PERSIUS SATIREN

DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE


Prologus


Nicht ich benetzte mit Quell des Esels die Lippen am Felse

zweigeteilten Parnass' mir, noch den Traum ich bewahre im

Schlafe, dass ich als Dichter urplötzlich entspränge dem Boden.

Helikoniden hinweg samt der bleichen Pirene geb ich

jenen zurück, deren Stirn die herabhängenden Efeuranken

küssen; ich selbst steh als Halbvollbarde am heiligen Hain der

Sänger, das eigene Lied im Gepäck.

Wer aber den Papagei lehrte rufen sein „Hebräisch“? Und wer

lernte die Elster den Klang unsrer Wörter versuchen zu ahnen?

Meister der Kunst und des schöpferischen Geistes der Spender

bleibt der schlanke Magen, der Töne zu bilden der Zwang trieb.

Doch wenn der Trug und das Geld aufleuchten mit klobigen Münzen,

würdest du Raben als Dichter und Elstern als Sängerinnen

preisen und glauben, es rinnt pegasischer Nektar vom Himmel.



Satire I


O Menschensorgen! Wie viel ist im Irdischen eitel!

„Wer liest denn so was?“

Du meinst das von mir? Kein Mensch um des Himmels Willen.

„Kein Mensch?“ Höchstens zwei oder keiner.

„Wie armselig und elend!“

Warum denn? Etwa weil Polydamas mir und die troischen Frauen

Labeon vorziehen? Lächerlich!

Wenn das verdrehte Rom auch manches verdammt: Soll ich etwa

falsche Gewichte gebrauchen und Maße auf falscher Waage

prüfen und außerhalb selbst nach dir suchen?

Denn wer in Rom nicht — ach, dürft ich es sagen! Doch darf ich

jetzt, wo das Grau sich zeigt und die traurige Art unseres Daseins,

wo wir die Nüsse fort und beiseite geworfen

und wie die Ahnen gescheit geworden sind?

Eben, ja eben — verzeiht mir (ich kann nicht anders, was soll ich

machen?), ich hab eine freche Galle — ich lache.


Schreibend sitzen wir hier, verschlossen: der eine in Maßen,

jener frei von den Füßen, um Großes zu hauchen und Töne,

die das atmende, pralle Gestell heraussprudelt. Wahrlich,

das wirst du glatt mit frisch gewaschenem Toga-Gewebe

und am Ende am Finger den Sardonyx-Stein als Erster

lesen im prangenden Stuhl, wenn du flüssigen Trank und das feine

Organ mit gegurgeltem Saft dir netzest im Halse,

schwach mit gebrochenem Blick. Dann siehst du nach Sitte des Anstands

weder mit ruhiger Stimme noch schicklich die Titanen

zittern, wenn Lieder ins Fleisch tief dringen und bebend

dort im Innersten Hauch angeregt wird.

Du aber, Greis, sammelst Speise dir ein an den Ohren der Andern,

und du sagst zu den Gliedern, zertrampelt von Haut und von Knochen:

„Genug jetzt!“

„Wozu das Gelernte, wenn nicht dieser Gärstoff und all das,

was in der Brust sich regte und sprengend die Feige zerriss, quillt?“

Sieh nur das welkende Grau! O Sitten! Ist denn das Wissen

dein absolut gar nichts wert, wenn kein andrer dein Wissen begriffen?

„Aber es ist doch herrlich, mit Fingern gezeigt und genannt zu

werden als ’der ist das!‘ Willst du etwa die Hunderten Schüler

und die Diktate für nichts und gar wieder achten?“

Sieh, wie beim Bechergeschirr sich versammeln die Söhne der Wölfe,

satt und zufrieden, und fragen, was heilige Dichtung berichte.

Hier spricht einer, um dessen Schultern ein Mantel von Hyazinthen

liegt, und spricht mit verdorbenem Ton durch die näselnde Zunge

Phyllis und Hypsipylas und der Dichter bemitleidenswert Zeug aus,

läutert das Wort im zarten Gaumen. Da stimmen die Männer

bei: Ist jetzt jener Dichter nicht glücklich? Ist nun der Grabstein

etwas leichter am Knochen? Es loben die Gäste: Entspringen

jetzt aus den Händen der Leiche, aus jener gesegneten Asche

nun nicht Veilchen empor?

„Du lachst“, sagt einer, „und krümmst viel zu spöttisch die Nase.

Gibt es denn wirklich den Mann, der es ablehnt, den Ruf sich

je vom Volke zu sichern und Dichtungen zu hinterlassen,

die weder Heringe fürchten noch Weihrauch?“

Wer du auch bist, den ich eben von gegenüber hab reden

lassen: Wenn ich mal schreibe und wenn mir ein Wort mir gelingt – da

solche Vögel ja selten sind –, wenn ein Wort mir gelingt dort,

fürchte ich Lob mir nicht; mir ist schließlich das Herz nicht aus Horn gemacht.

Aber das Ende vom Rechten und äußerste Ziel weis ich abzu

lehnen: dein „Prächtig“ und „Schön“. Denn prüfe dies „Schön“ einmal gänzlich:

Was für ein Inhalt fehlt ihm nicht? Ist das nicht die Ilias Attis’

voll von helleborisiertem Wein? Sind es nicht die kleinen

Elgien, die der Große diktierte? Ist es nicht alles,

was auf Zedernholzbetten geschrieben wird? Zwar kannst du gut ein

heißes Euter auftischen, kannst dem armseligen Klienten

einen abgetragenen Mantel schenken und sagst dann:

„Wahrheit lieb ich, sagt mir die Wahrheit direkt ins Gesicht!“

Wie denn? Soll ichs dir sagen? Du scherzt, wo dir, Kahlkopf,

vorsteht der pralle und fette Ranzen um anderthalb Fußweite.

O Janus, den niemals von hinten ein Storch verspottet

und den keine gelenkige Hand an den weißen Ohren

nachahmt und keine Zunge so weit wie ein dürstender Hund aus

Apulien streckt! Ihr, ihr vom patrizischen Blute,

denen es ziemt zu leben am blinden Hinterhaupt, dreht euch

um und begegnet der Spottlust des Nackens!

