SANKT JUSTIN APOLOGIE

NACHGEDICHTET IN ELEGISCHEN VERSEN


VON TORSTEN SCHWANKE



ERSTE APOLOGIE


Kaiser, dich grüßet mein Wort, Antoninus, den Frommen und Hehren,

Und Verissimus auch, Sohn der Weisheit und Kunst.

Lucius nenn ich dazu, den suchenden Geist und den Denker,

Roms erhabenen Rat und das gesamte Volk.

Justin, Priscus’ Sohn, entsprossen aus Palästinas

Flavia Neapolis, reicht diese Klageschrift ein:

Nicht für mich nur fleh ich, für Völker aus jeglichem Lande,

Die man grundlos hasst, grausam mit Schandtat belädt.


Wahre Vernunft gebietet dem Geist, der die Weisheit ersehnet,

Nur der Wahrheit Licht, liebend und treu, zu erkiessen.

Alter Sitte Wahn, der wertlos verstaubt, zu verlassen,

Wenn er vom Pfade weicht, welchen die Tugend betritt.

Denn wer die Wahrheit liebt, muss stehen, wenn Todesgefahr droht,

Ehe das Leben er wählt, spricht er, was recht ist und wahr.

Hört mich, ihr Hüter des Rechts, die ihr euch Philosophen benennet,

Prüft mein Wort mit Bedacht, zeigt, ob ihr weise verfahrt!

Schmeicheln wollen wir nicht, noch Gunst mit Worten erschleichen,

Sondern ein Urteil erflehn, sachlich und ohne Betrug.

Weicht dem Vorurteil nicht, noch dumpfem, gemeinem Gerüchte,

Das euch am Ende nur selbst richtet im eigenen Schmerz.

Uns trifft nimmer ein Leid, es sei denn, als Bösewicht schändlich

Sind wir erfunden; ja, töten, doch schaden nicht, könnt ihr uns jetzt.


Dass man uns blindlings verdammt, wer hielte dies Handeln für weise?

Prüfet die Klagen genau, trennet das Recht von dem Wahn!

Findet ihr Schuld, so straft; doch schweigt die bewiesene Schandtat,

Weist die Vernunft euch zurück, blindem Gerücht zu vertraun.

Recht ist es nur, wenn der Bürger sein Leben und Denken enthüllet,

Und der Herrscher beschließt, frei von Tyrannenallmacht.

Wenn nicht der Herrscher und Bürger zugleich der Weisheit sich weihen,

Wird, wie der Alte einst sprach, niemals ein Staatswesen glücklich.

Darum zeigen wir offen und klar das Gesetz unsres Lebens,

Dass nicht der Blindheit Schuld fall auf uns selber zurück.


Namen entscheiden doch nichts, kein Gutes und niemals ein Böses,

Ohne die Tat, die verdeckt hinter dem Worte sich birgt.

Christen nennt man uns zwar – solch Name verheißet nur Güte,

Dennoch erbitten wir nie Freispruch vom bloßen Begriff.

Niemand straft ihr bei euch, bevor die Schuld ist bewiesen,

Nur bei uns ist das Wort bindendes Zeugnis der Tat.

Wer den Namen verneint, wird frei von Fesseln gesprochen,

Wer ihn bekennt, den führt stracks in den Tod euer Beil.

Fragt nach dem Leben des Mannes, der Christ sich nennet oder leugnet,

Dass sich im Werke zeigt, wer er in Wahrheit und Geist.

Trägt doch mancher das Kleid und den Namen der hohen Philosophie,

Der im Geheimen nur lebt, wie es der Tugend missfällt.

Lehrten nicht Alte den Wust des Atheismus und spotteten laut noch

Über des Jupiters Lust mit den eignen Kindern im Lied?


Warum straft ihr uns dann, die wir uns der Bosheit entsagen,

Ohne zu prüfen die Schuld, blind vor dämonischer Wut?

Ja, die Wahrheit sei laut: Einst kamen die finsteren Geister,

Schändeten Knaben und Fraun, brachten den Schrecken der Nacht.

Menschen, betört von der Furcht, vergaßen der eigenen Vernunft,

Nannten Götter den Trug, opferten schaudernd im Hain.

Als nun Sokrates kam, im Lichte des Geistes zu prüfen,

Trieben Dämonen ihn selbst sterbend ins finstere Grab.

Gleich wie sie damals den Griechen bedrängten, so wüten sie heute,

Da das lebendige Wort, Logos, auf Erden erschien.

Jesus Christus, der Herr, brach jene dämonischen Mächte;

Götter nennen wir sie nimmer, sie sind nur Betrug.


Atheisten nennt man uns drum. Wir bekennen es gerne:

Frei von den Göttern des Trugs lebt das gläubige Herz.

Doch vor dem wahrhaftigen Gott, dem Vater des Rechts und der Keuschheit,

Beugen wir betend das Knie, fern von Unreinheit und Makel.

Ihn und den göttlichen Sohn, der uns diese Weisheit gebracht hat,

Samt dem Geiste der Schau ehren wir nüchtern und wahr.


Mancher, so sagt ihr, ward schon als Übeltäter ergriffen,

Doch man richte den Mann, nicht den gemeinsamen Ruf!

Wie bei den Griechen der Name der Weisheit für alle gedenkbar,

Deren Lehren sich doch feindlich im Streite berührn,

So ist der Christen Begriff ein weiter Mantel für viele.

Prüfet die Taten des Manns, der vor dem Richterstuhl steht!

Ist er rein von der Schuld, so werde er straflos entlassen;

Wir verlangen ja nicht, dass ihr die Kläger bestraft.


Euch zuliebe nur sprechen wir dies: Wir könnten ja leugnen,

Doch ein Leben im Trug lehnt der Aufrichtige ab.

Nach dem ewigen Licht und dem reinen Leben wir streben,

Eilen zu Gott, dem Erschaffer der Welten, empor.

Wie einst Platos Bericht von Minos und Rhadamanthus gekündet,

Sagen auch wir, dass der Herr richten wird Fleisch und den Geist.

Nicht nur für tausend der Jahre, wie jener weise beschrieben,

Ewiglich dauert die Straf' jener, die Bosheit getan.


Niemals ehren wir Steine und Holz mit Kränzen und Opfern,

Die in den Tempeln stumm, seelenlos, tot nur verharren.

Gott hat jene Gestalt nicht, die ihm Handwerker dichten,

Wenn sie aus Schandfass und Erz gießen das eitle Gebild'.

Künstler, die lasterhaft leben und Mädchen im Winkel verderben,

Formen den Götzen aus Ton, den ihr als Hüter verehrt?

Welch ein verblendeter Sinn, zu glauben, der sterbliche Mensch sei

Wächter der Götter im Haus, Schöpfer der himmlischen Macht!


Gott bedarf nicht des Guts, das irdische Hände ihm bringen,

Da er im Anfang der Welt alles erschaffen und gibt.

Nur wer die Tugend ihm gleicht, die Mäßigung, Liebe zu Menschen,

Wird von dem Vater empfahn ewiges Leben und Reich.

Aus dem Stoff ohne Form hat er uns im Anfang erschaffen;

Wer nun das Gute erwählt, wird der Unsterblichkeit wert.

