VERGIL: VOM LANDBAU

DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE



ERSTES BUCH


Was den lachenden Schmuck der Gefilde bereitet, nach welchem

Himmelszeichen den Boden, Mäcenas, zu wenden, die Reben

Ulmen zu gatten bequem sei, welche die Pflege der Rinder,

Welche der Herden Zucht erfordert, wie viel uns der sparsame

Bienenschwarm Lehr', ich will's verkünden zu singen. Ihr, o

Hellerleuchtende Weltlichter, die ihr am Himmel den Lauf des

Jahres lenkt, du Liber und du gütige Ceres, wenn durch

Eure Gabe die Erd' die chaonische Eichel gewandelt

Hat in die goldene Ähr', und Weine mit fundenen Trauben

Acheloïschen mischte; und ihr, o der ländlichen Fluren

Gegenwartsgötter, ihr Faune, zugleich auch den Schritt her,

Faune, bewegt, ihr trockischen Mädchen: die Gaben besing ich!

Und du, um dessen gebietenden Ruf erst der wogende Hengst aus

Schlagendem Erdreich hervorsprosst, Neptun, beim gewaltigen Dreizack;

Hirte des Hains, dem dreihundert Gesträuche der Äße

Weißer Färsen vom Ceischen Land aufwarten am Hang; Pan,

Hüter der Schafe, verlassend die heimatliche Gefilde,

Haine Lykäons, wenn dir dein Mänalos selber am Herzen

Liegt, o tegeischer Gott, komm hold uns zu Hilfe; Minerva,

Führerin du des Olba, und du, o Erfinder des krummen

Pfluges, Knabe, und Silvan, der zarte Zypressen im Wurzel-

Grunde bringt: ihr Götter und Göttinnen alle, die treu ihr

Hütet die Äcker, und ihr, die die unbesäeten Früchte

Nähret, und ihr, die ihr reiche Regengüsse dem Himmel

Niederströmt;


und du, den bald sich erwerben an Herrschaft

Götterversammlungen sollen, o Cäsar – ob du der Städte

Wohl die Hut übernehmen und Sorge der Erde willst, und der

Große Kreis der Welt als Spender der Früchte dich nehme

Sowie Herrscher der Stürme, die Schläfe mit Myrthe der Mutter

Ringend; oder als Gott du des unermesslichen Meeres

Kommst, und die Schiffer allein deine Gottheit verehren, dir fernste

Thule gehorcht, und Tethys um sämtliche Wogen als Bräutigam

Dich erkauft; oder etwa den späten Monaten zugesellst

Deinen neuartigen Stern, dort wo das Gefilde sich öffnet

Zwischen Erigone und den heranstürmenden Chelen:

Siehe, für dich zieht schon die Arme zusammen der glühende

Skorpion, und vom Himmel ließ er mehr als den rechten

Anteil übrig; was immer du wirst sein (denn weder erhoffen

Dich die Reiche des Tartarus als Herrscher, noch möge

Solch verdammte Begierde nach Herrschaft je in dir aufsteigen,

Auch wenn Elysiums Auen das griechische Land noch

Staunend preist und Proserpina nicht zu der Mutter zurückkehrt) –

Lenke den leichten Lauf, und den kühnen Anfängen gnädig

Neige dich zu, und den Armen, des Weges unkundigen Hirten

Mitfühlend, steige herab, und schon jetzt an die Bitte gewöhn' dich!


Im Neujahrsfrühling, wenn frostiges Nass auf den weißen

Bergen zerfließt, und im Zephir die brüchige Scholle

Sich auflöst, beginne mir schon vom gedrückten Gespann nun

Tief der Stier zu stöhnen, und im Furchenstrich glänzend

Schimmere mir die Pflugschar. Jene Ernte allein gibt

Widerhall dem sehnenden Wunsch des Bauers, die zweimal

Sonne, zweimal die Kälte verspürt hat; jene hat riesig

Hineingeborsten die Scheunen die Ernte.

Doch ehe je mit dem Eisen wir ungemessene Fluren

Ritzen, kümmere uns, die Winde und mancherlei Art des

Himmels zuvor zu erkunden, und Sitte und Wesen der Heimat,

Jedes Landes Ertrag, und was ein jedes verweigert.

Dort gedeihen die Saaten, und dort viel reicher die Trauben,

Baumgewächse wo anders, von selber ergrünen die Gräser.

Siehst du nicht, wie Tmolus den safrangelben Duft spendet,

Indien Elfenbein, weichmütigen Weihrauch die Sabaer,

Und die nackten Chalyber das Eisen, die giftigen Pontier

Bibergeiz, und die Stuten der eliäschen Palmen Epiros?

Solche Gesetze sogleich und ewige Bündnisse hat ein

Festumrissenes Land die Natur von Beginn an gesetzt, da

Deucalion damals die leeren Steine geworfen in's Erdenrund,

Woraus Menschen entstanden, ein eisernes Geschlecht. Drum auf denn!

Fettes Erdreich, schon in den ersten Monaten des Jahres

Wende der Stier stark um, und die liegenden Schollen verbacke

Sonnenglut, solange der reifende Sommer verweilt;

Doch, wenn die Erde nicht fruchtbar ist, so wird bis zum späten

Arktur genügen, sie flach und mit dünnerer Furche zu ritzen:

Dort, damit nicht das Kraut den fröhlichen Früchten hinderlich werde,

Hier, damit nicht die dürre, geringe Feuchtigkeit fehle.


Wechselnd wirst du auch ruhn lassen den abgeernteten Brachacker,

Lassend den trägen Boden zu Härte verfallen im Schlamm;

Oder du säst hier goldene Körner, getauscht nach der Jahreszeit,

Dort, wo vorher die üppige Schote geraschelt hat an der

Wicke, oder die zarten Erträge der Wicke, und traurige

Lupinen brachen die brüchigen Halme, und den tönenden Wald.

Denn es verbrennt das Feld der Lein, es verbrennt die Haferkultur,

Es verbrennen die Mohnarten, die trunken von lettischem Schlummer.

Doch ist im Wechsel die Mühe leicht; nur scheue du nicht, die

Dürren Beete mit fettem Mist zu sättigen, und auch

Nicht, den schmutzigen Aschestaub auf die müden Gefilde zu streuen.

So erholen sich auch im Wechsel der Früchte die Äcker;

Und es fehlet indes nicht gänzlich die Gunst der brachliegenden Erde.


Oft hat's auch genützt, die unfruchtbaren Gefilde

Abzubrennen, und leichte Stoppeln mit knisternder Flamme

Hinzuopfern: ob sie nun heimische Kraft und der Erde

Fette Nahrung empfangen; oder ob ihnen durch Feuer

Jegliches Übel verschwelt und der unnütze Schweiß entweicht;

Oder ob jene Hitze verborgene Wege und blindes

Atemloch öffnet, durch das neue Säfte zum Grase

Steigen; oder ob sie mehr härtet und klaffende Adern

Schließt, damit schnelle Regengüsse, der Sonnenglut Macht nicht

Brennend, oder die scharfe Gewalt des Boreas versengt.

Großen Nutzen hat auch, wer den Klumpen zerschlägt mit dem Rechen,

Ungefüge, und weidende Flechtgitter zieht; ihn blickt ja

Ceres vom hohen Olymp nicht vergeblich mit Groll an;

Und wer, was er aufwühlt beim durchpflügten Acker an Rücken,

Wieder im schrägen Verlauf mit gedrehtem Gewande durchbricht,

Und die Scholle oft fordert, und herrschet im Acker!


Feuchte Sommer sollt ihr erflehen und trockene Winter,

Bauern! Dem winterlichen Staub entspringen die Kornhalme

Fröhlich, froh ist das Feld. In keiner Bewirtschaftung rühmt sich

Mysien so, und Gargasas Höhen bewundern die Ernte.


Was soll ich von dem reden, der nach dem Wurf des Samens die Äcker

Nennt sein Eigen, und gleich die Klumpen zerschlägt von der fetten,

Schweren Scholle; sodann den Fluss hinführt und die rinnenden Bäche?

Oder wenn brennend das Feld mit sterbendem Grase verdorrt, sieh:

Dort von der Kante des hügeligen Pfades die Welle

Lockt er hervor; sie fällt und ein heiseres Rauschen durch glatte

Kiesel erregt sie, und kühlt die versengten Gefilde mit Quelln!

Was von dem, der, dass nicht schwer vom Getreide die Halme

Niederknicken, der Saaten Üppigkeit abweidend im zarten

Gras hält, sobald die Furchen die Saaten erreichen; und wer das

Wassertriefende Nass aus dem saugenden Strande hinabführt?

Vornehmlich wenn unbestimmter Monate Fluss nun anschwillt,

Ausbricht, und weithin mit Schlamm überschüttet die Fluren bedeckt,

Woraus hohle, von lauem Feuchtigkeitsdunst schwitzende Lachen

Stehn.


Und dennoch, wenn dies auch der Menschen und Rinder

Mühe erprobt, hilft kaum der gierige Schwan, und der strymischen

Kraniche Schar, und die bitteren Wurzeln der Endivie,

Und der Schatten schadet. Der Vater des Ackerbaus selber

Wollte den leichten Weg nicht; er hat durch die Kunst erst

Mühsam die Äcker bewegt, mit Sorgen die sterblichen Herzen

Schärfend, und duldete nicht, dass im schweren Schlummer das Reich lag.


Vor dem Jupiter gab's kein Jochen der Äcker durch Bauern;

Selbst ein Abstecken noch oder Teilen der Grenze im Felde

War nicht recht: in die Mitte suchten sie; und die Erde selber

Trug all Dinge verfreut, ohne Flehen des Menschen. Er hat das

Schlechte Gift den grausamen Schlangen hinzugefügt, und

Befohlen den Raub der Wölfe, und Meere bewegt sich, und schüttelte

Honig von Blättern herab, und das Feuer entzogen,

Und den Weinen, die überall rannen, den Lauf er verwehret:

Dass den vielfältigen Nutzen die Sorge erfinde durch Übung

Mählich, und in den Furchen die Getreidehalme erstrebe;

Dass aus des Feuersteins Adern das verborgene Feuer

Quölle. Da spürten zuerst den Fluss die ausgehöhlten

Erlen; der Schiffer gab damals den Sternen Namen und Zahlen:

Plejaden, Hyaden, und der klaren Lykaonschen Arcton.

Damals das Fangen der Tiere mit Schlingen und Trug durch den Vogelleim

Fand sich, und Jagd mit den Hunden im großen Revier. Und ein anderer

Peitscht nun weithin mit Netzen den Fluss, tief suchend, und schleppt am

Meere der andere die feuchten Leinen; da kam auch des Eisens

Härte, und Klage der scharfen Säge: denn erst mit den Keilen

Spalteten sie das spaltbare Holz; dann kamen vielerlei

Künste; der unerbittliche Fleiß hat alles besiegt, und

Drängende Not in hartem Geschicke!


Ceres zuerst hat

Sterblichen Menschen gelehrt, das Erdreich pflügend zu wenden,

Als nun Eicheln und Erdbeeren schon des heiligen Waldes

Fehlten, und Nahrung Dodona versagte. Bald ward auch den

Kornhalmen Mühe hinzugefügt: dass der schädliche Rost das

Getreide auffraß, und der träge Distelstrauch auf den Äckern

Starrte: es welken die Saaten; es wächst der rauhere Wald auf,

Kletten und Dornen, und zwischen den glänzenden Saaten

Waltet das nutzlose Lolium und der sterile Hafer.

Wo du nicht fortwährend den Boden bekämpfst mit dem Rechen,

Und mit dem Lärmen die Vögel verscheuchst, und im schattigen

Hain die Zweige bezähmst, und im Flehen den Regen herbeirufst,

Ach! die riesige Ernte des andern vergeblich dann schaust du,

Und im Walde gestürzt den Hunger mit Eicheln bezwingst du!


Nennen muss man auch jene Werkzeuge der hartesten Bauern,

Ohne die weder gesät noch geerntet werden die Halme kann:

Pflugschare, und des krummen, gewichtigen Holzes am Pfluge,

Wagen der eleusinischen Mutter, die langsam sich wälzen,

Dreschschlitten, und Lastschleppen, und Rechen von drückendem Gewicht;

Dazu das flechtwerkartige und billige Gerät des Celeus,

Arbuteigene Körbe, und die mystische Wanne des Iacchus:

Alles das wirst du viel zuvor wohlbedacht aufbewahren,

Wenn dich des göttlichen Landes die würdige Herrlichkeit anstrahlt!


Gleich im Walde mit starker Gewalt wird gebogen und gezähmt zum

Pflugbaum, und die Form des krummen Pfluges nimmt die Ulme.

Ihm wird von der Wurzel der Schaft gestreckt auf acht Fuß Länge,

Beiderlei Ohren, das doppelte Brett am rückwärtigen Rücken.

Fällt man auch vor dem Joch die leichte Linde, die hohe

Buche, den Pflugstock, der rücklings lenken die tiefen

Wagen vermag.


Und der rauchende Dunst sucht trockenes Holz an der Feuerstatt.

Vieles kann ich dir noch von den alten Vorschriften nennen,

Wenn du nicht etwa zurückschaust und die Mühen zu klein find'st.

Erstens muss die Tenne gewaltig mit massiver Walze

Eben gemacht und mit Hand gedreht, mit klebrigem Lehme

Fester gefügt sein, damit kein Kraut aufwächst, und der dürre

Staub sie nicht brüchig zerfall'n lässt; oft schadet vielfältig

Hier das Gewürm: die winzige Maus hat öfters im Boden

Häuser gesetzt und Scheunen gebaut; blindmachende Maulwürfe

Gruben das Lager; und man fand in den Höhlen die Kröte,

Und was sonst noch an Ungeheuer das Erdreich hervorbringt;

Räuberisch greift die Kornhauf' der Kornwurm an, und die fürchtend

Späte Armut sich wappnende Ameise. Merke dir außerdem:

Wenn die blühende Nuss im Walde sich herrlich in Blüten

Hüllt und die duftenden Zweige krümmt: sind die Früchte

Mächtig, so folgen gleicherweise die Saaten, und große

Dresche wird kommen mit starker Hitze; doch wenn die gewaltige

Schattenfülle der Blätter herrscht, vergeblich mit fettreicher

Spreu wird die Tenne die Halme zerreiben.


Wahrlich, ich sah manchen Sämann den Samen zuvor gut behandeln,

Und mit der Lauge zuvor wie mit schwarzem Trester benetzen,

Dass der werdende Keim in der trügenden Schote gefüllt sei,

Und, wenn mäßig das Feuer war, bald sie weich sich erweichten.

Sah ich auch jene, die lang man gewählt und mit mühsamer Sorgfalt

Prüfte, dennoch entarten, wenn nicht jedes Jahr der gewaltige

Menschliche Fleiß mit der Hand die gröbsten Körne sich auslas.

So fällt alles vom Schicksal zurück ins Schlechte, und sinkend

Wird es zurückgerissen; nicht anders als wer mit dem Kahne

Gegen den reißenden Strom sich müht mit den Rudern, und plötzlich

Nachgibt und seine Arme verliert, und der tückische Stromfluss

Ihn in die Tiefe reißt und im Abgrund stürzt mit dem Sturzbach!


Außerdem sind uns der Himmelsgestirne des Arktur

Weg und der Tag der Böckchen zu wahren, der glänzende Drache,

Ebenso denen, die heimwärts über das stürmische Meer ziehn,

Wo das Gestade des Meeres und Austern die Bucht von Abydos

Prüfen.


Wenn die Waage des Tags und der Nacht die gleichen Gemacher

Schafft, und die Mitte des Lichts und des Schattens den Kreis teilt,

Übt, ihr Männer, die Stiere; besät die Äcker mit Gerste,

Bis zum Ende des Regens der grausam harten Gewitter;

Nicht zu vergessen den Lein und das Mohnkorn der Ceres zu decken

Zeitig im Boden, und längst schon zu drängen zum Pfluge, solange

Trocken die Erde noch ist und die Nebel am Himmel noch schweben.


Früh im Frühling sät man die Bohnen; dich auch, Medika, nehmen

Mürbe Furchen auf, und dem Hirse kommt die jährliche Pflege,

Wenn mit den goldnen Hörnern den Jahresbeginn uns der Stier öffnet,

Und vor dem Gegenstern weichend der Große Hund untergeht.


Doch wenn für die Weizenernte und stärkere Körne den Boden

Du bearbeitest, und auf die einsamen Ähren nur achtest,

Vorher sollen dir westliche Plejaden untergetaucht sein,

Und des brennenden Himmels Stern der Gnosischen Krone

Weichen, eh' du die Saat dem bereiteten Acker anvertraust, eh' du

Eilest, der unwilligen Erde die Hoffnung des Jahres zu geben.

Viele begannen vor Maias Untergang; doch die erwartete

Saat hat jene getäuscht mit eitlen, leeren Getreiden.


Säst du hingegen die Wicke und niedere Bohne, und wirst du

Nicht die pelusische Linse verachten, so wird dir der sinkende

Bootes deutliche Zeichen entsenden. Beginne, und dehne

Bis in die Mitte des Frosts die Aussaat aus!


Deswegen

Regt durch die zwölf gestirnten Zonen des Weltalls den runden

Kreis der goldene Sonnengott nach gewissen Bereichen.

Fünf umfassen den Himmel an Zonen, von welchen die eine

Stets von glühender Sonne errötet und brennet vor Feuer;

Um sie herum zu den Seiten die äußersten beiden erstrecken

Sich mit bläulichem Eis und mit finsteren Regengüssen starrend;

Zwischen diesen und jenen sind zwei den sterblichen Menschen

Gnaden der Götter geschenkt, und der Weg ist geschnitten durch beide,

Wo sich geneigt der Zug der Zeichen hinwendet. So wie

Sich zum skytischen Land und den Riphäischen Höhen der Himmel

Steil erhebt, so senkt er sich herab zu den libyschen Südstürmen.

Dieser Scheitel ist immer uns hoch; jener aber erblickt die

Schwarze Styx unter den Füßen und die tiefen Manen.


Hier entgleitet der große, in schlangenförmigen Windungen

Wandelnde Drache herum, um beide Bären als Stromfluss,

Bären, die niemals den Ozean zu berühren sich fürchten.

Dort, so erzählen sie, schweigt entweder die stürmische Nacht stets,

Und in verhängter Finsternis verdichten sich Schatten;

Oder es kehrt von uns Aurora zurück und bringt uns den Tag wieder;

Und wo der Morgen uns zuerst mit schnaubenden Rossen

Anbläst, dort entzündet das ferne, errötende Licht der Hesperus.


Daraus können wir Stürme am zweifelhaften Gewölbe

Vorhersehen, daraus den Tag der Ernte und Zeit der Aussaat;

Wann es sich ziemt, mit den Rudern das treulose Marmor zu spüren;

Wann die gerüsteten Flotten zu Wasser zu lassen, und wann die

Wälder der Fichte zu stürzen zur rechten Zeit.

Nicht vergeblich betrachten wir Untergang und Aufgang der Sterne,

Und das in vier verschiedene Zeiten geteilte Jahr.


