblich ist, mein bestes Teil
Vom Leib gen Himmel fahret;
Sondern dass auch am Jüngsten Tag
Dies Fleisch auferstehn soll aus dem Grab,
Mit Christi Glanz verkläret.
Wird meine Seele wieder empfah'n,
Mit ihr zur Herrlichkeit eingeh'n,
Die Krone auch erlangen.
Ich weiß, was unrein in mir ist,
Im Grab soll bleiben so gewiss,
Als Christ vom Tod entgangen.
Ich glaub', dass Gott von Ewigkeit
Ein Leben hiernach hat bereit't,
Wo ich ewig soll bleiben;
Erkennen Gott von Angesicht,
Ohne Mittel sehen sein ewig Licht,
Vollkommene Freude treiben,
Die nie keines Menschen Herz durchgrund't,
Des Anfang doch mein Glaub' verstand,
Als ich Gottes Geist empfangen.
Bin nur ein Fremdling in der Welt,
Zum Vaterland bin ich gezählt,
Darein Christus gegangen ist.
Ich weiß, dass diesen Glauben wahr
Allzeit gehabt die Christenschar,
Zur Seligkeit bekennet;
Dieser Glaub' ist allein die Hand,
Die Christum seliglich empfängt,
In ihm die Feinde trennet.
Ich bin's gewiss aus Gottes Wort,
Dass sie führen zur Hölle Pfort',
Die falschen Glauben lehren.
Darum bitt' ich, o derived/frommer Christ,
So lieb dir deine Seligkeit ist,
Lass dich doch nicht verführen.
O Gott, woll'st diesen Glauben rein
Vor Tyrannei und falschem Schein
In deiner Kirche bewahren!
Gib deinem Volk Beständigkeit
Vornehmlich nun und alle Zeit,
Dass es dich mag erklären!
Die blinde Welt hier auch bekehr',
Der Obrigkeit gib reine Lehr',
Dass sie in dein Haus komme;
In deinem Dienst ein Vorbild sei,
So wirst du deinen Segen frei
Durch Christum geben. Amen.