Nicht in der eigenen Macht stand einst unser irdisches Werden,

Doch zu wählen das Recht, schenkt uns Vernunft und das Wort.

Möge ein jeder es lernen! Es brechen die göttlichen Worte

Jeglichen dämonischen Trug, der uns mit Lügen befleckt.


Hört ihr das Wort, dass gläubig ein Reich wir Christen erwarten,

Wähnt ihr in Blindheit sogleich, menschliche Macht sei das Ziel.

Göttlich ist jedoch jenes Reich, das im Geiste wir suchen,

Wie es das Sterben bezeugt, dem wir entgehen durch Trug.

Suchten wir irdische Kronen und flüchtige Güter der Erde,

Leugneten treulos wir Christ, flöhen den Tod in der Nacht.

Da uns das Ganze nicht fesselt, das hier im Vergänglichen weilet,

Schreckt uns das Richtbeil nicht, fordert das Sterben sein Recht.


Frieden zu stiften im Reich, sind treuere Helfer euch nimmer

Als wir Christen gewährt, die wir den Schöpfer verstehn.

Niemand entgeht dem allsehenden Blick, kein Dieb und kein Mörder,

Jeder empfängt seinen Lohn, ewiglich, wie er gewirkt.

Wüssten die Menschen um dieses, wer wählte das Böse auch kurz nur,

Da ihn das ewige Feu'r strafend am Ende verschlingt?

Ihr nur fürchtet im Wahn, es könnten gerecht alle werden,

Dass dem Henker sodann fehle das tägliche Brot.

Fürsten des Rechts doch sorgt nicht der Henker gemeine Beschäftigung,

Weisheit leitet den Thron, Tugend beherrschet den Geist.

Könige, die nur dem Scheine verfallen und Wahrheit verachten,

Gleichen den Räubern im Wald, mächtig im einsamen Hain.


Atheisten sind wir? Wer wollte dies nüchtern behaupten,

Da wir den Schöpfer der Welt ehren mit reinem Gemüt?

Blutige Opfer verlangt Er ja nicht, kein Räuchern, kein Gießen,

Dank nur und Flehen empor steigen aus dankbarer Brust.

Nahrung, die Er uns geschenkt, verbrennen wir niemals im Feuer,

Sondern wir teilen das Brot mit dem, der hungernd bedarf.

Jesus lehrte uns dies, der als Mensch auf Erden geboren,

Unter Pontius’ Hand starb er am schändlichen Kreuz.

Ihm gebührt an der zweiten Verordnung die Ehre im Lichte,

Und dem prophetischen Geist weisen den dritten wir Platz.

Dass wir dem Gekreuzigten folgen, erscheint euch als Wahnsinn,

Doch ein Geheimnis verbirgt tief sich im göttlichen Wort.


Hütet euch, Herrscher, vor listigen Geistern, die lauernd im Dunkeln

Euch vom Verstande des Worts führen mit Blendwerk zurück!

Sklaven wollen sie euch und gefügige Diener behalten,

Senden den Trug in den Traum, zaubern mit nächtlicher Macht.

Wir, vom Logos befreit, entsagen den finsteren Mächten,

Folgen dem einzigen Gott, den uns der Sohn offenbart.

Einstmals liebten wir Unzucht, doch Keuschheit umarmen wir heute,

Zauberei trieben wir wild, nun ist der Schöpfer uns Licht.

Geld und Güter und Geiz, die vormals das Herz uns besessen,

Teilen wir brüderlich nun, geben dem Armen sein Recht.

Einstmals herrschte der Hass, wir mieden den fremden Genossen,

Heute beten wir sanft für den erbitterten Feind.


Hört nun, was Christus, der Meister, an Weisheit den Seinen gegeben,

Kurz war sein göttlich Wort, frei von der Sophisten Trug:

„Wer ein Weib nur begehrend betrachtet, hat sündig im Herzen

Ehebruch schon vor dem Blick Gottes im Stillen getan.

Ärgert dein Auge dich, reiß es heraus, denn besser ist's, einäugig

Einzugehn in das Reich, als in das ewige Feu'r.“

Zweimal Vermählte im weltlichen Recht sind Sünder vor Christus,

Denn das Begehren allein lehnt das Gesetz schon zurück.

Viele, die Christus gefolgt von den Tagen der frühen Kindheit,

Stehen im siebzigsten Jahr, rein und vom Laster unberührt.

„Nicht die Gerechten zu rufen, kam ich zu den Menschen auf Erden,

Sondern der Sünder Bekehrung suchet des Vaters Geduld.“

Und von der Liebe zu allen, so sprach er: „Was tust du Besond'res,

Wenn du den liebest allein, der dir mit Liebe begegnet?

Liebet die Feinde und segnet sogleich, die euch fluchen im Zorne,

Gebet dem Bettler das Gut, blickt nicht auf irdischen Ruhm.

Sammelt euch Schätze im Himmel, wo Rost nicht und Motten sie fressen,

Denn was nützte die Welt, wenn man die Seele verliert?

Sorget euch nicht um das Kleid und die Speise, wie Vögel im Walde

Nährt euch der himmlische Gott; suchet sein ewiges Reich.“


Auch von der Sanftmut im Leiden verkündet das Wort des Erhab'nen:

„Schlägt man die Wange dir links, biete die rechte ihm dar.

Will man den Rock dir entreißen, so gib ihm den Mantel noch weichend,

Wer mit dem Bruder zürnt, wallet im Feuer der Schuld.

Lasset die Werke des Lichts vor den Menschen erstrahlen im Leben,

Dass sie den Vater im Geist preisen im himmlischen Zelt.“

Streiten sollen wir nicht, noch den Sitten der Gottlosen folgen,

Sondern durch Sanftmut und Huld leiten den Irrenden heim.

Viele der Euren verließen den Pfad der Gewalt und des Zornes,

Da sie der Christen Geduld sahen auf staubiger Straß'.

„Schwöret den Eid mir bei weitem nicht mehr, es sei euer Ja nur

Wahrhaftes Ja, und das Nein bleibe ein redliches Nein.“

Wer nur mit Lippen Ihn ehrt, doch die Taten der Tugend verweigert,

Gilt uns als Christ nicht, und sei's, dass er Ihn Herr nur noch nennt.

„Weichet von mir, ihr Verdorbenen alle“, so wird Er einst sprechen,

„Die ihr im Namen zwar heilt, aber die Bosheit gewirkt.“

Wölfe im Schafskleid erstehn, doch am Baume erkennt man die Früchte;

Wer nicht das Gute vollbringt, fällt in das ewige Feu'r.

Darum fordern wir selbst: Wer nicht nach den Lehren des Meisters

Lebet und Christ sich nur nennt, werde gestraft durch euer Recht!


Steuern und Zölle zu zahlen an jene, die über uns richten,

Sind wir vor allen bereit, wie es der Meister gelehrt.

Fragten ihn Pharisäer doch einst, ob dem Kaiser der Tribut

Zustehe; Christus sprach: „Zeigt mir des Geldes Gepräg’!“

„Kaisers Gesicht“, so riefen sie laut; da gab er zur Antwort:

„Gebet dem Kaiser sein Gut, gebet dem Schöpfer, was Sein!“

Darum beten wir Gott nur an; doch dienen wir freudig

Eurer Gewalt im Gesetz, Herrscher der Erde und Welt.