Wenn der fristende, kalte Regen den Landmann gefangen

Hält, ist manches zu tun, was sonst im Sonnenschein eilte:

Schnell zu besorgen; der harte Pflüger wetzt an dem stumpfen

Pflugschardorn; er höhlt Baumstämme aus zu Kähnen; er drückt ein

Zeichen dem Vieh, oder Nummern den Meeren von Korn ein.

Andere schärfen die Pfähle und zweizackigen Gabeln, bereiten

Auch die amerinischen Bänder für die biegsame Rebe.

Jetzt wird leicht aus rötlichen Ruten geflochten der Korb Korbwerk;

Jetzt dörret Früchte im Feuer, jetzt brecht sie im Stein!

Denn es ist selbst an den Festtagen einiges Werk nach dem Recht uns

Erlaubt zu tun: Kanäle zu leiten hat keine Frömmigkeit

Je verboten, den Zaun um die Saat zu errichten, den Vögeln

Fallen zu stellen, die Dornen zu brennen, und baden im klaren

Fluss die Herde der blökenden Schafe. Oft lädt der Eseltreiber

Auf des trägen Esels Flanken mit Öl oder billigem

Obst schwere Last; und der heimkehrende Mann bringt vom Markt heim

Einen behauenen Stein oder Klumpen aus schwarzem Pech.


Ebenso hat selbst Tage im andern Verlaufe der Mond uns

Glücklich zum Werk gegeben. Die fünfte verfluche: bleicher Orcus,

Die Eumeniden sind da; und die Erde bringt unheilvoll damals

Coeus hervor und Iapetus, und den grimmigen Typhon,

Und die verschworenen Brüder, den Himmel zu stürzen. Dreimal

Wollten sie Pelion auf Ossa türmen, und über die Ossa

Wälzen den belaubten Olymp; dreimal hat der Vater die hoch auf-

Gebauten Berge zerschmettert mit Blitz!

Sieben Tage nach zehntem sind glücklich, die Rebe zu pflanzen,

Rinder zu zähmen, die straff gespannten Fäden dem Webstuhl

HinzuFügen; die neunte ist besser zur Flucht, zum Raub aber feindlich.


Vieles lässt sich wahrlich in kalter Nacht sich besser

Fügen, oder wenn früh im Sonnenschein tauet Eous.

Nachts die leichten Stoppeln, des Nachts werden dürre Wiesen

Besser gemäht; der zähe Tau weicht nachts nicht zurück.


Und mancher wachsam bleibt bei des winterlichen Lichts spitzem

Feuer, und spitzt mit scharfem Eisen die Fackeln:

Unterdessen, den langen Beruf mit Gesang sich versüßend,

Läuft die treue Gattin mit klingendem Schiffchen am Webstuhl,

Oder sie kocht den Saft des süßen Mostes mit Feuer,

Und von des lauten Kessels schäumendem Wasser den Schaum ab!


Doch die rötliche Ceres wird bei der Mittagshitze

Abgeschnitten, und in der Mittagshitze dörrt die

Tenne das Korn. Pflüge nackt, säe nackt; der Winter ist träge dem Landmann.

In den Frösten genießen des Ertrags die Bauern am Ende,

Und sie erfreuen sich wechselseitig an fröhlichen Festmahlen.

Eingeladen vom fröhlichen Winter lösen sich Sorgen,

Wie wenn gedrückt die Kähne den sicheren Hafen erreichen,

Und auf dem Heck die frohen Schiffer Kränze befestigen!

Aber dennoch ist Zeit auch damals, die eichenen Eicheln

Zu sammeln, Beeren des Lorbeers, Öle und blutige Myrthen;

Dazu Fangnetze für Kraniche und die Fallen für Hirsche,

Und die ohrigen Hasen zu jagen; dann Hirsche zu treffen,

Wenn man die schleudernde Kraft der balearischen Wurfschleuder schwingt,

Wenn tief der Schnee liegt und die Flüsse das Eis treiben!


Was soll ich Stürme des Herbstes nennen und Sterne,

Und wenn kürzer der Tag und weicher der Sommer uns schwindet,

Was von den Männern zu wachen ist? Oder wenn regenschwerer

Frühling anstürmt, wenn in den Feldern die Ährenernte

Schon starrt, und wenn in dem grünen Stroh die milchigen Getreide

Schwellen? Oft sah ich, als in den gelben Getreideacker

Schon den Schnitter der Landmann führte, und mit dem Halm schon

Dürr die Gerste beschnitt, alle Schlachten der Winde

Plötzlich zusammenstürmen, die weithin die schwere

Saat aus den tiefen Wurzeln emporgerissen wegfegten:

So trug in schwarzem Gewitter der Sturm das leichte Getreide

Und die fliegenden Stoppeln davon! Oft kam auch ein riesiges

Heer von Gewässern am Himmel, und schreckliche Unwetter ballen

Mit finstren Regenfällen die Wolken, gesammelt aus der Tiefe;

Stürzt der mächtige Äther, und mit gewaltigem Regen

Wäscht er der Rinder Ertrag und die Saaten hinab; Gräben

Füllen sich, und die tiefen Flüsse wachsen mit Tosen,

Und das Meer kocht mit atmenden Wellen!

Selbst der Vater im nächtlichen Dunkel der Wolken mit feuriger

Rechten bereitet die Blitze; bei welcher gewaltigen Erschütterung

Erbebt die Erde, es fliehen die Tiere, und sterbliche Herzen

Schlug im Volke die Niedertracht nieder; er schleudert mit Flammen

Entweder Athos oder Rhodope oder Ceraunias Höhen

Nieder; Südstürme toben, und dichtester Regen;

Jetzt beklagen die Wälder vom mächtigen Sturme, jetzt die Gestade.


Dies besorgend, des Himmels Monate und Sterne bewache:

Kühler Saturnus sich wohin das Gestirn mag begeben;

In welche Kreise des Himmels der cyllenische Gott irrt!


Vorzüglich ehre die Götter, und jährliche Feste

Bring der großen Ceres, verrichtend den Dienst auf dem grünen

Felde, am Ende des Winterschwurs, im heiteren Frühling.

Dann sind die Lämmer fett, und dann am mildesten Weine;

Süß sind die Träume dann, und dicht im Gebirge die Schatten.

Ceres soll dir die ländliche Jugend gesamthaft verehren;

Welcher du Milch mit honigschäumendem Becher verdünnstest,

Und um die neue Saat soll dreimal die glückliche Opfer-

Kuh gehn, die jede Schar und die tanzenden Genossen

Glücklich begleiten, und Ceres mit Rufen in Hütten

Rufen; und niemand lege die Sichel an reife Getreide-

Ähren, bevor er Ceres mit gewundener Eiche das Haupt nicht

Ummantelt, ungebundene Reigentänze vollzieht und

Lieder herniederspricht!


Und damit wir dies durch gewisse

Zeichen erlernen können, Hitze und Regen und kalt machende Winde,

Hat der Vater selbst festgesetzt, was der monatliche Mond mahnt,

Unter welchem Zeichen die Südstürme fallen; was sehend

Oft die Bauern die Rinder näher den Ställen behalten.


Plötzlich, wenn Winde aufsteigen, beginnen die Meeresfluten

Rings aufzuschwellen, und trocken auf hohen

Bergen hört man das Tosen, oder weithin ertönende

Strände sich mischen, und der Wälder zunehmendes Murmeln.

Kaum bewahrt sich die Welle dann noch bei den runden Kähnen,

Wenn von der Meeresmitte geschwind die Möwen zurückflieh'n,

Und das Geschrei ans Gestade bringen, wenn nasse Blässhühner

Trocken spielen, die bekannten Moore verlässt und

Hoch über Wolken fliegt der schlanke Reihersatz!


Oft wirst du sterben sehen bei nahendem Sturm die Gestirne,

Stürzend vom Himmel herab, und durch die Dämmerung der Nacht

Hinter den Flammen die langen, erblassenden Spuren der Schweife;

Oft auch leichte Gestöber und trockenes Laub umherfliegen,

Oder auf glatter Fläche des Wassers die tanzenden Federn.


Doch wenn vom trüben Bereiche des Boreas her es donnert,

Wenn des Eurs und Zephyrs wonniges Haus ertönt, schwimmen

Alle Fluren in vollen Gräben, und jeglicher Schiffer

Auf dem Meere zieht nasse Segel ein. Niemals hat den Vor-

Sichtigen je der Regen getäuscht: denn entweder ihn flohen

Aus den tiefen Tälern aufsteigend die luftigen Kraniche;

Oder das Rind, das den Himmel aufwärts blickt, aus den weiten

Nüstern sog es die Luft; oder die kichernde Schwalbe

Flog um die Teiche herum; und Frösche im alten Schlamm sangen

Wehklagend ihre gewohnte Klage. Öfters auch aus den innersten

Wohnungen hat die Ameise getragen die Eier, den schmalen

Weg zertretend; und es trinkt der gewaltige Regenbogen;

Und von der Weide zurück in geschlossener Heerdenmenge

Krchzte der Krähen gewaltiges Heer mit gefiederten Schwingen.

Schon kannst du sehen die bunten Geflügel des Meeres und jene,

Die um die süßen Gestade im Sumpf von Kaystros sich tummeln,

Wetteifernd reiche Feuchtigkeit auf die Schultern zu gießen,

Nun das Haupt ins Gewässer zu tauchen, nun in die Fluten

Rasch zu laufen, und eifrig im Spiel sich der Wäsche zu freuen!


Nun ruft feindselig die Krähe mit mächtiger Stimme den Regen,

Und allein auf dem trockenen Sande spaziert sie einher.

Auch die nachts an den Weberkewichten beschäftigten Mädchen

Wußten vom Sturm, als sie bei brennender Lampe das Öle

Funkeln sahen, und brüchige Schwämme sich bildend am Docht.


Nicht minder wirst du nach Regenfällen den Sonnenschein und

Heiteren Himmel voraussehen und mit gewissen Zeichen erkennen.

Denn weder scheint dann die Schärfe der Sterne getrübt zu sein;

Auch nicht des Bruders Strahlen entgegenersteht der Mond;

Dünne Fäden der Wolle durchziehen den Himmel als Vlies nicht;

Nicht an der Küste zum lauen Sonnenschein breiten die Federn

Aus die Thetis-Geliebten, die Halcyon; nicht besudelte

Säue gedenken den Schmutz der gelösten Haufen zu werfen;

Sondern Nebel erklimmen die Tiefe und ruhn auf den Feldern;

Und des Sonnenuntergangs Wartende von der höchsten Dachspitze

Müßig übt die Eule den späten nächtlichen Gesang.

Erscheint doch hoch in der klaren Luft der Nisus,

Und für das purpurne Haar zahlt die Strafe Scylla;

Wo immer jene fliehend den leichten Äther durchschneidet

Mit den Schwingen, siehe, der feindliche, grimmige Nisus

Folgt mit gewaltigem Sausen durch die Lüfte; wohin sich Nisus

Schwingt zu den Lüften, jene, die leichte Äther durchschneidet

Fliehend geschwind mit den Schwingen. Dann lassen die Krähen

Klar mit gedrückter Kehle die Stimmen dreimal oder viermal

Laut ertönen; und oft in den hohen Lagern,

Froh durch eine ungewohnte und süße Freude,

Zwischen den Blättern rasseln sie; es freut nach vollbrachten Regenfällen,

Wiederzusehen die kleinen Nachkommen und süßen Nester!


Wahrlich ich glaube nicht, dass göttlicher Herkunft den Tieren

Geist sei oder höhere Klugheit im Lauf der Geschicke;

Sondern wenn Stürme und wechselnder Dunst des Himmels

Wandelten die Bahnen, und Jupiter, feucht von den Südstürmen,

Dicht macht, was eben noch dünn war, und lockert, was eben noch dicht war,

Wandeln sich die Gedanken der Herzen, und andere Regungen fassen

Niemals zuvor, während die Wolken der Wind treibt, die Brüste:

Daraus jener Gesang der Vögel rings auf den Feldern

Stammt, und frohe Herden, und jubelnde Krähen im Hals!


Wenn du aber der schnellen Sonne und folgenden Monden

Ordnungsgemäß nachblickst, wird dich niemals die morgendliche

Stunde täuschen, noch wirst du gefangen von Tücken der ruhigen Nacht.


Wenn der Mond zum ersten Mal das wiederkehrende Licht sammelt,

Wenn er die schwarze Luft in den dunklen Hörnern begreift,

Wird den Bauern und Schiffern gewaltig ein Regenguss drohen.

Doch wenn er jungfräuliche Röte aufs Antlitz verströmt,

Gibt es Wind; vor Winde errötet stets die goldene Phöbe.

Wenn aber im vierten Aufgang (denn dieser ist sicherster Zeuge)

Rein und mit ungetrübten Hörnern er wandelt am Himmel,

Wird jener ganze Tag und die Tage, die aus ihm entspringen

Bis zum Ende des Monats, frei sein von Regnen und Stürmen;

Und die geretteten Schiffer am Strande entrichten die Gelübde

Glaucos und Panopea und dem inäischen Melikertes.


Auch die Sonne, sowohl im Aufgang als wenn in die Wellen

Sie sich taucht, wird Zeichen geben; der Sonne gewisseste Zeichen

Folgen, die sie am Morgen bringt wie im Aufsteigen der Gestirne.

Wenn sie den neugeborenen Aufgang durch Flecken variiert,

Eingehüllt in die Wolke, und in der Mitte des Kreises weicht,

Seien dir Regenfälle verdächtig; denn Not drängt von der Höhe

Her den Bäumen und Saaten und schädlich dem Vieh den Notus.

Oder wenn vor dem Lichte in dichten Wolken die Strahlen

Mannigfach ausbrechen, oder wenn blass sich Tithonos

Gelbes Schlafgemach verlassend Aurora erhebt:

Ach, dann verteidigt die Rebe schlecht die mürben Weintrauben,

So stark springt hagelnd der Hagel im rasselnden Sturz auf den Dächern!


Dies auch, wenn sie schon den gemessenen Olymp verlässt,

Wird es nützen, besser zu wissen: denn oft sehen wir

Auf ihrem Antlitz verschiedene Farben umherirren:

Bläulich kündigt den Regen an, feurig kündigt den Eurus.

Doch wenn Flecken beginnen, sich rötlichem Feuer zu mischen,

Wirst du alles sogleich durch Winde und Regenstürme

Kochen sehen: kein Mensch möge raten, in jener Nacht übers offene

Meer zu fahren, noch das Seil vom Lande zu lösen!

Aber wenn, während sie den Tag bringt und den gebrachten verbirgt,

Glänzend die Scheibe sein wird, wirst du vergeblich vor Regenstürmen

Angst haben, und die Wälder vom klaren Aquilon bewegen sehn.

Endlich, was der späte Abend bringt, von woher ein heiterer

Wind die Wolken treibt, was der feuchte Auster gedenkt,

Wird die Sonne dir Zeichen geben. Wer dürfte der Sonne

Lügen vorwerfen? Sie mahnt oft auch, dass finstere Aufstände

Drängen, Verrat und verdeckte Kriege anschwellen!


Sie hat auch, als Cäsar erloschen war, Mitleidend mit Rom,

Als sie das glänzende Haupt in trübes Eisen verhüllte,

Und die gottlosen Zeiten die ewige Nacht befürchteten;

Obgleich zu jener Zeit auch die Erde und Meere des Meeres,

Schändliche Hunde und unheilvolle Vögel

Zeichen gaben. Wie oft sahen wir in der Kyklopen Äcker

Brodeln, aus zerrissenen Öfen, den Ätna, und Feuerkugeln,

Und geschmolzene Felse wälzen! Den Lärm der Waffen

Hörte ganz Deutschland am Himmel, ungewohnten Erschütterungen

Zitterten die Alpen. Auch eine gewaltige Stimme wurde

Durch die schweigenden Haine gehört, und Gestalten, erbleichend

Wunderlich, wurden gesehen im Dunkel der Nacht; Tiere sprachen,

Unfasslich! Flüsse stehen, und Erden spalten sich;

Und traurig weint in den Tempeln das Elfenbein, und die Bronzen schwitzen.

Hinausgeschwemmt hat im wütenden Strudel die Wälder

Der König der Flüsse Eridanus, und durch alle Felder

Trug er Rinder samt Ställen. Doch zu derselben Zeit

Weder hörten auf bei trüben Opfern die drohenden Adern,

Aus den Brunnen zu rinnen das Blut, und durch die Nächte

Widerzuhallen die Städte mit heulenden Wölfen.

Nie zuvor fielen vom heiteren Himmel so viele

Blitze, noch brannten so oft die schrecklichen Kometen!


Darum sahen Philippi die römischen Heere einander

Wieder begegnen mit gleichen Waffen; und es war den Göttern

Nicht zu gering, dass zweimal durch unser Blut Emathien

Und die breiten Gefilde des Hæmus gedüngt wurden.

Wahrlich, es kommt auch die Zeit, da in jenen Grenzen der Landmann,

Wirkend das Erdreich mit krummem Pfluge,

Nirostzerfressene Spieße mit rauhem Rost findet,

Oder mit schwerem Rechen an leeren Helmen anstösst,

Und die gewaltigen Knochen in ausgegrabenen Gräbern bewundert!


Ihr heimatlichen Götter, und Romulus, und Mutter Vesta,

Die den toskanischen Tiber und Römische Paläste bewahrst,

Diesem Jüngling wenigstens zu helfen in der zerstörten

Zeit verbietet nicht! Lange schon haben wir durch unser Blut

Die Schwüre der Laomedonteischen Troja gebüßt.

Lange schon neidete uns, o Cäsar, der Himmel

Palast, und klagt, dass du dich um Triumphe der Menschen kümmerst:

Wo doch das Recht verkehrt ist und Unrecht; so viele Kriege

In der Welt; so viele Gestalten des Verbrechens; keine

Würde hat der Pflug; es verfällt in Schmutz der entrissene

Acker, und krumme Sicheln werden zu starren Schwertern eingeschmolzen.

Dort bewegt der Euphrat, hier Deutschland den Krieg;

Benachbarte Städte bringen, zerrissene Gesetze unter sich,

Die Waffen; es wütet im ganzen Kreis der unheilige Mars!

Wie, wenn aus den Schranken sich losließen die Viergespanne,

Eilen sie in die Bahn, und vergeblich ziehend die Zügel,

Wird getragen vom Wagenlenker das Pferd, und der Wagen hört nicht auf die Zügel!



ZWEITES BUCH


Bisher sang ich vom Anbau des Felds und den Sternen des Himmels;

Nun will Bacchus ich singen und dich, dazu wuchernde Sträucher,

Waldige, sowie den Spross der erst spät wachsenden Olive.


Komm herab, o Lenäus, du Vater; hier ist ja alles

Voll von Geschenken für dich; dir strotzt von dem pampinösen

Herbst nun der flammende Acker, es schäumt die Vindemie am Rand:

Komm herab, o Lenäus, du Vater; und streif die Kothurne

Von dir ab und färbe mit uns den Most in dem neuen Saft.


Anfangs haben die Bäume verschieden erschaffene Art.

Manche entspringen aus sich, ohne dass sie von Menschen gezwungen

Werden durch eigenen Willen, und halten weithin die Fluren

Und die Flüsse umrundet: wie weiche Siler, biegsam Ginster,

Pappeln und grau an den Fronden blühend die Weidengebüsche.