„Was sagt das Volk denn? Wer spricht nicht davon, dass die Lieder

endlich im weichen Versmaß fließen, wie reibungslos durchgleitet

Feile die scharfe Verbindung der Nägel? Er weiß seine Verse

so zu spannen, als ob er das Lineal führt mit dem eignen

Auge. Ob es um Sitten, um Luxus, um Mahlzeiten geht und

Könige: Große Stoffe gibt unserm Poeten die Muse.“

Sieh, wir gewöhnen uns an, heroische Sinne zu bringen,

die im Griechischen sonst nur scherzten, und können den Hain nicht

ordentlich setzen noch preisen das satte Feld, wo die Körbe,

Herd und Ferkel und räucheriges Palilien-Heu stehn,

wo Remus einst pflügte und treibende Deichseln berührte,

Quintus, als die verängstigte Gattin dem Diktator vor den

Rindern das Gewand umwarf und der Liktorengefolge

deinen Pflug nach Hause getragen hat – herrlicher Dichter!

„Gibt es denn jetzt noch den adrigen Text von Brisaeus Accius,

gibt es Personen, die Pacuvius noch und die runzelige Antiopa

hält mit Tränen und traurigem Herzen voll Schmerz und Besorgnis?“

Wenn du siehst, wie die Väter den triefäugigen Knaben solche

Lehren einflößen, fragst du noch, woher diese Mischung im Sprechen

kam in die Zunge, woher diese Schande, in der auf den Bänken

glatt der feine Jüngling triumphiert?

Schämst du dich gar nicht, am weißen Haupt die Gefahren nicht abzu

wehren, statt dass du erhoffst, ein laues „Sehr hübsch!“ zu vernehmen?

„Du bist ein Dieb“, sagt Pedius. Pedius wiegt die Verbrechen

in antithetischer Härte, wird gelobt für gewandte

Figuren: „Ist das fein!“ Ist das fein? Romulus, buckelst

du denn etwa? Soll mich das rühren? Wenn gar ein Schiffbrüchiger sänge,

würdet ihr ihm einen Groschen reichen? Singst du, wenn du trägst auf

deiner Schulter das Bild von dem Schiffbruch?

Doch der, der mich krümmen will mit Beschwerde, wird nicht

plaudern, was nächtlich bereitet ist.

„Aber den rohen Versen ist Zierde und Fügung gegeben.

So hat man gelernt, den Vers zu schließen: ’Beryntischer Attis‘

sowie ’der den blauen Nereus trennte, der Delphin‘,

so ’unter die Flanke des Apennin führten wir den langen Weg‘.

’Waffen und Mann‘ – ist das nicht aufgeschäumt und mit dicker

Rinde versehn, wie das alte Reis aus untiefem

Korken geschält und gekocht?“

Was ist denn zart also und muss mit erschlafftem Nacken

gelesen werden?

„Füllten die Hörner mit mimallonischem Lärm, und der Bassaride,

die das geraubte Haupt vom stolzen Tiere bald abreißt,

und die Mänade, die Luchs mit Efeuranken bezähmt, ruft

zweimal ’Euhion!‘ und es tönt die wiederklingende Echo.“

Würde das so geschehen, wenn auch nur eine Ader väterlichen

Blutes lebte in uns? Die oberste, kraftlose Spucke

schwimmt hier auf den Lippen, und nass sind Mänade und Attis,

sie zerkratzt weder das Pult noch kennt sie gebissene Nägel.

„Doch wozu braucht man die zarten Ohren mit bissiger Wahrheit

anzuritzen? Pass bloß auf, dass dir nicht etwa die Schwellen

großer Herren erkalten: Es klingt hier die hündische Nase

mit dem Buchstaben.“ Meinetwegen sollen sofort alle

weiß sein; ich sorge mich nicht. Nur lobt alle, lobt alle

wunderbar, prächtig sollt ihr sein! Macht das euch Freude?

„Hier“, sagst du, „sei es verboten, dass irgendwer Unrat verrichte!“

Male zwei Schlangen hin: „Knaben, der Ort ist heilig, draußen

müsst ihr erleichtern euch!“ Ich gehe. Lucilius schlitzte

Rom auf, dich, Lupe, dich, Muci, und brach an euch beiden

seinen Backenzahn. Schlau trifft jeder Fehler der Lachende

Flaccus den Freund und dringt bis zum Herzen und scherzt dort,

weise, die Menge an rümpfender Nase zu hängen.

Darf ich nicht murmeln? Nicht heimlich? Nicht in der Grube? Nirgends?

Hier will ich es eingraben. Gesehen, gesehen hab ich es selbst, mein Büchlein:

Wer hat nicht Eselsöhrchen? Dies Geheimnis, dieses mein Lachen,

das so nichtig ist, verkaufe ich dir um keine

Ilias. Wer du auch bist, den der kühne Cratinus anhaucht,

der du erbleichst vor dem zornigen Eupolis samt dem gewaltigen

Greise: Sieh dir auch das an, wenn du etwas Gekochteres hören

möchtest. Dann soll mir der Leser mit glühendem Ohre

brennen, nicht der, der sich freut, auf die Schuhe der Griechen

schmutzig zu spucken, und dem einäugigen zurufen kann:

„Einäugiger!“, da er sich selber für groß hält, weil er mit stolzem

italischem Amt die ungetreuen Hohlmaße

des Ädilen zu Arezzo zerschlug, und auch nicht der, der

Zahlen auf abgeriebenem Sandboden lächelnd verstanden hat,

glücklich bereit, sich zu freuen, wenn die unverschämte

Dirne dem Zyniker kräftig am Barte zupft.

Diesen das Edikt am Morgen, nachmittags reich ich Callirhoë.



Satire II


Diesen Tag, Macrinus, zeichne mit weißerem Kiesel,

welcher dir im Schwinden helle die Jahre vermehrt.

Opfere Wein deinem Genius! Nicht erflehst du mit Handeln

Wünsche, die du nur mit weggesperrten Gottheiten teilen

kannst; aber ein guter Teil der Edlen spendet im stillen

Weihrauchfass. Doch es fällt nicht jedem leicht, das Gemurmel

und das halblauten Flüstern aus den Tempeln zu heben,

frei zu bekennen das offene Vofix. „Reiner Sinn, Ruhm,

Treue!“, das laut, dass es der Fremde hört; jenes aber

murmelt er innen und unter der Zunge: „O wenn der Oheim

endlich erstickte, was wär das für ein prächtiges Leichenmaq!“

Sowie: „O wenn mir doch ein Topf voll Silbers vom rechen

Acker klänge zur Rechten! Und würd ich den Mündel beseitigen,

den ich als Nächster bedränge, als Erbe – er hat ja die Krätze

und quillt auf von der bittern Galle! Nerius feiert

heute schon die Beisetzung seiner dritten Vermählten.“

Dass du solches in Ehrfurcht bittest, tauchst du im Tiber

früh den Kopf zweimal und dreimal und reinigst die Nacht im

Strome. Wohlan denn, antworte mir (mir liegt sehr daran, es zu wissen):

Was denkst du über den Iupiter? Meinst du, dass du ihn

jemandem vorziehen möchtest – wem denn? Wem? Etwa dem Staius? Oder –

wohlgemerkt, wem sonst? Wer wäre der richterlich Bessere,

wer der Geeignetste für die Waisen? Und das, womit du

Iupiters Ohr zu berühren gedenkst, das biete doch Staius!

