WERKE UND TAGE VON HESIOD

DEUTSCH VON TORSTEN SCHWANKE




Musen, aus Pierien herkommend, mit Liedern verkündend,

kommt, den Vater besingt, den Zeus, und preiset ihn lobend!

Durch ihn allein ja sind alle Menschen berühmt oder namenlos,

redlich und schweigsam zugleich, durch den Willen des großen Kronion.

Leicht macht er stark, doch er stürzt auch den Starken ins Elend;

leicht macht er klein den Erhabenen, hebt den Geringen zur Höhe;

leicht auch beugt er den Krummen, und stolze Männer erlahmen –

Zeus, der im Donner thront, der die Hallen bewohnt in den Höhen.


Höre, o sieh und vernimm! Mit Gerechtigkeit lenke die Satzung,

Perses, du! Ich hingegen will Wahrheit dir nunmehr verkünden.

Nicht nur ein einziges Geschlecht der Zwietracht (Eris) gibt es auf Erden,

sondern der zwei sind es dort; wer sie denkt, wird die eine wohl loben,

jene ist tadelnswert, doch ihr Sinn ist von Grund aus gespalten.

Denn die eine entfacht nur den bösen Krieg und das Hader,

grausam; kein Sterblicher liebt sie, doch zwingt uns die Not der Unsterb’gen,

dass wir die schwere Eris im Geiste der Satzung nun ehren.

Jene, die andere einst, gebar die finstere Nacht uns,

doch der Kronide, der hoch auf dem Äther thront, hat sie gesetzt uns,

tief in die Wurzeln der Erd’, den Menschen zum weitaus Bess’ren.

Sie weckt selbst den Trägen zur Arbeit, dem Mangel entfliehend:

Denn wenn einer den Nachbar sieht, der reich ist, und eilig

pflüget und pflanzet die Saat und das Haus wohlordnet und pfleget,

neidet der Nachbar den Nachbarn, der eifrig nach Reichtum nun strebet;

gut ist diese Eris für Menschen, die strebend ihr Werk tun.

Töpfer beneidet den Töpfer, und Zimmermann grollt dem Kollegen,

Bettler neidet den Bettler, und Sänger dem Sänger voll Groll ist.


Perses, du aber nimm dies zu Herzen und bewahre es wohl dir:

Dass dich die schadenfrohe Eris nicht abhält vom Wirken,

wenn du nach Hader nun spähest, als Lauscher am Marktplatz verweilend.

Denn es ist wenig der Zeit für Hadern und Marktgespräche,

wenn nicht die Vorratsspeicher das Brot uns füllen im Hause,

frühreif, das uns die Erde nun schenkt, des Demeters Ertrag wohl.

Wenn du an diesem dich sattst, magst du Hadern und Streit noch vermehren

um das Gut derer andern; doch niemals wird dir es gestattet,

wieder so zu verfahren. Vielmehr lass uns schlichten den Hader,

gerade, nach rechtlichem Urteil, das Zeus uns als bestes gegeben.

Denn wir haben die Lose geteilt, doch das Meiste hast du nun

raubend gerafft und geehrt die Könige, jene Bestech’nen,

die diese Rechtssprüche fällen, das Urteil so gerne gewollt dort.

Toren! Sie wissen es nicht, wieviel mehr doch die Hälfte vom Ganzen,

noch wieviel Heil in der Malve liegt und in Asphodelos-Blüten.


Denn verborgen den Menschen im Leben gehalten die Götter

haben den Lebensunterhalt. Sonst könntest du mühelos einen

einzigen Tag nur arbeiten, so dass ein Jahr du genössest,

selbst wenn du müßig noch wärst; dann hängtest du rasch das Steuer

über den Rauch in das Haus, und der Ochsen und Maultiere Arbeit

wäre am Ende nun ganz. Doch Zeus hat es wohl uns verborgen,

zornig in seinem Gemüt, weil Prometheus, der schlau sich erdachte,

ihn ja betrogen hat. Drum schuf er den Menschen das Wehe.

Feuer verbarg er. Doch hat es der Sohn des Iapetos wieder

listig gestohlen den Menschen, dem weisen Zeus wohl entwendet,

in einem hohlen Stab, als er Zeus, den Blitzebezwinger,

täuschte. Da sprach voll Zorn der Wolkensammler ihm zu nun:

„Sohn des Iapetos, du, der du klüger bist als die and’ren,

freust dich des Diebstahls am Feuer, hast meine Sinne berücket;

dir ist ein großes Verderben und allen Menschen zukünftig.

Ich aber geb’ ihnen nun für das Feuer ein Übel, an welchem

alle ihr Herz wohl erfreuen, das eigene Übel umarmend.“

Also sprach er, und laut es lachte der Vater der Menschen.

Hephaistos hieß er, der kundige, rasch nun aus Erde und Wasser

etwas zu formen, dem Menschen die Stimme zu geben, die Kraft auch;

gleichend in Anlitz den Göttinnen, lieblich und schön, eine Jungfrau,

bildhaft wunderbar schön; und Athena den Webstuhl zu lehren,

dass sie das kunstreiche Tuch dort webe; dazu Aphrodite,

dass sie den Glanz um das Haupt ihr gieße, ein goldenes Leuchten,

dass sie Verlangen entbrenne und schmerzliche Sorgen im Gliede;

Hermes aber, den Boten, den Scharfen, den Mörder des Argos,

hieß er den schamlosen Sinn ihr zu geben und betrügerisch Wesen.

Also sprach er; sie folgten dem Zeus, dem Herrscher, dem Sohne.

Rasch nun bildete aus der Erde der kundige Künstler

eine Maid, der scheuen Gestalt, nach des Kroniden Befehle;

schmückte sie wohl und gürtete sie die Göttin, Pallas Athene;

um sie die Chariten-Göttinnen, dazu die göttliche Peitho,

legten die goldenen Halsbänder um den Leib ihr, und um sie

wandten die Horen mit schönem Haar Frühlingsblumen den Kranz ihr;

Pallas Athene nun ordnete jeglichen Schmuck an dem Leibe.

In ihre Brust aber legte der Bote, der Mörder des Argos,

Lügen und schmeichelnde Worte und betrügerisch Wesen,

nach des tiefdonnernden Zeus’ Befehl; und die Stimme er gab ihr,

herold der Götter, und nannte die Frau nun Pandora, weil alle,

die dort im Olymp wohl wohnen, das Geschenk ihr gegeben,

Menschen, die Mühsal ertragen, das Übel, das ihnen nun bleibt dort.


Doch als das Ende der Arglist vollendet war, unentwirrbar,

sandte der Vater den Boten, den raschen, zu Epimetheus,

mit dem Geschenk in der Hand; nicht dachte Epimetheus daran,

wie ihn Prometheus warnte, niemals ein Geschenk zu empfangen

von Zeus, dem Olympier her, es zurück ihm zu senden,

dass nicht ein Übel den Menschen erwachse. Er aber empfing es,

hatte das Unheil nun schon, da erst verstand er den Fehler.

Denn zuvor lebten auf Erden die Stämme der Menschen doch friedlich,

frei von den Leiden und frei von der mühevollen Arbeit,

frei von den quälenden Seuchen, die Menschen den Tod nun bereiten;

denn in dem Elend altern die Sterblichen rasch nun im Alter.

Doch die Frau mit den Händen vom Fasse den Deckel nun öffnete,

streute die Leiden hinaus und schuf den Menschen das Wehe.

Einzig die Hoffnung blieb dort im unzerbrechlichen Hause,

drinnen, unter dem Rande des Fasses, sie flog nicht hinaus erst,

denn vor dem Rande noch hielt den Deckel der göttliche Wille,

Zeus’, der die Ägis hält, des Wolkensammlers im Himmel.

Andere Myriaden von Leiden umher bei den Menschen nun schweifen;

voll ist die Erde von Übeln, und voll ist das Meer der Gefahren;

Krankheiten suchen die Menschen bei Tage, bei Nacht nun,

spontan, und bringen den Sterblichen still ihre Qualen,

da ja die Stimme der Götter nun weggenommen hat Zeus, der allweise.

