PAULUS APOKALYPSE

DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE



Im Konsulat des Theodosius,

im Haus des Apostels, der einst durch Straßen wanderte,

da kam ein Engel durch die Nacht,

sanft wie ein ferner Wind, der flüstert –

auf dass das verborgene Fundament zerbrach,

und Licht durch das Dunkel brach.


Dreimal erhob sich der Geist,

zog an der Seele wie eine Peitsche aus Feuer,

bis der Stein zersprang und eine Kiste hervorbrach –

aus Marmor, schwer und stumm,

beschriftet mit Worten, die keiner zu sprechen wagt.

Schuhe, getragen durch das Wort, lagen darin,

getragen durch das Wandern zwischen den Welten.


Der Mensch, der suchte, zögerte, fürchtete,

brachte das Geheimnis dem Richter,

der es mit Blei versiegelte und sandte zum Kaiser –

dem Wächter der Zeit, dem Hüter der Wahrheit.


Ich selbst aber,

ein Wanderer zwischen den Welten,

weiß nicht, ob im Fleisch oder im Geist,

ward entrückt zum dritten Himmel,

durchdrungen vom Wort des Herrn,

das wie Donner durch die Stille hallt:


Wie lange noch, ihr Kinder Abrahams,

wollt ihr Sünde anhäufen wie Wolken vor dem Sturm?

Ihr, die ihr nennt euch Söhne Gottes,

doch wandelt in den Werken des Satans,

trägt den Namen, doch lebt im Schatten.


Die Sonne selbst klagt und ruft:

„Herr, allmächtig, ich sehe die Gottlosigkeit,

das Brechen der Heiligen Ordnung,

doch deine Geduld hält das Dunkel im Zaum.“

Der Mond und die Sterne flehen,

die Nacht nicht zur Bühne der Schande werden zu lassen –

und eine Stimme antwortet, ruhig und schwer:

„Ich weiß alles, doch mein Herz harrt,

bis die Menschen umkehren und Buße tun.“


Das Meer erhebt seine Fluten,

will die Erde bedecken mit seinem Zorn,

und doch spricht die Stimme:

„Meine Geduld ist das Kleid des Ewigen,

bis Umkehr die Erde segnet.“


Und die Erde selbst klagt:


„Herr, ich leide unter der Unzucht,

den Morden, dem Bruch der Gebote –

Vater erhebt sich gegen Sohn,

Sohn gegen Vater,

Fremder gegen Fremden,

und mit all dem Leid entweihen sie dein Heiligtum.“


Doch die Stimme bleibt, wie ein Fels im Sturm:

„Ich sehe und weiß,

niemand verbirgt sich vor mir –

doch Geduld ist mein Maß,

bis Umkehr sich senkt wie Morgenrot.“


So rufe ich, Mensch:

Erkenne deine Macht, die Schöpfung zu beherrschen,

und doch der Sünde zu verfallen.

Die Schöpfung ist dem Ewigen untertan,

nur der Mensch sündigt,

herrscht über alles und fällt zugleich tief.


So will ich mich rühmen,

nicht für das Große, das ich tat,

sondern für die Last meiner Gebrechen –

denn sie sind das Zeichen,

dass ich wandle auf dem schmalen Pfad

zwischen Vision und Staub.


O du, geheimnisvolle Welt,

in deinem Schoß ruht die Stimme der Ewigkeit,

leise flüstert sie durch das rauhe Blattwerk,

und die Zeit, die einst so stumm war, atmet in deinem Atem.


Maria, mildes Licht am Rande des Abends,

du trägst die Welt in deinem stillen Herzen,

wie die Sterne das Dunkel umarmen,

so hältst du das Unaussprechliche in deinem Schoß.


Gott, fern und nah zugleich,

dein Atem webt die Farben des Morgens,

in jedem Stein, in jedem Windhauch

erklingt dein unendlicher Gesang.


Wie der Fluss, der sich nie verliert,

so zieht die Seele ihren Kreis im Kreise der Welt,

auf der Suche nach dem heil’gen Funken,

der alles Leben trägt und doch entflieht.


O heilige Sehnsucht, du sanfter Schmerz,

in dir entfaltet sich das Leben,

im Schatten und im Licht,

ein Lied von Werden und Vergehen,

ein ewiges Gespräch zwischen Mensch und Gott.


Und du, Erde, stiller Zeuge aller Zeit,

dein Herz schlägt unter Moos und Stein,

der leise Ruf der Wurzeln zieht hinab,

wo verborgen liegt das uralte Licht.


Dort, wo die Schatten schwer sich legen,

webt sich das Leben an den Fäden der Nacht,

und aus der Dunkelheit erhebt sich die Gestalt,

die Mensch und Gott in einem Atem verbindet.


Maria, Mutter, du bist das stille Meer,

in deinen Tiefen ruht das Wunder der Geburt,

sanft wie der Tau auf der vernarbten Haut der Welt,

du trägst das Geheimnis, das niemand spricht.


Und Gott, der ferne, der unnahbare Stern,

dein Glanz durchdringt die düsteren Wälder,

ein leuchtender Faden, der uns hält und führt,

wenn alle Wege scheinen verloren.


O Seele, wandere still, wandere weit,

du bist der Hauch im Wind, der niemals ruht,

suchend nach dem, was verborgen bleibt,

doch ewig strahlt im Herzen dein Licht.


Denn in der Tiefe schlägt das Leben,

unzerstörbar, still und groß,

wie Hölderlin einst die Welt empfand —

ein Traum, ein Gott, ein Lied, ein Stein.





Und ich sah hinauf in die Höhe,

wo Engel standen, hell wie Sonnenflammen,

die Lenden streng umgürtet mit goldenem Band,

in ihren Händen Palmen, Zeichen des Einen,

und auf ihren Gewändern stand geschrieben —

der Name des Sohnes, voll Sanftmut und Barmherzigkeit.


Ich fragte: „Wer seid ihr, ihr strahlenden Boten,

die Schönheit tragen, die Gerechtigkeit sät?“

Und eine Stimme, sanft wie das Flüstern des Windes,

sprach: „Wir sind die Engel der Gerechtigkeit,

gesandt aus der Urquelle,

zu holen die Seelen derer, die geglaubt,

die Hand des Herrn als ihren Schild umfingen.

Wenn die Stunde der Not kommt, sind wir da,

die Helfer, die Hüter der heiligen Ruhe.“


Und ich sprach weiter:

„Treffen sich die Gerechten und die Sünder,

wenn das Leben sich senkt in die Dämmerung,

wo alle Wege zum Einen führen?“

Der Engel antwortete:

„Der Pfad ist einer, doch der Gerechte

hat den Engel des Heils an seiner Seite —

er fürchtet nicht das Licht, das vor Gott entfacht.“


Und ich schaute hinab auf die Erde,

die schien mir nichts, ein Staub im Wind,

die Menschenkinder verloren und leer,

verfallen dem steten Ringen und Zwist.

Ich sah die Feuerwolke der Ungerechtigkeit,

sie breitete sich aus,

ein Fluch vermengt mit Flehen und Klage,

von Fürsten der Welt und den Sündern gesät.


Mein Herz seufzte, und Tränen stiegen,

„O Engel, zeig mir den letzten Schritt,

wenn Seele und Körper sich trennen,“ bat ich.

Er sprach: „Sieh noch einmal,

sieh den Mann, der jetzt schließt die Augen —

gerecht, im Namen Gottes gewandelt,

seine Werke wie Sterne im Blick der Ewigkeit.“


Heilige Engel standen ihm bei,

wogten gegen finstere Mächte,

die keine Heimat in ihm fanden —

die Seele ward behütet, gestärkt,

ihr ward der Körper bekannt,

ihr ward gesagt: Komm heim zum Tag der Auferstehung!

Ein Kuss, so sanft wie ein Vertrautsein,

machte mutig, die Schwelle zu überschreiten.


Und da war der Schutzengel,

der frohlockte:

„Du hast getan den Willen des Herrn,

deine Werke sind ein Lobgesang im Himmel.“

Der Geist trat ihr entgegen:

„Fürchte dich nicht,

ich bin dein Helfer, dein Erquicker

auf dem Weg, den du noch nicht kanntest.“


Böse Geister kamen und klagten,

doch fanden nichts in dieser Seele,

die sich rein gezeigt, die nicht hörte,

wenn Versuchung rief,

und so kehrten sie um,

und der Himmel jubelte, Engel sangen,

Michael neigte sich nieder,

und alle priesen den Thron des Ewigen.


Da sprach der Engel:

„Erinnere dich, Herr, an diesen Menschen,

den du in Gerechtigkeit lenkest.“

Und eine Stimme Gottes erklang:

„Wer Erbarmen übt, dem werde Erbarmen zuteil,

denn gerecht sind meine Urteile,

und jedem gebe ich, was ihm gebührt.“


So wird die Seele aufgenommen

in das Paradies der Freude,

Miterbe der Heiligen,

getragen von Chor und Licht,

bis die Welt verglimmt und neu erstrahlt,

und jede Tat,

jeder Schritt im Leben,

sichtbar wird in der Stunde der Not.


Und es sprach eine Stimme, 

wie aus dem Rauschen uralter Zedern,

zu mir, dem Schweigenden:

„Sieh auf die Erde! Schau hinab in das Tal der Schatten!

Denn siehe, die Seele des Menschen naht,

des Frevlers, der sich der Lust ergab

und den Tag verzehrte im Spott gegen den Ewigen.


Er sprach: Ich kenne keinen Herrn,

ich will trinken vom Becher der Welt

und mich sättigen an ihren Früchten,

denn wer ist je gestiegen zur Tiefe

und hat uns das Gericht verkündet?


Doch nun, da der Leib gefallen ist,

und das Herz kalt ward wie Stein,

tritt der Tag herauf,

der kein Morgen mehr kennt,

und das Wort erhebt sich, das niemand widerruft.