Andere aber entstehn aus bestelltem Same: so hohe

Kastanien, und die mächtig im Hain für Iupiter frondet,

Eiche, sowie die von den Griechen bewohnten Orakel-Bäume.

Dichteste Wälder quellen hervor aus der Wurzel bei andern:

Wie bei den Kirschen, den Ulmen; auch Parnassus' Lorbeer

Schmiegt sich klein unter den riesigen Schatten der Mutter hervor.

Diese Naturweisen gab sie als erste; von ihnen blüht her ganz

Jeder Stamm der Gehölze, der Sträucher und heiligen Haine.


Andere gibt es, die sich der Gebrauch durch den Weg erst erfand.

Dieser trennt junge Sprossen vom zarten Körper der Mütter

Ab und senkt sie in Furchen; jener begräbt sie im Acker,

Pfählen, viergeteilt, und Wällen aus spitzem Gehölz;

Andere Wälder erwarten gebogene Bögen des Setzlings

Und die lebendige Pflanzung in ihrer eigenen Erde.

Keinerlei Wurzel verlangen die andern, und ohne zu zögern

Reicht der Beschneider die Spitze der Erde und pflanzt sie darein.

Selbst von geschnittenen Stämmen, o Wunder des Wortes! – es treibt fort

Vom trocken hölzernen Kern die olivenfarbene Wurzel.

Oftmals sehen wir auch von dem einen den Ast ganz ungestraft

Sich in den andren verwandeln, verpflanzte Aepfel getauscht

Tragen die Birne, und rot aus Pflaumen leuchten die Kornelkirschen.


Auf denn, lernt nun jegliche eigene Zucht nach der Art kennen,

O Landwirte, und mildert durch Fleiß die wilden Gewächse.

Lasst nicht träge die Erde dort ruhn: es erfreut, auf Ismarus

Bacchus zu pflanzen, und weithin mit Oliven Taburnus zu kleiden.


Komm auch du, und lauf mit im begonnenen Mühen,

O Ruhm, o vom Ruhm mir verdienter größter Teil unsrer,

Mäzen, und gib dich dem weiten, fliegenden Ozean hin.

Nicht ich wünsche, das Ganze mit meinen Versen zu fassen;

Nicht, wenn Zungen mir hundert und Münder zugegen mir wären,

Hölzerne Stimme. Tritt her, lies ab den Rand des Gestads nur;

Erde ist nah in den Händen; nicht halte dich hier mit erdichtetem

Lied auf, noch durch Umwege und gar langweilige Anfänge.


Was sich aus eigener Kraft in den Hauch des Lichtes erhebt,

Wächst zwar unfruchtbar empor, doch fröhlich und kräftig.

Schließlich ruht die Natur im Boden. Doch wenn auch dies einer

Pfropft oder in vorbereitete Gruben verpflanzt hingibt,

Werden sie den wilden Geist ablegen und rasch wie gefordert

Jeder Kunst sich beugen, die man ihnen zuredet.

Auch wer steril an den untersten Stämmen entspringt, wird

Dies tun, ist er ausgebreitet über die leeren Gefilde;

Jetzt noch beschatten das hohe Laub und der Zweige der Mutter,

Nhmens die Früchte dem Wachsenden, brennen den Tragenden ab.


Nun, was sich erhob aus geworfenem Samt an Bäumen,

Kommt erst spät, um den späten Enkeln Schatten zu spenden;

Äpfel entarten, sie haben vergessen die früheren Säfte;

Hässlichen Raub den Vögeln bringt die Traube in Büscheln.

Sicher ist all dies Mühen aufzuwenden, und alle

Zwingen in Furchen, zu bändigen durch vergoldeten Lohn.


Besser jedoch aus Stämmen die Oliven, die Setzlinge Reben,

Myrten antworten fest aus dem Holz der Paphierin.

Auch Kornelkirschen wachsen aus Pflanzung, und mächtige

Esche, sowie des Herkules schattiger Kranzbaum,

Des chaonischen Vaters Eicheln; auch wächst eine steile

Palme herauf, und die Tanne, den Meeressturm zu durchschauen.

Eingepfropft wird wahrlich mit Frucht der Nuss die scheußliche

Erdbeere; unfruchtbare Platanen trugen gewaltige

Äpfel; der Buchenbaum Kastanien, es bleichte die Mehlbeere

Weiß vor Blüten die Birne; und Schweine brachen die Eichel

Unterm Ulmenbaum.


Nicht einfach ist Pfropfen und Aufsetzen von Augen.

Denn wo mitten im Stamm die Knospen drängen, sich rühren,

Und die zarten Häute zerreißen, wird eng in dem Knoten

Selbst eine Bucht: hier schließen den Spross vom fremden Gewächs ein,

Und sie lehren ihn wachsen im feuchten Bast.

Oder es werden die knotenlosen Stämme geschnitten, und hoch

Wird in das Feste die Straße gespalten durch Keile; sodann wird

Fruchtbarer Setzer geschickt: es dauert nicht lange, da stieg fort

Groß in den Himmel der Baum mit glücklichen Ästen, er wundert

Sich über neues Laub und nicht über seine Früchte.


Nicht ferner vermag die Erde stets alles zu tragen.

An den Flüssen wachsen Weiden, an dicken Morasten

Erlen; sterile Kornelkirschen auf felsigen Bergen.

Ufer sind Myrten am liebsten; schließlich liebt Bacchus

Offene Hügel, den Aquilon und die Kälte die Eibe.


Doch nicht die Mederwälder, die reichste Erde,

Nicht der schöne Ganges und der goldtrübe Hermus

Könnten Italiens Lobpreis vergleichen; nicht Baktra,

Indien nicht, noch gänzlich Panchaia, fett an Weihrauchsand.


Diese Stätten hat kein feuerschnaubender Stier umgewendet,

Säen der Schlangen, der ungeheuren Zähne;

Keine Ernte horchte von Helmen und dichten Lanzen der Männer:

Sondern es füllten sie schwere Früchte und Massicus' Saft des

Bacchus; Oliven und fröhliche Herden halten sie fest.

Hier tritt der Kriegergaul aufrecht in das Feld;

Hier die weißen, Clitumnus, Herden und der größte Stier als

Opfer, oft benetzt von deinem heiligen Flusse,

Führten die römischen Triumphe zu den Tempeln der Götter.


Hier ist ständiger Frühling und Sommer in fremden Monaten;

Zweimal tragsame Herden, und zweimal fruchtbarer Apfelbaum.

Aber tollwütige Tiger fehlen und wilde Löwen-

Saaten; uns vergiften auch nicht die Aconiten Sammler;

Nicht reißt riesige Kreise über den Boden, noch zieht in

Schuppiger Spirale sich zusammen die Schlange.


Füge so edle Städte dazu und das Mühen der Werke,

So vom Fels heraufgeballte Städte mit Hand,

Flüsse, die unter den alten Mauern hingleiten.

Soll ich das Meer, das obere, nennen, das untere spült?

Oder so große Seen? Dich, größter Larius, dich auch,

Benacus, der du mit Wogen und Rauschen dem Meere gleichkommst?

Oder soll Häfen ich nennen und Lucrinus' gebaute Dämme,

Und das Meer, das ergrimmt mit gewaltigem Rauschen,

Wo die julische Welle zurückgeworfen im Meere tönt,

Und der tyrrhenische Strom in Avernus' Engen geschickt wird?


Dieses zeigt auch Silberbäche und Erze an Metallen

In den Adern und floss dahin im reichsten Gold.

Dieses erzeugte ein scharfes Volk von Männern, die Marser,

Sabellische Jugend, an Mühsal gewöhnt den Ligurer,

Volsker mit Wurfspieß; dies Decius' Söhne, den Marius,

Große Camilli, Scipionen, im Kriege hart, und dich,

Größter Cäsar, der du jetzt, siegreich in den äußersten Rändern

Asiens, friedlos abwendest Indiens Volk vom römischen Bogen.


Sei gegrüßt, Saturnienland, du große Gebärerin

Früchte und Männer: dir greif ich zu Werken uralten

Ruhms und zu Künsten, ich wage es, heilige Quellen zu öffnen,

Askräisches Lied sing ich durch römische Städte.


Nun der Platz für der Fluren Eigenschaften: welche Härte zu jedem,

Welche Farbe, und welche Natur sie tragen zu können.

Schwere Böden zuerst und unschöne Hügel,

Wo dünner Ton ist und Kies auf den dornigen Äckern,

Freuen sich Palladias Wald der langlebigen Olive.

Dafür ist Zeichen, dass in demselben Strich reichlich

Der wilde Ölbaum sprießt, und die Felder voll Beeren des Waldes.

Doch wo fette Erde ist, froh durch süße Nässe,

Und wo reich an Kräutern und fruchtbar der Acker an Euter,

Wie wir oft in der Höhlung des Berges Tals zu erblicken

Gepflegt sind (dorthin rinnen von Felsgipfeln Wässer,

Und ziehen glücklichen Schlamm); und welcher dem Süden sich öffnet,

Und den Farn speist, feind den krummen Pflügen,

Dieser wird dir einst ganz gewaltige, strömende Reben

Bacchus genügen; voll Früchte wird dieser und Saft sein,

Wie wir den Trank aus Schalen und Gold ihm libieren,

Wann das tyrrhenische Horn füllig geblasen am Altar,

Und wir brennende Eingeweide auf welligen Schalen zurückgehn.


Willst du Herden vielmehr und die Pflege von Kälbern erstreben,

Oder die Zucht von Schafen, oder Beißer von Ziegen, die brennen,

Suche die Weiden auf und die Fernen des satten Tarentum,

Sowie die Flur, die Mantua einst in dem Unglück verlor,

Welche die schwanenreine Herde am kräutrigen Strom nährt.

Nicht werden flüssige Quellen den Herden fehlen, noch Gräser;

Und wie viel die Herde verzehrt an den langen Tagen,

So viel wird der kühle Retau in der kurzen Nacht wiedergeben.


Schwarze Erde meistens und fett unter drückendem Pflugschar,

Deren Boden porös (denn dies ahmen wir nach durch das Pflügen),

Ist für Getreide am besten: von keiner Fläche wirst du sehn

Mehr in die Heimat mit langsamen Ochsen die Wagen zurückgehn;

Oder wo der erhitzte Pflüger den Wald weggeführt hat,

Haine gestürzt nach langen und trägvergangenen Jahren,

Alte Behausungen jener Vögel samt inneren Wurzeln

Ausgerissen: jene verließen die Nester und suchten die Höhe;

Aber der rohe Acker erglänzte vom getriebenen Pflugschär.


Denn karg wahrhaftig der Kiesel des hügeligen Landes

Spendest den Bienen kaum dürftige Kasie und Tau nur;

Schorfiger Tuff und mit schwarzen verzehrten Schlangen die Kreide:

Keine andern Äcrae leugnen so gleich den Schlangen

Süße Nahrung zu bringen, und krumme Verstecke zu bieten.


Wer da feinen Nebel und fliegende Dämpfe aushaucht,

Und den Saft trinkt und, wann immer sie will, von sich gibt;

Wer sich immer mit grünem Grase verkleidet,

Und das Eisen nicht schädigt mit Schorf und salzigem Rost:

Diese wird dir mit frohen Reben die Ulmen umflechten;

Diese ist fruchtbar für Oliven; du wirst sie erproben beim Anbau,

Freundlich dem Vieh und duldsam dem krummen Gewände des Schärs.

Solche beackert die reiche Capua und nah am Vesuvius

Der Saum, und der Clanius, der ungleich den leeren Acerren.


Nun, woran du jegliche Art kannst erkennen, will ich sagen:

Ob sie selten ist, oder dichter als Brauch, magst du fragen;

Denn die eine begünstigt das Korn, die andre den Bacchus,

Dichter der Ceres, die allerselteste liebt sie Lyäus:


Vor dem Ort wirst du mit Augen erfassen und tief befehlen

Auf dem festen Grund einen Brunnen zu senken, und jegliche Erde

Wieder hineinzutun, und mit Füßen den oberen Sand eben.

Fehlt sie, so wird es ein seltener Boden sein, dem Vieh und den edlen Reben

Tauglicher; weist sie zurück in die eigenen Stätten

Zu gehn, und nach gefüllten Gruben die Erde noch übersteht,

Ist es dichter Acker: erwarte zögernde Schollen

Und dicke Rücken, und brich mit starken Ochsen den Boden.


Salzige Erde jedoch und jene, die bitter geheißen,

Unglücklich für Früchte (sie wird durch Pflügen nicht milde,

Behält nicht den Artnamen für Bacchus oder die Äpfel):

Solch ein Beispiel gibt sie: du nimm dir aus dichtem Geflecht Körbe

Und Pressenfilze von rauchigen Dächern herunter;

Hier soll jener schlechte Acker und süßes Wasser von Quellen

Ganz voll eingestampft werden: das Wasser wird sichtlich entrinnen,

Große Tropfen werden durch das Geflecht hindurchgehen;

Aber der deutliche Geschmack wird das Kennzeichen machen, und bitter

Wird er die traurigen Münder der Prüfenden quälen mit Sinn.


Fette Erde gleichfalls, welche sie ist, auf diese Art letztlich

Lernen wir kennen: sie bricht nie auseinander, wenn Hände sie werfen,

Sondern sie klebt an den Fingern wie Pech beim Berühren.


Feuchte nährt größere Kräuter, und selber ist sie zu froh zu sehr:

Ach! O dass sie mir nur nicht allzu fruchtbar erscheine,

Oder zu kräftig sich zeige in den ersten Ähren!


Wer da schwer ist, verrät sich durch das eigene Gewicht still,

Wer da leicht ist. Leicht ist es, die schwarze mit Augen zu prüfen,

Und welch Farbe zu welcher: doch das schädliche Frost-Klima zu erforschen

Ist schwer; nur die Fichten und schädlichen Eiben

Manchmal oder schwarze Efeus verraten Spuren.


Nachdem dies beachtet, gedenke die Erde viel früher

Auszuheizen und große Berge in Gruben zu spalten,

Vorher die umgewendeten Schollen dem Aquilon zu zeigen,

Ehe du die fröhliche Art der Rebe einpflanzt. Die besten

Äcker in porösem Boden; dafür sorgen Winde und kalte Reiffröste,

Und der robuste Gräber, der die gelockerten Schollen bewegt.


Aber wenn einige Männer keine Wachsamkeit meidet,

Suchen sie vorher ähnlichen Ort, wo die erste Saat bereitet

Wird für die Bäume, und wohin sie als bald verteilter getragen,

Dass die Setzlinge nicht plötzlich die veränderte Mutter nicht kennen.

Ja, sie zeichnen sogar die Himmelsgegend in der Rinde,

Damit sie wiederherstellen, wie jegliche gestanden, von welcher Seite

Sie die wärmeren Sonnen des Austers ertrug, welche Rücken sie

Dem Pol zuwandte: so viel gilt das Gewöhnen in jungen Jahren!


Ob es besser sei, auf Hügeln oder in der Ebene Reben zu setzen,

Frage zuvor. Wenn du fette Äcker der Ebene abmisst,

Säe dicht: im dichten Boden ist Bacchus nicht träger;

Ist der Boden aber geneigt zu Hügeln und abfallenden Hängen,

Gönne ihnen Abstände: doch soll im Einklang jeglicher Weg

Bei gesetzten Bäumen nach geschnittenem Grenzstrich quadrieren.


Wie oft, wenn in großem Krieg die lange Kohorte

Eine Legion entfaltete und das Heer im offenen Feld stand,

Gereihzte Schlachten, und weit schwankt die ganze

Erde mit glänzendem Erz, und noch mischen die rauen

Kämpfe sich nicht, sondern unsicher irrt Mars in mittleren Waffen:

So sollen alle durch gleiche Abstände der Wege vermessen sein;

Nicht nur damit der Anblick den eitlen Sinn weide;

Sonst wird die Erde nicht anders allen gleiche Kräfte

Geben, noch werden die Äste sich ins Leere ausdehnen können.


Vielleicht magst du auch fragen nach der Tiefe der Gruben.

Ich würde wagen, die Rebe auch in eine dünne Furche zu geben;

Tiefer und tief drinnen in die Erde wird der Baum befestigt,

Die Eschen vor allem, die so weit mit dem Wipfel zu den ätherischen Lüften

Strebt, so weit mit der Wurzel zum Tartarus reicht.

Deshalb brechen sie keine Stürme, keine Winde noch Regenfälle;

Unbewegt bleibt sie, und viele Enkel,

Viele Zeitalter von Männern übersteht sie durch Dauer;

Dann weite, starke Äste und Arme hier und dort

Ausstreckend, hält sie selbst in der Mitte den riesigen Schatten.


Weder sollen deine Weinberge zur untergehenden Sonne sich neigen;

Noch säe zwischen den Reben die Hasel; noch suche die obersten

Zweige, oder streife die obersten Setzlinge von dem Baum ab:

So groß ist die Liebe zur Erde! Weder verletze mit stumpfem Eisen

Die Setzlinge; noch pfropfe die Stämme wilder Oliven.

Denn oft entgleitet unvorsichtigen Hirten das Feuer,

Welches, heimlich zuerst unter fetter Rinde versteckt,

Die Eichen ergreift, und in die hohen Fronden entwichen

Gibt es ein gewaltiges Rauschen zum Himmel; von dort an

Herrscht es, dem Sieger gleich, durch Zweige und hohe Wipfel,

Und hüllt den ganzen Hain in Flammen, und eilt als schwarze

Wolkensäule zum Himmel mit pechschwarzem Qualm;

Vor allem wenn der Sturm von der Spitze auf die Wälder

Sich niederwarf, und der Wind, der den Brand weiterträgt, ihn ballert.

Wenn dies geschieht, vermögen sie nicht vom Stamm abgeschnitten

Zurückzukehren, und unten ähnlich im Boden wiederzuentrünen:

Der unglückliche wilde Ölbaum überlebt mit bitteren Blättern.


Niemand so kluger Urheber überrede dich auch,

Die steife Erde bei blasendem Boreas zu bewegen.

Die Hiemis schließt dann die Flur mit Frost, noch leidet sie,

Dass nach geworfener Saat die starre Wurzel sich an die Erde heftet.

Beste Saat für Weinberge, wenn im errötenden Frühling

Der weiße Vogel kommt, den langen Schlangen verhasst;

Oder zum ersten Frost des Herbstes, wenn die schnelle Sonne

Noch nicht die Hiemis mit Rossen berührt, der Sommer schon vorbeigeht.


Der Frühling wahrlich ist dem Laub der Haine nützlich, der Frühling den Wäldern;

Im Frühling schwellen die Erden und fordern zeugende Samen;

Dann steigt der allmächtige Vater Äther mit fruchtbaren Regen

In den Schoß der frohen Gattin herab, und groß,

Mischend sich mit dem großen Körper, nährt er alle Früchte.

Die abgelegenen Büsche dröhnen dann von singenden Vögeln,

Und die Herden wiederholen die Venus an festen Tagen.

Der nährende Acker gebiert; und mit warmen Lüften der Zephyri

Erweitern die Fluren ihren Schoß; zarter Saft überwiegt bei allen;

Und unter neuen Sonnen wagen die Gräser sich sicher

Zu vertrauen, noch fürchtet die Rebe den aufsteigenden Auster,

Oder den vom Himmel durch große Aquilonen getätigten Regen;

Sondern sie treibt Knospen und entfaltet all ihr Laub.