Also ist nirgendwo möglich, dem Sinne des Zeus zu entkommen.


Doch wenn du willst, ein anderes Wort will ich dir noch verkünden,

gut und verständig; du aber bewahre dies wohl in dem Herzen,

wie aus demselben Ursprung die Götter und sterblichen Menschen.

Eines aus Gold, das Geschlecht der redenden Menschen, erst schufen

Götter, die dort im Olymp wohl wohnen, als erste auf Erden.

Diese lebten zu Kronos’ Zeit, als er den Himmel regierte;

wie die Götter sie lebten, ein Herz ohne Sorgen im Busen,

fern von der Mühsal und fern von dem Jammer; auch gab es kein elend

Greisenalter; die Füße und Hände blieben stets gleiche,

freuten sich stets bei den Festen, von allen Übeln nun fernab;

starben dahin wie im Schlaf, besiegt von dem Tode; doch alles

Gute war ihr nun eigen; die fruchtbare Erde gab Früchte

selbst und im Überfluss, reichlich. Sie aber, willig und friedlich,

bauten ihr Werk mit dem Guten in Menge, die reich an den Herden,

lieb den seligen Göttern. Doch als dies Geschlecht nun die Erde

deckte, da sind sie nun Geister durch des großen Kronion’ Beschlüsse,

edle, auf Erden wohnend, die Wächter der sterblichen Menschen,

die sie bewachen die Rechte und schändliche Werke auf Erden,

dunkle Nebel sich kleidend, umhergehend überall auf der Welt,

Reichtum gebend; dies Amt als Ehre der Könige hatten.

Ein zweites Geschlecht nun, das andere, viel schlechter als jenes,

schufen aus Silber die Götter, die dort im Olymp wohl wohnen,

weder an Wuchs dem goldenen gleich noch an Sinn im Gemüte.

Denn hundert Jahre wuchs auf bei der Mutter der Knabe,

spielend im eigenen Haus, noch sehr dumm und unwissend.

Doch als er heranwuchs dann und das Maß seiner Jugend nun erreichte,


Kurze Zeit nur lebten sie noch, da sie Schmerz ja erlitten,

wegen des Unverstands. Denn die freche Hybris, sie konnten

nicht voneinander abwehren, auch wollten sie nicht den Unsterb’gen

opfern, noch auf den heiligen Altären der Sel’gen sie ehren,

wie es sich ziemt für die Menschen nach Brauch. Da hat sie der Kronide

Zeus im Zorn nun verborgen, weil sie nicht die Ehre den Göttern

gaben, die dort auf dem Olymp nun wohnen, die seligen Mächte.

Doch als auch dieses Geschlecht unter der Erde nun ruhte,

werden sie zwar Unterirdische, Sel’ge, genannt von den Menschen,

als die zweiten zwar, doch gebührt auch ihnen die Ehre.


Zeus, der Vater, ein drittes Geschlecht der redenden Menschen

schuf aus Erz, das dem silbernen nicht im Geringsten wohl glich;

aus den Eschen entsprossen, furchtbar und gewaltig; den Werken

Ares’ hingen sie an, dem Jammer und Stolz; und kein Getreide

aßen sie, sondern aus Diamant war ihr trotziges Herz fest.

Unbeugsam; gewaltige Kraft und Hände, die keiner

bändigen kann, wuchsen ihnen aus Schultern an stämmigen Gliedern.

Erzern war ihre Rüstung, erzern auch die Häuser der Männer,

mit Erz sie arbeiteten; schwarzes Eisen war ihnen noch fremd dort.

Jene, die fielen durch eigene Hand, von der Kraft überwältigt,

gingen hinab in das düstere Haus des schaurigen Hades,

namenlos; Tod, auch wenn sie so furchtbar, raffte sie nieder,

schwarz, und sie ließen das glänzende Licht der Sonne nun hinter.


Doch als auch dieses Geschlecht unter der Erde nun ruhte,

schuf der Kronide Zeus auf der nährenden Erde noch einmal

ein viertes, gerecht’res Geschlecht und ein edleres weitaus,

göttliches Heldenvolk, das man nennt die Halbgötter, eine

frühere Sippe auf Erden, die weithin schweifte die Wege.

Diese nun raffte der böse Krieg und das schreckliche Brüllen

unter dem siebentorigen Theben, im kadmeischen Lande,

weil sie fochten um Herden, die einst dem Ödipus dienten;

andere aber auf Schiffen, über das große Gefilde der Fluten,

nach Troja führte man sie, um der schönlockigen Helena willen.

Dort umschloss sie das Ende des Todes, die anderen aber

gab Zeus, der Vater, ein Leben, das fern von den Menschen sich abspielt,

siedelnd an Enden der Erde, weit weg von den sterblichen Leuten.

Dort sie wohnen, ein Herz ganz frei von der Mühsal besitzend,

auf den Inseln der Seligen, nahe dem tieffließenden Ozean;

glückliche Helden, denen den honigsüßen Ertrag

dreimal jährlich die Erde gebiert, die fruchtbare, reiche.


[Weit weg von den Göttern; dort herrscht Kronos als König.

Denn seine Fesseln löste der Vater der Menschen und Götter,

jenen den Letzten gab er die Ehre und Ruhm als Geschenk noch.

Nicht hat ein anderes, rühmliches Volk der weithinblickende Zeus noch

schaffen können, als diese, die dort auf der nährenden Erde.]


Nicht mehr sollte ich dann unter dem fünften Geschlecht wohl noch leben,

sondern ich wollte, ich wäre zuvor schon gestorben, nachher

wäre ich einst wohl geboren. Denn nun ist das eherne Zeitalter,

niemals tagsüber werden sie ruh’n von der Mühsal und Jammer,

auch nicht bei Nacht, sich verzehrend; viel Leid werden Götter nun schenken.

Doch auch diesen wird dennoch das Gute sich mischen mit Übeln.

Zeus wird auch dieses Geschlecht der redenden Menschen vernichten,

wenn sie bei der Geburt schon graue Schläfen nun tragen.

Nicht mehr wird dann der Vater den Kindern gleich sein, noch die Kinder

ihm, noch der Gast dem Gastgeber, noch der Gefährte dem Freunde,

nicht mehr der Bruder dem Bruder, wie es früher doch war ja.

Rasch werden sie, wenn sie altern, die Eltern mit Schimpf nur verachten,

grollen mit harten Worten und sie, die Unsel’gen, schmähen,

ohne der Götter Vergeltung zu kennen; sie werden den Eltern,

wenn sie nun alt sind, den Dank für die Nahrung nicht mehr nun erstatten.

[Recht mit Gewalt, und einer den and’ren, die Stadt wird er plündern.]

Kein Dank wird sein für Eide, noch für Gerechtigkeit gelten,

weder für Gutes, man wird den Täter der Übel und Hybris,

einen Mann, der so hochmütig ist, vielmehr noch nun ehren;

Recht ist in Händen, und Anstand wird nirgendwo jemals mehr sein;

schaden wird der Schlechte dem Besseren, redend mit Worten,

krummen und schiefen, und darauf noch einen Eid er nun schwören.

Neid, der die armen Menschen verfolgt, der hässliche, schadenfrohe,

der mit abscheulicher Miene, wird alle Begleiter wohl sein dort.

Und dann werden zum Olymp, von der Erde, der weit ausgebreiteten,

hüllend den schönen Leib in die weißen Gewänder, die Götter

aufsuchend, die Sippe der Unsterblichen, und sie verlassen,

Aidós und Nemesis, und zurückbleiben werden die Leiden,

schmerzlich für sterbliche Menschen; gegen das Übel ist keine Rettung.