Und siehe – alles, was er tat,

stand lebendig vor ihm,

wie Schatten, die nicht weichen,

in der Stunde der Not,

wenn die Seele hervorgeholt wird

aus dem Haus des Fleisches,

zitternd wie ein Rauch im Sturm.


Da trat vor sie der Engel des Lebens,

ihr einstiger Begleiter –

sein Antlitz war voll Trauer

und sein Mund wie von Asche verschlossen –

und sprach:

„O elende Seele!

Ich war bei dir, wie der Morgentau bei der Blume,

doch du hasstest mein Mahnen

und wähltest den Weg der Lust.

Hätt' ich nur einen Tag dir dienen müssen!

Aber ich war gebunden,

denn der Herr ist langmütig und gerecht.

Jetzt aber bin ich dir fremd geworden –

und du mir.

Komm, wir gehen zum Richter,

denn das Maß ist voll.“


Und der Geist, der in ihr wohnte,

sprach mit zitternder Stimme:

„Ich war in dir vom ersten Hauch an.

Ich mahnte, ich rief,

doch du hörtest nicht.

Nun rede, wenn du kannst.“


Und die Mächte begegneten ihr,

die alten, die kalten,

die Geister des Trugs,

der Unzucht und der Vergesslichkeit –

sie sprachen:

„Wohin willst du, o Staub aus Staub?

Wagst du es, in den Himmel zu fliehen,

der nicht dein ist?

Zeig uns deine Frucht!

Wo ist dein Licht?

Wo ist der, der dich begleitet?"


Und es erhob sich eine Stimme

in der Höhe, klar wie Feuerwind:

„Bringt diese Seele vor den Ewigen,

den sie verachtete.

Lass sie erkennen, dass es einen Gott gibt,

den sie nicht suchte.“


Und als sie kam an das Tor aus Licht,

da erbebte der Himmel,

denn die Engel spürten ihren Geruch,

und sie riefen:

„Weh, wehe dir, Seele ohne Lobpreis!

Was willst du sprechen vor dem,

der das Herz misst und nicht das Wort?

Was trägst du vor ihm,

der alles kennt, ehe es gedacht war?“


Und der Engel, der bei ihr war, sprach:

„Ich habe keinen Frieden gefunden in ihr.

Ich habe geweint,

doch ihre Augen blieben trocken.“


Da trat sie vor den Thron,

und der Ewige sprach:

„Wo ist deine Frucht,

die du bringen solltest?

War dein Tag kürzer als der der Gerechten?

War meine Sonne nicht auch über dir?“


Und die Seele schwieg –

denn das Wort war ihr genommen.

Da sprach der Herr:

„Gerecht ist mein Gericht.

Was du nicht gegeben hast,

wird dir nicht gegeben werden.

Darum nehmt sie hinweg

und gebt sie dem Engel der Finsternis,

bis zu dem Tag,

an dem alles offenbar wird.“


Und die Engel sangen:

„Gerecht bist du, o Herr,

gerecht ist dein Gericht.“


Und ich sah –

und siehe,

eine Seele,

getragen von zwei Engeln,

ihre Tränen glänzten wie Tropfen am Rande der Dämmerung,

und sie sprach:

„Erbarme dich meiner,

du gerechter Gott,

du Richter der Seelen,

denn es ist nun der siebente Tag

seit ich mein Fleisch verließ,

und sie führten mich

an Orte,

deren Licht ich nie kannte,

deren Schatten nicht schweigen.“


Und Gott,

in dessen Stimme die Jahrhunderte atmen,

sprach:

„Was hast du getan

mit der Zeit,

die ich dir gab?

Du kanntest keine Barmherzigkeit,

darum hast du

keine gefunden.“


Und sie wand sich

wie ein Blatt im Sturm,

sprach:

„Ich habe nicht gesündigt.“

Doch Gott wurde zornig –

denn sie log.


Er sprach:

„Du bist nicht mehr

in der Welt.

Hier aber,

vor meinem Angesicht,

ist nichts verborgen.

Worte sind Taten,

und jeder Blick

ein Bekenntnis.“


Und ein Engel trat hervor,

sein Antlitz dunkel vom Wissen,

und trug eine Rolle

mit der Handschrift der Schuld,

vom zehnten Jahr an,

bis zum letzten Atemzug.


Doch Gott,

der gerechte Richter,

sprach:

„Ich frage nicht

nach deiner Kindheit.

Nur nach den letzten

fünf Jahren.

Hättest du bereut –

ein Jahr,

ein Monat,

ein Tag –

ich hätte

alles

vergessen.“


Aber sie hatte

geschwiegen

zu lange.


Da sprach der Engel:

„So bringe man jene herbei,

die unter ihr litten.“

Und sie kamen –

bleich,

aber lebendig in ihrer Klage.


Und sie sprachen:

„Sie hat uns das Leben genommen,

und unser Blut

ruft.“

Und Gott sprach:

„Wer Gewalt übt,

bindet sich an das Opfer,

bis sie beide

vor den Richter treten.“

Und so war es.


Da hörte ich eine Stimme,

die wie Erz aus Tiefe klang:

„Gib sie dem Tartaruchus.

Er bringe sie hinab

ins untere Gefängnis.

Und sie bleibe dort,

bis der Tag

des großen Gerichts.“


Doch über all dem,

über dem Fall der Seele,

über der Klage der Gerechten,

über dem Thron des Gerichtes –

sangen

die Heere der Engel:

„Gerecht bist du, o Herr,

und heilig dein Urteil.“


Und ich,

der ich sah,

folgte weiter

dem Lichtengel.


Er führte mich

hinauf,

durch Lüfte,

durch Räume ohne Zeit,

und stellte mich

vor das Tor des dritten Himmels.


Es war aus Gold,

und zwei Säulen

leuchteten

mit Namen der Gerechten,

eingraviert

in Licht.


Ich fragte:

„Sind diese Namen

schon geschrieben

auf Erden?“

Und er sprach:

„Ja,

sie sind nicht nur geschrieben –

ihr Antlitz,

ihr Bild

lebt in uns.

Denn wer Gott liebt,

ist dem Himmel

nicht fremd.“


Und ich trat ein,

und da kam einer mir entgegen,

sein Gesicht war wie die Sonne,

und er umarmte mich

und weinte.


Ich sprach:

„Warum,

du Lichtgestalt?“

Er sagte:

„Ich bin Henoch,

der Schriftgelehrte

der Gerechtigkeit.

Wir weinen,

weil das Reich

bereit ist,

die Tür offen –

doch wenige

treten ein.“


Und ich betrat den Ort 

und sah sogleich Elias.

Er trat zu mir und begrüßte mich 

mit Freude und Jubel. 

Als er mich sah, wandte er sich ab, 

weinte und sagte zu mir: 

Paulus, mögest du den Lohn 

deiner Mühe erhalten, 

die du unter den Menschen hast. 

Ich selbst habe große 

und vielfältige Güter gesehen, 

die Gott für alle Gerechten 

bereitet hat, und groß sind 

die Verheißungen Gottes, 

doch die meisten erreichen sie nicht; 

nur mit Mühe und Not 

gelangt man dorthin.


Und der Engel antwortete 

und sprach zu mir: 

Was ich dir hier zeige 

und was du hörst, 

das verrate niemandem auf der Erde. 

Und er führte mich und zeigte es mir. 

Und ich hörte Worte, 

die ein Mensch nicht aussprechen darf. 

Und er sprach weiter: 

Folge mir noch einmal, 

und ich werde dir zeigen, 

was du erzählen 

und öffentlich verkünden sollst.


Und er führte mich 

vom dritten Himmel herab 

und in den zweiten Himmel, 

und wieder führte er mich 

zum Firmament, und vom Firmament 

führte er mich 

zu den Toren des Himmels. 

Und der Anfang seiner Gründung 

war über dem Fluss, 

der die ganze Erde tränkt. 

Und ich fragte den Engel und sagte: 

Herr, was ist dieser Wasserfluss? 

Und er sagte zu mir: 

Dies ist der Ozean. 

Und plötzlich trat ich aus dem Himmel 

und erkannte, dass es das Licht 

des Himmels ist, 

das über die ganze Erde scheint. 

Und dort war die Erde

siebenmal heller als Silber. 

Und ich sagte: Herr, 

was ist das für ein Ort? 

Und er sagte zu mir: 

Dies ist das Gelobte Land. 

Hast du noch nicht gehört, 

was geschrieben steht: 

Selig sind die Sanftmütigen, 

denn sie werden das Erdreich besitzen? 

Die Seelen der Gerechten werden also, 

wenn sie den Körper verlassen, 

für eine Weile an diesen Ort gesandt. 

Und ich sagte zum Engel: 

Wird dieses Land dann 

nach einer Zeit offenbar werden? 

Der Engel antwortete 

und sprach zu mir: 

Wenn Christus, den du predigst, 

zur Herrschaft kommt, 

dann wird durch Gottes Ratschluss 

die erste Erde aufgelöst werden,

und dann wird dieses Land 

der Verheißung gezeigt werden, 

und es wird wie Tau 

oder eine Wolke sein; 

und dann wird der Herr Jesus Christus, 

der ewige König, offenbar werden 

und mit all seinen Heiligen kommen, 

um darin zu wohnen; 

und er wird tausend Jahre 

über sie herrschen, 

und sie werden von den guten Dingen essen, 

die ich dir jetzt zeigen werde.


Und ich blickte mich in dem Land um 

und sah einen Fluss, 

der von Milch und Honig floss. 

Und am Ufer des Flusses 

waren Bäume gepflanzt, 

voller Früchte. 

Jeder Baum trug zwölfmal im Jahr Früchte, 

und sie hatten verschiedene Früchte. 

Und ich sah die Schöpfung dieses Ortes 

und all das Werk Gottes. 

Und ich sah dort Palmen 

von zwanzig Ellen 

und andere von zehn Ellen. 

Und dieses Land war 

siebenmal heller als Silber. 

Und die Bäume waren voller Früchte 

von der Wurzel bis zu den oberen Zweigen.