Blickt auf das Ende der Könige doch, die vor euch regierten,

Alle ereilte der Tod, welcher dem Menschen gemein.

Wäre mit diesem das Fühlen vorbei, ein Glück für die Bösen

Wäre das Schweigen im Grab, frei von der strafenden Hand.

Doch das Bewusstsein verbleibt; das lehrt euch die eigene Sitte:

Tote beschwört ihr im Hain, fraget das unschuldige Kind,

Magier senden euch Träume, und Geister der Abgeschied’nen

Treiben den Rasenden wild durch das erschrockene Land.

Pytho verkündet das Schicksal, Dodonas Eichen erbeben,

Plato und Sokrates auch lehrten der Seelen Bestand.

Gönnt uns denselben Respekt! Wir glauben an Gott und erwarten,

Dass uns der Leib aufersteht, wenn Er am Ende ihn ruft.


Schien’ uns das Wunder nicht groß, wenn man, fern vom irdischen Leibe,

Zeigte den winzigen Tropfen menschlichen Samens uns vor,

Und dann behaupten wollt’, es entstünden daraus die Glieder,

Fleisch und Gebein eines Manns, wie wir ihn staunend gesehn?

Glaubtet ihr dies, bevor ihr des Werdens Wunder erblicktet?

Niemand wagte das Ja, über dem Denken liegt dies.

Nun, da der Tod den Körper gelöst wie Samen der Erde,

Zweifelt ihr blind an der Macht, die ihn erneuert im Licht.

Christus, der Meister, sprach ja: „Was Menschen unmöglich erscheint, das

Ist vor dem göttlichen Geist möglich und bleibet getan.“


Hystaspes und Sibyllen voraus schon kündeten weise,

Dass die vergängliche Welt einst im Brande vergeht.

Stoiker lehren, es löse sich Gott im reinigenden Feuer,

Plato beschrieb, wie der Geist formte des Kosmos Gestalt.

Lehren wir Ähnliches nun, wie die Dichter und eure Gelehrten,

Göttlicher zwar und vertieft – warum verfolgt ihr uns dann?

Sagen wir, dass die Seelen im Tod das Fühlen bewahren,

Sprechen wir nur, was im Lied euer Poet schon besang.


Nennen wir Christus den Sohn, den der Vater zeugte im Geiste,

Ohne der Ehe Verband, weicht es vom Glauben euch ab?

Nennt ihr Merkur nicht das Wort und den Boten des göttlichen Willens?

Äskulap stieg im Blitz hoch zu den Sternen empor;

Bacchus ward grausam zerrissen, und Herkules wich in die Flammen,

Ledas Söhne sodann glänzen am nächtlichen Zelt.

Und was erzählt ihr vom Kaiser, der brennend dem Scheiterhaufen

Irgendeinem entfliegt, welcher es schwöret beim Eid?

Doch von den Sünden des Jupiters schweigt der sittliche Denker,

Dämonen haben den Trug menschlicher Jugend geschenkt.


Wäre der Heiland auch nur aus menschlichem Samen entsprossen,

Wäre Er wegen der Weisheit göttlicher Söhne doch wert.

Nennen doch Dichter den Schöpfer den Vater der Götter und Menschen,

Christus ist Logos und Kraft, einzig geboren aus Gott.

Dass Er am Kreuze gestorben, gleicht euren göttlichen Söhnen,

Deren Leiden im Tod mannigfach Dichter erzählt.

Doch Seine Werke beweisen den Sieg und die höhere Würde:

Lahme und Blinde geheilt, wie es von Äskulap hieß.


Hört den Beweis nun genau: Was wir Christen im Glauben verkünden,

Ist die alleinige Wahrheit, älter als jegliches Buch.

Nicht weil wir Ähnliches sagen wie Dichter, fordern wir Glauben,

Sondern weil Wahrheit es ist, die uns der Heiland gebracht.

Bevor Er als Mensch auf die Erde herabstieg, haben Dämonen

Durch die Poeten den Trug ahnend im Voraus erdacht,

Dass man den Christus verkenne und uns mit Schandtaten belade,

Deren Zeuge nicht lebt, deren Beweis euch gebricht.


Seht eure Völker doch an: Sie verehren die Bäume und Flüsse,

Katzen und Krokodile, Mäuse im heiligen Hain!

Keiner verehrt das Gleiche; was einer als Götterbild grüßet,

Gilt dem Nachbarn als Tier, welches man schlachtet und isst.

Uns nur verfolgt ihr mit Hass, weil wir euren Göttern entsagen,

Toten kein Opferlein weihn, Kränze nicht hängen am Stein.


Wir, die aus jeglichem Volk einst dienten dem Bacchus und Apoll,

Deren schändliche Lust nimmer die Tugend besingt,

Haben durch Christus gelernt, den Ungezeugten zu lieben,

Der von Begierden ist frei, fern von Ganymeds Trug.

Der nicht Achill zuliebe die Scharen der Griechen verderbte,

Mitleid empfindet mein Herz für den verblendeten Wahn.


Hinter den falschen Propheten, die Gott zu nennen sich wagten,

Stecken Dämonen; doch ihr schenket den Schurken noch Ehr’.

Simon, der Samariter, vollbrachte im Rom des Claudius

Zauberei kühn durch die Macht, die ihm die Hölle geliehn.

Ihm, den als Gott ihr verehrt, habt ihr ein Denkmal gegossen:

Zwischen den Brücken im Strom grüßte des Bildes Inschrift:

„Simoni Deo Sancto“ – so las man den heiligen Namen,

Helena, vormals ein Weib käuflicher Lust, war sein Geist.

Auch ein Menander betrog in Antiochia die Menge,

Marcion lehrt im Pontus gar einen höheren Gott.

Christen nennt man sie auch – wie im Namen der Philosophie sich

Mancherlei Denker vereint, deren Gesetz sich widerspricht.

Ob sie im Finstern der Nacht die scheußlichen Taten vollringen,

Wissen wir nicht; doch ihr straft nimmer ihr eitles Geseier.


Kinder, im Bettchen geboren, verstoßen wir niemals am Wege,

Dass wir nicht Mörder sogleich werden vor Gottes Gesicht.

Sehn wir doch, dass ihr die Kleinen, die Knaben wie auch die Mädchen,

Aufzieht in Schande und Schmach, bloß für die feile Begier.

Wie man die Herden von Rindern und Ziegen und Pferden ernähret,

Haltet ihr Kinder bereit für das unheilige Tun.

Steuern und Zölle und Lohn nehmt ihr von diesen im Reiche,

Die ihr vertreiben sollt’ weit aus dem heimischen Land.

Wer sich den Sünden ergibt, vermengt sich am Ende unwissend

Mit dem eigenen Kind, Schwester und Bruder im Fleisch.

Schlangen malt ihr als Zeichen zu euren erhabenen Göttern,

Schuld, die ihr offen belobt, schiebt ihr uns Christen nun zu.


Satan, den Fürsten des Bösen, so nennen die heiligen Bücher

Jenen, der einstmals im Brand ewige Strafen erfährt.

Dass der Allmächtige zögert, geschieht nur aus Liebe zum Menschen,

Weil er im Voraus schon weiß, wer sich in Zukunft bekehrt.