Nun aber will ich den Königen sagen ein Gleichnis, den klugen:

Also sprach der Habicht zur nachtigall, der buntgehalsten,

hoch in den Wolken sie tragend, die Krallen fest in ihr schlagend;

sie, die Jammervolle, durchbohrt von den krummen Krallen, sie weinte;

der aber sprach mit Gewalt ihr das Wort, der Mächtige, spöttisch:

„Du, o Wunderliche, was schreist du? Es hält dich der Stärkere fest nun!

Dorthin gehst du, wohin ich dich führe, auch wenn du eine Sängerin bist;

Mahlzeit, wenn es mir beliebt, werde ich halten, oder dich lassen.“


[Dumm ist, wer gegen Stärkere will den Streit nun bestreben;

Mangel an Sieg er erleidet und Schmerzen zu Schande noch spürt.]

Also sprach der schnellfliegende Habicht, der langschwingige Vogel.


Du aber, Perses, höre auf Dike, und nähre nicht Hybris;

denn die Hybris ist schlecht für den armen Sterblichen; auch nicht

leicht kann der Edle sie tragen, er ächzt ja unter der Last nun,

wenn er in Unheil gerät; ein anderer Weg ist der bessere,

hin zu dem Rechten; denn Dike wird über der Hybris am Ende

siegen; der Tor nur lernt es, wenn er das Leid nun erfahren.

Denn gleich läuft der Eid dem krummen Urteil nun nachher.

Lärmend ist Dike, wenn sie geschleift wird, wohin man sie schleppt dort,

Männer, die Bestechlichen, und schiefe Urteile fällen.

Sie aber folgt, weinend die Stadt und das Wesen der Leute,

hüllend sich in den Nebel, den Menschen das Übel nun bringend,

die sie vertrieben und nicht den geraden Weg sie bereitet.


Die aber, die Fremden und Einheimischen das Recht nur gewähren,

gerades, und niemals vom Rechten zum Unrecht nun weichen,

denen blüht die Stadt, und das Volk blüht auf in ihr fröhlich;

Frieden herrscht in dem Land, der die Jugend nährt, und niemals

wird ihnen Krieg, der leidvolle, wohl angedroht durch den weiten

Zeus; niemals wird den Männern, die rechtlich urteilten, Hunger

folgen, noch Unheil; bei Festen in Freude das Werk sie verrichten.

Ihnen bringt die Erde viel Lebensunterhalt; auf den Bergen die Eichen

tragen oben die Eicheln, in der Mitte den Honig der Bienen;

wollige Schafe sind schwer von der Last der Vliese, die schwer sind;

Kinder gebären die Frauen, den Eltern in allem nun gleich dort;

blühend im Guten beständig; nicht müssen sie fahren auf Schiffen,

denn die fruchtbare Erde bringt ihnen alles, was nötig.


Denen aber, die Hybris nur pflegen und schändliche Werke,

denen bestimmt Dike das Schicksal, der weithinblickende Zeus,

oftmals muss die ganze Stadt für den bösen Mann büßen,

der da frevelt und sündige Pläne nun klug sich erdachte.

Ihnen sendet vom Himmel der Kronide großes Verderben,

Hunger zugleich und Pest; das Volk, es geht nun zugrunde;

nicht gebären die Frauen, die Häuser schwinden dahin nun,

durch den Willen des Zeus, des Olympischen; manchmal vernichtet

er ihr großes Heer, oder ihre Mauern, oder die Schiffe

auf dem Meere, zur Strafe für ihr Tun, der Herrscher Kronion.


Ihr nun, Könige, achtet auch selbst auf dieses Urteil;

denn unter den Menschen sind Götter, die nahe nun weilen,

und sie beobachten all jene, die mit krummen Urteilen

andere quälen, und nicht der Götter Vergeltung beachten.

Dreimal zehntausend sind auf der nährenden Erde die Götter,

Wächter des Zeus für die sterblichen Menschen, die alles bewachen,

sowohl die Gerechtigkeit als auch die schändlichen Werke auf Erden,

hüllend in Nebel sich, wandelnd umher überall auf der Welt dort.

Denn es gibt eine Maid, Dike, des Zeus leibliche Tochter,

hochgeehrt und ehrwürdig für Götter, die dort auf dem Olymp wohnen.

Und sobald einer sie kränkt, mit krummen Worten sie schmähend,

setzt sie sich gleich zu dem Vater, dem Kroniden, und ruft nun

ihm zu, den unrechtmäßigen Sinn der Menschen, damit sie

[büßen des Königs Frevel, die Böses im Sinn nun hegend,

schief ihre Urteile beugen, die Worte verzerrend im Munde.]

Hütet euch davor, ihr Könige, und lenkt eure Worte,

ihr Bestechlichen, und vergesst die krummen Urteile gänzlich.


Wer dem andern ein Übel bereitet, bereitet sich selber das Unheil;

denn ein böser Plan ist für den Planer das allerverderblichste.


Alles schaut der Blick des Zeus und alles bedenkt er.


Und er schaut all dies, wenn er will, und es bleibt ihm verborgen

nimmer, welche Gestalt von Gerechtigkeit eine Stadt im Innern

in sich verschließt. Doch nun, so wünscht ich, wäre ich nimmer

unter den Menschen gerecht, noch mein Sohn, denn es ist für den Guten

schlecht, gerecht wohl zu sein, wenn der Ungerechtere größeres

Recht noch besitzt. Doch dies, so hoffe ich, werde der weise

Zeus nicht vollenden alsbald.


Perses, du aber nimm dies zu Herzen und bewahre es wohl dir,

höre auf Dike, und nimm von Gewalt nun Abstand vollkommen.

Denn dies Gesetz hat den Menschen der Kronide als Herrscher gegeben:

Dass die Fische zwar, die Tiere und Vögel, die fliegenden Boten,

einer den andern verzehren, da Recht ihnen fremd ist im Dasein;

doch den Menschen hat er Dike gegeben, die weitaus die beste

ist; denn wenn einer bereit ist, das Rechte zu künden mit Wissen,

dem schenkt Reichtum der weite, der donnernde Zeus aus der Höhe;

wer aber wissentlich lügt, den Eid mit Zeugen beschwörend,

und so der Dike schadet, ein Unheil, das nimmer zu heilen,

dessen Geschlecht wird schwächer, und bleibend im Dunkeln die Nachwelt;

des Mannes aber, der treu den Eid hält, blüht herrlich die Nachwelt.


Dir aber will ich das Heilsame sagen, du törichtester Perses.

Denn das Schlechte, man kann es in Mengen sich wählen, o Freund, nun

leicht; ebener Weg ist der Pfad, und er liegt uns sehr nahe am Hause;

doch vor die Tugend den Schweiß haben Götter, die ewigen, selbst nun

vorher gesetzt; denn lang und steil ist der Pfad, der zu ihr führt,

rauh am Anfang; doch wenn man den Gipfel erreicht hat, so ist er

leicht dann fortan zu begehen, auch wenn er zuvor uns erschwerte.


Jener ist allerbest, der alles im Geiste erwägt nun,

bedenkend, was hinterher und was bis zum Ende am besten;

gut ist auch jener, der dem, der es wohl spricht, gerne gehorcht nun;

wer aber weder selbst denkt noch auf andre hörend im Herzen

etwas bewahrt, der ist wahrlich ein Mann, der zu nichts wohl zu brauchen.


Doch du, gedenke stets unserer Mahnung, und sei nun am Werkeln,

Perses, du göttliches Kind, damit Hunger dich hasse, dich liebe

Demeter, hochgekrönt und ehrwürdig, die Speicher dir fülle

reich mit der Lebensfrucht; denn der Hunger ist stets dem Faulen

wohl ein Gefährte. Die Götter, sie zürnen, wie Menschen auch zürnen,

dem, der müßig dahinlebt, der Drohnen an Art ja wohl gleicht,

welche, die arbeitsscheu, den Fleiß der Bienen nun zehren,

essend; doch dir sei das Werk nun lieb, wohlgeordnet und mäßig,

dass dir die Speicher voll sind der Nahrung zur rechten Zeit wohl.