Von der Wurzel jedes Baumes 

bis zu seinem Herzen 

gab es zehntausend Zweige 

mit Zehntausenden von Trauben 

und an jedem Zweig 

waren zehntausend Trauben, 

und an jeder Traube 

waren zehntausend Datteln. 

Und so war es auch mit den Weinstöcken. 

Jeder Weinstock hatte 

zehntausend Zweige, 

und an jedem Zweig 

waren zehntausend Weintrauben, 

und an jeder Traube waren 

zehntausend Weinbeeren. 

Und es gab dort noch andere Bäume, 

Myriaden mal Myriaden, 

und ihre Früchte waren 

in demselben Verhältnis. 

Und ich sprach zum Engel: 

Warum bringt jeder Baum 

Tausende von Früchten hervor? 

Der Engel antwortete 

und sprach zu mir: 

Weil der Herr, Gott, in seiner Güte 

den Würdigen seine Gaben 

im Überfluss gibt, 

denn auch sie haben sich 

aus eigenem Willen gequält, 

als sie in der Welt waren, 

und haben alles um seines 

heiligen Namens willen getan.


Und ich fragte den Engel wiederum: 

Herr, sind dies die einzigen 

Verheißungen, die Gott, der Herr, gibt? 

Er antwortete: Nein, 

denn es gibt siebenmal größere. 

Doch ich sage dir: 

Wenn die Gerechten 

den Leib verlassen 

und die Verheißungen 

und die Güter sehen, 

die Gott für sie bereitet hat, 

werden sie wieder seufzen und schreien: 

Warum haben wir auch nur einen Tag lang 

ein Wort gesprochen, 

um unseren Nächsten zu erzürnen? 

Ich fragte abermals: 

Sind dies die einzigen 

Verheißungen Gottes? 

Der Engel antwortete: 

Was du jetzt siehst, gilt denen, 

die verheiratet sind 

und die Reinheit ihrer Ehe bewahren, 

indem sie enthaltsam leben. 

Den Jungfrauen aber und denen, 

die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten 

und sich für den Namen des Herrn kasteien, 

wird Gott siebenmal größere Gaben geben, 

als diese, die ich dir jetzt zeigen werde.


Und danach führte er mich 

von dem Ort weg, 

wo ich dies gesehen hatte. 

Und siehe, ein Fluss, 

und sein Wasser war überaus weiß, 

mehr als Milch. 

Und ich fragte den Engel: 

Was ist das? Und er sagte zu mir: 

Dies ist der See Acherusia, 

wo die Stadt Christi ist, 

aber nicht jedem ist es gestattet, 

diese Stadt zu betreten,

denn dies ist der Weg, der zu Gott führt. 

Und wenn jemand ein Unzüchtiger 

oder Gottloser ist und umkehrt 

und Buße tut und Früchte 

der Buße hervorbringt, 

wird er zuerst, wenn er den Körper verlässt, 

zu Gott gebracht und betet ihn an. 

Dann wird er auf Geheiß des Herrn 

dem Engel Michael übergeben, 

und dieser wäscht ihn im See 

Acherusa und bringt ihn so 

in die Stadt Christi zu denen, 

die keine Sünde begangen haben. 

Und ich staunte 

und pries Gott den Herrn 

für alles, was ich sah.


Und der Engel antwortete 

und sprach zu mir: Folge mir, 

und ich werde dich in die Stadt 

Christi bringen. 

Und er trat an den See Acherusa 

und setzte mich in ein goldenes Schiff,

und dreitausend Engel sangen 

vor mir her ein Loblied, 

bis ich in die Stadt Christi kam. 

Und die in der Stadt Christi wohnten, 

freuten sich sehr über mich, 

als ich zu ihnen kam, 

und ich ging hinein 

und sah die Stadt Christi. 

Und sie war ganz aus Gold, 

und zwölf Mauern umgaben sie, 

und in ihr waren zwölf Türme,

ein Turm auf jeder Mauer, 

12.000 Türme, 

und zwischen jeder Mauer 

war eine Achtelmeile ringsum; 

und ich sprach zu dem Engel: 

Herr, wie viel ist eine Achtelmeile? 

Der Engel antwortete 

und sprach zu mir: So viel 

ist zwischen Gott dem Herrn 

und den Menschen auf Erden; 

denn die große Stadt Christi ist allein.

Und die Stadt hatte zwölf schöne Tore, 

und vier Flüsse umgaben sie: 

ein Honigfluss, ein Milchfluss, 

ein Weinfluss und ein Ölfluss. 

Und ich fragte den Engel: 

Was sind das für Flüsse, 

die diese Stadt umgeben? 

Und er sprach zu mir: 

Dies sind die vier Flüsse, 

die in Fülle fließen für die, 

die im Land der Verheißung sind; 

ihre Namen sind diese: 

Der Honigfluss heißt Phison, 

der Milchfluss Euphrat, 

der Ölfluss Gihon 

und der Weinfluss Tigris. 

Während also die Gerechten, 

als sie in der Welt waren, 

ihre Macht über diese Dinge 

nicht nutzten, sondern 

um Gottes des Herrn willen 

hungerten und sich quälten, 

wird der Herr ihnen 

diese Dinge ohne Zahl 

und ohne jedes Maß geben, 

wenn sie in diese Stadt kommen.


Als ich durch das Tor eintrat, 

sah ich vor den Toren der Stadt 

große, hohe Bäume, 

die keine Früchte, 

sondern nur Blätter trugen. 

Und ich sah einige Männer 

zwischen den Bäumen verstreut liegen. 

Sie trauerten sehr, 

wenn sie jemanden 

in die Stadt kommen sahen. 

Und jene Bäume taten Buße für sie, 

indem sie sich demütigten, 

sich verneigten 

und wieder aufrichteten.


Und ich sah es 

und weinte mit ihnen 

und fragte den Engel und sagte: 

Herr, wer sind diese, 

denen es nicht gestattet ist, 

die Stadt Christi zu betreten? 

Und er sagte zu mir: 

Das sind diejenigen, 

die Tag und Nacht mit Fasten 

ernsthaft der Welt entsagten, 

deren Herz aber stolzer war 

als die anderen, die sich selbst 

verherrlichten und lobten 

und nichts für ihre Nächsten taten. 

Einige grüßten sie freundlich, 

aber zu anderen sagten sie 

nicht einmal „Heil!“, 

und wem sie wollten, dem öffneten sie, 

und wenn sie eine Kleinigkeit 

für ihren Nächsten taten, 

waren sie aufgeblasen. 

Und ich sagte: Was dann, Herr? 

Ihr Stolz hat sie daran gehindert, 

die Stadt Christi zu betreten? 

Und der Engel antwortete 

und sprach zu mir: 

Die Wurzel allen Übels ist Stolz. 

Sind sie besser als der Sohn Gottes, 

der in großer Demut zu den Juden kam? 

Und ich fragte ihn und sagte: 

Warum demütigen sich dann die Bäume 

und stehen wieder auf? 

Und der Engel antwortete 

und sprach zu mir: 

Die ganze Zeit, die diese 

auf Erden verbrachten, 

vor alters waren sie auf der Erde, 

dienten sie Gott (sie dienten Gott); 

doch wegen der Scham und der Vorwürfe 

der Menschen schämten sie sich 

eine Zeit lang und demütigten sich; 

aber sie waren nicht betrübt 

noch taten sie Buße, 

um von diesem Stolz abzulassen, 

der in ihnen war, 

und eines Tages beugten sie sich 

wegen der Schande des Menschen, 

denn sie können den Stolz, 

der in ihm ist, nicht ertragen. 

Dies ist der Grund, warum die Bäume 

sich demütigen und wieder aufrichten. 

Und ich fragte und sprach: 

Aus welchem Grund werden sie 

zu den Toren der Stadt gelassen? 

Der Engel antwortete 

und sprach zu mir: 

Wegen der großen Güte Gottes 

und weil dies der Eingang 

für alle seine Heiligen ist, 

die diese Stadt betreten. 

Deshalb werden sie 

an diesem Ort zurückgelassen, 

damit, wenn Christus, der ewige König, 

mit seinen Heiligen eintritt, 

wenn er kommt, alle Gerechten 

für sie bitten werden; 

und dann werden sie mit ihnen 

in die Stadt einziehen. 

Doch keiner von ihnen kann 

ein solches Vertrauen haben 

wie diejenigen, die sich gedemütigt 

und Gott, dem Herrn, 

ihr ganzes Leben lang gedient haben.


Ich aber ging weiter,

und der Engel führte mich

und brachte mich zum Honigfluss.

Dort sah ich Jesaja, Jeremia, Ezechiel,

Amos, Micha und Zacharias,

die Propheten,

die kleinen und die großen,

und sie grüßten mich in der Stadt.

Ich fragte den Engel:

Was ist das für ein Weg?

Und er sprach zu mir:

Dies ist der Weg der Propheten:

Wer seine Seele betrübt

und seinen Willen nicht um Gottes willen getan hat,

der verlässt die Welt

und wird zu Gott, dem Herrn, gebracht

und betet ihn an,

der wird auf Gottes Geheiß Michael übergeben,

und er bringt ihn in die Stadt,

an diesen Ort der Propheten.

Und sie grüßen ihn als ihren Freund und Nächsten,

weil er den Willen Gottes getan hat.


Wieder führte er mich dorthin,

wo der Milchfluss war,

und ich sah an diesem Ort alle Kinder,

die der König Herodes

um des Namens Christi willen getötet hatte,

und sie grüßten mich,

und der Engel sagte zu mir:

Alle, die die Keuschheit in Reinheit bewahren,

wenn sie hinausgehen,

die Mitglieder des Leibes werden,

nachdem sie Gott den Herrn angebetet haben,

Michael übergeben

und zu den Kindern gebracht.

Dort grüßen sie sie mit den Worten:

„Sie sind unsere Brüder, Freunde und Mitglieder.

Unter ihnen werden sie die Verheißungen Gottes erben.“


Und er nahm mich wieder mit

und brachte mich an die Nordseite der Stadt

und führte mich dorthin,

wo der Fluss des Weins war.