„O Jupiter, o du Guter!“, ruft er. „O Jupiter!“

Aber riefe nicht Jupiter selber nach sich?

Glaubst du, er hab dir verziehn, weil die Eiche vom schwefligen Blitzstrahl

schneller und heiliger Art zerschlagen wird als du und dein Haus?

Oder weil nicht nach den Innrechten der Schafe und nach dem Geheiß von

Ergenna traurig und meidbar daliegt im Haine der Baum vom

Bidental? Gibt darum dir Jupiter seine dämliche

Barte zum Zupfen frei? Oder was ist denn der Lohn, mit dem du

der Götter Ohren erkaufst: mit fettem Lungegekröse?

Sieh, die Amme oder die fromme Tante nimmt aus der Wiege

glücklich den Knaben und reinigt vorn an der Stirn und den nassen

Lippen ihn vor dem Unheil mit üblem Finger und Saliuspuk,

kundig, die brennenden Augen zu bannen; dann schüttet

sie ihn auf den Armen und sendet das magre Gebilde im Bitten

mal in Licinius’ Flur, mal in die Halle des Crassus:

„Diesen begehre als Gatte der König und möge die Königin,

Mädchen rauben ihn; was er zertritt, das werde zur Rose!“

Ich aber übergeb der Amme keine Gebete.

Versage, Jupiter, jene der Frau, auch wenn sie im weißen

Kleide dich bat.

Du erflehst Kraft für die Nerven und einen treuen Leib im Alter.

Wohl an. Doch große Platten und fettes Fleisch des Gesindels

haben den Göttern verwehrt, dem zuzustimmen, und hemmen

Jupiter. Reichtum zu mehren verlangst du durch Tötung des Rindes

und du rufst Mercurius an mit dem Fleisch: „Verleihe

Segen dem Haus, verleihe Vieh und den Herden Vermehrung.“

Auf welche Art, du Schlimmer, wenn so viele Kutteln der Rinder

dir in der Opferflamme zerfließen? Und dennoch versucht er

sie zu bezwingen mit Eingeweid’ und Opferkuchen:

„Schon wächst der Acker, schon wächst der Stall, schon wird man es geben,

schon, ja schon!“, bis getäuscht und hoffnungslos vergeblich

unten im Grund der Groschen seufzt. –

Wenn ich dir Gefäße von Silber und in reiches Gold getriebene

Gaben brächte, würdest du schwitzen und in der linken

Brust würde das Herz klopfen, über Gebühr erfreut.

Daher kommt jenes, dass du die heiligen Antlitze färbst mit

siegreichem Gold. „Denn unter den ehernen Brüdern,

welche von schleimigem Schnupfen gereinigte Träume uns senden,

mögen die Ersten sie sein und eine goldene Barte

haben!“ Das Gold schlug das Numa-Geschirr und das saturnische

Erz, verändert die Urnen der Vestalin und den toskanischen Ton.

O ihr gebeugten Seelen auf Erden und leer an des Himmels

Sinnen! Was nützt es, dem Tempel die eignen Sitten zu bringen

und aus diesem verdammten Fleisch gute Götter zu züchten?

Dies löste für sich die Kassie in verdorbenem Öle,

dies kochte das kalabrische Vlies im schadhaften Purpur,

dies hieß die Muschelbeere schaben und die Adern der glühenden

Masse aus rohem Staube ziehen.

Es sündigt auch dies, es sündigt, nutzt jedoch seinen Fehler.

Aber sagt mir, ihr Priester, was macht Gold im Heiligtum?

Gerade das, was Venus geschenkte Puppen vom Mädchen.

Geben wir lieber den Göttern das, was von der großen

Platte nicht geben kann des großen Messala blinzelnde Sippe:

Recht und Gesetz, im Sinn geeint, und heilige Tiefen

des Geistes, und das edlem Ehrgeiz eingeimpfte Herz.

Wenn ich das zu den Tempeln bringe, opfere ich mit Speltmehl.



Satire III


Gewiss, dies ständig. Schon bricht der helle Morgen zum Fenster

herein und dehnt mit Licht die schmalen Ritzen.

Wir schnarchen, was ausreicht, um den wilden Falerner

zu entgiften, während die fünfte Linie der Schatten berührt wird.

„Ei, was machst du? Die wahnsinnige Hundsstern-Glut dorrt

schon lange die Ernte, und das Vieh steht unter der breiten

Ulme!“, sagt einer der Gefährten. Wahrhaftig? Wirklich? Eilig

komme doch jemand her. Keiner?

Die glasige Galle schwillt an: ich platze, dass man glaubt, es röhrt

das arkadische Vieh. Schon kommen das freie Buch und die zweifarbige

Haut mit gestutztem Haar in die Hand, sowie Blätter

und der knotige Rohrstift. Dann klagen wir, dass dicker Feuchtigkeit

am Rohr hängt. Doch wenn man schwarzes Tinte-Wasser einflößt,

verschwindet es, wir klagen, dass die Feder doppelte Tropfen

verdünnt von sich gibt. O Elender und von Tag zu Tag

noch elender, sind wir zu diesem Punkt gekommen? Ach, warum forderst

du nicht lieber wie eine zarte Taube und königliche

Knaben zerkautes, weiches Essen und weigerst dich zornig

wie ein Kind, wenn die Amme dir das Wiegenlied singt?

Oder soll ich mich solchen Federn widmen? Wen täuschst du? Was singst du

diese Umschweife nach? Es geht um dich! Du fließst von Sinnen,

du wirst verachtet. Der Ton verrät den Riss, wenn man draufschlägt,

argwöhnisch tönt der Topf, nicht gebrannt aus grünlichem Tone.

Weicher und nasser Ton bist du; jetzt, ja jetzt sollst du eilig

und ohne Ende geformt werden am scharfen Rade.

Doch im väterlichen Landgut hast du spärlichen Spelt,

ein reines und fleckenloses Salzfass (wass willst du befürchten?)

und eine sorgenfreie Schüssel am Herd. Ist das genug? Oder ziemt es sich,

die Lunge zu sprengen mit Winden, nur weil du deinen Stammbaum

vom toskanischen Zweig als Tausendster leitest oder als Censor

den Gruß empfängst in der Trabea?