Frei im Verstande und Wählen hat Er uns im Anfang erschaffen,

Ausred' fehlet dem Mann, der sich dem Laster ergibt.

Wer da behauptet, dass Gott sich nicht kümmere um das Verhalten,

Sagt, dass Er gar nicht existiert oder am Bösen sich freut.


Hätten wir Angst, ein verstoßenes Kind bliebe sterbend am Wege,

Wären wir Mörder sogleich – Unzucht ist nimmer unser Brauch.

Wenn wir die Ehe begehn, so geschieht es, um Kinder zu zeugen,

Meiden wir aber das Bett, leben wir keusch und bewährt.

Einst bat ein Jüngling in Alexandrien Felix, den Richter,

Dass ein Chirurgus ihn schneid' – frei von des Fleisches Begier.

Als es der Herrscher verbot, blieb er doch ledig im Leben,

Froh im Gewissen und Geist, fern von dem sündigen Drang.

Antinous habt ihr jüngst noch aus Furcht als Götterbild grüßet,

Obgleich ein jeder von euch wusste, wie niedrig er war.


Dass nicht ein jeder uns frage, ob Christus durch magische Künste,

Als ein Sterblicher bloß, Taten des Wunders vollbracht,

Wollen Beweise wir bringen: Wir glauben nicht eitlen Gerüchten,

Sondern Propheten, die längst kündeten, was nun geschieht.

Sehn wir doch heute mit Augen, wie alles sich treulich erfüllet,

Dies ist das stärkste Dokument, welches die Wahrheit bezeugt.


Unter den Juden erstanden einst Männer, erfüllt von dem Geiste,

Welche die Zukunft geschaut, lange bevor sie geschah.

Könige hüteten treu die hebräischen Bücher der Seher,

Als nun Ptolemäus der Ägypter sammelte Schriften der Welt,

Ließ er die Bücher vom Könige Herodes bringen nach Memphis,

Und da sie niemand verstund, übersetzt’ man sie ins Griechische Wort.

Dort noch liegen sie heut; und obgleich sie die Juden besitzen,

Hassen sie uns wie auch ihr, morden uns, wo sie nur kühn.

Barchochebas befahl im jüngst vergangenen Kriege,

Dass man die Christen allein führe zu Qualen und Tod.

Doch in den Büchern der Seher ward Jesus als Christus verkündet:

Aus einer Jungfrau geborn, heilend die Seuche und Not.

Tausende Jahre voraus, im Wechsel der Zeiten und Ahnen,

Ward sein Erscheinen bestimmt, dass ihn der Heide erkennt.


Moses, der erste Prophet, sprach einstmals die heiligen Worte:

„Niemals entweicht aus Juda das Zepter, der Herrscherstab nicht,

Bis der Ersehnte erscheint, dem das Reich im Verborg’nen bereitet,

Der an den Weinstock bind’t freudig des Esels Fohlen.“

Prüfet die Zeiten genau: Bis Christus auf Erden erschienen,

Hatten die Juden ihr Recht, Könige eigener Macht.

Als Er dann kam, habt ihr das jüdische Land eingenommen,

Kaiserlich herrschet ihr nun über das heilige Land.

Dass Er das Fohlen gebunden am Weinstock, war das Symbole

Für Seinen Einzug in Rom? Nein, in Jerusalems Tor!

Was man des Weinstocks Blut nennt, deutet auf göttliche Kräfte,

Denn nicht aus menschlichem Samen floss Seines Blutes Verguss.

Jesaja rief es sodann: „Aus Jakob erstehet ein Sternlein,

Und eine Blume erwächst tief aus der Wurzel Isais.“


Hört, wie Jesaja mit deutlichen Worten die Jungfrau verkündet:

„Seht, eine Jungfrau empfängt, gebiert uns den göttlichen Sohn!“

Was unmöglich erscheint und unglaubhaft sterblichen Menschen,

Kündigt der göttliche Geist an, dass der Glaube erwächst.

Dass ihr uns nicht vergleicht mit den Dichtern, die schändlich beschreiben,

Wie sich der Jupiter wild Frauen in Wollust genaht:

Gottes lebendige Kraft überschattete glänzend die Jungfrau,

Dass sie im reinen Verband, ohne Berührung, empfing.

Und der Engel des Herrn sprach: „Jesus sollst du Ihn nennen,

Weil Er die Völker erlöst, rettet von Sünde und Tod.“

Jesus bedeutet ja „Retter“ im griechischen Mund und Verstande,

Logos erweckte das Fleisch, Welten zu führen zum Licht.


Hört, an welchem Ort der Erde der Heiland geboren,

Wie es Micha geschaut, treu im prophetischen Wort:

„Bethlehem, Land des Juda, du bist die kleinste der Städte

Nimmermehr, denn aus dir steget der Herrscher empor,

Der mein Volk wird weiden.“ Ein Dorf in jüdischen Landen,

Nah bei Jerusalem liegt's, wo Er das Licht einst erblickt.

Fraget Kyrenius’ Listen, den ersten der Pfleger in Juda,

Dort ist der Name vermerkt, Welten zu Zeugen geweiht.


Wie Er im Stillen erwuchs, verborgen den Blicken der Menschen,

Bis Er zum Manne gereift, kündet das heilige Lied:

„Uns ist ein Kindlein geboren, ein Jüngling uns heute gegeben,

Und auf den Schultern des Herrn ruhet die Herrschaft der Welt.“

Dies ist des Kreuzes Symbol, das Er trug auf den eigenen Schultern,

Als Er zum Hügel geführt, schmerzhaft geopfert am Holz.

Auch rief Jesaja voraus: „Ich streckte die Hände den Völkern,

Die mir widersprechen im Wahn, wandeln im finsteren Tal.“

David besang es im Psalme, obgleich er es selber nicht litten:

„Hände und Füße durchbohrt, warfen das Los um mein Kleid.“

Nagel des Kreuzes durchdrangen das Fleisch; so künden es deutlich

Akten von Pontius’ Hand, wenn ihr sie suchet im Rat.


Hört ihr die Stimmen der Seher, so wähnt nicht in menschlicher Schwachheit,

Dass der Prophet aus sich selbst redet im eigenen Drang.

Logos, das göttliche Wort, bewegt die Lippen der Männer:

Bald als der Vater im Licht spricht Er das mächtige Wort,

Bald aus der Person des Sohnes, bald klagend im Namen des Volkes,

Gleich wie im Schauspiel der Dichter Stimmen der Handlung vereint.

Dies hat das Volk der Juden in blindem Verstande verkannt noch,

Weshalb sie Christus gehasst, uns nun verdammen zum Tod.


Dass es euch werde bewiesen, so hört, was der Vater im Geiste

Durch Jesajas Mund sprach zu dem sündigen Volk:

„Ochsen kennen den Herrn, und Esel die Krippe des Meisters,

Israel kennt mich doch nicht, weicht von dem Pfade zurück.

Wehe dem sündigen Volk, das den Schöpfer treulos verlassen!“

Und an dem anderen Ort spricht Er vom himmlischen Thron:

„Welches Haus wollt ihr bauen für mich? Der Himmel mein Thron ist,

Und die Erde der Schemel, wo ich die Füße mir ruh'.“

Opfer von Ochsen und Fett und Neumondsfeiern im Tempel

Hasset mein Innerstes schwer; löset der Bosheit Band!