Und ich sah dort Abraham, Isaak und Jakob,

Lot und Hiob und andere Heilige,

und sie grüßten mich.

Und ich fragte und sprach:

Was ist das für ein Ort, Herr?

Der Engel antwortete und sprach zu mir:

Alle, die Fremde bewirten,

beten, wenn sie aus der Welt scheiden,

zuerst Gott den Herrn an

und werden dann Michael übergeben

und auf diesem Weg in die Stadt gebracht,

und alle Gerechten grüßen ihn wie einen Sohn und Bruder

und sagen zu ihm:

Weil du Güte und Gastfreundschaft bewahrt hast,

so komm und nimm ein Erbe ein

in der Stadt unseres Herrn Gottes.

Jeder der Gerechten wird in der Stadt

die Gaben Gottes empfangen,

entsprechend seinen Werken.


Und er führte mich wieder zum Ölfluss

östlich der Stadt.

Dort sah ich Männer,

die fröhlich waren

und Psalmen sangen.

Ich fragte:

„Wer sind diese, Herr?“

Und der Engel antwortete mir:

„Sie sind es,

die sich Gott von ganzem Herzen ergeben haben

und keinen Hochmut in sich tragen.

Denn alle,

die sich des Herrn Gott freuen

und ihm von ganzem Herzen lobsingen,

sind hierher in diese Stadt gebracht worden.“


Und er führte mich mitten in die Stadt,

bei den zwölf Mauern.

Dort war aber eine höhere Mauer;

und ich fragte und sprach:

Gibt es in der Stadt Christi eine Mauer,

die an Ehre erhabener ist als diese?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Die zweite ist besser als die erste,

und ebenso die dritte als die zweite;

denn eine übertrifft die andere

bis zur zwölften Mauer.

Und ich sprach:

Herr, warum übertrifft einer den anderen an Ruhm?

Zeige es mir.

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Wer auch nur ein wenig Verleumdung

oder Neid oder Stolz in sich trägt,

dem wird etwas von seinem Ruhm genommen,

selbst wenn er in der Stadt Christi ist.

Schau du zurück.


Und ich wandte mich um

und sah goldene Throne

an den verschiedenen Toren

und darauf Männer

mit goldenen Kronen und Juwelen.

Und ich schaute

und sah drinnen,

inmitten der zwölf Männer,

Throne in einer anderen Ordnung,

die so herrlich erschienen,

dass niemand ihr Lob aussprechen konnte.

Und ich fragte den Engel und sagte:

Herr, wer sitzt auf dem Thron?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Dies sind die Throne derer,

die Güte und Verstand des Herzens hatten

und sich doch um Gottes willen töricht verhielten,

da sie weder die Heiligen Schriften

noch viele Psalme gelesen haben,

sondern ein Kapitel der Gebote Gottes

im Gedächtnis behielten

und es mit großem Fleiß befolgten

und aufrichtig waren vor Gott, dem Herrn.

Und darüber wird großes Staunen

über alle Heiligen vor Gott, dem Herrn, kommen,

die miteinander sprechen und sagen werden:

Bleibt und seht die Ungebildeten,

die nichts mehr wissen,

wie sie sich aufgrund ihrer Unschuld

solch schöne Kleidung

und so großen Ruhm verdient haben.


Und ich sah mitten in der Stadt

einen sehr hohen Altar.

Und da stand einer beim Altar,

dessen Antlitz leuchtete wie die Sonne,

und er hielt ein Psalterium

und eine Harfe in den Händen

und sang Loblieder und sprach:

Halleluja.

Und seine Stimme erfüllte die ganze Stadt.

Und als alle,

die auf den Türmen und an den Toren waren,

ihn hörten,

antworteten sie:

Halleluja,

sodass die Grundfesten der Stadt erschüttert wurden.


Ich fragte den Engel und sagte:

Herr, wer ist dieser, der so mächtig ist?

Und der Engel sprach zu mir:

Dies ist David.

Dies ist die Stadt Jerusalem;

und wenn Christus,

der König der Ewigkeit,

in der Fülle seines Reiches kommt,

wird er wieder vor ihm hergehen,

um Loblieder zu singen,

und alle Gerechten werden gemeinsam Loblieder singen

und antworten:

Halleluja.


Und ich sagte:

Herr, wie kommt es,

dass David vor allen anderen Heiligen

den Anfang des Lobgesangs macht?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Wenn Christus, der Sohn Gottes,

zur Rechten seines Vaters sitzt,

wird dieser David im siebten Himmel vor ihm singen,

und wie es im Himmel geschieht,

so geschieht es auch hienieden.

Denn ohne David ist es nicht erlaubt,

Gott ein Opfer darzubringen,

aber es muss notwendig sein,

dass David zur Stunde der Opferung

des Leibes und Blutes Christi singt,

und wie es im Himmel geschieht,

so geschieht es auch auf Erden.


Und ich sprach zu dem Engel:

Herr, was ist Halleluja?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Du prüfst und erforschst alle Dinge.

Und er sprach zu mir:

Halleluja wird auf Hebräisch gesprochen,

das ist die Sprache Gottes und der Engel.

Die Deutung von Halleluja aber ist diese:

Tecel cat marith macha.

Und ich sprach:

Herr, was ist Tecel cat marith macha?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Dies ist Tecel cat marith macha:

Lasst uns ihn alle zusammen segnen.


Ich fragte den Engel und sagte:

Herr, segnen alle,

die Halleluja sagen, Gott?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

So ist es.

Und weiter,

wenn jemand Halleluja singt

und die Anwesenden nicht mitsingen,

begehen sie eine Sünde,

indem sie nicht mitsingen.

Und ich sagte:

Herr, sündigt ein Mensch ebenso,

wenn er vernarrt oder sehr alt ist?

Der Engel antwortete und sprach zu mir:

Nicht so.

Aber wer es kann

und nicht mit ihm singt,

der wisse,

dass ein solcher das Wort verachtet,

denn es wäre anmaßend und unwürdig,

den Herrn, Gott, seinen Schöpfer,

nicht zu segnen.


Und als er aufgehört hatte,

mit mir zu reden,

führte er mich hinaus aus der Stadt,

mitten durch die Bäume,

zurück aus dem Land der guten Dinge

und setzte mich ab

an dem Fluss aus Milch und Honig.

Und danach führte er mich zum Meer,

auf dem der Himmel seine Grundfesten trägt.


Der Engel antwortete und sprach zu mir:

Merkst du, dass du von hier gehst?

Ich sagte: Ja, Herr.

Und er sprach zu mir:

Komm, folge mir,

ich will dir die Seelen

der Gottlosen und Sünder zeigen,

damit du erkennst,

was für einen Platz sie haben.


Ich ging mit dem Engel,

und er führte mich

auf den Weg der Abenddämmerung.

Ich sah den Anfang des Himmels,

gegründet auf einen großen Strom.

Ich fragte:

Was ist das für ein Strom?

Und er sprach zu mir:

Dies ist der Ozean,

der die ganze Erde umfließt.


Als ich den Ozean überquert hatte,

sah ich,

und da war kein Licht,

sondern Finsternis,

Kummer und Traurigkeit.

Ich seufzte.


Und ich sah dort einen feurigen Fluss,

der vor Hitze brannte,

und viele Männer und Frauen waren darin

bis zu den Knien,

andere bis zum Nabel,

andere bis zu den Lippen

und andere bis an die Haare.


Und ich fragte den Engel und sagte:

Herr, wer sind diese im feurigen Fluss?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Sie sind weder heiß noch kalt,

denn sie wurden weder unter den Gerechten

noch unter den Bösen gefunden;

denn sie verbrachten ihr Leben auf der Erde

einige Tage im Gebet,

andere Tage in Sünden und Unzucht

bis zu ihrem Tod.


Und ich fragte und sprach:

Herr, wer sind diese,

die bis zu den Knien im Feuer versunken sind?

Er antwortete und sprach zu mir:

Diese sind es, die,

wenn sie aus der Kirche austreten,

sich mit Streitgesprächen

und unnützem Geschwätz beschäftigen.


Diejenigen aber,

die bis zum Nabel versunken sind,

sind jene, die,

nachdem sie den Leib und das Blut Christi empfangen haben,

Unzucht treiben

und nicht von ihren Sünden abließen,

bis sie starben.


Und diejenigen,

die bis zu den Lippen versunken sind,

sind jene,

die einander verleumdeten,

als sie sich in der Kirche Gottes versammelten.


Diejenigen aber,

die bis zu den Augenbrauen versunken sind,

sind jene,

die einander zuwinken

und heimlich Böses gegen ihren Nächsten planen.


Und ich sah auf der Nordseite

einen Ort der Qualen,

voll von Männern und Frauen,

und ein feuriger Strom floss über sie herab.

Und ich sah sehr tiefe Gruben,

und darin viele Seelen versammelt,

und die Tiefe dieses Ortes

betrug etwa dreitausend Ellen;

und ich sah sie stöhnen und weinen und sagen:

Herr, erbarme dich unser!

Doch niemand erbarmte sich ihrer.


Und ich fragte den Engel:

Herr, wer sind diese?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Diese sind es,

die nicht auf den Herrn vertrauten,

dass sie ihn zum Helfer haben könnten.


Und ich fragte und sagte:

Herr, wenn diese Seelen so weitermachen,

dreißig oder vierzig Generationen lang

übereinander geworfen,

glaube ich,

die Gruben könnten sie nicht fassen.

Und er sagte zu mir:

Der Abgrund hat kein Maß,

denn darunter folgt auch das,

was darunter ist.

Denn so wie ein starker Mann einen Stein nimmt

und ihn in einen sehr tiefen Brunnen wirft

und dieser erst nach langer Zeit die Erde erreicht,

so ist es auch mit dem Abgrund:

Wenn die Seelen hineingeworfen werden,

kommen sie kaum nach fünfhundert Jahren unten an.


Und als ich das hörte,

trauerte und klagte ich um das Menschengeschlecht.