Hänge dem Volk die Bänder um! Ich kenne dich innen und außen.

Schämst du dich nicht, nach der Sitte des losen Natta zu leben?

Doch dieser betäubt sich im Laster, und das fette Schmalz

ist ihm auf die Eingeweide gewachsen, er kennt keine Schuld, weiß nicht,

was er verliert, und taucht in der Tiefe unter,

blubbert an höchster Welle nicht wieder empor.

Großer Vater der Götter, du möchtest grausame Tyrannen

nicht anders bestrafen, wenn die grausame Lust den Geist

bewegt hat, benetzt mit kochendem Gifte:

Lass sie die Tugend sehn und verzehren an dem, was sie mieden!

Haben die Erzbullen des Siziliers schwerer geseufzt

und hat das Schwert, das unter den vergoldeten Kassetten

hängt, purpurne Nacken je mehr erschreckt mit den Worten: „Wir gehen,

wir gehen dem Abgrund entgegen!“,

als wenn einer zu sich sagt und innerlich unglücklich erblasst,

was die nächste Frau nicht weiß?

Oft, ich erinnere mich, berührte ich als Knabe die Augen mit Öl,

wenn ich die großen Worte des sterbenden Cato nicht lernen wollte,

die viel zu loben waren von dem nicht ganz gesunden Lehrer,

die der Vater schwitzend vor herbeigeführten Freunden hörte.

Mit Recht; denn das Höchste war damals zu wissen, was die rechte

Sechs bringen wird, wie viel der schädliche Hundsstern abrasiert,

wie man beim engen Flaschenhals nicht betrogen wird, und dass niemand

geschickter das Buchsholz mit der Peitsche dreht.

Ist es dir etwa fremd, krumme Sitten zu durchschauen und das,

was jene weise Säulenhalle lehrt, die behoste Meder

bestreichen, über der schlaflose und kurzgeschorene Jugend

bei Hülsenfrüchten wacht und grobem Polentabrei;

und jener Buchstabe, der dir die samischen Wege abzweigte

und den aufsteigenden Pfad auf rechtem Saume zeigte?

Du schnarchst noch immer, und der schlaffe Kopf, den das Gelenk nicht mehr hält,

gähnt den gestrigen Tag, während die Kinnladen allüberall

auseinanderbrechen. Gibt es ein Ziel, zu dem du strebst

und auf das du deinen Bogen richtest? Oder folgst du

irgendwo Krähen mit Tonscherben und Schlamm, unbekümmert,

wohin dich der Fuß trägt, und lebst in den Tag hinein?

Man ruft nach Nieswurz umsonst, wenn die kranke Haut schon anschwillt:

kommt der kommenden Krankheit zuvor, und was hilft es, Craterus

große Berge zu versprechen?

Lernt es und erkennt, o ihr Armen, die Ursachen der Dinge:

wer wir sind und was für ein Leben wir geboren sind zu führen,

welche Ordnung uns gegeben ist, oder wo der sanfte Bogen

der Wendepunkte liegt und woher, welches Maß dem Silber gebührt,

was zu wünschen recht ist, was nützliche Münze für Gutes

hat, wie viel man dem Vaterland und lieben Verwandten

schenken soll, wen Gott zu sein dich befahl

und an welchem Platz im menschlichen Treiben du stehst.

Lerne dies und beneide nicht, dass manches Gefäß im reichen

Vorratsraum fault, während umbrianische Dicke verteidigt werden,

sowie Pfeffer und Schinken, das Denkmal eines marsischen Klienten,

und die Makrele, die aus der ersten Tonne noch nicht zu Ende ging.

Hier könnte einer aus dem stinkenden Centurio-Volke

sagen: „Was ich weiß, ist mir genug. Ich kümmere mich nicht darum,

Arcesilas zu sein und die unglücklichen Solonen

mit schiefem Kopf und auf den Boden geheftetem Blicke,

wenn sie mit sich das Murmeln und wütende Schweigen zerkauen

und mit vorgestrecktem Mund die Wörter abwägen,

und die Träume eines alten Kranken meditieren:

Aus Nichts entsteht Nichts, zu Nichts kann Nichts zurückkehren.

Ist das das, weshalb du erblasst? Ist das das, warum man nicht frühstückt?“

Darüber lacht das Volk, und die muskulöse Jugend

verdoppelt das zitternde Lachen mit rümpfender Nase.

„Untersuch mich, mein Herz pocht irgendwie unruhig und aus den kranken

Kehlen steigt ein schwerer Atem empor, untersuch mich, ich bitte dich!“,

wer das zum Arzt sagt und sich ausruhen soll, nachdem

die dritte Nacht die geordneten Adern laufen sah,

wird aus einem größeren Hause mit leicht durstigem Kruge

milden Surrentiner Wein erbitten, wenn er baden will.

„Hör mal, Guter, du bist bleich.“ – „Es ist nichts.“ – „Sieh das dennoch nach,

was immer es ist. Heimlich wächst dir die gelbliche Haut.“ –

„Aber du bist noch schlimmer bleich; sei mir doch nicht Vormund!

Längst hab ich den begraben; du bleibst übrig.“ – „Mach weiter, ich schweige.“

Dieser, geschwollen vom Mahl und mit weißem Bauche, badet,

während die Kehle langsam schweflige Pestdüfte ausstößt.

Doch beim Wein überkommt ihn ein Schüttelfrost, und den warmen Becher

schlägt er aus den Händen, die entblößten Zähne klapperten,

die fetten Speisen fallen aus den schlaffen Lippen.

Da kommen die Totenpfeife, Kerzen, und endlich wird der Glückliche,

auf hoher Bahre gebettet und mit dicken Myrrhen gesalbt,

mit starren Fersen zum Tor hinausgetragen. Aber ihn trugen

gestrige Quiriten mit verhängtem Haupt.

„Berühre, Armer, die Adern und lege die rechte Hand auf die Brust;

hier ist nichts warm. Berühre die Fußspitzen und die Hände;

sie sind nicht kalt.“ – Wenn zufällig Geld gesehen wird oder

das weiße Mädchen des Nachbarn sanft gelächelt hat,

schlägt da dein Herz noch ordentlich?

Man setzt dir in kalter Schüssel ein hartes Gemüse vor und

durch das Sieb des Volkes gesiebten Spelt:

versuchen wir den Gaumen; es birgt sich im zarten Munde ein fauliges

Geschwür, das der Pöbel-Mangold nicht mit Anstand kratzt.