Nicht würde ich glauben, dass an den ersten Tagen des wachsenden Mundus

Andere leuchteten, oder einen anderen Kurs innehatten:

Frühling war das; den Frühling führte die große

Welt, und die Eurustürme schonten die winterlichen Winde,

Als die ersten Herden das Licht tranken, und das eiserne Geschlecht

Der Männer das Haupt aus harten Äckern erhob,

Und die wilden Tiere in die Wälder geschickt wurden und die Gestirne an den Himmel.

Nicht könnten die zarten Dinge diesen Mühen standhalten,

Wenn nicht sanfte Ruhe ginge zwischen Frost und Hitze,

Und die Milde des Himmels die Erden aufnähme.


Übrigens: welche Reiser immer du im Feld einpflanzt,

Dünge sie mit feuchtem Mist und vergrabe sie eingedenk mit viel Erde;

Oder vergrabe einen saugenden Stein oder schmutzige Muscheln.

Denn dazwischen werden Gewässer gleiten und dünner Hauch eindringen,

Und die Saaten werden neuen Mut fassen. Und schon wurden welche gefunden,

Die sie über Stein und dem Gewicht einer großen Tonscherbe

Drückten: dies ist ein Schutz gegen ergiebige Regengüsse;

Dies, wenn der hitzige Hundsstern die klaffenden Äcker vor Durst spaltet.


Nach dem Setzen der Keime bleibt übrig, die Erde öfter

Zu den Stämmen hinzuführen und die harten Bidenten zu werfen;

Oder den Boden unter dem drückenden Pflugschär zu bearbeiten,

Und unter den Weinbergen ringende Ochsen selbst zu lenken;

Dann leichte Rohre und Spieße aus geschälter Rute,

Und eschene Pfähle, und zweihörnige Gabeln anzupassen,

Auf deren Kräfte sie zu kämpfen und die Winde zu verachten

Sich gewöhnen, und den obersten Ulmen auf Etagen zu folgen.


Und solange das erste Alter mit neuem Laub heranwächst,

Muss man die Zarten schonen; und solange sich der frohe

Trieb den Lüften darbietet, losgelassen mit lockeren Zügeln,

Soll er noch nicht mit der Schneide der Sichel versucht werden,

Sondern mit krummen Händen abgepflückt und dazwischen ausgelesen werden.

Von da an, wenn sie sich schon mit starken Stämmen die Ulmen

Umschlungen hervorgetan haben, dann streife das Laub ab, dann schneide die Arme;

Vorher fürchten sie das Eisen; erst dann übe strenge

Befehle aus und zähme die fließenden Zweige.


Zäune müssen auch sein, und die Herde ganz ferngehalten,

Vorher vor allem, solange das Laub zart ist und unkundig der Mühen:

Diesen tun, über unwürdige Winter und mächtige Sonne hinaus,

Wildschweine unaufhörlich und herandrängende Ziegen

Gefallen, gierige Schafe und hungrige Rinder zu schaffen.

Kriechender Frost nicht so sehr mit weißem Frostkorn,

Oder der schwere Sommer, der auf trockenen Felsen lastet,

Wie jene Herden geschadet, das Gift des harten Gebisses,

Und die Narbe, die eingeprägt ist im angebissenen Stamm.


Nicht wegen einer andern Schuld wird der Ziegenbock Bacchus

Auf allen Altären geopfert, und alte Spiele betreten

Die Proszen, und Preise für Genie, rings um Dörfer und Wege,

Setzten die Theseiden, und froh zwischen Bechern

Auf weichen Wiesen tanzten sie auf den gefetteten Schläuchen.

Auch die ausonischen Bauern, von Troja gesendete Rasse,

Spielen in ungefeilten Versen mit freiem Lächeln,

Und nehmen Gesichter, die schrecklich aus ausgehöhlter Rinde sind;

Und dich, Bacchus, rufen sie durch fröhliche Lieder, und dir

Hängen sie weiche Masken von der hohen Pinie auf.

Von hier schwillt jeder Weinberg mit reicher Ernte;

Gefüllt werden hohle Täler und tiefe Haine,

Und wohin der Gott sein ehrwürdiges Haupt rings bewegt hat.

Drum ziemend werden wir Bacchus seine Ehre besingen

In vaterländischen Liedern, und Schalen und Opferkuchen bringen;

Und am Horn geführt wird der heilige Bock am Altar stehn,

Und wir werden die fetten Eingeweide auf Haselnussspießen rösten.


Es gibt auch jene andere Mühe bei der Pflege der Reben,

Wessen niemals genug erschöpft ist: denn jeglicher Boden

Muss alljährlich dreimal und viermal geschnitten werden, und die Scholle

Mit gewendeten Bidenten ewig gebrochen; jeder Hain von Laub

Erleichtert werden. Die Arbeit kehrt im Kreis zurück für die Bauern,

Und in sich selbst wälzt sich das Jahr durch eigene Spuren:

Und schon längst, wenn die späte Rebe das Laub abgeworfen hat,

Und der kalte Aquilon den Glanz aus den Wäldern geschüttelt,

Schon dann dehnt der scharfe Landwirt die Sorgen in das kommende Jahr aus,

Und verfolgt die zurückgelassene Rebe mit dem krummen Zahn

Des Saturn, und beschneidet sie durch Zähmen.

Erster grabe den Boden, erster verbrenne die weggetragenen

Ranken, und erster bringe die Pfähle unter die Dächer zurück;

Letzter ernte. Zweimal überfällt den Reben der Schatten;

Zweimal bedecken die Kräuter die Saat mit dichten Dornen:

Beide Mühen sind hart. Lobe die riesigen Äcker,

Beackere einen kleinen. Nicht weniger wird auch der raue

Dunstginster durch den Wald, und das Fluss-Schilf an den Ufern

Geschnitten, und die Pflege des unkultivierten Weidengebüschs betreibt.

Schon sind die Reben gebunden; schon legen die Buschwerke die Sichel ab;

Schon singt der erschöpfte Winzer die letzten Ränder:

Dennoch muss die Erde erregt werden, und Staub bewegt werden,

Und schon droht den reifen Trauben Jupiter.


Dagegen ist keine Pflege für Oliven; noch erwarten jene

Die krumme Sichel und zähen Rechen,

Wenn sie einmal auf den Äckern gehaftet haben und die Lüfte ertrugen.

Die Erde selbst reicht genug Nahrung, wenn sie mit dem krummen

Zahn geöffnet wird, und schwere Früchte mit der Pflugschare.

Nähre so die fette und dem Frieden gefällige Olive.


Äpfel auch, sobald sie die starken Stämme gespürt

Und ihre Kräfte gehabt haben, streben rasch zu den Sternen

Durch eigene Kraft, und sind keineswegs unserer Hilfe bedürftig.

Nicht weniger unterdessen wird jeder Hain schwer von Früchten,

Und unbebaute Vogelheime erröten mit blutroten Beeren.

Cytisus wird geschoren; die hohe Tanne spendet Fackeln,

Und nächtliche Feuer nähren sich und strahlen Lichter aus.

Und da zögern Menschen zu säen und Pflege aufzuwenden!


Was soll ich größeren nachgehen? Weiden und niedrige Ginster,

Entweder reichen sie den Herden Laub, oder den Hirten Schatten,

Und den Saaten einen Zaun und dem Honig Futter.


Und es erfreut, den mit Buchsbaum überströmenden Cytorus zu betrachten,

Die Haine des narykischen Pechs: es erfreut, Äcker zu sehen,

Die keinen Rechen, keine Mühe von Menschen gewohnt sind.

Selbst auf dem kaukasischen Gipfel die sterilen Wälder,

Die die stürmischen Eurusse unaufhörlich brechen und tragen,

Geben eine andere Frucht nach der andern, geben nützliches Holz,

Für Schiffe Pinien, für Häuser Zedern und Zypressen;

Hieraus drehten die Landwirte Radspeichen, hieraus Trommeln für Karren,

Und setzten krumme Kiele für Schiffe.

Weiden sind fruchtbar für Ruten, Ulmen für Laub;

Aber Myrte für starke Speere, und Kornelkirsche, gut für den Krieg;

Ityräische Bogen werden aus Eiben gebogen.

Leichte Linden oder der mit der Drehbank geschälte Buchsbaum

Nehmen auch Form an, und werden mit scharfem Eisen ausgehöhlt;

Nicht weniger schwimmt auch die leichte Erle auf der reißenden Welle,

Vom Po gesandt; nicht weniger gründen auch Bienen Schwärme

In hohlen Rinden und im Bauch der schadhaften Eiche.

Haben die Bacchischen Gaben jemals Gleiches hervorgebracht?

Bacchus gab sogar Ursachen zur Schuld: er bezwang

Furiose Zentauren zum Tod, Rhoetus und Pholus,

Und Hylaeus, der den Lapithen mit dem großen Krater drohte.


O viel zu glücklich, wenn sie ihre Güter kennten,

Die Landwirte! Denen die gerechteste Erde, fern von feindlichen Waffen,

Leicht den Lebensunterhalt aus dem Boden schenkt.

Wenn nicht die hohe Halle von stolzen Türen am Morgen

Eine Welle von Grüßenden aus allen Hallen erbricht;

Nicht auf verschiedene Türpfosten mit schönem Schildpatt gaffen,

Mit Gold getäuschte Kleider, und ephyreische Erze,

Weißer Wolle auch nicht gefärbt mit assyrischem Gift,

Noch die Nutzung des flüssigen Olivenöls durch Kasie verdorben wird:

Sondern sichere Ruhe, und ein Leben, das nicht weiß zu täuschen,

Reich an verschiedenem Reichtum; sondern Müßiggang in breiten Gütern,

Höhlen und lebendige Seen; sondern kühle Tempe,

Das Brüllen der Rinder und sanfter Schlaf unter dem Baum

Fehlen nicht. Dort sind Weiden und Verstecke der wilden Tiere,

Und eine an Arbeit gewöhnte und an Weniges gewohnte Jugend,

Heiligtümer der Götter und heilige Väter; die äußerste Justiz,

Als sie von den Erden wich, hat ihre Spuren dort hinterlassen.


Mich aber sollen zuerst vor allen die süßen Musen,

Derer heilige Weihe ich trage, geschlagen von gewaltiger Liebe,

Empfangen und die Wege des Himmels und die Gestirne zeigen,

Die verschiedenen Finsternisse der Sonne, und die Mühen des Mondes;

Woher das Beben den Erden; mit welcher Kraft die hohen Meere anschwellen,

Wenn die Dämme gebrochen sind, und wieder in sich selbst zusammensinken;

Warum die winterlichen Sonnen so sehr eilen, sich in den Ozean

Zu tauchen, oder welche Verzögerung den langen Nächten im Weg steht.

Wenn aber, damit ich diese Teile der Natur nicht erreichen kann,

Das kalte Blut um die Brust herum im Wege steht,

So sollen mir ländliche Fluren und bewässerte Bäche in den Tälern gefallen;

Flüsse und Wälder soll ich unberühmt lieben. O wo sind die Felder,

Und Sperchius, und die von lakedämonischen Jungfrauen verehrten

Taygeten! O wer setzt mich in den kühlen Tälern des Hämus

Ab, und schützt mich mit dem riesigen Schatten der Zweige!


Glücklich, wer die Ursachen der Dinge erkennen konnte,

Und alle Furcht, und das unerbittliche Schicksal

Unter die Füße warf, und das Rauschen des gierigen Acheron!

Glücklich auch jener, der die ländlichen Götter kennt,

Pan und den alten Silvanus und die schwesterlichen Nymphen!

Ihn haben nicht die Ruten des Volkes, nicht der Purpur der Könige

Gefleckt, noch die treulose Brüder treibende Zwietracht,

Oder der vom verschworenen Ister herabsteigende Daker;

Nicht die römischen Dinge, noch die untergehenden Reiche; noch hat er

Mitleidig betrauert den Armen, noch den Habenden beneidet.

Welche Früchte die Äste, welche die gutwilligen Fluren

Aus sich selbst frei pflückten, hat er geerntet; er sah keine eisernen Gesetze,

Kein wahnsinniges Forum, noch die Urkundenbücher des Volkes.


Andere stören finstere Meere mit Rudern, und stürzen

In das Eisen; sie dringen in Höfe und Schwellen der Könige ein.

Dieser strebt nach dem Untergang einer Stadt und miserablen Penaten,

Damit er aus Edelstein trinkt und in sarranischem Purpur schläft;

Ein anderer häuft Reichtümer auf, und brütet auf vergrabenem Gold.

Er starrt betäubt auf die Rednertribünen; diesen hat das Jubeln,

Das durch die Reihen zwiefach von Plebs und Patriziern erscholl,

Mitgerissen. Sie freuen sich, die mit dem Blut von Brüdern befleckt sind,

Und tauschen durch das Exil die Häuser und süßen Schwellen ein,

Und suchen unter einer anderen Sonne eine liegende Heimat.

Der Landwirt hat die Erde mit dem krummen Pflug bewegt:

Hieraus die Mühe des Jahres; hieraus erhält er die Heimat und die kleinen Enkel,

Hieraus die Rinderherden und die verdienten Jungtiere.

Keine Ruhe, es sei denn, das Jahr überströmt von Äpfeln,

Oder vom Nachwuchs der Herden, oder der Garbe des Zeres-Halms,

Und er belädt die Furchen mit Ertrag und übertrifft die Scheunen.

Der Winter kommt: die sicyonische Beere wird in den Ölpressen gerieben;

Mit Eichel kehren die glücklichen Schweine zurück; Erdbeeren geben die Wälder;

Und den verschiedensten Ertrag legt der Herbst hin, und hoch

Wird die milde Vindemie auf sonnigen Felsen gekocht.

Unterdessen hängen süße Kinder um die Küsse;

Das keusche Haus bewahrt die Schamhaftigkeit; die Euter der Kühe

Senken die Milch herab, und fette Ziegen kämpfen auf dem frohen Gras

Unter sich mit entgegengesetzten Hörnern.

Er selbst hält die Festtage ab: und hingestreckt über das Gras,

Wo das Feuer in der Mitte ist, und Gefährten den Krater krönen,

Ruft er dich, Lenäus, und libiert; und für die Meister des Viehs

Setzt er Wettkämpfe mit dem schnellen Wurfspeer an die Ulme;

Und entblößt die stahlharten Körper in der ländlichen Palästra.


Dieses Leben pflegten einst die alten Sabiner,

Dieses Remus und sein Bruder; so wuchs die starke Etruria

Offensichtlich, und Rom wurde das schönste Ding der Dinge,

Und umgab sich allein mit einer Mauer um sieben Burgen.

Sogar vor dem Zepter des diktäischen Königs, und bevor

Das unfromme Geschlecht mit geschlachteten Jungtieren schmauste,

Agihrte der goldene Saturn dieses Leben auf den Erden.

Noch hatten sie damals nicht gehört, dass Kriegstrompeten geblasen werden,

Noch dass Schwerter, auf harte Ambosse gelegt, rasseln.


Aber wir haben das an Weiten unermessliche Feld vollendet,

Und schon ist es Zeit, den dampfenden Nacken der Pferde zu lösen.



DRITTES BUCH


Auch dich, mächtige Pales, und dich, den besungenen Hirten

vom Amphrysos, will ich besingen, euch, Wälder und Auen

Lykaios! Was sonst noch Gemüter in leeren Gedanken

fesseln mochte, das alles ist längst bekannt und besungen:

Wer kennt nicht den strengen Eurystheus, den tadelnswerten

Busiris und dessen Altäre? Wem bliebe der Knabe

Hylas verschwiegen, und Delos, die Insel der Leto?

Hippodameia, und Pelops, ausgezeichnet durch elfenbeinerne Schulter,

tapfer bei Rossen? Man muss einen Pfad wagen, der auch mich

trägt von der Erde und mich als Sieger fliegen lässt durch der Männer Munde!

Als Erster will ich in mein Vaterland mit mir, wenn nur das Leben mir bleibt,

einst vom aonischen Gipfel herabziehend die Musen lenken;

als Erster will ich dir, Mantua, idumäische Palmen bringen

und auf grünem Gefilde einen Tempel aus Marmor errichten

dicht am Wasser, wo der gewaltige Mincius in zögernden Krümmungen irrt

und die Ufer mit zartem Schilf umflext. In der Mitte

wird mir Cäsar sein und den Tempel besitzen. Ihm werde ich als Sieger,

schauend in tyrischem Purpur, hundert vierspännige Wagen

lenken an die Ströme. Mir zulieb wird ganz Griechenland,

während es den Alpheos und die Haine des Molorchos verlässt,

in Wettläufen wetteifern und mit dem rohen Kastos.

Ich selbst, das Haupt mit den Blättern des geschorenen Ölbaums geschmückt,

werde Gaben bringen. Schon jetzt erfreut es mich, feierliche

Pomps zu den Heiligtümern zu führen und geschlachtete Rinder zu sehen;

oder wie die Bühne sich öffnet mit gewendeten Fronten, und wie

die purpurnen, eingewebten Vorhänge die Briten erheben.

Auf den Tüflen will ich den Kampf aus goldener und solider Pracht

machen vom Ganges, und die Waffen des siegreichen Quirinus;

und hier den mit Krieg wogenden, mächtig fließenden

Nilos, und die aus ehernem Schiffswerk emporsteigenden Säulen.

Hinzufügen will ich die bezwungenen Städte Asiens und den vertriebenen Niphates,

und den Parther, der auf Flucht vertraut und auf gewendete Pfeile,

und zwei Trophäen, mit der Hand geraubt aus verschiedenen Feinden,

und zweifach triumphierte Völker von beiden Gestaden.

Stehen werden auch parische Steine, atmete Statuen,

die Sprossen des Assaracus und die Namen des vom Zeus

abstammen Geschlechts, und der Ahnherr Tros, und der cynthische Urheber Trojas.

Die unglückliche Neidische wird die Furien und den strengen Fluss

des Cocytos fürchten, und die gedrehten Schlangen des Ixion,

und das ungeheure Rad, und den unüberwindlichen Felsen.


Unterdessen wollen wir den unberührten Wäldern der Dryaden

und den Hainen folgen: deine, Mäkänas, gar nicht weichen Befehle.

Ohne dich beginnt der Sinn nichts Großes. Wohlgauf, Brich

träge Zögerungen; es ruft mit gewaltigem Geschrei Kithairon,

und die Hunde des Taygetos, und das pferdbändigende Epidauros,

und die Stimme, verdoppelt durch den Widerhall der Haine, brüllt zurück.

Bald dennoch werde ich mich brennen rüsten, die brennenden Kriege

Cäsars zu verkünden und den Namen durch so viele Jahre zu tragen,

wie viele von Tithonos erstem Ursprung Cäsar entfernt ist.


Oder wer, da er die Preise des olympischen Siegs bewundert,

Pferde nährt, oder wer starke Jungrinder an den Pflug,

wähle vor allem die Körper der Mütter. Die beste Gestalt

einer wildblickenden Kuh ist: wem der Kopf unschön, wem der Hals mächtig,

und bis zu den Schenken vom Kinn die Wamme herabhängt;

dann gibt es kein Maß für die lange Flanke; alles ist groß,

sogar der Fuß, und behaarte Ohren unter den hohlen Hörnern.