Der Engel antwortete und sprach zu mir:

Warum trauerst du?

Bist du barmherziger als Gott?

Denn da Gott gut ist

und weiß, dass es Qualen gibt,

hat er Geduld mit der Menschheit

und überlässt jedem seinen eigenen Willen,

solange er auf der Erde lebt.


Wieder blickte ich auf den Feuerfluss

und sah dort einen Mann,

der von Engeln, den Hütern der Hölle,

an der Kehle gepackt war.

Sie hatten ein Eisen mit drei Haken in der Hand,

womit sie die Eingeweide

jenes alten Mannes durchbohrten.


Und ich fragte den Engel und sagte:

Herr, wer ist dieser alte Mann,

dem solche Qualen zugefügt werden?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Der, den du siehst, war ein Priester,

der seinen Dienst nicht gut erfüllte;

denn während er aß, trank und prostituierte,

brachte er dem Herrn das Opfer

an seinem heiligen Altar dar.


Und ich sah nicht weit entfernt

einen anderen alten Mann,

den vier böse Engel herbeieilten.

Sie warfen ihn in den Feuerstrom

und ließen ihn bis zu den Knien sinken.

Sie schlugen ihn mit Steinen

und verwundeten sein Gesicht wie ein Sturm

und ließen ihn nicht sagen:

Hab Erbarmen mit mir.


Und ich fragte den Engel,

und er sagte zu mir:

Der, den du siehst, war ein Bischof,

und er erfüllte sein Bischofsamt nicht gut.

Denn er empfing zwar einen großen Namen,

doch er betrat sein Leben lang nicht die Heiligkeit dessen,

der ihm diesen Namen gab.

Denn er sprach kein gerechtes Urteil

und hatte kein Mitleid mit Witwen und Waisen.

Doch nun wird ihm

nach seiner Missetat und seinen Taten vergolten.


Und ich sah einen anderen Mann

im Feuerfluss, der bis zu den Knien sank.

Seine Hände waren ausgestreckt und blutig,

und Würmer kamen aus seinem Mund

und seiner Nase.

Er stöhnte und klagte und schrie und sagte:

Erbarme dich meiner,

denn ich leide mehr als alle anderen,

die diese Qual erleiden.

Und ich fragte: Herr, wer ist dieser?

Und er sprach zu mir:

Dieser, den du siehst, war ein Diakon,

der die Opfergaben verschlang

und Unzucht trieb

und nicht recht war in den Augen Gottes;

darum büßt er unaufhörlich die Strafe.


Und ich schaute hin

und sah neben ihm einen anderen Mann,

den sie eilig herbeibrachten

und in den Feuerfluss warfen.

Er lag dort bis zu den Knien;

und der Engel, der über die Qualen wacht,

kam mit einem großen, glühenden Rasiermesser

und schnitt dem Mann damit die Lippen

und die Zunge ab.

Und ich seufzte und weinte und fragte:

Wer ist dieser Mann, Herr?

Und er sprach zu mir:

Dieser, den du siehst, war ein Leser

und las dem Volk vor;

aber er hielt sich nicht an Gottes Gebote;

nun büßt er seine Strafe selbst.


Und ich sah an derselben Stelle

noch eine Menge Gruben

und mittendrin einen Fluss,

angefüllt mit einer Menge Männern und Frauen,

und Würmer fraßen sie.

Da weinte und seufzte ich

und fragte den Engel: Herr, wer sind diese?

Und er sprach zu mir:

Das sind die, die Wucher auf Wucher trieben

und auf ihren Reichtum vertrauten

und nicht auf Gott hofften,

dass er ihnen helfen würde.


Und danach schaute ich hin

und sah einen sehr engen Raum,

und da war es wie eine Mauer,

und ringsherum Feuer.

Und ich sah darin Männer und Frauen,

die an ihren Zungen knabberten,

und fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er sprach zu mir:

Das sind diejenigen,

die das Wort Gottes in der Kirche verspotteten,

nicht darauf achteten,

sondern Gott und seine Engel gleichsam verachteten;

darum müssen sie nun auch

die gebührende Strafe zahlen.


Und ich schaute hinein

und sah eine andere Pfütze unten in der Grube,

und sie sah aus wie Blut.

Und ich fragte und sagte:

Herr, was ist das für ein Ort?

Und er sagte zu mir:

In diese Grube fließen alle Qualen.

Und ich sah Männer und Frauen

bis an die Lippen versunken

und fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er sagte zu mir:

Dies sind die Zauberer,

die Männern und Frauen Zaubersprüche gaben,

und sie fanden keine Ruhe,

bis sie starben.


Und wieder sah ich Männer und Frauen

mit sehr schwarzem Gesicht in einer Feuergrube.

Ich seufzte und weinte und fragte:

Wer sind diese, Herr?

Und er sprach zu mir:

Das sind Hurer und Ehebrecher,

die Ehebruch begingen,

obwohl sie eigene Frauen hatten.

Und ebenso begingen Frauen derselben Art Ehebruch,

obwohl sie eigene Männer hatten.

Deshalb zahlen sie unaufhörlich die Strafe.


Und ich sah dort Mädchen 

in schwarzen Gewändern

und vier furchterregende Engel,

die glühende Ketten in den Händen hielten.

Sie legten sie ihnen um den Hals

und führten sie in die Dunkelheit.

Und ich weinte erneut und fragte den Engel:

Wer sind diese, Herr?

Und er sprach zu mir:

Sie sind es, die als Jungfrauen

ihre Jungfräulichkeit befleckt haben,

ohne dass ihre Eltern es wussten.

Deshalb zahlen sie unaufhörlich die gebührende Strafe.


Und wieder sah ich dort Männer und Frauen

mit abgeschnittenen Händen und Füßen und nackt,

an einem Ort aus Eis und Schnee,

und Würmer fraßen sie.

Und als ich das sah, weinte ich und fragte:

Wer sind diese, Herr?

Und er sagte zu mir:

Das sind diejenigen,

die den Waisen, Witwen und Armen geschadet

und nicht auf den Herrn vertraut haben.

Deshalb zahlen sie ohne Unterlass die gebührende Strafe.


Und ich sah andere über einem Wasserlauf hängen.

Ihre Zungen waren völlig ausgetrocknet,

und viele Früchte lagen vor ihren Augen,

doch durften sie nicht davon essen.

Und ich fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er antwortete mir:

Sie brechen das Fasten vor der festgesetzten Zeit;

deshalb büßen sie unaufhörlich diese Strafe.


Und ich sah andere Männer und Frauen,

die an Augenbrauen und Haaren aufgehängt waren,

und ein Feuerstrom zog sie an.

Ich fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er sprach zu mir:

Das sind diejenigen,

die sich nicht ihren eigenen Männern

und Frauen hingaben,

sondern Ehebrechern,

und dafür zahlen sie unaufhörlich

die gebührende Strafe.


Und ich sah andere Männer und Frauen,

bedeckt mit Staub,

und ihr Aussehen war wie Blut,

und sie wurden in einer Grube

aus Pech und Schwefel gefangen

und von einem Feuerstrom hinabgetragen.

Und ich fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er sprach zu mir:

Sie sind es,

die die Sünden von Sodom und Gomorra

begangen haben, Mann mit Mann,

und dafür büßen sie unaufhörlich.


Und ich schaute und sah Männer und Frauen

in weißer Kleidung,

und ihre Augen waren blind,

und sie wurden in eine Grube geworfen,

und ich fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er sagte zu mir:

Das sind die Heiden,

die Almosen gaben

und Gott den Herrn nicht kannten;

deshalb zahlen sie ohne Unterlass

die fällige Strafe.


Und ich schaute und sah andere Männer und Frauen

am Feuerspieß

und wilde Tiere, die sie zerrissen,

und sie durften nicht sagen:

Herr, erbarme dich unser.

Und ich sah den Engel der Qualen,

der sie grausam quälte und sagte:

Bekennt den Sohn Gottes.

Denn es ist euch schon zuvor gesagt worden,

doch als euch die Schriften Gottes

vorgelesen wurden,

habt ihr nicht darauf geachtet.

Darum ist das Urteil Gottes gerecht,

denn eure bösen Taten haben euch ergriffen

und euch diese Qualen zugefügt.


Aber ich seufzte und weinte;

und ich fragte und sagte:

Wer sind diese Männer und Frauen,

die im Feuer erwürgt werden

und die Strafe bezahlen?

Und er antwortete mir:

Dies sind die Frauen,

die Gottes Schöpfung befleckten,

als sie Kinder aus dem Mutterleib hervorbrachten,

und dies sind die Männer,

die bei ihnen lagen.

Ihre Kinder aber flehten Gott, den Herrn,

und die Engel an,

die über die Qualen wachen:

Rächt uns an unseren Eltern!

Denn sie haben Gottes Schöpfung befleckt.

Sie haben den Namen Gottes,

aber seine Gebote nicht beachtet

und uns den Hunden zum Fraß gegeben,

den Schweinen zum Fraß und anderen;

sie warfen sie in den Fluss.

Doch diese Kinder wurden den Engeln

des Tartarus übergeben,

damit diese sie an einen geräumigen Ort

der Barmherzigkeit brächten;

ihre Väter und Mütter jedoch

wurden in die ewige Qual gezerrt.


Und danach sah ich Männer und Frauen,

die in Lumpen voller Pech

und feurigem Schwefel gekleidet waren,

und Drachen hatten sich um ihre Hälse,

Schultern und Füße gewunden,

und Engel mit feurigen Hörnern

zwangen und schlugen sie

und verstopften ihre Nasenlöcher

und sprachen zu ihnen:

Warum wusstet ihr nicht,

wann die Zeit für euch gekommen ist,

Buße zu tun und Gott zu dienen,

und habt es nicht getan?