Du frierst, wenn das weiße Entsetzen die Glieder mit Borsten geschüttelt;

jetzt, wo das Feuer gelegt ist, glüht das Blut und der Zorn

lässt die Augen funkeln, und du sprichst und tust, was selbst

Orest nicht für gesund erklären würde in seinem Wahnsinn.



Satire IV


„Verwaltest du das Volk?“ (Glaub, dass der bärtige Meister

das spricht, den die furchtbare Schale des Schierlings hinwegrafft):

„Worauf gestützt? Sag das, du Zögling des großen Perikles!

Kommen etwa Verstand und rasche Klugheit der Dinge

schon vor den Bärten, dass du weißt, was man sagen muss, schweigen?

Ergo, wenn aufgebracht die Menge vor Galle erhitzt kocht,

treibt es dich an, der heißen Menge zu schaffen ein Schweigen

mit der Majestät der Hand. Was wirst du denn sagen? ’Quiriten,

das, glaubt mir, ist nicht recht, das ist übel, jene ist rechter!‘

Weißt du doch recht gut, das Rechte mit doppelter Wage

der schwankenden Waage zu wägen, und unterscheidest das Rechte,

wenn unter Krummes es tritt oder wenn der zirkuläre Fuß täuscht

die Richtschnur, und kannst du das schwarze Schand-Theta dem Fehler

anheften? Warum denn also, wenn du nach äußerster Hautpracht

nutzlos glänzt, vor der Zeit dem schmeichelnden Pöblein den Schwanz zu

schwenken hörst du nicht auf, und besser Anticyra-Trank rein

schlucktest? Was ist denn deine höchste Vollendung? Zu leben mit fetter

Platte stets und ständiger Pflege der Haut an der Sonne?

Warte nur, gar nichts andres antwortet dir diese Alte. Geh nun,

schmücke dich: ’Ich bin der Nachkomme Dinomaches‘ – blase dich auf –,

’ich bin strahlend.‘ Meinetwegen, solange nicht ärmlicher denkt

die zerlumpte Baucis, wenn sie dem feinen Sklavenjungen

Bohnenkraut singt.“


Dass doch niemand versucht, in sich selbst abzusteigen, nein, niemand,

sondern man blickt auf den Ranzen am Rücken des Vordermanns!

Frühest du: „Kennst du Vettidius’ Landgut?“ – „Wessen?“ – „Der Reiche

pflügt bei Cures so viel, wie kein Milan überfliegt.“ –

„Meinst du den, meinst du den von den Göttern verfluchten und finstern

Genies, der, wann immer er das Joch an den löchrigen Kreuzwegen

aufstellt, zu fürchten, des Töpfchens alten Schlamm abzukratzen,

stöhnt: ’Dass dies gut sei!‘, während er zeltartige Zwiebel mit Salz beißt

und den Spelttopf, während die Knaben Beifall klatschen,

löffelt den lausigen Satz von verdorbenem Essig?“

Aber wenn du fett lebst und an der Sonne die Haut bräunst,

ist ein Fremder nah bei dir, der dich mit dem Ellenbogen berührt und

bitter ausspeit: „Solche Sitten! Den Schwanz und die geheimen

Lenden rasiert er für das Volk, um die welken Schamlippen zu öffnen!

Warum steht, wenn du das wohlriechende Kissen der Backen

kämmst, geschoren der Schwanz an den Weichteilen hervor?

Fünf Ringkämpfer mögen zwar diese Rasenflächen jäten

und das weiche Gesäß mit der krummen Zange erschüttern,

niemals wird dieses Farnkraut von irgendeinem Pflug gezähmt!“


Wir schlagen zu und bieten im Wechsel die Schenkel den Pfeilen dar.

So lebt man, so kennen wir es. Unter den Weichteilen hast du

eine verborgene Wunde, aber der breite Gürtel aus Gold

deckt sie zu. Wie du willst, mach anderen Sand in die Augen und betrüge

die Nerven, wenn du kannst. „Wenn die Nachbarschaft mich hervorragend

nennt, soll ich nicht glauben?“ Wenn du beim Anblick einer Münze

erblasst, du Ruchloser, wenn du das tust mit dem Glied, was immer

dir einfällt, wenn du den Bogen mit manchem Hieb bitter

geißelst, umsonst hast du dem Volk durstige Ohren geschenkt!

Spuck aus, was du nicht bist; der Schuster mag seine Geschenke behalten.

Wohne bei dir: Erkenne, wie karg dein Hausrat dir eingerichtet ist.



Satire V


Dichter haben die Sitte, hundert Stimmen für sich zu fordern,

hundert Münder zu wollen und hundert Zungen für Lieder,

sei es dass eine Fabel dem traurigen Tragöden zum Kauen

vorgelegt wird oder die Wunden des Parthers, der das Eisen

aus dem Unterleib zieht.

„Wozu das? Oder was für Brocken gewaltiger Dichtung

stopfst du hinein, dass es sich ziemt, mit hundertfachem Hals

sich abzumühen? Wer Großes sprechen will, soll die Nebel

am Helikon sammeln, wenn bei ihm entweder Procnes oder Thyestes'

Topf oft kochen wird, den der geschmacklose Glycon verspeisen muss.

Du drückst weder mit der keuchenden, während die Masse im Ofen

gebacken wird, Balge die Winde, noch brüllst du mit verschlossenem

Gemurmel irgendetwas Schweres mit dir selbst wie eine alberne

Krähe, noch spannst du mit einem Knall die geschwollenen Backen

auf, um zu reißen.“

Du folgst den Wörtern der Toga, geschickt in der scharfen Verbindung,

mit maßvollem, klarem Mund, gelehrt, die erbleichenden Sitten

abzuhobeln und die Schuld mit edlem Scherz festzunageln.

Zieh daraus, was du sagst, und lass die Tische von Mykene

samt Kopf und Füßen und bürgerlichen Mahlzeiten liegen.


Ich bemühe mich freilich nicht darum, dass meine Seite mit dunklen

Nichtigkeiten aufschwillt, geeignet, dem Rauch Gewicht zu geben.

Wir sprechen im Vertrauen. Dir will ich jetzt, da die Muse mahnt,

das Herz zur Schau stellen, und wie viel du von meiner Seele

ausmachst, Cornutus, dir, süßer Freund, zu zeigen

ist mir eine Freude. Klopf an, vorsichtig zu erkennen,

was solide klingt und was nur Putz der bemalten Zunge ist.

Hier dürfte ich es wagen, hundertfache Kehlen zu fordern,

um das, was ich dir im gewundenen Herzen befestigt habe,

mit reiner Stimme herauszuziehen, und dass all dies die Wörter

wiedergeben, was verborgen in der geheimen Faser unaussprechlich ruht.