Auch misfiele mir nicht eine mit Flecken und Weiß ausgezeichnete,

oder die sich dem Joch entzieht, bisweilen auch streng mit dem Horn ist,

und dem Stier im Antlitz näher; und welche ganz aufrecht ist,

und im Gehen die letzten Fußspuren mit dem Schwanz fegt.


Das Alter für Lucina und die gerechten Hochzeiten

hört vor zehn Jahren auf, nach vier Jahren fängt es an;

die übrige weder für die Zucht fähig, noch stark zum Pflug.

Unterdessen, solange die glückliche Jugend in den Herden überquillt,

lasse die Männchen frei; schicke als Erster die Viehherden in die Venus

und erzeuge eine Nachkommenschaft aus der anderen folgend.


Die jeweils beste Zeit des Lebens für die elenden Sterblichen

flieht als Erste: es schleichen Krankheiten heran, und das traurige Alter,

und die Mühe, und die Unbarmherzigkeit des harten Todes reißt sie fort.


Stets wird es solche geben, deren Körper du zu ändern wünschst:

stets erneuere sie denn; und damit du sie nicht nach dem Verlust suchst,

komm zuvor und wähle die Nachkommenschaft für die Herde jedes Jahr aus.


Nicht anders ist auch die gleiche Auswahl für das Pferdegeschlecht.

Du aber, welche du in die Hoffnung zu setzen gedenkst für die Fortpflanzung des Stammes,

wende schon von den zarten an die vorzügliche Mühe.

Sofort geht das Fohlen des edlen Viehs in den Fluren

höher einher und setzt die weichen Beine zurück.

Als Erster wagt es, den Weg zu gehen und die drohenden Flüsse

zu versuchen, und sich dem unbekannten Meer anzuvertrauen;

und es scheut nicht vergebliche Geräusche. Ihm ist der Hals aufrecht,

und der ausdrucksvolle Kopf, der kurze Bauch und der dicke Rücken;

und das mutige Brustbein prangt voll von Muskeln. Ehrenvoll sind

die Falben und Blauen; die schlechteste Farbe ist Weiß und Gelb.

Wenn dann irgendeine ferne Waffen Lärm gaben,

weiß es nicht am Ort zu stehen, es zuckt mit den Ohren, zittert an den Gliedern,

und schnaubend wälzt es das gesammelte Feuer unter den Nüstern.

Die Mähne ist dicht, und die geschwungene ruht auf der rechten Schulter.

Aber ein doppelter Rücken zieht sich durch die Lenden; es höhlt

die Erde und klingt gewichtig mit dem soliden hornigen Huf.

Solcher Art war der vom Amykäer Pollux bezwungene

Cyllarus, und der, welcher die griechischen Dichter gedachten,

die zweigespannten Rosse des Mars und der Wagen des großen Achilleus:

Solcher Art schüttete auch selbst die Mähne vom Rosshals

der eilige Saturn beim Anblick der Gemahlin, und floh

und füllte den hohen Pelion mit spitzem Wiehern.


Diesen auch, wenn er entweder von Krankheit schwer oder schon langsamer durch Jahre

dahinschwindet, verberge im Haus; und verschone nicht das hässliche Alter.

Kalt zur Venus schleppt der Ältere nutzlos die undankbare

Mühe dahin; und wenn es einmal zum Kampf gekommen ist,

wutet er vergeblich, wie einst in den Stoppeln ein großes Feuer ohne Kräfte.

Darum wirst du Geist und Alter vor allem

beachten: daher die anderen Künste und die Nachkommenschaft der Eltern,

und welcher Schmerz jedem beim Sieg ist, welche Ehre der Palme.

Siehst du nicht, wenn sie im steilen Wettkampf das Feld

ergriffen haben, und die losgelassenen Wagen stürmen;

wenn die Hoffnungen der Jünglinge aufrecht sind, und das pochende Herz

der springende Schreck verschlingt? Jene dringen mit gedrehter Peitsche vor,

und gebeugt geben sie die Zügel; die heiße Achse fliegt von Kraft:

schon niedrig, schon erhaben oben scheinen sie

durch die leere Luft getragen zu werden und sich in die Lüfte zu erheben;

keine Verzögerung, keine Ruhe. Aber eine Wolke von gelbem Sand

wird emporgehoben; sie feuchten von Schaum und dem Atem der Nachfolgenden:

So groß ist die Liebe zum Ruhm, so groß ist die Sorge um den Sieg!


Als Erster wagte Erichthonius die Wagen und vier

Pferde zu paaren und als Sieger auf den schnellen Rädern zu stehen.

Die Zügel und Kreise gaben die pelethronischen Lapithen,

indem sie auf den Rücken gesetzt wurden, und sie lehrten den Reiter unter Waffen

auf den Boden zu springen und die stolzen Tritte zu ballen.

Gleich ist beide Mühe; gleichermaßen suchen die Meister

einen Jüngling, heiß an Geist und scharf in den Läufen;

auch wenn er oft in der Flucht die gewendeten Feinde vertrieben hat,

und das väterliche Epirus und die starken Mykenä nennt,

und sein Geschlecht vom Ursprung des Neptunus selbst herleitet.


Wenn diese Dinge beachtet sind, drängen sie zur Zeit und wenden alle

Mühe auf, um mit dichtem Fett auszudehnen

den, welchen sie als Anführer gewählt und als Gatten für das Vieh bestimmt haben;

und sie schneiden blühende Gräser, und reichen Flüsse dar,

und Getreide, damit er der sanften Mühe nicht zu erliegen vermag,

und die schwachen Jungen nicht den Hunger der Väter wiederbringen.

Sie selbst aber schwächen die Herden absichtlich durch Magerkeit;

und wo die erste bekannte Lust die Begattung

schon reizt, verwehren sie Lauben und halten von Quellen fern;

oft erschüttern sie sie auch durch Lauf und ermüden sie in der Sonne,

wenn schwer die Tenne nach geschlagenen Früchten stöhnt,

und wenn zum aufsteigenden Zephyr die leeren Spreu geworfen wird.

Das tun sie, damit nicht durch zu große Weichheit der nützliche Gebrauch

tumpf wird am zeugenden Acker und die trägen Furchen verschlammt;

sondern durstig ergreife sie die Venus und berge sie im Innern.


Wiederum beginnt die Sorge der Väter zu fallen, und die der Mütter

nachzurücken. Wenn die schwangeren nach vollendeten Monaten umherirren,

lasse niemand zu, dass sie schwere Wagen ziehen,

noch dass sie den Weg mit Sprung überwinden und auf scharfem

Rase das Feld eilen und die reißenden Flüsse durchschwimmen.

In leeren Hainen mögen sie weiden und an den vollen

Flüssen, wo Moos ist und das grünste Ufer am Gras,

und Höhlen sie decken und felsiger Schatten lagert.


Es gibt um die Haine des Silarus und um den von Steineichen grünen

Alburnus vielerlei Fliegendes, dem der Name Bremse

auf Römisch ist, den die Griechen ästrus nanntesten, als sie ihn übersetzten;

schroff, bitter ertönend; durch den ganz erschrocken in den Wäldern

die Herden fliehen; der Äther rast, erschüttert

von Brüllern, und die Wälder und das Ufer des trockenen Tanagros.

Mit diesem Wunder übte einst schreckliche Zornesausbrüche

Juno, als sie die Pest für die Inachische Färse sann.

Diesen auch, da er bei starker Hitze heftiger drängt,

wirst du von der trächtigen Herde abwehren und die Herden weiden,

wenn die Sonne frisch aufgegangen ist oder die Nacht die Sterne bringt.


Nach der Geburt wird alle Sorge auf die Kälber gelenkt;

und sofort brennen sie Kennzeichen und Namen des Stammes ein,

und welche sie lieber für das Vieh zur Zucht behalten möchten,

oder den Altären heilig zu bewahren, oder die Erde zu spalten

und das starre Feld mit gebrochenen Schollen umzuwenden.

Die übrigen Herden weiden durch die grünen Gräser.

Du aber, welche du zum Eifer und zum bäuerlichen Gebrauch formen wirst,

ermahne schon die Kälber und trete den Weg des Bändigens an,

solange die Gemüter der Jünglinge leicht sind, solange die Jugend beweglich ist.

Und zuerst lege lose Kreise aus zartem Korbgeflecht

um den Hals; danach, wenn die freien Hälse...


Diesen gewöhne den Diensten, und binde den passenden Hals zu

gleichen Paaren, und zwinge die Kälber, den Schritt zu vergleichen;

und oft sollen jene jetzt leere Wagen ziehen

über die Erde, und im obersten Staub die Spuren bezeichnen.

Danach soll unter schwerer Last anstrebend die fassene Achse

krachen, und die eiserne Deichsel soll die verbundenen Kreise ziehen.

Unterdessen sollst du der ungezähmten Jugend nicht nur Gräser,

weder spärliche Weidenblätter noch sumpfiges Schilf,

sondern gesäten Weizen mit der Hand pflücken: noch werden dir trächtige

Kühe nach Art der Väter mit schneeweißen Eimern die Melkgefäße füllen,

sondern sie werden ganz ihre Euter an den süßen Jungen verbrauchen.


Wenn aber das Streben eher gilt den Kriegen und den wilden Schwadronen,

oder am Steuer den Fluten der alpheischen Pisa voranzugleiten

und im Hain Jupiters fliegende Wagen zu lenken,

ist die erste Mühe des Pferdes, Gemüter und Waffen zu sehen

der Kämpfenden, und die Hörner zu ertragen, und die schleifende

und gärende Achse zu tragen, und die im Stall klingenden Zügel zu hören;

dann immer mehr und mehr an den schmeichelnden Loben des Meisters

sicher zu sein, und den Ton des geklopften Halses zu lieben.

Und dies mag schon vom Euter der Mutter verstoßen

sich früh trauen, und abwechselnd weichen Halftern den Mund

schwach reichen, und selbst zitternd, selbst unerfahren im Alter.

Aber wenn, nachdem drei vollendet sind, der vierte Sommer dazukommt,

mag es bald anfangen, den Kreis zu durchmessen, und in geordneten

Schritten zu tönen, und abwechselnde Krümmungen der Beine zu schwingen,

und der Mühe ähnlich zu sein: dann rufe die Winde zu Läufen,

und durch die offenen Ebenen fliegend, als ob frei von Zügeln,

mag es kaum die letzten Spuren auf dem Sande setzen.

Wie wenn der dichte Aquilo aus den hyperboreischen Ufern

niedersank und die Winter der Skythia und trockene Wolken

fortträgt: dann sträuben sich die hohen Saaten und die schwimmenden Felder

durch sanfte Wehen, und die höchsten Wälder geben ein Geräusch,

und die langen Wellen drängen an die Ufer:

er fliegt und fegt zugleich die Fluren, zugleich die Meere.

Dieser wird selbst an den Zielen des eleischen Feldes

und an den größten Weiten schwitzen und blutigen Schaum vom Mund treiben;

oder besser die belgischen Wagen mit weichem Hals tragen.

Dann endlich erlaube dem großen Körper, mit dicker

Kraftfuttermasse im geänderten Zustand zu wachsen; denn vor dem Zähmen

werden sie gewaltige Geister erheben, und gefangen werden sie verweigern,

die langsamen Schläge zu ertragen und den harten Kandaren zu gehorchen.


Aber keine Anstrengung stärkt die Kräfte mehr,

als die Liebesgier und die Stacheln der blinden Liebe abzuwenden,

sei es bei Rindern, sei es bei wem der nützlichere Gebrauch von Pferden ist.

Und darum verlegen sie die Lorbeeren fern und in einsame

Weiden, hinter den gegenüberliegenden Berg und über breite Ströme;

oder sie halten sie eingeschlossen drinnen an satten Futterkrippen.

Denn die Weibchen zehren allmählich die Kräfte auf und verbrennen sie im Anblick,

und erlauben weder, der Wälder noch des Grases zu gedenken.

Jene reizt sie wahrlich mit süßen Reizen und oft die stolzen

Liebenden untereinander, mit den Hörnern zu kämpfen.

Es weidet in der großen Sila eine schöne Färse:

Jene mischen abwechselnd mit großer Kraft Schlachten

mit dichten Wunden; schwarzes Blut wäscht die Körper,

und gegeneinander gewendete Hörner werden mit großem

Stöhnen gedrängt; es hallen wider die Wälder und der große Olymp.

Keine Sitte ist es, Kämpfende zusammen im Stall zu halten: sondern der andere

Besiegte zieht fort und irrt in die Fremde auf unbekannten Ufern,

viel jammernd über die Schande und die Schläge des stolzen

Siegers, dann über die Liebschaften, die er ungerächt verlor;

und den Stall betrachtend hat er die ureigenen Reiche verlassen.

Darum übt er mit aller Sorge die Kräfte, und liegt nachts

unter hartem Stein auf ungebettetem Lager,

genährt von rauhem Laub und spitzer Segge;

und er erprobt sich selbst, und lernt im Horn zornig zu sein

gegen den Stamm eines Baumes, und fordert die Winde heraus

mit Schlägen, und probt den Kampf im aufgewirbelten Sand.

Danach, wenn sich die gesammelte Stärke und die Kräfte erneuert haben,

bewegt er die Zeichen und wird jäh in den vergessenen Feind getragen:

Wie eine Welle, wenn sie in der Mitte des Meeres weiß zu werden

beginnt aus der Tiefe und den Bogen zieht; und wie sie, gewälzt

zu den Landen, ungeheuer durch die Felsen tönt und nicht weniger als der Berg

niederfällt; aber unten kocht die Welle auf

in Wirbeln, und wirft schwärzlichen Sand in die Höhe.


So stürzt jedes Geschlecht auf der Erde, der wilden Tiere,

und das Meeresgeschlecht, Vieh und bunte Vögel

in Wahnwitz und Feuer: die Liebe ist für alle dieselbe.

Zu keiner anderen Zeit irrte die Mutter der Jungen, die sie vergaß,

wilder auf den Feldern; noch gaben umher entstellte

Bären so viele Verheerungen und Gemetzel durch die Wälder;

dann der wilde Eber, dann der schlimmste Tiger:

Weh! Wie elend wird damals in den einsamen Feldern Libyens geirrt!

Siehst du nicht, wie ein Schauder alle Körper der Pferde

durchzieht, wenn der Duft nur bekannte Winde brachte?

Und weder die Zügel der Männer noch grausame Schläge,

weder Klippen noch hohle Felsen und entgegengestellte

Ströme, die ergriffene Berge in Wellen drehen, halten sie auf.

Er stürzt selbst, und der sabellische Eber schärft seine Zähne,

und reißt mit dem Fuß die Erde auf, reibt die Flanken am Baum,

und stärkt von hier und dort die Schultern für Wunden.


Was der Jüngling, dem das große Feuer in den Knochen

die harte Liebe dreht? Wahrlich, durch abgebrochene Stürme

schwimmt er spät in dunkler Nacht durch die Meerengen; über dem eine riesige

Pforte im Himmel donnert, und die an die Klippen geschlagenen

Meere widerschallen; weder können die armseligen Eltern ihn zurückrufen,

noch das Mädchen, das über dem grausamen Tod sterben will.


Was die bunten Luchse des Bacchus und das scharfe Geschlecht der Wölfe,

und der Hunde, und jene, die unblutige Kämpfe liefernden Hirsche?

Wahrlich vor allen ist der Wahnwitz der Stuten ausgezeichnet;

und Venus selbst gab den Sinn, zu welcher Zeit die Viergespanne

des Glaukos die Glieder mit bösartigen Kiefern verzehrten.

Die Liebe führt sie über Gargara, über den tönenden

Askanios; sie überwinden die Berge und durchschwimmen die Flüsse.

Und sofort, wenn die gierige Flamme in die Mark gelegt ist,

mehr im Frühling, weil im Frühling die Wärme in die Knochen zurückkehrt,

stehen alle mit dem Mund zum Zephyr gewendet auf hohen Klippen

und empfangen die leichten Winde; und oft ohne Ehen,

durch den Wind schwanger, wunderbar zu sagen!

Fliehen sie durch Felsen und Klippen und tiefe Täler,

nicht zu deinen östlichen Oasen, noch zu den Aufgängen der Sonne,

nach Norden und Caurus, oder von wo der schwärzliche Auster

entspringt und den Himmel mit regnerischer Kälte trübt.

Hier endlich das, was die Hirten mit wahrem Namen Hippomanes

nennen, träufelt als zähes Gift aus der Leiste;

das Hippomanes, das oft böse Stiefmütter sammelten,

und Kräuter mischten und nicht unschädliche Worte.


Aber sie flieht unterdessen, es flieht die unersetzliche Zeit,

während wir einzeln umherreisen, gefangen von Liebe.

Das ist genug für die Herden. Es bleibt der andere Teil der Sorge,

die wolligen Herden zu lenken, und die rauen Ziegen.

Hier ist Mühe; von hier an erhofft Ruhm, tapfere Siedler.

Und ich bin im Geist nicht zweifelhaft, wie groß es ist, dies mit Worten

zu besiegen und den schmalen Dingen diesen Ruhm hinzuzufügen.

Aber mich reißt durch die einsamen steilen Pfade des Parnassus

die süße Liebe: es erfreut, über Bergrücken zu gehen, wo keine

fruchtbare Bahn der Vorherigen zur Kastalia abbiegt.

Nun, zu verehrende Pales, nun muss mit großem Mund gesungen werden.


Zu Beginn verkünde ich in weichen Ställen den Schafen, Gras

zu rupfen, bis bald die laubreiche Zeit zurückgebracht wird;

und den harten Boden mit vieler Streu aus Stroh und Farnkraut

unterzulegen, damit nicht das kalte Eis das weiche

Vieh schädigt und die Krätze bringt und hässliche Fußkrankheiten.

Danach, von hier weggehend, befehle ich, den Ziegen belaubte

Arbutusbüsche hinzureichen und frische Flüsse zu bieten,

und die Ställe vor den Winden der Wintersonne

nach Mittag gerichtet gegenüberzustellen; wenn einst kalt

schon der Aquarius fällt und im Ende des Jahres betaut.


Diese auch müssen uns nicht mit leichterer Sorge gehütet werden;

und nicht kleiner wird der Nutzen sein, auch wenn milesische

Vollwollen getauscht werden, die in tyrische Rottöne getaucht sind.

Dichter ist von hier der Nachwuchs, von hier die Fülle reicher Milch.

Je mehr das geschöpfte Euter mit Schaum milcht,

desto fröhlicher werden die Flüsse aus den gedrückten Brüsten fließen.

Nicht weniger unterdessen scheren die grauen Bärte

der zynphischen Böcke und die harten Haare des Kinypas,

zum Gebrauch für die Lager und als Verkleidung für ärmliche Seefahrer.

Sie weiden wahrlich in den Wäldern und auf den Spitzen des Lykäos,

und stacheligen Brombeeren und dem steilen Gestrüpp liebenden Dornen;

und sie selbst kehren eingedenk in die Behausungen zurück und führen

die Ihrigen, und überwinden kaum mit trächtigem Euter die Schwelle.

Darum wirst du mit allem Eifer Eis und schneeige Winde,

da das sterbliche Elend für sie von geringerer Sorge ist,

abwenden; und du wirst Futter und laubreiche Weiden froh bringen,

und die Heuscheunen nicht während des ganzen Winters schließen.