Und ich fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er sprach zu mir:

Dies sind diejenigen,

die der Welt zu entsagen schienen,

indem sie unsere Gewänder trugen,

aber die Fallstricke der Welt

machten sie unglücklich:

Sie zeigten keine Nächstenliebe

und hatten kein Mitleid mit den Witwen und Waisen;

sie nahmen keine Fremden und Pilger auf,

brachten kein Opfer dar,

noch hatten sie Mitleid mit ihrem Nächsten;

und ihr Gebet stieg nicht einen Tag

rein zu Gott, dem Herrn, auf;

sondern die vielen Fallstricke der Welt

hielten sie zurück,

und sie waren nicht imstande,

in den Augen Gottes das Richtige zu tun.

Und die Engel trugen sie an den Ort der Qualen.

Und die Qualen sahen sie und sagten zu ihnen:

Wir haben Gott vernachlässigt,

als wir in der Welt lebten,

und ihr habt es ebenso getan.

Wir wussten, als wir in der Welt waren,

dass wir Sünder waren,

aber von euch wurde gesagt:

Diese sind Gerechte und Diener Gottes.

Nun wissen wir,

dass ihr nur nach dem Namen des Herrn

benannt seid.

Darum zahlen sie auch die gebührende Strafe.


Und ich seufzte und weinte und sagte:

Wehe den Menschen!

Wehe den Sündern!

Wozu sind sie geboren?

Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Warum weinst du?

Bist du barmherziger als Gott, der Herr,

der ewig gepriesen ist,

der das Gericht gefällt

und jedem Menschen die Wahl

zwischen Gut und Böse überlässt?

Und ich weinte erneut bitterlich,

und er sprach zu mir:

Weinst du,

obwohl du noch keine größeren Qualen gesehen hast?

Folge mir,

und du wirst siebenmal größere sehen.


Und er nahm mich von der Nordseite nach Westen

und stellte mich über einen Brunnen.

Ich fand ihn mit sieben Siegeln versiegelt.

Und der Engel, der bei mir war,

antwortete und sprach zu dem Engel des Ortes:

Öffne die Öffnung des Brunnens,

damit Paulus, der Geliebte Gottes, schauen kann;

denn ihm ist Macht gegeben,

alle Qualen der Hölle zu sehen.

Und der Engel sprach zu mir:

Halte dich fern,

damit du den Gestank dieses Ortes ertragen kannst.


Als nun der Brunnen geöffnet wurde,

stieg sogleich ein strenger

und böser Gestank daraus auf,

der alle Qualen übertraf.

Und ich schaute in den Brunnen

und sah Feuerklumpen ringsum brennen und Angst,

und es war so eng am Rande der Grube,

dass nur ein Mensch hineinpasste.


Und der Engel antwortete und sprach zu mir:

Wenn jemand in den Brunnen des Abgrunds

geworfen wird

und dieser über ihm versiegelt wird,

wird man seiner nie mehr gedenken

vor dem Vater und dem Sohn

und dem Heiligen Geist

oder den heiligen Engeln.

Und ich sagte:

Wer sind sie, Herr,

die in diesen Brunnen geworfen werden?

Und er sprach zu mir:

Das sind alle,

die nicht bekennen,

dass Christus im Fleisch gekommen ist

und dass die Jungfrau Maria ihn getragen hat,

und alle,

die vom Brot und vom Kelch der Eucharistie sagen,

dass es nicht Leib und Blut Christi sei.


Und ich blickte von Norden nach Westen

und sah dort den Wurm, der nicht schläft,

und an diesem Ort knirschte es mit den Zähnen.

Und die Würmer waren eine Elle groß

und hatten zwei Köpfe darauf.

Und ich sah dort Männer und Frauen,

die froren und mit den Zähnen knirschten.

Und ich fragte und sagte:

Herr, wer sind die, die an diesem Ort sind?

Und er sagte zu mir:

Das sind die, die sagen,

dass Christus nicht von den Toten auferstanden ist

und dass dieses Fleisch nicht wieder aufersteht.


Und ich fragte und sagte:

Herr, gibt es an diesem Ort weder Feuer noch Hitze?

Und er sagte zu mir:

An diesem Ort gibt es nichts als Kälte und Schnee.

Und weiter sagte er zu mir:

Selbst wenn die Sonne über ihnen aufginge,

würden sie sich nicht wärmen

wegen der extremen Kälte dieses Ortes

und des Schnees.


Und als ich das hörte,

breitete ich meine Hände aus

und weinte und seufzte und sagte abermals:

Es wäre besser für uns,

wir alle, die wir Sünder sind,

wären nie geboren worden.


Als aber die dort waren

und mich mit dem Engel weinen sahen,

schrien auch sie und weinten und sagten:

Herr, mein Gott, erbarme dich unser!


Und danach sah ich den Himmel offen

und den Erzengel Michael vom Himmel herabsteigen

und mit ihm die ganze Schar der Engel;

und sie kamen bis zu denen,

die in Qualen lagen.

Und als sie sie sahen,

weinten sie wieder und schrien und sprachen:

Erbarme dich unser, du Erzengel Michael,

erbarme dich unser und der Menschheit,

denn durch deine Gebete besteht die Erde.

Wir haben nun das Gericht gesehen

und den Sohn Gottes erkannt.

Es war uns nicht möglich, dafür zu beten,

bevor wir an diesen Ort kamen;

denn wir hörten,

dass es ein Gericht gab,

bevor wir diese Welt verließen,

aber die Fallstricke und das Leben in dieser Welt

ließen uns nicht umkehren.


Und Michael antwortete und sprach:

Hört, wenn Michael spricht:

Ich bin es, der immer vor Gott steht.

So wahr der Herr lebt,

vor dessen Angesicht ich stehe,

ich höre keinen Tag und keine Nacht auf,

unaufhörlich für die Menschheit zu beten;

und ich bete zwar für die,

die auf der Erde sind;

doch sie hören nicht auf,

Bosheit und Unzucht zu begehen.

Und sie bringen nichts Gutes hervor,

solange sie auf der Erde sind;

und ihr habt die Zeit,

in der ihr hättet umkehren sollen,

vergeblich vergeudet.

Doch ich habe immer gebetet

und bitte Gott nun,

Tau und Regen auf die Erde zu senden,

und immer noch bete ich,

bis die Erde ihre Früchte trägt.

Und ich sage:

Wenn jemand nur ein wenig Gutes tut,

werde ich für ihn kämpfen

und ihn beschützen,

bis er der Qual entgeht.

Wo sind dann eure Gebete?

Wo ist eure Reue?

Ihr habt die Zeit schändlich vergeudet.

Doch weint nun,

und ich werde mit euch weinen

und die Engel, die bei mir sind,

zusammen mit dem geliebten Paulus,

ob sich der barmherzige Gott

vielleicht euer erbarmt

und euch Erfrischung gewährt.


Als sie diese Worte hörten,

schrien sie auf und weinten bitterlich

und sprachen alle wie aus einem Mund:

Erbarme dich unser, oh Sohn Gottes.

Und ich, Paulus, seufzte und sagte:

O Herr und Gott,

erbarme dich deiner Kreatur,

erbarme dich der Menschenkinder,

erbarme dich deines Bildes.


Ich schaute und sah,

wie der Himmel bebte

wie ein Baum, der vom Wind bewegt wird.

Und plötzlich warfen sie sich vor dem Thron

auf ihr Angesicht.

Und ich sah die vierundzwanzig Ältesten

und die vier lebendigen Wesen,

die Gott anbeteten.

Und ich sah den Altar

und den Vorhang und den Thron.

Sie alle freuten sich.

Und süßer Rauch stieg auf

neben dem Altar des Thrones Gottes.


Und ich hörte eine Stimme sagen:

Warum bittet ihr mich,

unsere Engel und unsere Diener?

Und sie riefen:

Wir bitten dich angesichts deiner großen Güte

gegenüber den Menschen.


Und danach sah ich den Sohn Gottes

vom Himmel herabsteigen,

und auf seinem Haupt war eine Krone.

Und als ihn die Qualen sahen,

schrien sie alle wie aus einem Mund:

Erbarme dich unser, du erhabener Sohn Gottes!

Du hast allen im Himmel und auf Erden

Erquickung geschenkt;

erbarme dich auch unser!

Denn seitdem wir dich gesehen haben,

finden wir Erquickung.


Und während all der Qualen

erklang eine Stimme vom Sohn Gottes:

Was habt ihr Gutes getan,

dass ihr mich um Erquickung bitten solltet?

Mein Blut ist für euch vergossen worden,

und ihr habt auch dafür keine Buße getan.

Euretwegen trug ich eine Dornenkrone

auf meinem Haupt,

euretwegen erhielt ich Schläge auf meine Wangen,

und ihr habt auch dafür keine Buße getan.

Ich bat um Wasser, als ich am Kreuz hing,

und sie gaben mir Essig mit Galle vermischt;

mit einem Speer öffneten sie meine rechte Seite;

um meines Namens willen haben sie meine Knechte,

die Propheten und die Gerechten, getötet;

und um all dieser Dinge willen

habe ich euch einen Ort der Buße gegeben,

und ihr wolltet nicht.

Doch nun um Michaels,

des Erzengels meines Bundes,

und der Engel, die bei ihm sind,

und um Paulus, meines Geliebten,

den ich nicht betrüben wollte,

und um eurer Brüder,

die in der Welt sind und Opfer darbringen,

und um eurer Söhne,

denn in ihnen sind meine Gebote,

und noch mehr um meiner Güte willen:

An dem Tag, an dem ich von den Toten auferstanden bin,

werde ich euch allen,

die ihr in Qualen seid,

Erfrischung für einen Tag und eine Nacht

für immer gewähren.


Und alle riefen und sprachen:

Wir segnen dich, o Sohn Gottes,

dafür, dass du uns einen Tag und eine Nacht

Ruhe gewährt hast.

Denn die Erholung eines Tages

ist uns besser als die ganze Zeit unseres Lebens,

die wir auf Erden verbracht haben.

Und wenn wir klar erkannt hätten,

dass dieser Ort für die Sünder bestimmt ist,

hätten wir keinerlei andere Arbeit getan,

weder Handel getrieben

noch irgendeine Bosheit begangen.