Als mir das purpurne Ehrenkleid der scheue Vormund abnahm

und die Bulla, den bauchigen Laren geschenkt, aufgehängt war,

als mir die schmeichelnden Gefährten und die ganz straflose Subura

erlaubten, die Blicke schweifen zu lassen mit nun strahlender Toga,

und als der zweideutige Weg und der irreführende Fehler des Lebens

die zitternden Sinne in verzweigte Kreuzwege auseinanderführt,

da habe ich mich dir anvertraut. Du nimmst die zarten Jahre

in den sokratischen Schoß, o Cornutus. Dann dehnt die schlaue

Regel, die angelegt wird, die verbogenen Sitten aus,

und der Geist wird durch Vernunft bezwungen und ringt darum, besiegt zu werden,

und nimmt unter deinem Daumen das kunstvoll geformte Gesicht an.

Denn ich erinnere mich, lange Sonnentage mit dir verbraucht zu haben

und mit dir die ersten Nächte beim Mahl abzubrechen.

Ein einziges Werk und die Ruhe teilen wir beide gleichermaßen

und lockern die ernsten Dinge bei bescheidenem Tische.

Daran solltest du freilich nicht zweifeln, dass wir durch den sicheren Bund

beider Tage übereinstimmen und von einem Sternenbild gelenkt werden.

Entweder hängt unsere Zeit die strenge Waage der Waage,

die Wahrheit liebt, ab, oder die Stunde, geboren für Treue,

teilt das Schicksal zweier im Zwilling vereinter Freunde

und wir brechen den schweren Saturn gemeinsam mit unserem Jupiter:

irgendein Stern ist es gewiss, der mich mit dir in Einklang bringt.


Tausend Gestalten haben die Menschen und einen bunten Gebrauch der Dinge;

jeder hat sein eigenes Wollen, und man lebt nicht nach einem Gebet.

Dieser wechselt unter neuer Sonne gegen italienische Waren

runzeligen Pfeffer und die Körner des bleichen Kümmels,

jener zieht es vor, satt im wässrigen Schlaf anzuschwellen,

dieser frönt dem Marsfeld, jenen ruiniert das Würfelspiel, der andere

ist faul vor Venus; doch wenn die steinerne Gicht

die Glieder der alten Buche gebrochen hat,

dann stöhnen sie, dass die fetten Tage und das sumpfige Licht

vorüber sind und ihr Leben ihnen nun zu spät leid tut.

Dich aber erfreut es, über nächtlichen Schriften zu erblassen;

denn als Pfleger der Jugend pflanzt du die gereinigten Ohren

mit der Frucht des Cleanthes ein. Holt euch hierher, Knaben und Greise,

ein sicheres Ziel für den Geist und Wegzehrung für das elende Alter.

„Morgen wird dies geschehen.“ Lass dasselbe Morgen geschehen. „Wie? Als ob du

wahrlich einen großen Tag schenkst!“ Aber wenn der nächste Tag kommt,

haben wir schon das gestrige Morgen verbraucht; sieh, ein anderes Morgen

treibt diese Jahre voran und es wird immer ein bisschen weiter sein.

Denn magst du noch so nah an dir, magst du unter demselben Deichsel

vergeblich die Felge verfolgen, die sich dreht,

da du als hinteres Rad läufst und auf der zweiten Achse.


Man braucht Freiheit. Nicht jene, mit der ein Publius der Tribus Velina

sich das räudige Speltticket erworben hat. Ach, arm an Wahrheit,

denen eine einzige Drehung des Quiriten einen Bürger macht!

Hier ist Dama, ein Sklave nicht drei As wert, ein blinzelnder Tropf

und im dünnen Futter verlogen. Wenn der Herr ihn umgedreht hat,

geht er im Moment eines Wirbels als Marcus Dama hinaus. Holla!

Weigerst du dich etwa, Marcus, wenn er bürgt, Geld zu leihen?

Erblasst du unter Richter Marcus? Marcus hat es gesagt, so ist es.

Besiegle, Marcus, die Täfelchen. Das ist die pure Freiheit,

das schenken uns die Filzhüte.

„Gibt es denn irgendeinen anderen Freien, als wem es zusteht, das Leben

so zu führen, wie es ihm gefiel? Mir steht es frei, zu leben, wie ich will;

bin ich weniger frei als Brutus?“

„Du schließt fehlerhaft“, sagt dieser

Stoiker, gewaschen am Ohr mit bissigem Essig,

„ich akzeptiere das Übrige, jenes ’es steht frei‘ und ’wie ich will‘ nimm weg.“

„Nachdem ich als Meiner vom Prätor durch den Stab geschieden bin,

warum soll es mir nicht freistehen, was immer der Wille befahl,

außer wenn es das Gesetzbuch des Masurius verbietet?“

Lerne, aber lass den Zorn von der Nase fallen und die runzelige Spottgebärde,

während ich dir die alten Großmütter aus der Lunge reiße.

Es war nicht Aufgabe des Prätors, den Toren die leichten Pflichten

der Dinge zu geben und den Gebrauch des raschen Lebens zu erlauben;

der großen Samba hättest du schneller dem Knecht angepasst.

Dagegen steht die Vernunft und flüstert ins heimliche Ohr,

dass es nicht erlaubt ist, das zu tun, was man durch das Tun verderben wird.

Das öffentliche Gesetz der Menschen und die Natur enthalten dies Gebot,

dass die schwache Unwissenheit verbotene Handlungen unterlassen soll.

Löschst du Helleborus auf, da du nicht weißt, mit sicherem Punkt

die Waage zu bezwingen? Das verbietet die Kunst des Heilens.

Wenn ein stiefelbedornter Pflüger, der den Morgenstern nicht kennt,

ein Schiff für sich forderte, würde Melicertes ausrufen,

dass der Anstand aus den Dingen geschwunden ist.

Hat dir die Kunst gegeben, mit rechtem Fuß zu leben und zu erkennen

den Schein des Wahren, damit nicht etwa unter vergoldetem Kupfer

das falsche Gold tönt,

und was zu befolgen wäre und was im Gegenteil zu meiden,)

hast du jenes zuerst mit Kreide, bald dieses mit Kohle bezeichnet?

Bist du maßvoll im Wünschen, hast du einen bescheidenen Hausstand, bist du gütig zu Freunden?

Kannst du schon jetzt die Scheunen straffen, schon jetzt öffnen

und im Schlamm feststeckenden Groschen übersteigen,

ohne mit dem Schlund die merkurialische Spucke zu schlucken?