Wenn der prophetische Geist aus der Person des Sohnes uns kündet,

Tönen die Worte voll Schmerz durch das heilige Buch:

„Meinen Rücken bot ich den Schlägen, die Wange den Streichen,

Wandte mein Angesicht nicht frei von dem schändlichen Speichel;

Gott ist mein Helfer im Leiden, drum werd’ ich nimmer zuschanden,

Fest wie ein Felsen im Sturm stehe ich gegen den Feind.“

Und als Er hing am Kreuze, da schüttelten Spötter die Köpfe:

„Rettete and're Er blind, rette Er selbst sich vom Tod!“


Wenn der prophetische Geist die kommende Zukunft beschreibet,

Spricht Er vom Frieden der Welt, welcher von Zion erblüht:

„Ausgehen wird das Gesetz und das Wort des Herrn aus der Stadt nun,

Schwerter zu Pflügen geschmied’t, brechen den Acker im Feld.

Lanzen zu Sicheln gewandelt; es fehdet kein Volk mit dem Nachbarn,

Kriegerisches Handwerk verlernt ewig das menschliche Geschlecht.“

Zwölf nur, Ungelehrte, vertrieben im Namen des Christus,

Brachten dies göttliche Wort rings zu den Völkern der Welt.

Wir, die uns einstmals gemordet, entsagen dem Kriege und sterben

Lieber im treuen Bekenntnis, als dass die Lippe betrügt.


Hört, wie der Seher und König des Heilands Boten besungen:

„Tag meldet Tag das Wort, Nacht kündet Nacht das Verstand.

Keine Sprache ersteht, wo ihre Stimme nicht hallet,

Bis an das Ende der Welt reichet ihr mächtiger Schall.“

David beschrieb auch den Bund, den Herodes und Pilatus geschlossen

Gegen den Salbling des Herrn, mächtig im sündigen Rat:

„Warum toben die Heiden, was sinnen die Völker vergebens?

Könige stehen bereit gegen den göttlichen Sohn.

Der in dem Himmel thronet, wird ihrer im Zorne spotten:

'Mein König bist du auf Zion, heute zeugt ich dich mir.'

Dient nun dem Schöpfer mit Furcht, ihr Richter der Erde, und küsset

Weisheit und Lehre sodann, dass euch sein Zorn nicht erschreckt.“


Wiederum kündet der Geist durch Davids göttliche Lieder,

Dass nach dem schändlichen Kreuz Christus als König regiert:

„Singet dem Herren, ihr Völker der Erde, besinget sein Heil nun,

Groß ist der Schöpfer der Welt, höher als Dämonentrug.

Herrlichkeit strahlet vor Ihm, und Kraft in den heiligen Hallen,

Bringet dem Vater das Lob; seht, wie der Erdkreis besteht!

Frohlocket unter den Heiden, verkündet es laut in den Gassen:

Herrschen wird Gott von dem Holz, rettend die Sünder aus Nacht.“


Dass der Prophet die Zukunft beschreibt, als wär’ sie vergangen,

Soll dem Leser im Buch nimmer ein Irrweg gedeihn.

Was Er im Voraus schon weiß, das schaut Er als reife Vollendung,

Gleich als wär’ es geschehn, steht es im Lichte des Geists.

Tausend und fünfhundert Jahre, bevor der Gekreuzigte kam hier,

Sang es der königliche Mund, eh’ es die Erde geschaut.

Keiner der Alten erfreute die Heiden durch Sterben am Kreuze,

Jesus allein brach den Tod, herrschet im himmlischen Reich.


Dass ihr nicht wähnt, es geschehe durch zwingende Not des Geschickes,

Was ein Prophet im Verstand lange voraus schon gewusst:

Strafe und Lohn und die Leiden empfängt ein jeglicher Sterbliche,

Ganz nach dem eigenen Werk, welches er wählte im Licht.

Wenn das Geschick uns regierte, so läge nichts mehr in unsrer

Macht, und es fehlte die Kraft, Gutes vom Bösen zu trennen.

Wäre der eine zum Guten bestimmt und der andre zum Laster,

Träfe den Sünder kein Tadel, den Frommen kein rühmliches Wort.

Sehn wir doch oft, wie derselbe Mensch im Verlaufe des Lebens

Wechselt vom Tugendpfad wild in die Sünde hinein.

Wäre das Schicksal die Ursach', so müsste es selbst sich bekämpfen,

Oder das Gute und Böse wär’ nur ein eitler Schein.

Dies ist das wahre Gesetz, das wir als unabwendbar bekennen:

Wer sich für Tugenden entscheidet, erntet den göttlichen Lohn.

Nicht wie die Bäume im Wald und die vierfüßigen Tiere der Steppe,

Wurde der Mensch ohne Wahl aus dem Erdenstaub gezeugt.


Moses verkündete schon das erhabene Wort des Allmächtigen:

„Siehe, ich lege dir heut’ Gutes und Böses vor’s Aug’.“

Und durch Jesajas Lippen ruft Gott, der Vater der Welten:

„Wäsche und reinige dich, wende dich ab von der Schuld!

Wären die Sünden wie Scharlach, ich mache sie weiß wie die Wolle,

Frisst euch das Schwert doch am End’, wenn ihr der Stimme entsagt.“

Wisset: Das Schwert des Erhabenen meint das verzehrende Feuer,

Welches die Bosheit verschlingt, die sich im Frevel verhärt’t.

Plato entnahm es dem Seher, als er im Buche geschrieben:„Schuldvoll ist, wer da wählt; Gott ist von Sünden ganz frei.“

Älter als Griechenlands Dichter und Denker ist Moses gewesen,

Weshalb vom Lichte des Geistes funkelt ihr menschliches Wort.

Dennoch verfälschten Dämonen die Bücher durch Furcht und durch Bannspruch,

Dass man Hystaspes’ Gesang und auch die Sibylle nicht liest.

Wir aber bringen sie kühn und ohne zu zittern zum Herrscher,

Weil wir als Gärtner des Herrn suchen den göttlichen Lohn.


Dass Gott der Vater den Christus nach seinem Erstehen vom Tode

Aufnahm ins himmlische Reich, höret aus Davids Gesang:

„Setze dich mir zur Rechten, bis ich die Feinde dir zähme,

Dass sie als Schemel sodann dienen dem göttlichen Fuß.

Senden wird Gott aus Jerusalem dir den Stab seiner Macht nun,

Herrsche inmitten der Feinde, glänzend im Kreise der Schar!“

Dieser gewaltige Stab ist das Wort, das die Boten verkündet,

Obgleich ihr Tod und Verderben drohet dem christlichen Bund.

Tötet uns nur, wenn ihr wollt – ihr schadet uns nicht in dem Glauben,

Sondern euch selbst und der Welt durch das unlöschbare Brand.


Dass uns kein Spötter verdamme und rufe mit eitler Gebärde,

Christus sei jüngst erst geborn unter Kyrenius’ Macht,

Und dass die Menschen vor Ihm ohne Schuld und Verantwortung lebten,

Wollen wir diesen Einwand lösen mit klarem Verstand:

Christus ist Gottes Erstgeborener, Logos für alle Geschlechter,

Jeder, der vernünftig gelebt, war schon ein Christ in der Welt.