Durch das Werk werden Männer an Herden reich und an Schätzen;

wer da arbeitet, ist den Unsterblichen weit mehr willkommen,

auch den Menschen; denn sehr sie hassen die faulen Gestalten.


Werk ist keine Schande, doch Müßiggang ist die wahre Schande.

Wenn du nun arbeitest, wird dich der Faule bald neiden, der reich ist;

denn mit Reichtum kommen Tugend und Ansehen mit ihm.

Wie auch dein Schicksal sei, ist das Arbeiten immer das Beste,

wenn du vom fremden Besitz dein unvernünftiges Herz nun

wendest zum Werk und die Lebenskunst übst, wie ich es dir heische.


Scham ist dem dürftigen Mann nicht gut, wenn er Mangel nun leidet;

Scham ist beim Elend, doch Kühnheit beim Reichtum, das ist die Regel.

Scham, die den Menschen sehr schadet und doch auch den Menschen wohl nützet.


Güter sind nicht zu rauben; vom Gotte gegeben sind sie viel besser.

Denn wenn einer durch Kraft seiner Hände den Reichtum gewaltsam

sich nimmt, oder durch Zunge ihn raubt, wie es oftmals ja vorkommt,

wenn der Gewinn das Gemüt des Menschen berückt und täuscht,

und die Scham unterwirft sich der Schamlosigkeit rasch dann;

leicht machen Götter ihn schwach, und es schwinden die Häuser des Mannes,

kurze Zeit nur begleitet ihn dieser Reichtum im Leben.

Gleich ist der Mann, der den Bittflehenden oder den Fremden betrüget,

oder derjenige, der das Lager des Bruders nun besteigt

[schändlich, das Lager der Gattin, in heimlichem Tun sich vergehend],

oder derjenige, der in Unwissenheit Waisen nun kränket,

oder den Vater, der alt ist, am Schwelle zum Alter mit bösen,

harten Worten bestürmt; mit dem zürnt Zeus, der Erhab’ne,

und er bereitet am Ende für Taten die bittere Rache.


Aber du halte davon dein unvernünftiges Herz wohl fern stets.

Nach deiner Kraft opfere heilige Gaben den Göttern,

rein und in Heiligkeit, und verbrenne die glänzenden Schenkel;

andermal aber versöhne sie durch Trankopfer und Opfer,

sowohl wenn du schlafen gehst, als auch wenn das heilige Licht kommt,

dass sie ein gnädiges Herz und Gemüt dir bewahren in allem,

dass du den Anteil der andern kaufst, und nicht deiner den andern.


Lade den Freund zum Gastmahl, doch lass den Feind nun beiseite;

lade vor allem denjenigen, der in deiner Nähe nun wohnt dort;

denn wenn ein lokales Geschehnis im Ort sich ereignet,

kommen die Nachbarn ohne Gürte, doch Verwandte sich gürten.


Ein schlimmer Nachbar ist Schmerz, so viel wie der gute ein Segen.

Ehre ist sein, wer einen guten Nachbarn besitzt stets.

Kein Rind würde sterben, gäb es nicht den schlechten Nachbarn.


Gut ist’s, zu messen vom Nachbarn, und gut ist’s, wieder zu geben,

mit demselben Maß, oder besser, wenn du es vermagst nur,

dass du, wenn Not dich bedrückt, du zukünftig die Hilfe wohl findest.


Suche nicht bösen Gewinn; böser Gewinn ist gleich dem Verderben.

Liebe den Freund, der dich liebt, und geh zu dem, der dich aufsucht.

Gib, wer dir gab, und gib nicht dem, der dir niemals was gab wohl;

wer gibt, empfängt auch Gaben, wer nicht gibt, empfängt auch nicht solche.


Geben ist gut, doch Rauben ist schlecht, des Todes Spender.

Denn wer da freiwillig gibt, wenn er auch große Gaben gewährt nun,

freut sich der Gabe im Geiste und findet Gefallen im Herzen;

wer aber nimmt, der aus Schamlosigkeit dies nur vollbracht hat,

auch wenn es klein ist, der friert doch sein liebes Herz ein im Innern.


Denn wenn du auf das Kleine noch Kleines legst, immer wieder

und dies oft tust, dann wird bald ein großes daraus wohl entstehen.


Wer auf das Vorhandene achtet, der wehrt den flammenden Hunger;

nichts, was im Hause liegt, bereitet dem Manne nun Sorgen;

besser ist’s, daheim zu sein, denn draußen ist alles gefährlich.


Gut ist es, zu nehmen, was da ist; doch Schmerz ist es im Herzen,

wenn man nach dem verlangt, was fehlt, wie ich es dir sage.


Wenn das Fass angefangen, und wenn es zu Ende, dann lebe,

doch in der Mitte spare; denn Geiz am Boden ist zwecklos.


Lohn sei dem Freunde, wie es abgemacht, sicher gegeben;

sogar dem Bruder ein Lächeln schenkend, doch nimm einen Zeugen.

Glauben und auch das Misstrauen haben schon Männer vernichtet.


Lass dich nicht von einer Frau, die den Po wohl schmückt, nun betrügen,

schmeichelnd und plaudernd, und die nach deinem Speicher nun spähet;

wer einer Frau glaubt, der glaubt wahrlich den Dieben und Räubern.


Nur ein einziger Sohn sei da, das väterliche Haus zu ernähren;

denn so mehrt sich der Reichtum im Hause in stetigem Wachsen.

Alt aber mögest du sterben, einen andern Sohn hinterlassend.

Leicht könnte Zeus den Vielen wohl riesigen Reichtum noch spenden;

mehr ist die Sorge der Vielen, doch größer der Nutzen im Ganzen.


Wenn aber nach Reichtum das Herz dir verlangt in deinem Gemüte,

dann tue dies: lege Werk auf Werk, unaufhörlich am Schaffen.


Wenn die Plejaden, die Töchter des Atlas, empor nun am Himmel

strahlen, beginne die Ernte; das Pflügen, wenn sie dann sinken.

Vierzig Tage und Nächte sind sie dem Blick uns verborgen,

doch wenn das Jahr sich vollendet und wieder die Runde sich drehet,

zeigen sie sich uns zuerst, wenn das Eisen die Erde schon ritzt dort.

Dies ist das Gesetz für die Felder, für jene, die nahe dem Meere

wohnen, und jene, die tief in den Tälern und schattigen Schluchten,

fern von der wogenden See, auf dem fruchtbaren Boden nun siedeln:

Nackt sollst du säen, o nackt auch pflügen und nackt auch ernten,

wenn du zur rechten Zeit alle Gaben der Demeter wünschest

einzubringen, damit dir jegliche Frucht wohl gedeihe,

dass du nicht später in Not, nach fremden Häusern noch bettelnd,

kriechend um Hilfe suchst und am Ende gar nichts erreichst dort.


So bist du jetzt zu mir gekommen; doch ich will dir nichts geben,

auch nicht zuteilen; arbeite, törichter Perses, die Werke,

die uns den Menschen die Götter als Schicksal bestimmt haben, damit

du nicht mit Weib und mit Kindern im Herzen, das Schmerz nun empfindet,

Brot bei den Nachbarn suchst, die sich um dich wohl nicht sorgen.

Zweimal magst du wohl Erfolg haben, vielleicht auch ein drittes;

doch wenn du weiter sie plagst, so wirst du nichts weiter erreichen,

reden nur hohle Worte, und sinnlos wird all dein Gerede.

Doch ich befehle dir: Sorge für deine Notdurft, wehre den Hunger.

Schaffe dir Haus zuerst, ein Weib und den Ochsen zum Pflügen,

[einen Knecht, keine Gattin, die auch bei den Rindern wohl tätig],

rüste im Hause die Güter, auf dass sie bereit dir dort liegen,

dass du nicht andere bittest, der ablehnt, und du bist in Mangel,

während die Zeit nun entflieht und das Werk dir dahinschwindet.