Wenn du wahrhaft gesagt hast: ’Das ist mein, ich besitze es‘,

so sei frei und weise, mit Prätoren und Jupiter an deiner Seite.

Wenn du aber, obwohl du noch kurz zuvor von unserem Mehl warst,

die alte Haut behältst und mit polierter Stirn

im schal gewordenen Herzen den schlauenden Fuchs bewahrst,

das, was ich oben gegeben habe, nehme ich zurück und ziehe das Seil ein.

Nichts hat dir die Vernunft zugestanden; streck einen Finger aus, du sündigst,

und was ist so klein? Doch du wirst mit keinem Weihrauch opfern,

dass bei den Toren auch nur ein halbes Unze des Rechten haften bleibt.

Dies zu vermischen ist Frevel, noch darfst du, während du im Übrigen ein Gräber bist,

nur zu drei Schritten den Satyr des Bathyllus bewegen.

„Ich bin frei.“ Woher nimmst du das, der du so vielen Dingen unterworfen bist?

Oder kennst du keinen Herrn außer dem, den der Stab entlässt?

Wenn er gerufen hat: ’Geh, Junge, und bringe die Schaber zu Crispinus‘ Bädern,

zögerst du, Nichtsnutz?‘ – treibt dich die strenge Sklaverei

gar nichts an, und dringt nichts von außen ein,

was die Nerven antreibt? Wenn aber drinnen und in der kranken Leber

die Herren entstehen, wie kommst du strafloser heraus

als dieser hier, den zu den Schabern die Peitsche und herrschende Furcht trieb?

Morgens schläfst du faul. ’Steh auf‘, sagt die Habsucht, ’ach,

steh auf.‘ Du lehnst ab. Sie dringt darauf. ’Steh auf‘, sagt sie. ’Ich kann nicht.‘ ’Steh auf.‘

’Und was soll ich tun?‘

’Er fragt noch! Bring Makrelen aus Pontus herbei, Bibergeil,

Werg, Ebenholz, Weihrauch, glitschige Kos-Weine.

Hole als Erster frischen Pfeffer mit durstigem Kamel.

Tausch etwas ein; schwöre.‘ – ’Aber Jupiter wird es hören.‘ – ’Ach,

Dummkopf, begnügst du dich damit, das wiedergekute Salz mit dem Finger

auszubohren, wenn du gedenkst, mit Jupiter zu leben?‘

Schon machst du dem Sklaven den Rock und den Weinkrug zurecht.

Schnell zum Schiff! Nichts hindert daran, dass du mit riesigem Rumpf

die Ägäis raubst, es sei denn, dass die schlaue Luxus vorher

dich im Verborgenen mahnt:

’Wohin stürzst du denn, Wahnsinniger, wohin?

Was willst du? Ist dir unter der heißen Brust die männliche Galle

angeschwollen, die nicht eine Urne von Schierling auslöschen würde?

Du willst das Meer überspringen? Soll dir auf geflochtenem Hanf

das Mahl auf der Ruderbank sein, und soll ein bauchiger Krug

den veientanischen Rotwein ausströmen, verletzt vom schal gewordenen Harz?

Was suchst du? Dass die Groschen, die du hier mit bescheidenem Zinsfuß

genährt hättest, fortfahren, gierige elf Zwölftel zu schwitzen?

Fröne dem Genius, pflücken wir die Freuden, unser ist es,

was du lebst, Asche und Schatten und Fabel wirst du werden,

lebe eingedenk des Todes, die Stunde flieht, dies, was ich spreche, stammt daher.‘

Ei, was tust du? Du wirst von einem doppelten Haken in verschiedene Richtungen zerrissen.

Folgst du diesem oder jenem? Du musst im wechselnden Gehorsam

ab und zu den Herren dienen, ab und zu umherirren.

Auch du darfst nicht, wenn du einmal Widerstand geleistet

und dich geweigert hast, dem drängenden Befehl zu gehorchen, sagen:

’Ich habe nun die Fesseln zerrissen!‘

Denn auch der kämpfende Hund reißt den Knoten ab, und dennoch wird ihm,

wenn er flieht, ein langes Stück der Kette vom Hals nachgezogen.


„Davus, geschweige denn, ich befehle dir, dies zu glauben, ich gedenke,

die vergangenen Schmerzen zu beenden“

– so spricht Chaerestratus und nagt am rohen Nagel –.

„Oder soll ich den trockenen Verwandten als Schande im Weg stehen?

Oder soll ich das Vatergut bei üblem Geruch

an der unzüchtigen Schwelle zerschlagen, während ich vor Chrysides nassen

Türen betrunken singe, mit erloschener Fackel?“

„Sehr gut, Junge, sei verständig, schlage dem abwehrenden Gott

ein Lamm dar.“ – „Aber glaubst du, Davus, sie wird weinen, wenn man sie verlässt?“

„Du scherzt. Mit der roten Sandale, Junge, wirst du gescholten werden,

damit du nicht zitterst und an den engen Netzen nagst.

Jetzt bist du wild und gewalttätig; aber wenn sie ruft, würdest du ohne Zögern sagen:

’Was soll ich also tun? Soll ich nicht einmal jetzt, wo sie ruft und von sich aus

fleht, hingehen?‘

Wärst du ganz und unversehrt von dannen

gegangen, auch jetzt nicht.“

Hier, hier ist das, was wir suchen, nicht in dem Halm,

den der alberne Liktorenknabe schwingt.

Hat derjenige die Gewalt über sich, den die geschminkte Ehrgeiz

als Schmeichler gierig führt?

Wache auf und wirf der streitenden Menge Kichererbsen in Menge zu,

damit sich der sonnige Greis an unsere Floralien

erinnern kann. Was gibt es Schöneres? Aber wenn die Tage

des Herodes kommen und das fettige Fenster

mit aufgestellten Lampen den fetten Nebel von sich gegeben hat,

während die Veilchen tragen und den roten Napf umarmend

der Schwanz des Thunfischs schwimmt, während das weiße Tongefäß vom Wein anschwillt,

bewegst du stumm die Lippen und erblasst vor den beschnittenen Sabbaten.

Dann die schwarzen Gespenster und die Gefahren beim zerbrochenen Ei,

dann die großen Galli und die einäugige Priesterin mit der Sistre

haben Götter heraufbeschworen, die die Körper aufblähen,

wenn du nicht dreimal vorher den Kopf aus Knoblauch gekostet hast.

Wenn du dies unter Adern strotzenden Centurios sagst,

lacht sofort der riesige Pulfenius herzhaft

und schätzt hundert Griechen auf einen kurzen As.