Denn was nützte uns unser Stolz in der Welt?

Denn unser Stolz ist gefangen genommen,

der aus unserem Mund gegen unseren Nächsten kam.

Und dieser Schmerz und unsere große Angst

und unsere Tränen und die Würmer, die unter uns sind,

diese sind schlimmer für uns als die Qualen,

die wir erleiden.


Und als sie so redeten,

wurden die Qualengel und die bösen Engel

zornig auf sie und sagten:

Wie lange habt ihr geweint und geseufzt?

Denn ihr hattet kein Erbarmen.

Denn dies ist das Gericht Gottes über den,

der kein Erbarmen hatte.

Dennoch habt ihr diese große Gnade empfangen,

ja Erfrischung für die Nacht

und den Tag des Herrn,

wegen Paulus, dem Geliebten Gottes,

der zu euch gekommen ist.


Und danach sprach der Engel zu mir:

Hast du das alles gesehen?

Ich antwortete: Ja, Herr.

Und er sprach zu mir:

Folge mir, ich will dich ins Paradies bringen,

damit die Gerechten dort dich sehen;

denn siehe, sie hoffen, dich zu sehen,

und sind bereit, dir mit Freude und Jubel

entgegenzukommen.


Ich folgte dem Engel

mit der Kraft des Heiligen Geistes,

und er führte mich ins Paradies

und sprach zu mir:

Dies ist das Paradies,

in dem Adam und seine Frau irrten.


Ich betrat das Paradies

und sah die Quelle des Wassers,

und der Engel winkte mir und sprach:

Siehe diese Wasser:

Dies ist der Fluss Phison,

der das ganze Land Evila umfließt,

und dies ist Geon,

der ganz Ägypten und Äthiopien umfließt,

und dies ist der Tigris,

der gegenüber den Assyrern liegt,

und dies ist der Euphrat,

der das Land Mesopotamien bewässert.


Und ich ging weiter hinein

und sah einen gepflanzten Baum,

aus dessen Wurzeln Wasser floss,

und aus ihm entsprangen die vier Flüsse,

und der Geist Gottes ruhte auf diesem Baum,

und als der Geist hauchte,

floss das Wasser hervor.


Und ich sagte:

Herr, ist dieser Baum der,

der das Wasser fließen lässt?

Und er sprach zu mir:

Weil im Anfang, ehe Himmel und Erde erschienen

und alles unsichtbar war,

der Geist Gottes über dem Wasser schwebte;

seit aber auf Gottes Geheiß

Himmel und Erde erschienen,

ruht der Geist auf diesem Baum;

darum fließt das Wasser aus dem Baum,

wenn der Geist haucht.


Und er ergriff meine Hand

und führte mich zum Baum der Erkenntnis

von Gut und Böse und sagte:

Dies ist der Baum,

durch den der Tod in die Welt kam;

und Adam nahm davon von seiner Frau und aß,

und der Tod kam in die Welt.

Und er zeigte mir einen anderen Baum

mitten im Paradies und sagte zu mir:

Dies ist der Baum des Lebens.


Und als ich noch auf das Kreuz schaute,

sah ich eine Jungfrau von weitem kommen

und zweihundert Engel vor ihr her,

die Loblieder sangen.

Und ich fragte und sprach:

Herr, wer ist diese,

die in solcher Herrlichkeit kommt?

Und er sprach zu mir:

Dies ist Maria, die Jungfrau,

die Mutter des Herrn.


Und sie trat näher, grüßte mich und sagte:

Sei gegrüßt, Paulus,

geliebt von Gott, den Engeln und den Menschen!

Denn alle Heiligen haben meinen Sohn Jesus,

meinen Herrn, gebeten,

dass du leibhaftig hierherkommst,

damit sie dich sehen,

bevor du diese Welt verlässt.

Und der Herr sprach zu ihnen:

Wartet und habt Geduld;

noch eine kleine Weile,

dann werdet ihr ihn sehen,

und er wird bei euch sein für immer.

Und wiederum sagten sie alle einmütig zu ihm:

Betrübe uns nicht!

Wir möchten ihn sehen,

solange er im Fleisch ist.

Durch ihn ist dein Name in der Welt

sehr verherrlicht worden,

und wir haben gesehen,

dass er alle Werke, ob klein oder groß,

übertroffen hat.

Denn wir fragen die, die hierherkommen:

Wer ist es, der euch in der Welt geleitet hat?

Und sie antworteten uns:

Es gibt einen in der Welt mit Namen Paulus;

er verkündet Christus und predigt ihn,

und wir glauben, dass durch die Kraft

und Süße seiner Rede

viele in das Reich Gottes eingegangen sind.

Siehe, alle Gerechten folgen mir

und kommen dir entgegen.

Aber ich sage dir, Paulus:

Deshalb gehe ich zuerst denen entgegen,

die den Willen meines Sohnes und Herrn

Jesus Christus erfüllt haben.

Ich gehe zuerst zu ihnen

und lasse sie nicht als Fremde zurück,

bis sie ihm in Frieden begegnen.


Während sie noch redete,

sah ich drei Männer von weitem kommen,

wunderschön, wie Christus,

und ihre Gestalten leuchteten,

und ihre Engel.

Und ich fragte: Herr, wer sind diese?

Er antwortete: Dies sind die Väter des Volkes,

Abraham, Isaak und Jakob.


Und sie traten näher, grüßten mich und sagten:

Sei gegrüßt, Paulus,

von Gott und den Menschen geliebt!

Gesegnet sei,

wer um des Herrn willen Gewalt erduldet!

Abraham antwortete mir und sagte:

Dies ist mein Sohn Isaak,

und Jakob ist mein Liebling.

Wir erkannten den Herrn und folgten ihm.

Gesegnet sind alle,

die deinem Wort geglaubt haben,

damit sie das Königreich Gottes

durch Arbeit und Selbstaufopferung

und Heiligung und Demut und Nächstenliebe

und Sanftmut und richtigen Glauben an den Herrn

erben können.

Und auch wir hatten Hingabe an den Herrn,

den du predigst,

und gelobten, dass wir zu jeder Seele derer kommen werden,

die an ihn glauben,

und ihm dienen werden,

wie Väter ihren Söhnen dienen.


Während sie noch redeten,

sah ich zwölf Männer von weitem mit Ehren kommen.

Ich fragte: Wer sind diese, Herr?

Und er sagte: Das sind die Patriarchen.

Und sie kamen und grüßten mich und sagten:

Sei gegrüßt, Paulus,

von Gott und den Menschen geliebt.

Der Herr hat uns nicht betrübt,

dass wir dich noch im Leibe sehen durften,

bevor du die Welt verließest.

Und jeder von ihnen nannte mir

der Reihe nach seinen Namen,

von Ruben bis Benjamin;

und Joseph sagte zu mir:

Ich bin der, der verkauft wurde.

Und ich sage dir, Paulus:

In allem, was meine Brüder mir angetan haben,

habe ich ihnen nichts Böses angetan,

nicht in all der Mühe,

die sie mir auferlegten,

noch habe ich ihnen vom Morgen bis zum Abend

etwas Böses zugefügt.

Selig ist, wer um des Herrn willen

verletzt wurde und durchgehalten hat,

denn der Herr wird ihm vielfach vergelten,

wenn er die Welt verlässt.


Während er noch redete,

sah ich einen anderen von weitem kommen, schön,

und seine Engel sangen Loblieder.

Da fragte ich: Herr, wer ist dieser

mit dem schönen Angesicht?

Er sprach zu mir: Kennst du ihn nicht?

Ich sagte: Nein, Herr.

Und er sprach zu mir: Dies ist Mose,

der Gesetzgeber, dem Gott das Gesetz gab.


Und als er bei mir war,

weinte er sogleich

und grüßte mich danach.

Da sagte ich zu ihm: Warum weinst du?

Ich habe gehört,

dass du alle Menschen an Sanftmut übertriffst.

Er antwortete: Ich weine um die,

die ich mit viel Mühe gepflanzt habe;

denn sie haben keine Frucht gebracht,

und keinem von ihnen geht es gut.

Und ich sah, wie alle Schafe, die ich weidete,

zerstreut wurden und keinen Hirten mehr hatten,

und wie alle Mühen,

die ich für die Kinder Israels auf mich genommen hatte,

umsonst waren,

und wie große Wunder ich in ihrer Mitte vollbrachte,

sie es nicht verstanden.

Und ich wundere mich, wie Fremde,

Unbeschnittene und Götzendiener sich bekehren

und Gottes Verheißungen empfangen,

Israel aber nicht.

Und nun sage ich dir, Bruder Paulus:

In der Stunde, als das Volk Jesus,

den du predigst, aufhängte,

weinten Gott, der Vater aller,

der mir das Gesetz gab,

und Michael und alle Engel und Erzengel,

Abraham, Isaak, Jakob und alle Gerechten

über den Sohn Gottes, der am Kreuz gehängt wurde.

Und in dieser Stunde warteten alle Heiligen auf mich,

schauten mich an und sprachen:

Siehe, Mose, was dein Volk

dem Sohn Gottes angetan hat.

Darum bist du gesegnet, Paulus,

und gesegnet ist das Geschlecht und das Volk,

das deinem Wort geglaubt hat.


Während er noch redete,

kamen andere Zwölf, sahen mich und sprachen:

Bist du Paulus, der im Himmel

und auf Erden verherrlicht ist?

Ich antwortete und sprach: Wer seid ihr?


Der erste antwortete und sprach:

Ich bin Jesaja,

dem Manasse den Kopf mit der Säge

abgeschlagen hat.

Und der zweite sprach ebenso:

Ich bin Jeremias,

der von den Israeliten gesteinigt

und erschlagen wurde.

Und der dritte sprach:

Ich bin Ezechiel,

den die Israeliten an den Füßen

über die Steine im Berg schleiften,

bis sie mir das Gehirn zerstreuten.

Und wir alle erduldeten diese Mühen

und wünschten, die Kinder Israels zu retten.