Schiebe nichts auf bis morgen, auf den übernächsten Tag später;

denn der müßige Mann, der füllt sich den Speicher nicht reichlich,

auch nicht der Zögernde; Fleiß ist es, der das Werk uns vermehret;

immer kämpft der, der zögert, mit Unheil und ständigem Schaden.


Wenn nun nachlässt die Kraft der gleißenden, brennenden Sonne

nach der Sommerhitze, und Zeus, der mächtige, Regen

schickt in der Herbstzeit, und leichter der menschliche Leib sich nun anfühlt –

denn dann wandelt Siriusstern über Köpfe der sterblichen Menschen

wenig am Tage und nimmt in der Nacht mehr Teil an den Stunden –,

dann ist das Holz am festesten, wenn es das Eisen getroffen,

Blätter lässt es zur Erde, und Wachstum hört auf in den Zweigen;

dann ist die Zeit zum Holzschlagen, eingedenk rechtes Arbeitens.

Schneide das Maß für den Mörser, drei Fuß lang, den Stößel drei Ellen,

sieben Fuß lang die Achse; denn das ist am zweckmäßigsten, glaube mir;

wären es acht Fuß, könntest du noch einen Hammer wohl schneiden.

Drei Spannen lang die Felge für den zehnspeichigen Wagen.

Schneide auch viele krumme Hölzer; suche die Deichsel im Gebirge

oder auf Feldern, eine aus Steineichenholz; denn sie ist

festeste Art, um mit Ochsen zu pflügen, wenn erst der Arbeiter

Pallas Athenes sie fest in den Pflugbaum eingefügt, mit

Nägeln befestigt, und sie mit dem Jochbalken wohl verbunden.

Fertige zwei Pflüge daheim, aus einem Stück und gefügt, denn

viel besser ist das; bricht einer, so kannst du den andern vor Ochsen spannen.

Lorbeer oder Ulme sind für den Jochbalken am besten,

Eiche für Pflugbaum, Steineiche für den Pflugkörper; halte dir zwei

Ochsen, zweijährige Männchen, denn ihre Kraft ist nicht schwächlich,

in ihrer Jugend Kraft; die sind die besten zum Werk dann.


Diese, wenn sie wohl kämpfen, den Pflug nicht im Furchenlauf brechen,

nicht das Werk unvollendet und zwecklos dort liegen lassen.

Mit ihnen folge ein Vierzigjähriger, der sein Brot wohl

viergeteilt gegessen, achtbäckig, der fleißig das Werk tut,

der eine gerade Furche zieht, ohne viel nach den andern

umher zu schauen, mit Herz bei der Sache; kein Jüngerer ist wohl

besser geeignet, die Saat zu verteilen und Unkraut zu meiden;

[denn ein Jüngerer ist nur zerstreut im Kreise der Freunde.]

Achte darauf, wenn du den Ruf der Kraniche hörst, die aus den

Wolken herab nun alljährlich ihr Schreien ertönen lassen,

die das Zeichen zum Pflügen bringen und zeigen, dass Winter

mit seinem Regen nun kommt; da beißt es das Herz des Mannes,

der keine Ochsen besitzt; da füttere die gewundenen Rinder.

Leicht ist das Wort: „Gib Ochsen mir her und einen Wagen!“

Leicht aber auch zu verneinen; es gibt Arbeit genug für die Ochsen.

Mancher, der glaubt, er sei klug, will den Wagen sich selber wohl bauen;

Töricht ist er; er weiß nicht, dass hundert Stücke dazu man braucht.

Sorge vorher für das, was man braucht, um es wohl zu besitzen.


Wenn nun das Pflügen zum ersten Mal für die Menschen erscheint dort,

dann brich auf, sowohl du als auch deine Knechte, im Trocknen

wie im Feuchten, zur Pflügezeit, fleißig bei Tagesbeginn schon,

dass dir die Felder voll werden. Im Frühling pflüge den Boden;

die Sommerbrache täuscht dich nicht, wenn du sie öfters bearbeitest;

pflüge das Brachland, solange die Erde noch leicht sich wohl wenden lässt;

Brache ist Schutz gegen Unheil, die Kinder wohl beruhigend.

Bete zu Zeus, dem Unterirdischen, und zu Demeter, der reinen,

dass sie das heilige Korn der Demeter dir schwerlich wohl füllen,

wenn du beginnst mit dem Pflügen, sobald du das Ende des Pflugbaums

mit der Hand greifst und auf den Rücken der Ochsen den Treibstock

fallen lässt, die die Züge ziehen. Ein kleiner Junge dahinter

folge mit einer Hacke, den Vögeln die Arbeit verleidend,

indem er das Korn wohl verbirgt; denn Ordnung ist weitaus das Beste

für sterbliche Menschen, Unordnung aber ist weitaus das Schlimmste.

So werden dir Ähren mit Fülle zur Erde sich neigen,

wenn Zeus, der Olympier, am Ende dir Gutes verleihen will,

und du aus den Gefäßen die Spinnweben treibst; ich hoffe,

dass du dich freust, wenn du Fülle an Lebensvorrat im Hause hast;

gesättigt wirst du das graue Frühjahr erreichen, nicht wirst du

nach anderen schauen; nach dir wird der andere lechzen.


Doch wenn du bei der Sonnenwende den heiligen Boden nur pflügst,

wirst du ernten, sitzend, mit wenig in deiner Hand, und das Binden

mühsam, bestäubt, nicht sehr froh, in einem Korbe nur tragend;

wenige werden dich schauen. Doch Zeus, der Ägis-Bezwinger,

denkt nun manchmal ganz anders, und für sterbliche Männer ist’s schwer es zu fassen.

Wenn du aber spät erst pflügst, so ist dies ein Rettungsmittel:

Wenn der Kuckuck zum ersten Mal singt im Laub der Eichen,

die Menschen erfreuend auf der unendlichen Erde,

dann möge Zeus am dritten Tag regnen, nicht aufhören lassend,

weder über die Ochsenhufbreite, noch sie unterschreiten;

so kann der Spätpflüger mit dem Frühpflüger wohl gleichziehen.

Halte dir alles wohl fest im Gemüt; lass dir nicht entgehen

weder den Frühling, wenn er grau wird, noch den rechtzeitigen Regen.


Meide die kupferne Sitzbank und die wärmende Schwatzbude

in der Winterzeit, wenn der Frost die Arbeit des Mannes wohl hemmt;

da kann der rüstige Mann sein Haus sehr reichlich vermehren;

lass dich nicht von der Not des Winters, der Hilflosigkeit,

mit Armut ergreifen, während du den dicken Fuß mit der Hand drückst.

Mancher, der faul ist, der in eitler Hoffnung nur wartet,

nach Nahrung suchend, der häuft sich Schlechtes im Herzen zusammen.

Hoffnung ist dem dürftigen Mann nicht gut, wenn er sitzt in der Schwatzbude,

wenn ihm der Lebensunterhalt fehlt, der ausreicht.


Zeige es deinen Knechten, solange es noch Sommer ist;

nicht immer wird Sommer sein; baut euch die Speicher!


Den Monat Lenaion, die schlimmen Tage, den Viehschinder, diesen

meide, auch die Frosttage, die auf die Erde kommen,

wenn Boreas weht und die schrecklichen Dinge wohl bringt;

er, der durch Thrakien, das Pferdeland, übers weite Meer

blasend es aufwühlt; die Erde und die Wälder, sie ächzen.

Viele hochkronige Eichen und dicke Tannen im Tale

wirft er nieder auf den nährenden Boden der Erde,

anfallend, und der ganze Wald dröhnt laut in der Ferne.

Die Tiere erzittern, legen den Schwanz zwischen ihre Beine,

auch wenn sie wohl ein Fell haben, das dicht ist; doch auch durch deren

dichte Brust dringt der Frost, da er eisig und kalt nun weht.