Aber wahrlich, wenn der Sommer zu den rufenden Zephyren

jede Herde in die Haine und auf die Weiden schickt,

lasst uns mit dem ersten Stern des Lucifer die kalten

Flügler pflücken, solange der Morgen neu ist, solange die Gräser weiß sind

und der Tau das Vieh im zarten Gras am meisten erfreut.

Dort, wenn die vierte Stunde des Himmels Durst gesammelt hat,

und die klagenden Zikaden mit Gesang die Sträucher zerbrechen,

befiehle den Herden, zu Brunnen oder tiefen Teichen

das fließende Wasser aus Eichenrinnen zu trinken;

in der Mittagshitze aber ein schattiges Tal zu suchen,

wo immer Jupiters große Eiche mit uraltem Stamm

gewaltige Äste ausbreitet oder wo immer der schwarze Hain

aus dichten Steineichen mit heiligen Schatten lagert;

dann wieder das dünne Wasser zu geben und wieder zu weiden

bis zum Untergang der Sonne, wenn der kalte Vesper

die Luft temperiert und die schon taumelnde Mondscheibe die Haine erfrischt,

und die Ufer von Alkyone ertönen, das Gestrüpp von Distelfinken.


Was soll ich dir im Vers die Hirten Libyens erzählend nachgehen,

und die Weiden, die von seltenen Wohnstätten bewohnt werden?

Oft Tag und Nacht und den ganzen Monat der Reihe nach

weidet die Herde und zieht in lange Wüsten ohne jede

Herberge: so viel Feld liegt da! Alles treibt der afrikanische

Hirt mit sich, Behausung und Hausgott und Waffen,

und den amykäischen Hund und den kretischen Köcher.

Nicht anders, als wenn der tapfere Römer in den vaterländischen Waffen

unter ungerecht schwerer Last den Weg bricht und vor dem Feind

auf unerwartet errichteten Lagern im Schlachtfeld steht.


Doch nicht dort, wo die Völker Skythiens und die Mäotische Welle,

und wo der trübe Ister, die gelben Sande wirbelnd, dahineilt,

und wo Rhodope zurückkehrt, unter den mittleren Pol gestreckt.

Dort halten sie die Herden verschlossen in Ställen; weder erscheinen

irgendwelche Gräser auf dem Feld, noch Blätter am Baum:

sondern die Erde liegt unförmig unter schneeweißen Haufen und tiefem

Frost weit und breit, und ragt sieben Ellen empor.

Stets ist Winter, stets wehen die Kälte bringenden Nordwinde.

Dann verscheucht die Sonne niemals die bleichen Schatten,

nicht wenn sie, auf Rossen gefahren, den hohen Äther sucht, noch wenn

sie den jähen Wagen im roten Meer des Ozeans badet.

Es erstarren plötzliche Krusten im laufenden Fluss,

und schon trägt die Welle auf ihrem Rücken die eisernen Räder,

einst für breite Schiffe bestimmt, nun gastlich für Lastwagen;

und überall zerspringen Erze, und Kleider, die man trägt,

werden starr, und man schlägt mit Beilen das feuchte Weinwerk,

und ganze Teiche verwandeln sich in festes Eis,

und der Eiszapfen erhärtete grausam an den ungekämmten Bärten.

Unterdessen schneit es nicht weniger bei klarem Himmel:

es gehen die Viehherden zugrunde; die großen Körper der Stiere

stehen, umhüllt von Reif; und Hirsche erstarren in dichtem Zug

durch die neue Last, und ragen kaum mit den Spitzen der Geweihe hervor.

Diese treiben sie nicht mit losgelassenen Hunden, nicht mit irgendeinem Netz,

oder durch die Furcht vor purpurnen Federn;

sondern, da sie vergeblich den entgegengestellten Berg mit der Brust stoßen,

schlachten sie sie aus der Nähe mit dem Eisen, und während sie schwer brüllen,

töten sie sie, und tragen sie freudig mit großem Geschrei davon.

Selbst verbringen sie sorgenfreie Ruhe in tief unter der Erde gegrabenen

Höhlen, und haben zusammengehäufte Stämme und ganze Ulmen

an die Herde gewälzt und dem Feuer übergeben.

Hier verbringen sie die Nacht im Spiel, und froh ahmen sie Becher

mit Gärung und sauren Ebereschen aus Wein nach.

Solches ist das zügellose Geschlecht der Männer, unter dem hyperboreischen

Bären, gepeitscht vom riphäischen Nordostwind,

und ihre Körper werden mit den gelben Fellen der Viehherden bedeckt.


Wenn dir die Wollgewinnung am Herzen liegt, sollen zuerst raue Wälder,

Kletten und Disteln fernbleiben; flüchte vor üppiger Nahrung;

und wähle sofort die Herden aus, die weiß von weicher Wolle sind.

Jenen aber, auch wenn der Widder selbst strahlend weiß ist,

der nur eine schwarze Zunge unter dem feuchten Gaumen hat,

den weise ab, damit er nicht mit dunklen Flecken die Wolle

der Neugeborenen befleckt, und schaue dich nach einem anderen im vollen Feld um.

Mit solch einem schneeweißen Geschenk der Wolle, wenn es glaubhaft ist,

hat Pan, der Gott Arkadiens, dich, Luna, getäuscht und eingefangen,

indem er dich in die hohen Wälder rief: und du hast den Rufenden nicht verschmäht.


Wer aber Liebe zur Milch hat, der bringe selbst mit der Hand

häufig Zytisus und Lotos und salzige Gräser an die Krippen.

Daher lieben sie auch die Flüsse mehr, und sie spannen die Euter mehr,

und sie tragen den verborgenen Geschmack des Salzes in der Milch zurück.

Viele verhindern schon, dass die Zicklein von den Müttern säugen,

und setzen ihre Münder mit eisernen Halftern fest.

Was sie bei aufgehender Sonne und zu Tagesstunden molken,

das pressen sie in der Nacht; was sie bei Dunkelheit und untergehender Sonne

molken, das bringt der Hirte bei Tagesanbruch in Körben in die Städte,

oder sie würzen es mit wenig Salz und legen es für den Winter zurück.


Auch sei dir die Sorge um die Hunde nicht die letzte; sondern nähre

die schnellen Welten Spartas und den scharfen Molosser

mit fettiger Molke: niemals wirst du mit jenen Wächtern

den nächtlichen Dieb in den Ställen, und die Einfälle der Wölfe,

oder die unbefriedigten Iberer im Rücken fürchten.

Oft wirst du auch im Lauf die scheuen Wildesel jagen,

und mit Hunden den Hasen, mit Hunden wirst du Damwild jagen;

oft wirst du die aus den Wäldern getriebenen Eber aus ihren Suhlen

mit Bellen aufscheuchen und treiben, und den riesigen Hirsch

mit Geschrei über die hohen Berge zu den Netzen drängen.


Lerne auch, wohlriechendes Zedernholz in den Ställen anzuzünden,

und mit Galbanum-Geruch die schweren Schlangen zu vertreiben.

Oft hat sich unter unbewegten Krippen oder eine übel berührende

Viper versteckt und ist erschreckt vor dem Himmel geflohen;

oder eine Schlange, daran gewöhnt, unter das Dach und in den Schatten zu kriechen,

ein herbes Unheil für die Stiere, und um das Gift über das Vieh zu streuen,

hat den Boden erwärmt. Nimm Steine in die Hand, nimm Stämme, Hirt,

und schlage den, der seine Drohungen erhebt und den zischenden Hals aufbläht,

nieder: schon hat er in der Flucht das scheue Haupt tief versteckt,

wenn die mittleren Windungen und die Gefilde der äußersten Schwanzspitze

sich lösen und der letzte Bogen die langsamen Ringe nachzieht.


Es gibt auch jene böse Schlange in den kalabrischen Hainen,

die ihre schuppigen Rücken bei erhobener Brust windet,

und den langen Bauch mit großen, auffälligen Flecken versehen,

welche, solange Flüsse aus den Quellen brechen, und solange

die Erden im Frühling vor Nässe und regnerischen Südwinden triefen,

die Sümpfe bewohnt; und an den Ufern wohnend, füllt sie hier ihre schwarze

Gier mit Fischen und schwatzhaften Fröschen.

Nachdem der Sumpf ausgetrocknet ist und die Erden vor Hitze aufreißen,

springt sie ins Trockene, und ihre flammenden Augen drehend,

wütet sie auf den Feldern, schroff vor Durst und erschreckt vor der Hitze.

Nicht mag ich dann unter freiem Himmel einen weichen Schlaf pflücken,

noch auf dem Rücken des Waldes durch das Gras gelegen haben,

wenn sie, nachdem die Hüllen abgelegt, neu und glänzend vor Jugend,

sich windet, oder ihre Jungen oder Eier in den Behausungen zurücklassend,

hoch zur Sonne strebt und im Mund mit dreigespaltener Zunge zuckt.


Auch die Ursachen und Anzeichen von Krankheiten werde ich dich lehren.

Die hässliche Räude befällt die Schafe, wenn kalter Regen

tiefer bis auf das Lebendige gedrungen ist, und der raue

Winter mit weißem Frost; oder wenn nach dem Scheren ungewaschener

Schweiß anhaftete, und haarige Dornen die Körper schnitten.

Deshalb übergießen die Meister das ganze Vieh mit süßen

Flüssen, und der Widder wird mit feuchter Wolle in den Strudel

getaucht, und nachdem er hineingeschickt wurde, fließt er mit dem Fluss ab;

oder sie bestreichen den geschorenen Körper mit trauriger Amurca,

und mischen Schaum von Silber und lebendigen Schwefel,

Idäische Peche und mit Fett gemischte Wachse,

und Meerzwiebeln und schwere Nieswurzeln und schwarzes Bitumen.

Doch ist kein Heilmittel gegen Leiden wirksamer,

als wenn jemand mit dem Eisen die Öffnung des Geschwürs

aufschneiden konnte: das Übel ernährt sich und lebt im Verborgenen,

solange der Hirt sich weigert, heilende Hände an die Wunden

zu legen, und dasitzt und die Götter um bessere Vorzeichen bittet.

Ja, sogar wenn der Schmerz bis auf die innersten Knochen der blökenden Schafe

herabgesunken ist und wütet, und die trockene Fieberglut die Glieder

verzehrt, hat es genützt, die entzündete Hitze abzuwenden, und zwischen

die untersten Teile des Fußes die vor Blut springende Vene zu öffnen:

nach der Art, wie es die Bisalter zu tun pflegen, und der scharfe Gelone,

wenn er nach Rhodope und in die Wüsten der Geten flieht,

und geronnene Milch mit Pferdesblut trinkt.


Wenn du siehst, dass eines öfter zur weichen Schattenseite flieht,

oder träger die obersten Gräser pflückt,

und als Letztes folgt, oder mitten auf dem Feld beim Weiden

niederfällt, und erst spät in der Nacht allein zurückweicht,

so unterdrücke sofort das Vergehen mit dem Eisen, bevor

die schrecklichen Ansteckungen durch die unvorsichtige Menge kriechen.

Nicht so dicht, den Winter herbeiführend, stürzt ein Wirbelsturm auf dem Meer,

wie viele Seuchen das Vieh befallen: und nicht nur einzelne

Körper ergreifen die Krankheiten, sondern plötzlich ganze Sommerweiden,

die Hoffnung und die Herde zugleich, und das ganze Geschlecht von Ursprung an.

Dann wisse dies, wenn jemand jetzt, auch nach so langer Zeit,

die luftigen Alpen und die norischen Kastelle auf den Hügeln

und die Gefilde des iapidischen Timavus sieht, die verlassenen Reiche

der Hirten und die weit und breit leeren Haine.


Hier ist einst durch die Krankheit des Himmels ein beklagenswertes

Unwetter aufgekommen, und es loderte in der ganzen herbstlichen Glut,

und gab jedes Geschlecht der Viehherden dem Tod preis, jedes der wilden Tiere,

und korrumpierte die Seen, infizierte die Weiden mit Eiter.

Und der Weg des Todes war nicht einfach: sondern wo die feurige, durch alle

Adern getriebene Gier die elenden Glieder zusammengeschnürt hatte,

da überströmte wieder flüssige Flüssigkeit, und zog alle

Knochen, die allmählich durch die Krankheit zusammengebrochen waren, in sich.


Oft fiel das Opfer, das inmitten der Ehren der Götter am Altar stand,

während die wollene Binde mit weißem Band umwunden wurde,

mitten unter den zögernden Dienern sterbend nieder:

oder wenn der Priester eines mit dem Eisen zuvor geschlachtet hatte,

leuchten von dort die Altäre nicht, da die Eingeweide aufgelegt wurden,

noch kann der gefragte Wahrsager Antworten geben;

und kaum werden die untergelegten Messer von Blut benetzt,

und die oberste Erde wird mit magerem Eiter befleckt.


Davon sterben die Kälber überall in den üppigen Gräsern,

und geben ihre süßen Seelen an den vollen Krippen auf.

Davon kommt der Wahnsinn über die schmeichelnden Hunde, und ein keuchender

Husten schüttelt die kranken Schweine, und würgt sie in den geschwollenen Kehlen.

Es stürzt, unglücklich, und seiner Eifrigkeit und der Gräser vergessend,

der siegreiche Gaul, und wendet sich von den Quellen ab, und schlägt mit dem Fuß

häufig die Erde; gesenkt sind die Ohren; unsicher ist dort

der Schweiß, und jener freilich kalt bei den Sterbenden; es trocknet

die Haut, und sie leistet bei der Berührung dem, der sie berührt, hart Widerstand.


Diese Anzeichen geben sie vor dem Ende in den ersten Tagen.

Wenn aber im Verlauf die Krankheit roher zu werden begann,

dann wahrlich die brennenden Augen, und der aus der Tiefe gezogene

Atem, bisweilen schwer vor Stöhnen, und die innersten Weichen

dehnen sie mit langem Schluchzen; es geht aus den Nüstern schwarzes

Blut, und die raue Zunge drückt die verstopften Kehlen.

Es nützte, die lenäischen Säfte mit einem eingeführten Horn

einzugießen: dies schien das einzige Heilmittel für die Sterbenden zu sein.

Bald war dies selbst das Verderben, und von Wahnwitz erfüllt

brannten sie, und sie selbst zerrissen ihre eigenen Glieder, schon im kranken Tod

(Götter, Besseres für die Frommen, und jenen Irrtum für die Feinde!),

mit nackten Zähnen zerrissen sie die Glieder.


Siehe aber, der Stier, dampfend unter dem harten Pflug,

fällt hin, und erbricht mit Schaum gemischtes Blut aus dem Mund,

und stößt die letzten Stöße aus: es geht der traurige Pflüger,

indem er das trauernde Kalb durch den brüderlichen Tod abspannt,

und lässt die Pflüge mitten in der Arbeit stecken.

Nicht die Schatten der hohen Haine, nicht die weichen Wiesen

können den Geist bewegen, nicht der Fluss, der durch die Felsen gewälzt,

reiner als Elektron, das Feld sucht: aber die innersten Flanken

lösen sich, und ein Stumpfsinn drängt die trägen Augen,

und der Hals fließt mit gesenktem Gewicht zur Erde.

Was hilft die Arbeit oder die Wohltaten? Was hilft es, die schweren Erden

mit dem Pflug umgewendet zu haben? Und doch nicht die massischen

Geschenke des Bacchus, nicht die aufbewahrten Gastmähler haben ihnen geschadet:

Sie weiden von Blättern und der Nahrung des einfachen Grases;

die Becher sind flüssige Quellen und durch Lauf geübte

Flüsse; und keine Sorge bricht den gesunden Schlaf ab.


Zu keiner anderen Zeit, sagt man, wurden in jenen Gegenden

für die Heiligtümer der Juno Rinder gesucht, und von ungleichen

Auerochsen wurden die Wagen zu den hohen Tempelgaben gezogen.


Deshalb wühlen sie mit Mühe die Erde mit Hacken auf, und mit den eigenen

Fingernägeln graben sie die Früchte ein, und über die hohen Berge

ziehen sie mit angespannter Nackenkraft die kreischenden Wagen.


Kein Wolf erkundet mehr die Hinterhalte um die Hürden,

noch wandelt er nächtlich um die Herden; eine schärfere

Sorge bändigt ihn: Scheues Dammwild und flüchtige Hirsche

irren nun zwischen den Hunden und um die Dächer umher.

Schon spült die Woge den Nachwuchs des unermesslichen Meeres und das ganze

Geschlecht der Schwimmenden am äußersten Gestade an,

wie schiffbrüchige Körper; ungewohnte Robben fliehen in die Flüsse.

Es stirbt auch die Viper, vergeblich verteidigt in ihren krummen

Schlupfwinkeln, und die Wasserschlangen mit vor Entsetzen sträubenden Schuppen.

Selbst die Luft ist den Vögeln nicht mehr gewogen, und jene

lassen kopfüber ihr Leben unter den hohen Wolken.


Außerdem hilft es nun nicht mehr, die Nahrung zu ändern,

und die gesuchten Künste schaden; es haben aufgegeben die Meister,

Phillyrides Chiron und Amythaons Sohn Melampus.


Es wütet auch, aus den stygischen Finsternissen ans Licht

ausgelassen, die bleiche Tisiphone, sie treibt Seuchen und Furcht vor sich her,

und erhebt Tag für Tag ihr gieriges Haupt immer höher.

Vom Blöken der Herden und den häufigen Brüllern tönen die Ströme

und die trockenen Ufer, und die zurückgeneigten Hügel.

Und schon richtet sie scharenweise ein Gemetzel an, und türmt in den Ställen

selbst die durch hässlichen Eiter zerfallenen Leichen auf,

bis sie lernen, sie mit Erde zu bedecken und in Gruben zu verbergen.

Denn es gab keinen Gebrauch für die Häute; noch kann jemand die Eingeweide

durch Wellen beseitigen oder durch Feuer besiegen;

noch kann man die von Krankheit und Schmutz zerfressenen

Vliese scheren, noch können sie die fauligen Gewebe berühren:

Aber sogar, wenn jemand versucht hatte, die verhassten Gewänder zu tragen,

folgten brennende Pusteln und unreiner Schweiß den riechenden

Gliedern; und nach nicht langer Zeit fraß das heilige Feuer

die Glieder derer, die sich aufgehalten hatten und angesteckt worden waren.




VIERTES BUCH


Nun will ich himmlische Gaben der Luft und den Honig besingen.

Schaue auch diesen mir an, Mäcenas! Die Wunder des Kleinen

sollst du bestaunen, das Spiel der geringen Gestalten, die tapferen

Führer, das Leben und Treiben des ganzen Volkes im Reiche,

Sitten, Gewerbe und Kriege. Gering zwar die Mühsal, doch herrlich

ist der Lohn, so gütig die Götter gewähren und Phoebus

hörend der Bitte erscheint.


Allererst suche den Bienen den Sitz und die Wohnung, wohin kein

Wind dringen kann (denn die Winde verwehren das Tragen

heim in den Stock); wo Schafe weder und springende Lämmer

Blüten zertreten und keine irrende Kuh auf der Aue

Tau abschüttelt und sprossendes Grün mit den Hufen zermalmt.