Satire VI


Hat die Kälte dich nun, Bassus, zum sabinischen Herdmaß

schon geführt? Leben Lyra und Akkorde dir nun im strengen

Kamm? Wunderbar weihest du ein als Meister des Versmaßes

alter Vorfahren Urklang und den männlichen Lärm der

lateinischen Leiste, um bald mit jugendlichem Gelächter

und gewandtem Daumen als Greis zu spielen. Mir taut jetzt

an ligurischer Küst’ und überwintert das eigne

Meer, wo die Felsen gewaltig sich neigen und reich sich das Ufer

birgt im Tale. „Lunas Hafen, Bürger, den sollt ihr

kennenlernen!“, das Herz befiehlt es des Enniusklangs, kurz

nachdem er entschlafen war als pythagoräischer Pfau, einst

Mäonides Quintus. Hier will ich fern von dem Volke

leben und was der feindliche Südwind dem Vieh an Verderben

braut, und fern davon, wenn jener Winkel des Nachbarn

etwas fetter mir scheint; wenn auch all die Niedrigstgeborenen

immer reicher gedeihen, soll stets ich weigern mich darum,

krumm durch Alter zu schrumpfen, zu speisen ohn’ etwas zu buttern

und an der schalen Flasche mit der Nase das Siegel zu prüfen?

Anders mag mancher hierzu sich verhalten. Den Zwillingen gibst du,

Horoskop, einen entgegengesetzten Genius: mancher

netzt an den Geburtstagen das trockene Gemüse im billig

eingekauften Salzwasserbecher schlau, während er selber

Pfeffer in die Schüssel streut; jener verzehrt mit den Zähnen

große Güter und herrlich als rüstiger Jüngling. Ich werde

nutzen, nutzen, nicht etwa weil ich so prächtig bin, dass ich

Edelfische den Freigelassenen vorsetze, oder weil fein ich

Drossel-Gaumenfreuden kenne. Lebe bis hin zu

eigener Ernte und mahl die Getreidespeicher (das darf man)

aus. Was willst du befürchten? Die Hacke und nächste Saat stehen

grün im Halme. – Doch das Amt ruft: durch gebrochene Rute

hält ein armseliger Freund im Bruttium Felsen umklammert,

hat sein ganzes Vermögen und taube Gebete im ionischen

Meer begraben; er liegt selbst am Strande, und mit ihm

treiben Reste gewaltig vom Schiff und den Möwen zur Beute

Rippen des zerschlagenen Kahns; nun brich auch vom lebenden

Rasen etwas ab, schenk es dem Armen, dass er nicht bittend

herumgeht auf der blauen Tafel. Doch den Leichenschmaus wird

dein Erbe zornig vernachlässigen, da du das Gut hast

kleiner gemacht; den Gebeinen wird er geruchlose Urne

geben, ob Zimt nur dumpf haucht oder mit Kirschbaum

Kassie vermischt ist, bereit, dies nicht zu wissen.

„Willst du ungestraft Güter verringern?“, drängt auch der Bestius,

griechische Lehrer verfluchend: „So geht es; seitdem unser Rom, das

maritim nichts wußte, zu klümeln begann mit dem Pfeffer

und mit den Datteln, da haben die Mähder mit fettem Gestank mir

Brei und Speise verderbt!“

Willst du das fürchten jenseits der Asche? Doch höre mich, Erbe,

wer du auch sein magst, ein wenig abgesondert vom Haufen.

O Guter, weißt du es nicht? Abgesandt ist von Cäsars

Lager der Siegeskranz ob der herrlichen Niederlage

deutscher Jugend, und von den Altären wird kalte

Asche geschüttelt, und schon an den Pfosten stellt Waffen,

schon Königsmäntel, schon gelbe Kapuzen für Gefangene,

schon die Wagen und riesige Rhene stellt Cäsonia auf.

Gott darum und dem Genius des Feldherrn widme ich hundert

Paare von Tieren für glorreich vollbrachte Taten. Wer

hindert mich? Wage es. Wehe, wenn du die Augen verschließt!

Öl und Fleischstücke schenk ich dem Pölkchen. Verbietest du

etwa das? Sag es laut! „Nicht so ganz“, sprichst du, „ist der Acker

knochenlos nah.“ Gut, wenn mir keine Schwester der Mutter

mehr geblieben, keine Cousine, keine Urenkelin

meines Onkels verbleibt, keine steile Tante mir lebte

und von der Großmutter nichts mehr übrig ist, geh ich nach Bovillae

und zum Hügel des Virbius: da steht mir ein Manius als Erbe bereit.

„Kind der Erde?“ Frag mich nach meinem vierten

Ahnen: Ich kann es nicht rasch, sag es aber dennoch; füg noch

einen hinzu, noch einen: da ist er nun Sohn der Erde,

und mir nach Sitte des Stammes wächst dieser Manius fast als

großer Onkel hervor. Der du vorn bist, warum forderst du mir

im Lauf die Fackel ab? Ich bin dir Mercurius; als Gott

komm ich herab, wie er gemalt wird. Oder lehnst du ab?

Willst du dich nicht freuen über das Erblassene?

„Es fehlt etwas an der Summe.“ Ich habe für mich gemindert,

aber dir gehört alles, was auch immer es ist. Wo das

ist, hör auf zu fragen, was mir einst Thadius vermacht hat,

und sag nicht: „Leg die väterlichen Güter hin, es komme

Zinsertrag hinzu, nimm davon die Unkosten weg, was

ist geblieben?“

Geblieben? Nun, jetzt spende noch eifriger Öl, Junge,

Öl auf die Kohlköpfe! Soll mir am Festtag gekocht werden

Brennnessel und ein räucheriger Schweinskopf mit gespaltenem

Ohr, damit dieser dein Enkel einst, satt von Gänseinnereien,

wenn die zänkische, schweifende Schwellung am Gliede pulsiert,

in die patrizische Scham sich ergießt? Soll mir die bloße Figur

nur bleiben, während jenem am zuckenden Ranzen der Bauch wächst?

Verkaufe deine Seele um Gewinn, handle und prüfe gewandt

jeder Seite der Welt, damit kein anderer dir überlegen ist

im Klatschen auf dem starren Sklavenmarkt über fette Kappadozier,

verdopple das Gut. – „Das tat ich; schon dreifach, schon zum vierten Mal,

schon zum zehnten Mal kehrt es in die Falte zurück. Zeichne auf, wo ich anhalte,

gefunden, o Chrysippus, Vollender deines scharfen Haufens!“