Auch durch das Rindsfell dringt er, nicht hält er ihn ab;

durch die langhaarige Ziege weht er; doch durch die Schafe nicht,

denn die sind dicht mit Wolle bedeckt, da dringt nicht die Kraft des

Boreas-Windes hindurch; den Greis macht er aber zum Krummen.

Auch durch das Mädchen mit zartem Leib weht er nicht durch,

die daheim bei der lieben Mutter verweilt und drinnen

noch nichts weiß von den Werken der goldreichen Aphrodite.

Wenn sie gewaschen den zarten Leib und mit glänzendem Öle

sich eingerieben, legt sie sich innen im Hause zur Ruhe,

an einem Wintertag, wenn der Armlose [das Tintenfischlein] seinen Fuß nagt

im feuerlosen Hause, unter elenden Sitten.

Denn die Sonne zeigt ihm nicht die Weide, wohin er gehen könnte,

sondern sie wandelt über der dunklen Menschen Völker und Städte,

leuchtet langsamer den Panhellenen. Dann fliehen die gehörnten

und ungehörnten Tiere, schrecklich in den Tälern brüllend,

in den schattigen Dickichten; dies ist in aller Sinne,

dass sie Schutz suchen in dichten Verstecken und felsigen Höhlen.

Dann gehen sie wie einer, der auf drei Beinen wohl wandelt,

dessen Rücken gebrochen ist und dessen Haupt zur Erde blickt;

ihnen gleich wandeln sie dahin, meidend den weißen Schnee.


Dann aber kleide dich wohl, wie ich dir befehle, zum Schutze

deines Leibes: ein weiches Gewand und ein tunika-artiges Unterkleid;

wenig an Kette [im Webstuhl], doch viel an Schuss sollst du einwirken;

dies leg an, damit deine Haare dort ruhen und fest bleiben,

nicht, dass sie sträubend sich aufstellen, emporgehoben am Körper.

Binde dir dann auch die Schuhe, aus Fell eines kräftigen Rindes,

passend, und fülle sie innen mit Filz, um den Fuß zu bewahren.

Wenn dann die Zeit der Kälte heranbricht, nähe mit Sehnen

eines Rindes die Felle der erstgeborenen Zicklein zusammen,

dass du auf deinem Rücken den Schutz vor dem Regen gewährest;

auf dem Haupte sodann trag eine mützenartig gearbeitete Kappe,

dass sie die Ohren dir deckt und vor Nässe bewahret.

Denn kalt ist die Morgenstunde, wenn Boreas niedergegangen;

frühmorgens senkt sich zur Erde vom sternenbestückten Himmel

feuchtigkeitsbringender Dunst, der sich legt auf die Werke der Götter,

der aus den ewig fließenden Strömen das Wasser entnommen,

hoch über Erden erhoben im Sturm der Winde sich wälzend;

bald regnet es dann nach Abend, bald aber weht er

heftig, wenn thrakischer Boreas die Wolken nun weiter wohl treibt.


Eile, bevor dies geschieht, das Werk zu vollenden, kehre heimwärts,

dass dich nicht jemals die dunkle Wolke vom Himmel umhülle,

deinen Leib dir durchnässe und deine Kleider durchweiche.

Nein, meide dies; denn dieser Monat ist weitaus der schwerste,

winterlich, hart für das Vieh, und hart auch für Menschen und Männer.

Dann sei die Hälfte des Futters für Ochsen, dem Manne sei mehr noch

als Wegzehrung gegeben; denn lang sind die nächtlichen Stunden.


[Wenn du dies alles beachtest, wird das Jahr dir zur Fülle,

Nächte und Tage im Gleichtakt, bis wieder die Mutter, die Erde,

ihre gemischten Früchte hervorbringt zur rechten Zeit dann.]


Wenn nun nach Sonnenwende Zeus sechzig Tage des Winters

vollendet hat, dann erhebt sich der Stern, der Arkturos heißet,

lässt den heiligen Strom des Okeanos hinter sich, strahlend

leuchtet er dann am Abend zuerst in der Frühe des Nachtanbruchs.

Nach ihm erhebt sich die Schwalbe, die klagende, Tochter des Pandion,

bringend den Menschen das Licht, wenn der Frühling sich eben erst bildet.

Schneide die Weinstöcke, ehe sie kommt; denn so ist es besser.


Doch wenn das „Haus-im-Tragen“ [die Schnecke] von Erde auf Pflanzen hinaufkriecht,

fliehend den Plejaden, dann grabe die Reben nicht länger,

sondern schleife die Sicheln und wecke die Knechte zur Arbeit.

Meide die schattigen Bänke und das Bett, das zur Morgenzeit lockt,

in der Erntezeit, wenn die Sonne den Körper verbrennt und versengt dort;

dann musst du eilen und heimwärts die Früchte nun bringen,

früh dich erhebend, auf dass dein Lebensunterhalt ausreicht.

Denn der Morgen nimmt sich ein Drittel des Werkes, das wir verrichten;

der Morgen bringt dir den Vorteil im Gehen, er bringt auch im Werke,

der Morgen, der, wenn er erscheint, viele Menschen auf Wege wohl schickte,

vielen auch Joche auf Ochsen nun legt und die Lasten bereitet.


Wenn die Distel blüht und die tönende Grille sich setzend

auf den Baum ihre liebliche Weise nun gießen lässt, häufig

unter den Flügeln, in der Zeit der mühevollen Sommerhitze,

dann sind die Ziegen am fettsten, der Wein ist am besten,

wollüstig sind nun die Frauen, doch kraftlos sind die Männer,

denn Sirius brennt auf ihr Haupt und ihr Knie, und die Haut ist

dürr von der Hitze; dann aber sei mir die felsige Schattenstelle

und der biblische Wein, und der Klumpen [Brot] mit Ziegenmilch,

die von der säugenden Ziege kommt, und das Fleisch von der Färse,

die holzfressend war und noch nie ein Kalb wohl geboren,

und von den ersten Zicklein; dazu trinke den funkelnden Wein dann,

sitzend im Schatten, das Herz wohl gesättigt von Speisen,

gegen den frischen Zephyros gewendet das Antlitz der Freude;

dreimal gieße das Wasser aus einer ewig fließenden Quelle,

die nicht trübe ist, das vierte Mal aber den Wein dazu gießen.


Heiße die Knechte, der Demeter heilige Körner zu dreschen,

wenn das Bild des Orion zuerst am Himmel erscheint dann,

an einem luftigen Orte, auf einer wohlrunden Tenne;

miss es dann ab und bringe es wohl in die Gefäße zur Lagerung.

Wenn du aber nun alles an Lebensvorrat im Hause bereit hast,

suche dir einen heimatlosen Knecht und eine kinderlose Magd –

ich rate dir das; denn beschwerlich ist die Magd mit Kindern –,

und halte den Hund mit den scharfen Zähnen; spare nicht am Futter,

dass nicht der tagwachende Mann dir die Güter entwendet.

Bring auch das Heu und die Streu ein, auf dass es für Ochsen

und Maultiere reichlich vorhanden sei. Wenn das geschehen,

lass die Knechte die lieben Knie dann ausruhen, löse die Ochsen.


Wenn Orion und Sirius mitten am Himmel nun stehen,

und den Arkturos sieht die rosenfingrige Eos,

o Perses, dann ernte alle Trauben und bringe sie heimwärts;

zeige sie zehn Tage und zehn Nächte der Sonne,

fünf Tage aber lass sie im Schatten, und am sechsten dann fülle

die Gaben des freudenreichen Dionysos in die Gefäße.

Wenn aber Plejaden und Hyaden und die Kraft des Orion

untergehen, dann denke daran, zur rechten Zeit zu pflügen;

dann ist das Jahr wohlgerüstet und passend für alle die Erde.