Sokrates zählte dazu und Heraklit bei den Griechen,

Barbaren wie Abraham auch, Elias in heiliger Pflicht.

Sie, die vernünftig gewandelt, erfuhren den Hass von den Taten

Derer, die ohne Vernunft lebten in Sünde und Nacht.


Dass das hebräische Land zur Wüste und Trümmerstätte werde,

Kündigt der göttliche Geist bitter im Klageruf an:

„Zion ward eine Wüste, Jerusalem einsam und trostlos,

Unser geheiligtes Haus brennt im verzehrenden Rauch.“

Dass es vollendet sich hat, das wisst ihr, o Herrscher, am besten,

Da ihr bewacht jene Tore, dass kein Hebräer sie schaut.

Todesstrafe bedroht den Juden, der die Heimat betritt noch –

Einsam und öd’ liegt das Land, wie es der Seher bestimmt.


Dass Er die Seuchen geheilt und Tote erweckt aus dem Grabe,

Hört, wie Jesajas Mund kühn das Geheimnis besingt:

„Springen wird lahm wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird sprechen,

Blinde erblicken das Licht, Aussatz entweicht aus dem Fleisch.“

Dass Er dies alles gewirkt, bezeugen die Akten des Pflegers

Pontius Pilatus treu, wenn ihr sie suchet im Archiv.

Dass Er und jene, die hofften, gemordet am Ende des Weges,

Kündet das prophetische Wort: „Sehet, der Gerechte vergeht!“


Dass die Heiden Ihn fanden, die nimmer Ihn suchten im Leben,

Und dass sein eigenes Volk Christus am Ende verwarf,

Spricht Er in eigener Person durch die Lippen Jesajas:

„Sichtbar ward ich den Völkern, die nicht riefen mein Namen;

Meine Hände streckt’ ich dem widersprechenden Volke,

Das mir ins Angesicht zürnt, folget den eigenen Sünden.“


Was die Propheten vordem in dunklen Zeiten verkündet,

Siehst du erfüllt in der Welt, wie es das Schicksal bestimmt.

Wenn sich das Gestern bewährt, so vertraue dem kommenden Morgen,

Göttliches Wort bleibt wahr, ob es der Mensch auch bestreitet.

Zweimal erscheint uns der Herr: Erst kam er im Leiden der Erde,

Einsam, verhöhnt und geschmäht, trug er der Sterblichen Last.

Doch in dem zweiten Gericht wird er strahlend vom Himmel herabgehn,

Engelsheere im Gefolg, richtend das lebende Fleisch.

Knochen verbindet er neu, so rief es Ezechiels Stimme,

Und der Gottlose brennt ewig im strafenden Feuer.

Völker, die einsam verwaist, empfangen nun zahllose Kinder,

Während das alte Geschlecht blind an dem Retter vorbeiging.


Teufel vernahmen das Wort und webten die Netze des Irrtums,

Dichteten Fabeln und Trug, eifrig der Wahrheit voraus.

Als von der Rebe sie hörten, da riefen sie Bacchus ins Leben,

Ließen ihn, grausam zerfetzt, steigen zum Äther empor.

Weil auf dem Fohlen er ritt – so hatte es Moses gezeichnet –,

Trug das geflügelte Ross Bellerophon durch die Luft.

Kam eine Jungfrau zur Welt, so nannten sie Perseus den Helden;

Heilte er Lahme und Blind', ward Äskulap draus gemacht.


Doch das Geheimnis des Kreuzes, es blieb den Dämonen verborgen,

Niemand erfand ein Götzenbild, das ihm am Holze geglichen.

Schau in die Welt, wie das Zeichen der Kraft allmächtig regiert:

Keines der Schiffe durchbricht ohne das Segel die Flut.

Auch der Pflüger im Feld bewegt nur das kreuzende Eisen,

Und des Handwerkers Beil ahmt die Gestalt treulich nach.

Selbst das Antlitz des Menschen, erhaben vor jeglichem Tier,

Zeigt in der Nase und Stirn deutlich des Kreuzes Profil.

Eure Kohorten und Banner, sie tragen es stolz vor den Kaisern,

Weihen im Tode den Herrscher zum Gott durch das heilige Maß.


Dennoch erlahmt nicht der Trug: Es senden die neidischen Geister

Simon, den Magier, nach Rom, welcher die Sinne betört.

Reißt die Statuen nieder, entflieht den Schlingen der Lüge!

Marcion spaltet das Volk, leugnet den Schöpfer der Welt.

Wie von dem Wolfe geraubt, so taumeln die blinden Gläubigen,

Werfen die Wahrheit hinweg, stürzen in ewigen Nachteil.

Uns aber hassen sie blind und drohen mit flammendem Tode,

Doch wir fürchten ihn nicht; Sterben ist menschliches Los.

Wenn das Gefäß sich entleert, bringt Tod uns die ewige Freiheit,

Euch aber trifft das Gericht, wenn ihr die Wahrheit verschmäht.


Älter als Griechenlands Geist sind unsers Propheten Gesänge,

Aus dem mosaischen Quell schöpfte auch Plato sein Wort.

Dass aus geformtem Stoff der Schöpfer die Erde bereitet,

Lass dir beweisen vom Geist, welcher am Anfang regiert':

Finsternis lag auf der Flut, unsichtbar raunten die Wasser,

Bis durch das göttliche Wort strahlend das Licht sich ergoß.

Auch was im Timaios er lehrt von dem Sohne des Höchsten,

Dass er kreuzweis die Welt band an das Himmelszelt,

Nahm er von Moses Raub: Als giftige Schlangen die Brüder

Schmählich im Sande der Wüst' bissen mit tödlichem Zahn,

Formte der Seher aus Erz das heilige Zeichen des Kreuzes,

Rief: „Wer im Glauben aufblickt, findet das Leben im Tod.“

Doch der Grieche verstand das Bild des Holzes nur dunkel,

Sah nur ein Kreuzen der Kraft, blind für das wahre Gericht.

Selbst bei den Ärmsten im Volk, die des Alphabets nicht bedürfen,

Hörst du die Weisheit des Geist's, frei von der menschlichen Kunst.


Wer nun im Herzen glaubt und verspricht, nach den Regeln zu wandeln,

Fastet und bittet mit uns, sühnend die frühere Schuld.

Dann führen wir ihn dorthin, wo die Brunnen uns fließen,

Dort wird er neugeboren, so wie wir selbst es erfahrn.

Denn in dem Namen des Vaters, des Herrschers über das Weltall,

Und des Erlösers, des Sohns, wäscht ihn das heilige Bad.

Keiner kehrt ja zurück in den Schoß der leiblichen Mutter;

Frei von der Ahnen Zwang führt uns das Wasser zum Licht.

Diesen Ritus der Wahrheit erlauschten die neidischen Geister,

Zwingen den Heiden nun selbst, dass er sich wasche im Trug,

Ehe er opfernd sich naht den stummen Gestalten der Götzen;

Auch den gelösten Schuh stahlen sie Moses geschwind,

Als aus dem Dornbusch der Logos in Flammen gerufen: „Entschuhe

Deine Füße dem Staub, denn du nahst heiligem Grund!“


Blind ist das Volk Israels und verkennt das Geheimnis des Busches,

Meint, dass der Vater selbst sprach aus der lodernden Glut.