Auch fern bleibe die Eidechse mit geschupptem, bunten Gefieder

von den fetten Gehöften, und Bienenfresser und Vögel

sonst und Procne, die blutig gezeichnet die Brust noch im Blute:

Alles verheeren sie weithin, und selbst im Fluge die Tiere

greifen sie fort mit dem Schnabel, den bittern Geschöpfen zum Raube.


Aber kristallne Quellen und Fluten, vom Moose umgrünt, auch

soll da sein, und ein leiser, durch Wiesen sich schlängelnder Bachlauf;

Palme beschirme den Eingang oder der mächtige Wildeinbaum,

daß, wenn die Könige neu im Gemüt ihr Gefilde im Lenzzeit

führen und heiter die Jugend entströmt aus den Waben der Sommer,

nahgelegenes Ufer zum Rasten vom Hitze verlocke

und sie die Wipfel der grünen und schattenden Bäume willkommen

heißen. Ob nun das Wasser dort stehe oder bergeine

fließe, so wirf quer Weiden und große Felsblöcke hinein, daß

Brücken entstehen, auf welchen sie rasten und Flügel dem Sommer-

salz entfalten, wenn etwa sie trödelnde Winde

schrecken und eilend in Neptuns Fluten versenken.

Umher wachse grünliche Kassie und herrlich duftender

Quendel und Fülle des wilden, herb duftenden Bohnenkrauts,

und die Veilchenbeete tränke bescheidener Quellbach.


Höhlst du selber aus Rinde die Behausung oder du webst sie

aus biegsamem Weidengeflecht: die Pforten sind eng stets

zu halten, denn Kälte verdichtet den Honig im Winter,

jener zerfließt wieder wärmebefreit.


Beide Gefahren sind gleichermaßen den Bienen zu fürchten;

nicht umsonst im Innern der Behausung eifrig mit Wachse

sie die winzigen Spalten verkleben und Ränder mit Harz und

Blüten verstopfen, und sammeln für dies Geschäft selber den Leim und

Hartharz, klebriger noch als phrygischer Idapisch.

Oft auch (glaubt man dem Ruf) in gegrabenen Höhlen verborgen

wärmen sie unter der Erde das Nest, tief drinnen gefunden

in hohlem Bimsstein und in Höhlungen alternder Stämme.

Du jedoch streiche die rissigen Lager mit glattem Lehm rings

aus und werfe darüber nur spärlich gewobenes Laub ab.

Pflanze kein Eibenbaumgewächs in die Nähe des Hauses,

brenne im Ofen kein rotes Geflügel! Meide das tiefe

Sumpfland, wo der Geruch des Schlamms schwer drückt oder wo hohle

Felsen den Hall der Stimme zurückwerfen und wieder erschallen.


Was nun noch übrig, wenn goldener Sonnenschein ausgetrieben

unter die Erde den Winter und lachendes Licht bringt im Sommer,

streifen sie wandernd die Forsten und Wälder beständig durch, ernten

purpurne Blüten und schlürfen die Fluten im Flug von

oben; hernach, wonneerfüllt von geheimem Gefühle,

nähren sie Brütung und Nest, und bereiten mit Kunst neue Waben

und die zähen Honige bilden sie feil.


Wenn du nun siehst, wie der Bienenschwarm aus den Höhlen zum blauen

Himmel empor in dem sommerlich leuchtenden Äther

strebt und du wunderst dich über die Wolke, vom Winde gezogen,

schau: süßes Wasser und Blätterbedachung stets suchen

sie sich: dort spritze den vorgeschriebenen Saft hin,

zerriebene Melisse und unedles Kraut der Zerintha,

schlage den Takt und rühre umher die Cymbeln der Mutter!

Selbst auf den Heilungsstätten sie sich niedersetzen und selber

bergen im Innern sie sich in die vertrauten Geflechte.


Kommen sie aber zum Kampfe heraus (denn oft bricht zwischen

zwei Königen Zwietracht mit mächtiger Regung hervor, und

schnell lässt sich im Herzen des Volkes und kriegerischen Pulsschlag

lange vorher schon erkennen): der eherne Klang des erprobten

Trompetenerscheinens warnt, und es tönet die Stimme,

wuchernd den Trillern der bronzenen Hörner vergleichbar.


Zittern nun stürzen sie aufeinander und blitzen mit Flügeln,

spitzen die Stacheln an Rändern des Schnabels und rüsten die Muskeln,

schararen sich dicht um den König und selbst um das Zeltlager

her und rufen den Feind mit gewaltigem Schreie.

Wenn nun reiner Lenz und flache Gefilde erreicht sind,

brechen aus Toren sie vor; der Zusammenstoß dröhnt; in der Luft steht

großer Lärm; sie drängen sich wirbelnd im riesigen Kreise,

stürzen jäh ab: nicht dichter vom Himmel hagelt der Hagel,

noch aus geschüttelter Eiche regnet es Eicheln so reif her.


Selbst durch die Mitte der Schlacht, mit den leuchtenden Flügeln,

tragen gewaltiges Herz sie im winzigen Busen,

fest entschlossen, nicht wegzugehen, bis siegreiche Macht der

einen oder der andern den Rücken zu wenden befiehlt.

Diese Empörungen und so schwere Gefechte

werden durch Hauch von ein wenig Staub auf die Erde gelegt sein.


Wohl, wenn beide Anführer vom Felde zurück du gerufen,

töte den schwächeren Teil, auf daß er nicht nutzlos verschlingt Zeit;

lass den bessern allein im verwaisten Palast regieren.

Dieser wird funkeln von goldenen Tupfen und Schuppen

(Denn es gibt zwei Arten): der bessere, strahlend im Antlitz,

funkelnd mit rötlichen Schuppen; der andre verächtlich,

träge und schleppt ein unnützes und breites Gewicht mit sich.

Wie der Könige Antlitz, so ist auch der Körper des Volkes:

Denn die einen sind schmutzig und häßlich, wie wenn ein Wanderer

staubgewirbelt und staubig aus trockenem Munde den Staub spuckt

wieder zur Erde; die andern leuchten und strahlen voll Pracht,

brennend von Gold und mit gleichen Tupfen benetzt der Gestalten.

Diese erlesenste Brut bringt dir im rechten des Himmels

Jahre den süßen Honig, der süß nicht alleine, sondern

auch flüssig und mächtig genug, um die Schwere des Wechsels

vom Bacchus zu zähmen.


Schwärmen sie aber unsicher und spielen im Himmel und lassen

Waben zurück und verlassen die kühlen Behausungen, so du

stifte dem wankenden Mut durch eitles Spiel ein Verbot nun.

Mühsal ist es nicht groß, es zu hemmen: reiße den Königen

Flügel aus; wenn sie säumen, wagt keiner der andern

weiterzuwandern noch Feldzeichen abzureißen vom Lager.

Gärten verlocken mit duftenden Blütendüften und Priap,

Hüter vor Dieben und Vögeln mit sächsischer Sichel,

der Hellespontiner Schirmherr.


Bringend aus Bergen den Thymian selbst und die Pinien, pflanze

rings um die Behausung, wer solche Geschäfte betreibt; er

mühe die Hand in der harten Arbeit; er setze die kräftigen

Pflanzen in Erde und gieße herbei den wohltuenden Regen.


Wäre mir nicht am Ende der langen Arbeiten gerade

schon das Verlangen, die Segel zu raffen und eilend ans Land nun

zu lenken den Bug, so sänge ich vielleicht von der Pflege,

welche die Gärten verschönert und Rosengärten von Pästum;

wie die Endivien sich freuen an strömenden Bächen und grünen

Ufern vom Sellerie, und wie im Grase gekrümmt sich

wölbt die Gurke; und nicht mit schweigendem Mund ich gedächtnis-

voll die Narzisse geschwiegen, die spät erblüht, oder Ranken

biegsamen Akanthus, blasse Efeuranken und Myrthen,

die am Ufer gedeihn.


Denn ich erinnre mich wohl an die Türme des hohen Oebalia,

wo der dunkle Galesus die gelblichen Felder benetzt, einst

einen Korykischen Greis gesehn zu haben, der spärlich

Pachtland besaß; kein fruchtbarer Acker für Stiere

war es, ungeeignet für Weide des Viehs und für Bacchus.

Dennoch pflanzte er seltenes Kraut im Gestrüpp und umgab es

mit weißem Lilienwuchs und Eisenkraut und dem Mohn, der

schmächtig gedeiht, und der Könige Reichtum glich er an Mut sich;

kehrte am späten Abend er heim, so belud er den Tisch mit

unerkauftem Mahl. Als Erster im Lenz er die Rose

schnitt und die Früchte im Herbst; und wenn traurige Kälte

selbst den Fels noch im harten Winter zu spalten imstande

war und das Eis der Gewässer den Lauf mir hemmte,

schnitte er weichen Akanthus und rief den zögernden Westwind

und den Frühling herbei. Er war darum auch der erste,

welcher von jungen Bienenschwärmen sich rühmte und reiche

Honige preßte aus Waben; er Linden besaß und viel Pinien;

und so viele im Lenz der blühenden Bäume der Apfel

trug, so viele im Herbst behielt er reif an den Ästen.

Spät verpflanzte er Ulmen in Reihen und widerstandsfähig

Birnbäume, Pflaumenbäume voll Schlehen und schattig die Platane,

die den Durstigen Schutz gewährt im Sommer.


Doch ich übergehe das alles, bedrängt von den engen

Grenzen des Raums, und überlasse es andren zu singen.


Nun vernehmt, welche Natur Jupiter selbst den Bienen

gab, als Entgelt dafür, daß dem kuretischen Klange

und dem schlagenden Erz sie gefolgt in der Höhle des Dikte

jüngst den Herrscher des Himmels genährt.


Sie nur haben gemeinsame Kinder, ein gemeinsames Wohnen

haben im Staat und unter gewaltigen Sitten das Leben;

kennen als einzige Heimat und feste Penaten;

und im Gedenken an kommenden Winter im Sommer die Mühsal

üben und sammeln im gemeinsamen Raum das Gefundene.

Denn die einen bewachen die Speise und üben im Bund sich

auf dem Acker; ein Teil legt innerhalb der Mauern

erst der Narzisse Träne und zähen Saft von der Rinde

tief in die Waben und hängt die biegsamen Wachse daran auf;

andre geleiten den werdenden Stamm und die Brütung;

einige pressen den reinsten Honig und dehnen die Zellen

voll von flüssigem Nektar. Manche erhalten als Los nun

jene Wache am Tor und spähen der Wolken und Wässer

Wechsel; empfangen das herannahende Gut oder treiben

drohend das faule Gefolge der Drohnen vom Kasten.

Heiß brennt die Arbeit und duftet der Honig von Thymianblüten.


Gleichwie Zyklopen die Blitze in biegsamen Massen

schmieden: die einen nehmen die Luft aus den Stierlederbälgen

auf und geben sie wieder, die andren tauchen das schrille

Erz in den See; es stöhnt auf den Ambossen der Ätna;

heben gewaltig im Takt die Arme und schwingen

sie hin und her, und wenden das Eisen mit zäher Zange:

Nicht anders (sofern man Geringes mit Großen vergleicht) treibt

angeborener Trieb der Zepterbienen zur Habgucht

jede nach eigenem Amt. Den Älteren obliegt die Sorge,

Waben zu bauen und kunstvolle Häuser zu fügen.

Aber die müden Kleinen kehren am Abend zurück nun,

voll von Thymian die Beine; sie weiden auf Erdbeeren überall,

grünen Weiden, Kassie und rotem Krokus,

fetter Linde und farbigen Hyazinthen.

Rande der Arbeit ist allen gemeinsam und Ruhe die gleiche.

Morgens stürmen sie aus; kein Zögern; wenn abends

schließlich sie mahnt, von den Feldern zu weichen, eilen sie

wiederum heim und pflegen der Körper:

Lärm entsteht, sie summen um Mauern und Schwelle herum.

Nachdem sie

sich in das Gemach begeben, schweigt es bis in die Nacht hinein,

und die Müden umfängt der eigene Schlummer der Glieder.


Doch sie weichen vom Stock, wenn Regen droht, nie

weiter zurück, trauen dem Himmel nicht, wenn die Ostwinde nahen;

sicher ummauert von der Stadt besorgen sie Wasser im Umkreis,

wagen nur kurze Ausflüge; und wie Boote, vom Wogengang

wankend, im Seegang Ballast, so heben oft Steine sie auf sich:

halten sich schwebend auf so mit ihnen im luftigen Äther.


Dass sich das Bienenvolk so sehr an die Sitte gewöhnt hat,

wirst du bewundern: sie schwelgen nicht je in der Lust der Umarmung,

lösen im Venusdienst träge die Glieder nicht, bringen durch Wehen

keine Jungen zur Welt; sondern sie selber von Blättern

sammeln mit dem Mund den Nachwuchs und von lieblichen Kräutern;

selber ersetzen sie König und kleine Quiriten, und bauen

neu sich das Reich und die Paläste voll von gewachstem Geflechte.

Oft auch zerscheuern im harten Gestein sie die Flügel beim Herum-

wandern, geben freiwillig das Leben unter der Last hin:

Solche Liebhaberei zu Blumen und Ruhm im Erzeugen

gibt es beim Honig! Obgleich sie nun das kurze des Lebens

fasst (sie sieben Sommer nicht überdauern im Leben),

bleibt doch das unsterbliche Volk, und viele der Jahre

steht das Glück des Hauses, und Ahnen von Ahnen zählt man.


Zudem ehrt weder Ägypten so sehr seinen König noch das große

Lydien, noch die Völker der Parther oder der Meder Hydaspes.

Bleibt der König gesund, ist allen der Wille der gleiche;

ist er dahin, bricht Treue und das gebaute Gemach sie

plündern selber und lösen die Stücke der Waben in Scherben.

Er ist der Hüter des Werks; ihn bewundern sie alle, sie stehen

rings in dichtem Gesumme und drängen sich eng um ihn, heben

oft ihn empor auf den Schultern und bieten im Kriege die Körper

dar und suchen den glorreichen Tod durch tödliche Wunden.


Einige folgten diesen Zeichen und Beispielen; sie meinten,

dass in den Bienen ein Teil göttlichen Geistes und ätherischer

Hauch wohne: Denn Gott gehe durch alle

Ländereien und Meeresteile und tiefen den Himmel;

von ihm die Herden, das Vieh, die Männer, das ganze Geschlecht der

Tiere, zieh jede Seele heran, wenn sie entstehet:

Dass dorthin schließlich alles zurückkehrt und aufgelöst wird

wieder; kein Raum für den Tod ist da; lebendig sie fliegen

schwebend in Sternenzahl und steigen zum himmlischen Hochsitz.


Wenn du jemals den engen Wohnsitz und geretteten Honig

aus den Speichern losgelöst hast, nimm erst einen Wasser-

schwall und besprenge den Mund, halte Rauch als Drohung bereit hin:

(Zweimal im Jahr erntet man die Lasten, zwei Erntezeiten:

Sobald Taygete, Plejade, ihr ehrenwertes Gesicht zeigt

der Erde und Ozeans verschmähte Fluten zurückdrängt;

oder dieselbe, fliehend das Sternbild des wässrigen Fisches,

trauriger in die himmlischen, winterlichen Fluten hinabsteigt).

Ihnen ist Zorn über Maßen; getroffen vergiften sie Wunden

mit Bissen und lassen unsichtbare Stacheln zurück, die

eingedrungen in Adern, und lassen das Leben im Stich zurück.


Fürchtest du den harten Winter und sorgst für die Zukunft, tust du

leid mit dem brüchigen Mut und dem zerstörten Geklüft,

wer zweifelt wohl daran, mit Thymian zu räuchern und leere

Waben zurückzuschneiden? Denn oft frisst unbemerkt Waben

der Molch, und die lichtscheuen Scharen der Schaben,

und unschädlich der Schmarotzer, die Drohne, am fremden Futter,

oder die rauhe Hornisse mengt sich in ungleiche Waffen,

oder die grausame Brut der Motten, oder die Spinne,

Feindin der Minerva, hängt lose Netze an Pforten.

Je mehr erschöpft sie geworden, umso heftiger werden alle

sich aufraffen, die Trümmer des untergegangenen Stammes

zu flicken, und füllen Zellen und flechten aus Blumen Getreide.


Wenn aber (weil das Leben den Bienen auch unsere Leiden

brachte) ihre Körper an trauriger Krankheit erkranken,

wirst du das an unzweifelhaften Zeichen bald merken:

Sofort ist der kranken Farbe anders; schreckliche Magerkeit

entstellt das Gesicht; dann tragen sie Körper der leblosen

Tiere hinaus und führen den traurigen Leichenzug;

oder sie hängen, verbunden an Beinen, am Hauseingang;

oder sie zögern im Innern geschlossener Wohnungen alle,

träge vom Hunger und starr vor zusammengezogener Kälte.

Dann hört man dumpfer den Ton, und sie summen in Trägheit:

Wie einst der kalte Auster in Wäldern herabmurmelt,

wie das gehetzte Meer mit den flutenden Wellen rauscht auf,

wie in geschlossenen Öfen das eilige Feuer brodelt.


Hier nun werde ich raten, galbanischen Duft zu entzünden,

und Honig durch Rohrleitungen einzubringen, freiwillig

mahnend und rufend die Müden zu gewohnten Futterplätzen.

Gut tut's, gestoßenen Gallapfelsaft noch darunter zu mischen,

trockene Rosen und mit starkem Feuer gekochtes,

fettes Sirup, oder Rosinen der Psithischen Traube,

attischen Thymian und stark duftendes Kreuzkraut.


Gibt es doch eine Blume auf Fluren, den Namen Amellus

gaben ihr Ackermänner, ein leicht zu findendes Kraut denn:

Denn aus einer einzigen Rasenwurzel entspringt ihr

ein ganzer Wald, sie selbst ist golden; doch rings in den Blättern,

die sich in Menge um sie ergießen, schimmert das Purpur

schwarzer Veilchen; oft schmücken gewebte Kränze der Götter

deren Altäre; herb ist der Geschmack im Munde; im Wiesengrund

ernten Hirten sie und nah den gekrümmten Mellae-Flüssen.

Dessen Wurzeln koche in duftendem Bacchus, und trage

solches Futter in vollen Körben an Wände und Pforten.


Doch sollte die ganze Brut plötzlich verschwinden, und du

hättest nichts, wodurch neues Geschlecht sich erneuern könnte,

ist es an der Zeit, des arkadischen Meisters erfindende

Kunst darzulegen, und wie geschlachtete junge Rinder

oft den unreinlichen Bienenblut brachten. Tiefgreifender

werde ich die Geschichte ganz von dem Ursprung her erzählen.


Denn da, wo das glückliche Volk des Pellaïschen Canopus

das überschwemmte, schlammige Wasser des Nils bevölkert,

und in bunten Kähnen herumfährt auf ihren Fluren;

da, wo die pfeilbewehrte Nachbarschaft Persiens drängt

und das grüne Ägypten mit schwarzem Sand fruchtbar macht,

und der Fluss stürzt in sieben verschiedene Mündungen ab und

eilt herab von den farbigen Indern;

legt jede Region auf diese sichere Kunst Hoffnung.