Wenn dich aber Verlangen nach stürmischer Schifffahrt nun packet:

wenn die Plejaden, die Kraft des gewaltigen Orion fliehend,

niederfallen in das nebelige Meer, dann toben

die Winde aller Arten; dann hab nicht länger die Schiffe

auf dem weinroten Meer, sondern bearbeite die Erde,

denkend an meine Gebote. Zieh das Schiff an das Land hin,

decke es ringsum mit Steinen, auf dass sie die Wucht der Winde,

die feuchten, abhalten, zieh auch den Pflock [den Ständer] heraus,

dass das Holz nicht verfaule vom Regen des Zeus, der vom Himmel fällt.

Lege alle Schiffsgerätschaften ordentlich in dein Haus,

verstaut die Flügel des seefahrenden Schiffes wohl geordnet;

hänge das wohlgefertigte Ruder über den Rauch des Feuers.

Und du selbst warte die rechte Zeit ab, bis sie kommt für die Fahrt;

dann erst ziehe das schnelle Schiff in das Meer, und die Fracht

rüste passend hinein, um daheim aus dem Gewinn zu profitieren;

so wie es mein Vater und deiner, du großer Tor, Perses,

tat, als er auf Schiffen fuhr, des Lebens und Gutes bedürftig.

Er, der einst auch hierher kam, das weite Meer wohl durchmessend,

Kyme in Äolien verlassend, auf einem schwarzen Schiffe;

nicht weil er Reichtum floh oder Wohlstand und Fülle des Glücks,

sondern die böse Armut, die Zeus den Menschen verleihet;

er ließ sich nieder nahe dem Helikon in einem elenden Dorfe,

in Askra, im Winter schlecht, im Sommer beschwerlich, niemals gut.

Du aber, o Perses, denke an die Werke, alle,

zur rechten Zeit, besonders aber an die Seefahrt.

Lobe das kleine Schiff, doch lade die Fracht in das große;

größer ist die Fracht, und größer ist der Gewinn auf den Gewinn,

wenn die Winde nur die bösen Stürme fern von dir halten.

Wenn du deinen leichtsinnigen Geist auf den Handel nun richtest,

um Schulden zu fliehen und den unerfreulichen Hunger,

dann zeige ich dir die Maße des laut tönenden Meeres,

obwohl ich weder in der Seefahrt noch in den Schiffen gelehrt bin;

denn niemals bin ich auf dem weiten Meer wohl gefahren,

außer nach Euboia von Aulis, wohin einst die Achäer,

den langen Winter dort wartend, das Heer versammelten,

aus dem heiligen Hellas nach Troia, das schöne Frauen wohl hat.


[Dort bin ich zu den Wettkämpfen des tapferen Amphidamas

nach Chalkis gefahren; die Preise, die von den Söhnen

des Helden verkündet wurden; dort, so behaupte ich, habe ich

im Gesang gesiegt und den henkelreichen Dreifuß getragen;

diesen habe ich den Musen des Helikon dort geweiht,

wo sie mich zuerst zur liebliche Weise des Gesanges geleiteten.

Nur so weit habe ich mich an den nagelfesten Schiffen versucht;

doch auch so werde ich dir den Willen des ägis-schwingenden Zeus künden;

denn die Musen haben mich gelehrt, den göttlichen Hymnus zu singen.]


Fünfzig Tage nach der Sonnenwende, wenn das Ende

des mühsamen Sommers zur rechten Zeit nun gekommen ist,

ist die Zeit für die Sterblichen zur Fahrt; weder wirst du das Schiff

zerbrechen, noch werden die Männer dem Meere verfallen,

es sei denn, Poseidon, der Erderschütterer, will es aus eigenem Willen,

oder Zeus, der König der Unsterblichen, will sie verderben;

denn in deren Hand liegt das Ende des Guten wie auch des Schlechten.

Dann sind die Winde wohl unterscheidbar und das Meer ist harmlos;

dann, wenn du ruhig vertraust dem schnellen Schiff und den Winden,

ziehe es in das Meer und lade die Fracht für alles hinein,

eile aber so schnell als möglich wieder nach Hause zurück;

warte nicht auf den neuen Wein und den Herbstregen,

und den nahenden Winter und die schrecklichen Stürme des Notos,

der das Meer aufwühlt, begleitet vom Regen des Zeus,

dem vielen herbstlichen, und das Meer zu einem gefährlichen macht.

Eine andere Seefahrt aber ist den Menschen im Frühling gegeben:

Wenn zuerst, so groß wie der Schritt einer Krähe,

die Spur ist, so groß zeigen sich die Blätter dem Manne

an der Spitze des Zweiges, dann ist das Meer wieder befahrbar.


Diese Fahrt im Frühling ist möglich. Doch ich lobe sie nicht;

denn nach meinem Gemüt ist sie wahrlich nicht sehr wohlgefällig:

Raub der Winde; nur schwerlich entkommst du dem Unheil. Doch auch das

tun die Menschen aus Unverstand ihrer Geister;

denn Reichtum ist Leben für ärmliche, sterbliche Wesen.

Schrecklich ist’s doch, zwischen Wogen zu sterben; ich mahne dich daher:

Sorge für alles dies im Gemüt, wie ich es dir sage.

Lege nicht alles an Habe in hohle Schiffe hinein;

lass lieber mehr auf dem Land, und lade das Wenige ein nur;

denn schrecklich ist’s, mitten in Wogen des Meeres auf Leid wohl zu treffen,

[schrecklich auch, wenn du auf Wagen die übergroße Last hebt,

die Achse dir bricht und die Ladung dort ganz dir verdirbt.]

Maße beachte; das rechte Maß ist in allem das Beste.


Zur rechten Zeit ist es, die Frau in dein Haus nun zu führen,

weder wenn dreißig Jahre weit hinter dir liegen, noch wenn

du sie bei weitem überschritten hast; die rechte Ehe ist diese.

Die Frau sei vier Jahre lang in der Jugend, im fünften heirate.

Ein junges Mädchen sollst du dir wählen, auf dass du ihr gute

Sitten beibringst. Und wähle am ehesten die, die dir nahe

wohnt, schaue ringsum genau, dass du nicht den Nachbarn zum Spott heiratest.

Denn nichts Besseres gewinnt sich der Mann, wenn er eine gute

Frau hat; doch nichts ist schlimmer als eine schlechte,

eine, die nur nach Speisen gierig ist; sie sengt auch den starken

Mann, wenn er tüchtig auch ist, ohne Brand, und gibt ihn dem Alter,

dem rohen, preis. [Sei eingedenk, stets die Sitte der Götter zu achten.]


Halte den Freund nicht für gleichgestellt mit dem leiblichen Bruder;

wenn du es aber doch tust, so tue ihm nicht als Erster ein Übel.

Lüge nicht um der Zunge willen; wenn er dich zuerst mit

einem Wort, das dir missfällt, oder mit Taten beleidigt,

gilt es, das Doppelte heimzuzahlen; doch wenn er dich wieder

zur Freundschaft führt und bereit ist, Gerechtigkeit dir zu gewähren,

nimm es an; ein wankelmütiger Mann macht sich Freunde mal so, mal so;

doch lass dich nicht von der äußeren Form im Geiste täuschen.


Lass dich nicht als „viele Gäste habend“ noch „gar keine“ nennen,

noch als Genosse der Schlechten oder als Streiter der Guten.


Niemals darfst du die verfluchte Armut, die das Herz uns zerfrisst,

einem Manne vorwerfen, denn sie ist Gabe der Götter, die ewig existieren.


Der Zunge Schatz ist unter den Menschen der allerbeste,

wenn man sie spart; am meisten Anmut hat, wer das rechte Maß wählt;

wenn du aber Schlechtes sagst, wirst du bald selbst Schlimmeres hören.


Sei bei einem gemeinsamen Mahl mit vielen nicht übellaunig;

denn von Gemeinsamkeit kommt der meiste Genuss bei geringsten Kosten.


Niemals bei Tagesanbruch gieße dem Zeus den funkelnden Wein

mit ungewaschenen Händen aus, noch anderen ewigen Göttern;

denn sie hören dich nicht, sondern speien die Flüche zurück dir.