Doch es erschien der Sohn, der Bote, das ewige Wort uns,

Gott aus dem Gotte geborn, welcher den Vätern sich wies.

Wer nun den Sohn verleugnet, der kennt auch den Vater im Licht nicht,

Beide verwirft der Altar, den das Gesetz sich erbaut.

Abraham lebt doch im Herrn, und Isaak schaut das Erlösen,

Weil sie als Erste der Welt suchten den ewigen Pfad.

Teufel verdrehten dies auch: Als Minerva sie lügend erdachten,

Gaben sie weibliche Form Gottes gedanklichem Wort.

Auch Proserpina ward an den Quellen als Jungfrau vergöttert,

Weil Gottes Geist einst schwebte über der flutenden Nacht.


Ist nun gewaschen der Bruder, so bringen wir ihn zu der Mitte,

Wo die Geschwister im Kreis flehen um göttliche Kraft,

Dass wir als Bürger der Welt den Geboten des Schöpfers gehorchen,

Bis uns am Ende der Zeit bricht das unendliche Heil.

Nach den Gebeten besiegelt der Kuss den Frieden der Herzen;

Brot wird dem Vorsteher dann, Wein und das Wasser gebracht.

Preisend erhebt er den Kelch zum Vater im Namen des Sohnes,

Dankt für die Gaben der Welt, dankt für das himmlische Brot.

Hat er das Lobpreis beendet, so rufet die Menge das Amen,

Was in der Väter Hebräisch „So soll es werden“ besagt.

Und die Diakone verteilen das Brot und den Wein an die Schar nun,

Tragen den Segen des Mahls auch zu den Fernen nach Haus.


Diese Speise benennen wir feierlich Eucharistia,

Keiner empfange das Mahl, der nicht dem Glauben gehört,

Der nicht im reinigenden Bad die Sünden der Jugend gewaschen

Und nach Christi Gebot heilig das Leben vollringt.

Denn nicht als übliches Brot und als üblichen Trank der Götter

Nehmen wir dieses empor, welches den Leib uns ernährt;

Sondern wie Jesus, der Retter, durch Gottes allmächtiges Urwort

Fleisch und Blut sich erwählt', rettend das menschliche Volk,

So ist das Mahl, das gesegnet durch Seine gesprochenen Worte,

Fleisch und Blut des Erlösers, welcher im Fleische erschien.

Denn so schrieben die Boten es auf in den heiligen Büchern:

„Tut dies zu meinem Gedächtnis, nehmt hin mein Fleisch und mein Blut.“

Boshafte Teufel erlauschten den Bund und schufen in Höhlen

Mithras' geheimnisvollen Dienst, äffend das göttliche Brot.


Immerfort mahnen wir uns an die Taten und teilen den Reichtum,

Dass der Bedürftige lebt, treu an der Brüderlichkeit.

Und an dem Tag, den die Heiden benennen nach strahlender Sonne,

Sammelt sich Stadt und das Land, strömend an einem Bezirk.

Dort wird gelesen aus Worten der Seher und Botschafter Christi,

Solange die Stunde es erlaubt, ordnend den göttlichen Geist.

Schweigt der Vorleser dann, so erhebt sich das Haupt der Gemeinde,

Mahnt uns mit väterlichem Wort, folgsam den Tugenden nach.

Alle erheben sich dann zum Gebet, und es bringen Diakone

Wasser und Wein und das Brot, welches der Vorsteher weiht.

Laut tönt das Amen im Volk, und es teilen die Dienenden eifrig,

Tragen den Kranken nach Haus, was der Altar uns beschert.

Was an Gaben erübrigt, verwaltet der Hirte der Armen,

Dass er die Witwe beschützt, Waisen und Sklaven in Not.

Denn an dem Tag der Sonne begann die Verwandlung des Stoffes,

Und aus dem Dunkel der Nacht siegte der Herr übern Tod.


Dünkt euch dies weise und wahr, so erweist den Christen die Ehre;

Haltet ihr's aber für Tand, straft uns doch nicht mit dem Tod!

Keinen gerechten Mann soll das Schwert des Henkers vernichten,

Denn dem Gerichte des Herrn entflieht auch der Kaiserthron nicht.

Zwar gab Hadrian schon, dein erhabener Vater, uns Rechte,

Dass man uns Richter gewährt, frei von dem lügenden Schrei:

Nur wer ein Laster begeht, das den Rechten des Staates zuwider,

Trage die Strafe der Tat, nicht nur den christlichen Pflöck.

Droht uns das Beben der Erde, so zittert ihr feige vor Göttern,

Während der Christ im Gebet ruhig dem Retter vertraut.

Wer uns als Christen verklagt, ohn' ein Laster der Tat zu beweisen,

Falle dem Henker anheim, strafend den schändlichen Trug!


*


Hört nun das kaiserliche Wort, das im Forum Trajans geschrieben,

Welches Antoninus sandte dem heiligen Rat:

Mitten im Grenzland Germaniens stand ich in Mühen und Leiden,

Als uns Carnuntums Wald hielt in der Knechtschaft umringt.

Vierundsiebzig Kohorten der Feinde bedrängten die Unsern,

Fast eine Million Krieger verstellte das Feld.

Doch ich hatte zur Hand nur die erste und zehnte Legion nur,

Und der Seesoldaten Schar schaute der Barbaren Macht.

Voller Verzweiflung rief ich die Götter der Heimat um Beistand,

Aber der Himmel blieb taub, stumm war des Jupiters Thron.

Da befahl ich zu kommen der Schar, die man Christen benennet,

Gegen die früher mein Zorn wütete, grausam und blind.

Ohne des Speeres Wucht und ohn' das Schmettern der Tuba –

Denn ihr Gewissen verfemt Waffen und blutigen Streit –

Warfen die Männer sich nieder im Staub und flehten zum Schöpfer,

Dass Er den Durst und das Leid wende vom sterbenden Heer.

Fünf der Tage schon glühte die Sonn' ohn' schützendes Wasser,

Lechzend im feindlichen Land lag das römische Volk.

Siehe, da öffnet der Himmel sich weit, als sie flehten zum Gotte,

Dessen verborgene Kraft ich bis zur Stunde nicht kannt':

Kühlender Regen ergoß sich auf uns und labte die Glieder,

Doch auf der Barbaren Haupt stürzte der hagelnde Tod.

Unüberwindlich erwies sich der Gott im Gebete der Frommen,

Weshalb fortan kein Richter den Christen mehr quäl':

Wer sie beschuldigt des Namens allein, ohn' Verbrechen der Tat, nun,

Werde im Feuer verbrannt, leidend die eigene Schuld!

Keiner zwinge sie mehr zum Widerruf, löst ihre Ketten,

Vitrasius trage dies Wort eilends in alle Welt aus!




ZWEITE APOLOGIE


Römischer Senat, die Gewalt, die Urbicus jüngst in der Stadt übt,

Zwingt meine Feder zum Wort, Brüder im sterblichen Fleisch!

Ruhm und Würden verblenden euer erhabenes Auge,

Dass ihr als Richter dem Trug dient der dämonischen Macht.