Erst wird ein kleiner und gerade für diesen Bedarf passender

Ort ausgesucht: den engen, mit spitzem Firste versehenen

Raum drängen sie durch feste Wände und fügen vier Fenster hinzu,

vier nach den Winden, mit schrägem Lichte versehen.

Dann sucht man einen zweijährigen Stier, der die Hörner schon krümmt an

der Stirn: dem werden beide Nasen und Luftholen im Mund

unter viel Wehren verstopft, und durch Schläge getötet

wird das Fleisch im ganzen Fell aufgelöst.

So lassen sie ihn geschlossen liegen, und unter die Rippen

werfen sie Bruchstücke von Zweigen, Thymian und frische Kassie.

Dies geschieht, wenn die Westwinde erstmals die Wellen antreiben,

ehe die neuen Wiesen in frischen Farben erröten, ehe

schwaatzende Schwalben das Nest an die Decke hängen.

Inzwischen gerät der zarte Saft in den Knochen

in Gärung und Hitze; und wundernswürdige Tiere, wunder-

lich anzusehn, erst ohne Füße, bald auch mit Schwingen,

mischen sich und erobern mehr und mehr die dünne Luft:

Bis sie wie sommerlicher Gewitterguss

aus den Wolken brechen oder Pfeile von gespanntem Bogen,

wenn die schnellen Parther den ersten Kampf je beginnen.


Welcher Gott, o Musen, hat diese Kunst uns entdeckt?

Woher nahm die neue Erfahrung der Menschen den Anfang?


Hirta Aristäus, fliehend das Tempotal im Peneus,

da, wie man sagt, die Bienen durch Krankheit und Hunger verloren,

stand traurig am heiligen Quell des äußersten Flusses,

klagte viel und redete mit diesen Worten die Mutter an:

„Mutter! Cyrene, Mutter! Die du die Tiefen des

Flusses hältst, warum hast du mich von erhabenem Götterstamm

(wenn mein Vater, wie du behauptest, der Thymbräische Apoll ist)

ungeliebt vom Schicksal geboren? Wo ist deine Liebe

hin zu mir? Warum hießest du mich den Himmel erhoffen?

Siehe, ich gebe selbst diese Ehre des sterblichen Lebens,

die mir kaum die kluge Pflege von Getreide und Vieh

mühsam errungen hatte, unter dir, Mutter, auf.

Wohl denn, reisse selbst mit eigener Hand die glücklichen

Wälder aus; bring feindliches Feuer in die Ställe, vernichte die

Ernte, verbrenne die Saat, und schwinge die scharfe Axt

gegen die Reben, wenn solch starker Überdruss meines Ruhms dich erfasste.“


Doch die Mutter hörte das Klagelied im Gemach des tiefen

Flusses; um sie herum spannen die milischen Nymphen

Fäden, gefärbt mit dem Saft der dunkelblauen Farbe:

Drymo, Xanthe, Ligeia, und Phyllodoce dazu,

offen das glänzende Haar über den blendenden Hals;

Nesaë, Spio, Thalia, Cymodoce dazu,

Cydippe und die blonde Lycorias, jene zweite Jungfrau,

jene, die eben erst die ersten Schmerzen der Lucina

erfuhr; Clio und Beroë, beide ozeanische Schwestern,

beide geschmückt mit Gold, beide in bunte Felle gekleidet,

Ephyre und Opis, und die asiatische Deïopeia,

und schließlich mit abgelegten Pfeilen die schnelle Arethusa.


Unter ihnen erzählte Clymene von der eitlen Sorge des

Vulkan, von den Rissen des Mars und den süßen Verstecken;

und zählte die dichten Liebschaften der Götter vom Chaos an auf.

Während sie, gefesselt vom Lied, weich am Spinnrocken Fäden

abwickeln, schlug das Leid des Aristäus zum zweiten

Male an die mütterlichen Ohren; auf gläsernen Sitzen

starrten alle; doch Arethusa schaute vor allen

Schwester voraus, hob das blonde Haupt aus der obersten Welle,

und rief von ferne: „O Schwester Cyrene, nicht umsonst erschreckt durch

solch große Klage, traurig steht dein größtes Anliegen,

Aristäus, an dem Ufer des peneiischen Vaters,

weint und nennt dich bei Namen grausam.“

Ihn traf im Geist neue Furcht, und die Mutter rief:

„Führe ihn, ja führe ihn zu uns; es ist ihm erlaubt, die Schwelle der

Götter zu berühren.“ Gleichzeitig befiehlt sie dem hohen Fluss,

sich weit zu teilen, wohin der Jüngling den Schritt lenkt:

Aber die Welle stand um ihn wie ein gebannter Berg,

und nahm ihn im weiten Schoß auf und schickte ihn unter den Fluss.


Nun bewundernd betrat er des Mutterhaus, sah die feuchten

Reiche, die Grotten und Seen, die verschlossen, die tönenden Haine;

staunend vor mächtiger Flut der Gewässer, er schaute die Ströme,

wie sie im Schoße der Erde, in weithin zerstreuten Gebieten

glitten: den Phasis, den Lycus, das Haupt, wo der hohe Enipeus

erstlich hervorbrich, den Tiber, des Anio flutende Wasser,

tönend den steinigen Hypanis, Mysiens Caicus,

und den an beiden Gehörnen mit Stierantlitz goldnen Eridanus,

dem an Gewalt unter Strömen, die durch die fetten Gefilde

in das purpurne Meer hinabströmen, keiner sich misst.


Nachdem man das Dach im Bimsstein hängender Halle

nun erreichte, und Cyrene das eitle Wehklagen ihres

Sohnes vernahm, reichen die Schwestern im Reihen die Quellen,

glatte Tücher mit Schur zu den Händen; ein Teil deckt die Tische,

lädt die Becher voll auf; auf panchäischen Flammen die Altäre

glühen. Und die Mutter: „Ergreife die Schale des Weines

aus Mäonien; lasst uns dem Ocean opfern“, so sprach sie.

Gleichzeitig betet sie selbst zum Vater Ocean, dem der Dinge

Anfang, und zu den Schwestern, den Nymphen, die hundert der Wälder,

hundert der Flüsse behüten. Dreimal goss sie den brennenden

Nektar auf die Vesta, dreimal stieg die Flamme zum Höchsten

auf und erstrahlte am Dach. Gestärkt durch das Zeichen des Glücks so,

beginnt sie selber die Rede:


„Es weilt im karpathischen Meere des Neptunus ein Seher,

Proteus, der meerblau, der mit Fischen das mächtige Äquor

sowie mit dem Wagen der zweifüßigen Rosse vermisst.

Dieser besucht nun die Häfen Emathiens, die Heimat,

Pallené; ihn verehren wir Nymphen, auch Nereus, der Greis, selbst;

denn der Seher weiß alles: was ist, was gewesen, was künftig

kommen mag. So gefiel es Neptunus, dessen gewaltige

Herden und häßliche Robben er weidet im Schlunde der Tiefe.

Diesen, mein Sohn, musst du erst mit Banden fesseln, auf dass er

dir die Ursache der Krankheit enthülle und Erfolg verleihe.

Denn ohne Gewalt gibt er keine Gebote, noch durch Gebete

beugst du ihn: wende harte Gewalt an und Fesseln, wenn er gefangen;

denn daran nur wird seine eitle List zerbrechen.

Ich selber werde dich, wenn die Sonne die Gluthitze steigert,

wenn die Kräuter dürsten und das Vieh schon den Schatten begehrt,

in das Versteck des Greises führen, wohin er müde von Wellen

sich begibt, damit du leicht schlafend ihn angreifst.

Doch wenn du ihn mit Händen und Fesseln ergriffen hältst,

dann werden dich wechselnde Trugbilder täuschen und Antlitz

wilder Tiere: er wird plötzlich zum borstigen Eber, zur schwarzen

Tigress, zum schuppigen Drachen, zur Löwin mit gelblichem Nacken;

oder er gibt einen scharfen Knall wie von Flammen und wird so

aus den Banden entfliehen, oder in dünne Wasser zerrinnen.

Doch je mehr er sich wandelt in jegliche Form, o mein Sohn,

desto mehr spanne fester die dauernden Fesseln,

bis er mit verändertem Körper sich findet als jener,

den du sahst, als er, von der ersten Müdigkeit übermannt, die Augen im Schlaf schloß.“


Sie sprach und verströmte den flüssigen Duft der Ambrosia,

mit dem sie des Sohnes Körper ganz überzog: und es duftete

süß aus den ordentlich geordneten Haaren, und kräftige Kraft

kam in die Glieder. Es ist eine gewaltige Höhle,

tief in der Felswand, wohin sich das Wasser, vom Winde getrieben,

sammelt und in die zurückweichenden Buchten sich spaltet;

für die Seefahrer einst, die verschlagen, ein sicherster Rastplatz.

Innen verbirgt sich Proteus hinter dem Hindernis riesigen Steins.

Hier platziert die Nymphe den Jüngling, vom Lichte abgewandt,

in der Verborgenheit: sie selbst harrt fern, verschleiert im Nebel.


Schon brannte der schnelle Sirius am Himmel, die durstigen Inder

dörrend, und die feurige Sonne hatte den mittleren Kreis

schon durchmessen; es dürsteten Gräser, und die hohlen Flüsse,

von den Strahlen gewärmt, verkochten zu Schlamm in der dürren

Kehle, als Proteus, die gewohnten Höhlen aus Fluten

suchend, herankam: um ihn her das nasse Geschlecht des weiten

Meeres, frohlockend, verstreut den bitteren Tau weit umher.

Auf dem Ufer legen die Robben sich hin zum Schlaf.

Er selbst, wie einst der Hüter des Stalls im Gebirge,

wenn der Abend die Kälber von der Weide zurück in das Haus führt

und die Lämmer, das Blöken vernommen, die Wölfe reizen,

setzt sich auf den Felsen in die Mitte und zählt die Zahl.


Da Aristaeus nun die Gelegenheit dazu geboten,

kaum dass er den Greis die müden Glieder zur Ruhe legen ließ,

stürmt er mit großem Geschrei und überwältigt den Liegenden mit Handschellen.

Jener jedoch, seiner Kunst nicht unkundig,

wandelt sich in alle Wunderdinge der Welt,

in Feuer, in ein schreckliches Tier, in fließenden Strom.


Doch als keine List ihm die Flucht mehr eröffnete, kehrt er,

besiegt, in sich selbst zurück und spricht endlich mit Menschenmund:

„Wer, du Kühnster der Jünglinge, hieß dich unsere Häuser

betreten? Oder was suchst du von hier?“, spricht er. Doch jener:

„Du weißt es, Proteus, du weißt es selbst; es gibt niemanden,

den du täuschen könntest; doch du, lass ab vom Wollen. Den Göttern gehorchend,

kamen wir hierher, für die verfallenen Dinge Orakel zu suchen.“

Das sagte er bloß. Darauf blickt der Seher endlich mit großer Gewalt

die brennenden Augen mit grünlich-grauem Licht,

und schwer mit den Zähnen knirschend, löst er das Schicksal mit dem Mund:


„Nicht die Zornesausbrüche einer Gottheit suchen dich heim;

große Schuld büßt du: für dich erregt der beklagenswerte Orpheus

diese Strafe keineswegs nach Verdienst, wenn die Schicksale nicht widerstehen,

und wütet schwer um die geraubte Gattin.

Sie zwar, als sie, vor dir flüchtend, durch die Flüsse eilte,

sah nicht die grausame Wasserschlange, die, vor den Füßen

sterbend, die Ufer im hohen Grase bewachte.

Doch der Chor der gleichaltrigen Dryaden füllte mit Geschrei

die höchsten Berge; es weinten die rhodopeischen Höhen,

das hohe Pangaion, und Rhesus’ kriegerisches Land,

und die Geten, und der Hebrus, und die actische Orithyia.

Er selbst, den kranken Schmerz mit der hohlen Schildkröte lindernd,

dich, süße Gattin, dich am einsamen Ufer mit sich,

dich, beim nahenden Tag, dich, beim scheidenden, besang er.“


„Sogar die Tänarischen Schlünde, die hohen Pforten des Dis,

und den von schwarzem Grauen verfinsterten Hain

betrat er, und ging zu den Manen und dem bebenden König,

und zu den Herzen, die menschlichen Gebeten nicht zu erweichen wussten.

Doch, bewegt vom Gesang, gingen aus den untersten Sitzen des Erebus

die Schatten, die Trugbilder derer, die des Lichts entbehren:

so viele wie Tausende Vögel, die in den Blättern sich bergen,

wenn der Abend oder der winterliche Regen sie von den Bergen treibt:

Mütter und Männer, und die Leiber der Helden, denen das Leben

entwich, Knaben und unvermählte Mädchen,

und Jünglinge, die vor den Augen der Eltern auf den Scheiterhaufen gelegt;

die ringsum der schwarze Schlamm und das häßliche Schilf

des Cocytus, und der träge Sumpf mit unliebsamer Welle

umschließt, und die neunmal dazwischenfließende Styx gefangen hält.“


„Ja, sogar die Häuser und die innersten Tartarus-Tiefen

starrten, und die Eumeniden, die blaugrüne Schlangen

im Haar flochten; und Cerberus hielt, aufgesperrt, die drei Rachen;

und Ixions Rad hielt im Winde des Kreises still.

Und schon, den Schritt zurückwendend, war er allen Zufällen entronnen,

und die Eurydice, die wiedergegebene, kam zu den oberen Lüften,

hinter ihm folgend (denn dieses Gesetz hatte Proserpina gegeben),

als eine plötzliche Unbesonnenheit den unvorsichtigen Liebenden ergriff,

entschuldbar zwar, wenn die Manen zu verzeihen wüssten!

Er hielt inne, und, ach!, vergessen und vom Geist besiegt,

sah er seine Eurydice, schon unter dem Lichte selbst, zurück: da war alle

Mühsal vergossen, und die Bündnisse des unerbittlichen Tyrannen

gebrochen, und dreimal das Krachen in den Sümpfen des Avernus vernommen.

Sie: „Wer hat mich, sagt sie, die Elende, und dich vernichtet, Orpheus?

Welcher so große Wahnsinn? Siehe, wiederum rufen die grausamen

Schicksale zurück, und der Schlaf verschließt die schwimmenden Augen.

Und nun lebe wohl: ich werde getragen, umhüllt von riesiger Nacht,

und strecke dir, ach!, nicht deine Hände aus.“


Sie sprach und floh plötzlich aus den Augen, wie Rauch, der sich in

die dünne Luft mischt, in eine andere Richtung; und ihn, der

vergeblich die Schatten griff und vieles noch sagen wollte,

sah sie nicht mehr; auch ließ der Fährmann des Orcus

ihn nicht mehr durch den entgegenstehenden Sumpf fahren.

Was sollte er tun? Wohin sich wenden, nachdem die Gattin zweimal geraubt?

Mit welchem Wehklagen sollte er die Manen, mit welcher Stimme die Götter bewegen?

Sie fuhr schon kalt auf dem stygischen Nachen.“


„Sieben ganze Monate lang, so sagt man, in der Reihenfolge,

unter dem luftigen Felsen, an der Welle des einsamen Strymon,

habe er geweint und dies in den kalten Höhlen entfaltet,

die Tiger besänftigend und die Eichen mit dem Gesang leitend.

Wie die Philomela, trauernd im Schatten der Pappel,

ihre verlorenen Jungen beklagt, die ein grausamer Pflüger,

den Nest beobachtend, flüggenlos herauszog: doch sie

weint die Nacht durch, und auf dem Zweig sitzend, ihr jämmerliches Lied

wiederholt sie, und füllt die Orte weit mit traurigen Klagen.

Keine Venus, keine Hymenäen haben seinen Geist gewendet.“


„Allein durchquerte er die hyperboreischen Eise und den verschneiten Tanais,

und die Gefilde, die niemals von den rhipäischen Reifschichten

ledig sind, die geraubte Eurydice und die eitlen Geschenke

des Dis beklagend. Die verschmähten Matrosen der Ciconen,

inmitten der heiligen Götter und der nächtlichen Orgien des Bacchus,

zerstückelten den Jüngling und streuten ihn weit über die Felder.

Auch damals, als das Haupt, von der marmornen Wirbelsäule abgerissen,

der öagrische Hebrus, es tragend mitten im Strom,

wälzte, rief die Stimme selbst und die kalte Zunge,

ach! die arme Eurydice, während das Leben entwich;

Eurydice hallte der ganze Fluss und die Ufer wieder.“


Das sagte Proteus: und begab sich mit einem Wurf in das tiefe Meer;

und wo er sich hinbegab, wirbelte er das schäumende Wasser unter dem Wirbel.


Doch nicht Cyrene; denn sie sprach von sich aus zu dem Ängstlichen:

„Mein Sohn, es ist erlaubt, die traurigen Sorgen im Geist abzulegen.

Dies ist die ganze Ursache der Krankheit; daher sandten die Nymphen,

mit denen jene im hohen Haine die Reigentänze vollführte,

das Verderben über die Bienen. Du, flehend, reiche die Gaben,

bitte um Frieden und verehre die nachsichtigen Napäen:

denn sie werden den Bitten Verzeihung gewähren und den Zorn ablegen.


Doch, wie die Art des Bittens sei, werde ich erst in der Reihenfolge sagen.

Wähle vier herausragende Stiere von hervorragendem Körper,

die dir nun auf den Höhen des grünen Lycaeus weiden,

und ebenso viele Färsen mit unberührtem Nacken.

Errichte für diese vier Altäre bei den hohen Heiligtümern der Göttinnen

und lasse das heilige Blut aus den Kehlen fließen,

und lasse die Körper der Rinder selbst im blätterreichen Haine.

Danach, wenn die neunte Morgenröte ihre Aufgänge gezeigt hat,

wirst du Orpheus als Totenopfer lethäische Mohnblumen senden;

die besänftigte Eurydice wirst du mit geschlachtetem Kalb verehren;

und du wirst ein schwarzes Schaf schlachten und den Hain wieder besuchen.“


Kein Zögern: Sogleich führt er aus, was die Mutter geboten;

geht zu den Heiligtümern; die gezeigten Altäre erhebt er;

vier auserlesene Stiere von herrlicher Statur führt er

dorthin, und ebenso viele Färsen, die noch nie das Joch trugen.

Dann, als die neunte Morgenröte ihre Strahlen heraufgeführt,

sendet er Orpheus das Totenopfer und besucht den Hain wieder.

Doch da (ein plötzliches und sprachlich wunderbares Ungeheuer!)

erblicken sie, wie in den verwesten Eingeweiden der Rinder

durch den ganzen Bauch Bienen summen, und aus den gebrochenen Rippen

herausquellen, und riesige Wolken sich ziehen; schon sammeln sie sich

auf dem höchsten Baume und lassen als Traube sich an biegsamen Zweigen nieder.


Dies sang ich über die Pflege der Felder und der Herden,

und über die Bäume, während der große Caesar am hohen

Euphrat im Kriege blitzt, und als Sieger den willigen

Völkern Gesetze gibt und den Weg zum Olymp sich bahnt.

Zu jener Zeit nährte mich, Virgil, das süße

Parthenope, mich, der blühte in Studien der ruhmlosen Muße;

ich, der ich Hirtenlieder spielte, und kühn in der Jugend,

Tityrus, dich unter dem Schutz der weitverzweigten Buche besang.