Nicht gegen die Sonne gewandt sollst du aufrecht stehend urinieren;

doch wenn sie sinkt, sei eingedenk, und auch wenn sie wieder aufsteigt,

weder auf dem Weg, noch abseits des Weges im Gehen verrichte

das Geschäft, noch entblößt; denn der Götter Nächte existieren;

sitzend tut dies der göttliche Mann, der Verständiges weiß,

oder er tritt an die Wand seines wohlgepflegten Hofes.


Zeige auch nicht deine Schamteile, mit Samen besudelt, drinnen im Hause,

nahe dem Herd, sondern meide dies in der Gegenwart der Götter.


Kehre auch nicht vom Unglücksbringenden Grabe heim, um

Nachkommen zu zeugen, sondern von einem Mahl der Unsterblichen.


Niemals schreite durch das schön fließende Wasser ewig strömender

Flüsse mit den Füßen, bevor du gebetet hast, blickend auf die schönen

Ströme, und die Hände gewaschen hast mit lieblich weißem Wasser;

wer einen Fluss durchschreitet in Schlechtigkeit, mit ungewaschenen Händen,

dem zürnen die Götter und bringen ihm Leiden im Nachgang.


Auch vom fünffingrigen [Hand] darfst du beim Festmahl der Götter

nicht das Trockene vom Grünen trennen mit blitzendem Eisen.


Stelle niemals den Weinkrug über den Mischkrug, wenn sie trinken;

denn ein verderbliches Schicksal ist darauf für ihn bestimmt.


Lass beim Bauen das Haus nicht unvollendet, auf dass dir nicht

darauf sitzend die krächzende, lästerliche Krähe schreie.


Iss nicht von ungeweihten Töpfen und bade nicht daraus;

denn auch darauf steht Strafe.


Setze dich auch nicht auf Unbewegliches; denn das ist nicht besser,

als ein Kind von zwölf Tagen, das den Mann zum kraftlosen macht;

auch nicht auf etwas, das zwölf Monate alt ist; dies ist das Gleiche.

Auch soll ein Mann seinen Leib nicht im Bade waschen, das für

Frauen bestimmt ist; denn eine elende Strafe folgt für lange Zeit

auch ihm. Wenn du zufällig an brennenden Opfern vorbeikommst,

spotte nicht über Unaussprechliches; denn ein Gott zürnt auch darüber.


Niemals an der Mündung von Flüssen, die ins Meer hinunterströmen,

noch an Quellen urinieren; meide das sehr;

und lass darin auch nicht [deinen Körper] abkühlen; denn das ist nicht besser.


So handle; meide den schrecklichen Ruf der Sterblichen;

denn ein Ruf ist ein Übel; leicht ist er zu erheben,

ganz leicht, doch schwer zu tragen, und schwierig ist er abzulegen.


Ein Ruf vergeht niemals ganz, den viele Menschen

verbreiten; er ist gewissermaßen selbst auch ein Gott.


Achte gut auf die Tage, die von Zeus kommen, nach dem Schicksal,

und verkünde sie deinen Knechten; der dreißigste Tag des Monats ist der beste,

um Werke zu schauen und den Lebensunterhalt zu verteilen.


Denn dies sind die Tage, die vom ratkundigen Zeus stammen,

wenn die Völker richtend die Wahrheit führen.


Zuerst der Neumondtag, der vierte und der siebte, ein heiliger Tag,

— denn an ihm gebar Leto den goldgeschwerteten Apollon, —

der achte und der neunte, diese zwei Tage des Monats, die

hervorragen, wenn er wächst, sind am besten für sterbliche Werke zu sorgen;

der elfte und der zwölfte, beide sind sie gut,

sowohl um Schafe zu scheren als auch die freudenreiche Frucht zu ernten;

doch der zwölfte ist weitaus besser als der elfte;

denn an ihm spinnt die in die Höhe fliegende Spinne ihre Fäden

den ganzen Tag, wenn der Kundige den Haufen erntet;

an diesem Tage soll das Weib den Webstuhl aufstellen und das Werk beginnen.


Am dreizehnten Tag des wachsenden Monats meide es,

mit der Saat zu beginnen; doch für das Pflanzen ist er der beste.


Der sechste Tag der Mitte ist sehr unzuträglich für Pflanzen,

für die Zeugung von Männern aber gut; für ein Mädchen ist er nicht zuträglich,

weder bei der Geburt, noch wenn sie bei der Ehe ankommt.


Auch ist der erste sechste Tag nicht passend für die Geburt eines Mädchens,

wohl aber, um Zicklein und Schafherden zu beschneiden,

und den Schafstall für die Herde zu umzäunen, ein sanfter Tag;

gut ist er für die Zeugung von Männern; doch er liebt es, spöttisch zu reden,

Lügen und schmeichelnde Worte und geheime Liebesgespräche.


Am achten Tag des Monats beschneide den Eber und den laut brüllenden Stier,

am zwölften die arbeitsamen Maultiere.


Am zwanzigsten Tag, am großen, sollst du einen kundigen Mann

zeugen; denn sein Geist ist überaus wohl unterrichtet.

Gut für die Zeugung von Männern ist der Zehnte, für Mädchen der vierte

der Mitte; an diesem Tag sollst du Schafe und die breitfüßigen, gewundenen Rinder,

und den Hund mit den scharfen Zähnen sowie die arbeitsamen Maultiere

zähmen, indem du deine Hand auf sie legst. Hüte dich aber im Geiste,

den vierten Tag zu meiden, sowohl wenn der Monat schwindet als auch wenn er beginnt;

er bringt Schmerzen, die das Herz zerfressen; denn er ist ein verhängnisvoller Tag.


An dem vierten Tag des Monats führe die Gattin in dein Haus,

nachdem du die Zeichen [Vögel] gedeutet hast, die für dieses Werk die besten sind.


Die fünften Tage aber meide, da sie beschwerlich und schrecklich sind;

denn am fünften, so heißt es, pflegen die Erinnyen umherzuziehen,

als der Eid geboren wurde, den Eris zur Plage der Meineidigen gebar.


An dem siebten der Mitte wirf die heilige Frucht der Demeter

auf der wohlrunden Tenne, gut aufpassend, um sie zu schlagen,

und schneide die Hölzer für die Kammern, die Holzhacker-Hölzer,

und viele Hölzer für Schiffe, die für die Fahrzeuge passend sind.


Am vierten aber beginne, die schmalen Schiffe zu fügen.


Der neunte der Mitte ist gegen Abend ein besserer Tag,

doch der erste Neunte ist für die Menschen gänzlich unschädlich;

denn er ist gut, um zu pflanzen und um geboren zu werden,

sowohl für den Mann als auch für das Weib, und niemals ist er ein gänzlich böser Tag.


Wenige aber wissen, dass der siebenundzwanzigste Tag des Monats der beste ist,

[um den Pithos [Vorratskrug] zu öffnen und das Joch auf den Nacken zu legen

den Ochsen und Maultieren und den schnellfüßigen Pferden,]

und das schnelle, vielberuderte Schiff in das weinrote Meer

hineinzuziehen; nur wenige nennen ihn beim wahren Namen.


Am vierten öffne den Pithos; über alles ist er ein heiliger Tag,

der mittlere; nur wenige aber wissen, dass nach dem zwanzigsten Tag des Monats

der beste ist, wenn der Morgen anbricht; gegen Abend ist er schlechter.


Dies sind die Tage, die für die Erdbewohner ein großer Nutzen sind;

die anderen aber sind wechselhaft, ohne Schicksalskraft, und bringen nichts.

Der eine lobt den einen Tag, der andere einen anderen, doch wenige wissen es.


Bald ist ein Tag eine Stiefmutter, bald ist er eine Mutter.


Glücklich und selig ist der, der all dies wissend

arbeitet, ohne sich bei den Unsterblichen schuldig zu machen,

indem er die Vögel deutet und Übertretungen meidet.