Siehe, es lebte ein Weib mit dem lasterhaftesten Gatten,

Welches durch Christi Gesetz fand zu der Reinheit zurück.

Weil sie den Becher des Lasters fortan zu teilen geweigert,

Gab sie den Brief der Scheidung, fliehend das sündige Bett.

Doch der gekränkte Gemahl rief Rache und klagte sie feige

Als eine Christin an, suchend ihr blutiges End'.

Als sie den Aufschub erbat, um das irdische Gut zu befehlen,

Wandte der rasende Mann gegen den Lehrer den Speer.

Den Ptolemäus warf man ins Dunkel des Kerkers gefangen,

Weil er bekennend und treu Christum den Retter gepriesen.

Und als Urbicus ihn zum Tode verurteilte, rief laut

Lucius: „Welches Verbrechen büßet der schuldllose Mann?

Weder als Mörder noch Dieb, noch als Räuber steht er vor Schranken,

Nur für den Namen allein brichst du den kaiserlich' Schutz!“

„Du scheinst mir auch von der Schar“, so sprach der Präfekt nur in Härte.

„Sicherlich!“, rief er und ging dankend zum himmlischen Thron.


Auch mir droht nun der Pfahl durch des Crescens heimliche Tücke,

Welcher sich Philosoph nennt und doch die Wahrheit beschimpft.

Um zu gefallen dem Pöbel, schmäht er uns gottlos und dumm hier,

Weiß von den Lehren doch nichts, redet in blinder Gefahr.

Fragt ihr uns nun voller Spott: „So tötet euch selbst doch geschwinde,

Eilet zu eurem Gott, lasst uns in Ruhe fortan!“:

Wissen wir wohl, dass der Schöpfer die Erde für Menschen bereitet,

Dass sie im Lichte der Welt preisen das göttliche Werk.

Würden wir selbst uns zerstören, so bliebe kein Zeuge des Geistes,

Und wir handelten flugs gegen den himmlischen Rat.

Doch wenn ihr prüfend uns fragt, so leugnen wir niemals den Namen,

Weil uns die Lüge verhasst, die euch im Irrtum belässt.


Einst hat der Schöpfer die Pflege der Menschen den Engeln übergeben,

Ordnete Sterne und Saat für der Sterblichen Wohl.

Doch die Wächter versagten, gefangen in Liebe zu Frauen,

Zeugten die Schar der Dämonen, welche die Erde nun quält.

Magische Schriften und Furcht erzeugten sie mitten im Volke,

Forderten Opfer und Wein für ihre lüsterne Sucht.

Und die Poeten der Heiden besangen sie blindlings als Götter,

Nannten sie Jupiter, Pluto, Neptun im feurigen Lied.

Doch dem Vater der Welt, dem Ungeborenen, eignet

Kein geschriebener Name, den ihm ein Älterer gab.

Schöpfer und Vater und Gott sind Benennungen Seiner Funktionen,

Und Sein Erstgeborener, das wirksame Wort, heißt der Christ.

Jesus bedeutet Erlöser – und schau, wie die Mächte erzittern:

Wo kein Exorzist heilt, weicht der Dämon Seinem Ruf!


Nur um der Christen Geschlecht verzögert der Schöpfer das Ende,

Welches den Teufel verdammt und das Verbrechen verzehrt.

Träfe das Urteil die Welt, so flöge das feurige Urlicht

Über die Schöpfung herab, wie es die Flut einst getan,

Als nur ein einziger Mann mit den Seinen die Arche bestiegen,

Den ihr Deukalion nennt, Noah im heiligen Buch.

Nicht das verhängte Geschick lenkt Tugend und Laster der Menschen,

Jeder entscheidet sich frei, wählend den eigenen Pfad.

Lobenswert ist ja kein Mensch, wenn ihm nicht die Freiheit gegeben,

Sowohl dem Guten zu nahn als auch dem bösen Geschick.

Drohte das ewige Feuer den Sündern als Schrecknis und Fabel,

Gäbe es Gott nicht im Licht, weigert' Er Sorge dem Fleisch.


Größer als menschliche Kunst ist das, was wir gläubig bekennen,

Weil uns Christus erschien, Leib und Vernunft und die Seel'.

Was die Gesetzgeber klug und Weise vordem uns verkündet,

Fanden sie nur durch den Keim, den ihnen Christus geschenkt.

Weil sie die Fülle des Worts nicht kannten, so irrten sie häufig,

Brachen in Zwiespalt aus, blind für das ewige Licht.

Sokrates eiferte kühn und trieb aus dem Staate die Dichter,

Schmähte den dämonischen Trug, wies zu dem Gotte den Weg.

Doch für das Wort des Atheners ist niemand im Glauben gestorben,

Aber für Christus vergiesst selbst der Ungebildet' sein Blut.


Als an den Dreiweg einst Herkules trat, da erschienen zwei Frauen:

Üppig geschmückt war die Lust, schmutzig das Kleid der Vernunft.

Jene versprach ihm den Tand und die Freuden der flüchtigen Stunde,

Diese das ewige Gut, welches im Tode nicht sinkt.

Einstmals gefiel mir auch selbst des Platon erhabene Lehre,

Als ich die Christen gehört, wie sie den Henker verlacht.

Da sah ich ein: Es ist falsch, was man ihnen an Lastern andichtet;

Kein wollüstiger Mensch suchet im Tode sein End'.

Ihr opfert Menschen dem Saturn und trinkt von dem Blute der Opfer,

Werft uns Verbrechen doch vor, die eure Götter getan!

Schämt euch und kehret zurück zur Vernunft aus den Banden der Nacht nun,

Werdet doch weise im Geist, reinigt das sündige Herz!


Stolz bekenn' ich der Welt, dass ich strebe, ein Christ zu verbleiben,

Nicht weil Platon nur irrt, sondern weil Christus ihn schlägt.

Was bei den Stoikern wahr und den Dichtern im Lied ist geschrieben,

Kam aus dem samentragenden Wort (Logos spermatikos), welches im Menschengeschlecht.

Doch was sie weise gesagt, es gehöret uns Christen am Ende,

Weil wir den Logos selbst lieben und beten Ihn an.

Dunkel nur schauten die Alten das Sein durch den Keim in der Seele,

Wir aber schauen Ihn selbst, teilhaftig Seiner Genad'.

Macht dieses Büchlein nun kund, so bitten wir, kaiserlich' Herrscher,

Dass sich befreie die Welt, die uns aus Unwissen schmäht!


Simons betrügerische Kunst, des Samariters, veracht' ich,

Macht dieses Büchlein nur kund, dass sich die Mitte bekehrt!

Heilig und rein ist das Wort und erhaben vor jeglichem Denken,

Fern von Sotades' Tand, fern von Philainis' Gefress.

Was Epicurus gelehrt und die Tänzer auf Bühnen Gestalten,

Dürft ihr doch straflos beschawn, ob es die Tugend auch bricht.

Nunmehr schweigt meine Stimme; getan ist die Pflicht des Bekenner's,

Und ein Gebet noch verbleibt: Dass uns die Wahrheit vereint.

Richtet nun weise und gerecht, wie es Sitte und Glaube gebieten,

Eurem Gewissen zum Heil, schaut auf das göttliche Licht!