Und ich sage dir:

Nach den Mühen, die sie mir auferlegt haben,

werde ich mich vor dem Herrn niederwerfen,

für sie beten und meine Knie beugen

bis zur zweiten Stunde des Tages des Herrn,

bis Michael kommt

und mich von der Erde auferweckt.

Gesegnet bist du, Paulus,

und gesegnet ist das Volk,

das durch dich zum Glauben gekommen ist.


Und als sie vorbeigingen,

sah ich einen anderen, der schön aussah,

und fragte: Herr, wer ist das?

Und er sprach zu mir:

Das ist Lot,

der in Sodom als gerecht befunden wurde.

Und er trat näher, grüßte mich und sagte:

Gesegnet bist du, Paulus,

und gesegnet ist das Geschlecht, dem du gedient hast.

Und ich antwortete und sprach zu ihm:

Bist du Lot,

der in Sodom als gerecht befunden wurde?

Und er sprach:

Ich habe Engel in meinem Haus

als Fremde beherbergt,

und als die aus der Stadt ihnen Gewalt antun wollten,

bot ich ihnen meine beiden Töchter an,

Jungfrauen, die noch nie einen Mann gekannt hatten,

und gab sie ihnen mit den Words:

Behandelt sie, wie ihr wollt,

nur tut diesen Leuten nichts Böses,

denn dafür sind sie unter das Dach

meines Hauses gekommen.

Darum sollen wir Vertrauen haben und wissen,

dass Gott jedem, was er tut, vielfach vergilt,

wenn er zu ihm kommt.

Gesegnet bist du, Paulus,

und gesegnet ist die Generation,

die deinem Wort geglaubt hat.


Als er nun aufgehört hatte, mit mir zu reden,

sah ich einen anderen von weitem kommen,

der hatte ein sehr schönes Gesicht und lächelte,

und seine Engel sangen Loblieder.

Und ich sagte zu dem Engel, der bei mir war:

Hat denn jeder der Gerechten einen Engel

für seinen Nächsten?

Und er sprach zu mir:

Jeder der Heiligen hat seinen eigenen,

der bei ihm steht und Loblieder singt,

und einer weicht nicht vom anderen.

Und ich sagte: Wer ist dieser, Herr?

Und er sagte: Dies ist Hiob.


Und er trat näher und grüßte mich und sagte:

Bruder Paulus, du hast großes Lob

bei Gott und den Menschen.

Nun bin ich Hiob,

der dreißig Jahre lang viel an der Plage litt;

und am Anfang waren die Bläschen,

die aus meinem Körper hervorbrachen,

wie Weizenkörner;

am dritten Tag aber wurden sie wie Eselsfüße,

und die Würmer, die von ihnen fielen,

waren vier Finger lang.

Und dreimal erschien mir der Teufel und sprach zu mir:

Sprich ein Wort gegen den Herrn,

und du wirst sterben!

Ich aber sprach zu ihm:

Wenn es Gottes Wille ist,

dass ich mein Leben lang bis zu meinem Tode

an der Plage leide,

so werde ich nicht aufhören,

Gott den Herrn zu preisen,

und ich werde umso größeren Lohn empfangen.

Denn ich weiß, dass die Leiden dieser Welt

nichts sind im Vergleich zu der Erquickung danach.

Darum sei gesegnet, Paulus,

und gesegnet ist das Volk,

das durch dich zum Glauben gekommen ist.


Während er noch redete,

ertönte ein anderer Schrei von weitem und sagte:

Gesegnet bist du, Paulus,

und gesegnet bin ich, dass ich dich,

den Geliebten des Herrn, gesehen habe.

Und ich fragte den Engel: Wer ist dieser, Herr?

Und er antwortete und sprach zu mir:

Dies ist Noah aus den Tagen der Sintflut.


Und sogleich begrüßten wir einander,

und er sagte voller Freude zu mir:

Du bist Paulus, der Geliebte Gottes.

Und ich fragte ihn: Wer bist du?

Und er sprach:

Ich bin Noah, der in den Tagen der Sintflut war.

Doch ich sage dir, Paulus,

dass ich hundert Jahre damit verbracht habe,

die Arche zu bauen,

ohne den Mantel, den ich trug, abzulegen,

und ich habe mir die Haare auf dem Kopf nicht geschoren.

Auch habe ich enthaltsam gelebt

und mich meiner eigenen Frau nicht genähert,

und in diesen hundert Jahren

ist mein Haar auf dem Kopf nicht gewachsen,

noch wurde meine Kleidung beschmutzt.

Und ich bat die Leute damals und sagte:

Tut Buße, denn eine Sintflut kommt über euch.

Aber sie verspotteten mich

und verhöhnten meine Worte;

und wiederum sagten sie zu mir:

Dies ist die Zeit derer, die treiben und sündigen,

so viel sie wollen,

die die Erlaubnis haben,

nicht wenig Unzucht zu treiben.

Denn Gott sieht nicht auf diese Dinge

und weiß nicht, was mit uns Menschen geschieht,

und außerdem kommt keine Flut von Wasser

über diese Welt.

Und sie hörten nicht auf mit ihren Sünden,

bis Gott alles Fleisch auslöschte,

das den Lebenshauch in sich trug.

Aber wisse, dass Gott einen Gerechten mehr liebt

als die ganze Welt der Bösen.

Darum bist du gesegnet, o Paulus,

und gesegnet ist das Volk,

das durch dich zum Glauben gekommen ist.


Und ich wandte mich um

und sah andere Gerechte von weitem kommen.

Da fragte ich den Engel: Herr, wer sind diese?

Er antwortete: Das sind Elias und Elisa.


Sie grüßten mich,

und ich fragte sie: Wer seid ihr?

Einer von ihnen antwortete und sprach:

Ich bin Elias, der Prophet Gottes.

Ich bin Elias, der gebetet hat,

und um meines Wortes willen

regnete es drei Jahre und sechs Monate lang nicht,

wegen der Sünden der Menschen.

Gerecht und wahrhaftig ist Gott,

der den Willen seiner Diener tut.

Denn oft baten die Engel den Herrn um Regen,

und er sprach: Hab Geduld,

bis mein Diener Elias darum bittet,

dann werde ich Regen auf die Erde senden.


Und er gab nichts,

bis ich ihn wieder anrief;

dann gab er ihnen.

Gesegnet bist du, o Paulus,

dass deine Generation

und die, die du lehrst,

Söhne des Reiches sind.

Und wisse, o Paulus,

dass jeder, der durch dich glaubt,

großen Segen hat

und ein Segen für ihn reserviert ist.

Dann verließ er mich.


Und der Engel, der bei mir war,

führte mich hinaus und sprach zu mir:

Siehe, dir ist dieses Geheimnis

und diese Offenbarung gegeben;

wie es dir gefällt,

mache es den Menschenkindern bekannt.


Und ich, Paulus, kam zu mir selbst zurück

und wusste alles, was ich gesehen hatte.

Und im Leben hatte ich keine Ruhe,

dieses Geheimnis zu offenbaren,

sondern ich schrieb es nieder

und vergrub es unter der Erde

und den Fundamenten des Hauses

eines gewissen Gläubigen,

mit dem ich in Tarsus,

einer Stadt in Kilikien, zusammen war.


Und als ich aus diesem Leben entlassen war

und vor meinem Herrn stand,

sagte er zu mir:

Paulus, haben wir dir all dies gezeigt,

damit du es unter den Fundamenten

eines Hauses vergraben sollst?

Sende und verkünde diese Offenbarung,

damit die Menschen sie lesen

und sich dem Weg der Wahrheit zuwenden,

damit auch sie nicht

in diese bitteren Qualen geraten.


Und so wurde diese Offenbarung entdeckt...


Die Leiden,

die jeder um Gottes willen erduldet,

wird Gott ihm doppelt vergelten.

Gesegnet bist du, Paulus,

und gesegnet sind die Heiden,

die durch dich glauben.


Und während er redete,

trat auch Henoch zu mir,

grüßte mich und sagte zu mir:

Wer um Gottes willen leidet,

den wird Gott nicht quälen,

wenn er die Welt verlässt.


Da trat Zacharias heran und sprach:

Ich bin derjenige,

den sie töteten,

als ich Gott das Opfer darbrachte.

Und als die Engel kamen,

um das Opfer abzuholen,

trugen sie meinen Leichnam zu Gott empor,

und niemand fand meinen Leichnam,

wohin man ihn gebracht hatte.


Danach erschien Adam,

der größer war als alle anderen,

am Ende der Prozession der Heiligen.


Darauf wurde Paulus

in den dritten Himmel getragen.

Der Engel an seiner Seite

veränderte sein Aussehen

und brach in Feuerflammen aus,

und eine Stimme verbot Paulus,

zu offenbaren, was er gesehen hatte.


Dort schaute er die geheimnisvolle Vision

eines Altars

mit sieben Lichtadlern zur Rechten und zur Linken.

Er sah aufs Neue das Paradies

und die Sanftmütigen,

die Propheten, David und die Märtyrer,

die ihm in Herrlichkeit begegneten.


Der Engel des Herrn nahm mich mit

und brachte mich zum Ölberg.

Ich fand die Apostel versammelt

und erzählte ihnen alles,

was ich gesehen hatte.

Sie lobten Gott

und befahlen uns,

das heißt mir, Markus und Timotheus,

die Offenbarung niederzuschreiben.


Und während sie redeten,

erschien Christus

aus dem Wagen der Cherubim

und grüßte Petrus, Johannes

und besonders Paulus.

Er versprach Segen denen,

die die Apokalypse schreiben oder lesen würden,

und Fluch denen,

die sie verspotten würden.

Petrus und Paulus sollten ihren Weg

am fünften Epiphi beenden.


Anschließend befahl er den Aposteln,

durch eine Wolke in die ihnen

zugewiesenen Länder zu gelangen,

und befahl ihnen,

das Evangelium vom Königreich zu predigen.


Gepriesen sei Gott

in alle Ewigkeit.

Amen.